Keonda: 90 Jahre Naturfreundejugend

Naturfreundejugend

Unser Verband wurde 1926 gegründet und wird nun 90 Jahre alt. Ein beachtliches Alter finden wir, darum beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe mal ein wenig mit der Geschichte des Verbandes.

Die Jugendzeitschrift

der Naturfreundejugend

Deutschlands

www.keonda.de

[Ke:onda] 01 / 2016

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90 Jahre!

Widerstand im Faschismus 7

mit verbänden was bewegen 12

Auf zum Bundestreffen 15


Seite 2

Mai 2016

Vorwort

Liebe Leser*innen

alles Gute zum 90. Jubiläum ... der Naturfreundejugend

natürlich! Unser Verband

wurde 1926 gegründet, in einer Zeit also,

als Fotos noch schwarz-weiß-grau und die

Filme stumm waren. Ein beachtliches Alter,

finden wir, und darum beschäftigt sich diese

Ausgabe der [ke:onda] zur Abwechslung mal

mit ein wenig Geschichte des Verbandes.

Ganz besonders interessiert uns heute natürlich,

was unsere (Ur-)Großeltern sich

eigentlich dabei gedacht haben, als sie einen

eigenständigen Jugendverband aus der

Taufe hoben. Vor allem aber wollen wir

wissen, was wir aus unserer gemeinsamen

Geschichte lernen können.

Jannis untersucht auf Seite 5, was der Verband

im letzten Jahrhundert zum Sozialismus

zu sagen hatte. „Natur genießen“

stand ja damals ganz hoch im Kurs der

Wanderbewegung – aber wie hielten es die

Altvorderen mit dem Naturschutz? Auch

spannend: Welche Rolle spielte die Frauenbewegung

innerhalb der Naturfreundejugend.

Finn und Frauke gehen auf Seite 12

der Frage nach, ob ein Verband heutzutage

überhaupt noch notwendig ist. Spoiler: Sie

sind unterschiedlicher Meinung.

Und Steffen wirft einen Blick in die

Kristallkugel und erzählt euch, welche

Probleme von gestern auch morgen noch

aktuell sein werden.

Letzter Satz: Kommt alle zum Bundestreffen

vom 30. September bis 03. Oktober

nach Michelstadt und bringt auch alle eure

Freund*innen mit.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch

die Redaktion

Inhaltsverzeichnis

90 Jahre Naturfreundejugend

Einstieg 4

Erstarken am Urquell der Natur 5

Fundstücke 6

Widerstand im Faschismus 7

Wer hätte das gedacht? 8

Interviews 9

40 Jahre IYNF 10

Die Kuschelzeit kommt 11

Verbandskasten

Mit Verbänden was bewegen? 12

Die Bundesleitung berichtet 13

Vernetzungstreffen Demokratie und Mitbestimmung 14

Neue Beweg!gründe: Transformation Global 14

Bundestreffen 2016: Vielfalt statt Einfalt 15

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“ 16

Stell dir vor, du bist auf der Flucht 16

Sportausbildung mit den NaturFreunden 17

Feuilleton

Heldin der Arbeit – Frauke Gehrau 18

Frisurenkarussel 18

Er/Sie/Es geht 19

Senegal: Fotos ohne Vorurteile? 20

Impressum

[ke:onda] – Die Jugendzeitschrift der

Naturfreundejugend Deutschlands

Herausgegeben durch das Kinder- und Jugendwerk

der Naturfreunde, Verein zur Förderung der Naturfreundejugend

Deutschlands e.V.,

Adresse siehe unten

Redaktionsanschrift und Verlag:

Naturfreundejugend Deutschlands ||

Warschauer Straße 59a || 10243 Berlin ||

Telefon 030-297732-70 || Telefax 030-297732-80

keonda@naturfreundejugend.de || www.keonda.de

Mitglieder der Naturfreundejugend Deutschlands erhalten

[ke:onda] kostenlos.

[ke:onda] kann auch als Abo für 5 € pro Jahr inkl.

Versandkosten bestellt werden.

Redaktion [ke:onda]: Frauke Gehrau, Jannis Pfendtner,

Laura Rademacher, Steffen Filz, Lina Mombauer

Sebastian Bozada, Dennis Melsa (V.i.S.d.P)

Redaktion KiPo: Larissa Donges, Sine Schnitzer,

Stella Danker, Dennis Melsa (V.i.S.d.P)

Fotos / Bilder [ke:onda]: Naturfreunde Schweiz

(S. 1), Naturfreudejugend Deutschlands (S. 3, 6 –

10, 14), NaturFreunde Deutschlands (S. 4, 5), Lotse

/ Wikimedia.org [CC BY-SA 3.0] (S. 7), Sylvia Rietig

/ Wikimedia [CC BY-SA 3.0] (S. 7), Stadtarchiv

Detmold [DT Bildarchiv Nr. 3457] (S. 7), Sebastian

Bozada / Naturfreundejugend Deutschlands (S. 7, 11,

13, 14, 18), IYNF (S. 10), Finn Houska (S. 12), Frauke

Gehrau (S. 12, 16), Steffen Wiegard / Naturfreundejugend

Deutschlands (S. 13, 20), Felix Schmale

(S. 15), Sandra Stark (S. 16), Christian Deppermann /

Naturfreundejugend TBW (S. 17), Lina Mombauer /

Naturfreundejugend Deutschlands (S. 18, 21)

Fotos / Bilder KiPo: Cover: Steffen Wiegard / Naturfreundejugend

Deutschlands (S. 1), NaturFreunde

Trier-Quint e.V. (S. 2), www.pixabay.com (S. 5, 11),

Astrid Rehwald (S. 6), Stefanie Schaffner (S. 6), Elke

Willruth (S. 7)

Illustrationen und Gestaltung: Sabrina Gröschke ||

Formgefüge || www.formgefuege.de

Druck: Druckerei Lokay e.K.

Klimaneutral gedruckt auf 100 % Altpapier,

ausgezeichnet mit dem Blauen Engel.

© Naturfreundejugend Deutschlands 2016

[ke:onda] wird gefördert vom


Zeitreise

Es ist ein zwiegespaltenes Bild, welches

die Naturfreundejugend für ein Plakat ihres

60. Geburtstages ausgewählt hat. Unten ist

eine düstere Collage aus industrieller Umweltverschmutzung,

Waldsterben, Atomkraftwerken,

Atommüll, dem Sterben eines

Blauwals und einem ölverseuchten Vogel

zu sehen. Oben sieht man die Tauben als

Symbol für den Frieden, ebenfalls ein

großes Thema der Naturfreundejugend.

Die Friedensbewegung mobilisierte nur

wenige Jahre zuvor mindestens eine halbe

Million Menschen in die Hauptstadt

Bonn um gegen die atomare

Aufrüstung in Europa

zu demonstrieren. Auch die Liste der

„heißen“ Kriege in den 80ern ist lang. Ob

die Malerin Yvonne Simon schon 1985

wusste, dass das darauffolgende Jahr das

„Internationale Jahr des Friedens“ wird?

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl konnte

sie sicher nicht erahnen.

Das Poster zeigt Themen, die uns auch heute

beschäftigen. Noch ist der Atomausstieg

nicht vollbracht, wir fördern weiterhin fossile

Energieträger wie Kohle und Öl, diesen

Winter strandeten mehr als 10 Pottwale an

der Nordseeküste und Deutschland beteiligt

sich am Krieg in der Welt. Das Credo

der Naturfreundejugend bleibt: ein Handschlag

gegen Umweltzerstörung und

Krieg – solidarisch für Frieden mit

und auf dem Planeten Erde.


Seite 4

90 Jahre Naturfreundejugend

Mai 2016

Einstieg

Stell dir eine Zeit vor, in der die

Gesellschaft noch einfach in zwei

Klassen eingeteilt werden konnte.

Eine Zeit, in der die Forderung nur

acht Stunden am Tag „malochen“

zu müssen schon revolutionär war.

Eine Zeit, in der die Städte rasant

wuchsen, mit engen dunklen

Wohnungen, grauen Straßen

und Hinterhöfen und mit Fabrikschloten

mitten in der Stadt. In

dieser Zeit, es war das Jahr 1895

in Österreich, wurde die Idee der

NaturFreunde geboren.

Der junge Touristenverein

wächst schnell und über die

Grenzen Österreichs hinaus.

1905 erfolgt die Gründung

der ersten Ortsgruppe in

Deutschland.

Neben Wanderungen in

der freien Natur stehen

politische Bildung, Lebensreform

und Kultur auf

dem Veranstaltungsplan.

Kritik an Kapital und der

herrschenden Klasse sind

wichtige Themen. Es

sollte jedoch noch 21 Jahre dauern, bis sich

in Deutschland bei der ersten sogenannten

„Reichsversammlung“ im Jahr 1926 die

Naturfreundejugend Deutschlands als Untergliederung

gründete.

Lange währte das Glück nicht. 1933

werden die NaturFreunde durch die Nazis

verboten. Ihr Eigentum, darunter auch

die selbsterbauten Naturfreundehäuser,

werden beschlagnahmt.

Viele Naturfreundegruppen treffen sich

weiter im Geheimen, einige leisten im

Untergrund Widerstand.

Nach Kriegsende bleiben die Natur-

Freunde im Osten Deutschlands weiterhin

verboten, doch in den westlichen

Besatzungszonen beginnen die Natur-

Freunde und ihre Jugend, sich direkt neu

aufzubauen. Ab 1990 werden dann auch

in den neuen Bundesländern die Natur-

Freunde wieder gegründet, sodass es

die Naturfreundejugend heute in fast

allen Bundesländern gibt. Mit dem

Bundestreffen 2013 und dem kommenden

Ende September 2016 treffen

sich heute wieder junge Naturfreund-

*innen aus ganz Deutschland.

1926

Auf einerVersammlung der deutschen Natur

Freunde wird mit der Verabschiedung der “Richtlinien

über den zukünftigen Ausbau der Jugendarbeit”

die Naturfreundejugend Deutschlands als

selbstständige altersmäßige Gliederung gegründet.

1933

Die Kritik am Kapital und an der herrschenden Klasse führt

zum Verbot des Touristenvereins “Die NaturFreunde” durch

die Nazis. Damit verbunden ist die Beschlagnahmung der in

eigener Arbeit errichteten 428 Hütten und Häuser, davon fast

300 auf deutschem Gebiet.


Seite 5

90 Jahre Naturfreundejugend

Mai 2016

Erstarken am Urquell

der Natur

Lange, lange ist es her: „Der Touristenverein

‚Die NaturFreunde‘ ist die internationale

Wanderorganisation des arbeitenden

Volkes. Sie strebt eine sozialistische

Kultur an.“ Dies sind die ersten beiden Sätze

eines Beschlusses, in dem in den frühen

20erjahren die Gründung von Jugendgruppen

der NaturFreunde gefordert wird. Die

Erwartungen dieser Zeit – nach dem Ende

der Monarchie auch bald eine wirklich

gleiche und gerechte Gesellschaft zu gründen,

die frei von Zwängen funktioniert –

führen zu einem neuen Menschenbild.

Sozialist sein heißt vor allem

Mensch sein.

„Sozialist sein heißt, große weltumspannende

Ideen tragen. Sozialist sein heißt vor

allem Mensch sein. Menschen wollen wir

sein, die dank ihrer großen sittlichen Kräfte

dazu geeignet sind, eine alte Weltanschauung

zu stürzen, an ihre Stelle eine neue,

bessere zu schaffen.“

In der Naturfreundebewegung herrschte

die Idee, dass nur durch die ethische Weiterentwicklung

des Menschen zu höheren

Zielen und „reinem Menschentum“ eine

neue Welt geschaffen werden kann. Diese

Entwicklung wollten sie in der Natur und

der Gemeinschaft finden: „…reichen sich

die jungen Wandergenossen und -genossinnen

die Hand zum Treueschwur: Wir wollen

erstarken am ewigen Urquell der Natur,

erstarken an Geist, erstarken am Körper,

erstarken am Willen.“

Wir wollen erstarken am ewigen

Urquell der Natur, erstarken an

Geist, erstarken am Körper, erstarken

am Willen.“

Die damaligen NaturFreunde waren überzeugt,

dass das gemeinschaftliche Erleben

in der Schönheit der freien Natur auch die

Menschen verändern würde: Zu freieren,

sozialeren, besseren Menschen.

Auch wenn wir uns heute sicher anders ausdrücken

würden, weniger überschwänglich

und dramatisch vielleicht, so sind wir

möglicherweise gar nicht so anders als

unsere Vorgänger. Auch wir haben allein

oder in der Naturfreundejugend bestimmt

schon wahnsinnig schöne Naturerlebnisse

gehabt, staunten

über die Schönheit bestimmter

Wälder oder Strände oder waren nach

einem gemeinsamen Tag Skifahren oder

Klettern abends in der Hütte einfach nur

erschöpft und glücklich. Viele von uns haben

dabei auf ihren Freizeiten oder in der

Ortsgruppe tolle Freundschaften geschlossen

und ganz praktisch erlebt, dass eine

starke Gruppe viel mehr ist, als nur ein paar

Individuen.

Diese kleinen Erfahrungen können

uns immer wieder zeigen, dass

ein gutes und solidarisches Leben

möglich und auch viel schöner ist.

Diese kleinen Erfahrungen können uns

immer wieder zeigen, dass ein gutes und

solidarisches Leben möglich und auch viel

schöner ist. Auch deswegen unterscheiden

wir uns heute noch von anderen Sportgruppen,

auch deswegen glauben wir immer

noch an die Überwindung des „Kapitalismus

und seiner sozialen und ökologischen

Widersprüche“.

von Jannis Pfendtner

1945

Überall wird mit dem Wiederaufbau der

Organisation begonnen. Die enteigneten

Häuser werden zurückgegeben. In Ostdeutschland

erfolgt eine Nutzung durch

andere Träger.

1950

Der Gesamtverein wird in die

Naturfreunde Internationale

(NFI) umgewandelt. Sie

setzt sich aus selbständigen

Landesverbänden zusammen.


Seite 6

90 Jahre Naturfreundejugend

Mai 2016

fundstücke

1962

Die NaturFreunde beteiligen sich federführend an den Ostermärschen der Atomwaffengegner.

Die NFI hat 270.00 Mitglieder in 17 Ländern auf allen fünf Kontinenten. In

Deutschland werden rund 100.000 Mitglieder in mehr als 650 Ortsgruppen gezählt. Die

Zahl der vereinseigenen Hütten, Häuser, Bootshäuser und Stadtheime liegt bei fast 400.


Seite 7

90 Jahre Naturfreundejugend

Mai 2016

Widerstand im

Faschismus

Vor nicht allzu langer Zeit regierten Nazis

dieses Land: Menschen, die sich als „Herrenrasse“

sahen und andere Meinungen bis

aufs Blut bekämpften. Schon damals gab es

die Naturfreundejugend. Die Arbeiterbewegung

erblühte gerade, als die Nazis die

Macht ergriffen. Die Reaktionen auf das

Verbot und die Unterdrückung der Natur-

Freunde könnten nicht unterschiedlicher

ausgefallen sein. Die bunte Palette unserer

damaligen Mitglieder kannte alle Haltungen

zwischen Anbiederung an das Nazitum

und offenem Widerstand. In kurzen Steckbriefen

möchten wir hier den Gegner*innen

des Faschismus aus unserer Bewegung

gedenken. Wenn ihr mehr über die Geschichte

der NaturFreunde im Widerstand

erfahren möchtet, empfehlen wir euch

das Buch „Naturfreund sein heißt Mensch

sein“ von Bruno Klaus Lampasiak.

(erhältlich unter www.naturfreunde.de)

von Steffen Filz

Name: Margarete

„Grete“ Steffin

*21. März 1908

Gestorben: 4. Juni

1941

Todesursache:

Tuberkulose

Art des Widerstandes:

Grete floh vor den Nazis zuerst nach Dänemark,

dann nach Schweden und zu guter

Letzt nach Russland. Während dieser Zeit

arbeitete sie unermüdlich mit dem bekannten

Schriftsteller Bertolt Brecht an Inszenierungen

und Dramen.

Name: Charlotte Eisenblätter

*7. August 1903

Gestorben: 25. August 1944

Todesursache: Hinrichtung mit dem

Fallbeil

Art des Widerstandes:

Unterbringung von Widerstandskämpfern,

Schreiben

des illegalen „Informationsdienstes“

sowie Unterstützung

der Uhrig/Römer Gruppe.

Thomas Igl wurde 1932 von einer

Truppe Nazis aufgesucht und zu Tode

geprügelt.

Karl Löffert sen.

Starb 1943 im KZ Buchenwald

Name: Walter Rietig

*4. November 1906

Gestorben: 22. Dezember

1942 Todesursache: Hinrichtung

mit dem Fallbeil

Art des Widerstandes:

Gehörte einer illegalen Betriebsgruppe

bei Opel an, die das Werk nach

Fall des Dritten Reiches befreien wollte.

Zudem äußerte er sich wiederholt kritisch

gegenüber der Politik des Dritten Reiches.

Name: Felix Fechenbach

*28. Januar 1894 Gestorben: 1933

Todesursache: Bei einer Umverlegung in

ein anderes KZ wurde er auf halber Strecke

in den Wald geführt und erschossen. Später

sollte es dann heißen, er habe versucht zu

fliehen.

Art des Widerstandes: Arbeit als Journalist

und Schriftsteller gegen das Naziregime.

Landkarte: Bad Mergentheim geboren >

wächst in Würzburg auf > persönlicher

Sekretär des bayrischen Ministerpräsidenten

Kurt Eisner > Ermordung in Schutzhaft

(Wo unbekannt)

1968

Die NaturFreunde verlangen die Einstellung

der Bombenangriffe auf Nordvietnam und

verurteilen die Besetzung der ČSSR.


Seite 8

90 Jahre Naturfreundejugend

Mai 2016

Wer hätte das gedacht?

Die Internetsuche „Alpenröschen

Rezept“ bringt 406

Treffer bei Google. Kein

einziges gefundenes Rezept

enthält die Pflanze, die das

Logo der Naturfreundebewegung

schmückt.

Das Penicillin wurde zwei Jahre nach der Gründung

der Naturfreundejugend im Jahr 1928 entdeckt.

1926 ist das Jahr in dem

die erste Frau den Ärmelkanal

durchschwimmt.

Sie heißt Gertrude Ederle.

1926 hatte die Naturfreundejugend

16.300 Mitgieder und einen Mädchenanteil

von 31,6 Prozent

Den deutschen Bundeskanzler

Willy Brandt hätte es vielleicht

ohne die NaturFreunde nie gegeben.

Seine Eltern lernten sich

wahrscheinlich 1913 auf einer

naturfreundlichen Wanderung

kennen. Geboren wurde er unter

dem Namen Herbert Frahm am

18. Dezember 1913.

Das Buch „Der Herr

der Ringe“ ist jünger

als die Naturfreundejugend:

Es erschien

am 29. Juli 1954.

1959: besteigt eine Gruppe von Naturfreunden den Dhaulagiri, den letzte n

1959: Kärnter Natur-

Freunde verstreuen

10.000 Edelweisssamen

in den Kärnter

Bergen

Himalaya.

unbezwungen en Achttausender im

Die Internetsuche

Naturfreundejugend

bringt ungefähr

71.000 Treffer

bei google.

Glückwunsch zum 90.!

Am 21. April 1926 wurde Queen Elisabeth II

geboren, die heute regierende Königin.

Am 1. Juni 1926 wurde Marylin Monroe

geboren.

Am 13. August 1926 wurde Fidel Castro

geboren.

Im Klingonischen kann man

nicht „Naturfreund“ sagen,

da es in dieser Sprache kein

Wort für „Freund“ gibt.

„Natur“ heißt auf klingognisch

jup“.

1989

Im Dezember beginnt die Neuorganisation

der NaturFreunde in der DDR. Heute gibt es

Landesverbände in allen neuen Bundesländern.

Es gibt in Deutschland nur 2 Naturfreundestraßen

aber 4 Naturfreundewege.

Bis 2003 erschien das Häuserverzeichnis

der NaturFreunde auf

4 Sprachen: Deutsch, Englisch,

Französisch und Esperanto.

NaturFreunde – naturamikoj

(esperanto)


Seite 9

90 Jahre Naturfreundejugend

Mai 2016

Interviews

1. Was sollte man mitbringen, wenn man bei

den Naturfreundejugend mitmachen will?

Wiebke: Für mich ganz persönlich: Freude

an der Natur, Natursport und Bewegung.

Aber vor allem Spaß!

Lyonel: Sich selbst, gute Laune und Motivation.

Ich denke, man sollte auf jeden Fall

Spaß haben, draußen zu sein und

Interesse an Dingen haben, die ein

bisschen unkonventionell und anders

als in der Schule ablaufen.

Simon: Spaß und Motivation und das allermeiste

ergibt sich von selbst.

3. Was war dein bestes Naturfreundejugend-Erlebnis?

Wiebke: Meine Kinderfreizeit, die seit

Jahren sehr gut läuft und dank meiner

Teammitglieder super ankommt.

Stella: Die Teeniefreizeit in Korsika. Die

war geil. Die war richtig geil.

Lyonel: Das Aktivcamp der Naturfreundejugend

im Teutoburger Wald und vor allem

das Höhlenklettern.

Simon: Gruppenleiterlehrgang.

Gesine: Berlin Städtetour 2011 oder 2012.

Georg: Unser Wildniswochenende im Naturschutzgebiet

Jasmund! Wir hatten viele

tolle Erlebnisse und einen sehr emotionalen

Austausch.

Freizeit mit Kindern zu fahren. Alles ist ein

bisschen vermischt.

Georg: Die vielen tollen Menschen und ihr

wundervolles Engagement.

Nancy: Besonders an uns ist, dass wir unser

politisches Interesse und unser Menschenbild

an andere herantragen und Leute zum

Mitmachen einladen.

5. Welche Projekte stehen 2016 an?

Wiebke: Bei uns steht zum Beispiel eine

Begegnung mit einheimischen sowie geflüchteten

Jugendlichen an, die sich beim

Kochen austauschen sollen. Weil Liebe

durch den Magen geht und interkulturelle

Liebe bestimmt auch.

Nancy Simon Gesine Lyonel Stella Georg Wiebke

Georg: Viel Engagement, Lust und Zeit in

der Natur zu verbringen. Je nachdem was

man machen will, vielleicht politisches Engagement

und Interesse. Vielleicht Interesse,

mit Kindern zusammen zu arbeiten und ansonsten

sich mit Menschen auszutauschen.

Nancy: Ich denke, man sollte auf jeden Fall

Spaß haben, draußen zu sein und Interesse

an Dingen haben, die ein bisschen unkonventionell

und anders als in der Schule ablaufen.

Und Spaß daran haben, sich persönlich

weiter zu entwickeln, gehört auch

dazu.

2. Beschreibe die Naturfreundejugend in

einem Satz.

Wiebke: Ganz einfach: Jung, bunt, draußen,

aktiv.

Stella: Chaos, das funktioniert.

Lyonel: Politische, ökologische Organisation,

die toll ist.

Simon: Wir sind ein politischer Verband,

der Freizeit mit kultureller und politischer

Arbeit irgendwie verbindet.

Georg: Die Naturfreundejugend ist sehr

engagiert, umwelttechnisch aktiv und Berg

frei.

Nancy: Die Naturfreundejugend ist sehr

vielfältig.

Dass wir keinen Mainstream bedienen,

sondern unser ganz eigenes

Programm machen, unseren ganz

eigenen Schuh bauen und dadurch

ganz speziell sind.

Nancy: Ein tolles Erlebnis war zum Beispiel

2012 in der Türkei, in der Nähe von Ankara.

Es war schön, all diese Menschen kennenzulernen,

denen auch Nachhaltigkeit

am Herzen liegt und die Bock darauf haben,

gemeinsam was zu machen.

4. Was ist an uns besonders?

Wiebke: Dass wir keinen Mainstream bedienen,

sondern unser ganz eigenes Programm

machen, unseren ganz eigenen Schuh bauen

und dadurch ganz speziell sind.

Stella: Ich weiß nicht, wir brechen aus diesem

Quotenöko raus, das mag ich. Das ist

so ein bisschen speziell.

Lyonel: Wir sind cooler als die Anderen.

Simon: Wir sind der umfassendste Verband,

den es so gibt.

Gesine: Das vielfältige Programm und dass

wir uns nicht drauf versteifen, entweder nur

ein politischer Verband zu sein oder nur auf

Stella: 2016 fange ich an zu studieren und

dann muss ich erst mal gucken, wie ich das

dann in meinen Zeitplan reinkriege. Aber

wenn, dann vor allem im Ortsverband.

Lyonel: Die Weltrevolution.

Simon: Arbeit mit Geflüchteten, der Kampf

gegen den wieder aufkeimenden, großflächigen

Rassismus.

Arbeit mit Geflüchteten, der Kampf

gegen den wieder aufkeimenden,

großflächigen Rassismus.

Gesine: Zusätzlich zur Arbeit mit Geflüchteten

das Bundestreffen und Freizeiten.

Georg: In der Ortsgruppe Eberswalde

wollen wir besonders mit geflüchteten

Menschen auch Umweltbildung betreiben.

Außerdem planen wir, eine Umweltbildungsgruppe

mit verschieden Kitas und

Horten in Eberswalde zu starten.

Nancy: Sehr viele Freizeiten im interkulturellen

Bereich und Projekttage zum Thema

demokratische Mitbestimmung. Außerdem

natürlich das Thema Nachhaltigkeit

zusammen mit geflüchteten Menschen.

Also es steht sehr viel an!

1997

Die Bundeskonferenzen des Kinder- und des Jugendverbands der NaturFreunde Deutschlands beschließen

in Erfurt ihren Zusammenschluss. Anschließend findet die erste gemeinsame Bundeskonferenz statt.


Seite 10

90 Jahre Naturfreundejugend

Mai 2016

40 jahre iynf

2015 war ein Jahr, das uns bei der IYNF

(International Young Naturefriends; Naturfreundejugend

Internationale (NFJI)) im

Gedächtnis bleiben wird. Seit nun schon

über vier Jahrzehnten setzten sich junge

Menschen in der IYNF für unsere gemeinsamen

Naturfreunde-Werte in Europa ein.

Im letzten Jahr feierten wir daher „40 years

of connecting and inspiring”. In dem gesamten

Jahr machten wir eine Zeitreise zurück

in die Geschichte der Naturfreundebewegung.

Zu wissen, dass die NaturFreunde

seit 121 Jahren existieren und sich seit dieser

Zeit für Solidarität, Gleichheit, Respekt

& Liebe für die Natur einsetzen, ist etwas,

auf das wir stolz sein können. Und wir wollen

das noch einmal 100 Jahre tun!

Hier gruben wir alte Geschichten

aus, lernten über die NaturFreunde

während den beiden Weltkriegen, die

Gründe all die Naturfreundehäuser

in Europa zu bauen (...)

Im September feierten wir dann den vierzigsten

Geburtstag der IYNF in unserer

Geschäftsstelle in Prag. Nach all der Beschäftigung

mit der Vergangenheit war es

Zeit, sich der Zukunft zuzuwenden und

nach vielen Planungen und Aktivitäten ging

der Abend dann in eine rauschende Naturfreundefeier

über.

Als letzte Aktivität des Jahres beteiligten

wir uns am People’s Climate March in

Paris und Brüssel zum Start der Klimaverhandlungen.

Obwohl die Demonstrationsmöglichkeiten

durch die Anschläge in Paris

sehr eingeschränkt wurden, hatte die IYNF

den starken Wunsch, die weltweite Umweltbewegung

zu unterstützen.

Im letzten Jahr hat sich in Europa viel getan

und die IYNF will die zukünftigen Gefahren

nicht ignorieren. Als internationale Jugendorganisation

mit dem Motto „connect &

inspire” setzen wir uns für Verbindungen

quer durch ganz Europa ein und wir werden

uns weiter für Internationalismus und Respekt,

für interkulturelle Differenzen und

Hintergründe engagieren. Dafür setzen wir

verstärkt auf das Internet und haben 2016

zum Jahr der „E-Participation” erklärt, in

dem wir Chancen und Risiken des Internets

als junge Naturfreunde kritisch reflektieren

wollen. Wer weiß, vielleicht werden auch

einige von euch dieses Jahr an unseren Aktivitäten

teilnehmen?

Falls nicht, werden wir uns aber auf jeden

Fall auf dem Bundestreffen sehen. Wir

freuen uns als IYNF jetzt schon darauf, an

den Feiern zum neunzigsten Geburtstag der

Naturfreundejugend teilzunehmen!

von Thomas Gits

Übersetzung: Jannis Pfendtner

Wir starteten mit der jährlichen „Networking

Conference“ in Lage Vuursche in den

Niederlanden in das Jahr. Hier gruben

wir alte Geschichten aus, lernten über die

NaturFreunde während der beiden Weltkriege,

die Gründe all die Naturfreundehäuser

in Europa zu bauen und über die

Geschichte des Grußes „Berg Frei“.

Im Sommer führte die IYNF ein Workshopund

Bildungscamp zu Outdoorthemen,

Kunst und naturpädagogischen Methoden

durch. Zudem besuchten wir mit den ungarischen

Naturfreunden das riesige Sziget

Festival, um unter und mit den Feiernden

die Idee der Nachhaltigkeit zu verbreiten.

2000

Die Naturfreundejugend Deutschlands veranstaltet ihren ersten Kindergipfel anlässlich der Weltausstellung

Expo in Hannover. Prominentester Gast ist Bundeskanzler Gerhard Schröder. Seitdem finden alle zwei Jahre

Kindergipfel unter dem Motto “Kinder reden, Erwachsene hören zu” statt.


Seite 11

90 Jahre Naturfreundejugend

Mai 2016

Die Kuschelzeit kommt

Angenommen, es finden sich weiterhin so

viele Menschen wie bisher, um gemeinsam

unzählige kleine Kopien ihrer selbst in

die Welt zu setzen, so werden wir es in der

Zukunft ziemlich kuschelig auf unserem

blauen Planeten haben.

Gerade wir Naturfreund*innen lehren auf

Freizeiten und Workshops, wie mensch

kuschelige Atmosphären genießt. Damit

das Miteinander auf unserem kuscheligen

Planeten weitestgehend sozial bleibt,

braucht die Menschheit uns.

Es kuschelt sich gut in der Herde.

Daher werden sich zahlreiche

Menschen in Ballungszentren,

sogenannten Städten, zum Kuscheln

zusammenrotten.

Da unsere Erde leider ein unverbesserliches

Naschkätzchen ist, wird in Zukunft

ihr gesunder Teil gegenüber dem ungesunden

Teil an Land verlieren. Dadurch werden

sich vor allem in den Küstenregionen der

Welt neue Wandergruppen gründen, die

sich ambitionierte Ziele wie Europa stecken

werden. Damit es ein einvernehmliches

und kuscheliges Miteinander mit den

Wandersleuten von weither gibt, braucht

es natürlich einheimische Wandersleute,

die den Neuankömmligen einen herzlichen

Empfang zu bereiten wissen. Uns.

von Steffen Filz

Es kuschelt sich gut in der Herde. Daher

werden sich zahlreiche Menschen in

Ballungszentren, sogenannten Städten,

zum Kuscheln zusammenrotten. Für so

viele engagierte Kuschler*innen braucht

es Wohnungen, Geschäfte und, und, und.

Dadurch werden die eigenbrötlerischen

Bäume und Blumen vertrieben. Da diese

aber gute Freunde der Menschen sind und

man sich gerne weiterhin auf einen

Schnack treffen will, braucht es

ein Bindeglied, das Treffen organisiert.

Das sind dann wohl wir,

die Baumfreund*innen, eher bekannt als

Naturfreundejugend.

Dadurch werden sich vor allem in

den Küstenregionen der Welt neue

Wandergruppen gründen, die sich

ambitionierte Ziele wie Europa

stecken werden.

Wie bei Lollis, so gibt es auch bei den

fossilen Energien nur begrenzte Mengen,

und der Konsum bringt Nachteile

mit sich. Damit unsere Erde nicht

zu viel Lollis konsumiert und dadurch

an einem Herzinfarkt oder etwas

vergleichbarem stirbt, braucht es uns, die

Naturfreund*innen. Damit der Konsum angeprangert

wird und auf alternative, gesunde

Dinge zum Schnabulieren hingewiesen

wird. Zudem werden Obst und Gemüse

den Großteil der Lollis ablösen, oder eben

erneuerbare Energien die meisten fossilen

Energien.

2016

Die Naturfreundejugend Deutschlands feiert ihr neunzigjähriges Bestehen mit einem

großen Bundestreffen in Michelstadt. Das Motto lautet “Vielfalt statt Einfalt -

90 Jahre jung.bunt.aktiv”


Seite 12

Verbandskasten

Mai 2016

Mit Verbänden was bewegen?!

Vielen Jugendverbänden fällt es schwer

neue Mitglieder an sich zu binden. Lange

Sitzungen, Vereinsmeierei, eigenartige

Traditionen – das klingt nicht gerade jung.

bunt.aktiv. Braucht es eigentlich Verbände,

um sich politisch zu organisieren? Finn

und Frauke haben da ganz unterschiedliche

Einschätzungen.

ja!

Verbände sind ein

Stück Demokratie!

Stellen wir uns eine

Person vor. Wir nennen

sie Friis.

Friis möchte ein

politisches Ziel verfolgen,

weil sie sich

schon immer für

Umweltpolitik interessiert

hat. Jetzt liest

Friis zum Beispiel

in der Uni einen Flyer

der Naturfreundejugend,

auf dem für

ein ganz ähnliches

Ziel geworben wird.

Was hat Friis jetzt

für Vorteile, wenn

sie sich an einen

Verband wie die

Naturfreundejugend

wendet?

Der größte Vorteil sind die anderen

Menschen.

Der größte Vorteil sind die anderen Menschen.

Wenn Friis sich einen Verband aussucht,

wird sie Leute mit ähnlichen Zielen

treffen. Auch wenn die Ziele nicht immer

ganz deckungsgleich sind, so kann man

doch immer an anderen Meinungen und

Diskussionen wachsen.

Auch können viele Menschen auf verschiedenen

Ebenen bei der Erreichung eines

Ziels helfen. Das können beispielsweise die

hauptamtlichen Mitarbeiter*innen sein, die

Friis jederzeit anrufen kann, damit sie ihr

bei der Organisation einer Freizeit, Demo

oder Aktion helfen.

Ein wichtiger Punkt ist auch das politische

Gewicht von Verbänden. Vielleicht findet

Friis eine Mehrheit für ihr Thema im Verband.

Dann schließt sich dieser mit anderen

Verbänden zusammen, setzt Geld in Bewegung

und organisiert eine große Demo.

Wenn am Ende 250.000 Menschen in Berlin

protestieren, hat das einen ganz anderen

Stellenwert, als wenn Friis sich alleine auf

den Bahnhofsvorplatz stellt und gegen

TTIP demonstriert.

Auch wenn die Ziele nicht immer

ganz deckungsgleich sind, so

kann man doch immer an anderen

Meinungen und Diskussionen

wachsen.

Vor allem bei der Naturfreundejugend kann

man sich in unglaublich vielen verschiedenen

Bereichen engagieren, und trifft viele

Leute immer wieder, die man vielleicht

irgendwann seine Freund*innen nennt.

Ihr habt euch fast alle für die Naturfreundejugend

entschieden. Vieleicht aus diesen

Gründen. Vieleicht aus ganz anderen Gründen.

Aber es wird hoffentlich noch vielen

Leuten so gehen wie unserer Person am

Anfang.

Und hoffentlich entscheiden sich noch viele

für ein Engagement in Verbänden, denn

sonst würde ein Stück Demokratie sterben.

von Finn Houska

nein!

Locker kommt mensch auch zum Ziel.

Für das Erreichen von Zielen, beim Engagement

in der Gesellschaft – oft wählen

Menschen keine festen Vereine mehr. Sie

bilden lose Netzwerke, Gruppierungen

oder Bündnisse. So läuft es oft in der Tierrechtsbewegung.

Das Bündnis Tierfabriken

Widerstand

beispielsweise hat es

sich zur Aufgabe gemacht,

neu geplante

Mastanlagen zu recherchieren,

Bürger-

*innen der betreffenden

Gemeinden frühzeitig

zu informieren

und sie beim Starten

einer Protestgruppierung

zu unterstützen.

Besucht mensch ihre

Website, so findet er*

sie Informationen zu

allen neuen Bundesländern.

Viele Gruppen in der

veganen Tierrechtsbewegung

arbeiten eng

und informell zusammen

– die Aktivist*innen

kennen sich meist

gegenseitig gut und

stehen in direktem

Kontakt.

So ist es möglich, dass politische Aktionen

schnell und unbürokratisch

von wenigen Personen getragen

werden können.

So ist es möglich, dass politische Aktionen

schnell und unbürokratisch von wenigen

Personen getragen werden können. Bei

freundschaftlichen Treffen, die ohnehin

stattfinden, werden Ideen gesponnen und

manchmal konkretisiert. Findet eine Idee

engagierte Mitstreiter*innen, wird sie gemeinsam

umgesetzt. Einen festen Verband

möchte das Bündnis nicht gründen, denn

der Aufbau kostet Zeit und bindet Ressourcen

– und es geht eben auch gut ohne.

von Frauke Gehrau


Seite 13

Verbandskasten

Mai 2016

Die Bundesleitung berichtet

Eine Demo mit einer Viertelmillion Menschen,

ein Bundesausschuss zum Thema

Geflüchtete, ein Naturfreundehaus, das

saniert werden möchte und nebenbei noch

die Welt retten?

Zumindest versuchen wir von der Bundesleitung

(BL) der Naturfreundejugend

Deutschlands, dass unser Verband und auch

die Welt besser werden.

Im April letzten Jahres wurde auf unserer

Bundeskonferenz in Wiesbaden eine neue

BL gewählt. Zu den „alten Hasen“ kamen

neue Gesichter, die unsere Arbeit bereichern

und neue Impulse setzen. Nach dem

Kennenlernen fanden wir uns auch schon in

den Vorbereitungen zur Großdemo in Berlin

gegen die Freihandelsabkommen TTIP,

CETA und TiSA. Die Demo war, genau wie

die Begleitworkshops, ein voller Erfolg,

da sie gezeigt hat, welch breite Masse

der Bevölkerung gegen die fehlgeleitete

Wirtschaftspolitik der westlichen Länder

ist. Außerdem haben einige aus der BL mit

Ehrenamtlichen aus den Landesverbänden

an einer großen Gedenkstättenfahrt unter

dem Motto „Dass Auschwitz nie wieder

sei“ teilgenommen.

Seit längerer Zeit ist auch die Solidarisierung

mit und die Unterstützung von Geflüchteten

Thema im Verband. So haben wir

auf dem Bundesausschuss im Dezember

2015 versucht, von, mit und für die Landesverbände

Beispiele der erfolgreichen Arbeit

mit Geflüchteten zu sammeln und zu erarbeiten.

Die anhaltende gesellschaftliche

Entwicklung nach rechts zeigt, wie wichtig

es ist und sein wird, ein Zeichen für ein

menschenwürdiges, offenes, tolerantes

und solidarisches Deutschland und einen

solchen Verband zu setzen. Auch deshalb

haben wir uns entschlossen, einen Projektantrag

zu stellen, mit dem unser Konzept

„Umweltdetektive“ zur besseren Arbeit mit

geflüchteten Kindern ausgebaut werden

kann.

Die anhaltende gesellschaftliche

Entwicklung nach rechts zeigt, wie

wichtig es ist und sein wird, ein

Zeichen für ein menschenwürdiges,

offenes, tolerantes und solidarisches

Deutschland und einen solchen

Verband zu setzen.

Im März war die BL im Senegal, um dort

die Arbeit der senegalesischen Naturfreund*innen

kennenzulernen und gemeinsam

einen internationalen Austausch

durchzuführen.

In Kürze erscheint zudem unsere Broschüre

zum Start von Naturfreundejugend-

Hochschulgruppen, so dass wir hoffentlich

bald im ersten Kontakt mit neuen, potentiellen

Gruppen stehen werden.

Ein weiteres Thema, dass uns im Frühling

und Sommer wahrscheinlich sehr beschäftigen

wird, ist die Planung von Sanierungsund

Umbaumaßnahmen im Naturfreundehaus

Hannover.

Danach werden sicher neue Aufgaben und

Projekte kommen und wir werden weiter

die Welt retten, oder zumindest einen

kleinen Beitrag dazu leisten, dass das

möglich wird.

Auf dem Laufenden über unserer Arbeit

bleibt ihr, wenn ihr unseren Newsletter

abonniert.

Berg frei!

von Sascha Böhm

Für die Bundesleitung der Naturfreundejugend

Deutschlands


Seite 14

Verbandskasten

Mai 2016

Vernetzungstreffen

Demokratie und

Mitbestimmung

Du bist Naturfreund*in. Du hast Interesse

an (sozial)politischen Themen. Du

diskutierst gern mit anderen politisch interessierten

Menschen. Du hast Bock auf

Bildung.

Wir auch!

Deshalb laden wir dich vom 24. bis zum

26. Juni nach Berlin ein, zum Vernetzungstreffen

des Fachbeirats Demokratie und

Mitbestimmung.

Unter der Überschrift „Gedenken und Erinnern“

wollen wir uns an diesem Wochenende

insbesondere mit zwei Themen und

deren Schnittmenge auseinandersetzen:

Mit der deutschen Kolonialgeschichte und

mit der NS-Zeit.

In diesem Zusammenhang besuchen wir

unter anderem das Holocaust-Mahnmal

und erfahren hier etwas über die Verstrickung

der deutschen Industrie mit dem Holocaust.

Außerdem nehmen wir an einem

Postkolonialen Stadtrundgang durch Berlin

teil. Zwangsmigration, Rassismus und

Welthandel, koloniale Gewalt und ihre

Rückwirkungen sind dabei einige Themen,

auf deren Spuren wir die Stadt erkunden.

Natürlich bietet dir das Wochenende auch

die Möglichkeit, ganz viele andere Naturfreund*innen

zu treffen, dich mit ihnen

austauschen, mit ihnen Spaß zu haben und

gemeinsame Aktionen zu planen.

Infos und Anmeldung bei Lukas

(lukas@naturfreundejugend.de).

Wir freuen uns auf dich!

Finn, Lyonel und Lukas

Neue beweg!gründe:

Transformation global

Bist du der Meinung, dass Wirtschaftswachstum

schon lange nicht mehr gleichbedeutend

mit Fortschritt und Wohlstand

ist, sondern ziemlich oft sogar das Gegenteil

bewirkt? Hast du das diffuse Gefühl,

dass sich die großen Krisen unserer Zeit

auf einen Nenner bringen lassen – du

weißt bloß nicht wie?

Wenn du dennoch nicht den Glauben an das

„schöne Leben“ verloren hast, dann ist das

Projekt beweg!gründe genau das Richtige

für dich. Gemeinsam wollen wir uns auf

den Weg machen.

Und zwar buchstäblich: Zu Fuß. Mit Rucksack.

Mit Reiseproviant.

Wir wollen Orte erwandern, an denen Alternativen

in ökonomischer, ökologischer und

sozialer Hinsicht bereits gelebt werden. Wir

werden mit Menschen ins Gespräch kommen,

die an diesen Orten leben, lieben und

arbeiten. Auf dem Weg dorthin diskutieren

wir über eine nachhaltige Gesellschaft und

tauschen uns aus über den gesellschaftlichen

Wandel.

Exkursion #1 zum Thema Entwicklung

vom 20. bis 22.05.2016

Exkursion #2 zum Thema Buen Vivir

vom 17. bis 19.06.2016

Exkursion #3 zum Thema Solidarität vom

30.09. bis 02.10.2016

Exkursion #4 zum Thema

Weltgemeinwohl vom 04. bis 06.11.2016

Wir erarbeiten die notwendigen Bedingungen,

reden über Hindernisse und Hürden und

entdecken die Chancen des Wandels. Obendrein

gibt es reichlich Raum zum Nachdenken

und Genießen im Grünen.

Infos und Anmeldung unter

nfjd.de/transformationglobal


Seite 15 Verbandskasten

Mai 2016

Bundestreffen 2016:

Vielfalt statt Einfalt

9 0 Ja hre ju n g.b u nt.a ktiv

Du hast Lust auf:

Klettern, Riverbug, Upcycling,

veganes Sushi, Slackline, Geocaching,

Natur, Lagerfeuer?

Du interessierst dich für:

Antirassismus, Gedenken und Erinnern,

Reisen, Naturschutz, Solidarität,

Inklusion, Mitbestimmung?

Du willst:

Chillen, deine Juleica verlängern

oder Freund*innen aus der

Sommerfreizeit treffen?

Dann komm zum

Bundestreffen!

Wann?

30.09. - 03.10.2016

Wo?

CVJM Camp

Michelstadt, Odenwald

Wer?

Naturfreund*innen

von 12 bis 27 Jahren


Seite 16

Verbandskasten

Mai 2016

“Wir sind hier, wir sind laut,

weil man uns die Zukunft klaut“

oder „Fahrrad statt Feinstaub“. Ganz getreu

unserem Motto „jung. bunt. aktiv“ waren

auch wir Naturfreund*innen in Stuttgart

unterwegs und haben uns für saubere Energie

stark gemacht.

Sogar die Verkäufer*innen in den

angrenzenden Läden wippten mit

und ließen sich von der anregenden

Stimmung mitreißen und

begeistern.

Kinder und Kindeskinder darunter leiden.

Deshalb waren wir als Naturfreundejugend

und Vertreter*innen unserer Generation

bei der Climate Parade dabei.

Ich denke, wir haben viele Menschen begeistert

und konnten einmal mehr auf die

Gefahren des Klimawandels aufmerksam

machen.

von Maria Turkan

Am 28. November 2015 hat das „Junge

Umwelt Bündnis“ die „Climate Parade

Stuttgart“ anlässlich des Pariser Weltklimagipfels

(COP) veranstaltet.

Marcel Roth, der Versammlungsleiter

der Demonstration, forderte gemeinsam

mit den rund 500 Teilnehmer*innen ein

verbindliches Klimaabkommen. Neben

vielen weiteren Verbänden, Bündnissen,

Gruppierungen und natürlich vielen Einzelbesucher*innen

war auch die Naturfreundejugend

Stuttgart vertreten.

Kreative Schilder und bunte Kostüme

machten den Platz gegenüber des Hauptbahnhofs

zu einem spannenden Schauplatz.

Sprechchöre begleiteten die Demonstration

und forderten „Grüner Strom statt Atom“

Das etwa fünf Meter lange durch Pedalkraft

angetriebene Lastenrad, kurz Klimabike,

führte die Climate Parade an. Es stand sinnbildlich

für den Wunsch nach einer umfassenden

Energiewende. Trotz der sehr ernsten

Thematik und der Angst um unsere

Zukunft war die Stimmung hoffnungsvoll.

Auf dem Klimabike legte ein DJ elektronische

Musik auf, zu der die ganze Menschenmenge

im Stadtzentrum tanzte. Sogar

die Verkäufer*innen in den angrenzenden

Läden wippten mit und ließen sich von der

anregenden Stimmung mitreißen und begeistern.

Wir sind die erste Generation, die vom Klimawandel

betroffen sein wird. Wenn sich

jetzt nichts ändert, dann werden auch unsere

Landesjugendkonferenz Brandenburg

Stell dir vor, du bist auf der Flucht

Seeuntüchtige Schlauchboote, Leichensäcke,

dann überfüllte Sammelunterkünfte

und besorgte und „besorgte“ Bürger*innen:

Mit diesen Bildern startete die Landesjugendkonferenz

2016 in Brandenburg.

Aus Europa werden viele subventionierte

Lebensmittel in afrikanische

Länder exportiert, sind dort

viel billiger als regionale Produkte

Neben zahlreichen Naturfreund*innen kam

auch Patrick zu Besuch nach Potsdam, um

seine Fluchtgeschichte zu erzählen. Im

Alter von 15 Jahren musste der Kameruner

die Schule verlassen, um seine Familie

zu ernähren. Drei Jahre später wandert er

nach Libyen aus, wo er einen Ausbildungsplatz

und Arbeit fand. Doch dann brach

der Arabische Frühling aus. Patrick wurde

Opfer von Rassismus und Misshandlungen.

Er floh über den sechs Meter hohen Zaun

in Marokko nach Ceuta, dann über Spanien

bis nach Deutschland. So wie Patrick

flohen alleine 2015 knapp eine Millionen

Menschen unter größter Lebensgefahr aus

ihrer Heimat nach Deutschland.

Fakt ist: Wir in Europa tragen die Verantwortung

dafür, dass Menschen aus

wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat

verlassen. Aus Europa werden viele subventionierte

Lebensmittel in afrikanische

Länder exportiert, sind dort viel billiger als

regionale Produkte – bekannteste Beispiele:

Hühnchen und Tomaten. Forciert wird dies

durch Freihandelsabkommen (EPAs), die

eine Zollfreiheit fordern.

Wie aber können wir persönlich und in unserem

Umfeld aktiv werden, damit sich etwas

ändert? Für die Teilnehmer*innen an

der Landeskonferenz stand fest: Im persönlichen

Umfeld bei politischen Diskussionen

dagegen halten und Rassismus klar benennen.

Und wer die Möglichkeiten hat: Helft

geflüchteten Menschen. Refugees welcome!

von Frauke Gehrau


sportausbildung mit den

natuRfreunden

06/06/16

-

10/06/16

15/07/16

[B279V]

Das Klettercamp eignet sich besonders für den Umsteiger, der

aus der Kletterhalle kommt und sein Kletterkönnen am natürlichen

Fels ausprobieren will. Genauso für den erfahrenen Felskletterer,

der sein persönliches Können steigern und die Seil -

und Sicherungstechnik unter sachkundiger Anleitung perfektionieren

will.

Ort NF-Preis Gast-Preis

Leutasch (A)

am Plansee (A)

250,00

45,00

525,00

75,00

[B271X]

Der angebotene Schnupperkurs stellt einen Einstieg in das

Schluchtenerlebnis dar. Dabei wird an einem Tag in die Erlebnissportart

Canyoning eingeführt.

06/08/16

-

13/08/16

Lienz (A)

40,00

75,00

[X133X]

Die Fachgruppen Bergsport und Kanusport bieten ein umfangreiches

Natursport-Programm an: Klettern, Bergwandern, Geocaching,

Kajak und Riverbug fahren, Canyoning, Mountainbiking,

und Klettersteigtouren.

23/09/16

-

25/09/16

NFH

Rohrberghaus

100,00

200,00

(W201F)

Sinn und Zweck der Erlebnispädagogik auf Wanderungen, viele

praktische Beispiele und Grundlagen.

09/12/16

-

11/12/16

Grainau

150,00

265,00

[B277F]

Der Lehrgang ist für jeden geeignet, der keine spezielle Schneeu.

Lawinenkunde hatte, aber trotzdem im winterlichen Gebirge

unterwegs sein möchte, sei es beim Schneeschuhwandern, Skifahren

oder Wasserfallklettern.


Seite 18

Feuilleton

Mai 2016

Heldin der Arbeit – Frauke Gehrau

Dein Rezept gegen Stress und zu viel

Arbeit?

Bei schönem Wetter rausgehen! Alternativ

laut Klaviermusik hören, und einfach nur

bei der Musik sein.

Ohne was kannst du nicht leben?

Ohne Musik und ohne blauen Himmel.

Was willst du der Welt mit auf den Weg

geben?

Den Glauben an das Gute im Menschen und

daran, dass es möglich ist in einer besseren,

einer solidarischen Gesellschaft zu leben.

Für mich ist die Naturfreundejugend

wie...

eine große, knallbunte und chaotische

Familie.

Wer bist du?

Beschreibe dich in drei Sätzen.

Ich bin eine neugierige Studentin, und habe

eine starke Vorstellung von der Welt hat in

der ich leben möchte. Die Leute sagen über

mich ich sei ein Sonnenschein.

Mit wem würdest du gerne einmal frühstücken

und warum?

Mit Thilo Jung und Gregor Gysi, weil der

eine kluge Fragen stellt und der andere klug

antwortet.

In welchem Geschäft würdest du deine

Kreditkarte überziehen?

Dort, wo ich einen Schuster fände, der

meine Lieblingsschuhe in Handarbeit herstellt!

von Steffen Filz

Frisurenkarussell

Für die TTIP-Demo im Oktober 2015 hatten

wir die letzte Aufgabe auf „Berliner

Halbformat“ frisiert. Die Frisur (bis auf die

Plastik-Duschhaube…sorry dafür) stand ihr

nicht schlecht, aber wir konnten nicht stillsitzen

und wollten zusammen mit der neu

aufgestellten Redaktion weiter „rumstylen“.

Jetzt haben wir wieder etwas Neues

ausprobiert: Das Wendeheft zusammen mit

der KidsPower. Warum der Wechsel, wollt

ihr wissen? Statt die ganze Organisation

von Layout über Produktion bis zur Verteilung

für zwei Hefte getrennt anzulegen,

werfen wir einfach alles zusammen. Das

spart überhaupt keine Zeit, aber mächtig

Ressourcen. Super naturfreundlich also!

Aber eine inhaltliche Frage müsst ihr uns

bitte unbedingt beantworten: Wie liest sich

denn das neue Heft? Wir freuen uns über

Meinungen, Lob und Kritik!

Und wisst ihr, worüber wir uns

noch viel mehr freuen?

Wenn ihr mitmacht bei der nächsten

[ke:onda].

Und wisst ihr, worüber wir uns noch viel

mehr freuen? Wenn ihr mitmacht bei der

nächsten [ke:onda]. Wir suchen immer

Leute, die Spaß am Texten, Fotografieren,

Illustrieren oder Konzeptionieren haben.

Das nächste Heft wird sich mit dem Themenschwerpunkt

„Vielfalt“ beschäftigen.

Habt ihr Lust, mit einzusteigen bei der

„besten Jugendzeitschrift der Welt“?

Dann schreibt uns unter

keonda@naturfreundejugend.de.

Eure Redaktion

Unser nächstes Redaktionstreffen ist vom

24. - 26. Juni.


Seite 19

Feuilleton

Mai 2016

Er/Sie/Es geht

Wir flüchten aus unserem Alltag

Vor dem Chaos in unserem Kopf

Weil es nie etwas gibt, das jeder mag, verkriechen wir uns in unserem eigenen Topf

Wir flüchten vor Streit und Unannehmlichkeiten

Weil wir Pein und Scham vermeiden wollen

Wir wollen keinen Hass, sondern Liebe verbreiten

Und für die Definition dessen gibt es keine Kontrollen

Niemand fragt, warum wir manchmal einfach gehen

Weil jeder weiß, man braucht mal Ruhe

Und man kann nicht immer am selben Punkt stehen

Manchmal muss man neue Wege gehen

Doch dafür braucht man Schuhe

Schuhe. Die dich vor Schnittwunden bewahren

Schuhe. Damit du nicht jeden einzelnen Stein spürst

Schuhe. Damit du sicher ankommst, ohne Gefahren

Schuhe. Die dich unterstützen, wenn du ein neues Leben führst

Schuhe, die auch Abdrücke hinterlassen

Abdrücke, die sich einteilen lassen in Klassen

Klassen, die Größen und Marken bestimmen

Klassen, die unsere Wesen verkrümmen

Die uns einfach einschränken in unserem Wesen

Die uns ausgrenzen, wie in der Abstellkammer der Besen

Denn der steht dort im Dunkeln so allein

dabei könnt’ er so viel mehr als nur ein Schmutzfeger sein

Vor wie vielen Spinnen hat er uns schon gerettet

Und wie viele Türen hat er schon versperrt

Wie oft haben wir seinen Genuss schon verwettet

Und wie oft haben wir ihm dafür Anerkennung verwehrt

Wir alle könnten so sein wie dieser Besen

Abgegrenzt und eingeschränkt in unserem Wesen

Weil man uns eingeteilt hat in irgendwelche Klassen

gemessen an den Abdrücken unserer Schuhe, die wir hinterlassen

Es gibt auch Abdrücke, die haben fünf Zehen

Die haben keine Marke, sondern sind ganz einfach gemacht, um zu gehen

Weil jeder weiß, man braucht mal Ruhe

Und man kann nicht immer am selben Punkt stehen

Manchmal muss man neue Wege gehen

doch dazu braucht man Schuhe

Schuhe. Die dich vor Schnittwunden bewahren

Schuhe. Damit du nicht jeden einzelnen Stein spürst

Schuhe. Damit du sicher ankommst, ohne Gefahren

Schuhe. Die dich unterstützen, wenn du ein neues Leben führst

Wir alle flüchten manchmal

Und ziehen uns dann Schuhe an

Frei nach dem Motto: Wer hat, der kann.

Doch es gibt auch Abdrücke, die haben fünf Zehen

Die haben keine Marke, sondern sind ganz einfach gemacht

– um zu gehen

Valeria Pfeifer, 2015


Seite 20

Feuilleton

Mai 2016

Senegal: Fotos ohne Vorurteile?

25. April 2016, es geht los: 10 Tage Fachkräfteaustausch

im Senegal mit unseren

Naturfreund*innen von ASAN (Association

Sénégalaise des Amis de la Nature).

Ich bin gespannt und hoffe darauf, tolle

Fotos für die [ke:onda] machen zu können.

Begeistert hole ich meine Kamera raus,

um alles zu fotografieren was ich sehe und

erlebe.

Unsere senegalesischen Naturfreund*innen

mit Smartphone und

Sonnenbrille? Die zahlreichen

Jogger, die am Naturfreundehaus

vorbei laufen?

Oder suche ich explizit andere, eher ungewohnte

Afrikabilder: Unsere senegalesischen

Naturfreund*innen mit Smartphone

und Sonnenbrille? Die zahlreichen Jogger,

die am Naturfreundehaus vorbei laufen?

Die große Statue „Monument de la Renaissance

Africaine“ in Dakar? Nur diese Fotos

zu zeigen, wäre wohl auch wieder verzerrt.

Ich halte mich also erst einmal an Vito, einen

unserer naturfreundlichen Begleiter.

Ob man will oder nicht, mit der

Auswahl der Motive, den Kameraeinstellungen

und den Kontexten,

in denen man die Fotos verwendet,

erzeugt man immer eine Aussage.

Die Gesichtserkennung meiner Kamera

versagt. Auf Gruppenfotos sind die Gesichter

unserer senegalesischen Freund-

*innen nur unterbelichtet und ohne

Kontur zu erkennen. Automatische Kameraeinstellungen

nur passend für

weiße Menschen?

Doch dann komm ich ins Grübeln: Was erzählen

meine Fotos über den Senegal und

seine Bewohner*innen? Was berichte ich

nach der Reise? Was will und darf ich fotografieren?

Die Müllkippe vor Dakar auf

der Menschen davon leben, brauchbare

Müllstücke herauszusuchen und zu verkaufen?

Die Schwarzen Kinder, die uns bei

unserer Ankunft in Diadieum 3 umringen?

Die für uns einfach aussehenden Lehmhütten?

Typische Bilder also, die wir alle von

Afrika kennen?

Es scheint als wäre es alles andere

als einfach, „rassismusfreie“ Fotos

zu machen und ausgewogen von

den verschiedenen Elementen einer

solchen Reise zu erzählen. Ob man

will oder nicht, mit der Auswahl der

Motive, den Kameraeinstellungen

und den Kontexten, in denen man

die Fotos verwendet, erzeugt man

immer eine Aussage.

Und so vielschichtig

mir meine Eindrücke

aus dem

Senegal auch erscheinen,

so bilden

sie bestenfalls einen

kleinen Ausschnitt

des Lebens in dem

Land und ganz bestimmt

einen verschwindend

geringen Teil der

Vielfalt des afrikanischen

Kontinents ab.

von Lina Mombauer

Lust mit deiner Kinder- oder Jugendgruppe

etwas zum Thema Rassismus zu machen?

Eine Handreichung für Teamer*innen mit

Hintergrundinformationen und Methoden

kannst du bei uns bestellen.

www.naturfreundejugend.de/Impulse

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