2019_Bauplaner

suedwest.presse

8 Heizen

Wärme ist für viele Menschen gleich Gemütlichkeit. Von Nachtspeicheröfen raten Experten aber ab.

Foto: Rainer Nowak/dpa-mag

Zeit für Neues

Heizen Nachtspeicheröfen gelten als technisch veraltet, ineffizient und teuer.

Warum Experten raten, sie zu entsorgen und welche Alternativen sie empfehlen.

Die alten Nachtspeicheröfen

sind in Vergessenheit

geraten. In den

1960er- und 1970er-Jahren

gehypt, stehen sie heute vor

allem für sehr hohe Stromkosten.

Allerdings heizen laut dem Bundesverband

der Deutschen Heizungsindustrie

(BDH) geschätzt

noch 1,5 Millionen Haushalte auf

diese Weise. Bei in der Regel drei

Geräten pro Haushalt sind das

4,5 Millionen Geräte in Deutschland.

Lange Zeit machten sich die

Besitzer Hoffnungen, ihre Öfen

könnten in naher Zukunft als

Speichermedium für ein Überangebot

an erneuerbaren Energien

genutzt werden. „Von dieser Diskussion

ist man weggekommen“,

sagt der Hauptgeschäftsführer

des BDH, Andreas Lücke. Stattdessen

soll erneuerbarer Strom

effizient gemacht werden, vor allem

durch Wärmepumpen, die

Erd- und Umweltwärme nutzen.

Die Probleme von Nachtspeicherheizungen

sind vielfältig:

Sie stammten aus einer Zeit, als

die Stromversorger Überkapazitäten

gehabt hätten. Damals haben

die Kraftwerke in Schwachlastzeiten

ihren Strom zu einem

günstigen Nachttarif verkauft –

und die Verbraucher diesen zum

Betrieb von Nachtspeicheröfen

genutzt.

Heizen für fünf oder lieber für

30 Cent pro Kilowattstunde?

Inzwischen ist die Technik überholt,

und ihre Kosten sind vergleichsweise

hoch. „Wärme aus

dem Energiemix ist heute sehr

teuer, auch wenn erneuerbare

Energien dabei sind“, sagt Lücke.

Die Betriebskosten beliefen sich

auf 30 Cent pro Kilowattstunde.

Eine ebenfalls stromgeführte

Wärmepumpe, die aber wesentlich

effizienter arbeitet, kann für

fünf Cent pro Einheit heizen.

Wärmepumpe oder Brennwertheizung

eine Alternative

Alternativen für Besitzer von

Nachtspeicheröfen, die umrüsten

wollen, sind laut Lücke die

Wärmepumpe oder Brennwertheizungen.

Mit ihnen sinken

laut BDH die Betriebskosten

massiv. „Das Rausnehmen der

Nachtspeicheröfen ist kein Problem.

Ein Problem ist aber die

neue Hydraulik.“ So brauchen

die neuen Systeme Rohre und

Heizkörper, vielleicht sogar

eine Fußbodenheizung – und

das treibt die Kosten der Umrüstung

in die Höhe. „Viele Eigentümer

sagen: Das ist mir zu

teuer“, erläutert der

BDH-Hauptgeschäftsführer.

Dazu kommt, dass die Gebäude,

in denen heute noch Nachtspeicherheizungen

stehen, alt

sind. „Sie können davon ausgehen,

dass diese Gebäude auch

schlecht gedämmt sind.“ Auch

hier besteht Investitionsbedarf.

Wer eine Sanierung plant, erkundigt

sich am besten vorab

nach passenden Förderangeboten.


dpa/ka

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine