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Berufsschule 2020-2

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Ausgabe 2/2020

www.goed-berufsschule.at

Außergewöhnliche

Zeiten erfordern

außergewöhnliche

Wege

Bundesleitung 12 – Gewerkschaft Berufsschule

+++ EINHALTEN DER HYGIENEMASSNAHMEN: DIE BS EHDV, PRINZGASSE 3, 1220 WIEN ZEIGT, WIEʼS GEHT +++

FOTOS: NICOLE FEICHTINGER


VORWORT

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

HERAUSFORDERUNG VORBILDLICH

GEMEISTERT

Lernort Schule – Der 13. März und noch

viel mehr der 16. März 2020 werden uns

noch lange in Erinnerung bleiben. Von der

offiziellen Mitteilung des BMBWF bis zur

Umsetzung vor Ort blieben unseren Schulleitungen

und den BerufsschullehrerInnen nur wenige

Stunden für das Umstellen vom gewohnten Unterricht

in der Schule auf den „neuen Regelunterricht“ –

Distance-Learning wurde geboren.

Lernort Betrieb – Fast zeitgleich wurden wir per Verordnung

in Kenntnis gesetzt, dass wir nicht mit allen

Lehrlingen im Unterricht rechnen können, da diese in

Berufen zur „Grundversorgung bzw. der Systemerhaltung“

mithalfen und somit Schulfreierklärungen für

ganze Berufsgruppen erfolgten. Einzelne Apotheken

sowie Betriebe im Handel u. dgl. mussten tatsächlich

zum Schutz der Risikogruppe auf Lehrlinge zurückgreifen,

um die Grundversorgung für die ersten Tage

zu sichern. Für viele Lehrlinge sah die Realität aber

anders aus: „Schulfrei erklärt“, aber doch zu Hause

sitzend wurden sie freiwillig von der Kollegenschaft

unterrichtet, individuelle Lösungen wurden erst nach

Ostern umgesetzt. Was hier aber den überwiegenden

Teil der Schulen und Betriebe auszeichnete, war die

Bereitschaft, für beide Seiten Lösungen möglichst

individuell zu schaffen, um die schulischen wie auch

wirtschaftlichen Interessen zu wahren. Der enorme

Einsatz, die Improvisationsbereitschaft sowie der aufopfernde

zeitliche Aufwand der BerufsschullehrerInnen

haben gezeigt, dass gerade die duale Ausbildung

auch in Krisenzeiten ein Erfolgsmodell mit Potenzial

ist. Euch allen ein herzliches DANKE!

Digitaler Unterricht – was bleibt? Hier werden wir die

Schulerhalter nicht aus der Pflicht nehmen, die Nachrüstung

der Hardware rasch voranzutreiben, um die

Digitalisierung 4.0, die die Lehrerschaft mit den eigenen

privaten PCs und Laptops während der Distance-

Learning-Phase so hervorragend gemeistert und

vorangetrieben hat, auch in den Schulen fortsetzen zu

können. Für den Sommer wünsche ich euch im Namen

des Bundesleitungsteams gute erholsame Wochen.

Wir hoffen, dass sich die beruflichen Überraschungen

über den Sommer in Grenzen halten werden.

Beste Grüße

Andreas Mascher

Vorsitzender der Gewerkschaft Berufsschule

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

Die Corona-Krise hat unser ganzes Land sowohl beruflich

als auch privat verändert. Die Kolleginnen und

Kollegen haben im Home-Office eine sehr gute Leistung

erbracht, sie müssen neben ihrer Unterrichtstätigkeit

aber auch viele Aufgaben erfüllen. Daher

müssen unsere KollegInnen unterstützt werden.

Verwaltungsunterstützung für LandeslehrerInnen

an berufsbildenden Pflichtschulen

Von der Führung eines Klassenbuches über Statistiken

bis zu Kustodiate und anderen Tätigkeiten müssen

die BerufsschullehrerInnen große administrative

Aufgaben erbringen. Durch viele Schulorganisationsformen

wie Lehrgangsunterricht, Blockunterricht,

Jahresunterricht ergeben sich noch mehr Verwaltungsaufgaben.

Ziel muss es sein, unsere LehrerInnen

vorwiegend pädagogisch und erzieherisch im

Unterricht einzusetzen und sie von zeitraubenden

Verwaltungsaufgaben zu befreien. Ich fordere für unsere

KollegInnen eine Halbtagskraft pro Direktion zur

ausschließlichen Durchführung und Unterstützung

bei Verwaltungstätigkeiten

der LehrerInnen.

Bundesweites einheitliches Altersteilzeitmodell

für LehrerInnen

Durch ein kontinuierliches Anheben des

Pension-Antrittsalters muss es für LehrerInnen

genauso möglich sein, die Arbeitszeit ohne

nachfolgende gravierende Kürzung der Pension, zeitnah

zum Pensionsantritt, zu verringern.

Unsere Kolleginnen und Kollegen kann man mit Recht

als Heldinnen und Helden des Alltags bezeichnen.

Zu glauben, dass nur die jetzige schwere Krise große

Herausforderungen an unsere Kolleginnen und Kollegen

stellt, ist ein Irrtum. Zu jeder Zeit werden unsere

BerufsschullehrerInnen sehr stark gefordert.

Gerhard Herberger

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XXXX

Im Präsenzunterricht werden die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen von den Schülerinnen und Schülern

unterschiedlich akzeptiert. Oft ist dies von der Umsetzung im Lehrbetrieb oder im privaten Bereich abhängig.

Shutdown

Der Corona-Shutdown aus der Sicht von zwei BerufsschuldirektorInnen.

FOTO: FRANZ PLEIL

Zu Jahresbeginn schien das COVID-19-Virus

ein rein asiatisches Problem zu sein. Dies

änderte sich schlagartig durch Bilder aus

überlasteten italienischen Spitälern, Meldungen

von unzähligen Todesopfern und Medienberichten.

Am Mittwoch, den 10. März, kam dann ein E-Mail

von BM Dr. Heinz Fassmann an die Direktionen indem

die etappenweise Schließung der Schulen

angekündigt wurde. Beunruhigte LehrerInnen und

SchülerInnen stellten aufgeregt Frage um Frage an

uns. Wird der Berufsschulunterricht ausgesetzt?

Kehren BerufsschülerInnen in den Lehrbetrieb zurück

oder bleiben sie zu Hause? Wann wird der „verlorene“

Unterricht nachgeholt? Kann es auch wie in

anderen Schultypen ein Distance-Learning geben?

Wie können SchülerInnen, die nicht EDV-affin sind,

dies bewältigen? Wie werden LehrerInnen in dieser

Zeit bezahlt?

Obwohl viele Details absolut noch nicht bekannt und

viele Fragen offen waren, musste schnell gehandelt

werden, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu

sein. Die Direktionen haben größtenteils selbstständig

entschieden und alle Vorbereitungen getroffen,

einen Fernunterricht aufzubauen. Die anwesenden

LehrerInnen haben mit den anwesenden SchülerInnen

Kontaktdaten ausgetauscht, Lernplattformen

und Kommunikationskanäle (wie z. B. LMS, Moodle,

Microsoft Teams, Google Classroom, Edu School,

Zoom, Discord, WhatsApp …) eingerichtet, Arbeitsaufträge

erteilt usw.

UMSTELLUNG AUF DISTANCE-LEARNING

Es war Freitag, der 13. März 2020, als dann die offizielle

Mitteilung vom BMBWF und den Bildungsdirek tionen

kam, dass ab Montag, 16. März, die BerufsschülerInnen

zu Hause über Distance-Learning unterrichtet

werden. Einerseits eine Erleichterung, als man wusste,

dass SchülerInnen und LehrerInnen weiterhin „beschäftigt“

werden und es auch Sinn macht, den Unterricht

weiterzuführen (zu Beginn war nur von Wiederholen

und Festigen die Rede). Andererseits war

eine große Unsicherheit da, wie lange das so gehen

wird. Bleibt es bei den angekündigten drei Wochen?

Auch die Schülerwohnhäuser und Internate mussten

geräumt werden, und die SchülerInnen mussten alles

mit nach Hause nehmen, bevor sie an diesem Freitag

abreisten. Ein Gefühl, als würden wir jetzt ein sinkendes

Schiff verlassen! Bei den ganzjährig organisierten

Berufsschulen mussten dann, in so mancher Klasse,

noch in der darauffolgenden Woche, in Abwesenheit

von SchülerInnen, mittels elektronischer Kommuni-

Von Franz Pleil,

Direktor der

LBS Mistelbach

Martina Jeindl,

Direktorin der

LBS Graz 3

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SCHULE

kation die Lernplattformen aufgebaut werden. Stolz

zurückblickend funktionierte das Distance-Learning

aufgrund des tollen Engagements vieler LehrerInnen

überraschend schnell und gut. Vereinzelt sind SchülerInnen

„abgetaucht“; mit großem Einsatz und unterschiedlichsten

Maßnahmen wie WhatsApp- und Telefonkontaktaufnahmen

bis spät in die Nacht versuchten

die LehrerInnen, alle in diesem Fernunterricht

mitzunehmen und niemand zurückzulassen.

PRÄSENZUNTERRICHT MIT HYGIENEMASSNAHMEN

Die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich

warten, lehrgangsmäßige Berufsschulen mussten

den 3. Lehrgang per Fernunterricht abschließen, die

Benotung und das Erstellen der Zeugnisse sollten

möglichst ohne persönliche Kontakte erfolgen, Klassenkonferenzen

wurden über Video geführt, und alles

funktionierte aufgrund des großen Engagements

aller. Gleichzeitig wurde die Planung des Starts des

4. Lehrgangs für das Distance-Learning vorbereitet.

Schwierigkeiten bereiteten neben den vielen offenen

Fragen allgemeine Medienmeldungen, die nicht

auf das Berufsschulwesen zutrafen und von SchülerInnen,

Eltern und Lehrbetrieben oft falsch interpretiert

wurden. Die Telefone in den beiden Wochen des

Lehrgangswechsels liefen in den Direktionen heiß.

Obwohl auch hier (in Direktionen und Sekretariaten)

durch Home-Office die sozialen Kontakte ausgedünnt

werden mussten. Schließlich die Nachricht

vom BMBWF, der Schulbetrieb wird etappenweise

(Abschlussklassen ab 4. Mai und weitere Klassen im

Schichtbetrieb ab 3. Juni) wieder hochgefahren, und

Schülerbeherbergungsbetriebe öffnen ihre Zimmer

mit geringer Schülerbelegung (max. 2 Schüler pro

Zimmer).

Das Distance-Learning funktionierte schnell und gut.

Zitat aus der Verordnung: „Schülerinnen und Schüler

von Abschlussklassen … können … von der Schulbehörde

in Abstimmung mit der Schulleitung ab 4. Mai

vom ortsungebundenen Unterricht ausgenommen

werden.“

Diese Verordnung wurde in den Bundesländern unterschiedlich

umgesetzt, und auch die Situationen

an den einzelnen Schulen sind sehr individuell. Daher

waren auch hier die Direktionen gefordert, in kurzer

Zeit Planungen durchzuführen; die Schülerkontakte

zu minimieren, die Stundenpläne und Raumpläne für

die Präsenzphase zu optimieren, die Hygieneartikel,

zu organisieren und vieles andere mehr. Im Präsenzunterricht

werden die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen

von den SchülerInnen unterschiedlich

akzeptiert. Diese ist oft davon abhängig, wie Hygienemaßnahmen

(MNS-Maske und Abstand halten) in

ihrem Lehrbetrieb oder im Privatbereich eingehalten

wurden. Abschließend können wir die Erfahrungen

aus dieser Krise zusammenfassen:

1. Entscheidungen mussten und müssen in dieser

Krise vom BMBWF schnell getroffen werden und

von den Direktionen rasch umgesetzt werden.

Danke an die MitarbeiterInnen des BMBWF und an

den Bundesvorsitzenden Andreas Mascher, die im

Berufsschulbereich trotz aller Schwierigkeiten die

Sozialpartnerschaft leben.

2. Die Kommunikation mit allen Beteiligten und klare

Information an alle Beteiligte sind eines der wichtigsten

Kriterien für das Funktionieren des Krisenmanagements

der Schule.

3. Den Lehrerinnen und Lehrern gilt ein großer Dank

für das Engagement im Distance-Learning, den Zusammenhalt

im LehrerInnenteam und der Unterstützung

bei den durchzuführenden Maßnahmen.

4. Leider ist es durch den „ortsungebundenen Unterricht“

und das „Home-Office“ schwierig, private

und dienstliche Räume und Zeiten abzugrenzen,

und die „ständige Verfügbarkeit“ führt oftmals zu

einer hohen Belastung der Kollegenschaft.

Obwohl wir im Berufsschulbereich trotz aller Herausforderungen

bis jetzt die Krise gut meistern konnten,

wissen wir zum derzeitigen Zeitpunkt noch immer

nicht, wie es im Herbst weitergehen wird. Wie wirken

sich „Schulöffnungen“ aus? Wird es eine weitere Infektionswelle

geben? Welche Maßnahmen müssen

weiterhin gesetzt werden? Auf alle Fälle wissen wir,

dass dieses Virus seine Spuren in vielen Bereichen

unseres Lebens hinterlassen wird. l

FOTO: MARTINA JEINDL

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Österreich – Europa – die ganze Welt in den Fängen der Covid-19-Pandemie

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Von heute auf morgen prägte „Open Distance

Learning“ unseren Schulalltag. Dass diese Art des

Unterrichtens so gut funktioniert, ist durch den

enormen Einsatz der EDV-Kustoden, das großartige

Engagement sowie die Kreativität aller KollegInnen

gesichert. Vielen herzlichen Dank dafür!

Einerseits stellt sich der Zugewinn an digitalen

Kompetenzen und Eigenständigkeit für unsere

SchülerInnen als äußerst positiv dar, andererseits

zeigt uns diese Ausnahmesituation, dass nur durch

Präsenzunterricht fachpraktische und soziale Fähigkeiten

bestens gefördert werden können. Positiv

zu bewerten sind auch jene Aussagen von SchülerInnen,

dass sie sich sehr darauf freuen, wieder in

der Berufsschule lernen zu dürfen!

Eine spannende Zeit mit vielen Herausforderungen

und Erkenntnissen!

Bleibt gesund!

Liebe Grüße aus Salzburg, Andrea

Von

Andrea Galster

ZA-Vorsitzende Salzburg

Ob zu Hause in Videokonferenzen

oder vor Ort

im Lehrbetrieb –

Zusammenhalt prägt

diese Ausnahme situation.

Über Nacht ist alles anders

Keine „Vorbereitungszeit“ … Das „Leben“ muss

dennoch weiterlaufen, aber WIE? Anders eben! …

Diese Situation stellt ALLE vor enorme Herausforderungen,

aber explizit angesprochen auf den

Bereich der Personalvertretung können wir Folgendes

sagen:

Dieses „WIE“ hat natürlich schlagartig einen regelrechten

Ansturm von Telefonaten und einer

Schwemme von Nachrichten und E-Mails seitens

der Kollegenschaft an die Zentralausschüsse ausgelöst.

Sorgen, Ängste, Unsicherheit sowie inhaltliche

Fragen Einzelner stehen nach wie vor auf der

Tagesordnung.

Die Palette an Anliegen ist äußerst umfangreich

und an uns, an den ZA, als nicht immer der richtige

Adressat, gerichtet. Fragen wie: Wann wird

wie unterrichtet; setzen wir mit Lehrgängen aus,

unterbrechen wir Lehrgänge; wird in den Ferien

unterrichtet; Fragen zu Lernplattformen; Hilfe um

Unterstützung, weil zu wenig Kapazität

vorhanden war; was tun,

wenn Lehrlinge keine Arbeitsaufträge

abgeben; Beurteilungsfragen;

Liste der kritischen Infrastruktur

überdenken; können

Schülerwohnheime öffnen; wie kann dort alles

ablaufen; wer zählt zu den Risikogruppen; was ist

zu tun, wenn nahe Angehörige der Risikogruppe

angehören; können Lehrlinge nicht doch von der

Kurzarbeit abgemeldet werden; ist man an den

Stundenplan zeitmäßig gebunden – und, und, und


Das Wesentlichste war und ist, so schnell als möglich

richtige Informationen zu erhalten. Wir richten

deshalb an dieser Stelle den größten DANK an die

Bundesgremien, da sie uns Tag und Nacht mit den

aktuellsten Infos versorgen und wir mit ihnen im

konstruktiven Austausch stehen können.

So fordernd diese Zeit für alle auch ist – und es gilt

ein BESONDERES DANKESCHÖN ALLEN, die mit

unfassbarem Einsatz und Engagement für unsere

Jugendlichen tätig sind –, so ist zu bedenken, dass

die Gesundheit den höchsten Wert darstellt und

wir alle gemeinsam deshalb weiterhin versuchen

sollen, bestmöglich durch diese

Zeit zu kommen. Die ZAs unterstützen!

Beste Wünsche und

GESUND BLEIBEN –

Belinda und Elisabeth

Elisabeth Faistenauer,

ZA-Vorsitzende Tirol

Belinda Kalab,

ZA-Vorsitzende NÖ

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ZU HAUSE

Home-Office und

Distance-Learning

Aus der Sicht einer Mutter, einer Berufsschullehrerin und

einer Gewerkschafterin … Ein Bericht aus Wien.

VON NICOLE FEICHTINGER

Am Freitag, den 13. März 2020, war es für

mich traurige Gewissheit – die Schulen

schlossen ihre Tore – kein direkter Kontakt

mit den Schülerinnen und Schülern im Unterricht!

In Windeseile wurden sämtliche Plattformen für

den Online-Unterricht durchforstet, studiert und

aktiviert. Laptops und/oder Notebooks wurden

für die Schülerinnen und Schüler organisiert, Aufgaben

auf Homepages geladen, Schulmailadressen

benutzt und bekanntgegeben. Die Digitalisierung

konnte in wenigen Tagen fast flächendeckend

umgesetzt werden. In Krisenzeiten werden wohl

Kräfte wachgerüttelt, die sonst im Verborgenen

schlummern.

EIN NEUER TAGESABLAUF

Viele unserer Schülerinnen und Schüler im Handel

waren aber auch vor Ort und haben gezeigt, dass sie

ein wichtiger Motor für die Wirtschaft sind. Plötzlich

stieg das Ansehen des Lehrberufs, aber auch das

des Lehrers. Schule ist eben nicht nur ein Ort der

Wissensvermittlung! Es geht um soziale Bindungen,

um die Beziehungsebene und die Tatsache, dass

der Lehrer als Person in einem Bildungssystem

nicht online ersetzbar ist.

Für mich persönlich war es eine Umstellung – bisher

war die Digitalisierung noch nicht wirklich

angekommen. Als Lehrerin und Mutter

schulpflichtiger Kinder war die erste Herausforderung,

einen geregelten Tagesablauf

zu organisieren – und alles, was dazu

gehört. Aber ich hatte Glück, denn meine

Töchter gehören zu den ehrgeizigen und

interessierten Schülerinnen, und so habe

ich sie, wenn überhaupt, nur begleitet – und dafür

möchte ich hier an dieser Stelle ein großes DANKE-

SCHÖN an meine beiden Mädels sagen!

Dadurch war und ist es für mich eine ruhige, besonnene

Zeit – es geht uns körperlich und psychisch gut

– nur der soziale Kontakt zur Außenwelt fehlt! Die

Freude über die Schulöffnung ab 18. Mai 2020 war

vor allem für die Jüngere ein lang ersehntes Ereignis.

Meine Töchter schätzen ihre Lehrerinnen und Lehrer

sehr, und auch ich durfte mich über viele Schülerinnen

und Schüler freuen, die zugaben, dass die Schule,

die anderen Lehrlinge, aber auch wir, die Lehrerinnen

und Lehrer, fehlen! Das tat gut, denn es ging mir nicht

anders.

Einiges wird in so einer Situation nichtig, manches

komplett uninteressant. Der tägliche Kampf um meinen

Laptop wurde mit einem Zeitplan besiegt, die

tägliche Frage nach dem Mittag- und Abend essen

war nach ungefähr zwei Wochen erledigt, als ich

feststellte, dass wir genug an Kochbüchern im Haus

haben und ich meiner Kreativität freien Lauf lassen

konnte. In den ersten Wochen wurde unter anderem

geputzt, ausgemistet, gebacken und viel gelesen –

unglaublich, wie viele Bücher ein Heim bei uns gefunden

haben und trotzdem nicht gelesen wurden. Aber

nach dem ersten Schock über diesen Lockdown kam

Ehrgeizig und interessiert: Jasmin und Victoria

Feichtinger arbeiten sehr selbstständig.

6 • www.goed-berufsschule.at 2-20


ZU HAUSE

Home-Schooling: Feedback von

SchülerInnen des 3. Lehrgangs der

Berufsschule 3 Wels

Unsere Mottotafel im

Hause Feichtinger

trotz allem auch eine Phase des „Ich mag jetzt nicht

mehr!“ und ein großer Wunsch nach der alten „Normalität“.

ZEIT FÜR EIN UMDENKEN

Wir sind soziale Wesen und brauchen in den meisten

Fällen auch Kontakt zu anderen Menschen. Umso

größer war die Freude über die geplanten Schulöffnungen.

An dieser Stelle bedanke ich mich aber auch

bei „meiner“ Schulleitung, OSRin Eva-Maria REDL,

BEd und SRin Dagmar RÄUSCHL, BEd, MSc, die dafür

gesorgt haben, dass wir gut informiert (tägliche Morgenpost

online) blieben und gut ausgestattet und geschützt

den Unterricht wieder aufnehmen konnten.

Diese Zeit hat aber auch zu kritischen Gedanken

und teilweise auch Unmut geführt – aus gewerkschaftlicher

Sicht: Plötzlich werden Desinfektionsmittel

und Seifen in großen Mengen zur Verfügung

gestellt, wo es gerade in Wien in vielen Klassenräumen

am Warmwasser scheitert! Gut, im Klassenraum

vielleicht nicht weiter tragisch, aber wie sieht

es da in manchen Werkstätten und ähnlichen Praxisräumen

aus? Die Realität ist leider erschütternd:

Da können manche Räume nicht genutzt werden,

da die Wasserleitungen von Legionellen befallen

sind! In anderen Schulen sind schlicht und ergreifend

keine Anschlüsse in den Werkstätten vorhanden,

weshalb die Schülerinnen und Schüler erst zu

den WC-Waschbecken gehen müssen, um sich die

Hände gründlich zu waschen.

Der Schulerhalter beschwichtigt seit Jahren – nach

dieser Krisenzeit sollte es aber an der Zeit für ein Umdenken

sein – für die Gesundheit unserer Schülerinnen

und Schüler, aber auch für die Gesundheit unserer

Kolleginnen und Kollegen! Nicht nur in Zeiten der

Corona-Krise! Dies sollte eine Selbstverständlichkeit

sein! Wir dürfen gespannt sein! l

„Als auf Grund der Corona-Krise das Lernen von zu Hause

aus begann, wussten wir zunächst alle nicht, wie es weitergehen

würde, und waren etwas überfordert. Doch ich

habe dann angefangen, das Home-Learning als Chance

zu sehen, selbstständiger zu werden und das Beste daraus

zu machen. … Trotz dieser oft sehr zeitintensiven

Arbeiten, an denen ich teilweise deutlich länger als in

der Schule gesessen bin, war es eine interessante Erfahrung,

die auch gute Seiten hatte.“ (1. Klasse Berufsschule,

Bürokaufmann/-frau – 1BK)

„Am Anfang hatte ich etwas meine Zweifel, weil ich dachte,

ich kann keinen um Hilfe fragen und in derselben Sekunde

eine Rückmeldung erhalten. Zu Hause ist das eben

nicht so, man muss seinen Kopf etwas mehr anstrengen

als sonst. Gut gefallen hat mir, dass es einige Lehrer gab,

welche wirklich Rücksicht genommen haben, weil sie

wussten, dass es für uns alle eine Ausnahmesituation ist.

Die Lehrer waren auch immer erreichbar und haben auf

jede Frage geantwortet.“ (1BK)

„Es war in manchen Fächern ziemlich schwierig, Dinge

nur anhand der Bücher oder mitgeschickten Word-

Dokumente zu lernen. Deshalb hatte ich auch manchmal

Stress mit den Abgabeterminen, weil es sehr viel zu machen

gab und ich mir vorher alles zu dem Thema durchlesen

musste. Mit den Klassenkollegen war ich immer in

Kontakt, und wir haben uns oft helfen können. Auch meine

Eltern waren oft hilfsbereit bei Fragen. Im Notfall habe

ich eine E-Mail an die Lehrer gesendet.“ (1BK)

„Die Internetverbindung spielt auch eine große Rolle.

Manchmal konnte man sehr langsam am PC arbeiten,

oder das Schicken der Aufgaben hat sehr lange gedauert.“

(1BK)

„Obwohl ich bis jetzt noch nicht so viel über diese Themen

gewusst habe und vor Ihrem Unterricht auch ehrlich

gesagt wenig Interesse dafür hatte, haben Sie es trotzdem

geschafft, mich für dieses Fach zu begeistern und Interesse

für Laptops, Software, Speicherkarten usw. aufzubringen.

Ich finde, dass es wichtig ist, sich etwas auszukennen,

wenn man z. B. eine App downloadet, und dass

man weiß, wie viel z. B. 192 MB eigentlich sind.“ (1BK)

„Als durch das Coronavirus die Schule von zu Hause stattfand,

war um einiges mehr zu erledigen als in der Berufsschule.

Es war eigentlich jeden Tag für mich persönlich

sehr stressig und umfangreich und vor 18 bis 19 Uhr war

ich selten mit den Arbeitsaufträgen ganz fertig.“ (1BK)

7 • www.goed-berufsschule.at 2-20


INFO-ECKE

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VON NICOLE FEICHTINGER

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Vorsitzenden

Andreas Mascher

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Zeitung beginnend

ab 2010

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IMPRESSUM

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Herausgeber und Medieninhaber: GÖD Wirtschaftsbetriebe GmbH, Teinfaltstraße 7, 1010 Wien. Redaktion: Nicole Feichtinger (Leitung),

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