Ausgabe_02_2020

c.karpe

Magazin für Kunden der Stadtwerke Erfurt mit den Themen: Fernwärmebrücken werden Kunstobjekte, Großbaustelle Angerkreuz, Weimar als Außenstandort der BUGA Erfurt 2021, Gartenlust und Pflanzenpracht im egapark, Naturidylle Deponie, Erfurter Hochzeitsring als Replik

Journal

Sommer 2020

Das Magazin für unsere Kunden

Prost Erfurt!

Heimathafen setzt auf

traditionelle Braukunst Seite 16

Auf den Spuren

der Geschichte

Wanderung zu den

Drei Gleichen Seite 4

10.000 Mal

durch die Stadt

egapark-Gärtnerin wirbt auf einer Straßenbahn Seite 38

Dreh mich

um!


Inhalt

Hier wird richtig Dampf abgelassen

Graffiti: Wanda und Christian

mögen es farbenfroh ........................... 10

Fairständnis gefragt

Zu Besuch bei der

Deutschen Soccer Liga e. V. ................. 12

Großbaustelle Anger

EVAG baut in den Sommerferien .......... 14

Naturparadies am Roten Berg

Wie weiter mit der

Deponie Schwerborn? ......................... 18

Erfurt wird GIGABITSCHNELL

SWE Digital startet

mit Glasfaserausbau ............................ 26

Sechs Parks, ein Erlebnis

Außenstandorte der

BUGA 2021 in Weimar .......................... 32

Wisch und Weg

Mit FAIRTIQ durch Erfurt:

Ein Selbstversuch ................................40

Aus Liebe zum Wasser

Jonathan Endter lernt

Mechatroniker .....................................46

Erfurter Hochzeitsring zu verkaufen

Jetzt gibt es eine Replik ........................48

Ihre Stadtwerke im Netz:

www.stadtwerke-erfurt.de

Der Stadtwerke-Blog:

www.swefuererfurt.de

Vorhang auf für Erfurt

Kaisersaal-Chef Thomas Günther und Eventmanagerin

Sabine Bock starten in diesem Jahr mit einer neuen

Veranstaltungsreihe an der Futterstraße. „Kultur-

Gut. Vorhang auf für Erfurt“ heißt das Ganze. „Das

ist ein Mix aus bekannten Künstlern und hochbegabten

Newcomern“, sagt Thomas Günther. „Unser

Programm richtet sich an alle Altersgruppen.“ Ursprünglich

waren vier Programmteile geplant – bis

Corona kam und der Kinderteil (eine Kooperation

mit dem Galli-Theater) gestrichen wurde. Günther:

„Das holen wir auf jeden Fall nach!“ Das Programm

startet im August mit Catt, im Oktober kommt

Weltstar Ute Lemper, im Dezember Gregor Meyle.

Tickets: www.kaisersaal-shop.de.

Foto: Steve Bauerschmidt

Unsere Facebook-Seite:

www.facebook.com/sweerfurt

Impressum

HERAUSGEBER: SWE Stadtwerke Erfurt GmbH

REDAKTION: Henry Köhlert, Anke Roeder-Eckert

E-Mail: presse@stadtwerke-erfurt.de, Telefon: 0361 564-1128

BEIRAT: Udo Bauer, Ivo Dierbach, Annett Glase, Anne Griese,

Christine Karpe, Inka Kaufmann, Anja Kümpfel, Sabine Lehmann,

Barbara Mörstedt, Hanno Rupp, Anett Schmidt

REDAKTIONSSCHLUSS: 15. Juni 2020

GESTALTUNG: Stefan Waldert, Janet Waldert

TITELBILD: Steve Bauerschmidt

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SWE-Journal 02_2020

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Wandern auf den

Spuren der Geschichte

SWE Journal-Reporter mit Hund

rund um die Drei Gleichen unterwegs

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh‘ das Gute liegt so nah!“ Diese elf

Worte, angelehnt an einen Vierzeiler von Goethe, haben in puncto schöne

Landschaft oftmals Recht. Ganz sicher in Thüringen…

Na klar, Meer ist hübsch. Hohe Berge auch. Sogar eine Wüste hat was.

Doch mal ehrlich, eine liebliche, saftig grüne Hügellandschaft vor der eigenen

Haustür, gekrönt von drei Burgen, und dann noch bequem mit Bus,

Bahn und Zug im Gebiet des Verkehrsverbundes Mittelthüringen erreichbar

– was will Mann/Frau mehr? Das SWE Journal machte den Wandertest,

Hund und Mensch machten sich auf den Weg rund um die Drei Gleichen.

Gleich vorneweg: Der Hund, 14 Monate alt, war begeistert. Soviel zum

Schnuppern gibt es dank unterschiedlicher Vegetation (Wiesen, Felder,

Wälder) und deren tierischer Bewohner sonst selten. Der Mensch war auch

begeistert – vor allem von den Aus- und Ansichten, die sich auf der 13 Kilometer

langen Strecke über Stock und Stein boten. Aber auch von der Geschichte,

der man auf Schritt und Tritt begegnete – sich vorher gründlich

(weiter auf Seite 6)

Mit der EVAG-App kann man seine

Reiseroute ganz einfach planen. Einfach

den QR-Code scannen.

Hund George, ein

Ridgebackretriever,

und Herrchen Henry Köhlert

auf dem Weg von der Wachsenburg

zu den Drei Gleichen. Wer will, kann zur

Wanderung ganz entspannt mit Bahn, Zug und

Bus anreisen – in der EVAG-App einfach Mühlberg als Ziel

eingeben, sich die Verbindungen anzeigen lassen.

Die Mühlburg hoch

über Mühlberg.

Die Wachsenburg auf

dem Wassenberg.

Die Burg Gleichen in

der Flur Wandersleben.

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1 Die Wanderwege sind gut ausgeschildert. Und wenn mal ein

Hinweis fehlt, auch nicht schlimm – eigentlich kann man sich

hier nicht verlaufen. Die Burgen sind immer zu sehen…

2 Blick durch ein einstiges Fenster der Mühlburg auf die Burg

Gleichen auf der anderen Seite der Talsenke.

3 George, der Hund, hat die Wanderung locker weggesteckt –

das Herrchen brauchte danach etwas Ruhe…

4 Hier waren einmal die Ställe.

5 Blick von der Mühlburg aufs zauberhafte Örtchen Mühlberg.

In dem Ort locken mehrere Gaststätten Wanderer zur Einkehr.

6 Auf gehts von der Burg Gleichen zur Mühlburg, 13 Kilometer

über Stock und Stein liegen hinter Hund und Herrchen.


in der Historie zu belesen, macht durchaus Sinn. Vier Stunden waren

Hund und Herr unterwegs, ausgerüstet mit viel Wasser und gutem

Schuhwerk (absolutes Muss für den Menschen).

Start: Mühlberg. Eines der Wahrzeichen des Ortes ist die romantische

Ruine der Mühlburg. Ein paar Fakten: Die Anlage liegt 375 Meter

ü. NN, ist die älteste Burg der Drei Gleichen und gilt als ältestes

erhaltenes Bauwerk Thüringens. Eine Urkunde, datiert auf das Jahr

704, besagt, dass der thüringische Herzog Hedan II. das Castello

Mulenberge dem Missionar und Bischof Willibrord schenkte. Ob das

damalige Kastell genau dort stand, wo heute die Mühlburg thront,

ist nicht gesichert.

Gesichert ist, dass sich der (ganz schön anstrengende) Aufstieg

lohnt: Der Ausblick ist beeindruckend, die Burg Gleichen auf der anderen

Talseite wirkt zum Greifen nah. Die Mauern der kleinen Festung,

die die Jahrhunderte überlebt haben, strahlen ganz viel Geschichte

aus und mit ein wenig Fantasie lässt sich erahnen, wie es

Kaiser Heinrich IV. im Jahr 1088 erging, als er die beiden Burgen im

Sachsenkrieg erfolglos belagerte. Wer will, kann im Schatten eines

Baumes rasten, das kleine Museum besuchen oder durch die Ruine

stromern und seinen Gedanken freien Lauf lassen.

Vier Stunden zauberhafte Landschaften

Wer genug von der Burg hat, der sucht nach dem Zeichen des

Lutherweges (oder auch dem Gustav-Freytag-Wanderweg) und

folgt ihm Richtung Wachsenburg. Eigentlich gibt es drei Möglichkeiten

dorthin zu gelangen: entweder die beiden (gepflasterten) Wege/

Straßen zu Füßen des Höhenkammes oder den manchmal etwas

holprigen Wanderweg auf dem Kamm. Klar: Der letztere Weg ist ein

Muss. Die Aussicht auf die 450 Meter hoch gelegene Hochebene der

Ohrdrufer Platte ist stellenweise überwältigend schön, an heißen Tagen

bietet der Wald Kühle. Wanderer sind hier oben eher selten anzutreffen,

man ist also mit seinen Gedanken oft alleine.

Bis plötzlich die Veste Wachsenburg vor einem auftaucht – majestätisch

auf dem 420 Meter hohen Wassenberg (althochdeutsch für

steiler Berg) gelegen, im Gegensatz zu den beiden Burgenschwestern

komplett ausgebaut. Doch nicht nur die malerische ehemalige

Raubritterburg, auch das rund 80 Hektar große Naturschutzgebiet zu

seinen Füßen ist faszinierend. Steile, schroffe und stellenweise kahle

Hänge, sogenannte Badlands, säumen den Berg. Äcker, Wiesen

und Wäldchen wechseln sich ab. Es gibt jede Menge Wildkräuter zu



entdecken, mit etwas Glück auch eine Schlingnatter oder eine Zauneidechse.

Wer zur (durchaus sehenswerten) Burg will, muss zahlen

– der Besuch ist eintrittspflichtig (Einzelheiten unter www.wachsenburg.com).

Wem die Visite zweier Burgen reicht, verzichtet auf den

Aufstieg und macht sich auf dem Graf-Gleichen-Weg in Richtung

Burg Gleichen auf den Rückweg. Links der Höhenzug, der Mühlburg

und Wachsenburg verbindet, davor zwei größere Gewässer, in denen

sich bei gutem Wetter die Wolken spiegeln, rechts der weite

Blick Richtung Erfurt, vor einem die beeindruckende Kulisse der Gleichen

– wenn dann noch die Sonne scheint, ist das Wanderglück vollkommen.

Das wird kurz getrübt, wenn es zur Autobahn A4 geht – der Geräuschpegel

stört bei ungünstiger Wetterlage die Idylle drumherum.

Doch kaum die Autobahn unterquert und im Freudental angekommen,

gilt es den knapp 370 Meter hohen Berg zu erklimmen,

auf dem Burg Gleichen thront. Der Weg durch den Wald ist recht

steil, hin und wieder uneben – er bietet aber einzigartige Ausblicke

über die Badlands Richtung Mühlburg auf der anderen Seite der Talsenke.

Oben angekommen, ist ein (ebenfalls kostenpflichtiger) Besuch

ein Muss – der Blick ist einzigartig, die Burgruine, die rund 100

Meter über dem Tal liegt, noch so gut erhalten, dass man sich, mit

ein wenig Fantasie ins Mittelalter zurückversetzen kann. Die Burg

hat eine so wechselvolle Geschichte, dass sich auch hier ein vorheriger

Blick in die Historie lohnt.

Übrigens: Es gibt so manche Wanderer, die schwören auf einen

Sonnenaufgang im Gebiet der Drei Gleichen. Es soll sich lohnen,

auch wenn das im Sommer ganz schön frühes Aufstehen bedeutet…


TEXT: HENRY KÖHLERT FOTOS: JACOB SCHRÖTER

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Für 50 Euro durch Thüringen

Du hast einen Ausbildungsplatz außerhalb deines

Wohnortes? Dann hol dir dein Ticket für Thüringen

und fahre für nur 50 Euro im Monat durch das

ganze Verbundgebiet.

Das Azubi-Ticket Thüringen kostet 153,89 Euro.

Davon zahlst du nur 50 Euro. Die Differenz von

103,89 Euro übernimmt der Freistaat Thüringen.

Bei Ausbildungsende vor Ablauf der Mindestvertragslaufzeit

ist eine Kündigung des Vertrages

möglich.

HITZESCHUTZ IM SOMMER

Einfache Tipps für zu Hause

Im Sommer können sich Wohnräume

schnell auf Temperaturen über

30°C aufheizen. Schlaflose Nächte

und Kreislaufbeschwerden sind

die Folge. Die Verbraucherzentrale

Thüringen gibt Tipps, wie Sie die

Hitze draußen halten und für ein

angenehmes Raumklima sorgen

können.

Schließen Sie Fenster und Türen

tagsüber und lüften Sie erst, wenn

die Temperatur draußen niedriger

ist als drinnen. Ideal ist eine Nachtlüftung,

denn dann kann die gespeicherte

Wärme über mehrere Stunden

aus dem Haus entweichen. Bei

Problemen mit Insekten und Mücken

hilft ein Fliegengitter.

Außen liegender Sonnenschutz:

Vermieter fragen

Wenn möglich, bringen Sie den

Sonnenschutz auf der Außenseite

Ihrer Fenster an. Als Mieter müssen

Sie jedoch Ihren Vermieter vor der

Montage um Erlaubnis fragen. Markisen

und Sonnensegel sind meist

teuer sowie wind- und schmutzanfällig.

Besser sind außen liegende

Raffstores oder Rollläden. Raffstores

lassen auch noch einen Ausblick

nach draußen zu, Rollläden können

dafür zusätzlich vor Einbrechern

und im Winter etwas vor unerwünschten

Wärmeverlusten schützen.

Tipp für besonders Eilige: Hängen

Sie ein weißes Tuch außen vor

das Fenster.

Innen liegender Sonnenschutz

Sie können den Sonnenschutz nur

innen anbringen? Dann sind zugezogene

Gardinen die einfachste Lösung.

Weitere einfache Möglichkeiten

sind im Raum angebrachte

Rollos, Plissees, Lamellen und Faltstores.

Hier gibt es eine große Auswahl

zu günstigen Preisen. Die Montage

ist leicht, aber ihre Wirksamkeit

beschränkt, da sie die bereits in die

Wohnung eingedrungene Sonnenstrahlung

nach außen reflektieren

müssen. Achten Sie auf Systeme mit

weißen oder reflektierenden Oberflächen

mit geringer Transparenz. Je

höher die Reflexion, desto besser ist

der Schutz gegen Überhitzung.

Sonnenschutzfolien

halten das Licht draußen

Eine preiswerte Lösung sind Sonnenschutzfolien.

Sie werden von außen

auf das Glas des Fensters angebracht,

was etwas mühsam sein

kann. Die Folien sind unterschiedlich

stark getönt und halten so auch

das sichtbare Licht ab. Das bedeutet,

dass Sie bei Dämmerung früher

das Licht einschalten und im Winter

etwas mehr heizen müssen.

Ventilatoren sorgen für

eine angenehme Kühlung

Ein Ventilator kann eine gute Alternative

zu Klimageräten sein, denn

bewegte Luft fühlt sich kühler an

als stehende Luft. Ventilatoren gibt

es schon ab 20 Euro zu kaufen. Ein

mobiles Raumklimagerät kann dagegen

zwischen 500 und 1.000 Euro

kosten, zudem treibt es Ihre Stromkosten

in die Höhe.

Weitere Fragen zum Hitzeschutz

in Wohnräumen beantworten die

Energieberater der Verbraucherzentrale

Thüringen in der Beratungsstelle

am Erfurter Hauptbahnhof

oder direkt bei Ihnen zu Hause.

Termine können unter den Telefonnummern

0800 – 809 802 400 (kostenfrei)

oder 0361 – 555140 vereinbart

werden.

Die Bundesförderung für Energieberatung

der Verbraucherzentrale ist

ein Projekt des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Energie. Dank einer

Kooperation mit dem Thüringer

Umweltministerium und der Thüringer

Energie- und GreenTech-Agentur

(ThEGA) sind alle Beratungen in Thüringen

kostenfrei.

TEXT: VERBRAUCHERZENTRALE ERFURT GRAFIK: STEFAN WALDERT

FOTO: BARBARA NEUMANN

Jetzt einen Monat kostenlos fahren

Deine Schulzeit ist zu Ende? Die Ausbildung abgeschlossen?

Jetzt brauchst du ein Anschluss-Abo?

Wir haben ein unschlagbares Angebot für dich.

Wer sich im Anschluss an das Abo Schüler/Azubi

für ein Abo Plus oder Abo Solo entscheidet, fährt

einen Monat kostenlos. Komm zu uns! Die Mitarbeiter

im EVAG-Mobilitätszentrum am Anger helfen

dir gern weiter. Dort gibt es dein Antragsformular.

Ganz wichtig: Gib an, dass du vorher ein

Abo Schüler/Azubi hattest.

Für 29 Euro in den Sommerferien mobil

Auch dieses Jahr gibt es ein Schülerferienticket. Damit sind Schüler im Alter bis einschließlich 20 Jahren in

ganz Thüringen mobil, egal, ob sie ins Freibad, zum Kletterwald oder einfach nur durch die Stadt bummeln

wollen. Das Ticket ist vom 18. Juli bis 30. August in ganz Thüringen gültig. Die ideale Gelegenheit für junge

Leute, in den Ferien schnell, einfach und unabhängig von den Eltern unterwegs zu sein.

Ab 14 Jahren brauchen Schüler einen gültigen Schülerausweis mit Lichtbild, eine Schulbescheinigung oder

eine Berechtigungskarte eines Verkehrsunternehmens.

Für einmalig 29 Euro ist es zu haben und berechtigt zu beliebig vielen Fahrten in Straßenbahnen, Bussen

sowie Nahverkehrszügen (2. Klasse) der beteiligten Verkehrsunternehmen. Die Tickets gibt es im EVAG-

Mobilitätszentrum am Anger, bei den EVAG-Agenturen, am EVAG-Fahrkartenautomaten

an der Haltestelle sowie in den TA/TLZ-Pressehäusern.

Mehr Informationen

unter www.evag-erfurt.de.

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Wanda und Christian

haben das kleine

Dampfhäuschen mit

einem Drachen verziert.

Gestaltet wurde das Fabelwesen von Wanda und Christian.

Die beiden malen, seitdem sie einen Pinsel halten können,

und das ist schon ziemlich lange. „Dach und Fassade des

Häuschens wurden saniert, da bot sich eine farbenfrohe

Gestaltung an“, sagt Manuel Röder, der sich über das Ergebnis

der beiden Sprayer freut, die ihr Atelier in der Salinenstraße

haben. Eine Adresse, die in der Welt der Erfurter

Künstler ein Begriff ist, denn die „Saline 34“ ist ein Projekt

des Plattform e. V. Vereinsmitglieder, Jugendliche und

junge Erwachsene haben das einst leer stehende Haus im

Erfurter Norden gemeinsam renoviert.

Herzstück des Künstlertreffs ist das offene Wohnzimmer

im Erdgeschoss. Hier fanden vor Corona kleine Konzerte,

Lesungen und Ausstellungen statt. Es ist zu einem wichtigen

Anlaufpunkt für Kreative geworden, auch für Wanda

und Christian, die ihre Pinsel in jeder freien Minute im

„Studio 34“ schwingen, als Ausgleich zu ihren Jobs. Gern

probieren sie neue Techniken aus. Graffitikunst zum Beispiel

ist für die beiden faktisch Neuland.

Erst seit einem Jahr arbeiten sie mit der Sprühdose, was

man ihrem Drachen nicht ansieht. „Am Anfang ist es komisch,

gerade, was die Koordination angeht. Für die erste

gerade Linie habe ich ewig gebraucht“, erzählt Wanda. „Die

Erfahrungen mit Pinsel und Farbe haben uns geholfen, auch

das Wissen über Bildkompositionen, das wir uns im Laufe

der Jahre angeeignet haben“, sagt Christian, der auch gern

mit Holz, vor allem mit alten Balken, arbeitet. Unter seinen

geschickten Händen entstehen Upcycling-Designgegenstände

wie Blumentöpfe oder Lampen. Inzwischen können

die beiden nicht mehr davon lassen, wollen gern mithelfen,

um Graffiti als Kunst zu etablieren, abseits von hässlichen

Schmierereien an Häuserwänden.

Die beiden wissen: Einfach lossprühen geht nicht. Wenn

es nach etwas aussehen soll, muss man sich schon Gedanken

machen. „Wir haben erst einige Vorentwürfe gemacht,

um zu sehen, wie Motiv und Farben zusammenwirken“, sagt

Wanda. Erst als die Planungen standen, zogen sie los. Zum

Glück ist das Häuschen nicht weit von ihrem Studio entfernt.

An den Wochenenden machten sie sich zu Fuß und

mit Leiter und Sprühdosen bepackt, die Taschen voll mit

Dosen, auf den Weg. Sie grundierten die Fläche und erstellten

Vorzeichnungen, bevor es dann ans Sprühen ging.

14 Stunden haben die beiden mit ihrem ganz persönlichen

Drachen verbracht.

Mehr über Wanda und Christian gibt es im Internet unter

www.studio34.me. Zum Comicpark im egapark am 22.

und 23. August sind sie auch dabei.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Im Video ist zu sehen, wie der Drache

entstanden ist. Einfach den

QR-Code scannen oder unter

www.stadtwerke-erfurt.de/swejournal

nachschauen.

Hier wird richtig

Dampf abgelassen

Drachen? Gibts nicht! In Erfurt schon. An der Salinenstraße,

direkt hinter den Bahnschranken, können

Neugierige ein besonders schönes Exemplar entdecken.

In changierenden Blau- und Grüntönen präsentiert

sich das Fabelwesen.

An manchen Tagen faucht es sogar. Dann steigen kleine

Dampfwölkchen auf. Akzente in Lila, Weiß, Schwarz und

Orange lassen das Tier auf einem kleinen Dampfhäuschen

der SWE Energie GmbH fast figürlich wirken. „Eigentlich ist

es ein Kondensathäuschen“, erklärt Gruppenleiter Manuel

Röder von der Abteilung Wärmenetz. Das Häuschen ist

eins von zweien und ist direkt mit der Dampfleitung der

Energie verbunden. Die führt von der Gas- und Dampfturbinenanlage

(GuD) bis zur Leipziger Straße. Mit den Erfurter

Teigwaren und dem Deutschen Milchkontor hängen

zwei Großkunden an der Leitung, die sie mit 180 Grad heißem

Dampf versorgt.

Und warum faucht der Lindwurm nun? „Beim Dampftransport

entsteht Kondensat, das über die Kondensatleitung

zurück zur GuD transportiert wird. Entsteht zu viel

Kondensat, wird eine Notentwässerung aktiviert, welche

dies über austretenden Wasserdampf reguliert. Dann erwacht

der Drache zum Leben und es steigen kleine Dampfwölkchen

auf“, sagt Manuel Röder.

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FAIRPLAY

kommt von

FAIRSTÄNDNIS

Zehn Jahre Girls Soccer Day

in Erfurt – zu Besuch bei der

Deutschen Soccer Liga e.V.

Straßenfußball ist nur was für Jungs! Von wegen! In Erfurt

sind die Mädels seit langem mit von der Partie. Dank

Christiane Bernuth von der Deutschen Soccer Liga e. V.,

die ihren Sitz in der schönen Stadt an der Gera hat. Vor

zehn Jahren hat sie den Girls Soccer Day ins Leben gerufen,

der in die Sparkassen Fairplay Soccer Tour eingebunden

ist. Das Besondere in Erfurt: Hier treten nur Mädchen

zum Straßenfußball an.

Mixmannschaften mit Jungs und Mädchen hat es schon

immer gegeben, aber reine Mädchenteams, das war ein

Novum und ist auch heute noch etwas wirklich Besonderes.

Das Gute daran: Es funktioniert. Denn auch die reinen

Mädchenteams schaffen es – allen Unkenrufen zum

Trotz – bis ins Bundesfinale der Sparkassen Fairplay Soccer

Tour, das regelmäßig in Prora, am schönsten

Sandstrand Rügens, stattfindet. 2019

traten fast 22.000 junge Spieler in den

regionalen und Landesausscheiden im

Straßenfußball an.

„Nur dieses Jahr ist alles anders,

schade. Ein Bundesfinale wird es

nicht geben, erst 2021 wieder“, sagt

Christiane Bernuth, verspricht aber:

„Der Girls Soccer Day wird stattfinden.

Es haben sich so viele angemeldet,

das wollen wir nicht

ausfallen lassen. Wir holen das

Turnier am 14. Oktober nach“,

sagt sie und freut sich schon,

viele bekannte Gesichter wiederzusehen.

„Es ist toll, wenn man sieht, wie

die Mannschaften über die Jahre

wachsen. Manche waren schon als

7-Jährige dabei und treten immer wieder

an, auch als Jugendliche“, sagt sie.

Als Präsidentin der Deutschen Soccer Liga

e. V. begleitet sie nicht nur den Erfurter Girls

Trikotversteigerung

Anlässlich des 10-jährigen Girls

Soccer Day versteigert die Deutsche

Soccer Liga ein Trikot der

Fußball-Nationalmannschaft der

Frauen. Gebote können bis zum

20. August per E-Mail an

info@soccer-tour.de

gerichtet werden.

Der Erlös geht

an das Albert-

Schweitzer-Kinderdorf

in Erfurt.

Soccer Day, der seit 2013 von den Stadtwerken Erfurt unterstützt

wird, sondern auch die deutschlandweite Tour

sehr intensiv.

„Die Soccer Tour ist die größte Veranstaltung, die Sport

und Pädagogik verbindet. Denn wichtiger als zu gewinnen,

ist das Fairplay. Wir setzen auf das achtungsvolle Miteinander.

Uns geht es darum, Konflikte achtsam anzugehen

und zu lösen, egal, ob auf dem Sportplatz oder auf

dem Pausenhof“, sagt sie. „Es kommt

gar nicht so sehr auf das Gewinnen

an, vielmehr geht es darum,

wie man im Spiel miteinander

umgeht“, erklärt sie. Manche

Zuschauer mag es verwundern,

wenn sich die Spielerinnen

nach dem Spiel

noch mal versammeln.

„Wir werten im Anschluss

jedes Spiel aus,

beurteilen die Fairness,

den Umgang mit dem

gegnerischen Team.

Und jede Spielerin

kommt zu Wort. Da

kochen die Emotionen

manchmal

ganz

Christiane Bernuth

setzt auf Fairness

und Fairständnis.

Vier Spieler treten im Soccercourt pro Mannschaft an.

Tormänner und -frauen gibt es bei der Soccer Tour nicht.

schön hoch. Aber es schult auch für das Miteinander in

Schule, Job oder Freizeit“, sagt Christiane Bernuth.

Für die Präsidentin und ihr Team ist Fairness keine Floskel.

„Das vermitteln wir immer wieder, im Spiel, aber auch

in Projekttagen rund um Vielfaltsbewusstsein, Teilhabe

und Fairplay“, erklärt die sympathische junge Frau. „Unser

Engagement geht weit über die sportliche Komponente

hinaus. Auch das Soziale ist wichtig. Man muss sich fragen,

was dazu führt, dass viele Schüler nicht mehr gern

zur Schule gehen“, sagt sie, betont aber auch: „Wir als Verein

können nur Impulse schaffen, die Lehrer müssen die

Schüler ein Stück mit begleiten, empowern und auf diesem

Wege alle Verantwortlichen enger zusammenbringen.“

Ein Anspruch, den der Verein lebt, den die Fairplay-Botschafter,

darunter auch bekannte Sportler, gern in die Welt

tragen. Zahlreiche Urkunden und Pokale, zum Beispiel der

DFB- und Mercedes-Benz-Integrationspreis oder Sparkassen-Ehren-Award,

schmücken das Büro der Deutschen Soccer

Liga, von dem man einen wunderbaren Blick auf die

Silhouette der Stadt hat. „Es ist schön zu sehen, dass unser

Engagement ankommt“, sagt Christiane Bernuth, die

Kinder aus allen sozialen Schichten und Kulturen stärken

möchte, damit sie ihren selbstbestimmten Lebensweg finden.

Sie wünscht sich, dass Bildung als Fundament für ein

individuelles, selbstwirksames und selbstbestimmtes Leben

sowie als immerwährende Basis für die Fortentwicklung

unserer Gesellschaft Anerkennung findet.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Mehr über Teamgeist, Spaß am Sport und Vielfalt

im Video der Sparkassen Fairplay Soccer Tour

2019: Einfach den QR-Code scannen oder unter

www.stadtwerke-erfurt.de/swejournal schauen.

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Der Anger wird zur

Großbaustelle

Es ist eine Operation am offenen

Herzen. Ein Herz, das bei der OP

zeitweise stillgelegt wird. Der „Patient“

ist das Angerkreuz. Bis zu

60.000 EVAG-Fahrgäste sind hier täglich

unterwegs, 72 Bahnen kommen stündlich

an.

„Der Anger wird während der Sommerferien

zur Großbaustelle“, sagt Michael

Nitschke, Betriebsleiter der EVAG.

Doch nicht nur das Angerkreuz muss „unters

Messer“, auch die Bahnhofstraße und

die Kreuzung Juri-Gagarin-Ring/Bahnhofstraße.

In der Bahnhofstraße werden die Gleise

erneuert, am Ring wird eine Brücke unter

den Gleisen ausgebuddelt, die Haltestellen

auf dem Anger werden um je 5 Meter

verlängert, um den neuen, längeren Straßenbahnen

Rechnung zu tragen. „Die Haltestellen

bekommen das geforderte Blindenleitsystem“,

sagt Nitschke.

Die Vorschriften zur Barrierefreiheit

schreiben zudem vor, den Spalt zwischen

Bahnsteig und Bahnen auf unter 5 Zentimeter

zu verringern – zurzeit sind es bis

zu 10 Zentimeter. Auch der vertikale Abstand

zwischen Bahnsteig und Einsteigekante

bei den Bahnen ist zu verringern:

von 10 auf 5 Zentimeter.

Ändert sich die Höhe des Bahnsteiges,

muss auch der Belag drumherum

angehoben oder abgesenkt werden (damit

das Regenwasser abfließen kann).

„Das betrifft rund 1.000 Quadratmeter.

Wenn wir schon am Anger dabei sind,

wollen wir auch die verschlissenen Weichen

am Gleisdreieck Anger 1 am Abzweig

Richtung Ringelberg erneuern. Die

sind wie die Schienen auf der Bahnhofstraße

rund 20 Jahre alt und am Ende“,

sagt Nitschke.

Probleme macht auch die Augustbrücke,

die einst die Wilde Gera überspannte

und seit 1898 unter der viel befahrenen

Kreuzung Ring/Bahnhofstraße verborgen

ist. Man hatte das Flussbett zugeschüttet,

den Löberring darauf angelegt, doch Teile

der Brücke stehen gelassen, sodass diese

unterhalb des Asphalts und der Gleise

verschwanden. Nitschke: „Später brach

ein Teil der Brücke bei Bauarbeiten ein,

das Gewölbe war den Lasten nicht gewachsen.“

Das marode Bauwerk wurde halbwegs

repariert, doch im Laufe der Jahre

stieg das Risiko, dass das Ganze nicht

mehr trägt. Einfach die Hohlräume unter

der Brücke zu verfüllen, wäre keine Lösung.

Unter den Brückenbögen liegen alte

gusseiserne Wasserrohre, die der neuen

Last nicht gewachsen wären.

Und so wird an einer der belebtesten

Kreuzungen der Stadt nicht nur die Brücke

zurückgebaut, auch das Loch muss verfüllt,

Wasserrohre müssen ausgetauscht

werden. Dazu eine neue Straßendecke für

den Stadtring und neue Schienen für die

Straßenbahnen.

EVAG-Betriebsleiter Michael Nitschke begutachtet

eine verschlissene Weichenzunge.

Einschränkungen in der Bauphase

Vom 18.07.–24.07.2020 wird der Bereich

in Richtung Ringelberg gesperrt.

Die Stadtbahn-Linie 2 wird umgeleitet.

Zwischen Ringelberg – Krämpfertor

– Busbahnhof fahren Busse.

Im Anschluss wird der Bereich in

Richtung Johannesstraße vom 25.07.–

31.07.2020 gesperrt. Betroffen sind

die Stadtbahn-Linien 1 und 5. Auch

hier werden Busse zwischen Lutherkirche/SWE

und Busbahnhof über

Krämpfertor eingesetzt.

In der Zeit vom 01.08.–11.08.2020

kommt es zu einer Teilsperrung der

Angerkreuzung. Änderungen auf allen

Stadtbahn-Linien sowie auf der

Bus-Linie 9 sind die Folge.

In der Zeit vom 12.08.–16.08.2020

muss die Angerkreuzung komplett

gesperrt werden. Um eine Anbindung

zwischen Domplatz und Anger zu ermöglichen,

wird eine Pendel-Bahn

zwischen Marktstraße und Pilse eingesetzt.

Während der gesamten Bauarbeiten

(18.07.–30.08.2020) sind auch

die Bus-Linien 9, 51 und 60 anzupassen.

Die Bus-Linie 9 verkehrt in beiden

Richtungen über Busbahnhof und die

Bus-Linien 51 und 60 werden geteilt.

Die Bus-Linie 51 verkehrt zwischen

Urbicher Kreuz und Busbahnhof sowie

zwischen Thomaseck und Möbisburg/

Molsdorf über Hochheim. Die Bus-Linie

60 fährt zwischen Urbicher Kreuz

und Busbahnhof sowie zwischen Thomaseck

und Möbisburg über Rhoda.

Weitere Informationen

unter www.evag-erfurt.de.

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SWE-Journal 02_2020

TEXT: HENRY KÖHLERT FOTOS: JACOB SCHRÖTER

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Aus Erfurt in die Welt

Naturbelassen und ohne Zusatzstoffe:

Heimathafen begeistert mit

traditionellem Bier

Jan Schlennstedt hat das Brauhandwerk

von der Pike auf gelernt.

In seiner Manufaktur am

Erfurter Zughafen braut er regionale

Biere ganz nach alter

Handwerkstradition.

Mehr zum Heimathafen und zu den Geheimnissen

alter Bierbraukunst gibt es

im Blog unter www.swefuererfurt.de

oder einfach den QR-Code scannen.

Sie heißen Gabi, Egon oder Jack... und alle sind etwas ganz

Besonderes. Während Gabi ein Garagenbier ist, das nicht

nur in einer solchen erstmals gebraut wurde, sondern auch

dort getrunken werden kann, orientiert sich Egon an der Olsenbande.

Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Während

Gabi ein süffiges Helles nach bayrischem Braustil ist, zeigt sich

der goldgelbe hopfenbetonte Egon etwas aufmüpfig, aber irgendwie

auch genial. „Ganz Egon Olsen halt“, meint Jan Schlennstedt.

Aktuell hat der Brauer aus Leidenschaft vier selbst gebraute

Biere dauerhaft im Angebot. Jedes ist einzigartig und

hat seine Liebhaber. Ein älteres Ehepaar zum Beispiel, das während

des Interviews hereinschneit, schwört auf Gabi und Jack.

Letzteres ist ein Pale Ale nach englischer Brauart und sehr stark

gehopft.

„Das muss man mögen“, meint Jan Schlennstedt, der immer

wieder neue Rezepte ausprobiert, anfangs sogar in der Garage

seiner Schwiegereltern. Dennoch hat der 35-Jährige das Brauhandwerk

von der Pike auf gelernt. „Brauer wollte ich schon immer

werden. Durch Zufall bin ich bei der Gilde-Brauerei in Hannover

gelandet, das war ein echter Glücksfall. Die Stadt ist toll,

hat viele coole Leute. Dort hab ich viel gelernt“, erzählt er. Dennoch

zog es ihn nach über zehn Jahren wieder nach Thüringen.

„Wir sind damals ganz bewusst durch die Kneipen und Restaurants

gezogen und haben gesehen, dass regionales Bier,

mit dem sich die Leute identifizieren können, hier nicht wirklich

eine Rolle spielt“, erzählt er von seinem Traum, für den er einiges

in Bewegung gesetzt hat. Vor drei Jahren gründete er seine

kleine Manufaktur im Erfurter Zughafen. Als Reminiszenz an

seine alte Heimat – den Kyffhäuserkreis – kommt die Gerste aus

Oberheldrungen, der Hopfen stammt aus Greußen. „Wir haben

direkten Kontakt zu den Bauern und fahren mit dem Fahrrad

auch schon mal die Felder ab“, erzählt er. Die Flaschen sind aus

Großbreitenbach, das Malz ist aus der Rhön.

Wer ein echter Brauer ist, der hat natürlich seinen ganz besonderen

Traum. Die Erfurter Schluntze wollte Jan Schlennstedt

gern wieder zum Leben erwecken. Vor 200 Jahren soll es

das beliebteste Bier in Erfurt gewesen sein, wegen seines Geschmacks

und seiner Farbe – und weil es mit 5,5 Volumenprozent

ordentlich Dampf hatte. In zahllosen Archiven stöberte Jan

Schlennstedt. Das Rezept aber fand er nicht, bis er irgendwann

mit einem befreundeten Saalfelder Braumeister am Tisch saß,

der ganz trocken meinte: „Die Schluntze? Das Rezept hab ich

doch“, sprachs und weihte den jungen Mann in das Geheimnis

des Bieres ein, das Jan Schlennstedt erstmals zur Erfurter Bierausstellung

braute und heute unter dem Namen „Erfurter

Urbier“ anbietet.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

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Paradiesische Zustände

Das Ende der Erfurter Deponie

TEXT: IVO DIERBACH FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Mit dem Leiter der Erfurter Deponie, Ronald König,

auf der Deponie unterwegs zu sein, hat eher etwas

von einer Naturwanderung als einem Gang

über Abfallberge. Überall grünt und blüht es. Hasen hoppeln

über Wiesen, man hört Fasane versteckt im dichten Buschwerk

mit einem krächzenden Laut rufen. Hauseigene Schafe

lassen sich das saftige Gras schmecken. „Deponiebienen“

summen vorbei, auf der Suche nach Nektar. Einfach idyllisch,

man vergisst schnell, dass man sich eigentlich auf einer Deponie

befindet.

Erinnert wird man daran nur durch eine verhältnismäßig

kleine graue Fläche, wo eine Art „Dampfwalze“ mit stählernen

Noppenrädern herumfährt. „Das ist der aktuelle Ablagerungsabschnitt

der Deponie“, erklärt König. So „richtiger“

Abfall ist das eigentlich auch nicht. Also nicht das, was in die

Hausmülltonne kommt. Diesen Abfall einfach so zu vergraben,

ist sowieso seit 2005 verboten. Hier kommt nur noch

die Schlacke aus der Restabfallbehandlungsanlage hin. Der

„Kompaktor“ – so heißt das Fahrzeug richtig – verdichtet die

aufgeschüttete Schlacke. Aber die Tage für den Kompaktor

und überhaupt der Deponierung in Erfurt sind gezählt. „Ab

31. Dezember 2021 wird hier keine Schlacke mehr verbuddelt“,

so Deponieleiter König. Schlacke muss nicht zwingend

auf die Deponie, sondern kann auch gut im Straßenbau oder

als Beimischung für Beton verwendet werden. Warum dann

noch deponieren? Von einer Schließung der Deponie kann

man trotzdem nicht sprechen, betont König.

Es gibt auch nach 2021 eine Menge zu tun, dafür brauche

man alle Mitarbeiter und das bis in die 2050er-Jahre. Was gemacht

werden muss, zeigt ein großer grüner Berg auf dem

Deponiegelände. Ein sogenannter „Altkörper“, wie die Deponiefachleute

es so schön nennen. Diese 40 Meter hohe Erhebung

enthält Erfurter Müll aus den Jahren 1976 bis 1993. Vor

27 Jahren stillgelegt und trotzdem wird noch etwas am Berg

gemacht? Ja, es zeigt, eine Deponiestilllegung oder besser

Deponierekultivierung ist ein langer Prozess. So ein Deponieberg

muss ungefähr 20 Jahre „ruhen“. Er setzt sich, wird

etwas kleiner mit der Zeit. Erst dann kann mit einer Bepflanzung

begonnen werden. Da wird aber nicht einfach auf den

Müll gepflanzt. Eine über 2 Meter hohe sogenannte Wasserhaushaltsschicht

wurde via GPS-Messung aufgetragen. Sie

soll verhindern, dass zu viel Regenwasser in den Deponieberg

einsickert. Darüber kommt dann Mutterboden für die

Pflanzen. Die Pflanzen, die sich hier am wohlsten fühlten,

wurden nach Versuchen von Fachleuten für die Rekultivierung

des Abfallberges ausgewählt.

Im Jahr 2010 begannen die Anpflanzungen, unter anderem

von Hundsrosen, bekannter als Hagebutten, Liguster

und Faulbäumen. Dazwischen wurde Platz gelassen für Wiesenflächen.

Selbst hier verteilten die Gärtner nicht einfach

irgendwelche Grassamen. Es waren Gras-Kräuter-Mischungen,

die Feldhasen mögen. In vier Jahren wurden so 90.000

Sträucher und Kleinstbäume auf dem alten Deponieberg gepflanzt.

Diese Buschlandschaft mit Totholz- und Steinhaufen

hat sich in der Tierwelt rumgesprochen. Echsen, Feldhasen,

Rebhühner, Fasane, Rehe, Rote Milane fühlen sich hier wohl.

Aber auch Menschen erfreuen sich an der Naturidylle. Seit

mittlerweile zehn Jahren wandern bis zu 200 Naturfreunde

von jung bis alt einmal im Jahr über die Deponie. Naturidylle

und Deponie passen nicht? Doch! Das wird in 30 Jahren

Pensionär Ronald König seinen Enkeln bei einer Wanderung

über die Deponie zeigen können und dabei ein leckeres Deponiehonigbrötchen

verzehren.

Ronald König

leitet die Deponie

in Erfurt.

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Die Monteure Mario Kranhold

(21 Jahre dabei) und

Stefan Hartung (30 Jahre

dabei) verkleiden Teile der

Anlage mit millimetergenau

gefertigtem Blech.

„Wir arbeiten zum Beispiel in öffentlichen Einrichtungen

wie Krankenhäusern, Universitäten, Eissporthallen,

bei der Polizei, zurzeit auch im Wüsten- und Urwaldhaus

Danakil im egapark – wo eben eine Dämmung gebraucht

wird“, sagt Mock. Wie in der GuD: „Die Dämmung, die

wir anbringen, sorgt dafür, dass bei der Strom- und Wärmeerzeugung

möglichst wenig Energie verloren geht.“

Zwei Dinge sind bei der Dämmung für den Abhitzekessel

besonders wichtig: Zum einen das Dämmmaterial,

zum anderen das verzinkte Stahlblech, das alles schützt

und zusammenhält. „Es gibt viele verschiedene Arten

der Dämmung, zum Beispiel Steinwolle oder Glaswolle.

Bei der Herstellung wird das Glas oder der Basalt erst

verflüssigt, dann werden hauchdünne Fäden daraus gezogen

und versponnen“, sagt Mock. Die werden zu unterschiedlich

dicken, weichen Lagen zusammengelegt.

Dazwischen ist dann ganz viel Luft – die eigentliche Isolierung.

Je mehr Luft, desto besser.

Erfurter Höllenhitze

richtig gut verpackt

Sanierungsarbeiten in der Gas- und Dampfturbinenanlage

Hinter der gerade mal 30 Zentimeter dicken Schicht aus

Spezialwolle herrschen höllische 520 Grad. Es ist ultraheiße

Luft, die von einer Flugzeugturbine erzeugt wird

und die aus Wasser heißen Dampf macht – um daraus

schließlich Energie zu gewinnen. Doch wer das dünne

Blech anfasst, das die Wolle aus Stein und Keramik ummantelt,

staunt: Gerade mal 50 Grad ist es warm – trotz

des Infernos, das nur wenige Zentimeter davon entfernt

abgeht.

Wie geht das? Hexenwerk?

Keineswegs. Es ist gute deutsche Handwerkskunst, die

zurzeit in der Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) der

SWE Energie GmbH dafür sorgt, dass Erfurt auch weiterhin

zuverlässig mit Strom und Fernwärme versorgt wird.

Denn einer der Abhitzekessel, in dem die heiße Luft der

Turbine den ultraheißen Dampf erzeugt, wird überholt

– und die Monteure von der Firma Mock-Isoliertechnik

GmbH müssen dazu die Dämmungen erst demontieren,

dann entsorgen und nach erfolgreicher Sanierung wieder

isolieren sowie auf den neuesten technischen Stand

bringen.

„Wir haben hier in zwei Wochen Arbeit rund 15 Tonnen

Dämmung rausgeholt“, sagt Benjamin Mock, einer der

beiden Geschäftsführer. 38 Frauen und Männer arbeiten

in der Firma aus Bad Langensalza, 26 davon sind Monteure.

„Die Kollegen haben Wärme-, Kälte-, Schall- und

Brandschutzisolierer gelernt, sind also Experten in Sachen

Dämmung. Ihr Job ist es, einfach gesagt, die Energie

dort zu lassen, wo sie hingehört.“ Also die Hitze im

Kessel, die Kälte in den Kühlkammern…

„Unser Job ist es, die perfekte Dämmung für das Objekt,

um das es geht, zu planen und anzulegen. Das lässt

sich ganz genau berechnen“, sagt Mock. So bekommt der

Abhitzekessel in der GuD erst eine 5 Zentimeter dicke

Schicht aus Keramikfaser verpasst (die hält bis zu 1.000

Grad aus), dann folgen 25 Zentimeter Steinwolle. Beide

Produkte sind übrigens made in Germany.

Über 30 Jahre Qualitätsarbeit

So wie früher ein Ritter in einer Rüstung steckte, bekommen

viele Anlagen bei der Industrieisolierung ein Blechkleid

verpasst. Mock: „Das bis zu 1 Millimeter starke Blech

muss sich um die Dämmung legen, und damit das Ganze

auch millimetergenau passt, berechnet ein Computer die

Maße der einzelnen Teile.“ Eine Spezialmaschine aus der

Schweiz (kostet rund 500.000 Euro) formt dann vollautomatisch,

was vom Techniker gewünscht wird – rund oder

eckig, mit Löchern oder ohne, gestanzt und geschnitten.

„Die Maschine könnte übrigens auch Teile für Ritterrüstungen

fertigen oder Figuren aus Blech – wenn man sie

entsprechend programmiert“, sagt Mock.

Übrigens: Die Firma wurde 1983 von Benjamin Mocks

Vater in Bad Langensalza gegründet, zehn Mitarbeiter arbeiteten

bis zur Wende mit dem Diplom-Ingenieur für

Bauwesen. Mock Senior ist wie sein Sohn übrigens ein

Erfurter. Benjamin Mock: „Wir machen rund sechs Millionen

Euro Umsatz im Jahr, haben in den vergangenen

zehn Jahren über 3.000 Aufträge abgearbeitet.“ Der wohl

spektakulärste Auftrag führte Mocks Trupp nach Berlin,

auf die Museumsinsel. Fünf Jahre dauerten die Arbeiten

am Neuen Museum…

TEXT: HENRY KÖHLERT FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Beeindruckender Blick auf einen Abhitzekessel – in den zum

Teil über mannshohen Rohren herrschen bis zu 520 Grad.

Zwei Chefs und eine Maschine: Benjamin Mock (li.) und

André Pfennig vor der Mabi aus der Schweiz. Mit ihr werden

die Blechverkleidungen gefertigt.

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Jürgen Münch und Dorothea Bergmann

sind gern in der Gartenanlage unterwegs

und schauen, ob alles in Ordnung ist.

Auf dem Weg zum

Insektenparadies

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21x1000: Wildblumen für die BUGA –

Kleingartenverein iga 61 e.V. stellt sich vor

Mit Jürgen Münch durch die Kleingartenanlage

im egapark zu gehen, ist ein Erlebnis. Während

wir plaudernd über die Wege schreiten, bleibt er

hier und da an einer Parzelle – 29 gibt es davon insgesamt

– stehen, grüßt, lacht, fragt, wie es geht. Der 68-Jährige

kennt alle seine Pappenheimer. Seit 2012 ist er der

Vorsitzende der Kleingartenanlage iga 61 e. V. Die Anlage

aber kennt er schon von Jugend an. „Ich glaub, ich war

13, als meine Eltern hier einen Kleingarten gepachtet haben,

ich war damals schon oft hier oben“, erzählt er. „Wir

sind hier eine eingeschworene Gemeinschaft, kennen uns

schon Jahrzehnte“, sagt er. Dorothea Bergmann nickt dazu.

Sie gehört auch zum Vorstand und hat ihr eigenes kleines

Reich am Rande des egaparks.

Nur wenige der alteingesessenen Pächter sind noch da.

Die meisten haben den Garten inzwischen an die Kinder

oder Enkelkinder abgegeben. „Viele schaffen hier in der

zweiten oder sogar schon in der dritten Generation. Aber

auch neue Kleingärtner sind dazugekommen. Das ist toll,

wir freuen uns, wenn wieder Leben in die Anlage kommt. Es

geht doch nichts über Kinderlachen“, meint Jürgen Münch

und grüßt eine junge Familie, die gerade ihren Garten für

die Saison fit macht.

Die Kinder spielen in der Hängematte, die Eltern sind

mit Schubkarre und Schaufeln unterwegs und wechseln

ein paar freundliche Worte mit ihm. „Das war nicht immer

so, eine Weile waren wir hier ganz schön überaltert, inzwischen

ändert sich das wieder“, sagt Jürgen Münch, während

wir an einem kleinen Garten vorbeikommen, aus dem

ein Häuschen in architektonischer Ursprungsversion von

Prof. Reinhold Lingner hervorblitzt. Es ist originalgetreu

erhalten. Wir staunen. Früher sahen hier alle so aus, aber

SWE-Journal 02_2020

wenn man auch am Wochenende mit der Familie hier sein

möchte, ist es mit seinen 9 Quadratmeter doch ein bisschen

klein. Inzwischen sind die Lauben größer. Der Geist

des Kleingartens aber ist hier überall zu spüren. „Wir gehen

zwar nicht mit dem Zollstock durch, aber ein Drittel

Erholung, ein Drittel Nutzgarten, ein Drittel Laube gehört

auch bei uns dazu, alles andere widerspricht dem Prinzip

des Kleingartens“, betont Jürgen Münch, der selbst schon

seit 39 Jahren Mitglied im Verein ist und gerade ein neues

Projekt hat.

Auf einer kleinen Brachfläche, früher gab es hier einen

kleinen Spielplatz, soll eine Blumenwiese entstehen, ein

Paradies für Insekten. „Die ega macht das immer so toll,

das wollen wir auch“, sagt Dorothea Bergmann, die selbst

von Haus aus Gärtnerin für Zierpflanzen, inzwischen aber

im Ruhestand ist. Und da man im Paradies vielleicht

auch übernachten will, soll auch ein Insektenhotel

gebaut werden. Leider sind die Arbeiten ins

Stocken gekommen. „Aufgrund der Corona-Krise

konnten wir lange Zeit keine Arbeitseinsätze

machen“, sagt Jürgen Münch und schaut etwas

betrübt auf die Fläche. Zwar wurden die Baumwurzeln

schon entfernt, die Hecke beschnitten, auch das Holz für

das Insektenhotel liegt schon da. Aber es geht nicht weiter.

Detailliert hat er aufgezeichnet, wie die Fläche aussehen

soll. Jürgen Münch rollt seinen Plan aus und erklärt: Links

liegt ein Totholzstapel, ein Stück entfernt ist ein Steinhaufen

geplant, in der Mitte soll das Insektenhotel krabbelnde

Besucher locken, rechts gibt es einen Reisig- und

Ästehaufen und ein Hochbeet für Gemüse – und das alles

inmitten einer farbenfrohen Wildblumenwiese. „Jetzt

stocken die Arbeiten. Wir wollten schon viel weiter sein,

ob wir die Wiese dieses Jahr noch richtig zum Blühen

kriegen? Nächstes Jahr zur BUGA ist sie bestimmt richtig

schön bunt“, meint er. Das allerdings ist nicht das einzige.

Wenn 2021 die Bundesgartenschau in Erfurt stattfindet,

dann will sich auch der Kleingartenverein, den es

schon länger als die iga 61 gibt, präsentieren,

auf Schautafeln erklären, was den Kleingarten

als solchen auszeichnet, die Faszination

der Städter fürs kleine Fleckchen Erde transparent

machen.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTO: KARINA HEßLAND-WISSEL

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#swelokal: Eis, Eis, Baby

Zum Sommer in der Stadt gehört das Vergnügen, ein leckeres Eis zu schlemmen. Wir haben vier

unterschiedliche Eisdielen in Erfurt besucht - eine leckere, erfrischende und informative Reise.

San Remo

Beliebteste Sorte: Cookie-Eis

Platz: 100 Plätze innen,

60 Plätze außen

Webseite:

www.san-remo.de

Adresse:

Erfurt, Marktstraße 21

Öffnungszeiten:

Montag bis Sonntag

11.00 Uhr bis 20.00 Uhr

Schimmi’s Eiseck

Beliebteste Sorte:

Vanille, Erdbeere,

Schoko pur

Platz: außen 50, innen 70

Webseite: keine

Adresse:

Gispersleben, Ringstraße 13

Öffnungszeiten:

Montag bis Sonntag

13.00 Uhr bis 19.00 Uhr

Veronika und

Alfred Schindler

Susanne Weber mit

Mitarbeiterin Johanna

Riechling

Kurz nach der Wende, 1991, eröffnete Susanne Weber mit ihrem Mann in der Marktstraße das

Eiscafé San Remo. Stammgäste kommen von überall her, früher als Kind, heute mit den eigenen

Kindern. Gäste können aus 18 Eissorten auswählen. Die Eisbecherkarte ist fünf Seiten lang. Die gelernte

Gastronomin Susanne Weber hat sich mit ihrem Eiscafé einen Traum erfüllt und sich damit

auf ihre italienischen Wurzeln besonnen – ihr italienischer Familienzweig kommt aus San Remo.

Beliebteste Sorte:

Karamell Fleur de Sel

Platz: außen 38, innen 50

Webseite: keine

Adresse:

Erfurt, Rathausbrücke 10

Öffnungszeiten:

Montag bis Sonntag

10.00 Uhr bis 20.00 Uhr

Eiscafé Riva

Das alteingesessene Schimmi’s Eiseck in Gispersleben kennt fast jeder. Schließlich kann man

bei Alfred und Veronika Schindler seit 1971 den Gaumen lecker abkühlen. Angefangen hat

Bäckermeister Alfred Schindler 1970 mit einer Bäckerei. Zum Eisschlemmen kommen vor allem

Stammgäste von nah und fern, die zwischen 20 Sorten auswählen können. Alfred Schindler

isst auch gern Eis, aber am liebsten „nakschd“, wie er so schön sagt. Das ist natürlich auf

das Eis bezogen.

Beliebteste Sorte:

Brückentrüffeleis

Platz: Stehtische vor dem

Eiskrämer, um die

Ecke Kleinvenedig

Webseite:

www.goldhelm-schokolade.de

Adresse:

Erfurt, Krämerbrücke 15

Öffnungszeiten:

Montag bis Sonntag

12.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Eiskrämer Goldhelm

Eiskrämer Mario Löffler

Paolo und Sandra Zago

An der Ecke Wenigemarkt und Rathausbrücke gibt es seit 1998 das Eiscafé Riva. Paolo

Zago hat es 2006 mit seiner deutschen Frau Sandra übernommen. Zago lernte die Eiswelt

als Vertreter eines großen Eisproduktherstellers kennen. Als ein Nachfolger für das

Riva gesucht wurde, schlug er zu und erfüllte sich und seiner Frau einen Traum: ein eigenes

Eiscafé. Im Riva werden 30 Sorten Eis angeboten. Besonders stolz ist Zago auf sein

Eis mit Pistazien aus Castania-Nüssen.

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SWE-Journal 02_2020

Goldhelm ist bekannt für einzigartige Schokoladenkreationen. Beim Schlendern über die

malerische Krämerbrücke kann man seit vier Jahren auch 26 einzigartige Eissorten kosten.

Nicht fehlen darf hier der beliebte Brückentrüffel auf dem Eis. Der Eiskrämer Mario Löffler

liebt besondere Kreationen, eine davon ist das Stachelannone-Eis. Diese Frucht hat Mario

in Andalusien kennengelernt. Wer Krämereis-süchtig geworden ist, kann das Eis auch

nach Hause liefern lassen.

TEXT: IVO DIERBACH FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

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Diese sechs Männer bringen Glasfaser unter

die Erfurter Erde (von links): Techniker

Sandor Fazekas, Fachverantwortlicher Stefan

Schwarzer, Projektleitung Sebastian Frankenberger,

Bauleiter Frank Löffler, Prokurist

Christian Franke, Techniker Sven Hasenstein.

Diese Herren machen

Erfurt GIGABITSCHNELL

SWE Digital startet mit dem Ausbau von Glasfaser

Mist, schon wieder abgestürzt…

Das kennt wohl jeder: Mitten im Film fängt das Bild an

zu ruckeln, bei Livesportübertragungen bricht die Verbindung

im entscheidenden Moment zusammen. Computerspiele

schleichen aufreizend langsam vor sich hin, obwohl

sie gerade noch halbwegs flüssig liefen. Videokonferenzen,

die seit Corona sowohl privat als auch dienstlich

schwer in Mode sind, brechen plötzlich zusammen, die

Stimmen der Beteiligten klingen wie aus dem Nirwana.

Von wegen schnelles Internet…

„Surfen Sie in Erfurt mit Gigabit-Geschwindigkeit“, verspricht

die SWE Digital GmbH, ein Tochterunternehmen

der Stadtwerke Erfurt Gruppe. Dahinter verbirgt sich ein

neues Geschäftsfeld des kommunalen Unternehmens:

„Wir wollen Erfurt Stück für Stück mit Glasfaser versorgen“,

sagt Bauleiter Frank Löffler. Ein Projekt, das in seiner

Gesamtheit einige Jahre in Anspruch nehmen wird.

Los gings im März 2020 in der Krämpfervorstadt. Löffler:

„Die Bauarbeiten sind in sechs Abschnitte unterteilt

und reichen vom Güterbahnhof entlang der Stauffenbergallee

bis hin zur Leipziger Straße.“ Das Gebiet nördlich der

ICE-City zählt zu den aufstrebenden Gegenden in Erfurt.

4.200 Kunden bekommen „ihr“ Glasfaserkabel bis in die

Wohnung gelegt, können dann mit maximal 1 Gbit im Internet

unterwegs sein.

Denn Kabel ist nicht gleich Kabel. „Das Datenvolumen

wächst, gerade in den Zeiten von Homeoffice. Die Anforderungen

an den schnellen und vor allem auch sicheren

Datentransport steigen. Eine immer größere Anzahl von

miteinander verknüpften Geräten, Anwendungen und

Nutzern bringt die bisherige kupferbasierte Technologie

an ihre technischen Grenzen“, sagt Frank Löffler.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Daten von A nach

B zu transportieren. Zum einen die guten alten Kupferleitungen,

dann die Koaxialkabel und die Glasfaser. Koaxialkabel

schaffen bis zu 400 Mbit/s, Kupfer gerade mal

250 Mbit/s, Glasfaser aber 1.000 Mbit/s und mehr. Löffler:

„Bei den beiden Erstgenannten gehen alle Daten durch

ein Kabel, beeinflussen sich dort gegenseitig. Das bedeutet,

dass es wie bei einem Flaschenhals mit der Datengeschwindigkeit

immer enger wird, je mehr Nutzer ebenfalls

Daten verarbeiten.“ Kurz: Je mehr Nutzer, desto weniger

Leistung gibts für den Einzelnen.

Jeder hat seine eigene Faser

Das kann bei Glasfaser nicht passieren. Denn: Jeder Nutzer

hat seine einzige, haardünne Faser, auf die nur er

zugreift. Löffler: „Der größte Pluspunkt ist die äußerst

schnelle und störungsfreie Übertragung großer Datenmengen,

da diese rein optisch geschieht.“ Während Endnutzer

bei Koaxial- und Kupferkabeln mit „bis zu“-Datenmengen

unterwegs sind (also nur in den seltensten Fällen

mit voller Kraft), bietet Glasfaser IMMER die Höchstleistung

an Datengeschwindigkeit. Löffler: „Die Skandinavier

haben den Vorteil von Glasfaser schnell erkannt, liegen

im Europavergleich weit vorne.“

Löffler weiter: „Die Stadtwerke haben bereits Erfahrungen

mit Datennetzen, wir haben jetzt schon ein weit verzweigtes

Glasfasernetz unter der Erfurter Erde, dass wir

für unsere eigene Datenübertragung nutzen.“ Die Glasfaser

liegt übrigens oft neben den Kupfer- und Koaxialkabeln

anderer Anbieter. Löffler: „Wir als SWE Digital

haben drei Aufgaben: Glasfaser verlegen, Daten transportieren

und schließlich die dazugehörigen SWE Produkte

wie zum Beispiel Internet, Telefonie und TV-Angebote

zu vermarkten.“ Mit der Firma 1&1 Versatel Deutschland

GmbH haben die Stadtwerke einen Partner gefunden, der

als Dienstleister entsprechende Vordienstleistungen im

Programm hat und so die SWE Digital GmbH in der Bereitstellung

der Produkte unterstützt.

„Wir wollen im Spätsommer 2020 unseren ersten Kunden

am Glasfasernetz haben, sind mit marktüblichen Preisen

unterwegs“, sagt Löffler. „Und wir sind zurzeit einer

der wenigen auf dem Markt, die 1.000 Mbit/s anbieten

können. Es ist ein regionales Produkt eines regionalen,

kommunalen Unternehmens, bei dem die Mitarbeiter vor

Ort sind, die Beratung im Kundenzentrum der Stadtwerke

in der Magdeburger Allee stattfinden kann.“

Weitere Ausbaugebiete in der Landeshauptstadt Erfurt

wollen die Stadtwerke mit Glasfaser versorgen, doch bis

es so weit ist, werden noch einige Jahre vergehen. Löffler:

„Die Glasfaser muss zuerst einmal unter die Erde und

die Eigentümer der Häuser und Wohnungen müssen auch

einwilligen, dass wir die Glasfaser bis in die Wohnungen

ziehen. Das geht leider nicht von heute auf morgen, wir

konzentrieren uns von Abschnitt zu Abschnitt.“

TEXT: HENRY KÖHLERT FOTOS: JACOB SCHRÖTER

Diese Kabel

machen das

Surfen schnell.

Warum Glasfaserleitungen

Nur wenn Sie eine Glasfaserleitung bis in die Wohnung

haben (FTTH = Fiber To The Home), fließt der

Datenstrom garantiert unverzögert mit voller Kapazität.

Denn so teilen Sie sich die Leitung nicht mit

weiteren Anwohnern, wie es beim herkömmlichen

Netz der Kupferleitungen für DSL heute immer noch

der übliche Standard ist. Auch VDSL, ein Netz, welches

zum Teil mit Glasfaser ausgestattet ist, nutzt

über die „letzte Meile“ (vom Verteilerkasten bis ins

Haus) noch das herkömmliche Kupferkabel. Dabei

werden Übertragungsraten deutlich reduziert und

die Geschwindigkeiten brechen ein. Nur mit FTTH

bekommen Sie ein 100 Prozent kupferfreies Glasfasernetz

ins Haus.

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Silvia Wagner, Stephan

Scheidemann und Frank

Spangenberg zur Baubesprechung

in der Peterskirche.

Zur BUGA ist eine

Ausstellung zum Thema

„Paradiesgärten Gartenparadiese“

geplant. Auch die

Geschichte des Baus wird

thematisiert. Außerdem

wird es einen Veranstaltungsbereich

geben.

KLEINOD auf

dem Petersberg

Die Peterskirche – ein architektonisches Kleinod mit romanischen Ursprüngen.

28

Wenn sich Silvia Wagner, Frank Spangenberg

und Stephan Scheidemann auf dem Erfurter Petersberg

treffen, wird es interessant. Sie haben

viel zu bereden. Gerade, was die historischen

Fakten angeht, kann es spannend werden, wenn

man den dreien zuhört.

So schmückt der ehemalige Turm der Fronleichnamskapelle

seit 1812 die Dorfkirche in

Dittelstedt, weiß Frank Spangenberg zu berichten,

während Stephan Scheidemann fast liebevoll

über die stümperhaft wirkenden Betonausbesserungen

der Preußen streicht. „Auch das ist

historisch und zeigt, dass es Beton, wie wir ihn

heute kennen, schon Anfang des 19. Jahrhunderts

gab“, erklärt er.

Silvia Wagner erzählt, dass Dittelstedt mehrfach

von den Umbauten auf dem Petersberg

profitiert hat. So stammt nicht nur der Barockaltar,

sondern auch eine Kreuzwegdarstellung in

der Kirche aus der Fronleichnamskapelle der Erfurter

Peterskirche. Und ein Teil der Orgel befindet

sich heute in der Kirche in Büßleben.

Silvia Wagner ist Architektin bei der Stiftung

Thüringer Schlösser und Gärten und hat die Projektleitung

für die große Baustelle Peterskirche.

Frank Spangenberg ist der zuständige Planer

und Bauleiter, Stephan Scheidemann Restaurator.

Sein Spezialgebiet: die Restaurierung von

Steinbauten. Alle drei eint ein großes Ziel: der

SWE-Journal 02_2020

Peterskirche wieder zu ihrem alten Glanz zu verhelfen, was

keine leichte Aufgabe ist.

Denn anders als die Preußen, die das großartige Gebäude

brachial in ein Proviantmagazin umwandelten, will man

heute Zeugnis über die verschiedenen Phasen ablegen,

egal, wie schlecht sie sich auf den Bau auswirkten. Wer genau

hinschaut, sieht, mit welcher Gewalt Holzbalken zwischen

die Pfeiler getrieben wurden, erkennt Brandspuren,

Einschusslöcher. All das soll erhalten werden, denn es gehört

zur Geschichte der Peterskirche dazu, die einst vier

Türme zierten. Das erste, was Besucher sahen, lange, bevor

sie die Stadtmauern erreichten, war die Peterskirche, die für

ihre Steinbearbeitung bekannt ist. 2 Meter lang und 30 bis

40 Zentimeter tief sind die Blöcke aus Buntsandstein. Über

Pressfugen sind die gewaltigen Steine miteinander verbunden,

Mörtel findet sich kaum.

Dass hier einst die Staufer ihre Reichstage abhielten, Geschichte

geschrieben wurde – zählte bei den Preußen nicht

mehr. 1818/19 wurden große Teile der Kirche abgerissen,

nachdem sie 1813 durch feindlichen Beschuss teilweise zerstört

wurde. Auch das Kloster, das bereits 1803 säkularisiert

wurde, lag in Schutt und Asche. Hier – in der Peterskirche –

unterwarf sich einst Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern

und Sachsen, nach jahrelangen Zwistigkeiten seinem Kaiser

Friedrich Barbarossa.

Der Peterskirche hat das wenig genutzt. Zweckmäßigkeit

galt als Parole im Soldatenstaat. Die gewaltigen Osttürme,

die weit über Erfurt hinaus zu sehen waren, waren

den Preußen ein besonderes Ärgernis, ebenso wie das Mittelhaus.

Beide wurden abgetragen, gaben sie doch perfekte

Ziele für einen Beschuss ab. „In der Höhe fehlen heute

fast 40 Prozent des Mittel- und Querschiffs“, bedauert Silvia

Wagner.

„Vielleicht aber haben die Zerstörungen in der Kirche auch

dazu geführt, dass der Baudenkmalschutz sich entwickeln

konnte“, sinniert Stephan Scheidemann. Denn nur wenige

Jahre später kam es zu einem Umdenken. 1843 gab es in

Preußen den ersten Kurator, auch Denkmalpfleger genannt.

Für die Peterskirche war es da allerdings schon zu spät.

Nur die Rötelzeichnungen (Vorzeichnungen) der Aposteldarstellungen

in der Vorhalle sind erhalten.

Silvia Wagner zeigt die Höhe des ursprünglichen Chores

der Kirche, der beim Umbau in ein Proviantmagazin abgetragen

wurde.

Fast ehrfürchtig stehen die drei im Kirchenschiff. „Jetzt,

wo die Zwischendecken entfernt wurden, hat man endlich

wieder ein Raumgefühl, sieht, wie großartig der Bau angelegt

ist mit seinen über 30 Metern Länge“, schwärmt Frank

Spangenberg.

Viel gibt es zu tun. „Aktuell konzentrieren wir uns auf die

Sanierung der Außenhülle und die statische Sicherung. Im

Innenraum erfolgte eine Teilöffnung der Decke im Erdgeschoss.

Fußboden und Gebäudetechnik werden saniert, der

Hausschwamm beseitigt, Außenanlagen neu gestaltet. Alles,

um die Kirche als Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche

für die BUGA herzurichten“, sagt Silvia Wagner. 5 Millionen

Euro gab es dafür vom Land Thüringen. Die Außenhaut

präsentiert sich wieder in hellen Tönen. Von den ehemals

nahezu schwarzen Verfärbungen, der Patina der Jahrhunderte,

künden nur noch einzelne Steine, die bewusst ins

Mauerwerk integriert sind. Einst verborgene Details sind

wieder sichtbar, der Schmerzensmann, eine Ritzzeichnung

aus dem 14. Jahrhundert, ebenso wie die drei Sonnenuhren.

„Wunderbar sind auch die Würfelfriese am

Traufgesims der südlichen Außenwand, die von großer

Handwerkskunst zeugen“, sagt Silvia Wagner und verweist

auf die exakt gearbeiteten Klötzchen, die wie ein Schachbrett

aus dem Sandstein herausgearbeitet sind. Im Innenraum

der Klosterkirche haben sich Wandmalereien aus

dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts erhalten. Besonders

beeindruckend: zwei überlebensgroße Aposteldarstellungen

an zwei Pfeilern in der Vorhalle. Die Rötelzeichnungen

wurden bei bauhistorischen Untersuchungen

entdeckt, die in den 1990er-Jahren von der Stiftung Thüringer

Schlösser und Gärten in Auftrag gegeben wurden.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Mehr zur Peterskirche im Blog.

Einfach den QR-Code scannen

oder unter www.stadtwerke-erfurt.de/swejournal

nachschauen.

SWE-Journal 02_2020 29


Der LOCKRUF

des Gartens

MDR-Sendung

seit 20 Jahren

Quotengarant

Moderator und Regisseur Jens

Haentzschel im Gespräch mit

egapark-Gärtnermeister

Jürgen Meister.

Fernsehaufnahmen mit Moderatorin

Diana Fritzsche-Grimmig.

D

30

er MDR-Garten widmet sich seit 20 Jahren der

Leidenschaft für alles Grüne. Er ist Vermittler zwischen

Experten und Freizeitgärtnern, öffnet die

Gartenwelt für Themen jenseits des eigenen Zauns.

Die Idee, den Garten ins MDR-Fernsehen zu holen,

Experten zu Wort kommen zu lassen und grüne Themen

für Laien aufzubereiten, stammte ursprünglich von

Claudia Look-Hirnschal, viele Jahre war sie das Gesicht

des MDR-Gartens. Seit ihrem frühen Tod moderieren

Jens Haentzschel und Diana Fritzsche-Grimmig abwechselnd

die quotenstarke Sendung, die am Sonntagvormittag

die Gartenfreunde und Pflanzenfans an den Bildschirm

lockt. Jens Haentzschel, seit 2002 im Team, ist Regisseur,

Autor und Moderator. Er liebt die Vielschichtigkeit, die ihm

alle drei Aufgaben abverlangen.

Ein eigener Garten ist eine Freizeitbeschäftigung mit

doppeltem Mehrwert: Selbst gezogenes Gemüse, liebevoll

gepflegte Blumen oder handgepflücktes Obst sind

Teil einer naturnahen Lebensweise. „Gartenpflege bedeutet

nicht nur Arbeit, das Graben, Säen oder Pflanzen hilft

Stress abzubauen und wirkt positiv auf die Seele. Vielleicht

werden Gartenthemen nicht zuletzt deshalb in allen

Altersgruppen immer beliebter. Neben den typischen

Kleingartenfans sind es in den letzten Jahren Stadtgärtner,

die dem Lockruf ins Beet folgen. Stammten die Gärtner

früher aus der Generation der Eltern und Großeltern,

so entdecken viele junge Erwachsene jetzt das grüne

Hobby für sich“, denkt Jens Haentzschel über den Generationswechsel

im Garten, der auch bei den Zuschauern

zu registrieren ist.

Ein eigenes Areal im egapark war seit 2014 Drehort für

die halbstündigen Sendungen. Die egapark-Gärtnermeister

Uwe Schachschal und Jürgen Meister haben den regelmäßigen

Expertengesprächen besondere Bekanntheit zu

verdanken. „Ihren Gartentipp aus der Sendung am Sonntag

habe ich gleich ausprobiert, das haben Sie sehr anschaulich

erklärt“, so werden beide öfter im Park von den

Besuchern angesprochen. Es ist eine Win-win-Situation für

den egapark und den MDR: eine blumig-schöne Kulisse

SWE-Journal 02_2020

für die Sendungen und ein Ort des Wiedererkennens für

die Parkbesucher. In diesem Jahr ist das Drehteam häufiger

auswärts, erzählt Jens Haentzschel. Der egapark verändert

sich für die BUGA im kommenden Jahr. Themengärten

werden überarbeitet, Pflanzungen neu gestaltet,

Gebäude oder Anlagen saniert. Das MDR-Gartenteam besucht

andere Parks und Gärten, von denen es in Thüringen

eine große Zahl gibt. Ein grüner Schatz, für den die

Bundesgartenschau im kommenden Jahr gleichfalls begeistern

will.

Gern kommen die MDR-Fernsehgärtner aber in den

egapark zurück. Hier finden sie gärtnerisch alles, was es in

Deutschland so kaum an einem Ort gibt. Gemeint ist damit

auch ein Kleinod wie das Deutsche Gartenbaumuseum,

mit dem der Dreiklang Garten, Historie und Bildung vollständig

ist, der zu einer MDR-Gartensendung gehört. Die

gibt es 2020 auch in Gebärdensprache. Das MDR-Gartenteam

hat dafür viele positive Reaktionen erhalten und freut

sich über noch mehr Fans der wöchentlichen Sendungen.

TEXT: CHRISTINE KARPE

FOTOS: CHRISTIAN FISCHER, JENS HAENTZSCHEL

SWE-Journal 02_2020 31


Weimars großartige

Orte zum Erleben

und Genießen

25 einzigartige Parks und Gärten aus dem grünen Schatz Thüringens

präsentieren sich 2021 zur Bundesgartenschau. Sie verkörpern

die Vielfalt und auch die Einzigartigkeit der Anlagen, laden

zum großen Gartenfest dazu ein, noch mehr davon wahrzunehmen

und den Freistaat in all seinen grünen Facetten kennenzulernen.

Einer der Außenstandorte ist die Klassik Stiftung Weimar mit

sechs ihrer wunderbaren Parks. Für das BUGA-Jahr hat sich die Stiftung

ein besonderes Thema gesetzt: Neue Natur. Dr. Folker Metzger,

Projektleiter der Klassik Stiftung Weimar für das Themenjahr,

gibt einen Einblick:

Die BUGA Erfurt 2021 erweitert den Blick der Besucher auf die

Schönheit der Parks und Gärten in Thüringen. Welche Chancen

sehen Sie für Ihre sechs Parks in der Wahl als Außenstandort?

Wir versprechen unseren Besuchern einen neuen Blick auf unsere

Parks und vielfältige Möglichkeiten des Entdeckens, insbesondere

für Familien und Kinder. Diese neuen Zugänge und Angebote können

wir über das Schaufenster BUGA ganz anders transportieren.

Welche besonderen Vorhaben haben Sie 2021 geplant?

Mitten im Park an der Ilm, dem sogenannten Goethepark, befindet

sich ab dem Frühjahr 2021 das Grüne Labor. Es wird Aktionsort

und Ausgangspunkt für verschiedene Aktivitäten sein: Kreativwerkstätten

für Kindergärten, Horte und Schulklassen unter der

Woche, offene Workshops am Wochenende. Abends finden kleine

Gesprächskonzerte, Lesungen und Diskussionsrunden bei einem

Glas Wein statt. Von hier aus starten auch philosophische Spaziergänge.

Zudem wird das Grüne Labor auf großen Lastenfahrrädern

mit Pop-up-Werkstätten an verschiedenen Orten im Park und in

der Stadt unterwegs sein.

Welche Besonderheiten finden die Besucher in den sechs Parks

der Klassikstiftung?

Insbesondere der Park an der Ilm war zur Zeit der Entstehung

Avantgarde. Es war ein experimenteller Ort, sowohl, was die Gestaltung

als auch, was seine Funktion als sozialer Raum anging. Man

hat hier vieles probiert, was man woanders noch nicht durfte. Diesen

Experimentierraum wollen wir nächstes Jahr gemeinsam mit

unseren Besucherinnen und Besuchern wiederentdecken, in wirklich

ganz vielfältiger Weise. Sie dürfen gespannt sein! Zusätzlich

wird es im Schlosspark Belvedere und Park an der Ilm interaktive

Modelle und Ausstellungen geben. Unsere App bietet zudem die

Möglichkeit einer besonderen digitalen Erkundung. Natürlich sollte

man unsere Parks und Gärten auch abseits von Veranstaltungen

und Workshops besuchen. Sie gehören nicht umsonst zum

UNESCO-Welterbe.

Wie begeistern Sie Ihre Besucher für das große Gartenfest?

Die Landschaftsgärten sind doch großartige Orte, um sich zu

treffen, auszutauschen und gemeinsam zu genießen. Diese Bedürfnisse

sind in der Coronazeit noch gewachsen und werden bleiben,

zumal die Parks dies in sicherer Weise ermöglichen. Vielfältige

Veranstaltungen über Workshops und Erkundungen bis zu

einem Jahrmarkt des Wissens sowie dem Saisonauftakt im Schlosspark

Belvedere werden all dies bieten. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

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Schlosspark Kochberg

Der älteste Sohn Charlotte von Steins, Carl, initiierte um 1840 die

Umgestaltung eines barocken Gartens zu einem 6 Hektar großen,

nachklassisch-romantischen Landschaftspark. Ein alter Baumbestand,

kleine Parkarchitekturen und ein außergewöhnlicher Blumengarten

mit dem „Blumentheater“ prägen seine Gestaltung. Das um 1800 errichtete

Gartengebäude wird heute als Liebhabertheater genutzt.

Schlosspark Belvedere

Das zentral gelegene Schloss ist die bedeutendste der unter Herzog

Ernst August I. von Sachsen-Weimar erbauten Jagd- und Lustschlossanlagen.

Von 1811 bis 1830 wurde der 45 Hektar große barocke Lustgarten

unter Herzog Carl Friedrich und seiner Gemahlin Maria

Pawlowna in einen Landschaftsgarten klassisch-romantischer Prägung

umgewandelt. Die große Orangerie dient ununterbrochen seit

ca. 300 Jahren der Überwinterung wertvoller exotischer Pflanzen.

Öffnungszeiten und Adressen im Internet

unter www.klassik-stiftung.de.

Einfach den QR-Code scannen.

Park an der Ilm

Der 57 Hektar große Landschaftsgarten ist der in Geschichte und Gegenwart

bedeutendste Park in Weimar und ein begehbares Kunstwerk

mit abwechslungsreichen Landschaftsbildern und Parkarchitekturen.

Ab 1778 verwirklichten hier Herzog Carl August und teils auch Johann

Wolfgang von Goethe ihre gartenkünstlerischen Ideen. Architektonischer

Höhepunkt ist das bis 1797 erbaute Römische Haus.

Schlosspark Ettersburg

Schloss und Park Ettersburg waren ab 1776 unter anderem

Sommersitz von Anna Amalia. Die Gestaltung des romantischen

Landschaftsgartens geht zu großen Teilen auf Herzog Carl Alexander

zurück. Mit dem „Pücklerschlag“, 1845/46 auf Anregung

von Fürst Hermann von Pückler-Muskau geschaffen, und

den künstlerisch gestalteten Übergängen gehört Ettersburg zu

den hervorragenden Gartendenkmalen Deutschlands.

Schlosspark Tiefurt

1781 verlegte Herzogin

Anna Amalia

ihren Sommersitz

nach Tiefurt und ließ

das Ilmtal in einen

sentimentalen Garten

mit stimmungsvollen

Parkarchitekturen

umwandeln.

Zwischen 1846 und

1850 gestaltete der

Gartenkünstler

Eduard Petzold den

Park teilweise um

und erneuerte ihn.

Viele der Baumgruppen,

die heute

den 20 Hektar großen

Landschaftspark

bestimmen,

wurden in dieser

Zeit gepflanzt.

TEXTE/FOTOS: KLASSIK STIFTUNG WEIMAR

Goethes Garten

am Stern

Am Rande des Parks an der

Ilm liegt der kleine, von Johann

Wolfgang von Goethe

selbst gestaltete Garten in

der bis heute überlieferten

Dreiteilung: Außer dem parkähnlichen

Hangbereich hinter

dem Haus gibt es die lichte

Obstwiese und den unteren

Gartenteil, wo früher Gemüsebeete

lagen.

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Erfurts lebendige

Geschichte – Gartenbau

und grüne Themen

Ganz klein und riesengroß:

Alieda Halbersma mit

einem Teil der Sammlung des

Museums vom winzigen

Gemüsesamen bis zur

gigantischen Seychellennuss.

Eine Replik des Samenkabinetts von Christian

Reichart.

Originale: Ersttagsbrief,

Briefmarken, Flyer und

Karten der iga 61.

TEXT: CHRISTINE KARPE FOTOS: PAUL-PHILIPP BRAUN

Eine Nacht im Museum verbringen, den Fundus nach

besonderen Stücken durchstöbern, verborgene

Schätze entdecken – Museumsfans würden dafür einiges

geben. Die Türen des Deutschen Gartenbaumuseums

sind seit Wochen für die Besucher verschlossen.

Das Haus wird aus Anlass der BUGA umgestaltet: Ein neuer,

barrierefreier Eingang lädt nun vom egapark aus zum Eintreten

ein, den sanierten Vorplatz ziert ein Pflaster mit Blumenmotiv.

Im Haus wird gebaut, die erste Etage ist komplett

für die neue Dauerausstellung geräumt. Diese wird

das Herzstück des Museums. Erste Einblicke in das Konzept

lassen Spannendes erahnen.

Unterm Dach beginnt die Entdeckertour, hier arbeitet

Alieda Halbersma. Die studierte Archäologin und Kulturwissenschaftlerin,

die derzeit ein Volontariat im Deutschen

Gartenbaumuseum absolviert, verbringt einen Großteil des

Arbeitstages dort. Sie sortiert, katalogisiert, recherchiert

und verpackt die Ausstellungsstücke, die 20 Jahre im Deutschen

Gartenbaumuseum gezeigt wurden. Das Sichten und

Ordnen ist ihr Faible. Nach sechseinhalb Jahren Universität

wollte sie unbedingt in ein Museum. Das Haus in der historischen

Cyriaksburg ist ein Glücksfall für sie. Unter sachkundiger

Anleitung von Kuratorin Sibylle Küttner kann sie hier

selbstständig arbeiten. Der Dachboden beherbergt jetzt

auf zwei Etagen einen großen Teil der Sammlung des Museums.

Von der Samenkapsel bis zu originalen Geräten aus

dem Gartenbau reicht die Breite der gesammelten Stücke.

Ein großer Wissens- und Kulturschatz, aus dem die neue

Ausstellung schöpft. Modern, inspirierend, mit audiovisuellen

Medien und Mitmachangeboten – Erfurts Gartenbautradition

soll in den Gemäuern der alten Zitadelle lebendig

vermittelt werden. Dafür hat Viktoria Wille von stories within

architecture aus Berlin mit ihrem Team eine Szenografie

entwickelt. Wie werden die Besucher durch die Ausstellung

geleitet, was erleben sie auf ihrem Rundgang und wie

kann das Thema Gartenbau als Teil der Historie Erfurts anschaulich

vermittelt werden?

Nach dem gemeinsam mit dem Museumsteam entwickelten

Konzept ist geplant, zum Auftakt der Ausstellung

in einer interaktiven Galerie Persönlichkeiten des Gartenbaus

wie Hildegard von Bingen, Christian Reichart oder Peter

Joseph Lenné zu Wort kommen zu lassen.

Im Themenraum Schöpfung offenbart die große Vitrine

die vom Menschen erschaffene Sortenvielfalt am Beispiel

des Apfels. In weiteren Themenräumen wird der Garten als

Sehnsuchtsort oder auch als Paradies mit üppigem Pflanzendickicht

dargestellt. Auch Stadtgrün und Urban Gardening

sind Teil der neuen Ausstellung. Die Museumsthemen

mit dem Alltag der Besucher zu verknüpfen, spielt in dem

erlebnisorientierten Ausstellungskonzept eine große Rolle.

So wird im Shoppingparadies eine große Fülle von Gartenbauprodukten

feilgeboten. Die Ökobilanz einzelner Produkte

wird hier ebenso thematisiert wie die Problematik

der industriellen Produktion. Herkunft, Züchtung, Vermehrung,

Anbau und Vertrieb. Unter diesem Aspekt werden die

verschiedenen Produkte betrachtet. Das hilft, die komplexen

Zusammenhänge des weiten Feldes Gartenbau zu verstehen.

Mit jedem neuen Produkt werden neue Informationen

sichtbar, das macht Lust auf weitere Museumstouren.

In den kommenden Wochen werden Museumskuratorin Sibylle

Küttner und das Team von stories within architecture

auch eine Auswahl treffen, welche der vorhandenen Exponate

einen Platz in der neuen Ausstellung finden. Alieda

Halbersma erarbeitet dafür mit den vorhandenen Bestandslisten

die Grundlage. Darin finden sich Briefmarken

und Flyer der iga 61, der Waidspaten oder die Replik des

Samenkabinetts von Christian Reichart ebenso wie wertvolle

Porzellanfiguren nach dem Modell von Johann Joachim

Kaendler, einem Künstler am Hofe von August dem

Starken. Eine hat ihren Platz in der neuen Ausstellung auf

jeden Fall sicher und in den unruhigen Zeiten des Museumsumbaus

auch behauptet: die Valentine. Die mechanische

Pflanze, zeigt anschaulich die Zusammenhänge des

Lebens der Pflanzen und ist vor allem bei Kindern beliebt.

Über alles andere werden die kommenden Wochen entscheiden,

auf jeden Fall bleibt es spannend, bis sich die Türen

des Museums zum Start der BUGA wieder öffnen.

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Dr. Sascha Döll weiß, wovon er

spricht. Aufgewachsen in einem

Gartenbaubetrieb, lernte

er später in einer Hamburger Baumschule.

Die praktische Arbeit hat ihn geprägt, bestimmt

sein Credo: Der promovierte Landschaftsarchitekt

will gestalten statt verwalten.

Notfalls nimmt er die Rosenschere

auch selbst in die Hand. „Wir haben noch

viel vor, gerade was die Präsentation der

Pflanzungen angeht“, sagt er, während er

mit uns zum Hirschgarten fährt. Hier ist der

Anfang schon gemacht. Wochenlang war

der Spielplatz wegen Bauarbeiten nicht

nutzbar, was zum Glück nicht auffiel, da alle

Spielplätze das gleiche Schicksal teilten, allerdings

aus anderen Gründen.

„Die Zeit haben wir gut genutzt und klassische

Tröpfchenbewässerungsanlagen eines

israelischen Herstellers verlegt“, sagt

der 41-Jährige. „Das bot sich an, denn die

Stauden und Gräser rund um den Spielplatz

waren schon ziemlich in die Jahre gekommen.

Wir mussten sie sowieso austauschen“,

sagt Sascha Döll und weist auf

große Gummischläuche, die sich durch die

Erdgräben ziehen. Alle 40 Zentimeter haben

sie ein Loch. Das ist charakteristisch

für die klassische Tröpfchenbewässerung.

„Das Wasser fließt durch ein Labyrinth und

schießt mit ordentlich Druck aus den Perforationen.

Das ist wichtig, damit sich das

Loch nicht zusetzen kann“, erklärt Döll. Pro

Stunde sickern 1,6 Liter Wasser durch jedes

einzelne Loch. Das klingt erstmal viel, ist

aber sehr effizient. Die neue Technik spart

nicht nur rund 60 Prozent Wasser im Gegensatz

zu einer normalen Sprinkleranlage.

Das Wasser landet auch genau dort, wo

es hin muss, direkt an den Wurzeln, so Döll.

Der Hirschgarten ist eine von drei Testflächen.

Im Herbst folgt der Gothaer Platz. Und

auch an der Blumenstraße soll das Bewässerungsmodell

getestet werden. Doch Sascha

Döll ist guter Dinge, dass sich das

System bewährt. „Auch in Erfurt häufen

sich längere Trockenphasen, Wasser muss

möglichst effizient eingesetzt werden. Hier

können wir gut von den Erfahrungen aus

NATUR pur

in der STADT

dem Süden profitieren“, sagt er. Doch das

ist nicht die einzige Neuerung am Hirschgarten.

„Wir wollen Blühschwerpunkte setzen,

die sich wie eine Welle durchs ganze

Jahr ziehen“, sagt Sascha Döll und zeigt auf

eine von vielen Zierkirschen, die am Hirschgarten

bereits Wurzeln schlägt. Diese Sorte

setzt schon im Winter die ersten Blüten

an und blüht im April noch mal so richtig

auf. Salbeibänder mit Schafgarbe, Chinaschilf

und Lampenputzergräser sorgen für

Akzente. Und dazwischen gibt es immer

wieder etwas für die Kinder zu entdecken:

Stachelbeersträucher, aber auch rote und

schwarze Johannisbeeren.

Die nächste Station ist der Dendrologische

Garten, einer der Lieblingsplätze des

Erfurter Chefgärtners. „Ich mag die Gestaltung

der 1960er-Jahre, die großzügigen

Treppenanlagen, aber auch die vielen

Kirschbäume. Davon gibt es hier jede Menge

in vielen Formen“, sagt Döll, der davon

träumt, das Fleckchen Garten zwischen Luisenpark,

Steigerwald und egapark noch attraktiver

zu machen, mit neuen Pflanzkonzepten

und einem Café.

Eine Idee trägt schon erste Früchte: das

Wiesenkonzept. Was anfangs noch für Verwunderung

und manchmal auch für Ärger

bei den Erfurtern sorgte, ist inzwischen akzeptiert.

„Nein, wir sind nicht zu faul zum

Mähen, wir denken uns was dabei, wenn

wir die Gräser wachsen lassen“, sagt Dr. Döll

und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Die Kollegen sind die ganze Woche

gut mit Rasenmähen beschäftigt, wir

wählen die Flächen aber gezielt aus“, so der

Chef des Erfurter Gartenbauamtes. In einzelnen

Teilen der Parks wachsen die Rasenflächen

lang auf, mausern sich mehr und

mehr zur Sommerwiese. Das sieht nicht nur

schön aus, sondern tut auch den Pflanzen

gut. „Werden die Gräser nicht ständig gestutzt,

kann sich die Fläche selbst regenerieren.

Rasensamen fällt aus, neue Gräser

wachsen, Wildblumen und Kräuter sorgen

für farbenfrohe Akzente, was sich wiederum

positiv auf die Artenvielfalt auswirkt“,

erklärt Sascha Döll. Nicht zuletzt filtern

Wiesenflächen Feinstaub aus der Luft und

trotzen der Sommerhitze besser, die Flächen

verbrennen nicht so schnell. Das hat

positive Effekte auf die Kühl- und Reinigungsfunktion

der Grünflächen und Parks

in urbanen Zentren. „Wir müssen das Grün

aktivieren, viele kleine Puzzlesteine zusammensetzen,

damit wir Hitzeinseln in der

Stadt abkühlen können“, sagt Sascha Döll.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Im Hirschgarten wurde eine klassische

Tröpfchenbewässerung verlegt.

Sascha Döll mit einer Kornelkirsche.

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ICH fahre

10.000 Mal

durch

die Stadt

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT FOTO: STEVE BAUERSCHMIDT GESTALTUNG STRASSENBAHN: VIERTAKT ERFURT

Julia Tobies, egapark-

Gärtnerin, ist eins von

acht Gesichtern der

neuen SWE Kampagne

„Ich brauche Licht, Luft und Sonne – und das

möglichst in großen Dosen“, sagt Julia Tobies

und lacht. Sie ist eins von acht Fotomodellen,

die seit Juni auf einer Straßenbahn der EVAG

für die Stadtwerke Erfurt als Arbeitgeber werben.

„Ich arbeite gern für die SWE, warum

soll ich das nicht zeigen, auch wenn ich dafür

quasi 10.000 Mal mit der Straßenbahn durch

die Stadt fahre“, sagt die junge Frau, die den

egapark wie ihre Westentasche kennt. Hier

hat sie gelernt, kennt jeden Strauch, jeden

Busch. Seit acht Jahren ist sie als Gärtnerin

für Garten- und Zierpflanzen bei jedem Wetter

in Thüringens größtem Garten im Einsatz,

egal, ob es regnet, schneit oder die Sonne

scheint.

„Ich mag jede Jahreszeit, den Frühling,

wenn die ersten Tulpen ihre Köpfe aus dem

Boden recken, den Sommer mit seiner üppigen

Vielfalt, den Herbst mit seinen kräftigen

Farben“, sagt die 30-Jährige und hockt

sich schnell hin, um ein Unkraut aus dem

blau-rot getupften Blumenmeer zu zupfen.

Es sind nur einzelne Tage, die ihr zu schaffen

machen, nasskalte Momente im Winter oder

heiße Sommertage, an denen die Temperaturen

über die 35-Grad-Marke steigen. „Deshalb

fangen wir in der Saison schon früh um

6 Uhr an, dann ist das meiste schon geschafft,

wenn es ab 13 Uhr unerträglich heiß wird“,

sagt die junge Frau, die kein Problem damit

hat, früh aufzustehen. „Ich mag die Stille, genieße

die Ruhe“, sagt sie, freut sich aber auch,

wenn Besucher ans Beet treten und sagen:

„,Das sieht aber schön aus.’ Dann weiß man,

dass man was richtig gemacht hat“, sagt sie.

„Als Gärtner ist man irgendwie immer der

erste Ansprechpartner, egal, ob es um Beschwerden

oder Pflegetipps geht. Wir sind

quasi das Aushängeschild der ega, auch bei

Dingen, die uns gar nicht betreffen. Wir sind

die ersten, die die Leute im Park sehen. Da ist

es für sie normal, dass sie mit ihren Anliegen

zu uns kommen“, erzählt sie.

Was sie am liebsten macht? „Eine Fläche

neu gestalten“, sagt sie, ohne lange zu überlegen.

Die Planung machen Landschaftsarchitekten,

aber die Gärtner erfüllen sie mit

Leben. „Wenn ich einen Pflanzplan lese,

dann sehe ich schon vor mir, wie die Blumen

wachsen“, sagt sie und fängt an zu strahlen.

Schnödes Pflanzen, Hacken, Jäten wäre ihr zu

langweilig. Sie liebt es, sich mit Lieferanten

abzustimmen und die Pflanzen auf den Flächen

auszuwerfen, damit die Kollegen wissen,

welche Blume wo gepflanzt werden soll,

um florale Muster zu formen. „Das ist körperlich

zwar ziemlich anstrengend, ich mag es

aber, zu sehen, wie etwas neu entsteht“, sagt

Julia, die nicht nur ein Faible für Blumen, sondern

auch für Zahlen hat.

In ihrem ersten Leben lernte sie Kaufmännische

Assistentin für Betriebswirtschaft,

merkte aber schnell, dass ein Bürojob nichts

für sie ist. „Das Praktikum war so langweilig“,

erzählt die junge Frau, die in ihrer Freizeit

gern wandert oder durch die Wälder streift.

„Zahlen hab ich auch hier genug, ich berechne,

wie viele Pflanzen wir für die einzelnen

Flächen brauchen, das macht Spaß und irgendwie

kann ich dabei beides verbinden,

Natur und Mathematik“, sagt sie und freut

sich schon auf die Gartentage am 29. und 30.

August im egapark.

Kommunikationsstrategie für

die Arbeitgebermarke SWE

Unter dem Motto „Deine Stadt. Dein

Werk. Deine Möglichkeiten.“ werden

Mitarbeiter gezeigt, die stolz auf ihr

Werk sind und auf das, was sie für ihre

Stadt leisten.

Aktuell ist die Kampagne im Erfurter

Stadtbild präsent. Julia Tobies ist auch

auf Plakaten an Haltestellen und auf digitalen

Werbeflächen zu sehen.

Ganz gleich, ob Sie praktische Erfahrungen

in Studium oder Schule sammeln,

Ihre Karriere beginnen wollen

oder eine neue Aufgabe suchen – die

Stadtwerke Erfurt Gruppe bietet Ihnen

anspruchsvolle Herausforderungen. So

können Sie sich persönlich und fachlich

weiterentwickeln.

Alle Informationen auf

www.stadtwerke-erfurt.de.

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SCHNELL, EINFACH,

BARGELDLOS – wie ein

kleines Fahrscheinprogramm

mein

Leben leichter macht.

Mit einem Wisch nach rechts blinkt der ersehnte Fahrschein

im Display meines Smartphones auf. Ganz ohne

Bargeld, ohne EC-Karte, ganz ohne Automat. Diese App

liefert mir den Fahrschein genauso, wie ich es immer wollte

– schnell, einfach, digital.

Wäre ich technisch versiert und hätte die nötige Disziplin,

ich hätte sie genau so entwickelt. Warum? Eine

Schwärmerei in drei Akten. Erstens: Da ich in Erfurt meine

Wege gerne zu Fuß erledige, lohnt sich ein Abo für

mich nicht. Wenn aber fahren, dann mit Bus und Bahn der

EVAG. Die Fahrschein-App von FAIRTIQ richtet sich genau

an solche Gelegenheitsfahrer wie mich.

Vorteil 2 schließt sich da gleich an: Die App sucht mir

automatisch den besten Tarif heraus. Ich muss kein Ticket-

und Tarifspezialist sein, um zum günstigsten Preis zu

fahren. Beispiel gefällig? Es regnet. Ich nehme kurzerhand

den Bus zur Arbeit. Nach dem Feierabend geht’s mit der


WISCH und WEG

Bahn zum Einkaufen und schließlich nach Hause. Ich fahre

also drei Mal an einem Tag, was so nicht geplant war.

Statt insgesamt 6,30 Euro (für drei Fahrten á 2,10 Euro),

zahle ich am Ende 5,40 Euro – den Preis für eine Tageskarte.

FAIRTIQ macht’s möglich.

Dritter Punkt: Bargeld. Ich zahle immer und überall (wo

es geht) mit Karte. Bei FAIRTIQ läuft die Rechnung einfach

über mein Paypal-Konto. Wer mag, kann natürlich auch

über die eigene Kreditkarte oder mittels SEPA-Lastschrift

abrechnen. Einfacher geht’s nicht.

Fahrschein 2.0

Hannes Schauerhammer hat

die neue App getestet.

Mittlerweile kaufe ich meinen Fahrschein nur noch übers

Smartphone. Im Gegensatz zum Portemonnaie habe ich

das immer dabei. Positiver Nebeneffekt: Es spart Papier,

die Umwelt freuts.

Übrigens setzen schon über 3.000 Erfurter auf den digitalen

Fahrschein von FAIRTIQ. Die App gibt es für alle

iPhones und Android-Handys kostenlos zum Herunterladen.

Einfach installieren und anmelden.

Erfurt, 8:42 Uhr. Um 9:00 Uhr habe ich einen Termin

am Anger. Wie immer bin ich spät dran – obwohl ich

dieses Mal wirklich rechtzeitig los wollte.

Sei’s drum, denke ich mir, statt zu gehen, nehme ich

die Bahn. Da bin ich schneller und ich laufe auch nicht

Gefahr, völlig außer Puste anzukommen. Am Domplatz

ist die nächste Haltestelle, in zwei Minuten fährt meine

Bahn. Gerade genug Zeit, um mir einen Fahrschein am

Automaten zu kaufen.

Ich greife in die Brusttasche meiner Jacke. Ein Griff ins

Leere, Geld vergessen. Und nun?

Wie oft habe ich das erlebt und bin dann zu Fuß gegangen.

Das ist Vergangenheit. Das Zauberwort oder besser

gesagt die Zauber-App heißt „FAIRTIQ“. Es ist (m)ein einfacher

und schneller Weg, jetzt an einen Fahrschein zukommen.

Und so funktioniert’s: Ich hole mein Smartphone aus

der Hosentasche, suche nach der roten App mit dem großen

„Q“ und klicke drauf. Blitzschnell öffnet sich ein Fenster

mit Schieberegler. Darüber steht, ganz automatisch,

„Domplatz Nord“ – meine Abfahrtshaltestelle.

TEXT: HANNES SCHAUERHAMMER

Mehr über FAIRTIQ gibt es im

Internet unter www.evag.app

oder einfach den QR-Code

scannen.

FOTO: STEVE BAUERSCHMIDT

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Eine Sinfonie in Blumen

Staudenschau im egapark

neu komponiert

Der Klimawandel hat uns längst eingeholt. Wie sich

Garten künftig darstellen kann, zeigt die neu gestaltete

große Staudenschau im egapark Erfurt zur BUGA

2021. Auf mehr als 4.000 Quadratmetern bietet das

Beet eine Bühne für ganz unterschiedliche Gartenthemen. Das

Pflanzkonzept stammt von Petra Pelz, die bereits auf vielen

Bundes- und Landesgartenschauen als Planerin tätig war. Im

egapark tragen der neue Rosengarten und der Gräsergarten

ihre Handschrift. Die Gartenexpertin kombiniert Farben und

Stimmungen, ihre Beete sind eine Sinfonie in Blumen.

Garten- und Landschaftsarchitektin

Petra Pelz legt die

Pflanzen für die große Staudenschau aus.

TEXT: CHRISTINE KARPE

FOTO: PAUL PHILIPP BRAUN

Auf dem Areal an der Wasserachse werden verschiedene

Themen präsentiert, sie alle unterstreichen die Vielseitigkeit

der Stauden. Der Frühlingsgarten am Beginn der Wasserachse

leitet über in den Klimawandelgarten. Was blüht uns morgen?

Als Antwort erlebt der Betrachter eine Kombination von

Stauden und Gräsern aus den Vegetationszonen Steppe, Prärie

und dem mediterranen Gebiet. Ein Erfurter Indian Summer

soll hier im Herbst zu bewundern sein, verspricht Pflanzplanerin

Petra Pelz. Dann verfärben sich die Blätter der ausgewählten

Stauden. Formal geschnittene Eibenhecken begrenzen das

Beet wie ein Bilderrahmen. Sie stammen aus dem ursprünglichen

Konzept und sind wie viele Bereiche im egapark Teil des

denkmalgeschützten Ensembles. Eine einzelne junge Säulenpappel

ergänzt wieder das ursprüngliche Pflanzbild der langen

Achse zum Deutschen Gartenbaumuseum.

„Auf den verschlungenen Rasenwegen können die Besucher

die unterschiedlichen Pflanzthemen für sich entdecken.

Passendes Sitzmobiliar lädt später dazu ein, die

Gartengestaltung auf sich wirken zu lassen, wenn die Stauden

ihre volle Höhe erreicht haben“, schwärmt Pflanzplanerin

Petra Pelz. Sie liebt den direkten Kontakt zu Schönaster,

Sonnenhut, Baptisia oder Röhrenstern. Die Pflanzengruppen

sind in Drifts unterteilt, geschwungene Formen mit unterschiedlicher

Wuchshöhe. Hohe Gruppen wechseln sich mit

niedrigen Pflanzungen ab, es entstehen Räume, die nicht alles

auf einen Blick zeigen und nach den Biegungen des Rasenbandes

jeweils neue Pflanzenbilder eröffnen. In den Fensterbeeten

gegenüber dem Gräsergarten wird das Thema Klimawandelgarten

mit einer mediterran anmutenden Pflanzung fortgeführt.

Hier wachsen Lavendel, Salbei, Rosmarin und weitere bienenfreundliche

Stauden.

Petra Pelz ist von der Größe des Beets beeindruckt. „Es

ist wie ein leeres Blatt Papier, das man jetzt füllen kann“, erklärt

sie, während sie die Pflanzen entsprechend ihres

Konzepts auf den einzelnen Beetbereichen auslegt: Sonnenbraut,

Gräser, Perovskia, agavenblättriger Mannstreu oder Salbei.

Unter dem vorhandenen Baumbestand wächst in Fensterbeeten

eine Schattenpflanzung. Der Urban Jungle kombiniert

Pflanzen, deren besondere Zierde die Blätter sind. Strukturkontraste

und verschiedene Grüntöne setzen hier die Akzente.

Hierfür wurden Stauden aus verschiedenen Ländern kombiniert:

Elfenblumen, Farne, Gräser, Hostas und so manch

exotisch anmutende Pflanze. „Im ersten Jahr wachsen die Blumen

flächig, im zweiten erreichen sie dann die gewünschte

Höhe und Wirkung“, erklärt die Garten- und Landschaftsarchitektin.

Ihre Ideen dürfen nach der BUGA weiterwachsen, denn

die Staudenschau gehört zu dem, was von der BUGA im egapark

bleiben wird.

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Klimawandelexperte Staude

Wie macht man den Garten

fit für Veränderungen?

Der Klimawandel ist inzwischen allgegenwärtig: Lange Trockenperioden

wechseln sich mit Starkregen ab. Der Frühling wartet mit Sommertemperaturen

auf, der Winter mit zweistelligen Plusgraden. Wie

wirkt sich der Klimawandel auf den Garten aus, welche Veränderungen

in Sortenwahl und Pflege resultieren daraus? Wie schützt man

die Bäume und bewahrt den Rasen?

Bäume, Stauden und Gräser im egapark sind das Fachgebiet von

Nicole Kleb und Klimawandel ist für sie ein alltägliches Thema. Bäume

haben begrenzte Fähigkeiten, sich auf Veränderungen ihres Umfeldes

einzustellen. Hitze und Trockenheit setzen unseren Wäldern

zu. Was kann man dagegen tun? „Eine entsprechende Sortenwahl, regelmäßig

wässern und Bäume wählen, die besonders viel CO 2 in Sauerstoff

umwandeln können. Im egapark entsteht hinter dem Danakil

Wüsten- und Urwaldhaus ein Klimawald mit 82 Bäumen“, erzählt

die Gartenbautechnikerin und Leiterin des Meisterbereiches Bäume,

Stauden, Rasen. Im zeitigen Frühjahr war sie mit egapark-Kollegen in

Bad Zwischenahn in der dortigen Baumschule Bruns. Das Familienunternehmen

bietet auf einer über 500 Hektar großen Produktionsfläche

ein breit gefächertes Sortiment an hochwertigen Laub- und

Nadelgehölzen. Firmeninhaber Jan-Dieter Bruns ist eine Instanz auf

dem Gebiet Baumzucht und gab dem egapark-Team viele Hinweise

für die richtige Baumauswahl. Im Herbst wird am Danakil gepflanzt.

Auch für den Hausgarten gibt es entsprechende Sorten, hier lohnt

sich die Beratung durch einen Fachmann auf jeden Fall. „Dann ist so

ein Baum viele Jahre eine Zierde“, ist Nicole Kleb überzeugt.

Zu ihrem Arbeitsbereich gehören auch Rasen und Stauden. Gepflegter

Rasen wie im egapark – samtweich und sattgrün – benötigt

viel Pflege. Regelmäßige Düngung, häufiger Schnitt und Beregnung

bewahren diesen Zustand auch in extremen Sommern wie in den

letzten Jahren. Wer das nicht sicherstellen kann, sollte im heimischen

Garten eine Blumenwiese in Erwägung ziehen. Mit geschickter Sortenwahl

lässt sich der Pflegeaufwand reduzieren. Das Betreten der

blühenden Flächen ist aber meist nicht möglich. Dafür freuen sich die

Insekten über den Tausch des Rasens gegen eine blühende Wiese.

Gartentipp

von der

Fachfrau

Klimawandel ist auch der

Themenlieferant für die

Pflanzringe vor dem Danakil,

die an der Vorderfront

des Hauses wichtige gestalterische

Akzente setzen.

Hier findet der egapark-Besucher

künftig Anregungen,

wie er seinen Garten an die

veränderten Umweltbedingungen

anpassen kann und

welche Pflanzenkombinationen

funktionieren. Auch

die große Staudenschau

bietet auf 5.000 m² genügend

Inspiration und Beispiele,

welche Sorten geeignet

sind.

Einen Tipp hat Nicole

Kleb für die Freizeitgärtner

noch: beim Neugestalten

von Beeten eine Tröpfchenbewässerung

einbauen.

Die Schläuche lassen sich

leicht verlegen und bringen

das Wasser dorthin, wo

es gebraucht wird. Ein solches

System reduziert auch

deutlich die Verluste durch

Verdunstung des Wassers.

Experten für jeden Standort

Die wirklichen Klimawandler sind Stauden. Es gibt sie in nahezu allen

Klimazonen, sie trotzen Hitze und Kälte, wachsen auf steinigen

und kargen Böden, verkraften längere Trockenheit und auch starke

Regenfälle. Während sie in schlechten Jahren nur mühsam gedeihen,

überraschen sie in einer folgenden günstigen Vegetationsperiode

dann wieder mit Üppigkeit.

Wofür andere verreisen müssen, das kann Nicole Kleb an einem

Arbeitstag erleben, die Reise durch verschiedene Klimazonen. Vom

alpinen Garten Mitteleuropas gelangt sie direkt in den Steppenkerzengarten

mit Pflanzen aus Zentralasien und den Steppenbereich

der großen Staudenschau. Von dort ist sie in wenigen Schritten in

der nordamerikanischen Prärie. So ist die dem Klimawandel trotzende

Bepflanzung auf einem Beet angeordnet.

TEXT: CHRISTINE KARPE FOTO: PAUL PHILIPP BRAUN

Nicole Kleb ist Gartenbautechnikerin

und Leiterin des

Meisterbereiches Bäume, Stauden

und Rasen im egapark.

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Aus

LIEBE

zum

WASSER

Jonathan Endter ist 29.

Nach acht Jahren

beim Bund lernt er jetzt

Mechatroniker bei den

Stadtwerken Erfurt.

man eine Sortiermaschine dazu bringt, die gelochten Teile

auszusortieren und andere nach Farben zu sortieren.

„Das ist gar nicht so leicht“, sagt Jonathan, der im Laufe

der Ausbildung sein Faible für das Schreiben von Programmen

entdeckt hat, nicht nur beruflich, sondern auch privat.

Zum Glück, denn als Mechatroniker muss man Schaltpläne

nicht nur lesen, sondern auch selbst entwickeln können.

Instandhaltungsarbeiten an mechanischen oder elektronischen

Anlagen, beispielsweise an den Pumpen, gehören

genauso dazu wie die eigenständige Fehlersuche und Beseitigung

von Störungen.

„Jetzt bin ich endlich da, wo ich immer sein wollte. Die

Arbeit ist vielseitig, die Kollegen sind nett und helfen gern,

wenn man eine Frage hat. Jeden Tag steht etwas anderes

an, mal bauen wir Schaltschränke zusammen, führen Wasserstandsmessungen

durch oder kontrollieren die Chlorzugaben“,

erzählt er. „Ich habe hier viel über Pumpentechnik

und Elektrotechnik gelernt. Das ist anspruchsvoll, aber sehr

interessant. Alles, was mit Logik zu tun hat, fasziniert mich“,

sagt er. „Toll ist auch, dass man als Azubi in Bereichen mitlaufen

kann, die man sonst nicht kennenlernen würde. Ich

arbeite bei der ThüWa, Erfurts Wasserversorger, und hab

viel gelernt, zum Beispiel mit den Jungs vom Bereich Netzbetrieb

Wasser der ThüWa. Wir waren mit einem Messwagen

unterwegs. Wir haben auch Rohre kontrolliert und gewartet“,

fasst er zusammen.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Wasser hat für Jonathan eine ganz besondere Faszination,

nicht nur, wenn er in Gispersleben mitten

in der Gera sitzt. „Das erinnert mich an die

Schmalkalde. Dort ist es fast genauso, ein flaches Flussbett,

viele Steine, über die man zum anderen Ufer hüpfen kann“,

erzählt der 29-Jährige. Seit zweieinhalb Jahren ist er in Erfurt,

macht bei den Stadtwerken eine Ausbildung zum Mechatroniker.

Einen Großteil seiner Ausbildung absolviert er

im Wasserwerk Möbisburg. Dort wird er, wenn er fertig ist,

auch arbeiten. Normalerweise dauert die Lehre dreieinhalb

Jahre, aber aufgrund seiner Vorbildung konnte Jonathan

auf zweieinhalb Jahre verkürzen.

„Wasser hat mich schon immer fasziniert, vermutlich liegt

es in den Genen“, sagt er mit einem Grinsen. Ursprünglich

stammt Jonathan aus dem tiefsten Thüringen. In Floh-Seligenthal

betrieb seine Familie eine große Wassermühle. „Sie

ist eine von nur zwei Mühlen in der Gegend, die den Zweiten

Weltkrieg unbeschadet überstanden haben, vermut-

lich, weil sie im Wald lag“, erzählt er. „In den 1970er-Jahren

hat mein Opa eine Wasserturbine eingebaut. Mit normalem

Wasserrad konnte man die geforderten Mengen nicht mehr

stemmen. Aber mit einem Elektromotor, der über die Turbine

angetrieben wurde, schon.“ Vorrangig Mehl und Schrot

wurden hier gemahlen, in früheren Zeiten auch Gerste für

die Brauereien in der Gegend, denn die Familie baute früher

selbst große Gerstenfelder an. „Das war aber vor meiner

Zeit“, meint Jonathan, der seinem Opa regelrecht an den

Lippen hing, wenn er von früher erzählte. Wenn es etwas

zu reparieren gab, war Jonathan überall dazwischen, denn

Technik hat ihn schon immer wie ein Magnet angezogen.

Trotzdem machte er nach der Schule erstmal eine Ausbildung

im kaufmännischen Bereich, wollte gern im Landhandel

arbeiten, Büro und sein Faible für Technik und Landwirtschaft

verbinden. Doch dazu kam es nicht. Der Betrieb hielt

sich nicht. Und so ging Jonathan erst mal zum Bund, anfangs

für vier Jahre, die er später auf acht verlängerte. „Da

hab ich viel gelernt. Ich war in der Organisation eingesetzt,

aber auch in der Planung, arbeitete in der Instandhaltung,

nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslandseinsatz

in Litauen“, sagt er. Und immer mehr kristallisierte sich heraus,

dass Jonathan mit seinen Händen, aber auch mit dem

Kopf arbeiten wollte. So bewarb er sich bei den Stadtwerken.

„Ich brauch immer was, wo ich was Neues lernen kann“,

sagt er fast entschuldigend. Deshalb war er auch gleich dabei,

als es hieß, die SWE suchen Azubiblogger, die von ihrer

Ausbildung auf Instagram, im Blog oder auf Facebook

berichten. „Das war mal was komplett anderes, aber schon

cool. Wo erklären einem schon Azubis, wie es läuft? Da

wollte ich unbedingt mitmachen“, erzählt er. Viele Videos

hat er gedreht und damit ordentlich für Staunen gesorgt.

Wann hat man schließlich schon mal die Gelegenheit, hinter

die Kulissen der Ausbildung zu schauen?

Fast alle Videos sind im Erfurter Bildungszentrum entstanden,

wo er einen Großteil seiner praktischen Ausbildung

macht. Ziemlich verrückte Sachen, zum Beispiel, wie

Mehr zu Ausbildungsmöglichkeiten und freien

Stellen bei den Stadtwerken Erfurt gibt es unter

www.stadtwerke-erfurt.de/ausbildung.

Videos, die Jonathan als Azubiblogger

der Stadtwerke Erfurt selbst gedreht

hat, findet ihr hier: Einfach den QR-

Code scannen oder unter www.stadtwerke-erfurt.de/swejournal

nachschauen.

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Erfurter Hochzeitsring

zu verkaufen...

Juweliere staunen, Techniker zollen

ihren Respekt. Was Hardy Karius

da ausprobiert hat, sorgt für Aufsehen

in der 3D-Branche. In den

letzten Jahren haben sich die Anwendungsgebiete

für das Fertigungsverfahren

stetig erweitert. Aber ein einmaliges

Schmuckstück aus dem frühen 14. Jahrhundert

nachzubilden, das hat noch niemand

versucht. Hardy Karius schon. Gemeinsam

mit seinen Teamkollegen der

Agentur Covermade. Er war auf der Suche

nach etwas Besonderem. „Ich habe

mich lange gefragt, was kann DAS Symbol

für Erfurt sein, die Menschen emotional

mit der Stadt zu verbinden, weit

über die BUGA 2021 hinaus?“, erzählt er.

Und dann kam er auf den Erfurter Hochzeitsring.

„Wir wollten den Ring erlebbar

machen. Die Planung war nicht einfach,

schließlich sollte keine 1:1-Kopie entstehen,

sondern eine moderne Variante

erschaffen werden.“ Ein Dreivierteljahr

lang wurde getüftelt, bis das Endprodukt

in einem speziellen 3D-Druckverfahren

entstand. Ein Goldschmied

sorgte für den Feinschliff – alles in enger

Abstimmung mit der Landeshauptstadt

und dem Thüringer Landesamt für

Denkmalpflege und Archäologie.

Den Erfurter Hochzeitsring aus dem

3D-Drucker gibt es in drei Farbvarianten:

Gold, Roségold und Schwarz, 25 Gramm

schwer und aus rhodiniertem Sterlingsilber.

„649 Euro soll er kosten, für jedes

Jahr, das er in der Erde lag, 1 Euro“, erzählt

Hardy Karius.

Die Replik ist makellos und damit ganz

anders als das Original aus dem wertvollen

Erfurter Schatz, der 1998 bei Bauarbeiten

gefunden wurde. Denn dem Erfurter

Hochzeitsring, der wohl während

des Erfurter Judenpogroms im Jahr 1349

vergraben wurde, sieht man die Jahrhunderte

an. „Der Ring weist deutliche

Gebrauchsspuren auf. Die Fialen sind

teilweise eingedrückt, ein Teil fehlt, vermutlich,

weil der Ring jahrhundertelang

in der Erde lag“, erklärt Kunsthistorikerin

Dr. Maria Stürzebecher, die den

Erfurter Schatz wie keine andere kennt.

Auf den glatten Dachflächen steht in

sechs gravierten hebräischen Buchstaben

die Inschrift „masel tow“, was wörtlich

übersetzt „Guter Stern“ heißt und

„Viel Glück“ bedeutet. Das weist den

Ring als eindeutig jüdisches Fundstück

aus. Er ist prachtvoll gestaltet. Der Goldschmied

war ein wahrer Meister. Aber

auch die Qualität des Goldes sticht heraus.

Nicht umsonst gilt der Erfurter

Hochzeitsring als wertvollster Teil des

Erfurter Schatzes, der über 600 Fundstücke

umfasst. „Seine Funktion war zeremonieller

Natur. Er wurde nicht als

Schmuck, sondern lediglich während der

Hochzeitszeremonie getragen“, erklärt

Dr. Maria Stürzebecher, die auf noch

eine weitere Besonderheit hinweist: „Innerhalb

des Häuschens läuft eine kleine

goldene Kugel, die bei Bewegung einen

leisen, hellen Klang erzeugt.“

Besonderheiten, die die Replik nicht

bieten kann, aber auch nicht soll. „Der

Erfurter Hochzeitsring soll etwas Einzigartiges

bleiben“, sagt Dr. Maria Stürzebecher,

die sich dennoch an der modernen

Konstruktion erfreut. „Die Replik hat

eine andere, ganz eigene Ästhetik“, sagt

sie und hofft, dass das neuzeitliche Pendant

die Menschen animiert, Erfurt und

die alte Synagoge zu besuchen. Das ist

auch das Ziel von Hardy Karius, der bereits

Kontakt mit dem Jüdischen Museum

in Berlin aufgenommen hat, um die

Nachbildung dort anzubieten.

„Weltweit gibt es nur zwei vergleichbare

mittelalterliche Hochzeitsringe

dieser Art. Wenn alles klappt, holen wir

den goldenen Ring aus Colmar in Frankreich

und den silbernen Ring aus dem

Schmuckfund von Weißenfels im Herbst

zu uns nach Erfurt“, sagt Dr. Maria Stürzebecher.

Der Leihvertrag mit der Moritzburg

in Halle ist bereits abgeschlossen,

mit dem Musée de Cluny laufen die

Verhandlungen noch.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Hardy Karius mit der

schwarzen Nachbildung aus

rhodiniertem Sterlingsilber.

Dr. Maria Stürzebecher mit

dem Original des Erfurter

Hochzeitsringes.

Seit 2018 betreibt Hardy Karius mit seiner Agentur Covermade einen kleinen Souvenirladen rund um die schöne Stadt

an der Gera.

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ENTDECKEN

MALEN KNOBELN

Was macht eine

Citymanagerin?

Umfrage: Gefällt Ihnen unser Journal?

3

Gutscheine

á 50 Euro für

das Hofbräuhaus

am Domplatz zu

gewinnen

Ist es Ihnen aufgefallen? Wir haben dieses Jahr

aufgestockt. Das SWE Journal hat nicht mehr

48, sondern 52 Seiten. Gefällt Ihnen das? Was

sagen Sie zu unserem neuen Papier? Und

wie gefällt Ihnen der Inhalt? Was halten Sie

von unserer Mischung aus Reportagen und

Geschichten über die Stadt Erfurt und ihre

Menschen? Wie finden Sie unsere Themen

rund um die Stadtwerke Erfurt? Was können

wir besser machen? Was würden Sie gern in

unserem Magazin lesen? Schenken Sie uns fünf

Minuten Ihrer Zeit und machen Sie bei unserer

Befragung mit.

Unter allen Teilnehmern verlosen wir drei

Restaurantgutscheine für das Hofbräuhaus am

Domplatz im Wert von jeweils 50 Euro. Teilnahmeschluss

ist der 20. August 2020.

Einfach den QR-Code

scannen. Aber auch

per www.stadtwerkeerfurt.de/swejournal

ist die Teilnahme möglich.

Wir sagen Danke!

K

ennt ihr schon unser

neues Entdeckermalbuch?

Darin wird nicht

nur erklärt, warum das Maskottchen

der Schulkommunikation

SWEPP heißt. Gemeinsam

mit einem kleinen

Jungen namens Tim führt

es auf 22 Seiten durch die

Welt der Erfurter Stadtwerke,

angefangen von der Reinigung

der Straßen und Plätze

über die Entsorgung von

Müll bis hin zur Versorgung

mit Strom, Gas und Wärme.

Per Stadtbahn geht es in

die Bäder oder den egapark.

Außerdem gibt es kindgerechte

Einblicke in die Versorgung

mit Trinkwasser.

Überall gilt es, nicht nur den

Buntstift zu zücken, sondern

auch kleine Aufgaben zu lösen.

Schaut selbst. Findet ihr

die neun Fehler, die sich im

Bild verstecken?

Das ganze Malbuch gibt

es auch als Download unter

www.stadtwerke-erfurt.de/

entdeckermalbuch.

W

enn man Erfurt liebt und eine Netzwerkerin

ist, dann wird man Citymanagerin. So ist es

jedenfalls im November in der Landeshauptstadt

Erfurt geschehen. Patricia Stepputtis heißt die Erfurter

Citymanagerin. Viele fragen sich, was macht denn

eine Citymanagerin? Ist nicht der Oberbürgermeister bereits

eine Art Citymanager?

Das Citymanagement kümmert sich um Geschäfte in

der Innenstadt. Eigentlich hat man das Prinzip des Centermanagements

von Einkaufzentren auf die Innenstadt

übertragen. Innenstädte sind auch Einkaufszentren und

ständig in Konkurrenz mit der „grünen Wiese“ und Onlineshop-Plattformen.

Deshalb gehört es zu den Aufgaben

von Citymanagern, Innenstadtgeschäften den

Rücken zu stärken, zwischen Geschäftsinhabern und Behörden

bzw. von Behörde zu Behörde zu vermitteln und

die Innenstadt zu beleben. Da sind Kommunikatoren,

Netzwerker und Brückenbauer gefragt. Der Werdegang

von Patricia Stepputtis hilft ihr in diesem Job. Die studierte

Kommunikationswissenschaftlerin hat Amtserfahrung,

arbeitete für ein freies Theaterprojekt in den USA und war

jahrelange Radiomoderatorin. Wenn man sie fragt, was

man für diesen Beruf mitbringen muss, so bekommt man

eine einfache, aber eindeutige Antwort: Erfurt lieben! Sie

hat an vielen Orten gewohnt, kann aber nur in Erfurt leben.

Sie musste immer zurückkommen.

Gleich am Anfang ihrer Tätigkeit hatte sie eine große

Herausforderung zu bewältigen: die Corona-Pandemie.

Die wochenlange Schließung von Geschäften und Restaurants

verlangte nach schnellen Lösungen, um nicht den

großen Onlineanbietern das Feld zu überlassen. Es wurde

die Aktion „Onlineshoppen, aber bitte lokal“ ins Leben

gerufen – mit großer Resonanz. Diese in Krisenzeiten er-

wachte lokale Solidarität möchte Citymanagerin Stepputtis

auch nach Corona am Leben halten. Das ist für sie sehr

wichtig, weil Geschäfte und Gastronomie die Lebendigkeit

– das Flair – der Innenstadt prägen. Sie sind das Gesicht

einer Stadt.

Sie sieht sich als „Kümmerer“ mit dem Blick für Einzigartiges.

Um die Einzigartigkeit weiterzuentwickeln, helfen

auch kleine süße Dinge, wie zum Beispiel ein typisches

Gebäck aus Erfurt. Touristen fragen oft danach, aber es

gibt noch kein typisches Erfurter Gebäck. Was nicht ist,

kann ja noch werden. Deshalb sucht sie nun mit Erfurter

Profi- und Hobbybäckern ein leckeres Souvenir – alte und

neue regionale Rezepte vermischt, gern mit einer schönen

Geschichte verbunden. Wer Ideen hat, kann sie gern

per E-Mail an citymanagerin@erfurt.de senden.

Im Vergleich mit anderen Innenstädten, braucht sich Erfurt

nicht zu verstecken. Wenn Patricia Stepputtis mit einem

Biss in ein Erfurter Gebäck die attraktive Innenstadt

versüßen kann, umso besser.

TEXT: IVO DIERBACH FOTO: STEVE BAUERSCHMIDT

Lokal ist stark

Mit #swelokal setzen wir als ein lokal verwurzeltes

Unternehmen ein Zeichen und wollen lokalen Unternehmen

und Initiativen den Rücken stärken. Hierfür

bieten wir unsere Social-Media-Kanäle an, um über

Serviceangebote zu informieren oder einfach mal einen

Blick hinter die Kulissen von Erfurter Geschäften

und Unternehmen zu ermöglichen. Es gibt hier noch

viel zu entdecken. Lokal kaufen stärkt Erfurt.

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Mehr Blühen.

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In unseren Vorverkaufsstellen und unter buga2021.de

Kontakte

■ SWE HAUPTSITZ

Magdeburger Allee 34, Erfurt

■ VERSORGUNG

Kommunales Dienstleistungszentrum

An-, Um- und Abmeldungen Gas, Strom und

Wasser, Telefon: 0361 564-1010

Störungsnummern

Strom 0361 564-1000

Wärme 0361 564-3000

Erdgas 0361 564-3333

Wasser 0361 564-1818

Entsorgung

Kundendienst

Telefon: 0361 564-3455

■ MOBILITÄT

EVAG-Mobilitätszentrum

am Anger: Beratung, Verkauf

und Information

Fahrplan und Tarifauskünfte

Telefon: 0361 19449

Kundenbetreuung

Telefon: 0361 564-4644

■ FREIZEIT

egapark Erfurt

Besucherservice

Telefon: 0361 564-3737

Bäder

Telefon: 0361 564-3532

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