Katalog 61 - Zisska+Schauer

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Katalog 61 - Zisska+Schauer

ZISSKA & SCHAUER

BUCH- UND KUNSTAUKTIONSHAUS

Auktion 61

6. - 7. Mai 2013


ZISSKA & SCHAUER

BUCH- UND KUNSTAUKTIONSHAUS

Besichtigung:

Montag, 29., und Dienstag, 30. April

sowie Donnerstag 2., und Freitag, 3. Mai

jeweils von 9.00 - 13.00 Uhr und 14.00 - 18.00 Uhr

Sonntag, 5. Mai von 12.00 - 18.00 Uhr

Auktion 61

Freiwillige Versteigerung

6. - 7. Mai 2013

Versteigerung:

Montag, 6. Mai 11.00 Uhr Nr. 1 – 411

15.00 Uhr Nr. 412 – 804

Dienstag, 7. Mai 9.30 Uhr Nr. 805 – 1432

14.30 Uhr Nr. 1433 – 2139


Katalog 61

Katalogpreis: 25 €

Wir bitten um Überweisung des Betrages an

Zisska, Schauer & Co. KG

Bankhaus Max Flessa KG, München,

Konto-Nr. 770 444 (BLZ 700 30111)

IBAN: DE72 7933 0111 0000 7704 44

BIC: FLESDEMM

Für Aufträge, die später als einen Tag vor oder erst

während der Versteigerung eingehen, übernehmen

wir keine Haftung.

Gebote, die unter der Hälfte des Schätzpreises

liegen, können nicht berücksichtigt werden.

Umschlag Titelseite: Nr. 1543 Cellarius, Atlas universalis, 1708

Umschlag Rückseite: Nr. 1180 Bilder-Lust, um 1760

ZISSKA & SCHAUER

B U C H - U N D K U N S T A U K T I O N S H A U S

Payments for auction goods can be made

in cash or wire-transfer.

We accept Visa or Diners Club International

credit cards for catalogue payment only.

The prices stated in the catalogue

are estimates (not reserves).

We do not accept bids of less than

50 per cent of the estimate.

Please visit www.zisska.de for full

bidder information.

Zisska, Schauer & Co. KG

Unterer Anger 15 · 80331 München

Telefon 089/263855 · Fax 089/269088

auctions@zisska.de · www.zisska.de

Katalogbearbeitung:

Dr. Maria Glaser, Monika Ostrowska, Frank Purrmann,

Hilmar Schmuck, Sabine Zachmann

Sekretariat: Ursula Hahn, Ursula Roitzsch

Fotos und Versandabteilung: Klaus Bayer


Inhalt

Handschriften

Bücher

Graphik

Handschriften................................................................. 1 – 40

Urkunden und Autographen .............................................. 41 – 95

Inkunabeln..................................................................... 96 – 121

Alte Drucke und alte Theologie .......................................... 126 – 300

Einzelblätter ................................................................... 301 – 411

Naturwissenschaften........................................................ 412 – 735

– Varia ....................................................................... 412 – 446

– Alchemie – Chemie..................................................... 447 – 465

– Astrologie – Astronomie.............................................. 466 – 491

– Botanik.................................................................... 492 – 527

– Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau ............................ 528 – 538

– Mathematik – Physik .................................................. 539 – 563

– Medizin ................................................................... 564 – 713

– Zoologie................................................................... 714 – 735

Technik und Handwerk ..................................................... 736 – 804

Bibliographie ................................................................. 805 – 897

Kunstgeschichte.............................................................. 898 – 934

Literatur und illustrierte Bücher......................................... 935 – 1340

– Barock- und Emblembücher ......................................... 935 – 1012

– Literatur bis 1900.......................................................1013 – 1177

– Kinderbücher – Pädagogik ...........................................1178 – 1209

– Philosophie – Nationalökonomie – Politik .......................1210 – 1257

– Literatur und Kunst des 20. Jahrhunderts .......................1258 – 1340

Kulturgeschichte .............................................................1341 – 1540

– Varia .......................................................................1341 – 1372

– Gastronomie.............................................................1373 – 1386

– Genealogie und Heraldik..............................................1387 – 1393

– Jagd und Fischfang – Pferdebücher................................1394 – 1408

– Judaica - Hebraica......................................................1409 – 1418

– Kostüme – Mode – Uniformen .....................................1419 – 1432

– Linguistik – Lexika......................................................1433 – 1442

– Militaria ..................................................................1443 – 1459

– Musik – Tanz – Theater – Film.......................................1460 – 1470

– Okkultismus – Freimaurerei ..........................................1471 – 1505

– Recht ......................................................................1506 – 1531

– Sittengeschichte - Erotik .............................................1532 – 1540

Atlanten ........................................................................1541 – 1555

Geographie – Geschichte ..................................................1556 – 1812

Deutschland ..................................................................1813 – 1972

Deutschland ...................................................................2000 – 2029

Ausland ........................................................................2030 – 2060

– Welt- und Spezialkarten ..............................................2030 – 2032

– Europa.....................................................................2033 – 2060

Panoramen .....................................................................2061 – 2085

Souvenir-Rosen...............................................................2086 – 2109

Dekorative Graphik ..........................................................2110 – 2139


Versteigerungsbedingungen

1. Das Auktionshaus handelt als Kommissionär im eigenen

Namen und für Rechnung seiner Auftraggeber (Kommittenten),

die unbenannt bleiben. Zugrunde liegen die Aufträge

der Einlieferer. Die Auftragsverhältnisse ergeben

sich durch Angabe einer Kennzahl (Einlieferer-Nummer),

die in Klammern der Katalogaufnahme jeweils angefügt

ist. Eigenware ist gesondert gekennzeichnet (1). Die Versteigerung

ist freiwillig.

2. Die angegebenen Preise sind Schätzpreise, keine Limite.

3. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des

Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge

anzubieten und zurückzuziehen. Er ist berechtigt,

Gebote zurückzuweisen, wenn nicht vor der Versteigerung

geeignete Sicherheiten geleistet oder Referenzen angegeben

wurden.

4. Sämtliche zur Versteigerung gelangenden Gegenstände

können vor der Versteigerung besichtigt und geprüft werden.

Die Sachen sind gebraucht und haben einen ihrem

Alter, ihrem Gebrauch und ihrer Provenienz entsprechenden

Erhaltungszustand; dieser wird im Katalog nicht

durchgängig erwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind

weder Garantien noch Beschaffenheitsangaben im Rechtssinne.

Der Versteigerer übernimmt keine Haftung für Mängel,

soweit er die ihm obliegenden Sorgfaltspflichten erfüllt

hat. Er verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener,

begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist

von zwölf Monaten seine Gewährleistungsansprüche

gegenüber dem Einlieferer gerichtlich geltend zu machen.

Der Erwerber soll Beanstandungen unverzüglich, spätestens

aber innerhalb von drei Wochen nach der Auktion, dem Versteigerer

anzeigen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme

des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den

gezahlten Kaufpreis (einschließlich Aufgeld) zurück; ein darüber

hinausgehender Anspruch ist ausgeschlossen. Einzelstücke

aus Konvoluten, größere Zeitschriften reihen, Serienwerke,

mehrbändige Gesamtausgaben und Objekte, die den

Vermerk „nicht kollationiert“ oder „ohne Rückgabe recht“

tragen, sind vom Reklamationsrecht ausgeschlossen.

5. Der Ausruf erfolgt in Euro und beginnt in der Regel mit

der Hälfte des Schätzpreises. Gesteigert wird jeweils um ca.

5–10%. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an

den Höchstbietenden. Der Versteigerer kann den Zuschlag

verweigern oder unter Vorbehalt erteilen. Wenn mehrere

Personen das gleiche Gebot abgeben und nach dreimaligem

Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los.

Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die

Sachen erneut anbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig

abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder

wenn der Höchstbietende sein Gebot nicht gelten lassen

will oder sonst Zweifel für den Zuschlag bestehen.

6. Kommissionäre haften für ihre Auftraggeber. Telefoni-

sche und Aufträge per E-Mail bedürfen der schriftlichen

Bestätigung spätestens 48 Stunden vor Beginn der Auktion.

Bestehen bei Abgabe des Gebotes Differenzen zwischen

Katalognummer und Kennwort, so ist das Kennwort

maßgebend. Folgen aus einer unrichtigen Übermittlung

gehen zu Lasten des Auftraggebers. Bei Nichterteilung

des Zuschlags trotz Gebots haftet der Versteigerer dem

Bieter nur bis zur Höhe des Schätzpreises, wenn ihm Vorsatz

oder grobe Fahrlässigkeit angelastet werden kann. Aufträge,

die später als einen Tag vor oder erst während

der Versteigerung eingehen, sind von jeder Haftung ausgeschlossen.

Die in den Verträgen genannten Preise gelten

als Zuschlagspreise, das Aufgeld und die Mehrwertsteuer

werden zusätzlich erhoben.

7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht

zu vertretende Verluste und Beschädigungen auf den Ersteigerer

über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen

erwirbt der Ersteigerer erst mit dem vollständigen Zahlungseingang

beim Auktionshaus.

8. Auf den Zuschlagspreis werden ein Aufgeld von 19% und

die Mehrwertsteuer von 7% berechnet. Die Mehrwertsteuer

entfällt für Kunden aus Nicht-EU-Ländern, wenn der

Versand der ersteigerten Ware durch uns erfolgt oder der

amtliche Nachweis der Ausfuhr innerhalb von vier Wochen

erbracht wird. Händlern aus EU-Ländern kann die Mehrwertsteuer

nur dann erstattet werden, wenn sie ihre europäische

USt-IdNr. bei Auftragserteilung bekanntgeben. Bei

Auszahlungen erfolgt die Umrechnung des Rechnungsbetrages

zum Tageskurs. Die Kosten für Porto, Verpackung,

Versicherung und Bankspesen gehen zu Lasten des Käufers.

9. Auf alle Originalwerke der bildenden Kunst seit Entstehungszeit

1900 leistet das Auktionshaus eine Abgabe an

die Ausgleichsvereinigung Kunst, die damit die gesetzlichen

Ansprüche des Folgerechts aus § 26 UrhG ausgleicht.

Der Ersteigerer trägt von dieser Abgabe einen Anteil in

Höhe eines Drittels (z.Zt. 1% des Zuschlagspreises).

10. Der Gesamtbetrag ist mit dem Zuschlag fällig und zahlbar

in bar oder durch bankbestätigten Scheck. Zahlungen

auswärtiger Ersteigerer, die schriftlich oder telefonisch

geboten haben, sind binnen vierzehn Tagen nach Rechnungsdatum

fällig.

11. Bei Zahlungsverzug werden Verzugszinsen in Höhe von

1% per Monat berechnet. Im übrigen kann das Auktionshaus

bei Zahlungsverzug wahlweise Erfüllung des Kaufvertrages

oder nach Fristsetzung Schadensersatz wegen

Nichterfüllung verlangen; der Schadensersatz kann in diesem

Falle auch so berechnet werden, daß die Sache in einer

neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige

Käufer für einen Mindererlös gegenüber der vorangegangenen

Versteigerung und für die Kosten der wiederholten

Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses

aufzukommen hat.

12. Der Erwerber ist verpflichtet, die Gegenstände sofort nach

der Auktion in Empfang zu nehmen. Falls er Versendung

wünscht, erfolgt sie auf eigene Gefahr. Bei Versand von

Graphiken werden vorhandene Passepartouts und Rahmen

entfernt, es sei denn, Mitlieferung ist vom Erwerber bei

Abgabe seines Gebotes ausdrücklich verlangt.

13. Mit Erteilung eines schriftlichen Auftrages oder Abgabe

eines Gebotes erkennt der Ersteigerer diese Bedingungen

ausdrücklich an. Dies gilt auch für Verkäufe aus den Rückgängen.

14. Erfüllungsort und Gerichtsstand für den vollkaufmännischen

Verkehr ist München. Es gilt ausschließlich deutsches

Recht. Das UN-Abkommen über Verträge des internationalen

Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung.

15. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder

teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der

übrigen davon unberührt.

16. Die Versteigerungsbedingungen haben eine deutsche und

eine englische Version. In allen Streit- und Zweifelsfällen

ist die deutsche Fassung maßgebend; das gilt insbesonde-re

für die Auslegung von Rechtsbegriffen und Katalogangaben.

Die Versteigerer


Conditions of Sale

1. Zisska & Schauer acts as commission agent, in its own

name and for the account of its clients (sellers), whose

identity is not disclosed. The instructions of consignors,

who are numbered in brackets (consignor number) at the

end of each catalogue description, form the basis of sales.

Zisska & Schauer’s property is indicated separately (1). The

sale is voluntary.

2. The prices given after each lot are estimates, not reserves.

3. The auctioneer reserves the right to combine any two or

more lots, to divide any lot, to offer any lot for sale in an

order different from that given in the catalogue or to

with draw any lot or lots from the sale. The auctioneer

shall be entitled to refuse bids unless suitable proof of

identity, security or references shall have been provided

prior to the auction.

4. All lots up for sale may be viewed and inspected prior to

the auction. Lots auctioned are used goods. The descriptions

in the catalogue, which are given to the best of

Zisska & Schauer’s knowledge and belief, do not con stitute

guarantees in the legal sense. Zisska & Schauer does

not assume any liability for faults or defects, in so far as it

has fulfilled its duty of care, but will undertake to make judicial

claim on behalf of the buyer in respect of justified

complaints within the statutory warranty period of twelve

months against the seller who consigned the respective

item or items for sale. The buyer is required to give Zisska

& Schauer written notice of all complaints without delay;

at the latest, however, within three weeks of the date of

the auction. Should the demands be successful, Zisska &

Schauer will reimburse the buyer with the full purchase

price (including buyer’s premium); all further claims are

excluded. There is no right of complaint in the case of

individual items from combined lots, periodicals, serial

publications, complete editions in several volumes and any

lots with the indication nicht kollationiert [not collated] or

ohne Rückgaberecht [not subject to return].

5. Bids are executed in Euros and bidding generally starts

at 50% of the estimate unless competing bids have been received.

Bids are raised by increments of 5% to 10%. A lot

will be knocked down to the highest bidder after three

calls. The auctioneer may refuse any bids, or knock

down a lot subject to reservation. If two or more persons

bid the same amount simultaneously and no overbid has

been made after three calls, the successful bidder shall be

drawn by lot. The auctioneer may rescind a decision and

put the lot up again for sale if a higher bid made in time has

been inadvertently overlooked, or if the highest bidder

wishes to revoke his bid, or if the decision is open to

other doubt.

6. Agents acting on behalf of a third party assume full liability

for the fulfilment of contract on behalf of their principals.

All absentee bids submitted by email or telephone

are to be confirmed in writing. If the catalogue number

and the author/short title or reference for identification

differ, the short title will stand for the bid. All damages

and losses incurred by unclear bidding instructions are the

bidder’s responsibility. For bids duly received and not executed

due to obvious negligence on the auctioneers’ part,

the auctioneers’ liability is limited to the estimate amount.

The auctioneers accept no liability for the execution of absentee

bids sent in less than 24 hours before the auction

opens or during the auction itself. All bids are regarded as

the maximum hammer price. The buyer’s premium and

VAT are added to these prices separately.

7. From the fall of the hammer, every lot shall become the full

responsibility of and be at the sole risk of the buyer, while

ownership of the lot or lots shall not pass to the buyer

until full payment has been received by Zisska & Schauer.

8. A buyer’s premium of 19% is levied on the hammer price

plus VAT at the current rate of 7%. Buyers resident in third

(i. e. non-European Union) countries are exempted from

VAT if purchases are dispatched by the auction house to

their registered address or if official proof of export is received

by Zisska & Schauer within a period of four weeks.

Dealers whose business are registered in the EU are exempted

from VAT provided that they quote their VAT Registration

Number when submitting absentee or online bids,

or when registering to bid. Payments in foreign currency

will be converted at the rate of exchange prevailing on the

day of receipt. Costs of shipping, packing, insurance and

bank charges are at the buyer’s expense.

9. In order to satisfy all claims of the Droit de Suite [Artists’

Resale Right] (§ 26, German Copyright Law/UrhG), the

auctioneers shall pay a resale royalty to the Ausgleichs-

vereinigung Kunst, the copyright collecting society, on

all original works of art created after 1 January 1900. This

is based on a percentage of the hammer price. The buyer

shall bear one third of this payment which currently

amounts to 1% of the hammer price.

10. Immediately upon purchase the buyer shall pay the final

price in cash or by authorized bank cheque. Payments by

buyers who have submitted absentee bids or who have bid

by telephone shall be due within 14 days of the date of the

invoice.

11. In default of payment, Zisska & Schauer will charge interest

on the outstanding amount at the rate of 1% per month or

part month. Furthermore, if the buyer defaults in payment,

Zisska & Schauer may, at its discretion, insist on performance

of the contract or, if the buyer has not paid by the

date set, claim damages for non-performance; in the latter

case, Zisska & Schauer may claim the damages by putting

the lot or lots up again for auction and charging the defaulting

buyer with the difference between the price bid by

him/her and the price realized on the resale, if this is lower,

plus the cost of the resale, including Zisska & Schauer’s costs.

12. Buyers shall take charge of their lots immediately after the

auction. Shipping instructions shall be given in writing.

Shipping, if required, will be effected at the sole expense

and risk of the buyer. Prints will be shipped unmatted and

unframed, unless specifically requested by the buyer when

submitting his/her bid.

13. By placing a bid either in writing or in person, the buyer

agrees to be bound by these Conditions of Sale. This shall

also apply to after-auction purchase.

14. Place of performance and jurisdiction for registered trade

dealings is Munich. German law applies exclusively; the

UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded.

15. Should any provision herein be wholly or partly ineffective,

this shall not affect the validity of the remaining provisions.

16. These Conditions of Sale are available in both German and

English. The German-language version shall without

exception be the authoritative version, in particular with

regard to the interpretation of statutory terms and catalogue

descriptions.

Zisska, Schauer & Co. KG


Abkürzungen – Abbrevations

Abb. . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung(en) - illustration(s)

Abt. . . . . . . . . . . . . . . . . Abteilung - section

Anm. . . . . . . . . . . . . . . . Anmerkung(en) - note(s)

Aufl. . . . . . . . . . . . . . . . Auflage - edition

Ausg. . . . . . . . . . . . . . . Ausgabe - edition, issue

Bd(e). . . . . . . . . . . . . . Band (Bände) - volume(s)

bearb. . . . . . . . . . . . . . bearbeitet - compiled

beigeb. . . . . . . . . . . . . beigebunden - bound with

beschäd. . . . . . . . . . . beschädigt - damaged

Bibl. . . . . . . . . . . . . . . . Bibliothek - library

Bl. . . . . . . . . . . . . . . . . . Blatt (Blätter) - leaf(-ves)

blattgr. . . . . . . . . . . . . blattgroß - full-page

blindgepr. . . . . . . . . . blindgeprägt - blind-tooled

Blindpr. . . . . . . . . . . . . Blindprägung - blind-tooling

Brosch. . . . . . . . . . . . . Broschur - wrappers

Dass. . . . . . . . . . . . . . . Dasselbe - the same

Ders. . . . . . . . . . . . . . . . Derselbe - the same

Dies. . . . . . . . . . . . . . . Dieselbe - the same

Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . Drucker - printer

dreiseit. . . . . . . . . . . . dreiseitig - (three) edges, margins

d. Zt. . . . . . . . . . . . . . . . der Zeit - contemporary

e. . . . . . . . . . . . . . . . . . . eigenhändig - autograph

EA . . . . . . . . . . . . . . . . . erste Ausgabe - first edition

Ebda. . . . . . . . . . . . . . . Ebenda - same place

eingeb. . . . . . . . . . . . . eingebunden - bound-in

etw. . . . . . . . . . . . . . . . etwas - somewhat, slightly

Ex. . . . . . . . . . . . . . . . . . Exemplar - copy

Faks. . . . . . . . . . . . . . . . Faksimile(s) - facsimile

farb. . . . . . . . . . . . . . . farbig – in colours

fl. . . . . . . . . . . . . . . . . . fleckig - spotted, (water-)stained, foxed

. . . . . . . . . . . . . . . . . (fingerfl., braunfl., wasserfl. etc)

flex. . . . . . . . . . . . . . . . flexibel- limp

Frontisp. . . . . . . . . . . . Frontispiz - frontispiece

ganzseit. . . . . . . . . . . . ganzseitig - full-page

geb. . . . . . . . . . . . . . . . . gebunden - bound

gefalt. . . . . . . . . . . . . . gefaltet - folded

gestoch. . . . . . . . . . . . gestochen - engraved

goldgepr. . . . . . . . . . . goldgeprägt - gilt-stamped

Goldpr. . . . . . . . . . . . . Goldprägung - gilt-stamped

Hrsg. . . . . . . . . . . . . . . Herausgeber - editor

hrsg. . . . . . . . . . . . . . . . herausgegeben - edited

Hldr. . . . . . . . . . . . . . . Halbleder - half leather

Hlwd. . . . . . . . . . . . . . Halbleinen - half cloth

Hmaroquin . . . . . . . . . Halbmaroquin - half morocco

Hpgt. . . . . . . . . . . . . . . Halbpergament - half vellum

hs. . . . . . . . . . . . . . . . . . handschriftlich - manuscript

Illustr. . . . . . . . . . . . . . . Illustration(en) - illustration(s)

illustr. . . . . . . . . . . . . . illustriert - illustrated

Imp.-Fol. . . . . . . . . . . Imperial-Folio - imperial folio

Jg(e). . . . . . . . . . . . . . . . Jahrgang (-gänge) - volume(s)

Jhdt. . . . . . . . . . . . . . . . Jahrhundert - century

Kart. . . . . . . . . . . . . . . . Kartonage - boards

Kat. . . . . . . . . . . . . . . . Katalog - catalogue

kl. . . . . . . . . . . . . . . . . . klein - small

kolor. . . . . . . . . . . . . . . koloriert - (hand-)coloured

kplt. . . . . . . . . . . . . . . . komplett - complete

läd. . . . . . . . . . . . . . . . . lädiert - damaged

Ldr. . . . . . . . . . . . . . . . Leder - leather

Lief. . . . . . . . . . . . . . . . . Lieferung(en) - (serial) part(s)

Lithogr. . . . . . . . . . . . . Lithographie(n) - lithograph(s)

Lwd. . . . . . . . . . . . . . . Leinen (Leinwand) - cloth

mehrf. . . . . . . . . . . . . . mehrfach - several times

mod. . . . . . . . . . . . . . . modern

Monogr. . . . . . . . . . . . Monogramm - monogram

monogr. . . . . . . . . . . . monogrammiert - with monogram

mont. . . . . . . . . . . . . . . montiert - pastet, mounted

Ms. . . . . . . . . . . . . . . . . Manuskript - manuscript

nachgeb. . . . . . . . . . . nachgebunden - bound with

nn. . . . . . . . . . . . . . . . . nicht numeriert - unnumbered

Nr(n). . . . . . . . . . . . . . Nummer(n) - number(s)

num. . . . . . . . . . . . . . . . numeriert - numbered

o. Dr. . . . . . . . . . . . . . . ohne Drucker - no printer

OHldr. . . . . . . . . . . . . . . Original-Halbleder - original half leather

OHlwd. . . . . . . . . . . . . Original-Halbleinen - original half cloth

OHpgt. . . . . . . . . . . . . Original-Halbpergament -

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . original half vellum

OKart. . . . . . . . . . . . . . Original-Kartonage - original boards

OLdr. . . . . . . . . . . . . . . Original-Leder - original leather

OLwd. . . . . . . . . . . . . . Original-Leinen (Leinwand) - original cloth

O. O. . . . . . . . . . . . . . . ohne Ort - no place

O. O. u. J. . . . . . . . . . . ohne Ort und Jahr - no place, no date

OPgt. . . . . . . . . . . . . . . Original-Pergament - original vellum

OPp. . . . . . . . . . . . . . . Original-Pappe - original boards

orig. . . . . . . . . . . . . . . . original

Orig.-Brosch. . . . . . . . Originalbroschur - original wrappers

Orig.-Umschl. . . . . . . Originalumschlag - original cover

Pag. . . . . . . . . . . . . . . . Paginierung - pagination

pag. . . . . . . . . . . . . . . . paginiert - paginated

Pgt. . . . . . . . . . . . . . . . Pergament - vellum

Portr(s). . . . . . . . . . . . Porträt(s) - portrait(s)

Pp. . . . . . . . . . . . . . . . . Pappband - boards

Rsch. . . . . . . . . . . . . . . Rückenschild - lettering-piece on spine

Rtit. . . . . . . . . . . . . . . . Rückentitel - title on spine

Rvg. . . . . . . . . . . . . . . . Rückenvergoldung - gilt spine(s)

S. . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite(n) - page(s)

sign. . . . . . . . . . . . . . . signiert - signed

Slg. . . . . . . . . . . . . . . . . Sammlung - collection

Sp. . . . . . . . . . . . . . . . . Spalte(n) - column(s)

spät. . . . . . . . . . . . . . . . später(er) - late(r)

stellenw. . . . . . . . . . . . stellenweise – partly

stockfl. . . . . . . . . . . . . stockfleckig - foxed

teilw. . . . . . . . . . . . . . . teilweise - partly

Tl(e). . . . . . . . . . . . . . . . Teil(e) - part(s), section(s)

tls. . . . . . . . . . . . . . . . . . teils - partly

Tsd. . . . . . . . . . . . . . . . . Tausend - thousand

U. . . . . . . . . . . . . . . . . . Unterschrift - signature

übers. . . . . . . . . . . . . . . übersetzt - translated

Umschl. . . . . . . . . . . . Umschlag - cover

verb. . . . . . . . . . . . . . . . verbessert - improved

verm. . . . . . . . . . . . . . . vermehrt - enlarged

verschied. . . . . . . . . . . verschieden(e) - various

Vg. . . . . . . . . . . . . . . . . Vergoldung - gilt

vgl. . . . . . . . . . . . . . . . vergleiche - see, compare

Vign. . . . . . . . . . . . . . . Vignette - vignette

Vlg. . . . . . . . . . . . . . . . . Verlag - publisher

vorgeb. . . . . . . . . . . . . . vorgebunden - bound-in

wdh. . . . . . . . . . . . . . . wiederholt - repeated

zahlr. . . . . . . . . . . . . . . zahlreich(e) - numerous

Zl. . . . . . . . . . . . . . . . . . Zeile(n) - line(s)

zus. . . . . . . . . . . . . . . . . zusammen - together


1 Buxheim, um 1470

10 Hammerwerke, Steiermark, um 1610

Tafel 1


Tafel 2

14 Zähringer-Chronik, um 1625 14

19 Nürnberger Schultheißen, um 1700 408 Wappenminiatur, Anfang 18. Jhdt.


38 Venedig, um 1830

24 St. Gallen - Toggenburg, um 1710

Tafel 3


Tafel 4

70 Ludwig I., 1848 61 Hesse, 1923

40 Kegelclub „Die Räuber“, um 1907

43 Freundschaftsalbum, um 1870


65 Adelsbrief, 1784 84 Adelsbrief, 1603

92 Venedig, 1579 244 Zweites bekanntes Exemplar

Tafel 5


Tafel 6

96 Einzige Inkunabelausgabe 107 Lactantius, Opera, 1471

130 Aristoteles, Opera, 1548 130 Wappenexlibris in Deckfarben, 1559


135 Aventins Bayernchronik, 1580 143 Dilherr-Bibel, 1736

142 Deutsche Bibel, 1702

296 Vitruv, Architektur, 1575

Tafel 7


Tafel 8

148 Neues Testament, 1546 148

283 Tacitus, Historia Augusta, 1519 209 Unbekannter Druck, 1592


261 Einband aus Tegernsee 261 Tewtsche Theologey, 1528

152 Libri Salomonis, 1539

Tafel 9


Tafel 10

332 Einziges Exemplar, 1797

330 Praeservativ-Mann, um 1840 331 Ein gutes Prieschen, um 1836


342 Komet, 1769 Messier 349 Meilenzeiger, um 1600

394 Zeitzonen, um 1680

354 Hagelkorn, 1802

Tafel 11


Tafel 12

389 Riese aus Geldern, 1575

375 Neuruppin, um 1870

383 Monster von Florenz, um 1506


407 Pergamentblatt, Mitte 15. Jhdt.

Tafel 13


Tafel 14

480 Bologneser Fächereinband

412 Commentarii, 1731-83


494 Boitard, Traité des jardins, 1825

740 Agricola, Vom Bergwerk, 1557

476 De Gheyn, Aratea, 1621 482 Pegius, Geburtsstundenbuch, 1570

Tafel 15


Tafel 16

433 Ledermüller, Mikroskopie, 1764 493 Blackwell, Kräuterbuch, 1760

525 Rarissimum, 1834 503 Herbarius, Venedig, 1520


548 Deutscher Euklid, 1562 507 Lonicer, 1609

509 Mattioli, 1571 515 Ruel, De natura stirpium, 1537

Tafel 17


Tafel 18

504 Anleitung zum Blumenzeichnen, um 1765 1610 Friedrich August von Sachsen

715 Admiral, Insekten, 1774 715 Probedruck


721 Engramelle, Papillons, 1779-93 727 Morris, British Birds, 1903

723 Hübner, Schmetterlinge, 1806-37 723

Tafel 19


Tafel 20

748 Schreiber, Handwerker, um 1845

765 Encyclopédie, 1770-80


772 Stickmuster, 1804

911 Musée Français, 1803-09

Tafel 21

875 Fischer, Norsemen in America, 1903


Tafel 22

923 Leonardo da Vinci, 1810 999

1057 Provenienzexemplar


1173 Deutsche Literatur

1174 Französische Literatur

Tafel 23


Tafel 24

1067 Farbstich, 1793 1184 Um 1860

1058 Provenienz de Lamoignon, um 1780


1186 Freyhold - Morgenstern, 1908

1202 Seidmann - Freud, 1929

1178 Druck aus St. Petersburg, 1830

Tafel 25


Tafel 26

1117 Um 1780

1134 Um 1800 1154 Um 1800


1147 Grünwedel, um 1836

1126 Um 1800

1146 Schiller, Wilhelm Tell, 1804

Tafel 27


Tafel 28

1180 Bilder-Lust, um 1760

1180


1185 Bewegliches Bilderbuch, 1824

1195 Papiertheater, um 1730

Tafel 29


Tafel 30

1265 Braque 1958

1259 Arp, Elemente, 1950 1321 Toulouse-Lautrecs Mademoiselle, 1895


1284 1930

1274 1916

1278 Max Ernst, 1961

1279 Max Ernst, 1989

Tafel 31


Tafel 32

1329 Sammlung von ca. 10 000 Reklamemarken


1332 Wiener Werkstätte 1293 A. Guiraud, Gouache, um 1910

1331 Filmplakat, um 1920 1422 Costumes de Russie, um 1825

Tafel 33


Tafel 34

1366 Masken-Lotterie, um 1840

1420 Neapel, 1853-58


1423 Ferrario, Costume, 1829-33

1430 Österreich, um 1840

Tafel 35


Tafel 36

1543 Cellarius, 1708


1547 Köhler, Geschichtsatlas, 1720

1545 Valck, nach 1711

Tafel 37


Tafel 38

2037 Trafalgar, um 1820

1630 Clement, Vérifier les dates, 1783 1749 Kaiserlieder, 1855


1681 Sant'Ambrogio in Mailand, 1824

2082 Panorama, 1858

Tafel 39


Tafel 40

2005 Dresden, um 1830

2025 Wetzlar, 1808


2031 Fries, 1522

2032 Ortelius, um 1600

Tafel 41


Tafel 42

2086 Bad Kissingen, um 1860

2105 Schweiz, um 1860


2074 Panorama, um 1860

2119 John Russel, um 1780

2120 Heinrich Schönfeld, 1839

Tafel 43


Nr. 27

1 BUXHEIM – PETRUS GRYER DE BIEL –

„Collaciones pulchre(s) p(er) religiosis et primo

De omnibus sanctis“. Lateinische Handschrift

auf Papier. Kartause Buxheim, um 1470-81. 4°

(Blattgr.: 21 x 15 cm, Schriftspiegel: ca. 15 x 10 cm).

Mit einigen Initialen in Rot und Blau (einzelne mit

tls. in Federwerk ausgeführter Cauda am linken

Rand). 14 nn. Bl. 27 Zl. Durchgehend rubriziert

und regliert. Mod. Brosch. (leichte Gebrauchsspuren).

(59) 1.200,-

Fragment eines Trakats über Heiligenverehrung aus einer

Sammelhandschrift, die der Buxheimer Kartäuser Petrus

Gryer de Biel zusammengetragen hat. Der in Schleifen bastarda

abgefaßte Text bricht am Ende von fol. 14v. mitten im

Satz ab. – Die ursprünglich 438 Blätter umfassende Handschrift

wurde 1883 bei Förster in München versteigert

(Bibliothek Buxheim aus dem Besitz des Grafen Waldbott-

Bassenheim, Nr. 2780) und im Folgejahr erneut bei Rosenthal

angeboten (Katalog 40, Nr. 31). Wohl durch Rosenthal

wurden die einzelnen Teile später ausgebunden und

separat verkauft. Einige Teile befinden sich heute u. a. in

der Bayerischen Staatsbibliothek (Clm 28429-36, siehe:

G. Glauche, Katalog der lateinischen Handschriften in

der Bayerischen Staatsbibliothek München 28255-28460,

München 1984, S. 261 ff.) und der Staatsbibliothek Berlin

Handschriften

(mgq 1131). – Auf dem ersten Blatt noch die Inventarnummer

des Antiquariats Ludwig Rosenthal (4° 26758) in Bleistift.

– Bindung gelöst, etw. fleckig und gebräunt. – Siehe

Abbildung Tafel 1.

Fragment of a treatise on the worship of saints from a

collective manuscript which has been compiled by the Buxheim

Carthusian Petrus Gryer de Biel. – Binding loosened,

a little soiled and browned. – Modern wrappers (slight signs

of wear). – See illustration on plate 1.

2 – PETRUS GRYER DE BIEL – Fragment einer

Sammelhandschrift. Lateinische Handschrift auf

Papier. Kartause Buxheim, um 1470-81. 4° (Blatt -

gr.: 21 x 15,5 cm, Schriftspiegel: ca. 16,5 x 10 cm).

Mit 3 mehrzeiligen Initialen in Rot mit Federwerk

in brauner Tinte und zahlr. kleineren Initialen und

Lombarden in Rot. Zus. 108 Bl. (alt foliiert). 35-40

Zl. Durch gehend rubriziert und regliert. Ohne

Einband. (59) 2.000,-

Bei dem vorliegenden Manuskript handelt es sich um vier

größere Teile einer kulturgeschichtlich bedeutenden Sammlung

von geistlichen und profanen Texten, die der Buxheimer

Kartäuser Petrus Gryer de Biel zusammengetragen hat,

abgefaßt wohl von seiner eigenen Hand in gleichmäßiger

1


2

Nr. 2

Bastarda. Diese Kollektaneen enthalten u. a. ein „Praecordiale

sacerdotum“ (fol. 81-150, fol. 101 in der Zählung ausgelassen,

Text schließt an), ein Offizium zur Passion Christi

(fol. 219-223, letztes verso leer, anhängend fol. 229 mit einer

Aufzählung der Aufgaben des Christen: „Omnesque laborantis

conforta: tristes consolare, infirmis sanitatem corporis

et animae restitue etc.“, vielleicht im Zusammenhang mit

der Meßliturgie) sowie die Legende des hl. Papstes Silvester,

verfaßt von dem „Historiographus Eusebius“, in der unter

anderem von der Konstantinischen Schenkung berichtet

wird (fol. 282-304, hier am Ende der Schreibervermerk

„Explicit per me fratrem petrum gryer biellensem“).

Den Schluß bilden naturwissenschaftliche Texte: Ein

„Tractatus de passionibus aeris“ (fol. 388-401r., Sprung von

389 auf 400, Foliierungsfehler, der Text schließt bruchlos

an, am Ende ein Explicit) handelt vom Donner, von Sternschnuppen,

Wind, Wolken, Nebel und dem Regenbogen.

Darauf ein „Tractatus de septem planetis“ (fol. 402-406v.,

am Ende Explicit) mit Ausführungen über die Planeten bewegungen,

den Mond und die sieben Planeten. Bei diesen

beiden Traktaten handelt es sich um die Kapitel 18 und 17

aus dem „Liber de natura rerum“, dem naturwissenschaftlichen

Hauptwerk des Dominikaners und Schülers von

Albertus Magnus, Thomas von Cantimpré (1201 – um

1270/72). Folgend noch ein kurzer Abschnitt u. a. über die

Kontinente und Jahreszahlen zur Geschichte Roms, der

Text darunter durch ein Gebet überklebt (fol. 406v.). Auf

dem letzten Blatt sind nur die ersten sechs Zeilen beschrieben

(wohl über Landvermessung, fol. 407r.).

Die ursprünglich 438 Blätter umfassende Handschrift

wurde 1883 bei Förster in München versteigert (Bibliothek

Buxheim aus dem Besitz des Grafen Waldbott-Bassenheim,

Nr. 2780) und im Folgejahr erneut bei Rosenthal angeboten

(Katalog 40, Nr. 31). Wohl durch Rosenthal wurden die ein-

Handschriften

zelnen Teile später ausgebunden und separat verkauft.

Einige Teile befinden sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek

(Clm 28429-36, siehe: G. Glauche, Katalog der

lateinischen Handschriften in der Bayerischen Staatsbibliothek

München 28255-28460, München 1984, S. 261-266)

und in der Staatsbibliothek Berlin (mgq 1131). Petrus Gryer

soll die Handschrift 1481, im Jahr seiner Buxheimer Profeß,

abgefaßt haben (vgl. B. Fleith und R. Wetzel, Kulturtopographie

des deutschsprachigen Südwesten im späten

Mittelalter, Berlin 2009, S. 319).

Die Handschrift setzt, der alten Foliierung zufolge, an der

Stelle ein, wo das Fragment Clm 28430 der BSB abbricht

(dieses umfaßt fol. 64-80). Die in der BSB vorhandenen

Teile Clm 28431 (fol. 152-177, 179-181 und 184) und Clm

28432 (fol. 344-367) ergänzen die Lücken unseres Fragments

zum Teil. Die inhaltliche Zuordnung der hier vorliegenden

Abschnitte zu den bekannten und gut dokumentierten

Teilen in den staatlichen Bibliotheken wird von der

Forschung zu leisten sein. – Auf Papier mit Wasserzeichen

einer bügellosen Krone über einem Löwen mit weiterem

Beizeichen darüber (verbunden durch Stäbe), dokumentiert

bei Piccard in mehreren Varianten in den 1480er Jahren

im südwestdeutschen Raum (u. a. Nr. 51427, Nördlingen

1484). Ein solches Wasserzeichen wird im Katalog der

Bayerischen Staatsbibliothek für die übrigen Teile der

Handschrift ebenfalls beschrieben (hier als nicht nachweisbar

bezeichnet). – Aus der Handschrift wurde in neuerer

Zeit bis auf einzelne größere Initialen sämtlicher Buchschmuck

entfernt, betreffend die Blätter: fol. 143 (nur noch

ein Rest vorhanden), 304 (Ausschnitt in der unteren Hälfte

mit Textverlust vor allem auf dem Recto), 401 (grob ausgerissene

Darstellung, in Feder gezeichnete Rahmenreste noch

vorhanden, rückseitig einiger Textverlust); fol. 142 mit

Schnittspuren; auf fol. 128 r. die obersten sechs Zeilen alt

überklebt (unbeschrieben). – Bindung in Auflösung, einzelne

Blattweiser, stellenw. etw. fleckig und gebräunt. –

Siehe Abbildung.

The present manuscript contains four larger parts of an

important cultural historical collection of religious and

secular texts compiled by the Buxheim Carthusian Petrus

Gryer de Biel, written probably by his own hand. – In a

more recent time the complete book decoration, apart from

some larger initials, was removed from the manuscript, this

concerns the leaves : fol. 143 (only remaining a little bit),

304 (cut-out in lower half with loss of text mainly recto),

401 (roughly torn out illustration, remains of the frame in

pen drawing still there, verso some loss of text); fol. 142 with

cutting traces; on fol. 128 r. the six upper lines covered in

former times (blank). – Binding almost loose, some bookmarks,

here and there a little soiled and browned. – Un -

bound. – See illustration.

3 HOROSKOP – Lateinische Handschrift auf

Papier. Deutschland, Mitte 16. Jhdt. Blattgr.: 21 x

14,6 cm. Mit astrologischer Schemazeichnung.

1 Bl. (1 3/4 S.). (136) 400,-

Beantwortung der astrologischen Anfrage eines Mannes

über den Verbleib eines Verschollenen: „Quida(m) ho(mo)

interrogavit ut q(uo)dam absente utrum e(ss)et mort(uus)

vel vivus“, mit dem Ergebnis, daß dieser nicht mehr lebe,

sondern wohl vom Liebhaber seiner Frau erschlagen worden

sei: „Et quia Saturnus existens in ascendente fuit dominus

septime domus significatur uxoris illius per quo facta

fuit questio: et venus significatrix mortis aspexit eum significabat

hoc quod forte interfector commiserat fornicationem

cum uxore illius per quo facta fuit questio.“ – Geringe

Randläsuren, wenig fleckig.


4 THURNEISSER – Astrologische Sammelhandschrift.

Lateinische und deutsche Handschrift auf

Papier. Deutschland, um 1577. 4° (19 x 15 cm).

7 Bl. Mod. Umschl. unter Verwendung eines alten

Drucks. (69) 1.600,-

Enthalten sind lateinische Merksprüche zu den zwölf

Monaten (fol. 1r-v), „Aphorismus astrologi cuiusdam“

sowie lateinische Zitate nach Hippokrates, Cardanus und

Bruschius (fol. 2r-v), „Kurze practica über das 1577 Jar“

(fol. 2v-4r), Merksprüche zu den zwölf Monaten in deutscher

Sprache (fol. 4v-6r) und „Epigramma in fatuos,

Fatalem astrologicis praedictionibus necessitatem imponentes“

(fol. 6v-7v). – Unsere Handschrift ist wohl kein

Autograph Thurneissers, dessen Name auf fol. 4r vermerkt

ist, laut Auskunft der Staatsbibliothek zu Berlin jedoch

„in seiner unmittelbaren Umgebung, wohl in seiner Werkstatt

und unter seiner Aufsicht entstanden“ (Schreiben vom

17.8.2010). Die deutschen Merksprüche und die Praktik

sind in dem 1577 von Johann Beyer in Leipzig gedruckten

„Allmanach unnd Schreib Kalender auff das Jahr 1577“

enthalten, von dem nur zwei Exemplare in Zürich und

Halle bekannt sind (VD 16 T 1150 und T 1185). – Gut

erkennbar ist das Wasserzeichen eines Ebers mit Borsten,

wie es in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts weit verbreitet

war (vgl. z. B. Piccard 85591). – Sehr knapp beschnitten,

kaum fleckig.

Astrological collective manuscript. Latin and German

manuscript on paper. Germany, around 1577. – Very closely

trimmed, hardly soiled. – Modern wrappers by using an old

printing.

5 STRASSBURG – „Hienachgeschribene Schwangere

Weiber sind inn dem Spitahl gekündtbethet

worden“. Deutsche Handschrift auf Papier. Straßburg

1599-1615. Fol. 266 Bl. Umschl. d. Zt. unter

Verwendung eines Missale-Blattes auf Pergament

mit offener Schnurheftung (stark beschädigt).

(152) 4.000,-

Geburtenregister des „Mehreren-Spitals“ in Straßburg. Die

Aufzeichnungen beginnen St. Johannis (4. Juli) 1599 und

enden 1615. Festgehalten werden rund 1300 Geburten. –

Die Einträge halten fast immer die Vor- und Zunamen und

den Herkunftsort fest. Zum Teil sind auch die Familien umstände

oder Besonderheiten bei der Geburt notiert. Die

Eintragungen des Verzeichnisses wurden abschnittweise

(oft im Monats- oder Quartalsrhythmus) von unterschiedlichen

Schreibern verfaßt. Der Band stellt dem Charakter

nach nicht die Abschrift eines vorhandenen Geburtsregisters

dar, sondern eine Reinschrift. Die Überschriften sind

meist sehr sorgfältig kalligraphiert.

Im Vergleich etwa mit den Geburtsbüchern in Heidelberg

um 1820 unter dem berühmten Naegele sind die hier vorliegenden

Straßburger Unterlagen um 1600 teilweise umfassender

und somit für die weitere Forschung von großer

Bedeutung. Hinzu kommt, daß bei einigen dokumentierten

Jahren jahrgangsweise die Zahl der niedergekommenen

Mütter erfaßt ist, ebenso das Geschlecht der Kinder, Zwillingsgeburten

oder der Anteil unehelich geborener Kinder

(etwa 20 Prozent). Die ebenfalls angegebene Sterblichkeitsrate

lag bei nur 3 Prozent, nur in wenigen Jahren höher (bis

zu ca. 10 Prozent).

Die Anfänge des Leonhard-Spitals, das in den Straßburger

Quellen als „Mehreren Spital“ (Hospitale maius) bezeichnet

wird, liegen im Dunkeln. 1143 erfolgte die erste Nennung.

Handschriften 3

Nr. 5

Bereits 1263 ist das Spital von der bischöflichen Ober hoheit

befreit und unter bürgerlicher Aufsicht. Es nahm Arme und

Kranke, Altersschwache und Reisende auf, auch Pilger,

Waisen und Findlinge. Es wurden nur ehrbare Frauen und

Männer aufgenommen, die unverschuldet in Not geraten

waren. Das Spital lag unmitelbar hinter der alten Stadt befestigung

am Spitaltor. Die teils aus dem 13. Jahrhundert stammenden

Gebäude dienten noch bis 1931 als Krankenhaus.

Neben dem „Mehreren-Spital“ gab es damals noch das

Kleine Hospital oder Phynen-Hospital (Hospitale minus),

das nach der Reformation seine Bedeutung verlor und 1604

dem „Mehreren-Spital“ einverleibt wurde.

Einige Blätter lose, durchgehend etw. fleckig, stellenw. wasserrandig.

– Siehe Abbildung.

6 SIENA – IL DIARIO SANESE. Italienische

Handschrift auf Papier. Siena? 17. Jhdt.? 4°. Mit

9 kleinen Skizzen in Federzeichnung. 24 (fehlerhaft

alt foliiert: 25) Bl. Pgt. d. Zt. mit 2 appli zierten

(aufgenähten) waagerechten Lederstreifen über

Deckel und Rücken (fleckig, berieben und bestoßen).

(79) 500,-

Interessantes Manuskript zur Geschichte der Stadt Siena

von der Hand zweier Schreiber, deren einer, ein gewisser

Severo Berini, im Zwischentitel genannt wird. Auf den

Hauptteil (fol. 1-20) folgt eine Continuatio (fol. 21-25).

Beide Handschriften sind flüchtig und ungleichmäßig,

daher partienweise schlecht lesbar. Beschrieben ist jeweils

nur das Recto, die Skizzen befinden sich jedoch alle auf den

Rückseiten. – Inhaltlich handelt es sich um eine frühe

Jahreschronik zur Sieneser Geschichte und Kunstgeschichte

in Form einer fortlaufenden Auflistung, beginnend mit den


4

Nr. 10

Jahren 1238-41 (fol. 1-6), anschließend die Jahre 1343-98

(fol. 7-20). Der zweite Teil behandelt den Zeitraum 1371-

1446. – Unter den Eintragungen finden sich neben wichtigen

politischen Ereignissen auch einige Angaben von kunsthistorischer

Relevanz; so werden etwa mehrere Stadtpaläste

genannt und die Dombildhauer Giacomo di Buonfredi und

Bartolomeo di Tommè erwähnt. Die Skizzen zeigen Straßenzüge,

Baulinien und einen Blick in einen gotischen

Chorbau. – Die Chronik stammt möglicherweise aus der

„Biccherna“, der Finanzbehörde von Siena, die auch als

Auftraggeber von kommunalen Kunstwerken eine wichtige

Rolle spielte. – Papier mit Wasserzeichen eines gekrönten

Profilkopfes im Kreis, das in Italien schon im frühen

16. Jahrhundert nachweisbar ist (vgl. Piccard 20004 und

20005), sowie eines heraldischen Adlers mit Krone. – Fol. 4

in der Zählung wohl versehentlich ausgelassen, Text durchlaufend.

– Stellenw. leicht fleckig.

7 PHARMAKOPÖEN – REZEPTBUCH. Deutsche

Handschrift auf Papier. Niedersachsen, um

1600. 4°. 164 num., 4 nn. Bl. Überschriften in Rot.

13 Zl. Pgt. d. Zt. (Schließbänder fehlen, etw.

fleckig, berieben und bestoßen). (112) 800,-

Durchgehend in gleichmäßiger Kurrent sehr sauber abgefaßte

Sammlung von Rezepturen gegen allerlei Leiden und

Krankheiten: Fieber, Gelbsucht, Pest, Cholera, Nieren-,

Leber- und Frauenleiden, Brandwunden, Brüche usw., weiterhin

die Zubereitung von Ölen, Salben, Latwergen, verschiedenen

Wässern (darunter Rosenwasser und „güldenes

Wasser“), „Jungfrauenmilch“ und vieles mehr. – Vielleicht

am oder im Umkreis des Hofes der Herzöge von Lüneburg-Braunschweig

verfaßt. Auf fol. 97v. wird eine Rezeptur

gegen den Blutfluß erwähnt, die von der aus „Hennenbergk

gebornen Herzogin von Lüneburg“ stammmen soll

(vielleicht Sophie, Gräfin von Henneberg, Prinzessin von

Braunschweig-Lüneburg, 1541-1631), und auf fol. 95r. heißt

Handschriften

es: „Anno 1591. den 27. Februarii hat Doktor Coccius der

Herzogin rahten lassen, wie folgt:“ (ein Rezept für den Herzog).

– Die letzten, nicht foliierten Blätter mit Eintragungen

aus neuerer Zeit. – Ursprünglich wohl mit Titel (ein erstes

ungezähltes Blatt offensichtlich herausgeschnitten), leicht

gebräunt, wenig fleckig.

8 STRASSBURG – „Ittenheim Erneuwerung ge -

mei ner Gültgüter“. Deutsche Handschrift auf

Papier. (Ittenheim) „anno 1604“. Fol. 18 Bl. Pgt.

d. Zt. unter Verwendung eines Missale-Blatts um

1460 (leicht fleckig). (152) 800,-

Die sehr sauber geschriebene Handschrift verzeichnet zinspflichtige

Besitzungen in Ortschaften, die westlich nahe an

Straßburg liegen. Genannt werden u. a. die Orte Ittenheim,

Achenheim, Handschuheim, Osthoffen, Schaffolsheim,

Molsheim und Bergheim; ferner werden Straßburger

Klöster erwähnt und ihr auf dem Land befindlicher Besitz;

es sind dies St. Catharinen, St. Peter und das große Spital.

Ausgestellt ist das Dokument am 14. März 1604 von dem

(Straßburger?) Notar Johann Heinrich Meyer. – Minimal

fleckig, insgesamt sehr gut erhalten und dekorativ ge bunden.

9 „HANDLUNG. Den Hungerischen Auffstandt

betreffent wie derselbe wieder verglichen und

Hernach bey desselben nithaltung, die sachen von

Neuem zu Preßburg mit denen Unierten Landen

abgehandlet.“ Deutsche Handschrift auf Papier.

Wohl Ungarn, 1606-12. Fol. 1 nn., 335 num. Bl.

Beschäd. Pgt. d. Zt. mit Deckel- und Rvg. (100)

4.000,-

Weitgehend unpublizierte Quellensammlung zu dem von

István Bocskai (1557-1606) angeführten Ungarnaufstand

von 1604, in gleichmäßiger Kanzleikursive mit kalligraphierten

Überschriften ausgeführt. – Vorangestellt ist dem

zitierten Titel ein Blatt mit einem Vorspruch: „Anno 1604.

Im Frueling hat man bey Sohnenschein am Himmel vor und

nach mittag einen hellleuchtenden Stehrn gesehen. Darauf

balt der Hungern auffstandt ervolgt, und was sich für selt -

zame wunderliche veränderungen in diesen Landen im

Regiment zuegetragen, Ist aus nachvolgenden Handlungen

zusehen etc.“ – Die Dokumentation enthält zahlreiche Ab -

schriften von Urkunden und endet mit dem Tod Kaiser

Rudolfs II. und der Kür von dessen Bruder Matthias 1612.

– Vorsatz mit montiertem Kupferporträt Bocskais (mit

Fehlstelle), wenig fleckig.

10 BERGBAU – STEIERMARK – AUFSCHLAG-

ZEICHEN der Hammerwerke in St. Gallen (Steiermark)

und Umgebung. Deutsche Handschrift

auf Papier. Nördliche Steiermark, um 1610/20. 4°

(Buchblock: 19,5 x 14,3 cm). Mit 173 ganzseit.

Deckfarbenminiaturen. 173 Bl. (alt foliiert). Pgt.

d. Zt. mit Rücken- und Deckelvg. sowie intakten

Messingschließen (Vorderdeckel mit Bezugsschäden,

stark fleckig und gebräunt, berieben und

bestoßen). (85) 6.000,-

Außergewöhnlich schönes und rares Dokument zur steiermärkischen

Eisenindustrie in der frühen Neuzeit. Es han -

delt sich um ein Verzeichnis der – vielleicht sämtlicher – Fir-


menmarken der in der Gegend um St. Gallen im frühen

17. Jahrhundert tätigen Hammerwerke. Diese Marken

bestehen aus dem Aufschlagzeichen, einem Symbol, das

meist eine bestimmte geometrische Form besitzt, teils aber

auch figürlich ist (z. B. Gemsenkopf, Traube, Fisch, Reichsapfel,

Bergmann). Darunter jeweils eine große, figürlich und

ornamental gestaltete Kartusche in immer anderer Form

und Motivwahl. In diese Kartusche wurde der jeweilige

Name des Hammergewerks, also des aktuellen Besitzers der

Fabrik, eingetragen, darunter auch mehrere Frauen. Zwei

der Miniaturen sind als florale Kränze gestaltet. Hier sollten

augenscheinlich Zwischentitel eingefügt werden (vielleicht

mit retrospektiven Zeitangaben); ebenso sollte das erste

weiße Blatt wohl erst abschließend mit einem Titel ver sehen

werden (dieses ist nicht foliiert, aber von demselben Papier

wie die Handschrift, also kein Vorsatz). Das ist jedoch

unterblieben, weil das Verzeichnis nur in seiner Entstehungszeit

benutzt worden ist und später in Vergessenheit

geraten zu sein scheint – was auch seinen hervorragenden

inneren Erhaltungszustand erklären dürfte. Lediglich auf

den ersten 32 Blättern sind die Kartuschen mit Namen versehen

(einzelne Auslassungen), auf fol. 32 ist der Eintrag

nur skizziert. Die Zeichen wurden also bereits für spätere

Zeiten eingemalt, wenn es zu einem Besitzerwechsel

kommt, oder vielleicht auch, falls neue Hammerwerke ihren

Betrieb aufnehmen sollten.

Anhand der eingetragenen Namen lassen sich Provenienz

und Datierung zweifelsfrei belegen, da fast alle Namen

identifizierbare Hammerwerksbesitzer der Gegend um

St. Gallen sind: Aus der Familie Pantz sind Abraham,

Christoph und Sebastian eingetragen, tätig am Pölzenbach

bei St. Gallen und in Weißenbach an der Enns, wobei man

von Sebastian das Todesjahr 1613 kennt. Aus der Familie

Schweinzer, deren Werk ebenfalls in Weißenbach bestand,

sind gleichfalls drei Mitglieder eingetragen: Adam, Blasius

(Fisch als Symbol) und Elias, die beiden letzteren als Werksbesitzer

1604 bzw. 1617 belegt. Wolf II. Scheichenfelder war

zwischen 1587-1625 in St. Gallen tätig, Georg Thalhammer

in Oberhof bei St. Gallen, erwähnt 1609. Weiterhin werden

die im nordsteiermärkischen Bergbauwesen der Zeit um

1600 bekannten Namen der Händl, Haydn (Franz, Armbrust

als Symbol), Kohlthaler, Schrapacher, Stubmer

(Matthias, Symbol: Kleeblatt), Winterl, Würschenhofer u. a.

angeführt (vgl. Walter Stipperger, Almanach des steirischen

Berg- und Hüttenwesens, Mitteilungen des Museums für

Bergbau, Geologie und Technik am Landesmuseum Joanneum

Graz, Heft 29, 1968). – Das letzte Blatt mit einer

Übersicht von Farbvarianten anhand mehrerer einfacher

Zeichen. – Das Wasserzeichen (geschweifter Wappenschild,

gefüllt mit einigen schwer identifizierbaren Figuren) nicht

bei Piccard. – Innengelenke restauriert, fliegende Vorsätze

fehlen, einzelne Bl. tls. alt hinterlegt, anfänglich leicht fingerfl.

und mit gebräunten Rändern, sonst nur vereinzelt

stockfleckig. – Siehe Tafel 1 und Abbildung.

Extraordinarily beautiful and rare document to the iron

industry of Styria in the early modern period. It is a register

of perhaps all trademarks of hammer mills active in the area

of St. Gallen in the early 17th century. – Inner joints re -

stored, fly-leaves missing, some leaves partly backed in

former times, light thumbing at the beginning and with

browned margins, otherwise only isolated foxing. – Contemporary

vellum with gilt back, gilt on sides as well as

intact brass clasps (front cover with defects in cover material,

heavily soiled and browned, rubbed and scuffed). – See

plate 1 and illustration.

Handschriften 5

Nr. 12

11 FREINHAUSEN – Kirchenrechnung über Einnahmen,

Ausgaben und Leihgelder der Pfarrkirche

in Freinhausen. Deutsche Handschrift auf

Papier. 1612-39. 4°. 161 Bl. Pgt. d. Zt. (Gebrauchsspuren).

(4) 250,-

Wirtschaftsgeschichtlich und genealogisch interessantes

Kirchenbuch in barocker Kursive. – Freinhausen liegt heute

im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm. Die Pfarrkirche war

dem Heiligen Sebastian geweiht. – Etw. fleckig, meist aber

recht sauber und gut lesbar. – Mehrere Beilagen.

12 „ALLER KU(N)DE undt Auserlehsene Artzney

zu Allerley Schaeden nützlich zu gebrauche

geschriben durch Mich Johann Liutlein Sattelknecht

zu Annalbach [= Ansbach?] 1614.“ Deutsche

Handschrift auf Papier. 4°. Mit gezeichneter

Titelbordüre und 4 Federzeichnungen im Text.

165 nn. Bl. Mod. Pgt. (Deckel leicht aufgebogen,

ein wenig lichtrandig). (3) 1.200,-

Interessantes medizinisches Laienrezeptbuch, überwiegend

wohl zusammengetragen aus tradiertem Volkswissen. Einfaches,

doch in recht gleichmäßiger Kursive abgefaßtes

Manuskript, wohl von einer Hand (am Schluß ein Latwergen-Rezept

von anderer Hand ergänzt). Überschrift und

Hervorhebungen in roter Tinte, am Anfang einige Überschriften

in Grün. Die Abfolge der Rezepturen scheint keinem

Ordnungsprinzip zu folgen. Am Anfang Therapien

diverser Krankheiten und Beschwerden, darunter vor allem

die „Pestilenz“ und ihre Symptome, anschließend über Vergiftungen,

Entzündungen und die Tollwut. Der größte Teil

der Handschrift ist der Geburtshilfe, Versorgung der Neu-


6

geborenen, dem Kindbett etc. gewidmet. Offenbar hatte

sich der Verfasser auf diesem Gebiet besondere Kenntnisse

erworben und Erfahrungen gesammelt, wie sie von Hebammen

und Heilerinnen jenseits der wissenschaftlichen

Medizin tradiert wurden. Bezeichnenderweise findet sich

hier auch ein Kapitel über die Abtreibung („Wan ein Weib

ihre Kind nidt wolt“), das sogar durch die Darstellung eines

gläsernen Instruments, „durch welches sich ein Weib selbst

undt allein außsauge kann“, illustriert ist. Der ausführlichen

Darstellung diverser Frauenkrankheiten sind weitere drei

Zeichnungen von Instrumenten zur Untersuchung und

Behandlung der Gebärmutter beigefügt. Aus dem Hebammenwissen

dürften auch eine Therapie gegen das Ausbleiben

der Menstruation sowie die Heilmittel für viele Kinderkrankheiten

stammen. Weiterhin wird über diverse

Arzneien, meist aus Heilpflanzen, die Zubereitung von Salben

und andere Rezepturen berichtet. Am Ende weitere

Anleitungen zur Behandlung vieler verschiedener Krankheiten,

darunter auch Krebs. – Der Schreiber war wohl

Sattelknecht an der Residenz zu Ansbach, die Schreibung

„Annalbach“ ist offenbar vom lateinischen Onoldsbach

abgeleitet. – Bindung erneuert, Titel mit einigen Randschäden

(etw. Verlust in der geometrisch gemusterten Bordüre)

aufgezogen und angefalzt sowie in späterer Zeit mit rotem

Buntstift ornamental von Laienhand ausgemalt; an einzelnen

Stellen stark wasserrandig, gebräunt und fleckig, sonst

meist nur etw. braunfleckig. – Titel rückseitig gestempelt

„Ludwig Peter Freiherr von Pölnitz“ (Meister der Freimaurer-Forschungsloge

„Quatuor Coronati“ in Bayreuth

und Schloßherr von Aschbach in Franken), auf der weißen

Rückseite des letzten Blatts ein Besitzvermerk des Augsburger

Verlegers von Zauberbüchern, Benedikt Raidl (1857-

1930), der dort den „Venusplanetenverlag“ betrieben hat

(mit angefangenem Inhaltsverzeichnis der Schrift von Raidls

Hand). – Siehe Abbildung.

13 NOTARIAT – SAMMLUNG – 5 Notariatsbücher.

Italienische und lateinische Handschriften

auf Papier. Italien (Königreich Neapel), ca. 1620-

50. 4°. Mit einigen Notariatszeichen in Federzeichnung.

Beschäd. flex. Pgt. d. Zt. (4) 300,-

Interessante Sammlung zum Notariatswesen im Königreich

Neapel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts:

I. Urkundenbuch „Hic liber est mei Notarii Nunciantis

Caputi Terre Mo[rrae]...“, dat. 1621, begonnen unter der

Herrschaft Philipps III. von Spanien (= Philipps II. von

Sizilien und Neapel), der am Anfang genannt wird. Ein

Notar „Nunziante Caputo“ ist in der „Terra di Morra“

(Provinz im Königreich Neapel) in der ersten Hälfte des

17. Jahrhunderts nachweisbar). – Notariatszeichen „N.N.C.“

II. Urkundenbuch, dat. 1627-33.

III. Urkundenbuch, dat. 1632-37. – Notariatszeichen

„N.N.C.“ („Nunziante Caputo“).

IV. Urkundenbuch, dat. 1634-46, Notar „Nunziante Ca -

puto“.

V. „Testamentario“ (Deckeltitel), ca. 1643-48, eines Notars

namens Giacomo Pallante.

Tls. stärkere Gebrauchsspuren. – Beiliegend ein kirchliches

Rechnungsbuch von 1746 (schmaler Großfoliant).

Handschriften

14 FREIBURG IM BREISGAU – WOLLEBER –

CHRONIK des Hauses Zähringen. Deutsche

Handschrift auf Papier. Freiburg i. Br. um

1625/30. Fol. (32,5 x 20,2 cm). Mit 16 Wappen miniaturen

in Deckfarben, 180 Portrs. (Halb- und

Standfiguren) mit Wappen in Deckfarben (1 un -

ausgeführt in Vorzeichnung) sowie 3 (statt 8?)

Stammbäumen in Deckfarben und Tinte auf gefalt.

Tafeln. 252 (8 weiße) tls. pag. Bl. Tls. regliert.

Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (Schließbänder

fehlen, Bezug an den Kanten aufgeplatzt, stärker

fleckig, beschabt und bestoßen). (49) 20.000,-

Umfangreiche, der Stadt Freiburg dedizierte Chronik,

prachtvoll illuminiert in der Art der Wappen- und Ge -

schlechterbücher des 16. Jahrhunderts. In gleichmäßiger

Kanzleikursive und Kalligraphie angefertigte Abschrift der

Geschichte der Zähringer von David Wolleber, der sich

„Württembergischer Historicus“ und „kayserlicher Publicus

Notarius“ nannte. Die heute im Freiburger Stadtarchiv

(B1, Nr. 11) aufbewahrte Urschrift wurde zwischen dem

10. August 1597 alten Kalenders (d. i. 20. August gregorianischen

Kalenders) und dem 6. September 1597 neuen

Kalenders niedergeschrieben. – Wolleber, geboren um 1555

in Grunbach im Remstal, ist kurz nach Abfassung der

Chronik am 8. September 1597 einem Raubmord zum

Opfer gefallen (zusammenfassend zu Wollebers Leben und

Wirken: P. P. Albert, Geschichtsschreibung der Stadt Freiburg

in alter und neuer Zeit, Sonderabdruck, Karlsruhe

1901, S. 51-60, und K. Graf, Gmünder Chroniken im

16. Jahrhundert, Schwäbisch Gmünd 1984, S. 77-94).

Die niemals gedruckte Chronik wurde vom frühen 17. bis

zum späten 18. Jahrhundert in Kopien verbreitet (darunter

Exemplare in der Hofbibliothek von Donaueschingen und

der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, in der Kollation

und Illuminiation mit dem Original weitgehend übereinstimmend).

Meist wurden derartige Abschriften vom

Adel oder Patriziat in Auftrag gegeben oder als Geschenke

angefertigt (vgl. Albert S. 54, Anm. 1). Entsprechend sorgfältig

und qualitätvoll fallen Illumination und Kalligraphie

gewöhnlich aus, in unserem Fall dem von dem Freiburger

Maler David Schmidlin ausgemalten Original kaum nachstehend.

Bei unserer Abschrift dürfte es sich zudem um eine

der frühesten handeln: nach den Wasserzeichen zu schließen,

ist von einer Datierung um 1625/30 auszugehen (siehe

unten).

Wie im Original und in der früheren der beiden Karlsruher

Abschriften (Signatur: Hinterlegung 7, datiert „17. Jahrhundert“)

setzt die Paginierung mit Seite 201 ein, „da Wolleber

die Zählung der am 12. 2. 1593 der Stadt Freiburg

überreichten mappam und genealogiam der graven von

Habspurg, herzogen von Zehringen und graven von Freyburg

als stifter diser statt berücksichtigt hat“ (Katalog der

Handschriften in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe,

Bd. XIII, Wiesbaden 2000, S. 494 ff., und Albert

S. 56). Auch der Paginierungssprung von S. 439 auf 486 findet

sich in unserer Abschrift.

Kollation: 2 weiße Bl. (ein weiteres ohne Wasserzeichen =

Buchbindervorsatz, daher nicht gezählt), 13 nn. Bl., S. 201-

228, 1 Bl. mit dem Porträt des Würzburger Bischofs Echter

von Mespelbrunn zwischengebunden, S. (229)-254, Stammbaum,

ausgehend von Herzogin Agnes von Rheinfelden


(= S. 255-258), S. 259-276, Stammbaum, ausgehend von

Gräfin Margarethe von Zähringen, Gattin Hartmanns von

Kyburg (= S. 277-280), S. 281-296, Stammbaum, ausgehend

von Gräfin Mechthild von Rheinfelden (= S. 297-300),

S. 301-414 (S. 415-417 fehlt, wohl ein Stammbau, Paginierung

geht auf recto gerade weiter:) S. 418-425, (S. 426/27

fehlt, wohl Stammbaum), S. 428-433, 1 weißes Bl., 2 nn. Bl.

(entsprechend S. 434-439, dann Paginierungssprung:)

486-618, 16 nn. Bl., 2 weiße Bl., 40 nn. Bl., 3 weiße Bl. mit

Wasserzeichen (und ein Bl. ohne Wasserzeichen = Vorsatz).

Die Größe des Freiburger Originals ist mit 215 x 320 mm

(Buchblock) angegeben, entspricht also fast der vorliegenden

Kopie.

Inhalt: Titelseite („Weilannd der durchleuchtigen Hochunnd

Wolgebornen Grave[n], Marggraffen und Hertzogen

des hochlöblichen Hauß zue Zäringen Stiffter und Anfanger

der auch hochloblichen und Weitberuempten Statt Fryburg

im Preyßgaw ...“, fol. 3r), der Brief Wollebers an den

Bürgermeister der Stadt Freiburg (fol. 4/5, datiert, Stuttgart,

10. August 1597), „Register der Vornembsten Handlungen“

(fol. 6-15), „Von der Nutzbarkait der Historien“ (fol. 16-

25 = S. 201-220), das Wappen der Zähringer (fol. 26), die

Vorrede (fol. 27-29 = 223-228), das Porträt des Würzburger

Bischofs Julius Echter (fol. 30) und die Abschrift von

dessen Dankschreiben an Wolleber für die Übersendung der

Würzburger Chronik (fol. 31), die Historie der Herzöge

von Zähringen (fol. 32-125, letztes weiß, entspricht S. 231-

435), „Der Andere Thaill Ordenliche Unnd Gründtliche

Beschreibung aller Hertzogen von Teeckh in Schwabe[n]“

(fol. 126-194 = S. 486-618), „Warhafftiger Bericht welchermassen

Der Alte Marckat Fleeckh Heiningen Im Fürsten thumb

Teeckh Und Württemberg gelegen, Von Kayser

Rudolpho dem Ersten ... Privilegiert, befreyet Und begabet

worden“ (fol. 195-212, letzte beide weiß), „Histori und

Legent von allerhandt vor etlich hundert Jaren geschehenen

Geschichten, Als nämlich von den Hertzoge Zue Zeringen,

Graven von Freyburgg undt andern seltsamen Sachen“

(fol. 213-252, auf Papier mit anderem Wasserzeichen). – Die

Geschichte der Gründung Freiburgs ist auf S. 327 ff. abgehandelt.

Der „Historicus“ Wolleber besserte sein karges Gehalt als

Winkeladvokat damit auf, Herrschaften selbstverfaßte

Chroniken zu widmen und ihnen entsprechend, teils auch

über Gebühr, zu schmeicheln. „Infolge der Art, wie Wolleber

seine Werke zusammenschweisste und ausstattete, um

sie möglichst gut an den Mann zu bringen, stand er in keinem

guten Rufe; er galt als Schmarotzer und Bettelliterat“

(Albert, S. 56 f.). Die Besonderheit dieser Dedikationen ist

Wollebers Zusammenarbeit mit den Illustratoren: „Zum

Erfolg von Wollebers Werken trug auch ihre aufwendige

Ausstattung mit farbigen Illustrationen, hauptsächlich Wappenmalereien,

bei, für die er ausgebildete Maler heranzog“

(Graf, S. 80). – In der vorliegenden Abschrift sind die Wappenmalereien

und Herrscherporträts von einem handwerklich

sehr versierten Maler sauber und gekonnt nach den

Originalen gearbeitet, in frischen und leuchtenden Farben,

die der Vorlage nicht nachstehen, teils auch unter Verwendung

von Eiweißhöhung. Von den Stammbäumen sind nur

die drei kleineren der Nebenlinien vorhanden, die fünf großen

Hauptstammbäume fehlen dagegen. Auch einzelne

Wappenminiaturen wurden trotz ausgesparter Räume nicht

ausgeführt (so auf. S. 325, Kloster St. Peter im Schwarzwald).

Handschriften 7

Auf die Entstehung der Handschrift in Freiburg i. Br. und

eine Datierung in die Zeit um 1630 deuten die Wasserzeichen

hin: Der erste Teil weist ein im südwestdeutschen

Raum am Beginn des 17. Jahrhunderts in zahlreichen Varianten

nachweisbares Wasserzeichen auf (Vogelkopf im

Wappenschild, darüber die Buchstaben S und R, an der

unteren Spitze F), das seine engste Übereinstimmung in

dem bei Piccard unter der Nummer 42034 verzeichneten

Wasserzeichen findet, dieses datiert Freiburg 1637. Das

Papier des letzten Abschnitts zeigt einen Adler über Dreiberg

(Kleeblatt) und die Buchstaben F und B (Piccard

152629, datiert Freiburg 1625). Wahrscheinlich ist die

Abschrift der Chronik noch vor 1632 entstanden, dem

Beginn der schwedischen Besatzung.

Innengelenke gebrochen, einzelne Spuren alter Restaurierung,

geringe Randläsuren, etw. fingerfl. und gebräunt, der

letzte Abschnitt papierbedingt etw. mehr. – Auf dem vorderen

Spiegel das gestoch. Exlibris der Reichsgrafen von

Sonnenberg in Luzern (Gerster, Schweizer Exlibris, 2123

und 2680), wohl 17. Jhdt., im oberen Teil (Spruchband) ausgekratzt,

sowie Exlibris von Oswald Carl Friedrich, Graf

von Seilern und Aspang (1900-1967); ferner Spuren eines

entfernten großen Exlibris. – Einbanddeckel mit kleinem,

gepr. Supralibros zweier Eichhörnchen am Fuße eines

Kelchs mit Rosen und Vögeln. – Siehe Abbildungen Tafel 2.

Extensive and magnificently illuminated chronicle dedicated

to Freiburg, the history of the Zähringen family, copied in

regular office calligraphy by David Wolleber. The original

which is kept in the Freiburg municipal archives was written

in 1597. – Wolleber, born around 1555, was robbed and

murdered shortly after finishing the chronicle. – This chronicle,

never printed, circulated in copies from the early 17th

till the late 18th century. Our copy could be one of the

earliest: according to the watermark, a date around 1625/30

can be assumed. – Like in the original, pagination starts with

page 201, as Wolleber had taken into consideration the

pagination of a manuscript dedicated to Freiburg already in

1593. Our copy skips the pages from 439 to 486 as well. –

The armorial illuminations and noble portraits in the present

copy are made after the original in fresh and brilliant colours

and can really be compared to the original. As to the family

trees, only the three smaller ones of the collateral lines are

there. – It is possible that the copy of the chronicle was made

before 1632, the beginning of the Swedish occupation. –

Inner joints broken, a few traces of early restoration, minor

tears in margin, some fingermarks and browning, the last

section a bit more due to paper quality. – On upper pastedown

engraved exlibris of the counts of Sonnenberg. – Contemporary

blind-pressed pigskin (clasp ribbons missing,

cover material bursted at edges, stronger soiling, scratching

and scuffing). – See illustrations on plate 2.

15 BÖHMEN – „DER RÖM(ISCHEN) KAY -

(SER LICHEN) auch zu Hungarn und Böheimb

Königlichen Maiestät Ferdinandi dess Andern

vernewerte Landesordnung Deroselben Erb -

königreichs Böhaimb, auff Ferdinandi deß Dritten

allergnädigsten Befehl von Newen auffgelegt

und mit Underschiedlichen Declaratorien unndt

Novellen vermehret 1640“. Deutsche Handschrift

auf Papier. 5 Tle. in 1 Bd. Deutschland, um 1676.

Fol. (30 x 19 cm). 374 Bl. Beschäd. Pgt. d. Zt. (54)

1.000,-


8

Abschrift von Rechtstexten in sehr sauberer Kanzleikursive,

die Titel aufwendig kalligraphiert in Rot und Grün,

alle Überschriften in Rot mit feinen Federverzierungen

(Datierung nach dem handschriftlichen Vermerk auf dem

Vorsatz); teilweise mit handschriftlicher Paginierung. – Die

ersten drei Teile gedruckt nachweisbar im VD 17 unter

12:625845E: „Landesordnung“ mit 454 S., 4 Bl. (Register),

„Bergkwercksvergleichung im Königreich Böhaimb“ mit

22 Bl. und „Uber der Newen Landesordnung deß Königreichs

Böhaimb publicirte königliche Declaratorien undt

Novellen 1640“ mit 2 Bl., 116 S.; unter diesem Titel nicht

im VD 17 nachzuweisen sind „Novellae Novellarum uber

die verneuerte königliche bohaimbische Landesordnung

und publicirte Novellen“ aus den Jahren 1641-1654 mit

20 Bl. und „Denen königlichen Prager Leibgedings wie

dann allen andern Städten im Königreich Böhaimb de dato

Prag 2. Martii Anno 1651 ertheilte Instruction“ (vgl. VD 17

1:015977E und 1:015964A). – Vorsatz mit Bibliotheksmarke

und hs. Vermerk, Titel mit Besitzvermerk von alter Hand,

Außensteg sehr knapp beschnitten (stellenw. minimaler

Textverlust).

16 CASSANO ALL'IONIO – REGIONALSYN -

ODEN – „SYNODUS CASSANENSIS que

fuit prima sub illustrissimo d(omi)no episcopo

D. Gregorio Carafa celebrata sub die IV, et V

m(ensi)s aprilis 1651.“ – „Secunda synodus diecesana

... celebrata die VIII. decembris anni domini

1657“. Lateinische Handschrift auf Papier. Cassano,

um 1660. 4°. 1 nn., 79 num., 3 nn., 31 num.

Bl., 1 Bl. Läd. Ldr. d. Zt. (4) 200,-

Beschlußfassungen der sechsten und siebten Regional synode

in Cassano all'Ionio (Kalabrien, Provinz Cosenza) in

den Jahren 1651 und 1657, abgehalten unter dem Theatiner

Gregorio Carafa (1588-1675, Bischof von Cassano 1648-

1664). Carafa war ein erklärter Anhänger der Marienverehrung

und Parteigänger Spaniens. Heute ist er noch bekannt

für sein Buch über das Duellwesen (Rom 1647) und eine

Beschreibung vom Ausbruch des Vesuvs. – Am Ende eine

Abschrift der in Rom 1683 gedruckten Be schlüsse einer

weiteren im Jahr zuvor in Cassano abgehaltenen Synode (30

num. Bl.) sowie Ausführungen über das Fest des hl. Francesco

di Paola (Franz von Paula). – Innengelenke gebrochen,

durchgehend etw. wasserrandig, tls. stärker gebräunt

und fleckig.

17 NÜRNBERG – „SUMMARISCHE NACH-

RICHT Worauff bey diesen Fürstenthumb Burggraffthumbs

Nürnberg, unterhalb Gebirgs ein und

andere Nützliche Reflexion zu machen“. Anno

1669. Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg,

um 1710? 4°. 92 nn. Bl. (und zahlr. weiße am

Ende). Hpgt. d. Zt. mit Rtit. (Deckel mit Knickspuren,

leicht beschabt und bestoßen). (102)

300,-

Kanzleihandschrift in schlichter Kurrent. Handelt vom

Ursprung und der Geschichte der Nürnberger Burggrafschaft,

ihren Rechten, Lehen, Vasallen, Besitzungen etc.,

beginnend mit dem Jahr 1200. Ab fol. 26 folgt eine Be schreibung

der zum „Ober-“ und „Untergebirgischen Land“

gehörigen Ämter, Orte, Schlösser und Klöster, darunter

Ansbach, Castell, Colmberg, Dachsbach, Feuchtwangen,

Kloster Heilsbronn, Kulmbach (mit der Plassenburg), Lan-

Handschriften

genzenn, Leutershausen, Prichsenstadt, Roßtal und die

Wülzburg. Auch werden die Verbindungen zu Brandenburg,

Pommern und Mecklenburg behandelt. – Der

Schwerpunkt des Berichtszeitraums liegt im 16. Jahrhundert,

geht jedoch teils auch über das im Titel genannte Jahr

1669 hinaus. Am Ende eines Abschnitts über österreichische

Lehen wird als spätestes Datum der Februar 1705

genannt. Die Handschrift wird wohl bald danach abgefaßt

worden sein. – Etw. gebräunt. – Stempel und Etikett der

Bibliothek der Freiherren von Schrottenberg.

18 – MÜLLNER – „RELATIONES MÜLLERI“.

Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Nürnberg,

um 1680-1720. Fol. Mit ganzseit. Schemazeichnung

in brauner und roter Tinte unter Einbeziehung

zahl. kleiner, mont. Wappenbilder (tls. ge -

druckt). 1 nn., 437 num. Bl. Hpgt. d. Zt. (Kopf

leicht eingerissen, beschabt und etw. bestoßen).

(102) 400,-

Gut leserliches, sauberes Manuskript, zusammengefügt aus

zwei Teilen von verschiedenen Händen und auf unterschiedlichem

Papier. Auf den älteren, in einer rundlichen

Schrift abgefaßten ersten Teil (wohl um 1680) folgt ab

Bl. 234 ein zweiter in üblicher Kanzleikursive. Dessen

Papier weist mehrere Wasserzeichen auf, darunter eines, das

Piccard (Nr. 25631) um 1720 datiert. Dasselbe Wasserzeichen

weisen auch die Vorsätze auf, und in derselben Handschrift

ist das vorangestellte Inhaltsverzeichnis auf dem

nicht foliierten ersten Blatt abgefaßt. Offenbar wurde ein

nicht vollendeter älterer Teil später ergänzt. – Beide Texte

sind Abschriften des von Johann Müll(n)er im 17. Jahrhundert

zusammengetragenen Nürnberger Stadtrechts und enthalten

zusammen 22 Kapitel („Relationes“). Die „Bibliotheca

Norica Williana“ (Bd. I, S. 134-39, Nr. 474-77)

verzeichnet eine vierbändige Abschrift dieses Werks in

24 Relationes mit folgender Beschreibung: „Dies sind die

sogenannten Müllnerischen Relationes, oder eigentlich

Deductiones, die ein Corpus Iuris Publici Norimbergensis

ausmachen und von dem rechtschaffensten, fleißigsten,

so wie im Archive vortrefflich bewanderten Manne ... verfasset

worden.“ – Der erste Teil unseres Exemplars enthält

u. a. die Beschreibung des Nürnbergischen Stadtregiments,

der städischen Institutionen und des Stadtrechts, der Burggrafschaft

sowie des Zoll- und Münzwesens; der zweite

handelt von der Reichsfreiheit, der Errichtung des Rathauses

und Spitals, vom Strafrecht, von den Juden, von böhmischen

Lehen und den Bündnissen, die die Stadt geschlossen

hat. – Teil I mit einer Darstellung der Sitzordnung im Rathaussaal

mit den jeweils zugehörigen Wappen (wohl aus

gedruckten Kalendern ausgeschnitten). In der Mitte ein

Spruchband mit Chronogramm, das die Jahreszahl 1676

ergibt. – Die Bl. 22, 40, 79, 132, 160, 186 und 119r. sind

weiß. – Vorsatz mit Einträgen in Tinte (Schenkungsvermerk

aus dem Jahr 1751 zum Zwecke der „Beschreibung der

Ankunft adelicher hiesiger Familien“) sowie Spuren eines

entfernten Exlibris, das num. Bl. 2 auf dem nachfolgenden

Blatt montiert; etw. fleckig.

19 – „VERZEICHNIS ALLER SCHULDHEIS-

SEN wann sie zur Regierung komen, und wie lang

sie dieselbe geführet haben mit ihren Wapen.“

Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg, wohl

gegen 1700. Fol. Mit 36 Wappenminiaturen. 3 Bl.

Pp. d. späten 18. Jhts. (beschabt und bestoßen).

(136) 500,-


Verzeichnis der 36 Nürnberger Reichsschultheißen von

1282 bis zur Aufhebung der Praxis, auswärtige Amtsträger

zu bestallen, im Jahr 1571. In Waldaus „Neuen Beyträgen

zur Geschichte der Stadt Nürnberg“ (Bd. II, Nürnberg

1791, S. 265) wird dazu berichtet: „A. 1562 d. 11 Maii ist

Herr Joachim von Westhausen, Ritter [aus Colmar], allhier

eingeritten, und allhie zu einem Schultheissen verordnet

worden. Dieser ist aber der lezt gewesen, denn als derselbe

abgegangen, hat E. E. Rath von Kais. Maj. die Freyheit ausbracht,

daß jederzeit der älteste des Raths Schultheissenamts-Verweser

ist, zuvor ists gemeiniglich ein Fremder vom

Adel gewest, und jährlich mit 800 fl. besoldet worden, und

auf 8 Pferdt Futter, über die Bürger hat er nichts zu gebieten

gehabt, allein alle Gerichtshändel, so unter brieflichen

Urkunden verfertigt, sind in seinem Namen ausgangen und

in der Losungstuben besiegelt worden.“ Laut Eintrag in

unserer Handschrift regierte Joachim von Westhausen von

1562 ab neun Jahre, 1571 ging das Amt dann an den Vertreter

der Nürnberger Bürgerschaft, Andreas Imhoff, über. –

Am Anfang achtzeilige Erklärung zur Geschichte der Institution

in Nürnberg. – Das Wasserzeichen eines heraldischen

Adlers unter Krone mit drei angefügten Buchstaben spricht

für eine Entstehung der Handschrift im späten 17. Jahrhundert,

während die Vorsätze mit Honig-Wasserzeichen

eine Einbanddatierung ins späte 18. Jahrhundert erlauben. –

Bindung gelockert, etw. fleckig und stellenw. lichtrandig. –

Adelsexlibris des späten 19. Jhts. – Siehe Abbildung Tafel 2.

20 „DE CHYROMANTIA“. Lateinisch-italienische

Handschrift auf Papier. Italien, um 1700. 8°. Mit

26 (24 mont.) Zeichnungen. 48 nn. Bl. Läd. Interims-Pp.

d. Zt. (4) 300,-

In 18 kurze Kapitel eingeteilte Zusammenstellung in lateinischer

Sprache über den Verlauf der Handlinien, „ex probatissimis

auctoribus“ gezogen. Der zweite Teil (ab nn. Bl.

27) ist in italienischer Sprache verfaßt und enthält, durch

Zeichnungen erläutert, die genaueren Erklärungen für die

Charaktereigenschaften und die Schicksalsdeutung, wie sie

sich aus den Handlinien und aus den „macchie dell'unghie“,

den Nagelflecken, ablesen lassen. Wohl für den privaten

chiromantischen Gebrauch hergestellt und in beiden Sprachen

von einer Hand geschrieben. – Bindung in Auflösung

begriffen, etw. fleckig, gebräunt. – Siehe Abbildung.

20a FAUST – „DOCTORIS JOHANNIS FAUSTI

NIGROMANTIA s(ive) cabala nigra et magia

naturalis et innaturalis. De citationibus Mephistophilis

et ... malisque spi(ri)tibus, daemo(nibus) in

naturam et ... In commissione auctoris scripsit

de Famulo Faustii Christophoro Wagnero in tribus

partibus. Londino cum literis Gantioni Ao:

MCCCCCIX“. Deutsche Handschrift auf Papier.

Deutschland, um 1700. 4°. Mit zahlr. tls. ganzseit.

Federzeichnungen. 109 Bl. Blindgepr. Schweins -

ldr. d. Zt. über Holzdeckeln (Remboîtage neuerer

Zeit; beschabt und bestoßen). (158) 2.000,-

Gut lesbare, von der Hand mehrerer geübter Kanzleischreiber

abgefaßte okkultistische Handschrift mit diversen

Teufelsoffenbarungen. Die drei Teile sind vorgebliche

Ab schriften von Londoner bzw. Lyoneser Drucken einiger

Werke des Johann Faust nach den Aufzeichnungen seines

Schülers Christoph Wagner, alle mit Datum 1509. Derartige

Drucke existieren natürlich nicht, aus der Feder des Johann

Georg Faust (um 1480 – um 1541) ist keine einzige authen-

Handschriften 9

Nr. 20

tische Schrift überliefert. Seit seiner legendären Verklärung

und dem Aufkommen der Sage im späten 16. Jahrhundert

sind jedoch fingierte Werke und Zeugnisse seines Wirkens

und Lebens in Umlauf gekommen, Manuskripte, die den

populären Namen zur Aufwertung ihrer Inhalte im Titel

führten. Dies ist auch bei unserer Handschrift der Fall.

Die Ausführungen über „Cabala nigra et alba“ sowie

„Magia naturalis et innaturalis“ unterscheiden sich nicht

wesentlich von anderen Zauberbüchern der Zeit, erhalten

aber durch den Kontext der Faustsage eine besondere Autorität,

wie das auch bei Werken der Fall war, die realen Autoren

wie Albertus Magnus, Paracelsus oder Hermes Tris -

megistos untergeschoben wurden. Der Teufelspakt gab dem

Ganzen dazu den Anstrich einer von dunklen Mächten ge -

offenbarten Geheimlehre, die hier Mephistopheles persönlich

Faust in Form von Antworten auf diverse Anfragen

mitgeteilt habe. Wenngleich die unter dem Namen Fausts

verbreiteten Schriften zur okkultistischen Standardliteratur

der Zeit gehörten, trugen sie doch dazu bei, die Legende um

seine Person auszuschmücken und als Mythos im Volk weiter

zu verankern, in unserer Handschrift nicht zuletzt durch

die einfachen aber anschaulichen Zeichnungen. Es finden

sich nicht nur die üblichen Diagramme, Schemata sowie

Geheim- und Zauberzeichen, sondern auch die „Erscheinung

Mephistophilis“ in der Studierstube Fausts. Der

Teufel kommt hier in tierähnlicher Gestalt hinter dem

Kachelofen hervor, während Faust in Adelskleidung mit

drohender Gebärde vom Schreibtisch aufgestanden ist und

den Degen gezückt hält. Eine andere Zeichnung zeigt Faust

bei der „Mantelfahrt“. Weiterhin ist ein „Zwang Creyß“

abgebildet, ein aus Ringen gebildeter Kreis mit einbeschriebenem

Kreuz und vier Kruzifixen, die nach außen in

die Himmelsrichtungen weisen. Wenn eine bestimmte Weiheformel

über diesem Kreis gesprochen werde, könne man


10

Nr. 20a

sich damit die Geister gefügig machen. Ferner sind die Siegel

der Erzengel und gefallenen Engel dargestellt, darunter

das des Luzifer, sowie „Faustens kostbahres Sigillum“, eine

magische Glocke und zahlreiche Engel und Geister, besonders

kurios der schlangengestaltige „Bazarachiel“.

Inhaltlich vermengen sich okkultistische Gemeinplätze mit

den spezifisch faustischen „Kunststücken“, so der Pakt mit

Satan, den „höllischen Großfürsten“, Geistern und Dämonen

sowie ihren Anrufungen (auch von Mephistopheles, der

in einer „Particular Citation“ beschworen werden soll). In

den Kontext der Faustsage gehören ebenso die „Lufft- und

Mantelfahrt“, ferner die Verbannung von Geistern aus

einem Gebäude, die Herstellung magischer Kristallkugeln,

das Schatzgraben und vieles mehr. – Zur Datierung: Schrift

und Wasserzeichen sprechen für eine Datierung um 1700,

ebenso die Art der Kleidung in den figürlichen Darstellungen.

– Die ersten Bl. paginiert 1-33, davon fehlen zwei Bl.

mit den Seitenzahlen 22-25, weiterhin dürfte ein Bl. zwischen

fol. 58 und 59 herausgeschnitten worden sein. – Vorsätze

erneuert, Titel tls. stark abgerieben und mit restaurierten

Ausbrüchen (etw. Textverlust), mehrere Bl. am

Anfang und am Ende mit professionell restaurierten Randausbrüchen

und tls. angefalzt; etw. gebräunt und fleckig. –

Siehe Abbildungen.

Well legible occult manuscript written by several skilled

scribes with various devil revelations. The three parts are

alleged transcripts of London or Lyonese prints of some

works by Johann Faust after the notes by his student Christoph

Wagner, all dated 1509. Such printings, of course, do

not exist, there is not one single authentic treatise recorded

by Johann Georg Faust (around 1480 – around 1541). – Re

date: Handwriting and watermark tend towards a date

around 1700, also the kind of clothes in the figurative illustrations.

– First leaves paginated 1-33, two leaves with page

numbers 22-25 missing, furthermore probably one leaf

between fol. 58 and 59 cut out. – Endpapers renewed, title

partly heavily rubbed off and with restored breaks (some

Handschriften

Nr. 20a

loss of text), several leaves at the beginning and the end with

professionally restored breaks in margin and partly mounted

at joint; some browning and soiling. – Contemporary blindpressed

pigskin over wooden boards (more recent remboitage;

scratched and scuffed). – See illustrations.

21 „VERSCHIEDENE GEISTLICHE ÜBUNGEN“

(Titel nach dem Inhaltsverzeichnis fingiert). Deutsche

Handschrift auf Papier. Süddeutschland,

18. Jhdt. 396 nn. Bl. Ldr. d. Zt. (beschabt). (58)

200,-

In sauberer, meist gut lesbarer Kurrentschrift abgefaßte

Zusammenstellung geistlicher Übungen und von „allerhand

Lehr- und BetrachtungsPuncten“, die sich ein katholischer

Geistlicher zum eigenen Gebrauch für Andachten und

Exerzitien zur Selbsterforschung angefertigt hat: ein Vademekum

zur ewigen Seligkeit nicht sola fide, sondern mit

einem gehörigen Anteil an Eigenleistung. – Vorliegend der

abschließende zweite („andere“) Teil mit den Übungen 14

bis 17 mit Betrachtungen über die „Ablegung aller Neigung

zu den Creaturen“, die „Glückhseeligkeit des einsamen

Lebens“ und das Stillschweigen, mit Übungen zur Erkenntnis

des göttlichen Willens, mit einem in 30 Kapitel untergliederten

Teil zur Werkgerechtigkeit in Form einer Kasuistik

der guten Werke und schließlich mit den mehr als die

Hälfte des ganzen Buches umfassenden „über hundert

Puncten unterschiedlicher Matery“. Dieser umfangreiche

letzte Teil, die 17. Übung, ist ohne erkennbares Kompositionsprinzip

dem „Sonstigen“ des geistlichen Lebens gewidmet

und enthält in loser Folge all das, was dem Schreiber

für einen Gott wohlgefälligen Wandel festzuhalten noch

nötig fand: von der Natur der Geduld über „Leibs Casteyungen“,

„Liebe der widrigen besonders Obrigkeiten“ und

der „innerlichen Mortification“ bis zur „Intention zu Sterben“.

– Recht sauber.


22 MILITÄR – „VERFASSUNG EINES REGI-

MENTS CAVALLERIE nach dem kayserlichen

Fuß“. Deutsche Handschrift auf Papier. Österreich,

erstes Drittel 18. Jhdt. Fol. 4 Bl., 348 S. Etw.

läd. Hldr. d. Zt. (4) 300,-

Umfangreiche Gebrauchshandschrift, wohl vollständig von

einer Hand abgefaßt. Die vielen weißen Blätter am Ende

und der abrupte Abbruch des Textes weisen darauf hin, daß

das Manuskript zur weiteren Fortführung gedacht war.

Behandelt werden sämtliche Aspekte des Aufbaus eines

Regiments, gegliedert in zwei Teile. Im ersten werden die

einzelnen militärischen Ränge und Funktionsträger, im

zweiten Vorschriften, Institutionen und Aufgaben beschrieben.

Offenbar sollten hier weitere Artikel ergänzt werden,

so daß nicht von einer Abschrift, sondern vielmehr von

einem Entwurf auszugehen ist. – Nachdem im Vorbericht

Kaiser Leopold I. postum erwähnt wird, ist eine Datierung

bald nach 1705 anzunehmen. – Die Abfassung der Handschrift

fällt damit in eine Zeit der Neuordnung des Militärwesens

durch stehende Heere und ist ein Dokument der

Versuche zur Institutionalisierung des Militärs im österreichischen

Kaiserreich mittels allgemeingültiger militärischer

Verfassungen. – Vorderes Innengelenk gebrochen; leicht

gebräunt und fleckig. – Titelrückseite mit Dublettenstempel

der Abtei Maria Laach. – Großes gestoch. Exlibris (auf dem

vollen Papier des vorderen Spiegels) von Christian August

von Geldern (nicht bei Warnecke).

23 KUFSTEIN – „HERNACH VUUERNEMMEN,

Mein Joseph Haassens des Rathes Bürger unnd

Fleischhackherns alhier zu Kuefstain, als sambt

und neben dem fürnemen Herrn Johann Christoph

Andree, gleichfalles Bürger des Raths, ... über

das Lobwürdige Sanct Veithes Gotteshaus und

Stattkhürchen verordnet.“ Deutsche Handschrift

auf Papier. Kufstein 1690-1703. Fol. 292 num.,

25 nn. Bl. Ldr. d. Zt. mit figürlichen und ornamentalen

blindgepr. Rollenstempeln auf den

Deckeln (Rücken beschäd., Deckel etw. wellig,

stark beschabt und bestoßen). (4) 600,-

Rechnungsbuch einer Stiftung zugunsten der Pfarrkirche

St. Vitus in Kufstein (und dem hl. Grab). Verzeichnet sind

die Stiftungen zahlreicher Bürger aus Kufstein und Umgebung,

der Eingang von Zehntgeldern, „Zünß und Grundtgülten“

und vieler anderer Einnahmen, ebenso der Ausgaben,

an erster Stelle für den amtierenden Pfarrer, Vicarius

Maximilian Gandolph Mayr (Amtszeit 1681-1695), weiterhin

sämtliche Ausgaben der Pfarrei, darunter auch „Extra

Außlagen“ für „Bau und Bösserung“ und die Organisten

und Chorleiter (darunter ein Johann Mittermayer). In entsprechender

Gliederung geführt jeweils für die Jahre 1690-

93. Am Schluß beurkundet „Actum Kuefstain den Hindlissten

Tag Monnats Augusti, Anno Sechzechenhundert

vierundneinzig“, folgend ein Auszug (Zusammenfassung

von Einnahmen und Ausgaben) und zuletzt ein Nachtrag

für das Jahr 1703 (dieser von anderer Hand). – Innengelenke

gebrochen, erstes Bl. gelockert, am Ende Wasserrand im

oberen Bug mit Wurmspuren; insgesamt nur wenig fleckig,

kaum gebräunt. – Siehe Abbildung.

Handschriften 11

24 ST. GALLEN – TOGGENBURGERKRIEG –

KAUFLIN – Entwurfszeichnung für ein Projekt,

auf dem Rosenberg oberhalb von St. Gallen

Festungsanlagen zu errichten. Deutsche Handschrift

auf Papier (Planzeichnung mit 3 Darstellungen).

St. Gallen um 1710. Blattgr.: 33 x 41,7 cm.

Mit 2 aquarellierten Baurissen und Situationsplan

von M. L. Kauflin. Auf Trägerkarton aufgelegt.

(91) 1.200,-

Haller V, 1793: „Dieser Plan war bereits A°. 1710 verfertigt,

und wurde A°. 1712 in dem Fürstl. Aebtischen Kabinet

gefunden.“ Bedeutendes Dokument aus dem Vorfeld des

sogenannten Toggenburgerkrieges, eines Religionskriegs,

der im Jahre 1712 zwischen dem Fürstabt von St. Gallen,

Leodegar Bürgisser, und seinen reformierten Untertanen in

der Grafschaft Toggenburg ausgetragen wurde. Der hier

vorliegende Entwurf zeigt die Planung des Abtes, auf dem

Rosenberg oberhalb von St. Gallen das Rosenberg-Schlößchen

und das „Höggers-Schloß“ zu kleinen Festungen auszubauen,

„zum gebrauch zweyer Bateries, sich zu bedienen

können damit die Statt im Zaum zu halten und gänzlichen

zu ruiniren mögen, und inerthalb 24 Stunden kan verfertiget

werden“. Dieser Plan ist nach der Flucht des Abtes Leodegar

in dessen Pult gefunden worden und erregte den Zorn

der Bürgerschaft. – Entworfen wurde der Umbau vom

Ingenieur Mathias Leontius Kauflin, der für den St. Galler

Fürstabt mehrere kriegstechnische Aufträge ausgeführt hat.

– In Rot, Braun, Grün und Gelb sauber aquarellierte

Tuschezeichnung, die Festungseinbauten mit Schießscharten

in Gelb. – Ausgeschiedene Dublette der Zentralbibliothek

Zürich (rückseitig gestempelt). – Mehrere tls. hinterlegte

Rand- und Falzeinrisse sowie kleine Durchbrüche

infolge von Tintenfraß, leicht gebräunt. – Siehe Abbildung

Tafel 3.

Druckvorlage zur zweiten Ausgabe

25 PHARMAKOPÖEN – HAMBURG – KALDE

– „DISPENSATORIUM HAMBURGENSE

juxta quod medicamenta tam chymica quam Galenica

hodie usu recepta, in officina ad insigne cervi

dispensanda ac praeparanda conscriptum et evulgatum

a. Jacobo Kalde Reipub. Patriae Pharma copoeo.“

Lateinische Handschrift auf Papier. Hamburg

1716 – um 1735. Fol. 8 Bl., 184 S., 15 Bl. (und

ca. 50 weiße). Überschriften und Hervorhebungen

in Rot, regliert. Stark läd. Pgt. d. Zt. (56)

800,-

Jacob Kalde, Inhaber der Hirsch-Apotheke „auf dem großen

Burstah“ in Hamburg, verfaßte 1716 sein „Dispensatorium

Hamburgense“, eine Pharmakopöe, für deren Rezepturen

er zwar vielfach aus der Familientradition und lokaler

Überlieferung schöpfte, aber auch einige auswärtige Pharmakopöen

einbezog. Kaldes Absicht war es offenbar, ein

amtlich anerkanntes Werk zu schreiben, das zugleich zu

Werbezwecken für das eigene Geschäft dienen sollte, doch

hat es die Anerkennung als offizielle „Hamburger Pharmakopöe“

niemals erlangt. Das hier vorliegende Manuskript


12

stammt wohl von der Hand des Verfassers selbst. Der Titel

nennt die Adresse des Verlegers Conrad Neumann mit dem

Jahr 1716, doch ist das Vorwort mit dem Datum 29. 3. 1732

versehen. Am Ende des wie die Druckfassung 184 Seiten

umfassenden Hauptteils findet sich eine Korrekturbemerkung:

„Dieses Manuscriptum kan ma(n) sicherlich auff zu

werke gehen & es alles wohl nachgesehen und corrigiret daß

nichts darin noch verfehlet.“ Dies deutet darauf hin, daß es

sich hier um die Korrekturfassung zur zweiten Auflage handelt,

die ebenfalls bei Neumann 1734 in Hamburg erschienen

ist. Ein wie der Hauptteil zweispaltig angelegter

Anhang verzeichnet weitere Rezepturen (auf Fortführung

angelegt). – Auf dem Vorsatz 1877 datierter Schenkungsvermerk

von Adolph Oberdörffer, einem Hamburger Apotheker

und Sohn des Verfassers des „Codex medicamentarius

Hamburgensis“. – Innengelenke gebrochen, mehrere

Bl. der ersten Lage lose, anfänglich Wurmspuren im Rand

(geringer Buchstabenverlust), einzelne Stellen brüchig

durch Tintenfraß, etw. wasserrandig, stärker gebräunt und

fleckig. – Ausgeschiedenes Ex. der Staatsinstituts für angewandte

Botanik, Hamburg (mehrf. gestempelt).

26 „ARTZENEY BUECH 1746“. Deutsche Handschrift

auf Papier. 4°. 301 (recte 300) S., 2 weiße,

12 nn., 3 weiße Bl. = zus. 167 Bl. Läd. Pgt. d. Zt.

(160) 500,-

Zusammenstellung volksmedizinischer Rezepte, ökonomischer

Ratschläge und magisch-sympathetischer Mittel. Einfaches,

in recht gleichmäßiger Kurrentschrift von einer

Hand abgefaßtes Manuskript. Teils beruhen die Einträge

wohl auf traditionellem Wissen, wie es damals allgemein

mündlich oder in Ephemera in Umlauf befindlich war,

teils sind es Abschriften aus Publikationen vom Ende des

17. und vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Auf den ersten

45 Seiten finden sich in lockerer Abfolge Rezepturen für

„Ein Truckenes Schwaißbadt“, ein „Magen Säckl“, „Brust

Salben“, „Ein Köstliches Augen Waßer“, „Eine Salb Zumachen,

die Tödtet alle Würmb“, „Ein gewißes Mittl den

Kropf zuvertreiben“ und dergleichen Anweisungen mehr

gegen verschiedene Gebresten, darunter auch zahlreiche

Ratschläge für werdende Mütter, bei Geburtsschwierigkeiten

und für Krankheiten von Säuglingen und Kleinkindern

(Zahnen, Würmer, Engbrüstigkeit).

Unter der Überschrift „Oeconomicum“ folgen von S. 47-

168 (recte 167) sowohl haus- und landwirtschaftliche Eintragungen

– „Von die gefrier der Weinstöckh: und Nußbäumb“,

„Würckhung deß Zim(m)tes“, „Underscheidung

der Gartten Gewächße“ – wie weitere „Underschiedliche

approbierte Medicamenta“, darunter mehrere Empfehlungen,

wie man mit Kriegsverletzungen zu verfahren habe.

„Hundert: Acht und dreißig gantz Neu Entdeckte ge -

heimbnüße“ finden sich auf den Seiten 169-290 (recte 168-

289). Diese „Geheimnisse“ sind eine vollständige Abschrift

des 1722 bei Hagen in Frankfurt und Leipzig erschienenen

alchemistischen Traktats mit 138 magischen, spagy rischen,

sympathetischen und antipathetischen Kuren, betreffend

verschiedene Schmerzen, Liebeszauber, Schatzsuche

und viele andere Fälle des gesunden und kranken Lebens. –

Bibliographischer Nachweis für die Druckfassung: Brüning

3818.

Den Beschluß des individuell zusammengestellten Haus -

väterbuches bilden 11 Seiten mit Zusätzen, enthaltend Re -

zepte für die Zubereitung von Geheimtinte, verschiedene

Firnisse, Mittel gegen Wanzen und Flöhe, „arcanum Vor alle

Handschriften

Fieber“ und ähnliches mehr, dann das „Register“ überschriebene

Inhaltsverzeichnis und endlich auf 5 Seiten praktische

Hinweise für den Schmied zur Behandlung von Stahl

und Eisen.

Vorsatz gestempelt. Block verzogen, was ebenso wie einige

Fingerflecke und Unterstreichungen mit Rotstift im Register

auf ein vielbenutztes Gebrauchsbuch hinweist. Ansonsten

nur wenig fleckig; mäßig gebräunt. – Der Einband trägt

zwischen dem beriebenen, aber noch eindeutig lesbaren

Titel „Artzeney Buech“ und der Jahreszahl 1746 sechs Zeilen

in verblaßter, stark abgeriebener Kurrentschrift, von der

wohl einzelne Buchstaben erkennbar sind, aus denen sich

aber kein fortlaufender Text mehr erschließen läßt.

27 SCHRIFT – INITIAL-ALPHABET. Handschrift

auf Papier. Deutschland (oder Frankreich?) um

1750. Qu.-4°. 12 Bl. Mod. Pp. (50) 500,-

Musterbuch eines Schreibmeisters, vielleicht auch zur Vorlage

einer Stichfolge angefertigt. Enthält die besonders reich

kalligraphierten Buchstaben A bis Z ohne J, X und Y, also

23 Buchstaben, zu je zweien auf einer Tafel angeordnet, nur

Z steht allein. Den reich ausgeführten großen Zierbuchstaben

fast in voller Höhe des Blatts ist jeweils derselbe Buchstabe

klein und vereinfacht beigegeben. Vielleicht diente

dies der leichteren Identifizierung, doch konnten diese

Buchstaben auch als Muster einfacherer Initialen verwendet

werden. – Geschrieben in schwarzer Eisengalltinte auf

Papier mit Wasserzeichen der Elsässer Papierfabrik

Pasquay, datiert „en Alsace 1742“. – Mehrere Tafeln mit tls.

größeren Bruchstellen in der Darstellung infolge von Tintenfraß;

leichte Knickspuren, Tinte etw. durchschlagend,

leicht fleckig. – Siehe Abbildung Seite 1.

28 FIQH – Arabische Handschrift auf geglättetem

Papier. Zentralasien, wohl 2. Hälfte 18. Jhdt. Mit

einigen gezeichneten Tabellen. 243 nn. Bl. Einzelne

Hervorhebungen in Rot, Text von Kommentaren

umgeben. Ldr. d. Zt. mit ornamentaler

Deckelprägung (beschabt und bestoßen). (81)

400,-

In einer Naskhi-Variante vielleicht in Usbekistan abgefaßte

Gebrauchshandschrift des Fiqh. Diese Rechtssammlung

enthält die islamischen Vorschriften aus dem Koran, der

Sunna und weiteren Quellen, die zusammengetragen und

in Normen umgesetzt worden sind. Der Fiqh ist die auf

dem primären islamischen Recht basierende Wissenschaft,

die sich in verschiedenen Rechtsschulen entwickelt hat. –

Die Tabellen mit Übersichtsregistern; am Ende des Textes

eine Schlußformel. – Der Einband mit selten anzutreffendem

Kapitalschutz aus dem überstehenden Lederbezug des

Rückens, die Dublüren in Brokatpapier mit floraler Ornamentik.

– Erste und letzte Bl. mit leichten Randausbrüchen,

etw. gebräunt und fleckig.

29 MILITÄR – Sammlung von 6 deutschen Handschriften

auf Papier. Österreich, um 1760-83. Verschied.

Formate. Verschied. Einbände d. Zt.

(mäßige Gebrauchsspuren). (4) 1.200,-

Interessante Sammlung von Manuskripten zur Militär geschichte

des Habsburgerreiches in der Spätzeit Maria Theresias:


I. „Neu introducirtes Exercitium vor sammentlich kayserlich-königliche

Infanterie Regimenter“. Ca. 1760. 1 Bl.,

308 S., 2 Bl. (sowie mehrere weiße). – Auszug aus dem

Daunschen Reglement von 1749 in sauberer Kanzleischrift.

Am Ende jedes Kapitels der Namenszug „L(eopold)

J(oseph) v(on) Daun“.

II. „Neu-Verkürztes Exercitii Regulament deren sammentlichen

Kayserlichen Königlichen Infanterie Regimentern

nebst denen zerschiedenen Plans hinaus gegeben, den 1ten

Januarii des 1764. Jahres.“ Dat. 1764. 4°. Mit kalligraphiertem

Titel und 24 gefalt., in roter und schwarzer Tinte

gezeichneten Schemata. 160, 26 Bl.

III. „Regulament für die sammentliche Kay(ser)liche

Königliche Cavallerie“. Dat. Wien, 1. 7. 1769. 4°. Mit 4 ge -

falt. Plänen. 1 Bl., 690 S., 3 Bl.

IV. „Reglement für das Militär Fuhr-Wesen.“ Dat. Wien,

30. 10. 1776. Fol. Mit gefalt. gezeichneten und beikolor.

Plan. 1 Bl., 188 S. – Detaillierte Aufstellung in sauberer

Kanzleischrift. Die große Falttafel (37,4 x 55,5 cm) zeigt den

Plan eines Lagers „einer Fuhrwesens Compagnie von

200. Wägen“.

V. Kriegsjournal zum Bayerischen Erbfolgekrieg. 1778-83.

Fol. 124 S., 14 Bl. – Dokumentiert die Kriegshandlungen

zwischen Österreich und Preußen in Böhmen von April bis

Oktober 1778 (die österreichischen Truppen anfänglich

noch unter Befehl des Generals Laudon). – Als Anhang ein

Bericht über das „Manoeuvre der General Revue auf das

Jahr 1783“.

VI. „Grundsätze ueber die Richtung mit mehreren Bataillons

von dem F(eld)z(eug)m(ei)ster Grafen von Siskowitz

1782.“ Enthält die Abhandlung „Grundsatz zur Erhaltung

einer geraden Linie bey denen in Front-Marche vormarschirenden

Officirs“, vorangestellt ein „Extrait d'une lettre

de Prag d'allée du 12 fevrier 1783“. – Meist nur etw. ge -

bräunt und wenig fleckig, leichte Gebrauchsspuren. – Siehe

Abbildung.

Interesting collection of manuscripts to the military history

of the Habsburg empire in the late era of Maria Theresia. –

For the most part only slightly browned and hardly soiled,

slight signs of wear. – Collection of 6 German manuscripts on

paper. Austria, around 1760-83. Various formats. Various

contemporary bindings (minor signs of wear). – See illustration.

30 „KOCH-BUCH zusammengetragen von die

Maria Anna Reich 1761.“ Deutsche Handschrift

auf Papier. Bayern oder Österreich, 1761 (und später).

4°. 537 S. Hldr. d. Zt. (Schwanz etw. brüchig,

stark beschabt und bestoßen). (112) 500,-

Umfangreiches Kochbuch mit Rezepten für die Zubereitung

aller Arten von Speisen, wie sie in großbürgerlichen

oder adeligen Haushaltungen seinerzeit üblich waren,

darunter „rothe Krebs-Butter“, „Spanische Lemonade“ und

„Gefrohrne Schoccoladi“. Die Verwendung einiger Namen

weist eindeutig auf Altbayern oder Österreich hin (so z. B.

„Hollerhippen“ und „Marillen“). Die erste Verfasserin

(Köchin) wurde ab S. 227 von einer Nachfolgerin mit weit

feinerer Handschrift abgelöst; hier auch ein Bruch im Text,

obwohl die Paginierung durchläuft. Am Ende einzelne

(weit) spätere Ergänzungen von verschiedenen Händen. –

Vorsätze mit Wurmspuren, stellenw. leicht fleckig und ge -

bräunt.

Handschriften 13

Nr. 29

31 „GEBETT BUCH“. Deutsche Handschrift auf

Papier. O. O. 1782. Mit 17 mont. Kupfertafeln von

G. B. Göz. 1 Bl., 312 S. Ldr. d. Zt. mit reicher Vg.

(beschabt und bestoßen). (53) 150,-

Recht einfaches Gebetbuch mit Kalligraphie und wenigen

Schmuckleisten in roter und schwarzer Tusche. – Zu den

zusätzlich eingebundenen Illustrationen des Augsburgers

Kupferstechers Gottfried Bernhard Göz vgl. R. Wildmoser

in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte,

Jg. XIX, S. 147-284. – Fleckig, stellenw. wasserrandig und

tls. leicht gebräunt. – Beiliegt der erste Teil von Abrahams

à Santa Clara „Judas, der Ertz-Schelm“ (1710).

32 „ERSTE PROBE von Sophia Cath. Obermeyerin

ihres Alters 12. Jahr. Anno 1786“. Deutsche

Handschrift auf Papier. Qu.-Fol. (21 x 34 cm). Mit

Titel und historisierter Initiale in Deckfarben malerei.

8 Bl. Stark beschäd. Goldbrokatpapier-

Umschl. d. Zt. (68) 200,-

Meisterliche Schreibproben von der Hand eines Mädchens.

– Beiliegt ein zweites Heft im gleichen Format, von derselben

Schreiberin im Alter von 13 Jahren ausgeführt. Mit

gestochener Titelkartusche und gestochener Initiale (beides

altkoloriert). 8 Bl. – Ferner zwei weitere Schönschreibhefte

in Buntpapierumschlägen d. Zt., jeweils mit lithographierter

Titelkartusche, datiert 1833 und 1834.

33 LANGENAU – HÄNNEL – „Seiner Excellenz

dem Herrn Conferenzminister und wirklichen

Geheimenrathe Reichsgrafen von Langenau, bey

Gelegenheit hochdero Indroduction (sic!) in tiefer

Ehrfurcht gewidmet von August Gottfried Hän-


14

Nr. 33

nell, Dresden am 16. Sept. 1806.“ Deutsche Handschrift

auf Papier. Dresden 1806. 4°. Mit gezeichnetem

Frontisp. in Deckfarben und Tinte sowie

gezeichneter Kopfvign. 3 Bl. Etw. läd. Bunt papierbrosch.

d. Zt. (158) 200,-

Lobgedicht zur Einsetzung des Geheimrats Carl Wilhelm

Ludwig Graf von Langenau (1785-?). In Sachsen wurden

ausschließlich Personen aus dem Hochadel zum Geheimen

Rat, auch „Konferenzminster“ genannt, erhoben. – Der in

Dresden zwischen ca. 1790-1815 nachweisbare Beamte

August Gottfried Hännel ist als Verfasser einiger – zum Teil

sogar gedruckter – Lobgedichte und Oden auf verschiedene

Herrscher und hochgestellte Persönlichkeiten in Erscheinung

getreten. Das wohl von einem Dresdner Hofmaler

angefertigte Frontispiz zeigt eine Allegorie auf den Widmungsträger

mit farbigem ligierten Monogramm unter

einer Krone im Zentrum, darunter das ebenfalls farbige

Wappen der Langenau, umgeben von monochromen Personifikationen

der Tugenden. Vorne ein Genius mit einer

Ahnentafel. – Auf Papier mit Wasserzeichen „J Ruse 1802“.

– Etw. knittrig, leicht fingerfleckig. – Siehe Abbildung.

34 „VOLLSTÄNDIGES Gebethbuch für edeldenkende

Herzen“. Deutsche Handschrift auf Papier.

Günzburg 1806. Mit Frontisp. und Titel in Tuschfederzeichnung.

276 S., 4 Bl. Ldr. d. Zt. (starke Ge -

brauchsspuren). (83) 100,-

Sorgfältig geschriebenes Gebetbuch in Kurrentschrift, von

einer oder für eine fromme Christin. Der Schriftspiegel

einfach gefaßt, die Überschriften kalligraphisch schlicht

abgesetzt. Frontispiz und Titel mit hübschen Ekklesia-

Motiven, die Zeichnung auf dem Titel möglicherweise mit

der eigenhändigen Signatur des Künstlers „Karrer Aloysius“.

– Ecken tls. leicht schadhaft, etw. fleckig.

Handschriften

35 PHARMAKOPÖEN – „GESCHRIEBEN IN

DER APOTHEKE des verewigten Herrn Charles

Volpert in Weißenburg im Elsass im Jahr 1819.“

Deutsche Handschrift auf Papier. Weißenburg,

gegen 1819. 4°. 328 S. Pp. d. Zt. (beschabt und be -

stoßen). (112) 500,-

Sammlung von Apothekerrezepturen in klarer, gut lesbarer

Handschrift, die gegen Ende immer dichter und kleiner

wird. Laut Anmerkung auf dem Titelblatt abgefaßt von

einem Joh(ann) G(eorg) Fr(iedrich) Schäffer, der wohl als

Lehrling im Geschäft des Weißenburger Apothekers Carl

Friedrich Volpert (1766-1819) tätig gewesen ist und aus der

ihm zugänglichen Literatur abgeschrieben hat, darunter

Werke von Gren, Hermbstädt, Hahnemann und die

Preußische Pharmakopöe. – Handelt von Säuren, Salzen,

Quecksilber, Phosphor, Seifen etc. – Leicht gebräunt, wenig

fleckig.

36 DESTOUCHES – „Sept Nouvelles manuscrits“.

Französische Handschrift auf Papier. Bayern?,

1828. 4°. 250 tls. pag. Bl. (und einige weiße). Ldr.

d. Zt. mit Vergoldung (stärkere Gebrauchsspuren).

(54) 800,-

Reinschriften von sieben galanten Novellen, die wohl nie

im Druck erschienen. – Joseph Anton Destouches (1767-

1832), Regierungsrat in München und Mitglied der Bayerischen

Akademie der Wissenschaften, gehörte als Dichter

v. a. historischer Dramen dem Kreis um den Grafen Törring

an. – Datierung und Zuschreibung nach dem Eintrag

„J. A. Destouches – 1828“ unter dem Inhaltsverzeichnis auf

dem ersten Blatt verso. Enthalten sind: „Florimonde ou la

fille perdue et retrouvée“, „Le marquis de Cursac ou les

suites d'un duel“, „Dorigny ou la victime de la jalousie“,

„Caroline du Val Saint Germain“, „La fée simple“, „Elisca“

und „Taroun“. – In unterschiedlichen, jedoch immer sehr

sauberen Handschriften ausgeführt; die einzelnen Novellen

mit eigenem, teils kalligraphisch gestalteten Titelblatt. –

Stellenw. fleckig.

French manuscript on paper. – Fair copies of seven gallant

novellas probably never printed. – Executed in various but

always very clean handwritings; the different novellas with

own title-page partly in calligraphic form. – Soiling here and

there. – Contemporary calf with gilt interior edges, gilt back

and gilt on sides (stronger signs of wear).

37 BRIEFSTELLER eines Verwaltungsbeamten. Persische

Handschrift auf geglättetem Papier. Persien,

ca. 1830. 133 nn. Bl. Ldr. d. Zt. (stark be schabt und

bestoßen). (81) 400,-

Einfache, teils recht flüchtig abgefaßte Gebrauchshandschrift

in Nastaliq, ein sogenanntes „Inscha-Werk“, eine

Sammlung von Abschriften von Staats- und Geschäftsschreiben

als Briefsteller zur Vorlage für die Korrespondenz

im Verwaltungswesen, wohl von einem hohen Beamten des

Kadscharischen Reiches angelegt. – Die Anfänge in roter

Tinte hervorgehoben, zu Beginn, gewissermaßen als geistliche

Einleitung, eine Freitagspredigt. – Auf bläulichem

westlichen Papier mit Wasserzeichen. – Innengelenke ge -

brochen, Buchblock gelockert, Vorsätze etw. wasserrandig;

etw. fleckig und gebräunt.


Nr. 39

38 VENEDIG – „RACCOLTA DELLE BAN-

DIERE da Guerra e Mercantili degli Stemmi de'

Regni e delle Provincie soggette alla Repubblica di

Venezia“. Italienische Handschrift auf Papier.

Venedig, um 1830. Qu.-8°. Mit 28 Wappenminiaturen

in Deckfarben. 30 Bl. Rotes Ldr. d. Zt. mit

Vg. (Rücken beschäd.; beschabt und bestoßen). (4)

500,-

Zusammenstellung von Wappen des venezianischen Herrschaftskreises,

wenn auch in den meisten Fällen längst vergangener

Zeiten. Zwei Stempel des Magistrats auf dem Titel

und dem folgenden Blatt bezeugen die Authentizität, mit

Beischrift: „Esemplare autentico del Sigillo già usato da

Magistrati della Repubblica di Venezia“. – Unter den in

leuchtenden Deckfarben gemalten Miniaturen die Wappen

der Republik und der Stadt Venedig, zwei Varianten der

venezianischen Kriegs- sowie drei Varianten der Handelsflagge,

die Wappen der Provinzen Padua, Treviso, Belluno-

Cadore, Verona, Brescia, Vicenza, Feltre, Bergamo, Crema,

Friaul, Dalmatien und Albanien, Korfu, der Königreiche

Zypern, Morea und Candia sowie einiger Inseln. – Innengelenke

brüchig, ein Textbl. mit Klebestreifen fixiert, leicht

gebräunt, wenig fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 3.

39 DSCHAMI – Sammlung von religöser Dichtung.

Persische Handschrift auf geglättetem Papier. Zentralasien?,

um 1850. 218 nn. Bl. Text zweispaltig,

Handschriften 15

Überschriften in Rot, durchgehend blind regliert.

17 Zl. Ldr. d. Zt. mit ornamentaler Deckelprägung

(etw. beschabt und bestoßen). (81) 400,-

Sammlung aus den zahlreichen geistlichen Gedichten des

großen persischen Mystikers Dschami (1414-1492), abgefaßt

in Nastaliq. – Gleichmäßige Handschrift auf westlichem

Papier mit Wasserzeichen „1841“ (danach unsere

Datierung). – Wenig fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung.

40 „DIE RÄUBER.“ (Deckeltitel). Deutsche Handschrift

auf Papier. 2 Bde. München 1907/08. Fol.

Mit 2 gezeichneten Titeln, mont. Photographie

sowie vielen tls. ganzseit. Gouachen, Zeichnungen

und Collagen. 51 (recte 57) S.; 30 Bl. Lwd. d. Zt.

mit gepr. Deckeltiteln (angestaubt, berieben und

bestoßen). (72) 300,-

Das „humoristisch-satirische Geheimorgan des Kegelklubs

'Die Räuber'“, eine handgeschriebene, reich illustrierte

„Zeitschrift“ in ihren ersten beiden „Ausgaben“. Reizvoll

gestaltet in der Art satirischer Zeitschriften dieser Zeit,

mit launigen Geschichten über den Kegelclub, wohl überwiegend

von der Hand eines seiner Mitglieder namens

J. Schweitzer. – Leichte Gebrauchsspuren. – Siehe Abbildung

Tafel 4.


16

Nr. 72


Nr. 81

41 ALBUM AMICORUM – „DEM ANDENKEN

wahrer Freundschaft geheiligt“. Freundschafts album

eines Theologiestudenten mit Eintragungen

aus Altdorf, Nürnberg, Ansbach, Erlangen u. a.,

1782 – nach 1800. Qu.-8°. Mit ca. 40 Portr.-Silhouetten,

3 Zeichnungen und mont. altkolor.

Kupferstich. 352 S., 8 Bl. Ldr. d. Zt. mit Vg. (stark

beschabt und bestoßen). (106) 1.200,-

Im April 1782 in Altdorf angelegtes Freundschaftsalbum

von Georg Friedrich Rehm aus Leutershausen bei Ansbach,

der ab 1799 als Pfarrer in Laufen gewirkt hat. Das außer -

gewöhnlich umfangreiche Album aus der Studienzeit

Rehms enthält Eintragungen von Kommilitonen, Verwandten

und einigen seiner Schülerinnen. Von einzelnen

Ausnahmen abgesehen, fehlen hier die üblichen Miniaturen

und sonstigen Beigaben. Stattdessen wurden viele der Beiträge

mit Schattenrissen der im Profil porträtierten Einträger

versehen, meist in schwarzer Tinte eingemalt, manchmal

auch eingeklebt. Die studentischen Einträger waren

gewöhnlich Lizentiaten der evangelischen Theologie (abgekürzt

„d. G. G. L.“ [der Gottesgelehrtheit Licentiatus]),

Urkunden und Autographen

daneben auch der Medizin und Rechtswissenschaften; diese

hatten somit zur Zeit des Eintrags bereits sämtlich einen

akademischen Grad, ebenso der Eigner selbst, der einen

kurzen Abriß seiner Studienzeit auf dem vorderen Innendeckel

vermerkt hat. Die Einträge wurden von Rehm meist

mit Zusätzen über den weiteren Lebensweg versehen. –

Einige der Beiträger sind bekannte Persönlichkeiten, in der

Regel zumindest im Repetitorium Alborum Amicorum verzeichnet.

Darunter der Historiker und Publizist Karl Heinrich

(Ritter von) Lang (1764-1835; ADB XVII, 606-13), der

Nürnberger Historiker Christian Konrad Nopitsch (1759-

1838; ADB XXIV, 3), der Medizinalrat Joachim Heer -

wagen, der Theologe Johann Heinrich Dorfmüller, Verfasser

der „Hypomnemata“, Wolfgang Heinrich Puchta, der

Vater des Juristen Georg Friedrich Puchta, der Notar

Johann Peter Macco sowie ein Kantor „J. L. Schubarth“

(Beitrag mit fünftaktigem Notenzitat) und wohl noch einige

Unentdeckte. Manche der Beiträger stammen aus den alten

Nürnberger Patrizierfamilien der Tucher, Welser von

Neunhof, Oelhafen von Schöllenbach (Eintrag mit Porträt

von Carl Christoph, dem Verfasser des Werks über die

wilden Bäume), der Volckamer (drei Einträge, darunter

Amadée, letzterer in einem Zusatz des Eigners betrauert:

17


18

„Weinet, gute, edle Seelen ... Er starb den 29ten April, 1788.

alt 26. Jahr!“, weiterhin ein Freiherr von Heimersdorf. Am

Ende ein Beiträgerverzeichnis und ein gezeichneter Friedhof

mit zahlreichen Grabsteinen und Inschriften. – Titelblatt

geknickt, durchgehend gebräunt und fleckig. – Ein

Brief beiliegend.

42 – „AUS FREUNDSCHAFT“. Stammbuchkassette

einer Dame aus Freiwaldau im Sudetenland

mit Einträgen aus Freiwaldau und Dresden 1831-

48. Qu.-8°. Mit gezeichnetem Titel, 3 Stickbildchen

und Miniatur, zus. 6 Bl. (zahlr. leere beiliegend).

Lose in Pp.-Kassette d. Zt. mit reicher Vg.,

ornamentaler Prägung und zwei Deckeln mit zus.

3 mont. Blumenbildern (gering bestoßen) in zweiter,

schlichter Pp.-Kassette d. Zt. (leicht beschädigt).

(83) 150,-

Kleines Album in sehr dekorativer reliefgeprägter Kassette

mit grünem Lackdeckel. – Das früheste Einlageblatt von

einer Louise Puttrich aus Dresden (1831), sonst wohl alle

aus Freiwaldau, 1845-48. Die Miniatur mit Putto im Blumenkranz,

dazu drei schlichte Stickbildchen. – Geringe Ge -

brauchsspuren.

43 – SAMMELALBUM mit 26 Aquarellen, Deckfarbenbildern

und Zeichnungen sowie ca. 8 graphischen

Blättern des frühen und mittleren 19. Jhdts.,

zusammengestellt wohl um 1870. Meist auf Trägerkarton

mont. bzw. eingesteckt. Gr.-Qu.-Fol.

Ldr. d. Zt. mit 5 Messingbeschlägen auf dem Vorderdeckel

(berieben und bestoßen). (70) 500,-

Wahrscheinlich bald nach dem Krieg von 1866 zusammengestelltes

Album einer Familie aus Preußen mit Miniaturen,

Zeichnungen und einigen graphischen Blättern. Am Anfang

ein kleines Porträt eines Uniformierten mit zwei Kindern

(Deckfarben, um 1830), später in Bleistift bezeichnet „Carl

von Winterberger mit Alexander und Ellen“, wahrscheinlich

ein Vorfahr des Albumeigners. – Die stilistisch sehr

unterschiedlichen Darstellungen sind teils von beachtlicher

Qualität, jedoch fast alle unbezeichnet und nicht datiert.

Darunter: Zwei kleine Seebilder, ein blumenbewachsenes

Grab mit Blütenkranz in Form einer Lyra, fünf kleine Deckfarbenbilder

(eines signiert: „f. A. Schultze“, ca. 1830/40) mit

Kostüm- und Uniformdarstellungen (Entwürfen für ein

Kartenspiel?), vier kleine Karikaturen (Jungen und Mädchen

mit Regenschirmen im Wind, zweite Hälfte 19. Jahrhundert),

drei Aquarelle mit Grotesken, zwei beachtliche

Deckfarbenbilder mit italienischen Frauen in Volkstracht

(mittleres 19. Jahrhundert) sowie zwölf sehr sauber und

präzise ausgeführte Pflanzendarstellungen, alle monogrammiert

„M. G.“ und datiert 1855-61. Unter den Federzeichnungen

eine italienische Landschaft mit Stadtansicht, be -

zeichnet „Bologna März 1814“, und eine hügelige Landschaft

mit Burgruine, ebenfalls wohl frühes 19. Jhdt. Von den graphischen

Blättern erwähnenswert eine altkolorierte Lithographie

mit Eiweißhöhung (Landschaft) und acht lithographierte

Karten mit kleinen altkolorierten Darstellungen im

Rund von Schlachten des Deutschen Krieges 1866. Anstelle

eines Tites am Anfang des Albums die Initialen des Eigners

„MH“ (?) in Form einer Kreuzigungsdarstellung mit den

Arma Christi in Anlehnung an spätmittelalterliche englische

Buchmalerei; in dieser Form auch ein kalligraphiertes

Blatt (lose) mit großer floraler Initiale (Text aus Psalm 91).

Weiterhin enthalten drei Photoabzüge, darunter ein Grup-

Urkunden und Autographen

penporträt der Familie des Kronprinzen von Preußen und

ein „Gedenk-Blatt 1866“ – Einige Darstellungen auf festem

J. Whatman-Papier mit Datum 1860. – Vorderes Innen -

gelenk gebrochen, einige Tafeln lose, mäßige Gebrauchsspuren.

– Siehe Abbildung Tafel 4.

44 – „ALBUM“ (Deckeltitel). Freundschaftsalbum

einer Marie Buchhierl aus Berchtesgaden. Mit ca.

40 Eintragungen aus Berchtesgaden, Wolfratshausen,

München, Altötting und Dorfen, 1872-82.

Qu.-4°. Mit 2 eingemalten Initialen in Deckfarben,

zahlr. mont. Chromolithogr. und gouachierter

Lithogr. 69 Bl. Grünes Ldr. d. Zt. mit blind- und

goldgepr. Deckeln (etw. beschabt und bestoßen).

(70) 300,-

Hübsches, typisches Damenalbum des späten 19. Jahrhunderts

mit meist fein kalligraphierten Einträgen und

Blumenbildchen. Darunter ein bedeutender Beitrag, ein

vollständiges Musikmanuskript mit 24 Takten des „Offer -

toriums aus der III. deutschen Messe“ von Johann Nepomuk

Mösmang (1813-1880), einem in Altötting tätigen

Bezirksamtmann und Komponisten, der ein Onkel der

Stammbucheignerin war. Die in D-Dur notierte Kompostion

ist für Solosopran, Streicher, Hörner und Orgel gesetzt.

Die Widmung mit Datierung Altötting, 20. 4. 1878. – Die

Lithographie mit einer Ansicht des Dorfes Ramsau bei

Berchtesgaden in schönem, leuchtenden Kolorit (ca. 12,5 x

19,5 cm). – Leicht fleckig und gebräunt. – 14 Blätter beiliegend,

darunter drei Stickbildchen, mehrere Blumenaquarelle

und eine gezeichnete Ansicht der Isar von der Großhesseloher

Brücke aus, datiert 1886.

45 – WIDMUNGEN UND AUTOGRAMME –

Ca. 120 Eintragungen, Signaturen und Photos von

Musikern, Komponisten und Dirigenten für Erich

Keller. München 1951-81. 4°. Lwd. d. Zt. (127)

400,-

Ein Querschnitt durch 30 Jahre Münchener Konzertlebens

mit Beiträgen nahezu aller bedeutenden Interpreten, die in

dieser Zeit in der Stadt gastierten, und vieler Komponisten.

Der Eigner, Erich Keller (1918-2010), gehörte als Konzertmeister,

Komponist und Dirigent sowie Gründer des

„Keller-Quartetts“ selbst zu den wichtigsten Musikern

Münchens. Unter den Beiträgern sei hier nur eine kleine

Auswahl der Komponisten angeführt: Carl Orff (mit

Photo), Karl Amadeus Hartmann (mit Photo), Paul Hin -

demith, Olivier Messien und Igor Strawinsky (mit Photo).

– Einträgerliste beiliegend. – Leichte Gebrauchsspuren.

46 KERNER – ALBUMBLATT mit einem mont.

lithogr. Portr. von Justinus Kerner und einem

e. und sign. Vierzeiler auf einem Karton. (Blattgr.:

20 x 16,5 cm). Dat. Badenweiler 31. 7. 1851. 1 Bl.

(150) 600,-

Die Porträtlithographie, von Kerners Tochter Marie angefertigt,

zeigt Kerner im Profil, in einem Stuhl sitzend, seine

Hände auf einen Stock gestützt. Mit Kerners Vermerk am

oberen Bildrand: „Diß soll ich seyn, ich weiß es nicht, /

Getroffen ist nicht mein Gesicht, / getroffen aber ist der

Rok / des Körpers Haltung und der Stock.“ – „Nach 1850

ging Kerner wiederholt mit seiner Frau auf kürzere Reisen

und besuchte wie auch schon früher wegen ihrer und sei-


ner körperlichen Leiden die Bäder in Badenweiler und

Lichtenthal“ (Grüsser, Justinus Kerner, 314). – Geringe

Randläsuren, recto mit Leim-, verso mit alten Montage spuren.

– Siehe Abbildung.

47 BACHEM, BELE, Zeichnerin (1916-2005). 11

e. Postkarten mit U. Verschied. Orte, um 1970.

(68) 300,-

An Prof. Robert Bloch und seine Gattin Erika in München.

– Ansichtskarten von verschiedenen Orten der Welt, bereist

nach dem Motto: „Alles ist so entsetzlich in der Welt, so

niederdrückend, daß man es nicht versäumen sollte – so

lange es noch geht – sich es schön zu machen“ (Karte aus

Pompeji). – Zwei der Karten mit Bildmotiv der Künstlerin

(bürgerlich: Renate Gabriele Böhmer). – Gebrauchsspuren.

– Beiliegend zwei Porträtphotos der Bachem, eines davon

signiert, und ein Blatt mit e. Notizen zu einer Zeitungs kritik.

– Weitere Beilagen.

48 „BERNARDUS SILVESTRIS de cura et gubernatione

rei familiaris ad Raymundum militem“.

Lateinische Handschrift auf Papier. Italien?, um

1450. 4° (20 x 15,5 cm). 3 Bl. 22-24 Zl. Umschl.

d. 19. Jhdts. (69) 1.000,-

In sauberer gotischer Bastarda angefertigte Abschrift der

„Epistola super gubernatione rei familiaris“, des auch Bernhard

von Clairvaux zugeschriebenen Werks, das die Grundsätze

einer sittlichen und klugen Führung des Hauswesens

behandelt. Unsere Handschrift könnte aus dem italienischen

Raum stammen, da in den dort gedruckten Inkunabelausgaben

(GW 3967, 3968, 3972-3974, 3977) Bernardus

Silvestris, nicht wie sonst Bernhard von Clairvaux, als Verfasser

genannt wird. Zu Bernardus Silvestris vgl. LThK II,

208. Die in mehr als 20 Inkunabelausgaben überlieferte

Schrift wurde in deutscher Übersetzung unter dem Titel

„Lehre vom Haushaben“ bekannt. – Das letzte Bl. mit kleinem,

hinterlegten Randeinriß, etw. fleckig.

Transcript of the „Epistola super gubernatione rei familiaris“,

work also ascribed to Bernhard von Clairvaux, which

deals with the principles of a moral and intelligent guidance

in domestic themes. – Last leaf with small backed marginal

tear, a little soiled. – Wrappers of the 19th century.

49 BORCHARDT, H., Schriftsteller (1888-1951).

Sammlung von ca. 150 meist e. Briefen des deutschen

Publizisten Hermann Borchardt und ca.

20 Schreiben seiner Frau und seiner Kinder. New

York 1939-1943. Zus. ca. 400 S. In Klarsicht hüllen

in 5 Ordnern. (73) 3.000,-

Umfangreicher Teilnachlaß von Briefen und einigen wenigen

Postkarten Borchardts an den im Hotel Ambassador in

New York residierenden Journalisten und Impresario

Rudolf K. Kommer (1886-1943). Größtenteils über die in

Arbeit oder Umarbeitung befindlichen Texte Borchardts,

deren Übersetzung ins Englische, mögliche Aufführungen

seiner Stücke vor amerikanischem Publikum und dafür zu

überwindende Schwierigkeiten. Daneben über die teils

bedrückenden Geldsorgen der Familie, über Borchardts

Gesundheit, eine Ohroperation des seit Jahren stark

Schwerhörigen, Dank für Zuwendungen und kleine Honorare,

den Stand der Auseinandersetzungen in der Causa

Toller (der ein Stück von ihm gestohlen habe) und Gedanken

zur weltpolitischen Lage.

Urkunden und Autographen 19

Nr. 46

Hermann Joelsohn, wie er bis 1925 hieß, als er den mütterlichen

Nachnamen Borchardt annahm, emigrierte 1933 erst

nach Paris, später nach Minsk, kehrte aber 1936 nach

Deutschland zurück, weil er die von ihm geforderte An -

nahme der sowjetischen Staatsbürgerschaft ablehnte. Nach

Stationen in den Konzentrationslagern Oranienburg, Sachsenhausen

und Dachau gelang Borchardt mit seiner Familie

die Emigration in die USA. Im zweiten Jahr in seiner

neuen „Heimat“ beginnt der Briefwechsel mit Kommer,

von dem jedoch keiner der Gegenbriefe vorliegt, sondern

nur die Schreiben von Borchardts Hand. – Kommer, ebenfalls

Jude, stammte aus Czernowitz, war seit den zwanziger

Jahren Max Reinhardts Repräsentant für Theateraufführungen

in den USA und lebte bereits ab 1933 ständig in

New York, und zwar im nicht billigen Hotel Ambassador

in Manhattan (was auf Kommers finanzielle Verhältnisse

schließen läßt und sicher auch – auch – ein Grund für Bor -

chardts „dankbar ergebene“ häufige Schreiben war).

Borchardts Nachlaß befindet sich in der Deutschen Nationalbibliothek

und wird durch das hier vorliegende umfangreiche

Teilstück für die Jahre im amerikanischen Exil dicht

ergänzt: das erste Schreiben datiert vom 6. Januar 1939,

das letzte vom 1. Januar 1943; wenige Wochen später, am

28. März, ist Kommer gestorben. – Vielen Schreiben liegen

die Umschläge bei; alle Briefe mit kurzen maschinen geschriebenen,

auf die Klarsichthüllen mont. inhaltlichen

Zusammenfassungen. – Insgesamt wohlerhaltenes Dokument

der jüdischen Emigration.

Collection of ca. 150 mostly personal letters by the German

publicist Hermann Borchardt and ca. 20 letters of his wife

and children. – Extensive partial estate of letters and a few

postcards by Borchardt to the journalist and impresario

Rudolf K. Kommer (1886-1943) residing in the Ambassador

hotel at New York. For the most part texts by Borchardt to

be adapted or modified, their translation into English,

possible performances of his plays before an American

audience and the difficulties to overcome. – Altogether well

preserved document of Jewish emigration. – In plastic

pockets in 5 folders.


20

Nr. 56

50 CANETTI, E., Schriftsteller (1905-1994). E. Widmung

mit U. Dat. Paris, 23. 3. 1966. – Auf dem

Reihentitel von: DERS., Masse et puissance.

(Paris), Gallimard, (1966). 526 S., 1 Bl. Orig.-

Brosch. (leicht angeschmutzt und berieben). – An

den Verlagsleiter Herbert G. Göpfert (1907-2007).

(61) 150,-

Anonymität gelüftet

51 CHLADNI, E. F. F., Physiker (1756-1827).

E. Brief mit U. Dat. Wittenberg 7. 12. 1800.

1 S. – Doppelblatt mit rückseit. Registraturvermerk.

(59) 500,-

Schreiben des „Schöpfers der experimentellen Akustik“

(MGG) an seinen Verlag Breitkopf und Härtel (nicht

erwähnt, aber zweifelsfrei zu erschließen) bezüglich der

Veröffentlichung zweier Artikel in der „Allgemeinen musikalischen

Zeitung“. Übersendet eine von ihm verfaßte

Rezension zum Werk des Freiherrn von Dalberg, das im

selben Jahr erschienen war. Die Rezension müsse unter

Chladnis Namen erscheinen, da er sich darin auf andere

Literatur beziehe. Er hat sich damit nicht durchsetzen können,

die Rezension wurde in Bd. III (1801), Sp. 196-200,

anonym abgedruckt, der Urheber ist hiermit ermittelt. – Bei

dem zweiten Artikel handelt es sich um den im selben Jahrgang

abgedruckten Aufsatz „Ueber die wahre Ursache des

Consonirens und Dissonirens“ (Sp. 337-343 und 353-359).

Dieser solle später als die Rezension erscheinen und könne

Urkunden und Autographen

auf Grund seiner Länge geteilt werden. – Verspricht, die

Rezension über Grétrys „Versuche über die Musik“ bald

zu schicken (diese erschien wiederum anonoym in Bd. IV,

1802, 297-310, und ist hiermit gleichfalls als Schrift Chladnis

belegt). – Kündigt weitere Aufsätze an. – Leichte Knickspuren,

wenig gebräunt.

52 CREUZER, G. F., (1771-1858, deutscher Philologe).

E. Brief mit U. Dat. Heidelberg 22. 8. 1832.

4°. 1 S. – Doppelblatt mit rückseitiger Adresse.

(59) 250,-

An Ludwig Christian Zimmermann, Konrektor des Darmstädter

Gymnasiums, Sohn des Pädagogen Johann Georg

Zimmermann (1754-1829; ADB XLV, 277). – Anwort auf

ein Schreiben Zimmermanns: Erstens stehe er mit den badischen

Schulanstalten in keiner Verbindung; zweitens empfehle

er „die Sendung der lateinischen Rezensionen nach

Holland“ an den Leidener Altphilologen Frederik Hendrik

Lodewijk Donckermann (1785-1866) zu schicken; drittens

biete er an, den 1832 erschienenen Plotinus des Regensburger

Lyzealprofessors Georg Anton Heigl (1781-1858) zu

rezensieren, sobald das Buch im Handel sei. Berichtet weiterhin

über die Arbeiten an seinem Werk zur Geschichte

der Philologie und andere Vorhaben. – Oberer Rand mit

Ausschnitt, leichte Faltspuren, gebräunt.

53 DUMAS, A. (FILS), Schriftsteller (1824-1895).

E. Brief mit U. Marly-le-Roy, undatiert (ca. 1880).

1 S. (138) 150,-

An einen „mon cher Roger“ Angesprochenen, ein Kommissionsgeschäft

betreffend. – Beiliegend zwei e. Brieffragmente

mit U. von Dumas d. J. (undatiert).

54 ERNST, Erzherzog von Österreich und Statt -

halter der Niederlande (1553-1595). Lateinischer

Brief auf Pergament mit e. U. Prag, 28. 6. 1593.

Blattgr.: 37,5 x 37,5 cm. 1/2 S. – Verso Adresse

(ohne das Siegel). (69) 800,-

An Papst Clemens VIII. – Ernst bittet um die Ernennung

zum Generalstatthalter der Spanischen Niederlande und

berichtet von den Vorbereitungen für die Reise nach Brüssel.

– Während seiner kurzen Regierungszeit als Statthalter

der Niederlande erwarb Ernst, der Bruder Rudolfs II.,

Gemälde von Pieter Breughel, die heute zu den Schätzen

des Kunsthistorischen Museums in Wien gehören. – Gefaltet,

etw. knittrig, mit Wachsspuren des fehlenden Siegels.

55 FRIEDRICH III., Markgraf von Brandenburg-

Bayreuth (1711-1763). E. Brief mit U. Dat. Bayreuth

11. 8. 1760. 4°. 1 1/2 S. – Doppelbl. Mont.

in mod. Archiv-Umschlag. (59) 300,-

An den Herzog Carl Eugen von Württemberg gerichtetes

Schreiben (erschlossen, Adressat nicht genannt) im Zusammenhang

der Verhandlungen über die Trennung der Tochter

des Markgrafen, Elisabeth Friederike Sophie, von Carl

Eugen. Beide führten eine unglückliche Ehe, und Elisabeth

Friederike lebte seit 1756 getrennt von ihm wieder in

Bayreuth. Seit 1759 waren Verhandlungen im Gange, die

schließlich in die Vereinbarung mündeten, die Ehe solle

trotz räumlicher Trennung nicht geschieden werden.

Der Markgraf reagierte in dem vorliegenden inoffiziellen


Schreiben offenbar auf neue Vorschläge des Herzogs:

„La Duchesse ma fille, très sensible aux bon Conseils que

Votre Altesse Lui a donnée dans son entreprise m'en a fait

part, je partage d'autant plus volontiers la juste reconnoissance,

que la Sagesse et bonté avec laquelle Vous avez voulu

vous exprimer à Son egard me sont des nouveaux garants

de Votre amitié que je rechercherai Sans interuption, avec

tout L'empressement possible, je vous prie de continuer

à ma fille, dans l'occasion vos bons offices, et d'être persuadé

que je suis avec la consideration et l'estime la plus parfaite,

Monsieur, de Vôtre Altesse le très-humble serviteur ami et

voisin, Frederic.“ – Faltspuren, etw. knittrig, etw. gebräunt

und fleckig.

„Und die Quellen fließen immer reicher“

56 GRIMM, J., Germanist (1785-1863). E. Brief mit

U. Dat. O. O. (Berlin) 6. 3. 1851. 1 1/2 S. – Doppelblatt

mit rückseitiger Adresse, gesiegelt. (123)

2.000,-

An den Germanisten Johann Wilhelm Wolf (1817-1855) in

Jugenheim an der Bergstraße. – Bedankt sich für die Zusendung

des ersten Hefts der von Wolf edierten „Hessischen

Sagen“, die bis 1853 in Lieferungen erschienen sind. Als

Dank werde ihm „die neuste Ausgabe unsrer Kinder märchen,

von meinem Bruder mit einer ausführlichen Ab handlung

ausgestattet, ... durch Buchhändlergelegenheit

zugehn.“ Bedankt sich weiterhin für die Absicht Wolfs, ihm

Beiträge in der Zeitschrift „Deutsche Mythologie“ widmen

zu wollen, und kündigt die dritte Auflage seines vergriffenen

Buches gleichen Titels an (1854 in Göttingen erschienen),

„wobei denn auch oft aus Ihren Sammlungen und

Erörterungen zu schöpfen ist. Und die Quellen fließen

immer reicher.“ Erwähnt als Beispiel die neue Ausgabe der

„Norwegischen Volksmärchen“ von Asbjørnsen und Moe.

„Dort liegen alle Steine noch fester gefügt als bei uns.“ –

Siegelausschnitt, etw. knittrig, fleckig und gebräunt. – Siehe

Abbildung.

57 GRIMM, W., Germanist (1786-1859). E. Brief mit

U. Dat. Berlin 1. 5. 1853. 3/4 S. – Doppelblatt.

(123) 1.500,-

An den Germanisten Johann Wilhelm Wolf (1817-1855;

nicht genannt, erschlossen). – Bedankt sich für die Zusendung

der von Wolf herausgegebenen „Hessischen Sagen“,

die 1853 erschienen sind, und wünscht seinem „neuen

Unternehmen ein glückliches Gedeihen“ (wohl der ab 1853

erschienenen „Zeitschrift für deutsche Mythologie und

Sittenkunde“). Wolf hatte Grimm offenbar um Beiträge

dafür gebeten, die dieser aber ablehnt, „so sehr ich auch

Lust dazu hätte“, denn „die Arbeit an dem Wörterbuch und

die Abhandlungen für die Akademie, die keinen Aufschub

gestatten, fesseln mich sosehr daß ich mich in dieser Zeit auf

andere Dinge nicht einlassen darf ...“ Verweist ihn statt -

dessen auf Karl Viktor Müllenhoff (1818-1884), der „eine

reiche Sammlung von abweichenden Erzählungen der von

ihm bekannt gemachten Märchen“ habe. – Rechter Rand

mit Rostspur, unten leicht fleckig.

58 HANSI (d. i. J.-J. WALTZ), Illustrator. Sammlung

von 7 Autographen. Ca. 1945-48. (14) 250,-

Schreiben und Widmungen an Mme. Steinel und ihren Gatten,

den Vorsitzenden der Anwaltskammer in Mühlhausen:

Urkunden und Autographen 21

Sechs Postkarten mit gedruckten Illustrationen des Künstlers,

davon zwei mit längerem eigenhändigen Schreiben mit

Unterschrift auf der Rückseite, drei mit kürzeren Widmungen

mit Unterschrift, eine weitere nur signiert. Die

Illustrationen teils vom Künstler selbst beikoloriert, eine

Zeichnung ergänzt (Blumen).

Widmung mit halbseitiger Deckfarbenzeichnung (die Widmungsträger

beim Wandern), datiert Colmar, 12. 9. 1947. –

Auf dem Vorsatz der Neuausgabe von Professor Knatschke,

Paris 1947. – Elf gedruckte, unbeschriftete und ungelaufene

Postkarten mit Motiven des Künstlers sowie Monographie

beiliegend. – Leichte Gebrauchsspuren.

59 HARRISSE, H., Historiker (1829-1910). Sammlung

von 4 von verschied. Verfassern stammenden

gedruckten Kleinschriften und 5 für Harrisse

angefertigten Abschriften von Handschriften oder

abgelegener Literatur mit beigefügter Korrespondenz

der Verfasser bzw. Abschreiber und e. hs.

Anmerkungen Harrisses. 1882-90. Meist Fol. Verschied.

Einbände d. Zt. (leichte Gebrauchsspuren).

(21) 400,-

Für seine historischen und bibliographischen Studien und

Forschungsarbeiten hatte Henry Harrisse, der „historian of

the discovery of America“ (DAB XI, 374), eine umfangreiche

Sammlung einschlägiger Literatur zusammengetragen,

die nach seinem Tod zerstreut wurde. Vorliegend 9 Texte

aus der Bibliothek von Harrisse, gedruckt oder als Ab -

schriften von Drucken und Handschriften angefertigt, zum

Leben und zur Herkunft von Kolumbus, angereichert nicht

nur mit den Originalbriefen von Harrisses auswärtigen Helfern,

sondern vor allem mit zahlr. und teils sehr umfangreichen

Bemerkungen von Harrisse selbst, für deren Art und

Qualität uneingeschränkt gilt, was Adams über das Handexemplar

der Bibliotheca Americana vetustissima von

Harrisse gesagt hat (DSB XI, 375): „Anyone interested in

Harrisse should examine his personal copy of that book

(now at the Library of Congress), almost every page of

which is filled with corrections, additions, and marginalia

in his exquisite handwriting.“ – Alle Bde. tragen den e. Be -

sitzvermerk von Harrisse.

For his historical and bibliographic studies and research

works, Henry Harrisse, the „historian of the discovery of

America“ (DAB XI, 374), had compiled an extensive

collection of relevant literature which was scattered after his

death. Here are 9 texts from the library of Harrisse, printed

or transcripts of printings and manuscripts, of the life and

origin of Columbus, enriched not only with the original

letters of Harrisse's helpers from outside, but especially with

numerous and partly very extensive comments by Harrisse

himself. – All the volumes with the personal ownership entry

of Harrisse. – Various contemporary bindings (light signs of

wear).

60 HESSE, H., Schriftsteller (1877-1962). Masch.

Brief mit e. U. und e. Aquarell. (Montagnola

1919). 3 1/4 S. – Doppelblatt. (129) 600,-

An seinen Freund Geheeb: „Mir ist das schwäbische Land,

wo ich 1916 zuletzt zum Begräbnis meines Vaters war, sehr

fremd geworden, doch habe ich viel wunderschöne Erinnerungen

daran ... Gearbeitet habe ich viel, es kommen nächstens

meine ersten neuen Arbeiten heraus, wesentlich anders

als meine frühern ... Ich lebe hier völlig allein, meine Frau


22

(von der ich noch nicht geschieden bin, leider), ist seit

7 Wochen zum zweitenmal in einer Anstalt, die beiden

ältern Buben sollen bald in eine deutsche Schule kommen,

da ich sie hier nicht mehr durchbringe (die Mark ist noch

11 oder 10 Rappen wert). Dabei sitzen die eleganten Hotels

in Lugano voll von deutschen Schiebern, die in wohlgeheizten

Räumen üppig fressen ... Das [sic] von den Freunden

aus der alten, prähistorischen Zeit noch einige da sind,

wie Du (übrigens auch Sieck), das ist tröstlich.“

61 – Masch. Brief mit e. U. und e. Aquarell. Mon -

tagnola 27. 6. 1923. 2 1/4 S. – Doppelblatt. (158)

250,-

An den befreundeten Arzt J. Markwalder mit Mitteilungen

über seine fragile Gesundheit: „Wenn ich an Baden denke,

seh ich noch immer Sie und Ihre Frau im Wagen sitzen, mit

dem Abt, und winken. Ich war mit meiner Ischias und meinen

83 Jahren ein etwas fader Gast für Sie, aber meinerseits

denke ich an Baden und Sie mit Freude und Dankbarkeit.

Es gibt gar nicht so viele Menschen, mit denen man rasch

auf einen ersprießlichen und genießbaren Ton kommt ...“ –

Siehe Abbildung Tafel 4.

62 – Masch. Gedicht mit e. Nachschrift (Grußadres -

se) und U. Dat. (Montagnola) 1937/1942. 1 S. –

E. adressiertes Kuvert beiliegend. (138) 300,-

Abschrift des im Januar 1937 im Zusammenhang mit dem

Roman „Das Glasperlenspiel“ entstandenen Gedichts

„Seifenblasen“ (Mileck II, V-D 190) auf der Rückseite eines

Kalenderblatts von 1935 (hier bereits mit Untertitel „Noch

ein Gedicht von Josef Knecht“). Darunter die Notiz „ge -

schrieben 14/16. I. 1937“ sowie Grüße an den Adressaten.

Das Gedicht ist am 14. Januar 1937 entstanden; mehrere in

den folgenden Tagen entstandene Typoskripte mit leicht

abweichenden Fassungen sind erhalten. Unser Typoskript

ist ein Durchschlag mit Korrekturen: In der ersten Zeile der

ersten Strophe ein überschriebener Tippfehler, in der letzten

Zeile der zweiten Strophe die Änderung „genial'scher“ statt

„genialischer“, jeweils handschriftlich ausgeführt. – Um -

schlag mit der Adresse „Karl Bahrs, Chemnitz“ und Poststempel

von 1942. – Falz etw. eingerissen. – Beiliegend ein

typographischer Gruß auf der Broschüre „Danksagung und

moralisierende Betrachtung“ (1946), monogrammiert „H.“

und hs. Notiz „an Peter Suhrkamp geben“, ein Porträt -

photo Hesses, e. monogrammiert „HH“ und dat. 1955,

sowie ein Umschlag, adressiert an Alfred Gramer.

63 HITLER, A., deutscher Reichskanzler (1889-

1945). E. Gruß an eine Dame auf vorgedruckter

Weihnachtskarte mit e. U. Ohne Ort und Dat.

(ca. 1935/40). 8 x 13,8 cm. (12) 400,-

An eine Dame, der Vordruck „Fröhliche Weihnachten!“

eigenhändig ergänzt: „auch dem verehrten Herrn Gemahl

wünsche ergebenst Adolf Hitler“. – Rückseitig kleine Montagespur;

gering gebräunt.

64 JOSEPH I., römisch-deutscher Kaiser (1678-

1711). Libell mit e. U. Deutsche Urkunde auf Pergament.

Dat. Wien 14. 1. 1711. Fol. 18 Bl. Etw. läd.

goldgepr. Pgt. d. Zt. (100) 800,-

Urkunden und Autographen

Handwerksordnung für Schuhmacher in der fürstlich

Liechtensteinschen Stadt Grumberg (Pothesi) in Mähren,

20 Punkte umfassend. – Mit eigenhändiger Gegenzeichnung

von Graf Johann Wenzel Wratislaw. – Dekorativer Einband

mit vegetabilen Bordürenrahmen und Doppeladler auf

beiden Deckeln. – Block vom Einband gelöst, Vorsatz

mit montierter zeitgenössischer Gouache auf Pergament

mit einer Darstellung der Ermordung Abels durch Kain

(24 x 16 cm; Rand berieben), ohne das Siegel.

65 JOSEPH II., römisch-deutscher Kaiser (1741-

1790). Adelsbrief mit e. U. Deutsche Urkunde auf

Pergament. Wien, 5. 4. 1784. Blattgr.: ca. 36 x 27

cm. Mit ganzseit. gouachierter Wappenminiatur

(ca. 26 x 16,3 cm) und einigen kalligraphierten

Kopfzeilen. 8 Bl. Beschäd. Samt d. Zt. (4) 500,-

Erhebung des „kursächsisch wirklichen geheimen Finanz-

Raths“ Johann Georg Spillner in den Adelsstand. – Kanzleiunterschriften

des Fürsten Colloredo und Franz Georg

von Leykams. – Siegel fehlt, Bindung gelockert, Ränder

gering fleckig. – Siehe Abbildung Tafel 5.

66 KLABUND, Schriftsteller (1890-1928). Sammlung

von 13 Briefen, 6 Postkarten und 5 Gedichtmanuskripten,

jeweils e. und mit U., sowie 7 S.

e. Notizen. Zürich, Locarno u. a. 1917-23. Zus.

ca. 40 S. (68) 3.000,-

Ein Teil der umfang- und aufschlußreichen Korrespondenz

mit dem Arzt Dr. Ernst Levy aus Davos (zu dieser Zeit in

Berlin) mit Schwerpunkt auf dem Jahr 1917. Levy verehrte

und förderte Klabund (bürgerlich A. Henschke) und war

sein Ratgeber in gesundheitlichen Fragen. Beide hatten

während der häufigen Kuraufenthalte Klabunds ein herz -

liches freundschaftliches Verhältnis entwickelt, so daß

Klabund Levy auch persönliche Dinge anvertraute, die

seine Weltsicht und das Schaffen betreffen. In den Jahren

1917-23 hatte Klabund seine kraftvollste und produktivste

Schaffensphase.

Vier Manuskripte zu Gedichten der Sammlung „Irene oder

die Gesinnung“, die 1918 im Druck erschienen ist (alle

eigenhändig und signiert, aber undatiert): „Häuser stürzten

schräg“, „Mich umwölket der Haß“, „Um den alten Turm“

und „Wenn ich gehe zu Gott“. Ferner ein Gedichtmanuskript

(als Brief): „Sie schrieben, lieber Freund, mir einige

Strophen ...“, datiert 4. 9. 1917, mit zwei Zeilen signierter

Nachschrift (wohl unveröffentlicht).

13 Briefe, alle aus dem Jahr 1917: Zürich 9. 7. (2 S. auf

Einzelblättern), 20. 7. (4 S. auf Einzelblättern), 8. 8. (3 S. auf

Einzelbättern), 14. 8. (1 S.); Locarno 9. 3. (1 S., Doppelblatt),

5. 4. (2 S. auf Einzelblättern), 27. 10. (1 S.) und 27. 11.

(2 1/2 S., Doppelblatt); Lugano 14. 11. (1 1/2 S., Doppelblatt);

Basel 7. 12. (1 1/2 S.), 16. 12. (1 S. ) und 18. 12. (2 S.)

– Weiterhin ein Schreiben vom 17. 2. von Irene (Brunhilde)

Heberle, seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau, mit

Nachschrift von Klabund.

6 Postkarten, datiert (Poststempel): 2. 11. 1918 (mit Trauerrand,

berichtet über Klinikaufenthalt), 22. 8. 1921 (bittet

Levy, die Zeichnung von Oppenheimer zwecks Reproduktion

an den Reclam-Verlag in Leipzig zu senden; die Zeichnung

ist im selben Jahr im „Kleinen Klabund Buch“ abgebildet

worden), 10. 3. 1922, 23. 1. 1923, 31. 8. 1923 und

Davos 31. 12. 1923 (handschriftlich datiert, mit kleiner

Zeichnung).


Nr. 66

3 Blätter mit je zwei Seiten Notizen in Bleistift, über -

schrieben und datiert: „Klabund: 14. II. 18, Traum vom

12./13. II.“ sowie eine Seite Bleistiftaufzeichnungen auf der

Rückseite eines gedruckten Berichts von Ernst Levy zum

„Klabund-Abend in Davos“ am 15. 3. 1918.

Die Briefe und Karten enthalten eine Fülle von Äußerungen

zu Klabunds Lebensumständen, Werken und Anschauungen.

Davon kann hier nur weniges erwähnt werden. So

schreibt er in dem Brief vom 9. Juli 1917 über seine Meinung

zu Politik und Krieg und beklagt die Eigenmächtigkeit

der Militärs, die ihre Kriegsziele ohne Rücksicht auf

die Politik festlegten. Empfiehlt, die „Biologie des Krieges“

des Pazifisten Georg Friedrich Nicolai zu lesen. Editions geschichtlich

interessante Passagen finden sich u. a. in folgenden

Schreiben: Der Brief vom 5. April 1917, in dem er von

der Vollendung des Romans „Mohammed“ berichtet. „(Ich)

vermag allerdings irgend etwas Positives über ihn noch

nicht auszusagen: es steht mir noch zu nahe, und die Schatten

seiner Gestalt fallen noch dunkel über mich her.“ Versucht,

den Inhalt in Kapitelüberschriften zusammen zufassen

und charakterisiert den Text. Im Schreiben vom 14.

August 1917 klagt er über Geldprobleme, doch sei er gerade

dabei, eine „größere Novelle zu beenden: Der Neger. Ich

habe nun die Absicht, im nächsten Jahr einen größeren

Novellenband herauszugeben: bis jetzt liegen drei längere

Novellen vor: Franziskus (den ich in diese Folge nunmehr

einzuordnen willens bin) – Marietta (die Geschichte eines

kleinen Mädels) – Der Neger. Den Neger laß ich jetzt tippen

und sende Ihnen ein getipptes Exemplar. Er ist, im

Gegensatz zu Mohamed, stark, fest und männlich.“ Zu dem

geplanten Novellenband ist es nicht gekommen, die Stücke

sind in den Jahren 1920/21 separat erschienen. – Beiliegend

einige Zeitungssausschnitte. – Leichte Gebrauchsspuren. –

Siehe Abbildung.

Urkunden und Autographen 23

Nr. 68

67 KÖLN – PAUL V. (CAMILLO BORGHESE),

Papst (1552-1621). Bulle. Lateinische Urkunde auf

Pergament. Dat. Rom, „apud S(an)ctam mariam

maiorem“, „Id(ibus) octobris“ (= 15. 10.) 1620.

29 x 46,4 cm (Plica: 3 cm). Kopfzeile kalligraphisch

verziert. – Mit angehängtem Bleisiegel. (126)

600,-

Notariatsinstrument für den späteren Weihbischof von

Köln, Georg Pauli-Stravius (1593-1661; ADB XXXVI,

550). – Wenig gebräunt. – Beiliegend ein Pergamentkuvert

mit spätmittelalterlicher Handschrift.

68 KRUGER, P., genannt „Ohm Krüger“, Präsident

der Republik Südafrika (1825-1904). 2 Porträt -

photographien (Albuminabzüge), davon eine mit

e. U. auf dem Trägerkarton. Den Haag, ca. 1902.

19,5 x 13,2 und 18,7 x 9,7 cm. Montiert auf be -

druckte Trägerkartons der Ateliers Ebner und

Strauch in Den Haag. – Dazu zwei Begleitschreiben,

dat. Utrecht 3. 3. 1902. (64) 500,-

Die beiden Photographien zeigen Kruger, einmal stehend,

einmal sitzend aufgenommen, im niederländischen Exil, in

das er sich im Oktober des Jahres 1900 hatte begeben müssen.

1902 ist Kruger nach Clarens in die Schweiz über -

siedelt, die vorliegenden Aufnahmen dürften kurz zuvor

entstanden sein. Diese wurden laut der beiden in niederländischer

Sprache abgefaßten Begleitschreiben aus Utrecht

von einem diensthabenen Diplomaten an einen Dr. Al -

brecht gesendet, der zu dieser Zeit im Hotel Hammerand

in Wien residierte, und als Anerkennung für seine Dienste

als „dokter van de ambulance in het veld“ geschenkt. Wie


24

Krüger wird sich auch Albrecht, vielleicht ein Militärarzt

des deutschen Freiwilligencorps im Burenkrieg, im Exil

befunden haben. – Leichte Gebrauchsspuren, die Briefe etw.

stockfleckig. – Siehe Abbildung.

69 LANGSDORFF, G. H. VON, Naturforscher

(1774-1852) E. Brief mit U. Dat. St. Petersburg

2. 9. 1810. 4°. 2 3/4 S. – Doppelblatt. – Beiliegend:

E. Note mit U. Dat. St. Petersburg 16. 10. 1810,

und e. „Erklärung der im G. v. Langsdorff'schen

Atlas enthaltenen Kupferstiche“ mit U. Dat.

St. Petersburg 1. 9. 1810. 21 S. (59) 500,-

Wahrscheinlich an den Verleger Leclerc in Paris gerichtetes

Schreiben in französischer Sprache bezüglich der geplanten,

doch nie erschienenen französischen Ausgabe seines

Reiseberichts „Bemerkungen auf einer Reise um die Welt in

den Jahren 1803-1807“ (die erste Ausgabe in zwei Bänden

gedruckt bei Friedrich Wilmans in Frankfurt 1812; Sabin

38895, Howes L 81, Borba de Moraes 455, Bosch 289).

Langsdorff hatte an der Krusensternschen Weltumseglung

teilgenommen, sich jedoch in Kamtschatka von der Mannschaft

getrennt, um selbständig das damalige russische

Alaska und Kalifornien zu bereisen. Sein separat publizierter

Bericht gehört zu den besten wissenschaftlichen Quellen

über diese Gebiete. Erwähnt unter anderem, er wolle in

sein Werk neben der von Krusenstern eine weitere Karte

hinzufügen, und berichtet von seiner Freundschaft mit

Davidoff, einem Leutnant, der mit ihm gereist war. Außerdem

schicke er anliegend die meisten der Vorlagenzeichnungen

zum ersten Band, eine Abschrift des deutschen

Texts sowie sein Porträt. – Die beiliegende, von Langsdorff

selbst nieder geschriebene und signierte Erklärung de r Kupferstiche

entspricht größtenteils dem Drucktext der deutschen

Fassung und sollte wohl als Vorlage für die Über -

setzung dienen (eine kleine eingeklebte Skizze mit einer

Stecheranweisung). Weiterhin die von Langsdorff und

Wilmans unterzeichnete Bitte, Langsdorffs Originalzeichnungen

doch bald an Wilmans zurückzugeben. – Etw. ge -

bräunt, vereinzelt fleckig.

Erinnerungen an Lola Montez

70 LUDWIG I., König von Bayern (1786-1868).

E. Brief mit U. Dat. Berchtesgaden 23. 8. 1848.

1 1/2 S. Mit kleinem Aquarell. – Doppelblatt.

(123) 800,-

An Luise von Plönnies. – Offenherziger Brief an die Schriftstellerin

(1803-1872), die er beim gemeinsamen Aufenthalt

mit Lola Montez im Sommer 1847 in Bad Brückenau kennengelernt

hatte (belegt in einem Schreiben der Plönnies im

Familiennachlaß, heute Hessisches Staatsarchiv Darmstadt,

Bestand O 59, Plönnies). „Frau von Plönnies, frage damit an

daß die auf diesem Blatte gemalten Blumen nicht vergeblich

ihre Bedeutung ausdrücken müssen. Würden Ihre trefflichen,

lebenswarmen Aufzeichnungen aus ihrem vorm -

jährigen [sic!] Aufenthalt in Bad Brükenau nicht gedruckt,

so wünsche ich daß Sie die Gefälligkeit haben möchten mir

eine Abschrift derselben zukommen zu lassen. Schöne

Erinnerungen einer verschwundenen Zeit! Was habe ich

nicht alles seit einem Jahre gelitten! Und was nicht alles verlassen!

Meine Phantasie doch ist mir geblieben. Auch das

Andenken froher Vergangenheit gewährt Genuß.“ – Auf

Papier mit vorgedruckter (lithographierter) Blumen girlande;

in die Mitte mit Aquarellfarben eingemalt ein kleiner

Blütenzweig, vielleicht von der Hand Ludwigs. – Wenig

fleckig. – Siehe Abbildung.

Urkunden und Autographen

Enthüllung der Bavaria

71 – E. Brief mit U. Dat. München 27. 10. 1850.

2 3/4 S. – Doppelblatt. (123) 600,-

An die Schriftstellerin Luise von Plönnies. – Bedankt sich

für die ihm gewidmeten „Neuen Gedichte“, die Luise von

Plönnies ihm offenbar als Manuskript zugesendet hatte

(erschienen 1851 in Darmstadt), und lobt ihre Sonette

„Oskar und Gianetta“ (Mainz 1850). Schickt ihr das Programm

des Festzugs sowie die Festrede nach der Bavaria-

Enthüllung (am 9. Oktober 1850) und eine Abschrift des

Gedichts, „welches dieses, seines Gleichen nicht habende

Fest mich zu verfassen veranlasste“ (unter dem Titel

„Der Bavaria Enthüllungsfest“ beim Festakt vorgetragen).

Beschreibt weiterhin die Feierlichkeiten. Wohl in Anlehnung

an das Grußwort beim Festakt („Ich bin 64 Jahre alt,

hab' viel des Schönen gesehen...“) schließt er den Brief mit

den Worten: „Daß ich 64 Jahre alt bin scheint mir als

unglaublich, freilich nicht in den Spiegel sehend, der ich

mich als einen jungen Menschen noch fühle, und voll Empfänglichkeit

aufs Wiedersehen.“ Gruß, Datierung und

Unterschrift wurden aus unbekannten Gründen aus dem

Bogen ausgeschnitten und neu geschrieben auf anderem

Papier mit einer Stecknadel hinter die Lücke geheftet

(Nadel mit geringem Rostansatz).

72 LUDWIG XVI., König von Frankreich (1754-

1793), und MARIE ANTOINETTE, Königin

von Frankreich (1755-1793). Heiratsvertrag mit e.

U. Französische Urkunde auf Papier. Dat. (Paris)

15. 10. 1784. 8 Bl. Fleckiger Umschl. d. Zt. in mod.

Maroquin-Mappe, sign. „Riviere & son“ (leichte

Gebrauchsspuren). (100) 12.000,-

Heiratsvertrag von Antoine-René d'Escoubleau, Marquis

de Sourdis, und Augustine Olympe Sophie de Bésiade

d'Avray, zwei Mitgliedern des französischen Hochadels.

Die Hochzeitsfeierlichkeiten dauerten vom 15. bis zum

17. Oktober. – Neben den eigenhändigen Unterschriften

von Ludwig XVI. und Marie Antoinette finden sich auf

dem letzten Blatt recto Signaturen von Louis Stanislas

Xavier (später Ludwig XVIII.), dessen Gattin Marie Joséphine

Louise de Savoir, Charles Philippe (später Karl X.),

dessen Gattin Marie Thérèse de Savoise und von weiteren

Mitgliedern des französischen Königshauses. Auf der Versoseite

zeichneten zahlreiche Angehörige des Hochzeitspaares.

– Wenig fleckig. – Siehe Abbildung Seite 16.

Marriage agreement with autographic signatures. French

document on paper. Dated (Paris) 15. 10. 1784. 8 leaves. –

Contemporary stained wrappers in modern morocco port -

folio, signed „Riviere & son“ (light signs of wear). – See illustration

on page 16.

73 MANN, G., Historiker (1909-1994). Masch. Brief

mit e. U. Dat. Kilchberg am Zürichsee 3. 3. 1973.

1/2 S. (138) 200,-

An den Seewald-Verlag mit der Erlaubnis, einen eigentlich

nicht zur Veröffentlichung gedachten Passus über Brüning

zu verwenden. – Dazu ein von Mann signiertes Porträt -

photo (Studio Bliggi, Zürich, um 1980), 2 signierte Briefe

und 4 signierte Photographien von Elisabeth Mann Borgese

(1918-2002). – Weitere Beilagen.

74 MANN, KATIA, Gattin von Thomas Mann (1883-

1980). Masch. Brief mit e. U. Dat. Pacific Palisades,

Kalifornien, 17. 7. 1946. Fol. 1 S. (138) 200,-


In Vertretung ihres Gatten an den Schriftsteller (Alexander?)

Ehrenfeld. – Berichtet, ihr Mann habe sich sehr gut

erholt und arbeite schon wieder an seinem Roman (Doktor

Faustus), doch sie erledige noch seine Korrespondenz. –

Sieht keine „Unterkunftmöglichkeit“ (gemeint: einen Verlag)

für „Die Hunde bellen“, ein Werk Ehrenfelds, das

offenbar nie gedruckt worden ist. – Etw. knittrig, Ränder

ein wenig fleckig. – Beiliegend eine Postkarte mit der

Signatur Heinrich Manns, adressiert an Fräulein Gusti

Friedmann in Wien, dat. nach Poststempel 6. 12. 1921.

75 MANN, TH., Schriftsteller (1875-1955). E. Brief

mit U. Dat. München 23. 3. 1926. 1 1/2 S. – Doppelblatt

mit gedrucktem Briefkopf. (138) 500,-

An die Witwe des Schriftstellers Gerhard Ouckama Knoop

(1861-1913), Gertrud Roth (1869-1967), die angefragt hatte,

ob Mann noch Briefe ihres Gatten habe. Verneint dies und

gesteht, daß sein „Briefarchiv nie das ordentlichste war“;

außerdem sei während des Krieges „eine ganze Menge aufbewahrter

Korrespondenz eingestampft worden“. Falls

Briefe von Knoop darunter gewesen sein sollten, könne es

sich nicht um wichtige Aufzeichnungen gehandelt haben,

denn diese bewahre er besonders auf. – Querfalze eingerissen,

Ecken mit kleinen Ausbrüchen, rückseitig Abklatsch

des Umschlags, leicht gebräunt.

76 – Signatur auf dem Vorsatz von: DERS., König -

liche Hoheit und die Novellen. Berlin, Wegweiser,

o. J. (um 1930). 955 S., 1 Bl. OHldr. (leicht berieben

und bestoßen). (138) 250,-

Beiliegend ein Exemplar von Manns „Versuch über Schiller“

(Berlin, S. Fischer, 1955) mit kurzer „Juni 1955“ datierter

Notiz auf dem Vortitel, wohl von der Hand des Autors,

weiterhin ein Widmungsexemplar von Frido Mann sowie

acht belletristische Werke mit Autorensignatur, darunter

von Friedrich Dürrenmatt, Oskar Maria Graf (Widmung

an Alfred Rohr, New York 1949), Amos Oz, Siegfried

Sommer, Karl Heinrich Waggerl und anderen.

Vatersorgen eines Königs

77 MAXIMILIAN II. – KORRESPONDENZ aus

der Göttinger Studienzeit König Maximilians II.

von Bayern. 7 e. Briefe mit U. von König Ludwig

I. und ein e. Schreiben mit U. von Maximilian,

alle an den Grafen Fugger. Dat. München und

Göttingen, 1. 2. 1829 bis 17. 3. 1831. Zus. ca. 10 S.

– Die Briefe Ludwigs alle in gesiegelten und

e. adressierten Umschlägen (tls. mit Poststempel).

(28) 1.200,-

Bislang unbekannter Teil der sonst gut dokumentierten

Korrespondenz aus der Studienzeit des Kronprinzen und

späteren Königs Maximilian II. von Bayern in Göttingen

(1829/30). König Ludwig I., der selbst schon an der Universität

Göttingen studiert hatte, schickte seinen Sohn an

die von ihm besonders geschätzte Hochschule. In dieser

Zeit stand Maximilian unter Aufsicht des königlich bayerischen

Rittmeisters Friedrich Karl Joseph von Fugger-Kirchheim-Hoheneck

(1795-1838), eines engen Vertrauten Ludwigs.

Am 28. Oktober 1829 ist Maximilian mit dem Grafen

in das sogenannte „Prinzenhaus“ in Göttingen eingezogen

und hat sich an der Universität immatrikuliert. Die vorliegenden

Schreiben sind alle an Graf Fugger gerichtet, der

Ludwig ständig über seinen Sohn zu informieren hatte. Die

Urkunden und Autographen 25

Nr. 77

Schreiben Ludwigs an seinen Sohn und dessen Antworten

sind im vollen Wortlaut veröffentlicht in: H. Thiersch,

Ludwig I. von Bayern und die Georgia Augusta, Berlin

1927, S. 96-139 (Kap. III: Maximilian II. von Bayern als

Göttinger Student). – Eine von Ludwig verfaßte „väterliche

Ermahnung“ vom 18. Oktober 1829 (Thiersch S. 97 f.)

regelte den Studienablauf wie auch das tägliche Leben des

Kronprinzen mit strengen Vorschriften, an die sich Maximilian

meist auch hielt. Nur einmal, Ende Januar 1830, kam

es zu einer Eintrübung des Verhältnisses. Die vorliegenden

Schreiben zeigen, mit welchem Nachdruck Ludwig die

Kontrolle des Göttinger Studienaufenthalts seines Sohnes

betrieb. Der Brief Maximilians an den Grafen diente der

Information desselben über eine Reise nach Kassel.

I. München, 1. 2. 1829, 1/2 S. (nach Berlin). – Gewährt dem

Grafen Fugger, Leutnant im Cheveauleger-Regiment

„König“, Urlaub für eine Reise nach München (vermutlich

im Zuge der Vorbereitung von Maximilians Studium).

II. München, 8. 11. 1829, 2 1/3 S. – Antwort auf zwei

Schreiben des Grafen vom 23. 10. und 1. 11. 1829. – Anweisungen

bezüglich des Lateinunterrichts bei Professor Mitscherlich,

der im Wintersemester zweimal pro Woche stattfinden

sollte.

III. München, 22. 11. 1829, 3/4 S. – Antwort auf einen Brief

des Grafen vom 14. des Monats anläßlich des kommenden

Geburtstags seines Sohnes am 28. November, mit dem dieser

die Volljährigkeit erreichte.

IV. Brief von Kronprinz Maximilian: Kassel, 30. 12. 1829,

1 S. – Setzt den Grafen in Kenntnis, daß er erst am Samstag

und nicht, wie beabsichtigt, am Mittwoch in Göttingen eintreffen

werde.


26

V. München, 17. 1. 1830, 2 S. – Ludwig war berichtet worden,

daß sein Sohn zusammen mit dessen Studienkollegen

Baron von Würtzburg nach Frankfurt gereist sein soll.

Graf Fugger möge ihm mitteilen, wann diese Reise statt -

gefunden habe, ob sie von Kassel oder Göttingen ausgegangen

war usw.

VI. München, 31. 1. 1830, 2 1/4 S. – Bestätigt den Erhalt der

Schreiben des Grafen vom 21. und 23. des Monats und

beklagt sich, nicht darüber informiert worden zu sein, daß

der Kronprinz eine Nacht allein in Göttingen zugebracht

hat. Künftig möchte er „mit der abgehenden Post“ über

derartige Angelegenheiten sofort informiert werden. Seine

Großzügigkeit sei ohnehin außergewöhnlich: „Kein König,

glaube ich, gestattete seinem Sohn auf der Universität so

viele Freyheit als ich, aber alles hat seine Grenze und ... der

meinige hat sie überschritten“. Allerdings war Maximilian

nun bereits volljährig. Er hat sich dennoch in aller Form

beim Vater entschuldigt, und dieser hat ihm daraufhin auch

verziehen (vgl. Thiersch S. 122 f.).

VII. Ludwig I., Colombella (bei Perguia), 23. 5. 1830 (mit

Nachtrag 27. 5.), 1 1/4 S. – Antwort auf zwei Schreiben des

Grafen. Erklärt seine Zufriedenheit über dessen Berichte

„von der Lebensweise des Kronprinzen, meines lieben Sohnes“,

und bedankt sich im Nachtrag für einen weiteren Brief

des Grafen vom 3. Mai. (Am 23. Mai schickte Ludwig auch

ein Schreiben an Maximilian; siehe Thiersch S. 132).

VIII. München, 17. 3. 1831, 1/2 S. – Bedankt sich für einen

Brief des Grafen vom 9. des Monats aus Berlin (Maximilian

war inzwischen an die Berliner Universität gewechselt). –

Tls. auf Papieren mit Wasserzeichen „JWhatman Turkey

Mill 1828“ und „W D Wells 1822“. – Einzelne Falzeinrisse,

Umschläge tls. mit Einrissen, wenig fleckig. – Siehe Abbildung.

78 NÜRNBERG – VERLAGSWESEN – ZIRKU-

LAR anläßlich der Umfirmierung der Buchhandlung

Johann Peter Wolf in „Pech und Comp.“.

Gedrucktes Formular mit hs. Eintragungen.

(Nürnberg, Pech), 1. 4. 1800. 4°. 2 Bl. Lose, ohne

Einband. (50) 150,-

Interessantes Dokument zum Nürnberger Buchhandel der

Zeit um 1800. Das Rundschreiben richtete sich an Kollegen

und Zulieferer und faßt die jüngste Geschichte der Kunstund

Buchhandlung Wolf zusammen. Entscheidend der

letzte Abschnitt, in dem erklärt wird, die Schulden und ausstehenden

Forderungen der alten Firma nicht zu übernehmen,

„ausser was Pech und Comp. contrahirt haben“. –

Weiterhin das Subskriptionsangebot für den ersten Teil von

Johann Wolfgang Müllers „Vollständiges System der

Rechenkunst“ (dieser ist 1801 erschienen, allerdings kein

weiterer Band mehr). – Unser Exemplar ist ausgestellt und

adressiert an den Verlag Vieweg in Braunschweig („Herrn

Vieweg den Aelteren“, wohl den Gründer Johann Friedrich

Vieweg, 1761-1835). – Gefaltet, mit papiergedecktem Siegel

(Öffnungsspuren), leicht gebräunt.

79 ORFF, C., Komponist (1895-1982). Porträtphoto

mit e. Widmung und U. Dat. Juni 1956. 24,5 x

19,1 cm. (63) 150,-

Dankesgruß an den Opernregisseur Ulrich Reinhardt, der

1956 in Münster Orffs „Antigonae“ inszeniert hatte. –

Brustbild nach links, an einen Holzpfahl gelehnt. – Zwei

kleine Fehlstellen.

Urkunden und Autographen

80 PASSIERSCHEIN (FREIPASS). Deutsches Ur -

kundenformular auf Papier mit hs. Eintragungen

und Kanzleiunterschriften. Wien, 8. 12. 1769.

Blattgr.: 46,8 x 64 cm. Mit großer Holzschnitt-

Initiale und papiergedecktem Siegel. – Unter Glas

gerahmt. (23) 200,-

Ausgestellt für einen Bürger namens Peter Popovics aus

Pest, dem die Erlaubnis erteilt wird, einen vom k.k. Münzamt

versiegelten Geldsack mit 350 Talern ohne weitere

Abgaben über Belgrad auszuführen. Kulturhistorisch interessantes

Dokument über die Handels- und Zollkonventionen

in den Habsburger Staaten unter Maria Theresia. –

Falze wenig gebräunt, sehr breitrandig.

Kaiserlicher Kunsterwerb

81 PEUTINGER, K., Humanist (1465-1547). E. Brief

mit U. und e. Adresse. (Augsburg?), 16. 1. 1514.

20,5 x 19 cm. 1/2 S. (10 Zeilen). (68) 2.500,-

An Cyprian von Serntein (ursprünglich: von Northeim;

gestorben 1524), den obersten kaiserlichen Hofkanzler in

Innsbruck. Peutinger vermittelte und erwarb im Auftrag

Sernteins Kunstwerke für die kaiserliche Hofhaltung (weitere

diesbezügliche Korrespondenz ist belegt). Das vorliegende

Schreiben diente als Begleitbrief zur Sendung dreier

Nürnbergischer Truhen: „Wolgeborner Gnediger Herre,

E. G. schick ich hiemit dreue truhen, die mir Caspar nutzel

von Nuernberg geschickt hat, und hab fur plahen, binden

und die furlan, von Nuernberg biß gen Insprugg Neuen

guldin und zweien Creutzer bezalt, Deßhalben E. G. dem

furman weitter zubezalen nichtz schuldig sein ...“ – Kaspar

Nützel (um 1471-1529) aus dem bedeutenden Patrizier geschlecht,

später auch Nürnberger Bürgermeister und Rat,

war um 1515 vor allem im diplomatischen Dienst der Stadt

tätig. – Papier mit Wasserzeichen einer perlenbesetzten

Bügelkrone, darüber Reichsapfel mit Kreuz, bei Piccard in

zahlreichen Varianten bereits im späten 15. Jahrhundert

nachgewiesen; unser Wasserzeichen ist nahezu deckungsgleich

mit Nr. 52851 (Ansbach 1512). – Nicht bei König,

Konrad Peutingers Briefwechsel (München 1923). – Ränder

mit drei kleinen Schlitzen für Verschlußbänder; minimal

fleckig, kaum gebräunt. – Beiliegend gestoch. Porträt

Peutingers. – Siehe Abbildung Seite 17.

To Cyprian von Serntein (originally: von Northeim; de -

ceased in 1524), the highest imperial court chancellor at

Innsbruck. Peutinger arranged and purchased on behalf of

Serntein works of art for the imperial court (there is evidence

for further correspondence on the matter). The present letter

served as accompanying document for the consignment of

three Nuremberg chests. – Margins with three small slits for

clasp ribbons; minimally soiled, hardly browned. – Enclosed

engraved portrait of Peutinger. – See illustration on page 17.

82 PLÖNNIES – KORRESPONDENZ der Luise

von Plönnies und des Johann Wilhelm Wolf.

Sammlung von ca. 60 Briefen. Um 1840-65. Lose

in Hldr.-Album um 1870 mit goldgepr. Deckel titel

„Autographen“ (etw. beschabt und bestoßen).

(123) 2.000,-

Teilnachlaß der Schriftstellerin Luise von Plönnies (1803-

1872) und ihres Schwiegersohns, des Germanisten Johann

Wilhelm Wolf (1817-1855). Enthält Briefe von Schriftstellern,

Gelehrten, Künstlern und Politikern des mittleren


19. Jahrhunderts; meist längere, inhaltsreiche Schreiben,

häufig mit Austausch über künstlerische Fragen, Werke,

Editionen etc. – Darunter: Heinrich Alexander von Arnim,

Wilhelm Baur, Charles Boner, Moriz Philipp Carrière,

Caroline de Crespigny, Eduard Duller, Prudens van Duyse,

Johann Heinrich Felsing, Hermann Ferdinand Freiligrath,

Heinrich von Gagern, Nikolaus Hocker, Hyazinth Holland,

Josef Edmund Joerg, Wilhelm Emmanuel von Ketteler,

Karel Lodewijk Ledeganck, Heinrich Leo, Thomas

Medwin, Wolfgang Menzel, August Nodnagel, Oskar von

Redwitz, Julius von Rodenberg, Oskar Schade, Louise von

Schücking, Emil zu Sayn-Wittgenstein, Johann Wilhelm

Wolf und Pius Zingerle. Darunter auch zwei Schreiben der

Luise von Plönnies selbst (an den späteren Eigner des

Albums, den Pfarrer Christian Müller); ebenfalls von ihrer

Hand ein „Verzeichnis und Erklärung der Autographen“

(Doppelblatt, neuere Zweitschrift beiliegend). – Meist nur

leichte Gebrauchsspuren.

83 RICHTER, L., Maler (1803-1884). E. Brief mit U.

Dat. Dresden 4. 4. 1852. 1 S. (123) 300,-

An Luise von Plönnies (1803-1872). – Antwortet auf ein

Schreiben der Schriftstellerin, das er über Theodor Hosemann

erhalten hat. Darin hatte sie sich anerkennend über

seine Zeichnungen geäußert und angefragt, ob er einen Auftrag

für sie übernehmen möchte (eine Illustration zu einem

ihrer Gedichte). Er habe jedoch erst ab Herbst dieses Jahres

wieder Zeit, neue Arbeiten zu übernehmen, und es komme

auf den Zeitpunkt an, wann das Gedicht erscheinen solle.

Erklärt sich unter bestimmten Bedingungen zur Zusammenarbeit

bereit. Diese ist offenkundig nicht zustande

gekommen, eine Illustration Richters zu einem Werk der

von Plönnies ist nicht nachzuweisen. – Links oben kleiner

blindgepr. Stempel.

84 RUDOLF II., römisch-deutscher Kaiser (1552-

1612). Adelsdiplom mit e. U. Deutsche Urkunde

auf Pergament. Dat. Prag 26. 3. 1603. Mit Deckfarben-Wappenminiatur

(ca. 12,5 x 9,3 cm) sowie

3 kalligraphischen Kopfzeilen tls. in Goldschrift

und mit großer gezeichneter Initiale. 34 Zl.

Blattgr.: Ca. 44,5 x 62,2 cm. Plica 14 cm. – Mit

rotem defekten Wachssiegel in Hartholzkapsel. In

Metall-Kassette d. Zt. (außen rostig, etw. beschädigt).

(96) 1.200,-

Adelsdiplom und Wappenbrief für den kaiserlichen Notar

Sebastian Dobner aus Sopron (Ödenburg) und dessen Ehefrau

Barbara Polianius sowie deren Kinder und Erben. –

Mit feiner, künstlerisch sehr qualitätvoller Wappenminiatur,

die links des Wappens (mit gevierteltem Schild und

üppiger Helmzier) den stehenden Kaiser in Rüstung und

vollem Ornat sowie rechts eine Personifikation des Sieges

zeigt. – Unterschriften des Bischofs von Nitra, Frantisek II.

Forgács (Amtszeit: 1596-1607), und eines Notars. – Geringe

Spuren verlaufener roter Farbe, etw. wasserrandig und ge -

bräunt. – Siehe Abbildung Tafel 5.

Nobility diploma and heraldic letter for the imperial notary

Sebastian Dobner from Sopron (Ödenburg) and his wife

Barbara Polianius as well as their children and heirs. –

Minor traces of blurred red colour, some waterstains and

browning. – With red wax seal (damaged) in hardwood

capsule. In contemporary metal case (rusty outside, a little

damaged). – See illustration on plate 5.

Urkunden und Autographen 27

85 SCHNITZLER, A., Schriftsteller (1862-1931).

Zwei e. Widmungen mit U. „Arthur Schnitzler“

und „Onkel Arthur“, dat. Wien „Oct. 26“ (Oktober

1926). – Auf den Schmutztiteln von: DERS.,

Gesammelte Werke in zwei Abteilungen. 9 Bde.

Berlin, S. Fischer, 1922. OHlwd. (etw. fleckig,

berieben und bestoßen). – An seinen Neffen Karl

Schnitzler und (dessen Frau?) Pauline Schnitzler,

jeweils im ersten Band der Abteilung „Thea ter -

stücke“ und „Erzählende Schriften“. – Etw. fleckig

und gebräunt. (63) 250,-

86 SCHRIFTSTELLER – Sammlung von 19 Autogrammen.

Signaturen meist auf Postkarten, Portrs.

und diversen Kopien. Ca. 1910-2003. Verschied.

Formate. – Umschläge tls. beiliegend. (138) 200,-

Heinrich Böll (2) – Lothar-Günther Buchheim (4) – Friedrich

Dürrenmatt (monogrammierte Porträtkarikatur auf der

Rückseite einer Eintrittskarte zu einer Dichterlesung am

16. 6. 1985 in Passau) – Günter Grass – Gerhard Hauptmann

(Postkarte, dat. Dresden, 28. 2. 1912?) – Inge und Walter Jens

(2; dat. Tübingen 2003) – Erich Kästner (Grußkarte, dat.

München 15. 11. 1971) – Ellis Kaut (4) – Astrid Lindgren –

Otfried Preußler. – Leichte Gebrauchsspuren. – Ferner beiliegend

ein Brief der Schriftstellerin Clara Nordström (1886-

1962), dat. 8. 8. 1961, wohl an einen Verleger.

87 STRAUSS, R., Komponist (1864-1949). E. Brief.

Garmisch 25. 10. 1936. 4 S. – Doppelblatt. (158)

600,-

An den Kritiker Alexander Berrsche: „Es ist nicht meine

Gewohnheit, über kritische Äußerungen der Presse Be -

schwerde zu führen. Wenn ich Sie bitte, in Bezug auf Ihre

Besprechung des ersten Akademieconzerts einmal mit

einigen kurzen, sachlichen Andeutungen eine Ausnahme

machen zu dürfen, so hat dies seinen Grund, daß Sie

gewöhnlich Verständnis für Dinge zeigen, die nicht Jeder

hört und sieht, und weil eine Fortdauer des Ihrer Kritik zu

Grunde liegenden Mißverstädnisses die erzieherische

Arbeit, die ich diesen Winter an Orchester und Publikum

zu leisten mir vorgenommen hatte, unnötig erschweren

würde. Sie glaubten am Vortrag des Orchesters Müdigkeit

und Undurchsichtigkeit constatiren zu müssen. Wenn dies

richtig war, so trifft sicher nur mich die Schuld. Sie hörten

ganz richtig Vieles weniger 'temperamentvoll', weniger

'schneidig' als sonst, Vieles, was gegen die Vorschrift sonst

sehr gehackt wurde nur so gespielt, das Blech blies 'affektlos'

und abgedämpft. Beethovens Scherzo wurde (nach

Bülows Vorschrift) das erste Mal in mäßigem Zeitmaß und

erst bei der zweiten Wiederholung in vollem Vivace, das

Finale um mindestes ein Drittel langsamer gespielt, als es

selbst von den berühmtesten Dirigenten improvisirt und

meiner Meinung nach irrtümlich sogar von Keinem Geringern

als R. Wagner gefordert wird – aber dieses vielleicht

allzu abgeschliffene, allzu kultivirte Musicieren war diesmal

keine Müdigkeit, sondern Absicht – dem Orchester

vielleicht noch nicht ganz in Fleisch und Blut übergegangen,

dem normalen Conzertbesucher sicher ungewohnt wie

von jeher meine ganze Beethoven-Interpretation. Was nun

Mazeppa betrifft, wo Sie vielleicht manche Undurchsichtigkeit

bemerkten, so glaube ich, gerade Ihnen nicht aus -

einandersetzen zu müssen, daß ein solch prachtvolles Lisztsches

Frescogemälde nicht ausciselirt wie ein Mozartsches

Andante gespielt werden kann: bei dem Pianisten Liszt gibt


28

es ab und zu kleine technische Unzulänglichkeiten des

neuen und genialen Orchestersatzes zu verwischen, manche

Lücke zuzudecken – das 50 Jahre später geschriebene

polyphone Tod und Verklärung 'klingt' schon von alleine

andersch! – Daß die Tendenz der Programme: Beethoven

ganz zur Programmmusik zu rechnen oder umgekehrt

die sog. Programmmusik als unmittelbarste und musik -

geschichtlich einzig giltige Beethoven Nachfolge nachzuweisen,

Manchem nicht gefällt, darauf war ich von vorn -

herein gefaßt. Wenn Sie sich mit mir einmal über all dies

mündlich unterhalten wollen – ausführlicher, als es in diesen

kurzen Andeutungen möglich – stehe ich gern zu Ihrer

Verfügung als Ihr sehr ergebener R. Strauss.“ – Beiliegen

der Begleitbrief, mit dem Strauss das vorliegende Schreiben

an den Münchner Zeitungs-Verlag übersandte, und das An -

schreiben des Verlages an Berrsche.

88 TILESIUS VON TILENAU, W. G., Naturforscher

(1769-1857). E. Brief mit U. Dat. St. Petersburg

28. 10. 1810. 4°. 3 S. – Doppelblatt, rückseitig

adressiert. (59) 500,-

In deutscher Sprache an den Verleger Leclerc in Paris.

Inhaltsreiches Schreiben über die geplante Veröffentlichung

seines Tafelbandes zum Reisebericht der ersten russischen

Weltumsegelung 1803-06 durch Adam Johann von Krusenstern,

an der er teilgenommen hatte. Tilesius, der die zeichnerischen

Vorlagen und beschreibenden Texte liefern sollte,

setzt sich mit den drucktechnischen Möglichkeiten auseinander

und erörtert deren Vor- und Nachteile. Interessant

sind vor allem die kritischen Bemerkungen über das Kolorieren

und sein Vorschlag zur Verbesserung der oft schmutzig

wirkenden Farben: „Ich rathe Ihnen ... diejenigen Platten,

welche Sie illuminiren lassen wollen, noch vor ihrer

gänzlichen Vollendung matt abdrucken zu lassen, sonst

werden ihre Abdrucke zu schwarz zum Coloriren und das

Colorit bleibt schmuzig auf denselben, wie bey der Petersburgischen

(ich und H. v. Krusenstern aber wünschen daß

die französischen Abdrucke schöner ausfallen möchten als

die Russischen). H. Berthoud wird Ihnen denselben Rath

geben.“ Die Publikation seines „Voyage pittoresque“,

„welche auch kein wolfeiles Unternehmen werden kann“,

solle man nicht eher drucken, bis Krusensterns Atlas und

die anderen Bände vollendet und publiziert seien. Das Werk

von Tilesius ist 1813 in St. Petersburg erschienen. – Kleines

Loch und Überklebung im Text (mit Verlust einzelner Wörter)

durch Siegelausriß, geringe Faltspuren.

89 – E. Brief mit U. Dat. St. Petersburg „24. Aprill

alten Styls“ (d. i. 6. 5.) 1811 . 4°. 4 S. – Doppelblatt.

(59) 500,-

Wohl an den Verleger Leclerc in Paris. Betont, daß sein

naturwissenschaftlicher Bericht zur ersten russischen Weltumsegelung

1803-06 durch Adam Johann von Krusenstern,

an der er teilgenommen hatte, erst nach der Publikation

des Krusensternschen erscheinen dürfe. Auch sollen seine

Tafeln „colorirt abgedruckt“ werden, was zu Verzögerungen

geführt habe. Außerdem möchte er nicht, daß seine und

Krusensterns Reisebeschreibung mit derjenigen Georg

Heinrichs von Langsdorff (erschienen 1812) zusammengestellt

werde: „Er hat zwar einen Theil der Reise auf unserm

Schiffe bis Kamtschatka mit uns gemacht, engagierte sich

aber dort bey Herrn von Resanot und gieng mit ihm nach

America.“ Verwahrt sich weiterhin entschieden dagegen,

daß der Adressat ihn in Malte Bruns Journal als Verfasser

der „Flora lusitanica“ bezeichnet, publiziert vom Grafen

von Hoffmannsegg. Er sei zwar 1795/96 mit dem Grafen in

Portugal gewesen, wolle aber mit derart „dünkelvollen

Leuten“ nichts zu tun haben. „Uiberhaupt bin ich ein Feind

Urkunden und Autographen

von allen Prahlereyen, brillanten Rapporten, und zehn -

fachen Ankündigungen, Prospectus etc. Giebt man etwas

gutes, so lobt sich die Sache von selbst ohne alle vorhergehende

Empfehlung.“ – Kaum gebräunt, auf dünnem Papier.

90 TRAUNSTEIN – FUNDATIONSBRIEF.

Deut sche Urkunde auf Pergament. Traunstein,

Schloß Neugereut, 10. 12. 1654. 39 x 66 cm (Plica:

12,7 cm). – Mit fünf Unterschriften und fünf an -

gehängten Wachssiegeln in Hartholzkapseln. (4)

200,-

Stiftung eines „ewigen Jahrtags“ zugunsten der Stadtpfarrkirche

St. Oswald durch das Geschlecht der in Traunstein

auf Schloß Neugereut ansässigen Familie von Schaumberg,

ausgestellt von Christoph Martin von Schaumberg. – Ge -

ring gebräunt.

91 UHLAND, L., Dichter und Germanist (1787-

1862). E. Brief mit U. Tübingen 6. 7. 1859. 4°. 1 S.

– Doppelblatt. (142) 200,-

Begleitbrief zur Übersendung eines (nicht mehr vorhan denen)

Zeitschriftenaufsatzes: „In Pfeiffers Zeitschrift

Germania habe ich eine kleine Folge von Beiträgen zur

schwäbischen Sagenkunde eingerückt, darunter neuerlich

den hier anliegenden über die Sagen von Bodman. Von

diesen ließ ich eine Anzahl besondere Abdrücke nehmen,

vorzüglich in der Absicht, mittelst solchen da oder dort

orts- und geschichtskundige Anwohner des Bodensees zu

etwaiger Berichtigung und Ergänzung meiner mangelhaften

Arbeit zu veranlassen ...“ – Faltknicke.

Adelseinband

92 VENEDIG – STATUTEN UND VERORD-

NUNGEN des venezianischen Senats. Sammlung

von Gesetzen des 14. bis 16. Jhdts., zusammen gestellt

unter dem Dogen Nicolò da Ponte. La -

teinische und italienische Handschrift auf Per ga -

ment. Venedig („data in nostro Ducali Palatio“),

11. 6. 1579 („indictione septima“). 4°. Überschriften

und einige Hervorhebungen in Rot, durch -

gehend regliert. 80 num. Bl. 21 Zl. Rotbraunes

Kalbldr. d. Zt. mit reicher Rücken- und Deckelvg.,

dreiseit. Goldschnitt sowie goldgepr. Supralibros

„Iacobo Priolo“ und Datum „MDLXXVIIII“ auf

Vorder- und Hinterdeckel (Schließbänder fehlen,

Rücken beschäd., Deckel mit einigen Wurmspuren,

beschabt und bestoßen). (4) 2.000,-

Interessantes Manuskript zur Verfassungs- und Rechts -

geschichte des venezianischen Staates. Saubere, gut lesbare

Abschrift in humanistischer Kanzleikursive, offenbar für

Senatsmitglieder angefertigt. Am Ende monogrammiert und

signiert durch den Secretarius Julius Zambertus und mit

Schreibermonogramm versehen. Die Verordnungen sind

chronologisch geordnet, deshalb folgen verschiedene

Themenbereiche aufeinander, beginnend mit „De salario

potestatis et de eius curia“. Die früheste datierte Verordnung

stammt aus dem Jahre 1351 (fol. 8v.), die meisten

gehören indessen der Mitte des 16. Jahrhunderts an. Die

Erlasse regeln das öffentliche Leben des venezianischen

Staats: die Besoldung von Beamten, den Handel, das Kanzleiwesen,

das Strafrecht, die Prozeßordnung, die Verbannung

etc.


Auf dem ersten Blatt die Zueignung des Dogen Nicolò da

Ponte (Amtszeit 1578-1585) an „Iacobo Priolo“ (Jacopo

Priuli), der aus einer bedeutenden der neueren venezianischen

Patrizierfamilien stammte, die im 16. Jahrhundert

auch zwei Dogen gestellt hat. Als Auftraggeber nennenswerter

Kunstwerke ist diese 1297 nobilitierte Familie, die

zu den reichsten in Venedig zählte, ebenfalls bekannt

geworden (u. a. mehrere Porträts von Tintoretto). Jacopo

war wahrscheinlich Angehöriger des Senats und hatte als

solcher Anspruch auf eine Abschrift der Verordnungen. –

Die in derselben rotbraunen Tinte wie die Überschriften

geschriebene Paginierung setzt mit der Ziffer 12 (= fol. 1

und 2) ein (folgende Bl. ab 3 foliiert). Offenbar war zum

Zeitpunkt der Foliierung das erste Blatt noch nicht vorhanden

und wurde erst nachträglich vor die erste Lage eingebunden.

Am Ende ein Register. – Das Jahr 1579 entspricht

nach römischer Zählung dem siebten Jahr der

105. Indiktion. – Vorderes Innengelenk gebrochen, stellenw.

materialbedingt etw. gebräunt, wenig fleckig. – Der heute

leider stark wurmspurige Einband spiegelt mit reichster

Arabeskenornamentik und breiten Bordüren auf den

Deckeln die Bedeutung der Auftraggeberfamilie wieder. –

Gestoch. Exlibris von Amadeo Svayer (1727-1791), einem

deutschen Kaufmann und Bibliophilen in Venedig (eigentlich

Gottlieb Schweyer), der eine große und auserlesene

Bibliothek zusammengetragen hat, die nach seinem Tod

größtenteils in den Bestand der Markusbibliothek über -

gegangen ist. – Siehe Abbildung Tafel 5.

Interesting manuscript to constitutional law of the Venetian

state. Clean and well legible copy in classical office calligraphy

as obviously made for members of the Senate. At the

end with monogram and signature by the Secretarius Julius

Zambertus and provided with monogram of the scribe. The

decrees in chronological order, therefore various topics one

after the other. The earliest dated decree is from the year

1351, but most of them are from the mid 16th century. The

edicts regulate the public life of the Venetian state, among

them the salary of officials, trade, offices, criminal law, legal

order, exile etc. – Upper inner joint broken, here and there

a little browned due to paper quality, hardly soiled. – The

binding, unfortunately now quite worm-eaten, reflects the

importance of the patron family with the rich arabesque

ornamentation and wide ornamental borders on covers. –

Engraved exlibris of Amadeo Svayer (1727-1791), a German

merchant and bibliophile at Venice (originally Gottlieb

Schweyer) who had put together a huge and select library

which after his death went for the most part to the Markus

library. – Contemporary red-brown calf with richly gilt back

and gilt on sides, three-sided gilt edge and gilt stamped

supralibros „Iacobo Priolo“ and date „MDLXXVIIII“ on

front and rear cover (clasp ribbons missing, spine damaged,

covers with some worming, scratched and scuffed). – See

illustration on plate 5.

93 WIDMUNGEN – SAMMLUNG – 18 von den

Autoren signierte Exemplare naturwissenschaftlicher,

zeitgeschichtlicher und weltanschaulicher

Werke. Ca. 1945-2000. Verschied. Orig.-Einbände

(mäßige Gebrauchsspuren). (138) 300,-

Mit den Signaturen von Willy Brandt, Yves Coppens,

Günter Guillaume, Hermann Oberth („Menschen im Weltraum“

mit Widmung an Dr. Siegfried J. Gerathewohl),

Friedemann Schrenk, Albert Speer, Carl Friedrich von

Weizsäcker u. a. – Leichte Gebrauchsspuren. – Beiliegend

19 Werke zur Relativitätstheorie, verfaßt von A. Einstein,

M. Planck, P. Jordan und M. von Laue, meist in späten Auflagen.

Urkunden und Autographen 29

Die nie erschienene französische Ausgabe

94 WILMANS, F., Verleger (1764-1830). 3 Briefe und

2 Verträge mit e. U. Dat. Frankfurt 1810/11. 4°. –

Doppelblätter, rückseitig adressiert. (59) 600,-

In französischer Sprache von Kanzleischreibern in sau -

berer Kurrent abgefaßte Briefe und Verträge, jeweils mit

der Unterschrift von Wilmans, alle an den Verleger Leclerc

in Paris, angeredet als „ancien Capitaine au service du

Roi“. – Briefe vom 27. 12. 1810 (2 S.), 6. 2. 1811 (2 S.) und

25. 4. 1811 (1 1/2 S.) sowie zwei Ausfertigungen eines Vertrags

vom 27. 4. 1811 (1 1/2 S.). – Betrifft die Veröffentlichung

des Reiseberichts von Georg Heinrich von Langsdorff

„Bemerkungen auf einer Reise um die Welt in den

Jahren 1803-1807“ (erste Ausgabe in zwei Bänden erschienen

bei Wilmans in Frankfurt 1812; Sabin 38895, Howes

L 81, Borba de Moraes 455, Bosch 289). Langsdorff hatte

an der Krusensternschen Weltumseglung teilgenommen,

sich jedoch in Kamtschatka von der Mannschaft getrennt,

um selbständig das damalige russische Alaska und Kalifornien

zu bereisen. Sein Bericht gehört zu den besten wissenschaftlichen

Quellen über diese Gebiete.

Wilmans plante, parallel zur deutschen bei Leclerc in Paris

eine französische Ausgabe erscheinen zu lassen. Der in beiden

Ausfertigungen allein von Wilmans unterschriebene

und gesiegelte Vertrag sollte die Einzelheiten der Zusammenarbeit

regeln, wurde aber von französischer Seite nicht

angenommen. Im ersten Schreiben erklärt er, die Tafeln aus

ökonomischen Gründen in Paris herstellen lassen zu wollen.

Weiterhin betont er, daß er der einzige Eigentümer des

Langsdorffschen Manuskripts sei, doch könne Leclerc eine

bessere Ausgabe in größerem Format anfertigen als seine

Edition in Großoktav, jedoch müsse dieser dann die Kosten

für die Tafeln selbst tragen.

Das zweite Schreiben enthält einige editionsgeschichtlich

interessante Details: das Format wird in Quart festgelegt,

für den ersten Band liegen schon alle Zeichnungen vor, doch

noch keine für den zweiten, jeder Band solle 40 bedruckte

Blätter enthalten, der Termin der Subskription wird festgelegt,

Bedingungen für das Erscheinen der französischen

Ausgabe werden umrissen usw. Im dritten Schreiben ist nur

noch von den Konditionen der französischen Ausgabe die

Rede; zu diesem Zeitpunkt wird es bereits zu Unstimmigkeiten

gekommen sein, denn Wilmans gibt an, mit einer

anderen Pariser Buchhandlung, deren Namen er nicht nennen

dürfe, in Verhandlung zu stehen. Die zwei Tage später

datierten Vertragsausfertigungen wurden wohl mit diesem

Brief verschickt und offenkundig abgelehnt. Zu einer französischen

Ausgabe der Reisebeschreibung ist es dann nicht

mehr gekommen. – Meist mit Siegelausrissen, etw. gebräunt.

WITTGENSTEIN, L., Philosoph (1889-1951),

siehe die Katalognummern 1225 und 1226.

95 ZUCKMAYER, C., Schriftsteller (1896-1977).

E. Brief mit U. „Zuck, Zuckin und Winnetou“.

Barnard, Vermont, (Dezember 1941). 1 S. – Doppelblatt.

(138) 120,-

An einige „liebe Freunde“ (wahrscheinlich eine andere

deutsche Exilantenfamilie). Bedauert, Neujahr nicht ge -

meinsam feiern zu können. – Oberer Rand gelocht (geringer

Buchstabenverlust). – Beiliegend ein e. adressiertes

Kuvert (Saas-Fee 12. 9. 1973) an Valérie von Martens-

Goetz, die Ehefrau von Curt Goetz.


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Nr. 99


Nr. 108

96 AEGIDIUS (COLUMNA) ROMANUS, In

Petri Lombardi sententiarum lib. II commentum.

Hrsg. J. Grasolarius. 1 in 2 Bdn. Venedig, L.

Dominici, 1482. Fol. Mit 3 Zierinitialen in Deckfarben

über Goldgrund, 2 Spaltentrennern in

Deckfarben, 2 Wappenminiaturen in Gold und

Deck farben sowie zahlr. in Rot und Blau eingemalten

Initialen. Durchgehend rubriziert. 210;

310 (= zus. 520) Bl. (ohne das erste weiße Blatt).

Mod. flex. Pgt. mit Rsch. des 19. Jhdts. (54)

8.000,-

Einzige Inkunabelausgabe. – Goff A 84. IGI 3091. BMC V,

280. GW 7207. BSB A-56. – Umfassender gelehrter Kommentar

zum zweiten Buch des Hauptwerks des scholastischen

Philosophen und Theologen Petrus Lombardus, der

Sententiarum libri quatuor, einer systematischen Summe

der Theologie, „mit der nach dem Brauch jener Zeit auch

eine Reihe philosophischer Fragen eng verknüpft war“

(LThK VIII, 166). Verfaßt von Aegidius Romanus (Egidio

Colonna, latin. Aegidius Columna; um 1243-1306), einem

Schüler des Thomas von Aquin, Lehrer in Paris (wo man

ihm den ehrenden Beinamen „Doctor fundatissimus“ gege-

Inkunabeln

ben hat) und Bischof von Bourges. – Blöcke lose, Lage dd

in sich verbunden, mit zahlr. Marginalien in Tinte von verschiedenen

alten Händen. Bl. J 4 und 5 stark, ansonsten nur

leicht gebräunt und etw. fleckig. – Exlibris des Bibliophilen

Lucien Allienne, dat. 1950, in beiden Bänden auf dem Vorsatz.

– Die prachtvollen Initialen am Beginn des Prologs

und am Anfang des zweiten Bandes (Distinctio duodecima)

wohl noch aus dem späten 15. Jahrhundert, eine der Wappen

miniaturen ausgeschnitten und in späterer Zeit (17. Jhdt.)

in gleicher Form, jedoch etwas vergröbert, erneuert. – Siehe

Abbildung Tafel 6.

Sole incunable edition. – Comprehensive academic commentary

to the second book of the major work by the scholastic

philosopher and theologian Petrus Lombardus. –

Blocks loose, quire dd misbound, with numerous marginalia

in ink by various contemporary hands. Strong browning

to leaf J 4 and 5, otherwise only slightly browned and a little

soiled. – Exlibris of the bibliophile Lucien Allienne, dated

1950, in both volumes on endpaper. – The magnificent

initials at the beginning of prologue and at the beginning of

the second volume (Distinctio duodecima) probably still

from the late 15th century, one of the arms miniatures cut

out and later on (17th century) renewed in the same form,

a bit more simplified however. – Modern limp vellum with

spine label of the 19th century. – See illustration on plate 6.

31


32

Nr. 97

97 ALBUMASAR, Flores astrologie. Venedig, J. B.

de Sessa, um 1500. 4°. Mit 2 unterschiedlichen

Druckermarken, großer Holzschnittinitiale und

79 tls. schematischen Textholzschnitten. 19 nn. Bl.

(ohne das letzte weiße Bl.). Maroquin vom Ende

des 19. Jhdts., sign. „Bel-Niedrée“, mit Steh- und

Innenkanten-Vg. und dreiseit. Goldschnitt (minimal

berieben). (55) 6.000,-

Goff A 358. IGI 263. BMC V, 482. GW 839. BSB A-229.

Klebs 37.3. Lalande 28. Houzeau-L. I, 3819. – Dritte Inkunabelausgabe

des Hauptwerkes von Albumasar, einem persischen

Mathematiker und Astronomen (gest. 886), dessen

Werke das mittelalterliche Weltbild des Abendlandes stark

mitprägten. Die Flores sind vermutlich ein Auszug aus „De

magnis coniunctionibus“ (vgl. auch DSB I, 35, 1). Laut

Houzeau-Lancaster ist ein arabisches Original-Manuskript

nicht bekannt. – Die Holzschnitte mit allegorischen Planetendarstellungen

und den Tierkreiszeichen zur Illustration

der astrologischen Blütenlese. – Die ersten 3 Bl. mit großen

Braunflecken, sonst nur gering fleckig und leicht gebräunt.

– Siehe Abbildung.

Third incunable edition of the major work by Albumasar,

a Persian mathematician and astronomer (deceased 886),

whose works influenced the medieval world view of the

Occident. – The first 3 leaves with big brown stains, otherwise

only minimally soiled and slightly browned. – Morocco

from the end of the 19th century, signed „Bel-Niedrée“, with

gilt outside and interior edges and three-sided gilt edge

(minor rubbing). – See illustration.

Inkunabeln

98 AMBROSIUS, S., Opera. (Mit Beigabe von Jo -

hannes de Lapide). Tl. II (von 3). Basel, J. Amerbach,

1492. Fol. 302 Bl. Restauriertes Ldr. d. frühen

17. Jhdts. mit goldgepr. Supralibros auf beiden

Deckeln. (55) 800,-

Zweiter Teil der ersten vollständigen Ausgabe der Werke

des Ambrosius. – Goff A 551. GW 1599. BMC III, 753.

BSB A-480. Van der Haegen B 16, 57. – Vorsätze erneuert,

Titel mit altem Besitzvermerk; einzelne alte Marginalien

und Anstreichungen, stellenw. im oberen Rand leichte

Feuchtigkeitsspuren, gering gebräunt und kaum fleckig. –

Die vom alten Einband wiederverwendeten Deckel (stark

beschabt und bestoßen) mit dem goldgepr. Wappensupra libros

des englischen Richters und Politikers Edward Coke

(1552-1634) mit dessen Motto „Prudens qui patiens“. –

Siehe Abbildung.

99 ANTONINUS FLORENTINUS, Summa theologica.

Hrsg. von Franciscus Moneliensis. Tl. I

(von 2) des III. Bds. (von 5). (Venedig, N. Jenson,

1477). Fol. Mit 2 großen, in Deckfarben eingemalten

Initialen mit in den Rand auslaufendem

Rankenwerk (zweite auch mit Blüten) sowie einigen

in Rot und Blau eingemalten Initialen, rubriziert.

350 nn. Bl. (ohne die weißen Bl. a1 und a5).

Ldr. d. Zt. mit Schließen und 5 (späteren) Messingbuckeln

auf den Deckeln (Rücken in alter Zeit

restauriert, Deckelbezüge stark brüchig, wasserrandig,

beschabt und bestoßen). (55) 5.000,-

Erste Ausgabe. – Goff A 872. IGI 690. BMC V, 179. GW

2185. BSB A-595. – Der erste Teil des dritten Bandes der

umfangreichen theologischen Enzyklopädie des bedeutenden

Kirchenlehrers und späteren Erzbischofs Antoninus

von Florenz. Die Erstausgabe ist von 1477-80 in fünf Bänden

gedruckt worden, beginnend mit den Bänden III und

IV, die noch vor den ersten beiden erschienen sind. Insofern

dürfte es sich bei dem vorliegenden um den ersten

erschienenen Teil des Gesamtwerkes handeln. Herausgeber

war Franciscus Moneliensis, der auch ein Vorwort verfaßt

hat. – Die Initialen mit dicken Blattranken, teils mit feiner

Binnenzeichnung versehen, in sehr frischen Farben. – Vorsätze

erneuert, durchgehend mit dunklen Feuchtigskeitsflecken

an den Rändern, Text nur am Anfang und Ende etw.

betroffen, Textspiegel kaum fleckig und gebräunt, einzelne

Wurmlöcher. – Spiegel mit Makulatur einer Evangelienhandschrift

des hohen Mittelalters (12. Jhdt.?). – Siehe

Abbildung und Seite 30.

100 BIBLIA LATINA – (BIBLIA. Bd. I [von 2].

Nürnberg, A. Koberger, 1475). Fol. Fragment mit

185 Bl. Mit zahlr. in Rot und Blau eingemalten

Initialen. Durchgehend rubriziert. Lose Bl. ohne

Einband. (72) 1.200,-

Goff B 543. IGI 1643. GW 4218. BMC II, 413. BSB B-420.

– Kobergers erste lateinische Bibel. – Breitrandige Einzelblätter

aus verschiedenen Büchern des Alten Testaments

(dieses umfaßt komplett 384, die gesamte Bibel 481 Blätter);

meist nicht mehr im Lagenverbund. – Sehr sauber, nur vereinzelt

minimale Gebrauchsspuren und Flecken.


Nr. 98

Koberger's first Latin Bible. – Wide-margined separate

leaves from the different books of the Old Testament (the

latter comprises 384 leaves in total, the entire Bible 481

leaves); for the most part not any more combined in quires.

– Very neat, only isolated minor signs of wear and spotting. –

Loose leaves not bound. – See illustration.

101 – BIBLIA cum postillis Nicolai de Lyra et expositionibus

Guillelmi Britonis in omnes prologos S.

Hieronymi et additionibus Pauli Burgensis replicisque

Matthiae Doering. Hrsg. von Paulus a Mercatello.

Tl. I (von 4). Venedig, J. Herbort für

Johann von Köln, N. Jenson u. a., 1481. Fol. Mit

zahlr. in Rot und Blau eingemalten Initialen,

durchgehend rubriziert. 523 Bl. Beschäd. blindgepr.

Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. (49) 3.000,-

Erste Ausgabe mit diesen Kommentaren. – Goff B 611. IGI

1683. BMC V, 301. GW 4286. BSB B-444. – Die umfangreiche

Bibelausgabe, ausführlich kommentiert von Nikolaus

von Lyra, umfaßt insgesamt 1571 Blätter. Meist wird

sie in vier Bände aufgeteilt, allerdings uneinheitlich. Unser

Exemplar enthält den kompletten Text von der Genesis bis

zum Ende des Buches Esther, was den Lagen a1 bis bB8 entspricht.

– Vorsatzpapiere fehlen tls., erste und letzte Lagen

mit einigen Wurmlöchern (vereinzelter Buchstabenverlust),

gelegentliche alte Marginalien und Vermerke, erstes Bl. mit

Randeinriß, ein weiteres Bl. (c2) mit Eckabriß; wenig

gebräunt und fleckig. – Erstes Bl. mit altem Besitzvermerk

des Kapuzinerklosters in Bludenz. – Siehe Abbildung.

First edition with these commentaries. – The extensive Bible

edition, commented in detail by Nikolaus von Lyra, comprises

altogether 1571 leaves. It is mostly divided into four

volumes, in a non-uniform way however. Our copy contains

Inkunabeln 33

Nr. 99

the complete text from the Genesis till the end of the book

Esther corresponding thus to the quires a1 till bB8. – Endpapers

partly missing, first and last quires with some wormholes

(occasionally loss of letters), here and there some old

marginalia and notes, first leaf with tear in margin, another

leaf (c2) with torn off corner; hardly browned and soiled. –

First leaf with contemporary ownership entry of the Ca -

puchin monastery at Bludenz. – Contemporary damaged

blind-pressed calf over wooden boards. – See illustration.

102 (BRUNSCHWIG, H., Kleines Destillierbuch.

Straßburg, J. Grüninger, 1500). Fol. Fragment mit

ca. 200 (einigen laienhaft alt ankolor.) Textholzschnitten

(1 doppelblattgr.). Beschäd. blindgepr.

Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. (116) 600,-

Erste Ausgabe des „Liber de arte distillandi, de Simplicibus.

Das Buch der rechten kunst zu distilieren.“ – Goff B 1227.

Schramm XX, 24. BMC I, 114. GW 5595. BSB B-932.

Sudhoff 59. – Vorhanden die Bl. I-X und XXV-CCI. – Alte

Gebrauchsspuren mit vielen Eintragungen des 16. und

17. Jhdts., einige Einrisse, meist mit braunen Leimspuren

entfernter Klebestreifen, stellenw. wasserrandig, stärker fingerfl.

und gebräunt.

103 CAMPANUS, J. A., Opera. Auf Veranlassung des

Jacobus Antiquarius hrsg. von Michael Fernus.

Rom, E. Silber für M. Fernus, 1495. 7 Tle. in 1 Bd.

Fol. Mit großem Titelholzschnitt und zahlr.

schwarzgrundigen Holzschnitt-Initialen (ohne

den großen Textholzschnitt am Ende des letzten

Teils). 301 (statt 305) Bl. Pgt. um 1900 mit goldgepr.

Rückentitel (leicht berieben). (55) 1.500,-


34

Nr. 101

Erste Ausgabe. – Goff C 73. GW 5939. IGI 2383. BMC IV,

117. BSB C-63. – Johann Andreas Campanus (1427-1477),

vielseitiger humanistischer Schriftsteller, sollte eigentlich

Schafhirte werden, machte aber eine Karriere, die der Fichtes

im 18. Jahrhundert gleicht, und brachte es bis zum

Sekretär von Papst Pius II. sowie zum Professor der Beredsamkeit:

„Vor allem war es die Eleganz der sprachlichen

Darstellung, worin ihn Niemand übertraf“ (Wetzer-W. II,

1777). – Es fehlen die letzten drei Blätter des siebten Teils

mit dem Textholzschnitt auf Bl. 302v. sowie ein Bl. mit dem

Widmungsbrief. – Titel und zweites Bl. mit restaurierten

Schäden im unteren Rand und restaurierten Wurmspuren

(wenig Darstellungs- und Buchstabenverlust), Titel unten

angerändert; wenige alte Marginalien, leicht gebräunt und

fleckig. – Zwei mod. Exlibris. – Siehe Abbildung.

104 CYPRIANUS, C., Opera. Hrsg. von Christo forus

de Priolis. Venedig, L. Dominici, 1483. Fol.

160 (statt 166) Bl. (das letzte weiß; ohne ersten

6 Bl., davon das erste weiß). Mod. Pgt. (Deckel

leicht aufgebogen, wenig fleckig). (55) 400,-

Goff C 1013. GW 7885. IGI 3297. BMC V, 281. BSB C-727.

– Die fehlenden ersten fünf bedruckten Bl. in Kopie beigeb.,

vier Bl. der Lage a mit großen, restaurierten Eckausrissen

(etw. Textverlust); einzelne von Laienhand eingemalte

Initialen und alte Marginalien, stellenw. etw. wasserrandig,

meist nur wenig fleckig und gebräunt.

Inkunabeln

105 DANTE ALIGHIERI, La Commedia. Mit Kommentar

von Ch. Landinus. Venedig, O. Scotus,

1484. Fol. Mit ganzseit. Textholzschnitt und ca.

100 Holzschnitt-Initialen, davon 3 größeren. Text

vom Kommentar umgeben. 267 (statt 270) Bl.

(ohne die Bl. a 10, f 7 und K 6). Hldr. um 1850

(Ecken bestoßen, beschabt, leicht fleckig). (54)

3.000,-

Goff D 30. IGI 361. BMC V, 279. GW 7967. Haym 184, 2. –

Nicht in der BSB. – Zweite Ausgabe (EA 1481) des umfangreichen

und über ein Jahrhundert lang das Danteverständnis

beeinflussenden, ja prägenden Kommentars zur „Göttlichen

Komödie“; verfaßt vom Humanisten, Dichter,

Rhetoriklehrer und Staatskanzler der Republik Florenz,

Cristoforo Landino (1425-1498). – Siehe auch Kat.-Nr. 184

(dort die Ausg. Venedig 1520). – Es fehlen die Bl. a 10

(= Schluß des Proömiums), f 7 (= Inf. VII, [127], bis VIII,

[24]) und das letzte Bl. (= K 6 mit dem Register). – Erstes Bl.

aufgezogen (geringer Textverlust am Innensteg), Holzschnitt

(gestempelt) mit in den vorgedruckten Rahmen eingemaltem

Wappen, einige Bl. mit kleineren Randläsuren

und Schäden im Falz (tls. hinterlegt oder tektiert und

dadurch mit etw. Textverlust), Bl. K 5 verso durch Verklebung

mit Textschäden (tektiert und hs. ergänzt), wenige alte

Marginalien, tls. stark gebräunt und fleckig.

Second edition (first edition 1481) of the extensive commentary

to the „Commedia“ influencing more than one century

the appreciation and understanding of Dante; written by the

humanist, poet, rhetoric teacher and chancellor of the Republic

of Florence, Cristoforo Landino (1425-1498). – See also

Cat. no. 184 (there edition Venice 1520). – Lacks leaves a

10 (= end of Proömium), f 7 (= Inferno VII, 127 till VIII,

24) and the last leaf (= K 6 with register). – First leaf mounted

(minor loss of text at inner margin), woodcut (stamped)

with arms painted in the printed frame, some leaves with

smaller tears in margin and damages at guard (partly backed

or covered with paper slip, therefore minor loss of text), leaf

K 5 verso with damages in text due to glue traces (covered

with paper slip and replaced by hand), some contemporary

marginalia, partly heavily browned and soiled. – Half calf

around 1850 (corners scuffed, scratched, slightly soiled).

106 DAVANZATI, B., Novella di Matteo e del grasso

legnaiolo. (Florenz, F. di Dino, um 1485). 4°. 24

(statt 32) nn. Bl. Flex. Pp. um 1800 (Gebrauchsspuren).

(55) 2.500,-

IGI 3378. GKW 8159. – Versfassung der Novelle über den

„fetten Tischler“, das bekannteste Werk des Florentiner

Dichters, gewidmet dem zwischen 1468 und 1495 nachweisbaren

Patrizier Cosimo Rucellai. – Es fehlt die letzte

Lage d. – Einzelne Bl. am Beginn und Ende tls. gelöst, die

letzten beiden Bl. mit kleinen Fehlstellen im Fußsteg, stellenw.

leicht gebräunt und stärker fleckig. – Die letzte Seite

mit hs. Kaufvermerk des 17. Jahrhunderts. – Weltweit nur

ein Exemplar in Florenz.

Lacks the last quire d. – Some leaves at the beginning and

the end partly unstuck, the last two leaves with small defects

at lower margin, here and there slight browning and stronger

soiling. – The last page with ms. purchasing note of the

17th century. – Worldwide only one copy in Florence. – Limp

cardboard around 1800 (signs of wear).


107 DECISIONES ROTAE ROMANAE. 3 Tle. in

1 Bd. Venedig, B. Benalius, 1496. Fol. Mit kleiner

Druckermarke vor dem Register, 2 größeren Initialen

mit Federwerk sowie zahlr. eingemalten Initialen

in Rot und Blau, durchgehend rubriziert.

8 nn., 148 (recte 158) num. (Bl. 90 weiß), 2 nn.,

33 num., 24 nn. Bl. Restauriertes blindgepr. Ldr.

d. Zt. auf Holzdeckeln. (54) 6.000,-

IGI 8461. BMC V, 376. GW 8208. BSB D-90. – Nicht bei

Goff. – Sammlung von Entscheidungen des päpstlichen

Auditorengerichts, unabhängig voneinander durch einzelne

Auditoren zusammengestellt. – Hinterer Vorsatz mit montierter

Holzschnittvignette, Titel mit Spuren von Rasuren

sowie hinterlegten Randläsuren, die Bl. h ii und L I mit kleinem,

restaurierten Randausriß, einzelne Unterstreichungen

und Marginalien von alter Hand in Tinte, einzelne Flecken,

stellenw. etw. wasserrandig. – Aus der Bibliothek des be -

kannten Tournaiser Verlegers J. Casterman. – Siehe Abbildung

Tafel 6.

Lower endpaper with mounted woodcut vignette, title with

traces of erasure as well as backed tears in margin, leaves

h ii and L I with small restored marginal tear-out, some

underlinings and marginalia by contemporary hand in ink,

isolated stains, here and there some waterstains. – From

the library of the publisher J. Casterman. – Contemporary

restored blind-pressed calf over wooden boards. – See illustration

on plate 6.

108 EINBLATTDRUCKE – TÜRKEN – BARTHO-

LOMAEUS DE CAMERINO, Ablaßbrief zum

Besten des Kampfes gegen die Türken (Incipit:

„Nos Bartholomaeus de Camerino“). Einblattdruck

mit großer Holzschnitt-Initiale. O. O., Dr.

und J. (Nürnberg, Augustiner-Eremiten, 1484).

Qu.-4° (Schriftspiegel: 12,3 x 20,6 cm, Blattgr.:

20,3 x 30,8 cm). 33 Zl. Loses Bl., ohne Einband.

(50) 2.000,-

GW (Einbl.) 409. GW 03431. VE 15 B-18. BSB B-107.

Holter, Ablaßbriefe, 3. – Urkundenformular (hier nicht ausgefüllt)

des päpstlichen Legaten Sixtus IV., Bartholomäus

de Camerino, für Ablaßzahlungen zugunsten der Türkenkriege.

– Der GW verzeichnet 13 verschiedene Drucke des

Ablasses, von dieser Nürnberger Variante aber nur ein einziges

Exemplar im Katalog der BSB München nachweisbar,

das laut GW vermißt wird. – Makulaturblatt: Ränder mit

einigen Läsuren, Eckabriß und kleinem Loch sowie etw.

leimschattig, Text nur gering fleckig, leicht gebäunt, rückseitig

mit blassem Stempel (nicht leserlich). – Siehe Abbildung

Seite 31.

Questionnaire (not filled in here) by the pontifical legate

Sixtus IV, Bartholomäus de Camerino, for payments of

indulgence for the benefit of the Turkish wars. – GW lists

13 different printings of this letter of indulgence, but only

one copy of this Nuremberg version is recorded in the catalogue

of the BSB Munich which, according to GW, is missing.

– Waste sheet: Margins somewhat damaged, torn off

corner and small hole as well as some glue traces, text

minimally soiled, slightly browned, verso with faint stamp

(not legible). – Loose leaf, not bound. – See illustration on

page 31.

Inkunabeln 35

Nr. 109

Erster Heidelberger Druck

109 (EVRARDUS DE VALLE SCHOLARUM,

PSEUD.:) HUGO DE PRATO FLORIDO, Sermones

de sanctis. Heidelberg, H. Knoblochtzer,

1485. Fol. Mit einer Initiale mit auslaufendem

Federwerk sowie zahlr. in Rot eingemalten Initialen.

286 nn. Bl. (das letzte weiß). Beschäd. blindgepr.

Kalbleder auf Holzdeckeln. (55) 18.000,-

Erste Ausgabe. – Goff H 513. IGI 4916. BMC III, 666.

GW 9489/20. BSB E-134. – „Seine 'Sermones de sanctis'

sind unter dem Namen Hugo de Prato Florido gedruckt.

Durch die handschriftliche Überlieferung scheint die

Zuweisung an Evrardus gesichert“ (GW). – Einband mit

Rautenmuster, Rundstempeln mit Lamm Gottes, Evangelistensymbolen

und floralen Motiven. – Mit Makulatur aus

einer hochmittelalterlichen liturgischen Handschrift mit

Neumen, wenige Bl. mit kleinen Randausrissen, einzelne

Kolumnentitel von alter Hand korrigiert, winzige Wurmspuren

im Rand, unterschiedlich gebräunt, stellenw. etw.

fleckig. – Wappenexlibris von Albert Ehrmann (1890-1969)

sowie Exlibris der „Bibliotheca Broxbourniana“, der Titel

mit hs. Besitzvermerk des Salzburger Petersklosters. – Siehe

Abbildung.

First edition. – With waste sheet from a liturgial manuscript

with neumes of the high Middle Ages, some leaves with

small marginal tear-outs, some page titles corrected by contemporary

hand, tiny worm traces at margin, variable

browning, here and there a little soiled. – Armorial exlibris

of Albert Ehrmann (1890-1969) and exlibris of „Bibliotheca

Broxbourniana“, title with ms. ownership entry of the Salzburg

Peter's monastery. – Damaged blind-pressed calf over

wooden boards. – See illustration.


36

Nr. 113

110 FALCUCCI, N., Sermonum liber scientie me -

dicine qui continet octo sermones. Venedig, B.

Locatellus für O. Scotus, 1507. Gr.-Fol. Fragment

der Sermones II und III. Restauriertes Schweins -

ldr. d. Zt. über Holzdeckeln (einige Wurmlöcher,

fleckig, beschabt und bestoßen). (55) 1.000,-

EDIT 16 CNCE 38444. Durling 1423. – Nicht bei Adams

und im STC. – Seltene, besonders schön gedruckte Post inkunabel

in gotischer Type und mit Holzschnitt-Initialen in

Nachahmung von Miniaturen. – Vorhanden der zweite Teil

„De febribus“ (251 num., 1 nn. Bl.) sowie ein Bruchstück

des dritten „De membris capitis“ (bis Bl. 85). – Die im

Buchblock fehlenden Bl. am Anfang und Ende durch weiße

ersetzt, stellenw. kleine Wurmgänge, etw. wasserrandig, fleckig

und gebräunt.

Rare, particularly beautifully printed post-incunable in

Gothic type and with woodcut initials imitating illumina tions.

– There is the second part „De febribus“ (251 num -

bered, 1 unnumberd leaf) as well as a fragment of the third

„De membris capitis“ (till leaf 85). – The leaves missing in

the book-block at the beginning and the end are replaced

by blank ones, here and there minor worming, some water -

stains, soiling and browning. – Contemporary restored pig -

skin over wooden boards (some worm holes, soiled, scratched

and scuffed).

111 FLISCUS – GUILLERMUS SAPHONENSIS,

Epistolarum conficiendarum ars. (Lyon, Drucker

des Baldovinus Sabaudiensis, um 1495-1500). 4°.

7 Bl. Mod. Ldr. (55) 200,-

Inkunabeln

Goff F 204. GW 10014. – Dritter (und letzter) Teil der „Sententiarum

variationes“ des Stephanus Fliscus. – Druckerzuweisung

nach dem Gesamtkatalog, Goff vermutete den

Autor des vorliegenden Anhangs, Carcain Traversanus (latinisiert

Guillermus Saphonensis), als Drucker. – Fleckig,

einige alte Vermerke.

112 JACOBUS DE VORAGINE, Legenda aurea,

italienische Übers. von Niccolò Malermi. Venedig,

N. Jenson, (1475/76). Fragment mit 278 Bl.

Mit einigen in Blau eingemalten Initialen. Ldr. d.

19. Jhdts. im Stil d. Zt. (leicht berieben und bestoßen).

(55) 600,-

Goff J 174. IGI 5037. GW M11488. – Nicht in den Katalogen

des British Museum und der BSB. – Der Druck umfaßt

vollständig 316 Blätter. In unserem Exemplar fehlen die ersten

17 und die letzten 16 Bl. sowie fünf innerhalb des Buchblocks

(fol. 18-300, alt hs. numeriert). – Ein Bl. mit Marginalien;

fleckig und gebräunt. – Erstes Bl. mit Stempel der

Bibliothek Gustavo Camillo Galletti (1805-1868; nicht bei

Lugt), die viele Inkunabeln enthielt.

113 LACTANTIUS, L. C. F., Opera. (Venedig, Adam

de Ambergau, 1471). Fol. Mit eingemaltem Wappen

auf dem ersten Bl. und 6 Rankeninitialen mit

Vergoldung (beides in Deckfarben) sowie einigen

eingemalten Initialen in Rot und Blau. 202 (statt

220) Bl. Mod. Ldr. (Gelenk gebrochen, beschabt

und bestoßen). (54) 5.000,-

Goff L 4. IGI 5622. BMC V, 188. GW M16549. BSB L-4. –

Enthalten sind die „Divinae institutiones“, „De ira Dei“

und „De opificio Dei“. – Zum dem vermutlich aus Ammergau

in Oberbayern stammenden Drucker vgl. ADB I, 42. –

Das Wappen im Fußsteg des ersten Blattes, in einem von

Putten getragenen Lorbeerkranz, zeigt einen Baum über

einem Erdhügel oder Bienenstock. Die Deckfarben-Initialen

mit vergoldeten Buchstabenkörpern und weißen Ranken

vor blau-grünem Grund im Stil der hochmittelalter lichen

italienischen Riesenbibeln. – Es fehlen am Beginn die

Bl. 1-12, d. h. das erste weiße Bl., die Rubriken und Kapitelverzeichnisse,

die „Errata von Antonius Raudensis“ und

das Scheltgedicht gegen Antonius von Adam Genuensis; am

Ende fehlen die Bl. x 3-8 mit „De ave Phoenice“, den Auszügen

aus Ovids Metamorphosen und aus Dantes Divina

Commedia, dem Druckvermerk und den Versen „De re -

surrectione domini“ von Venantius Fortunatus sowie das

weiße Blatt. – Gegen Ende mehrere Bl. mit kleinen, tls. hinterlegten

Fehlstellen (etw. Textverlust), die hs. eingetragenen

Kolumnentitel und die hs. Foliierung tls. beschnitten,

die blauen Initialen meist verblichen, einzelne Marginalien,

Handhinweise und Unterstreichungen, wenige Bl.

gebräunt und fleckig. – Exlibris mit der Devise „Torcular

calcavi solus“ des Bibliographen und Inkunabelsammlers

John Auguste Madden (1808-1889) sowie mod. Exlibris von

L. Froissart. – Siehe Abbildung.

Lacks at the beginning leaves 1-12, i. e. the first blank leaf,

the captions and chapter indexes, the „Errata by Antonius

Raudensis“ and the scolding poem against Antonius by

Adam Genuensis; lacks at the end leaves x 3 – x 8 with „De

ave Phoenice“, the extracts from Ovid's metamorphoses and

from Dante's Divina Commedia, the imprint and the verses

„De resurrectione domini“ by Venantius Fortunatus as well

as the blank leaf. – Towards the end several leaves with

small, partly backed defects (some loss of text), the captions


and consecutive numbering partly cropped, the blue initials

mostly faded, isolated marginalia, references by hand and

underlinings, some leaves browned and soiled. – Exlibris

with the motto „Torcular calcavi solus“ of the bibliographer

and collector of incunables John Auguste Madden (1808-

1889) as well as modern exlibris of L. Froissart. – Modern

calf (joint broken, scratched and scuffed). – See illustration.

114 (LUDOLPHUS DE SAXONIA), Vita Christi.

Niederländisch: Dat booc vanden leven ons liefs

here(n) ihu cristi. Zwolle, P. van Os aus Breda,

„MCCCCcXIX“ (= 1499). Fol. Mit Titelholzschnitt,

großer Holzschnitt-Initiale, 160 (28 ganzseit.)

tls. aus mehreren Stöcken zusammengesetzten

Textholzschnitten, Druckermarke am Schluß

und einigen rot eingemalten Initialen. 10 nn.,

CCCXLVII (recte 345) num. Bl., 1 weißes Bl.

Blindgepr. Ldr. des 19. Jhdts. im Stil der Spätgotik

mit zwei Messingschließen (leicht berieben und

bestoßen). (55) 18.000,-

Sechste niederländische (fünfte illustrierte) Ausgabe, der

zweite Druck bei van Os. – Goff L 357. GW M19276.

Campbell-K. 1185. Hollstein XII, 200. – Die holländischen

Ausgaben der Vita Christi des Ludolphus zeichnen sich

durch besonders reiche, künstlerisch hochstehende Illustrationen

aus. Die Holzschnittfolge wird hier nach den

Ausgaben von 1487/88 mit sechs erneuerten Stöcken

benutzt. Sie wird hauptsächlich dem sogenannten „Second

Gouda woodcutter“ und dem „First Antwerp woodcutter“

zugeschrieben, „hervorzuheben sind die teils nach der Kölner

Bibel kopierte Serie vom Meister der Virgo inter Vir -

gines und die Holzschnitte des Second Gouda woodcutter,

die weitgehend auf Israel van Meckenems kleiner Passionsfolge

basieren“ (von Arnim 216, zur Ausgabe Zwolle 1495).

– Laut ISTC nur ein Exemplar in den USA und zwei in

Deutschland (nicht in der BSB). Nicht im Katalog des British

Museum. – Einige Holzschnitte alt von Laienhand

ankoloriert (wenige auch vollständig koloriert). – Vorderer

Vorsatz alt restauriert und mit einigen Besitzeinträgen, hinterer

Vorsatz erneuert, Titel angefalzt und mit Randläsuren,

die letzten acht Bl. mit alt restaurierten Ausrissen im oberen

Rand (tls. mit etw. Textverlust) und tls. angefalzt; einzelne

meist ältere Marginalien, stellenw. kleine Wasserränder,

durchgehend fleckig und gebräunt (Titel stärker). – Siehe

Abbildung.

115 MAILLARDUS, O., Sermones de adventu, quadragesimales,

domininicales cum aliis sermonibus.

Sermones de stipendio peccati et gratiae praemio.

3 Tle. in 1 Bd. Lyon, J. de Vingle, 1498. Mit großer

schwarzgrundiger Druckermarke am Ende von

Tl. II und zahlr. schwarzgrundigen Holzschnitt-

Initialen. 6 nn., LXXVII num., 1 weißes, CXI

(rec te CXIII) num., 1 nn., CV num., 1 nn. Bl. (ohne

die Lage AA = 8 nn. Bl. von Tl. II). Pgt. um 1900

(leicht fleckig). (54) 1.000,-

Goff M 73. IGI 5974, 5979 und 5977. BMC VIII, 314, Anm.

GW M 19985. BSB M-26. Baudrier XII, 305. – Zweiter

Druck dieser Sammlung im Jahr der ersten Ausgabe, vom

5. November bis 10. Dezember 1498 hergestellt (der erste

Druck war von Mai bis August gedruckt worden). – Der

Franziskaner Olivier Maillard (geb. um 1430, gest. 1502)

brachte es bis zum Beichtvater von Kaiser Karl V. und hat

Inkunabeln 37

Nr. 114

sich in der Kirchengeschichte als „gewaltiger, gesuchter und

gefürchteter Volksprediger“ (LThK VI, 798) einen Namen

von bleibendem Ruhm erpredigt. Ähnlich wie später bei

Abraham a Sancta Clara sind Maillards Sermone mit viel

Unklassischem, Vulgären durchsetzt, was ihm von Jöcher

(III, 49) den Tadel einbringt, er habe die Laster seiner Zeit

„zuweilen mit fast lächerlichen Ausdrückungen, aufs hefftigste

bestraffet.“ Tatsächlich geißelte er freimütig die Grausamkeiten

des französischen Königs, und als einen entschiedenen

Kämpfer gegen den päpstlichen Ablaßhandel in

dessen Hochblüte kann man ihn diesbezüglich durchaus als

Vorläufer Luthers bezeichnen. – Es fehlt die Tabula zum

zweiten Teil (= Lage AA).

Erster Teil mit Wurmloch im Seitensteg (vereinzelt ganz

geringe Buchstabenberührung), Titel des zweiten Teils mit

altem, hs. Besitzvermerk; alle Teile gebräunt und fleckig.

Kopfsteg tls. knapp beschnitten, wenige einzelne Buchstaben

und Zahlen von Kolumnentitel und Pagina minimal

angeschnitten. – Mod. Exlibris in Holzschnitt, entworfen

1960 von Charles Favet (1899-1982) für Augustin Seguin

(1889-1965) aus der dritten Generation der französischen

Industriellenfamilie der Seguin. – Der Einband stellt ein

schönes Beispiel für eine gelungene historistische Buch -

decke dar: beide Deckel mit Fileten in Rot, die auf den inkunabelzeitlichen

Brauch des Reglierens anspielen, auf dem

Rücken die Beschriftung „O. Maillardi – Sermones“ mit

Initialen „M“ und „S“ in Rot, beide mit Federwerk in Rot

und Schwarz, und zwischen dem Titel und dem Erscheinungsjahr

am Fuß ein großes Zierstück in Rot, alles in

Deckfarben in feiner Ausführung auf die mit spanischen

Kanten ausgestattete Pergamentdecke aufgemalt.

Second issue of this collection in the year of first edition, printed

from November 5th to December 10th, 1498 (the first

issue had been printed from May to August). – Lacks tabula

to second part (= quire AA). – First part with wormhole at


38

margin (occasionally affecting letters), title of second part

with old ms. ownership entry; all parts browned and soiled.

Upper margin partly closely trimmed, some letters and numbers

of column titles and pagination minimally cut. –

Modern exlibris for Augustin Seguin (1889-1965) from the

third generation of the French Seguin industrialist family. –

Vellum around 1900 (slightly soiled).

116 NICOLAUS DE AUSMO, Supplementum sum -

mae Pisanellae. – ASTESANUS, Canones poenitentiales.

– ALEXANDER DE NEVO, Consilia

contra Judaeos faenerantes. Venedig, F. Renner

und Nikolaus von Frankfurt, 1476. Kl.-Fol. 355

Bl. (ohne das erste weiße Bl.). Pgt. des 18. Jhdts.

(Vorderkante des Vorderdeckels aufgeplatzt,

Ecken bestoßen, beschabt, fleckig). (54) 3.000,-

Goff N 67. IGI 6872. BMC V, 193. GW M 26253. BSB N-

72. – Enthält die Fortsetzung der 1338 vom Dominikaner

Bartholomaeus de Sancto Concordio (Bartolomeo da San

Concordio; 1262-1347) verfaßten „Summa Pisanella“, die

vom Franziskaner Nicolaus de Ausmo (Niccolò da Osimo)

1444 fertiggestellt wurde. Die Erweiterungen des Nicolaus

beziehen sich vor allem auf die juristischen Elemente der

Summa Pisanella. Der zweite Teil stammt von dem Minoriten

Astesanus (Astesano d'Asti), der um 1330 gestorben ist.

Im dritten Teil behandelt Alexander de Nevo (Alessandro

Nievo; gest. 1484) aus christlicher Sicht jüdische Geldverleiher.

– Einige Handhinweise und wenige Glossen von alter

Hand in Tinte, tls. etw. gebräunt, leicht fleckig. – Aus klösterlichem

Besitz mit altem hs. Eintrag auf dem ersten Blatt:

„spectat ad Conventum Pauli Spoleti“ (Convento di San

Paolo inter vineas in Spoleto, der von 1461-1865 bestand).

Some ms. indications and a few glosses by contemporary

hand in ink, partly a little browned, slightly soiled. – From

the possession of a monastery with old ms. entry on first leaf:

„spectat ad Conventum Pauli Spoleti“ (Convento di San

Paolo inter vineas in Spoleto, existing from 1461-1865). –

Vellum of the 18th century (lead edge of front cover bursted,

corners scuffed, scratched, soiled).

117 PETRUS LOMBARDUS – BONAVENTURA,

S., Quaestiones in IV libros sententiarum Petri

Lombardi, a Johanne Beckenhaub emendatae. Bd.

II (von 5). (Nürnberg, A. Koberger, 1491). Fol.

Mit einer größeren und einigen kleineren eingemalten

Initalen in Rot. 258 (statt 260) Bl. Mod.

Hldr. unter Verwendung der alten Deckel. (54)

2.500,-

Erste Ausgabe. – Goff P 486. GW M32527. BMC II, 433.

BSB P-387. – Seltene Ausgabe von Bonaventuras Kommentar,

die vier Teile und einen Registerband umfaßt. – Der

Name des Druckers wird im Widmungsbrief in Band I

genannt. – Es fehlen die Blätter Aa 8 und U 6. – Vorder deckel

mit hübschem Jagdfriesrahmen um das ornamental

geprägte Binnenfeld. – Titel mit Besitzeintrag des Klosters

Herrenchiemsee, kleine Wurmspuren (minimaler Buch -

stabenverlust), stellenw. wasserrandig, kaum fleckig. – Ge -

stoch. Exlibris von Jacob Mayr (1699-1717), Propst von

Herrenchiemsee.

Inkunabeln

First edition. – Lacks leaves Aa 8 and U 6. – Front cover

with nice frame showing hunting scenes bordering the inner

area decorated with ornamental elements. – Title with

ownership entry of the Herrenchiemsee monastery, small

worm traces (minor loss of letters), waterstains here and

there, hardly soiled. – Engraved exlibris of Jacob Mayr

(1699-1717), provost of Herrenchiemsee. – Modern half calf

by using the old covers.

118 PIUS II. (AENEAS SILVIUS PICCOLOMINI),

Epistolae familiares. Nürnberg, A. Koberger,

1481. Fol. Mit zahlr. eingemalten Initialen in Rot

und Blau, durchgehend rubriziert. 244 (statt 246)

Bl. Stark beschäd. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln.

(54) 2.000,-

Erste Koberger-Ausgabe, die dritte insgesamt. – Goff P 717.

IGI 7775. BMC II, 421. GW M 33692. BSB P-520. – Es fehlen

die Blätter a I-II mit den Briefen 1-3. – Mit hs. Besitzvermerken

von Johann Weikhard von Auersperg (1615-

1677) und Wolfgang Engelbert von Auersperg, datiert 1655.

– Das Bl. 5 weitgehend lose, Bl. 6 mit Fehlstelle im Bundsteg,

ein Bl. mit Einriß im Kopfsteg, anfangs mit kleinen

Wurmspuren (kaum Buchstabenverlust); mehrere zeit -

genössische Marginalien, gegen Ende Braunfleck in der

unteren Ecke, sonst nur wenig fleckig. – Aus der Fürstlich

Auerspergischen Fideikommißbibliothek in Laibach.

First Koberger edition, the third altogether. – Leaf 5 to a

great extent loose, leaf 6 with defect at inner margin, one

leaf with tear at upper margin, at the beginning minor

worming (hardly affecting letters), several contemporary

marginalia, brown stain towards the end at lower corner,

otherwise hardly soiled. – From the princely Auersperg

Library at Laibach. – Contemporary heavily damaged calf

over wooden boards.

119 REUCHLIN, J., Vocabularius breviloquus –

GUARINUS VERONENSIS, Ars diphthongandi

– JOHANNES HEYNLIN DE LAPIDE,

De arte punctandi dialogus – TRACTATUS de

accentu. Nürnberg, (A. Koberger), 1498. 388 nn.

Bl. Blindgepr. Schweinsldr. um 1600 auf Holz -

deckeln mit intakten Schließen (beschabt, fleckig).

(50) 2.500,-

Goff R 169. IGI 8338. BMC II, 438. GW M 37923. BSB

R-156. Benzing, Reuchlin, 17 und S. 1: „Der Vocabularius

breviloquus ist ein lateinisches Wörterbuch, das Reuchlin

wohl im Auftrag des Druckers Johann Amerbach zu Basel

in jungen Jahren zusammengestellt hat. In keiner der zahlreichen

Druckausgaben wird er als Verfasser bezeichnet.

Aber nach seinem ausdrücklichen Zeugnis und einer Äußerung

Melanchthons ist er als solcher anzusehen. In der

Reuchlinliteratur ist stets von 25 Ausgaben bis zum Jahre

1504, in dem die letzte erschien, die Rede. Diese Zahl ist

nicht mehr haltbar: es gibt in Wirklichkeit nur 22 sichere

Ausgaben, davon 20 in der Wiegendruckzeit.“ – Vorliegend

die 17. Ausgabe, die erste bei Koberger gedruckte. – Titel

außerhalb des Textes an einigen kleinen Stellen angefasert,

Lage l gelockert, Bl. q(8) am Fußsteg etw. eingerissen,

durchgehendes Wurmloch am Fußsteg, erste und letzte

Lage mit geringen Randschäden und kleinen Wurmlöchern

(minimaler Buchstabenverlust); gebräunt, tls. fleckig und

stärker wasserrandig. Letztes Bl. verso mit Schenkungsvermerk

von 1586. – Nicht im Jahrbuch.


Here the 17th edition, the first printed by Koberger. – Title

outside text neatly restored at some places, quire l loosened,

leaf q(8) somewhat torn at lower margin and with worming

throughout, first and last quire with minor tears in margin

and small wormholes (minor loss of letters); browned, partly

soiled and with stronger waterstains. Last leaf verso with

donation note of 1586. – Not at Jahrbuch. – Blind-pressed

pigskin around 1600 over wooden boards with 2 working

clasps (scratched, soiled).

120 TURRECREMATA, J. DE, Quaestiones evangeliorum

de tempore et de sanctis. Mit Vorrede des

Autors an das Kardinalskollegium. 2 Bde. Nürnberg,

F. Creussner, 1478. Fol. Mit zahlr. in Rot eingemalten

Initialen, durchgehend rubriziert. 186,

100 Bl. Mod. Ldr. (54) 8.000,-

Goff T 546. IGI 9888. BMC II, 450. GW M 48299. BSB

T-565. – Erörterungen zu den Perikopen der Sonntage und

der Heiligenfeste des Kirchenjahres; verfaßt vom spanischen

Dominikaner und Kardinal Juan de Torquemada

(Johannes de Turrecremata; 1388-1468). Das Werk wurde

bereits in der Inkunabelzeit mehrfach aufgelegt: der Erstdruck

erschien 1477 in Rom; vorliegend eine von 2 im Jahr

darauf erschienenen Ausgaben (die andere hat Petrus in

Altis de Olpe in Köln verlegt), hier also die zweite oder

dritte Ausgabe überhaupt.

Bd. I: Das weiße Bl. a 1 mit einem über die ganze Seite reichenden,

nicht eindeutig lesbaren zeitgenössischen Besitzernamen

in Tinte mit einem halbseitigen Initialbuchstaben

„R“. Üppig rubriziert, die eingemalten Initialen vielfach

mit Federwerk. – Aus dem Besitz des Franziskanerklosters

Ingolstadt mit dem hs. Vermerk auf dem ersten Blatt: „Ad

Bibl(io thecam) P. P. [Patrum] Franciscan(orum) Ingol -

st(adiensium)“. – Bd. II: Ohne die weißen Bl. A 1 und M

10. – Bl. M 9 verso mit leicht rasiertem Stempel. – Ebenfalls

durchgehend, aber weniger reich als der erste Band rubriziert

und von der Hand eines anderen Rubrikators, was

besonders an den Initialen auffällt, die im Unterschied zu

den vielfach variierten, spielerisch abgewandelten, oft recht

leichten Formen im ersten Band nun gleichmäßig und eher

schwer und massiv durch die vom Schreiber bevorzugte

quadratische Strenge wirken. – Beide Bde.: Leicht gebräunt,

gering fleckig, tls. etw. wasserrandig. Alle Bl. mit hs. Fo -

liierung, tls. fehlerhaft, aus neuerer Zeit in Bleistift. – Im

Format geringfügig abweichend, ebenso in der Blind -

prägung der Deckel und in den Einfärbungen der Schnitte

(I: blau, II: rot). – Zwei wohlerhaltene, seltene Drucke aus

der Offizin des Nürnberger Druckers Friedrich Creussner,

gerade auf Grund ihrer kleinen gestalterischen Unterschiede

von hohem ästhetischen Reiz.

Inkunabeln 39

Considerations to the pericopes of Sundays and the saint's

days of the church year; written by the Spanish Dominican

and cardinal Juan de Torquemada (1388-1468). The work

was already published several times during the incunabula

period: the first edition was published at Rome in 1477; here

one of 2 editions published the following year (the other

published by Petrus in Altis de Olpe at Cologne), we have

here the second or third edition altogether. – Vol. I: The

blank leaf a 1 with contemporary owner's name in ink, not

clearly legible, reaching over the whole page, with half-page

initial letter „R“. Lavishly rubricated, the illuminated ini -

tials often with penwork. – From the possession of the Franciscan

monastery of Ingolstadt with ms. note on first leaf:

„Ad Bibl(iothecam) P. P. [Patrum] Franciscan(orum)

Ingolst(adiensium)“. – Vol. II: Without the blank leaves

A 1 and M 10. – Leaf M 9 verso with slightly erased stamp.

– Also rubricated throughout, less lavishly than the first

volume, by the hand of another rubricator, particularly

apparent at the initials which are now regular and rather

severe compared to the light and variable forms in the first

volume. – Both vols.: Slightly browned, minimally soiled,

partly with some waterstains. All volumes with ms. consecu

tive numbering, partly incorrect, from a more recent

period in pencil. – Minimally differing in size, as well as in

blind tooling of covers and colouring of edges (I: blue,

II: red). – Two well preserved and rare printings from the

printing office of the Nuremberg printer Creussner, very

attractive due to their creative difference. – Modern blindpressed

calf.

121 VERGILIUS MARO, P., Opera. Mit Kommentar

von Maurus Servius Honoratus. Venedig, B. de

Tortis, 1487. Fol. 235 (statt 242) Bl. (ohne die letzten

6 Bl. und das weiße Schlußblatt). Mod. Ldr.

(leicht berieben). (55) 800,-

Goff V 178. GW M49829. BSB V-119. Schweiger II, 1152:

„Enthält die kleinern Gedichte, aber nicht den Commentar

des Domitius, und ist vielleicht eine Wiederholung der ersten

Ausgabe des Bapt. de Tortis von 1483.“ – Der ISTC

weist nur zehn komplette Exemplare weltweit nach, da -

runter drei in den USA. – Nicht im Katalog des British

Museum. – Fol. 1r. (leer) mit gestrichenen Besitzeinträgen,

anfänglich mehrere Bl. mit restaurierter unterer Ecke; einige

alte Marginalien (tls. beschnitten), einzelne Initialen laienhaft

eingemalt, durchgehend etw. fleckig und gebräunt.

122 bis 125 entfallen.


40

Nr. 254


Nr. 233

126 ALAMANNI, L., La coltivatione. Florenz,

(B. Giunta), 1549. Mit 2 wdh. Holzschnitt-

Druckermarken. 102 num., 1 nn. Bl. Spät. Pgt. mit

Rsch. (etw. fleckig und bestoßen). (49) 250,-

Adams A 411. STC 12. IA 102.052. Gamba 17, Anm. –

Hauptwerk des Luigi Alamanni, eines Vertrauten der

Medici, der sich nach dem Sturz der Republik 1530 nach

Paris begab, wo seine Bildung und Gewandtheit ihm das

Vertrauen von König Franz I. und König Heinrich II. verschafften.

Er war u. a. französischer Botschafter bei Karl V.

Sein Ruhm beruht vor allem auf seinem von Vergils

„Georgica“ inspirierten Gedicht über den Landbau. – Vorsätze

mit Wurmspuren, Titel mit Besitzeintrag von alter

Hand, stellenw. fleckig.

127 ALLOTT, W., Thesaurus bibliorum, omnem

utriusque vitae antidotum secundum utriusque

instrumenti veritatem & historiam succincte

complectens. Antwerpen, G. van den Rade für

Alte Drucke und alte Theologie

P. Bellère, 1576. Mit Druckermarke auf dem Titel.

8 nn., 147 (recte 418) num., 14 nn. Bl. Blindgepr.

Schweinsldr. d. Zt. (beschabt, bestoßen, fleckig).

(22) 200,-

Erster Druck der ersten Ausgabe. – IA 103.758. – Vgl. STC

24 (zweiter Druck 1577). – Nicht bei Adams. – Dogmatisch-exegetisches

Wörterbuch und Personenlexikon zur

Bibel in einem Alphabet. – Vorsatz mit alter hs. Widmung,

Titel gestempelt und mit mehreren alten Besitzvermerken

(teils gestrichen), gebräunt, fleckig. – Selten.

128 ANGELI, P., Epithalamium in nuptias Francisci

Medicis et Ioannae Austriacae. Florenz, Giunta,

1566. 4°. Mit Titelholzschnitt. 20 S. Pgt. d. Zt.

(Deckel gewölbt, fleckig). (54) 300,-

STC 29. EDIT 16 CNCE 1787. IA 105.677. – Hochzeitsge -

dicht des Neulateiners. – Mehrf. gestempelt, angeschmutzt

und wasserrandig. – Mod. Exlibris.

41


42

Nr. 138

129 ARISTOPHANES, Veteris comoediae princeps:

Poeta longe facetissimus & eloquentissimus. Ed.

N. Frischlin. Frankfurt, J. Spies, 1586. Mit 2 Druckermarken.

8 nn., 368 num. Bl. Flex. Pgt. d. Zt.

(49) 800,-

STC 40. Adams A 1718. IA 107.677. VD 16 A 3269. Ebert

1088. Hoffmann I, 268: „Rarissima editio.“ Wilhelmi-Seck

82. – Erste Ausgabe in der Bearbeitung des schwäbischen

Dichters und Philologen Frischlin, mit dessen Biographie

des Aristophanes. Griechisch-lateinischer Paralleldruck. –

Besitzvermerk des Barons Diepenbroick, erstes und letztes

Blatt leicht beschädigt.

130 ARISTOTELES, Opera, Latinitate partim antea,

partim nunc primum a viris doctissimis donata.

Bde. I und II (von 3) in 1 Bd. Basel, J. Oporinus,

1548. Fol. Mit Druckermarke auf dem Titel sowie

einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen und

-Dia grammen. 12 Bl. (letztes weiß), 211 S., 4 Bl.,

677 S. Blindgepr. Hschweinsldr. d. Zt. über vier

Doppelbünden, Deckel mit Pergamentbezug aus

einem Missale d. 14. Jhdts. mit großer Federwerk-

Initiale „P“ auf dem Vorderdeckel (etw. fleckig,

berieben und bestoßen). (91) 5.000,-

Alte Drucke und alte Theologie

Nachdruck der von Bebel 1538 gedruckten Ausgabe,

besorgt von Hieronymus Gemusaeus. – Adams A 1743.

IA 108.137. VD 16 A 3284. Hieronymus, Griech. Geist,

113 Anm. Schweiger I, 57. Cranz 49. – Diese Ausgabe nicht

im STC. – Enthält auch Melanchthons „De vita Aristotelis“

und von J. L. Vives „De Aristotelis operibus censura“.

– Titel im Rand etw. angeschmutzt und mit kleinen Läsuren,

einige Blattweiser, insgesamt sehr sauber und wohlerhalten.

– Titel mit Besitzvermerk und Stempel der Kartause

Buxheim. – Auf dem vorderen Innendeckel großes prachtvolles

Wappenexlibris des Georg Keuther aus Königsberg

(Ostpreußen) in Deckfarben über Federzeichnung mit

Datum 1559. Von Keuther ist auch ein Stammbuch erhalten,

und er ist als Auftraggeber von Handschriften belegt;

seine Initialen „G K R“ [Georgius Keutherus Regiomontanus]

sind auch auf den Einband geprägt. – Siehe Abbildungen

Tafel 6.

Reprint of the edition printed by Bebel in 1538. – On upper

inner cover large magnificent armorial bookplate of Georg

Keuther from Königsberg (East Prussia) in gouache over pen

and ink drawing dated 1559. There exists also an album

amicorum by Keuther and he is known to have commissioned

manuscripts; his initials are stamped on the binding. –

Contemporary blind-pressed half pigskin over four double

bands, boards covered with vellum from a missal of the

14th century, with large penwork initial „P“ on front cover

(some soiling, rubbing and scuffing). – See illustrations on

plate 6.

131 – Ethicorum libri decem, ad Nicomachum con -

scripti. I. Argyropylo & D. Lambino interpre tibus,

cum D. Acciaioli commentarijs & R. Volateran(i)

argumentis. Venedig, Bertano, 1576. Fol.

Mit Druckermarke auf dem Titel und dem letzten

Blatt sowie einigen Textholzschnitten. 20 nn., 209

num., 1 nn. Bl. Pgt. d. Zt. mit Rtit. (Ge brauchs -

spu ren). (49) 400,-

EDIT 16 CNCE 2984. IA 108.609. Riley 108. – Nicht im

STC und bei Adams. – Im Kolophon 1575 datiert. – Titel

verso mit Bibliotheksmarke, einige Zierstücke ankoloriert,

stellenw. mit Wurmspuren (kleiner Textverlust), tls. leicht

gebräunt und wenig fleckig.

132 – Organum. Iul. Pacius recensuit, atque ex libris

cum manuscriptis tum editis emendavit. Editio

secunda. 2 Tle. in 1 Bd. Frankfurt, A. Wechels

Erben, C. Marne & J. Aubry, 1597. 4°. Mit zahlr.

Textholzschnitten. 8 Bl., 895 S., 4 Bl., 436 (recte

536) S. Restauriertes blindgepr. Ldr. d. Zt. (54)

800,-

VD 16 A 3528. Adams A 1867. IA 108.754. Ebert 1123,

Anm.: „Jede von beiden Ausgaben [die erste von 1584,

die zweite von 1597] hat Varianten aus Manuskripten,

welche die andere nicht hat.“ Hoffmann I, 294: „Perperam

in Fabricii Biblioteca graeca III, 333, dubitatur de hac

rarissima editione.“ – Nicht im STC. – Griechisch-lateinischer

Paralleltext. – Im zweiten Teil mit eigenem Titelblatt,

aber zum Druck gehörig, „In Porphyrii isagogen et Aristotelis

organum commentarius analyticus“ vom Herausgeber

des Organon. – Vorsätze erneuert, Titel aufgezogen, mit

Wurmspuren (minimaler Textverlust) und hs. Besitzeintrag,

einzelne Marginalien in Tinte, am Ende wasserrandig, leicht

gebräunt.


133 ARNAUD, C., Thesauri sacrorum rituum epi -

tome. Kaschau, Jesuitendruckerei, 1737. 12°. Mit

gefalt. Frontisp. in Holzschnitt. 4 Bl., 337 (recte

338) S., 5 Bl. Ldr. d. Zt. (gering be schabt). (9)

150,-

Petrik I, 116. – Letzte Ausgabe des erstmals 1637 erschienenen,

beliebten und daher in zahlr. Auflagen verbreiteten

liturgischen Handbüchleins, verfaßt vom Oratorianer

Claude Arnaud (1601-1656) auf der Grundlage des rubrizistischen

Klassikers „Thesaurus sacrorum rituum“ von

Bartolommeo Gavanti. – Vorsatz mit Besitzvermerk, Titel

verso gestempelt; etw. fleckig, leicht gebräunt. – Mod.

Exlibris. – Äußerst selten.

134 AUGUSTINUS, (PSEUDO-), AURELIUS,

Meditationes, soliloquia, et manuale. Köln,

B. Bucholtz für A. Mylius, 1598. 12°. Mit

Druckermarke auf dem Titel. 291 S., 9 Bl. Blindgepr.

Pgt. d. Zt. (Schließbänder fehlen, beschabt,

fleckig). (22) 200,-

VD 16 A 4285, 4294 und 4310. IA 110.544. – Nicht im STC

und bei Adams. – Drei der mehr als 20 Augustinus untergeschobenen

Werke, wie fast immer in einem Druck

gemeinsam veröffentlicht. – Titel gestempelt und mit altem

Besitzvermerk, gebräunt.

135 AVENTINUS (TURMAIR), J., Chronica deß

gar alten Hauß Beyern. Frankfurt, J. und S. Feyerabend,

1580. Fol. Mit Druckermarke auf dem

Titel, 2 breiten Bordüren auf den Zwischentiteln,

12 Porträts (alles in Holzschnitt) und 6 Textholzschnitten

von Jost Amman. 24 nn. (letztes weiß),

424 num., 26 nn. Bl. (Stammtafeln und Register).

Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (beschabt,

fleckig und bestoßen, Schließen fehlen). (4)

1.200,-

Zweite deutsche Ausgabe. – STC 861. VD 16 T 2321. Lentner

2781. Becker 26. – Vollständiges Exemplar mit dem

meist fehlenden ersten Teil „Bildnuß oder contrafactur der

zwölff ersten alten Teutschen Königen und Fürsten“ (ein

Rahmen ankoloriert). – Der große Holzschnitt zeigt synoptische

Szenen von Genesis und Sündenfall, die kleineren

Holzschnitte den Bau der Stadt Trier, die Schlacht der Barbaren

gegen die Römer, den Triumphzug Diokletians etc. –

Titel mit Besitzvermerk, Titelvign. kolor., etw. fleckig, zwei

Stammtafeln alt untereinander montiert. – Insgesamt recht

gutes Exemplar. – Siehe Abbildung Tafel 7.

Second German edition. – Complete copy with the mostly

missing first part „Bildnuß oder contrafactur der zwölff

ersten alten Teutschen Königen und Fürsten“ (one border

partly coloured). – The large woodcut shows synoptic scenes

from Genesis and the Fall of Man, the smaller woodcuts

the construction of the town of Trier, the battle of the barbarians

against the Romans, the triumphal procession of

Diocletian etc. – Title with ownership entry, title vignette

coloured, somewhat soiled, two genealogical tables mounted

at an early date one below the other. – Altogether a quite

good copy. – Contemporary pigskin over wooden boards

(scratched, soiled and scuffed, clasps missing). – See illustration

on plate 7.

Alte Drucke und alte Theologie 43

136 BAYERN – BAYRISCHEN LANDTSORD-

NUNG 1553. München, A. Berg, 1598. Fol. Mit

2 Textholzschnitten und 3 gefalt., beidseit. be -

druckten Holzschnitt-Tafeln. 9 nn., CXCVII

num., 19 nn. Bl. (zwischen Bl. 18/19 und 125/126

jeweils 1 Bl. Zwischentitel eingeb.). Blindgepr.

Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten

Schließen (beschabt, etw. bestoßen, fleckig). (50)

500,-

Zweite Ausgabe in dieser Form, Nachdruck der Ausgabe

Ingolstadt 1553, jetzt jedoch in Schwarzdruck. – STC 71.

IA 115.020. VD 16 B 1035. – Das Werk enthält den Augsburger

Reichslandfrieden, die Bier- und Branntwein-, die

Feuer-, die Fisch-, die Fleisch-, die Leder- und die Apotheken-Ordnung

und handelt von den Schulen, Juden, Zigeunern,

Spielleuten, Kupplern und zahlreichen weiteren

Gruppen und Personenkreisen. Die auf den Tafeln abgebildeten

Fische – Karpfen, Hecht, Huchen, Äsche, Barbe etc.

– sind die ersten naturgetreuen Darstellungen von Fischen

in Deutschland (Belons Fischbuch erschien 1551 in Paris).

– Titel gelockert, leicht gebräunt, etw. fleckig. – Nach gebunden

6 weitere Werke zum bayrischen Landrecht der

2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, davon 2 inkomplette, bei

denen der Titel und einige andere Bl. fehlen, und 4 vollständige.

Vollständig sind die im VD 16 unter den Nummern

B 1030, B 1026 und B 954 angeführten Schriften,

ferner die Ernewerte Mandata unnd Landtgebott, vom

Kurfürsten Maximilian I. erlassen und 1598 gedruckt.

137 BEMBO, P., Opera nunc demum ab C. Augustino

Curione castigata. Basel, Th. Guarinus, 1567. Mit

Druckermarke. 16 Bl., 645 S. Pgt. d. Zt. (leichte

Altersspuren). (4) 120,-

VD 16 B 1657. IA 116.482. – Erster Band (von 3) der gesammelten

Werke des Kardinals; enthält die Geschichte Venedigs

und die Biographie von Guido Ubaldo. – Sehr schöner

Einband aus dem Jesuitenkollegium Burghausen, monogr.

und dat. „CFV IVVA ANNO 1585“.

138 BENEDICTUS (DE NURSIA), Regula a b.

Dunstano dilige(n)ter recognita, cum plusculis

alijs a tergo huius explicandis. Paris, Y. Bonhomme

(Th. Kervers Witwe), 1544. 16°. Mit

Druckermarke in Metallschnitt auf dem Titel

und zahlr. Metallschnitt-Initialen sowie unterschiedlichen

Holzschnittbordüren auf allen Seiten.

80 Bl. Ldr. um 1860 (etw. beschabt). (61)

600,-

STC, Suppl., 8. Albareda 67: „Bella ediciò, molt rara.“ –

Nicht im IA und bei Adams. – Die Regula Benedicti in der

vom Benediktiner Dunstan (um 909-988), Erzbischof von

Canterbury, durchgesehenen Fassung. – Vollständig mit

dem letzten Blatt, das im einzigen von uns im Handel nachweisbaren

Exemplar (1954) wahrscheinlich fehlte (nur

79 Bl., wie das Exemplar der Abtei Ottobeuren auch). –

Gebräunt, etw. fleckig. – Exlibris André Le Glay. – Von

größter Seltenheit. – Siehe Abbildung.


44

139 BENEDICTUS DE NURSIA – (LE BOU -

THILLIER) DE RANCÉ, A. J., Auslegung der

Regul des Heil. Benedicti nach dem wahren Geist,

das ist, nach der eigentlichen Meinung dises heiligen

Vatters. Aus dem Frantzösischen ins Deutsche

übers. durch einen Priester Ord. S. Benedicti.

Augsburg, Rieger, 1753. 4°. 8 Bl., 600 S., 10 Bl.

Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit Rvg. und 2 in -

takten Schließen (beschabt, etw. bestoßen). (58)

120,-

Erste deutsche Ausgabe. – Albareda 501. – Die Regula

Benedicti mit der reichen Auslegung des Gründers der

Trappisten in deutscher Fassung. – Leicht gebräunt, etw.

fleckig.

140 BIBLIA GERMANICA – BIBLIA, Das ist: Die

gantze H(eilige) Schrifft, Altes und Neues Testaments,

Teutsch Herrn Doctor Martin Luthers. Mit

den Summarien Herrn Johann Sauberti. Samt

einer Vorrede Herrn J. M. Dilherrns. Nürnberg,

Endter, 1693. Fol. Mit gestoch. Titel, gestoch.

Wappen (in Pag.), 12 gestoch. Portrs. (in Pag.),

6 gestoch. Zwischentiteln und über 200 Textholzschnitten

von P. Creutzberger und anderen. 26,

1 nn., 12 num. Bl., 938, 32 S., 1 nn. Bl., S. 939-1221,

1 nn. Bl. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (hinteres Ge -

lenk aufgeplatzt, Beschläge tls. fehlend, 1 Schlie ße

defekt). (3) 600,-

Jahn 112. Schmidt 485. – Nicht in der BSWL. – „Weimarer

Kurfürstenbibel“ mit 11 Porträts der Kurfürsten, Porträt

von Luther und dem Ernestinischem Wappen, gleichzeitig

die 10. Ausgabe der sogenannten „Dilherr-Bibel“. Bei

Schmidt als „Kurfürstenbibel“ geführt. Bei Jahn zwei Varianten

ohne die Porträts der Kurfürsten (nur das Luther-

Porträt in der zweiten Druckvariante vorhanden). – Ohne

das Blatt Iiii (laut Jahn weiß). – Zur Holzschnitt-Text illustration

(Folge „Endter I“) siehe Schmidt S. 372 ff. – Das (bei

Jahn vorgebundene) Lutherportr. von Glotsch (Nr. 12 der

Folge) alt aufgezogen (Verlust der Foliierung) und lose, die

Kupfer tls. mit großen Ein- oder Ausrissen und Klebespuren,

stellenw. etw. fleckig.

141 – BIBLIA, das ist: Die gantze Heilige Schrift Altes

und Neues Testaments verteutscht von M. Luther.

Nürnberg, Endter, 1700. Fol. Mit gestoch. Titel,

33 (4 doppelblattgr.) Kupfertafeln, 17 (statt 18;

3 ganzseit., 4 doppelblattgr.) Textkupfern und

doppelblattgr. Tabelle. 23 nn., 11 num Bl. (ohne

Bl. 8 und 9), 32 nn. Bl., 686, 950 S. (ohne das zwischengeb.

weiße Bl.), 8 nn. Bl. Ldr. d. 19. Jhdts. auf

Holzdeckeln mit jeweils 5 Messingbeschlägen

sowie 2 Schließen (1 defekt, mit Wurmspuren v. a.

an Kopf und Schwanz). (122) 600,-

BSWL E 1004 (ohne die beiden Ansichten von Jerusalem).

Jahn 75. – Die 9. Auflage der Kurfürstenbibel des Endterverlags.

– Die doppelblattgroßen Kupfer mit Plänen von

Jerusalem, der Arche Noah und der Confessio Augustana,

Alte Drucke und alte Theologie

die Kupfer mit dem Lutherepitaph, Moses, den 12 Propheten,

den Evangelisten, der Stiftshütte sowie Titelbildern zu

den einzelnen Bibelbüchern. Die doppelblattgroßen Textkupfer

mit Karten des „Irdischen Paradieses und des Landes

Kanaan“, dem Reiseweg des Volkes Israel in das Ge -

lobte Land sowie dem Reiseweg der Apostel. – Von den

Kurfürstenporträts fehlt das Wilhelms IV. – Dunkelbrauner

Lederband mit aufwendig gearbeiteten Buckeln, in den

Ecken jeweils die vier Evangelisten, auf dem Vorderdeckel

im Zentrum Moses mit den Gesetzestafeln, auf dem Hinterdeckel

Jesus als Salvator Mundi. – Mit Siegellack auf den

vorderen Vorsatz montierte Notiz: „Den 20. Dezember war

die Versammlung in Bisting, von da kommt sie nach Burgwalden

... „, ferner einem hs. Vermerk über den Kauf der

Bibel in Augsburg 1842, der hintere mit Einträgen zur

Familiengeschichte von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

bis 1955. – Die ersten Bl. lose und mit größeren

Randläsuren, einzelne Bl. mit Einrissen oder Randausrissen,

einzelne kleine Wurmspuren, stellenw. fleckig. –

Gestoch. Exlibris der „Bibliotheca Prieseriana“ des Augsburger

Ratskonsulenten Johann Heinrich von Prieser

(1749-1801; Warnecke 1624). – Siehe Abbildung.

142 – BIBLIA, Das ist die gantze Heilige Schrifft,

Alten und Neuen Testaments, durch Martin

Luthern verteutschet. Anjetzo mit neuen Summmarien...

auch mit 250. schönen Kupfer-Figuren

gezieret. Hrsg. von Johann Christoph Meelführern.

3 in 1 Bd. Schwabach, M. Hagen für L. Buggel

in Nürnberg, 1702. 4°. Mit 2 gestoch. Frontisp.,

gestoch. Schlußvign. und zahlr. Textkupfern

von M. Küsel. 53 Bl., 828, 516 S., S. 3-388. Ldr. d.

Zt. mit Rsch., reicher Rvg. und dreiseitigem Goldschnitt

(Rsch. wenig durchbrochen, Kopf mit

geringem Ausbruch, kleiner Wurmgang auf dem

Hinterdeckel, wenig beschabt, leicht bestoßen).

(128) 1.200,-

BSWL E 1027. Schmidt 392: „Melchior Küsel unterschied

sich mit seinen Bildern in keiner Weise von anderen Bibelillustratoren

seiner Zeit. Spätbarocker Schwulst verunstaltet

die dargestellten biblischen Szenen. Barocke Fürstenpracht

entstellt Davids und Salomos Bauten. Daneben wird

Rembrandt kopiert.“ – Die Illustrationen Küsels waren

bereits 1679 separat erschienen und wurden hier erstmals in

einen Text eingearbeitet. – Zur Kollation: die BSWL nennt

nur 51 Bl. Vorstücke. – Wenig fleckig; am Ende 2 Bl. mit

Familienstandseintragungen der schwedischen Adelsfamilie

Cederkrantz eingebunden. – Äußerst dekoratives Exemplar.

– Siehe Abbildung Tafel 7.

Hardly soiled; at the end 2 leaves bound-in with family

status inscriptions of the Swedish noble family Cederkrantz.

– A very decorative copy. – Contemporary calf with spine

label, richly gilt back and three-sided gilt edge (spine label

minimally torn, top turn-in with minor break, some

worming at rear cover, a little scratched, slightly scuffed). –

See illustration on plate 7.

143 – BIBLIA, Das ist: Die gantze Heilige Schrifft des

Alten und Neuen Testaments. Wie solche von

Martin Luther in unsere Teutsche Mutter-Sprach

ge bracht. Samt einer Vorrede J. M. Dilherrns.


2 Tle. in 1 Bd. Nürnberg, Endters Erben, 1736.

Fol. Mit 2 gestoch. Titeln, 12 ganzseit. Kupferstichportrs.

im Text, 6 ganzseit. Textkupfern und

zahlr. Textholzschnitten. 48 Bl., 1181 S. (12 Bl.

zwischengeb.), 11 Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf

Holzdeckeln mit jeweils 4 Messingbeschlägen auf

den Deckeln und 2 intakten Schließen (beschabt,

bestoßen und fleckig). (93) 1.500,-

23. Auflage der Endterschen Dilherr-Bibel. – BSWL E 1322.

Jahn 126. – Die Kupferporträts zeigen Martin Luther mit

Familie und die 11 Kurfürsten (übernommen aus der Ernestinischen

Kurfürstenbibel). – Vorsätze mit Ausrissen, einzelne

Blätter mit Einriß, gebräunt, wenig fleckig. – Wohlerhaltenes

Exemplar. – Siehe Tafel 7 und Abbildung.

The copperplate portraits show Martin Luther with family

and the 11 prince electors (taken from the Bible of prince

elector Ernst). – Endpapers with tear-outs, some leaves with

tear, browned, hardly soiled. – Well preserved copy. –

Contemporary blind-pressed calf over wooden boards with

4 brass fittings on covers and 2 intact clasps (scratched,

scuffed and soiled). – See plate 7 and illustration.

144 – BIBLIA SACRA, oder die ganze Heil. Schrift.

Nürnberg, Endter, 1774. Mit gestoch. Frontisp.

und zahlr. Textkupfern. 7 Bl., 1224 S., 1 Bl., 352,

126 S. Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit

2 intakten Schließen (Bezug mit kleinen Fehlstellen,

etw. fleckig). (160) 300,-

Nicht in der BSWL und bei Darlow-Moule. – Mit Besitzvermerken

von alter Hand, Frontispiz verso gestempelt,

einzelne Marginalien mit Tinte, fleckig. – Auf dem Vorsatz

ein Gedicht in barocker Handschrift, dessen Spott wohl auf

eine konkrete Person zielte: „Der gott des Sommers, saß auf

seinem breiten Thron, / und sand seinen Blitz und seinen

Donnerston, / in alle weld und ließ der Erde mark durchdringen

/ und seines blitzes strahl fuhr nah bey dem vorbey

/ Von dem man sagt, daß er nicht zu Ersetzen sey / Las uns

ein deteum singen“.

145 – BIBLIA SACRA, oder die Heilige Schrift des

alten und neuen Testaments. In deutscher Sprache

hrsg. und von unzähligen Sprachfehlern gerei niget

von Franz Rosalino. 3 Tle. in 3 Bdn. Wien, Trattner,

1793-94. Mit 3 gestoch. Titeln. 5 Bl., 646 S.;

1 Bl., 703; 376 S., 36 Bl. Hldr. d. Zt. (beschabt,

leicht fleckig. (22) 150,-

Vgl. Darlow-M. 4245 Anm. Meusel XI, 414. Wurzbach

XXVI, 342. ADB XXIX, 158: „Endlich machte sich Rosalino

dadurch einen Namen, daß er die deutsche Bibelübersetzung

von Cartier umarbeitete und zwar dort wo diese

Uebersetzung unrichtig war, sie nach der Vulgata verbesserte;

wo der Vulgatatext undeutlich war, zog Rosalino den

Originaltext zu Rathe und wurde dabei von Patriz Fast,

einem trefflichen Kenner der orientalischen Sprachen unterstützt.“

– Nicht in der Bibelsammlung der Württembergischen

Landesbibliothek. – Letzte Auflage der erstmals 1781

erschienenen Übersetzung; die gestoch. Titel mit der

Jahreszahl 1794. – Titel mit Besitzvermerk, gebräunt, etw.

fleckig.

Alte Drucke und alte Theologie 45

Nr. 143

146 – HEILIGE SCHRIFT des Alten und Neuen

Testaments, Die. Aus der Vulgata übers. von J. F.

Allioli. Landshut und München, Vogel, 1851. 4°.

Mit 2 Stahlstich-Frontisp., farblithogr. Titel und

zahlr. Textholzstichen nach J. Schnorr von Carolsfeld

u. a. 6 Bl., L, 1244 S., 1 Bl., 371 S., 1 Bl. Ldr.

d. Zt. mit reicher Vg. (Vordergelenk etw. brüchig,

beschabt). (58) 120,-

Vgl. Darlow-M. 4377. – Illustrierte Handausgabe der im

19. Jahrhundert unter deutschen Katholiken weitverbreiteten

Bibelübersetzung des Augsburger Dompropstes und

Orientalisten Allioli. – Gelockert, gebräunt, fleckig. – 5 Beilagen.

147 – DAS NEW TESTAMENT so durch den hochgelerten

Hieronymum Emser seligen verteutscht.

Freiburg, J. Faber, 1529. Mit 3 tls. mehrf. wdh.

Holzschnitten auf dem Titel und im Text. 20 nn.,

388 num., 28 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt.

mit Supralibros auf Holzdeckeln mit erneuerten

Schließen (Wurmspuren, beschabt, fleckig). (50)

1.500,-


46

Nr. 147

STC 111. VD 16 B 4390. BSWL E 208. – Frühe Ausgabe

der erstmals 1527 erschienenen Übersetzung des Neuen

Testaments durch den entschiedenen Luthergegner Emser,

mit der er Luthers Übertragung verdrängen wollte, durchaus

recht erfolgreich, wie die über 100 Ausgaben zeigen, die

in mehreren Bearbeitungen vom 16. bis ins 18. Jahrhundert

veröffentlicht wurden. Der Titelholzschnitt – Christus mit

Geißel, vor ihm der kniende Emser – ist dreimal wiederholt,

der symbolische Holzschnitt zweimal, der dritte

Holzschnitt (vor dem Römerbrief) zeigt Paulus und Petrus.

– Titel mit Stempel (etw. rasiert), Wurmlöcher (geringer

Textverlust), leicht gebräunt, tls. knapp beschnitten. – Siehe

Abbildung.

148 – NEWE TESTAMENT, DAS, auffs new zugericht.

(Wittenberg, H. Lufft, 1546). 4°. Mit alt -

kolor. Titelholzschnitt nach Lucas Cranach d. J.,

38 altkolor. tls. ganzseit. Textholzschnitten von

Lucas Cranach d. Ä. und J. und zahlr. altkolor.

Textholzschnitt-Initialen. 4 nn., 479 (recte 480)

num. Bl. (1 weißes Bl. zwischengeb.; ohne Bl.

193), 7 nn. Bl. Stark läd. Ldr. d. Zt. (53) 2.000,-

VD 16 B 4440. STC 112. BSWL E 360. Kind 1189. – Nicht

bei Adams. – Der Titelholzschnitt mit dem Gekreuzigten,

flankiert von Luther und Johann Friedrich von Sachsen,

sowie das Herrscher-Porträt auf der Titelrückseite stammen

von Cranach dem J. Die Darstellungen der Apostel und

Evangelisten sind aus der Cranach-Werkstatt und vom

Monogrammisten „AW“, der auch für die Holzschnitte zur

Apokalypse verantwortlich zeichnet. – Innengelenke gebrochen,

Titel mit alt hinterlegtem Ausriß (recto und verso mit

Bildverlust) und Druckvermerk von alter Hand in Tinte, Bl.

B 1 mit alt hinterlegtem Eckabriß, vereinzelt mit Läsuren,

etw. wasserrandig und gebräunt, fleckig. – Siehe Tafel 8 und

Abbildung.

Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 148

Inner joints broken, title with tear-out backed in former

times (recto and verso with loss of illustration) and imprint

by contemporary hand in ink, leaf B 1 with torn off corner

backed at an early date, occasionally with tears, some

waterstains and browning, soiling. – Contemporary heavily

damaged calf. – See plate 8 and illustration.

149 BIBLIA LATINA – BIBLIA SACRA iuxta Germanam

Hebraici idiomatis proprietatem. Übers.

von S. Pagnini. Köln, Melchior (für A. Birckmann),

1541. Fol. Mit Druckermarke auf dem

Titel. 6 nn., 364 num., 85 nn. Bl. Blindgepr. Ldr. d.

Zt. mit 2 Schließen (Gelenk eingerissen, eine

Schließe defekt, Bezug mit einzelnen Fehlstellen,

stark bestoßen, Wurmspuren, fleckig). (4) 800,-

BSWL D 497 (inkomplett). VD 16 B 2616. STC 87. Adams

B 1024. – Lateinische Version aus den Urtexten mit „Liber

interpretationum Hebraicorum, Arabicorum, Graecorumque

nominum“. – Titel mit Besitzvermerk des Franziskanerklosters

zu Freiburg von 1648, einzelne Bl. mit Einrissen,

anfangs kleine Wurmspuren, tls. etw. gebräunt und

fleckig.

150 – BIBLIA SACRA, vulgatae editionis Sixti V.

pontificis max. iussu recognita, et Clementis VIII.

auctoritate edita. Venedig, Pezzana, 1688. Mit

gestoch. Titel, ge stoch. Titelvign. und ca. 250 Textholzschnitten.

11 Bl., 1089 (recte 1079) S. Fol.

Blindgepr. Pgt. d. Zt. mit Rsch. (Gebrauchsspuren).

(49) 500,-


STC 106. – Nicht in der BSWL und bei Darlow-M. – Die

aus dem 16. Jahrhundert stammenden Holzschnitte mit

reich variierten ornamentalen und architektonischen Rahmen

in kräftigen Abdrucken. – Vorderer fliegender Vorsatz

entfernt, Titel mit tls. getilgtem Besitzvermerk von alter

Hand, gegen Ende wasserrandig, kaum fleckig.

151 – LIBER PSALMORUM DAVIDIS – (Cantica

quae in bibliis sparsim leguntur). 2 Tle. in 1 Bd.

Paris, R. Estienne, 1546. Mit 2 wdh. Druckermarken.

232, 24 Bl. Ldr. d. Zt. mit Deckel- und Rvg.

(Gelenk etw. eingerissen, beschabt und bestoßen).

(46) 400,-

STC 59. Adams B 1425. Renouard 66, 4. BSWL D 563. –

Paralleltext der Vulgata und der Züricher Version nach dem

hebräischen Text von Leo Jud (Judä) mit umfangreichem

Kommentar. Das im Vorwort erwähnte Vorhaben, weitere

Bände in dieser Form zu publizieren, wurde nicht ausgeführt.

– Titel gestempelt und ankoloriert, durchgehend mit

feinen Linien in Tinte regliert.

152 – LIBRI SALOMONIS. Proverbia, Ecclesiastes,

Canticum canticorum, Liber Sapientiae, Eccle -

siasticus. Paris, S. Colines, 1539. 16°. 159 num.,

1 nn. (weißes) Bl. Ldr. d. Zt. mit Rsch., Rvg. und

Wappensupralibros auf beiden Deckeln (stärkere

Gebrauchsspuren). (54) 600,-

BSWL D 470. Renouard 302. – NACHGEB.: LIBER

PSALMORUM. Ebda. 1540. 140 num., 4 nn. Bl. – BSWL D

487. Renouard 324. – Beide Drucke nicht im STC und bei

Adams. – Fein regliert, Vorsatz mit hs. Besitzvermerk,

Block gebrochen, etw. fleckig, leicht gebräunt. – Siehe

Abbildung Tafel 9.

153 BIBLIA POLYGLOTTA – SACR. BIBLIORUM

QUADRILINGUIUM TOMUS SECUNDUS

trilinguis, librorum Veteris et Novi Testamenti

versionem continens. Zus. 7 Tle. und Appendix in

3 Bdn. Hamburg, J. Lucius, 1596. Fol. Mit ge -

stoch. Titel, 2 nahezu ganzseit. Wappenkupfern,

7 gleichen Titelbordüren auf den Zwischentiteln

und 168 Textholzschnitten von Jakob Morer.

Blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit dreiseit.

gepunztem Goldschnitt (Kapitale teilw. läd.,

stark beschabt und bestoßen, Schließen entfernt).

(1) 2.000,-

Äußerst seltene dreisprachige Bibelausgabe, die von

D. Wolder edierte, sogenannte „Hamburger Polyglotte“. –

STC 84. VD 16 B 2569. Darlow-M. 1425. Kayser-D. 60:

„Die Woldersche Polyglotte stellt in 7 Teilen die Septuaginta

bzw. den griechischen Text des N. T., die lateinischen

Übersetzungen der Vulgata und des Santes Paginus (im

N. T. des Beza) und den Luthertext (vom Jahr 1545 mit

Luthers späteren Änderungen in den Paulinischen Briefen)

nebeneinander.“ – Die 7 Teile bilden den „Tomus secundus“

des Wolderschen Bibelwerkes, dem die hebräische Bibelausgabe

Hutters als „Tomus primus“ vorangestellt ist (vgl.

Alte Drucke und alte Theologie 47

Kayser-D. 59). Dieser Teil ist bei uns nicht beigegeben. –

Titel mit Besitzvermerken. Etw. gebräunt und fleckig, teilw.

wasserrandig, vereinzelt angeschmutzt und mit kleineren

Randschäden. – Siehe Abbildung.

Extremely rare trilingual Bible edition, the so-called „Hamburger

Polyglotte“, published by D. Wolder. – The 7 parts

form the „tomus secundus“ of the Wolder Bible work pre -

ceded by Hutter's Hebrew Bible edition „tomus primus“.

This part is not present. – Title with ownership entries.

A little browned and soiled, partly with waterstains, occasionally

with smaller marginal damages. – Contemporary

blind-pressed calf over wooden boards with three-sided

embossed gilt edge (turn-ins partly damaged, heavily scratched

and scuffed, clasps removed). – See illustration.

154 BIBLIA SLAVICA – EVANGELION. Lemberg

1690. Fol. Mit breiter figuraler Holzschnitt-Titelbordüre,

55 (5 ganzseit.) Textholzschnitten. 12,

412 Bl. Ldr. um 1900 auf Holzdeckeln mit Vorderdeckel-

und Rvg., 4 guillochierten Eckbeschlägen

und Schließbändern. (100) 1.000,-

Darlow-M. II, S. 1403. – Reich illustrierter Lemberger

Evangeliendruck. – Die großen Holzschnitte signiert von

Eustaphius Zadarowski (dat. 1681-83), die kleineren von

verschiedenen Künstlern, meist aus früheren Werken wiederverwendet.

Neben klassischen Szenen, wie Elend und

Heimkehr des verlorenen Sohnes oder Christus und die

Ehebrecherin, auch die originelle Darstellung des Sinnbilds

von Splitter und Balken im Auge (Bl. 212r). – Auf dem Vorderdeckel

ein großes goldgeprägtes russisches Kreuz, auf

dem Hinterdeckel das Wappen des Lemberger Stauropegion-Instituts,

der Nachfolgeorganisation der Dormitio-

Bruderschaft, in der unser Druck entstand. Sie hatte die

Offizin des slawischen Erstdruckers Iwan Fjodorow übernommen,

wurde 1788 auf Erlaß von Kaiser Joseph II. in das

Stauropegion-Institut umgewandelt und erst zur Zeit der

sowjetischen Besatzung 1939 aufgelöst. – Titel mit hs.

Besitzeintrag, mehrere Bl. mit Fehlstellen oder alt hinterlegten

Randläsuren (kleiner Bildverlust im Titelblatt recto

und verso), einzelne hs. Marginalien in kyrillischer Schrift,

stellenw. fleckig.

Richly illustrated Lemberg printing of gospels. – Title with

ms. ownership entry, several leafs with defects or tears in

margin backed in former times (minor loss of illustration at

title-page recto and verso), some ms. marginalia in Cyrillic

writing, soiling here and there. – Calf around 1900 over

wooden boards with gilt back and front cover gilt, 4 metal

corner fittings with guilloches and clasp ribbons.

155 BIBLIOTHEK DER KIRCHENVÄTER. Eine

Auswahl patristischer Werke in deutscher Übersetzung.

Hrsg. von O. Bardenhewer, Th. Schermann

u. a. 61 Bde. und Register in zus. 63 Bdn.

Kempten und München, Kösel, 1911-38. OHpgt.

(leichte Gebrauchsspuren). (134) 500,-

Komplette erste Reihe der wichtigen Ausgabe der Kirchenvätertexte

mit dem Registerband. – Es erschien noch eine

zweite Reihe, die jedoch nach dem zwanzigsten Band abgebrochen

wurde. – Leicht gebräunt, etw. fleckig.


48

Nr. 156

Spanische Stichfolge

156 BILDERBIBELN – LOZANO, P., Coleccion

de estampas, que representa los prinzipales casos

deel viejo, y nuebo testamento. Obra util para la

ynstruccion dela jubentud. 2 Tle. in 1 Bd.

(Madrid), A. Sanz, o. J. (1774-78). Qu.-4°. 178,

72 num. Kupfertafeln. Mod. Hldr. mit längs übergreifender

Ldr.-Deckellasche (gering berieben).

(12) 1.000,-

Thieme-B. XXIII, 424. E. Páez Ríos, Repertorio de grabados

españoles en la Biblioteca Nacional, 1243. – Sehr seltene

Illustrationsfolge zur religiösen Erziehung der Jugend.

Die klar und anschaulich komponierten Szenen stehen in

deutlicher Abhängigkeit zu klassischen italienischen Vorbildern

der Barockzeit. Jede der Szenen ist mit kurzen

erklärenden Texten aus der jeweiligen biblischen Erzählung

versehen. – Von der Folge wurden offenkundig nur wenige

Abzüge angefertigt, davon die meisten wohl durch Schulgebrauch

ruiniert. Schon der Katalog von „Blake's Book-

Store“ aus dem Jahre 1902 (Nr. 6, Mexiko City, Nr. 252)

nennt das Werk eine „most singular collection of plates.

Entirely unique“. Während Thieme-Becker 178 Tafeln zum

Alten und 78 zum Neuen Testament angeben, führt Blake's

Book-Store dieselbe Anzahl wie in unserem Exemplar an

Alte Drucke und alte Theologie

(so auch das Exemplar der Spanischen Nationalbibliothek).

Die wohl falsche Zahl bei Thieme-Becker dürfte auf die

undeutliche Schreibung der letzten Ziffer zurückzuführen

sei. – Der zweite Titel mit Jahreszahl 1774 auf dem ersten

Blatt; mehrere Blätter mit 1778 datierter Stechersignatur, die

den zeitlichen Abschluß des Werks anzeigen dürfte. – Die

Abzüge meist kräftig und klar, manche etw. blaß und unsauber.

– Erste vier Bl. alt aufgezogen, am Anfang mehrere Bl.

mit hinterlegten Randschäden, tls. Notizen (Numerierung)

von alter Hand, stellenw. etw. wasserrandig (am Anfang

stärker) und fingerfl., Schnittfarbe tls. etw. verlaufen. – Siehe

Abbildung.

Spanish series of engravings of great rarity. – Very scarce

series of illustrations to religious education of young people.

The clearly composed scenes are in a way dependent on

classical Italian examples of the Baroque period. Each scene

is provided with a short text from the respective story from

the Bible. – Obviously only a few printings were made from

the series, the majority probably ruined by use at schools. –

Mostly strong and clear impressions, some a little faint and

pale. – The first four leaves mounted at an early date, some

leaves at the beginning with backed marginal damages,

partly notes (numbering) by contemporary hand, here and

there a little waterstained (more at the beginning) and with

fingermarks, edge colouring partly blurred. – Modern half

calf with overlapping leather cover strap (minor rubbing). –

See illustration.


157 – MEYER, C., Des Newen Testaments Unsers

Herren Jesu Christi Fornembste Historien und

Offenbarungen. – Über Unsers Herrn Jesu Christi

Leiden, Tod, und Aufferstehung. Geschichtmässige

Figuren. – Fier und Zwentzig Lehren Unsers

Herren Jesu Christi, Zu Erbauung. 3 Tle. in 1 Bd.

Zürich, Selbstvlg., o. J. (um 1636-66). Nachdruck

von verstählten Platten, um 1800. Qu.-4°. Mit

3 gestoch. Titeln und 66 (mit 68 Abb.), 33 und 21

(= zus. 120) Kupfertafeln von Conrad Meyer. Pp.

d. Zt. (stark beschabt und bestoßen, Bezug teilw.

abgeplatzt). (1) 800,-

Brun II, 382 (nur II: „Christi Leiden“, dat. 1646). – Vgl.

Koegler, Der Malerradierer Conrad Meyer in Zürich, in:

Die Garbe, Bd. V, Hefte 9 und 10, Basel 1922, S. 265-270

und 297-304. – Sehr seltene Stichfolge, als Vorbild diente

wohl die Meriansche Kupferbibel. Der Druck zog sich über

Jahrzehnte hin. Spätere Nachdrucke sind zwar nicht

bekannt, doch waren die Platten, wie unserer Exemplar

zeigt, in der Zeit um 1800 offenbar noch alle vorhanden.

Der Nachdruck läßt sich durch das Wasserzeichen „J. C. de

R. Im-Hof“ datieren (Johann Christoph de Rudolph Imhof,

Basler Papiermühle, tätig im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert).

– Conrad Meyer (1618-1689) war Maler, aber

auch als Stecher in Matthäus Merians Werkstatt tätig. – Erster

Titel oben innen eingerissen. Leicht gebräunt, vor allem

in den breiten weißen Rändern etw. fleckig. – Siehe Abbildung.

Very rare series of engravings, probably made after the

example of the Merian copperplate Bible. Reprint made by

using the original copperplates on paper of the mill R. Imhof

at Basle about 1800. – First title torn at inner top margin.

Slightly browned, a little soiled mainly at wide blank margins.

– Contemporary cardboard (heavily scratched and

scuffed, cover material partly bursted).

158 – SCHÖNBERG, M. VON, Kurzgefaßte Ge -

schichten des Alten, u. des Neuen Testaments in

Kupfer. O. O., Dr. und J. (München 1780). Ge -

stoch. Titel und 48 Kupfertafeln von J. M. Söckler.

Ldr. d. Zt. (158) 150,-

Erste Ausgabe. – De Backer-S. VII, 845, 24. Baader I/2, 216,

25. – Der komplette Tafelteil der auch mit einem umfangreichen

Text vertriebenen Bilderbibel des in München als

Vorsteher des sog. „Goldenen Almosens“ wirkenden Ex -

jesuiten Matthias Schönberg (1734-1792). Die Anstalt „gab

Schul- und Gebetbücher und ascetische Schriften in grossen

Auflagen und sehr wohlfeile Preise an die Stadt- und Landschulen

ab“ (Baader). – Der Stecher, Johann Michael Soeckler

(1744-1791), war in München als Schüler von Jungwirth

tätig. Er erhielt erst 1779 das Bürgerrecht, da Jungwirth und

Zimmermann ihn als Nebenbuhler fürchteten. „Anfangs

arbeitete er an einigen grossen Platten des Meisters, dann

aber stach er auf eigene Rechnung, besonders Andachtsbilder“

(Nagler XIX, 33). – Vorsatz mit Kritzelei, sonst gut.

159 BIONDO, (F.), Le historie de la declinatione de

l'imperio di Roma, insino al tempo suo. Ridotte

in compendio da Papa Pio; e tradotte per L. Fauno

in buona lingua volgare. Venedig, M. Tramezzino,

1543. Mit 2 wdh. Druckermarken auf dem Titel

und am Ende. 20 nn., 246 num., 1 nn. Bl. Pp. um

1900 (beschabt, etw. bestoßen). (56) 200,-

Alte Drucke und alte Theologie 49

Erste Ausgabe der ersten italienischen Übersetzung. – STC

107. Adams B 2066. IA 119.465. EDIT 16 CNCE 71818. –

Im Folgejahr erschien noch eine Fortsetzung mit der venezianischen

Geschichte. – Titel mit Ausschnitt (alt angerändert),

Titelei und die Lagen z, aa und bb mit Wurmspuren

(geringer Buchstabenverlust), gebräunt, fleckig.

160 BOREGK, M., Behmische Chronica darinnen

ordentliche warhafte Beschreibung, des Königreichs

Behaimb. 2 in 1 Bd. Wittenberg, Krafft,

1587. Fol. Mit wdh. Druckermarke auf den Titeln

und großem Wappenholzschnitt auf dem Titel

verso. 5 Bl., 691 S. (3 Bl. zwischengeb.). Mod. Pp.

unter Verwendung eines alten Inkunabelpapiers.

(110) 600,-

Einzige Ausgabe. – VD 16 B 6705. IA 122.356. Zíbrt II,

1395. – Tls. wasserrandig; gebräunt und fleckig.

161 BREVIARIUM MONTALBANENSE, illustrissimi

et reverendissimi Annae-Francisci-Victoris

Le Tonnelier de Breteuil. 4 Bde. Montauban, Fontanel,

1784. 4°. Maroquin d. Zt. mit reicher Vg.

(Rücken angeschmutzt, Kapitale tls. eingerissen,

beschabt und bestoßen). – Bohatta 2473. – Titel

mit hs. Besitzvermerk, mehrf. blindgestempelt,

etw. fleckig. – Exlibris. (54) 1.000,-

162 (BRUNI) ARETINO, L., La historia universale.

Riveduta, ampliata, & corretta per F. Sansovino.

Venedig, F. Sansovino, 1561. 4°. Mit Druckermarke

auf dem Titel. 6 nn., 236 num., 8 nn. Bl.

Flex. Pgt. d. Zt. (Gebrauchsspuren). (49) 200,-

EDIT 16 CNCE 7684. STC 128 (Bruni). Adams A 1560. IA

125.790. – Bedeutende Quelle zur italienischen, besonders

der florentinischen Geschichte. – Vorsätze mit Wurmspuren,

stellenw. leicht gebräunt und etw. fleckig.

163 BUDÉ, G., Libri V. de asse, & de partibus. Venedig,

Aldus, 1522. 4°. Mit Druckermarke auf dem

Titel und am Schluß. 12 nn., 260 (statt 262; recte

260) num., 2 nn. Bl. Spät. Ldr. mit Rsch. und Rvg.

(49) 200,-

IA 126.669. Adams B 3101. Ebert 3116. Lipsius 60. Panzer

VIII, 472, 1122. Renouard I, 224, 5. Dekesel B 124.

Naiditch-B. 185. Brunet I, 1374: „Édition rare et la seule de

ce traité qui conserve de la valeur.“ – Einflußreiches Werk

(erstmals 1514) über römische Rechenkunst, besonders das

Bruchrechnen, sowie antike Geldgeschichte und Münz -

wesen. – Es fehlen die Blätter 130 und 135. – Titel mit Be -

sitzvermerk von 1701 (gering rasiert), einzelne Marginalien

und Streichungen mit Tinte, wenig fleckig.

164 BURGKMAIR, H., Images de Saints et Saintes

issus de la famille de l'empereur Maximilien I.

Wien, Stöckel, 1799. Fol. Mit 119 Holzschnitt-

Tafeln von Leonhard Beck nach Hans Burgkmair.

11 S. Hldr. des 19. Jhdts. (Kapitale schadhaft, Ge -

lenke gebrochen, fleckig, beschabt und bestoßen).

(54) 3.500,-


50

Nr. 164

Erste vollständige Ausgabe. – Dodgson II, 126, 9. Hollstein

V, 622. Fairfax Murray 53. Lipperheide Oc 4. – Wie der

„Weißkunig“ von Kaiser Maximilian in Auftrag gegeben,

im 16. Jhdt. jedoch nur in einer Teilausgabe und in kleinster

Auflage erschienen, wurde die vollständige Folge dieses

Werkes erst Ende des 18. Jahrhunderts publiziert. Von den

insgesamt 123 Holzstöcken hatten sich 121 in Wien er -

halten, manche jedoch waren beschädigt (so Tafel 19).

118 Tafeln sind von L. Beck geschnitten. – Gelenke gebrochen

und tls. geklebt, fliegender Vorsatz mit hs. Widmungsvermerk,

Papier anfangs gewellt, die Tafeln 97-101

mit kleinem Einriß im Falz (außerhalb des Abbildungsrahmens),

mehrf. gestempelt, fleckig. – Aus der Bibliothek von

Joseph Walter King Eyton (1820-1872) mit dessen zwischengebundenem

Exlibris. – Siehe Abbildungen.

First complete edition. – Joints broken and partly glued,

fly-leaf with ms. dedication note, paper undulated at the

beginning, plates 97-101 with small tear in guard (outside

illustration border), multiple stamps, soiling. – From the

library of Joseph Walter King Eyton (1820-1872) with his

inserted exlibris. – Half calf of the 19th century (turn-ins

defective, joints broken, soiled, scratched and scuffed). – See

illustrations.

165 CAESAR – BRANCACCIO, (G. C.), Della vera

disciplina, et arte militare. Sopra i Comentari di

Giulio Cesare. Venedig, V. Baldini, 1582. Fol. Mit

2 Druckermarken und einigen Holzschnitt-Initialen.

206 S. Restauriertes Pgt. d. Zt. (fleckig). (49)

500,-

EDIT 16 CNCE 74972. IA 123.458. Adams B 2658. Brunet

I, 1201, Anm. Jähns 449: „Bedeutende Abhandlung. Hier

redet ein verständnisvoller und begeisterter Verehrer. Ihm

ist 'Cesare unico e solo maestro'. Wie vor ihm Machiavelli

so will auch Brancaccio die Italiener wieder zu Römern

machen, indem er ihren Fürsten an dem Bilde des Heros die

Würde und Hoheit echten Feldherrntums nachweist. In

Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 164

einsichtvoller Weise spricht er vom Wesen der Legion und

legt dann Cäsars Kommentare einer sorgfältigen Unter -

suchung über die Kriegskunst zu Grunde.“ – Nicht im

STC. – Eine von zwei Ausgaben im selben Jahr bei Baldini

(EA Ferrara 1582). Alle Bibliographen schreiben das Werk

irrtümlich Lelio Brancaccio (ca. 1560-1637) zu, der „cavaliere

di Malta“ war; in Wahrheit ist es verfaßt von Giulio

Cesare Brancaccio (1515-1586?), einem Berufsoffizier. – Mit

den paginierten Errata auf dem letzten Blatt. – Leicht ge -

bräunt und etw. fleckig (Titel stärker), einzelne kleine

Wurmspuren. – Mod. Exlibris.

166 CALEPINUS, A., Dictionarium Latinae linguae.

– (Onomasticon propriorum nominum). 2 Tle. in

1 Bd. Basel, H. Curio, 1544. Fol. Mit wdh. Holzschnitt-Druckermarke

auf dem Titel und dem

letzten Bl. 653 Bl. Stark beschäd. Ldr. d. Zt. (54)

500,-

VD 16 C 243 und G 1769. IA 129.430. – Diese Ausgabe

nicht im STC und bei Adams. – Seltene Ausgabe des erfolgreichen

Lexikons; das „Onomasticon“ von C. Gesner u. a.

zusammengestellt. – Vorsatz mit Einträgen von alter Hand

und Besitzeretikett, einzelne Bl. mit kleinen Eckabrissen,

stellenw. fleckig.

167 – Dictionarium linguae Latinae.- (Onomasticon

propriorum nominum). 2 Tle. in 1 Bd. Basel,

H. Curio für H. Petri, 1553. Fol. Mit Holzschnitt-

Druckermarke auf dem letzten Bl. 744 Bl. Restauriertes

blindgepr. Ldr. d. Zt. (54) 500,-

VD 16 C 249 und G 1775. IA 129.449. – Diese Ausgabe

nicht im STC und bei Adams. – Seltene Ausgabe des erfolgreichen

Lexikons; das „Onomasticon“ von C. Gesner u. a.

zusammengestellt. – Eng gebunden, Titel mit getilgtem

Besitzvermerk, das letzte Bl. mit kleiner Fehlstelle, unterschiedlich

gebräunt.


168 – Septem linguarum Calepinus. Hoc est lexicon

Latinum, variarum linguarum interpretatione

adjecta in usum seminarii Patavini. Editio sexta

emendatior, & auctior. 2 Bde. Padua, Manfrè,

1746. Fol. 6 Bl., 529 S.; 1 Bl., 542, 28, 100 S. Interims-Pp.

d. Zt. (fleckig, beschabt und bestoßen).

(49) 150,-

Vgl. Zaunmüller 304 (EA 1502): „Außerordentlich beliebt,

in zahlreichen Neubearbeitungen unter verschiedenen

Titeln bis auf elf Sprachen erweitert. Name des Autors lebt

noch heute in mehreren Sprachen im Sinne von 'Wörterbuch'

fort.“ – Vorsätze mit kleinen Wurmspuren, stellenw.

fleckig und wasserrandig.

169 CAMERARIUS, J., Symbolorum & emblematum

ex re herbaria desumtorum centuria una –

(quarta). 4 Tle. in 1 Bd. Nürnberg, (J. Hofmann

und H. Caimox), 1590. 4°. Mit 4 gestoch. Titeln

und 400 emblematischen Radierungen im Rund

von H. Sibmacher. Beschäd. Ldr. d. Zt. (54) 500,-

Erste Ausgabe. – VD 16 C 567. STC 178. Adams 448. IA

130.578. Pritzel 1441. Nissen 312. Hunt 181. – Vgl. Landwehr

166. Praz 295. – „'Centuria Una' was one of the first

books to contain illustrations of plants on intaglio plates“

(Hunt). – Vom jüngeren Camerarius verfaßtes Emblembuch,

zu dem Hans Sibmacher die botanischen Sinnbilder

kongenial „mit großer Feinheit und Eleganz“ (Andresen)

radierte. – Die Kupfer meist ankoloriert, einzelne Marginalien

in Tinte und Bleistift, kleine Wurmspuren (kein Bildverlust),

fleckig, leicht gebräunt.

170 – Symbolorum ac emblematum ethico-politicorum

centuriae quatuor. 4 Tle. in 1 Bd. Mainz,

Bourgeat, 1702. Mit gestoch. Frontisp. und 400

emblematischen Radierungen im Rund. Blindgepr.

Ldr. d. Zt. (stärkere Gebrauchsspuren). (31) 500,-

Landwehr 173. Praz 295. Heckscher-S. 171. – Vgl. Pritzel

1441. Nissen, BBI, 312. – Neue Auflage der Mainzer Ausgabe

von 1697. Erstmals war das herrliche Emblembuch, zu

dem Hans Sibmacher die botanischen Sinnbilder kongenial

„mit großer Feinheit und Eleganz“ (Andresen) radierte,

1590 in Nürnberg erschienen. – Tlw. gebräunt, einzelne

Seiten mit Einriß oder Eckausriß. – Laut Eintrag auf dem

Vorsatz erhielt der Student Franz Anton Würtz „Asperavallensis“

den Band als Geschenk für eine bestandene Prüfung

aus dem Besitz des Mainzer Erzbischofs Lothar Franz.

171 CARO, A., De le lettere familiari. Di nuovo con

diligenza ristampate e da notabilissimi errori

emendate. 2 Tle. in 1 Bd. 4°. Venedig, Ugolino,

1603. Mit wdh. Druckermarke. 4 Bl., 175 S., 4 Bl.,

270 S. Pgt. d. 18. Jhdts. mit Rsch. und Rvg.

(Schwanz etw. läd., stärker fleckig). (49) 200,-

STC 191. – Diese Ausgabe nicht bei Gamba. – Vorsatz und

Titel mit hs. Besitzeintrag, oben knapp beschnitten, etw.

wasserrandig und fleckig.

Alte Drucke und alte Theologie 51

Nr. 174

172 CASTIGLIONE, B., Il Cortegiano. Nuovamente

con diligenza revisto secondo l'esemplare del proprio

autore. Venedig, Giolito de' Ferrari, 1562.

12°. Mit 2 Druckermarken, Titelholzschnitt und

hübschen figürlichen Initialen. 14 Bl., 476 S. Läd.

Ldr. d. Zt. (4) 200,-

IA 133.617. EDIT 16 CNCE 10090. – Diese Ausgabe nicht

im STC, bei Adams und Bongi (der nur den Druck mit dem

Erscheinungsjahr 1562 auf dem Titel und 1563 auf der

letzten Seite verzeichnet: II, 156). – Spätere Ausgabe des

klassischen Werkes über den Hofmann. – Leicht gebräunt,

fleckig. – Exlibris.

173 CAVALCANTI, B., La retorica. Pesaro, B. Ce -

sano, 1559. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel

und einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen.

6 Bl., 563 S. Beschäd. flex. Pgt. d. Zt. (49) 300,-

EDIT 16 CNCE 10432. STC, Suppl., 29. Adams C 1176.

IA 134.568. Hoefer IX, 277. – Das Lehrbuch der Rhetorik

des berühmten Florentiners Cavalcanti, der wegen Differenzen

mit den Medici ins Exil ging, war erstmals in Venedig

1558 aufgelegt worden. – Zahlreiche Anstreichungen

mit Tinte, stellenw. wasserrandig, etw. fleckig, winzige

Wurmspuren.

Einziges vollständiges Exemplar

174 CHERLER, P., Pictura sive imago divi Christophori,

sacris plena doctrinis: versibus illustrata &

concinnata. Basel, o. Dr., 1568. 4°. Mit ganzseit.

Textholzschnitt. 8 Bl. Mod. Broschur. (94) 400,-

Einzige Ausgabe. – VD 16 ZV 25434. – Enkomion in

Distichen auf den heiligen Christophorus, verfaßt vom

lutherischen Theologen und neulateinischen Gelegenheits-


52

Nr. 176

dichter Paul Cherler (1540-1600). Gewidmet dem nach

Christophorus benannten Pfalzgrafen Christoph (1551-

1574), einem der Söhne des Kurfürsten Friedrich III. des

Frommen, mit dem guten Wunsch am Ende des Gedichts:

„Vive diu Princeps, & Palatine Vale.“ – Der Druck ist von

größter Seltenheit und bisher nur in einem weiteren Exemplar

bekannt, das in der UB Basel aufbewahrt wird und

nach dem die Aufname im VD 16 erfolgte, ein Exemplar,

dem jedoch das Titelblatt fehlt, weshalb bisher weder der

Druckort noch das Erscheinungsjahr sicher feststanden. –

Ganz leicht gebräunt. – Siehe Abbildung.

175 CHYTRAEUS, D., Chronologia historiae Herodoti

et Thucdydidis. Helmstedt, J. Lucius, 1586

(Kolophon: 1585). 4°. Mit Druckermarke auf dem

Titel. 6 Bl., 374 (recte 372), 79 S., 15 Bl. Hldr. d.

18. Jhdts. mit Rvg. (leicht beschabt und bestoßen).

(158) 300,-

VD 16 ZV 3339. – Vgl. Adams C 1580 (Ausg. 1585). – Ganz

wenig fleckig. – Elegant gebundenes Exemplar aus dem

Kloster Benediktbeuern.

176 CICERO, M. T, (Opera. Ed. P. Victorius). Bde.

III-V (von 5) in 1 Bd. Paris, Estienne, 1538.

Fol. Mit wdh. Druckermarke auf den Titeln. 416,

450 S., 1 Bl., 158 S., 50 Bl. Blindgepr. Pgt. d. Zt.

(ohne die Schließbänder, Deckel aufgebogen, Vordergelenk

eingerissen, bestoßen und etw. fleckig).

(128) 400,-

Alte Drucke und alte Theologie

STC 109. Adams C 1640. IA 138.066. Schweiger II, 103.

Renouard 48, 8. – Vgl. Renouard, Marques, 291. – Nicht bei

Schreiber. – „Schöner Nachdruck“ (Schweiger) der Giunta-

Ausgabe von 1534-37. – Seitenränder etw. gebräunt, leicht

fleckig. – Gestoch. Exlibris „Lord Camden“ (1714-1794). –

Siehe Abbildung.

177 CICERO – MANUTIUS, P., In epistolas Ciceronis

ad Atticum commentarius. Venedig, Selbstvlg.,

1557. Mit Druckermarke auf dem Titel. 4 nn.,

432 num. Bl. Beschäd. flex. Pgt. d. Zt. (146) 250,-

STC 413. Adams M 460. EDIT 16 CNCE 28030. Renouard

I, 300, 6. – Umfassender Kommentar zu Ciceros Atticusbriefen

im Nachdruck der EA von 1547. – Wasserrandig,

fleckig, mit Randläsuren. – 3 Beilagen (von 1673, 1698 und

1790).

178 CINGULARIUS (GÜRTLER), H., Tersissima

Latini eloquii synonymor(um) collectanea. Annexus

est tractatulus utilissimus de vocum p(ro) -

prietatibus seu terminorum differentiis. Leipzig,

V. Damander, 1516. 4°. 40 Bl. Mod. Pgt. (69)

2.000,-

VD 16 G 3941 und G 3964. IA 140.219. Claes 252. – Vgl.

ADB XLII, 499 (EA 1513). – Nicht im STC und bei Adams.

– Bis 1524 war das erste deutsch-lateinische Synonymenwörterbuch

bereits in 20 Ausgaben verbreitet. – Zu ausgewählten

deutschen Begriffen werden jeweils mehrere lateinische

Synonyme aufgelistet, z. B. zu „Knecht: Servus,

Famulus, Cliens, Minister, Libertus, Mercenarius“. – Der

schlesische Humanist und Arzt, auch bekannt als Hieronymus

Cingulator Aurimontanus a Feramontis, gründete in

Goldberg eine berühmte Partikularschule, für die er eine

Reihe von Schulbüchern verfaßte. – Durchgehend mit kleinen

Wurmlöchern (minimaler Textverlust), einzelne Bl. im

Bug verstärkt, stellenw. fleckig, unterschiedlich gebräunt. –

Mod. Exlibris. – Selten.

With small wormholes throughout (minor loss of text), some

leaves reinforced at joint, here and there some soiling, variable

browning. – Modern exlibris. – Rare. – Modern vellum.

179 – Tersissima Latini eloquii synonymoru(m) collectanea.

Annexus est tractatulus utilissimus de

vocum proprietatibus, seu terminorum differentiis.

Straßburg, R. Beck, 1518. 4°. Mit Titelbordüre.

36 Bl. Mod. Pp. (54) 400,-

IA 140.227. STC 210. VD 16 G 3968. Muller (Beck) 37.

Claes 269. Ritter IV, 1394. – Bereits 14. Ausgabe des erstmals

1513 erschienenen deutsch-lateinischen Wörterbuchs.

– Die hübsche Titelbordüre mit dem lüsternen Alten oben

rechts etw. schwächer abgedruckt und seitlich hinterlegt,

wenig fleckig, unten wasserrandig.

180 COLBERT, CH. J., Lettres de Messire Charles

Joachim Colbert Evesque de Montpellier. 4 Bde.

Köln, Aux dépens de la compagnie, 1741. Mit ge -

stoch. Frontisp. Ldr. d. Zt. mit Rvg. (stärkere Ge -

brauchsspuren). (7) 200,-


Von uns bibliographisch nicht nachweisbar. – Briefe des

bekannten Jansenisten an Papst Clemens XI., den Erz -

bischof von Utrecht sowie andere Geistliche und Adelige;

teilweise in Französisch und Latein. – Titel mit hs. Besitzvermerk,

einzelne hinterlegte Randausrisse, stellenw. wasserrandig.

– Nicht im Jahrbuch.

181 COPIA RECESSUS Monachien: concordatorum

cum ordinariis Bavariae. München, A. Berg, 1583.

4°. 12 Bl. Pgt. d. Zt. unter Verwendung eines mittelalterlichen

Manuskriptblattes (aufgebogen,

Schließbänder fehlen, fleckig). (160) 300,-

Erste Ausgabe. – VD 16 B 1040. – Nicht im STC und bei

Adams. – Konkordatsvertrag zwischen Herzog Wilhelm V.

von Bayern und dem Salzburger Erzbischof Georg.

VORGEB.: GRETSER, J., De modo agendi Iesuitarum

cum pontificibus, praelatis, principibus, populo, iuventute,

et inter se mutuo. Ingolstadt, A. Sartorius, 1600. 4°.

8 Bl., 376 S. – Erste Ausgabe. – Stalla 1891. De Backer-S.

III, 1764, 61.

Titel des vorgebundenen Werkes gestempelt und mit altem

Besitzvermerk; beide Drucke leicht gebräunt und etw.

fleckig. – Das spätmittelalterliche Manuskriptblatt des Einbandes

aus einem liturgischen Werk mit Hervorhebungen

und mehreren Initialen in Rot und einer Initiale in Blau.

182 CORSO, R., Fondamenti del parlar thoscano.

Venedig, Comin da Trino für M. Sessa, 1549. Mit

Druckermarke auf dem Titel. 98 num., 1 nn. Bl.

(Errata). Mod. Pp. (beschabt und bestoßen). (49)

300,-

Erste Ausgabe. – EDIT 16 CNCE 13559. STC 200. Adams

C 2699. Haym 468, 2. Gamba 1337, Anm. – Die Druckermarke

mit der Katze weist auf Sessa. – Titel verso mit Besitzeretikett,

eng gebunden, kleiner Wasserrand, kaum fleckig.

183 – Fondamenti del parlar thoscano. Non prima

veduti corretti, et accresciuti. Venedig, M. Sessa,

1550. Mit Druckermarke auf dem Titel. 104 Bl.

Interims-Brosch. (fleckig). (49) 300,-

EDIT 16 CNCE 13991. Gamba 1337, Anm. – Vgl. Haym

468, 2. – Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. –

Titel mit angerändertem Eckausschnitt (ohne Bild- und

Textverlust), letzte Seite mit Vermerk, stellenw. leicht ge -

bräunt und fleckig.

184 DANTE ALIGHIERI, Opere. Con suoi comenti

recorrecti et con ogne diligentia novamente in

littera cursiva impresse. Venedig, B. Stagnino,

1520. 4°. Mit Holzschnitt-Titelbordüre, zahlr. Textholzschnitten

(davon 1 ganzseit.) und schwarzgrundiger

Druckermarke am Ende. 12 nn.,

441 (recte 440) num. Bl. Pgt. d. Zt. (bestoßen,

fleckig, Gelenke angeplatzt und tls. alt restauriert).

(49) 2.000,-

Alte Drucke und alte Theologie 53

Nr. 185

STC 209. Adams D 90. EDIT 16 CNCE 1156. Mortimer

144. Haym 185, 7: „Edizione simile a quella del 1491. fatta

in Venezia pel Benalj ec.“ – Nachdruck der Ausg. 1512, entgegen

dem Titel nur die Commedia enthaltend, der Text von

Cristoforo Landinos reichem Kommentar umgeben. – Titel

mit kleinen Randläsuren (am Kopfsteg angerändert),

gebräunt, fleckig, mit wenigen Marginalien von alter Hand.

– Siehe auch Kat.-Nr. ... (dort die Ausg. Venedig 1484).

Reprint of the edition of 1512, contrary to the title only

containing the Commedia, text encompassed by Cristoforo

Landino's rich commentary. – Title with small tears in

margin (restored at upper margin), browned, soiled, with

few marginalia by contemporary hand. – See also cat. no.

....(there Venice edition of 1484). – Contemporary vellum

(scuffed, soiled, joints bursted and partly restored in former

times).

185 DIODORUS SICULUS, Libri duo. Primus de

Philippi regis Macedoniae. Alter de Alexandri filii

rebus gestis. Venedig, G. dei Rusconi, 1518. Fol.

Mit breiter Titelbordüre und einigen Holzschnitt-

Initialen. 4 nn., 57 (recte) 58 num. Bl. Mod. Hpgt.

(49) 300,-

EDIT 16 CNCE 17218. STC 216. IA 153.736. Sander 2422.

– Nicht bei Adams. – Mit Widmung des Übersetzers Angelus

Cospus an Kaiser Maximilian I. – Titel mit hs. Ergänzung

zum Übersetzer: „ARCADICUS HOMO“; zahlr.

Marginalien von alter Hand in Tinte, stellenw. gebräunt und

wasserrandig. – Diese Ausgabe nicht im Jahrbuch. – Siehe

Abbildung.


54

Nr. 191

Nr. 192

Alte Drucke und alte Theologie

186 DIONYSIUS HALICARNASSEUS, Delle cose

antiche della citta di Roma. Tradotto in toscano

per messer F. Venturi. Venedig, N. Bascarini für

M. Tramezzino, 1545. 4°. Mit Titelholzschnitt.

4 nn., 324 num. Bl. Pgt. d. Zt. mit Rtit. (leichte Ge -

brauchsspuren). (54) 600,-

Erste italienische Ausgabe. – STC 217. Adams D 636. Hoffmann

II, 99. – Titelholzschnitt ankoloriert, erste Bl. restauriert,

oben knapp beschnitten, vereinzelt etw. fleckig.

187 DISSERTATIONEN – SAMMLUNG – 20 theologische

Inauguraldissertationen aus Basel (17),

Genf (1), Marburg (1) und Zürich (1). 1588-1790.

4°. Ältere Buntpapier-Brosch. (2), ohne Einband

(5) und mod. Brosch. (geringe Gebrauchsspuren).

(94) 500,-

3 Arbeiten aus dem 16., 8 aus dem 17. und 9 aus dem

18. Jahrhundert: über König Salomon als Sünder, Ostern,

Engel, Wunder im allgemeinen, Rechtfertigung, Prädestination,

den kultischen Gebrauch des Salzes und anderes

mehr. – Hervorhebenswert die Dissertation von Johannes

Buxtorf (1564-1629) unter dem Vorsitz von Johann Jacob

Grynaeus (1540-1617): Anaskeue (graece) opinionis a Petro

de Aliaco de coena Dominica repetitae, 1588 von Oporinus

in Basel gedruckt (VD 16 ZV 27780), mit der Veröffent lichung

von 3 Briefen Melanchthons an Wolfgang Mus culus,

„antehac nunquam editae“. – 2 Beilagen, darunter

die juristische Dissertation von Johann Peter Schön „ex

materia testamentorum“ (Basel 1588). – Geringe Ge -

brauchsspuren.

188 DOMENICHI, L., Historia varia, nella quale si

contengono molte cose argute, nobili, e degne di

memoria, di diversi principi & huomini illustri.

Venedig, G. Giolito de' Ferrari, 1565. Mit

2 Druckermarken sowie nahezu ganzseit. Holzschnittportr.

24 Bl., 830 S., 1 Bl. Hldr. um 1800

(Hinterdeckel mit kleiner Fehlstelle, bestoßen).

(56) 200,-

Dritter Druck der erweiterten Fassung. – EDIT 16 CNCE

17570. Bongi II, 180: „Ha sopra l'originale il pregio di essere

ritoccata in più parti ed ampliata colla giunta di due nuovi

libri.“ – Reiche Sammlung historischer Anekdoten zu mehr

als 1000 Persönlichkeiten; war unter abweichendem Titel

bereits 1556 erschienen. – Vordergelenk locker, Titel ge -

stempelt, leicht gebräunt. – Dublette der Bibliotheca Hertziana.

189 EGNAZIO, G. B., De Caesaribus libri III. Venedig,

Aldus, 1516 (1517). Mit 2 wdh. Drucker marken.

108 nn., 295 num., 1 nn. Bl. Blindgepr. Ldr. d.

Zt. (Rücken mit spät. Schafleder überklebt, stärker

beschabt und bestoßen, fleckig, Schließen fehlen).

(4) 1.000,-

Erste Ausgabe. – STC 231. EDIT 16 CNCE 18052. Renouard

I, 129. Adams E 79. Ebert 9821 (unter Historiae): „Sehr

selten, vorzüglich in guten Exemplaren.“ Bietenholz-D. I,

424: „A work which extended the Historia Augusta down

to his contemporary, Maximilian.“ – Die Vorrede ist 1517

datiert. – Mit der Edition der Scriptores Historiae Augus-


tae durch den italienischen Humanisten Giovanni Battista

Egnazio (eigentlich Cipelli; 1478-1553) im zweiten Teil des

Werkes. – Vollständiges Exemplar mit den weißen Bl.

HS 7, HS 8 und Hi 8 und der meist fehlenden, weil von prüden

Lesern entfernten „Oratio Heliogabali ad meretrices“

(Bl. 291-295) von Aretino. – Leicht gebräunt, etw. fleckig. –

Mit Vermerken auf dem Titel: aus der Hinterlassenschaft

von Johann Georg Meychel 1681 ins Münchner Jesuitenkolleg

übergegangen. Meychel war kurbayrischer Sekretär

(Kobolt, Erg., 376); für dessen bisher unbekanntes Todesjahr

steht damit der Terminus ante quem fest.

First edition. – Complete copy with the blank leaves HS 7,

HS 8 and Hi 8 and the mostly missing „Oratio Heliogabali

ad meretrices“ (leaves 291-295) by Aretino often removed

by prudish readers. – Slightly browned, a little soiled. – Contemporary

blind-pressed calf (later sheepskin glued over

spine, stronger scratching and scuffing, soiled, clasps missing).

190 EUSTATHIOS VON THESSALONIKI, De

Ismeniae et Ismenes amoribus libri XI. G. Gaulminus

Molinensis primus Graecè edidit, et Latinè

vertit. Paris, Drouart, 1617. 1 Bl., 447 S. Flex. Pgt.

d. Zt. (Schließbänder fehlen, fleckig). (54) 300,-

Goldsmith E 442. – Vgl. Schweiger I, 123. Hoffmann II,

247. – Griechisch-lateinischer Paralleltext. – Vorsatz und

Titel mit Notiz in Tinte, gegen Ende mit Wurmspur im

Außensteg, stellenw. wasserrandig.

191 EXPOSITIO HIMNORUM cum notabili commento

q(uo)d semp(er) implicat hystorias. Basel,

M. Furter, 1504. 4°. Mit Titelholzschnitt, ganzseit.

Textholzschnitt und ornamentaler Holzschnitt-

Initiale. LXX num., 1 nn. Bl. Ohne Einband. (158)

300,-

STC 510. Adams L 1123. VD 16 H 6510 und T 653 (als

Tl. II des „Textus sequentiarum cum expositione lucida“).

Hieronymus 137d. – Diese Ausgabe nicht im Index Aureliensis.

– Häufig gedruckte Sammlung von Heiligen-Hymnen

mit Kommentar. – Der Titelholzschnitt zeigt das Jesuskind

mit Kreuz zwischen den vier Evangelistensymbolen

(vgl. Hieronymus 73 und Schramm XXII, 1069, hier eine

um Bordüren erweiterte Wiederverwendung), rückseitig

eine Kreuzigungsszene (übernommen aus der „Postilla“ des

Guillermus Parisiensis, Basel 1491 – Schramm XXII, 336).

– Titel mit zwei Vermerken in Tinte, letztes Bl. mit Einriß;

anfänglich wenige Ecken geknickt, stellenw. etw. gebräunt

und fleckig. – Siehe Abbildung.

Unbekannter Dillinger Druck

192 FEUCHT, J., Christliche Walfahrt der neun Führungen

oder Gäng unsers Herren Jesu Christi im

heyligen Paßion. Dillingen, E. Lochner, 1624. Mit

24 Textholzschnitten. 1 Bl., 85 S. Ldr. d. Zt. auf

Holzdeckeln (bestoßen, rissig, Kapital beschädigt,

Schließen fehlen). (158) 800,-

Bibliographisch von uns nicht nachweisbar, nicht bei

Bucher (AGB V, 445-460) und im VD 17. – Gebet- und

Andachtsbuch zur Passion, verfaßt von Jacob Feucht (1540-

1580), Pfarrer zu Ingolstadt und kurzzeitig Rektor der

dortigen Universität, in den letzten Jahren seines frühvoll-

Alte Drucke und alte Theologie 55

Nr. 193

endeten Lebens Weihbischof von Bamberg. Außer einigen

Kontroversschriften gegen Osiander verfaßte Feucht 3 Postillen

und eben das vorliegende Andachtsbüchlein, das erstmals

1574 erschien; die ersten Dillinger Ausgaben sind von

Sebald Mayer 1576 und von Johann Mayer 1600 gedruckt

worden (Bucher 444 und 784). Aus dem 17. Jahrhundert

sind bislang 5 verschiedene Drucke bekannt, und zwar aus

den Jahren 1614, 1619, 1628, 1650 und 1667. Der vorliegende,

noch unbeschriebene Druck ist einer der ersten des

Dillinger Druckers Erhard Lochner, der im Spätjahr 1623

die Mayersche Presse übernommen hatte und bis 1627 teilweise

auch noch mit der Nennung von Mayer firmierte (im

vorliegenden Werk: „Gedruckt zu Dilingen in der Mayrischen

Truckerey bey Erhardt Lochnern“). – Leicht ge -

bräunt, etw. fleckig. – Siehe Abbildung.

VORGEB.: STENGEL, C., Erklerung der Lauretanischen

Letaney. München, o. Dr., 1637. Mit gestoch. Titel. 7 Bl.,

196 S. – Einzige Ausgabe. – VD 17 12:104242D. – Sehr seltenes

Andachtsbuch des fruchtbaren Benediktinerabtes

Carl Stengel (1581-1663). Auf dem Kupfertitel eine kleine

Panoramaansicht von München. – Titel mit klösterlichem

Besitzvermerk, gebräunt.

193 FISCHER, CH. A., Der Hutterischen Widertauffer

Taubenkobel: In welchem all ihr Wüst,

Mist, Kott unnd Unflat, das ist, ihr falsche,

stinckende, unflätige und abscheuliche Lehrn verfasset.

Auch deß grossen Taubers deß Jacob Hutters

Leben angehenckt. Ingolstadt, Angermeyr für

Eder, 1607. 4°. Mit Titelholzschnitt. 6 Bl., 57 S.,

1 Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. mit 2 Schließen (Kopf

schadhaft, stark wurmlöchrig, fleckig und bestoßen).

(65) 800,-


56

Nr. 195

Einzige Ausgabe. – STC F 469. Stalla 317. Hillebrand 3765.

Jöcher II, 622. – Sehr seltenes Pamphlet des Ingolstädter

Jesuiten, das sich gegen J. Hutter und dessen Anhänger

wendet. Der Verfasser versucht, Hutter und dessen Ge -

dankengut in die Nähe der wiedertäuferischen Lehren zu

bringen.

NACHGEB.: DERS., Vierund funfftzig erhebliche Ur -

sachen, warumb die Widertauffer nicht sein im Land zu

leyden. Ingolstadt 1607. Mit Titelholzschnitt. 3 Bl., 126 S. –

STC F 470. Stalla 316. Jöcher II, 622.

BELLARMINO, R., Wolgegründte Verantwortung zwayer

Schreiben, so wider jetzt regierende Bäpstliche H. Paulum

V. Erstlich auß Lateinischer Sprach in die Italianisch, und

volgends auß Italianischer in die Hochteutsch Sprach verdolmetscht

Durch: Albrechten zu Herbsthaim. München

1607. 1 nn., 69 num. Bl. – Vgl. Jöcher I, 932. De Backer-S.

I, 1208, 22 (anderer Drucker).

(FORNER, F., Notwehr und Ehrenrettung Der Catholischen

Religion. Ingolstadt 1602). 7 (statt 8) Bl., 441 S. (ohne

den Titel und die S. 353-360). – Jöcher II, 677. – Nicht bei

Stalla.

ANDREAE, C. (d. i. C. VETTER), Zweyhundert Luther,

das ist: zweyhundert helle und sonnenklare Proben deß

unschuldigen Luthers, wie und welcher Gestallt nemblich

der Luther an der Verwüstung Teutscher Nation sich am

Jüngstentag werde entschuldigen können. Ingolstadt 1607.

Mit Titelholzschnitt und ganzseit. Textholzschnitt. 3 Bl.,

88 (recte 82) S. – STC V 321. Dünnhaupt 41. Stalla 347.

Jöcher IV, 1558. De Backer-S. VIII, 626, 39. – „Antilutherische

Dichtung in 229 paarweise gereimten vierzeiligen

Strophen, mit dt. Prosakommentaren sowie einem großen

satirischen Holzschnitt“ (Dünnhaupt).

Alte Drucke und alte Theologie

(DOSCH, C.), Bekehrung, Herrn Piquerin Votons, eines

Engellendischen Freyherrns. Ingolstadt 1606. 1 Bl., 43 S. –

Stalla 309 (unter Voton). – Namensansetzung nach Bircher.

– Vorsätze mit Einträgen von alter Hand, Blattweiser tls.

schadhaft, mehrf. gestempelt, stellenw. wurmstichig, im

unteren Rand leicht wasserrandig, gering fleckig. – Siehe

Abbildung.

194 FRANGIPANI, O. M., Directorium ecclesiasticae

disciplinae, Coloniensi praesertim ecclesiae

accomodatum. Köln, Birckmann für A. Mylius,

1597. 4°. 16 Bl., 596 S., 17 Bl. Goldgepr. Pgt. d. Zt.

(Prägung oxydiert, Schließbänder fehlen, fleckig).

(158) 200,-

Einzige Ausgabe. – STC 622 (unter Mirto). VD 16 F 2269.

Adams F 966. LThK IV, 86. – Kirchliches Verwaltungshandbuch

aus der Feder des nachmaligen tarentinischen

Erzbischofs Ottavio Mirto Frangipani (um 1543-1612),

erwachsen aus dessen zehnjähriger Tätigkeit als Nuntius in

Köln. – Titel gestempelt und mit 2 hs. Besitzvermerken,

gebräunt, tls. wasserrandig. – Gestoch. Exlibris „Vitus Priefer

de Miespach“. Veit Priefer (von dem auch einer der

Besitzvermerke auf dem Titel stammt) war in verschiedenen

Orten Bayerns als Priester tätig, zuletzt in den zwan -

ziger Jahren des 17. Jahrhunderts als Dekan im heutigen

oberösterreichischen Mattighofen (Kobolt, Nachträge 391).

195 FRANZISKANER – SAMMELBAND – 4 Wer -

ke zu den Auseinandersetzungen über den Status

der Minoriten in den ersten beiden Jahrzehnten

des 16. Jahrhunderts in ersten Ausgaben. 1501-16.

4°. Holzdeckel mit breitem blindgepr. Schweins -

ldr.-Rücken d. Zt., altem hs. Rsch. und erneuerten

Schließen (Hinterdeckel fachmännisch ergänzt,

leicht bestoßen). (50) 2.000,-

CONSTITUTIONES ALEXANDRINE Or(dinis)

Mi(norum) edite anno D(omi)n(i) 1501. Rom, E. Silber,

1501. 20 nn., XCVI num. Bl. – STC 278 (unter Franciscans).

EDIT 16 CNCE 15095. – Nicht bei Adams. – Von Alexander

VI. (1431-1503; Amtszeit 1492-1503) erlassene Bestimmungen

für den Minoritenorden, abgerungen in der wenigen

Zeit, die der anderweitig umtriebige Papst für derlei

Amtliches erübrigen konnte.

BONIFACIO DA CEVA, Defensorium elucidativum

Observa(n)tie fratru(m) Minorum. (Straßburg, J. Schott,

1516). Mit großem Titelholzschnitt. 45 Bl. – STC 141. VD

16 B 6612. IA 122.047. Proctor 10281. Schmidt, Schott,

Suppl. 3. Benzing, Straßburg, 190. – Nicht bei Adams. –

Bonifacio aus Ceva (gest. 1517) gehörte zu den Wortführern

der Konventualen im Streit mit den Observanten um

das rechte Ideal der Armut. – Der Titelholzschnitt mit der

Darstellung der Stigmatisierung des Franziskus. – Vollständig

mit dem letzten weißen Blatt.

(SCHATZGER, C.), Apologia status fratrum Ordinis

minoru(m) de observantia nu(n)cupatoru(m) declaratoria.

(Basel, J. Froben, 1516). 42 Bl. – STC 784. VD 16 S 2321.

LThK IX, 221. – Nicht bei Adams. – Gegenschrift des einflußreichen

Observanten und Antilutheraners Caspar

Schatzger (1463-1527) „adversus patrem Bonifacium“.

(FRANCISCUS VON ASSISI), Lucerna Fratrum minorum.

Et expositio Eugeniane. Leipzig, M. Lotter, 1515. Mit

kleinem Titelholzschnitt. LXX num., 3 nn. Bl. – VD 16 F

1998 und K 207. – Nicht im STC und bei Adams. – Vollständig

mit dem letzten weißen Blatt.


Gelenke gelockert, gebräunt, tls. fleckig. – Wohlerhaltener

Sammelband im zeitgenössischen Einband mit wichtigen

Schriften zur Geschichte des Franziskanerordens kurz vor

der 1517 durch Leo X. offiziell sanktionierten Ordensteilung

in Konventualen und Observanten. – Siehe Abbildung.

Joints loosened, browned, partly soiled. – Well preserved

Sammelband in contemporary binding with important

treatises to the history of the Franciscan Order shortly before

the separation of the order in Conventuals and Observantists

in 1517 officially sanctioned by Leo X. – Wooden boards

with wide contemporary blind-pressed pigskin spine, old ms.

spine label and renewed clasps (rear cover skilfully replaced,

slightly scuffed). – See illustration.

196 (GECHAUF, TH.), Draco mysticus, sive venatio.

Authore Thoma Venatorio. O. O. und Dr. (Nürnberg,

Petreius), 1530. 13 Bl. Mod. läd. Pp. (49)

400,-

Einzige Ausgabe. – VD 16 G 611 (kein Standort; Aufnahme

nach Knaake III, 1071). Panzer IX, 548, 279 b. ADB

XXXIX, 600. Herzog-H. XX, 488: „Humanistische Gelegenheitsschrift.“

– Nicht bei Kuczynski, Adams und im

STC. – Knaake weiß zum Inhalt nichts zu sagen und teilt

nur mit: „In Versen.“ – Die neuere Literatur über Thomas

Gechauf(f) bei Bietenholz-D. III, 382, wo besonders seine

Leistung als Editor der ersten Archimedes-Gesamtausgabe

hervorgehoben wird. – Titel gelockert, fleckig. – Mod. Ex -

libris (darunter das von Olschki).

197 GELLIUS, A., Noctium Atticarum libri undeviginti.

Venedig, Aldus, Sept. 1515. Mit 2 Druckermarken.

32 nn. (das letzte weiß), 289 num., 51 nn.

Bl. Blindgepr. Ldr. d. Zt. (beschabt und bestoßen).

(49) 600,-

Erster Druck der ersten Ausgabe bei Aldus. – Adams G

343. STC 294. Naiditch-B. 119. Renouard 73.9. Schweiger

II, 376: „Recognition des Textes von Jo. Bapt. Egnatius,

welcher einen zwiefachen Index und die Erklärung der griechischen

Worte beifügte.“ – Korrigierte Druckvariante mit

„Duernionem“ im Kolophon. – Titel mit Besitzvermerk

von alter Hand.

198 – Noctes Atticae. Cum gemino indice, et Graecarum

dictionum versione. Venedig, G. Cavalli,

1565. Mit Holzschnitt-Titelvign. 28 Bl., 629 S. Pgt.

d. Zt. mit Rtit. (Rücken mit kleinen Wurmspuren,

bestoßen und etw. fleckig). (56) 150,-

Adams G 362. EDIT 16 CNCE 20611. – Nicht im STC. –

Die häufig aufgelegte Sammlung von Lesefrüchten bietet

oft die einzige Überlieferung von Texten griechischer und

lateinischer Autoren. – Vorsatz mit Besitzvermerk von alter

Hand und Siegelabdruck, Titel (aufgezogen) mit Wurmspuren

(kein Textverlust), die Titelvignette ankoloriert,

anfangs und am Ende kleine, hinterlegte Wurmspuren (die

Holzschnitt-Initiale am Beginn im unteren Teil ergänzt),

einzelne Marginalien mit Tinte, stellenw. etw. fleckig, unterschiedlich

gebräunt.

199 GEMMA GEMMARUM – DICTIONARIUM,

quod Gemma gemmarum vocant, nuper castigatum.

Hagenau, H. Gran für J. Rynman, 1518. 4°

Mit Titelbordüre. 142 Bl. Mod. Pp. (54) 500,-

Alte Drucke und alte Theologie 57

VD 16 G 1104. Benzing, Hagenau, 39, 187. – Vielbenutztes

lateinisches Wörterbuch in einem seltenen Hagenauer

Druck von Heinrich Gran, der die Druckkunst dort 1489

einführte. Er ging wahrscheinlich aus der Kaste der Briefmaler

hervor, und deshalb vermutet Nagler (IV, 969), daß

die Titeleinfassung von ihm selbst gestaltet wurde: „Sie ist

aus Ornamenten gebildet, und mit Genien geziert. Oben

halten zwei Genien einen Feston, über welchem zwei

Delphine hervortreten. In der unteren Leiste sieht man zwei

andere Genien mit den Schilden der Druckerei des H. Gran.

Im Schilde des zweiten Knaben ist eine aufgebrochene

Nelke, ebenfalls in die Tiefe geschnitten.“ – Titel mit Be -

sitzvermerk „Ferdinandus Arnsperger“, darunter der Be -

sitzeintrag des Klosters Rott am Inn. – Nur stellenw. wenig

fleckig.

200 (GESNER, K.), Lexicon Graecolatinum. 2 Tle. in

1 Bd. Basel, Walder, 1541. Fol. Mit Titelbordüre

und Druckermarke am Ende. 387 (statt 388),

52 Bl. Pgt. d. Zt. mit Rsch. (hinterer Deckel mit

tls. eingeritzter und gestochener Zeichnung, stärker

fleckig und bestoßen). (97) 600,-

Zweite Ausgabe. – STC 367. VD 16 G 1749. Wellisch A 1.2.

– Erfolgreiches Erstlingswerk des Universalgelehrten Conrad

Gesner, das dieser auf Anregung des mit ihm befreundeten

Druckers Walder bereits mit 21 Jahren zusammenstellte

und das ihm frühen Ruhm einbrachte, obwohl sein

Name im Druck nicht genannt wird. – Mit der schönen

Cebes-Holzschnittbordüre nach Holbein (Butsch 54; Kat.

Basel 1960, 371), geschnitten von Hans Herman. Am Ende

das schöne Papageiensignet des Druckers Johann Walder

(Heitz-B. 163, III) mit der Inschrift „Lento pede“ vom

Meister des Minervasignets, „der die bedeutendste Kraft

nach Holbein ist“ (Grimm 179; Koegler 444). – Es fehlt

Blatt 2 mit dem Privileg und Vorwort von Hieronymus

Curio. – Nachgebunden sind die S. 129-181 eines nicht

bestimmbaren Drucks mit den „Dictiones Latinae Graecis

expositae“. – Vorsatz und Titel mit Besitzvermerken von

alter Hand, Bl. aa mit Einriß, stellenw. fleckig, leicht ge -

bräunt. – Mod. Exlibris.

201 GIOVIO, P., G. SIMEONI UND L. DOMENI-

CHI, Dialogo dell'imprese militari et amorose.

Lyon, G. Rouillé, 1574. 4°. Mit Druckermarke auf

dem Titel, ganzseit. Holzschnittportr. auf dem

Titel verso und 138 emblematischen Textholzschnitten.

280 S., 7 Bl. Mod. Pgt. (56) 300,-

STC 202. Baudrier IX, 348. Landwehr 345. Praz 353. Mortimer

249 Anm. – Zweite italienische Ausgabe mit denselben

Holzschnitten wie in der ersten, in meist klaren und

kräftigen Abdrucken. – Titel recto und verso mit rasiertem

Besitzvermerk von alter Hand (Papierdurchbruch mit minimalem

Bildverlust), die Titelvignette ankoloriert, anfangs

einzelne Marginalien in Tinte, stellenw. stärker fleckig

(Titel) und wasserrandig.

202 GIOVIO, P., Gli elogi. Vite brevemente scritte

d'huomini illustri di guerra, antichi et moderni.

Tradotte per L. Domenichi. Venedig, G. de' Rossi,

1557. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 8 nn.,

350 num., 1 nn. Bl. Beschäd. flex. Pgt. d. Zt. (56)

120,-


58

Nr. 204

Zweite italienische Ausgabe. – STC 304. Adams G 641.

EDIT 16 CNCE 21212. – Vgl. Haym 169, 9. Gamba 1430

Anm. Alden 554/27. Sabin 27478: „Contains lives of

Columbus, Cortez, Tristan d'Acugna, etc.“ – 1551 erstmals

in lateinischer Sprache erschienen; erste Übersetzung ins

Italienische 1554. – Das Bl. 269 verso fehlerhaft gedruckt;

gebräunt, fleckig. – Vollständig mit dem letzten weißen

Blatt.

203 – Historiarum sui temporis tomus primus. Bd. I

(von 3) in 1 Bd. Lyon, Gryphius' Erben, 1561. Mit

Druckermarke auf dem Titel. 1144 S., 39 Bl. Ldr.

d. Zt. (starke Gebrauchsspuren). (72) 150,-

Adams G 656. Baudrier III, 302. – Nicht im STC. – Hübsche

kleinformatige Ausgabe der seinerzeit oftmals auf -

gelegten Universalgeschichte. – Etw. wasserrandig, leicht

fleckig.

204 GOLTZIUS, H., C. Iulius Caesar sive historiae

imperatorum Caesarumque Romanorum liber primus.

Accessit C. Iulii Caesaris vita et res gestae.

Brügge, Selbstvlg., 1562-(63). Fol. Mit gestoch.

Titel, 57 S. Tafelteil und emblematischem Textkupfer

am Ende. 16, 3 Bl., 231 S., 24 Bl. Beschäd.

Ldr. d. Zt. mit Rsch. (35) 1.000,-

Erste Ausgabe. – STC 87. Adams G 829. Lipsius 153. Ornamentstichslg.

Berlin 4249. Hollstein VIII, 139. Funck 323:

„Seconde ouvrage de Goltzius.“ – Wie oft ist das Druckjahr

auf dem gestochenen Titel in „1563“ korrigiert. – Entgegen

MNE (I, 270) erschien 1573-74 noch ein „Liber secundus“.

Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 205

– „The importance of his book, which no one has yet noticed,

lies in the fact that it contains the first Subscription List

we know“ (Hornik-S. in Sciencia Nova II, S. 42). – Der

Tafelteil mit 54 Münzkupfern und 3 Zwischentiteln in der

Paginierung. – Vorsätze leimschattig, Titel mit Besitzvermerk

von alter Hand, einzelne Blätter mit kleinem Einriß,

am Ende stärker wasserrandig, stellenw. fleckig. – Siehe

Abbildung.

First edition. – Plate part with 54 copperplates showing coins

and 3 subsidiary titles in pagination. – Endpapers with glue

traces, title with ownership entry by contemporary hand,

some leaves with small tear, stronger waterstains at the end,

here and there soiling. – Contemporary damaged calf with

spine label. – See illustration.

205 GREGOR IX., Decretales. Accurata diligentia

tertio emendate. Lyon, N. de Benedictis, 1510. 4°.

Mit wdh. Druckermarke und 3 (2 ganzseit.) Textholzschnitten.

4 nn., 432 num., 25 nn. Bl. Restauriertes

blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln. (49)

800,-

Von Gültlingen 49. – Nicht im STC und bei Adams. –

Schöne Ausgabe der Dekretalen in Rot und Schwarz, zweispaltig

mit umgebendem Kommentar. – Der Holzschnitt

am Beginn zeigt den thronenden Papst, umgeben vom

Klerikern, und kleine Szenen aus seiner Vita; die ganzseitigen

Textholzschnitte mit der „Arbor consanguinitatis“ und

der „Arbor affinitatis“. – Durchgängig mit kleinen Wurmspuren

(auch im Text), einzelne Streichungen mit Tinte, stellenw.

wasserrandig, wenig fleckig, unterschiedlich gebräunt.

– Mit dem letzten weißen Blatt. – Siehe Abbildung.


Nr. 206

206 (GUILELMUS PARISIENSIS), Postille maiores

sup(er) evangelia et epistolas: quemadmodum in

templis per annum leguntur. Monotessaron passionis

Christi, ex quatuor evangelistis confectum,

et expositum diligenter, per autores receptos. 2 in

1 Bd. Basel, Petri, 1519. 4°. Mit 2 wdh. Holzschnitt-Titelbordüren

und zahlr. Textholzschnitten

meist von Urs Graf. 4 nn., 352 num., 8, 4 nn.,

39 num. Bl. (ohne das Bl. mit der Druckermarke).

Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln

mit intakten Schließen (professionell restauriert).

(50) 1.200,-

VD 16 E 4395. STC 117. Hieronymus, Petri, 24a. IA

101.514. Lonchamp 19. – Erweiterte Lyoneser Fassung der

mehrfach aufgelegten Postille, traditionell dem Bischof von

Paris, Guilelmus, zugeschrieben. – „More than one hundred

editions of the Postilla were printed during the fifteenth

century. Surely this esteemed compilation must be regarded

as one of the earliest 'best sellers'. Only a few facts seem to

be known about Frater Guillermus“ (Goff, The Postilla of

Guillermus Parisiensis, in GJB 1959, 73 ff.). Dieser war

Dominikaner und Theologieprofessor in Paris, er verfaßte

seine Evangelienauslegung angeblich 1437 für Mitglieder

seiner Kirchengemeinde. Die Postilla wurde vor allem in

Süddeutschland, aber auch in Köln und Lyon gedruckt. –

Lage Ee doppelt eingebunden. – Nur stellenw. leicht ge -

bräunt und wenig fleckig. – Insgesamt sehr gut erhalten und

dekorativ gebunden. – Siehe Abbildung.

Enlarged Lyon version of the Postilla issued several times,

traditionally ascribed to the bishop of Paris, Guilelmus. –

Quire Ee bound-in twice. – Only here and there slightly

browned and a little soiled. – Altogether very well preserved

Alte Drucke und alte Theologie 59

Nr. 207

and bound in a decorative way. – Contemporary blindpressed

pigskin over wooden boards with working clasps

(professionally restored). – See illustration.

207 HACKSPAN, TH., Disputationum theologicarum

& philologicarum sylloge. Nürnberg, Endter,

1663. 4°. 4 Bl., 616 S., 22 Bl. Restauriertes Pgt.

d. Zt. (100) 1.500,-

CLC H 28. ADB X, 299. – Mit zahlreichen in Griechisch,

Hebräisch, Arabisch und Syrisch gesetzten Zitaten. Eine der

wichtigsten exegetischen und biblisch-philologischen

Schriften des evangelischen Theologen und Orientalisten

(1607-1659). „Als Theologe huldigte er dem freieren und

selbständigeren Geiste, den er der Jenaischen und Helmstädtischen

Schule, namentlich Calixt verdankte“ (ADB).

BEIGEB.: LIPMAN, (J. T.), Sefer nizachon (hebraice).

Liber Nizachon. Curante Th. Hackspan. Ebda. 1644.

Mit gestoch. Titel. 7 Bl., 512 S., 12 Bl. – Erste Ausgabe. –

Steinschneider 5854, 1. Roest 682. Fürst II, 403: „Eine

Polemik gegen das Christenthum in Zusammenstellung von

354 Bibelstellen, gegen die Aufassung der Christen vertheidigt.“

– Hauptwerk von Jom-Tov ben Salomo Lipmann-

Mühlhausen. Ferner enthalten: „Tractatus de usu librorum

Rabbinicorum“. – „Lipman wirkte als offizieller 'Judenrichter'

in Prag, wurde 1399 mit vielen anderen Juden unter

der Anschuldigung der Christusschmähung verhaftet und

entging nur durch seine Widerlegung der falschen Anschuldigungen

des Apostaten Peter der Hinrichtung, welche

mehr als siebzig seiner Glaubensgenossen zu erdulden

hatten“ (Herlitz-K. III, 1119). – Im unteren Teil der aufwendigen

Rahmung des gestochenen Titels beleuchtet der

Herausgeber mit einer Kerze das Manuskript in den Händen

des Verfassers.


60

Nr. 208

CRINESIUS, CH., Babel (hebraice). Sive discursus de

confusione linguarum, tum orientalium: Hebraicae, Chaldaicae,

Syriacae, Scripturae Samariticae, Arabicae, Persicae,

Aethiopicae: túm occidentalium, nempe Graecae, Latinae,

Italicae, Gallicae, Hispanicae. Nürnberg, Halbmaier, 1629.

Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und 3 Kupfertafeln.

8 Bl., 144 S., 2 Bl. – Jöcher I, 2198. – Crinesius

(1584-1629) studierte in Jena und Wittenberg, war Schüler

von Fabricius und erhielt 1624 eine Professur für orientalische

Sprachen. – Die Tafeln mit verschiedenen Schriften und

Alphabeten.

Vorsatz mit hs. Besitzvermerken „Maresii“ (wohl Samuel

Maresius; 1599-1673) und von David Winter (1643-1699)

und Adolf Mobring (hebräisch). – Der Vorsatz und die

ersten Blätter professionell restauriert, einzelne Anstreichungen

mit Bleistift, stellenw. wasserrandig, unterschiedlich

gebräunt. – Nürnberger Sammelband mit seltenen

Werken bedeutender protestantischer Orientalisten. – Siehe

Abbildung.

Endpaper and first leaves professionally restored, some

underlinings with pencil, waterstains here and there,

variable browning. – Nuremberg Sammelband with rare

works by important Protestant orientalists. – Contemporary

restored vellum. – See illustration.

208 HEROLD, J., Heydenweldt und irer Götter

anfängklicher ursprung. Basel, H. Petri, 1554. Fol.

Mit Druckermarke und ca. 400 Textholzschnitten.

144 Bl., CCXCV, CXXX S., 1 Bl. Pgt. d. Zt. (etw.

beschabt und bestoßen). (91) 6.000,-

Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 209

Erste deutsche Ausgabe. – Adams H 421. STC 400. VD 16

H 2545. Hieronymus 386 Anm. Ibrahim-Hilmy I, 310.

Schweiger I, 96, und II, 334. – Johannes Herold (geb. 1511

in Höchstädt) lebte als Theologe in Basel, gehörte dem Kreis

um Erasmus an und wurde u. a. in die Hiero glyphenkunde

eingeführt. – Den Hauptteil des Werkes nimmt eine Diodor-Übersetzung

ein, illustriert mit Holzschnitten, die

meist aus Münsters Kosmographie übernommen wurden.

Daneben wirkten aber auch Hans Holbein d. J., der Meister

D.S. (Astronom S. CXC), Niklaus Manuel, Hans Rudolf

Manuel, David Kandel, Jacob Clauser sowie einige unbekannte

Meister mit. – Von besonderem Interesse ist heute

die Frucht von Herolds ägyptischen Studien: eine Hor -

apollo-Übersetzung, reich geschmückt mit emblematischen

Holzschnitten (auf zwei doppelblattgr. Textblättern versammelt

und deshalb manchmal als Tafeln gezählt). – Die

Druckermarke bei Heitz-B., S. 55, Abb. 76. – Vorsatz mit

Besitzvermerken, im ersten Teil stellenw. Wasserspur, im

dritten Teil S. CVII-CX mit Randschaden. – Siehe Abbildung.

First German edition. – The major part of the work is a

translation of Diodorus, illustrated with woodcuts which

were mostly taken from Münster's Cosmography. – End -

paper with ownership entries, in the first part here and there

waterstains, in the third part pp. CVII-CX with marginal

damages. – Contemporary vellum (some scratching and

scuffing). – See illustration.


Unbekannter Druck mit Stammbucheinträgen

209 HOFFMANN, E., UND H. WIRICH, Stammund

Wappenbüchlein. Von allerhand schöner

und Kunstreicher Helmdecken und Zierden. Von

newem an Tag geben. Frankfurt, P. und J. Schmid,

1592. 4°. Mit Titelkupfer und Schlußvign. 4 Bl.

(Druck) und 55 weiße Bl. für Stammbucheinträge

mit 21 gestoch. vorgedruckten Wappenkartuschen

zur Ausmalung. Restauriertes Ldr. um 1700 mit

Rvg. (100) 8.000,-

Einziges bekanntes Exemplar. – Das wahrscheinlich letzte

Druckwerk des Frankfurter Karten- und Wappenmalers

Elias Hoffmann, geschaffen in Zusammenarbeit mit dem

Kupferstecher Heinrich Wirich, ist eine besondere Rarität

in der Geschichte des Buchdrucks: ein Stammbuch mit

vorangestellter gedruckter Einleitung (Vorrede an den Leser

sowie Widmungen an die Einträger) und Blättern, die mit

vorgedruckten Wappen für die zu erwartenden Eintragungen

vorgesehen sind. – Bei dem vorliegenden Druck handelt

es sich indessen bereits um eine Folgeauflage. Die erste

Ausgabe mit leicht abweichendem Titel war im selben Jahr

erschienen. Bislang ist zwar auch von ihr kein Exemplar

bekannt geworden, doch fand sie in das Verzeichnis der

Drucke des 16. Jahrhunderts „Unicus seculi“ von J. Cless

(Frankfurt 1602) Eingang unter dem Titel: „Eliae Hoffmans

Mahlers / Stamm und Wappenbüchlein/allerhand schöner

künstlicher Helm / etc. in Kupffer gestochen / für Adeliche

und gefreyte Personen zugericht. Franckfurt 1592“ (Bd. II,

S. 274, unter „Libri Germanici“). Hier fehlt noch der Hinweis

auf die Nützlichkeit für die „Liebhaber der löblichen

Malerkunst“ wie im Titel unserer Ausgabe. Außerdem ist

das Format mit Oktav angegeben, nicht Kleinquart. Hoffmann,

der bereits im Mai 1592 verstorben ist, hat demnach

in der ersten Hälfte des Jahres zwei abweichende Ausgaben

seines Stammbuchs hergestellt – beide offenbar in Kleinstauflage

(die Vorrede unserer Ausgabe mit Datum 12. 3. 1592).

In größerer Form – sowohl inhaltlich als auch von der Auflagenhöhe

her – wurde die Idee eines Stammbuchs mit Wappenvordrucken

noch im selben Jahr wieder aufgegriffen und

um Emblemdarstellungen erweitert, und zwar in der ersten

Ausgabe der „Emblemata nobilitati ... Stam und Wapenbüchlein“

von Theodor de Bry (VD 16 B 8817). Einige der

Helmzierden der Blankowappen aus dem Werk Hoffmanns

wurden dabei nur wenig verändert nachgestochen und mit

opulenten Bordüren eingefaßt. Auf einen Zusammenhang

zwischen beiden Werken verweist auch der Beitrag eines

Widmungsgedichtes „In catalogum amicorum“ von „Teucrius

Annaeus Privatus Colchanthes“, d. i. Hans Adam

Lonicer, der zu dieser Zeit eng mit De Bry zusammen gearbeitet

hat. Heinrich Wirich hat später seinerseits das Brysche

Stamm- und Wappenbuch neu bearbeitet (erschienen

in Köln im Jahr 1600). Auch der Maler Philipp Uffenbach,

bekannt als Lehrer Adam Elsheimers und Schwiegersohn

Hoffmanns, stand mit De Bry in Verbindung. Offenkundig

hat also Hoffmanns Idee des vorgedruckten Wappenstammbuchs

in De Brys in mehreren Ausgaben erschienenem

emblematischen Werk ihre eigentliche Um setzung

gefunden, ist aber selbst in Vergessenheit geraten.

Der Titelkupferstich mit der Darstellung eines Ritters mit

Blankowappen für den Eigner, die Schlußvignette mit einer

Allegorie auf die Gegensätze (Winter – Sommer, Tod –

Leben, Weite – Nähe). – Die Stammbucheinträge, die bis in

das Jahr 1632 reichen, wurden meist von böhmischen Adeligen

vorgenommen. Es finden sich darin 17 gezeichnete

und teils lavierte sowie 16 aquarellierte Wappenminiaturen

und mehrere kleine Federzeichnungen (darunter das

Alte Drucke und alte Theologie 61

Nr. 210

Schlußblatt mit Reitern und Landsknechten). Offenbar

waren die Einträger mit der Möglichkeit, Wappenvordrucke

auszumalen, nicht vertraut, denn diese blieben sämtlich

unausgefüllt. Die überwiegend tschechischen Einträge sind

meist genealogischen Inhalts, viele auch mit Rezepturen

für Heilmittel. – In dieser Form ein äußerst rares, kulturgeschichtlich

bedeutendes Dokument. Der Versuch,

Freundschaftsalben mit Vordrucken auf dem Buchmarkt zu

etablieren, hat sich zu dieser Zeit nicht dauerhaft durch -

setzen können. Das vorliegende Exemplar ist eines der frühesten

Zeugnisse derartiger Bestrebungen. – Der gedruckte

Part etw. fleckig, wasserrandig und gebräunt, im anderen

Part zwei Bl. mit Durchriß und Ausrissen, nach Restaurierung

ein Bl. mit Wappenkupfer kopfstehend eingebunden,

ein Bl. mit Bugausriß (ein wenig Textverlust der hs. Eintragung);

stellenw. finger- und tintenfleckig, etw. gebräunt. –

Siehe Tafel 8 und Abbildung.

Sole copy known. – The last work probably by the Frankfurt

painter of maps and emblems Elias Hoffmann, created

together with the engraver Heinrich Wirich, is a special

rarity in the history of printing: an album amicorum pre -

ceded by a printed introduction (foreword to the reader and

dedications to the persons inscribed) and leaves that are

designated with preprinted arms for the expected entries. –

The entries in the album amicorum reaching up to the year

1632, were mostly made by Bohemian aristocrats. There

are arms miniatures, 17 of them drawn and partly washed,

16 coloured by hand and several small pen and ink drawings

(among them the closing leaf with horsemen and lansquenets).

It seems that the persons inscribing in this album were

not aware of the possibility to fill in the special arms form,

because the latter remained all blank. The prevailing Czech

entries are mostly of genealogical tenor, many also with re -

cipes for remedies.


62

Nr. 216

An extremely rare and important document as regards

cultural history. The present copy is one of the earliest

testimonies of this kind. – The printed part a little soiled,

with waterstains and browning, in the other part two leaves

torn in two and tear-outs, after restoration one leaf with

armorial copperplate bound-in upside down, one leaf with

tear-out at joint (some loss of text of ms. inscription); here

and there thumbing and ink stains, a little browned. – With

title copperplate and tail-piece. 4 leaves (printing) and

55 blank leaves for inscriptions in the album amicorum with

21 engraved preprinted armorial cartouches to be filled in. –

Restored calf around 1700 with gilt back. – See plate 8 and

illustration.

210 HOLTZWART, M. VON, Lustgart, newer deuttscher

Poeteri, in fünff Büchern beschriben. Straßburg,

J. Rihel, 1568. Fol. Mit Druckermarke auf

dem Titel und am Schluß, großem Wappenholzschnitt

auf der Titelrückseite und 5 Holzschnitten

im Text. 4 nn., 173 num., 2 nn. Bl. Mod. Ldr. im

Stil d. Zt. (50) 4.000,-

Einzige Ausgabe. – Ritter 1184. STC 412. VD 16 H 4551.

Goed. II, 484, 2. – Reimchronik der württembergischen

Fürsten, vermischt mit Erzählungen aus der griechischen

und römischen Mythologie. Ferner interessante Stellen über

Bergbau, Recht, Medizin etc. Möglicherweise schrieb

Holtzwart diese Chronik in Anlehnung an den Theuerdank;

stilistisch wird sie heute als Zeugnis des Übergangs

zum Barock betrachtet. „Holzwarts deutsche Schriften

heben sich durch gute Sprache und gesunde Lebensansicht

unter den Produkten seiner Zeitgenossen vortheilhaft

heraus“ (ADB XIII, 34). – Die Holzschnitte stellen Landschaften,

Gebäude und mythologische Szenen dar; einer ist

Alte Drucke und alte Theologie

signiert FO (unbekannter Straßburger Formschneider;

Nagler II, 834). – Behutsam gereinigt. – Von größter Seltenheit:

von uns auf deutschen Auktionen nur das vorliegende

Exemplar nachweisbar (Bibliothek Eduard Erdmann;

versteigert 1959). – Siehe Abbildung.

Sole edition. – Rhyming chronicle of the Württemberg

princes, mixed with stories from the Greek and Roman

mythology. Furthermore interesting parts on mining, law,

medicine etc. – The woodcuts represent landscapes, buildings

and mythological scenes; one is signed FO (unknown Strasbourg

form-cutter; Nagler II, 834). – Carefully cleaned. –

Extremely rare: only the present copy can be traced by us on

German auctions (library Eduard Erdmann; auctioned in

1959). – Modern calf in the style of the epoch. – See illustration.

211 HORATIUS FLACCUS, Q(U)., Sermonum libri

quattuor, seu, satyrarum libri duo, epistolarum

libri duo. Venedig, P. Manutius, 1566. 4°. Mit

Druckermarke auf dem Titel und dem letzten Bl.

sowie einigen Kopfvign. und Initialen (alles in

Holzschnitt). 4 Bl., 210 S., 10 Bl. Pp. d. Zt. (Kanten

stärker beschabt und bestoßen). (39) 200,-

EDIT 16 CNCE 22730. STC 333. Adams H 911. – Mit

Kaufvermerk von 1670 auf dem letzten Blatt, kaum fleckig.

212 – (Opera) commentariis auctis (a) D. Lambini.

2 Tle. in 1 Bd. Frankfurt, Wechels Erben, 1596. 4°.

Mit 3 Druckermarken auf beiden Titeln und dem

letzten Bl. 8 Bl., 464, 550 S., 1 Bl. Pgt. d. Zt. (stark

fleckig). (39) 100,-

VD 16 H 4878. Adams H 945. – Vgl. STC 416 (Ausg. 1577).

– Die erste Ausgabe von Lambins Kommentar, der als Professor

für Latein und Griechisch am Pariser Collège de

France wirkte, war 1561 in Lyon erschienen. – Mit Besitzvermerk

auf dem Titel sowie einzelnen hs. Marginalien in

Tinte, stellenw. fleckig und wasserrandig.

213 HOSIUS (HOZYUSZ), S., Ain christlicher

Bericht, was die hailige christlich Kirch, und derselben

Gwalt und macht sey. Dillingen, S. Mayer,

1559. 6 nn., 105 num., 2 nn. Bl. Flex. Pgt. d. Zt.

(Gebrauchsspuren). (129) 150,-

Erste deutsche Ausgabe eines Auszugs aus der „Confessio

fidei Catholicae Christiana“. – VD 16 H 5147. Bucher 118.

Estreicher XVIII, 277. Wierzbowski 2337. – Leicht fleckig,

gegen Ende unten wasserrandig.

214 HUND(T), W., Bayrisch Stammen Buch. 2 in

1 Bd. Ingolstadt, D. Sartorius, 1598. Fol. Mit wdh.

Wappenholzschnitt auf den Titeln. 20 Bl., 375 S.,

2 Bl. (letztes weiß), 2 Bl., 410 S., 1 Bl. Stark läd.

Pgt. d. Zt. (102) 400,-

VD 16 H 5928. STC, Suppl., 29. Stalla 1855. – Vgl. Pfister I,

501. Lentner 3410 (beide die EA 1585-86). – Zweite Ausgabe

von Hundts genealogischem Hauptwerk, „eine Art

Matrikel des Turnieradels, sorgfältig und mit kritischer

Gründlichkeit gearbeitet, für Hundts Zeit ausgezeichnet

durch ein ungewöhnliches Maß von Urkundenverwendung.


Viele Angaben sind durch keine andere Quelle überliefert;

ein zuverlässiges, reichhaltiges Werk, das kein anderer deutscher

Stamm aus so früher Zeit aufzuweisen hat und das

einen neuen Abschnitt in der bayer. Geschichtsschreibung

einleitet“ (NDB X, 65). – Vorsatz mit hs. Besitzvermerk,

Titel mit gelöschtem Eintrag in Tinte, das weiße Blatt am

Schluß von Bd. I mit Blattweiser-Ausriß, tls. etw. gebräunt

und fleckig sowie wasserrandig. – Aus der „Bibliotheca

Lindesiana“. – Gestoch. Exlibris.

215 – DASS. Flex. Hpgt. d. Zt. (Gebrauchsspuren). (4)

600,-

Vorsatz lose, Titel mit Besitzvermerk und mit Randschäden,

stellenw. fleckig.

216 HUNNIUS, Ä., Catechismus oder Kinderlehre

von den Hauptpuncten Christlicher Religion.

Frankfurt, J. Spieß, 1592. 4°. Mit breiter Titelbordüre

und 17 Textholzschnitten. 4 Bl., 714 (recte

713) S. Pgt. d. Zt. (stärker fleckig und bestoßen).

(84) 1.200,-

Erste Ausgabe. – VD 16 H 6079. – Hunnius, einer der

bedeutendsten Theologen seiner Zeit, war 1592 nach dem

Tod des Kurfürsten Christian von Herzog Wilhelm Friedrich

nach Wittenberg berufen worden, wo er an der Unterdrückung

der melanchthonischen Tradition maßgeblich

beteiligt war (vgl. Herzog-H. VIII, 457). – Die Druckermarke

ist in die breite Titelrahmenbordüre mit den Evangelisten,

Moses und Christus integriert. Die Holzschnitte

mit biblischen Szenen und variierten Rahmen mit Figuren

und Rollwerk.

BEIGEB.: DERS., Christliche Haußtafel, Das ist: Beschreibung

allerley Stände und Orden der Christen. Ebda. 1591.

Mit Holzschnitt-Druckermarke am Ende. 4 Bl., 170 S.,

1 Bl. – VD 16 H 6005. – Die erste Ausgabe dieser Schrift

war 1586 erschienen.

(DERS., Sechs Propheten der H. Schrifft, nemlich Daniel,

Obadias, Jonas, Micha, Haggai unnd Malachias gründtlich

außgelegt und in unterschiedlichen Predigten erkläret und

in Druck verfertiget. Ebda. 1595). 25 (statt 26) Bl., 568, 552

S., 20 Bl. (1 weißes Bl. zwischengebunden). – Vgl. VD 16 B

3830 (EA 1587). – Enthält am Beginn Vorreden von

Hunnius und Luther, am Ende die Register, wobei das

Register zu Daniel die letzten beiden Lagen einnimmt und

auf das weiße Blatt nn8 folgt. – Es fehlt das Titelblatt. – Im

KVK kein Exemplar dieser Ausgabe.

Auf den weißen Blättern am Beginn und Ende hs. Einträge

aus dem 18. Jahrhundert zu Kindsgeburten und Todesfällen,

einzelne Marginalien in Tinte, stellenw. kleine Randläsuren,

fleckig und gebräunt. – Alle Werke selten. – Siehe Abbildung.

217 HUTTEN, U., In Hieronymum Aleandrum,

& Marinum Caracciolum, Leonis decimi, P. M.

oratores in Germania, invective singule. (Straßburg,

J. Schott, 1521). 4°. Mit blattgr. Holzschnitt-

Portr. Huttens von H. Weiditz auf dem Titel.

32 Bl. Mod. Pp. (50) 600,-

Alte Drucke und alte Theologie 63

Nr. 217

Benzing 174. Schmidt (Schott) 61. Hohenemser 2758. – Seltene

zweite Ausgabe dieser Sammlung, in der die Schmähschriften

zusammengefaßt sind, die Hutten im Februar und

März 1521 gegen die in Worms versammelten Fürsten und

geistlichen Würdenträger niedergeschrieben hatte; gegenüber

der ersten Ausgabe (in Paris bei P. Vidoué) erweitert

durch ein Sendschreiben an den Kaiser, worin Hutten sich

entschuldigt, daß er in seinem ersten Schreiben an ihn zu

heftig war, und je einen Brief an den Kurfürsten Albrecht

von Mainz und W. Pirckheimer. – Das schöne ganzseitige

Brustbild Huttens, das nach Curiel „dem Baldung sehr

nahe“ steht, von Röttinger 53 und dem Karlsruher Baldung-

Katalog S. 370 jedoch eher Weiditz zugeschrieben wird,

wurde im selben Jahr von Schott erstmals für das „Gespräch

büchlin“ verwendet. – Durchgehend wasserfl., im Rand

stellenw. Anstreichungen mit Tinte. Rechte untere Ecke des

Holzschnittes leicht fingerfleckig. – Siehe Abbildung.

218 JOSEPHUS, FLAVIUS, Antiquitatum Iudaicarum

libri XX. De bello Iudaico libri VII. Contra

Apionem libri II. De Machabeis liber unus, ab

Erasmo recognitus. Köln, E. Cervicornus, 1534.

Fol. Mit figürlicher Titelbordüre sowie einigen

Holzschnitt-Initialen von A.Woensam von Worms.

16 nn., 335 num., 4 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr.

d. Zt. mit Schließbändern (Deckel wenig gewölbt).

(110) 800,-

VD 16 J 959. STC 463. Merlo 1095, 117a. Van der Haeghen

II, 37. – Vgl. Hieronymus, Griech. Geist, 237. – Wichtige

lateinische Gesamtausgabe, erschienen im September 1534

in Köln, ein halbes Jahr nach der im Frühjahr in Basel

gedruckten. – Tls. leicht gebräunt, stellenw. etw. wurmlöchrig

und leicht wasserrandig. – Siehe Abbildung.


64

Nr. 218

219 JOSEPHUS, FLAVIUS, Historien und Bücher:

Von alten Jüdischen Ge schichten. Alles auß dem

Griechischen von newem verteutscht (von Conrad

Lauterbach). Straßburg, K. Dietzel und von der

Heydens Erben, 1630. Fol. Mit Titelbordüre,

Druckermarke am Ende und zahlr. Textholzschnitten

von Ch. van Sichem und Ch. Stimmer

nach Tobias Stimmer. 6 Bl., 960 S., 18 Bl. –

NACHGEB.: HEGESIPPUS, Vom Jüdischen

Krieg, jetz newlich auß dem Latein auffs

trewlichst verteutscht (von Conrad Lauterbach).

Ebda. 1630. Mit Titelbordüre und zahlr. Textholzschnitten

(wie oben). 6 Bl., 214 S., 5 Bl. Hldr.

d. Zt. mit Rsch. (fleckig, wurmstichig, beschabt

und bestoßen). (102) 300,-

Goed. II, 319, 5. Fürst II, 122. Wüthrich II, 105, 89. – Freie

Wiedergabe der Chronik von Flavius Josephus in der Übersetzung

von Conrad Lauterbach. Thieme und Becker

(XXXII, 59) zählen die Holzschnitte zu den schönsten Er -

zeugnissen der deutschen Formschneidekunst der 2. Hälfte

des 16. Jahrhunderts. – Vorsätze erneuert, beide Titel am

unteren Rand beschnitten, der erste zudem aufgezogen,

fleckig, gebräunt und wasserrandig.

220 JUNIUS, A., Nomenclator octilinguis. Omnium

rerum propria nomina continens. Ab A. Iunio

antehac collectus. Nunc verò renovatus, auctus &

in capita LXXVII. sic distinctus, ut materiae singulorum

capitum dispositae sint. (Genf), Stör,

Alte Drucke und alte Theologie

1602. Mit Druckermarke auf dem Titel. 8 Bl.,

634 S., 37 Bl. Pgt. d. Zt. (Kopf mit Stauchspuren,

etw. fleckig und bestoßen). (126) 200,-

CLC J 404. – „Dictionary classified according to subjects,

with Latin catchwords, the explanation of the catchword in

Latin, and the translation of the word in Greek, German,

Dutch, French, Spanish, and occasionally English“ (Voet

zur EA 1567). – Wasserrandig, etw. wurmstichig und leicht

gebräunt.

221 JUSTINIANUS, Novellarum constitutionum

volumen. Gregorio Haloandro interprete. Accesserunt

et haec, feudorum libri duo. – Institutionum

libri quatuor. A Gregorio Haloandro recens

castigati. Paris, Ch. Guillard und G. Desboys,

1552. 8 nn., 367, 121 num., 2 nn. Bl. Blindgepr.

Schweinsldr. d. Zt. (ohne die Schließbänder,

fleckig, beschabt und bestoßen). (72) 600,-

I. Adams J 679. – Nicht im STC. – II. Nicht im STC und bei

Adams. – Seltene Ausgaben der Bearbeitungen der justinianischen

Texte durch Haloander. „Mögen nun auch die

Haloandrischen Arbeiten später durch exaktere kritische

Methode und Benutzung eines reicheren Apparats in ihren

Ergebnissen übertroffen sein; so kann doch die historische

Bedeutung und das Verdienst des deutschen Gelehrten nicht

hoch genug angeschlagen werden. Nicht hatte er sich die

Aufgabe gestellt, die Textesform auf die am besten beglaubigte

Überlieferung zurückzuführen; sondern er be zweck -

te, aus den mannigfaltigen Überlieferungen durch Auswahl

einen lesbaren Text herzustellen. Es war ihm mehr um

Brauchbarkeit und Verständlichkeit als um äußerlich be -

glaubigte Echtheit zu tun“ (Stintzing-L. I, 199). – Beide

Ausgaben stammen aus der Offizin von Charlotte Guillard

(ca. 1480-1557), der ersten bedeutenden Druckerin. – Vorsatz

wurmstichig und mit Eintrag von alter Hand in Tinte,

ohne den fliegenden Vorsatz, anfangs und gegen Ende leicht

wasserrandig, vereinzelt mit Marginalien, leicht fleckig.

222 JUSTINUS, (M. J.), Ex Trogi Pompeii historia.

Köln, A. Birckmanns Erben, 1564. Mit Druckermarke

auf dem Titel. 16 Bl., 350 S. Stark beschäd.

Pgt. d. Zt. (4) 150,-

Bibliographisch von uns nicht nachweisbar (und nicht

im KVK). – Fleckig, zahlr. alte Anmerkungen, Gebrauchsspuren.

223 JUSTINUS MARTYR, Operum, quae extant,

omnium per Ioannem Langum Silesium, e(x)

Graeco in Latinum sermonem versorum, et sententijs

priscorum sanctorum Patrum illustratorum,

Tomi III. 3 in 1 Bd. Basel, Froben, 1565. Fol.

Mit Druckermarken auf dem Titel und am Schluß

sowie einigen Holzschnittinitialen im Text. 348,

279, 190 S., 35 Bl. Läd. flex. Pgt. d. Zt. (72) 200,-

Erste Ausgabe der Übersetzung Johann Langes. – VD 16 J

1174. Adams J 497. Hoffmann II, 651. Hieronymus, Griech.

Geist, 465. – Die Übersetzung des schlesischen kaiserlichen

Rats und Philologen Johann Lange (1503-1567) ist die dritte

lateinische Ausgabe der gesamten Werke (erste lateinische

Gesamtausgabe: Paris 1551). – Titel gestempelt und mit

Besitzvermerk, wenig fleckig.


Die erste gedruckte Koranübersetzung

224 KORAN – MACHUMETIS SARACENORUM

PRINCIPIS, eiusque successorum vitae, ac doc -

trina, ipseque Alcoran. His adiunctae sunt con -

futationes multorum authorum una cum Martini

Lutheri proemonitione. Adiunctae sunt etiam,

Turcarum res gestae. Opera et studio Th. Bibliandri.

3 Tle. in 1 Bd. (Basel, J. Oporinus und N. Brylinger,

1543). Fol. 14 Bl., 230 S., 5, 4 Bl., 178 S.,

1 weißes Bl., 163 S. Holzdeckel d. Zt. mit breitem

Rücken aus weißem Kalbldr., sign. und dat.

„PAZL 1659“ (etw. beschabt und bestoßen, mit

vielen Wurmlöchern). (91) 12.000,-

VD 16 ZV 18456. Adams M 1889 (?). STC 479. – Vgl. Göllner

1792-93 und Benzing, Luther, 2766-68 (Varianten),

sowie Enay 102 (2. Ausg. Basel 1550). – Erste Ausgabe der

ersten gedruckten Koranübersetzung überhaupt. Eine von

mehreren undatierten Druckvarianten, die sich u. a. durch

die Kollation der Vorstücke und die Zuschreibung der Praemonitio

unterscheiden; im vorliegenden Exemplar läuft

diese unter Luthers (nicht Melanchthons) Namen. Am

Schluß der Vorstücke findet sich außerdem die nicht in allen

Varianten enthaltene Praefatio Luthers (2 Bl.).

„Der Text dieser lateinischen Koranübertragung geht auf

ein arabisches Manuskript zurück, welches im 12. Jahrhundert

von Pierre von Cluny und Bernard von Clairvaux

anläßlich ihres Besuches in Toledo erworben wurde. Pierre

von Cluny übertrug dem Engländer Robert von Kent, der

sich ebenfalls in Toledo aufhielt, die Aufgabe, dieses Manuskript

ins Lateinische zu übersetzen. Eine Version davon

besaß vierhundert Jahre später Martin Luther, der sie wiederum

Theodor Bibliander zur Veröffentlichung anvertraute.

Neben dieser Textversion benutzte Bibliander noch

drei andere Manuskripte, die er zusätzlich gefunden hatte.

Am 1. Juli 1542 wurde jedoch der Satz und die fertigen

Druckbogen von der Obrikeit beschlagnahmt. Mit dem

Basler Rat begannen langwierige Verhandlungen, in deren

Folge am 30. August Joh. Oporin verurteilt und für kurze

Zeit in Haft genommen wurde. Nur durch das energische

Eingreifen von Luther und Melanchthon wurde die Vernichtung

des Satzes und der ausgedruckten Bogen verhindert.

Schließlich stimmte der Baseler Rat am 7. Dezember

1542 einer Veröffentlichung unter der Bedingung zu, daß in

der Auflage weder der Name der Stadt noch der Name des

Druckers publiziert wurde. Zudem wurde verfügt, daß

Luther zu der Edition ein Vorwort beisteuern müßte und

daß das Buch nur von Wittenberg aus verkauft werden

dürfte“ (Enay).

Der zweite Teil enthält eine Kompilation von älteren Schriften

über den Islam und den Koran, teilw. mit griechischlateinischem

Paralleltext. Darunter Schriften von G. Savonarola

und Nikolaus von Kues. – Der dritte Teil enthält

Schriften über die Türken, den Islam und den Mongoleneinfall

Timur Lengs.

BEIGEB.: JOHANNES VI. CANTACUZENUS, Contra

Mahometicam fidem christiana & orthodoxa assertio,

Graece conscripta, nunc vero Latinitate donata, R. Gualthero

interprete. Adiecta est eadem Graeca scripta. 2 Tle.

Basel, J. Oporinus, 1543. 6 Bl., 124 S., 2, 4 Bl., 108 S., 1 Bl.

– Erste Ausgabe. – IA 131.339. VD 16 J 376. Adams J 261.

Göllner 802. – Enthält im ersten Teil die Übersetzung,

im zweiten das griechische Original. „Kaiser Johannes

Kanthakuzenos schrieb eine Apologie, in der er zum Teil

Alte Drucke und alte Theologie 65

mit theologischen Argumentationen die Lehre Mohammeds

zu widerlegen versuchte, zum Teil aber auch auf die

'Mohammedlegenden' einging. Weitgehend benützte er in

seiner Apologie das Propugnaculum des Riccoldo de Monte

Croce“ (Göllner).

Beide Drucke recht sauber, aber anfangs und gegen Ende

mit starken Wurmspuren. – Zum Einband: ein ähnlicher

Einband wird in der Festschrift Otto Schäfer S. 434 be -

schrieben. Beide tragen die Initialen von Placidus Hieber,

Abt zu Lambach (Amtszeit 1640-1678).

First edition of the first printed version of the Qu'uran,

variant issue with the name of Martin Luther on the titlepage

and with the 2-leaf preface by Luther. Translated by

Theodore Bibliander, who followed a translation from the

12th century by Peter of Cluny and others: to this are added

a number of Medieval and Renaissance tracts on the Mahometan

religion, the Qu'uran, and the history of Turkish

invasion. – Additional bound: First edition, in Latin and

Greek. – Both printings quite neat, but strong worming at

the beginning and towards the end. – Re binding: a similar

binding is described on p. 434 of the Otto Schäfer volume of

tributes. Both bear the initials of Placidus Hieber, abbot of

Lambach (abbacy 1640-1678). – Contemporary wooden

boards with wide spine of white calf, signed and dated

„PAZL 1659“ (a little scratched and scuffed, with many

wormholes).

225 LANGE, J., (Loci communes sive) florilegium

rerum et materiarum selectarum. Straßburg,

Rihels Erben, 1613. 12 nn., 639 num. Bl. Pgt. d.

Zt., monogr. „G*G*S*W“ und dat. „1*6*2*0“

(ohne die Schließbänder, Vorderdeckel aufgebogen,

Kanten wenig schadhaft, etw. fleckig und

bestoßen). (83) 120,-

ADB XVII, 603. – Dritte Ausgabe der geschätzten und erstmals

1598 erschienenen Sprichwörtersammlung. – Vorsatz

mit Einträgen von alter Hand in Tinte, Titel mit Schadstelle

und an den Rändern mit alt hinterlegten Ausschnitten (tls.

Textverlust), Widmung gestempelt, Bl. 500 verso mit

geschwärzter Textstelle, vereinzelt weitere Streichungen,

gegen Ende mit Feuchtigkeitsschaden, stellenw. wenig

wurmstichig, leicht wasserrandig, etw. gebräunt und fleckig.

226 LUCANUS, M. A., De bello civili libri decem.

Lyon, Gryphius, 1547. 16°. Mit Druckermarke auf

dem Titel. 286 S. Pgt. d. Zt. (Wurmspuren im Ge -

lenk). (47) 150,-

Von Gültlingen V, 987. Baudrier VIII, 214. Adams L 1576.

– Diese Ausgabe nicht im STC. – Vorsätze mit Wurmspuren,

Titel mit Besitzvermerk von alter Hand, zahlreiche

Unterstreichungen und Marginalien mit Tinte, gebräunt

und fleckig.

227 LUIS DE GRANADA, Rosario della sacratissima

vergine Maria madre di Dio raccolto per

A. Gianetti da Salò. Nuovamente ristampato.

Venedig, Varisco, (1582). Mit breiter Titelbordüre,

Druckermarke am Ende und 21 ganzseit.

Textholzschnitten. 4 Bl., 276 S., 2 Bl. Pgt. d.

Zt. (Schließbänder fehlen, einzelne Wurmlöcher,

fleckig). (49) 500,-


66

EDIT 16 CNCE 73274. STC 398. Brunet II, 1697. – Vgl.

Mortimer 218. – Nicht bei Adams. – Erstmals 1572 erschienener

Auszug aus den Werken des großen spanischen Mystikers

(1505-1588). – Titel hinterlegt, mit hs. Besitzvermerk,

oben knapp beschnitten, anfangs und am Ende wasserrandig,

leicht gebräunt.

228 LUTHER – ANDREAE, C., Zwölff underschiedliche

Tractätlein auß D. Martin Luthers seinen

selbst eygnen Schrifften zusamen getragen.

Ingolstadt, A. Angermayer bei Eder, 1600. 4°.

4 Bl., 280 S. Flex. Pgt. d. Zt. (Schließbänder defekt,

fleckig). (160) 500,-

VD 16 L 3612. Stalla 1294. De Backer-S. VIII, 622, 24.

Hayn-G. IV, 319 (dat. fälschlich 1590). Dünnhaupt 1.3. –

Nicht im STC. – Dritte Sammelausgabe antilutherischer

Schmähschriften des Jesuiten Conrad Vetter (1548-1622),

den Dreves in der ADB (XXXIX, 664) eingängig und

knapp als „ebenso frucht- als furchtbaren Schriftsteller“

charakterisiert, „denn seine 77 im Drucke erschienenen

Werke gehören mit wenigen Ausnahmen der Controverse

und Polemik an und veranlaßten nicht wenige Gegenschriften,

so namentlich von Jakob Andreä und Philipp

Heilbrunner.“

NACHGEB.: DERS., Puffer, das ist Zerschmetterungen

deß predicantischen Jesuwiderspiegels Philip Heilbrunners.

Ebda. 1601. 4°. 4 Bl., 348 (recte 347) S. – Einzige Ausgabe.

– STC V 316. Stalla 161. De Backer-S. VIII, 624, 25. Dünnhaupt

25. – Pamphlet gegen den „Jesuider Spiegel, darinn

der Jesuider antichristliche Lehr auß ihren eignen Schrifften

zuerkennen“, den der Superintendent Philipp Heilbrunner

(1546-1616) im selben Jahr kurz zuvor veröffentlicht hatte.

ZWISCHENGEB.: DERS., Gründtliche Relation, von dem

Postcolloquio, so den neundten Decemb(ris) Anno 1601.

zu Regenspurg zwischen Conrado Andreae, unnd Philippen

Heilbronner, die außgangne Tractätlein deß unschuldigen

Luthers betreffend, angestelt und gehalten worden.

Ebda. 1602. 4°. 12 Bl., 71 S. – Erste Ausgabe. – Stalla 204. De

Backer-S. VIII, 624, 28. Dünnhaupt 28.1. – Nicht im STC.

– Bericht über die Unterredung, bei der sich Vetter für seine

gegen Luther gerichteten Schriften zu verantworten gehabt

hatte. Am Ende der Vorrede lüftet er selbst sein Pseudonym

Andreae.

Erster Titel mit altem, hs. Besitzvermerk, mehrf. gestempelt;

leicht fleckig, etw. gebräunt. – Aufschlußreicher Einblick

in die heftigen – auch im Ton heftigen – Auseinandersetzungen

in der Spätzeit der Gegenreformation.

229 – EYN DEUTSCH THEOLOGIA. Leipzig,

(M. Landsberg), 1518. 4°. Mit Titelholzschnitt und

blattgr. Holzschnitt auf dem letzten Bl. 40 nn. Bl.

Mod. Hpgt. (69) 2.000,-

Benzing 162. VD 16 T 894. Baring, Theologia Deutsch, 5. –

Leipziger Nachdruck der ersten vollständigen Ausgabe, die

im selben Jahr in Wittenberg erschienen war, „der sorg -

fältigste dieser drei Leipziger Nachdrucke“. – Von Luther

stammt nur die Vorrede. – Der Titelholzschnitt ist nach dem

Titel der ersten Ausgabe geschnitten und geht auf einen

Entwurf Lucas Cranachs zurück. Auf dem letzten Blatt

verso Holzschnitt mit Christus am Kreuz (in den anderen

Leipziger Drucken desselben Jahres als Titelholzschnitt verwendet).

Benzing führt die Ausgabe mit der Bemerkung

Alte Drucke und alte Theologie

„Auf dem letzten Bl. Holzschnitt wie Titel“ an, was jedoch

nur bei den anderen Leipziger Drucken der Fall ist. – Die

durchgehenden Marginalien und Unterstreichungen in

roter Tinte laut Schlußvermerk: „Vollendet 17. Junij 1530.

mit uberlesen“ (tls. etw. beschnitten). – Das Bl. A II in der

unbedruckten unteren Hälfte ohne ersichtlichen Grund mit

altem Papier tektiert, durchgehend mit kleinen Wurm -

löchern (minimaler Textverlust), stellenw. wasserrandig

(Titel), etw. fleckig. – Mit zeitgenössischen Randbemerkungen.

– Siehe Abbildung.

Leipzig reprint of the first entire edition which was pub -

lished in the same year in Wittenberg. – Marginalia and

underlinings in red ink according to closing note: „Voll endet

17. Junij 1530. mit uberlesen“ (partly a little cut). – Leaf

A II in blank lower half covered with old paper slip without

apparent reason, small wormholes throughout (minor loss of

text), here and there waterstains (title), some soiling. – With

contemporary marginal annotations. – Modern half vellum.

– See illustration.

230 – VIERHUNDERT UND VIERTZIG CHRIST-

LICHE LIEDER und Psalmen D. Martini Lutheri

und anderer frommer Christen. Für die Evangelischen

Kirchen zu Erffurdt auffs new obersehen,

vermehrt und nach der Ordnung der Jahrzeit und

des Psalters außgetheilet. O. O. (Erfurt?), Sachs,

1628. Mit Titelbordüre und Vign. sowie zahlr.

Textholzschnitten. 8 Bl., 767 S. (ohne die S. 199-

202 und 413/14), 27 Bl. Pp. d. 19. Jhdts. (stärker

beschabt und bestoßen). (71) 300,-

Nicht im STC und nicht im VD 17. – Mit hs. Einträgen,

u. a. zu den Verfassern und Komponisten; Titel mit Besitzeintrag,

vorne knapp beschnitten, stellenw. fleckig.

231 LYCOSTHENES (WOLFHART), K., Similium

loci communes. Cum Theod. Zvingeri Bas. similitudinum

methodo. O. O. (Genf), J. Stör, 1595. Mit

Druckermarke auf dem Titel. 2 Bl., 801 S., 4 Bl.

Ldr. um 1900 (leicht beschabt). (49) 250,-

Moeckli 145. – Erstmals 1555 im Folioformat unter dem

Titel „Apophthegmatum ... Loci communes“ erschienene

Sentenzensammlung aus kirchlichen und weltlichen Schriftstellern.

Ein Schatzhaus des antiken Geistes. – Zählt laut

(ADB XIX, 728) zu Wolfharts „beträchtlichsten Arbeiten“.

– NACHGEB.: DERS., Parabolarum loci communes. Ed.

altera. Ebda. 1594. 8 Bl., 137 S., 2 Bl. – Moeckli 142. – Beide

Drucke etw. fleckig und mit kleinen Gebrauchsspuren.

232 MACROBIUS, A. A., In somnium Scipionis,

Lib. II. – Saturnaliorum, Lib. VII. Venedig,

J. Gryphius, 1565. Mit Druckermarke und einigen

Textholzschnitten. 567 (recte 565) S., 32 Bl. Be -

schäd. Hldr. d. 18. Jhdts. (Remboîtage). (49) 250,-

EDIT 16 CNCE 35297. STC, Suppl., 51. Schweiger II, 586.

Shirley 13. – Nicht bei Adams. – Berühmter neuplatonischer

Kommentar zu Ciceros „Somnium Scipionis“. – Mit

der vom Meer umgebenen Weltkarte, „probably copied

from a sketch in some old manuscripts“ (Nordenskjöld). –

Titel lose, mit tektiertem Besitzvermerk, unterschiedlich

gebräunt, wenig fleckig.


233 MAGNUS, O., Historien, Der Mittnächtigen

Länder, ins Hochteutsch gebracht, und mit fleiß

transferiert, Durch Johann Baptisten Ficklern.

Basel, (H. Petri, 1567). Fol. Mit Druckermarke am

Ende, zahlr. Textholzschnitten und gefalt. Holzschnitt-Karte.

30 Bl. (das 16. weiß), 623 S. Pgt. d.

Zt. (Kanten stellenw. aufgebrochen). (91) 7.000,-

Erste deutsche Ausgabe (lateinische EA 1555 in Rom). –

STC 587. VD 16 M 227. Lauridsen II, 14. – Vgl. Adams M

140. Cox I, 177: „This work long remained for the rest of

Europe the chief authority on Swedish matters, and is still

a valuable repository of much curious information in regard

to Scandinavian customs and folk-lore.“ – Die Holzschnitte,

einige davon mit dem Monogramm CG (unbekannter

Formschneider aus Basel; Nagler II, 28, 69) u. a. mit

Landschaften, Kriegswesen, Bergbau, Tieren und Gebräuchen,

darunter die wahrscheinlich erste Abbildung einer

Jagd auf Schneeschuhen. – Titel mit Schenkungsvermerk

„Mathias Thalhaimb“, sonst sehr gut erhalten. – Siehe Ab -

bildung Seite 41.

First German edition (Latin first ed. 1555 in Rome). The

woodcuts, of which some carry the monogramme CG

(unknown cutter in Basle; Nagler II, 28, 69), show a. o.

landscapes, military themes, mining, animals and customs,

incl. probably the first illustration of a hunt on snowshoes. –

Title with donation note „Mathias Thalhaimb“, otherwise

very well preserved. – Contemporary vellum (edges here

and there cracked). – See illustration on page 41.

234 MANUZIO, P., Antiquitatum Romanarum liber

de legibus. Index rerum memorabilium. Venedig,

Aldus, 1559. Mit 2 Druckermarken. 170 num.,

34 nn. Bl. Pgt. d. Zt. (wenig fleckig). (49) 250,-

STC 412. Adams M 476. Renouard 179, 22. Burgassi 124.

UCLA 473. Ebert 12990 Anmerkung. – Folgt textlich der

Ausgabe 1557 in Folio. – Anfangs und gegen Ende mit kleinem

Wurmgang, sonst hübsch.

235 MARCOS DE LISBOA, Erster (ander) Thail der

Cronicken der eingesetzten Orden deß heiligen

Vatters Francisci. An jetzo in unser Teutsche

Sprach gebracht, durch den Edlen Carl Kurtzen

von Senfftenau. Tle. I und II (von 3) in 1 Bd. München,

Berg für Hertzroy, 1620. 4°. Mit 2 gestoch.

Titeln (einer in Pag.) und Holzschnitt-Druckermarke

am Ende von Tl. II. 31 Bl., 670 (recte 660)

S., 7 Bl. (das letzte weiß), 506 S., 9 Bl. Blindgepr.

Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (eine Schließe defekt,

Schwanz läd., stärker beschabt und bestoßen).

(160) 250,-

LThK VI, 959. Heimbucher I, 657. Alden 620/99. – Vgl.

Streit I, 274 und 108. Medina I, 213. Palau 151.268 (spanische

Ausgaben). Civezza 342 (italienische Ausgabe). –

Zweite deutsche Ausgabe des erstmals 1604 in Konstanz

erschienenen Werkes. – Vorsatz mit hs. Besitzvermerk, stellenw.

wasserrandig und etw. fleckig, leicht gebräunt.

Alte Drucke und alte Theologie 67

Nr. 229

236 MARULIC, M., Circa l'institutione del buono, &

beato vivere, secondo l'esempio de' Santi, del

Vecchio e nuovo Testamento. Tradotto della lingua

latina, nella toscana dal Remigio (Nannini).

Venedig, Bindoni, 1586. 4°. Mit Druckermarke auf

dem Titel. 6 Bl., 452 S. Pgt. d. Zt. (Bezug mit restaurierten

Fehlstellen, stärker fleckig). (2) 250,-

EDIT 16 CNCE 23802. – Diese Ausgabe nicht im STC und

bei Adams. – In lateinischer Sprache war die moralische

Abhandlung des kroatischen Humanisten, auch bekannt als

Marco Marul(l)o da Spalato (1450-1524), erstmals 1506 in

Venedig erschienen. – Vorsatz, Titel und letzte Seite mit hs.

Be sitzeinträgen, letztes Blatt mit restaurierten Papierdurchbrüchen

(kleiner Textverlust), stellenw. stark wasserfleckig

und gebräunt.

237 MARULLUS, M. TARCHANIOTA, H. ANGE-

RIANUS UND J. SECUNDUS, Poetae tres elegantissimi,

emendati et aucti. 3 Tle. in 1 Bd. Paris,

D. Duval, 1582. 12°. 106, 38, 175 Bl. Pgt. d. Zt.

(Ge brauchsspuren). (54) 450,-

Erste Ausgabe des Sammelbandes mit neulateinischer

Dichtung. – STC (Tarchaniota) 413. Adams T 147. Oberle,

Amoenitates, 30. – Enthalten von Marullus: Epigrammata,

Hymni, De principum institutione; von Angerianus:

Erotopaegnion; von Secundus (Jan Everaerts): Opera,

darunter die berühmten „Basiae“. – Buchblock lose, Vorsätze

erneuert, Titel mit Einträgen von alter Hand in Tinte,

leicht gebräunt, kaum fleckig.


68

Nr. 239

238 MARULLUS, M. TARCHANIOTA, H. ANGE-

RIANUS UND J. SECUNDUS, Poetae elegantissimi.

Nunc primùm in Germania excusi. Speyer,

B. Albinus, 1595. 12°. 4 Bl., 517 S. Spät. Pgt. unter

Verwendung alten Materials. (54) 450,-

Erste in Deutschland gedruckte Ausgabe. – VD 16 ZV

10463. STC (Tarchaniota) 849. Adams T 257. Roth 40. –

Buchblock lose, Vorsätze erneuert, Titel mit Einträgen von

alter Hand in Tinte, leicht gebräunt, kaum fleckig.

239 MELANCHTHON, PH., Grammatica Latina,

iam denuo recognita, & plerisq(ue) in locis locupletata.

Ingolstadt, A. Weissenhorn, 1542. Mit Titelbordüre

und einigen teils beikolor. figürlichen

Initialen in Holzschnitt. 192 Bl. Blindgepr.

Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten

Schließen (fleckig, bestoßen, mit Wurmlöchern).

(158) 500,-

VD 16 ZV 25602. – Nicht im STC, bei Adams und Stalla. –

Sehr seltene Ausgabe der in mehreren Fassungen und zahlreichen

Drucken veröffentlichten lateinischen Schulgrammatik,

die nach Hartfelders Urteil „das verbreitetste lateinische

Schulbuch in den evangelischen Schulen Deutschlands

gewesen sein“ dürfte (Melanchthon als Praeceptor

Germaniae, S. 266). – Vorsatz mit Notizen und Besitzvermerk

von 1564, Titel gestempelt, zahlr. Marginalien und

Unterstreichungen von alter Hand, etw. fleckig.

NACHGEB.: DERS., De dialectica libri quatuor, postremo

recogniti & aucti. Straßburg, K. Mueller (C. Mylius), 1542.

Mit 2 Druckermarken und einigen teils beikolor. figürlichen

Alte Drucke und alte Theologie

Initialen in Holzschnitt. 4 Bl., 230 S., 9 Bl. – VD 16 M 3016.

– Nicht im STC, bei Adams und Muller. – Dialektiklehrbuch

in der zweiten, erweiterten Fassung. – Etw. gebräunt und

fleckig, die letzten Lagen mit Wurmlöchern (geringe Textberührung).

– Exemplar aus dem Kloster Ochsenhausen. –

Siehe Abbildung.

240 MELANCHTHON – CAMERARIUS, J., Narratio

de reverendissimo et illustrissimo principe

Georgio principe Anhaltino et Ascaniae. Leipzig,

Heybey, 1696. Mit gestoch. Portr. 3 Bl., 71 S. Pgt.

d. Zt. (fleckig und etw. bestoßen). (83) 300,-

NACHGEB.: DERS., De Philippi Melanchthonis ortu,

totius vitae curriculo et morte. Mit gestoch. Titelvign. und

gestoch. Portr. Ebda. 1696. 19 Bl., 432 S. – DERS., Narratio

de Helio Eobano Hesso. Ebda. 1696. Mit gestoch. Portr.

1 Bl., 92 S.

STC C 145, C 149 und 150. – Sammlung von Biographien

dreier bedeutender Humanisten in einer späten Ausgabe des

17. Jahrhunderts. – Vorsatz mit Besitzvermerk von alter

Hand in Tinte, Porträt Georgs von Anhalt am unteren Rand

beschnitten (ohne Text- und Bildverlust), Titel des ersten

Werkes mit hinterlegtem Eckabriß, etw. gebräunt. – Ge -

stoch. Exlibris.

241 METHODIUS (PSEUDO-), De revelatione.

(Mit Kommentar von W. Aytinger, hrsg. von

S. Brant. Basel, M. Furter, 1504). 4°. Mit Titelholzschnitt

und 60 Textholzschnitten. 66 (statt 68)

Bl. Stark beschäd. blindgepr. Ldr. d. Zt. (54)

3.000,-

Dritte illustrierte Ausgabe mit den Holzschnitten der ersten

von 1498. – STC 620. Adams M 1367. VD 16 M 4934. Fairfax

Murray 289. Hieronymus 66: „Die Holzschnitte zeigen,

mit gewissem Naturalismus, Einflüsse Albrecht Dürers,

können teilweise – wie der aus dem Narrenschiff übernommene

'Von vile der pfrunden' – vom Meister des Haintz

Narr stammen.“ – Das dem hl. Methodius nur zugeschriebene

Werk ist auch eine „wichtige Quelle der mittelalter lichen

Kaisersagen“ (Wetzer-W. VIII, 1441). – Mit der

originellen Darstellung „Die Kirche Gottes wird zersägt“

(Schisma). – Es fehlen die Bl. m 7 und m 8.

NACHGEB.: ALBERTUS MAGNUS (PSEUDO-),

Speculum astronomie. (Nürnberg), K. Hochfelder, 1493-

(96). 92 (statt 94) Bl. – Goff A-243. IGI 177. BMC II, 474.

GW 718. BSB A-220. – Es fehlen die Bl. A 1 und B 7; die Bl.

K 10 und a 1 mit größeren Ausschnitten (Kolophon und

Zwischentitel).

Mit zahlreichen hs. Notizen und Federproben sowie Besitzvermerk

von alter Hand, die Holzschnitte tls. ankoloriert,

mehrere Bl. mit tls. hinterlegten Ein- oder Ausrissen, tls.

stärker gebräunt und fleckig.

Third illustrated edition with the woodcuts of first edition

of 1498. – Lacks leaves m 7 and m 8. – Additional bound:

Lacks leaves A 1 and B 7; leaves K 10 and a 1 with larger

cut-outs (colophon and subsidiary title). – With numerous

ms. notes and ink probes as well as ownership entry by contemporary

hand, woodcuts coloured in parts, several leaves

with partly backed tears or tear-outs, partly stronger

browning and soiling. – Contemporary heavily damaged

blind-pressed calf.


242 MEURER, N., Handtbüchlein Oder Compendium.

Darinnen Sum(m)arie und auffs kürtzest

gleich als in einem Register alle unnd jede des Heiligen

Römischen Reichs Abschied, Ordnungen

un(d) Constitutiones. Itzundt aber auffs neuw

ubersehen und compliert. 2 Tle. in 1 Bd. Mainz,

H. Brehm, 1595. 4°. 10 nn. Bl. (das letzte weiß),

103, 67 num. Bl. (1 weißes Bl. zwischengeb.), 1 nn.

Bl. Ohne Einband. (3) 200,-

VD 16 M 4996. – Vgl. Stintzing-L. I, 518. – Nicht im STC

und bei Adams. – Auszug aus dem Versuch einer syste matischen

Zusammenstellung der wichtigsten reichsgesetzlichen

Bestimmungen, die 1578 unter dem Titel „Loci

communes“ erschienen waren. – Behandelt u. a. Polizei,

Religion, Münzwesen, Bergwerk, Wiedertäufer, Wucher

und die „Türcken“. Der zweite Teil mit dem Untertitel

„Von dem Landtfrieden, desselben Handthab, Kreiß-Ordnung,

und was demselben weitters anhanget“. – Leicht ge -

bräunt.

243 (MEYER, D.), Das leben unsers erledigers Jesu

Christi. Nürnberg, J. Stuchs für C. Rosentaler,

1514. 4°. Mit 65 altkolor. Textholzschnitten. 6 nn.,

183 num. Bl. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf

Holzdeckeln mit 2 erneuerten Schließen (Vordergelenk

angebrochen, kleinere Bezugsfehlstellen,

beschabt, bestoßen, fleckig). (50) 1.500,-

Erste Ausgabe. – VD 16 M 5079. Muther 1153. Weigel IV,

17882. Panzer, DA, 768. – Nicht im STC und bei Adams. –

Einzige komplette Fassung der Meditationes vitae Christi

in deutscher Sprache durch den Minoriten Daniel Meyer

mit dem Gelehrtennamen Agricola (geb. um 1490, gest. um

1540). – Die Illustrationen stammen von einem unbekannten

Holzschneider und zeigen Szenen aus dem Leben der

Muttergottes und Jesu; der Titel verso mit einer ganzseitigen

Darstellung des Franziskus. – Titel mit alt geklebtem Einriß,

gebräunt, fleckig. Am Ende eingebunden ein nicht zum

Druck gehöriges Blatt mit Druckermarke Greif und Jahreszahl

1584. – Siehe Abbildung.

First edition. – Sole complete version of the „Meditationes

vitae Christi“ in German. The illustrations are by an un -

known woodcutter and show scenes from the life of the

Virgin Mother and Jesus; title verso with a full page illustration

of Saint Francis. – Title with tear glued in former

times, browned, soiled. Bound-in at the end a leaf not belonging

to the issue with printer's mark Greif and date 1584. –

Contemporary blind-pressed pigskin over wooden boards

with 2 renewed clasps (upper hinge bursted, minor defects

in cover material, scratching, scuffing, soiling). – See illustration.

244 MISSALE – MISSALE SACRI ORDINIS praedicatorum.

Rom, (M. Manelfi), 1639. 4°. Mit ge -

stoch. Titel, ganzseit. Radierung vor dem Kanon,

16 kleinen Textholzschnitten und zahlr., in den

Text gedruckten Musiknoten in Quadratnotation,

durchgehend in Rot und Schwarz gedruckt. 31 Bl.,

446, CXVI, 4 S. Goldgepr. Ldr. d. Zt. auf Holz -

deckeln mit 2 intakten Schließen (Kapitale und

Ecken mit kleinen Fehlstellen, Rücken etw. rissig,

beschabt). (59) 800,-

Alte Drucke und alte Theologie 69

Nr. 243

Weale-B. 1863. – Nicht im STC. – Auf Veranlassung des

dominikanischen Ordensgenerals Niccolò Ridolfi (Nicolaus

Rodulfius; um 1578-1650) herausgegebenes und von

ihm approbiertes, äußerst seltenes Missale. Von Bohatta

nicht nach Autopsie verzeichnet, sondern nach Rosenthals

Katalog 35 (Nr. 1402); vorliegend dieses Exemplar. In

öffentlichem Besitz derzeit nur ein weiteres Exemplar nachweisbar

(Bibliothek der Redemptoristen von Santa Maria

della Consolazione in Venedig). – Innere Kolumne der

S. LXXXVII/LXXXVIII mit ca. 11zeiligem Ausschnitt.

Einige Bl. mit Randläsuren (tls. hinterlegt, vereinzelt dabei

die gedruckten Marginalien oder die letzte Textzeile tektiert),

Fußsteg mit Wurmspuren (Textverlust nur bei wenigen

Kustoden), tls. stärker wasserrandig und fleckig. Vor

allem der Canon missae und die Missae pro defunctis abgegriffen.

11 Blattweiser. – Auf dem Vorderdeckel goldgeprägt

das Christusmonogramm IHS, auf dem Hinterdeckel die

Mondsichelmadonna als Supralibros in Raute mit Eckfleurons.

– Siehe Abbildung Tafel 5.

245 – MISSALE ROMANUM, ex decreto sacrosancti

Concilii Tridentini restitutum cum Missis novis de

Sanctis. Graz, Widmannstetter, und Antwerpen,

Haupt, 1651. Fol. Mit gestoch. Titelvign., 10 ganzseit.

Textkupfern von D. Tscherning und 10 ge -

stoch. Bordüren von S. Jenet. 36 Bl., 628, CXXIV

S., 2, 10 Bl. Ldr. d. Zt. (eine Schließe fehlt, etw.

fleckig und beschabt). (72) 200,-

Graff 445. – Vorsätze leimschattig, wenige Seiten am oberen

Rand gestaucht, die S. 233/34, 269-282, LV/VI und XCV/VI

mit hinterlegten Fehlstellen (Text- und Bildverlust), vereinzelt

angerändert, stellenw. wasserrandig, tls. stark fleckig.


70

246 MISSALE – VROOM, C. DE, Processionale et

chorale ad normam missalis Romanae ecclesiae in

usum Fratrum Minorum Recollectorum. Denuo

editum et augmentatum. Antwerpen, Jacobs, 1707.

Mit ge stoch. Titelvign. und zahlr. in den Text

gedruckten Noten. 192 S. Ldr. d. Zt. (leicht be -

schabt). (125) 200,-

Sehr seltenes Prozessionale (liturgisches Gesang- und Ge -

betbuch für den Gebrauch bei Prozessionen). – Spiegel mit

Spuren eines entfernten Exlibris, Titel mit klösterlichem

Besitzvermerk, S. 77/78 am Bundsteg eingerissen, etw.

gebräunt und fleckig (einige Bl. stärker). – Beilage.

247 MIZAULD, A., De hortensium arborum insitione

opusculum. Paris, Morel, 1560. Mit Druckermarke

auf dem Titel. 28 num. Bl. Mod. Pp. (152)

400,-

Erste Ausgabe. – Adams M 1497. STC 314. Janson 392. –

Nicht bei Hunt. – Seltene Schrift zum Gartenbau. – Der

Mediziner Antoine Mizauld (ca. 1510-1578), der „französische

Äskulap“ aus Monluçon (Schelenz 407), war u. a.

Leibarzt von Margarete von Valois. – Vorliegend sein erster

Beitrag zur pomologischen Literatur. Er wurde später als

viertes Buch der „Historia hortensium“ inkorporiert.

Janson urteilt über die Schriften des „Divine physician“:

„The style of its fruit-chapters, alternating between plain

and elegant, led Du Petit-Thouars to the discovery that long

sections were copied nearly intact from books by Davy

Brossard and Agostiono Gallo.“ – Wenig fleckig.

248 (NICOLAUS DE HANAPIS, Virtutum vitiorum

exempla, Auszug): Exempla sacre scripture

(ex Veteri et Novo testamento collecta). Paris,

J. Barbier für J. Petit, o. J. (ca. 1508). Mit Metallschnitt-Druckermarke

auf dem Titel. 104 nn. Bl.

Flex. Pgt. d. Zt. unter Verwendung eines Manuskripts

d. späten Mittelalters (Schließbänder fehlen,

vereinzelte Wurmspuren, gebräunt, fleckig

und bestoßen). (158) 600,-

Moreau, 1508, 159. – Vgl. Adams H 34. – Nicht im STC. –

Mehrfach aufgelegter Auszug aus den „Virtutum vitiorum

exempla“, dem einzigen, in verschiedenen Versionen im

Druck erschienen Werk des Nicolaus de Hanapis (um 1225-

1291), früher irrtümlich dem hl. Bonaventura zugeschrieben.

– Nicolaus de Hanapis war seit 1288 letzter lateinischer

Patriarch von Jerusalem und päpstlicher Legat für Syrien,

Zypern und Armenien (vgl. LThK VII, 578). – Titel mit der

Druckermarke des Jean Petit (Renouard, Marques, 888). –

Vorsätze mit Wurmspuren und Ausrissen, Titel im oberen

Rand restauriert, letzte Bl. mit breiter Wurmspur (etw.

Buchstabenverlust); gebräunt und fleckig, Ränder mit leichten

Feuchtigkeitsspuren. – Titel mit Besitzvermerk von

Georg Triendorfer (Pfarrer in Oberbayern), datiert 1666.

249 NIZOLIUS, (M.), Thesaurus Ciceronianus,

omnia M. T. C. verba, omnémque loque(n)di

atque eloquendi varietatem complexus. Nunc

iterum, Caelii Secundi Curionis Herculeo labore

atqu(e) industria, quarta parte auctior. Basel, J.

Herwagen, 1559. Fol. Mit Holzschnitt-Drucker -

Alte Drucke und alte Theologie

marke auf dem Titel und dem letzten Bl. 8 Bl.,

3096 (recte 2192) Sp., 6 Bl. Etw. spät. Ldr. (Ge -

brauchsspuren). (54) 250,-

VD 16 N 1790. – Nicht im STC und bei Adams. – Vgl.

Zaunmüller 244. Schweiger II, 269. – Vorsätze leimschattig,

Titel mit Besitzvermerk von alter Hand und Stempel, einzelne

Unterstreichungen mit Tinte, leicht wasserrandig,

wenig fleckig.

250 OVIDIUS NASO, (P.), Metamorphoseon libri

XV. Venedig, Ravani, 1548. Fol. Mit 2 Holzschnitt-Druckermarken,

15 Textholzschnitten und

zahlr. Holzschnitt-Initialen. 6 Bl., 340 S., 1 Bl.

Spät. Hpgt. (Gelenke beschäd., beschabt und be -

stoßen). (49) 500,-

EDIT 16 CNCE 37960. STC 481. Essling 245. – Vgl. Essling

230. – Nicht bei Adams. – Die Holzschnitte stammen

aus früheren Rusconi-Ausgaben. – Eine Lage lose, vereinzelte

Wurmspuren und kleine Ausrisse, stellenw. etw. ge -

bräunt und stärker fleckig. – Exlibris.

251 OVIDIUS NASO – (CARTARI, V.), Il Flavio

intorno a i fasti volgari. Venedig, G. Scoto, 1553.

Mit großer Druckermarke auf dem Titel. 12 Bl.,

438 S. Pgt. des 18. Jhdts. (Rücken und Gelenke mit

wenigen Wurmlöchern, etw. fleckig). (56) 400,-

Einzige Ausgabe. – STC 151. Adams C 783. IA 132.714.

EDIT 16 CNCE 9750. Haym 328, 7: „Opra assai rara. Si

può considerare un ampio comento dei Fasti di Ovidio.“ –

Der Kommentar ist in der Form eines Trialogs zwischen

Flavio und Licinio, zwei gebildeten jungen Männern, und

dem unwissenden, aber geschichtlich sehr interessierten

Erotimo gehalten; damit gelingt Cartari zwei Jahre nach

Erscheinen seiner Übersetzung von Ovids Festkalender ins

Italienische recht geschickt die Vermittlung des mythologischen

und historischen Wissens, das für das Verständnis des

in den Fasti behandelten altrömischen Brauchtums nötig

ist, und bietet – nicht nur Erotimo – eine erzählte Kulturgeschichte

des alten Rom. – Lage b in sich verbunden, Vorderschnitt

tintenfleckig, leicht gebräunt, tls. mit kleinen

Wasserrändern. – Vollständiges Exemplar mit dem letzten

weißen Blatt.

252 PASTORALE ad usum Romanum accommodatum

canones et ritus ecclesiasticos qui ad Sacramentorum

administrationem aliaque Pastoralia

officia in Dioecesi Frisingensi rite obeunda pertinent

complectens. Iussu et auctoritate Viti Adami

episcopi de novo excusum. Ingolstadt, Eder, 1625.

4°. Mit gestoch. Titel. 6 Bl., 574 S. Blindgepr. Ldr.,

monogr. und dat. „I. S. P. 1662“, auf Holzdeckeln

mit 2 intakten Schließen (Hinterdeckel gebrochen,

alt restauriert). (160) 200,-

Vgl. VD 17 12:121195X (nur ein unvollständiges Exemplar).

– Eine von 2 Varianten aus demselben Jahr. Im Unterschied

zu dem im VD 17 verzeichneten Druck ist in unserem

Exemplar die letzte Ziffer des Erscheinungsjahres seitenrichtig

gedruckt. – Mehrf. gestempelt, Titel mit hs. Besitzvermerk,

die ersten Blätter tls. gelöst, am Beginn kleine, alt

restaurierte Randläsuren, am Ende einzelne Wurmspuren.


Nr. 254

253 PATRICIUS, F., De institutione rei pub(licae)

libri novem. Multò quàm antea emendatiores per

I. Nicodonum. Paris, M. Julian, 1578. 12°. 16 nn.,

380 num., 35 nn. Bl. Leicht läd. goldgepr. Ldr.

d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen.

(97) 600,-

Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. – Vgl. Mortimer

418 (Ausg. 1518). – Eines der beiden politischen

Hauptwerke des italienischen Humanisten Patrizi (1413-

1494) in einer seltenen Pariser Ausgabe. – Vorsatz leimschattig,

mit Besitzvermerk von 1770, Bl. 184 mit 2 Einrissen,

tls. mit schmalem Wasserrand, wenig fleckig.

254 (PAULUS DIACONUS), Homiliarius doctorum.

2 Tle. in 1 Bd. Basel, J. Froben, 1513. Fol. Mit

Druckermarke auf dem Titel, monogr. und dat.:

„DS 1511“, und Holzschnitt auf dem Zwischentitel.

172, 77 num., 1 nn. Bl. Mod. Hpgt. (fleckig,

beschabt und bestoßen). (49) 500,-

VD 16 P 1052. Hieronymus 106, Anm. – Diese Ausgabe

nicht im STC, bei Adams etc. – Seltener Druck der auf

Paulus Diaconus zurückgehenden Homilien-Ausgabe. –

Die beiden Teile, pars hiemalis und pars aestivalis, enthalten

Auszüge aus Väterhomilien für die Sonn- und Feiertage, der

Schluß mit Homilien der Heiligen. – Die große Druckermarke

zeigt den Basilisken als Basler Wappenschildhalter

unter einem Bogen vom Meister DS (Bock, Meister DS,

35. Heitz, Basler Büchermarken, 4). – Der Titelholzschnitt

Alte Drucke und alte Theologie 71

Nr. 256

zu Teil 2, zuerst von Kessler für die Basler Ausgabe von

1498 verwendet, zeigt im Mittelfeld Papst, Kaiser, Könige,

Klerus und Volk, in einer gotischen Halle versammelt, auf

dem Dach Fahnen mit dem Basler Wappen, darüber der

Heilige Geist. In den Seitenfeldern je 6 Porträts weltlicher

und kirchlicher Personen. – Die erste Lage gelöst, Titel mit

Besitzvermerk von alter Hand, einzelne Marginalien mit

Tinte, gebräunt, stellenw. wasserrandig und fleckig. – Siehe

Abbildung und Seite 40.

255 PAUSANIAS, De veteris Graeciae regionibus

commentarii. Frankfurt, Wechel für Aubry und

Schleich, 1624. Mit 2 wdh. Druckermarken. 16 Bl.,

628 S., Sp. 629-746, 76 Bl. Ldr. d. Zt. (beschabt).

(9) 200,-

Hoffmann III, 206. Schweiger I, 225. – Nicht im STC. –

Teils etwas freie, elegante Übersetzung ins Lateinische

durch Romolo Amaseo, mit kritischen Noten zur Übersetzung

vom klassischen Philologen Friedrich Sylburg, der als

gelehrter Korrektor für Wechel tätig war. – Lage Fff in sich

verbunden; gleichmäßig gebräunt.

256 PÉPIN, G., Sermones in epistolas quadragesimales.

2 in 1 Bd. Lyon, B. Bonyn (für J. Giunta), 1541.

Mit wdh. Titelholzschnitt, wdh. Holzschnittbordüre

und wdh. Verlegermarke am Schluß. 6 nn.,

130 num., 10 nn., 332 num., 1 nn. Bl. Restauriertes

Ldr. d. Zt. (72) 500,-


72

Nr. 265

Von Gültlingen IV, 193, 98 (nur 4 Ex. in Spanien und 1 in

Italien). – Vgl. Adams P 628 und STC 344 (frühere Aus -

gaben). – Vorsatz und Titel mit Besitzvermerken, Einträgen

und Federproben von alter Hand, gelöschter Name auf der

Druckermarke des ersten Teils, wasserrandig und wenig

fleckig. – Mod. Exlibris. – Siehe Abbildung.

257 – Sermonum ad sacros evangeliorum sensus explicandos

pars quadragesimalis. Venedig, Bertano,

1588. 499 num., 1 nn. Bl. Blindgepr. Schweinsldr.

auf Holzdeckeln mit 2 intakten Metallschließen

(etw. fleckig und wenig bestoßen). (120) 300,-

EDIT CNCE 32920. – Nicht bei Adams und im STC. –

Etw. fleckig. – Die Rollenstempel des Einbandes zeigen die

Heilige Afra sowie die heiligen Bischöfe Narzissus, Ulrich

und Simpert. Der Legende nach bekehrte Narzissus die

Prostituierte Afra in Augsburg zum christlichen Glauben,

sie starb wegen ihres Glaubens den Märtyrertod. Die Afraverehrung

erfuhr durch die Bischöfe Simpert und Ulrich im

8. und 9. Jahrhundert eine besondere Förderung. – Exemplar

aus dem Kloster Thierhaupten mit dem Exlibris des

Abtes Benedikt Gaugenrieder (vgl. Warnecke 2168). – Der

Abt errichtete 1591 in der Benediktinerabtei Thierhaupten

eine Druckerei, dessen Leitung der weltliche Faktor Josias

Wörli übernahm. Neben religiöser Erbauungsliteratur,

Predigten und Belehrungsschriften in deutscher Sprache

wurden dort auch fünf Titel des Abtes gedruckt. Die

Druckerei erhielt 1594 das kaiserliche Druckprivileg und

einen zehnjährigen Nachdruckschutz. In seinem Bittschreiben

an Kaiser Rudolf II. nennt Gaugenrieder als

Grund für die Einrichtung der Offizin nicht Gewinnstreben,

sondern die ehrenvolle Beschäftigung für die Mönche

(vgl. Reske 918-919).

Alte Drucke und alte Theologie

258 PERNEDER, A., Imp. Caes. Justiniani Institutiones,

Das ist Ein Außszug und Anleittung etlicher

Keyserlichen, unnd deß heiligen Römischen

Reichs geschribner Rechten: Sampt angehängtem

gerichtlichen Proceß, Lehenrecht, Halßgerichtsordnung,

Summa Rolandini von Contracten und

Testamenten, Reguln Bartholomaei Socini, &c.

5 Tle. in 1 Bd. Ingolstadt, W. Eder, 1592. Fol. Mit

5 Druckermarken auf den Titeln, doppelblattgr.

Tabelle, doppelblattgr. Holzschnitt-Tafel (Arbor

consanguinitatis), 20 schematischen Textholzschnitten

und 15 wdh. Textholzschnitten (von

4 Motiven). Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf

Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen, sign. und

dat. „L L 1592“ (Deckel minimal wurmstichig,

beschabt und bestoßen). (110) 800,-

VD 16 P 1508. Stalla 1127. Stintzing-L. I, 574. – Spätere

Ausgabe aller 5 Werke Perneders. Stintzing und Landsberg

unterscheiden 3 Textbearbeitungen, vorliegend die dritte

und letzte im Erstdruck. – Innengelenke gebrochen, wenige

teils restaurierte Wurmspuren, kaum fleckig.

259 PEUCER, C., Commentarius de praecipuis divinationum

generibus. Recognitus ultimò, & auctus.

Frankfurt, Wechels Erben, de Marne und Aubry,

1593. Mit wdh. Druckermarke (ohne die 2 gefalt.

Tabellen). 16 Bl., 738 S., 27 Bl. Hldr. des späten

18. Jhdts mit Rsch. und Rvg. (etw. berieben und

bestoßen). (110) 250,-

VD 16 P 1978. Adams P 934. Wellcome I, 4970. Graesse

111. Caillet 8578. Houzeau-L. I, 4860. – Siebte in Deutschland

gedruckte Ausgabe. – Peucer war der Schwiegersohn

Melanchthons und „nimmt die erste Stelle unter den Wittenberger

Paracelsisten ein. In seinem [vorliegenden]

Hauptwerk versucht er, die Lehre von den Arcanen mit den

Fortschritten der Chemie in Einklang zu setzen“ (Hirsch-

H. IV, 579). – Enthält ferner Beiträge über Orakel, Magie,

Meteorologie, Chiromantie, Astrologie etc. – Vorsätze leimschattig,

Titel mit hinterlegtem Ausschnitt, leicht fleckig. –

Gestoch. Exlibris.

260 PHILIPP I., LANDGRAF VON HESSEN,

Unser freuntlich dienst, und was wir liebs unnd

guts vermügen. (Marburg, Ch. Egenolff d. Ä),

1539. Fol. 3 Bl. Lose Bögen, ohne Einband. (65)

200,-

VD 16 ZV 26686. – Schreiben des Landgrafen an Herzog

Georg von Sachsen mit der Rechtfertigung des Vorgehens

gegen einen Schreiber und geheimen Boten des Herzogs

Heinrich von Braunschweig. Diesen hatte der Landgraf bei

der Jagd aufgegriffen und bei ihm Briefe gefunden, die Aufschluß

über das Vorgehen Heinrichs gegen die protestantischen

Stände gaben. „Datum Lichtennaw donnerstags nach

Sebastiani unnd Fabiani Anno etc. XXXIX“ (= 23. 1. 1539).

– Unbeschnittene Bögen (mit dem letzten weißen Bl.),

Ecken tls. geknickt, Ränder leicht gebräunt.


Aus dem Kloster Tegernsee

261 (PIRSTINGER, B.), Tewtsche Theologey. (München,

H. Schobser, 1528). Fol. Mit Titelbordüre.

251 Bl. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit

Rollen- und Plattenstempeln, 4 ziselierten Metallbeschlägen

sowie intakten Schließen (minimale

Altersspuren). (91) 3.000,-

Erster Druck der ersten Ausgabe. – STC 698. VD 16 P 2922.

Dodgson II, 425, 12 c Anm. Schottenloher 92. – Von Berthold

Pirstinger (1465-1543), Bischof von Chiemsee, nach

seinem Verzicht auf den Bischofssitz (1526) verfaßt. –

„Bertholds deutsche Theologie ist von bedeutendem

Werthe sowohl in sprachlicher, als noch viel mehr in theologischer

Beziehung“ (Wetzer-W. II, 474). – Die schöne

Holzschnittbordüre von Jörg Breu d. Ä.(?) zeigt oben

Gottvater, unten Maria mit dem Kinde, links Petrus, rechts

Paulus und in den Ecken die vier Evangelistensymbole.

Der prachtvolle Einband aus dem Kloster Tegernsee ist

1531 datiert, zu seiner Platte und den Stempeln vgl. Kyriss

32 und Tafeln 69-70. – Auf dem Titel dreizeiliger Kauf- und

Besitzeintrag des Klosters, datiert 1528. – Stellenw. minimal

fleckig, insgesamt vorzüglich erhalten und äußerst dekorativ

gebunden. – Siehe Abbildungen Tafel 9.

First issue of first edition. – On title three-line purchasing

and ownership entry of the monastery, dated 1528. – Here

and there minimally soiled, altogether very well preserved

and in an extremely decorative binding. – Contemporary

pigskin over wooden boards with roll and medallion stamps,

4 chiselled metal fittings and intact clasps (minor signs of

wear). – The magnificent binding from the Tegernsee

monastery is dated 1531, as to its medallion and stamps compare

Kyriss 32 and plates 69-70. – See illustrations on plate 9.

262 PLATINA, B., De vita & moribus summorum

pontificum historia, cui aliorum omnium, qui post

Platinam vixerunt ad haec usque tempora, pontificum

res gestae additae. Köln, Cervicornus (für

Hittorp), 1529. Fol. Mit figürlicher Titelbordüre

von Anton Woensam. 6 Bl., 284 S., 50 Bl. Stark

beschäd. blindgepr. Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln.

(54) 800,-

VD 16 P 3260. STC 765 (Sacchi). Adams P 1416. Merlo 420.

– Die Papstgeschichte des Humanisten Platina erschien erstmals

1479 und „ist ausgezeichnet durch die elegante

Schreibweise. Sein Urtheil ist nicht immer unparteiisch, bei

Paul II. aber geradezu ungerecht und von persönlichem

Hasse beeinflußt“ (Wetzer-W. X, 91).

NACHGEB.: BEDA (VENERABILIS), De natura rerum

et temporum ratione libri duo. Nunc recens inventi, & in

lucem editi. (Hrsg. von J. Sichardus). Basel, H. Petri, 1529.

16 nn., 74 num. Bl. – Erste Ausgabe. – VD 16 B 1439. STC

74. Adams B 449. – Titel mit Besitzvermerk des Minoritenklosters

Roermond (Niederlande) sowie Rasur (minimaler

Bildverlust), durchgehend mit schmalem Wasserrand.

263 PLATON, Omnia opera tralatione Marsilii Ficini,

emendatione et ad Graecum codicem collatione

Simonis Grynaei repurgata. Basel, (H. Froben und

N. Episcopius), 1551. Fol. Mit 2 Druckermarken

Alte Drucke und alte Theologie 73

Nr. 267

auf dem Titel und letzten Bl. sowie einigen Holzschnitt-Initialen

und -Diagrammen. 6 Bl., 952 S.,

24 Bl. Spät. restauriertes Ldr. d. Zt. mit Rsch. und

Rvg. (stärkere Gebrauchsspuren). (49) 800,-

STC 702. Adams P 1447. VD 16 P 3279. Schweiger I, 248.

Hoffmann III, 302. – Spätere Ausgabe der von Ficino

besorgten lateinischen Übersetzung, die im 15. Jhdt. in

Florenz und Venedig erschienen war (vgl. Hieronymus,

Griech. Geist, 142). – Vorsatz und Titel mit hs. Besitzeintrag

von 1891, vereinzelt etw. wasserrandig.

264 – Omnia opera, ex vetustissimorum exemplarum

collatione multo nunc quàm antea emendatiora.

Basel, H. Petri, (1556). Fol. Mit Druckermarke auf

dem Titel und einigen figürlichen Initialen. 6 Bl.,

690 (recte 686) S., 23 Bl. Stark beschäd. blindgepr.

Hpgt. d. Zt. (54) 1.500,-

Erste Ausgabe bei Heinrich Petri. – VD 16 P 3276. STC 702.

Adams P 1438. Hieronymus, Griech. Geist, 143. – Schöner

griechischer Druck, mit zahlreichen Änderungen und Er -

gänzungen gegenüber der Grynaeus-Ausgabe von 1534.

NACHGEB.: ATHENAEUS, Dipnosophistarum, hoc est

argutè scitéq(um) in convivio differentum Libri XV. Basel,

J. Walder, 1535. Mit Druckermarke auf dem Titel und dem

letzten Bl. 34 Bl., 333 (recte 337) S. – Seltene zweite Ausgabe.

– VD 16 A 4003. STC 50. Adams A 2097. Schweiger

I, 70. Hoffmann I, 422. Hieronymus, Griech. Geist, 303. –

Vgl. Schraemli 1 (EA 1514): „In der Form von Tisch gesprächen

werden Gegenstände der altgriechischen Sitte, der

Kochkunst, der Tafelfreuden usw. behandelt. Obschon es

sich nicht um ein eigentliches Kochbuch handelt, enthält es


74

doch eine Anzahl von Rezepten und wird zur Fundgrube

für den Kulturhistoriker des gastronomischen Gewerbes.

Wir erhalten Kunde von berühmten Köchen und von den

Kochbüchern der alten Griechen. Die Sammlung ist von

höchstem Wert als Quellenwerk, und ohne sie wäre uns

manch Interessantes über unser Fach, d. h. über die Essund

Trinksitten, unbekannt geblieben.“ – Vorsätze beschädigt,

Titel mehrfach gestempelt und mit hs. Einträgen,

kleine Wurmspuren im Fußsteg, stellenw. wasserrandig.

First edition by Heinrich Petri. – Additional bound: Rare

second edition. – Endpapers damaged, title with multiple

stamps and with ms. annotations, small worm traces at lower

margin, waterstains here and there. – Contemporary heavily

damaged blind-pressed half vellum.

265 QUINTILIANUS, M. F., Oratoriarum institutionum

lib. XII. Frankfurt, E. Cervicornus und

H. Fuchs, 1521. Fol. Mit Titelbordüre von

A. Woensam von Worms. 6 nn., CLIX num. Bl.

Hldr. des 18. Jhdts. (Kapital mit Fehlstelle, wenige

Wurmlöcher, beschabt, bestoßen). (137) 800,-

STC 721. Adams Q 25. VD 16 ZV 12898. Ebert 18435.

Merlo 1040, 426. – Nachdruck der 1519 in Paris gedruckten

Ausgabe des Badius Ascensius, mit einer Vorrede von Gottfried

Hittorp, Philipp Melanchthon gewidmet. – Die breite

Titeleinfassung mit Johannes und der Taufe Jesu. – Schöner

Druck von Quintilians Hauptwerk, in dem er die Erfahrungen

seiner Lehrtätigkeit als Redner zusammenfaßt und

im 10. Buch einen Abriß der griechischen und römischen

Literaturgeschichte gibt. – Erste 4 Bl. mit kleinem Wurmloch

am Kopfsteg, Marginalien und Unterstreichungen in

Tinte von mehreren alten Händen, gebräunt, etw. fleckig. –

Vollständiges Exemplar mit dem letzten weißen Blatt. –

Siehe Abbildung.

Reprint of the edition by Badius Ascensius, printed in Paris

in 1519, with a foreword by Gottfried Hittorp, dedicated to

Philipp Melanchthon. The wide title border with John the

Baptist and the baptism of Jesus. – First 4 leaves with small

wormhole at upper margin, marginalia and underlinings

in ink by several contemporary hands, browned, a little

soiled. – Complete copy with the last blank leaf. – Half calf

of the 18th century (turn-in with defect, some wormholes,

scratched, scuffed). – See illustration.

266 – L'institutioni oratorie tradotte da Oratio Tascanella.

Venedig, G. Giolito de' Ferrari, 1566. 4°. Mit

2 Druckermarken und einigen hübschen Initialen.

20 Bl., 679 S. Hldr. des 19. Jhdts. mit Rsch. (leicht

beschabt). (56) 250,-

Bongi II, 219. Ebert 18480 (bespricht alle 4 Ausgaben bei

Giolito; vorliegt die erste). – Vgl. STC 546 (nur die letzte

Giolito-Ausgabe 1586). – Schöner Druck des Hauptwerks

der antiken Rhetorik.

267 (REISCH, G.), Margarita philosophica cu(m)

additionibus novis. Straßburg, J. Grüninger, 1508.

4°. Mit zahlr. (15 ganzseit.) Textholzschnitten

(ohne die Weltkarte und die Falttafel). 319 Bl.

(statt 320; ohne das Bl. DD III). Blindgepr.

Schweinsldr. des ausgehenden 16. Jhdts. mit intakten

Schließen (geringe Altersspuren). (50) 3.000,-

Alte Drucke und alte Theologie

Adams R 334. Schmidt, Grüninger, 87. Benzing, Straßburg,

1549. Muller 27.56. Zinner 909. Shirley 22. VD 16 R 1037.

Eitner VIII, 183. Sabin 69126. Alden 508/12. – Vgl. Smith,

Rara, 82. – Zweite Grüninger-Ausgabe, erstmals 1503 bei

Schott erschienen. – Das erste enzyklopädische Werk der

neueren Geistesgeschichte, das in 12 Büchern die freien

Künste und Naturwissenschaften behandelt, darunter

Musik (mit Noten), Astronomie, Medizin und Geometrie.

– Die vorliegende Ausgabe von Grüninger erheblich erweitert,

unter den neuen Abschnitten die „Ars memorandi

Ravennatis et Beroaldi“ und die „Introductio architecturae

et perspectivae“ von M. Waldseemüller. – Die schönen

ganzseitigen Holzschnitte meist mit allegorischen Darstellungen

der behandelten Wissenschaften und Künste, ferner

„The oldest printed illustration of the structure of the eye“

(Choulant-Frank, S. 80 und 126 ff.). – Des weiteren allegorische

Darstellungen der behandelten Wissenschaften und

Künste, anatomische Darstellungen etc. Diese Holzschnitte

wurden teils aus der Erstausgabe übernommen (so der Titel;

vgl. Nagler, Monogr. IV, 2232, der irrigerweise glaubt, der

Zierat unten Mitte sei ein Monogramm), teils stammen sie

aus dem Fundus von Grüninger: „Der Unterschied dieser

illustrirten Grüninger'schen Publicationen von denen

der früheren Drucker ist ein gewaltiger“ (Muther S. 83,

Nr. 573). – Die fehlenden Tafeln in Faksimile beigebunden,

ebenfalls das Textblatt. – Nur stellenw. leicht gebräunt und

fleckig, unten wasserrandig. – Das Exemplar gewinnt

besondere Bedeutung durch das auf dem letzten Blatt verso

eingedruckte, in der Platte 1578 datierte Holzschnitt-

Exlibris von Michael Lösch aus Passau (Warnecke 1191). –

Siehe Abbildung.

Second Grüninger edition, first published by Schott in 1503.

– The first encyclopedic work of the more recent history of

thought which in 12 books deals with the liberal arts and

natural sciences, among them music (with notes), astronomy,

medicine, and geometry. – The present edition by Grüninger

considerably enlarged. – The missing plates bound-in as

facsimile, the text leaf as well. – Only here and there slightly

browned and soiled, waterstains at bottom. – This copy is

particularly important as on the last leaf verso is the printed

woodcut exlibris of Michael Lösch from Passau (Warnecke

1191) dated 1578 in the plate. – Blind-pressed pigskin of the

late 16th century with working clasps (minor signs of wear).

– See illustration.

268 (RICCHIERI), L., Lectionum antiquarum libri

triginta. Postrema editio, cui accesserunt capitum

& rerum indices omnium locupletissimi. (Frankfurt),

A. Wechel, C. Marne und J. Aubry, 1599.

30 Bl., 1430 Sp., 78 Bl. Läd. Pp. d. Zt. (54) 300,-

VD 16 R 2168. STC 740. Adams R 454. – „A collection of

notes on the classics and on general topics in sixteen books,

each with a separate dedication including one to Jean Grolier,

then treasurer of Milan. The work was reprinted at

Basel by Johann Froben in 1517“ (Bietenholz-D. III, 155).

– Das interessante Werk des Humanisten Lodovico

Ricchieri (Gelehrtenname Caelius Rhodiginus; 1469-1525)

mit Beiträgen über griechische und römische Musik und

Theater, ferner über Medizin (Augen- und Ohrenkrankheiten,

Stumme, „Plutus cur caecus effigatur“), Mathematik,

Astronomie, Naturwissenschaften und sehr viel über

Sprichwörter. Vermutlich wurde Ricchieri von den „Adagia“

des Erasmus beeinflußt. – Titel großteils hinterlegt, stellenw.

wasserrandig und mit kleinem Mäusefraß.


269 (RICHER, E.), Obstetrix animorum. Ad iuventutem

Galliae, optimarum artium studiis deditam.

Paris, A. Drouart, 1600. Mit Druckermarke auf

dem Titel. 8 nn., 175 num., 1 nn. Bl. Läd. flex. Pgt.

d. Zt. (49) 250,-

Erste Ausgabe. – Cioranescu 59494. – Nicht bei Buisson. –

Wenig bekannter pädagogischer Klassiker des französischen

Theologen (vgl. Hoefer XLII, 247). – Zahlr. alte Anmerkungen.

270 ROSCIUS, J., Icones operum misericordiae.

2 Tle. in 1 Bd. (nur Tafeln). Rom, (B. Bonfadini

für B. Grassi), 1586. Fol. 2 gestoch. Titel und 14

(statt 15) Kupfertafeln. Flex. Pgt. d. Zt. (fleckig).

(54) 500,-

Erste Ausgabe. – EDIT 16 CNCE 34634. STC 587. Adams

R 780. Cicognara 2047. Mortimer 446. Passavant 6, 160. –

Die Kupfer zeigen die Werke der Barmherzigkeit, sieben

„operae ad corpus“ und sieben „operae ad animum“. Die

Kupfer laut Titel von dem römischen Stecher Mario Cartaro

(der erste Titel von Cristofano Cartaro signiert). Die Tafeln

des ersten Teils folgen Vorbildern von Philippe Galle aus

dem Jahr 1577 (Mortimer). Entgegen den Angaben bei

Mortimer ist in unserem Exemplar keine der Tafeln mit

Text auf der Rückseite versehen. Die Tafeln durchgehend

numeriert, einschließlich der Titel. – Es fehlt Tafel 2 mit der

Darstellung des Jüngsten Gerichts. – Einzelne Kupfer mit

tls. hinterlegten Randaus- oder -einrissen, stellenw. stärker

fleckig.

271 SACHSENSPIEGEL. Auffs newe ubersehen, mit

Summariis und newen Additionen. Durch Ch.

Zobel mit besonderem fleis zugericht. Leipzig,

(Steinmann), 1582. Fol. Mit Titelvign., Verlegermarke

sowie ganzseit. Wappenholzschnitt (im

Text). 6 nn., 528 (recte 540) num., 43 nn. Bl. Blindgepr.

Ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit intakten

Schließen (Gebrauchsspuren). (93) 1.800,-

STC 343. VD 16 D 739 (verbesserte Neuaufnahme). Dreyer

36. Homeyer 27. – Vierte Zobelsche Ausgabe mit deutschlateinischem

Paralleltext. – Für alle Zobelschen Ausgaben

ist charakteristisch, daß sie neben dem Text auch Ergänzungswerke,

Glossen, Remissorien, Vokabularien und

andere Erschließungsmittel enthalten (vgl. Kaspers 37). –

Der Einband signiert „RC“ mit Rollen- und Plattenstempeln,

vorne Kruzifixus mit eherner Schlange, Moses, Adam

und einem Propheten sowie einer Inschrift nach Ezechiel:

„So war ich leb spricht unser Gott wil ich ni“, hinten ein

Lutherporträt mit dem Spruch „In silencio et spe sit fortitudo

vestra. Martinus Luter“. – Titel mit hs. Besitzvermerk,

dreiseitig angerändert und mit kleinem, hinterlegten Papierdurchbruch,

anfangs einzelne kleine Wurmlöcher, leicht

gebräunt, wenig fleckig. – Siehe Abbildung.

Fourth edition by Zobel with German-Latin parallel text. –

Title with ms. ownership entry, margins mounted with paper

slips and with small backed perforation, some worming at

the beginning, slightly browned, hardly soiled. – Contemporary

blind-pressed calf over wooden boards with 2 intact

clasps (signs of wear). – See illustration.

Alte Drucke und alte Theologie 75

Nr. 271

272 SALZBURG – (NINGUARDA, F.), Manuale

parochorum. Accomodata pro provincia Salisburgensi.

Ingolstadt, D. Sartorius, 1582. 4°. Mit Titelholzschnittvign.

34 Bl., 431 S. Schweinsldr. d. Zt.

auf Holzdeckeln mit intakten Schließen (Rücken

alt überklebt). (72) 250,-

Erste Ausgabe. – STC 515. Adams L 1288. VD 16 N 1773.

Stalla 1465. Dopsch-S. II, 169 f. und 1380 ff. – Enthält

die auf den Provinzialsynoden gefaßten Durchführungs bestimmungen

der Beschlüsse des Trientiner Konzils für die

Diözese Salzburg. – Stellenw. wenig fleckig, insgesamt sehr

schönes Exemplar aus der Bibliothek des Stiftes St. Peter in

Salzburg.

273 SANNAZARO, J., Opera omnia, latine scripta.

Venedig, Aldus, 1570. Mit wdh. Druckermarke

auf dem Titel und am Schluß. 104 num. Bl. Hpgt.

d. 19. Jhdts. mit Rsch. (leichte Gebrauchsspuren).

(49) 250,-

STC 605. EDIT 16 CNCE 33994. Renouard 211,20. Adams

S 314. Naiditch-B. 1080. – Einzelne Blätter mit kleinem

Eckausriß, stellenw. etw. fleckig. – Mod. Exlibris.


76

274 SANNAZARO, J., Arcadia. Nuovamente corretta

& ornata d'alcune annotationi da T. Porcacchi.

Con la vita dell'auttore. Venedig, F. & A. Zoppini,

1583. 12°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 287 S.

– NACHGEB.: DERS., Rime. Nuovamente corrette

et reviste. Ebda. 1583. Mit Druckermarke auf

dem Titel. 95 S. Flex. Pgt. d. Zt. (beschabt, fleckig).

(56) 100,-

Spätere Ausgaben, nicht im STC, bei Adams etc. – Vgl.

Wiese-P. 245 und 324. – I. Verfaßt vom bedeutenden

neapolitanischen Petrarkisten, der seine Berühmtheit

diesem Hirtenroman verdankt; erstmals 1504 erschienen. –

II. Die „Rime“ wurden erstmals in seinem Todesjahr 1530

gedruckt. – Buchblock gelöst, letztes Bl. mit Randausriß,

gebräunt, fleckig.

275 SCHATZGER, K., Omnia opera. Ingolstadt,

Weißenhorn, 1543. Fol. Mit Druckermarke auf

dem Titel und kleinem Holzschnittwappen auf

dem letzten Bl. 6 nn., 333 num., 15 nn. Bl. Blindgepr.

Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln (Kapital

eingerissen, etw. fleckig und beschabt, eine

Schließe defekt). (54) 800,-

Einzige Gesamtausgabe. – Adams S 438. VD 16 S 2319.

Stalla 146. Paulus 29. – Nicht im STC. – Schatzger war einer

der heftigsten Gegner Luthers in Süddeutschland. – Die

lange Vorrede stammt von Eck. – Das Schlußblatt mit der

Unterschrift der Herzöge Wilhelm und Ludwig von Bayern

enthält eine besondere Empfehlung dieser Ausgabe. – Titel

mit Numerierung, gegen Ende kleine Wurmlöcher, insgesamt

gutes Exemplar.

276 SIBYLLINA ORACULA de Graeco in Latinum

conversa, et in eadem annotationes. S. Castalione

interprete. Basel, J. Oporinus, 1546. 12 Bl. (das

letzte weiß), 135 S. Hldr. d. 19. Jhdts. (stärker be -

schabt und bestoßen). (54) 600,-

Erste Ausgabe dieser Übersetzung. – VD 16 S 6280. STC

813. Adams S 1060. Schweiger I, 258. Hieronymus, Griech.

Geist, 461. – Sebastian Castellio (Sébastien Châtillon; 1515-

1563), seit 1553 Professor für griechische Sprache in Basel,

verteidigt in der Widmung „die Göttlichkeit der Sibyllinen

gegen die Thesen christlicher Fiktion bzw. Unchristlichkeit“

(Hieronymus). – Vorsatz gestempelt, wenig fleckig.

277 SIGONIO, C., Fasti consulares, ac triumphi acti

à Romulo rege usque ad Ti(berium) Caesarem.

Basel, N. Episcopius der Jüngere, 1559. Fol. Mit

wdh. Druckermarke auf dem Titel und dem letzten

Blatt. 18 Bl. (letztes weiß), 388 S., 12 Bl. Pgt.

um 1800 (fleckig). (49) 500,-

VD 16 S 6436. STC 815. Adams S 1116. – Zweite Ausgabe

des erstmals in Venedig 1556 erschienenen Werkes. – Leicht

gebräunt (Titel stärker), kaum fleckig.

278 SILIUS ITALICUS, De bello Punico secundo.

Venedig, Aldus, 1523. Mit 2 wdh. Holzschnitt-

Druckermarken. 210 num., 2 nn. Bl. Ldr. d. 19.

Jhdts. mit Deckel- und Rvg. (beschabt und bestoßen).

(49) 400,-

Alte Drucke und alte Theologie

Adams S 1134. STC 627. Naiditch-B. 194. Renouard I, 170.

Fock 44. Ebert 21225: „Eine der seltneren Aldinen.“ –

Aldus-Druck auf der Grundlage der Giuntine, besorgt von

A. Asulanus. – Mit hs. Besitzvermerken aus dem 17. und

18. Jhdt. sowie vereinzelten Unterstreichungen und Marginalien

in Tinte. – Mod. Exlibris.

279 SLEIDAN, J., Commentatorium de statu religionis

& reipublicae, Carolo Quinto Caesare, libri

XXVI. Straßburg, Th. Rihel, um 1560. Mit

Drucker marke auf dem Titel. 8 Bl., 872 S., 10 Bl.

Pp. um 1800 mit dezenter Rvg. (beschabt und be -

stoßen). (156) 200,-

Van der Vekene E/a 020.E. VD 16 S 6679 (dat. um 1558).

Ritter 2132. Muller 540, 1. – Die klassische Reformationsgeschichte

aus protestantischer Sicht erschien erstmals 1555.

– Laut van der Vekene sind mindestens 6 Varianten dieses

Drucks bekannt. „Eine Reihe von typographischen Vergleichen

... haben ergeben, daß dieses Werk sowohl mehrfach

neugesetzt als auch im Text verbessert wurde ... Wir

erheben keinen Anspruch darauf, alle Varianten ausfindig

gemacht zu haben“ (van der Vekene). – Laut Muller druckte

Theodosius Rihel erst 1560 selbständig, nachdem er sich

von seinem Bruder Josias getrennt hatte. – Oben knapp

beschnitten, wenige Anstreichungen einer zeitgenössischen

Hand, gering gebräunt und kaum fleckig.

280 SOLINUS, C. J., Polyhistor, seu Rerum orbis

memorabilium collectanea. Köln, E. Cervicornus

und H. Fuchs, 1520. 4°. Mit Titelbordüre von

Anton Woensam von Worms nach Holbein und

3 Holzschnitt-Initialen. XCII num., 12 nn. Bl.

Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln

mit intakten Schließen (Kopf eingerissen, be -

schabt, bestoßen, fleckig). (54) 1.200,-

STC 818. VD 16 S 6964. Ebert 21399. Schweiger II, 959. –

Nicht bei Adams. – Das Kompendium der merkwürdigsten

Dinge, Anfang des 3. Jahrhunderts von Solinus hauptsächlich

aus Plinius zusammengestellt, behandelt seltsame

Tiere und Fabelwesen, Astrologisches, bemerkenswerte

Eigenschaften der Steine etc. (vgl. die ausführliche Beschreibung

bei Thorndike I, 326 ff.). – Die Titeleinfassung mit der

Enthauptung des Täufers Johannes von Anton Woensam

(Merlo 1040, 425) ist eine sehr gute Kopie der Holbeinschen

von Basel 1518 (vgl. Pflugk-Harttung 18). Eine größere,

schwarzgrundige Initiale „C“ mit Drachen und kniendem

Kind mit Schwert wohl auch von Woensam (nicht bei

Merlo).

NACHGEB.: PIUS II., PAPST, Cosmographia in Asiae

& Europae eleganti descriptione. Paris, H. Estienne für

J. Hongot, 1509. (Ohne die Karte). 12 nn., 152 num. Bl. –

STC 352. Adams P 1344. Renouard 6, 3. – Vgl. Atabey 955:

„A geographical and historical survey of the known world,

influenced by his close study of Ptolemy's geography. This

work was to form the basis of the 16th century cosmographies

of Franck and Munster.“ – Ohne die Holzschnittkarte,

wie in den meisten in öffentlichem Besitz befindlichen

Exemplaren; möglicherweise war sie nur einem Teil

der Auflage beigegeben. – Seltener, früher Stephanusdruck.

Nachgebunden ferner: Pomponius Mela, De situ orbis libri

tres. Köln, E. Cervicornus und H. Fuchs, 1520. 43 (statt 44)

num., 10 (statt 12) nn. Bl. (ohne Bl. XXXIII und das erste

und 8. nn. Bl.). – Dionysius Periegeta, Orbis descriptio in

Latinos versus transposita. München, W. Stoeckel (Mona-


censis), 1518. 23 (statt 24) Bl. – Ohne das letzte Blatt. – Bindung

in Auflösung begriffen. Erster Druck (Solinus) mit

altem, hs. Besitzvermerk auf dem Titel. Letztes Blatt des

2. Druckes (Pius) verso mit einer Aufstellung der osmanischen

Streitkräfte, lateinisch und in Tinte von alter Hand.

Der letzte Druck (Dionysius) mit reichen Marginalien und

Interlinearbemerkungen, ebenfalls in Tinte, jedoch von

anderer Hand. Einzelne Wurmlöcher (geringer Buchstabenverlust).

Alle Drucke gebräunt und fleckig. – Exlibris

der Fürstlich Auerspergschen Fideikommißbibliothek zu

Laibach.

The abridgment of the most peculiar things, compiled by

Solinus at the beginning of the 3rd century mostly from

Plinius, deals with strange animals and fabulous creatures,

astrological themes, remarkable characteristics of stones etc.

(compare detailed description by Thorndike I, 326 ff.). –

Additional bound: Without the woodcut map like in most

of the copies in public possession; probably only enclosed in

a part of the issue. – Rare, early printing by Stephanus. –

Binding almost unstuck. First issue (Solinus) with old ms.

ownership entry on title. Last leaf of 2nd issue (Pius) verso

with formation of the Ottoman troops, in Latin and in ink

by contemporary hand. Isolated wormholes (minor loss of

letters). All printings browned and soiled. – Exlibris. – Contemporary

blind-pressed pigskin over wooden boards with

2 intact clasps (top turn-in torn, scratched, scuffed, soiled).

281 SOLINUS – SALMASIUS, C., Plinianae exercitationes

in C. J. Solini polyhistora. 3 Tle. in 1 Bd.

Utrecht, Voskuyl für vande Water, Ribbe und

Halma, 1689. Fol. Mit 3 wdh. gestoch. Titelvign.,

wdh. gestoch. Kopfvign. und 43 Textholzschnitten.

25 Bl., 63, 625 S., 1 Bl., S. (625)-943, 16, 157 S.,

5 Bl., 27 S., 1 Bl., 259, 20 S. Pgt. d. Zt. mit reicher

Vg. (fleckig, Vordergelenk aufgeplatzt). (54) 300,-

Brunet V, 92: „Ouvrage estimé.“ Ebert 20124. Graesse VI/1,

249. Schweiger II, 961. – Erstmals 1629 erschienen. – Die

Holzschnitte zeigen Pflanzen, Münzen und Diagramme.

Interessant auch der teils mit arabischen Lettern gedruckte,

erstmals 1663 erschienene Anhang über Manna und Zucker.

– Gedruckte Widmung eingebunden, partienweise stark

gebräunt und fleckig.

282 SUETONIUS TRANQUILLUS, XII Caesares.

(Hrsg. von J. B. Egnatius. Venedig, Aldus' Erben

und A. Soceri, 1521). Mit wdh. Druckermarke auf

dem Titel und am Ende. 60 nn., 320 num. Bl. Pgt.

d. Zt. mit Rsch. (Gebrauchsspuren). (49) 400,-

EDIT 16 CNCE 37658. Adams S 2035. STC 651. Dekesel

S 103. Renouard I, 157, 8. Ebert 21904. – Mit der bereits in

der ersten Ausgabe (1516) enthaltenen Widmung an Grolier

sowie der Einführung und den „Annotata“, die Erasmus

von Rotterdam für die Basler Ausgabe von 1518

zusammengestellt hatte. – Der Herausgeber (1473-1553),

ein Mitschüler von Papst Leo X. und Lehrer des Poliziano,

zählte zum engeren Freundeskreis des Aldo Manuzio und

ist einer der bedeutendsten venezianischen Humanisten. Als

Diplomat der Serenissima war er mit Grolier in Verbindung

getreten und blieb bis in sein Alter mit ihm freundschaftlich

verbunden. – Enthält auch von Sextus Aurelius „A D.

Caesare Augusto usque ad Theodosium“, von Eutropius

„De gestis Romanorum lib. X“ und von Paulus Diaconus

„Libri VIII de gestis Romanorum“. – Mit dem weißen Blatt

D8. – Titel mit Rasur (Papierdurchbruch), kaum fleckig. –

Gestoch. Wappenexlibris.

Alte Drucke und alte Theologie 77

283 TACITUS, P. C., Historia Augusta actionum

diurnalium: additis quinque libris noviter inventis.

Andreae Alciati Mediolanensis in eundem

annotationes. Basel, J. Froben, 1519. Fol. Mit

Titelbordüre von A. Holbein, einigen Einfassungen

und Leisten von A. und H. Holbein sowie

U. Graf, zahlr. Initialen und Druckermarke am

Ende (alles in Holzschnitt). 14 Bl., 379 S. Blindgepr.

Ldr. d. Zt. (stark beschabt und bestoßen, einzelne

Wurmspuren). (91) 3.000,-

VD 16 T 12. Adams T 23. Schweiger II, 998. His 10. Woltmann

II, 207, 7, 209, 12, und 213, 39. Kat. Basel 1960, 119.

– Mit Vorwort und Anmerkungen von Andreas Alciatus. –

Die Titelbordüre mit der Darstellung der Teutoburger

Schlacht und der Verleumdung des Apelles, datiert 1517,

stammt von Ambrosius Holbein, der übrige Buchschmuck

mit teils figürlichen Leisten und Initialen von Hans und

Ambrosius Holbein sowie Urs Graf. – Titel mit Besitzvermerk

(Johannes Marquard, 1520), S. 309-13 mit Tintenspuren,

S. 311/12 mit größerem Ausbruch im Text infolge von

Tintenfraß; einige Marginalien und Unterstreichungen, etw.

gebräunt und fleckig. – Auf dem vorderen Spiegel großes,

alt teilkolor. Holzschnitt-Exlibris, überschrieben: „Io:

Maquardo ab Husen EQ: I. C.“ (nicht bei Warnecke). Die

Marquard von Husen (Hausen) waren ein Adelsgeschlecht

im Oberbadischen. Johannes Marquard ist wohl mit dem

Verfasser mehrerer handschriftlicher Traktate identisch, die

heute in der UB Heidelberg aufbewahrt werden.

NACHGEB.: (HUTTICH, J.), Collectanea antiquitatum

in urbe, atque agro Moguntino repertarum. Mainz, J. Schöffer,

1520. Mit Titelbordüre, 40 tls. ganzseit. Textholzschnitten

und kleiner schwarzgrundiger Druckermarke am

Schluß. 22 Bl. – Seltene erste Ausgabe. – STC 427. VD 16 H

6467. – Vgl. Ornamentstichslg. Berlin 1829 (zweite Ausgabe

1525). – Nicht bei Adams. – Sammlung römischer Inschriften

im Mainzer Raum, diese in großen Holzschnitten abgebildet,

„eine Reihe von Sarkophagen und Steinen mit

Inschriften, sowie ein großer eichelförmiger Felsen, der so -

genannte lapis glandis, die als die ersten archäologisch-antiquarischen

Darstellungen von grossem Interesse sind“

(Muther 1737). Die schöne Titelbordüre mit sieben Darstellungen

von Kaisern und der Geschichte der Lukretia. –

Siehe Abbildung Tafel 8.

Title with ownership entry (Johannes Marquard, 1520),

pp. 309-13 with ink traces, p. 311/12 with larger break in

text due to ink corrosion; some marginalia and underlinings,

a little browned and soiled. – On upper paste-down large

woodcut exlibris with parts in contemporary hand colouring,

with caption: „Io: Maquardo ab Husen EQ: I. C.“ (not by

Warnecke). The Marquard von Husen (Hausen) were

a noble family in the „Oberbaden“ region. Johannes Marquard

is probably identical with the author of several ms.

treatises which are kept today in the Heidelberg university

library. – Contemporary blind-pressed calf (heavily scratched

and scuffed, some worming). – See illustration on plate 8.

284 TACITUS – BERNEGGER, M., Ex C. Cornelii

Taciti Germania et Agricola, quaestiones miscellaneae.

Hrsg. von J. Freinsheim. Straßburg, o. Dr.,

1640. Mit gestoch. Titel. 383 nn. Bl. Pgt. d. Zt.

(fleckig). (22) 200,-

Erste Ausgabe in einer von 3 Varianten. – VD 17 3:307379.

– Ohne Variantenunterscheidung: Schweiger II, 1032. Ebert

22223. – Nicht bei Goldsmith. – Titel mit schöner Bergwerksdarstellung:

Zwei Bergleute an der Haspel mit Eimern

und Hauer unter Tage.


78

Nr. 287

NACHGEB.: BOECKLER, J. H., In Taciti primordia

annalium & historias commentatio. Straßburg, J. F. Spoor,

1664. 8 Bl., 825 (recte 823) S. – Erste Ausgabe. – Goldsmith

D 1256. Schweiger II, 1032.

DAZU: TACITUS, C., (Opera) accurante M. Berneggero.

Straßburg, G. A. Dolhopf und J. A. Zetzner, 1664. Mit

gestoch. Titel. 570 Bl. – VD 17 547:695101K. – Ohne

Variantenunterscheidung: Goldsmith T 52. Schweiger II,

1002. Ebert 22162: „Mit einem guten Index.“ – Nachdruck

der erstmals 1638 erschienenen Ausgabe in einer von

2 Varianten.

Kommentarband: Titel verso gestempelt, Block gelockert,

Exlibris. – Werkausgabe: Hs. Besitzvermerk auf dem Vorsatz.

– Beide Drucke gleichmäßig leicht gebräunt, sonst

recht sauber.

285 TERENTIUS (AFER), P., (Comoediae). Opera

Des(iderii) Erasmi Roterodami. Basel, Froben,

1532. 4°. Mit Druckermarke auf dem Titel. 10 Bl.,

389 S. (ohne das letzte Blatt). Stark läd. Pp. des

frühen 19. Jahrhunderts. (150) 300,-

Alte Drucke und alte Theologie

Erste Ausgabe in der Bearbeitung des Erasmus von Rotterdam.

– VD 16 T 397. STC 852. Adams T 325. Vander Haeghen

II, 55. Schweiger II, 1057: „Neue Recension, doch wie

es scheint, ohne neue handschriftliche Hilfsmittel.“ – Buchblock

von Einbanddecke gelöst, Vorsatz mit eingeklebter

Schenkungsnotiz, Titel angerändert, mit Einträgen und

Besitzvermerk von alter Hand in Tinte, vereinzelt mit Marginalien

und Unterstreichungen, die letzten Blätter mit großen

Ausrissen (stellenw. Textverlust); wasserrandig, fleckig

und etw. gebräunt.

286 – (Comoediae sex). A M. Antonio Mureto locis

prope innumerabilibus emendatus, et lectionum

varietate recens auctus. Editio prioribus accuratior.

Frankfurt, J. Sauer für P. Fischers Erben,

1598. Mit 2 wdh. Druckermarken auf dem Titel

und am Ende und 6 großen Textholzschnitten von

Jost Amman. 16 Bl., 316 S., 1 weißes Bl., 81 S.

Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln

(Schließen defekt, beschabt, bestoßen, fleckig).

(22) 200,-

VD 16 T 498. – Vgl. Becker 72. – Nicht im STC und bei

Adams. – Die 6 Lustspiele des Terenz, hrsg. und kommentiert

vom neulateinischen Dichter M. A. Muret (1525-1585).

– Murets Kommentar erschien erstmals 1555 (Ebert 22489),

die Ammanschen Holzschnitte wurden seit 1574 verwendet;

sie zeigen die Personen der Stücke in einem jeweils

unterschiedlich eingefaßten Oval. – Spiegel und Titel mit

alten Besitzvermerken (teils gestrichen), Unterstreichungen

und einige Interlinearversionen von alter Hand, gebräunt,

fleckig.

287 THOMAS A KEMPIS, Closter Practic. Jetzunder

aber durch A. Neumayr inn unsere Teutsche

sprach gebracht. Thierhaupten, Klosterdruckerei

(J. Wörli), 1597. Mit 11 tls. wdh. ganzseit. Textholzschnitten.

1 nn., 279 num. Bl. Goldgepr. Ldr.

d. Zt. auf Holzdeckeln mit 2 intakten Schließen

(Bezug mit kleiner Fehlstelle, beschabt und bestoßen).

(158) 2.000,-

Erste Ausgabe. – VD 16 T 1034. – Vgl. STC 447 (Ausg.

1598). – Nicht bei Adams. – Gebets- und Erbauungsbuch

für Ordensgeistliche, im STC als „rearrangement“ bezeichnete

freie Bearbeitung von „De imitatione Christi“. Der

Übersetzer, besser wohl Kompilator, war Beichtvater im

Kloster Altomünster. – Seltener Druck aus der von Abt B.

Gaugenrieder 1591 begründeten Klosterdruckerei in Thierhaupten,

die nur bis 1599 bestand und aus der ca. 40 Drucke

bekannt sind. – Die Holzschnitte mit Szenen aus dem

Leben Jesu, dem Leben des hl. Augustinus und dem Klosterleben.

– Fliegender Vorsatz entfernt. – Siehe Abbildung.

First edition. – Prayer and devotional book for monks in

holy orders, free adaptation called „rearrangement“ at STC

of the „De imitatione Christi“. The translator, or better compilator,

was confessor at the Altomünster monastery. – Rare

issue from the monastery printing office at Thierhaupten

founded by abbot B. Gaugenrieder in 1591, this press existed

only until 1599 and about 40 printings are known. – The

woodcuts with scenes from the life of Christ, the life of

St Augustine and monastic life. – Fly-leaf removed. – Contemporary

gilt stamped calf over wooden boards with

2 working clasps (cover material with small defect, scratched

and scuffed). – See illustration.


288 TOLOMEI, C., De le lettere libri sette. Venedig,

Bonelli, 1576. Mit Holzschnittkarte im Text. 8 nn.,

287 num., 1 nn. Bl. Pgt. d. Zt. (beschabt und bestoßen).

(49) 300,-

EDIT 16 CNCE 26363. – Vgl. Gamba 993. – Nicht im STC

und bei Adams. – Spätere Ausgabe des Briefstellers, dessen

Musterbriefe mitunter zu umfangreichen Essays ausufern.

Wichtig für das Verständnis der Renaissance-Briefkultur. –

Mit hs. Besitzvermerk auf Vorsatz und Titel, dieser am

unteren Rand beschnitten (kein Textverlust), gebräunt und

etw. fleckig.

289 TORQUATUS, A., Weyssagung des hochberumbten

Astrologi vo(n) verenderung der vornembsten

Reich der gantzenn Welt. (Erfurt, M.

Maler), 1535. 4°. 4 Bl. Mod. Umschlag. (69) 600,-

VD 16 T 1581. Von Hase 596 b. – Vgl. Zinner 1614 und

1615. Thorndike V, 179. Knappich 225. – Eine von drei

deutschsprachigen Ausgaben von „De reversione Europae

prognosticum“ aus dem Jahr 1535. – Titel mit altem Be -

sitzvermerk in Tinte und Feuchtigkeitsspur, leicht fleckig. –

Selten.

290 (TORRENTINUS, H.), Elucidarius carminum et

historiarum. Vel vocabularius poeticus. Una cum

vocabulis communibus Saracenorum in latinum

translatis. Hagenau, H. Gran für J. Rynman, 1510.

4°. 60 Bl. Mod. Ldr. (54) 500,-

STC 865. VD 16 T 1596. Adams T 818. Benzing, Hagenau,

23, 100. – Noch frühe Ausgabe (EA 1498), in zahlr. Bearbeitungen

und Übersetzungen bis ins 17. Jahrhundert

erschienen. – „Der erste Versuch eines historischen Wörterbuchs“

(ADB II, 245). Behandelt neben lateinischen auch

griechische und hebräische Begriffe. Besonders bemerkenswert

sind das lateinisch-türkische Verzeichnis „Vocabula

Saracenorum“ sowie der kurze Abschnitt „De oleribus &

ge(m)mis“ am Schluß. – Torrentinus (eigentlich van der

Beke), von seinen Zeitgenossen gerühmt, lehrte an der

Schule der Brüder des gemeinsamen Lebens in Groningen

(vgl. Bietenholz-D. III, 331). – Etw. fleckig.

291 – Elucidarius carminum et historiarum. Vel vocabularius

poeticus. Una cum vocabulis communibus

Saracenorum in latinum translatis. Straßburg,

R. Beck, 1516. 4°. 60 Bl. Mod. Pp. (54) 500,-

VD 16 T 1604. Ritter 2343. Schmidt IV, 23, 24. Muller 229,

29. – Diese Ausgabe nicht im STC und bei Adams. – Die

schöne Titelbordüre mit dem lüsternen Alten taucht in

mehreren Straßburger Drucken auf. – Ganz leicht gebräunt.

292 VILLANI, M., Istorie. Che continua quelle di

Giovanni suo fratello. Florenz, Giunta, 1581. 16 Bl.,

560 S., 22 Bl. Spät. Pgt. mit Rsch. (beschabt und

bestoßen). (49) 300,-

STC 726. EDIT 16 CNCE 28497. Lozzi 1958. – Vgl.

Gamba 1030. – Nachdruck der Ausgabe 1577. – Stellenw.

stärker fleckig. – Exlibris.

Alte Drucke und alte Theologie 79

293 VINCENTIUS (FERRER), Sermones de sanctis.

Eisdem denuo summa cura per Damianum Diaz

recognitis. Antwerpen, Ph. Nuyts, 1570. Mit

Druckermarke auf dem Titel. 10 Bl., 580 S.

Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. auf Holzdeckeln

(1 Schlie ße fehlt, bestoßen, fleckig). (158) 250,-

Spätere Ausgabe, bibliographisch von uns nicht nachweisbar.

– Vgl. LThK X, 630 f. – Der heilige Vincentius Ferrer

(um 1350-1419) zählt zu den größten Bußpredigern des

Mittelalters. – Titel mit altem Besitzvermerk, die beiden

letzten Bl. der Tabula nach S. 578 verbunden, S. 480/81 verklebt,

Schnitt fleckig und am Fuß gestempelt, wenige alte

Marginalien und Unterstreichungen, gebräunt.

DAZU: DERS., Sermones hyemales. Auctoris vitam in

fronte libri praefiximus. Ebda. 1570. Mit Druckermarke auf

dem Titel. 16 Bl., 752 S. – Beiliegen der Catechismus Romanus

in der bei Plantin 1572 erschienenen Ausgabe und der

erste Bd. der Conciones de tempore et sanctis des Ludovicus

Granatensis, Plantin-Moretus 1597.

294 – Ain wunderbarlich Büechlin und prophecej ...

von den letsten zeitten und dem endt der welt,

Newlich durch ain Gotseligen der Kirchen liebhaber,

gaistlichem und weltlichem Standt zu ainer

bösserung, verteütscht unnd in druckh geben.

O. O., Dr. und J. (München, A. Schobser, 1540).

4°. 24 Bl. Ohne Einband. (50) 200,-

Erste Ausgabe dieser deutschen Übersetzung. – STC

(Suppl.) 65 (dat. ca. 1545?). VD 16 (+ Abt. III App.) V 1210.

– Vgl. LThK X, 630 f. – Zweite von drei bekannten deutschen

Übersetzungen des „Mirabile Opusculum“ von Vincentius

Ferrer. – Etw. fleckig, unbeschnitten.

295 VITRUVIUS (POLLIO, M.), I dieci libri dell'

architettura, tradotti et commentati da Monsig.

D. Barbaro. Venedig, F. de' Franceschi, 1584. 4°.

Mit breiter Titelbordüre, 2 gefalt. Holzschnitt-

Tafeln (in Pag.) und zahlr. Textholzschnitten. 4 Bl.,

505 (recte 507) S. Beschäd. Ldr. d. Zt. (4) 800,-

STC 735. Adams V 918. EDIT 16 CNCE 28172. Fowler

413. Cicognara 720. Mortimer 549, Anm. Ebhardt 73, Anm.

Riccardi I/2, 615. – Dritte Ausgabe der Übersetzung Barbaros.

– „A reprint of the edition in Italian of Venice, 1567,

with reworked plates. The woodcut border of the title page

is the same as that used in the Venice 1565 quarto edition of

Alberti“ (Fowler). – Die beiden Falttafeln in der Paginierung

jeweils als eine Seite gezählt. – Titel mit Einriß, die

erste Lage im Falz restauriert, Unterstreichungen und Marginalien

mit Tinte, einzelne Tafeln knapp beschnitten, stellenw.

leicht gebräunt und etw. fleckig. – Siehe Abbildung.

Third edition of Barbaro's translation. – Title with tear, first

quire restored at guard, underlinings and marginalia in ink,

some plates closely trimmed, here and there slightly browned

and a little soiled. – Contemporary damaged calf. – See illustration.


80

Nr. 295

296 VITRUVIUS POLLIO, M., Zehen Bücher von

der Architectur und künst lichem Bawen verteutscht

durch D. Gualtherum H. Rivium (W. H.

Ryff). Basel, S. Henricpetri, (1575). Fol. Mit

Druckermarke am Ende und ca. 190 Textholzschnitten

von G. Pencz, P. Flötner, V. Solis und

H. Brosamer. 18 Bl. (letztes weiß), 681 S., 1 Bl.

Schweins ldr. d. Zt. auf Holzdeckeln mit Rollenstempeln

und intakten Schließen (minimale Al -

ters spuren). (91) 8.000,-

Zweite deutsche Ausgabe der Ryffschen Übersetzung (EA

Nürnberg 1548). – VD 16 V 1766. Benzing, Ryff, 186.

Ebhardt 73. Ornamentstichslg. Berlin 1811. Fowler 412.

Riccardi I/2, 615, 1/22. – Vgl. Kruft 187 und Abb. 34. –

Nicht im STC, bei Adams und Millard. – Das berühmteste

Architekturbuch des Altertums behandelt neben der eigentlichen

Baukunst auch Gegenstände der Technik, z. B. die

sog. Eimerkunst, das „Tympanon“ (zur Wasserbeförderung),

Getreidemühlen, Wasserorgel, Thermalquellen, Wagen zum

Wegemessen, Sonnenuhren, bautechnische Hilfsmittel und

Gefäße und Röhren zur Verstärkung der Schauspielerstimmen.

– Nur stellenw. ganz unbedeutend fleckig, einige

Randglossen in feiner roter Tintenschrift (Inhaltsangaben),

insgesamt sehr schönes und dekorativ gebundenes Exemplar

aus der Bibliothek Carl Heideloff (gestoch. Exlibris;

Warnecke 792). – Siehe Abbildung Tafel 7.

Second German edition of the translation by Ryff (first edition

Nuremberg 1548). – Only here and there minor soiling,

some marginal notes in fine red letters in ink (summaries),

altogether very beautiful copy in a decorative binding from

the library of Carl Heideloff (engraved exlibris; Warnecke

792). – Contemporary pigskin over wooden boards with

roll-stamps and intact clasps (minor signs of wear). – See

illustration on plate 7.

Alte Drucke und alte Theologie

Nr. 297

297 – Zehen Bücher von der Architectur und künst -

lichem Bawen. Verteutscht durch G. H. Rivium.

Jetzt aber an vilen Orten verbessert. Basel, S. Henricpetri,

(1614). Fol. Mit Druckermarke am Ende

und zahlr. tls. ganzseit. Textholzschnitten von

G. Pencz, P. Flötner, V. Solis und H. Brosamer.

16 Bl., 613 S., 1 Bl. Pgt. unter Verwendung eines

spätmittelalterlichen Manuskripts. (4) 1.500,-

STC V 470. Benzing, Ryff, 188. Ebhardt 74. Ornamentstichslg.

Berlin 1812. Fowler 412, Anm. Riccardi I/2, 616,

1/26. – Vgl. Kruft 187 und Abb. 34. – Vierte und letzte Ausgabe

der Ryffschen Übersetzung (EA Nürnberg 1548). –

Titel mit Besitzvermerk des Münchner Augustinerklosters

von 1731, einzelne Bl. mit restaurierten Eckausrissen (kein

Textverlust), ein Holzschnitt bis zum Bildrand beschnitten,

am Beginn und Ende einzelne Kritzeleien, kleine Wurmspuren,

stellenw. wasserrandig und gebräunt. – Siehe Abbildung.

Fourth and last edition of Ryff's translation (first edition

Nuremberg 1548). – Title with ownership entry of the

Munich Augustinian monastery of 1731, some leaves with

restored corner tear-outs (not affecting text), one woodcut

cropped up to plateline, a few scribblings at the beginning

and the end, minor worming, here and there waterstained

and browned. – Vellum by using a late medieval manuscript.

– See illustration.

298 VITRUVIUS POLLIO – POLENI, G., Exercitationes

Vitruvianae. 3 Tle. in 1 Bd. Padua, Manfrè,

1739-41. Fol. Mit ganzseit. Textkupfer und 4

ge stoch. Kopfvign. von A. Visentini sowie zahlr.

(tls. ganzseit.) Textholzschnitten. 2 Bl., 360 S. Pgt.

d. Zt. mit Rsch. (49) 1.000,-


Fowler 250: „An important early critical and bibliographical

work.“ Riccardi I/2, 295, 28: „Bella edizione.“ Ebhardt

78. Cicognara 612. – Kaum fleckig. – Mod. Exlibris. – Siehe

Abbildung.

299 (ZACCHIA, L.), Lettere del gran Mahumeto

imperadore de' turchi. Ridotte nella volgar lingua da

Lodovico Dolce. Venedig, G. Giolito de' Ferrari,

1563. Mit Druckermarke auf dem Titel. 192 S.

Flex. Pgt. d. Zt. (etw. fleckig). (56) 600,-

Zweiter Druck der ersten italienischen Ausgabe. – STC 455

(unter Muhammad II.). EDIT 16 CNCE 26436. Bongi II,

163 Anm. Schefer 2570. Göllner 1047. Blackmer 955. –

Fingierte Türkenbriefe des Johanniters Laudivio Zacchia

Vezzanese, in zahlreichen Drucken in lateinischer Sprache

seit 1472 verbreitet (vgl. Göllner 26). – Titel mit kleinen

Fehlstellen (hinterlegt) und altem, hs. Besitzvermerk, leicht

gebräunt, fleckig.

300 KONVOLUT – 9 alte Drucke und Drucke klassischer

Autoren in 9 Bdn. Rückgänge aus der

Sammlung Kemp aus unserer Auktion 60. 1520-

1721. Einbände d. Zt. (Gebrauchsspuren). (71)

600,-

139 (Bonaventura, 1611), 145 (Camillo, 1552), 151 (Claudianus,

1602), 152 (Claudianus, 1650), 156 (Cyprianus,

1690), 172 (Epistola de non apostolicis quorundam moribus,

1520), 181 (Estienne, 1581), 262 (Manuzio, 1721) und

331 (Valla, 1543). – Altersspuren.

Alte Drucke und alte Theologie 81

Nr. 298

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82

Nr. 329


Nr. 312

301 BUCHHOLZSCHNITTE – PFINZING, M.,

Theuerdanck. 7 Textblätter mit 9 Holzschnitten

(Bildgr.: ca. 15,5 x 13,5 cm) aus der 3. Ausgabe.

Augsburg, H. Steiner, 1537. Blattgr.: Ca. 28 x 18,5

cm. Unter Passepartouts. (72) 300,-

VD 16 M 1652. – Blätter XXV, XXXVI-XXXVIII, XLI,

XLII und LXV. – Ein Bl. mit kleinem, geklebten Einriß,

etw. wasserrandig, leicht gebräunt.

302 – SAMMLUNG von ca. 25 Blättern aus meist

deutschen Drucken des 16. Jhdts. Verschied. Formate.

Tls. unter Passepartout. (91) 600,-

Sechs Blätter mit je zwei ganzseitigen Textholzschnitten

(Waffen und militärische Geräte) aus: Vegetius Renatus, De

re militari (vier aus der Ausgabe Erfurt 1511; VD 16 V 465).

– Sechs Blätter mit je einem großen Textholzschnitt aus:

Einzelblätter

Vergil, Opera, Venedig 1522 (Adams V 470). – Drei alt kolor.

Tafeln aus H. Weigels Trachtenbuch, Nürnberg 1577 (VD

16 W 1487). – Ein Blatt („Abentdantz“) aus Rüxners Turnierbuch

(Simmern 1530; VD 16 R 3541). – Ein großer

Holzschnitt aus H. Schäuffeleins „La danse des noces“ (um

1535; Hollstein 82). – Ein Blatt mit Textholzschnitt aus

J. Adelphus, Barbarossa, Straßburg 1520/30 (Kristeller

177 oder 207). – Weiterhin ein großer Wappenholzschnitt

(Löffelholz von Kolberg) und sechs meist kleinere Blätter.

– Etw. gebräunt und stellenw. leicht fleckig, geringe Ge -

brauchsspuren.

303 EINBLATTDRUCKE – „ALA MODO MON-

SIERS. Die Newe umbgekehrte Welt.“ Einblattdruck

mit Kupferstich (ohne den beweglichen

Teil) und dreispaltigem typographischen Text.

O. O., Dr. und J. (Nürnberg? um 1630). Blattgr.:

35,2 x 27,2 cm. (104) 500,-

83


84

Nr. 303

Paas P-1227. Harms I, 119. Coupe 10. – Ein für die Alamode-Thematik

geradezu prototypisches Beispiel, „in dem

die Gegenüberstellung der alten und neuen Mode anhand

ihrer Vertreter geboten wird. Dabei versinnbildlicht ein als

Bild- und Differenzachse fungierender, auf dem Kopf stehender

Gaukler die umgestülpte Welt. Er spricht von seiner

Freiheit, sich die Welt vorzustellen, wie er allein es für

richtig halte und impliziert mit dem Spruch, 'unser sein

zween', den er zum Stutzer hin richtet, dessen Komplizenschaft.

Der 'Engeländischen' Begleiterin des Stutzers ist

zwischen ihre Beine, unter einem klapparen Rock ein Affe

gesetzt, der sein Hinterteil entblößt“ (J. Münkner, Eingreifen

und Begreifen, Berlin 2008, S. 106, Anm. 183). – Zur

zweifelhaften Angabe des Textautors „Caspar Uttenhovius“

vgl. bei Harms. – Es fehlt die bewegliche Rockschürze. –

Tls. bis in die Einfassungslinie beschnitten, Falze stellenw.

hinterlegt, rückseitig alte Notizen und Montagespuren, etw.

knittrig, gebräunt und fleckig. – Siehe Abbildung.

304 – AUGSBURG – CONFESSIO AUGUSTANA

– „Triumphus Augustanae confessionis Jubilaeus

primus ... Anno 1630 ... Das Erste Freuden- und

Heilreiche Jubelfeste Augspurgischer Confession

... Im Jar Christi 1630“. Einblattdruck mit großem

Kupferstich (30 x 37 cm) und vierspaltigem typographischen

Text. O. O., Dr. und J. (Augsburg

1630). Blattgr.: 44 x 37,9 cm. (50) 300,-

Jantz 3309. Drugulin II, 1846. Marsch 52 (S. 66). Paas

P-1256. Harms IV, 167. – Das große, eindrucksvolle Flugblatt,

zum einhundertjährigen Jahrestag der Augsburger

Konfession erschienen, thematisiert Verteidigung und

Triumph des evangelischen Glaubens in drastischer Weise.

Marsch vermutet die Entstehung auf Grund bestimmter

Bildinhalte allerdings erst nach dem Fest. – Linke obere

Ecke mit großem restaurierten Ausriß (minimaler Darstellungsverlust),

kleine Quetschfalte in der Bildmitte, linker

Rand knapp beschnitten, aufgezogen, leicht fleckig und ge -

bräunt. – Siehe Abbildung.

Einzelblätter

Nr. 304

305 – BAYRISCHER HIASL – „Transport des Matthias

Klostermayrs, oder Bayerischen Hießels ...

in das gemeinschaftliche Zuchthauß zu Buchloe

...“ Einblattdruck mit großer Radierung (21,9 x

37,8 cm) und typographischem Text. Augsburg,

Rugendas, o. J. (1771?). Blattgr.: 28,8 x 43,7 cm.

(50) 200,-

Drugulin 4901. Hayn, Vier neue Curiositäten-Bibliographieen,

25. – Sehr seltenes Einzelblatt mit der Ankunft des

„Hiasl“ im Gefängnis von Buchloe, wo er bis Mitte Februar

bleiben sollte, entstanden vielleicht unmittelbar unter

dem Eindruck der Ereignisse um seine Verhaftung. – Der

Verleger Johann Georg Lorenz Rugendas d. Ä. dürfte auch

der Stecher der sehr detailreichen, im Figurenstil fast schon

karikierenden Darstellung sein. – Partienweise laienhaft alt

ankoloriert, mit einigen restaurierten Schäden auf dünnes

Papier aufgezogen, mehrere kleine Wurmlöcher, berieben,

fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung Seite 86.

306 – – Folge von 5 alt ankolor. Einblattdrucken

(Kupferstichen) mit Episoden aus dem Leben des

Räubers Matthias Klostermayer, genannt „Bayrischer

Hiasl“. Augsburg, Will, o. J. (ca. 1771/75).

Verschied. Querformate. (50) 500,-

Drugulin 4900. Hayn, Vier neue Curiositäten-Bibliographieen,

20 und 26: „Sehr selten!“ (tls. mit anderen Blättern).

– Fünf Blätter einer unter dem Titel „Ausführliche Relation“

beim Augsburger Verleger Johann Martin Will um

oder bald nach 1771 erschienenen Folge über die Untaten

und die Verhaftung des Bayerischen Hiasl im Januar des

Jahres 1771. Da die bei Hayn aufgeführten Blätter nur zum

Teil mit unseren übereinstimmen, ist von einer größeren

Serie auszugehen. In ihrem ganzen Umfang liegt diese

Folge vielleicht in dem einzigen über den KVK nachweisbaren

Exemplar vor (München, Bayerisches National museum,

mit zwölf Blättern). – Hier vorhanden: I. „Mat-


thäus Klostermayer oder der so genannte Bayerische Hiesel.“

– II. „Verwegne That des Berüchtigen Bayrischen Hiesel

nebst seinen Cammeraden, welche unweit Augspurg auf

einem Dorf vormittag zwischen 9. und 10. Uhr den

14. Dezbr. 1770. Frevelhaffter Weiss in ein Haus eingefallen

...“ – III. „Die Gefangennehmung des Bayrischen Hiesel,

samt 9 seiner Cameraden in Osterzell 12. Stund ober Augs -

purg d. 14. Ian. 1771.“ – IV. „Anrede des Bubens nach der

Gefangennehmung an den Bayerischen Hiesel in Osterzell,

den 14. Januarii früh zwischen 7. und 11. Uhr 1771“. –

V. „Transport des Bayrischen Hiesel ... von Buchlo nach

Dillingen ... den 13. 14. und 15. Hornung 1771.“ – Ein Bl.

mit Ausriß am Rand des Textes (geringer Buchstaben verlust),

knapp beschnitten, etw. knittrig, rückseitig Montage spuren,

berieben, fleckig und gebräunt. – Siehe Abbildung

Seite 87.

307 – BERUFE – FLASCHNER – NÜRNBERG –

„Anfang der Flaschner Handwercks Zeichen

Anno 1663.“ Einblattdruck (Kupferstich). O. O.,

Dr. und J. (Nürnberg 1663-1734). Plattengr.:

22,2 x 35,2 cm. – „Fortsetzung der Flaschner

Handwerks Zeichen von Anno 1663 bis 1767.“

Einblattdruck (Kupferstich). O. O. (Nürnberg),

P. Küffner, 1727-1803. Plattengr.: 27,1 x 35,7 cm. –

„Fortsetzung ... von Anno 1663 bis 1815“. Einblattdruck

(Kupferstich von A. Meixner). O. O.

und J. (Nürnberg 1768-1815). Plattengr.: 27,2 x

36 cm. (50) 300,-

Müller, Verzeichnis von Nürnbergischen topographischen

Kupferstichen, Nürnberg 1791, S. 167 (alle drei Blätter). –

Äußerst seltene, über den KVK nicht nachweisbare Stiche

mit der Auflistung aller Nürnberger Flaschner-Meister von

1615 bis 1815. In jeweils vier Spalten angeordnete Listen

mit dem Namen des Meisters, seinem Zeichen und dem

Datum der Meistergerechtigkeit. Die Platten wurden offenbar

mehrfach ergänzt, erkennbar an den unterschiedlichen

Schriften, auf dem zweiten Blatt nennt sich der Stecher der

Continuatio, Joseph Kellner, mit Datum 1767. Dies erklärt

auch die Feststellung von Müller: „Auf einigen Abdrücken

finden sich einige Zeichen mehr, als auf andern.“ – Interessant

vor allem das ältere Blatt, auf dem einige Mitglieder der

Familie Pachelbel verzeichnet sind, darunter Johann Pachelbel

(1613-1677), der Vater des Komponisten, der Weinhändler

(daher das Zeichen der Weintraube) und Flaschner

gewesen ist (Eintrag unter der Jahreszahl 1639). – Ränder

etw. fleckig und mit einzelnen Läsuren; leicht gebräunt. –

Aus der Sammlung Hans Hopf (Rückseiten gestempelt).

308 – BRAUNSCHWEIG – KARL V., RÖMISCH-

DEUTSCHER KAISER, Mandat des kaiserlichen

Kammergerichts gegen den Landfriedensbruch

des Schmalkaldischen Bundes. Einblattdruck

mit großer Holzschnitt-Initiale. Speyer,

14. 7. 1542. Qu.-Fol. (33,5 x 41,7 cm). (65) 300,-

Seltener Einblattdruck, nicht bei Knaake, Kuczynski, in den

Flugschriftensammlungen und bei Hinz, Brauschweigs

Kampf um die Stadtfreiheit. – Gegen die Fürsten des

Schmalkaldischen Bundes und die Stadt Braunschweig

gerichtetes Mandat auf Grund von deren Anwerbung von

Truppen nach Herzog Heinrichs Überfall auf die Städte

Goslar und Braunschweig. – Auf dem vollen, unbeschnittenen

Bogen, leichte Faltspuren.

Einzelblätter 85

Nr. 309

309 – CHRISTIANA DI SANTACROCE –

FLORENZ – „Santa Christiana da Santa Croce“.

Einblattdruck (Kupferstich) mit großer Darstellung

in der Mitte (28,3 x 20,5 cm), umgeben von

18 kleinen Rundbildern und gestoch. Schrift von

D. del Falcino nach S. Stradano. O. O., Dr. und

J. (Florenz, ca. 1590). Blattgr.: 50 x 36 cm. (104)

600,-

Von großer Seltenheit, von uns nur ein Exemplar in der

Biblioteca Marucelliana in Florenz nachweisbar. – Nicht bei

Piazzi (Werkkatalog Falcino, Siena 1985). – Prachtvolle, der

Großherzogin der Toskana, Christine von Lothringen

(1565-1636, Großherzogin ab 1589) gewidmete Tafel mit

Szenen aus dem Leben ihrer Namenspatronin. Das Blatt

wurde im Auftrag des Augustiner-Eremiten Onorio

Martini aus S. Croce di Valdarno nach einer Zeichnung des

Scipione Stradano (eigentlich: van der Straet; 1536-1605)

angefertigt. Über diesen Künstler weiß man fast nichts, er

wird in den gängigen Lexika nicht erwähnt. Wahrscheinlich

war er ein Bruder des Giovanni Stradano (Jan van der Straet;

1523-1605). Der Auftraggeber Martini hat 1593 eine Vita

der Heiligen verfaßt. Eine zeitlich nahe Entstehung unseres

Blattes zu dieser Schrift ist zu vermuten. – Das Blatt war

offenbar schon im 18. Jahrhundert sehr selten. So wird in

einer 1759 in Florenz erschienenen Vita der Heiligen berichtet,

die Familie Menabuoi habe ein Exemplar in ihrem

Besitz. Dieses wird dort als wichtige Bildquelle für die

Wundertätigkeit der Heiligen ausführlich beschrieben:

„Nella casa Menabuoi di Firenze è stata sempre tradizione,

che essa discenda da S. Croce, e sia della famiglia della beata

Cristiana. Quindi vi si conservava una tavola incisa in rame

rappresentante il passaggio al Paradiso della Beata Cristiana,

e le esequie celebratele nella Chiesa del suo Convento

coll'assistenza delle dieci Monache morte innanzi a lei, e con

gran concorso di popolo. Nel contorno sono diciotto circoli

con inscrizione intorno a ciascheduno; e in questi circoli

sono rappresentate le azioni e i miracoli della medesima


86

Nr. 305

Beata, spiegati nelle dette inscrizioni ...“ (S. LXXXIV ff.). –

Alt auf überstehendes Trägerpapier aufgezogen, bis an den

Rand der Einfassung beschnitten, an der linken unteren

Ecke ein wenig Verlust der Rahmenlinie, leicht gebräunt. –

Siehe Abbildung.

310 EINBLATTDRUCKE – DAMIENS – „Monstre

assassin du roy.“ Einblattdruck (Kupferstich) mit

großer Darstellung und gestoch. zweispaltigen

Text. Augsburg, Steislinger, o. J. (1757). Blattgr.:

33,5 x 32,3 cm. (158) 200,-

Bibliographisch von uns nicht nachweisbar. – Seltenes Flugblatt

über Robert Damiens (1715-1757), der 1757 ein Attentat

auf König Ludwig XV. von Frankreich verübt hatte. Die

Darstellung zeigt Damiens von oben auf dem eisernen Folterbett.

Monströs war nicht die Tat an sich, die den König

nur leicht verletzte, sondern waren die folgenden Torturen

bis zur Hinrichtung durch Vierteilung am 28. März 1757. –

Nur wenige Exemplare nachweisbar (Germanisches Nationalmuseum

Nürnberg, BSB München). – Ränder stellenw.

mit hinterlegten Läsuren, faltig und leicht fleckig.

311 – – „Vorstellung der verruchten That des Mörders

Damien, so er an Ihro Königl. Maj. Ludwig dem

XV. 1757. den 6ten Jenner begangen.“ Einblattdruck

(Kupferstich) mit drei Darstellungen und

gestoch. Text. Augsburg, Will, o. J. (1757). Blattgr.:

20 x 32,3 cm. (158) 200,-

Einzelblätter

Bibliographisch von uns nicht nachweisbar. – Seltenes Flugblatt

über das Attentat auf König Ludwig XV. von Frankreich

durch Robert Damiens (1715-1757), der nach grau -

samen Folterungen am 28. März 1757 gevierteilt worden ist.

Die drei Darstellungen zeigen die Attacke auf den König,

den Gefangenen auf einem eisernen Bett sowie das Tatwerkzeug

und die verschiedenen Stationen der Hinrichtung.

– Bis an die Einfassung beschnitten, etw. knittrig,

leicht wasserrandig und gebräunt.

312 – DIENSTBOTEN – „Der Allamodischer Niemandt

bin ich genandt. Allem Wahrlosen gesind

gar wol bekandt.“ Einblattdruck (Radierung) mit

großer Darstellung und vierspaltigem gestoch.

Text. O. O., Dr. und J. (um 1650). Plattengr.:

25,2 x 32 cm. Unter Passepartout. (104) 600,-

Coupe 57. – Vgl. Harms IV, 10. Brückner 207 (seitenverkehrte

Variante bei Fürst in Nürnberg). – „Das Thema des

personifizierten Niemand, der als der sonst nicht faßbare

Urheber vieler Mängel des Alltags gilt, wird hier relativ

zurückhaltend mit der Kritik am Allamodewesen verbunden.

Der Text ist ein Monolog des Niemand, der seine

Unschuld beteuert. Bei jeder Unzulänglichkeit in einem

Haushalt werde er zum Sündenbock gemacht, und er zählt

auf, an welche Untugenden er hier bei Mägden, Knechten

und Kindern denkt“ (Harms). – Sehr selten, ein weiteres

Exemplar unserer Fassung ist nur im Germanischen Nationalmuseum

Nürnberg nachweisbar (Inv.-Nr. 19785/1293).

– Nicht im VD 17. – Mehrere kleine, restaurierte Löcher

mit geringem Buchstabenverlust, etw. gebräunt. – Siehe

Abbildung Seite 83.


Nr. 306

313 – – „Hierinnen mann befind daß recht loß Haussgesind.“

Einblattdruck (Radierung) mit großer

Darstellung von P. Troschel (32,5 x 20,3 cm) und

dreispaltigem gestochenen Text. O. O. (Nürnberg),

Fürst, o. J. (um 1650). Blattgr. 34 x 26 cm.

(104) 500,-

Drugulin I, 2572. Hampe 282. Thieme-B. XXXIII, 431. –

Sehr schönes und seltenes Blatt mit der Darstellung der Sorgen

eines Hausherren nicht nur mit seinen Dienstboten,

sondern auch der Frau, den Kindern und sogar dem Vieh,

darunter eine gereimte Erklärung, schließend: „Es macht

dem Mann viel Angst und Leyd, Und er verdirbt in kurtzer

Zeit.“ – Über den KVK nicht nachweisbar, nicht im VD 17.

– Ränder mit kleinen Läsuren, kleiner Einriß des Mittel falzes

hinterlegt, geringe Leimspuren im Text, rückseitig minimale

Montagespuren. – Siehe Abbildung.

314 – DREISSIGJÄHRIGER KRIEG – „KURTZER

BERICHT der uhralten weissagung von dem

jtzigen zustandt der gantzen werden Christenheit

...“ Einblattdruck mit Radierung (15,5 x 22,9 cm)

und dreispaltigem typographischen Text. O. O.

und Dr. 1620. Blattgr.: 35 x 24 cm. (104) 350,-

Drugulin II, 1432. Paas P-534. Harms II, 159. Jantz 3183.

Niemetz 90: „Auch in dem Blatt 'Kurtzer Bericht' wird

allein die Societas Jesu für den Kriegszustand in Böhmen

Einzelblätter

verantwortlich gemacht. Dabei präsentiert der Verfasser

seine Geschichtsdeutung als erwartungsgemäß eingetretene

Prophezeiung, deren Ausgang im Scheitern der jesuitischen

Intrigen ebenfalls schon vorausgesagt werden kann.“ –

Knapp, tls. bis in die Bordüre beschnitten, mit einzelnen

kleinen Löchern auf überstehendes Trägerpapier aufgezogen,

leicht fleckig und gebräunt.

315 – – TILLY – „Eigentliche Contrafactur, Wie Kön.

May zu Schweden den alten Corporal Tyllen nach

dem Aprill schicket, und was er ihm für eine Last

zu tragen auffgesacket habe.“ Einblattdruck mit

Kupferstich (15,5 x 22,3 cm) und zweispaltigem

typographischen Text. O. O., Dr. und J. (1632).

(50) 300,-

Seltene Druckvariante. – Drugulin II, 1989. Paas P-1715:

„Anti-Catholic lampoon, in which Count Tilly is depicted

as a vagabond April fool on his way to Rome to seek refuge

there from the Swedes.“ – Paas führt vier Varianten an,

davon eine datierte. Im VD 17 nur die häufigere Fassung

mit Titelbeginn „Wie Königl. Mayst. zu Schweden ...“

(1:090819E). Unsere Fassung demgegenüber auch im

Beschreibungstext geringfügig verändert, der Kupferstich

mit schematischer Ansicht von Rom wohl von anderer

Platte, ebenfalls andere Zierinitiale und Trennungsbordüre

zwischen den Textspalten. – Gefaltet, ein Falz mit restauriertem

Ausbruch (etw. Textverlust), gebräunt und fleckig.

– Siehe Abbildung.

87


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Nr. 313

316 EINBLATTDRUCKE – DREISSIGJÄHRIGER

KRIEG – TILLY – „Wie gewonnen, so zerronnen,

Dieses hat gegenwärtiger armer keyserlicher

Cavallier, Rittmeister Brigrant genandt ... auch mit

grossen Schaden erfahren“. Einblattdruck mit

Radierung (16,1 x 10,7 cm) und zweispaltigem

typographischen Text. O. O., Dr. und J. (1631).

(50) 300,-

Paas P-1466: „Anti-Catholic lampoon about the reversal of

fortune for Tilly's soldiers“. – Spott auf die kaiserliche

Armee nach der Niederlage gegen die Schweden bei Frankfurt

an der Oder. – Paas führt sechs (!) Varianten an, die teils

datiert sind. Die drei Fassungen im VD 17 nicht mit unserer

identisch, ebenso abweichend (u. a. die Radierung seitenverkehrt)

Harms II, 279. – Etw. gebräunt und fleckig. –

Siehe Abbildung.

317 – „ERMANUNG FÜR DIE JUGEND.“ Einblattdruck

mit 3 Reihen zu je 4 Holzschnitten

nach B. Beham und typographischem Text. Basel,

S. Apiarius, o. J. (um 1569). Blattgr.: 37,5 x 25 cm.

(104) 1.200,-

Erste Ausgabe. – HKJL I, Nr. 484 (Abb.). Halle, Newe Zeitungen,

414: „Außerordentlich seltenes und interessantes

Flugblatt.“ Brückner, Populäre Druckgraphik, S. 44 und

Abb 45. Ecker 60. – In vier Reihen mit je vier Strophen und

zwei darübergesetzten Versen angeordnete Bilderfolge.

Eine „Warnung der Jugend vor dem Laster mittels Bild und

Text. Mit den zwölf Bildern von Bettlern werden die Folgen

der verschiedenen Laster vorgeführt, in den Versen darüber

erklären die Figuren selbstkritisch die Ursachen für ihren

Bettlerstatus. Der Reihe nach erscheinen ein ehemaliger

Einzelblätter

Alchimist, einer, der in der Jugend nichts gelernt hat, eine

Buhlerin, einer, der seine Lehre abgebrochen hat, ein Buhler,

eine faule und ungehorsame Magd, ein Spieler, eine

Unehrenhafte, ein Prasser, ein Raufbold, ein Vielfraß und

ein Bettler von Geburt. Die einzelnen Figuren sind durch

eine Linie voneinander getrennt, die Landschaft zieht sich

jedoch über alle vier Bilder des Holzstocks. Dem jugendlichen

Leser wird empfohlen, sich der Armen und Bettler

anzunehmen. Die Holzschnittmotive sind freie Kopien

nach Barthel Behams Holzschnitt der Zwölf Vaganten.“

(HKJL). – Wie alle bekannt gewordenen Exemplare (es

dürften kaum mehr als fünf sein, darunter eines im Germanischen

Nationalmuseum Nürnberg, ein weiteres wurde in

unserer Auktion 34 verkauft) auf die Rückseite eines Korrekturbogens

gedruckt. Dessen Text stammt von den Kapiteln

„Das Testament Isaschar“ und „Das Testament Jude“,

aus „Testament und Abschrift der zwölf Propheten“,

erschienen 1569 in Basel (VD 16 T 584, der Drucker unbekannt;

dieser dürfte allerdings mit dem Drucker unseres

Flugblattes identisch sein, während die Datierung des

Buches wiederum einen Anhaltspunkt zur Datierung des

Flugblattes gibt). Die Zweitverwendung für Korrektur bögen,

die große Seltenheit und die Tatsache, daß es sich bei

den bekannten Exemplaren fast nur um Makulaturblätter

handelt, lassen allein den Schluß zu, daß dieses Flugblatt

nach dem Druck mit einem Verkaufsverbot belegt und die

Auflage bis auf wenige Exemplare vernichtet worden ist,

aus welchen Gründen auch immer. Reske (S. 85) erwähnt

jedenfalls, daß Samuel Apiarius seine „Neuen Zeitungen“

der 1580er Jahre gewöhnlich unter fingierter Adresse oder

anonym erschienen ließ – er hatte offenbar schlechte Erfahrungen

gemacht. – Rechter Rand beschnitten, es fehlen ca.

2,5 cm von Bild und Text, ein ca. 6 cm langer hinterlegter

Einriß, entlang des rechten Rands einzelne kleine Löcher

mit wenig Darstellungsverlust, etw. leimfleckig (Makulatur)

und leicht gebräunt, kleine Randläsuren. – Siehe Abbildung.


Nr. 315

318 – FEUERWEHR – MÄLZEL – „Erstickungs

Wehre Erfunden und ausgeführt von Johann

Maelzel“. Einblattdruck (Kupferstich). O. O.,

Dr. und J. (Wien, Hofdruckerei, 1814). Blattgr.:

37,2 x 46,5 cm. (50) 250,-

Sehr seltener Kupferstich, der eine kaum bekannte Erfindung

Mälzels dokumentiert: Ein Apparat, der Frischluft,

ähnlich wie bei einem Taucher, über Schläuche in eine Be -

atmungsmaske preßt, ermöglicht es Feuerwehrleuten, die

Brandbekämpfung auch in unbelüfteten Räumen wie Kellern

vorzunehmen. Die Erfindung sollte in dem vorliegenden

Kupferstich wohl noch vor der Reihenproduktion des

Apparats bekannt gemacht werden, hat aber offenbar weder

Verbreitung noch Wirkung erlangt, vielleicht aufgrund

technischer Unzulänglichkeit. Erfolge feierte Mälzel zu dieser

Zeit mit seinen Musikautomaten und in der Zusammenarbeit

mit Beethoven. – Zu diesem Kupferstich sind

auch ein typographisches Erklärungs- und ein Titelblatt

erschienen („Beschreibung der von Johann Melzel erfundenen

Erstickungs-Wehre“); in dieser Form über den KVK in

einem Exemplar in der ÖNB in Wien nachweisbar. – Ränder

mit minimalen Läsuren, Faltspuren, gering gebräunt. –

Siehe Abbildung.

319 – FÜNF SINNE – „ANBILDUNG der Aeusserlichen

fünf Sinnen, die sich an dem (Menschen

befinden).“ Einblattdruck (Radierung) mit großer

Darstellung und zweispaltigem gestochenen Text.

O. O. (Nürnberg), Fürst, o. J. (ca. 1630). Blattgr.:

31,4 x 38,2 cm. (61) 300,-

Hampe 229. – Überaus seltenes, prachtvolles Blatt in kräftigem

Abdruck. – Die Sinne, dargestellt anhand von Liebespaaren

unterschiedlichen Alters, mit der moralischen

Deutung im Text, daß die Sinneswahrnehmung letztlich der

Einzelblätter 89

Nr. 316

Erkenntnis Gottes dienen solle. In der Mitte ein Reichs apfel

(Symbol irdischer Macht?), davor die Philosophen Heraklit

und Demokrit. – Ein ähnliches Nürnberger Blatt verzeichnet

Drugulin (I, 762) mit Stechersignatur G. Scherer, datiert

um 1660. – Nicht im VD 17, von uns kein weiteres Exemplar

nachweisbar. – Bis an die Einfassung beschnitten, rech -

te obere Ecke mit großem, restaurierten Eckabriß (hs. er -

gänzt, Verlust von Schraffur und den letzten beiden

Wörtern des Titels). – Siehe Abbildung.

320 – GRAZ – „Abbildung der Vornehmen Vestung

und Statt Graetz in der Steyermarckt. 1667.“ Einblattdruck

(Radierung) mit großer Darstellung

(24,5 x 37,6 cm) und gestoch. zweispaltigen Text.

O. O. (Nürnberg), Fürst, (1667). Blattgr.: 29,6 x

38,2 cm. (104) 400,-

Hampe 165. Drugulin I, 59. – Nicht bei Fauser und im VD

17. – Leicht veränderter Nachstich der Grazansicht in

Vogelperspektive aus der Österreich-Topographie von

Matthäus Merian, wobei eine ältere Platte mit neuer Titelei

versehen worden ist (deutlicher Unterschied in der Ab -

druckstärke). – Knapp, rechts auch bis in die Darstellung

beschnitten, stellenw. hinterlegt, etw. knittrig, leicht ge -

bräunt und fleckig. – Selten.

321 – GRÖNLÄNDER IN NÜRNBERG – „Die

ohnlängst in Nürnberg befindlichen und nach der