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E_1939_Zeitung_Nr.085

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*• AUTOMOBIL-REVUE

*• AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 5. DEZEMBER 1939 — N° 85 «Jawohl, Korporall Sollen wir den Verrückten hierher bringen?» «Was heisst, den Verrückten? Sind Sie auch verrückt geworden? — Wir wissen ja gar nicht, welches der wirklich Verrückte istl» «Ach sol Aber was sollen wir denn dort tun?» «Sie lassen sich nochmals den genauen Hergang schildern und schreiben alles auf. Es ist selbstverständlich, dass Sie dabei den Mann scharf beobachten, wenn auch möglichst unauffällig. Ich erwarte von dort baldmöglichst Ihren tele-i phonischen Bericht!» «Gut. Ich melde mich ab.» «Seien Sie vorsichtigl Vor allem keine unnötige Knallerei, Sie schiessfreudiger Knabe.» Korporal Moor hat das dankbare Gefühl, seine Aufgabe doch noch gut gelöst zu haben, wenigstens was die ersten Anordnungen betraf. Er steckt sich zufrieden eine Zigarette an und spickt das erloschene Streichholz geschickt in den Papierkorb. Kaum hat er sich auf den ächzenden Stuhl niedergelassen, als ein heftiges Pochen ihn aufschreckt. Gleichzeitig wird die Tür aufgestossen, und herein trippelt ein Mann, der nur mit Unterhose, Socken und Hemd bekleidet ist. Korporal Moor findet keine Worte, um sein Erstaunen auszudrücken; er schaut den sonderbaren Besuch immer wieder von unten bis oben an und fragt schliesslich in militärischem Ton: «Was wünschen Sie?» Da legt der nächtliche Besucher mit gellender Stimme los: «Was, ich wünsche? Sind Sie wahnsinnig? Sind Sie immer noch nicht im Bild? Was ich wünsche? Ich habe überhaupt nichts zu wünschen, sondern ich fordere! Verstehen Sie! Ich habe Ihnen doch telephoniert, dass ich von einem Geisteskranken, namens Rubi, überfallen worden bin, und dass ich mich in diesem beschämenden Aufzug aus meiner eigenen Wohnung habe flüchten müssen! Und nun fragen Sie mich kaltblütig, was ich wünsche. Träumen Sie eigentlich?» «Wer sind Sie?» schreit Moor. «Das ist doch der Gipfel obrigkeitlicher Unverfrorenheitl Wer ich bin? Ich bin Klaus Juchler, Dr. med. Klaus Juchler, verstehen Sie endlich?» «Ich verstehe Sie schon. Aber der andere Dr. med. Klaus Juchler, der sich jetzt in Ihrer Wohnung befindet, wer ist denn das? «Das ist eben der geisteskranke Hellmut Rubi, der von irgendeinem meiner besserwissenden Herren Kollegen unvorsichtigerweise entlassen wurde.» Schöne Sauce, denkt der Korporal. Er traut seinem Gegenüber nur halb, denn erstens benimmt sich dieser Herr so unmöglich, dass man füglich annehmen könnte, es mit einem Verrückten zu tun zu haben. Zudem schaut er gar nicht aus wie ein Doktor, denn in seinen verwaschenen Unterkleidern sieht er eher aus wie ein Handwerksbursche. Moor beschliesst, sich auf dem Wege eines kleinen Verhörs Klarheit zu verschaffen: «Sie behaupten also, Dr. med. Klaus Juchler, wohnhaft Weineggweg Nr. 18, zu sein?» «Ich behaupte das nicht nur, sondern ich bin es!» «Aha!» «Ja!» «Wo haben Sie eigentlich studiert, Herr... Doktor?» «Was fällt Ihnen ein? Was heisst eigentlich'? Ich habe jedenfalls meine Studien ordnungsgemäss beendet und besitze mein Patent. Das übrige geht Sie nichts an!» «So, so, denkt Korporal Moor, er weiss also nicht, wo man studiert, um Arzt zu werden! Folg- Wie sacht die Welt erlischt! Gab es je rote Rosen? Wie ausgewischt sind heller Ruf und das Kosen unter grünen Bäumen. Aus blütenbrandenden Räumen, die jetzt im Dunkel ertrinken, weht dich schwärzene Kühle an. lieh ist er auch kein Doktor, denn sonst Würde er sich nicht hinter dieser Auskunftsverweigerung verschanzen. Schon holt er den dicken Schlüssel aus der Schublade, um den verrückten Herrn, der sich einbildet, ein Doktor zu sein, hinter Schloss und Riegel zu setzen, als plötzlich das Telephon aufschrillt. «Hier Polizeiposten Süd, Korporal Moor!» Der Korporal wirft flammende Blicke auf den Herrn in Unterhosen, während er den Schlüssel zwischen den Fingern hin- und herdreht. «Ist gut so, Jenny, danke. Ich erwarte Ihren Aufruf!» Moor schmettert den Hörer auf die Gabel. Er ist nun ernstlich böse, weil dieser unzurechnungsfähige Spitzbube hier ihn so beharrlich anlügt. Der wirkliche Dr. Klaus Juchler sitzt nämlich frohgemut in seiner Wohnung am Weineggweg Nr. 18, wo er dem Gefreiten Jenny und dem Polizeimann Mächler alle Fragen ruhig, klar und sauber beantwortete und sie zu einem Glas Wein einlud, was sie angeblich ablehnten. Jenny schildert Dr. Juchler als äusserst liebenswürdigen, vornehmen Mann, der sehr gelehrt spreche und ihm bereits ein feines Rezept gegen Ischias aufgeschrieben habe. Sobald Mächler die schriftliche Meldung beendet hat, wird der Gefreite nochmals anläuten, um allfällige weitere Befehle entgegenzunehmen. «Sie sind mir ein feiner Bruder Lustig, Sie Doktor Meschuggel» fährt der aufgebrachte Korporal den Mann in Unterwäsche an. «Ruhig! Sie haben jetzt zu schweigen!» fährt er drohend fort, «Sie haben mich mit Ihren grossen Worten nun lange genug für den Narren gehalten!» Er «zerrt den Zappelnden ruckweise in den Gang hinaus, wo er eine schwere Eisentür aufschliesst und den Herrn «Doktor» hineinstösst. «So, Herr Doktor», sagt er bissig, während er den Schlüssel herumdreht. Er lacht laut auf, als der Bald Du schlagend ungeduldig Herz musst nicht mit allem versinken! Schon silbert ein zartes Schäumen aus neuern kristallenen Räumen. Bald strahlt dich, in roten und goldenen Säumen, der ewige Himmel an! Edouard H. Steenken, Zürich, Gefangene an die Türe poltert und laut zu schreien anhebt. Das Brüllen und Poltern dringt bis in die Wachstube hinüber, und Moor fühlt sich seiner Sache nicht mehr so sicher, als das Lärmen ohne Unterbruch andauert. Tobt der Gefangene derart, weil er verrückt ist, oder weil er nicht verrückt ist? — Moor will eben nach dem Hörer greifen, um den Gefreiten Jenny anzurufen, als das Telephon läutet. Es ist Polizeimann Mächler. «Wo ist der Gefreite?» fragt der Korporal. Er ist mit dem Herrn Doktor nach oben gegangen, um die Bibliothek anzuschauen», antwortet der Draht. «Hören Sie, Mächler!» ruft Moor erregt, «Ich habe den verrückten Herrn Doktor hier eingeschlossen. Trotzdem ich nun sicher bin, dass mein Mann hier meschugge ist, scheint mir doch wieder, dass er möglicherweise doch nicht verrückt ist, denn er tobt wie... wahnsinnig. Sie müssen nun alles versuchen, um Herrn Dr. Juchler zu veranlassen, mit Jenny und Ihnen sofort hierher zu kommen. Ja, aber sofort!» Wenn Dr. Juchler hierher kommt, wird es leicht sein, den Wahnsinnigen zu beruhigen und ihm klar zu machen, dass er nun einmal nicht der Dr. med. Klaus Juchler ist, denkt Korporal Moor. Während der Gefangene ärger als zuvor tobt, geht Moor pfeifend in der muffigen Stube auf und ab. Nach kaum einer Viertelstunde hört er ein Motorrad anfahren und eilt gespannt hinaus. Gottseidank! Dr. Juchler sitzt nachsichtig lächelnd im Seitenwagen und begrüsst den Korporal mit erhobener Hand: «Haben Sie den kleinen Spitzbuben gut versorgt?» «Ja, Herr Doktor, aber er hat sich noch nicht damit abgefunden. Er lärmt wie — «Wie verrückt, nicht?» «Jawohl, Herr Doktor!» lacht Moor, froh, durch die Anwesenheit eines Arztes jeder weitern Verantwortung für seinen Gefangenen enthoben zu sein. Dr. Juchler lächelt seltsam und betritt summend das Wachtlokal, indes Korporal Moor und Polizeimann Mächler den Gefangenen herausholen. Der Gefreite reicht dem Arzt eben ein brennendes Streichholz, als seine beiden Kameraden eintreten, den halbbekleideten Geisteskranken in ihrer Mitte. Sie halten ihn an den Armen fest, um eine Flucht zu verhindern. Dr. Juchler hat sich auf eine Bank gesetzt und betrachtet, die Beine übereinandergeschlagen, den angeblichen Doktor Juchler in Unterkleidern. Das hochrote Gesicht des Gefangenen zeigt höchste Spannung; er macht aber keinerlei Versuch mehr, sich zu befreien. Er scheint es auch aufgegeben zu haben, die Polizei davon zu überzeugen, dass er der echte und allein wahre Dr. Klaus Juchler sei. Die fünf Männer schauen einander einen Augenblick wortlos an, Dr. Juchler und der Gefreite Jenny auf der einen, Korporal Moor, Polizeimann Mächler und Dr. Juchler Nr. 2 auf der andern Seite. Korporal Moor ärgert sich, weil Dr. Juchler nicht sofort mit dem Geisteskranken spricht, um ihn in die Hand zu kriegen. Es scheint, dass Dr. Juchler durch die dürftige Kleidung des Häftlings angewidert ist, denn er schaut ihn nicht mehr an. Der Gefangene lässt hingegen keinen Blick von Dr. Juchler; er schaut ihn ununterbrochen scharf an. Nach einer Weile sagt er mit eigenartig ruhiger Stimme zu Korporal Moor: «Passen Sie jetzt gut auf, Korporal!» und plötzlich ruft er mit lauter Stimme: «Rubil Die weisse Maus! Siehst du die weisse Maus, Rubi?» Was sich jetzt im Verlauf weniger Sekunden ereignet, findet im Rapport des Korporals nur einen dürftigen Niederschlag, denn alles ging so schnell, dass sich die Eindrücke der drei Polizisten widersprechen. Auf ihren gesunden Zügen zeichnet sich eine derartige Verblüffung, dass ihre Gesichter einen vorschriftswidrig blöden Ausdruck annehmen. Dr. Juchler, der scheinbar ruhig auf der Bank gesessen hat, öffnet plötzlich den Mund, so dass seine Zigarette herausfällt. In seinem Antlitz hat sich der Ausdruck eines furchtbaren Schrecks festgekrallt. Er stösst grelle Schreie aus, stösst den Gefreiten auf die Seite und springt mit einem wilden Satz auf das Pult, um gleich wieder herunterzuhüpfen und sich angstvoll schreiend an Korporal Moor zu klammern. Dieser sucht sich umsonst zu befreien und schaut betroffen und hilfesuchend auf den Mann in Unterhosen, der sich ruhig auf einen Stuhl gesetzt hat und den tobenden Schreihals kaltblütig betrachtet. «Ja, ja, die weissen Mäuse!» sagt der Häftling, der sich anscheinend schon nicht mehr als solcher fühlt, «seit Jahren" fürchtet sich Hellmut Rubi vor nichts so sehr wie vor weissen Mäusen, die für normale Leute gar nicht da sind. Sehen Sie weisse Mäuse, Korporal? Nein? Ich auch nicht! Ich hoffe aber, dass Sie jetzt etwas gelernt haben, Korporal Moor! Und jetzt bringen Sie mich bitte nach Hause!» «Jawohl, sofort, Herr Doktor, sehr gerne!» sagt Korporal Moor verlegen und reicht dem Arzt, der trotz seiner Unterhosen eben doch der richtige Dr. Juchler ist, einen Mantel. Im Hinausgehen versetzt er dem neuen Gefangenen heimlich einen Stoss in den Rücken und ruft dem Gefreiten zu: «Sperren Sie den verrückten Frechdachs sofort ins Gastzimmer mit den Eisengardinen!» ROIL KUONI. du royaume-uni de la Grande-Bretagne et d'Irlande declare que les lies d'Aland ne seront pas fortifiees, et qu'il n'y sera maintenu ni cree aueun etablissement militaire ou naval.» Lord Clarendon erklärte nach seiner Rückkehr von den Pariser Friedensverhandlungen im Oberhause, dass der Vertrag von 1856 von europäischer Bedeutung sei, da er die schwedischen und norwegischen Besitzungen gegen Russland schützen solle. Dabei blieb es nun, bis die Panslawisten nach der Niederlage gegenüber Japan erneut den Drang nach Westen aufnahmen. Schon im Sommer 1906 brachte die französische Zeitschrift «France militaire» ein Telegramm aus Petersburg, dass der Oberbefehlshaber von Petersburg, Nikolai Nikolajewitsch zur wirksamen Ueberwachung der Ostsee eine Marinestation auf den Alandsinseln plane, entweder in Mariehamn oder in Bormarsund. Die Begründung hierfür lieferte die Behauptung, dass die Alandsinseln von den Revolutionären als Basis für ihren Waffenschmuggel nach Russland benutzt würden. Iswolski widersetzte sich der Errichtung einer Marinestation, weil diese mit dem Vertrage von 1856 unvereinbar sei. So gewissenhaft war also noch die kaiserlich russische Diplomatie! — Aber 1907 versuchte Iswolski durch Verhandlungen mit Schweden, die Nichtbefestigungsservitut von Aland loszuwerden. Dies ist ein völkerrechtlich interessanter Vorgang; denn Vertragschliessende des Pariser Friedens von 1856 waren an sich Frankreich, England und Russland, nur die ersteren beiden hatten Russland die eine Einschränkung seines militärischen Staatshoheitsrechtes ent-. haltende Servitut auferlegt, das naheliegendste V > X: UNÜBteRf RPFFEN •>* xV.*. . Interesse Schwedens hatte in dem Vertrage keinen Ausdruck gefunden, obwohl es durchaus nichts Ungewöhnliches ist, solche dritte Interessenten ausdrücklich zu benennen, man denke zum Beispiel an die Erwähnung Basels bei Zusage der Nichtbefestigung für Hüningen im Pariser Frieden von 1815 oder an das Etappenrecht, welches der nur zwischen Frankreich und Preussen geschlossene Elbinger Vertrag von 1807 zugunsten des Königreichs Sachsen zwischen diesem ur(d dem Herzogtum Warschau vorsah. Russland wandte sich wohl statt an die Mitkontrahenten von 1856 an Schweden, weil es dort eher Nachgiebigkeit erwartete und sich sagte, wenn der wirkliche Hauptinteressent auf die Servitut verzichte, würden sich England und Frankreich dabei beruhigen. Schweden lehnte jedoch einen Verzicht auf diese Servitut ab. Da fand sich Wilhelm II. bereit, Russland gefällig zu sein, und am 31. Oktober 1907 schloss Deutschland mit Russland ein Geheimabkommen (später von den Bolschewiki publiziert und vom deutschen Gesandten in Stockholm bestätigt), in welchem die Beseitigung der Russlands Souveränität an den Alandsinseln einschränkenden Servitut in Aussicht genommen wurde. Wilhelm II. führte seinen grossen Ahn, Friedrich II., stets im Munde, aber in dessen politischer Korrespondenz über die finnländische Frage nachzulesen, hat er wohl vor Abschluss dieses Geheimvertrages verabsäumt. Die Verwirklichung dieses Geheimvertrages musste Deutschland gegen sich selbst erleben; denn im Weltkriege legte Russland Befestigungen auf den Inseln an, und das dagegen protestierende Schweden suchte es mit der Antwort zu beruhigen, dass diese Befestigungen bloss zeitweilige — für die Dauer des Krieges — seien. Wiederum durch Veröffentlichung der Bolschewiki ist jenes geheime Telegramm der russischen Regierung an den Botschafter in Paris vom 30. Januar 1917 bekannt geworden, worin diese als Gegenleistung für ihre Zustimmung zur Vergrösserung Frankreichs durch Elsass-Lothringen und am, Rheine unter anderm auch die Zustimmung Frankreichs zur Aufhebung der Aländsservitut nach Schluss des Krieges verlangt. Das kaiserliche Russland kam bekanntlich nicht dazu, diese Gegenrechnung zu präsentieren. Am 15. November 1917 erklärte sich der finnische Landtag zum Inhaber der höchsten Regierungsgewalt in Finnland. Die Unabhängigkeitserklärung Finnlands umfasste den territorialen Bestand, den das Grossfürstentum Finnland im Augenblicke dieser Erklärung hatte. Dazu gehörten aber nach dem Fredrikshammer Frieden (s. oben): «Les Gouvernements ... d'Abo et Björneborg avec les lies d'Aland.» Als die russische Regierung später die Unabhängigkeit Finnlands anerkannte, hat sie keinerlei Vorbehalt bezüglich der Alandsinseln gemacht. Als im Februar und März 1918 die rote Garde ihre Greuel auch auf Aland verübte, da wandten sich die Inseln in ihrer grössten Not an Schweden um Hilfe, die schwedische Presse verlangte dringend Angliederung Alands an Schweden, aber die schwedische Regierung beschränkte sich darauf, eine Note an Deutschland, Oesterreich und Russland zu richten, um ihr erhebliches Interesse an der Alandfrage zu erklären. Der berühmte dänische Schriftsteller Georg Brandes aber schrieb in «Politiken» vom 13. Februar 1918: «Wenn die drei nordischen Staaten nicht so machtlos und durch die Verhältnisse zur unbedingten Neutralität gezwungen wären, würde diesen Staaten keine Aufgabe näherliegen, als ihre bewaffnete Jugend nach Finnland gehen zu lassen, um wertvolle Menschen und wertvolle gemeinschaftliche nordische Kultur gegen einen mörderischen Pöbel zu schützen.» Auch heute kann die von Brandes gekennzeichnete Aufgabe für die drei nordischen Lander dringend werden. Die Konferenz von Stockholm lässt allerdings jede Inaussichtstellung von Waffenhilfe vermissen. Finnland kämpft gegenwärtig um seine Freiheit, und es ist nur zu wünschen, dass sich nicht das Wort eines anderen nordischen Dichters, Tegners, verwirkliche, der von Finnland als dem «blutigen Schild zum Schütze von Schwedens Herz» spricht. Denn wenn die Russen von Aland aus Stockholm schon vor Erfindung des Flugzeuges bedrohen konnten, welche furchtbare Flugzeugbasis würde ihnen jetzt Aland liefern! Basel oberhalb „Mittlere Brücke". 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£1° 85 — DIENSTAG, 5. DEZEMBER 1939 AUTOMOBIL-REVUE III Die Viktoriafälle des Sambesi und ihre Entdeckung durch David Livingstone Der moderne Mensch ist sehr empfänglich für die Schönheit der Landschaft. Er liebt die Natur, in welcher Form sie ihm auch entgegentritt. Zwar haben auch unsere Vorfahren Verständnis für die Lieblichkeit der Landschaft gehabt, aber das Gefühl für die Schönheit der Natur ging im Laufe der Zeit oft verloren und musste immer wieder aufs neue erweckt werden. Die alten Griechen und Römer verstanden es bereits meisterhaft, ihre Villen in den schönsten Gegenden, an sanften Abhängen inmitten einer üppigen Vegetation oder direkt am Meer, anzulegen. Die reichen Römer besassen herrliche Landhäuser in der Umgebung der Hauptstadt, in der Campagna und in Sizilien. Aber im allgemeinen blieben doch das Meer und das Gebirge, besonders das Hochgebirge, in der Vorstellung der Menschen Gegenstände des Schreckens. Dies änderte sich langsam von der Mitte des 18. Jahrhunderts ab, als Jean Jacques Rousseau immer wieder auf die Schönheiten der Natur hinwies. Aber auch dann noch beschränkte sich die Bewunderung der Landschaft auf zivilisierte Gegenden oder einige exotische Landschaften. Nur vereinzelt fanden sich Forscher, die sich selbst auf anstrengenden, mit grossen Entbehrungen verbundenen Reisen ein lebhaftes Gefühl für die Eigenart und Schönheit der entdeckten Landschaft bewahrten. Einer der ersten, die das schöne Afrika entdeckten, war der englische Missionar Livingstone. Im nächsten Jahr ist ein Jahrhundert verflossen, seit er seine grosse Entdeckungsreise durch Südafrika antrat und — in den folgenden Jahren — den afrikanischen Kontinent zum erstenmal von West nach Ost vollkommen durchquerte. Im November 1855 entdeckte Livingstone die Viktoriafälle des Sambesi und gab in seinem grossen Werk ) über seine ersten Reisen eine anschauliche Schilderung von dem überwältigenden Eindruck, den das Naturschauspiel auf ihn machte. Auf diesem Teil der Reise fuhr der Forscher mit Kähnen den Stromschnefen ankam. Dort wunden die Boote an Land gezogen und der Marsch dem Fluss entlang zu den Fällen angetreten. Einer der afrikanischen Häuptlinge richtete an Livingstone die Frage: « Habt ihr Rauch in eurem Lande, der tost ? > Die ungeheuren Wolken des zerstäubten Wassers hielten die Eingebornen für Rauch, der ein tosendes Geräusch verursachte. Sie wagten nicht, sich den Fällen zu nähern und blickten den aufsteigenden Dampf nur aus der Ferne mit Staunen an. Auf leichteren Kähnen näherte sich dann und die auf dem Fkiss verstreuten Inseln sind mit Waldbäumen der verschiedensten Farben und Gestalt geschmückt. Während unseres Besuchs blühten mehrere Bäume. Noch kein Europäer ist hierhergekommen, aber so liebliche Szenen müssen selbst von den Engeln auf ihrer Flucht angestaunt werden. Die Fälle sind auf drei Seiten von 300 bis 400 Fuss hohen Bergketten eingeschlossen, die mit Waldbäumen bedeckt sind, zwischen derfen der rote Erdboden durchschimmert. Etwa eine halbe Meile von den Fällen Hess ich den Kahn zurück, mit dem ich bis hierher gekommen war, und bestieg einen leichteren mit Leuten, die mit den Fällen genau bekannt waren und, in der Mitte des Stromes fahrend, zwischen hervorstehenden Livingstone den Fällen. « Nach 20 Minuten Fahrt von Kalai aus», schreibt er, « sahen wir zum erstenmal die Rauchsäulen, die sich in einer Entfernung von 5—6 Meilen erho- Sambesi abwärts, bis er in die Nähe der ben, gerade wie wenn grosse Strecken Gras Felsen hindurch, mich an eine Insel brachten, in Afrika angebrannt werden. Unten waren die hart am Rande des Abgrunds lag, über ) Die deutsche Ausgabe erschien soeben unter dem Titel: David Livingstone, Afrika. Die erste sie weiss, höher aber wurden sie dunkel, so den das Wasser hinunterstürzte. Hier war Durchquerung deis Schwarzen Erdteils. Verlag dass sie fast wie Rauch aussahen. Die ganze Gefahr, von der Strömung zu beiden Seiten Hallwag, Bern. Szene war ausserordenüich schön. Die Ufer der Insel mit fortgerissen zu werden: aber Der Viktoria-Wasserfall des Leeambye oder Sambesi-Flusses, von den Einee'borenen «tosender Rauch» g&nannt. ZILIE Das Land der tausend Besuchen Sie ITALIEN! Gegensätze bietet Ihnen unzählige herrliche Panoramen und grossartige tausendjährige Denkmäler im Rahmen eines ewig blauen Himmels TAORMINA • CATANIA • SYRAKUS • AGRIGENTO SOLUNTO • PALERMO Benützen Sie die bedeutenden Reiseerleichterungeh, wie: CHECKS und KREDITBRIEFE in „REISELIRE" Eisenbahn-Fahrpreisermässigungen von 50 bis 70 % Auskünfte, ENIT: z firi ? h > !^ofs H äs f *° « ' Geneve, Rue du Mont Blanc 5 Lugano, Riva Albertolli 5 und alle Reisebüros Der Siedler. Roman von Heinrich Lämmlin. « Verdammt noch einmal! » tobt er los und erschrickt über die eigenen Worte. Lisbeth ist erblasst; ihre Tränen sind versiegt. Kein Wort, kein Laut kommt über ihre Lippen. Aus grossen schreckerweiterten Augen sieht sie den Mann an, den ihre Ruhe zur Raserei treibt. «Sag doch ein Wort! > schreit und bettelt er, aber die Frau schweigt noch immer. Und jetzt, wahrhaftig, huscht wieder ein Lächeln über ihr Gesicht, ein stilles, wehes Lächeln, voll Anklage, Liebe und Verzeihen. Das erträgt der Sepp nicht mehr. Er wendet sich um und eilt hinüber in den Wald. Dort wirft er sich auf den Boden und legt den Kopf auf die Arme. Ein Schluchzen bricht aus seiner Brust. Er denkt nicht mehr, er weiss nichts mehr von dem, was um ihn ist, sondern schluchzt wild und verzweifelt wie ein Kind, weint, da er fühlt, dass mit den Tränen der Druck von seiner Seele weicht. Er weint so lange, bis eine Hand sich beruhigend auf seinen Kopf legt. « Ist es dir leichter, Sepp ? » Lisbeth steht vor ihm. Sie spricht ihm zu, wie man einem kranken Kinde zuspricht : « Es ist ja alles gut, ja, Sepp, alles geht vorbei, alles ! Vielleicht mussten wir diese Stunde erleben, um uns wieder zusammenzufinden. > « Wie gut du bist! » antwortet der Mann. Aber die Frau schüttelt den Kopf : « Ich hätte nicht weinen sollen; ich weiss, dass ich dich damit gequält habe. Aber nun ist alles gut! > Nach dem Essen kleidet sich der Mann um. Er tut es langsam und bedächtig und kann lange Zeit nicht fertig werden. Lisbeth schaut ihm zu und fragt: « Gehst du nach Ascona ? » «Ich habe es versprochen und muss wohl gehen ! > Fräulein Müller setzt ärgerlich die Geige ab. « Sie sind heute nicht bei der Sache, wir wollen Schluss machen.» Der Sepp schaut sie an. Es ist eigentlich nichts an ihr, das auf die Dauer fesseln könnte, denkt er. Sie ist doch nichts als ein verzogenes Mädchen und obendrein noch etwas hysterisch. Ich begreife nicht, wie ich mich bis jetzt mit ihr abgeben konnte. « Ja, wir wollen Schluss machen. Ich habe heute andere Dinge im Kopf! > Er sagt es unnötig laut und energisch, so dass das Fräulein aufsieht. « Ich denke, wir beherrschen unser Programm so, dass wir nicht mehr üben müssen. Sie haben sich doch für das Konzert entschlossen ? » «Ich bin allerdings entschlossen — nicht zu spielen ! » antwortet der Mann. Fräulein Müllers Augen werden gross. « Was ? > fragt sie und schaut den Sepp an Ḋieser nickt gleichmütig : « Ja, ich werde nicht spielen ! Ich bin jetzt Siedler, und bleibe was ich bin ! » « Und an mich denken Sie nicht ? » « Ich kam zu Ihnen, um Ihnen Stunden zu geben und sonst zu nichts ! > « Auf diese Art wollen Sie sich drücken? > «Ich habe Ihnen nichts versprochen, deshalb kann von Drücken nicht die Rede sein. » Auch der Sepp ist jetzt zornig. « Dann können Sie in Zukunft Ihre Stunden geben, wem Sie wollen. Glauben Sie denn, dass ich mein Geld für nichts an Sie gehängt habe ? Was sollen meine Bekannten von mir denken, wenn ich jetzt alles abblase ? » Der Sepp hat eine scharfe Antwort auf der Zunge, aber er beherrscht sich noch. « Hätten Sie mir gleich gesagt, um was es Ihnen geht, so wäre ich nicht gekommen. Sie wollten Unterricht, und den haben Sie von mir erhalten, da ich Geld verdienen muss. So ist die Sache und nicht so, wie Sie es hinstellen wollen ! » «Dann nehmen Sie Ihr Geld und gehen Sie! » schreit die Dame und wirft dem Sepp einige Banknoten vor die Füsse. Einen Augenblick wetterleuchtet es in seinem Gesicht, einen Moment zuckt es in seiner Hand, und er muss an sich halten, damit er nicht in dieses verzerrte Gesicht schlägt. Aber nur Bruchteile von Sekunden dauert die Regung. Dann wendet er sich ruhig ab und verlässt das Zimmer. « Fertig! > sagt er laut, als er auf der Strasse steht, so dass die Leute sich nach ihm umwenden. « Fertig ! » spricht er noch einmal und sieht sich um, als erwache er aus einem Traum. Langsam geht er die Strasse hinab. Jetzt wird der Fürst lange auf sein Geld warten müssen, denkt er. Was mache ich jetzt ? Schluss Seite IV.