Historischer Markt 2018

marbacherzeitung

Seite 2

13. Historischer Markt Großbottwar

L VOKABULAR

Der Historische Markt lädt

zu einer Zeitreise ein. Wer

so richtig ins Mittelalter

eintauchen will, sollte sich

aber auch angemessen

ausdrücken können. Das

geht mit „altbackenen“

Worten, Anglizismen sind

dagegen zu vermeiden.

Zum „Spicken“ gibt es

hier auch noch einige

Vokabeln:

Die richtige Anrede

Ihr-zen und Euch-zen

Edler Herr / Hehrer Recke

Edle Dame / Holde Frohwe

Begrüßung und Abschied

Seid gegrüßt!

Gehabt euch wohl!

Danksagung

Habet Dank!

Entschuldigung

Verzeihet (vielmals)!

Einkaufen

Was ist zu berappen?

Taler/Silberlinge statt Euro

Auf einen Blick

B

ereits zum 13. Mal findet

der Historische Markt in

Großbottwar statt. Dabei sorgt

nicht nur die passende Kulisse

des historischen Stadtkerns für

die Atmosphäre, sondern auch

über 85 Handwerker, Gaukler,

Händle und Musiker, die zum

Bummeln, Stöbern, Staunen und

Träumen einladen.

Samstag, 29. September

Marktzeiten: 14 bis 24 Uhr

Sonntag, 30. September

Marktzeiten: 11 bis 20 Uhr

Der Wegzoll für beide Tage liegt

bei 5 Silberlingen. Kinder unter

dem Stockmaß von 1,20 Meter

dürfen kostenlos auf den Markt.

Gewandete erhalten Rabatt.

Impressum

Der Historische Markt findet in

der Altstadt statt. Zollstationen

gibt es an beiden Enden der

Hauptstraße, sowie auch in der

Kirchstraße und Lange Gasse.

Zudem gibt es einen Eingang an

der Stadtmauer, direkt neben

dem Kinderritterturnier.

Die MAG hat für Besucher ein

Parkleitsystem

eingerichtet.

Bunte Fußabdrucke führen von

den öffentlichen Parkplätzen am

Wunnenstein und Schulzentrum

sowie von der Feuerwehr und

aus den Frauengärten zum

Markt. Dasselbe gilt

für die Kleinaspacher

sowie für die

Kleinbottwarer

Straße.

LBÜHNENPROGRAMM AM MARKTPLATZ

Samstag, 29. September

14.30 Uhr Umzug

15 Uhr Eröffnung

15.30 Uhr Schaukämpfe

16 Uhr Rattenstampfer

16.30 Uhr Gaukeley

17 Uhr Mucker Pazza

17.30 Uhr Henker

Fahnenschwinger

18 Uhr Rattenstampfer

18.30 Uhr Mucker Pazza

19 Uhr Schaukämpfe

19.30 Uhr Ohrenfreut

20 Uhr Tavernenspiel

21 Uhr Feuershow

Sonntag, 30. September

12 Uhr Umzug

12.30 Uhr Eröffnung

13 Uhr Mucker Pazza

13.30 Uhr Schaukämpfe

14 Uhr Danza MAGica

14.30 Uhr Gaukeley

15 Uhr Mucker Pazza

Fahnenschwinger

15.30 Uhr Schaukämpfe

16 Uhr Danza MAGIca

16.30 Uhr Ohrenfreut

17 Uhr Gaukeley

17.30 Uhr Mucker Pazza

18 Uhr Henker

18.30 Uhr Tavernenspiel

Die Nachtwächterführungen finden am Samstagabend von

19.30 bis 21.30 Uhr statt. Die Theatergruppe der MAG lässt

unterwegs die Geschichte um Jakob Friederle lebendig werden.

Restkarten gibt es an der Zollstation an der Kreissparkasse.

Sonderveröffentlichung „Historischer Markt“ Großbottwar – Offizielles Programmheft zum Festwochenende der MAG – Miteinander Attraktives Großbottwar e.V., 21.09.2017. Auflage 33.000.

Verteilung über MARBACHER ZEITUNG und STUTTGARTER ZEITUNG (Ausgabe „Marbach & Bottwartal“) + MARBACHER STADTANZEIGER + Verteilung an der Veranstaltung. Redaktion: Julia Amrhein,

Karin Götz (verantw.). Fotos: MAG, Archiv (Werner Kuhnle); Grafiken: Manuela Maurer (www.gruenerbock.de); Sabine Reich (www.twistdesigns.de). Illustration: Ayamap/fotolia. Anzeigen:

Heike Braun, Ulrich Eitel (verantw.). Druck: Pressehaus Stuttgart. Verlag: Adolf Remppis Verlag GmbH + Co. KG. Geschäftsführer: Herbert Dachs, Kai Keller, König-Wilhelm-Platz 2, 71672 Marbach

am Neckar, verlag@marbacher-zeitung.de, www.marbacher-zeitung.de.

Applaus

Handgeklapper!


13. Historischer Markt Großbottwar Seite 3

L DER INHALT

Der Historische Markt hat

viel zu bieten. Dieses Heft

soll dabei helfen, einen

ersten Überblick über die

Händler, Handwerker, Musiker

und Schausteller zu

verschaffen.

MAG-Projektleiter Christian Cortot ist zum vierten Mal für die Planung des Historischen Markts

zuständig. Als Besucher sind er und Ehefrau Sandra aber schon seit vielen Jahren dabei.

Seyd gegruesset liebe Marktbesucher . . .

Der Historische Markt der MAG eröffnet am 29. und 30. September seine Tore

U

nd wieder ist ein Jahr vergangen – der spannende Neuheiten warten, auf die wir als Daher geht mein Dank auch dieses Jahr wieder

an all die helfenden Hände, die uns jedes

Historische Markt steht vor der Tür Team sehr stolz sind. Ein Besuch lohnt sich

und ich freue mich schon sehr, Sie und ihre

Familien bei uns in Großbottwar begrüßen

zu dürfen. In diesem Jahr haben mein Team

und ich es geschafft, besonders viele Schausteller,

auf jeden Fall!

Denn neben den alten Bekannten, die uns

schon seit vielen Jahren die Treue halten,

gibt es dieses Jahr auch rund 40 Prozent

Jahr unter die Arme greifen. Das ist etwa der

Bauhof, der beim Auf- und Abbau zusammen

mit zahlreichen Ehrenamtlichen mit von der

Partie ist. Das sind aber auch unsere Zöllner,

Gaukler, Händler und Marktbe-

neue Stände, Schausteller und Gastrono-

die das Wochenende über die Stadttore be-

schicker ins Bottwartal zu locken – über

85 Stände sind es dieses Mal! Damit ist der

Markt 2018 einer der größten seiner Art und

darauf darf man durchaus stolz sein.

Denn schließlich bedeutet das, dass sich die

Veranstaltung etabliert hat und bei den Gästen

aus Fern und Nah gut ankommt. Doch

um weiterhin attraktiv zu bleiben, darf kein

Stillstand eintreten. Das dachte ich mir auch,

als die Zeit gekommen war, meinen nunmehr

vierten Markt zu planen.

Also „Alles neu macht…die 13. Auflage des

Historischen Marktes“? Naja, nicht ganz!

Aber fest steht, dass auf die Besucher des

Historischen Marktes in Großbottwar einige

men. So orientierten wir uns beispielsweise

dieses Jahr auch in Richtung Osten – ein

orientalisches Teezelt macht in Großbottwar

Station. Aber auch was die Verbundenheit

zur Region angeht, gibt es Neuerungen. Erstmals

werden Rosenküchle, das ist ein altes

schwäbisches Eiergebäck, serviert. Eine Kartoffelstube

sorgt ebenfalls für zünftige Mahlzeiten

und worüber ich mich sehr freue ist,

dass ein örtlicher Winzer seine feinen Tropfen

ausschenkt.

Eines steht dabei aber fest: Ohne die Unterstützung,

Hilfe und das Verständnis der Stadt

sowie der Anwohner im Stadtkern wäre das

alles überhaupt nicht möglich.

wachen und selbstverständlich mein Orga-

Team, das seit einem Jahr an dem Markt werkelt,

denn: „Nach dem Markt ist vor dem

Markt!“ Dieses Jahr haben wir zwei neue Gesichter

in unseren Reihen, die sich sofort

super eingearbeitet haben. Das ist für mich

als Projektleiter eine besondere Freude und

erfüllt mich mit Stolz! Jubel! Und reichlich

Handgeklapper!

Nun bleibt mir nur noch, Ihnen allen viel

Freude bei unserem Historischen Markt im

Stadtkern zu wünschen! Und übrigens: Ritter

Rumpel ist dieses Jahr sogar höchstpersönlich

vor Ort…

Ihr Christian Cortot, Projektleiter

Ein „Gott zum Gruße“ den Kindern!

Ritter Rumpel nimmt die jungen Besucher mit auf eine Zeitreise ins Mittelalter

E

hrenwerte Recken und edle Prinzessinnen,

es ist mir eine wahre Freude, euch gut Bescheid wie ich, deshalb jetzt die große

Grußwort verraten? Aber der weiß nicht so

wieder auf dem Historischen Markt in Großbottwar

begrüßen zu dürfen! Mittlerweile

seid ihr mir alle schon richtig ans Herz gewachsen

und deshalb habe ich auch eine

ganz besondere Überraschung für euch.

Wiiiie? Christian hat das schon in seinem

Verkündigung: Endlich gibt es ein Ritterturnier

nur für uns Kinder! Ich hoffe ihr habt alle

fleißig trainiert… Ich erwarte euch jedenfalls

vor der Stadtmauer zum großen Duell! Aber

keine Sorge, nach dem Wettkampf sind wir

alle wieder Freunde und entdecken gemeinsam

die Aktionen

und Erlebnisse, die

im Stadtkern warten. Ich

freu mich schon!

Foto: Archiv (SDMG)

Handwerk

Seite 4

Die Handwerkergasse an

der Stadtmauer ist eine

Besonderheit des Marktes.

Hier können die Besucher

hautnah erleben, wie zu

früheren Zeiten Waren

hergestellt worden sind.

Krämer und Kauffahrer

Seite 6

Fahrende Händler sind in

die Stadt gekommen. An

ihren Ständen findet sich

alles, was der Käufer und

das Herz begehrt.

Lageplan

Seite 8

Niemand soll auf dem

Markt etwas verpassen –

die Karte gibt daher einen

Überblick über Stände,

Bühnen und Stallungen.

Gaudium

Seite 10

Auf Kinder jeden Alters

und jeglichen Formates

warten vielerlei Spiele

und Attraktionen. Wer

nicht wagt . . .

Musica & Gaukeley

Seite 12

Narren und Musiker,

Schauspieler und Magier . . .

Sie alle wandeln durch die

Gassen der Storchenstadt

und lieben es, die Gäste

zu unterhalten. Lernt sie

doch kennen!

Speis und Trank

Seite 14

So ein Markttag macht

hungrig und durstig. Wie

gut, dass die fleißigen

Köche, Bäcker und

Schankmaiden schon bereit

stehen. Egal ob süß

oder deftig – es bleibt

kein Magen ungefüllt

und keine Kehle trocken.


Seite 4

13. Historischer Markt Großbottwar

L ZÜNFTE

Handwerk und Handel

existiert in Großbottwar

gleichberechtigt nebeneinander.

Das ist aber in der

Historie nicht immer der

Fall gewesen. Im Mittelalter

rangierten nämlich

Händler über den Handwerkern.

Das liegt daran, dass mit

dem An- und Verkauf oft

höhere Gewinne erzielt

werden konnten, als mit

der Produktion und Reparatur

von Produkten – und

das obwohl sie einen hohen

Beitrag für die Versorgung

der Gesellschaft hatten.

Als Folge daraus hatten

Handwerker kaum

eine Möglichkeit, sich am

politischen Geschehen

einer Stadt zu beteiligen.

Bewerber für das Amt des

Ratsherren mussten nämlich

auch „Vornehmheit“

vorweisen, was oft gleichbedeutend

war mit einer

adeligen Abstammung.

Das einzige „Schlupfloch“

war die Organisation in

Zünften, die wiederum

das gesamte Handwerk

unter sich hatten. Diese

wurden manchmal in die

Verwaltung einbezogen

und einzelne Handwerksmeister

konnten so aufsteigen.

Handwerker zeigten ihre

Zugehörigkeit zu einer

Zunft in Form eines Zunftzeichens

– dabei hat es

sich meistens um Piktogramme

gehandelt. Der

Grund dafür war, dass große

Teile der Bevölkerung

des Lesens nicht mächtig

gewesen sind. Daher waren

Symbole notwendig,

die direkt einem Beruf zugeordnet

werden konnten.

Beispiele dafür sind

die Brezel des Bäckerhandwerks

oder der Hammer,

den die Schmiede als

Symbol verwendeten. Die

Zunftzeichen waren zugleich

auch ein verbindendes

Element unter den

Handwerkern, die Angehörige

einer Zunft sofort

erkennbar machten.

Die Buchbinderey ist ein Muss für jeden Bücherfreund. Hier werden kunstvolle Einbände gezeigt.

Unikate entstehen in Handarbeit

D

as Handwerk zu früheren Zeiten war. Auf der anderen Seite sind aber auf diese

Weise auch individuelle Stücke entstander

und viele mehr lassen sich bei ihrer

Drechsler, Kerzenzieher, Glasbläser, Buchbin-

unterscheidet sich stark von heutigen

Produkten. Denn wo heute Maschinen dabei

helfen, große Stückzahlen zu produzieren,

ist damals alles noch mühsam per Hand angefertigt

worden. Dadurch dauerte es natürlich

den. In der Handwerkergasse auf dem Historischen

Markt wird das Kunsthandwerk wieder

lebendig. Und das ist mit allen Sinnen erlebbar:

Da hämmert der Schmied und es

Arbeit über die Schulter blicken und informieren

gerne über ihre Tätigkeit. Natürlich

gibt es die Unikate, die vor Ort entstehen,

auch zu erwerben. Tauchen Sie tief in ver-

länger, bis ein Gegenstand vollendet duftet nach frischem Holz.

gangene Zeiten ein! jam

Individuelle Einzelstücke. Glas und Feuer sind ein Duo.

Schmieden kann auch Feinarbeit bedeuten.

Kinder können sogar ihre eigene Kerze herstellen.

Handwerkliche Sorgfalt zahlt sich aus

Harald Klingel stellt Bögen und Pfeile her und bringt das auch anderen Interessierten bei

K

onzentriert legt der Schütze einen Pfeil Seine Produktpalette umfasst neben Bögen Dabei legt er Wert auf „einheimische Hölzer

auf die Bogensehne. Er hat das Ziel fest auch die Anfertigung von Holzpfeilen, die in bester Qualität“, wie er schreibt. Das kann

im Blick, lässt los...und der Pfeil trifft mitten

ins Schwarze. Was in Filmen manchmal so

einfach aussieht, erfordert Können und vor

allem einen guten Bogen. Den kann man bei

Harald Klingel bekommen. Er stellt seit über

12 Jahren Langbögen her – und gibt sein

Wissen in Bogenbaukurse an andere weiter.

Aber auch beim Historischen Markt ist er

„auf Sie und ihren Bogen perfekt angepasst

sind und auf Wunsch angefertigt werden“.

Individualität anstatt Massenware lautet hier

das Credo. Außerdem baut der Experte für

Langbögen auch mittelalterliche Kriegs- und

Jagdpfeile nach. Auch mit Bogensehnen aus

Leinen oder Hanf, sowie Zubehör rund ums

Bogenschießen kennt sich Harald Klingel

Eibe, Elsbeere, Esche, Hartriegel oder Robinie

sein. Auch die Ulme und der Wacholder sind

beliebt für den Bogenbau. Das Holz wird

dann entsprechend seiner Wuchsform und

Eigenschaften verarbeitet. Dabei kommen

traditionelle Werkzeuge zum Einsatz. Auf

diese Weise entsteht ein Bogen in hoher

Qualität. Die kann man am Schießstand an

nun mit seinen Werken zu Gast.

bestens aus.

seinem Stand auch direkt testen. jam


13. Historischer Markt Großbottwar Seite 5

Korbflechten ist eine alte Handwerkskunst.

Die Besucher dürfen auch selbst zum Werkzeug greifen.

Stumpfe Messer werden wieder scharf

Scherenschleifer Sebastian Ramm ist mit seinem Schleifstein vor Ort

S

chon als Kind hat Sebastian Ramm vor Ein wenig wurde ihm gezeigt, viel hat er

allem eines genervt – stumpfe Messer. auch durch das Ausprobieren herausgefunden.

Ganz besonders wenn er, wie so oft, im Wald

unterwegs war. „Ich wollte ja anständig

schneiden und schnitzen können und mich

nicht verletzen“, erklärt er.

Mit den Jahren begann er sich dann mehr

und mehr für das Mittelalter zu interessieren.

„In dieser Zeit habe ich mich schon immer

wohlgefühlt.“ Daher war er oft als Gast

auf verschiedenen Märkten unterwegs. Dort

ist ihm dann die wortwörtliche „Marktlücke“

aufgefallen. So gut wie nie gab es Scherenschleifer

vor Ort. Der nächste Schritt war es,

sich entsprechende Kontakte zu suchen, um

einen eigenen Stand aufzubauen.

Hier spielte das Schicksal Sebastian Ramm

quasi direkt in die Hände, denn sein Bruder

„hat in der Scheune der Schwiegereltern

Dabei weiß er jedoch genau, wo seine

Grenzen liegen. An Klingen von Kunden

führt er beispielsweise keine Experimente

durch. „Wenn ich mir etwas nicht zutraue,

dann verweise ich denjenigen an einen Kollegen

weiter.“ Filigran gearbeitete Klingen,

wie etwa bei Rasiermessern, schärft er ebenfalls

nicht selbst. Was man hingegen jederzeit

zu ihm bringen kann, sind Scheren, Messer,

Sägeketten und Äxte. Ausgenommen

sind Klingen aus Keramik, denn „dafür

braucht man spezielle Werkzeuge“.

Am 29. und 30. September ist Sebastian

Ramm zu Gast beim Historischen Markt in

Großbottwar. Wer etwas von ihm schärfen

lassen möchte, kann die Messer einfach mitbringen

und am Stand abgeben. „Je nach

einen Handkurbelschleifstein gefunden“. Auftragslage kann man die Messer sogar direkt

Das ist nun gut acht Jahre her, und seitdem

ist er als Scherenschleifer Ramm’ses auf Mittelaltermärkten

unterwegs. Seit drei Jahren

ist außerdem sein Sohn mit an Bord. Das

Handwerk hat Sebastian Ramm sich weitestgehend

selbst beigebracht. Aber die ersten

Schritte lernte er von seinen Großeltern, die

eine eigene Tischlerei hatten und ihm „Zugang

wieder geschärft mitnehmen“. Oder

man sieht sich weiter auf dem Markt um,

während Sebastian Ramm seiner Arbeit

nachgeht.

Hier kommt der Handwerker gänzlich ohne

Strom aus. „Mit den alten Techniken komme

ich auch viel besser klar“, erklärt der Scherenschleifer.

Der Handkurbelstein ist aber

Der Schleifstein dreht sich unermüdlich.

nem Leiterwagen durch die Lande zieht.

Acht Stunden wird er unterwegs sein, um

nach Großbottwar zu kommen. Auf den Historischen

Markt ist er über den Kontakt zu

einem Pfeifenschnitzer gekommen: „Von

zu Steinen und Messern“ ermöglichten. natürlich immer mit dabei, wenn er mit sei-

ihm wurde ich eingeladen.“

jam

LSPANNUNG PUR

Die Handwerkergasse ist

großartig. Hier kann man

so viel Neues entdecken

und ab und zu dürfen wir

sogar selbst ausprobieren.

Die Handwerker sind alle

total nett – aber ihr solltet

ihnen immer gut zuhören,

wenn euch etwas erklärt

wird. Ich finde Verbote

auch total blöd, aber hier

ist es wirklich besser,

denn es geht auch um die

Sicherheit:

Die Druckwerkstatt

(Nr. 59) zeigt euch, wie

Farbe auf Papier kommt –

mit einem eigenen Motiv!

Beim Drechsler (Nr. 60)

entstehen wundervolle

Kunstwerke aus Holz. Was

der Kerzenzieher (Nr. 63)

so macht, erklärt ja schon

der Name. Aber wusstet

ihr, wie der Korbflechter

(Nr. 64) oder ein Bürstenbinder

(Nr. 69) arbeitet?

Das müsst ihr euch einfach

angucken. Superspannend

ist auch der

Glasbläser (Nr. 71).

Außerdem gibt es noch

die Seifenmanufaktur

(Nr. 65), wo es immer

himmlisch gut duftet. Der

Steinmetz (Nr. 77) ist

auch dabei und zeigt euch

den richtigen Umgang mit

einem Meißel. Habe ich

was vergessen? Na klar,

ich bin ein Bücherwurm

und bei der Buchbinderey

(Nr. 73) ist zu beobachten,

wie früher so ein Buch

ausgesehen hat und wie

es entstanden ist.

Am besten ihr schlendert

einfach mal mit offenen

Augen durch die Gasse!

Bürsten für alle Zwecke.

Ein wahres Dufterlebnis.

Der Drechsler fertigt aus Holz raffinierte Kunstwerke.

Was ist ein Bogen ohne Pfeil?


Seite 6

13. Historischer Markt Großbottwar

L GEWANDUNG

Der Marktbesuch macht

in passender Gewandung

gleich noch einmal so viel

Freude. Doch was wurde

im Mittelalter getragen?

Unabhängig von Stellung

und Status des Trägers

waren Wolle und Leinen

die beiden Materialien,

aus denen am häufigsten

Kleidung gemacht wurde.

Lediglich der Klerus und

Adel verfügten auch über

kostbarere Stoffe, die aus

dem Orient importiert

worden sind.

Was darf es sein?

D

er Marktplatz ist zu früheren

Zeiten der Mittel-

feine Weine? Die Händler haben

Honig, Gutes vom Bauerhof oder

punkt einer Stadt gewesen und sicherlich das Richtige mit im

wurde von Händlern aus allen Gepäck. Feinste Gewandung

Himmelsrichtungen beliefert. wartet ebenfalls auf Käufer – angefangen

Häufig fanden die Bürger nur

dort bestimmte Waren, was den

Besuch zu einem gesellschaftlichen

wie notwendigen Ereignis

gemacht hat. Und auch heute erfüllt

der Historische Markt einen

beim Schuhwerk über

edle Stoffe und Lederwaren bis

hin zur Naturkosmetik und dem

Haarschmuck. Laternen aus Weiden,

Klangschalen, Instrumente

und kleine Kostbarkeiten runden

jeden Wunsch. Gewürze, Tees, das große Angebot ab. jam

Die Händler bieten Waren für die gesamte Familie.

Wolle wurde in der Regel

von Schafen gewonnen,

für minderwertige Sorten

oder Filz schor man aber

auch Ziegen oder Rinder.

Das geschah entweder

durch die Schäfer selbst

oder durch Scherer. Vor

dem Spinnen musste die

Wolle sortiert und grob

gesäubert werden. Dann

wurde sie gespült und

nach dem Trocknen mit

dem Wollbogen geklopft.

Die Rohwolle konnte im

Anschluss gesponnen und

zu Stoff gewebt werden.

Leinen dagegen wurde

aus Flachs gewonnen – also

einer Pflanze. Diese ist

schon in der Antike für die

Textilgewinnung genutzt

worden. Nach der Ernte

wurden die Stängel von

Samenkapseln getrennt.

Die Bastfasern löste man

schließlich durch Brechen

und Schwingen. Weniger

als 10 Prozent der Ernte

blieb als spinnbare Faser

zurück. Nach dem Weben

wurde das Leinen noch

durch Aschenlauge oder

das Sonnenlicht gebleicht.

Material für ein neues Kleid? Der Wein scheint auf jeden Fall zu schmecken.

Trinkhörner sind im Angebot.

Schwäbische Weisheit für den Haushalt

Carola und Christian Engelhard betreiben eine Druckwerkstatt

E

in Drucker gehört für viele Menschen so Markt ist nun die Kombi aus beidem „und dem Schwäbischen“. So gibt es etwa Geschirrtücher

oder Topflappen mit schmissi-

fest zum Haushalt wie der Computer ein bisschen zweigeteilt“, so Carola Engelhard.

auch. Doch schon viele Jahrhunderte zuvor,

ist Farbe auf Papier und Textilien gebracht

worden. Wie das funktioniert zeigen Carola

und Christian Engelhard mit ihrer Druckwerkstatt

in der Handwerkergasse. „Unsere

beiden Interessen haben da einfach ihren

Schnittpunkt gefunden“, erzählt die Marbacherin,

die schon immer gerne genäht hat.

Ihr Mann dagegen hat sich mit seinen Schülern

gerne mit Druck beschäftigt – der gemeinsame

Ihr Mann führt die Rollenpresse vor, an

der Kinder sich auch selbst im Druck ausprobieren

dürfen. Gemeinsam wird erst ein Motiv

überlegt, das im Anschluss auf Papier gebracht

wird: „Das muss dann noch kurz

trocknen und kann danach als Andenken mit

nach Hause genommen werden.“

Der Part von Carola Engelhard spielt sich am

Verkaufsstand daneben ab. Hier bietet sie

Textilien an, die sie selbst genäht hat. Diese

gen Weisheiten. Ein Beispiel? Ein Kissen fordert:

„No ned hudla“. Beim Historischen

Markt sind Carola und Christian Engelhard

zum ersten Mal dabei, bekannt sind sie aber

sicher manchem vom 18.-Jahrhundert-Fest

in Marbach oder dem ein oder anderen

Kunsthandwerkermark. Das Historische hat

für das Paar einen ganz besonderen Flair,

weshalb sie sich schon auf den Markt und

die Besucher freuen: „Wir erleben das wie

Stand auf dem Historischen werden mit Sprüchen bedruckt, „alle aus eine große Gemeinschaft.“

jam

Zusammen mit dem

Flachs wurde oftmals Hanf

angebaut und verarbeitet.

Das ging deutlich leichter

von der Hand, allerdings

ist Hanfgewebe sehr grob

gewesen. Daher wurde es

vor allem für Säcke oder

Segeltuch genutzt.

Blumen werden zu individuellen Haarkränzen.

Eigene Motive und Sprüche gibt es bei der Druckwerkstatt.


13. Historischer Markt Großbottwar Seite 7

Weihrauch, Harz und Kräuterzauber

Michael „Mischa“ Majdcisnky reist mit seiner Räucherkarawane in die Storchenstadt

D

er Historische Markt lockt Händler aus gemacht, diese dem geneigten Marktbesucher

näherzubringen. „Das Interesse an Räu-

entlegensten Orte geführt, wie etwa in den

Seine Reisen haben Majdcinsky schon an die

aller Welt nach Großbottwar. Aus weiter

Ferne hat sich auch Al Mischas Räucherkarawane

auf dem Weg gemacht, um die Besucher

mit raffinierten Düften und orientalischen

cherwerk ist bei mir eigentlich schon immer

da gewesen“, erinnert er sich zurück. Gemeinsam

mit seiner damaligen Lebensgefährtin,

Oman oder die Arabischen Emirate. Von dort

bezieht er den Großteil seiner Waren, die er

oft selbst abholt. Denn, „bei allem, was ich

Ritualen zu verzaubern. Kräuter, Weihcherwerk

rauch oder Harze – die Welt des Räucherwerks

ist vielfältig. Und Michael „Mischa“

Majdcinsky hat es sich seit 1999 zur Aufgabe

die dem Töpferhandwerk verfallen

war, baute er die Karawane auf, die

fortan verschiedenste

Märkte aufsuchte.

verkaufe, möchte ich wissen, woher es

kommt“. Über die Jahre hat er

sich ein großes Netz an Kontakten

gesponnen und sein

Wissen stetig erweitert. Für

ihn eine Selbstverständlichkeit,

denn es geht um mehr

als nur den Verkauf.

„Al Mischa“ will seinen

Kunden auch eine umfassende

und fundierte Beratung

bieten können, egal

ob es um Räuchergefäße

oder die richtige Wahl

der Kohlen geht. Seine

Duftmischungen mischt er darüber hinaus

auch selbst an und weiß daher genau

über jeden einzelnen Inhaltsstoff Bescheid.

„Wer Interesse hat, kann auch gerne erst einmal

‚schnuppern‘“, betont Al Mischa. Wie

der Besucher seinen Stand findet? Nun ja,

„Al Mischa“ stellt auch selbst Räuchermischungen her.

einfach immer der Nase nach.

jam

L SCHÖNES FÜR UNS!

Die Händler haben viele

spannende Kostbarkeiten

dabei. Und zwar nicht nur

für die Großen, sondern

auch für uns Kinder!

Eure Verwandlung zum

Ritter wird perfekt, wenn

ihr beim Kinderrüstzeug

(Nr. 30) vorbeischaut.

Außerdem könnt ihr auch

in die Welt der Gewürze

abtauchen (Nr. 1 und 47).

Darüber hinaus gibt es etwas

ganz Neues, das ich

besonders toll finde. Einen

eigenen Stand nur mit

Kinderinstrumenten

(Nr. 44) – perfekt wenn ihr

etwa mit den Gauklern

weiterziehen wollt.



Getränkemarkt

rsrain

Benzenmühlstraße 26 • 71723 Großbottwar

Telefon 0 7148/12 66 • Telefax 0 7148/49 47 • info@holzbau-haefner.de

www.holzbau-haefner.de


Seite 8

13. Historischer Markt Großbottwar

Seite 9

Hericon / Gewürze

Dreamland Gewandung

Klosterschänke

Eierknacker

Rüstzeug+Zubehör

Schmied

Pfannenrösterey

Schellenklang

Bebos Lederkraemerey

Blumenbinderey

Drachenküche

Hoeckerey

Weinschänke

Hun-Mana

Apfelsaft

Schuhe, Schmuck, Beiwerk

Entenkeule + Brot

Crêperey

Henker

Keramik

Gewandung & Haarkränze

Seidentücher

Puppenspieler

Riesenrad

Imkerey

Armbrustschießen

Rosenküchle

Whiskey

Ritterschaft

Kinderrüstzeug

Kinder Ritter Tunier

Bimbo´s Albstadl

Haselfrau

Baumstriezel

Der Waldschrat

Klangschalen

Waffen

Lederey

Wein- und Elexierhandel

Käsespätzle

Bogenstand

Süsswaren

Räucherwerk & Zubehör

Welt- & Kinderinstrumente

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Von der Armbrust bis zum Zauberer – Der Lageplan

Bachstraße

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Besonders für Kinder geeignet

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Werfelgasse

Zehntgasse

45 Hanfbaeckerey

46 Holzlaternenbau

47 Tee & Gewürze

48 Imkerey

49 Taverne

50 Fisch

51 Russische Spezialitäten

52 Kinderzauberzelt

53 Gravur

54 Filzhandel

55 Naturkosmetik

56 Hungarikum

57 Gewandung

Handwerkergasse:

Pfarrstraße

58 Kartoffelstube

59 Druck Werkstatt

60 Drechsler

61 Honigbär

62 Ormen Lange Bogenbau

63 Kerzenzieher

64 Korbflechter

65 Seifenmanufaktur

66 Churros

67 Scherenschleifer

68 Teehaus

69 Bürstenbinder

70 Leder & Felle

71 Glasbläserey

72 Bernstein

73 Buchbinderey

74 Der Gehörnte

75 Bader

76 Messerwerfer

77 Steinmetz

78 Pizzabaeckerey

79 Eis

80 Pizzabaeckerey

81 Taverne

82 Beckerey

Markthalle im Rathaus:

83 Xylophonie

84 Blumenkränze & Körpermalerey

85 Gutes vom Bauernhof

86 Laternen aus Weide

B


Seite 10

13. Historischer Markt Großbottwar

L KNOCHENSPIEL

Ich verrate euch heute

eines meiner liebsten

Spiele. Eigentlich wird es

mit Knochen gespielt,

aber ich verstehe, wenn

ihr das etwas eklig findet.

Mit Stöckchen geht es

aber genauso gut:

Also, ihr braucht mehrere

Zweige, die ihr dann auf

dem Boden ausbreitet.

Entweder ganz wild

durcheinander oder ihr

überlegt euch eine Form.

Dann nimmt ein Spieler

einen weiteren Ast und

wirft ihn ganz ganz hoch.

Während der Stock

„fliegt“ muss der Werfer

so viele Stöcke vom Boden

sammeln wie es geht.

Edle Ritter streiten hoch zu Ross

Erstmalig findet beim Historischen Markt ein Turnier nur für Kinder statt

W

er an Ritter in schimmernden Rüstungen

denkt, dem kommt mit Si-

– aber ohne Punkte oder eine Rangliste: „Das

Ringestechen oder am „Schwarzen Roland“

cherheit auch sofort das Turniergeschehen

in den Sinn. Tapfere Kämpfer messen sich zu

Pferde in verschiedenen Disziplinen, um die

Gunst ihres Königs oder einer schönen Prinzessin

zu erlangen. Doch warum sollte das

eigentlich immer nur den Erwachsenen vorbehalten

bleiben? In Großbottwar findet daher

erstmalig in der Geschichte des Historischen

Markts ein Ritterturnier nur für Kinder

statt.

Möglich macht das Rainer Ehnes. Der „Herold

des Königs“ gastiert nämlich mit seinem

Mitmachtheater. Und das bietet wirklich alles,

was ein richtiger Turnierplatz auch zu

bieten hätte. Vor der Stadtmauer erwacht

das Mittelalter zum Leben – und die jungen

Besucher sind mittendrin statt nur dabei.

Denn was wäre ein Turnier ohne Ritter, Königspaar

und Leibwache?

Die stammen bei den Vorstellungen aus dem

Publikum. Und eines steht fest, betont Rainer

Ehnes: „Das ist jedes Mal ein Spaß für die

Zuschauer wie für die Akteure.“ Letztere versuchen

Turnier soll eine fröhliche Sache für alle sein,

weshalb wir am Ende auch nur Sieger haben.“

Und das klappe auch eigentlich immer

sehr gut, dank des einen oder anderen Kniffs.

Denn hauptsächlich geht es bei dem Turnier

darum, die Kinder ins Mittelalter eintauchen

zu lassen und deren Vorstellung von einem

Leben als Ritter zur Realität werden zu lassen.

Rainer Ehnes scheut dabei keine Mühen

und achtet auf jedes Detail: „Ich habe Gewandung

dabei, Trommeln, Lanzen, Schwerter,

Mützen und und und…“ Die Teilnahme

ist natürlich kostenlos. Und selbst die Pferde

– treuer Begleiter eines jeden Streiters –

bringt er mit, ganz besondere Tiere wie er

mit einem Augenzwinkern verrät: „Ich bin

Tierschützer, deshalb müssen die Ritter ihr

Ross tragen.“

Übrigens: Wer es nicht als Akteur ins Turnier

geschafft hat, muss deshalb nicht enttäuscht

sein. Nach jeder Vorstellung dürfen Kinder

die Helme ausprobieren und sich an der Lanze

versuchen: „Das ist nämlich viel schwieri-

Neben Rittern ist für ein echtes Turnier

sich nämlich zu Pferde stilecht beim ger, als vielleicht gedacht.“ jam auch der Hofstaat

unerlässlich.


13. Historischer Markt Großbottwar Seite 11

Zielwasser wird dringend empfohlen

Verschiedene Spielstationen stellen die Geschicklichkeit auf die Probe

V

on dem Schriftsteller Friedrich Schiller

stammt ein berühmtes Zitat: „Der

Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er

spielt.“ Und nirgends ist das zutreffender als

auf dem Historischen Markt. Auch 2018 gibt

es wieder verschiedene Stationen, an denen

die Besucher ihre Geschicklichkeit auf die

Probe stellen können. Und das mitunter auf

ganz eigene Art und Weise:

Eine der Spielstationen trägt den klangvollen

Namen „Eierknacker“ und damit ist auch

eigentlich schon gesagt, worum es hier geht.

Dennoch eine kurze Erklärung: Bei diesem

„dekadenten Spiel der Obrigkeit“ ruht ein Ei

in einiger Ferne auf einem Baumstumpf.

Doch dort soll es nicht lange liegen bleiben,

denn Ziel ist es, eine Eisenkugel so genau zu

werfen, dass das Ei zerdeppert. Grund für Die Armbrust ist für Alt und Jung gleichermaßen spannend.

Empörung gibt es dabei übrigens keinen.

„Alle verwendeten Eier kommen aus Beständen

mit abgelaufenem Verfallsdatum und

sind auch nicht mehr zum Verzehr geeignet“,

erklärt Betreiber Bernhard Karl Jung. An

diesem Spiel soll selbst Sonnenkönig Ludwig

XVI. seine Freude gehabt haben.

Ob Zielwasser in den Adern der Besucher

fließt, zeigt sich spätestens am Wurfstand.

Denn wer als Ritter etwas auf sich halten

will, sollte durchaus mit verschiedenen Waffen

umgehen können. Was nützt der furchterregendste

Krieger, wenn er nicht mal ins

Schwarze treffen kann? Das geht natürlich

ganz edel beim Bogenschießen – da fühlt

sich sicherlich so mancher wie Robin Hood,

auch wenn es heute nicht mehr um die Jagd

geht. Zugleich ist der Bogen früher ein Statussymbol

gewesen: Nur freie Männer durften

einen solchen besitzen. Und den Spott

der Rittersleute sparte man sich auch, anders

als beim Armbrustschießen. Die Waffe

wurde eigentlich entwickelt, um starke Panzerungen

zu durchschlagen und prompt galt

war sie als „Waffe der Feiglinge“ verpönt –

manch einer mag munkeln, dass das an der

Angst der tapferen Ritter lag… Wer dagegen

keinerlei Wert auf Status und altehrwürdige

Tradition legt, übt sich einfach im Messerwerfen.

war spaßig, hat aber einen sehr düsteren Ursprung:

„Die Burschen aller Zeiten trugen

stets ein Ess-Messer bei sich, da Gabeln weitgehend

unbekannt waren. Beutelschneider

und Streuner fanden aber auch gerne andere

Verwendungszwecke…“

Wer statt Geschicklichkeit lieber auf Glück

setzt, der kann seinem Schicksal auf die

Sprünge helfen. Wie das geht? Das kleinste

Riesenrad der Welt macht es möglich, denn

um dieses rankt sich eine alte Legende: „Und

wenn sich des Nachts das Rad im Mondschein

dreht und sich ein verliebtes Paar am

höchsten Punkt küsst, so sollen alle seine

tiefsten Wünsche in Erfüllung gehen.“ Was

soll da dann noch schief gehen? Und im

Zweifel hat es eine große Portion Romantik

für fast alle Beteiligten gegeben. Denn wer

auf traute Zweisamkeit hofft, dürfte enttäuscht

werden. Denn bei jeder Runde des

Riesenrads sind auch zwei kräftige Herren

mit dabei, die das Rad mit Hilfe von Handgriffen

in Schwung bringen – eine Fußkurbel

sorgt für Dauerbetrieb. Darüber hinaus ist es

im Vorfeld nötig, das Gewicht der Passagiere

mit Hilfe von Sandsäcken auszugleichen.

Doch die Mühe ist es wert, verspricht Jung:

„Auf dem Riesenrad fühlt sich jeder wie ein Das Riesenrad ermöglicht einen neuen

Das gestaltet sich zwar in Großbott-

Adeliger.“

jam Blick auf das Markttreiben.

Beim „Eierknacker“ ist der Name Programm.

Kreativität und eigene Spiele sind jederzeit gern gesehen.

LEIN KINDERSPIEL?

Spielen – das ist heute

eine Tätigkeit, die vor allem

mit Kindern in Verbindung

gebracht wird.

Das war im Mittelalter

noch anders. Archäologische

Funde deuten darauf

hin, dass vor allem Erwachsene

gerne ein

Spielchen gewagt haben.

So gehen viele Brettspiele

auf frühere Zeiten zurück.

Schach hat es beispielsweise

damals schon gegeben,

sogar in verschiedenen

Varianten. Auch eine

Art Backgammon war vielen

Bürgern bereits bekannt.

Aber auch Kartenspiele

erfreuten sich großer Beliebtheit.

Diese brachten

die Menschen zusammen

und wurden besonders

gerne in Wirtshäusern

und Adelskreisen gespielt,

auch mit finanziellem Einsatz.

Offen zugegeben

hätte das aber wohl nicht

jeder, denn das Kartenspiel

galt vielerorts als

verpönt und wurde dem

Teufel zugeschrieben.

Beliebt gewesen sind auch

Würfelspiele, die mit

einer großen Vielfältigkeit

glänzten. Natürlich gab es

sechsseitige Exemplare,

wie sie heute noch verwendet

werden. Aber

auch Würfel mit vier Seiten

oder gar runde Würfel

sind überliefert. Mit diesen

würfelte man in der

Regel um die Wette – mal

um die höchste Punktzahl

unter Vorgabe einer bestimmten

Anzahl an Würfeln

oder mit zuvor gewählten

Zahlenreihen.

Kinder dagegen hatten

am Tisch bei Brett- und

Kartenspielen nichts verloren.

Sie besaßen ihre

eigenen Spielzeuge, die

aufgrund der Verhältnisse

oftmals aus einfachsten

Materialien bestanden wie

Holzresten, Steinen oder

Knochen. Aber auch Murmeln,

Steckenpferde und

Reifen waren beliebt.


Seite 12

13. Historischer Markt Großbottwar

L NEUE FREUNDE!

Wir kennen uns ja nun

schon eine Weile und ich

glaube wir sind Freunde

geworden. Aber wisst ihr

was, liebe KInder? Man

kann doch eigentlich nie

genug Freunde haben,

oder? Wie gut, dass auch

viele Gaukler, Musiker und

bunte Gestalten nach

Großbottwar gekommen

sind. Und wisst ihr wer

auch wieder da ist?

Echte Ritter!

Das große Lager der

Freien Ritterschaft Baden

(Nr. 29) ist direkt neben

dem Turnierplatz für uns

Kinder gelegen. Ihr

braucht keine Angst vor

den Rittern haben – das

sind alles super Leute und

vielleicht haben sie ja

auch einen Tipp, wenn ihr

dann selbst zu Pferde um

die Wette reitet? Echte

Schwerter haben die auch

dabei!

Unbedingt suchen müsst

ihr außerdem auch den

Marionettenspieler. Mein

Freund Andi Kingel ist

ständig unterwegs und

sorgt in den Gassen für

Unterhaltung mit seinen

Puppen – die können

auch Tanzen! Ich habe

schon oft mit Drache Gna

Pirouetten gedreht. Wenn

ihr mir nicht glaub, könnt

ihr euch da ja selbst von

überzeugen! Außerdem

baut er die Marionetten

selbst und an seinem

Stand (Nr. 23) könnt ihr

euch selbst auch mal am

Webrahmen versuchen

und lernen wie man eine

Marionette benutzt.

Waschechte Ritter tragen Schaukämpfe aus – und dabei kann es auch mal härter zur Sache gehen.

Ein Diplomat und Kenner des Rechts

Carolan der Verkünder übernimmt als Herold wichtige Aufgaben in der Gesellschaft

U

nantastbar auf dem Schlachtfeld und „Eigentlich sind die Aufgaben des

enger Vertrauter des Herrschenden: Herolds eine ernste Angelegenheit“,

Das Erkennungszeichen eines

Herolde haben im Mittelalter einen Posten

von allerhöchster Ehre und Verantwortung

inne gehabt. Ein Mann des Hochadels und

so Lieb. „Aber natürlich soll

auch Spaß dabei sein.“ Und so

wird wohl keine Diplomatie auf

Herolds ist der weiße Stab.

Kenner des Rechts – das verkörpert in sich dem Schlachtfeld notwendig

auch Carolan der Verkünder. Er übernimmt

in Großbottwar das ehrenvolle Amt.

Karl-Heinz Lieb ist seit vielen Jahren in der

Mittelalter-Szene unterwegs und „ich habe

schon immer gerne viel erzählt“. Wichtig sei

es ihm dabei gewesen, Erwachsenen und

Kindern zu erklären, wie es einst zuging. Und

dabei fiel ihm auch auf, dass der Herold auf

einigen Märkten spontan von Gauklern oder

Musikern verkörpert wird: „Das wäre aber

aufgrund der Gesellschaftspyramide absolut

undenkbar gewesen.“ Also schuf er mit dem

Herold Carolan einen Adeligen, der fortan

die Märkte landauf und landab besuchte, um

sein, sondern eher die Vorstellung

von Akteuren sowie Organisation

von Auftritten und Paraden:

„Und wenn ein Auto falsch

parkt, rufe ich das auch aus.“ Ein

„gutes Organ“ gehöre dazu – das

gelte auch für Verschwiegenheit

sowie Ehrlichkeit und heute auch

mal Schlagfertigkeit. Carolan der

Verkünder legt ein Augenmerk auf die

Details, was seinen Auftritten noch mehr

Authentizität verleiht: „Ich habe stets einen

weißen Stab zur Auszeichnung dabei.“ Der

verlieh dem Herold im Mittelalter auf dem

des Königs Wort zu vertreten.

Schlachtfelt „Unantastbarkeit“. jam

Danza MAGica verzaubern. . .

Der Henker ist in der Stadt!

. . . und Gna findet Freunde.

Der Gawan bringt „seyne Rosinante“ mit – ein spezielles Pferd.


13. Historischer Markt Großbottwar Seite 13

Mucker Pazza sind nach einer Pause wieder mit von der Partie.

Ohrenfreut singt . . .

. . . und Kunigunde tanzt.

Akrobatik ist ein fester Bestandteil des Programms.

Wo man singt, da lass dich ruhig nieder

Musiker bringen Instrumente und Lieder aus allen Epochen mit

E

s gibt etwas, das Menschen über alle

Jahrhunderte hinweg verbindet: Musik.

Und was früher zum Tanzen angeregt hat,

das funktioniert auch heute noch gut. Den

Beweis wollen verschiedene Musikgruppen

und Spielleute beim Markttreiben antreten.

Ganz vorne mit dabei sind die „mittelalten

Spielweiber“ von Mucker Pazza, die nach

einer Pause wieder Großbottwar beehren

und haben „Musik aus alten Tagen und aller

Herren Länder“ mit dabei. Begleitet wird die

von „feurigen Tanzeinlagen, orientalischem

Tanz oder mit historischen Tänzen“.

Die Haselfrau widmet sich uralter Magie.

Die Spielweiber Brunhilla von Reichenstein,

Anna Departhos, Alea das Tanzweib sowie

Josefine die Schlagfertige sind sich auch laut

eigener Aussage „nicht zu schade, sich selbst

auf die Schippe zu nehmen“, wenn sie mit

ihren Lieder aus dem Spielmannsleben, das

mitunter sehr bewegt ist, erzählen.

Der Sangeskunst haben sich Peter Siche und

Das wollen auch Camino Duo, die dafür zu

Instrumenten wie der Nyckelharpa oder

dem Hümmelchen greifen. Was das ist? Das

finden Sie am besten selbst heraus, denn

beim Historischen Markt können Besucher

noch richtig etwas lernen. Unter anderem

auch, was eine Dulcimer ist. Die wird vom

Duo Dulcimus gespielt, die unterschiedliche

Michaela Rettkowski von Ohrenfreut auch Musikstile mixen und „mittelalterlichen

verschrieben. So ziehen sie erneut durch die

Gassen Großbottwars um den Zuhörern „lebensechte

Gefühle“ zu vermitteln und „die

Ohren zu erfreuen“.

Country-Folk“ entstehen lassen. Dazu tanzt

die Kuh „Kunigunde von Klopfenstein“ – und

vielleicht leisten Sie ihr ja Gesellschaft? Nur

keine Scheu und das Tanzbein schwingen!

Die Fahnenschwinger sind Meister der Koordination.

Sanfte Gärtnerin

M

agie ist so alt wie die Mit Hilfe verschiedener Karten

Welt, und ihre Lehren und der uralten Fähigkeit des

sind unveränderlich, da es die Wasserlesens unterstützt sie

Naturgesetze sind“, heißt es. Das

Wissen darum wird „Wissen der

Haselfrauen“ genannt und eine

solche wird beim Markt Gast

sein: „Meine magische Arbeit

entspringt der Liebe zur Natur.“

Menschen bei der Suche nach

Lösungen und Wegen, sowohl

für das tägliche Miteinander wie

für die Zukunft. Dies passiert in

der festen Überzeugung, „dass

Alles mit Allem verbunden ist“.

L GAUKLER UND NARR

Zu jedem Markt gehören

auch die Gaukler. Unter

dem Begriff wurden im

Mittelalter jegliche Art

Unterhaltungskünstler wie

Artisten, Zauberer oder

Clowns bezeichnet. Aber

auch Possenreißer oder

Taschenspieler fielen

unter den Begriff – eben

alle, die auf öffentlichen

Plätzen oder bei Festen

auftraten. Und während

heute das Wort Gaukler

vor allem für Spaß, Musik

und Akrobatik steht, war

der Begriff eher negativ

besetzt. Diese Menschen

galten als „fahrendes

Volk“ und damit befanden

sie sich oft außerhalb der

Standesordnung. Das

hieß, dass sie keine rechtliche,

kirchliche oder soziale

Geltung besaßen.

Viele Gesetzestexte

schützten weder Leben

noch Eigentum der Gaukler.

Der Grund war, dass

manche Vertreter dieser

„Berufsgruppe“ gerne mit

Tricks arbeiteten und so

Leute um Geld brachten.

Das Wort „vorgaukeln“ ist

ein Zeuge davon.

Anders sah es übrigens

bei den Narren aus. Die

waren Spaßmacher an

den königlichen Höfen

und hatten dort ihren festen

Platz. Die „Narrenfreiheit“

erlaubt es ihnen oft

sogar Kritik an der Gesellschaft

und den Begebenheiten

unter den Adeligen

zu üben. Manch ein Narr

diente sogar als seriöser

Ratgeber für den König.

Zudem gab es auch zwei

Arten von Narren. Die

„natürlichen“ sowie die

„künstlichen“ Narren. Als

„natürliche“ Narren galten

Menschen mit geistiger

Behinderung. Ein weiteres

dunkles Kapitel in der

Menschheitsgeschichte . . .

Der „künstliche“ Narr

dagegen stellte sich mit

Absicht dumm an und

trieb seine Scherze mit

den Mitmenschen.


Seite 14

13. Historischer Markt Großbottwar

L LECKER SCHMECKER

Also ich persönlich mag ja

Süßigkeiten am liebsten.

Da habe ich bestimmt mit

ganz vielen von euch was

gemeinsam, oder?

Da habe ich einen Tipp für

euch. Jedes Jahr kommt

das Hungarikum (Nr. 14)

auf den Markt – und die

haben Süßes dabei, wie

ihr es bestimmt noch nie

vorher gesehen habt. Ich

will nicht zu viel verraten:

Probiert es einfach aus!

Und guckt unbedingt

auch an der Ecke zum

Marktplatz vorbei . Hier

gibt es super Apfelsaft

(Nr. 15).

Dieses Mahl ist eines Königs würdig

Der Historische Markt verwöhnt die Besucher auch in kulinarischer Hinsicht

B

untes Markttreiben war einst bei allen

Schichten der Gesellschaft beliebt.

Doch wenn es um die Speisen geht, deren

Duft allerorten durch die Straßen zieht,

steht eines fest: Beim Historischen Markt

wird nur das Allerfeinste kredenzt. Nehmen

Sie sich doch einfach ein Beispiel an den Gelagen

zu Festtagen und

planen Sie gleich mehrere

Gänge ein.

Was sich auf jeden Fall

lohnt, ist ein Besuch bei

den Mönchen in der Klosterschenke.

Hier dreht

sich ein Schwein am

Spieß zu zünftigen Bier.

Selbst der Koch beißt herzhaft zu.

Oder darf es vielleicht ein

würziger Flammlachs

E t w a s Außerdem gibt es Rosenküchle. Kennen Sie

aus der Drachenküche

S ü ß e s diese schwäbische Spezialität noch? Dabei

sein? Der Weg dorthin gestaltet

wäre ihnen

handelt es sich um ein Eiergebäck, das mit

sich mit einer Entenkeule gleich einfacher.

lieber? Knusprige einem speziellen Roseneisen hergestellt

Aber auch Klassiker wie Kässpätzle, Spezialitäten

vom Albstadl, Kartoffelgerichte oder

Räucherfisch werden frisch über den Tresen

gereicht. International wird es mit Pizza und

russischen Spezialitäten.

Churros gibt es bei der Bäckerei Alt ebenso

wie Crépes. Und auch Baumstriezel dürfen

nicht fehlen, ebenso wie viele verschiedene

Süßigkeiten oder aber die sündig heißen

„Lustrollen“.

wird. Mit diesem wird Pfannkuchenteig oder

Waffelteig in heißem Fett ausgebacken. Hört

sich nach jeder Menge Kalorien an – aber die

sind beim Historischen Markt doch egal!

Gönnen Sie sich einfach den Genuss!

... !

+

www.


13. Historischer Markt Großbottwar Seite 15

L AMBROSIA VOM HUHN

Der Originalname dieses

Gerichts, der sich auch in

einem Festmenü aus dem

Jahre 1326 findet lautet

„Ambrogino“ – ob die

Ähnlichkeit zur Nahrung

der Götter „Ambrosia“ ein

Zufall ist? In jedem Fall ist

die Kombination aus der

Süße, der Würze und der

Säure ein besonderes Geschmackserlebnis.

Die Mönche der Klosterschenke tischen Spanferkel auf.

Das Fleisch brät in Hanföl.

Legendäres kommt auf den Teller

Die Hanfbeckerey haucht einer historischen Nutzpflanze neues Leben ein

W

eit zurück geht die kulturelle Geschichte

des Rohstoffes Hanf. Doch den Hanf als Nahrungsmittel näher bringen. beigemengt. Das Fleisch wird zudem in

Die Mission ist dabei gleich: Den Menschen „Kleber“ verfügen, wird noch Weizenmehl

erst 1995 wurde er als Nutzpflanze in

Deutschland langsam wieder ein Thema.

Eines, das Arthur Kleinwächter aufgegriffen

hat und damit genau zur richtigen Zeit am

richtigen Ort gewesen ist.

Dass Hanf auch in der Küche Verwendung

finden kann ist historisch belegt, „also habe

ich das auch einmal versucht“. Kleinwächters

Rezepte haben eingeschlagen: „Gleich

im ersten Jahr war ich restlos ausgebucht.“

Damals noch mit einem Stand. Heute ist die

Hanfbeckerey gleich mit fünf Wägen und

mehreren Mitarbeitern in ganz Deutschland

und europaweit unterwegs. Und macht auch

„Wir backen Hanffladen, die dann mit Fleisch

gefüllt werden. Es gibt aber auch süße sowie

vegetarische und vegane Variationen“, erklärt

Arthur Kleinwächter. Der verwendete

Hanf entspricht von der Art her zwar seinem

berühmt-berüchtigten Bruder, im Gegensatz

zu diesem handelt es sich aber um eine

Züchtung ohne den Wirkstoff THC.

Denn die anderen Inhaltsstoffe des Hanf

können sich durchaus sehen lassen, weiß

Kleinwächter: „Hanf ist gesund und enthält

beispielsweise Linolsäuren und ungesättigte

Fettsäuren.“ Verwendet werden die Blätter

und vor allem die Hanfsamen, die zu Mehl

Hanföl angebraten. In Reinform weist Hanf

einen nussigen Geschmack auf, der bei der

Hanfbeckerey zu einer Gesamtkomposition

mit den übrigen Zutaten verschmilzt.

Für ihre Gerichte ist die Hanfbeckerey schon

mehrfach ausgezeichnet worden – etwa mit

dem Sonderpreis für „Ehrliches Essen“ vom

Rotary Club Wiesbaden oder dem 1. Platz

beim Hessentag. Da passt der Titel „Arthurs

legendary food“, den die Hanfbeckerey trägt,

perfekt. Und zwar in mehrerlei Hinsicht:

Gründer Arthur Kleinwächter trägt nicht nur

den Namen des berühmten Königs, sondern

ist ebenfalls am 1. Mai zur Welt gekommen.

in Großbottwar Halt.

verarbeitet werden. Da diese über keinen Genau 1500 Jahre später übrigens… jam

Zutaten

1 Huhn

80 g fetter Speck

2 Zwiebeln

8 Dörrpflaumen

10 Datteln

2 Brotscheiben

200 ml Weißwein

50 ml Essig

100 ml Bouillon

Zimtstangen

3 Nelken

1 Msp Muskat

Mandelmilch

(50g Mandeln/ 500 ml Wasser)

So wird es gemacht

Wenn du Ambrosia vom

Hühnchen willst . . .

– Nimm die Hühnchen,

zerteile sie, dann brate sie

mit frischem Speck und in

Ringe geschnittenen

Zwiebeln

– Wenn sie halb gar sind,

nimm die Mandelmilch,

verdünne sie mit Brühe

und ein wenig Wein, setze

sie mit den Hühnchen auf

Durchatmen bei einem Tee . . .

Auf einen Tee . . .

An allen Ecken brodeln Leckereien in den Töpfen und Kesseln.

Wer kann da „Nein“ sagen?

W

enn Gäste unser Teezelt Im Teezelt werden nämlich auch

betreten, fühlen sie sich Märchen erzählt und „manch ein

wie in einer anderen Welt“, das Gastmusiker verirrt sich hinein“

ist das Ziel der Familie Albrecht, in das Berberzelt. Ein solches

die erstmal nach Großbottwar hatte die Familie oftmals auf

kommt: „Viele vergessen bei uns Mittelaltermärkten vermisst –

die Zeit.“ Dafür sorgen nicht nur und dann eines Tages einfach ein

verschiedene orientalische Tees eigenes aufgeschlagen: „Das hat

aus dem Samowar und das dazu uns gefehlt, da wir orientalische

gereichte Gebäck.

Musik und Tänze lieben.“ jam Süße Sünden stehen ebenfalls auf dem Speiseplan.

– Entferne vom Fett, was

zuviel ist, gib mit dem

Messer gehackten Zimt

hinzu und Gewürznelken

– Und wenn das fertig ist,

gib gedörrte Pflaumen,

ganze Datteln, einige gehackte

Muskatnüsse und

ein wenig Brotkrume hinzu,

die geröstet, gut zerstampft

und in Wein und

Essig aufgelöst wurden

– Diese Speise soll süß

und sauer sein. Und achte

auch gut darauf, dass die

Datteln nicht aufplatzen

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