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Einblick 01/2018: Titelthema "Gesunde Kultur - so läuft Gesundheitsmanagement an der HSZG"

Magazin der Hochschule Zittau/Görlitz

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Einblick // Inhaltsverzeichnis

28

40 32

GESUNDE KULTUR

6 Gesundheit ist ein wichtiges Gut

Für eine Hochschule ist es wichtig, dass es

ihren Mitarbeitern gut geht.

8 Beruf und Privates vereinen

9 Einfach loslegen und kreativ

sein!

10 Bauchnabel küsst Wirbelsäule

Unsere Autorin macht jeden Dienstag mit 15

Rentnern Sport, die viel fitter sind als sie.

13 Rückzugsorte für Eltern schaffen

14 Gesundheit gut – alles GUt!

Bereits im vierten Jahr fanden die Gesundheits-

und Umwelttage (GUt) statt.

HOCHSCHULE

16 Newsletter Qualitätsmanagement

17 Aktuelles aus der Hochschule

20 Proaktiv in die Zukunft

Die HSZG hat ihre Planungen bis zum Jahr

2025 unter Dach und Fach.

22 Personal entwickeln und fördern

23 Kunst wieder erlebbar machen!

FORSCHUNG UND TRANSFER

24 Im Alter auf Technik vertrauen

VATI möchte älteren Menschen den Umgang

mit Assistenzsystemen nahebringen.

28 Wege in eine neue Gesundheitskultur

Görlitzer entwickeln praktische Forschungsräume.

30 Neue E-Info Plattform

AMiCE steht für mehr Wettbewerbsfähigkeit

und lebendige Partnerschaften.

2


Inhaltsverzeichnis // Einblick

10 36

9 38

STUDIUM UND LEHRE

31 Sieben neue Ingenieurpädagogen

Ingenieurdidaktische Kompetenz von

Hochschulmitarbeitern der MINT-Fakultäten

wird gefördert.

32 „Um diese Menschen habe ich

große Angst“

Gerald Hüther im Interview über Herausforderungen

und wie wir sie meistern

können.

MENSCHEN

40 Heute schon gestern getroffen?

Ein bekannter Yogi-Meister aus Nepal

kommt nach Görlitz.

42 Herausragende Leistungen

45 Neuberufungen

48 Verabschiedungen

34 Perspektive gewechselt

INTERNATIONALES

35 Ausländerin im Quadrat

36 Die HSZG im Lernraum mit

Tschechien

Fünf wissenschaftliche Bibliotheken

entwickeln einen grenzüberschreitenden

Lernraum.

38 Studienreise nach Schottland

Masterstudierende reisen zum World Symposium

of Responsibility and Sustainability

in Edinburgh.

RUBRIKEN

5 Blickfang

26 Poster Rückenschule im Büro

Nur einige Minuten Bürogymnastik pro Tag

können helfen, Beschwerden vorzubeugen.

51 Fernblick

3


EDITORIAL

Liebe Leser und Leserinnen,

2014 fing es an: als ich aus meiner Elternzeit

zurück in den Job kam, wollte ich

wie gewohnt mit dem Fahrstuhl in mein

Büro im vierten Stock fahren. Doch über

dem Fahrstuhlknopf prangte unübersehbar

ein Plakat, das mich dazu aufforderte,

die Treppe zu nehmen. Ertappt

schaute ich mich um. In mein Blickfeld

geriet ein Aufsteller, der mir vorrechnete,

wie oft ich die Treppe bis zu meinem

Büro hochsteigen müsste, um ein Stück

Schokolade zu verbrennen. Ganze 9,5

Mal! Für ein Stück Schokolade! Okay gut,

dann eben die Treppe. Irgendjemand

war auch noch so clever und beschriftete

die einzelnen Treppenstufen mit der

Kalorienzahl, die ich beim Erklimmen

der selbigen verbrauche. Immerhin

ganze 0,030 kcal pro Stufe.

Foto: HSZG

Von da an spielte sich jeden Morgen,

nach jeder Mittagspause und jedem

Dienstgang die gleiche Diskussion in

meinem Kopf ab: Treppe oder Fahrstuhl?

Wenn ich recht überlege gab es

diese innere Debatte auch schon früher.

Aber nun redeten Andere mit: das

Plakat, der Aufsteller, die Treppenstufen.

Recht schnell dann auch Kollegen.

Mit dem Ergebnis, dass immer öfter die

Treppe gewann. Es war in diesen Tagen

wirklich sehr schwer, sich für den Fahrstuhl

zu entscheiden.

Und das war gut so. Als recht sportlicher

Mensch hatte ich mir bis dato nicht so

viele Gedanken über Bewegung im

Alltag gemacht. Als berufstätige Mehrfach-Mutter

stellte ich jedoch schnell

fest, dass ich mein früheres Sportpensum

nicht mehr schaffe. Als ich mich

dann auch noch hochmotiviert mit

einem Schrittzähler ausstattete und

feststellte, das ich an einem normalen

Arbeitstag meilenweit von den empfohlenen

10.000 Schritten pro Tag entfernt

bin, war klar, dass mehr Bewegung

in meinen Arbeitstag muss.

Kollegen besuchen anstatt anzurufen,

die Mittagspause für einen Spaziergang

nutzen, mit dem Bus oder Fahrrad auf

Arbeit kommen, Treppe statt Fahrstuhl.

Das klappt schon mal ganz gut. Im kommenden

Semester werde ich mich beim

Hochschulsportkurs Rückenfit anmelden.

Auch wenn meine Kollegin Sophie

Herwig mich da nicht haben möchte

(lesen Sie auf Seite 10). Gegen die obligatorischen

Verspannungen und Rückenschmerzen

helfen mir Übungen am

Schreibtisch oder kleine Yogaeinheiten.

Und warum erzähle ich Ihnen nun all

das? Die Hochschule Zittau/Görlitz ist

ein Arbeitgeber, der die Gesundheit

seiner Mitarbeiter in den Fokus rückt.

Das zeigt sich an vielen Puzzleteilen,

wie den Gesundheits- und Umwelttagen

mit Schrittzählerchallenge und

Hochschul-Stadt-Firmen-Lauf, den vielfältigen

Hochschulsportangeboten, Rückenscreenings,

flexiblen Arbeitszeiten,

der Befragung zur psychosozialen Lage

sowie der Möglichkeit zur Telearbeit.

Und es manifestiert sich in dem Vorhaben

ein Betriebliches Gesundheitsmanagement

einzuführen. In dieser „Gesunden

Kultur“ fällt es mir leichter, auf

mich zu achten.

Die „Nimm-doch-mal-die Treppe-Aktion“

war übrigens ein Projekt unseres

Mach-Mit-Umweltmanagement-Teams.

Danke an dieser Stelle für den Stups in

die richtige Richtung. Ein Problem habe

ich jedoch: für die Treppenstufenbilanz

fehlt mir inzwischen mein Büro in der

vierten Etage unseres alten Verwaltungsgebäudes.

Im Namen der Redaktion wünsche ich

Ihnen Freude beim Lesen und Impulse

für ihr Wohlbefinden. Zum Beispiel mit

Tipps zum Stressabbau von Yogameister

und Naturarzt Dr. Subodh oder mit

der praktischen Übungsreihe für den

Arbeitsplatz zum Herausnehmen.

Herzlich,

Ihre Antje Pfitzner

PS: Mein persönliches Highlight dieser

Ausgabe ist unser Interview mit dem

renommierten Neurobiologen Gerald

Hüther auf Seite 32.

4


1

GESUNDHEIT IST EIN WICHTIGES GUT

Für eine Hochschule ist es wichtig, dass es ihren Mitarbeitern gut geht. Nur wer gesund

ist, kann forschen, lehren oder verwalten – schlicht seinen Job gut machen. Das

gilt sowohl für die physische als auch für die psychische Gesundheit. Darum wird an

der HSZG ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt. Christoph Duscha,

Dezernent für Personal und Recht, erzählt im Interview, was es damit auf sich hat.

DAS INTERVIEW FÜHRTE SABRINA WINTER

Foto: Jens Freudenberg

HERR DUSCHA, WIE FUNKTIO-

NIERT DAS BETRIEBLICHE GE-

SUNDHEITSMANAGEMENT AN

DER HSZG?

Wir verstehen darunter die Zusammenführung

von drei Pfeilern: Gesundheitsförderung,

Arbeitsschutz und betriebliches

Eingliederungsmanagement. Im

betrieblichen Gesundheitsmanagement

wollen wir diese drei Gebiete vereinen.

Unser Fokus liegt dabei auf dem

Personal der Hochschule.

DIESE BEGRIFFE KLINGEN ET-

WAS SPERRIG. NEHMEN WIR

DAS BETRIEBLICHE EINGLIEDE-

RUNGSMANAGEMENT: WAS

STECKT DAHINTER?

Als Arbeitgeber wollen wir dafür sorgen,

dass kranke Mitarbeiter wieder an

ihren Arbeitsplatz zurückkehren können.

Das gibt auch das Sozialgesetzbuch

vor. Wenn jemand länger als sechs

Wochen krank ist, bieten wir ihm oder

ihr ein Gespräch an. Wir versuchen dann

gemeinsam eine Lösung zu finden, um

die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden.

UND WAS MACHEN SIE IM BE-

REICH GESUNDHEITSFÖRDE-

RUNG?

Daran arbeiten wir gerade. Es geht darum,

die Gesundheit unserer Mitarbeiter

zu unterstützen - sowohl physisch

als auch psychisch. Wir fragen uns: Wie

kann die Gesundheit besser gefördert

werden? Das fängt bei der Verbesserung

der Kommunikation an, geht über

„Wir wollen das betriebliche Gesundheitsmanagement

nachhaltig und sinnvoll etablieren“

CHRISTOPH DUSCHA

Kursangebote des Hochschulsports und

hört z.B. bei der Unterstützung durch

technische Geräte wie zum Beispiel ein

Ballonkissen für den Bürostuhl auf.

DER DRITTE PFEILER IST DER

ARBEITSSCHUTZ.

WAS PASSIERT IN DIESEM BE-

REICH?

Darunter fallen Brand- und Katastrophenschutz,

Arbeitsschutzbeleh-

6


Titelthema // Einblick

rungen, medizinische Vorsorgeuntersuchungen.

Außerdem haben wir

gesetzliche Beauftragte für Projekte

und Geräte, zum Beispiel für Strahlenschutz,

sowie eine Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Ein neues Feld im Bereich Arbeitsschutz

ist die psychische Belastung der Mitarbeiter.

UM MEHR ÜBER DIE PSYCHO-

SOZIALE SITUATION AM AR-

BEITSPLATZ HERAUSZUFINDEN,

HAT DIE HSZG EINE BEFRA-

GUNG UNTER IHREN MITARBEI-

TERN DURCHGEFÜHRT.

WAS KAM DABEI HERAUS?

Im Vergleich mit Referenzwerten aus

ganz Deutschland haben wir überdurchschnittlich

abgeschnitten bei der

Verbundenheit mit dem Arbeitsplatz,

der Vorhersagbarkeit der Arbeit, dem

Vertrauen und der Gerechtigkeit sowie

bei der Unterstützung während der Arbeit.

Es gibt zwei Punkte, bei denen wir sagen:

Da sollten wir uns auf alle Fälle verbessern.

Der erste ist das Feedback-Verhalten.

Die Mitarbeiter wünschen sich

mehr Rückmeldungen von ihren Vorgesetzten.

Das ist ein Thema für unsere

Führungskräfte. Der zweite Punkt ist die

Menge sozialer Kontakte, die einigen zu

gering ist.

WELCHE MASSNAHMEN LEITEN

SIE DARAUS AB, UM DIE SITUA-

TION DER MITARBEITER ZU VER-

BESSERN?

Natürlich haben wir uns gefragt: Wie

gehen wir damit um? Zunächst haben

wir die Befunde an die Fakultäten weitergeleitet.

Dort wurden sie diskutiert.

Im Frühjahr konnten Mitarbeiter dem

Arbeitskreis zum betrieblichen Gesundheitsmanagement

Verbesserungsvorschläge

vortragen.

Nun sind wir dabei, Maßnahmen umzusetzen.

Zum Beispiel wollen wir Schulungen

für Führungskräfte anbieten. In

ihnen wird es um Gleichbehandlung,

Personalführung und Achtsamkeit gehen.

Dazu muss man wissen: An Hochschulen

werden einige Führungskräfte

in ihr Amt gewählt. Es kann sein, dass

sie vorher nicht im Bereich der Personalführung

gearbeitet haben. Weiterhin

wollen wir den Hochschulsport beauftragen,

sich um die Hilfsgeräte für den

Arbeitsplatz und Sportkurse für Mitarbeiter

zu kümmern.

SIE HABEN GERADE DEN AR-

BEITSKREIS ZUM BETRIEBLI-

CHEN GESUNDHEITSMANAGE-

MENT ERWÄHNT. ES GIBT IHN

SEIT DEM FRÜHJAHR 2017.

WARUM WURDE ER GEGRÜN-

DET?

Gesundheit ist ein wichtiges Gut. Wir

wollen das betriebliche Gesundheitsmanagement

nachhaltig und sinnvoll

an der HSZG etablieren. Dazu brauchen

wir ein strategisches Gesamtkonzept.

Darum hat das Rektorat den Arbeitskreis

gegründet und unter die Leitung

der Kanzlerin gestellt.

WAS SIND IHRE AUFGABEN ALS

DEZERNENT FÜR PERSONAL

UND RECHT?

Mein Dezernat kümmert sich um die

beiden Pfeiler betriebliches Eingliederungsmanagement

und Gesundheitsförderung.

2016 hat die Hochschule

eine Abteilung für Personalentwicklung

gegründet. Diese ist für Personalbindung

und -erhaltung zuständig und das

umfasst wiederum das Eingliederungsmanagement

und die Gesundheitsförderung.

Der Pfeiler Arbeitsschutz liegt

nicht im Dezernat Personal und Recht.

Dafür gibt es eine Fachkraft für Arbeitsschutz,

die direkt der Kanzlerin unterstellt

ist.

DIE HSZG BIETET IHREN MITAR-

BEITERN AUCH GLEITENDE AR-

BEITSZEITEN.

WIE SIND DIESE GEREGELT?

Das ist auch ein wichtiger Punkt des betrieblichen

Gesundheitsmanagements!

Unser System ist sehr flexibel. Wir haben

eine Rahmenarbeitszeit von 6:00 Uhr bis

22:00 Uhr und es gibt keine Kernarbeitszeit.

Damit können sich die Mitarbeiter

ihre Arbeit eigenverantwortlich einteilen.

Das wird sehr gut angenommen.

Zusätzlich bieten wir Telearbeit an, also

Homeoffice. Mitarbeiter können teilweise

zu Hause arbeiten, wenn die Hochschule

eine Individualvereinbarung mit

dem Mitarbeiter abgeschlossen hat.

Außerdem wollen wir familienfreundlich

sein: Lehrende mit Kindern unter 12

Jahren sollen auf Antrag bis 14:00 Uhr in

der Lehre eingesetzt werden, damit sie

ihre Kinder von der KITA oder Schule abholen

können.

IM RAHMEN DES BETRIEBLI-

CHEN GESUNDHEITSMANAGE-

MENTS WERDEN WORKSHOPS

ANGEBOTEN. WAS FÜR WEL-

CHE?

In Kooperation mit einer Krankenkasse

gab es einen Workshop zur positiven

Psychologie und Achtsamkeit. Er war

vollständig ausgebucht. Wir können uns

gut vorstellen, ihn zu wiederholen. Außerdem

wollen wir die Fort- und Weiterbildung

von Mitarbeitern fördern und

Inhouse-Schulungen anbieten.

WAS IST DAS BESONDERE AM

BETRIEBLICHEN GESUNDHEITS-

MANAGEMENT DER HSZG?

Ich glaube, unser flexibles Arbeitszeitmodell

unterscheidet uns von anderen

Hochschulen. Außerdem gibt es einmal

im Jahr ein verpflichtendes Mitarbeiter-

Vorgesetzten-Gespräch. Das dient nicht

der Beurteilung. Es sollen beide auf

Augenhöhe über die gemeinsame Zusammenarbeit,

Arbeitsbedingungen,

Kommunikation, Qualifizierungen und

so weiter sprechen. Wir sind mit diesem

Gesprächsangebot sehr zufrieden. Es

bietet einen wunderbaren Rahmen, um

sich immer wieder aufeinander abzustimmen.

1

Regierungsdirektor

Christoph Maria Duscha

7


Einblick // Titelthema

BERUF UND PRIVATES VEREINEN

Solvig Langschwager nutzt die Vorteile der Telearbeit an der HSZG, wenn ihr Job sie

nicht gerade in ferne Länder verschlägt.

VON SABRINA WINTER

Ohne Telearbeit würde es für Solvig

Langschwager nicht funktionieren. Nur

an ihrem Schreibtisch zu Hause kann sie

störungsfrei und zusammenhängend

arbeiten. Das nutzt sie vor allem, um

Lehrveranstaltungen zu planen. „Es ist

eine schöne, aber anspruchsvolle Aufgabe,

die Lehre ordentlich vorzubereiten“,

sagt die Lehrkraft für besondere

Aufgaben des Tourismusmanagements.

Sie arbeitet an der Fakultät Management-

und Kulturwissenschaften und

hat mit der Hochschule Telearbeitszeiten

vereinbart: Im Sommersemester arbeitet

sie an zwei Tagen pro Woche zu

Hause und im Wintersemester an einem

Tag. Denn im Winter betreut sie mehr

Studierende und ist darum öfter am

Görlitzer Standort der HSZG.

Dieses Arbeitsmodell ermöglicht es ihr,

Privates und Beruf zu vereinen. Als Alleinerziehende

hat sie durch die Telearbeit

mehr Freiraum, sich um ihr Kind zu

kümmern. „Ich kann mit der Zeit jonglieren,

zum Beispiel, wenn mein Kind

einen Arzttermin hat“, erklärt sie. Hinzu

kommt, dass Solvig Langschwager zu

Foto: Jens Freudenberg

1

Hause ungestört und kreativ arbeiten

kann: „Meine Tage an der Hochschule

sind bestimmt durch Unterricht, Treffen

mit Kollegen und Studierenden,

Projektarbeiten und Konsultationen.

Im Homeoffice kann ich kreativ denken,

Lehrveranstaltungen methodisch aufbereiten

und Klausuren kontrollieren.“

24 Semesterwochenstunden unterrichtet

die 48-Jährige. Außerdem ist sie für

die berufsbegleitenden Studiengänge

verantwortlich, die die HSZG in Österreich

anbietet. Mit dem Masterstudiengang

Internationales Tourismusmanagement

ist Solvig Langschwager im

Foto: privat

2

April 2018 nach Vietnam gereist. Jedes

Jahr findet im Modul „Zukunftswerkstatt“

eine Exkursion in ein anderes Land

statt. „Im Studium müssen wir raus in

die Praxis und uns Beispiele ansehen. Vietnam

ist da sehr interessant! Wir wollen

dort den Tourismus fördern und gleichzeitig

die Bevölkerung vor Ort inkludieren“,

erklärt die Lehrkraft für besondere

Aufgaben. Die Exkursionsgruppe hat in

Vietnam die Universitäten in Hanoi, Da

Lat und Thanh Hoa besucht. Aufgabe

der Studierenden ist es, zum Thema Destinationsentwicklung

ein Konzept für

eine langfristige Kooperation mit den

vietnamesischen Universitäten zu erarbeiten.

Seit einigen Jahren organisiert

Solvig Langschwager die Exkursion des

Masterstudienganges – gemeinsam mit

Professorin Ute Pflicke und Studierenden.

Jedes Jahr mit einem neuen Ziel:

„Wir waren schon in Albanien, Estland

und Montenegro unterwegs.“

Die gebürtige Görlitzerin hat an der TU

Dresden Betriebswirtschaft studiert und

dort im Taschenbergpalais gearbeitet.

1996 verteidigt sie ihre Diplomarbeit.

Danach will sie nach Griechenland gehen.

Doch ihre Betreuerin Margita Großmann

nimmt zu der Zeit eine Professur

an der HSZG an. Sie überzeugt Solvig

Langschwager mitzukommen und als

Lehrkraft für besondere Aufgaben zu arbeiten.

Also kehrt Solvig Langschwager

in ihre alte Heimat zurück. Noch heute

unterrichtet sie am liebsten Hotelmanagement,

denn schließlich kommt sie

aus der Hotellerie.

Dipl.-Kffr.

1 Solvig Langschwager 2

Mit Studierenden reiste

Solvig Langschwager im

April 2018 nach Vietnam.

Kontakt

s.langschwager@hszg.de

8


1

BAUCHNABEL KÜSST WIRBELSÄULE

Seit Oktober bin ich Mitarbeiterin an der Hochschule und gehe jeden Dienstag 15:30

Uhr zu Rücken-Fit für Mitarbeiter. Dort mache ich mit 15 Rentnern Sport, die alle viel

fitter sind als ich.

Foto: Sophie Herwig

VON SOPHIE HERWIG

Ich wollte meine Haltung verbessern.

Und den langen Tagen am Schreibtisch

vorbeugen. Als ich die kleine Sporthalle

am Pistoiaer Weg, Ecke Schwenniger

Weg, betrete, sehe ich weiße Haare und

Gymnastikbälle. Ich denke, ich habe

mich im Kurs geirrt und alle im Kurs denken,

ich habe mich in der Tür geirrt. Ich

bin fünf Minuten zu spät – alle hüpfen

schon auf grünen Bällen zu einem Schlager

aus den Sechzigern. Die Zeit, in der

die meisten der Kursteilnehmer so jung

waren wie ich heute. Ich verkneife mir

einen Lachanfall, nehme mir einen Ball

und hüpfe mit. Tipp rechts, tipp links,

Arme öffnen links, Arme öffnen rechts.

Vorne macht die Kursleiterin Sonja Bratoew

die Übungen vor: „Vier Mal noch,

jede Seite. Rechts, links, federn, kreisen,

paddeln.“ Hinter ihr steht ein großer

Spiegel, der alles sieht und nur bei Sehschwäche

verzeiht. Die haben hier alle,

nur ich noch nicht. Die Augen-Hand-

Koordination ist wichtig bei der Erwärmung.

Bei mir ist sie nonexistent. Viele

der Kursteilnehmer tragen Klamotten

und Schuhe von Adidas, Nike und Ski-

Pullover aus den 80ern. Jeder Hipster

aus Berlin würde aus meinem Rückenfitkurs

eine Themenparty im Berghain

machen.

Nie geht eine Übung länger, als das Lied

im Hintergrund. Wenn Sonja Bratoew

die CD mit der modernen Musik einlegt,

kommen Lieder aus den Nuller Jahren.

Alles ist perfekt abgestimmt. Dafür

macht Sonja diesen Kurs auch schon

sehr lang. Er hieß nicht immer Rücken-

Fit. Zu DDR Zeiten war es die Funktionelle

Gymnastik, dann kam die Popgymnastik,

dann Yoga. Obwohl Sonja

Bratoew sagt, dass sie eher da war als

Yoga. Sie war eh vor allen da, 40 Jahre

lang war sie Sportlehrerin an der Hochschule

in Zittau. Und 1985 fing sie mit

den Kursen an. Für HSZG-Mitarbeiter,

ehemalige Mitarbeiter und Gäste. Viele

Kursteilnehmer kommen seit über 30

Jahren zu Sonja. Wie Helga. Helga hat

auch mal die Kerze versucht, sich aber

fast verrenkt. Sie ist 78 und macht seit

18 Jahren bei Sonja Sport. Heute gibt

es im Rücken-Fit Kurs auch Yoga-Elemente,

meist am Ende der Stunde, und

eher fürs Stretching. Die Erwärmung am

Beginn der Stunde könnte man Aerobic-

Schritt-Kombination oder Funktionelle

Gymnastik nennen. Den Teil dazwischen

habe ich Zwiebelhacken getauft.

In meinem Rücken-Fit Kurs bügeln

wir und hacken Zwiebeln. Beides ist

schweißtreibend. Wir liegen dabei auf

dem Bauch, die Arme ausgestreckt nach

vorn, die Beine lang nach hinten. Damit

wir die Halswirbelsäule nicht belasten,

gucken wir auf die blaue Matte. Sonja

ruft: „Pooo anspanneeeen! Bauchnabel

küsst Wirbelsäuuuuleee! Macht eure

Mitte fest! Uuuuuuuund Zwiiiiiieeeebeellhaaackeeeeen!“

Wir bewegen die

Arme hoch und runter, die Handkanten

schlagen auf den Boden als würden wir

Zwiebeln hacken. Daher der Name. Eigentlich

logisch. Beim Bügeln läuft die

Übung ähnlich ab, nur bügeln wir einmal

mit links und einmal mit rechts über den

10


Titelthema // Einblick

Hallenboden. Helga macht jede Übung

ganz vorsichtig, Heidis Schwester kommentiert

alles, die zwei einzigen Herren

schnaufen jeder für sich. Zwiebelhacken

macht rote Köpfe. BH Träger werden zurechtgerückt,

Unterwäsche wieder an

die richtige Stelle geschoben. Die, die

erschöpft sind, bleiben auf dem Bauch

liegen (ich) und hören Seal beim singen

zu. Die anderen heben nochmal den

Arm und hoffen, es ist die letzte Übung.

„Atmen nicht vergessen, Entspannung,

uuuuund Paaaauuuuuseeee.“

„Darf ich mal fühlen?“ Schon wird mein

Bein hochgerissen und meine Socken

bewundert. „Ist das Synthetik? Nein,

das sehe ich auf den ersten Blick, Wolle,

selbstgestrickt, oder?“ Das war Adelheid,

82, genannt Heidi. Sie kommt

gemeinsam mit ihrer Schwester zu Rücken-Fit.

Nur Edith ist älter, mit 83 Jahren.

Ich halte ihr seitdem jede Woche

meine Socken unter die Nase und sie

fühlt das Material. „Ich trage nie Socken

beim Sport“, erzählt sie mir. „Ich habe

keinen Grip in meinen Schuhen, wenn

ich welche anhabe.“ Nur letzte Woche

war alles anders. Da war Heidi ein bisschen

erkältet und hatte selbstgestrickte

Wollsocken an. Diesmal bekam ich ihr

blaues Hosenbein vor die Nase gehalten

und sollte fühlen.

Hier beim Sport sind alle per Du. Und

Sonja ist nicht nur die Sportlehrerin dort

vorn. Sie ist eine Freundin, ein Urgestein,

eine Vertraute. Sie weiß, wenn Siegfried

nicht kommt, weil es „in der Schulter

knackert“ oder informiert den Kurs,

wenn ein langjähriger Kursteilnehmer

verstorben ist. Es gibt sogar gemeinsame

Weihnachtsfeiern. Sonja bekommt

ein Präsent überreicht, es gibt eine kleine

Ansprache und Applaus vom ganzen

Kurs. Jeder hat etwas mitgebracht.

Glühwein ohne Schuss, Glühwein mit

einem kleinen Schuss, Plätzchen, eine

Gitarre. Ich habe Cupcakes gebacken.

Gemeinsam singen wir Lieder und jemand

liest ein paar Verse vor. Helga erzählt

die Geschichte, wie sie mitten im

Winter auf einem Feld einem nackten

Mann begegnete, als sie gerade Eier

holen wollte. An die Cupcakes traut sich

erst niemand heran, dann werde ich gefragt,

was das wäre. Ich sage: das sind

Cupcakes. Muffins. Aber keiner begreift

so wirklich. Also sage ich: sowas wie

kleine Kuchen in Tassen. „Aaaah. Das

schmeckt ja sogar“, sagt Siegfried mit

Sahne im Mundwinkel.

Seit der Weihnachtsfeier bin ich voll angekommen

in meinem Kurs. Ich sage

alle Termine für Dienstagnachmittag

mit dem Satz ab: „Sorry, da habe ich

Rückenfit für Rentner.“ Ich kenne schon

ein paar Namen, ich erkenne sogar an

Sonjas Tonlage, welche Art der Übung

ansteht. Wiederholung. Pause. Oder

Pressen. Ziehen. Drücken. Die Bälle sind

1

2

Bei Rücken-Fit für Mitarbeiter

ist der ganze Körper im Einsatz.

Sport im Einklang

2

Foto: Sophie Herwig

11


Einblick // Titelthema

grün, die Matten blau. Die Stunde hat

60 Minuten. Mittlerweile habe ich den

größten Respekt vor meinen Sportkameraden.

Helga trägt jede Woche

dasselbe, Kaltwelle oben, blaue Sportballerinas

unten. Ich frage mich oft, wie

sie wohl früher aussahen. Als sie jung

Manchmal hasse ich Sonja auch, (ich

weiß, die anderen tun das auch) wenn

wir die geraden Bauchmuskeln mit 20

Wiederholungen geschafft haben, und

nun die schrägen Bauchmuskeln auf

zwei Zählzeiten dran sind. Dabei weiß

man ja: die schrägen gibt es zweimal,

also rechts und links. „Zieht, zieht, zieht,

ganz wichtig ist das letzte Stückchen!

Bis es brennt!“ Xavier Naidoo singt im

Hintergrund „Höllenqualen sind egal“,

aber er war auch noch nicht bei Sonja

im Rücken-Fit. Es zischt, ein Ball ist geplatzt.

„Wiederhooolung. Der Bauchnabel

küsst die Wirbelsäule“, ruft es von

vorn. Vereinzelt höre ich ein „Nein“ oder

„Nicht doch“. Sonja macht die Sekunden

länger: „vier, drei“, sie singt zwischendurch

auch mal mit, wenn ihr ein Lied

gefällt, „no Milk today, my love has gone

away, zwei, eins und Paaaaauuuuseee.“

und schüttelt den Kopf über das neumodische

Zeugs. Dann liegen wir, platt

wie Flundern, auf unseren Matten und

wissen, was wir die letzte Stunde gemacht

haben. Sonja gestaltet jede Stunde

ein bisschen anders. Mal Gewichte

an den Knöcheln, mal Erwärmung auf

3

Foto: Sophie Herwig

waren. Dabei sind sie eigentlich viel jünger

als ich mich fühle. Sonja ruft bei der

dritten Runde Situps: „Die Muskeln können

brennen, dann passiert wenigstens

etwas!“ Bei mir brennt alles, ich würde

gern eine Tonne Wasser trinken, aber

Helga lächelt mir zu und zuckt die Schultern

über die lächerliche Anstrengung.

Helga hat Muskeln wie Kruppstahl.

Die schwierige Variante wählen alle außer

ich. Schlicht, weil ich sonst vom Ball

fallen würde. Manchmal hebt Sonja den

Kopf und guckt, ob es allen gut geht

und alle (noch) atmen. Am Ende haben

wir 80 Wiederholungen geschafft. Das

schafft man allein zu Hause nicht, ich

jedenfalls nicht. Deswegen bin ich hier.

Und weil mein Papa sagt, ich gehe zu

krumm.

„Jetzt drehen wir uns um die Längsachse

in eine Körperverwringung“, jeder

Beruf hat seine eigenen Fachbegriffe.

Bei Sonja sind das: Bankstellung, Unterarmstütz,

Pferderücken, Katzenbuckel,

Bodendrücker, Rückenstrecker, Strecksitz,

Drehsitz und Unterschenkelstand.

Mobilisationsarbeit für die Wirbelsäule

heißt es bei Sonja, die Kleine Kobra

im Yoga. Viele Übungen heißen heute

auch anders als damals. Dann sagt Sonja:

„Das hieß zu DDR Zeiten noch Beugestütz,

heute rückwärtiger Tip, naja“,

der Steppbank, mal auf dem Gymnastikball.

Mal anstrengend, mal sehr anstrengend.

Rückenschonend stehen wir

auf, werfen glücklich die Hände nach

oben, und klatschen für uns. Wir haben

es geschafft – für diese Woche. Für Sonja

geht es 16:30 Uhr mit dem zweiten

Kurs weiter.

An dieser Stelle sollte ich schreiben:

kommen Sie in diesen Kurs. Er hält fit, er

macht Spaß und er ist voller Vorbilder.

So bleiben Sie fit im Alter und in der

Jugend. Aber bitte kommen Sie nicht.

Bleiben Sie weg. Das ist mein Rücken-

Fit für Rentner Kurs. Außer Sie haben

selbstgestrickte und sehr, sehr schöne

Socken an.

3

Mehr als nur ein Sport-Kurs,

sondern ein Ort der Begegnung

und des gegenseitigen

Austauschs.

12


Titelthema // Einblick

RÜCKZUGSORTE FÜR ELTERN SCHAFFEN

Studentinnen an der Hochschule Zittau/Görlitz engagieren sich im Bereich der Gesundheitsförderung.

Ihnen geht es darum, die Familienfreundlichkeit am Zittauer

Standort zu erhöhen.

VON SABRINA WINTER

Nicole Polke ist ein wenig aufgeregt. Am

Nachmittag findet das erste Treffen des

Arbeitskreises „Familienfreundlichkeit“

statt. „Wir haben uns gut vorbereitet

und viele Gedanken gemacht“, sagt die

26-Jährige Studentin und Mutter. Nun

hofft sie, dass viele Interessierte vorbeikommen.

Nicole Polke studiert im

Bachelor Heilpädagogik/Inclusion Studies

an der HSZG. Gemeinsam mit ihren

Kommilitoninnen Kristin Neumann und

Linda Seelinger arbeitet sie an einem

Projekt, das die Familienfreundlichkeit

der Hochschule steigern soll. Das Ganze

findet im Rahmen ihres Praxissemesters

statt.

Die Studentinnen haben den Standort

Zittau ins Auge gefasst – besonders die

Mensa und die Bibliothek. „Wir sind zwei

Muttis in der Projektgruppe und haben

festgestellt, dass der Hochschulstandort

in Zittau nicht so familienfreundlich ist

wie der in Görlitz“, erklärt Nicole Polke.

In Görlitz gibt es einen Wickelraum in

der Mensa und mehrere Möglichkeiten

zum Stillen. In Zittau hingegen findet

man nur einen Wickeltisch in der Behinderten-Toilette

der Mensa.

Nicole Polke hat selbst eine kleine Tochter

und ist auf Barrieren gestoßen: „In

der Bibliothek in Zittau kann ich nicht

stillen. Dann muss ich in die Mensa

gehen. Auch dort schauen mich die Leute

manchmal schräg an. Dabei ist Stillen

Kontaktinformationen

Wer Interesse an dem Projekt hat oder sich gern dem Arbeitskreis anschließen

möchte, kann sich bei der Projektgruppe melden. Sie sind erreichbar unter:

familienfreundlichkeit@hszg.de

0172 5991905 (auch per WhatsApp).

1

doch etwas Normales.“ Der Plan des

Arbeitskreises ist es, in Mensa und Bibliothek

Rückzugsorte für stillende Muttis

und Schwangere zu schaffen.

In einem ersten Schritt haben die Studentinnen

Fragebögen an Mitarbeiter

und Studierende der HSZG verteilt.

Damit wollen sie herausfinden, wie

Hochschulangehörige über Familienfreundlichkeit

denken und wo sie damit

in Berührung kommen.

Betreut wird das Projektteam von Ingolf

Prosetzky, Professor für Heilpädagogik.

Er gibt Tipps für den Fragebogen und

schafft Kontakte zu anderen Ansprechpartnern.

Einmal in der Woche trifft sich

das Team mit dem Professor, um Fortschritte

zu besprechen und Fragen zu

klären.

Trotz des Verbesserungsbedarfs in Zittau

sieht Nicole Polke auch positive Punkte

zur Familienfreundlichkeit: „In der Zittauer

Mensa gibt es einen sogenannten

Räuberteller. Für 50 Cent bekommt meine

Tochter einen kleinen Plastikteller mit

einer Mahlzeit oder ich kann ihr etwas

von meinem Essen auftun. Das ist eine

niedliche Aktion! Außerdem gibt es dort

Kinderstühle.“

Die junge Mutter hofft, dass sich noch

weitere Studierende ihrem Projekt

anschließen, und dass der Arbeitskreis

auch nach ihrem Praxissemester bestehen

bleibt.

1

Kristin Neumann, Linda

Seelinger und Nicole Polke

(v.l.n.r.) setzen sich für eine

familienfreundliche Hochschule

ein.

Foto: privat

13


1

GESUNDHEIT GUT – ALLES GUt!

Bereits im vierten Jahr veranstaltet die Hochschule Zittau/Görlitz gemeinsam mit der

Stadt Zittau die Gesundheits- und Umwelttage (GUt) als Maßnahme der Gesundheitsförderung

an der Hochschule.

Foto: Jens Freudenberg

VON CORNELIA ROTHE

„Es nimmt langsam Form an und das

Wetter stimmt auch!“ Eric Schön befindet

sich gerade hinter dem Haus Z IV c

auf dem Zittauer Campus. In der Hand

eine Rolle Absperrband. Das andere

Ende des Bandes ist nicht in Sicht, denn

Eric Schön ist fast fertig mit der Markierung

der 800 m langen Rennstrecke für

den zweiten Hochschul-Stadt-Firmen-

Lauf. Startpunkt ist der Platz vor dem Peter-Dierich-Haus.

Es ist der 6. Juni 2018,

Tag des diesjährigen Hochschulsportund

Sommerfestes der Hochschule Zittau/Görlitz

und für den Mitarbeiter des

MACH MIT-Umweltmanagements an

der HSZG ein weiterer Höhepunkt der

sogenannten Gesundheits- und Umwelttage,

die 2018 zwischen dem 4. und

8. Juni stattfinden.

„Als Teil des MACH MIT-Umweltmanagements

möchten wir das Wohlbefinden

unserer Hochschulangehörigen fördern

und neben den Themen der Umwelt

und Nachhaltigkeit auch die Bedeutung

der Gesundheitsförderung hervorheben.

Deswegen veranstalten wir nun

bereits im vierten Jahr gemeinsam mit

der Stadt Zittau die Gesundheits- und

Umwelttage“, erklärt Eric Schön. Bei der

Zusammenstellung dieser mehrtägigen

Veranstaltung wird auf das Zusammenspiel

von Aktionen gesetzt, die Spaß

machen, Stress abbauen und sich positiv

auf die natürliche Umwelt und die

persönliche Stimmung auswirken. „Das

spielt alles eine wichtige Rolle bei der

Förderung der Gesundheit“, weiß Eric

Schön.

So bieten die GUt immer Möglichkeiten

Foto: Jens Freudenberg

2

zur körperlichen Gesundheitsvorsorge

an, wie etwa ein Rückenscreening und

Rückentraining zu absolvieren. „Das

sind kostenfreie Angebote ausschließlich

für das Personal und Studierende

der Hochschule. Sie können sich über

den Zustand ihrer Wirbelsäule aufklären

lassen und, falls nötig, Fördermaßnahmen

einleiten. Der Hochschulsport bietet

zum Beispiel einen Rücken-Fit-Kurs

an“, berichtet Eric Schön.

Maßnahmen zur Stressbewältigung

und geistigen Gesundheitsförderung

an beiden Standorten der Hochschule,

Filmvorführungen und Workshops zum

Beispiel über die Herstellung veganer

Bioseife runden das Programm ab. Das

leibliche Wohl kommt dabei auch nicht

zu kurz, wie der Veranstaltungsorganisator

erzählt: „In einem Workshop führt

ein Braumeister in die Künste und das

Handwerk des Bierbrauens ein und auch

das Smoothie-Bike ist wieder am Start.“

Das Rad mit angebautem Mixer dient

zur Demonstration, wie viel Energie für

das Mixen eines leckeren Smoothies

14


Titelthema // Einblick

3

Foto: Jens Freudenberg

benötigt wird. Besonders stolz ist Eric

Schön, dass er den Triathlon-Profi Andreas

Niedrich für den Gastvortrag über

sein bewegtes Leben gewinnen konnte,

das von langjähriger Drogenabhängigkeit

und dem leidenschaftlichen Kampf

zurück ins Leben und an die Weltspitze

im Triathlonsport geprägt ist.

„Sport und Bewegung sind Schlüssel

zum Erfolg, zur Zufriedenheit und

Ausgeglichenheit“, ist sich Eric Schön

sicher. Davon bieten die GUt reichlich.

Während der Aktionstage messen sich

jeweils sieben Teams von der Stadtverwaltung

Zittau und der HSZG bei der

sogenannte Schrittzähler-Challenge.

Für die Zwei-Personen-Teams winken

dabei Sachpreise und ein Wanderpokal

für die einzeln oder als Team innerhalb

der fünf Veranstaltungstage am meisten

erlaufenen Schritte. Der Gesamtsieg

der Schrittzähler-Challenge ging

2017 übrigens mit deutlichem Abstand

von 202.932 Schritten wiederholt an die

Stadtverwaltung Zittau.

Spätestens am Abend des jährlich

während der Gesundheits- und Umwelttage

stattfindenden Hochschulsportfestes

wird deutlich, dass Gesundheitsförderung

untrennbar mit

körperlicher Ertüchtigung verbunden

ist. Nachdem in diesem Jahr alle Hochschul-Stadt-Firmen-Lauf-Teilnehmer

ins Ziel eingelaufen und 8 km Strecke

absolviert haben, lässt Eric Schön den

ereignisreichen Tag gemeinsam mit

den Sportfestgästen und Hochschulangehörigen

beim Sommerfest der HSZG

auf dem Zittauer Campus ausklingen.

Manchmal gehören eben auch eine

Bratwurst und eine erfrischende Limonade

zur Gesundheitsförderung. Das

Absperrband flattert dabei im Hintergrund

im Sommerwind.

Wer hat denn in diesem Jahr eigentlich

gewonnen?

WERTUNG HOCHSCHUL-STADT-FIRMEN-LAUF 2018 WERTUNG SCHRITTZÄHLER-CHALLENGE 2018

Team/Name Platzierung Zeit (min./sec.)

Team/Name Platzierung Zeit (min./sec.)

WW16 Elisia Heinrich (weibl.) 1 32:43:00

Bärskoletta (weibl.) 2 35:47:00

Hot-Yoga-Zittau I (männl.) 1 23:38:00

Come back e.V. (männl.) 2 25:19:00

Pasta Fantastica (männl.) 3 25:50:00

Boxteam Zittau I 1 21:16:00

ITALIA 2 23:32:00

Zwergenhäusel/ATM 3 23:38:00

Die Hochschulsportfest Volleyball-Sieger 2018

vom

Diesjährige Hochschul-Stadt-Firmen-Lauf

Einzelsieger beim

1 2 3

Einzelwertung

Teamwertung

Einzelwertung

Teamwertung

Simone Kunze 1 323600

Christiano Marcellino 2 281191

Prof. Jörg Schulze 3 279084

Karolin Müller

Christiano Marcellino 1 511374

Prof. Jörg Schulze

Laura Herzog

Annett Jähnichen

Simone Kunze

2 480721

3 445478

Gute Stimmung beim Sommerfest

2018

15


Einblick // Hochschule

NEWSLETTER QUALITÄTSMANAGEMENT

SYSTEMAKKREDITIERUNG BEKOMMT

EIN GESICHT

Die Hochschule und die Akkreditierungsagentur

ASIIN e.V. haben am 19.

Dezember 2017 den Vertrag zur Durchführung

des Systemakkreditierungsverfahrens

unterzeichnet und damit den

Grundstein für die Systemakkreditierung

an der HSZG gelegt. Trotz der Neuausrichtung

des Akkreditierungswesens

in Deutschland mit dem Inkrafttreten

des Studienakkreditierungsstaatsvertrags

im Januar 2018 wird die Systemakkreditierung

der HSZG nach den bisherigen

Regeln des Akkreditierungsrates

von 2013 erfolgen.

Die ASIIN e. V. (Akkreditierungsagentur

für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften,

der Informatik, der Naturwissenschaften

und der Mathematik e.V.)

mit ihrem Sitz in Düsseldorf ist eine von

zehn in Deutschland zur Akkreditierung

von Hochschulen und Studienprogrammen

zugelassenen, unabhängigen

Agenturen. Sie ist damit berechtigt, das

Qualitätssiegel des Akkreditierungsrates

für die Systemakkreditierung zu

vergeben. Die ASIIN e. V. wird im Verlauf

der Systemakkreditierung in 2018/2019

mit folgenden Aufgaben betraut sein:

• Entscheidung über den Zulassungsantrag

der HSZG zur Eröffnung des

Verfahrens der Systemakkreditierung

• Formale Vorprüfung und Vorgespräche

zur Selbstdokumentation der

HSZG

• Auswahl, Berufung und Briefing des

Gutachterteams

• Durchführung von zwei zweitägigen

Begehungen (Audits) an der HSZG

• Erstellung von Akkreditierungsberichten

nach jeder Begehung

• Beschlussfassung zur Systemakkreditierung

und bei positivem Votum

Vergabe des Qualitätssiegels des Akkreditierungsrates

Aufgaben

Besetzung (Stand Mai 2018)

Review-Jury

• Entscheidung über die Akkreditierung/

Zertifizierung der

Studiengänge

• Festlegung von Auflagen zur

Behebung festgestellter Mängel

und von Empfehlungen zur Verbesserung

des Studienangebotes

• Überprüfung der fristgerechten

Erfüllung von Auflagen

Hochschulleitung

Prof. Dr. phil. Friedrich Albrecht (Vorsitz)Prof.

Dr. rer. nat. Christa Maria

Heidger

Fakultäten

Prof. Dr.-Ing. Stephan Kühne (F-EI)

Prof. Dr. oec. Ute Pflicke (F-MK)

Prof. Dr.-Ing. Markus Fulland (F-M)

Prof. Dr. rer. pol. Jana Brauweiler (F-N)

Prof. Dr. Andreas Hoff (F-S)

Prof. Dr. iur. Erik Hahn (F-W)

Weiterführende Informationen zur

ASIIN e. V. finden Sie unter:

www.asiin.de

STUDIENGANGSREVIEW – GREMIEN

BESETZT

Im Kontext der Vorbereitung zur Systemakkreditierung

ist mit dem Studiengangsreview-Verfahren

ein neues

Instrument zur Begutachtung und zur

Akkreditierung (Bachelor/Master) bzw.

Zertifizierung (Diplom) der Studiengänge

an der HSZG eingeführt worden. Mit

Inkrafttreten der hochschulweit geltenden

Ordnung für den Studiengangsreview

im November 2017 wurden zwei

neue Gremien eingerichtet - Review-

Jury und - Review-Ausschuss.

Im April bzw. Mai 2018 trafen sich die

vom Rektorat bestellten Gremienmitglieder

zu ihren jeweiligen konstituierenden

Sitzungen. Parallel dazu wurden

die ersten zwei Studiengangsreviews

durchgeführt.

Review-Ausschuss

• Ansprechpartner für Verfahrensfragen

• Überprüfung und Weiterentwicklung

des Studiengangsreview-

Verfahrens

• Prüfung und Bearbeitung von

Beschwerden (Beschwerdestelle)

Review-Beauftragte der Fakultäten

Dipl.-Ing.-Ök. Norbert Kalz (Vorsitz) (F-

W) Prof. Dr.-Ing. Jens Uwe Müller (F-EI)

Dipl.-Kffr. Solvig Langschwager (F-MK)

Dr.-Ing. Jana Reinhold (F-M)

Dipl.-Kffr. Anke Zenker-Hoffmann (F-N)

Prof. Dr. phil. Michel Hille (F-S)

Dezernat Studium und Internationales

Oliver Clemenz, LL.B.

Stabsstelle Qualitätsmanagement

Dr. rer. pol. Peggy Sommer

Studierendenschaft

Felix Herrmann (BW16/2)

Kontakt

Dr. Peggy Sommer

p.sommer@hszg.de

www.hszg.de/qm

16


Hochschule // Einblick

BRÜCKEN BAUEN – ÜBER-

GÄNGE GESTALTEN

Unter diesem Thema findet vom 25.

bis 27. Oktober 2018 die 6. Tagung im

Projekt ZINT „Zusammen integrative/inklusive

Schule entwickeln“ statt.

Brücken bauen, heißt Verbindungen

schaffen, Bündnisse eingehen, Gemeinsamkeiten

finden und ausbauen, heißt

konstruktiver Austausch und gemeinsame

Lösungssuche.

Foto: HSZG

Den Auftakt der Tagung bilden am 25.

Oktober 2018 ein Besuch in der Oberlausitzischen

Bibliothek der Wissenschaften

und im Physikalischen Kabinett sowie

ein Netzwerktreffen der Multiplikatoren

für Integration.

1

Die Tagung ist im 10. Jahr des Bestehens

des Projekts ZINT an der Hochschule

Zittau/Görlitz ein Höhepunkt in der Projektarbeit.

Deshalb wird es innerhalb

der Tagung am Freitag, den 26. Oktober

2018, einen Festvortrag sowie eine offene

Projektkonferenz für interessierte

Lehrer und Schulleiter geben, die sich

auf der Grundlage des neuen Schulgesetzes

zu ausgewählten Schwerpunkten

der inklusiven Schulentwicklung informieren

wollen, sozusagen Brückenbau

zwischen erfahrenen Multiplikatoren

und Neugierigen. Für die Eröffnung

sind der Kultusminister, der Prorektor

für Bildung und Internationales der Universität

Leipzig sowie der Rektor der

Hochschule Zittau/Görlitz angefragt.

Der Nachmittag bietet mit verschiedenen

Workshopthemen unterschiedliche

Möglichkeiten sich mit dem Prozess der

inklusiven Schulentwicklung auseinanderzusetzen.

Den Abschluss am Freitag sollen Mitmach-Workshops

bilden, in denen die

Pädagogen die Möglichkeit haben, sich

mit dem Tagungsthema ganz verschieden,

aber in aktiver Art und Weise, auseinanderzusetzen.

Als einen Hauptreferenten der diesjährigen

Tagung konnten wir Prof. Dr.

phil. Bernd Ahrbeck, Prof. für Psychoanalytische

Pädagogik vom IPU Berlin

(International Psychoanalytic University

Berlin) gewinnen. Prof. Ahrbeck bringt

Fachexpertise aus seiner Arbeit am Institut

für Rehabilitationswissenschaften

der Humboldt UNI, Pädagogik bei Verhaltensstörungen

mit und ergänzt diese

durch sein Fachwissen zur psychoanalytischen

Pädagogik. Die Psychoanalyse

ist eine „Lebenswissenschaft“, weil sie

den Menschen als individuelle Persönlichkeit,

aber auch als soziales und kulturelles

Wesen versteht. Hiermit schlagen

wir eine Brücke zur inklusiven Pädagogik

und Schulentwicklung.

Am Abend wollen wir im Rahmen

eine Festveranstaltung insbesondere

den Multiplikatoren für Integration

für Ihre Arbeit zur Unterstützung der

Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern

durch Organisation und Unterstützung

erfolgreichen Lernens und inklusiver

Schulentwicklung danken.

Am Samstag, den 27. Oktober 2018, werden

weitere Workshops dazu beitragen,

das Tagungsprogramm weiter auszudifferenzieren.

Und wir wollen klären: Wie

kann das Projekt ZINT auch zukünftig

die Schulen bei der Zusammenarbeit in

den Kooperationsverbünden sowie in

der inklusiven Schulentwicklung unterstützen?

Die Ausrichtung eines Kooperationsverbundes

hängt davon ab, wie es gelingt,

die verschiedenen Interessenlagen der

selbstständig agierenden Mitglieder

sinngebend miteinander zu verbinden,

auf gemeinsame Ziele zu fokussieren

und so eine gemeinsame Identität und

einen Mehrwert zu entwickeln. Dazu

wollen wir mit den aktiven Netzwerkern

an den Stärken und Potentialen anknüpfen,

die gemeinsamen Ziele schärfen

und in einem weiteren Schritt durch

aktive Netzwerkarbeit neue Ideen zum

Nutzen aller Schulen entwickeln:

• Lern- und Entwicklungsraum für

Netzwerker schaffen

• Kommunikationsmöglichkeiten erweitern

• Lösungsfokussierte Netzwerkarbeit

betreiben

1

Abstimmung bei einer ZINT-

Tagung

17


Einblick // Hochschule

NEUBAU LABORHALLE

Initiiert durch die Mittelzuweisung aus

der FH-Impuls Förderung des Bundes

für das Projekt LaNDER³, stellte sich die

Frage nach der baulichen Abdeckung

dringend benötigter Laborfläche.

Zusätzliche Flächen in der notwendigen

Größenordnung stehen an der Hochschule

nicht zur Verfügung. Bemühungen

des Staatsbetriebes Sächsisches

Immobilien- und Baumanagement um

die Anmietung adäquater Flächen blieben

erfolglos.

Die zukünftige bauliche Entwicklungsplanung

der Hochschule sieht eine Konzentration

der Lehr- und Laborgebäude

in städtischer Nähe, im Campusbereich

des neu sanierten Gebäudes Z I vor.

Damit bot sich auch die Sanierung und

Umwidmung des ehemaligen Zentrallagers

der Hochschule auf der landeseigenen

Fläche neben der Mensa an.

Berechnungen ergaben jedoch, dass

sich eine Sanierung der alten Halle nicht

wirtschaftlich darstellen lässt und die zu

erwartende Fläche nicht ausreichend ist.

So entstand der Plan zum Bau einer neuen

Laborhalle.

Nach Abriss des alten Gebäudes Z XV

1

zu Jahresbeginn begann planmäßig am

25. Juni dieses Jahres der Bau der neuen

Halle.

Die Umsetzung des Projektes, von der

Idee bis zur Übergabe an die Nutzer,

geschieht in gerade einmal 18 Monaten

ungewöhnlich schnell. Die Halle wurde

für den modularen Einsatz von Versuchsständen

geplant und wird mit flexiblen

technischen Anschlussmöglichkeiten

ausgestattet, um im Bedarfsfall schnell

und kostengünstig auf sich ändernde

Forschungsprofile reagieren zu können.

Das Laborgebäude wird mit 36 x 17 x 6

m L/B/H wesentlich größer und optisch

sicher ansprechender als das alte Gebäude.

Die Halle soll bis Ende dieses Jahres

fertiggestellt sein und wird die Bezeichnung

„Laborhalle Z XI“ tragen.

Kontakt

Ralf Ulbrich - Dezernat Technik und Gebäudemanagement

r.ulbrich@hszg.de

Foto: Jens Freudenberg

DAS BÜNDNIS LAUSITZ – LIFE

AND TECHNOLOGY GEHT AN

DEN START!

Wie können wir unsere Region, die

Oberlausitz, attraktiver machen? Welche

technologischen und welche sozialen

Innovationen können dazu führen, dass

die Wirtschaft belebt wird, Fachkräfte

interessante Entwicklungschancen entdecken

und gleichzeitig Familien ein

reizvolles Lebensumfeld finden?

Unter Federführung der Hochschule Zittau/Görlitz

hat sich ein Strategiekonsortium

gebildet, in dem mit der ULT AG aus

Kittlitz, dem Kunststoffzentrum Oberlausitz

des Fraunhofer IWU und dem

Landkreis Görlitz wichtige Akteure der

Oberlausitz vertreten sind – Partner aus

Wirtschaft, Forschung und der öffentlichen

Verwaltung. Das Ziel ist, bis zum

2

18


1

PROAKTIV IN DIE ZUKUNFT

Die Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) hat ihre Planungen bis zum Jahr 2025 unter

Dach und Fach. Nachdem der Senat in seiner Sitzung im März den Entwurf des Rektorates

beschlossen hatte, wurde dieser nun auch vom Hochschulrat in dessen Mai-

Sitzung genehmigt.

VON HELLA TRILLENBERG

Foto: Jens Freudenberg

Besonders erfreut zeigte sich Rektor

Prof. Friedrich Albrecht darüber, dass

beide Gremien ihre Beschlüsse einstimmig

gefällt haben: „Es hat sich gelohnt,

dass wir die Erarbeitung des Entwicklungsplans

in einen intensiven und

breit angelegten hausinternen Diskussionsprozess

eingebettet haben, der

von der Einrichtung einer Senatskommission

Hochschulentwicklung bis zu

gemeinsamen Beratungen von Senat

und Hochschulrat reichte. Damit wurde

gewährleistet, dass die Zielrichtung

und die Maßnahmen, die sich aus ihm

ergeben, auf eine hohe Akzeptanz unter

den Mitgliedern unserer Hochschule

stoßen.“

Die Vorsitzende des Hochschulrates,

Prof. Dr.-Ing. Sylvia Rohr, verweist in

diesem Zusammenhang insbesondere

auf die Dynamiken, die außerhalb der

Hochschulen liegen: „Der regionale und

industrielle Strukturwandel, die zunehmende

Digitalisierung der Arbeitswelt,

der Wettbewerb in einem zunehmend

heterogenen Bildungsmarkt, demografische

Veränderungen wie auch der

Bedarf an neuen digitalen Lern- und

Lehrformen stellen die Hochschulen vor

große Herausforderungen. Die HSZG

muss deshalb in ihrem Kern proaktiver

werden: noch offener für Veränderung

und dabei gestaltend und innovativ

sein.“

Als wichtigste strategische Aufgabe der

nächsten Jahre hat die HSZG ihre Rolle

für den Strukturwandel der Lausitz

identifiziert. Der avisierte Ausstieg aus

der Braunkohleverstromung beinhaltet

enorme Herausforderungen. Die Region

steht vor einem wirtschaftsstrukturellen

Umbruch, der in seiner Dimension

an den der 90er Jahre heranreicht. Die

HSZG will ihren Beitrag leisten, dass sich

in der Lausitz ein wirksames Innovationsfeld

etabliert, das gleichermaßen

technologische wie auch soziale Innovationen

umfasst. Es geht zugleich um

die Erforschung und Entwicklung effizienter,

wettbewerbsfähiger Fertigungstechnologien,

Produkte und Systeme

als auch um innovative Arbeits- und Sozialmodelle

zur Gestaltung attraktiver

und nachhaltiger Lebenswelten unter

Berücksichtigung regionaler Besonderheiten

und Potenziale.

Um diese Rolle auszufüllen, setzt die

HSZG auch weiterhin auf ihr breites Fächerspektrum

von über 40 Studienangeboten.

Neue Studiengänge werden

in den Angewandten Pflegewissenschaften,

den Angewandten Naturwissenschaften

und der Pharmazeutischen

Biotechnologie eingerichtet, hinzu

kommt der neue Vertiefungsbereich

Cyberphysische Systeme, der auf technologische

Entwicklungen rund um

Industrie 4.0, aber auch auf Assistenzlösungen

für ein selbstbestimmtes Leben

(AAL) von zum Beispiel älteren Menschen

fokussiert.

Die grundsätzliche Profilierung der

20


Hochschule // Einblick

Hochschule wird beibehalten: Die Kompetenzfelder

„Energie und Umwelt“

sowie „Transformationsprozesse in Wirtschaft

und Gesellschaft“ stehen weiterhin

im Mittelpunkt, ebenso die internationale

Ausrichtung auf Mittel- und

Osteuropa.

Ein verstärktes Augenmerk – und damit

auch ein stärkerer Mitteleinsatz – wird

auf die Aufgabenbereiche Forschung,

Transfer und Innovation gelegt. Hier

sieht die HSZG die größten Gestaltungsmöglichkeiten

und Entwicklungsperspektiven

basierend auf ihren bisherigen

wettbewerblichen Erfolgen. So

wurden in zwei Exzellenzprogrammen

des BMBF für Hochschulen für Angewandte

Wissenschaften – „FH-Impuls“

und „Innovative Hochschule“ – Mittel

eingeworben, die auf Jahre hinaus die

drittmittelbasierte Forschungs- und

Entwicklungsarbeit absichern. Hinzu

kommen dauerhaft etablierte bzw. sich

etablierende Kooperationen mit strategischen

Partnern wie der Fraunhofer

Gesellschaft (Oberlausitzer Kunststoffzentrum

in Zittau, Cyber-Sicherheitslabor

für kritische Infrastrukturen in

Görlitz) oder bundesweit einmalige Forschungs-

und Entwicklungseinrichtungen

wie das vom Hochschulinstitut IPM

aufgebaute und betriebene Zittauer

Kraftwerkslabor (ZKWL), das der Erforschung

von Maßnahmen zur Erhöhung

der Energieeffizienz, der Energiespeicherung

sowie der Nutzung erneuerbarer

Energien dient.

Die HSZG geht davon aus, dass sich

diese Entwicklung fortsetzt, wobei die

Forschungs- und Entwicklungsthemen

verstärkt interdisziplinär werden – also

nicht mehr nur technologische oder

soziale Fragestellungen betreffen. Diese

werden zunehmend übergreifend

bearbeitet werden müssen. Hierzu wird

die Steuerung darauf ausgerichtet, die

Zusammenarbeit über Disziplinengrenzen,

Organisationsbereiche und Standorte

hinweg zu stärken und damit das

besondere Potenzial der Hochschule

an den Schnittstellen von Ingenieur-,

Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

auszubauen und in Forschung,

Lehre und Transfer einzubinden.

Zur besseren Koordinierung und Unterstützung

der hierfür erforderlichen Prozesse

richtet die HSZG eine dem Rektorat

zugeordnete Stabsstelle ein. Parallel

wird zur Intensivierung von Forschung

und Wissens- und Technologietransfer

in den Fakultäten und Instituten dezentral

eine unterstützende personale

Als wichtigste strategische Aufgabe der nächsten Jahre hat

die HSZG ihre Rolle für den Strukturwandel der Lausitz identifiziert.

2

Grundausstattung für einen wissenschaftlichen

Mittelbau aufgebaut.

Im Bereich Studium und Lehre werden

Strukturen und Prozesse etabliert

bzw. bereits vorhandene gestärkt, die

der Qualitätsentwicklung und der Verbesserung

des Studienerfolgs dienen:

Verbesserung der Beratung und Begleitung

der Studierenden, Einführung

der Systemakkreditierung, Ausbau der

hochschuldidaktischen Weiterbildung

sind hier die wichtigsten Stichworte.

Eine gravierende Erhöhung der Anzahl

der Studierenden ist nicht vorgesehen.

Der sächsische Hochschulentwicklungsplan

gibt vor, dass sich die Zahl der

Studierenden an der HSZG von aktuell

3.000 auf 3.200 im Jahr 2025 entwickeln

soll. Dies korrespondiert mit der demografischen

Ausgangslage und dem, was

das Fächerspektrum der Hochschule

bereitstellen kann. Eine realistische

quantitative Perspektive hilft zudem,

dass man sich auf qualitative Ziele konzentrieren

kann.

Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklungsplanung

ist die Personalentwicklung.

Nicht nur in der Wirtschaft, auch

im Wissenschaftsbereich ist das Thema

Sicherung des Fachkräftebedarfs von

steigender Bedeutung. Die HSZG wird

diesbezüglich bis Mitte 2019 mit einem

umfassenden Personalentwicklungskonzept

antworten, das die Kernfragen

zur Personalausstattung, -gewinnung,

-führung und Karriereentwicklung umfassend

behandelt.

Die strukturellen Maßnahmen sind den

Zielen der Entwicklungsplanung angemessen.

Beispielsweise werden die zentralen

Einrichtungen durch Gründung

des Zentrums für fakultätsübergreifende

Lehre erweitert. Dieses Zentrum wird

die äußerst vielfältigen Lehrangebote,

die sich nicht mehr nur auf eine Fakultät

beziehen, in einer Einheit bündeln.

Kontakt

Hella Trillenberg

Referentin des Rektors / Pressestelle

h.trillenberg@hszg.de

1

2

Foto: Jens Freudenberg

Hochschulrat und Hochschulleitung

auf dem Görlitzer

Campus

Mit der Hochschulentwicklungsplanung

gingen intensive

Beratungsgespräche einher.

21


Einblick // Hochschule

PERSONAL ENTWICKELN UND FÖRDERN

Karin Hollstein hat zurzeit viel Arbeit. Die

Kanzlerin der Hochschule Zittau/Görlitz

ist Teil der Personalentwicklungskommission

(PEK), die durch das Rektorat

eingesetzt wurde. Die Kommission bereitet

ein Personalentwicklungskonzept

zur Zukunftsfähigkeit der Hochschule

vor. Neben der Kanzlerin sitzen auch der

Hochschulrektor Friedrich Albrecht, der

Dezernent für Personal und Recht Christoph

Duscha sowie die Professorin Maja

Dshemuchadse und der Mitarbeiter Bert

Salomo in der Kommission. Ihr Ziel ist

es, ein Personalentwicklungskonzept

zu erstellen – also ein Dokument, das

alle Vorgänge, die das Hochschulpersonal

betreffen, beschreibt, bewertet und

Maßnahmen sowie Ziele festlegt.

Dieses Konzept zu erstellen, ist eine Aufgabe,

die das Land Sachsen der Hochschule

gegeben hat. Genauer gesagt:

das Sächsische Staatsministerium für

Wissenschaft und Kunst (SMWK). Zwischen

dem Ministerium und der HSZG

besteht eine Zielvereinbarung für die

Jahre 2017 bis 2020. Ein Personalentwicklungskonzept

zu erstellen, ist Teil

dieser Vereinbarung. Das soll bis zum 30.

Juni 2019 geschehen.

Karin Hollstein ist es wichtig, dass das

Konzept von Führungskräften, Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern der

Hochschule akzeptiert und inhaltlich

getragen wird. „Es soll eine runde Sache

werden“, sagt sie. Doch die Kommission

ist in der Gestaltung des Personalentwicklungskonzeptes

nicht komplett frei.

Sie muss die Vorgaben des Sächsischen

Hochschulentwicklungsplans 2025 beachten

und Entwicklungstrends des

Personals an Hochschulen in den Blick

nehmen.

Für die 3.000 Studentinnen und Studenten

der HSZG bedarf es einer auskömmlichen

personellen Ausstattung der Fakultäten,

zentralen Einrichtungen und

der Hochschulverwaltung, insbesondere

durch die Bereitstellung von Dauerstellen

für Daueraufgaben.

Um diese Stellen bedarfsgerecht zu verteilen,

gibt es einen Stellenpool. Dort

findet man jede frei werdende Stelle,

zum Beispiel wenn eine Professorin oder

ein Professor in Rente geht. „Der Stellenpool

ist ein gut etabliertes Instrument

bei uns“, sagt die Kanzlerin. „Dieses Instrument

soll Fakultäten dazu motivieren,

ihre strategische Entwicklung langfristig

zu planen und auf dieser Grundlage den

Personalbedarf zu definieren.“

Die Kommission befasst sich aktuell damit,

eine Übersicht über die vorhandenen

Maßnahmen und Instrumente der

Personalentwicklung an der HSZG zu

erstellen.

Dazu schaut sie auf folgende Handlungsfelder:

1. Personalgewinnung

Foto: Jens Freudenberg

1

2. Personalführung, Kommunikation

und Zusammenarbeit

3. Personalförderung

In jedem Handlungsfeld wird der Status

Quo der Verfahrensweisen und Instrumente

beschrieben. Dann wird bewertet,

wie es bisher umgesetzt wurde und

schließlich ermittelt, wo weiterer oder

neuer Handlungsbedarf besteht.

Im gesamten Prozess wird die Kommission

von dem Beratungsunternehmen

CHE Consult begleitet. „Wir haben uns

bewusst externen Sachverstand ins Boot

geholt, um die Thematik professionell

begleiten zu lassen“, sagt Karin Hollstein.

CHE Consult unterstützt darin, die Kommissionsarbeit

vorzubereiten, deren Arbeit

zu reflektieren, themenbezogene

Workshops zu initiieren und durchzuführen

sowie die hochschulinterne Kommunikation

zu begleiten.

Stück für Stück wird der Inhalt des Personalentwicklungskonzepts

nach außen

weitergegeben – zunächst im September

2018 auf der Dienstberatung

des Rektors. Dann werden Rektorat,

Personalrat, Schwerbehindertenvertretung

und Gleichstellungsbeauftragte

informiert. Im November 2018 soll das

Personalentwicklungskonzept Gegenstand

eines Workshops mit den Führungskräften

der Hochschule sein. Dem

Senat wird das Konzept im Januar 2019

vorgestellt und im März 2019 dem Hochschulrat.

Das Rektorat entscheidet final

über das Personalentwicklungskonzept

und reicht dieses fristgerecht am 30. Juni

2019 beim SMWK ein. „Wir liegen gut in

der Zeit“, hält Karin Hollstein fest.

1

Die Personalentwicklungskommission

der Hochschule

Zittau/Görlitz (v.l.n.r.): Bert

Salomo, Prof. Maja Dshemuchadse,

Rektor Friedrich

Albrecht, Christoph Duscha,

Kanzlerin Karin Hollstein und

Heike Kallweit

22


KUNST WIEDER ERLEBBAR MACHEN!

Mit Museumsführungen für Menschen mit Demenz ermöglichen Studierende der

Sozialen Arbeit einer besonderen Zielgruppe die Teilhabe am kulturellen Leben.

VON CORNELIA ROTHE UND CHRISTIAN BÜHLER

„Im Rahmen des Seminars Projektentwicklung/Projektstudium

haben wir uns

im Matrikel SWb16 für die Thematik Kultur

und Demenz entschieden“, erzählt

Christian Bühler. „Hierdurch haben wir

die positive Herausforderung ermöglicht

bekommen, ein bereits erfolgreiches

Projekt fortzusetzen.“ Bei diesem

Projekt handelt es sich um Museumsführungen

für Menschen, die an Demenz

erkrankt sind. Seit November 2017 gelingt

es den Studierenden der Sozialen

Arbeit, diesen Menschen wieder eine

soziale Teilhabe am kulturellen Leben zu

ermöglichen.

„Die Initiative für dieses Projekt ging von

Prof. Matthias Theodor Vogt und mir

aus“, berichtet Projektleiterin Prof. Dr.

habil. Gisela Thiele. „Wir hatten vor drei

Jahren ein Treffen mit dem Leiter des

Schlesischen Museums zu Görlitz Herrn

Dr. Bauer. Ich habe dann vorgeschlagen,

dass wir innerhalb des Projektstudiums

der Sozialen Arbeit im vierten und fünften

Semester ein studentisches Projekt

daraus entwickeln. Über das anfängliche

studentische Projekt hinaus soll nun die

Zusammenarbeit mit dem Schlesischen

Museum zu Görlitz fortgesetzt und das

Angebot ein fester Bestandteil im Museumsprogramm

werden.

„Das Angebot richtet sich an alle ambulanten,

teilstationären und stationären

Einrichtungen der Altenhilfe der Stadt

und ebenso an pflegende Angehörige“,

erklärt Christian Bühler. Die Führungen

finden ohne Einschränkungen und mit

einem hohen Maß an Wertschätzung

statt. „Wir erleben viel positive Resonanz

und eine dankbare Annahme des Angebotes,

was nicht selbstverständlich ist,

denn es wird den Menschen Einiges abverlangt“,

so der Student. An Demenz erkrankte

Personen erreichen in der Regel

1

schnell die Grenzen ihrer Konzentration.

„Deshalb ist besonderes Augenmerk darauf

zu legen, dass wir eine Überforderung

nach Möglichkeit vermeiden und

die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen

im Blick behalten“, erklärt Christian

Bühler.

Der Dialog mit der Zielgruppe ermöglicht

es den Projektteilnehmern, unterschiedliche

Themen in Vergangenheit

und Gegenwart aufzugreifen, so dass

lebendige Assoziationen und Auseinandersetzungen

geschaffen werden können

und in einem greifbaren Erlebnis

münden. Prof. Gisela Thiele erklärt: „Die

Erfahrung der Bildbetrachtung eröffnet

einen großen Raum für eigene Gedanken

und knüpft an frühere Erfahrungen

der an Demenz erkrankten Menschen

an. Erste Erfahrungen nach einem Jahr

praktizierter Führungen versprechen

eine rege Anteilnahme und ein kleines

Stück freudiger Lebensqualität in der

Auseinandersetzung mit Gemälden und

Skulpturen.“

Im Anschluss an die Führungen folgt das

Endritual. Dieses besteht aus dem Ausmalen

eines einfachen Bildes mit Farbe

und Pinsel. Natürlich wird auch Kaffee

und Kuchen gereicht. Denn auch hier

geht ein positives Erlebnis durch den

Magen. Ziel ist es, eine kleine Erinnerung

zu schaffen.

„Das Projekt läuft jetzt mit 18 Studierenden,

die sich freiwillig gemeldet haben,

weiter“, freut sich Prof. Gisela Thiele.

Die Führungen der aktuellen Seminargruppe

beginnen im Wintersemester

und schließen sich mit zwei neuen Führungslinien

zu den Themen „Wandern“

und „Berufe“ denen der vorherigen Studierendengruppe

an.

1

Foto: HSZG

Studierende der Sozialen

Arbeit entwickeln Museumsführungen

für an Demenz

erkrankte Menschen unter der

Leitung von Prof. Gisela Thiele

(vordere Reihe, 2. v. l.).

23


1

IM ALTER AUF TECHNIK VERTRAUEN

Foto: © ASK-Fotografie/Fotolia

Das Projekt VATI möchte älteren Menschen den Umgang mit Assistenzsystemen nahebringen

und für regionale Anbieter sensibilisieren.

VON SABRINA WINTER

Ein Sturz kann eine Krise auslösen –

besonders bei älteren Menschen. Da

kann ein gebrochenes Bein die Alltagsaufgaben

fast unmöglich machen. Oft

benötigen Seniorinnen und Senioren

dann technische Hilfsmittel, wie einen

Treppenlift oder einen Notrufknopf. Diese

Assistenzsysteme sollen das Leben

in den eigenen vier Wänden leichter

machen. Doch es gibt ein Problem mit

ihnen: Ältere Menschen verstehen oft

nicht, wie sie funktionieren. „Meist werden

die technischen Hilfsmittel erst nach

einem Sturz oder Schlaganfall installiert.

Dann treffen Angehörige die Entscheidung“,

erklärt Andreas Hoff, Professor für

Soziale Gerontologie. „Sie meinen das

zwar gut. Aber damit das Gerät im Alltag

auch genutzt wird, ist eine umfassende

Beratung entscheidend.“

Wie kann Technik Senioren helfen? Wie

schafft man es, dass sie neuen Technologien

vertrauen? Diese und weitere Fragen

werden im Projekt VATI erforscht.

Das Akronym VATI steht für „Vertrauen

in Assistenz-Technologien zur Inklusion“

Foto: Jens Freudenberg

2

älterer Menschen. Bei dem Forschungsprojekt

arbeiten die Fakultät für Sozialwissenschaften

und der Fachbereich

Informatik zusammen. Zuerst gab es

eine repräsentative Befragung von Menschen

im Landkreis Görlitz, die älter als

60 Jahre sind. Im zweiten Schritt wurde

eine interaktive Website, der VATI-Technologie-Navigator,

programmiert. Er

hilft dabei herauszufinden, welche technischen

Hilfsmittel nötig sind. „Auf der

Website können Senioren und Angehörige

zuverlässige Informationen finden.

Wir sind als Hochschule ja eine neutrale

Einrichtung ohne Wirtschaftsinteressen“,

sagt der Projektverantwortliche

Andreas Hoff. Ziel von VATI ist es, die

Anbieter technischer Assistenzsysteme

aus der Region mit daran interessierten

Menschen aus der Region zusammenzubringen.

Für Senioren hat das einen entscheidenden

Vorteil: Die Anbieter vor

Ort kennen ihre Bedürfnisse besser und

können somit besser beraten.

Bis Ende des Jahres 2017 hat das Bundesministerium

für Bildung und Forschung

das Projekt finanziert. Die Anschlussfinanzierung

hat nun das Sächsische

Staatsministerium für Wissenschaft und

Kunst nahtlos übernommen. Das schafft

Raum für vertiefende statistische Analysen.

Projektleiter Andreas Hoff sagt:

„Nach drei Jahren Projektlaufzeit ist

1

2

Assistenz-Technologie soll im

Alter helfen.

VATI-Projektleiter

Prof. Dr. Andreas Hoff

24


Forschung und Transfer // Einblick

der Technologie-Navigator fertig. Aber

seine langfristige Wirkung muss noch

erforscht werden!“ Neben der Website

gibt es Pläne, auch eine Telefon-Hotline

zu schalten. Dort sollen studentische

Mitarbeiter zu den Assistenztechnologien

beraten. Außerdem wird es eine

Musterwohnung geben, in der Senioren

verschiedene Assistenztechnologien

ausprobieren können. Dazu arbeitet die

HSZG mit dem Görlitzer Wohnungsanbieter

Kommwohnen zusammen. Die

Musterwohnung soll in der Wohnanlage

Frauenburg-Karree liegen – mit betreutem

Wohnen und Pflegeheim in unmittelbarer

Umgebung. „Das ist perfekt für

uns, weil wir so die Technik unter lebensnahen

Bedingungen testen können“,

sagt Andreas Hoff.

Dass das Thema „technische Assistenzsysteme“

im Landkreis Görlitz noch

nicht richtig angekommen ist, zeigt die

Befragung aus dem ersten Teil des Projekts

VATI. Nur ein Zehntel der Befragten

gab an, technische Assistenzsysteme

zu nutzen. Lediglich 17 Prozent können

sich vorstellen, ihren Wohnraum

umzubauen. Dabei zieht es eine deutliche

Mehrheit von über 90 Prozent vor,

solange wie möglich in den eigenen

vier Wänden zu leben. Gleichzeitig ist

der Wohnraum vieler Menschen in der

Region nicht altersgerecht ausgestattet:

gerade mal 27 Prozent haben niedrigschwellige

Duschen und nur 13 Prozent

einen stufenlosen Zugang zu ihrer Wohnung.

Eine barrierefreie Wohnung und

moderne Assistenztechnologien bieten

die Chance, bis ins hohe Lebensalter weiterhin

im vertrautem Umfeld zu leben.

Auch darum ist weitere Forschung dazu

wichtig. Denn die Region um Zittau und

Görlitz ist demografisch gesehen eine

der ältesten in Deutschland.

Infos zum Technologie-Navigator:

https://www.vati-navigator.de

Foto: © DOC RABE Media/Fotolia

3

3

Ältere Menschen im Landkreis Görlitz möchten solange wie möglich im eigenen Wohnraum leben.

25


Foto: GrAl/Shutterstock.com

REINVENTING HEALTH -

WEGE IN EINE NEUE GESUNDHEITSKULTUR

MAIK HOSANG & YVE STÖBEL-RICHTER

Wir leben in einer Welt im Wandel, der

viele Dimensionen umfasst: wirtschaftliche,

soziale und kulturelle, aber auch

persönliche, psychische und seelische.

Ein Begriff, der vieles davon vereint, ist

der Begriff der Gesundheit. Auch die

darauf bezogenen Perspektiven sind im

Wandel. Mit dem Arbeitsbegriff „Reinventing

Health“ versuchen wir, dafür

theoretische als auch praktische Forschungsräume

zu entwickeln.

Foto: Jens Freudenberg

1

Weil viele der neuen Herausforderungen

fach- und systemübergreifende

Denkansätze erfordern, bietet es sich

an, die Vielfalt der HSZG und die kurzen

Wege zwischen den Fakultäten für solche

Innovationen zu nutzen. So kam es

auch zur Zusammenwirkung zwischen

uns beiden – Yve Stöbel-Richter leitet

den Masterstudiengang Management

im Gesundheitswesen und Maik Hosang

den Bachelorstudiengang Kultur

und Management – sowohl auf fakultärer

Ebene, als auch im Rahmen des

Forschungsschwerpunkts „Transformationsprozesse

in Wirtschaft und Gesellschaft“.

Einige uns derzeit beschäftigende

Projekte stellen wir im Folgenden

kurz vor.

Ein heute zunehmend verbreiteter

Zwischenbegriff für eine neue Gesundheitskultur

ist der Begriff Salutogenese

(aus: Salus = Heil, Gesundheit und Genese

=Entstehung), der vom israelischamerikanischen

Medizinsoziologen

Aaron Antonovsky in den 1970er Jahren

entwickelt wurde. Nach dem Salutogenese-Modell

ist Gesundheit kein

Zustand, sondern ein Kontinuum. Ein

wesentlicher Faktor dafür, auf welchen

Punkt dieses Kontinuums zwischen

‘Health-Ease‘ und ‘Dis-Ease‘ man sich

täglich einordnet, ist das „Kohärenzgefühl“.

Das Kohärenzgefühl drückt ein

durchdringendes, dynamisches Gefühl

des Vertrauens aus.

Der Denkansatz der Salutogenese ist

zweifellos ein Fortschritt gegenüber

bisherigen, vor allem auf Krankheit bzw.

Krankheitsvermeidung fokussierten

Gesundheitsverständnissen. Dennoch

hat er unseres Erachtens zwei Mängel:

Er reflektiert zum einen zu wenig die

sozialen und kulturellen Bedingungen

dafür, wie sich das Kohärenzgefühl im

menschlichen Leben bilden kann. Und

er diskutiert zum anderen auch nicht

konsequent genug in die transdisziplinären

Grundlagen dessen, was so ein

‘durchdringendes, dynamisches Gefühl

des Vertrauens‘ eigentlich ist. Dies mag

ein Grund dafür sein, warum wir beide

dazu eingeladen wurden, beim diesjährigen

Symposium ‘Wege zu einer neuen

Gesundheitskultur‘ des Deutschen

Dachverbandes an der Universität Göt-

28


Forschung und Transfer // Einblick

2

Foto: Sophie Herwig

tingen einen Input zum Thema „Wie

kommt das Neue in die Welt: Ko-kreative

Prozesse“ zu geben.

Neben diesen theoretischen Forschungen

beschäftigen uns auch praktische

Entwicklungsräume für neue Gesundheitskulturen.

Ein Projekt ist die Implementierung

eines systemischen

BGM-Konzeptes (Betriebliches Gesundheitsmanagement)

beim Schüco-Konzern.

Hierzu fand am 17. April 2018 ein

Kick-off Meeting mit den Studierenden

des Masterstudiengangs Management

im Gesundheitswesen und dem Projektteam

sowie dem Geschäftsführer

bei Schüco in Weißenfels statt. Neben

einer umfassenden Werksbesichtigung

arbeiteten die KollegInnen von Schüco

und die Studierenden gemeinsam an

der Zielklärung für drei Projekte zu den

Themen Arbeitsfähigkeit, Gesundheitszirkel

und Motivation. In den nächsten

zwölf Monaten werden die Studierenden

des Matrikels WGm 17 jeweils Konzepte

entwickeln und deren Umsetzung

in Pilotprojekten durchführen. Dabei

werden sie hautnah erfahren dürfen,

wie BGM in einem Unternehmen implementiert

wird und welche Sichtweisen

auf die persönliche und die kollektive

Gesundheit notwendig sind, um hieraus

nicht nur ein Projekt, sondern eine

langfristige Unternehmenskultur zu machen.

Mit einer weiteren Kollegin – Prof. Dr. Ute

Pflicke, Leiterin des Studienganges Tourismusmangement

– sind wir außerdem

im Beirat eines Projekts, in welchem kultur-

und gesundheitstouristische Innovationen

für die Regionen Oberlausitz

und Sächsische Schweiz entwickelt werden.

Ausgehend von entsprechenden

Unternehmen in Bad Schandau (toskanaworld)

und Großschönau (Trixi-Park)

geht es darum, neuartige und überregional

attraktive Angebote zu entwickeln,

welche intensive und nachhaltige

Erfahrungen einer Gesundheit für Körper,

Seele und Geist ermöglichen. Im

Rahmen von Forschungsseminaren und

Abschlussarbeiten werden auch dabei

Studierende aktiv einbezogen.

1

Prof. Dr. phil. habil. Yve Stöbel-

Richter 2

Kontakt

Dr. phil. habil. Maik Hosang

m.hosang@hszg.de

Prof. Dr. phil. habil. Yve Stöbel-Richter

yve.stoebel-richter@hszg.de

Dr. phil habil. Maik Hosang und

Neurobiologe Gerald Hüther

im Gespräch

29


Einblick // Studium und Lehre

NEUE E-INFO PLATTFORM

Das Projekt AMiCE steht für mehr Wettbewerbsfähigkeit und lebendige regionale

und überregionale Partnerschaften.

VON MARLEN KRAUSE

Foto: Peter Hennig

konkreten Durchführung der Innovationsprojekte

mit interessierten Unternehmen

sind die Arbeitspaket-Leiter

TU Liberec und die Universität Genua

betraut.

1

Das letzte Partnertreffen des AMiCE Projektes

fand am 3. Juli 2018 im Prager Verbindungsbüro

des Freistaates Sachsen,

einen Steinwurf von der Karlsbrücke

entfernt, statt. Partner aus drei Ländern

waren vor Ort und weitere via WebEx

zugeschaltet. Im Fokus der Agenda

stand das Konzept für die geplante

AMiCE-E-Info Plattform. Diese wird ab

Ende 2019 als Informationsplattform in

knapper Form die relevantesten Inhalte

zu den Themen Advanced Manufacturing-Technology,

Circular Economy

und deren Förderung zusammenfassen.

Als Hauptzielgruppe sollen kleine und

mittlere Unternehmen der fünf Partnerregionen,

je nach Stand ihrer bisherigen

Erfahrung, einen geeigneten und neutralen

Einstieg in die Thematik finden.

Noch wichtiger aber ist das Bilden von

lebendigen regionalen und überregionalen

Partnerschaften zwischen den

Unternehmen, Forschungsinstituten

und Vertretern der Politik (‘Triple Helix

Model of Innovation‘). Dies soll im ersten

Schritt durch Workshops, Masterclasses

und Info Sessions erreicht und

zukünftig durch konkrete Innovationsprojekte

gefestigt werden. Die E-Info

Plattform wird darüber hinaus interessierte

kleine und mittlere Unternehmen

mit ortsabhängigen Funktionalitäten

unterstützen, um Partner, Experten und

geeignete Maschinen zu finden und

sich selber zu präsentieren.

Damit stellt die E-Info Plattform ein

wichtiges Kommunikationsmittel und

Bindeglied der insgesamt drei Arbeitspakete

dar. Als Leiter von Arbeitspaket-1

ist die HSZG für die Koordination und

Implementation der E-Info Plattform

sowie Entwicklung von Strategien der

generativen Fertigung zuständig. Mit

der Analyse der Geschäftsprozesse, der

Konzeption von Pilot-Linien und der

Für das verarbeitende Gewerbe sind

innovative Fertigungstechnologien ein

wichtiger Motor und von hoher Bedeutung

für Beschäftigung und Wachstum

in Europa. Das EU-Projekt AMiCE trägt

maßgebend zu den Fertigungstechnologien

als Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit

der europäischen

Wirtschaft bei. Seit Ende 2017 arbeiten

an der Hochschule Zittau/Görlitz Martin

Sturm, Marlen Krause und Sepp Härtel

gemeinsam an der Umsetzung der globalen

Ziele und damit einhergehend

der Förderung der Investitionen, Verbesserung

des Wissenstransfers und

Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Mit einer Laufzeit von 2017 bis 2020

ermöglicht das EU-Projekt eine nachhaltige

Entwicklung der additiven Fertigungstechnologie

in Zentraleuropa

und Unterstützung bei der Anwendung

moderner Technologien nach dem Prinzip

des ökologischen Produktlebenszyklus.

Kontakt

Ing. Martin Sturm, Ph.D.

m.sturm@hszg.de

Weitere Informationen zum Projekt:

www.interreg-central.eu/AMiCE

1

Der für AMiCE verantwortliche

Hochschullehrer Martin Sturm

zusammen mit seinem Team:

Marlen Krause und Sepp Härtel

(v.l.n.r.)

30


Studium und Lehre // Einblick

ACHT NEUE INGENIEURPÄDAGOGEN

Die ingenieurdidaktische Kompetenz von Lehrenden der MINT-Fakultäten wird

gefördert.

VON KARL-HEINZ REICHE UND DANIEL WINKLER

Im Januar 2018 haben gleich acht

Mitarbeiter den Abschluss zum Ingenieurpädagogen

erfolgreich erworben.

Zertifiziert wird dieser von der

Ingenieurpädagogischen Wissenschaftsgesellschaft

(IPW) und der

International Society for Engineering

Pedagogy (IGIP). Veranstaltet wurde

die Ingenieurpädagogische Weiterbildung

für Lehrende vom Projekt

Makroeigenschaften/Match 3 des Karriereservice.

Das Ziel der Weiterbildung war es,

die ingenieurdidaktische Kompetenz

unserer Hochschulmitarbeiter der

MINT-Fakultäten weiter auszubauen.

Dafür wurde eine Veranstaltungsreihe

geschaffen, die nach den Vorgaben der

Ingenieurpädagogischen Wissensgesellschaft

konzipiert und in Kooperation

mit dem Institut für Berufspädagogik

der Technischen Universität Dresden

durchgeführt wurde. Sie baut auf dem

Weiterbildungsprojekt „Ingenieurdidaktik

an Sächsischen Hochschulen‚

e-Didact‘“ aus den Jahren 2010 bis 2013

auf.

Foto: David Sauer

1

Um eine gruppendynamische, peergrouporientierte

und effektive

Atmosphäre der Wissens- und Kompetenzvermittlung

zu schaffen, wurden

Teile der Module in Blöcke zusammengefasst,

die unter anderem in den

Tagungshäusern Bischof-Benno-Haus

in Schmochtitz bei Bautzen, der Windmühle

Seifhennersdorf und dem Dom

Parada in Niedamirów (Polen) stattfanden.

Das letztgenannte Tagungshaus

im polnischen Riesengebirge stellte

dabei ein besonderes Highlight dar,

da es Veranstaltungsort der fünftägigen

Summer School »Kommunikation«

war. Hierbei erarbeiteten sich die

Teilnehmer verschiedene Techniken

für gutes Sprechen, das heißt, bewusst

bzw. ökonomisch zu atmen, die eigene

Körperwahrnehmung zu sensibilisieren

und damit Stressbewältigung zu befördern.

Weiterhin wurden systemische

und humanpsychologische Ansätze für

die eigene Professionalisierung sowie

Arbeitstechniken wie zielführende

Gesprächsführung, zum Beispiel durch

lösungsorientierte Fragestellungen,

gelehrt. Die Summer School wurde

abgerundet durch eine gemeinsame

Wanderung im Riesengebirge, auf der

sich die Gruppe bei gruppendynamischen

Elementen als Team erwiesen hat.

Im Rahmen der Weiterbildung zum

Ingenieurpädagogen absolvierten die

Teilnehmer Veranstaltungen zu folgenden

Themen: Lern-, Kontroll- und Bewertungsprozesse,

Persönlichkeits- und

Rollenmodelle, Lehrveranstaltungsformen,

Studienziel und -inhaltsbestimmung,

Resilienz und Psychohygiene,

Körpersprache, Stimmtraining, Beratung,

Gestaltung von Laborpraktika,

erlebnisorientierte Methoden, Design

Thinking etc. Die einzelnen Lehrveranstaltungen

wurden, je nach Fachgebiet,

von unterschiedlichen Dozenten gehalten.

Darunter Dr. Steffen Kersten (Wissenschaftlicher

Mitarbeiter am Institut

für Berufspädagogik an der TU Dresden),

Timon Umlauft (Wissenschaftlicher

Mitarbeiter an der TU Bergakademie

Freiberg im Bereich Hochschuldidaktik

in den MINT-Fächern), Dr. Jörg Heidig

(Lehrbeauftragter für psychologische

Praxisfächer und Didaktik-Fachmann),

Daniela Schober (Trainerin und Beraterin

für Führungskräfte mit zehn Jahren

Erfahrung auf Bühnen und vor der Fernsehkamera)

und Karl-Heinz Reiche (Projektmanager

Karriereservice).

HABEN SIE AUCH INTERESSE?

Die nächste Ingenieurpädagogische

Weiterbildung für Lehrende (Umfang

230 Stunden, berufsbegleitend) findet

von Dezember 2019 bis Januar 2020

statt. Interessenten dafür können sich

gern bei Daniel Winkler melden.

Weitere Informationen finden Sie hier:

www.hszg.de/ipwb

Kontakt

Daniel Winkler

Karriereservice der HSZG

daniel.winkler@hszg.de

1

Die HSZG-Mitarbeiter freuen

sich über ihren Abschluss zum

Ingenieurpädagogen.

31


1

Foto: Cornelia Rothe

„UM DIESE MENSCHEN HABE ICH GROSSE ANGST“

Gerald Hüther ist Autor bekannter populärwissenschaftlicher Bücher wie „Jedes Kind

ist hochbegabt“. Der Neurobiologe hielt im April einen Vortrag in der Görlitzer Kulturbrauerei

zum Thema „Bildung im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung:

Wie können Schulen und Universitäten die neuen Herausforderungen meistern“. Wir

trafen Hüther auf ein Gespräch über richtiges Lernen, Kirchturmuhren und Roboter.

DAS INTERVIEW FÜHRTE SOPHIE HERWIG

HERR HÜTHER, LERNEN KINDER

ANDERS ALS ERWACHSENE?

Kinder lernen aus sich selbst heraus.

Dass man Laufen, Krabbeln und die

Sprache lernt, das sind alles Dinge, die

Kinder aus sich selbst heraus lernen.

Denn bei Kindern ist der Lernprozess

vollständig selbstorganisiert – das Kind

erlebt sich als Gestalter seines eigenen

Lernprozesses. Bis es dann von uns belehrt

wird.

UND DAS IST DER FEHLER?

Das ist dann eine völlig andere Art des

Lernens, weil man ab diesem Punkt

nicht mehr lernt, was man will, sondern

das lernen soll, was man muss. Und

das ist eine schwierige Erfahrung für

Kinder. Manche finden sich damit ab

und unterwerfen sich dem Regime: Sie

übernehmen die Objektrolle, die ihnen

zugewiesen worden ist. Manche werden

rebellisch und lehnen sich dagegen

auf, solange sie können, und manche

bekommen Ritalin, damit sie wieder

funktionieren.

ABER ES GEHÖRT DOCH ZU

UNSERER GESELLSCHAFT, DASS

WIR ALLE IN DIE SCHULE GE-

HEN MÜSSEN?

Genau, diesem historisch gewachsenen

Bildungssystem kann man sich kaum

entziehen. Dadurch werden die Kinder

aber immer zum Objekt von Erwartungen,

Bewertungen, Zielvorgaben, Lerninhalten,

Unterricht und Belehrungen

gemacht. Dann lernen sie zwei Dinge,

um aus diesem Dilemma herauszukommen,

in das sie hineingestoßen wurden.

ALSO ENTWICKELN SICH ZWEI

ARTEN VON LERNTYPEN?

Ja, die eine Hälfte lernt, wie man den anderen,

der da als Belehrer kommt, auch

zum Objekt macht. Das hört man dann

häufig, dass sie sagen: „Blöder Lehrer“.

Und dann lässt sich das aushalten. Das

sind aber diejenigen, die ganz gut lernen,

wie man andere für seine Zwecke

benutzt. Diese Kinder werden meist

sehr erfolgreich in unserer Gesellschaft

und besetzen Führungspositionen. Die

anderen entkommen diesem Problem,

dass sie sich als Objekt behandelt fühlen,

indem sie sich selbst zum Objekt

ihrer eigenen Bewertung machen und

sich selbst zuschreiben, sie seien zu

blöd für Mathe oder in Sport eine Niete.

Und wenn dann der Sportlehrer kommt

und sagt, das wird aber nichts mehr

mit dir, dann sagen sie, das weiß ich ja

schon. Das tut dann auf alle Fälle nicht

mehr so weh.

32


Studium und Lehre // Einblick

WIE SCHAFFT MAN ES, RICHTIG

ZU LERNEN?

Das, was man wirklich will, das, was einen

wirklich interessiert, das bleibt hängen.

Also hat man eigentlich gar keine

andere Chance, als dem Studium oder

dem Unterricht etwas abzugewinnen.

OFT GIBT ES JA DINGE IM LE-

BEN, DIE EINEM KEINEN SPASS

MACHEN, DIE EINEN GAR

NICHT INTERESSIEREN UND DIE

TROTZDEM ERLEDIGT WERDEN

MÜSSEN – WIE SCHAFFT MAN

ES DA DURCH?

Man könnte sich selbst sagen, dass man

sich mal beweisen will, dass man das

auch aushält. Dann bleibt man wenigstens

noch Subjekt. Dann unterwirft man

sich dem nicht, sondern man spielt das

Spiel als Theaterspieler mit: wenn es

jetzt nötig ist, dass ich den ganzen Kram

lerne, dann zeig ich es denen auch gern,

aber ich identifiziere mich nicht mit der

Rolle eines Schülers, der sein eigenes

Selbstbild davon abhängig macht, ob er

dem Lehrer gefällt.

SOLLTEN IMMER MEHR JUNGE

Foto: Sophie Herwig

2

LEUTE EIN STUDIUM ANFAN-

GEN ODER LIEBER DEN GUTEN

ALTEN HANDWERKSBERUF LER-

NEN?

Es gibt so viele Studenten, die am Ende

ihres Studiums nicht richtig wissen,

was sie machen sollen, nicht so richtig

glücklich sind. Und manch einem geht

dann auf, dass er vielleicht lieber Kirchturmuhren

repariert hätte. Wenn sich

herumspricht, dass man sich besser eine

Tätigkeit sucht, die einen erfüllt, als dass

man einen Beruf ergreift, von dem man

sich sehr viel Ansehen und Bedeutung

verspricht, dann werden das junge Menschen,

die stärker bei sich sind, stärker

auf das achten, was sich in ihnen meldet

und langfristig mit dem zufrieden werden,

was sie machen.

WELCHE VORTEILE ERGEBEN

SICH DANN FÜR DAS BERUFLI-

CHE LEBEN?

Wenn man bei der Ausbildung die eigene

Freude beim Entdecken und Gestalten

nicht verloren hat, ist man auch später

im Beruf jemand, der gerne arbeitet.

Und solche Menschen arbeiten nicht

um Geld, zu verdienen. Sondern weil es

ihnen Freude macht.

„Das was man wirklich will, das was einen wirklich interessiert,

das bleibt hängen. “

3

GERALD HÜTHER

UND WAS PASSIERT MIT DEN

ANDEREN?

Angesichts von Digitalisierungsprozessen,

die jetzt überall um sich greifen,

muss man sich fragen, ob nicht diejenigen,

die nicht gerne arbeiten, am ehesten

Tätigkeiten ausüben, die sehr klar

beschreibbar sind. Sodass die Gefahr relativ

groß ist, dass die, die in der Schule

oder im Studium ihre Freude am Lernen

verloren haben, später eine Tätigkeit

ausüben, die ersetzbar ist – durch Roboter

und Automaten. Und das gilt auch

für Ärzte und Juristen. Um diese Menschen

habe ich große Angst.

Foto: Cornelia Rothe

1

2

3

Gerald Hüther im Gespräch mit

Sophie Herwig

Neurobiologe Gerald Hüther

Mit Dr. Maik Hosang von der

HSZG (li.) und SCHKOLA-

Geschäftsführerin Ute Wunderlich

erörterte Gerald Hüther

Herausforderungen des

Bildungssystems.

33


Einblick // Studium und Lehre

PERSPEKTIVE GEWECHSELT

Im Juni fanden die ersten ERLEBNISTAGE INKLUSION am Campus Görlitz statt. Besucher

konnten Eindrücke von einem Leben mit körperlichen Beeinträchtigungen gewinnen.

VON STEFAN-TOBIAS DITTMANN UND CORNELIA ROTHE

Gemäß dem im Namen versteckten Motto

„Erlebe Inklusion“ hatten Studierende

und Mitarbeitende die Möglichkeit, eine

Vielzahl an Selbsterfahrungsangeboten

zu nutzen und an flankierenden Veranstaltungen,

wie beispielsweise an einem

Schnupperkurs in Gebärdensprache und

einer Vortragsreihe zum Nachteilsausgleich

und dem Aktionsplan Inklusion

der Hochschule Zittau/Görlitz teilzunehmen.

Organisiert hat das Ganze Stefan-Tobias

Dittmann. Der Student der Sozialen

Arbeit arbeitet während seines Praxissemesters

unter anderem für Robert Viertel,

Mitarbeiter für Inklusion an der

Hochschule Zittau/Görlitz. „Durch meine

Tätigkeit als Erlebnispädagoge war

und ist es mir ein Anliegen, diese Aktion

erlebbar zu gestalten“ erzählt er. „Mir ist

es wichtig, Inklusion durch eigenes Erleben

zu erfahren. Denn ich bin der festen

Überzeugung, dass Selbsterlebtes besser

haften bleibt und in diesem Falle ein

intensiveres und nachhaltiges Erlebnis

ermöglicht.“ So standen täglich am Informationspunkt

vor der Mensa Rollstühle,

Simulationsbrillen und Augenbinden

zum Ausleihen und Nachempfinden

körperlicher Beeinträchtigungen bereit.

Mittels Gedankenspielen konnten auch

2

Foto: HSZG

1

weniger sichtbare Handicaps im Hochschulalltag

erlebt werden. „Zum Beispiel

sollten sich die Besucher beim Gang in

die Mensa vorstellen, welches Essen sie

wählen würden, wenn sie Diabetes hätten“,

so Stefan-Tobias Dittmann.

Auch zwei Tandemräder und das E-Bike

des Hochschulsports wurden neugierig

ausprobiert. Sie ermöglichen im

Hochschulalltag auch weniger geübten

bzw. beeinträchtigten Personen an

gemeinsamen Teamausfahrten teilzunehmen.

Und dank einiger motivierter

und begeisterter Studierender konnten

durch kleine Aktionen wie einer Rollstuhlrallye

oder ‘Wikingerschach mit

verbundenen Augen‘ weitere erlebbare

Momente geschaffen werden, die durch

Spaß am ernsthaften Thema für nachhaltige

Erfahrungen sorgten.

Am gut besuchten Informationsstand

gab es reichlich Zeit, um Fragen zu diskutieren

und Gedanken zur Umsetzung

der inklusiven HSZG auszutauschen.

Einiges wurde direkt an die bereitstehende

Pinnwand geschrieben. Vor allem

Ideen zur Frage: 49.000 Euro im Jahr

2018 für Inklusion an der HSZG - Wofür?

„Dabei wurden einige Gedanken aufgegriffen,

die bereits in Bearbeitung

Foto: HSZG

sind. Genannt wurden beispielsweise

‘mehr Aufklärungsarbeit‘, ‘ein barrierefreier

Campus‘ oder ‘Gastvorträge von

Experten in eigener Sache‘“, zählt der

Veranstaltungsorganisator auf. Das Geld

dient der Umsetzung der im Aktionsplan

Inklusion 2025 gesteckten Ziele der

Hochschule. Die vielen Hinweise der Studierenden

verdeutlichen noch einmal

die Notwendigkeit von Inklusion an der

HSZG.

Ausblickend hält Stefan-Tobias Dittmann

fest, dass solche sensibilisierenden Veranstaltungen

immer wieder an beiden

Hochschulstandorten stattfinden werden.

Als nächstes kommt die Wanderausstellung

„Behindern Verhindern“ des

Freistaates Sachsens an die Hochschule.

Diese macht voraussichtlich vom 23. bis

30. Oktober 2018 am Campus Görlitz

und vom 30. Oktober bis 9. November

2018 am Campus Zittau Station.

Die gleichberechtigte Teilhabe beeinträchtigter

Menschen benötigt die

Mitwirkung aller Hochschulmitglieder,

ist sich der angehende Sozialarbeiter

sicher: „Deshalb an dieser Stelle: Danke

für alle Ideen. Danke für die Bereitschaft

zum Perspektivwechsel und die guten

Gespräche! Wir wünschen uns, dass diese

in Jedem ganz persönlich nachwirken“,

resümiert Stefan-Tobias Dittmann.

1

2

Neue Perspektive. Studierende

konnten den Alltag

beeinträchtigter Personen

nachempfinden.

Wikingerschach mit verbundenen

Augen

34


Internationales // Einblick

AUSLÄNDERIN IM QUADRAT...

... oder wie ein Mädchen aus Sibirien seine Horizonte erweitert.

Inwieweit seid ihr bereit, etwas Außerordentliches zu tun? Wärt ihr bereit, euer gewöhnliches

Leben hinter euch zu lassen und ganz von vorne anzufangen?

VON ALINA EGOROVA

2

Als Studentin aus Sibirien fand ich meinen

Weg zur Hochschule Zittau/Görlitz

2014 über 7.000 km entfernt von

meinem Zuhause. Plötzlich befand ich

mich auf einem anderen Planeten, auf

dem alles, was ich bisher kannte, anders

war. Der größte und weiteste Schritt,

den ich jemals gemacht habe. Jedoch

die Entscheidung, aus meinem Heimatort

mit 19 Jahren wegzuziehen, mit der

starken Motivation und grenzenloser

Begeisterung, die Welt und mich selbst

zu entdecken, war das Beste, was ich

jemals getan habe. Die Hochschule ist

zu meinem Anker geworden, an dem

ich immer gute Unterstützung, Hilfe und

Freundlichkeit von ihren Studierenden

und Mitarbeitern bekomme. Nach fünf

Jahren in Deutschland fühle ich mich

wohl und als ein Teil des Ganzen. Ich

fand hier mein zweites Zuhause. Dazu

trägt das Studium an der Hochschule

viel bei, indem es mich jeden Tag zu

neuem Wissen inspiriert und mich zu

weiteren Schritten motiviert. Dank der

erbrachten Leistungen, sowohl im Studium

als auch in der sozialen Umgebung,

wurde ich zur Deutschlandstipendiatin

für das Jahr 2016/2017 ernannt. Das Stipendium

unterstützte mich auf meinem

Weg durch das Studium und schaffte mir

einen freien Raum für die Erweiterung

meiner künftigen Horizonte.

So traf ich die Entscheidung, ein Auslandsstudium

in Frankreich an der

Université d’Angers in Angers zu absolvieren.

Ich traute mir zu, noch ein Stück

weiter zu gehen. Voilà, ich war für alles

bereit, was auf mich zukommen konnte.

Ich stand vor der Tür, hinter der sich

noch eine völlig andere Welt versteckte.

Wieder bin ich in eine neue Kultur und

eine neue Umgebung eingetaucht. Mitten

in der Welt, wo Menschen und selbst

die Zeit auf ihre eigene Weise tickten.

Ich konnte mir nie vorstellen, so ein

Glück zu haben, Studierende aus 33 verschiedenen

Ländern an einer Universität

kennenlernen zu dürfen, mich mithilfe

von Verständnis, Aufmerksamkeit und

Geduld mit jedem Einzelnen verständigen

zu können und damit ein besonderes

Gefühl zu entwickeln, die ganze

1

Foto: privat

1

Alina Egorova studiert an

der HSZG Wirtschaft und 2

Sprachen.

Welt an meiner Seite zu haben. Wenn

man sich entschließt, ein Semester im

Ausland zu absolvieren, weiß man, dass

es sich um so viel mehr als Studium handelt.

Das Leben fängt erst dann an, wenn

wir uns zutrauen, aus unserer Komfortzone

rauszugehen und uns mutig allen

bevorstehenden Herausforderungen

entgegenzusetzen.

Das Leben im Ausland bringt mir Tag für

Tag viel bei. Alle Erfahrungen, die ich seit

meinem Startpunkt sammelte, haben

sich in einen großen und festen Baum

verwandelt, der mit jedem Tag noch

stärker wird und immer weiter nach

oben wächst. Momente, die so schnell

vergehen, mögen mit uns bleiben und

uns als etwas Wertvolles und Einzigartiges

bereichern. Sammelt eure unvergesslichen

Augenblicke in der Welt, die

so nah ist und einfach wartet, bis ihr sie

entdeckt. Los geht’s!

In Frankreich hat Alina viele

neue Freundschaften geschlossen.

Foto: privat

35


1

DIE HSZG IM LERNRAUM MIT TSCHECHIEN

Fünf wissenschaftliche Bibliotheken entwickeln einen grenzüberschreitenden Lernraum

zwischen Tschechien und Sachsen. Der soll wirksame Mehrwerte für Studierende,

Lehrende und Forschende der Projektpartner erzielen und Pilotcharakter haben.

Foto: HSZG

VON PROF. DR. FALK MAIWALD

Die Hochschulbibliothek Zittau/Görlitz

(HSB) ist seit Oktober 2016 aktiver

Partner im sächsisch-tschechischen

Forschungsprojekt Lernraum – Bibliothekarische

Informationsplattform. Das

Projekt baut die enge Kooperation mit

der Universitätsbibliothek Chemnitz

(Leadpartner), der Westböhmischen

Bibliothek Pilsen und der Wissenschaftlichen

Bezirksbibliothek Liberec aus, mit

denen die HSB bereits von 2013 bis 2014

ein ESF-gefördertes Projekt durchführte.

Neuer Partner im bis 31.12.18 laufenden

Projekt ist die Universitätsbibliothek

Liberec.

Wissenschaftliche Bibliotheken sehen

sich mit stark veränderten Ansprüchen

von Lernenden, Lehrenden und Forschenden

an den „Lernraum Bibliothek“

konfrontiert: Elektronische Medien sind

weiter auf dem Vormarsch, die Informationskompetenz

im Umgang mit

wissenschaftlichen Medien ist durch

persönliche und mediale Nutzerberatungen

und -services zu steigern, Gruppenarbeit

nimmt zu. Um auf diese und

Foto: Sophie Herwig

2

weitere Entwicklungen auch grenzübergreifend

zu reagieren, haben sich die

Partnerbibliotheken das Ziel gesetzt,

einen gemeinsamen Lernraum aufzubauen.

Die wichtigsten Meilensteine

des mit Mitteln der Europäischen Union

aus dem Kooperationsprogramm zur

Förderung der grenzübergreifenden

Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat

Sachsen und der Tschechischen

Republik 2014-2020 finanzierten Projektes

haben die Partner bereits abgeschlossen.

Besonders stolz sind sie über den

erfolgreichen Abschluss des ersten

deutsch-tschechischen Konsortiums

wissenschaftlicher Bibliotheken für

E-Medien. In dessen Rahmen konnten

für alle Projektbibliotheken bis Ende

2018 die Zugriffsrechte zu über 5.000

englischsprachigen E-Books der Verlagsgruppe

Taylor & Francis erworben

werden, von denen die meistgenutzten

auch nach 2018 dauerhaft zur Verfügung

stehen werden.

Unter dem Motto „Lehre und Forschung

ohne Grenzen“ wird der Lernraum durch

eine gebührenfreie binationale Fernleihe

für Bücher ergänzt. Dadurch können

Nutzer der HSB vor allem bei den

Partnerbibliotheken in Liberec auf den

Bestand englischsprachiger Fachbücher

sowie auf Volltext-Artikel von in Liberec

und Pilsen lizensierten Datenbanken

von Taylor & Francis zugreifen.

Mit der Implementierung spezieller

Multimedia- und Konferenztechnik an

beiden HSB-Standorten verbesserte

sich die Situation der mediengestützten

36


Internationales // Einblick

Gruppenarbeit vor Ort sowie über interaktive

Webkonferenzen maßgeblich.

Bei der Gestaltung des grenzübergreifenden

Lernraums spielt auch das Thema

Open Access (OA) eine wichtige

Rolle. Die HSB profitiert von den OA-

Expertisen ihrer universitären Partner

und trägt so zur Sensibilisierung und

Etablierung von OA an der Hochschule

Zittau/Görlitz bei.

Das Projektteam der HSB blickt stolz

auf die erreichten Verbesserungen der

Kommunikations- und Austauschbedingungen

mit den Nachbarn im sächsischtschechischen

Lernraum. Die Nutzer der

HSB werden diese Gelegenheiten kennen

und schätzen lernen und damit Studium,

Lehre und Forschung bereichern.

3

Foto: Sophie Herwig

1 2 3

Die tschechischen Leiter des sächsisch-

Projektes (v.l.n.r.): Lernraum-

Angela

Malz (TU Chemnitz), Jitka

Vencláková (TU Liberec),

Miloslava Faitová (WU

Pilsen), Blanka Konvalinková

(WBB Liberec) und Prof. Falk

Maiwald (HSZG)

Projektmitarbeiter Andreas

Sommer kennt den Wert von

elektronischen Medien in

Lehre und Forschung.

Studentin Alina Egorova

nutzt die Informationsplattform

zur E-Book-Recherche.

Foto: HSZG

VERTIEFUNG DER BEZIEHUN-

GEN MIT DER DEUTSCH-KA-

SACHISCHEN UNIVERSITÄT

(DKU)

Die langjährigen Beziehungen der

HSZG mit der DKU in Almaty konnten

bei einem Besuch von HSZG-Angehörigen

im Mai in Kasachstan gestärkt und

vertieft werden. Erfreulicherweise war

kurz vorher bekannt geworden, dass

die HSZG als Konsortialpartner im DKU-

1

Netzwerk in den kommenden Jahren

von der erfolgreichen Erasmus-weltweit

Antragstellung unter der Federführung

der Hochschule Schmalkalden profitieren

kann. Die eingeworbenen Gelder

werden der Förderung kasachischer

Studierender der Wirtschaftswissenschaften

für einen Studienabschnitt in

Deutschland zu Gute kommen sowie für

Lehraufenthalte eingesetzt.

MEXIKANISCHE STUDIEREN-

DE ZUM DOUBLE DEGREE AN

DIE HSZG

Erstmals empfängt die HSZG sieben Studierende

unserer mexikanischen Partnerhochschule

Monterey, die nächstes

Jahr ihr Mechatronik-Studium an der

HSZG mit dem Double Degree abschließen

werden. Das Studium findet in englischer

Sprache statt und wird parallel

zu den regulären Lehrveranstaltungen

durchgeführt. Wir wünschen allen beteiligten

Lehrenden sowie den unterstützenden

Bereichen gutes Gelingen

für dieses ambitionierte Vorhaben und

natürlich auch den Studierenden viel

Erfolg!

1

Studentinnen der DKU kommen

ab dem Wintersemester

2018/19 an die HSZG.

37


1

STUDIENREISE NACH SCHOTTLAND

Masterstudierende der HSZG reisen zum World Symposium of Responsibility and Sustainability

nach Edinburgh.

VON JOHANNA KLUGE

Foto: privat

Endlich ist es soweit: Für die Studierenden

des Masterstudiengangs „Integriertes

Management/Integrierte Managementsysteme“

geht es auf nach

Schottland. In der Hauptstadt Edinburgh

werden wir insgesamt an drei

von fünf Tagen Studienreise das „World

Symposium of Social Responsibility

and Sustainability“ begleiten. Dieses

wird unter anderem von der University

of Edinburgh und der Hochschule für

angewandte Wissenschaften in Hamburg

(HAW) organisiert. Ziel der Veranstaltung

ist es, den interdisziplinären

Austausch zwischen Wissenschaftlern,

Unternehmen und politischen Organisationen

zu unterstützen, die Forschung

oder Projekte betreiben, die ihren

Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und

sozialer Verantwortung haben. Des Weiteren

soll sich mit der Frage beschäftigt

werden, wie Unternehmen nachhaltig

und mit sozialer Verantwortung agieren

können.

Die Reise beginnt: Von Zittau nach Prag

in vier Stunden, denn der Flug nach

Edinburgh geht vom Prager Flughafen.

Unterwegs regnet es und während die

Tropfen gegen die Zugfenster trommeln,

frage ich mich, ob uns wohl zehn Tage

voll schlechtem Wetter bevorstehen. In

Prag angekommen, treffe ich mich mit

meinem Bruder, der hier lebt und arbeitet.

Den Tag verbringe ich gemeinsam

mit ihm in einer wunderschönen Stadt

voll Kultur und leckerem Essen.

Am nächsten Tag klingelt der Handywecker

6.30 Uhr. Mit Metro und Bus geht es

durch die Stadt direkt ans Terminal des

Flughafens. Dort treffe ich meine Kommilitonen

zusammen mit unserer Studiengangsleiterin

Frau Prof. Brauweiler.

Nach dem Sicherheitscheck geht es endlich

ins Flugzeug. Please fasten your seat

belt. Wir heben ab – auf nach Edinburgh.

In der schottischen Hauptstadt erwartet

uns erstmal etwas Unerwartetes – Sonnenschein.

Und es ist richtig warm. Ich

löse ein Ticket für den Busshuttle und

dann kann es endlich in Richtung Stadtzentrum

gehen. Dort werden wir mit den

Klängen eines Dudelsacks am Welverly

Place empfangen. Ich nutze gleich die

Gelegenheit, mein mitgebrachtes Bargeld

in Pfund umzutauschen. In unserem

Hostel, dem Destiny Student Brae

House, kostet eine Übernachtung ca. 30

Euro im Doppelzimmer mit Bad. Alles in

allem eine gute Unterkunft zum moderaten

Preis, die grad mal 10 Minuten zu

Fuß vom Stadtkern entfernt liegt. Nachdem

wir uns eingerichtet haben, laufen

wir zum Holyrood Palace, die offizielle

Residenz der Queen in Schottland. Von

dort aus starten wir eine Hop on Hop

2

Foto: privat

38


off Tour. Am grassmarket gibt es viele

verschiedene Pubs und Restaurants, wo

man auch draußen sitzen kann. Wir nutzen

die Gelegenheit und verbringen in

einem der Pubs den Abend. Da Haggis

ein typisch schottisches Gericht ist, müssen

wir das natürlich probieren. Haggis

ist mit Innereien gefüllter Schafsmagen.

Klingt eklig, geht aber. Wir probieren es

als „Pie“, also eine Art gefüllter (in dem

Fall mit Haggis) Kuchen.

Den zweiten Tag nutzen wir, um uns

die Umgebung von Edinburgh und die

angrenzenden Lowlands anzusehen.

Dafür haben wir eine Bustour bei „timberbrush

tours“ gebucht. Highlights

sind dabei der Loch Lommond – der

flächenmäßig größte See in Schottland

und Stirling Castle. Viele von euch

(zumindest hoffe ich das) kennen sicher

den Film „Braveheart“ mit Mel Gibson als

William Wallace in der Hauptrolle. Stirling

Castle spielt dabei eine bedeutende

Rolle, wie in der gesamten schottischen

Geschichte. Diese wird uns auch von

dem Busfahrer während der Fahrten zu

den verschiedenen Orten auf witzige Art

und Weise näher gebracht.

Am Nachmittag des dritten Tages treffen

wir uns zum ersten Mal mit Mitarbeitern

der University of Edinburgh. Da

die Universität Gastgeber für das „World

Symposium of Responsibility and Sustainability“

ist, wird natürlich auch das Thema

Nachhaltigkeit besprochen und wie

die Universität versucht, in ihrem Alltag

das Thema zu behandeln und ihre Studierenden

und Mitarbeiter darauf aufmerksam

zu machen.

Am vierten Tag beginnt das „World Symposium“.

Uns erwarten viele verschiedene

Vorträge und Präsentationen rund

um die Themen soziale Verantwortung

und Nachhaltigkeit. Es sind viele verschiedene

Leute aus allen Teilen der Welt

da, unter anderem: China, Australien,

Brasilien, Kanada, Indien sowie natürlich

Großbritannien und Deutschland. Wir

sind den ganzen Tag dort und hören die

verschiedenen Vorträge, die mal mehr

und mal weniger interessant sind. Im

„Diese Zeit nutzen wir um noch weiter in die schottische

Kultur und Landschaft einzutauchen. Wir fahren ans Meer,

klettern Berge hinauf und besichtigen andere Städte.“

3

Anschluss daran gehen wir noch einmal

mit unseren Professoren und Dozenten

in einen Pub.

Am letzten Tag des „World Symposiums“

werden abermals verschiedene Vorträge

gehalten, unter anderem auch von

einem Mitarbeiter unserer Hochschule,

Herrn Markus Will. Das war einer der besten

Vorträge, wie nicht nur ich, sondern

auch meine Kommilitonen und auch

andere Teilnehmer der Tagung finden.

Herr Will erhält auch für das zum Vortrag

dazugehörige Paper die Auszeichnung

„Best Paper-Award“, welche vom Leiter

der Tagung Walter Leal vergeben wird.

Die Tagung endet im Anschluss daran,

und während unsere verbleibenden

Dozenten sich auf ihre Rückreise noch

am selben Tag vorbereiten, haben meine

Kommilitonen und ich schon in der

Vorbereitung auf die Reise beschlossen,

noch ein paar Tage als Urlaub dranzuhängen.

Diese Zeit nutzen wir, um

noch weiter in die schottische Kultur

und Landschaft einzutauchen. Wir fahren

ans Meer, klettern Berge hinauf und

besichtigen andere Städte, wie zum Beispiel

Glasgow. Unter der Woche haben

wir außerdem noch Zugtickets für die

Schottische Eisenbahn gekauft, mit der

wir durch die Highlands fahren bis nach

Inverness, eine Stadt die hoch im Norden

Schottlands liegt. Dort verbringen

wir noch zwei Tage.

Leider vergeht die Zeit viel zu schnell.

Wir sehen noch ein letztes Mal Edinburgh

und fliegen dann wieder davon,

zurück nach Deutschland, wo uns die

Prüfungszeit erwartet. Wären wir mal

lieber in Schottland geblieben bei den

unglaublich freundlichen Menschen, der

tollen Landschaft, den niedlichen Schafen

und Rindern, den unendlich weiten

Seen und den romantischen Sonnenuntergängen.

1

2

3

Urquhart Castle am Loch

Ness

Grassmarket im Zentrum der

Stadt unterhalb Edinburgh

Castle

Gruppenfoto am Loch Lommond

Foto: privat

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HEUTE SCHON GESTERN GETROFFEN?

Ein bekannter Yogi-Meister aus Nepal kommt nach Görlitz und hält einen Vortrag

über Stressbewältigung im Alltag – praktische Übungen inklusive.

VON SOPHIE HERWIG

Foto: Freebird7977/Shutterstock.com

Yoga ist schon lange kein Trend mehr.

Yoga ist zu einer Lebenseinstellung

geworden. Und zu einem eigenen

Industriezweig, mit dem man ordentlich

Geld machen kann. Dabei braucht es

gar nicht viel, um Yoga zu praktizieren.

Nur eine Matte und bequeme Kleidung.

Beim Yoga werden geistige und körperliche

Übungen praktiziert, die zum

Einswerden mit dem Bewusstsein verstanden

werden.

Ende Januar kam der Yogameister und

Naturarzt Yogacharya Swami Yog Subodh

oder einfach Dr. Subodh aus Nepal

an die HSZG nach Görlitz. Er praktiziert

Reiki und Yoga im Himalayan Yoga

Resort in den Bergen von Kathmandu.

Er hat über 21 Jahre Erfahrung mit Spiritueller

Heilung, Yoga und Reiki. Dr. Subodh

sollte einen Vortrag über die antike

Yoga-Philosophie in der modernen Zeit

halten. Wie kann man seinen Alltag mit

Yoga bereichern, Stress reduzieren und

ganz praktisch in einer Yoga-Stunde die

ständigen Verspannungen im Nacken

loswerden?

Vielleicht hatten die circa 30 Interessierten

im Vortragsraum ihre ganz eigenen

Vorstellungen von einem Yogimeister.

Langer weißer Bart? Schimmernde

Gewänder? Doch Dr. Subodh trägt

einen orangenen Leinenanzug mit

einer gelben Weste, der rote Punkt auf

der Stirn leuchtet. Dr. Subodh leuchtet

auch, von innen und von außen. Und er

lächelt. „Ich habe euch allen eine SMS

geschickt“, sagt er und hält sein Handy

hoch. „Auch, wenn ihr mir nicht antwortet,

SMS ist die Antwort auf alles.“

„S“, spricht er, „steht für Straight Body,

M steht für Mindful und S für Smiling.“

Er strahlt und alle strahlen zurück. Jetzt

hat er seine Antwort bekommen. „That

is the way of yogic life.“

Annette Drews, die den Yogi an die

Hochschule einlud, erklärt zu Beginn des

Vortrags, dass es für die Nepalesen nicht

so einfach wäre, im englischen „sch“ auszusprechen.

„Wundert euch nicht, das

´sch´ ist bei Dr. Subodh ein einfaches ´s´.

Shanti ist bei ihm Santi.“

Um Stress zu verhindern oder ihn zumindest

zu akzeptieren, muss man wissen,

dass Stress nicht immer negativ behaftet

ist. Manchmal ist er sogar hilfreich. Stress

entsteht durch eine schlechte Haltung,

die Ernährungsweise, die Atmosphäre

zu Hause, die Schlafens- und Aufwachzeit.

Stress macht sich bemerkbar, indem

der Körper uns Warnsignale schickt. Und

diese sind ein Liebesdienst unseres Körpers,

denn oft werden wir erst aktiv,

wenn wir Schmerzen spüren.

Nach einer Stunde Vortrag klatscht Dr.

Subodh in die Hände. „Setzt euch aufrecht

hin, like a police man, entknotet

eure Beine, schlagt sie nicht übereinander,

nehmt die Ellbogen vom Tisch,

setzt euch ganz nach hinten und flächig

auf euren Stuhl. Die Füße stehen

parallel zueinander auf dem Boden,

fest. Zieht den Bauchnabel gedanklich

bis nach hinten zur Wirbelsäule. Richtet

das Becken auf. Schließt die Augen, legt

die Hände auf eure Knie und atmet aus,

lasst den gesamten Atem nach draußen.

Bis kein Atem mehr da ist und ihr Luft

40


Menschen // Einblick

für neuen holen müsstet. Genau dann

haltet ihr fünf Sekunden den Atem an.“

Dann atmen alle ein, vom Bauchnabel

bis in die Nasenspitze und der Yogi singt:

„Today, I will be peaceful and happy!“

Dr. Subodh strahlt in die Runde: einmal

Atmen ist „total refreshing“. Für das

Gehirn, den Kreislauf, den Körper. So einfach

entsteht neue Energie, neue Konzentration

für den restlichen Tag. Diese

Übung lässt sich gut in den Arbeitsalltag

integrieren. Die aufrechte Sitzhaltung

beeinflusst zudem noch die eigenen

Gedanken, die eigene Arbeit positiv.

Straight Body. Mindful. Smiling.

Dr. Subodh erklärt, dass das berühmte

Oam im Yoga omnipräsent sei. „Es ist

alles und überall, denn es ist Vibration.

Und bildet der Mensch ein Oam im Kehlkopf,

bringt er seinen gesamten Körper

in Vibration.“ Wie ein kleiner Tsunami

im eigenen Körper, kleine Wellen vibrieren

und lösen inneren und äußeren

Foto: Sophie Herwig

1

Stress. Nach einem langen Arbeitstag

kann man sich vor einen niedrigen Tisch

setzen und den Hinterkopf ablegen,

den Nacken etwas überstrecken und

das ganze Gewicht auf der Tischplatte

lassen. Der Körper, der den ganzen Tag

unseren (schweren) Kopf tragen musste,

entspannt sich augenblicklich. Wem diese

Pose zu kompliziert ist, der kann sich

alternativ in den Zen-Sitz begeben. Man

hockt sich auf seine Knie und stellt die

Zehenspitzen auf, dann setzt man sich

ein paar Minuten auf die eigenen Beine.

Die Vorteile: das physische Bewusstsein,

Talent und Kreativität werden gefördert

und gestärkt.

Und was ist Yoga nun eigentlich Dr.

Subodh? „Health and Happiness and

Harmony“, der Yogi lächelt. Im Bewegungsraum

hält er nach seinem Vortrag

eine kleine Yoga-Stunde. Um gut in den

Tag zu starten empfiehlt Dr. Subodh

jeden Morgen nach dem Aufstehen

zwei Gläser (lauwarmes) Wasser zu trinken

und dazu ein paar Bewegungen zu

machen. So läuft das Wasser gleich in

die richtigen Bahnen, aktiviert Körper

und Geist und man wird nach der langen

Nacht ohne Flüssigkeit zu neuem

Leben erweckt.

Im Yoga sind alle gleich, man muss nicht

dünn oder trainiert sein. Alle können

Yoga machen. Hauptsache man atmet.

Ein. Aus. Ein. Aus. Am Ende der Yogastunde

bedankt man sich mit einem Lächeln

bei sich selbst. Man verbeugt sich leicht,

vor sich selbst und dem Yogimeister.

Sonne und Mond werden durch die linke

und rechte Hand vor dem Körper zusammengeführt.

Denn wo Licht ist, ist auch

immer Schatten, da wo Tag ist, ist auch

Nacht. In Namaste wird hell und dunkel

vor der Brust vereint. Danke. Namaste.

Zum Schluss fragt Dr. Subodh: „Have

you met tomorrow?“, „Habt ihr heute

schon Gestern getroffen?“ Heute ist gestern

schon Vergangenheit und morgen

ist Zukunft. Wir können weder das eine

noch das andere beeinflussen. Wir können

uns nur selbst einen Gefallen tun

und im Jetzt leben und atmen.

2

1

2

Yogameister und Naturarzt Dr.

Subodh

Yoga-Praxis in einem Görlitzer

Seminarraum.

41


Einblick // Menschen

HERAUSRAGENDE LEHRE GEWÜRDIGT

Am 21. April 2018, im Rahmen der zentralen

Absolventenfeier, erhielt Frau

Daniela Ahrens vor rund 470 Gästen den

Lehrpreis der Hochschule Zittau/Görlitz

überreicht. Mit dem Lehrpreis werden

ihr langjähriges überdurchschnittliches

Engagement und ihre herausragenden

Leistungen in der Lehre gewürdigt.

Frau Daniela Ahrens ist Mitarbeiterin der

Fakultät Sozialwissenschaften und Lehrende

im Studiengang Soziale Arbeit.

Durch eine sehr anschauliche Lehre

gelingt es ihr, Studierende für sozialarbeiterische

Themen zu begeistern und

diese zu fördern und zu fordern. Seitens

der Kollegen und Studierenden der

Fakultät wird Frau Ahrens eine sehr hohe

Wertschätzung für ihren Einsatz in Lehre

und Praxisanleitung entgegengebracht.

Nach 2015 wurde der vom Förderverein

der Hochschule Zittau/Görlitz e.V. gestiftete

Lehrpreis zum zweiten Mal verliehen.

DIE EINBLICK-REDAKTION TRAF DIE

PREISTRÄGERIN ZU EINEM GESPRÄCH

ÜBER WERTSCHÄTZUNG, NEUE LERN-

FORMEN UND KLEIDERSCHRÄNKE.

FRAU AHRENS, WAS BEDEUTET

IHNEN DIESER LEHRPREIS?

Der Lehrpreis bedeutet für mich einerseits

eine fachliche und persönliche

Foto: Paul Glaser

2

Foto: Ste f en Zücker

1

Anerkennung meiner Lehrtätigkeit

durch die Studierenden und die Hochschule.

Andererseits habe ich den Lehrpreis

auch als Lehrkraft für besondere

Aufgaben in Empfang genommen. Es

freut und motiviert mich, dass der Förderverein

und die Hochschule durch

meine Person stellvertretend auch den

akademischen Mittelbau würdigt, der

neben und mit den Professorinnen

und Professoren in der Lehre engagiert

tätig ist und damit einen wichtigen Beitrag

zur Hochschulausbildung unseres

Berufsnachwuchses leistet.

HAT SICH WÄHREND DES VER-

LAUFS IHRER LEHRTÄTIGKEIT

DIE LEHRE VERÄNDERT?

In den Seminaren „Sozialraumorientierte

Soziale Arbeit“, „Sozialwirtschaft/-

management“ und „Projektstudium“

entwickelte ich zunehmend projektorientierte

Lern- und Lehrformen im Sinne

des Service-Learning. Dabei stelle ich

den Studierenden über ein komplexes

Lernsetting und eine problemorientierte

Lernumgebung Möglichkeiten bereit,

fachlich und methodisch zu lernen und

über selbstregulative Lernprozesse professionelle

Handlungskompetenzen

zu erweitern. Das ist für alle herausfordernd,

aber auch sinnstiftend und

erkenntnisreich.

WELCHES PROJEKT IST IHNEN

BESONDERS IN ERINNERUNG

GEBLIEBEN?

Im Zeitraum März 2017 bis Februar 2018

erarbeiteten 13 Studierende des Studiengangs

Soziale Arbeit im vierten/

fünften Semester mit meiner Unterstützung

und in Kooperation mit den Vereinen

Tierra - Eine Welt e.V. (Görlitz) und

dem Entwicklungspolitischen Netzwerk

Sachsen e.V. (Dresden) eine Wanderausstellung

zur globalen Textilindustrie

in Form eines „sprechenden Kleiderschrankes“.

In zehn auf Deutsch, Englisch

und Polnisch erarbeiteten Hörstationen

thematisiert die Ausstellung die individuelle,

biographische Bedeutungsvielfalt

von Kleidung, Umweltprobleme und

Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte

in der globalen Textilproduktion,

aber auch Handlungsoptionen und

Engagementmöglichkeiten zum Abbau

sozialer, ökologischer und ökonomischer

Benachteiligungen von Menschen

und Regionen. Bis Februar 2019 arbeiten

wir derzeit mit einer neuen studentischen

Projektgruppe an diesen Themen

weiter, indem wir Aktionskunstformate

im öffentlichen Raum entwickeln und

erproben. Es würde mich freuen, wenn

wir mit der Ausstellung „Tuchfühlung –

Vom Reinwaschen und Schönfärben“

und den für November 2018 geplanten

Aktionen im öffentlichen Raum Studierende,

Hochschulmitarbeitende und die

Öffentlichkeit für Themen der Bildung

für nachhaltige Entwicklung sensibilisieren

könnten.

Kontakt

M.A. Daniela Ahrens

d.ahrens@hszg.de

1

2

Lehrpreisträgerin Daniela

Ahrens

Arbeit mit Studierenden an

der Ausstellung „Tuchfühlung

- Vom Reinwaschen und

Schönfärben“

42


Einblick // Menschen

DURCH KUNST EINEN AUSGLEICH FINDEN

VON SABRINA WINTER

Foto: Jens Freudenberg

1

2

Ramona Böhme malt, was ihr auf dem

Herzen liegt. „Häufig will ich neue Techniken

ausprobieren“, sagt die Künstlerin.

Weil sich ihre Werke keinem speziellen

Thema zuordnen lassen, hat sie ihre

Ausstellung „Zwischenstand“ genannt.

Sie war bis Mai 2018 in der Hochschul-

Bibliothek in Zittau zu sehen. Die Rückmeldungen

auf ihre Kunst sind durchwachsen.

Ramona Böhme erzählt:

„Manchen gefällt es, manchen ist es zu

düster. Aber es ist halt mein Stil.“

Die 35-Jährige ist nicht nur Künstlerin.

Sie arbeitet auch in der Verwaltungs-IT

der Hochschule Zittau/Görlitz. Konkret

ist sie für die Software verantwortlich,

die das Prüfungsamt für die Notenverwaltung

nutzt. Als Hochschulmtarbeiterin

nimmt sie Telearbeitszeiten wahr

und verbringt jeden Tag einige Stunden

zu Hause. „Dann erledige ich Schreibarbeiten“,

sagt Ramona Böhme. „Ein voller

Tag zu Hause würde mir nichts bringen.“

Denn sie hat einen Sohn, den sie allein

erzieht. Die zusätzlichen Stunden zu

Hause geben ihr mehr Flexibilität. Arbeit

und Privatleben zu vereinen, kann

schon mal stressig werden. „Die letzten

Wochen waren der Wahnsinn“, erzählt

Ramona Böhme. „Unser Dezernat

führt bald eine neue Software ein. Das

bedeutet auch für mich mehr Arbeit.

Hinzu sind meine eigenen Termine gekommen

und die meines Sohnes. Privat

habe ich in letzter Zeit an einigen Workshops

teilgenommen. Dafür bin ich unter

anderem nach Berlin und Florenz

gereist.“

Wenn sie mal Freizeit hat, arbeitet Ramona

Böhme daran, ihre künstlerischen

Fertigkeiten zu verbessern. Meist

kommt sie erst dazu, wenn ihr Sohn

schläft. Für sie ist Kunst ein Ausgleich,

wie ein anderes Leben nebenher. „Ich

könnte nicht mehr ohne“, sagt sie.

Manchmal bekommt sie auch Aufträge,

mit denen sie sich etwas Geld hinzuverdient.

Ihre ersten Ölfarben hat die Künstlerin

2006 gekauft. Lange liegen sie im

Schrank. Erst 2014 holt Ramona Böhme

sie wieder heraus, als sie den Künstler

Hraefn Wulfson kennenlernt und er

sie zum Malen ermutigt. Nach wie vor

hat sie Kontakt zu ihrem Mentor. Seit

einigen Monaten konzentriert sie sich

auf die digitale Malerei und das Modellieren.

Um sich auf diesen Gebieten

weiterzubilden, nimmt sie an Online-

Workshops teil und investiert viel Zeit

ins Selbststudium.

Bevor Ramona Böhme die Kunst für sich

entdeckt hat, hat sie eine kaufmännische

Ausbildung an der HSZG gemacht.

„Schon vor dem Studium habe ich mich

sehr für Informatik interessiert. Dann

war ich während meiner Ausbildung

immer von Studierenden umgeben.

Dadurch gab es keine Hemmschwelle

mehr“, erzählt sie. 2008 schließt sie ihren

Bachelor in Informatik ab und tritt

2009 ihre Vollzeitstelle in der Verwaltungs-IT

an. „Ich habe gleich nach der

Abschlussarbeit einen Platz bekommen

und wurde ein halbes Jahr lang eingearbeitet.

Das war sehr gut!“, erinnert sie

sich. Heute wünscht sie sich, mehr Zeit

für ihre Kunst zu haben, diese auszuweiten

und zum Fokus in ihrem Leben zu

machen. Trotzdem mag sie ihre Arbeit

an der HSZG, auch wenn es manchmal

stressig ist. „Es ist das, was ich machen

wollte“, resümiert Ramona Böhme.

Ramona Böhme

1 2

Kunstwerk von Ramona

Böhme

Link zur Website von Ramona Böhme

www.raboeart.com

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Menschen // Einblick

NEUBERUFUNGEN

Foto: Christiane Matthieu

Fakultät Sozialwissenschaften

Lehrgebiet: Methoden der empirischen Sozialforschung (Vertretungsprofessur)

An der Hochschule seit März 2018

Geboren 1966 in Eilenburg

DR. PHIL. RONALD GEBAUER

Dr. phil. Ronald Gebauer absolvierte zunächst

eine Erstausbildung zum Installateur

und arbeitete anschließend u.a.

im sozialdiakonischen Bereich, bevor er

ab 1991 Soziologie und Psychologie an

der Universität Leipzig studierte. Dort

promovierte der Diplom-Soziologe anschließend

mit der Dissertation „Arbeit

gegen Armut. Grundlagen, historische

Genese und empirische Überprüfung

des Armutsfallentheorems.“ zur Armutsforschung.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter

wirkte er seit 1997 an zahlreichen

Projekten u.a. an der Universität Leipzig,

der Friedrich-Schiller-Universität Jena

und dem Jenaer Zentrum für empirische

Sozial- und Kulturforschung. An der Universität

Potsdam und der Friedrich-Schiller-Universität

Jena übernahm er jeweils

Vertretungsprofessuren. Ab März 2018

unterrichtet Dr. phil. Ronald Gebauer

als Vertretungsprofessor Methoden der

empirischen Sozialforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte

liegen dabei bei der

Vermittlung von Grundlagenkenntnissen

in den Methoden der empirischen

Sozialforschung / Statistik sowie von

fortgeschrittenen Auswertungsverfahren

in den Studiengängen Soziale Arbeit,

Kommunikationspsychologie und

Management (z.B. Kultur, Gesundheit)

sowie Management Sozialen Wandels

und Soziale Gerontologie. Ein weiterer

Schwerpunkt seiner Tätigkeit an der

HSZG bildet die Armuts- und Eliteforschung

sowie die Forschung zur sozialen

Lage von DDR-Zwangsadoptierten.

Foto: Privat

Fakultät Sozialwissenschaften

Lehrgebiet: Soziale Einzelfallhilfe, Sozialmanagement, Gleichstellung

An der Hochschule seit März 2018

Geboren 1979 in Dresden

DR. PHIL. JULIANE WAHREN

„Um andere begeistern zu können, muss

man selbst begeistert sein und immer

neugierig bleiben.“ Dieses Motto hat sich

Dr. phil. Juliane Wahren ihr Leben lang

bewahrt. Seit dem 01. März 2018 gibt

sie diese Philosophie als Vertretungsprofessorin

für Sozialwissenschaften mit

dem Schwerpunkt Soziale Einzelfallhilfe,

Sozialmanagement und Ethik in der Sozialen

Arbeit an ihre Studentinnen und

Studenten weiter. Damit ist die gebürtige

Dresdnerin zu ihren akademischen

Wurzeln zurückgekehrt, denn an der

Hochschule Zittau/Görlitz hat sie 2002

ihr Diplom als Sozialarbeiterin/-pädagogin

abgelegt. Im Anschluss zog es sie in

die Bundeshauptstadt, wo sie an der Katholischen

Hochschule für Sozialwesen

Berlin ihren Master berufsbegleitend

absolvierte. Ihr erworbenes Fachwissen

konnte sie 2003 als psycho-soziale Betreuerin

von psychisch erkrankten alten

Menschen beim PSB in Berlin anwenden.

Von 2004 bis 2017 arbeitete sie als

Projektleiterin der Frauenzufluchtswohnungen

und Beratungsstelle für gewaltbetroffene

Frauen und ihre Kinder beim

offensiv`91 e.V. in Berlin. Nach dieser für

sie sehr prägenden Zeit zog es sie bis Februar

2018 als Professorin für allgemeine

Sozialpädagogik an die FHD – Fachhochschule

Dresden. In ihrer Freizeit geht sie

gern auf Reisen, genießt Kino- und Theaterbesuche

und in ruhigen Stunden ein

gutes Buch. Mit ihrem Unterricht gibt sie

den Studierenden wertvolle Einblicke

in die Schwerpunkte: Klinische Sozialarbeit,

biopsychosoziale Gesundheit, Social

Support und häusliche Gewalt.

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Einblick // Menschen

Foto: Privat

Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen

Lehrgebiet: Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktionswirtschaft und

Logistik

An der Hochschule seit Dezember 2017

Geboren 1981 auf Rügen

PROF. DR. RER. POL.

SOPHIA KEIL

Seit Dezember 2017 ist Prof. Dr. rer. pol.

Sophia Keil Professorin für Betriebswirtschaftslehre,

insbesondere Produktionswirtschaft

und Logistik an der Hochschule

Zittau/Görlitz. Gebürtig von der

Ostseeinsel Rügen stammend, studierte

sie Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule

Stralsund (1999 bis 2003). In

den Jahren 2005 bis 2006 erfolgte ein

berufsbegleitendes Promotionsstudium

an der TU Dresden.

In ihrem beruflichen Entwicklungsweg

bei dem Halbleiterhersteller Infineon

Technologies Dresden GmbH, bei dem

Lehrstuhl BWL, insb. Logistik, der Technischen

Universität Dresden, bei der Dresden

International University (DIU) sowie

der Fachhochschule Stralsund konnte

sie sich ein umfassendes Fach-, Erfahrungs-

und Führungswissen auf den

Gebieten der Unternehmensprozess-,

Produktions-, Supply Chain- und Logistikoptimierung

aneignen. 2011 wurde sie

an der Technischen Universität Dresden

mit einer Arbeit zum Thema „Flussorientierte

Gestaltung von Produktionssystemen

am Beispiel von Halbleiterfabriken“

zum Dr. rer. pol. promoviert. 2015 erhielt

sie den Ruf als Professorin an das SUNY

Polytechnic Institute Albany (NY, USA),

dem sie nicht folgte. Um Wissen für Studierende

bestmöglich verständlich zu

machen, schloss sie 2015 berufsbegleitend

das Sächsische Hochschuldidaktikzertifikat

ab.

In der eng verzahnten Forschung und

Lehre steht bei Prof. Keil u. a. das Thema

der „Digitalisierung“ im Vordergrund.

Aktuell baut sie gemeinsam mit ihren

Kollegen Prof. Uwe Wendt und Jan Fallgatter

das Digitalisierungslabor SCO-TTi

(Science Café Oberlausitz – Technologie

– Transfer – innovativ) auf. In diesem sollen

Studierende zur Gestaltung digitaler

Unternehmensprozesse und zur Nutzung

digitaler Technologien befähigt

werden. „Mein Ziel ist es, die Studierenden

zu aktiven, unabhängigen Lernenden,

nach dem Motto: ‚Wissen, wie ich

Wissen selbst schaffe und nutze‘, entwickeln“,

so Prof. Keil.

Im Juni 2018 hat sie das europäische Forschungsprojekt

„iDev40“ für die HSZG

eingeworben, in dem sie gemeinsam

mit 38 Partnern aus sechs Ländern an

Digitalisierungsthemen in Bezug auf

die intelligente Vernetzung von Produktions-

und Entwicklungsprozessen und

der Gestaltung von Arbeitsplätzen 4.0

forscht.

Frau Prof. Keil ist mit weltweit agierenden

High-Tech-Unternehmen und Hochschulinstituten

sehr gut vernetzt. Sie ist

Mitglied in den Programmkomitees der

Advanced Semiconductor Manufacturing

Conference (ASMC) sowie der European

Advanced Process Control and

Manufacturing Conference (apcm) und

Autorin von über 30 Veröffentlichungen.

Ab September 2018 wird sie als Mitglied

des Fakultätsrates und als Studiendekanin

der Fakultät Wirtschaftswissenschaften

und -ingenieurwesen tätig sein. Frau

Prof. Keil ist sehr naturverbunden und

sportlich. Sie unternimmt gerne Wanderungen

mit ihrer Familie, ihren Freunden

und ihrem Hund Paul und macht gerne

Radtouren.

DIENSTJUBILÄEN 2018

25

40

25-jähriges:

Prof. Dr. Tobias Zschunke

40-jähriges:

Dr. Arndt Schmidt, Petra Schmidt, Karin

Schiffner, Jutta Haim, Evelyn Suliman, Angelika

Reinke, Prof. Dr. Reiner Böhm

JUBILÄEN

WIR GRATULIEREN

46


Menschen // Einblick

STAFFELSTABÜBERGABE

Dr. oec. Norbert Sturm absolvierte von

1976 bis 1980 ein Studium der Betriebswirtschaft

an der Ingenieurhochschule

Zittau. Daran anschließend war er von

September 1980 bis 1984 als befristeter

wissenschaftlicher Assistent tätig und

promovierte 1985 im Lehrgebiet Rechnungsführung

und Finanzen.

Ab August 1984 begann Herr Dr. Sturm

seine berufliche Laufbahn als Leiter für

Haushaltwirtschaft/Leiter der Abteilung

Finanzen der Ingenieurhochschule Zittau/Technischen

Hochschule Zittau.

Mit den politischen Veränderungen

auch in der Hochschullandschaft wurden

Dr. Sturm 1991 die Aufgaben eines

Referatsleiters Haushalt übertragen, die

er bis zur Neuausrichtung der Hochschulverwaltung

im Jahre 2017 ausübte.

Die sich aus der Neuen Hochschulsteuerung

ergebende Notwendigkeit einer

stärkeren inhaltlichen und organisatorischen

Verbindung der Referate Haushalt

und Forschung hat Dr. Sturm als Dezernent

Finanzen und Projektverwaltung

bis zu seinem Dienstende erfolgreich

umgesetzt und gestaltet.

Auf dem Weg der Hochschule zur sogenannten

Haushaltsflexibilität hat Dr.

Sturm langfristig auch junge Kolleginnen

und Kollegen für die Arbeit im Dezernat

Finanzen und Projektverwaltung

gewinnen und begeistern können und

damit den Übergang zum Wirtschaften

auf der Grundlage eines umfassenden

Controllings vor dem Hintergrund der

Einführung eines ERP-Systems erfolgreich

vorbereitet.

Dr. Sturm hat sich stets für eine auskömmliche

Finanzsituation der Hochschule

und der Struktureinheiten, auch

in Zeiten von Stellen- und Mittelsperrungen,

eingesetzt. In seiner Funktion war

er unmittelbarer und stets verlässlicher

1

Partner für den Kanzler als Beauftragter

für den kameralistischen Haushalt bzw.

bei der Bewirtschaftung der der Hochschule

zugewiesenen Mittel unter Anwendung

kaufmännischer Grundsätze.

Mittelverteilung und -verwendung an

der Hochschule Zittau/Görlitz bewertete

er konsequent unter dem Aspekt der

Aufgabenerfüllung der Hochschule vor

dem Hintergrund des jeweils geltenden

Hochschulgesetzes.

Über die Haushalts- und Wirtschaftsjahre

seiner Tätigkeit hat Dr. Sturm die

Hochschulleitungen zuverlässig und

mit solidem Fachwissen in finanziellen

Fragen unterstützt und begleitet. Hochschulspezifische

Lösungsansätze standen

immer im Vordergrund. Die Mitglieder

der Finanzkommission schätzten

seine pragmatische Herangehensweise,

das Aufzeigen relevanter Problemstellungen

und die gemeinsame Lösungsfindung.

Dr. Sturm ist begeisterter Fußballfan, der

in der Region auch als Schiedsrichter aktiv

war.

Zum 31. August 2018 beendet Dr. oec.

Norbert Sturm sein Arbeitsverhältnis

und geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Im Rahmen eines öffentlichen Stellenausschreibungsverfahrens

wurde Frau

M.Sc. Jenny König als Nachfolgerin ausgewählt.

Sie wird ab dem 1. September

2018 die Funktion der Dezernentin Finanzen

und Projektverwaltung an der

Hochschule Zittau/Görlitz übernehmen.

1

- Dipl.-Jur. Karin Hollstein -

Kanzlerin

Dr. oec. Norbert Sturm übergibt

zum 1. September 2018

das Dezernat Finanzen und

Projektverwaltung an M.Sc.

Jenny König.

Foto: Jens Freudenberg

47


Einblick // Menschen

VERABSCHIEDUNGEN

DIPL.-ING. OEC.

GABRIELE SEFRIN

Frau Dipl.-Ing. oec. Gabriele Sefrin war

nach dem Studium der Betriebswirtschaft

an der TU Dresden ab dem Jahre

1976 in verschiedenen Unternehmen

der Region beschäftigt, unter anderem

in der Fahrzeugindustrie und dem Textilmaschinenbau.

Im Jahre 1998 kam sie erstmals in Berührung

mit der Hochschule Zittau/Görlitz,

zunächst über den Forschungsverein

Umweltschutz. Unter anderem war sie

zu dieser Zeit mit dem Aufbau eines

Weiterbildungszentrums an der Hochschule

befasst. Im Zuge dessen war sie

damals auch an der Schaffung der Seniorenakademie

beteiligt, ein Vorläufer

des heutigen Seniorenkollegs. In beiden

Dezernat Studium und Internationales / Neisse University

Koordinatorin „Internationale Netzwerke“

An der Hochschule seit 1998

Bereichen hat sie Pionierarbeit geleistet.

Ihre Arbeit war von Anfang an durch

effektive Arbeitsorganisation und eine

zügige und termingerechte Bearbeitung

der ihr übertragenen Aufgaben gekennzeichnet.

Ihre langjährige Berufserfahrung

in Verwaltungsprozessen konnte

sie gut einbringen.

Ab dem Jahre 2001 war Gabriele Sefrin

als Sachbearbeiterin im Rahmen des internationalen

Netzwerkes „Neisse University“

beschäftigt. Diese Tätigkeit füllte

sie bis zuletzt mit einem hohen Maß

an Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein,

Fleiß und Sachkompetenz

aus. Alle Studierenden des Studienganges

„Information and Communication

Management“, welcher innerhalb des

Netzwerkes „Neisse University“ angeboten

wird, denken gern an die Zeit des

Studiums zurück, haben sie doch viele

gute Erinnerungen an die ‘Mutter‘ der

„Neisse University“, Frau Sefrin. Sie hat

ihnen bei den vielen großen und kleinen

Problemen des Studiums weitergeholfen

und damit wesentlich zum Gelingen

beigetragen.

Sehr geehrte Frau Sefrin, herzlichen

Dank für die geleistete Arbeit. Wir wünschen

Ihnen und Ihrer Familie für die

kommenden Jahre Gesundheit und persönlich

alles Gute.

- Dr.-Ing. Stefan Kühne -

Foto: Privat

Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen

Lehrgebiet: Marketing / Handels- und Banklehre

An der Hochschule seit 1994

PROF. DR. RER. POL. DR. H.C.

CLEMENS RENKER

An der Hochschule Zittau/Görlitz in Kooperation

mit dem IHI der TU Dresden

lehrt Prof. Dr. rer. pol. Dr. h.c. Clemens

Renker von 1994 bis 2018 Marketing,

Handels- und Banklehre. In dieser Zeit

engagierte er sich auch für seine Hochschule

in der Studienkommission, als

Prodekan, Hochschulrat und im Fachbeirat

des SMWK sowie für die Universitätspartnerschaft

St. Petersburg. Neben der

Betreuung von mehr als 500 Praxistransfers

von Studierenden veröffentlichte er

bis heute 10 Fachbücher und 60 Fachartikel.

Nach dem humanistischen Abitur

studierte er Volkswirtschaftslehre und

Betriebswirtschaft an den Universitäten

Würzburg, Münster und St. Petersburg.

Später folgten noch Philosophie und

slawistische Literaturwissenschaft als

Gaststudien. Von 1980 bis 1990 sammelte

er als Trainee, Vorstandsreferent, Leiter

Industriekredite in der Bayerischen

Landesbank und in der Leitung der

Sparkasse Schweinfurt umfangreiche

Bankerfahrungen. Bis 2000 gestaltete er

als Geschäftsführer das Industrieunternehmen

C. Kreul zum Weltmarktführer.

Dafür und für mehrere ehrenamtliche

Vorstandschaften wurde Clemens Renker

unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz

gewürdigt. Neben der Literatur,

Musik und Kunst zählt der Fußball

zu seinen Vorlieben.

- Fakultät Wirtschaftswissenschaften

und Wirtschaftsingenieurwesen -

48


Menschen // Einblick

Dipl.-Ing. BERND KAUFMANN

zum 28.02.2018, Laborleiter Baustofftechnik/Bauwerksdiagnostik,

Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen

ROLAND HEIDRICH

zum 31.03.2018, Laborhilfskraft der Fakultät Maschinenwesen

DANIEL SCHWERTFEGER M.A.

zum 15.06.2018, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät Sozialwissenschaften

JULIA ŠVARC B.A.

zum 31.01.2018, Lehrkraft für besondere Aufgaben im Studienkolleg

WIR TRAUERN UM PROF. WOLFGANG PREIS

HERR PROF. WOLFGANG PREIS

Foto: Jens Freudenberg

Mit Bestürzung haben wir die Nachricht

vom Tode von Professor Wolfgang Preis

aufgenommen, der viel zu früh und unerwartet

am 3. April 2018 von uns gegangen

ist.

Professor Preis hat maßgeblich den Aufbau

und die Entwicklung des Studiengangs

Soziale Arbeit geprägt. Am 1. April

1992 – noch vor der offiziellen Gründung

der Hochschule Zittau/Görlitz – nahm er

seine Tätigkeit an unserer Hochschule

auf und gehörte mit Professor Hermann

Heitkamp zu den Gründungsvätern

des Fachbereichs Sozialwesen. 25 Jahre

wirkte er als Professor für Sozialarbeitswissenschaft,

enorm engagiert in der

Lehre und gegenüber den Studierenden,

aber auch als Autor zahlreicher

wissenschaftlicher Veröffentlichungen

und in der Hochschulselbstverwaltung.

Viele Jahre war Wolfgang Preis Mitglied

des Fakultätsrates, Studiengangsleiter

und Triebfeder für curriculare Reformprozesse.

Dabei ist der ausgebildete Sozialarbeiter

seinen Überzeugungen hinsichtlich

der Qualität des Studiums der

Sozialen Arbeit, insbesondere mit Blick

auf die Theorie-Praxis-Verzahnung, stets

treu geblieben.

Die Studierenden und seine Kolleginnen

und Kollegen trauern um einen äußerst

engagierten Mitmenschen. Er bleibt als

Vorbild in seinem Einsatz für die Interessen

Studierender und sozial benachteiligter

Menschen in Erinnerung.

Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie.

- Prof. Friedrich Albrecht -

Rektor

49


Einblick // Menschen

UND DOCH KEINE STUDENTIN AN DER HSZG

VON HEIKE KALLWEIT UND CORNELIA ROTHE

In langer Tradition bietet die Hochschule

jährlich Ausbildungsplätze in den

Berufen Elektroniker/in für Geräte und

Systeme und Kauffrau/Kaufmann für

Büromanagement an. Seit Herbst 2016

gibt es nun einen weiteren Baustein.

Die Hochschule ist Praxispartner der

Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie

Bautzen, für Studierende

im dualen Studiengang Public Management,

und geht damit neue Wege auf

diesem Gebiet der Personalentwicklung,

insbesondere für die Nachwuchsförderung

im nichtwissenschaftlichen

Bereich. Fast die Hälfte der sechssemestrigen

Ausbildungszeit erfolgt dabei im

Rahmen der praxisintegrierenden Studienabschnitte

in der Verwaltung und

der Öffentlichkeitsarbeit. Mit Beginn des

Wintersemesters 2018/2019 sind dann

bereits drei Studentinnen aus diesem

Studiengang bei uns an der Hochschule.

DAS BESONDERE DARAN, KEINE

STUDENTIN AN DER HSZG ZU

SEIN

Julia Große ist 21 Jahre alt und studiert

im dritten Studienjahr Public Management

an der Berufsakademie Sachsen in

Bautzen. Seit Oktober 2016 ist die Hochschule

Zittau/Görlitz ihr Ausbildungspartner.

WAS IST BESONDERS AN EINER

HOCHSCHULE ALS AUSBIL-

DUNGSPARTNER?

Das Besondere an der Situation ist, gerade

NICHT als Studentin an der Hochschule

zu studieren, wie man es üblicherweise

kennt. Wenn die Leute von

meinem Ausbildungspartner hören,

fällt die Überraschung meist groß aus.

Das wird von den wenigsten erwartet.

Ich bin glücklich darüber, meine Praxisphasen

hier absolvieren zu können. Sie

sind gut auf die Inhalte des Studiums

abgestimmt, sodass ich die Möglichkeit

1

1

erhalte, mir ein Bild von den verschiedenen

Verwaltungsbereichen zu machen,

ein Bewusstsein für deren Tätigkeiten

zu entwickeln und zu verstehen, wie die

einzelnen Bereiche miteinander agieren.

WIE GESTALTET SICH IHR AR-

BEITSALLTAG?

Die Praxisphasen dauern meist zwischen

zehn und elf Wochen. Entsprechend der

Studieninhalte werde ich in verschiedenen

Stationen eingesetzt. Unter anderem

war ich bereits in der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit,

im Bereich Finanzen

sowie im Bereich Personal tätig. In den

Stationen werde ich zu einem großen

Teil in das Alltagsgeschäft eingebunden.

So durfte ich während meiner Zeit in der

Öffentlichkeitsarbeit News-Beiträge auf

der Hochschulwebseite veröffentlichen

und war an der Immatrikulationsfeier

der Studienanfänger beteiligt. Im Bereich

Personal wirke ich bei verschiedenen

Prozessen mit, wie beispielsweise

der Neueinstellung von Mitarbeitern

oder der Ausfertigung von Arbeitsverträgen.

Grundsätzlich werde ich in viele Aufgaben

mit eingebunden, was mir hilft, ein

besseres Verständnis für die internen

Abläufe und Vernetzungen zu bekommen.

Hinzu kommt, dass ich in jeder

Praxisphase eine Belegarbeit schreiben

muss. Mit der Bilanzierung von Zuschüssen

für die Hochschul-Projekte habe ich

mich in der vergangenen Praxisphase

beschäftigt. Derzeit befasse ich mich mit

der Thematik, was ein Enterprise Ressource

Planning-System bezüglich des

Personalmanagements an der Hochschule

bieten kann.

WIE SEHEN IHRE PLÄNE FÜR DIE

ZUKUNFT AUS?

Im Anschluss an das Studium möchte ich

noch mehr Berufserfahrung in der Verwaltung

sammeln. Ich würde mich freuen,

in der Heimat - bei meiner Familie

- zu bleiben, glaube aber auch, dass es

wichtig ist, der Heimat für eine gewisse

Zeit den Rücken zu kehren. Grundsätzlich

könnte ich mir vorstellen, für zwei,

drei Jahre in eine andere Stadt oder gar

ins Ausland zu gehen, um Erfahrungen

zu sammeln.

1

Foto: Jens Freudenberg

Julia Große hat während

ihrer Zeit in der Stabsstelle

Öffentlichkeitsarbeit bei den

Vorbereitungen und Durchführungen

von Veranstaltungen

unterstützt.

50


IMPRESSUM

Herausgeber:

Verantwortlich im Sinne des Presserechts:

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit

Antje Pfitzner, M.A.

Redaktion und Koordination:

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit

Antje Pfitzner, M.A.

Cornelia Rothe, M.A.

03583 612 3031

marketing@hszg.de

Redaktionsschluss:

30. Juni 2018

Satz und Gestaltung:

Werbeagentur 15°

www.15grad.com

Titelbild:

Campus Zittau

Druck:

dieUmweltDruckerei GmbH

Gedruckt wurde mit Bio-Farben auf Pflanzenöl-Basis auf CircleoffsetPremium

White Recyclingpapier, ausgezeichnet mit dem Blauen Engel.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge

geben die Meinung der Autoren wieder. Die Redaktion behält sich

Änderungen eingesandter Texte vor.

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