60 Jahre THW Forchheim - (THW) - Ortsverband Forchheim

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60 Jahre THW Forchheim - (THW) - Ortsverband Forchheim

60 Jahre

THW Forchheim


Grußwort Schirmherr

Franz Stumpf

Oberbürgermeister der

Stadt Forchheim

Der Ortsverband Forchheim der

»Bundesanstalt Technisches

Hilfswerk« kann in diesem Jahr

auf 60 Jahres seines Bestehens zurückblicken.

Vor einer Dekade beging

das THW Forchheim sein rundes 50jähriges

Jubiläum und wurde für seine Einsätze

mit allen geleisteten Schutz- und

Versorgungsmaßnahmen gebührend

gewürdigt. Und auch jetzt, zehn Jahre

später, besteht nicht minder Anlass,

sich beim THW und seinen vielen hundert

Helfern aufrichtig zu bedanken

und dessen Bedeutung im öffentlichen

Sicherheitswesen gebührend zu betonen.

Aus diesem Grund habe ich erneut

mit Freude und aus voller Überzeugung

die mir angetragene Schirmherrschaft

übernommen.

In den vergangenen zehn Jahren verzeichnete

die Chronik des THW Forchheim

zwei einschneidende Veränderungen.

An erster Stelle ist der Umzug

des Vereinsgeländes von der Hainbrunnenstraße

1 auf das Anwesen Zur

Staustufe 38 zu nennen. Für die Funktions-

und Innovationsfähigkeit des

THW stellte der Liegenschaftswechsel

einen bedeutenden Schritt nach vorn

dar.

Aber auch in personeller Hinsicht hat

sich Wichtiges getan, denn mit Christian

Wilfling steht nach der langen und

erfolgreichen Ära Holger Lehnard ein

neuer Mann an der Spitze des Technischen

Hilfswerks. Wie die ersten Jahre

seiner Amtsführung zeigen, wird auch

er in der Geschichte dieser Hilfs- und

Rettungsorganisation neue Kapitel

aufschlagen. Getragen vom Einsatzwillen

und der Überzeugung aller ehrenamtlichen

Unterstützer sowie auf der

Grundlage fachlicher Kompetenz wird

er zusammen mit seinem Führungsteam

weiterhin erfolgreiche Arbeit zum

Wohle der Allgemeinheit und des Ortsverbandes

leisten.

Die Stadt Forchheim weiß aus gutem

Grund, dass sie im Rettungswesen auf

das THW und die Freiwilligen Feuerwehren

bauen kann. Dies gilt nicht nur

bei Unglücks- und Katastrophenfällen,

sondern auch für Ausnahmeveranstaltungen

wie die großen Festzüge im

Fasching oder zum Annafest, wo die

sichernde Begleitung durch das THW

zu einem gewohnten Bild geworden ist.

Für die Arbeit der kommenden Jahre

und die positive Entwicklung sind eigentlich

beste Voraussetzungen gegeben.

Die demografische Entwicklung,

einhergehend mit gravierenden sozialen

und kulturellen Leitbildwechseln,

lässt sicherlich selbst das THW nicht

unberührt. Aber gerade in solchen Situation

gilt, durch das eigene Beispiel

und die kollektiven Engagements und

Leistungen immer neue Begeisterung

für Einrichtungen wie das THW zu erwirken.

Die Stadt Forchheim, die auf das ehrenamtliche

Rettungswesen auch in

Zukunft baut, wird hierbei ihre Unterstützung

nicht versagen. Herzlichen

Glückwunsch!

3


Grußwort

Reinhardt Glauber

Landrat des

Landkreises Forchheim

60

Jahre THW Ortsverband

Forchheim, 40 Jahre örtliche

THW-Jugend und 25

Jahre Helferverein. Die »Faszination

Helfen«, wie das THW selbst titelt, ist

tief in Forchheim verwurzelt. Zu diesen

drei Jubiläen gratuliere ich sehr herzlich.

In den letzten 60 Jahren mussten so

manche heikle und kräftezehrende, nationale,

wie auch internationale Einsätze

geleistet werden. Die Einsatzmöglichkeiten

des THW sind vielfältig. Egal

ob es darum geht bei Bergungsarbeiten

nach Unfällen zu unterstützen, Sturmschäden

zu beseitigen oder Keller nach

einem Unwetter auszupumpen. Das

THW steht bereit und leistet Hilfe.

Ein Höhepunkt der jüngeren Geschichte

des Ortsverbandes Forchheim war

sicherlich der Neubau und Umzug in

die neuen Gebäude. Nach 20 Jahren am

alten Standort an der Hainbrunnenstraße

konnte der Ortsverband Ende

2006 sein neues Gelände an der Staustufe

beziehen. Auch der Landkreis

Forchheim beteiligte sich im Rahmen

des Katastrophenschutzes am Bau

des neuen Domizils. Damit soll sichergestellt

werden, dass die vorhandene

Ausrüstung optimal gelagert und damit

jederzeit einsatzbereit ist. Denn

das ist eines der »Probleme« des THW:

Einsätze kündigen sich in der Regel

nicht an. Die technischen Hilfeleistungen

können jederzeit erforderlich werden.

Man ist darauf angewiesen, dass

auch die Helfer in kürzester Zeit zum

Einsatz zur Verfügung stehen.

Das THW kann nur mit ehrenamtlichen

Helfern bestehen, die sich unermüdlich

und selbstlos einsetzen. Durch die Abschaffung

der Wehrpflicht und damit

auch des Ersatzdienstes, wird das THW

zukünftig vor dem Problem stehen, immer

genügend Helfer zu finden. Hier

macht sich die Nachwuchsarbeit der

örtlichen THW-Jugend bezahlt. Das

spielerische Heranführen der Jugend

an die Technik sowie die Gemeinschaft

fasziniert und stärkt das Gemeinschaftsgefühl

gleichermaßen.

Der persönliche Einsatz eines jeden

Einzelnen ist unbezahlbar. Eine Organisation,

die nur zu einem Prozent aus

hauptamtlichen Mitarbeitern besteht,

könnte nicht erhalten bleiben, wenn

man die Ehrenamtlichen durch bezahlte

Einsatzkräfte ersetzen müsste.

Mein besonderer Dank gilt daher all

denjenigen, die dazu regelmäßig bereit

sind, ihre Freizeit zu opfern, um durch

ihren Einsatz anderen Menschen zu

helfen. Hoffen wir, dass auch zukünftig

immer genügend Freiwillige zum

Dienst bereit sind und damit der »Faszination

Helfen« erliegen.

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Grußwort

Albrecht Broemme

Präsident der Bundesanstalt

Technisches Hilfswerk

Sechs Jahrzehnte technisch-humanitäre

Hilfe und bürgerschaftliches

Engagement, Kompetenz

und Zuverlässigkeit, Improvisationstalent

und Spontaneität, Hilfe und Einsatz

für den Nächsten: Das sind gute

Gründe zu feiern. Vor allem, wenn

zu den 60 Jahren THW-Ortsverband

Forchheim noch 40 Jahre THW-Jugend

und 25 Jahre Helferverein hinzukommen

– dies sind zusammengerechnet

stolze 125 Jahre! Ich gratuliere den

Geburtstagskindern herzlich zu ihren

runden Geburtstagen.

Die Region Franken hat mit diesem

Ortsverband, dessen Nachwuchs und

dem Helferverein ein starkes und

großartiges Team. Die Helferinnen

und Helfer leben mit Überzeugung die

»Faszination Helfen«. Sie leisten einen

beispielhaften und selbstlosen Beitrag

für das Gemeinwohl und werden dabei

vom Helferverein unterstützt.

Es ist diese Begeisterung, sich für

Menschen einzusetzen, die auf Hilfe

angewiesen sind, die den Ortsverband

Forchheim antreibt und ihn in Bewegung

hält. Und die bewährt sich bei

den Einsätzen im In- und Ausland, bei

Übungen und Veranstaltungen mit den

Feuerwehren, der Polizei, den Hilfsorganisationen,

der Stadt und den Gemeinden.

Die Helferschaft des Ortsverbandes

sorgt mit ihrer Hilfsbereitschaft dafür,

dass sich das blaue Zahnrad des THW

dreht. So konnte sich der Ortsverband

zu einem bewährten Bestandteil der

örtlichen Gefahrenabwehr und zu einer

festen Größe im Bevölkerungsschutz

entwickeln.

Für ihren Einsatz und ihre Leistungsfähigkeit

danke ich den Helferinnen und

Helfern des Ortsverbandes Forchheim

sehr. Ich wünsche ihnen, dass sie ihre

Überzeugung und Begeisterung auch

in Zukunft mit ganzer Kraft leben, und

bitte auch weiterhin um die Unterstützung

ihrer Familien, Freunde und

Arbeitgeber – und natürlich des Helfervereins.

Ohne diese vielfältigen Unterstützungen

wäre ein solches Engagement

nicht machbar.

Dem Ortsverband Forchheim wünsche

ich alles Gute und seiner Helferschaft

stets eine gesunde Rückkehr von Einsätzen

und Übungen.

Glück auf!

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Grußwort

Dr. Fritz-Helge Voß

THW-Landesbeauftragter

für Bayern

Liebe THWler,

verehrte Freunde und Unterstützer des

Ortsverbandes Forchheim,

Ein sechzigjähriges Jubiläum feiern

zu dürfen ist ein besonderes

Ereignis! Es sind starke und motivierte

Persönlichkeiten, die den Ortsverband

Forchheim zu einer Erfolgsgeschichte

gemacht haben. Mit dem

Willen, für andere konkret und effizient

da zu sein, haben sich die Helferinnen

und Helfer des Ortsverbandes in den

vergangenen sechzig Jahren ihren Aufgaben

gewidmet. Die Erfolge sind für

jeden deutlich sichtbar.

Ein Beispiel dafür liefert der Neubau

der Unterkunft, die 2007 nach vielen

Anstrengungen und über 8.000 Stunden

Eigenleistungen eingeweiht werden

konnte. Aber auch weitere, für einen

THW-Ortsverband lebenswichtige

Bereiche zeigen im Ortsverband Forchheim

was Ehrgeiz, Willenskraft und

Fleiß bewirken können.

Mit drei Jugendgruppen und über

vierzig Junghelferinnen und -helfern

leistet dieser Ortsverband einen ausgezeichneten

Beitrag zur Erhöhung

der Bekanntschaft des Technischen

Hilfswerks in der Gesellschaft und zur

Nachwuchssicherung.

Im Ausland haben die Einsatzkräfte

des Ortsverbandes in Großschadens-

lagen, wie bei dem Hochwasser 2003

in Südfrankreich und 2010 in Polen, die

Bundesrepublik Deutschland ehrenhaft

vertreten.

Mit einem leistungsstarken, standardisierten

Einsatzmodul wie das »High

Capacity Pumping Modul« liefert das

THW Forchheim eine Einsatzeinheit,

die europaweit bei Hochwasser angefordert

und eingesetzt werden kann.

Auch im Inland sind die taktischen Einheiten

des Ortsverbandes in der örtlichen

Gefahrenabwehr bestens eingebunden.

All diese erfreulichen Ergebnisse wären

ohne das überdurchschnittliche Engagement

der Helferinnen und Helfer

des THW Forchheim, in den vergangenen

sechzig Jahren so nicht zustande

gekommen. Mein herzlicher Dank gilt

ihnen und all den Menschen und Institutionen,

die diesen Ortsverband bis

heute begleitet und unterstützt haben!

Ich wünsche Ihnen, dass das THW-

Leben in Forchheim sich weiterhin so

positiv entwickelt, um unser Wissen

und Können zu bewahren und an die

nächsten Generationen weiter zu

geben!

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Grußwort

Curd Mohr

Geschäftsführer der

THW-Geschäftsstelle Bamberg

Chapeau! – oda aaf fränggisch

»Huod ab«

Man hätte auch »Ehre, wem

Ehre gebührt« als Überschrift

wählen können, aber dann

wäre es mit der fränkischen Übersetzung

wohl noch schwieriger geworden.

60 Jahre Ortsverband Forchheim sind

eine Erfolgsgeschichte, die ihres Gleichen

sucht. Als zuständiger Geschäftsführer,

der außer den »Forchheimern«

noch 9 weitere Ortsverbände zu seinem

Zuständigkeitsbereich zählen darf

und in 32 THW-Jahren auch schon einiges

erlebt hat, kann ich diese Tatsache

nur bestätigen. Der Weg und die Entwicklung

die der Ortsverband in diesen

60 Jahren genommen hat, war geprägt

von großen Erfolgen, kleineren Rückschlägen,

manchmal knallharten und

dennoch auf die Sache fokussierten

Diskussionen und vielen, vielen Einsätzen,

an die man sich gerne und lange

zurückerinnert. Diese Erfolge spielen

nicht nur auf der örtlichen Bühne in

und um Forchheim, sondern in ganz

Deutschland, in Europa und in der Welt.

Forchheimer Helfer und Helferinnen

haben seit Gründung des Ortsverbandes

schon in vielen Städten, Regionen

und Ländern tatkräftig geholfen.

Was macht die Forchheimer Kameraden

und Kameradinnen so erfolgreich?

Wie ist das Rezept?

Für Andere da zu sein, zu helfen,

schnelle und effektive technische Hilfe

zu leisten, gut ausgestattet gute Arbeit

zu leisten, aber sich auch ein Stück weit

aus der Masse hervorzuheben, anders

zu sein, neue Wege zu gehen und sich

als einer »der« Ortsverbände in Bayern

zu positionieren, ist der rote Faden,

der sich hier ganz klar durch die

letzten 60 Jahre hindurch zieht. Kameradschaft,

Verlässlichkeit, Loyalität,

Selbstbewusstsein, Selbstverständnis

und eine klares Bekennen zu den Zielen

der Bundesanstalt THW sind und

waren die Bausteine für jederzeit belastbares

Fundament der THW-Familie

Forchheim. Es ist ein Zusammenspiel

von vielen Faktoren, einer ausgewogenen

Führung, fordernd und fördernd

zugleich und dem Geschick, dass sich

hier jeder nach seiner Fashion einbringen

kann, geschätzt und geachtet wird.

Sich selbst als einen Teil einer Gemeinschaft

wahrnehmen zu können, die in

der Lage ist, schwierigste Situationen

zu meistern, ist der Schlüssel.

Und so ist es auch nicht verwunderlich,

dass die politische Entscheidung, die

Wehrpflicht auszusetzen, im Ortsverband

Forchheim wenig Spuren hinterlässt.

Das THW ist zu seinen Wurzeln

zurückgekehrt. Auch vor 60 Jahren

waren es Freiwillige, die die Grundlage

unserer Organisation gebildet haben.

Trotzdem - die Bereitschaft sich ehrenamtlich

zu engagieren, steht heutzutage

anderen Rahmenbedingungen

gegenüber. Gutes und Nützliches zu

tun, ist nicht mehr ausreichend, man

muss auch darüber reden. Diese Leistung,

die hier von Mitmenschen für

Mitmenschen erbracht wird, muss in

der öffentlichen Meinung präsent, anerkannt

sein und geschätzt werden. Es

geht um die öffentliche Meinung. Um

dass, was wir mit dem Stichwort THW,

den blauen Fahrzeugen und den Männer

und Frauen in den ultramarin-farbenen

Einsatzanzügen verbinden.

Wenn diese Wahrnehmung, dann ist:

»Toll, das sind die vom THW, die können

uns helfen« oder »Ich bin stolz hier

im THW mitzuarbeiten« oder »Auf die

vom THW können wir uns verlassen«

dann haben wir, der Ortsverband und

alle die daran beteiligt sind, alles richtig

gemacht.

Daher an dieser Stelle Dank und Anerkennung

an alle Helfer und Helferinnen,

die in dieser langen Zeit dazu beigetragen

haben, aus dem Ortsverband

Forchheim das zu machen, was er heute

ist. Taten zählen hier mehr, als Worte

ausdrücken können. Dank auch an alle

Sympathisanten und Unterstützer, an

die finanziellen Förderern und Gönner.

Dank an die politisch Verantwortlichen,

die erkannt haben welches Potential

hier zur Verfügung steht, wenn man es

einbindet und fördert. Bitte werden Sie

nicht müde und stehen Sie auch weiterhin

Ihrem Ortsverband mit Rat und

Tat zur Seite. Auch die engagiertesten

Helfer brauchen einmal Hilfe.

Ich wünsche dem Ortsverband und seiner

Führung auch weiterhin die glückliche

und erfolgreiche Hand bei dem, was

die Zukunft bringen mag. Ich wünsche

den Forchheimer Bürgerinnen und

Bürgern, dass es auch zukünftig viele

aus ihren Reihen gibt, die sich von dem

Korpsgeist des Ortsverbandes Forchheim

anstecken und mitnehmen lassen.

In dankbarer Anerkennung »Hut

ab« und für die Zukunft ein herzliches

»Glück auf!«

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Grußwort

Christian Wilfling

THW-Ortsbeauftragter

für Forchheim

Liebe Freunde, liebe Kameraden,

Die letzten 10 Jahre waren nicht

nur für den Ortsverband Forchheim,

mit dem Neubau der Unterkunft

und diversen Einsätzen, sehr

ereignisreich, auch das THW insgesamt

wurde vor neue Herausforderungen

gestellt.

Die Prioritäten mussten innerhalb kürzester

Zeit neu sortiert werden - im

Mittelpunkt des Interesses stehen nun

die Helfererhaltung und die Helfergewinnung

– wie kann man Menschen

motivieren, unbezahlt ihre Freizeit zu

opfern? Die Antwort darauf ist eigentlich

gar nicht so schwer – für die Helfer

muss es weiterhin Freizeit bleiben, in

der man Spaß und Abwechslung hat,

in der man im Team was erreicht, in

der man auf andere Gedanken kommt

und den beruflichen Alltag mal hinter

sich lassen kann. Dazu haben wir am

Standort Forchheim beste Voraussetzungen.

Wir sind seit 40 Jahren in der Jugendarbeit

tätig und generieren dadurch

nachhaltig hochqualifizierte und hochmotivierte

Helfer, die jetzt schon einen

Großteil der Führungskräfte stellen.

Wir haben einen Helferverein, der seit

25 Jahren intensiv damit beschäftigt

ist, alle Voraussetzungen für eine gute

Kameradschaft zu schaffen und immer

wieder in Material zur Örtlichen Gefahrenabwehr

investiert, um die Schlagkraft

der Mannschaft zu erhöhen.

Wir sind auch in der glücklichen Lage,

dass Stadt und Landkreis Forchheim

unseren Wert in Notlagen kennen und

uns immer und in allen Belangen unterstützen.

Nicht zuletzt aber sind es unsere über

125 aktiven Helfer und Reservehelfer

aus allen Altersklassen, die sich mit

ihrer Erfahrung in den Ortverband einbringen

und es dem THW Forchheim

erst ermöglichen, der Feuerwehr und

allen Rettungs- und Hilfsorganisationen

als leistungsstarker Partner kompetent

zur Seite zu stehen.

Trotz all dieser positiven Faktoren ruhen

wir uns aber nicht aus, so haben

wir bereits im letzten Jahr frühzeitig

auf die neuen Vorzeichen durch die

Aussetzung der Wehrpflicht reagiert

und uns Schwerpunkte bzw. Ziele gesetzt,

die es uns ermöglichen sollten,

unser Leistungsniveau auf Dauer sogar

weiter auszubauen.

Ich möchte an dieser Stelle allen danken,

die wie eben geschildert, unseren

Ortsverband funktionieren lassen

– egal wie und wo sie eingesetzt sind

oder in welcher Form sie dafür sorgen,

dass sich die Zahnräder im OV Forchheim

weiter drehen!

Schließlich gilt der Dank den Frauen

und Männern, die uns durch ihren Einsatz

in den letzten 60 Jahren den Weg

hierher geebnet haben – wir sind und

werden euch immer dankbar sein!

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Grußwort

Dieter Wölfel

Vorsitzender der

THW-Helfervereinigung

Deutschland ist im internationalen

Vergleich Spitze mit seinem

Vereinswesen. So wie wirtschaftlich

der Mittelstand die tragende

Säule unserer Volkswirtschaft darstellt,

zählen die mannigfaltigen Aktivitäten

der organisierten Mitglieder eines Vereins

zur tragenden Säule des Gemeinwesens

in unserem Staat.

Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk

konnte im Juli 2010 in Wolfsburg,

im Rahmen des 13. THW-Bundesjugendlagers,

ihr 60-jähriges Bestehen

feiern. Dabei ist es nicht alleine die

Zeit, die es zu feiern galt, sondern die

hervorragende Leistungsbilanz einer

Organisation, die es sich zur Aufgabe

gemacht hat, zu helfen. Nunmehr darf

auch der Ortsverband Forchheim sein

60. Gründungsfest begehen.

Die edle Aufgabe des Helfens gilt es allerdings

auch professionell zu erfüllen.

Alleine das Wollen genügt nicht immer,

um fachmännisch und erfolgreich

helfen zu können. Wie natürlich jeder

weiß, bedarf es zur professionellen

Hilfe einer guten Ausbildung, umfangreicher

Ausrüstung und nicht zuletzt

einer motivierten Helferschar. Schon

in den Gründungsjahren des Ortsverbandes

Forchheim, haben initiative

Helfer nicht nur mit den vorhandenen

Geldmitteln und Ausrüstungsgegenständen

dem THW in Forchheim Leben

eingehaucht, sondern darüber hinaus

eigene Hilfsmittel und zum Teil sogar

private Gelder für die gute Sache verwendet.

Aus diesem Engagement heraus wurde

eine Personenvereinigung geschaffen,

die es sich zum Ziel gemacht hatte,

das THW Forchheim zu unterstützen.

Heinz Karl und Ewald Knauer waren

damit schon 1982 die eigentlichen

Gründer des Fördervereins. 1986 war

das juristische Geburtsjahr des heutigen

Vereins der Helfer und Förderer

des Technischen Hilfswerks Forchheim

e. V. mit dem Gründungsvorstand Karl

Kneißl.

Siegfried Feustel, sein damaliger Stellvertreter,

übernahm nach wenigen Jahren

die Geschicke des an Mitgliedern

stetig wachsenden Fördervereines, und

führte umsichtig und engagiert diesen

bis zum Jahre 2002 zielstrebig weiter.

Danach wurde Wolfgang Wilfling zum

1. Vorsitzenden der Helfervereinigung

gewählt, der in seiner 6-jährigen Amtszeit

in seinem Wirken und Tun ebenso

erfolgreich war. Seit 2009 unterliegt die

Führung des Vereines dem heutigen 1.

Vorsitzenden.

Helferschaft und Fördermitglieder zusammen,

zwischenzeitlich mehr als

600 Personen, eröffnen mit ihren Mitgliedsbeiträgen

und Spendenaufkommen

eine zusätzliche Finanzquelle zur

Anschaffung zweckdienlicher Zusatzausrüstung.

Ebenso kann mit diesen

Geldern ein wesentlicher Beitrag zur

Motivation der aktiven Helfer geleistet

werden. Unser auch vom Finanzamt

als gemeinnützig anerkannter Verein

dankt deshalb allen seinen Mitgliedern

und Sponsoren an dieser Stelle. Ebenso

gilt unser herzlicher Dank allen Unterstützern

und Helfern, die am Gelingen

des 60. Jubiläums beigetragen haben.

Wir gratulieren dem Ortsverband

Forchheim zu seiner nutzbringenden

Leistungsbilanz nach 60 Jahren und

wünschen eine weiterhin erfolgreiche

Entwicklung zum Wohle aller Mitmenschen

in Stadt und Landkreis Forchheim.

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Eine Idee machte Geschichte

Meist wird Geschichte von den

Menschen gemacht, die sich

mit Idealismus und Aufopferung

einer großen Idee verschrieben

haben. Im Jahre 1950 war es Otto

Lummitzsch, der für die Sicherheit der

noch jungen Bundesrepublik dem damaligen

Bundesinnenminister Gustav

Heinemann sowie dem Bundespräsidenten

Theodor Heuss die Errichtung

einer freiwilligen technischen Selbsthilfeorganisation

vorschlug. Am 22.

August 1950 bekam er von Heinemann

den Auftrag, diese Organisation für den

technischen Katastrophenschutz auf

die Beine zu stellen. Das THW war geboren,

auch wenn es erst ein Jahr später

offiziell diesen Namen tragen sollte.

Auch in Forchheim gab es einen solchen

Mann. Er hieß Christian Fiederlein

und war als Diplom-Ingenieur bei

der hiesigen Textilfabrik Weber & Ott

beschäftigt. Nachdem sich bis August

1952 bereits 23 Ortsverbände mit rund

1.000 freiwilligen Helfern in Bayern

gegründet hatten, war es sein fester

Entschluss, auch in Forchheim einen

THW-Ortsverband zu errichten, um im

Bedarfsfall effektiv Hilfe für die Mitbürger

leisten zu können. Von seiner

Idee konnte er auch eine Reihe anderer

Männer, darunter viele Arbeitskollegen

überzeugen, und so fand sich am

1. Oktober 1952 eine Gruppe, darunter

auch der spätere Ortsbeauftragte Oskar

Schmelmer, im Gasthaus »Egloffsteiner

Hof« ein, um den Ortsverband

Forchheim zu begründen. Weder der

Gründungsortsbeauftragte Fiederlein,

noch seine Kameraden, hätten sich

damals träumen lassen, was aus dem

Ortsverband mit anfänglich sieben Helfern,

notdürftig mit ein paar Schaufeln,

Pickel und Bindeleinen ausgerüstet, in

nur wenigen Jahren werden sollte.

Als erste Unterkunft fungierte damals

noch mehr als provisorisch die Sozialräume

des städtischen Bauhofs. Später

bezog man die Unterrichtsräume

der alten Berufsschule an der Martinskirche

bis man Mitte Juni 1958 im ehemaligen

Pferdestall des Magistratsgebäudes

in der Nürnberger Straße eine

Bleibe fand. Dort hatte man bereits den

Unterrichtsraum und die Geräteräume

unter einem Dach vereint.

Trotz der spärlichen Ausstattung

konnte man damals schon respektable

Einsätze vorweisen. Ein Unwetter im

Raum Coburg-Neustadt hatte Spuren

der Verwüstung hinterlassen. Für die

Forchheimer THWler galt es bei der

Beseitigung des Windbruchs zu unterstützen.

Als »Einsatzfahrzeuge«

mussten damals noch die Privatwagen

und die Firmenfahrzeuge der Baufirma

Josef Weis herhalten, deren Mitinhaber

Fritz Fuchs noch eine wichtige Rolle im

Ortsverband Forchheim spielen sollte.

Ab 1. Mai 1958 übernahm Oskar

Schmelmer das Amt des Ortbeauftragten,

nachdem Gründungs-OB Christian

Fiederlein die Geschäftsführung des

Technischen Hilfswerks in Bamberg

übernommen hatte.

Um für den Ernstfall gut vorbereitet zu

sein, standen auch Einsatzübungen auf

dem Dienstplan. So fand am 17. Oktober

1959 eine große Übung auf dem

Gelände oberhalb der Spinnerei statt.

Werksfeuerwehr, THW, ASB, BRK und

FFW mussten ihre Zusammenarbeit

unter Beweis stellen. Einsatzszenario

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war der Absturz eines Flugzeugs.

180 Helfer waren am 3. September

1960 an einer Übung in der Forchheimer

Innenstadt beteiligt. Diesmal war

ein Brand angenommen, der sich über

die Kasernenstraße, Wiesentstraße,

Waisenhausstraße und Egloffsteinstraße

ausbreitet.

1961: Flugzeugabsturz

Wie schnell aus Übung Ernst werden

kann, zeigte sich am 28. März 1961.

Eine tschechische Verkehrsmaschine

vom Typ »Illjuschin 18«, die sich gerade

auf dem Flug von Prag nach Afrika befand,

war nach Augenzeugenberichten

in der Luft in Brand geraten und danach

auf freiem Feld bei Oberrüsselbach im

Landkreis Forchheim abgestürzt. Im

Auftrag der Regierung von Oberfranken

(der Präsident war persönlich am Absturzort)

hatte das THW Forchheim die

Bergung der 52 Opfer zu übernehmen.

Morgens um 5 Uhr machten sich die

Helfer mit dem in Forchheim stationierten

LS-MKW auf den Weg zur Absturzstelle.

Volle fünf Tage dauerte der Einsatz für

die THW-Helfer, die fast täglich von

5 Uhr früh bis 23 Uhr abends arbeiteten,

insgesamt rund 1.000 Stunden.

Ein Szenario, das viel von den Helfern

abverlangte, noch dazu, wenn man bedenkt,

dass nach Beendigung des ersten

anstrengenden Einsatztages die

Forchheimer noch bei der Bekämpfung

eines Waldbrandes mithalfen. In einem

persönlichen Schreiben an Oskar

Schmelmer bedankte sich Regierungsrat

Wolfgang Winkler von der Landespolizeidirektion

Oberfranken im Namen

aller eingesetzten Beamten für die

gute Zusammenarbeit und den »unermüdlichen

und selbstlosen Einsatz«

des THW Forchheim.

Im selben Jahr bekam Forchheim seinen

ersten Gerätekraftwagen, den

Schirrmeister und spätere Standort-

verwalter des Luftschutzhilfsdienstes

(LSHD) Fritz Fuchs auf dem Paradeplatz

in Empfang nehmen konnte. Endlich

schien sich das große Engagement

der Helfer, wie sie es bereits in zahlreichen

Einsätzen eindrucksvoll unter Beweis

gestellt hatten, auch in der Ausstattung

bemerkbar zu machen.

Mit der Gründung des sogenannten

Luftschutzhilfsdienstes durch den

Bund, der im Gegensatz zum THW wesentlich

besser ausgestattet war, stellte

den noch jungen Ortsverband vor

eine wichtige Grundsatzfrage: Soll das

THW Forchheim auch den LSHD übernehmen?

Vielerorts rekrutierte sich

der LSHD aus Angehörigen des THW,

da sich zum einen die Zielsetzung dieser

Einheiten mit denen des THW in

den Grundzügen deckte, zum anderen

sich durch die zusätzlichen Geräte und

Fahrzeuge der Handlungsspielraum

auch für das THW wesentlich vergrößerte.

Doch die Gründungsmitglieder,

die den Zweiten Weltkrieg selbst miterleben

mussten und auch die Technische

Nothilfe, wie sie es auch in Forchheim

vor dem Krieg gab, noch kannten,

widerstrebte der Schulterschluss mit

dem wesentlich militanteren Luftschutzhilfsdienst

und sollten sich bald

aus dem Ortsverband zurückziehen.

Doch für die würdige Nachfolge hatte

Oskar Schmelmer gesorgt und mit den

Ausbildern Fritz Fuchs und Heinz Karl

ein starkes Team nachgezogen. Durch

ihre Arbeit konnten die Fundamente

für die weitere Entwicklung des THW

im Landkreis Forchheim gelegt werden.

So führte eine Werbeaktion des THW

Forchheim, Erlangen und Bamberg in

Kirchehrenbach im Dezember 1961

zur Gründung des Ortsverbands Kirchehrenbach.

Bei Geräteschau und anschließendem

Lichtbilder-Vortrag von

Fritz Fuchs kam spontan die Idee einiger

Kirchehrenbacher auf, einen Stützpunkt

des THW in Kirchehrenbach zu

gründen. Ab 1962 fanden regelmäßige

Ausbildungsveranstaltungen im Gasthaus

Zimmermann bzw. im Ortsverband

Forchheim statt, bis 1966 Räume

und Garagen in der Leutenbacher Straße

bezogen werden konnten.

1962 übernahm Heinz Karl die inzwischen

aufgestellte Bergungsbereitschaft

im LSHD als Bereitschaftsführer.

Die 42. LSHD-BB-BY (so die offizielle

Abkürzung) setzte sich aus dem I.

Bergungszug (THW Erlangen), dem II.

Bergungszug (THW Lauf) und dem III.

und IV. Zug in Forchheim zusammen.

Zugführer des III. Bergungszuges war

Hans Kalb, den Versorgungszug (IV.

Zug) führte Franz Christl, der spätere,

langjährige Kreisbeauftragte des

Technischen Hilfswerks im Landkreis

Forchheim.

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Im Jahre 1963 beging man das 10-jährige

Bestehen des Ortsverbandes mit

einer Ehrung der Mitglieder der ersten

Stunde. Mit dabei unter anderem der

langjährige Verwaltungshelfer Bruno

Widowski, von allen nur liebevoll »Papa

Bruno« genannt, Johann Schmitt, stellvertretender

Ortsbeauftragter von Mai

1958 bis Dezember 1963, sowie Ausbilder

Georg Ziegler und Helfer Georg

Schmitt.

Ebenfalls ein Flugzeugabsturz, wenn

auch »nur« eines Sportflugzeugs forderte

im gleichen Jahr das THW Forchheim.

Drei Menschen verloren dabei ihr

Leben und mussten von den Helfern

geborgen werden.

Ein erster »Tag der offenen Tür« von

THW und LSHD fand, weil es eine eigene

Unterkunft noch nicht gab, auf dem

Paradeplatz statt. Zahlreiche Besucher

konnten den gesamten Umfang der 42.

Bergungsbereitschaft anhand eines

Modells bestaunen, besonderes Interesse

galt natürlich auch den beiden in

Forchheim stationierten Züge, die sich

dort präsentierten. Den Forchheimer

Bürgern standen die beiden Zugführer

Hans Kalb und Franz Christl Rede und

Antwort.

Mit dem 1. Januar 1964 ging die Leitung

des Ortsverbands an Fritz Fuchs über,

LSHD-Bereitschaftsführer Heinz Karl

übernahm das Amt des stellvertretenden

Ortsbeauftragten. Die Zusammenarbeit

der beiden zeigte bald erste

Erfolge: Nachdem die Bergungsbereitschaften

auf Bezirksebene umgeplant

wurden, brachten sie in Forchheim

zwei weitere Züge auf die Beine. Der intensiven

Helferwerbung im Landkreis

verdankt so Kirchehrenbach einen eigenen

Stützpunkt, zunächst als II. Zug

der Bergungsbereitschaft, ab 1966 als

eigener Ortsverband.

»Bombenangriff’ auf Unterleinleiter«

lautete die Zeitungsüberschrift zur

Übung des Regierungsbezirks Oberfranken

im April 1964, die erste Großeinsatzübung

in Bayern, die mit 250

Helfern unter realistischen Einsatzbedingungen

durchgespielt wurde. Großes

Lob erfuhr die Zusammenarbeit

des Luftschutzhilfsdienstes, des Technischen

Hilfswerks und des Malteser

Hilfsdienst auch vom bayerischen Innenministerium,

die mit einem Abgesandten

vor Ort vertreten waren.

Einsätze 1964 waren neben der Leichenbergung

bei der Staustufe Buckenhofen

und der Bergung eines

PKWs aus der Regnitz bei Hausen,

auch die Absicherung eines nach einer

Gasexplosion völlig zerstörten Hauses

in Kersbach. Nach einem Großbrand in

der Papierfabrik im August 1964 sorgte

das THW für eine Notbeleuchtung und

übernahm die Sicherungs- und Aufräumarbeiten.

Doch noch immer war das THW in unzulänglichen

Räumen untergebracht.

Die Fahrzeuge standen größtenteils

im Freien und die Ausbildung in dem

zu kleinen Unterrichtsraum gestaltete

sich zunehmend schwieriger. Weder

für die Verwaltung noch für die Ausrüstung

war genügend Platz vorhanden

und so kam rasch der Wunsch

nach einer eigenen Unterkunft auf.

Was als Idee zunächst noch in den

Köpfen des Ortsbeauftragten und seines

Stellvertreters war, nahm auf dem

Papier bald konkrete Form an und fand

im Mai 1966 mit der Einweihung der

neuen Unterkunft auf dem Gelände

der Firma Josef Weis schließlich seine

Vollendung. Für ihr Engagement wurden

Fritz Fuchs und Heinz Karl vom

THW-Landesbeauftragten Dipl. Ing.

Hans Joachim Schwarz bei der Einweihungsfeier

mit dem Helferzeichen in

Gold ausgezeichnet.

Brücken bauen

Seine erste Bailey-Behelfsbrücke mit

einer Tragfähigkeit von 30 Tonnen, hatte

der Ortsverband in einer nächtlichen

Aktion im Mai 1967 über den Gründelbach

zu schlagen. Wegen des Umund

Ausbaus der Nürnberger Straße

musste der Verkehr für ein halbes Jahr

darüber umgeleitet werden. Nur ein

Jahr später, im März 1968 wartete die

nächste Bailey-Brücke auf das THW.

Diesmal schlugen die Ortsverbände

Forchheim und Kirchehrenbach, eine

16-Tonnen-Brücke über die Wiesent in

Waischenfeld.

Ein Pfingstlager der Pfadfinder forderte

im Jahre 1969 die gesamte Logistik

des Verpflegungszuges. 750 Personen

galt es zu versorgen, was insgesamt

eine Menge von fast 7.000 Portionen

bedeutete. Aber die Verpflegung klapp-

21


te reibungslos und brachte »Ein Bravo

dem THW«, wie sich die Pfadfinder in

ihrem Lagerkurier für die Unterstützung

bedankten.

Die Einsatzstatistik des Jahres 1970

meldet einige spektakuläre Einsätze

des THWs. So stürzte am 19. März

1970 bei Bauarbeiten an einem Geschäftshaus

in der Forchheimer Innenstadt

die gesamte Fassade zusammen.

Die anfängliche Vermutung, dass sich

noch Personen unter den Trümmern

befanden, stellte sich später glücklicherweise

als falsch heraus. Das THW

war mit 21 Helfern im Einsatz und

konnte das restliche Gebäude abstützen.

Nicht einmal drei Monate später

kam es nach Kabellegungsarbeiten in

Kersbach ebenfalls zu einem Hauseinsturz.

Auch hier musste das THW abstützen

und aussteifen.

Als am 28. Juni 1970 die Zwei-Tages-

Übung der LS-Bergungsbereitschaften

in der Fränkischen Schweiz abgeschlossen

war, kam der Ernstfall: ein

Sportflugzeug war auf dem Flugplatz

Feuerstein abgestürzt. Obwohl sich die

Einsatzkräfte sofort an die Absturzstelle

begaben, konnten die drei Insassen

nur noch tot aus den Trümmern

geborgen werden.

Zum 1. Januar 1971 wechselte die

OV-Führung nach 16 Jahren an

Wolf-Dieter Seifert, der dieses Amt

bis Juli 1973 bekleidete. In diesem Jahr

wurde mit dem Bau einer weiteren

3er-Garage auf dem THW-Gelände begonnen,

das Richtfest war im September.

Anschließend konnte endlich auch

der Hof, der bisher nur geschottert war,

asphaltiert werden. Die Einsätze waren

hauptsächlich Baumarbeiten und

Verpflegungsleistungen, im März galt

es einen Pkw aus der Wiesent bei Weilersbach

zu bergen. Anlässlich der Feuerschutzwoche

im Oktober führte das

THW den Einsatz einer Sauerstofflanze

dem interessierten Publikum vor.

Olympische Spiele 1972

Das Jahr 1972 stand auch bei THW

Forchheim ganz im Zeichen der Olympischen

Spiele. Für das internationale

Jugendlager in München musste eine

ganze Zeltstadt errichtet werden. 114

Helfer der Ortsverbände Forchheim

und Kirchehrenbach waren vor Ort und

unterstützten die anderen THW-Ortsverbände

beim Aufbau der 132 Zelte,

die in Form der fünf Olympischen Ringe

angeordnet wurden. Insgesamt leistete

das THW Bayern in vier Monaten

rund 16.000 Einsatzstunden.

Zum 1. September 1972 konnte die

neu gebildete Jugendgruppe des THW

Forchheim mit ihrem Ausbilder Hans

Möschl ihre erste Standortausbildung

durchführen. Bei dem Freitagsdienst

stand laut Ausbildungsplan die

»ABC-Schutzmaske – Unterricht und

prakt. Ausbildung« auf dem Programm.

Das Jahr 1973 brachte einige Veränderungen

mit sich. Nachdem sich der Katastrophenschutz

im Wandel befand,

was zur Auflösung des Luftschutzhilfsdienstes

führte, zum anderen die

Regierung zur Bildung einer neuen Bergungsbereitschaft

für den Landkreis

Forchheim veranlasste, fiel dadurch

der komplette Verpflegungszug weg.

Dessen Aufgabe im erweiterten Katastrophenschutz

wurde nun durch zwei

Verpflegungstrupps übernommen.

Doch für den Landkreis und die Helfer

des THW hatte sich durch die neue Gesetzgebung

wenig geändert: die Helfer

waren nun nicht mehr im LSHD sondern

im erweiterten Katastrophen-

schutz integriert, an ihrem Status als

Helfer im THW änderte sich nichts. Im

März fand die erste Einsatzübung der

1. Bergungsbereitschaft des Landkreises

Forchheim statt.

Zum 1. August 1973 übernahm Heinz

Karl die Verantwortung als Ortsbeauftragter

des THW Forchheim. Als Bereitschaftsführer

der Bergungsbereitschaft

rückt Zugführer Manfred Hubert

nach.

Einen wichtigen Schritt für den Ortsverband

bedeutete die Entscheidung

des ehemaligen 41. LS-Fernmeldezuges

(mot.) Ebermannstadt, der bisher

dem Landratsamt unterstellt war, sich

dem THW Forchheim anzuschließen.

1963 gegründet, hatte der Fernmeldezug

seit 1967 eine eigene Unterkunft

in Ebermannstadt. Und so sollte es bis

1995 bleiben, als der Fernmeldezug,

nun als Fachgruppe Führung/Kommunikation,

auch örtlich zum Ortsverband

nach Forchheim kam. Ein »Tag der offenen

Tür« im Oktober 1974 bot einen

willkommenen Rahmen, um die Ebermannstädter

»in den Schoß des THW«,

wie die Zeitung schrieb, aufzunehmen.

In der Einsatzstatistik des Jahres 1975

sticht ein Einsatz besonders hervor: im

Februar war ein Anhänger mit 2.000

lebenden Hühnern auf der Kreuzung

B4 – B470 umgekippt. Die alarmierten

THW-Helfer mussten die Hühner

bergen und auf einen anderen Hänger

umladen.

Zwei spektakuläre Einsätze hielt das

THW Forchheim im November 1976 in

Atem. Am 9. November waren bei Kanalbauarbeiten

in Gosberg zwei Arbeiter

verschüttet worden. In einer dramatischen

Rettungsaktion gelang es

den Einsatzkräfte von Feuerwehr und

THW einen der beiden Arbeiter, die bis

zur Hüfte verschüttet waren, lebend zu

bergen. Für den zweiten Arbeiter kam

jede Hilfe zu spät.

23


Nur zwei Wochen später ereignete sich

ein schwerer Unfall mit einem Lkw der

Bundeswehr bei Behringersmühle. Auf

der B 470 war das Fahrzeug in einer

Linkskurve auf das Bankett geraten.

Der dreiachsige 20-Tonner rutschte

über den Böschungsrand, überschlug

sich und kam unterhalb der Böschung

auf dem Dach zu liegen. Die alarmierten

Einsatzkräfte mussten sich erst

Stück für Stück zum Führerhaus vorarbeiten,

da der Lkw fast einen halben

Meter im Erdboden steckte. Erst mit

einem Spezialkran konnte das Truppenfahrzeug

angehoben und mit der

Rettungsschere die eingeklemmten

Soldaten aus dem Führerhaus befreit

werden. Bei einem der beiden Soldaten

konnte der Notarzt nur noch den Tod

feststellen, der andere wurde schwerverletzt

in Krankenhaus gebracht.

»Brenzlige« Einsätze, im wahrsten Sinne

des Wortes, hatten die Forchheimer

THWler im Jahr 1977 zu bewältigen. Im

April war ein Flüssiggas-Tankzug aus

Kulmbach in Behringersmühle eine Böschung

hinabgerutscht. Nur ein Baum,

an dem das Führerhaus hängen blieb,

verhinderte das Umkippen des Tanklastzuges

und eine eventuelle Katastrophe.

Über acht Stunden dauerte die

komplizierte Bergung, bei der selbst

mit dem Kranwagen des verständigten

Abschleppunternehmens nichts ausrichten

war. Mit fünf Greifzügen konnte

das Fahrzeug schließlich »ohne Schaden«,

wie es im Einsatzbericht heißt,

geborgen werden.

Einen weitaus größeren Schaden und

ein Großaufgebot an Einsatzkräften

machte der Unfall eines Tankzugs auf

der Eisenbahnbrücke im Oktober notwendig.

Der Lastzug, der 38.000 Liter

Benzin an Bord hatte, war aufgrund

überhöhter Geschwindigkeit in einer

Kurve umgekippt. Dabei wurden die

Tankkammern an verschiedenen Stellen

aufgerissen, so dass das Benzin

»armdick« auf die Straße lief.

Während die Einsatzkräfte von Feuerwehr

und THW versuchten, den Kraftstoff

aufzufangen und in ein zweites

Tankfahrzeug umzupumpen, floss ein

großer Teil in die Kanalisation und von

dort direkt in den RMD-Kanal. Für das

THW galt es deshalb schnellstmöglich

eine Ölsperre zu errichten. Doch auch

der schnelle Einsatz aller Kräfte konnte

nicht verhindern, dass rund die Hälfte

des getankten Benzins, über 18.000 Liter,

auslief. In welcher Gefahr sich dabei

die Helfer befanden, wurde vielen erst

hinterher klar: »Da kam uns schon das

große Knieschnackeln«, so der Kommentar

von einem der Einsatzkräfte.

Ein einzelner Funke hätte wohl genügt.

Der Absturz eines Sportflugzeugs über

Forchheim war einer der traurigen

Einsatzhöhepunkte des Jahres 1978.

Der Erlanger Sportflieger vom Typ »Piper

Cherokee Arrow« war im Juli mit

vier Insassen an Bord »wie ein Stein

vom Himmel« auf das freie Gelände

des ehemaligen Kratzer-Steinbruchs

gestürzt und sich mit der Kanzel tief

in den lehmigen Boden gebohrt. Für

die Insassen gab es keine Überleben-

schance. Das THW leuchtete die Absturzstelle

aus und half zusammen mit

Feuerwehr und BRK bei der Bergung

der Leichen.

1979 konnte das THW Forchheim bereits

auf eine stattliche Zahl von 230

Helfern blicken: 123 aktive Helfer, 18

Junghelfer, 56 Althelfer sowie acht Organisationshelfer,

dazu die 25 Mann

vom Fernmeldezug in Ebermannstadt.

Ansonsten bildeten die große Katastrophenschutzübung

Oberfranken

mit mehreren Schadensstellen in den

Landkreisen Forchheim und Lichtenfels

im Oktober den Höhepunkt der

Jahreschronik.

Auf beachtliche 22.000 Dienststunden

konnte der Ortsverband beim Jahresabschluss

1981 blicken. Trotzdem gab

es nur wenige Einsätze, da auf Weisung

des Landesverbandes das THW

nur im Katastrophenschutz und nach

Beauftragung des Landratsamtes tätig

werden durfte. »Für die THW-Einheiten

nicht die beste Lösung, da ohne

ernstfallmäßige Einsätze keine Begeisterung

aufkommt und es beim Üben,

Üben, Üben bleibt«, so der damalige

OB Heinz Karl bei seiner Rede. So blieb

es bei der Bergung einer Wasserleiche

und einer THW-Bereitschaft nach einem

Großbrand in Langensendlbach

als zwei der wenigen Einsätze.

Gleich zu Beginn des Jahres 1982 war

das THW Forchheim an einer Rettungsaktion

eines 17jährigen Mädchens

beteiligt. Die Schülerin einer Jugend-

25


gruppe war in der Hoberg-Höhle bei

Sorg ausgerutscht und in einen engen

Felsspalt gestürzt. Gegen 1.30 Uhr traf

das THW und die Bergwacht in Sorg

ein. Mühsam mussten die notwendigen

Gerätschaften zur Ausleuchtung

durch das unwegsame Gelände zur

Unglücksstelle geschafft werden. Nach

zwei Stunden hatte man das Mädchen

schließlich nahezu unverletzt aus dem

Felsspalt befreit.

Im November fand die kirchliche Weihe

des neuen Gerätekraftwagens (GKW)

auf dem Rathausplatz statt. Im Dezember

wurde im Rahmen der Führungsbesprechung

die »Vereinigung

der Helfer und Förderer des THW e.V.«

gegründet. Erster Vorsitzender wurde

Heinz Karl, der sein Amt als Ortsbeauftragter

zum Ende des Jahres an

Gerhard Kummerer übergab. Die erste

Anschaffung, die der Verein mit einer

großzügigen Spende einer Forchheimer

Firma in Höhe von 1.000 DM tätigen

konnte, war ein Dampfstrahlgerät.

Manöverunfall der US-Army

Zu den interessanteren Einsätzen des

Jahres zählten die Alarmierung nach

einem Gasunfall in Eggolsheim im Januar

und ein schwerer Manöverunfall

der US-Army bei Wannbach im Juni. Bei

dem Militärtransporter hatten auf abschüssiger

Straße die Bremsen versagt.

Nach dem Zusammenstoß mit dem

vorausfahrenden Mannschaftstransportwagens

waren beide Fahrzeuge

eine tiefe Böschung hinabgestürzt und

hatten sich mehrmals überschlagen.

Während fünf der schwerverletzten GIs

recht schnell befreit und dem Notarzt

übergeben werden konnten, stellte

die Rettung des eingeklemmten Fahrers

die Einsatzkräfte vor ein großes

Problem. Dank des Einfallsreichtums

von THW-Einsatzleiter Jakob Endres

konnte der Soldat nach einer dramatischen

Rettungsaktion schließlich

doch noch lebend geborgen werden.

Seinen ausdrücklichen Dank ließ zwei

Wochen später der Kommandeur des

Regiments, Oberst David M. Madox in

einem Brief dem Kreisbeauftragten

Franz Christl bestellen: »Dank Ihres

schnellen Eingreifens und Ihrer wirksamen

Hilfe trug keiner von ihnen blei-

bende Schäden davon.«

Gerade einmal neun Sekunden dauerte

im September die Sprengung

des Schlotes der alten Knochverwertungsfabrik

– ein Schauspiel, das damals

von vielen Forchheimern aufmerksam

verfolgt wurde. Doch bis es

soweit war, dass der 60 Meter hohe

Schornstein auf den Punkt gesprengt

werden konnte, war einige Vorarbeit

nötig. 500 Stunden Vorbereitungszeit

musste die Sondergruppe der Bayerischen

Polizei und das THW Forchheim

investieren, bevor man endlich den auf

roten Knopf drücken konnte.

Eine wesentliche Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten

für das THW boten

die Lichtgiraffe und die 61 kVA-Netzersatzanlage

der Firma Polyma, die 1985

vom Landkreis beschafft und dem

Ortsverband übergeben wurden. Dank

der Lichtgiraffe, die bis auf eine Höhe

von neun Meter ausgefahren werden

kann, war es jetzt möglich, Schadenstellen

weiträumig und nahezu schattenfrei

auszuleuchten. Diese Vorzüge

erkannten auch Polizei und Feuerwehr,

und so stiegen die Einsätze des THW

bei Verkehrsunfällen rasch an.

»Was lange währt, wird endlich gut.

Nun ist das THW Forchheim wieder

bestens gerüstet« – mit diesen Worten

konnte der Ortsbeauftragte Gerhard

Kummerer im Mai 1986 vier, wegen der

großen Helferzahl dringend notwendig

gewordenen Mannschaftstransportwagen

aus der Hand von LB Reiner

Vorholz entgegennehmen. Hochkarätige

Vertreter aus Politik, Industrie und

Rettungswesen nahmen an der feierlichen

Zeremonie vor der Kulisse des

Forchheimer Rathauses teil.

Ein besonderer Höhepunkt des Jahres

war der Landesleistungsvergleich der

THW-Jugend Bayern, der in Forchheim

stattfand. 13 Mannschaften aus 12

THW-Ortsverbänden stellten sich dabei

dem sportlichen Wettkampf. Insgesamt

420 Stunden Arbeit für Vorbereitung

und Durchführung kamen dabei

bei den Forchheimer Helfern zusammen.

Ein Aufwand, der sich aber spätestens

beim Anblick der strahlenden

Gesichter der Junghelfer bei der Siegerherung

gelohnt hatte.

1986 war aber auch das Jahr der Neugründung

des Fördervereins, der nun

27


den offiziellen Namen »Ortsvereinigung

der Helfer und Förderer des Technischen

Hilfswerks Forchheim e.V.«

trug. Bei einem Weinfest stellten Karl

Kneißl, der Vorsitzende sowie Siegfried

Feustel, der damals noch stellvertretender

Vorsitzender war, die Aufgaben

und angestrebten Ziele des Vereins der

Öffentlichkeit vor.

Der Eisregen Anfang März 1987 sorgte

für Chaos im Forchheimer Umland.

Das Gewicht des Regens, der auf Ästen

und Zweigen sofort zu Eis wurde, ließ

Bäume umknicken wie Streichhölzer.

Straßen, die ohnehin schon kaum mehr

befahrbar waren, wurden durch umgestürzte

Bäume blockiert. Feuerwehr,

THW und Polizei waren rund um die

Uhr im Einsatz, um die Situation in den

Griff zu kriegen.

Dem Eisregen fielen alleine in der Fränkischen

Schweiz bei Burggaillenreuth

10.000 Festmeter an Bäumen zum

Opfer – Holz, das auch irgendwie über

die Wiesent abtransportiert werden

musste. Nur gab es dort keine Brücke.

Die Lösung des Problems dauerte Dank

der Erfahrung des THW Forchheim und

Kirchehrenbach im Bau von Baileybrücken

nur einen Samstag. 27 Tonnen

Stahlteile und 70 THW-Helfer waren

nötig, bis der Brückenschlag vollendet

war.

35 Kilogramm Sprengstoff waren im

Dezember zur Sprengung einer alten

Eisenbahnbrücke bei Gasseldorf notwendig.

Davor standen 1000 Stunden

Vorbereitungszeit vom THW Forchheim

und Kirchehrenbach. Planung,

Berechnung und schließlich das Bohren

der rund 400 Bohrlöcher für die

Sprengladungen in eisiger Kälte stellten

Sprengberechtigte und Helfer vor

eine Herausforderung. Nur fünf Sekunden

dauerte es, um die zehn Meter

lange und fast 70 Jahre alte Brücke mit

einem lauten Knall in Schutt und Staub

zu legen.

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu

100 km/h fegte Wiebke Anfang März

1990 über Europa hinweg und hinterließ

auch im Landkreis Forchheim seine

Spuren. Abgedeckte Dächer, umgestürzte

Bäume und heruntergerissene

Stromleitungen gehörten zu dem Bild

der Verwüstungen an vielen Orten. In

Gräfenberg hatte der Sturm das Dach

der Grundschule abgedeckt und ein

Nachbarhaus beschädigt. Das THW

konnte zusammen mit der Feuerwehr

die Dächer notdürftig flicken und die

Schäden beseitigen. Auch die Verwüstungen

im Stadtwald waren immens.

Einen ganzen Samstagsdienst wendeten

die THWler auf, um den Forstweg

rund um den Annafestplatz von umgestürzten

Bäumen zu befreien.

Hilfe für Rumänien

1990 war aber auch das Jahr der Rumänienhilfe.

An drei Hilfsgütertransporten

nach Oravita und Satu Mare nahmen

Helfer des THW Forchheim teil. Obwohl

mit den lebenswichtigen Spenden aus

Deutschland die Not etwas gelindert

werden konnte, blieb bei denen, die das

Elend in Rumänien selbst mit ansehen

mussten, ein Gefühl der Ohnmacht,

nicht mehr tun zu können. »Wären wir

auch nur einen Tag länger geblieben,

hätte ich keine Schuhe mehr an den

Füßen tragen wollen«, erinnert sich

einer der Rumänienfahrer, »Wie haben

ihnen alles gegeben was wir entbehren

konnten, sogar den Inhalt unserer Hosentaschen.«

Im Juni machte sich so erneut eine

THW-Mannschaft mit Fachleuten aus

verschiedenen bayerischen Ortsverbänden,

darunter Jakob Endres vom

THW Forchheim nach Oravita auf, um

die Wasserversorgung der Stadt wieder

herzustellen. Acht Tage Arbeit und

ein großer Teil Improvisation waren

notwendig, bis die Pumpen das Leitungsnetz

wieder mit Wasser versorgen

konnten.

Die graue THW-Kombi mit der Badehose

tauschen mussten die Helfer des

THW Forchheim bei einem ungewöhnlichen

Einsatz im Hallenbad Forchheim

im Januar 1991. Ein defekter Scheinwerfer

musste sechs Meter über dem

großen Schwimmerbecken repariert

werden. Nach rund einer halben Stunde

Arbeit gelang es, die beiden im Wasser

stehenden großen Leitern so zu

stabilisieren, dass die Elektrofirma den

freihängenden Scheinwerfer problemlos

reparieren konnte.

Einen hervorragenden zweiten Platz

konnte der 1. Bergungszug des THW

Forchheim beim Leistungsvergleich

der oberfränkischen Bergungszüge des

THW im Oktober erringen. Insgesamt

29


30

15 Bergungszüge hatten sich auf dem

Volksfestplatz in Bayreuth dem kameradschaftlichen

Wettkampf gestellt.

Unter den Augen der interessierten Zuschauer

konnten die THWler ihre Einsatzbereitschaft

und ihr Können unter

Beweis stellen.

Der Jahresabschluss 1991 bedeutete

auch den Abschied des Ortsbeauftragten

Gerhard Kummerer. Im Januar 1992

wurde sein Nachfolger Holger Lehnard

vom Landesbeauftragten Reiner Vorholz

bei einer Feierstunde im Rathausgewölbe

offiziell als neuer Ortsbeauftragter

für Forchheim berufen. Seine

Funktion als Zugführer des 1. BZ gab er

an Günther Bär weiter.

Im Mai stand die 40-Jahr-Feier des OV

Forchheim an. Beim großen Festakt im

Rathaussaal blickte man zurück, auf

das, was das THW Forchheim in den

letzten 40 Jahren geleistet hatte. Abgerundet

wurde das Jubiläum durch eine

große Geräteschau, die auf dem Paradeplatz

einiges an Vorführungen und

Aktionen aufbot.

Im September wurde das THW zusammen

mit Feuerwehr und BRK zu einem

verschütteten Arbeiter nach Reuth gerufen.

Bei Kanalarbeiten in einem drei

Meter tiefen Bauschacht waren die

Erdmassen über ihm zusammengestürzt.

Nach zwei Stunden, in denen

der Verschüttete durch ein Plastikrohr

mit Sauerstoff versorgt wurde, konnte

er nahezu unverletzt geborgen werden.

Ein rund vier Meter großes Loch hatte

ein Omnibus im Februar 1993 in ein

Haus in Effeltrich gerissen, zu dessen

Absicherung das THW Forchheim

ausrückte. Der Bus war auf eisglatter

Fahrbahn ins Rutschen gekommen

und hatte die Hausseite mit voller

Wucht gerammt. Mit Unterstützung

eines Radladers wurde das schwer beschädigte

Mauerwerk mit Holzbalken

abgestützt und unterbaut.

Neustrukturierung

Das Jahr 1995 war geprägt durch

die Neustrukturierung des THW, die

auch beim Ortsverband Forchheim zu

massiven Einschnitten geführt haben.

Trotz berechtigten Protestes des

Forchheimer THWs und der Unterstützung

des Landkreises verliert der

Ortsverband einen seiner beiden Züge,

der Standort Kirchehrenbach bleibt

erhalten. Als Ausgleich erhält der OV

Forchheim eine Fachgruppe Infrastruktur,

die 1999 gegen die auf die örtliche

Gefahrenabwehr besser abgestimmte

Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen

(WP) eingetauscht werden kann. Nach

einer Umgliederung der Geschäftstellen,

bei der die Geschäftstelle Bayreuth

aufgelöst wird, kommt Forchheim zum

GFB Bamberg.

Die Umstellung der Alarmierung im

Landkreis Forchheim brachte 1997

einige Probleme für das THW Forchheim

mit sich. Um am neuen BA-

SIS-Alarmierungssystem teilnehmen

zu können, mussten neue Funkwecker

angeschafft und die alten (wenn möglich)

umgerüstet werden, ein enormer

finanzieller Aufwand, der aber dank

der Unterstützung Helfervereinigung

geschultert werden konnte. Insgesamt

wurde so die Einsatzfähigkeit des THW

Forchheim enorm gesteigert.

Schwerer Atemschutz war bei einem

Chemie-Unfall in Pretzfeld im November

gefragt. In der Lagerhalle der Obstgenossenschaft

war giftiges Ammoniak

aus einem defekten Behälter der

Kühlanlage ausgetreten. Feuerwehr

und THW waren im Einsatz. Die Situation

konnte schnell durch eine gezielte

Zufuhr von Frischluft, durch die das ätzende

Gas verdünnt wurde, entschärft

werden.

Zu beginn der Weihnachtsferien 1997

startete der Ortsverband Forchheim

zusammen mit den Kollegen des THW

Bamberg und Kirchehrenbach den Bereitschaftsdienst

auf Autobahnen. Auf

der A 70 und A 73 sollte an verkehrsreichen

Tagen der Schulferien ein Fahrzeug

des THW in ständiger Bereitschaft

stehen, um bei Verkehrs- oder sonstigen

Schadensfällen schnell Hilfe leisten

zu können. Zur Vorbereitung auf

diese neue Aufgabe wurde im Vorfeld

eine zusätzliche Ausbildung im Bereich

»Technische Hilfeleistung auf Verkehrswegen«

durchgeführt. Um noch

effektiver Hilfe leisten zu können, wurde

im Dezember 2000 die Anschaffung

eines THW-Einsatz- und Mehrzweckfahrzeugs

beschlossen, das 2002 dank

großzügiger Spenden und die Unterstützung

der THW-Helfervereinigung

angeschafft werden konnte.

Ebenfalls im Dezember startete der

offizielle Internetauftritt des Forchheimer

Ortsverbandes. Tilman Gold und

Alexander Schrüfer hatten sich mit

viel Engagement daran gemacht, den

OV auch im Netz der Öffentlichkeit zu

präsentieren. Mittlerweile erfreut sich

das Angebot unter der Domain www.

thw-forchheim.de großer Beliebtheit

und wurde 2011 durch einen Facebookauftritt

ergänzt.

Schwein & Kaffee

Diese interessante Kombination bescherten

zwei Lkw-Unfälle dem Ortsverband

im Jahre 1998. Im März war

ein Sattelzug mit 22 Tonnen Kaffeebohnen

an Bord auf der A 73 zwischen

Bamberg und Forchheim umgekippt.

Um den Lkw bergen zu können, musste

die tonnenschweren Kaffeesäcke

entladen werden. Da ein großer Teil der

Säcke bei dem Unfall aufgeplatzt war,

musste kräftig Handarbeit geleistet

und die Bohnen in Säcke und Wannen

geschaufelt werden. Gegen 6 Uhr und

nach vier Stunden schweißtreibender

Arbeit, war der Lkw schließlich geborgen

und die Autobahn wieder frei.

Tiefgekühlte Schweinehälften waren


die Ladung eines havarierten Lastzuges

im Mai. Der Lkw war aufgrund

überhöhter Geschwindigkeit bei Forchheim-Nord

quer zu den Fahrspuren auf

die Mittelleitplanke gekippt. Das THW

rückste mit 35 Helfern an, um zusammen

mit der Feuerwehr die Unfallstelle

abzusichern und die tiefgekühlten

Schweinekeulen in mühevoller Handarbeit

auf einen anderen Kühltransporter

umzuladen.

Einen ungewöhnlichen Fund konnte

das THW im Jahr 1998 machen. Ein

Angler hatte an einem Baggersee bei

Neuses etwas im Wasser schimmern

sehen und die Polizei verständigt. Zusammen

mit der Tauchgruppe des

THW Forchheim ging man dann der Sache

auf den Grund. In rund sechs Meter

tiefe konnten die Taucher zunächst einen

Trabi ausmachen, der dann mittels

Seilwinde geborgen wurde. Als die Polizei

das Fahrzeug noch nach Hinweisen

auf den ehemaligen Besitzer untersuchte,

fanden die Taucher einen weiteren

Trabi, nur wenige Meter vom ersten

entfernt. Die BILD-Zeitung titelte

»Das feuchte Grab der letzten Trabis«.

Was die Ausstattung betraf, brachte

das Jahr 1998 viel Neues für den Ortsverband.

So erhielt Forchheim einen

fabrikneuen Gerätekraftwagen I (GWK

I) und gehörte damit zu den ersten Ortverbänden

in Deutschland, an die das

Fahrzeug ausgeliefert wurde. Anlässlich

des Altstadtfests im Juni erhielt der

GKW seinen kirchlichen Segen.

Im Juli konnten die Forchheimer Helfer

ihre graue Einsatzkombi gegen einen

modernen blauen Einsatzanzug mit

Gore-Tex-Membran tauschen. Forchheim

war der erste Ortsverband im

Geschäftsführerbereich, der komplett

mit der neuen Bekleidung ausgestattet

wurde.

Eine besondere Auszeichnung wurde

Jakob Endres im Juli zuteil. Für seine

herausragenden Verdienste um das

THW, dem er damals seit 28 Jahren

angehörte, erhielt er das Ehrenzeichen

des Technischen Hilfswerks in Gold,

eine der höchsten Auszeichnungen.

Die Verleihung wurde vom THW-Landesbeauftragten

Reiner Vorholz im

Rathaussaal vorgenommen.

Pfingsthochwasser Donau

Im Jahr 1999 war es das Jahrhunderthochwasser

an der Donau, dass die

Helfer während der Pfingstfeiertage

in Atem hielt. In Vohburg, dem ersten

Einsatzort, bot sich ein Bild der Zerstörung.

Der größte Teil der Stadt stand

unter Wasser, an allen Stellen wurde

von Helfern, Einwohnern und Freiwilligen

gepumpt und Sandsackwälle errichtet.

Kaum war das THW Forchheim

angekommen, wird es bereits nach

Neuburg a. d. Donau gerufen, da sich

dort die Lage nach einem Stromausfall

dramatisch zugespitzt hatte. Bis

in die Morgenstunden versuchte man,

mit allen Helfern vor Ort, den Damm

gegen die Wassermassen zu verteidigen.

Doch leider vergeblich, denn das

Wasser suchte sich seinen Weg durch

die Kanalisation in die Innenstadt. Da

hieß es nicht nur pumpen, sondern

auch Menschen mit Booten aus ihren

unter Wasser stehenden Häusern zu

retten. Bis in den Nachmittag hinein

arbeiteten die Forchheimer THWler, bis

endlich die Ablösung kam.

31


Nur eine Woche später machte man

sich mit 35 Helfern erneut auf den Weg

an die Donau. Diesmal hieß das Ziel

Neustadt. Nach einem Deichbruch hatte

fast die ganze Stadt unter Wasser

gestanden, und auch jetzt, eine Woche

später, war ein gesamter Stadtteil von

den Wassermassen abgeschnitten.

Von den Anwohnern, die in den letzten

Tagen fast kein Auge zugemacht hatten,

erfahren die THW-Helfer, dass das

Wasser bis unter die Zimmerdecken

gestanden hatte. Nun stand es zum

Glück »nur« noch vereinzelt auf den

Straßen und in den Kellern, doch die

Schäden, die nun erst zu Tage traten,

waren immens. Schadensbegrenzung

war das einzige, was die Forchheimer

durch Aufräum- und Pumparbeiten

hier noch leisten konnten.

Dass das Engagement des THW Forchheim

nicht vor den Landesgrenzen Halt

macht, bewiesen 1999 zwei Auslandseinsätze.

Otto Kalb führte es im Mai

mit einem Hilfsgütertransport nach

Mazedonien. Zusammen mit acht

weiteren THW-Helfern aus Erlangen,

Nürnberg und Rosenheim, galt es sechs

mobile Küchen des BGS in ein Flüchtlingslager

nahe Skopje zu bringen. 60

Stunden, jeweils mit einem zweiten

Fahrer im Wechsel waren sie unterwegs.

Vor Ort fanden sie eine Zeltstadt

vor, in der rund 34.000 Flüchtlinge aus

dem Kosovo Zuflucht gefunden hatten,

und täglich kamen bis zu 6.000 neue

hinzu.

Über ähnliche Zustände konnte auch

sein Bruder Roland Kalb berichten,

der vier Wochen lang beim Bau eines

Flüchtlingslagers in Albanien mithalf.

Neben den Schattenseiten, die er in

den vier Wochen kennenlernte, war es

vor allem die Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft

der Menschen dort, die ihn

schwer beeindruckte: »Jede nette Geste,

jedes Lächeln wird erwidert«.

Dass man auf die Jugend bauen kann,

hat sich mittlerweile auch im THW he-

rumgesprochen. Die Junghelfer von

heute können schon bald die aktiven

Helfer von morgen sein. Umso erfreulicher

war im Jahre 1999 die Tatsache,

dass man aufgrund der vielen Neuaufnahmen

in der THW-Jugend eine

zweite Jugendgruppe gründen konnte.

Dadurch war ein weiterer Stein für den

Erfolg der Nachwuchsarbeit geleget,

der bald schon eine dritte Jugendgruppe

notwendig machen sollte.

Botschafter der Hilfe

Den Jahreswechsel ins neue »Millennium«

bestimmte neben den befürchteten

Jahr-2000-Problem, für das

erhöhte Bereitschaft und spezielle Notfallpläne

im Landkreis vorlagen, auch

die Einsätze nach den beiden Orkanen

»Lothar« und »Martin« in Frankreich.

Die Stürme, die am 26. und 27. Dezember

mit Spitzengeschwindigkeiten von

bis zu 226 Kilometer in der Stunde über

Europa hinweg fegten, hinterließen

eine Schneise der Verwüstung. Helfer

aus 14 Ortsverbänden, darunter auch

der OV Forchheim, machten sich am

29. Dezember mit dem ersten Kontingent

von Einsatzkräften aus Bayern

auf nach Frankreich. Das Ziel war

Elsaß-Lothringen, wo wie in vielen

anderen Teilen des Landes die Elektrizitätsversorgung

durch umgeknickte

Strommasten und heruntergerissene

Leitungen seit Tagen unterbrochen

war. Die Stromversorgung lebenswichtiger

Einrichtungen konnte durch

die mitgebrachten Notstromaggregate

schnell wiederhergestellt werden, und

auch die Reparatur von Leitungen und

Hausanschlüssen trug mit zur Wiederherstellung

der Stromversorgung bei.

Insgesamt fast 1.400 THW-Helfer aus

284 Ortverbänden leisteten bis Mitte

Januar Hilfe für die französischen

Nachbarn. Die Dankbarkeit und Gastfreundschaft

der Bevölkerung war für

viele Helfer Bestätigung ihrer Arbeit

und auch Bundesinnenminister Otto

Schily drückte in einem Brief an die

Helferinnen und Helfer des THW seine

Anerkennung für die geleistete Hilfe

aus: »Sie haben sich in Ihrem Hilfseinsatz

als großartige Botschafter unseres

Landes erwiesen«.

Ein Hilfsgütertransport führte drei

Helfer des THW Forchheim über die

Osterfeiertage in die rund 2.500 Kilometer

entfernte Stadt Charkow in der

Ukraine. Der Transport, der vom THW

Baiersdorf ausging und an dem neben

Forchheim die Ortsverbände Bayreuth,

Bamberg, Coburg, Rosenheim und

Simmbach teilnahmen, brachte dringend

benötigte Hilfsgüter in das dort

ansässige Hospiz.

Eine logistische Herausforderung stellte

der erste Fränkische-Schweiz-Marathon

dar, bei dem das THW Forchheim

die Verpflegungsstationen aufbauen

und betreuen musste. Was mittlerweile

Routine ist, war damals noch Neuland

für das THW. So konnte es passieren,

dass die bereitgestellten Getränke

schneller als gedacht zur Neige gingen

und so mit Hochdruck für Nachschub

gesorgt werden musste. Da stellte die

Aufgabe, eine entlaufene Kuh abseits

der Bundesstraße wieder einzufangen,

den krönenden Abschluss eines anstrengenden

Marathon-Sonntags dar.

Im Jahr 2001 konnte mit der neuen Ölsperre

des Landkreises ein großer Gewinn

für die örtliche Gefahrenabwehr

erzielt werden. Im Juli wurde sie von

Landrat Reinhardt Glauber dem THW

Forchheim übergeben und bei einer

Demonstration am Hausener Wasserrad

das erste Mal »zu Wasser gelassen«.

Im Einsatz bewähren konnte sich

die Sperre das erste Mal im April 2002

nach einem Ölunfall in Hagenbach, bei

dem 200 Liter Diesel bis in die Wiesent

gelangt waren.

Ebenfalls als Neuzugang in der Ausstattung

erhielt der Ortsverband die

lang ersehnte Hannibal-Schnelleinsatzpumpe

mit einer Pumpleistung

von 5.000 Litern in der Minute.

33


Flut in Deutschland

Und die Hannibal kam schneller zum

Einsatz, als gedacht. Bei verheerenden

Überschwemmungen in Südbayern lief

sie fast fünf Tage im Dauerbetrieb, um

Keller und Straßen auszupumpen. Einsatzorte

waren Passau und der Landkreis

Regensburg. Während sich hier

die Hochwassersituation langsam wieder

entspannte, spitzte sich die Lage

im Osten weiter zu. Kaum waren die

Einsatzkärfte wieder zuhause, kam die

Alarmierung nach Dreden.

Dort waren die Helfer aus Forchheim

zusammen mit den Kameraden aus

Bayreuth, Sonthofen und Traunstein

Retter in höchster Not, besonders für

die Semperoper und Kunstschätze der

Galerie der Alten Meister. Während

ein großer Teil der wertvollen Gemälde

schon vorher aus dem Archiv im Keller

gerettet werden konnten, mussten einige

der wertvollen Bilder wegen ihrer

Größe zurückbleiben.

Alles was man machen konnte, war, die

Kunstwerke unter die Decke zu hängen,

und zu hoffen, dass das Wasser nicht

so weit steigt. Doch diese Hoffnung

schien vergebens: Als die Forchheimer

am Freitagabend eintrafen, stand das

Wasser bereits rund 1,90 Meter hoch,

nur fünf Zentimeter fehlten, bis die

Flut auch die Gemälde erreicht hätte.

Sofort hatte das THW alle verfügbaren

Pumpen im Einsatz, um die Werke aus

dem 15. und 16. Jahrhundert doch noch

zu retten.

Auch in der weltberühmten Semperoper

hatten die Mannschaften gegen die

Flut zu kämpfen. Zwar drang das Wasser

der nahen Elbe nicht von außen in

das Gebäude ein, doch Grundwasser

drückte von unten in den Keller, so dass

dort das Wasser zeitweilig neun Meter

hoch stand. Hätte das Wasser das

Rundfoyer erreicht, wäre dies nach der

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die

zweitschlimmste Katastrophe für das

Opernhaus gewesen. Doch der Pegelstand

konnte gehalten und das Wahrzeichen

Dresdens gerettet werden.

Böen mit Orkanstärke hielten Ende

Oktober THW und Feuerwehr im Landkreis

Forchheim pausenlos im Einsatz.

Am Forchheimer Krankenhaus hatte

der Sturm einen großen Teil des Daches

am Hauptgebäude abgedeckt. Die

Feuerwehr und das THW beseitigten

die Trümmer und halfen, das Dach provisorisch

abzudichten.

Nass ging es auch 2003 weiter. Ergiebiger

Dauerregen ließ nach Neujahr die

Pegel der Flüsse in Nordbayern gefährlich

anschwellen. Vom THW orsorglich

gefüllte und verteilte Sandsäcke verhinderten

Schlimmeres.

In Bad Kissingen, dem nächsten Einsatzziel

war mit Sandsäcken nichts

mehr auszurichten, hier mussten die

Helfer mit ihrer Pumpenausstattung

die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen.

Die wichtigste Aufgabe war, den Wasserstand

im Keller der Stadtwerke zu

halten, andernfalls hätte Bad Kissingen

ohne Strom dagestanden. Weitere Einsatzschwerpunkte

waren die Kurgebäude

und das Spielcasiono.

2003 war auch das Jahr, in dem das

langverfolgte Projekt eines THW-Neubaus

kräftig an Fahrt aufnehmen

konnte. Nachdem bereits ein geeigneter

Standort neben dem Tierheim

gefunden war, hatten sich in der Zwischenzeit

die Stadt Forchheim mit ihren

Vereinigten Pfründner Stiftungen

als Investor bereit erklärt, den Bau

der neuen THW-Unterkunft zu übernehmen

– die Wende in der Neubaudiskussion.

Hatte der Bund aufgrund

fehlender finanzieller Mittel einen eigenen

Neubau bisher abgelehnt, war

durch diese »Public Private Partnership«

vom Ortsverband eine tragfähige

Lösung gefunden worden, die zeitnah

umgesetzt werden konnte. Was letztendlich

noch fehlte, war das »Ja« aus

Bonn. Aber auch dieses war zum Greifen

nahe, hatte THW-Präsident Thiel

doch an der 50-Jahr-Feier eine rasche

Entscheidung angekündigt.

Bei fast 40 Junghelfern wurde 2003

endlich eine dritte Jugendgruppe offiziell

genehmigt. Da eine wachsende

35


Jugendarbeit auch größere Mobilität

erforderte, kam der Ford Transit als

neues Jugendfahrzeug von der Geschäftsstelle

Bamberg gerade recht.

Geschäftsführer Curd Mohr betonte

bei der Übergabe, dass die überdurchschnittlichen

Leistungen der Jugendgruppen

den Ausschlag gegeben hätten,

das Fahrzeug nach Forchheim zu

geben.

Um den Status der THW-Jugend hin

zu einem gemeinnützigen Verein auf

Ortsebene umsetzen zu können, wurde

2003 auch eine eigene Jugendordnung

verabschiedet und die erste Ortsjugendleitung

gewählt.

Franken hilft Frankreich

Heftige Stürme hatten Anfang Dezember

breite Landstriche Südfrankreichs

von Lyon bis zur Mittelmeerküste unter

Wasser gesetzt. Teileweise fielen

13.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde

und machten Straßen unpassierbar

oder überfluteten ganze Ortschaften.

Besonders kritisch war die Lage

in Arles mit seinem trichterförmigen

Talkessel. Über das Innenministerium

hatte Deutschland die Unterstützung

des THW angeboten, die schließlich von

Frankreich angenommen wurde.

36 Stunden dauerte die Fahrt mit

Zwischenstopp in Neu-Ulm, bis die

THW-Helfer in Arles eintrafen. Bei

der Lageerkundung des Einsatzgebietes

wurde das Ausmaß der Überschwemmungen

deutlich. Zahlreiche

Zufahrtsstraßen waren überflutet, ein

Durchkommen teilweise unmöglich.

Im Schichtbetrieb pumpten die Helfer

des THW Forchheim zusammen mit

den anderen Ortsverbänden gegen die

Wassermassen an, bevor sie eine Woche

später vom zweiten Trupp abgelöst

wurden. Vom Ortsverband Forchheim

waren 30 Helfer mehr als 5.000 Stunden

im Einsatz. Das machte sich auch

in der Jahresstatistik bemerkbar, die

mit 32.000 ehrenamtlich geleisteten

Stunden auf Rekordniveau lag.

Ende 2003 entschied sich der Ortsverband

Forchheim, seinen Schwerpunkt

auf Einsätze am und im Wasser zu

legen und daher die Fachgruppe Führung/Kommunikation

gegen die Fachgruppe

Wassergefahren zu tauschen.

Mit der Fachgruppe Wasserschaden/

Pumpen war der Ortsverband Forchheim

bisher schon bestens für Hochwassereinsätze

und Aufgaben am

Wasser gerüstet. Durch die Ausstattung

und das Einsatzspektrum der

Fachgruppe W, die dann ab Januar 2004

in Forchheim stationiert war, konnte

der Ortsverband auch seine Einsatzfähigkeit

auf dem Wasser massiv verbessern.

Zur Einsatzausstattung gehörte ein

MAN-Lkw (320 PS, Baujahr 1981),

der früher im Dienst der Bundeswehr

stand. Mit seinem »Palfinger«-Ladekran

ist er bis heute ein leistungsfähiges

Instrument auch über sein eigentliches

Einsatzgebiet hinaus, wie

die Unterstützung bei zahlreichen

Sturm- und Brandeinsätzen gezeigt

hat. 2005 erhielt die Fachgruppe das

lang ersehnte Mehrzweckarbeitsboot

Faster 650 Cat. Ausgestattet mit zwei

70PS-Motoren schafft das Boot über

50 km/h. Dank Echolot und Taucherlei-

ter bietet es auch ideale Einsatzbedingungen

für die Bergungstaucher.

2004 hatten die Taucher des THW

Forchheim im Rahmen der Tauchübung

des Landesverbands Bayern

ihre Tauchkollegen aus den anderen

bayersichen Ortsverbänden zu Gast.

Auf dem Übungsplan standen eine

Autobergung, eine Vermisstensuche,

Unterwasserbrennschneiden sowie ein

Unterwasser-Fitness-Parcour.

Wie wichtig deren Arbeit ist, zeigte sich

nur einen Monat später nach einer

Schiffskollision kurz nach der Schleuse

Hausen. Durch ein rund 30 Zentimeter

langes Leck drang Wasser in eines der

Schiffe ein. Dank eines Unterwassereinsatzes

der THW-Taucher konnte

dieses schließlich abgedichtet werden.

Ein umgestürzter Sattelzug und mehrere

Tonnen Getreide auf der Autobahn

A73 zwischen Forchheim und Baiersdorf

machten im August einen Einsatz

des THW Forchheim notwendig.

Die Autobahn musste in beiden Richtungen

komplett gesperrt werden.

Das gegen 5.20 Uhr alarmierte THW

Forchheim war mit 30 Helfern, mehreren

Großfahrzeugen sowie dem Merlot

Teleskoplader im Einsatz, um die Fahrbahn

von der zentimeterdicken Getreideschicht

zu befreien.

37


Tsunamis, Hurrikans, Waldbrände und

Überschwemmungen bestimmten

2005 das weltweite Wettergeschehen.

Auch wenn Deutschland von den großen

Wetterkatastrophen verschont

blieb, bescherten Sturm und Gewitter

auch dem THW Forchheim zahlreiche

Einsätze.

Im März waren nach heftigen Regenfällen

und Gewittern Helfer der Fachgruppe

Wasserschaden/Pumpen im

Landkreis Lichtenfels im Einsatz. Nach

einem Blitzschlag in der Kläranlage

konnte das Kanalnetz nicht mehr ausreichend

entlastet werden. Aufgabe

der Forchheimer war es, den Wasserspiegel

im Kanalnetz zu senken.

Im Mai unterstützte das THW Forchheim

im Kampf gegen die Fluten in der

Region um Temeswar in Rumänien. Es

war dort das schlimmste Hochwasser

seit 40 Jahren. Das Bundesinnenministerium

hatte ein 34-köpfige THW-Ein-

satzteam in das Überschwemmungsgebiet

entsandt, welches aus Experten

der Fachgruppen Wasserschaden/

Pumpen, Infrastruktur und Trinkwasseraufbereitung

bestand – darunter

auch sechs Helfer des THW Forchheim.

Ein tragisches Ende nahm im Juli ein

fröhlicher Abend auf dem zu diesem

Zeitpunkt gut besuchten Annafest. Ein

heftiges Unwetter mit Platzregen und

starken Sturmböen tobte über dem

Volksfest, als auf einem der Keller ein

großer Ast abbrach und mehrere Personen

unter sich begrub. Ein Mann

verstarb noch an der Unglücksstelle,

ein Mädchen trug schweren Rückenverletzungen

davon und ist seitdem

querschnittsgelähmt.

Das THW Forchheim stellte für die Polizei

den Ast sicher und half bei der Evakuierung

des Festgeländes mit, die auf

Anordnung des Ordnungsamtes durchgeführt

wurde. Zum Zeitpunkt des Unwetters

waren ca. 20.000 Personen auf

dem Volksfest. Infolge der orkanartigen

Gewitter hatte das THW auch am

nächsten Morgen noch mit den Folgen

zu kämpfen und war zusammen mit

der Feuerwehr im Einsatz.

Im August sorgten lang anhaltende

ergiebige Regenfälle in weiten Teilen

Südbayerns zu schweren Überflutungen.

In Freising kämpfte die Fachgruppe

Wasserschaden/Pumpen gegen das

Hochwasser. Im Ortsteil Lerchenfeld

galt es im Schichtbetrieb den Wasserspiegel

eines Kanals zu senken. Wäre

der Damm gebrochen, wäre ein Wohngebiet

überflutet worden.

Im Laufe der Woche spitzte sich die

Lage zu. Deiche waren durchnässt und

an einigen Stellen sogar durchlässig

geworden. Zur Unterstützung wurde

der THW-Geschäftsführerbereich

Bamberg, darunter auch die Fachgruppe

Wassergefahren aus Forchheim

nachalarmiert. Sechs Tage war das

THW Forchheim im Einsatz.

In die Luft gehen musste die Großpumpe

»Hannibal« bei einem spektakulären

Einsatz in der Schleuse Hausen im

August 2005. Ein rund 100 Meter lange

Maschinenraum stand fast vollständig

unter Wasser. Das THW rückte mit 35

Helfern aus und setzte in kurzer Zeit

mehrere Tauchpumpen ein. Die Großpumpe

»Hannibal« – die alleine 5.000

Liter in der Minute fördern kann – stellte

das THW vor ein Problem. Wegen

der zu hohen Ansaughöhe konnte die

Pumpe nicht vom oberen Bereich aus

betrieben werden. Kurzerhand wurde

von Zugführer Günther Bär ein anderweitig

vor Ort stehender Autokran genutzt,

um die tonnenschwere Pumpe

auf das Dach des Maschinenraums zu

heben. So konnte das THW mit einer

Förderleistung von 18.000 Litern in der

Minute pumpen, die bei geschätzten

5,5 Mio. Litern Wasser auch dringend

nötig waren.

Spatenstich zum Neubau

Das Warten auf eine neue Unterkunft

hat für das THW Forchheim mit dem

ersten Spatenstich zum Neubau im

Oktober 2005 endlich ein Ende gefunden.

Lange habe es zwar gedauert, wie

Oberbürgermeister Franz Stumpf beim

Festakt betonte, dafür sei nun aber

eine für alle Beteiligten optimale Lösung

gefunden worden.

Auch der Leiter des Referats Z4, Matthias

Wauschkuhn aus Bonn lobte in

seinem Grußwort die Kooperation, die

»als Indiz für die ausgezeichnete Zusammenarbeit

von kommunalen Aufgabenträgern

und der Bundesverwaltung«

zu sehen sei. Er versprach, den

Spaten, den er als Andenken überreicht

bekam, an THW-Präsidenten Georg

Thiel zu übergeben.

So war das Jahr 2006, welches der damalige

Ortsbeauftragte Holger Lehnard

als »eines der stressigsten in der lan-

39


gen THW-Geschichte« einordnete, von

den Arbeiten am Neubau bestimmt.

Ausgebremst durch die Insolvenz einer

der beteiligten Baufirmen bereits kurz

nach dem Spatenstich, verlief anschließend

alles nach Plan. Im Mai unterzeichneten

Oberbürgermeister Franz

Stumpf, Landesbeauftragter Dietmar

Löffler als Vertreter der THW-Bundesanstalt

und Wolfgang Wilfling für die

THW-Helfervereinigung die Mietverträge

für die neue Unterkunft.

Im Juni konnte mit Fertigstellung der

Dachkonstruktion das Richtfest gefeiert

werden. »Mit Fleiß von Morgen

bis zur Nacht, war dieses schöne Werk

vollbracht«, lautete der Richtspruch.

Als schließlich nach Fertigstellung des

Rohbaus mit dem Innenausbau begonnen

werden konnte, legten sich die

Helferinnen und Helfer mit unzähligen

Stunden an Eigenleistungen richtig ins

Zeug. Ob Wände streichen, Balkonplatten

verlegen oder den Zaun um

das Grundstück setzen, mit vereinten

Kräften und viel Schweiß konnten diese

Arbeiten schneller abgeschlossen

werden, als gedacht.

Dank der Helfervereinigung und vielen

Spendern, die im Rahmen der Aktion

»Ein Baustein für den THW-Neubau«

finanzielle Unterstützung geleistet

haben, konnte nicht nur ein einmalig

schöner und gemütlicher THW-Ge-

meinschaftsraum geschaffen werden,

sondern auch zusätzliche Ausstattung

für die Unterkunft angeschafft werden.

Allen Unterstützern wurde auf einer

gravierten Spendentafel gedankt.

Einen Großeinsatz in der Kläranlage

Erlangen forderte im Mai 2006 den

Einsatz mehrerer Ortsverbände, darunter

auch das THW Forchheim und

Kirchehrenbach. Durch ein defektes

Ventil waren zwei Pumpenräume voll

Wasser gelaufen, die Pumpen dadurch

in Mitleidenschaft gezogen. So galt

es, die Räume auszupumpen und anschließend

die Förderleistung der für

die Instandsetzung ausgebauten Pumpen

zu überbrücken.

In dem viertägigen Einsatz konnte das

THW mit einer Gesamtpumpleistung

von rund 2.000 Litern in der Sekunde

und 12 Kilometern verlegter Schlauchleitungen

den Betrieb der Kläranlage

aufrecht erhalten, bis die Pumpen des

Klärwerks wieder liefen.

Als Rekordjahr ging 2007 in die Geschichte

des THW Forchheim ein. So

fand nicht nur die unendliche Geschichte

um den THW-Neubau mit der

offiziellen Einweihungsfeier ein glückliches

Ende, auch die Zahl der geleisteten

Dienststunden erreichte mit mehr

als 35.500 ehrenamtlich geleisteten

Stunden einen noch nie da gewesenen

Höchststand.

Wetter extrem

So bescherten die Auswirkungen extremer

Wettersituationen dem THW

Forchheim zahlreiche Einsatzstunden.

Den traurigen Höhepunkt des Jahres

bildete im Juli der Katastrophenalarm

nach schweren Überschwemmungen,

die ein Todesopfer forderten.

Im Januar zog Orkantief Kyrill über Bayern

hinweg und obwohl die Schäden für

den Landkreis Forchheim schwächer

als erwartet ausfielen, hatte das THW

Forchheim einige Einsätze in Folge der

Sturmnacht zu verzeichnen.

Auf einem Firmengelände im Stadtgebiet

hatte der Sturm das Dach einer

Halle aus der Verankerung gerissen.

Die Helfer des THW hatten die Aufgabe,

das rund 100 Quadratmeter große

Wellblechdach wieder auf der Halle zu

befestigen.

Einen ersten Vorgeschmack auf die

kommenden Ereignisse konnte sich

das THW im Juli machen, als bei einem

Gewitter innerhalb kürzester Zeit mehr

als 40 Liter Regen und Hagel pro Quadratmeter

fielen. Besonders schwer traf

es einen Einkaufsmarkt an der Bamberger

Straße, dessen Verkaufsfläche

im Kellergeschoss zentimeterhoch

unter Wasser stand. Während hier

die Einsatzkräfte der überforderten

Kanalisation und dem vollgelaufenen

Aufzugsschacht mit Pumpen zu Leibe

rücken und per Hand das Wasser

aus dem Verkaufsareal nach draußen

schoben, hatte das THW zur gleichen

Zeit an anderen Einsatzstellen ebenfalls

gegen Überschwemmungen zu

kämpfen.

Nur einen Tag später spitzte sich die

Wetterlage dramatisch zu. Sintflutartiger

Starkregen, Sturm und Hagel führten

zu schweren Überflutungen in Bayern.

Autobahnen und Straßen standen

bis zu eineinhalb Meter unter Wasser,

Bahngleise wurden unterspült, Keller

41


42

liefen voll. Am schlimmsten wüteten

die Unwetter in Ober- und Mittelfranken.

Nachdem dort bis zu 80 Liter Regen

pro Quadratmeter fielen, musste

in den Landkreisen Forchheim und Erlangen-Höchstadt

Katastrophenalarm

ausgelöst werden.

Besonders betroffen waren die Ortschaften

Poxdorf und Baiersdorf.

Poxdorf war zeitweise von der Außenwelt

abgeschnitten und nur noch mit

Booten zu erreichen. Dort forderten

die Überschwemmungen auch ein Todesopfer.

Eine 82-jährige Frau ertrank

in ihrer überfluteten Kellerwohnung

und konnte nur noch tot geborgen

werden. In den Ortschaften Langensendelbach

und Kirchehrenbach mussten

eingeschlossene Einwohner mit

Schlauchbooten gerettet werden.

Auf der A73 musste das THW Autofahrer

in Sicherheit bringen, die sich vor

den Wassermassen auf Leitplanken

oder Autodächer gerettet hatten. Auch

die Bahngleise auf der Strecke zwischen

Forchheim und Erlangen wurden

stark in Mitleidenschaft gezogen.

Nachdem sich die Hochwasserlage am

Morgen etwas entspannt hatte, wurde

das gesamte Ausmaß der Schäden

sichtbar: beinahe in jedem zweiten

Haus in Langensendelbach, Kersbach

und Poxdorf war der Keller unter Was-

ser gestanden, in einigen Häusern sogar

das Erdgeschoss.

Helferinnen und Helfer aus ganz

Nordbayern waren im Einsatz, um die

Häuser trockenzulegen und Schäden

zu beseitigen. Ausgelaufene Öltanks

und marode Elektroinstallationen erschwerten

mancherorts ein rasches

Auspumpen der Kellerräume. Die Zusammenarbeit

mit der Feuerwehr und

den Rettungsorganisationen klappte

dabei hervorragend. Insgesamt pumpte

das THW mit einer Leistung von fast

450.000 Litern pro Minute.

Unterkunft eingeweiht

Im März begann für die Helfer des

Ortsverbands Forchheim ein neues

Kapitel: Der THW-Neubau wurde nach

eineinhalb Jahren Bauzeit offiziell eingeweiht.

Fast 400 geladene Gäste aus den Reihen

von Politik, örtlichen Hilfsorganisationen

und natürlich dem THW, feierten

gemeinsam in den festlich geschmückten

Hallen des Neubaus. Mehr als 40

Jahre nannte der Ortsverband Forchheim

zuvor das Gelände in der Hainbrunnenstraße

sein Zuhause.

Damit das THW-Heim so werden konnte

wie es jetzt ist, musste »das Unmögliche

möglich gemacht werden«,

wie Holger Lehnard, Ortsbeauftragter,

in seiner Rede formulierte: Über 8.000

Stunden ihrer Freizeit haben die ehrenamtlichen

Helfer investiert, um in

Eigenleistung die Arbeiten tatkräftig zu

unterstützen.

Und das Ergebnis kann sich wirklich

sehen lassen: »Ein Ausdruck der Professionalität

des THW Forchheim« sei

der Neubau, wie Dr. Raimund Wattler,

Abteilungsleiter Z der THW-Leitung in

Bonn betonte. Am folgenden Sonntag

konnte sich die Öffentlichkeit beim

»Tag der offenen Tür« ein Bild von der

neuen Unterkunft machen. Bereits um

10 Uhr begann das offizielle Programm

mit einem musikalischen Frühschoppen.

Für ihr außergewöhnliches, langjähriges

Engagement im Technischen Hilfswerk

wurden im September Stefan Karl

und Matthias Petermann mit dem Ehrenzeichen

in Bronze ausgezeichnet.

Geschäftsführer Curd Mohr unterstrich

in seiner Laudatio die Verdienste, die

sich beide um die Jugendarbeit erworben

haben und sie zu einer »Erfolgsgeschichte«

im Ortsverband Forchheim

ausbauen konnten.

Orkantief »Emma« sorgte Anfang März

für abgedeckte Dächer und entwurzelte

Bäume im Landkreis Forchheim.

THW und Feuerwehren mussten zu


zahlreichen Einsätzen ausrücken. Das

THW Forchheim war mit rund 60 Einsatzkräften

im Einsatz.

Fünf Tonnen Altglas galt es für das

THW Forchheim es im April nach einem

LKW-Unfall auf der A73 bei Buttenheim

zu bergen. Der Lkw mit Anhänger

war ins Schlingern geraten und quer

über alle Fahrspuren Richtung Forchheim

umgekippt.

Das THW hatte die Aufgabe das Glas

zu bergen sowie die Fahrbahn von

den Scherben zu säubern. Der Teleskop-Lader

beschleunigte dabei die Arbeiten

erheblich. 40 Helferinnen und

Helfer waren im Einsatz.

Der Brand einer rund 200 Meter langen

Halle am Ortsrand von Hausen forderte

im Mai sämtliche Einsatzkräfte

von Feuerwehr, Rettungsdienst und

THW aus der Region. Kurz nach 20 Uhr

war der Notruf bei der Einsatzzentrale

Bamberg eingegangen, dass aus

der großen Halle, die mehrere Firmen

sowie eine Tennishalle beherbergte,

Rauch aus dem Dach quillt.

Der Einsatz der alarmierten Feuerwehren

gestaltete sich anfangs sehr

schwierig, da über dem Objekt eine

Überlandhochspannungsleitung verlief.

Bis das Elektrizitätsunternehmen

die Leitungen abgeschaltet hatte,

stand bereits das komplette Gebäude

in Flammen. Das THW Forchheim sorgte

mit Lichtgiraffe und der 50kVA-Netzersatzanlage

für die Ausleuchtung

der nächtlichen Einsatzstelle. Später

öffnete das THW mit dem Polygreifer

des Kran-Lkws teilweise das Dach, um

der Feuerwehr das Löschen zu erleichtern.

Die Fachgruppe Log-V sorgte für

die Verpflegung der rund 300 Einsatzkräfte.

Ein besonderes Jubiläum konnte das

THW Forchheim im Mai in Straubing

feiern: Bereits zum 35. Mal war der

Ortsverband für seine jährliche Bootsausbildung

zu Gast in Straubing – eine

Tradition, die das THW Forchheim,

den 1. MWSC Straubing und das THW

Straubing schon mehr als drei Jahrzehnte

kameradschaftlich verbindet.

Neben der Bootsfahrt auf der Donau

gehört das gemeinsame Essen und gesellige

Beisammensein mit den Straubinger

Freunden am Freitagabend zum

festen Programm – und das hoffentlich

auch noch in den nächsten 35 Jahren.

Der Bezirkswettkampf der THW-Jugend

Oberfranken fand 2008 in Forchheim

statt. Unter den Augen der

zahlreichen Zuschauer konnten die

teilnehmenden Jugendmannschaften

ihr Können unter Beweis stellen. Wie

gut die THW-Jugend in Oberfranken

ist, zeigte sich bei der Verkündung der

Platzierungen. Die Punkte lagen sehr

nah beieinander und mancher Platz

konnte bei Punktegleichstand nur aufgrund

der Zeit entschieden werden. Am

Ende konnte sich die Jugendgruppe aus

Kulmbach als Sieger durchsetzen. Die

Gastgeber aus Forchheim landeten auf

dem fünften Platz.

Eine ungewöhnliche Art der Brandbekämpfung

konnten 40 Sprengberechtigte

aus den Landesverbänden Bayern

und Sachsen/Thüringen im Oktober

bei einer Ausbildungsveranstaltung im

Landkreis Forchheim ausprobieren. Für

die angewendete Methode, eine sog.

»Löschsprengung«, wurden Schläuche

aus Plastikfolie mit rund 30 Kubikmetern

Wasser gefüllt und mittels untergelegter

Sprengschnur gesprengt – ein

eindrucksvolles Schauspiel, auch für die

erfahrenen Sprengspezialisten. Durch

die feine Zerstäubung des Wasser sollen

Flächenbrände gelöscht werden.

Das Jahr 2009 war geprägt durch zahlreiche

Neuzugänge an Fahrzeugen und

Ausstattung. So wurde von der Helfervereinigung

ein Heckwarnsystem

für das THV-Fahrzeug angeschafft,

welches durch Hochleistungs-LEDs

für mehr Sicherheit im Autobahnbereitschaftsdienst

sorgt. Außerdem

konnten durch Sachspenden ein neues

Mehrzweckfahrzeug, ein Renault Kangoo,

sowie ein 3-Tonnen-Gasstapler

in den Dienst des THW gestellt werden.

Auch vom Bund gab es mit einem

neuen Lkw mit Ladebordwand für die

Fachgruppe WP sowie einem neuen

MTW für den Zugtrupp Zuwachs im

Fuhrpark.

Als besonderes Highlight wurde die

Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen

mit einem von bundesweit nur acht

computergestützten Pegelmesssystemen

ausgestattet, die gleichzeitig

Teil eines europäischen Katastrophenschutzbausteins,

dem HCP-Modul,

sind. HCP steht für »High Capacity

Pumping« und bedeutet für die Fachgruppe

eine neue weltweite Einsatzoption

bei Hochwasserereignissen.

Wechsel an der Spitze

2009 kam es aber auch zu einschneidenden,

personellen Veränderungen

in der OV-Führung: »Das THW hat

mich geprägt und ich hoffe, ich habe

mit meiner Arbeit auch ein Stück weit

das THW prägen können.« Mit diesen

Worten verabschiedete sich im Juli Holger

Lehnard aus dem Amt des Ortsbeauftragten

von Forchheim, welches er

mehr als 17 Jahre inne hatte.

In seiner Abschiedsrede musste Lehnard

zunächst klarstellen, dass er keineswegs

aufhöre: »Ich trete nur in die

zweite Reihe zurück und bleibe dem

THW als Fachberater und Helfer er-

43


halten.« Der Schritt, vom Posten des

Ortsbeauftragten zurückzutreten, sei

ihm angesichts der Nachfolge, seinem

bisherigen Stellvertreter Christian Wilfling

sowie dessen neuem Stellvertreter

Matthias Haschke, nicht allzu schwer

gefallen.

Auch in der Helfervereinigung gab es

einen Wechsel. Nach sechs Jahren als

HeVe-Vorsitzender trat Wolfgang Wilfling

nicht mehr zur Wahl an. Zu seinem

Nachfolger wurde an der Hauptversammlung

Dieter Wölfel gewählt.

Hollywoodreifen Einsatz durften die

Fachgruppen Wassergefahren und die

Bergungstaucher im August beweisen.

Sie unterstützten Filmarbeiten für den

Kinofilm »Das letzte Schweigen«, für

den auch im alten Ölhafen Eggolsheim

gedreht wurde. So diente das Mehrzweckarbeitsboot

des THW Forchheim

als Arbeitsplattform für Aufnahmen

auf dem Wasser und später zusammen

mit den Tauchern als Requisit bei

einer Szene auf dem Wasser.

15 Stunden dauerte der »Drehtag« für

das THW, der mit seinen Szenen nicht

einmal zwei Minuten des ganzen Films

ausmachte. Trotzdem war es ein Erlebnis

für die Helfer, das THW Forchheim

im Abspann des Films lesen zu können,

der ein Jahr später in die Kinos kam.

Hoher Besuch

Im März 2010 hatte das THW Forchheim

hohen Besuch zu Gast. Im Rahmen

des 30-jährigen Bestehens der

THW-Bundesvereinigung tagten vorab

die Landesbeauftragten und die

Landessprecher der bundesweit acht

THW-Landesverbände. Zur besonderen

Abrundung des langen Sitzungstages,

kamen 40 der wichtigsten

Funktionsträger zu Besuch in den

Ortsverband Forchheim, wo man nach

kurzer Führung den Abend in der guten

Stube bei ebenso guten Gesprächen

ausklingen ließ.

Die hochrangigen Besucher, darunter

THW-Präsident Albrecht Broemme und

sein Stellvertreter, THW-Vizepräsident

Rainer Schwierczinski, zeigten sich von

der Unterkunft und der Ausstattung

sichtlich beeindruckt und dankten den

Helfern des Ortsverbandes für die gewährte

Unterstützung der Veranstaltung.

In Sachen Alarmierung hat sich 2010

mit der Inbetriebnahme der neuen Integrierten

Leitstelle für Bamberg und

Forchheim einiges getan. Nach den üblichen

kleineren Startschwierigkeiten

ist das THW Forchheim hier nun gut in

die Alarmierung eingebunden und direkt

über das Einsatzstichwort oder die

Verbindungsperson THW anzufordern.

Insbesondere bei zwei Scheunenbränden

in Effeltrich und Schnaid habe sich

die Anforderung der Verbindungsperson

als hilfreich erwiesen, da so das

THW die Arbeiten der Feuerwehr vor

Ort bestens unterstützen konnte.

Überschwemmungen beschäftigten im

Mai und Juni 2010 die Einsatzkräfte des

THW Forchheim. So hatten zunächst

starke, nächtliche Regenfälle im Landkreis

Forchheim für Überschwemmungen

gesorgt. Feuerwehr und Technisches

Hilfswerk waren an zahlreichen

Stellen im Einsatz, darunter in Heroldsbach,

wo die Regenmassen ein Wohnhaus

komplett unter Wasser setzten.

Schlimmer gestaltete sich die Lage im

Süden Polens, wo Weichsel und Oder

durch die lang anhaltenden Regenfälle

über die Ufer getreten war und ganze

Landstriche unter Wasser gesetzt hatte.

Im Rahmen einer Anforderung der

EU wurden insgesamt fünf Spezialeinheiten

zur Hochwasserbekämpfung,

sog. HCP-Module, nach Polen entsendet,

darunter auch das Modul aus Bayern,

in das der Ortsverband Forchheim

integriert ist. Die bayerischen Helfer

kamen in Pszczyna in Südpolen zum

Einsatz, um durch Auspumpen weitere

Überflutungen von Ortsteilen und Autobahnen

zu verhindern. Zehn Helfer

aus Forchheim waren mit Ablösung 14

Tage im Einsatz.

Wasser, diesmal aber in seiner gefrorenen

Form als Schnee, beschäftigte das

THW dann rund um den Jahreswechsel.

Häufige Schneefälle und anhaltend

kalte Temperaturen ließ auf vielen Dächern

Schneedecken entstehen, die

zum Teil an die Belastungsgrenzen der

Dachkonstruktionen gingen. So wurde

sehr oft der Baufachberater des THW

Forchheim für Schneelastmessungen

alarmiert, der anhand einer Probe die

Resttragefähigkeit eines Daches berechnen

kann. Unterschreitet diese einen

gewissen Wert, muss das Dach von

den Schneemassen befreit werden.

Eine Aufgabe, für die auch die Forchheimer

Helfer mit Schaufel und Besen

auf Dächer steigen mussten. So galt es

das Dach eines ASB-Wohnheims von

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der Schneelast zu befreien – ein kräftezehrender

Einsatz, der aber nur ein

Vorgeschmack auf den eigentlichen

Großeinsatz sein sollte, der dann folgte.

Der Hilferuf kam vom Lidl-Zentrallager

in Neuses. Dort hatten sich auf

dem Hallendach 30 bis 40 Zentimeter

Schnee angesammelt, so dass bei weiteren

Schneefällen die Gefahr bestand,

dass das Dach unter der Last nachgibt.

Das THW war sofort mit der entsprechenden

Manpower vor Ort, um die

24.000 Quadratmeter Dachfläche vom

Schnee zu befreien. Bei geschätzten

1.200 Tonnen Schnee war jede Hand

gefragt, so dass die Forchheimer Helfer

von den umliegenden Ortsverbänden

bei den Räumarbeiten unterstützt

wurden. Nach zwei Tagen war das Hallendach

schließlich wieder frei.

Das Jahr 2011 stellte das THW Forchheim

mit der Aussetzung der Wehrpflicht

vor neue Herausforderungen. So

standen innovative Ideen und Konzepte

zur Helfergewinnung im Mittelpunkt

eines ganztägigen Workshops, den die

Führungskräfte des THW Forchheim

unter Leitung des ehemaligen Vorsitzenden

der Helfervereinigung Sigi

Feustel durchführten. Als erste Maßnahmen

wurde hier die Einrichtung

einer Facebookseite (mit mittlerweile

fast 400 Fans) sowie die Gründung einer

Alters- und Ehrengruppe, um hier

auf den Erfahrungsschatz und das

Wissen altverdienter Helfer zurückgreifen

zu können.

Innovativ zeigte sich der Ortsverband

auch in seiner Ausstattung. In der

Hauptversammlung der Helfervereinigung

war beschlossen worden, einen

neuen Rettungssatz für Einsätze im

Rahmen der Technischen Hilfeleistung

auf Verkehrswegen (THV), wie beispielsweise

während des Autobahnbereitschaftsdienstes,

bereitzustellen.

Unterstützt wurde die Anschaffung

durch zwei Spenden aus der Stifterge-

meinschaft der Sparkasse Forchheim.

Der Ortsverband entschied sich hier für

den Rettungssatz »eDRAULIC« der Firma

Lukas, der aus dem Schneidegerät

S 700 E, dem Spreizer SP300 E sowie

dem Rettungszylinder R 411 E besteht

und durch leistungsstarke Lithium-Ionen-Akkus

betrieben wird. In der

THV-Ausbildung konnten die Vorteile

der neuen Ausrüstung dann ausgiebig

getestet werden.

Im November musste der Ortsverband

von seinem Kameraden Franz Christl

Abschied nehmen. Er hatte 1963 seinen

Dienst im THW Forchheim angetreten

und stand seitdem dem THW

immer tatkräftig zur Seite, zunächst

als Zugführer des Verpflegungszuges,

später als Kreisbeauftragter für Forchheim,

dem auch das THW unterstellt

war. Das THW im Landkreis Forchheim

verlor mit ihm eine ihrer größten Persönlichkeiten,

für viele auch einen Kameraden

und Freund. So rief der OV

im zum Abschied nach: »Franz, vielen

Dank für Alles«.

Im Einsatzgeschehen des Jahres 2011

standen Überschwemmungen wieder

im Mittelpunkt. Einsetzendes Tauwetter

ließ im Januar die Wasserpegel der

Flüsse ansteigen, so auch an der Aisch

in Schlammersdorf. Das THW Forchheim

war mit 50 Helfern im Einsatz, um

Sandsäcke zu füllen und nach Schlam-

mersdorf zu bringen. Unterstützt wurden

die Arbeiten vom Ortsverband Kirchehrenbach

mit seinem Kipper. Zur

Überwachung des Wasserstandes installierte

das THW Forchheim zusätzlich

das digitale Pegelmesssystem, mit

dem der Wasserstand per Computer

in Echtzeit abgerufen werden konnte.

Glücklicherweise stieg der Pegel nicht

mehr weiter an, so dass die große

Überschwemmung ausblieb.

Im Juli sorgte ergiebiger Dauerregen

für zahlreiche Einsätze von Feuerwehr

und THW im Landkreis Forchheim. Wo

zunächst noch die vorrätigen Sandsäcke

als Maßnahme gegen die Überschwemmungen

ausreichten, spitzte

sich gegen 5.45 Uhr die Lage in mehreren

Ortschaften im östlichen Landkreis

zu. Die Kanalisation konnte die Wassermassen

nicht mehr aufnehmen,

Teile der Orte standen unter Wasser.

Hier sorgte das THW zusammen mit

den Feuerwehren für sinkende Pegel

und pumpte Keller aus.

Gegen 8 Uhr verschärfte sich auch

die Lage im Stadtgebiet Forchheim,

so dass weitere THW-Ortsverbände

nachalarmiert wurden, um Sandsäcke

zu füllen und die Pumparbeiten zu

unterstützen. Am späten Nachmittag

entspannte sich die Lage zusehends,

so dass nach und nach alle auswärtigen

THW-Ortsverbände aus dem Einsatzgebiet

abgezogen werden konnten.

Auch die großen Einsatzstellen

waren gegen 18 Uhr alle erfolgreich

abgearbeitet worden. Bis auf das Auspumpen

einzelner Keller oder kleinere

Sandsacklieferungen konnte der Großteil

des Einsatzes beendet werden.

Ansonsten wurde das THW auch 2011

wieder zur Unterstützung der Feuerwehren

bei Bränden angefordert, so

im Oktober beim Brand einer landwirtschaftlich

genutzten Halle in Oesdorf.

Hier hatte das THW Forchheim

gerade seine 24-Stunden-Ausbildung

mit zahlreichen Einsatzübungen abgeschlossen,

als der »richtige« Einsatz

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folgte. Das THW Forchheim unterstützte

mit Teleskoplader und Ladekran des

MAN 6x6, das zum Teil noch schwelende

Heu für die Löscharbeiten auseinanderzuziehen

und auf Lkws zu verladen.

Nur einen Monat später brannte dann

eine Lagerhalle in Igensdorf. Auch hier

unterstützte das THW beim Finden

und Löschen der Glutnester.

Verabschiedung in Silber

Für den Technischen Zug brachte der

Jahreswechsel wichtige personelle Veränderungen

mit sich. Nach 20 Jahren

verabschiedete sich Günther Bär, THWler

mit Leib und Seele, aus seiner Funktion

als Zugführer des THW Forchheim.

Am Jahresabschluss zollten ihm Kameraden

und Gäste mit stehendem Beifall

Dank und Respekt für seine Verdienste.

In seinen Dankesworten betonte Günther

Bär, wie prägend für ihn das THW

gewesen sei: »Mit meiner 35-jährigen

aktiven Zeit bin ich länger dabei als

die meisten Helfer im Ortsverband alt

sind«. Viel ist er in den 35 Jahren rumgekommen

mit dem THW, ob bei Einsätzen

in Frankreich, im Osten oder

auch im Süden Deutschlands. Seinem

Nachfolger Roland Leikam wünschte er

alles Gute und erinnerte mit Nachdruck

daran, dass er dem THW Forchheim als

Fachberater und »zur besonderen Verwendung«

erhalten bleibe.

In Anerkennung seiner Leistungen erhielt

er im Mai 2012 vom Referenten

des THW-Landesverbands Bayern Tilman

Gold das Ehrenzeichen in Silber

verliehen.

Auch das Einsatzjahr 2012 gestaltete

sich abwechslungsreich. Einen eher

ungewöhnlichen Einsatz hatten die

Taucher im Februar zu bewältigen.

Der Tierschutzverein hatte um Hilfe

gebeten, nachdem ein Jungschwan

auf einem Weiher festgefroren war.

Mit entsprechender Sicherung gelang

es, den Schwan zu befreien und in die

Obhut des Tierheims zu geben, wo das

geschwächte Jungtier wieder aufgepeppelt

wurde.

Im März war das THW Forchheim zusammen

mit anderen Ortsverbänden

und den Feuerwehren nach einem

Großbrand in einem Betrieb für Industriebeschichtungen

in Michelau (Lkr.

Lichtenfels) im Einsatz, nachdem dort

Katastrophenalarm ausgelöst worden

war. Das Feuer war in einer Lagerhalle

für Kunststoffgranulat ausgebrochen

und konnte von der Feuerwehr rasch

unter Kontrolle gebracht werden. Ätzende

Chemikalien, kontaminiertes

Löschwasser sowie die Instabilität

der Halle bereiteten aber enorme Probleme.

Nur mit Schutzanzügen und

Atemmasken durften die Helfer von

Feuerwehr und THW das Gebäude betreten.

Rund 150 Einsatzkräfte hatten

die Aufgabe, mittels Einsatzgerüstsystem

(EGS) die einsturzgefährdete Hallendecke

von unten abzustützen. Da

die Arbeiten in den luftdichten Vollanzügen

mit Atemmaske sehr anstrengend

waren, wurde im Schichtbetrieb

gearbeitet. Nach jeder Schicht mussten

alle Einsatzkräfte aufwendig dekontaminiert

und die Schutzanzüge entsorgt

werden.

Ansonsten war der Ortsverband im Juli

wieder zur Unterstützung der Feuer-

wehr bei einer Serie von Scheunenbränden

u.a. in Affaltertal und Kasberg

im Einsatz.

Im gleichen Monat wurden kurzzeitig

Erinnerungen an das verheerende

Jahrhunderthochwasser von 2007

wach, als nach wolkenbruchartigen Regenfällen

Neunkirchen und umgeben-

de Ortschaften in kürzester Zeit unter

Wasser standen. Die erste Einsatzstelle

war im Neunkirchner Ortsteil Baad.

Dort wurden eine Straße und ein Keller

überflutet.

Schon bald wurden die Kräfte zur Haupteinsatzstelle

gezogen. In Neunkirchen

stand eine Tiefgarage mit Fahrzeugen

unter Wasser. Als die Hannibal-Pumpe

eingesetzt wurde, konnten zwischenzeitlich

über 8.000 Liter in der Minute

befördert werden. Zahlreichen Feuerwehren

waren im Einsatz, wie auch das

THW Forchheim und Kirchehrenbach.

Damit endet der Rückblick auf die Geschichte

des Ortsverbandes Forchheim

– sechs Jahrzehnte, in denen einiges

bewegt und vor allem unzählige Male

Hilfe geleistet werden konnte. Bleibt

zu hoffen, dass die Idee des damaligen

Gründungsortbeauftragten Christian

Fiederlein auch weiterhin so engagiert

und professionell umgesetzt wird, wie

in den vergangenen 60 Jahren.

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Das THW Forchheim stellt sich vor

OV-Stab Der Stab wird von den stellvertretenden Ortsbeauftragten geführt und übernimmt die anfallenden Verwaltungstätigkeiten

sowie die logistische Unterstützung der Einsatzeinheiten. So kümmert sich z.B. der OV-Koch um das leibliche

Wohl der Helfer und der Schirrmeister um die Instandhaltung von Ausstattung und Fahrzeugen. Der Ausbildungsbeauftragte

überwacht den Ausbildungsstand der Einheiten und ist für die Grundausbildungsgruppe verantwortlich. Die Jugendbetreuer

sind für die Jugendarbeit zuständig, die Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit für die Außendarstellung und Pressearbeit.

Allgemein unterstützt werden sie durch die Verwaltungshelfer.

Zugtrupp An der Spitze des Technischen Zuges steht der Zugführer mit seinem Zugtrupp. Er führt den Einsatz des Tech-

nischen Zuges bzw. mehrerer Fachgruppen und ist damit die Schnittstelle zur Einsatzleitung der anfordernden Behörde, von

der er seine Aufträge erhält. Der Mannschaftstransportwagen (MTW) ist ein Multifunktionsfahrzeug für den Aufgabenbereich

des Zugtrupps und für weitere logistische Aufgaben des Technischen Zuges.

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1. Bergungsgruppe Die 1. Bergungsgruppe (B1) rettet Menschen und Tiere und birgt Sachwerte aus Gefahrenlagen. Sie

führt Sicherungsarbeiten an Schadenstellen durch, leistet leichte Räumarbeiten und richtet Wege und Übergänge her. Als

vielseitigste Gruppe im Technischen Zug unterstützt sie die Fachgruppen des THW in technischer wie personeller Hinsicht.

Das Personal und die Ausstattung sind auf die Bewältigung eines möglichst breiten Aufgabenspektrums ausgerichtet. Als

Schnell-Einsatz-Gruppe wird die 1. Bergungsgruppe in der Regel zuerst zum Einsatz kommen.

Die Ausstattung dieser Einheit kann weitestgehend abgesetzt, getragen und autark eingesetzt werden. Sie umfasst ein umfangreiches

Sortiment an Werkzeugen und Geräten zur Rettung und Bergung, zur Bearbeitung von Holz, Metall und Stein, zur

Sicherung von Personen und Einsatzstellen, zum Trennen, Heben und Bewegen von Trümmern oder Bauteilen sowie zum Bau

von Hilfskonstruktionen und vielen anderem mehr. Mit dem Einsatz-Gerüst-System (EGS) steht den Bergungsgruppen ein

vielseitiges Hilfsmittel für Rettungs-, Bergungs- und Sicherungsarbeiten zur Verfügung.


2. Bergungsgruppe Die 2. Bergungsgruppe (B2) ist das Bindeglied

zu verschiedenen Fachgruppen, von denen einige nur durch die technische

Ausstattung der B2 (insbesondere Stromversorgung) ihre volle

Leistungsfähigkeit erreichen.

In Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen kann

das 50 kVA Stromaggregat zum Betrieb der elektrischen Tauchpumpen

zur Hochwasserbekämpfung eingesetzt werden. Zur großflächigen Ausleuchtung

von Schadenstellen stehen ein Lichtmast mit vier beweglichen

Flutlichtscheinwerfern und andere Scheinwerfer zur Verfügung.

Zur Fahrzeugausstattung gehören typischerweise ein Mehrzweckkraftwagen

(MzKW) und ein Anhänger Stromerzeugeraggregat 50 kVA

mit Lichtmast als Ergänzungsausstattung. Der MzKW dient nicht nur

zum Transport der Ausstattung der Gruppe sondern auch zum Materialtransport.

So können zum einen drei Gitterboxen mit Rüstholz, Sandsäcken

oder Pumpenausstattung zusätzlich zu den auf Rollcontainern

gelagerten Ausstattung verladen werden. Die Rollcontainer der B2 lassen

sich auch problemlos abladen. Somit steht noch mehr Ladefläche

für den Transport zur Verfügung.

Das Personal der 2. Bergungsgruppe leistet im Ortsverband Forchheim

so also nicht nur den Support für die Fachgruppen sondern ist auch in

seinem Fachbereich bestens ausgebildet. Die Rettung von Menschen,

Tieren und Material aus Gefahrenlagen wird regelmäßig, meist zusammen

mit der 1. Bergungsgruppe trainiert. Beide Gruppen üben regelmäßig

zusammen und auch organisationsübergreifend mit Rotem Kreuz

und Feuerwehr.

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Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen Die FGr WP kommt bei Überflutungen und Überschwemmungen zum Einsatz.

Sie verfügt über ein großes Sortiment von leistungsfähigen Pumpen. Mit ihren unterschiedlichen Pumpen kann sie in

Keller, Schutzräume oder Verkehrsanlagen eindringendes Wasser abpumpen. Die Fachgruppe ist in der Lage, über längere

Strecken Wasserleitungen zu errichten, um beispielsweise Löschwasser für die Feuerwehr zu fördern. Die Geräteausstattung

der FGr WP umfasst unterschiedliche Pumpentypen in Leistungsklassen von 1000 bis 3000 l/min. mit Korndurchlässen bis zu

100mm, die geeignet sind, Schmutz- und Abwasser und sogar Schlamm zu fördern. Als »Schnelleinsatzpumpe« gehört eine

Schmutzwasser-Kreiselpumpe (Hannibal) mit einer Leistung von 5000 l/min. zur Ausstattung.

Fachgruppe Wassergefahren Die FGr W ist die Fachgruppe für Rettungs- und Bergungsarbeiten auf dem Wasser.

So können mit den Pontons schwimmende Arbeitsplattformen gebaut werden, die Mehrzweckboote können bei Hochwasser

genutzt werden, um eingeschlossene Menschen zu evakuieren oder zu versorgen. Auch bei Deich- und Dammsicherungsarbeiten

kann die Fachgruppe Wassergefahren mitwirken. Ihre Mehrzweck-Arbeitsboote erleichtern dank absenkbarer Bugklappe

das Be- und Entladen sowie Arbeiten auf dem Wasser erheblich. Ergänzt werden die Arbeitsboote bzw. Pontons durch

Schlauchboote für Arbeiten auf seichten oder engen Gewässern. Ergänzt wird die Fachgruppe durch einen allradbetriebenen

LKW mit Ladekran. Mit diesem ist es möglich, durch bis zu 1,20 m tiefes Wasser zu fahren und so die schnelle Rettung von

Personen oder Sachgütern sicherzustellen.


THW-Bergungstaucher Die THW-Bergungstaucher können für alle Such- und Bergungsaufgaben in Gewässern eingesetzt

werden. Sie wirkt insbesondere bei der Bergung von Fahrzeugen und anderen Sachwerten aus Gewässern mit. Die

Fachgruppe wird mit ihren Wasserfahrzeugen auch zur Unterstützung bei Hochwasser und zur Ölschadensbekämpfung auf

Gewässern eingesetzt.

Fachgruppe Sprengen Stößt die Leistungsfähigkeit technischer Geräte an ihre Grenzen oder verspricht deren Einsatz

keinen Erfolg, kann moderne Sprengtechnik helfen, das Leben von Menschen und Tieren zu retten und Sachwerte zu erhalten.

Das Leistungsspektrum der Fachgruppe Sprengen weist eine Fülle von Anwendungsfällen auf. Es reicht vom Schneefeldsprengen

zur Beseitigung einer Lawinengefahr bis hin zum Deichsprengen, um bei extremen Hochwasserlagen das angestaute

Wasser kontrolliert abfließen zu lassen. Die Sprengexperten verfügen über die notwendigen Kenntnisse, unterspülte und

verbogene Schienenstränge schnell und präzise zu trennen oder einsturzgefährdete Gebäude oder Bauwerksteile kontrolliert

niederzulegen. Auch für die Feuerwehr ist die Fachgruppe Sprengen von Interesse: Durch gezielte Sprengungen lassen sich

beispielweise Waldbrände eindämmen. Die Fachgruppe ist außerdem in der Lage, bei Großbränden Rauchabzugsöffnungen

zu sprengen oder Eindring- bzw. Löschöffnungen herzustellen.

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Fachgruppe Logistik-Verpflegung Dank der Fachgruppe Logistik-Verpflegung muss im THW niemand Hunger oder

Durst leiden. Denn sie ist das zentrale Serviceunternehmen für alle THW-Einheiten. Im Einsatz übernimmt sie die Versorgung

und Verpflegung der THW-Einheiten. Damit wird der reibungslose Einsatzverlauf sichergestellt. Natürlich kann die Fachgruppe

Logistik auch Einsatzkräfte anderer Organisationen versorgen. Zur Ausstattung der Fachgruppe in Forchheim gehört auch

ein Feldkochherd. Die zweite Komponente der Materialerhaltung ist als Log-M in Kirchehrenbach stationiert.

THW-Jugend Die THW-Jugend ist der Jugendverband des THW. In den Jugendgruppen sind Mädchen und Jungen ab zehn

Jahren immer herzlich willkommen. Hier können sich alle einbringen und spielend helfen lernen! Die kind- und jugendgerechte

Verbandsarbeit steht dabei immer im Vordergrund. Die Begeisterung für Technik und vielfältige Freizeitgestaltung teilen

Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuer mit den Jugendlichen gleichermaßen. Zusätzlich zu den zahlreichen Angeboten vor

Ort treffen sich die THW-Jugendgruppen alle zwei Jahre in einer anderen Stadt zum Bundesjugendlager. Im THW-Ortsverband

Forchheim gibt es aktuell drei Jugendgruppen.

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Alters- und Ehrengruppe Die frühere Althelfergruppe wurde 2011 von Gruppenführer Jakob Endres und Truppführer

Thomas Schmitt wieder ins Leben gerufen. Dadurch konnte man viele Althelfer wieder aktiv ins OV-Leben einbinden und

durch den Austausch und gemeinsame Ausbildungsveranstaltungen die anderen Helfer am Wissen und Erfahrungsschatz

der »alten Hasen« teilhaben lassen. Gerade auch die Helfervereinigung profitiert vom Engagement der Alters- und Ehrengruppe,

wie beispielsweise beim Bau einer neuen Hütte für den Weihnachtsmarkt.

THW-Helfervereinigung 1986 wurde die »Vereinigung der Helfer und Förderer des THW Forchheim e.V.« gegründet

und hat sich seitdem zum Ziel gesetzt, die Arbeit des THW Forchheim zu unterstützen und zu fördern. Über Mitgliedsbeiträge

und Spenden können dadurch beispielsweise wichtige Anschaffungen für den Ortsverband getätigt werden, die der Bund

in der Form nicht finanzieren würde. Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, dem stv. Vorsitzenden, dem Ortsbeauftragten

des THW Forchheim, dem Schatzmeister, dem Schriftführer und den Jugendbetreuern mit beratender Stimme. Vorstandswahlen

finden alle drei Jahre statt.

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