UMWELTBERICHT 2012 Gesamt - Bruchsal

bruchsal.de

UMWELTBERICHT 2012 Gesamt - Bruchsal

UMWELTBERICHT

2012

Stadt Bruchsal


Impressum

Herausgeber:

Stadt Bruchsal

Projektgruppe „Umweltbericht“:

Projektleitung: Prof. Dr. Ing. Hartmut Ayrle

Projektgruppe: Cornelia Füg, Alex Geider, Dorit Helms, Renate Korin,

Leif Pötzsch

weitere Autoren: Michael Durst, Beate Seilnacht

Redaktion und Koordination:

Stadtplanungsamt, Umweltstelle

Renate Korin

Am Otto-Oppenheimer-Platz 5

76646 Bruchsal

Tel. 07251 / 79702

Fax 07251 / 7911702

Email Stadtplanungsamt@Bruchsal.de

Druck:

printeam

Kaiserstr. 8

76646 Bruchsal

Gedruckt auf 100% Recyclingpapier

Bildnachweis:

Titelseite

Obergrombach, Kernstadt Bruchsal, Untergrombach (F. Adler)

Büchenau, Heidelsheim (Presseamt, Stadt Bruchsal)

Helmsheim (Bruchsaler Tourismus, Marketing und Veranstaltungs GmbH)

Der Bericht wurde am 25.06.2013 vom Gemeinderat der Stadt Bruchsal beschlossen.

Nachdruck – auch auszugsweise – ist nur unter Quellenangabe gestattet.

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Gliederung Umweltbericht 2012

Inhaltsübersicht

Seite

Vorwort 6

1. Einleitung 7

2. Der Untersuchungsraum Bruchsal 9

2.1 Allgemeine Daten 9

2.2 Der Naturraum 10

2.3 Historische Entwicklung der Kulturlandschaft 10

3. Naturschutz/Biologische Vielfalt 12

3.1 Einführung 12

3.2 Schutzgebiete 12

3.3 Naturschutzschwerpunkte in Bruchsal 13

3.4 Wald 14

3.5 Rechtliche Rahmenbedingungen 15

Ziel: Förderung und Erhalt der biologischen Vielfalt 16

Indikator 3a: Anteil der Natura 2000-Flächen in % an der Gesamtfläche

der Stadt Bruchsal im Vergleich zur Landesfläche 16

Ziel: Förderung und Erhalt der biologischen Vielfalt 17

Indikator 3b: Schutzbemühungen für eine seltene Tier- oder Pflanzenart

am Beispiel des Eichenheldbocks 17

4. Boden 18

4.1 Einführung 18

4.2 Flächenverbrauch 19

4.3 Bodenbelastung 21

4.4 Versiegelte Flächen 22

4.5 Baulücken 22

4.6 Flächenentwicklung 23

4.7 Rechtliche Rahmenbedingungen 24

Ziel: Schonender Umgang mit der nicht erneuerbaren Ressource Boden 25

Indikator 4a: Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche 25

Indikator 4b: Siedlungsdichte – Einwohnerzahl im Bezug auf Siedlungsund

Verkehrsfläche 25

5. Wasser 27

5.1 Einführung 27

5.2 Oberflächengewässer 28

5.2.1 Fließgewässer 29

5.2.2 Stillgewässer 33

5.3 Trinkwasser 35

5.4 Wasserverbrauch und Wassersparen 35

5.5 Abwasser 37

5.6 Rechtliche Rahmenbedingungen 39

Ziel: möglichst geringe Trinkwasserentnahme 41

Indikator 5a: Wasserverbrauch Gesamtstadt in Liter pro Einwohner und Tag 41

Indikator 5b: Wasserverbrauch städtische Liegenschaften in m³ 42

Ziel: möglichst geringes Abwasseraufkommen 43

Indikator 5c: Abwasseraufkommen und Reinigungsleistung

Kläranlage Bruchsal 43

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6. Luft und Lärm 45

6.1 Luft 45

6.1.1 Einführung 45

6.1.2 Grenzwerte für Luftschadstoffe 46

6.1.3 Überwachung der Luftqualität in Baden-Württemberg - Messnetze 47

6.1.4 Überwachung der Luftqualität in Bruchsal 48

6.1.4.1 Emissionen in Bruchsal 49

6.2 Lärm 50

6.2.1 Einführung 50

6.2.2 Lärmbetroffenheit 50

6.2.3 Lärm und Gesundheit 51

6.2.4 Grenzwerte für Lärmarten 51

6.2.5 Umgebungslärmkartierung 52

6.2.6 Straßenlärm 55

6.2.6.1 Allgemeines 55

6.2.6.2 Mautausweichverkehr, Maßnahmen gegen Straßenlärm in Bruchsal 56

6.3 Rechtliche Rahmenbedingungen 57

Ziel: möglichst niedrige Luftverschmutzung 58

Indikator 6a: Jahresmittelwerte des Luftschadstoffes Stickstoffdioxid (NO 2 ) 58

Ziel: Möglichst niedrige Lärmbelastung 59

Indikator 6b: Lärmbelastete Einwohner an Hauptverkehrsstraßen und

Haupteisenbahnstrecken 59

7. Verkehr und Mobilität 61

7.1 Einführung 61

7.2 Fußgängerverkehr 62

7.2.1 Einführung 62

7.2.2 Fußgängerverkehr in Bruchsal 62

7.3 Radverkehr 63

7.3.1 Einführung 63

7.3.2 Radverkehr in Bruchsal 63

7.3.2.1 Kennzahlen der Fahrradnutzung 65

7.3.2.2 Fahrradabstellanlagen 66

7.3.2.3 Schulwegsicherung und Schulwegpläne 67

7.3.2.4 Verkehrssicherheit und Verkehrserziehung 67

7.3.2.5 Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit 68

7.3.3 Serviceleistungen 68

7.3.4 Rechtliche Rahmenbedingungen 68

Ziel: Verringerung des motorisierten Individualverkehrs 69

Indikator 7a: Beförderungsfälle im ÖPNV in Bruchsal 69

Indikator 7b: Zahl der Beschäftigten der Stadtverwaltung Bruchsal, die

den ÖPNV für die Strecke Wohnung – Arbeitsstelle

nutzen (Jobticket) 70

Ziel: Fahrzeuge mit möglichst geringem Schadstoffausstoß 72

Indikator 7c: KFZ-Bestand nach Feinstaubplakette, Stadtverwaltung 72

Ziel: Verringerung des motorisierten Individualverkehrs /

Fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt 73

8. Energie und Klimaschutz 75

8.1 Einführung 75

8.2 Klimawandel und Klimaschutzpolitik 77

8.3 Kommunen als umsetzende Akteure der Energiewende 79

8.3.1 Flächenausweisung für Windenergieanlagen in Bruchsal 79

8.4 Energieversorgung und Klimaschutzaktivitäten in Bruchsal 80

4


8.5 Rechtliche Rahmenbedingungen 82

Ziel: möglichst niedriger Energieeinsatz 87

Indikator 8a: Energieverbrauch Gesamtstadt Bruchsal 87

Indikator 8b: Energieverbrauch städtische Liegenschaften in kWh pro Jahr 88

Ziel: möglichst geringe CO 2 -Emissionen 90

Indikator 8c: CO 2 -Emissionen Gesamtstadt Bruchsal 90

Indikator 8d: CO 2 -Emissionen städtische Liegenschaften in t pro Jahr 91

Ziel: möglichst hoher Anteil an erneuerbaren Energien 92

Indikator 8e: Erneuerbare Energien Gesamtstadt in Watt pro Einwohner 92

Indikator 8f: Erneuerbare Energien städtische Liegenschaften 93

9. Abfallwirtschaft 94

9.1 Einführung 94

9.2 Abfallentsorgung/-verwertung für Haushalte im Holsystem von 2009 - 2011 in

Zuständigkeit des Landkreises Karlsruhe 95

9.3 Abfallentsorgung/-verwertung 2009 - 2011 für Teilbereiche in Zuständigkeit

der Stadt Bruchsal 96

9.3.2 Einsammeln von wildem Müll 97

9.3.3 Abfallentsorgung/-verwertung im Bringsystem 97

9.3.4. Bedeutung und Ziel der durch die Stadt Bruchsal übernommenen

Aufgaben im Bereich der Abfallentsorgung/-verwertung 100

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein 101

10.1 Einführung 101

10.2 Lokale Agenda 21 in Bruchsal 102

10.3 Schulen 103

10.4 Kindergärten 104

10.5 Vereine, Verbände und gemeinnützige Organisationen 104

Ziel: Möglichst viele und vielfältige Möglichkeiten zum Erwerb von

Kompetenzen im Bereich „Umweltschutz“. 105

Indikator 10a: Zusammenstellung der Möglichkeiten zum Erwerb

von Kompetenzen im Bereich „Umweltschutz“ im

Rahmen der Lokalen Agenda 21 Bruchsal. 105

Indikator 10b: Zusammenstellung der Möglichkeiten zum Erwerb

von Kompetenzen im Bereich „Umweltschutz“ im

Rahmen der schulischen Ausbildung. 108

Indikator 10c: Zusammenstellung der Möglichkeiten zum Erwerb

von Kompetenzen im Bereich „Umweltschutz“ im

Rahmen der Kindergärten. 110

Indikator 10d: Zusammenstellung der Möglichkeiten zum Erwerb

von Kompetenzen im Bereich „Umweltschutz“ im

Rahmen von Vereinen und gemeinnützigen Organisationen. 112

11. Umweltverwaltung 115

11.1 Organisation des Umweltschutzes bei der Stadt Bruchsal 115

11.2 Beschaffungswesen 117

11.2.1 Einführung 117

11.2.2 Beschaffung bei der Stadt Bruchsal 117

12. Zusammenfassung der mittelfristigen Maßnahmenempfehlungen 119

5


Vorwort

Eine intakte Umwelt ist Lebensgrundlage für Menschen,

Pflanzen und Tiere. Dabei spielen nicht nur der Klimaschutz,

die Reinhaltung der Luft und der Gewässerschutz

eine wichtige Rolle, sondern zunehmend auch die

Reduzierung der Lärmbelastung und der Flächeninanspruchnahme.

Ein funktionierender Hochwasserschutz,

eine sorgsame Abfall- und Abwasserbeseitigung sind

ebenso von Bedeutung wie der Erhalt der biologischen

Vielfalt, unbelasteter Böden, intakter Grünbereiche und

vieles mehr.

Da unsere Umwelt nur in einem begrenzten Maß

Störungen und Belastungen verträgt und auch nur über

eine endliche Menge an nicht erneuerbaren Rohstoffen verfügt, sind entsprechende

Maßnahmen zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen wichtig. Hierfür und

zur Reduzierung der Umweltbelastungen wurden in vergangener Zeit umfangreiche

Vorschriften der Europäischen Union und nationale Umweltgesetze erlassen.

Um das Ausmaß der Umweltinanspruchnahme durch den Menschen einschätzen

und daraus Handlungsempfehlungen ableiten zu können, bilden Daten zu den verschiedenen

Umweltbereichen eine wichtige Grundlage. Da es nicht nur welt- und

landesweitem sondern auch lokalem Handeln bedarf, wurden für Bruchsal erstmalig

Daten und Hintergrundinformationen in einem Bericht zusammengestellt, der den

derzeitigen Stand der Umweltsituation in Bruchsal und – sofern Daten vorhanden

waren - für einen Zeitraum der letzten zehn Jahre darstellt.

Damit dient der Bericht der Information und Sensibilisierung der Kommunalpolitik, der

Verwaltung und der Öffentlichkeit für die lokalen Belange des Umweltschutzes. Darüber

hinaus kann er Anregung für die Formulierung kommunaler Zielvorgaben und

Maßnahmen zur Erhaltung und Sicherung der Wohnqualität unserer Stadt und ihrer

Naturausstattung zum Wohle ihrer Bürger und Bürgerinnen sein.

Umweltschutz findet nicht nur im Verwaltungshandeln der Stadt Bruchsal statt. Bereits

seit vielen Jahren sind viele Bürger und Bürgerinnen unserer Stadt bereit – sei

es in Gruppierungen wie der Lokalen Agenda 21 oder in Vereinen oder auch in einzelnen

Aktionen – sich für eine lebensgerechtere Umwelt einzusetzen. Für dieses

Engagement bedanke ich mich an dieser Stelle sehr herzlich.

Ebenso gilt mein Dank allen Beteiligten, die an der Erstellung dieses Berichtes mitgewirkt

haben.

Der Umweltbericht 2012 liefert eine wertvolle Entscheidungshilfe für den Gemeinderat,

die Verwaltung und alle am Wohl unserer Stadt interessierten Gruppierungen,

Bürgern und Bürgerinnen für ein umweltbewusstes und nachhaltiges Handeln für eine

lebenswerte Zukunft.

Cornelia Petzold-Schick

Oberbürgermeisterin

6


1. Einleitung

Ein Umweltbericht dokumentiert und veranschaulicht die Umweltsituation der Gemeinde.

Er dient damit als Informations- und Entscheidungsgrundlage sowohl für die

Öffentlichkeit als auch für die Verwaltung der Stadt.

Umweltschutz wird beim Handeln der Stadtverwaltung Bruchsal schon an vielen Stellen

berücksichtigt. Mit dem „Stadtleitbild Bruchsal 2020“ gibt es bereits allgemeine

Ziele zum Thema Umweltschutz, die unter Mitwirkung der Bürgerschaft entstanden

und 2005 im Gemeinderat einstimmig verabschiedet wurden. Mit dem Umweltbericht

als Grundlage können jetzt die Ziele genauer gefasst und konkrete Maßnahmen vorgeschlagen

werden. Der Umweltbericht soll folgende Fragen beantworten:

• Wo steht die Stadt Bruchsal, auch im Vergleich zu anderen Kommunen?

• Wo besteht dringender Handlungsbedarf?

• Was kann getan werden?

Da das Thema Umweltschutz in verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung verankert

ist, wurde eine ämterübergreifende Projektgruppe „Umweltbericht“ gegründet.

Die Projektgruppe besteht aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bau- und Vermessungsamtes,

des Hauptamtes und des Stadtplanungsamtes. Neben weiteren

Fachbereichen der Stadtverwaltung wurden insbesondere die Bereiche Abfallwirtschaft

und Abwasser (Bau- und Vermessungsamt), die Wald- und Forstwirtschaft

(Finanzverwaltung), die Energie- und Wasserversorgung Bruchsal GmbH und die

Lokale Agenda 21 miteinbezogen.

Die wichtigste Frage, die es als erstes zu klären galt, war die Form des Umweltberichts.

Hierzu wurden Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte anderer Kommunen analysiert.

Einige waren ähnlich einem Landschaftsplan beschreibend aufgebaut wie

zum Beispiel der „Umweltbericht 2010 der Stadt Ettlingen“. Die meisten Kommunen

arbeiten aber mit sogenannten Indikatoren und orientieren sich an den Nachhaltigkeitsindikatoren,

die von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz

Baden-Württemberg (LUBW) entwickelt wurden.

Indikatoren dienen als Hilfsmittel zur Veranschaulichung von Sachverhalten über

einen längeren Zeitraum. Defizite und Trends werden dadurch leicht erkennbar und

die Vergleichbarkeit mit anderen Kommunen ist sehr gut. Aber viele Sachverhalte

lassen sich nur schwer über Indikatoren wirklich ausreichend darstellen. So gibt es

zum Beispiel den Indikator „Radwegelänge in km und in Prozent des Straßennetzes“.

Die Projektgruppe hat sich zusammen mit der Lokalen Agenda, Arbeitsgruppe Radwege,

gegen diesen Indikator entschieden, weil er durch die Einbeziehung von 30er

Zonen in das Radwegenetz ein falsches Bild der Fahrradfreundlichkeit vermitteln

würde. Das Bruchsaler Straßennetz besteht zwar aus vielen 30er Zonen, aber wie

gut befahrbar diese wirklich für Radfahrer sind, ist damit nicht ausgesagt. Für den

Bruchsaler Umweltbericht wurde deshalb eine Mischung aus Beschreibung und Indikatoren

gewählt. Soweit dies für Bruchsaler Verhältnisse sinnvoll war, wurden die

kommunalen Nachhaltigkeitsindikatoren der LUBW gewählt (http://www.lubw.badenwuerttemberg.de/servlet/is/29004/).

Die Umweltinformationen wurden in 9 Themenbereiche gegliedert. Zu jedem Thema

gibt es eine allgemeine Einführung und Informationen zu den wichtigsten gesetzlichen

Rahmenbedingungen sowie zu spezifischen, für Bruchsal wichtigen Sachverhalten,

sofern diese Themen nicht über einen Indikator darstellbar waren. Konnten

Indikatoren genutzt werden, sind diese in einer einheitlichen Form, möglichst präg-

7


nant, auf einer Seite dargestellt. Als Vorlage diente der Bericht „Indikatoren nachhaltiger

Entwicklung Fortschreibung 2010“ der Stadt Konstanz.

Trends, positive wie negative, lassen sich nur über eine gute Datenerfassung und –

auswertung nachvollziehen. Das ursprüngliche Ziel, Daten ab dem Jahr 2000 zu erfassen,

war häufig nicht möglich. Entweder haben sich die Erfassungsmethoden im

Laufe der Jahre geändert, wie zum Beispiel beim Thema Abfallwirtschaft, oder es

wurden bisher noch gar keine Daten kontinuierlich erfasst, wie zum Beispiel beim

Thema Luftmessung. Es gibt auch Indikatoren, bei denen eine jährliche Erfassung

nicht notwendig ist, da Änderungen meist nur längerfristig erkennbar sind wie zum

Beispiel beim Bestand der städtischen Fahrzeuge. Nicht zuletzt hat erst die Beschäftigung

mit dem Umweltbericht dazu geführt, dass zukünftig Daten bei der Stadtverwaltung

so erfasst werden, dass eine Vergleichbarkeit gegeben sein wird wie zum

Beispiel beim Papierverbrauch.

Mit dem ersten Umweltbericht der Stadt Bruchsal liegt erstmalig eine umfassende

Informations- und Entscheidungsgrundlage zu den wichtigsten Umweltthemen vor.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und alle Bruchsaler Bürgerinnen

und Bürger können aktiv an der Verbesserung unserer Umwelt mitwirken. Wie

erfolgreich wir dabei sind, werden die Fortschreibungen des Umweltberichts 2012

zeigen.

8


2. Der Untersuchungsraum Bruchsal

2.1 Allgemeine Daten

Die Große Kreisstadt Bruchsal besteht aus der Kernstadt Bruchsal und den fünf – im

Laufe der Gemeindereform der siebziger Jahre - eingegliederten Stadtteilen Oberund

Untergrombach, Büchenau, Helmsheim und Heidelsheim. Als größte Stadt im

Landkreis Karlsruhe ist Bruchsal das Mittelzentrum des nördlichen Landkreises.

Abbildung 2.1

Flächenanteile der einzelnen Stadtteile (Quelle: Stadt Bruchsal)

Die Gesamtgemarkungsfläche beträgt 93,01 km². 2011 lag die Einwohnerzahl bei

42.623 Personen, davon leben 25.170 in der Kernstadt, 5.859 in Untergrombach,

4.675 in Heidelsheim, 2.479 in Obergrombach, 2.234 in Büchenau und 2.206 in

Helmsheim. Seit 2007 ist die Einwohnerzahl ungefähr gleichgeblieben. Die Bevölkerungsdichte

liegt mit 458 Einwohner/km² deutlich über dem Landesdurchschnitt von

302 Einwohner/km² (Statistisches Landesamt Ba-Wü, 2011).

Die aktuelle Raumsituation in Bruchsal wird durch die verschiedenen Flächennutzungsanteile

deutlich (s. Abb. 2.2). Nicht überraschend liegen die Werte bei Gebäude-

und Freiflächen sowie bei Verkehrsflächen über dem Landesdurchschnitt. Sie

geben die hohe Bevölkerungsdichte und die gute Infrastruktur wieder.

Besonders die verkehrsgünstige Lage mit Autobahn und Eisenbahnknotenpunkt sind

der zentrale Faktor für den Wirtschaftsstandort Bruchsal, der zur TechnologieRegion

Karlsruhe gehört. In Bruchsal finden sich sowohl global operierende Konzerne wie

auch mittelständische Unternehmen, die in ihren Nischen zu den Weltmarktführern

zählen. In Bruchsal sind mehr als 20.000 Arbeitnehmer beschäftigt.

Mit 44,3 % hat die Landwirtschaftsfläche (Abbildung 2.2) den größten Flächenanteil

unter den Flächennutzungsarten. Hierzu zählen auch viele für den Naturschutz wichtige

Biotope wie Grünland und Streuobstbestände. Auf der landwirtschaftlich genutzten

Fläche werden hauptsächlich Getreide, Mais, Hack- oder Ölfrüchte angebaut.

9


2012 gibt es 50 landwirtschaftliche Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe, 1999 waren

es noch 74 Betriebe. Dabei sank besonders stark die Zahl der landwirtschaftlichen

Betriebe mit weniger als 5 ha (Statistisches Landesamt Ba-Wü, 2012). Mit 30 % haben

die Waldgebiete den insgesamt größten Biotopflächenanteil.

100%

80%

60%

40%

übrige Nutzungsarten

Wasserfläche

Waldfläche

Landwirtschaftsfläche

Grünflächen

Verkehrsfläche

Gebäude- und Freifläche

20%

0%

Abbildung 2.2

Vergleich der Flächennutzungsanteile (Quelle: Statistisches Landesamt)

2.2 Der Naturraum

Bruchsal 2011 Landeswert 2011

Das Gemeindegebiet der Stadt Bruchsal besteht aus den zwei naturräumlichen Einheiten

Hardtebenen und Kraichgau. Die Hardtebenen mit der Kinzig-Murg-Rinne sind

Teil des Oberrheingrabens. Während in den Hardtebenen zumeist sandige Böden mit

kiesig-sandigem Untergrund vorherrschen, finden sich in der Kinzig-Murg-Rinne stellenweise

grundwasserfeuchte Bodenverhältnisse mit Auelehmen. Östlich an die

Hardtebenen angrenzend beginnt der Kraichgau mit der Untereinheit Bruchsaler

Randhügel. Dieser Naturraum zeichnet sich durch nur wenig feuchtere und kühlere

Klimabedingungen als die Oberrheinebene aus. Die Bodenverhältnisse werden durch

die fruchtbaren Lössdecken über Muschelkalk oder auch Gesteinen des Keupers

geprägt. Die trockenen Hochlagen werden von den quellenreichen Tälern des Saalbachs

und des Grombachs unterbrochen. Ausgedehnte landwirtschaftliche Nutzflächen

prägen diesen Raum ebenso wie größere Waldgebiete (Landschaftsplan,

2009).

Das besonders milde Klima mit einer Jahresmitteltemperatur von 10° C begünstigt

eine sehr lange Vegetationsperiode. Auch bezüglich der Niederschlagsmengen

nimmt die Region eine Sonderstellung ein. Mit 700 -750 mm durchschnittlichem Jahresniederschlag

werden nur sehr niedrige Werte erreicht, was die Wasserversorgung

für die Vegetation einschränkt.

Die naturräumlichen Gegebenheiten begünstigen den Anbau von Sonderkulturen wie

Spargel, Wein und früher auch Tabak.

2.3 Historischer Entwicklungen der Kulturlandschaft

Der Kraichgau gehört zu den ältesten Kulturlandschaften im deutschen Südwesten.

Die Siedlungstätigkeit begann hier bereits in der Jungsteinzeit. Zwischen 4.000 und

3.000 v. Chr. siedelte im Kraichgau die sogenannte Michelsberger Kultur. Dabei kam

es zu einer fast völligen Entwaldung des Kraichgaus, die zu Bodenerosion und nach-

10


folgendem kulturellem Niedergang führte. Erst ab 2.500 v. Chr. erfolgte eine langsame

Wiederbesiedlung.

Auch zur Römerzeit war der Kraichgau besiedelt und es gab spätestens ab diesem

Zeitraum überregionale Verkehrsverbindungen. So deckt sich der Verlauf einer Römerstraße

praktisch mit der heutigen, alten B 3.

Im Mittelalter wurden zahlreiche Siedlungen auch in der Niederterrasse gegründet

und dadurch der Wald wieder zurückgedrängt. Nach einem starken Bevölkerungswachstum

gab es zunächst im 14. Jahrhundert durch die Pest und nochmals im 17.

Jahrhundert durch den dreißigjährigen Krieg starke Rückgänge der Bevölkerungszahl.

Im 18. und 19. Jahrhundert stiegen die Bevölkerungszahlen wieder stark an, was

dazu führte, dass alle nutzbaren Flächen in Kultur genommen wurden. Im 18. Jahrhundert

erfolgten der Übergang von der Weidewirtschaft mit Waldweide zur Stallfütterung

und die Einführung der Wiesenwässerung zur Steigerung des Heuertrages.

Bei der Wiesenwässerung wurden über ein ausgeklügeltes System an Gräben

mehrmals im Jahr Wiesen mit nährstoffreichem Saalbachwasser überflutet. Etwa ab

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die zuvor durch Waldweide, Mittel- und Niederwaldwirtschaft

stark degradierten Wälder forstwirtschaftlich genutzt und unter dem

Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, ein Begriff, der ursprünglich aus der Forstwirtschaft

stammt, aufgebaut. Im 18. und 19. Jahrhundert erreichte die Kulturlandschaft

ihre größte Diversität unterschiedlicher Biotoptypen und damit einhergehend die

größte Artenvielfalt.

Das 20. Jahrhundert stand im Zeichen der zunehmenden Intensivierung und Mechanisierung

der Land- und Forstwirtschaft. Zahlreiche Flurbereinigungen förderten

diese Entwicklung und führten zu einem starken Rückgang des Strukturreichtums

und damit der Artenvielfalt. Die Ausbreitung der Siedlungen und der Ausbau der Infrastruktur

führten zum Verlust großer Flächen für Landwirtschaft und Naturschutz.

Auch die Fließgewässer insbesondere in der Rheinebene erfuhren durch Ausbau

und Kanalisation starke Veränderungen, die sich auf den Grundwasserspiegel auswirkten

und den Hochwasserschutz verstärkt in den Focus rücken. Zugleich wuchsen

das Verständnis für ökologische Zusammenhänge und das wissenschaftliche Interesse

an der Tier- und Pflanzenwelt. 1934 wurde am Kaiserberg in Untergrombach

eines der ältesten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs ausgewiesen (Landschaftsplan,

2009).

11


Umweltbericht 2012

3. Naturschutz/Biologische Vielfalt

3. Naturschutz/Biologische Vielfalt

Stadtleitbild Bruchsal 2020:

Kulturlandschaft pflegen: Die Kulturlandschaft Bruchsals – wie Gewässer, Feuchtgebiete,

Halbtrocken- und Magerrasen sowie der Kraichgaurand mit dem Streuobstgürtel

– wird erhalten, aufgewertet und gepflegt sowie mit ihren Biotopen vernetzt.

Der Erhalt der – die Kulturlandschaft prägenden – landwirtschaftlichen Nutzflächen

wird angestrebt.

Wald naturgemäß bewirtschaften: Die Stadt Bruchsal zeichnet sich durch einen

hohen Anteil an zusammenhängenden Waldflächen mit großer Erholungsqualität

aus. Sie werden nachhaltig und naturgemäß bewirtschaftet.

3.1 Einführung

Nahezu alle Flächen in Deutschland sind in verschiedener Intensität anthropogen

(durch menschliches Verhalten) überprägt. Auch die Gemarkungsfläche Bruchsals ist

eine typische Kulturlandschaft mit vielen wertvollen Biotopen wie den Streuobstwiesen,

Hohlwegen, Steinriegeln und Magerrasen. Besonders der Flächenverbrauch

und mangelnde Pflege führen zum Verlust naturnaher Lebensräume und sind dadurch

auch eine Bedrohung für die biologische Artenvielfalt. Zu den besonders wertvollen

Biotopen gehören auch die ausgedehnten Laubmischwälder mit vielen alten

Eichen und Buchen.

3.2 Schutzgebiete

Um den Erhalt wertvoller Lebensräume zu sichern, gibt es unterschiedliche Schutzkategorien,

die sich sowohl in ihrem rechtlichen Status als auch in ihrer Zielsetzung

unterscheiden:

Bedeutung Natura 2000 (Fauna-Flora-Habitatgebiete (FFH) und Vogelschutzgebiete

(VSG): Schutzgebietsvernetzung innerhalb der EU mit dem Zweck des länderübergreifenden

Schutzes gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und

Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume; 3 FFH-Gebiete, 1 VSG in Bruchsal

Bedeutung Landschaftsschutzgebiet (LSG): Naturhaushalt, Schönheit und Erholung;

3 LSG in Bruchsal

Bedeutung Naturschutzgebiet (NSG): Ökologie, Lebensräume, Vielfalt und Einzigartigkeit;

4 NSG`s in Bruchsal

Bedeutung Naturdenkmale(ND) und flächenhafte Naturdenkmale(FND): Einzelschöpfungen

oder Flächen kleiner als 5 ha, Schutzstatus wie NSG; 9 ND´s, 13

FND`s in Bruchsal

Bedeutung besonders geschützte Biotope: Schutzstatus ohne förmliches Ausweisungsverfahren,

bestimmte Kriterien müssen erfüllt sein. Zu den besonders häufigen

geschützten Biotopen auf Bruchsaler Gemarkung gehören Hohlwege, Trockenmauern,

Steinriegel, Feldhecken und Feldgehölze.

Bedeutung Bannwald: unbeeinflusste Entwicklung eines charakteristischen Waldökosystems,

1 Bannwald „Bruchsaler Bruch“.

12


Umweltbericht 2012

3. Naturschutz/Biologische Vielfalt

Bedeutung Schonwald: Erhaltung, Pflege und Entwicklung eines standorttypischen

Waldökosystems, 3 Schonwälder „Ungeheuerklamm“, „Bruchsaler Aue“ und „Saalbachniederung“.

3000

2655

2500

Fläche in ha

2000

1500

1000

1155

FFH

VSG

LSG

NSG

FND

Geschützte Biotope

Bannwald

Schonwald

500

0

338

136

26

240

69

309

Schutzgebietskategorien

Abbildung 3.1

Flächenanteile der einzelnen Schutzgebietskategorien, die sich teilweise überlagern

(Stadt Bruchsal)

3.3 Naturschutzschwerpunkte in Bruchsal

Zu den „Highlights“ auf Bruchsaler Gemarkung zählen die Halbtrockenrasen auf dem

Michaels- und Kaiserberg, die ausgedehnte Wiesenlandschaft in der Saalbachniederung

bei Hambrücken und die Streuobstwiesen des Kraichgaurandes. All diese Naturschönheiten

sind auf die richtige Pflege angewiesen, die sich im Laufe der Jahrhunderte

entwickelt hat, heute aber meist nicht mehr zeitgemäß ist. Die große Herausforderung

besteht deshalb in der Sicherung dieser notwendigen Pflege.

Am Michaelsberg wird durch das Regierungspräsidium ein Schafbeweidungsprojekt

durchgeführt. Die ausgedehnten Wiesen unterhalb der Kapelle, die inzwischen in

städtischem Besitz sind, werden zusammen mit einem Naturschutzverein gepflegt.

In der Saalbachniederung, die eine herausragende Bedeutung für die Vogelwelt

hat, wird durch Landwirte Pferdefutter gewonnen. Verschiedene Entwicklungskonzepte

sehen hier die Möglichkeit wieder feuchte Wiesen, die inzwischen fast ganz

verschwunden sind, wiederherzustellen.

Die Stadt Bruchsal hat bisher zwei entsprechende Maßnahmen am Saalbach durchgeführt.

Die 2010 durchgeführte Dammrückverlegung im Bereich der Storchenauswilderung

ermöglicht eine zeitweise Überschwemmung von rund 150.000 m² Wiesenfläche.

Die Förderung der naturraumtypischen Extremstandorte schafft dadurch zusätzlichen

Lebensraum für seltene und spezialisierte Arten der Nasswiesen, Streuwiesen

und Riede.

Durch den Bau der Saalbach-Wagbach-Überleitung 2010 wurden auf Bruchsaler und

Hambrücker Gemarkung 800 m neuer Graben und 3700 m Graben und Wagbachbett

reaktiviert. Für die Zukunft bietet die neue Wagbachüberleitung die Möglichkeit, die

13


Umweltbericht 2012

3. Naturschutz/Biologische Vielfalt

frühere Wiesenwässerung im Gewann Seufzerwiesen wieder zu reaktivieren, und

damit den naturschutzfachlichen Wert der Saalbachniederung weiter zu erhöhen

(siehe auch Kapitel 5.2.1).

Der Erhalt und die Förderung des Streuobstbaus müssen an verschiedenen Punkten

ansetzen, da hier meist sehr viele kleinere Grundstücke und viele Besitzer betroffen

sind. Die Stadt Bruchsal ist in diesem Bereich besonders engagiert. 1995 wurde

das städtische Streuobstmuseum im Gewann Heubühl eingeweiht. Hier können

sich Besucher zu jeder Jahreszeit anhand von mehr als 40 Hochstämmen über alte

Streuobstsorten informieren.

Abbildung 3.2

Streuobstmuseum während der Obsternte (Stadt Bruchsal)

Im Laufe des Jahres werden Kurse zum Obstbaumschnitt und zum Mähen mit der

Sense, sowie Apfelsaftpressen für Kinder angeboten.

1996 war die Stadt Bruchsal maßgeblich an der Gründung der Streuobstinitiative im

Stadt- und Landkreis Karlsruhe e.V. beteiligt. Nach dem Aufpreismodell wird hier erfolgreich

der Erhalt artenreicher Streuobstwiesen gefördert. Seit 1995 können über

die Stadt kostengünstig regional bewährte Obsthochstämme erworben werden, ein

Angebot mit großem Zuspruch. Nicht zuletzt bewirtschaftet die Stadt selber 13 Hektar

eigenen Streuobstbestand mit fast 1500 Bäumen.

3.4 Wald

Die städtische Forstverwaltung betreut den Stadtwald mit 1380 ha, zusammen mit

dem Stiftungswald (54 ha) und den Privatwaldflächen (70 ha).

Dabei liegen 1250 ha als eichenreicher Laubmischwald im Wuchsgebiet Neckarland,

180 ha als Stieleichenmischwald und Flußauenwald im Wuchsgebiet Oberrheinische

Tiefebene. Ca. 40 % des Waldes sind als FFH-Gebiet ausgewiesen.

Das Baumartenspektrum gliedert sich in 80% Laubholz und 20% Nadelholz. Dabei

prägt die Rotbuche als dominierende Baumart das Bild des Waldes. Der jährliche

Holzeinschlag beläuft sich auf 11 000 Festmeter, die Versorgung der lokalen Bevölkerung

mit Brennholz spielt eine große Rolle. Der Stadtwald weist einen hohen Anteil

an Altbuchen über 120 Jahren aus, diese alten Bäume bieten Lebensraum für viele

bedrohte Arten.

14


Umweltbericht 2012

3. Naturschutz/Biologische Vielfalt

Die Stadt Bruchsal hat alle Jagdflächen an private Jäger verpachtet, jährlich werden

auf der Gesamtgemarkung über 200 Rehe und mehr als 200 Wildschweine geschossen.

Gerade das Schwarzwild führt in den letzten Jahren durch seine Zunahme zu

großen Schäden in der Landwirtschaft.

Die Waldflächen werden nachhaltig und naturgemäß bewirtschaftet

und sind seit 2000 gemäß PEFC zertifiziert. Das „Programme

for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PEFC) ist

ein international anerkanntes Gütesiegel, das zusammen mit dem

FSC (Forest Stewardship Council) das bedeutendste Zertifizierungssystem

in der Waldwirtschaft ist. Das Ziel von PEFC ist die

Dokumentation, Verbesserung und Förderung der nachhaltigen

Waldbewirtschaftung nach gleichsam ökonomischen, ökologischen

sowie sozialen Standards (www.pefc.de).

3.5 Rechtliche Rahmenbedingungen

Abbildung 3.3

• RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der

natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-

Richtlinie)

• RICHTLINIE 2009/147/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES

RATES vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten

(EU-Vogelschutzrichtlinie)

• Bundesnaturschutzgesetz vom 29. Juli 2009, zuletzt geändert am 6. Februar

2012 (BNatSchG)

• Gesetz zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge

in der freien Landschaft in der Fassung vom 13.12.2005, zuletzt

geändert am 17.12.2009 (NatSchG)

• Bundeswaldgesetz vom 2. Mai 1975 (BGBl. I S. 1037), zuletzt geändert durch

Artikel 1 des Gesetzes vom 31. Juli 2010, BGBl. I S. 1050 (BWaldG)

• Waldgesetz für Baden-Württemberg (Landeswaldgesetz - LWaldG) in der

Fassung vom 31. August 1995

15


Umweltbericht 2012

3. Naturschutz/Biologische Vielfalt

Ziel: Förderung und Erhalt der biologischen Vielfalt

Die wichtigsten Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt sind die

Ausweisung großflächiger Schutzgebiete, die Pflege der Schutzflächen und die Verbindung

der Schutzgebiete über Biotopverbundmaßnahmen.

Indikator 3a: Anteil der Natura 2000-Flächen in % an der Gesamtfläche der Stadt

Bruchsal im Vergleich zur Landesfläche

30%

28,54%

28,54%

25%

20%

17,30%

15%

10%

11,60%

10,90%

5%

3,60%

0%

Fläche in % der Gemarkungsfläche Bruchsal

alle Natura-2000-Flächen bezogen auf die

Landesfläche Ba-Wü

Abbildung 3.4

FFH-Fläche, gesamt VSG-Fläche, gesamt Natura 2000, gesamt

Datenquelle:

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Stadt Bruchsal, LUBW Baden Württemberg

Die vier auf Bruchsaler Gemarkung ausgewiesenen Fauna-Flora-Habitat-

Gebiete (FFH) haben eine Flächengröße von 2.655 ha (28,5 %). Das einzige

Vogelschutzgebiet (VSG) hat eine Größe von 338 ha (3,6 %). Die Gesamtfläche

der Natura 2000-Gebiete liegt aufgrund von Überlagerungen bei

2.655 ha.

Die Natura 2000-Gebiete sind ein innerhalb der EU länderübergreifendes

Schutzgebietsnetz. Es dient dem Erhalt und der Förderung gefährdeter wildlebender

heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume.

Der Anteil der FFH-Flächen in Bruchsal liegt weit über dem Landesdurchschnitt,

ein Hinweis auf die große Bedeutung der natürlichen und naturnahen

Bruchsaler Lebensräume.

Das Regierungspräsidium lässt derzeit Managementpläne für die Gebiete

„Lußhardt“ und „Mittlerer Kraichgau“ erstellen. Die Stadt Bruchsal ist an der

Erstellung der Pläne fachlich beteiligt.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Pflege entsprechend der Managementpläne (Selbstverpflichtung der Stadt Bruchsal für

städtische Flächen)

Weitere Informationen:

Es gibt verschiedene Lebensraumtypen bzw. Tier- und Pflanzenarten, für die Baden-

Württemberg eine besondere Verantwortung trägt. In Bruchsal finden sich davon u.a. die

magere Flachland-Mähwiese, das Grüne Besenmoos, das Große Mausohr und der Eichenheldbock.

16


Umweltbericht 2012

3. Naturschutz/Biologische Vielfalt

Ziel: Förderung und Erhalt der biologischen Vielfalt

Die wichtigsten Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt sind die Ausweisung

großflächiger Schutzgebiete, die Pflege der Schutzflächen und die Verbindung der

Schutzgebiete über Biotopverbundmaßnahmen. Darüber hinaus sind spezielle Artenschutzmaßnahmen

für einzelne Tier- oder Pflanzenarten sinnvoll.

Indikator 3b: Schutzbemühungen für eine seltene Tier- oder Pflanzenart am Beispiel

des Eichenheldbocks

Vom Heldbock besiedelte Eichen am Baggersee

Untergrombach

10

9

8

Anzahl Eichen

7

6

5

4

3

2

1

0

2006 2008 2010 2012

Abbildung 3.5

Jahr

Abbildung 3.6 (Foto: Renate Korin)

Datenquelle: Stadt Bruchsal, LUBW Baden Württemberg

Definition:

Bedeutung:

erfasst werden vom Eichenheldbock besiedelte Eichen am Baggersee Untergrombach

Der Eichenheldbock gehört zu den seltensten Käfern Deutschlands. Er ist

nach EU-Recht streng geschützt und zählt als Art, für die FFH-Gebiete ausgewiesen

werden. In der Roten Liste der Totholzkäfer Baden-Württembergs

wird er in der Gefährdungskategorie 1 „vom Aussterben bedroht“ geführt. In

Baden-Württemberg kommt der Eichenheldbock nur noch am nördl. Oberrhein

vor.

Entwicklung: Der Zustand der Eichen verschlechtert sich zunehmend. Fünf der vom Eichenheldbock

besiedelten Eichen wurden aus Verkehrssicherungsgründen

inzwischen eingezäunt. Zwei außerhalb stehende stark eingekürzt.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

Eichenheldbock:

• Erhalt der abgängigen Eichen so lange wie möglich

• Nachpflanzung neuer Eichen

Allgemein:

• Sachgerechte Pflege von Biotopen

• Biotopverbundmaßnahmen, z.B. Blühstreifen in Feldflur

• Artenschutz im Bewusstsein der Bevölkerung verankern

• Weitere spezielle Artenschutzmaßnahmen für Steinkauz, Fledermäuse, Feldflurarten

• Erstellung einer Informationsbroschüre zum Thema „Artenschutz bei Bauvorhaben“

Weitere Informationen:

Langfristig kann der Eichenheldbock nur durch den Schutz alter Eichen und rechtzeitige

Nachpflanzung vor dem Aussterben bewahrt werden.

17


Umweltbericht 2012

4. Boden

4. Boden

Stadtleitbild Bruchsal 2020:

Ressourcenpolitik bei der Stadtplanung berücksichtigen

Kommunale Planungen orientieren sich an den Grundsätzen einer nachhaltigen

Ressourcenpolitik (z.B. bei Bebauungsplänen, Verkehrswegeplanungen u.a.).

bei der Erschließung neuer Baugebiete wird eine an die Anforderungen der passiven

Solarenergienutzung angepasste Bebauungsstruktur sowie die Regenwassernutzung

innerhalb des Gebietes angestrebt.

Bodengüte sichern

Da Boden ein besonders schützenswertes Gut darstellt, wird bei Planungen der Versiegelungsgrad

minimiert, eine Entsiegelung vorhandener Flächen sowie der Erhalt

der Bodenqualität angestrebt.

Innenentwicklung stärken

Die Entwicklung von Flächen in den Innenbereichen hat Vorrang vor der Ausweisung

von Flächen im Außenbereich.

Für die Innenentwicklung werden Potenziale an unbebauten aber bereits erschlossenen

Wohn- und Gewerbeflächen aktiviert. Die Stadt strebt neue Strategien zur Baulückenerschließung

an, z.B. durch offensive Werbung und Baulückenmanagement.

Ältere Wohnquartiere werden durch Sanierungsmaßnahmen verstärkt aufgewertet.

Gewerbebrachen werden durch gezielte Planungs- und Fördermaßnahmen standortgerecht

entwickelt.

Eingeschränkte Außenentwicklung mit Infrastruktur verknüpfen

Außenentwicklung wird auf das notwendige Maß begrenzt und nur an geeigneten

Stellen ermöglicht. Aus Gründen der Erhaltung des typischen Landschaftsbildes des

Kraichgaurandes sowie der Wohnqualität soll ein behutsamer Umgang mit Außenbereichsflächen

erfolgen.

Neue Bauflächen werden bevorzugt dort ausgewiesen, wo ausreichend Infrastruktur,

eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie eine gute Erreichbarkeit

zu Fuß oder mit dem Fahrrad gewährleistet ist.

4.1 Einführung

Böden bilden die oberste Schicht der Erdkruste und sind Lebensgrundlage für Menschen,

Pflanzen und Tiere. Zusammen mit Wasser, Sonnenlicht und Luft bildet der

Boden die Grundlage allen Lebens. Boden ist Bestandteil des Naturhaushalts und

bietet mit seinem Wasserhaushalt und Nährstoffkreisläufen die Voraussetzungen für

Ackerbau, Viehzucht und die Produktion pflanzlicher Rohstoffe. Als Filter und Puffer,

Um- und Abbaumedium für Schadstoffe hat Boden eine grundlegende Bedeutung für

die Qualität der Grund- und Oberflächengewässer. Böden bilden Prozesse ihrer Entstehungsgeschichte

und der auf sie einwirkenden menschlichen Einflüsse ab und

sind damit ein Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. Schließlich werden Böden zur

Produktion von Nahrungsmitteln, als Rohstofflager oder Rohstofflagerabbaustätten

und als Fläche für Siedlung, Verkehr und Erholung benötigt und erfüllen somit wesentliche

Nutzungsfunktionen für den Menschen (Quelle: Webseite LUBW „Was leisten

unsere Böden“).

18


Umweltbericht 2012

4. Boden

Abbildung 4.1

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Im Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) werden die Aufgaben des Bodens, der

ein schutzwürdiges Naturgut ist, in folgende Funktionen zusammengefasst:

• natürliche Funktionen wie Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere,

Pflanzen und Bodenorganismen, Bestandteil des Naturhaushaltes und von

Wasser- und Nährstoffkreisläufen, Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für

stoffliche Einwirkungen

• Nutzungsfunktionen wie Rohstofflagerstätte, Fläche für Siedlung, Verkehr, Erholung,

Ver- und Entsorgung, land- und forstwirtschaftliche Nutzung, sonstige wirtschaftliche

und öffentliche Nutzung

• Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte.

Durch Versiegelungen, Abgrabungen, Verdichtungen, Eintrag von Schadstoffen,

Erosionen etc. können die Bodenfunktionen gestört werden. Dies kann neben dem

grundsätzlichen Verlust von Boden und seinen Funktionen z.B. zu Hochwasser, zu

Grundwasserbelastungen, zu Überdüngung von Oberflächengewässern etc. führen.

4.2 Flächenverbrauch

Der Begriff Flächenverbrauch umschreibt die Umwidmung von vormals land- und

forstwirtschaftlich genutzter Fläche zu siedlungsbezogener Nutzung, wobei dieser

Prozess meist nicht umkehrbar ist.

Da Grund und Boden nur begrenzt verfügbar ist, müssen zum einen die angemessene

Versorgung der Bevölkerung mit Flächen und Einrichtungen für die Befriedigung

allgemeiner Lebensbedürfnisse (z.B. Wohnungen, Arbeitsstätten, Infrastruktur-

19


Umweltbericht 2012

4. Boden

einrichtungen etc.) und zum anderen der Schutz und sorgsame Umgang mit der

Ressource Boden berücksichtigt werden. Die Flächennutzung steht somit im Schnittpunkt

ökologischer, ökonomischer und sozialer Entwicklungen.

Nach einem Beschluss der Bundesregierung soll die Zunahme des Flächenverbrauchs

bundesweit von 120 Hektar täglich (Referenzzeitraum 1997/2000) bzw.

94 Hektar täglich im Jahr 2009 bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar täglich gesenkt werden.

Für Baden-Württemberg leitet sich daraus für 2020 ein Zielwert von 3 Hektar pro

Tag ab (Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Statistisches

Landesamt Baden-Württemberg).

Täglicher Flächenverbrauch in Baden-Württemberg

(Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg)

Jahr 97/00 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

Siedlungs- und

Verkehrsfläche*

(Hektar)

12,0 11,8 10,6 10,3 8,8 8,8 9,4 10,3 8,2 7,0 6,6

Tabelle 4.1

*Siedlungs- und Verkehrsfläche setzt sich aus Gebäude- und Freiflächen, Erholungsflächen

(z.B. Sportflächen, Grünanlagen), Verkehrsflächen (z.B. Straßen, Wege,

Plätze, Bahngelände) und Betriebsflächen (z.B. Entsorgungsanlagen) zusammen.

Siedlungs- und Verkehrsfläche Bruchsal

2040

Siedlungs- und Verkehrsfläche in Hektar

2020

2000

1980

1960

1940

1920

2021

2014 2015

2017

1983

1978

1958

1960

1952

1954

1936

1939

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Jahr

Abbildung 4. 2

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

In Bruchsal hat die Siedlungs- und Verkehrsfläche seit dem Jahr 2000 mit 1936 Hektar

um 81 Hektar auf insgesamt 2017 Hektar im Jahr 2011 zugenommen. Dies entspricht

einer durchschnittlichen jährlichen Zunahme von rund 7 Hektar, was einer

Größenordnung von etwa 10 Fußballfeldern (100m x 70 m) im Jahr entspricht.

Bereits in zurückliegenden Jahren hat Bruchsal bei der städtebaulichen Entwicklung

einen besonderen Schwerpunkt auf vorrangige Maßnahmen der Innenentwicklung

gelegt. Unbebaute aber bereits erschlossene Wohn- und Gewerbeflächen werden

aktiviert sowie ältere Wohnquartiere durch Sanierungsmaßnahmen verstärkt aufgewertet

(s. hierzu auch Punkt 4.6, Seite 23).

20


Umweltbericht 2012

4. Boden

4.3 Bodenbelastung

Produktion, Verarbeitung und Konsum von industriellen und gewerblichen Produkten

und die Beseitigung entstandener Abfälle haben Spuren im Boden und Grundwasser

hinterlassen. Seit rund 25 Jahren ist das Land Baden-Württemberg damit beschäftigt,

Gefahren, die von ehemaligen Müllablagerungen und gewerblichen Standorten ausgehen

können, zu erkennen und zu beseitigen. Die Ende 2002 abgeschlossene erste

landesweite Erhebung altlastenverdächtiger Flächen wird seither durch die Landund

Stadtkreise fortgeführt und aktualisiert.

Altlasten werden im BBodSchG als ehemalige Abfallbeseitigungsanlagen oder sonstige

Müllablagerungen (Altablagerungen) sowie ehemals industriell oder gewerblich

genutzte Grundstücke (Altstandorte), auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen

umgegangen wurde und von denen Gefahren für den Menschen oder die Umwelt

ausgehen können, beschrieben. Durch Altlasten können die Schutzgüter Boden,

Grundwasser, Oberflächengewässer, Flora und Fauna in unterschiedlicher Stärke

betroffen sein. Der Anteil der Wirkungspfade von Altlasten in Baden-Württemberg

betrifft in den überwiegenden Fällen das Schutzgut Grundwasser (83%), gefolgt von

dem Schutzgut Mensch (13%) und Nutzpflanze (2%) (Quelle: Landesanstalt für Umwelt,

Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), Altlastenstatistik

2011).

Von Altlasten betroffene Schutzgüter

83,1 % Grundwasser

12,7 % Mensch

2,1 % Pflanze

1,2 % Oberflächengewässer

0,8 % Gefahr durch Deponiegas

0,1 % Sonstige Gefahren

Auf der Gemarkung Bruchsal sind 215 Altstandorte sowie 49 Altablagerungen erfasst,

bei denen hauptsächlich Hausmüll, Erdaushub und Bauschutt abgelagert wurden.

Unabhängig von den anthropogen verursachten Schadstoffgehalten können sich

auch durch natürliche Prozesse Schadstoffgehalte in Böden anreichern. Auf Bruchsals

Gemarkung liegen geogene, d.h. natürliche Belastungen des Bodens und

Grundwassers mit Arsen und Schwermetallen vor, die aus Vererzungen in den natürlich

anstehenden Gesteinen resultieren. Unter Vererzungen, die gebunden an die

Rheingrabentektonik entlang des Oberrheingrabens häufig auftreten, versteht man

natürliche Anreicherungen von Mineralien oder Gesteinen, aus denen Metalle gewonnen

werden können.

Wegen dieser natürlichen Belastungen wurden für die Baugebiete „Nördlich Annabach-Seilersbahn“,

„Zwischen Klosterstr. und Hans-Thoma-Str.“, „Bleiche“, „Oberer

21


Umweltbericht 2012

4. Boden

Weiherberg“, „Andreasstaffel“ und „Eggerten-Nord“ entsprechende Untersuchungen

im Auftrag der Stadt Bruchsal durchgeführt. Diese führten zum Ergebnis, dass das

bei der Bebauung anfallende Aushubmaterial grundsätzlich wieder eingebaut werden

kann, bei Nichtverwendung entsprechend entsorgt werden muss und dass in Teilbereichen

zukünftig unversiegelter Flächen Schutzmaßnahmen zur Vermeidung einer

oralen oder inhalativen Schadstoffaufnahme zu ergreifen sind wie z.B. Überdeckung

mit unbelastetem Material oder Einbau von Grabsperren auf Kinderspielplätzen.

Entsprechende Regelungen wurden in die Bebauungspläne der betroffenen Gebiete

aufgenommen.

4.4 Versiegelte Flächen

Bei Einführung der „gesplitterten Abwassergebühr“ wurden Gebäudeflächen und versiegelte

Freiflächen ermittelt. Entsprechend ihres Versiegelungsgrades wurden die

Flächen vollständig oder als Teilfläche zur sog. abflussrelevanten Fläche auf insgesamt

3,7 Mio m 2 addiert (Stand Oktober 2012). Es handelt sich hierbei nicht um eine

tatsächlich vorhandene Fläche, weil z.B. ein begrüntes Dach nicht mit der tatsächlichen,

sondern mit geringerer Fläche in die Berechnung einfließt.

Um ein mögliches Belagsänderungs- bzw. Entsiegelungspotenzial aufzeigen zu können,

ist nur der Teil der versiegelten Freifläche bedeutsam. Bei Belagsänderungen

handelt es sich um eine teilweise Entsiegelung der Fläche, z.B. den Ersatz eines Asphaltbelages

auf einer Parkplatzfläche durch Rasengittersteine, während eine Entsiegelung

den vollständigen Rückbau bezeichnet.

Derzeit ist eine Auswertung der versiegelten Freifläche nicht vorhanden.

4.5 Baulücken

In aller Regel bestehen in bereits erschlossenen Baugebieten noch Baulücken. Zuletzt

wurden im Jahr 2007 Baulücken und Entwicklungsreserven in Bruchsal erfasst.

Als Baulücken wurden dabei Grundstücke bezeichnet, die nach § 34 BauGB ohne

zusätzlichen Erschließungsaufwand und Bodenordnung bebaut werden könnten bzw.

noch unbebaute, jedoch erschlossene Baugrundstücke in Bebauungsplangebieten.

Baulücken gesamt

Baulücken Wohn-/

Mischgebiet

Baulücken

Gewerbegebiet

Gemarkung

Grundstücke

Hektar

(netto)

Grundstücke

Hektar

(netto)

Grundstücke

Hektar

(netto)

Kernstadt 257 47,1 211 15,3 42 31,8

Büchenau 36 3,3 29 1,6 7 1,7

Obergrombach 48 2,8 48 2,8 0 0

Untergrombach 74 5,1 65 3,5 9 1,6

Helmsheim 135 10,1 131 9,1 4 1,0

Heidelsheim 125 9,0 121 7,9 4 1,1

Gesamt 675 77,4 605 40,2 66 37,2

Tabelle 4.2

Quelle: Bau- und Vermessungsamt, Stadtplanungsamt Stadtverwaltung Bruchsal

(Stand September 2007)

22


Umweltbericht 2012

4. Boden

Aktuell stehen 31 städtische Grundstücke für Wohnbau und eines für Gewerbe in

Büchenau zum Verkauf an (Stand November 2012):

Städtische Wohnbaugrundstücke

zum Verkauf im Baugebiet

Anzahl

Städtische Gewerbegrundstücke

zum Verkauf im Baugebiet

Bruchsal, Oberer Weiherberg 9 Büchenau, Gewerbegebiet Nord 1

Büchenau, Gärtenwiesen Ost 2

Heidelsheim, Obermühlteich 12

Helmsheim, Neuwiesen 2

Obergrombach, Kissel 1

Untergrombach, Ernst-Renz-Str. 5

Summe 31 1

Tabelle 4.3

Quelle: Bau- und Vermessungsamt, Stadtverwaltung Bruchsal (Stand November 2012)

Anzahl

Städtische Bau- und Gewerbegrundstücke werden nur mit einer Bauverpflichtung

verkauft, d.h. der Baubeginn muss innerhalb von 2 Jahren erfolgt sein. Insoweit spielen

Baulücken keine Rolle.

Allerdings werden „Private Wohnbaulücken“ von den Eigentümern teilweise als Reserve

für die Zukunft gehalten und sind nur begrenzt für eine Bebauung aktivierbar,

da gesetzliche Grundlagen nicht ausreichend greifen.

Im Sinne eines ressourcenschonenden Umgangs mit dem nicht vermehrbaren Gut

Grund und Boden soll bei der künftigen Siedlungsentwicklung Bruchsals die Flächenneuinanspruchnahme

möglichst gering ausfallen. Deshalb ist angedacht die

heute und in den nächsten 10 – 20 Jahren durch den demographischen Wandel zu

erwartenden Reserven im Inneren zu erfassen. Hierbei sollte schwerpunktmäßig Folgendes

ermittelt werden:

• Erhebungen zu untergenutzten Flächen, Baulücken und Brachen

• Erhebung des Leerstandes

• Ermittlung der Potenziale, die durch die demographische Entwicklung zu erwarten

sind.

4.6 Flächenentwicklung

Die Ausweisung neuer Siedlungsflächen sollte nur unter Einbeziehung der demographischen

Entwicklung und nach Prüfung vorhandener Alternativen wie Innenentwicklung

und Umnutzung geschehen. Bereits in den zurückliegenden Jahren wurde in der

Stadt Bruchsal ein besonderer Schwerpunkt auf die Nutzung und Aktivierung von

vorhandenen Innenentwicklungspotenzialen gelegt, wie die Baugebiete „Schlachthof“,

„Bleiche“, „Nördlich Annabach-Seilersbahn“ und „Zwischen Klosterstraße und

Hans-Thoma-Straße“ belegen. Als wesentlicher weiterer Baustein der Innenentwicklung

wird derzeit das Projekt „Bahnstadt“ entwickelt. Daneben werden ältere Wohnquartiere

durch Sanierungsmaßnahmen oder Programme wie „Kooperation im Quartier

(KiQ)“ verstärkt aufgewertet.

Demgegenüber wurde die Entwicklung von Außenbereichsflächen in den zurückliegenden

Jahren in der Stadt Bruchsal sehr zurückhaltend betrieben. Im Bereich der

23


Umweltbericht 2012

4. Boden

Kernstadt wurden nur folgende Baugebiete realisiert: „Silberhölle-Eggerten“ 1987,

„Innere Krottbach“ 2001 und „Oberer Weiherberg“ 2009. Dies gilt gleichermaßen für

die Stadtteile:

Büchenau: „Kleinfeld“ 1994, „Gärtenwiesen-Ost“ 2006

Heidelsheim: „Obermühlteich“ 2006

Helmsheim: „Hinter der Kirch“ 1982, „Hohbrunnen“ 1982

Obergrombach: „Tanzberg“ 1993, „Kissel“ 2006

Untergrombach: „Sand II“ 1991.

Gewerbeflächen wurden in den vergangenen 20 Jahren in einer Gesamtgröße von

ca. 74 ha in der Kernstadt Bruchsal und den Stadtteilen entwickelt. Weiterhin sollte

entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung ein ausreichend großes Kontingent an

gewerblich nutzbaren Flächen bereitgestellt werden, auch durch Nachverdichtung

bestehender Gebiete. Damit kann einerseits eine Erweiterung der ansässigen Firmen

ermöglicht und andererseits neuen ansiedlungswilligen Betrieben die Möglichkeit einer

Niederlassung eingeräumt werden.

Hierbei ist anzumerken, dass die im Flächennutzungsplan 2025 ermittelten Bedarfszahlen

an Gewerbeflächen in der Kernstadt Bruchsal kaum mit den freien Flächen in

bestehenden Gewerbegebieten und mit zur Neuausweisung zur Verfügung stehenden

Entwicklungsbereichen abgedeckt werden können, ohne mit regionalplanerischen

Restriktionen konfrontiert zu sein. Entsprechende Änderungen des Regionalplanes

sind in Vorbereitung.

4.7 Rechtliche Rahmenbedingungen

• Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von

Altlasten (Bundesbodenschutzgesetz – BBodSchG)

• Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV)

• Gesetz zur Ausführung des Bundes-Bodenschutzgesetzes (Landes-Bodenschutzund

Altlastengesetz – LBodSchAG)

• Baugesetzbuch (BauGB)

• Verschiedene andere Gesetze und Verordnungen sind für den Bodenschutz relevant,

wie das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), das Gesetz zur Förderung

der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung

von Abfällen (KrWG), das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und weitere

Gesetze im Bereich der Bauordnung, Düngemittel etc.

24


Umweltbericht 2012

4. Boden

Ziel: Schonender Umgang mit der nicht erneuerbaren Ressource Boden

Indikator 4a: Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche

25,0

Fläche in % der Gesamtfläche

20,0

15,0

10,0

5,0

6,8 6,8 6,9 7,0 7,0 6,9 7,0 7,0 7,1 7,1 7,1 7,0

14,0 14,0 14,1 14,1 14,0 14,2 14,3 14,3 14,6 14,6 14,7 14,7

0,0

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Jahr

Siedlungsfläche

Verkehrsfläche

Abbildung 4.3

Indikator 4b: Siedlungsdichte – Einwohnerzahl im Bezug auf Siedlungs- und

Verkehrsfläche

Ew/km²

2.260

2.180

2.158 2.171 2.183 2.180 2.188 2.188 2.185 2.180

2.148 2.143 2.139 2.149

2.100

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Jahr

Abbildung 4.4

Datenquelle:

Stadt Bruchsal, Bau- und Vermessungsamt; Statistisches Landesamt

Baden-Württemberg

25


Umweltbericht 2012

4. Boden

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Siedlungs- und Verkehrsflächen in Prozent der gesamten Gemarkungsfläche.

Siedlungsflächen umfassen Gebäude- und Freiflächen,

Betriebsflächen sowie Erholungsflächen.

Unter Verkehrsflächen werden alle unbebauten aber versiegelten Flächen

zusammengefasst, die dem Straßen, Schienen- und Luftverkehr

dienen.

Siedlungsdichte: Einwohnerzahl pro km² Siedlungs- und Verkehrsfläche

(Ew/km²).

Boden ist nur begrenzt verfügbar und dient zum einen einer

angemessenen Versorgung der Bevölkerung mit Fläche und Einrichtungen

für die Befriedigung allgemeiner Lebensbedürfnisse und erfüllt

zum anderen verschiedene Funktionen wie Nährstoffquelle, Wasserspeicher,

Schadstofffilter, Rohstofflagerstätte, Lebensraum usw. Eine

zunehmende Versiegelung bedeutet neben dem Verlust dieser Bodenfunktionen

mit negativen Auswirkungen z.B. auf die Grundwasserneubildung

und auf die Retention des Niederschlagwassers gleichzeitig einen

Verlust der Vegetation, der Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten

sowie naturnaher Erholungsflächen. Um die Ressource Boden

zu schonen und einer fortlaufenden Landschaftszerschneidung

entgegenzuwirken, sollten gezielt Innenentwicklungspotenziale genutzt

werden. „Kompakte Städte“ ermöglichen kurze Wege und somit auch

den Zugriff auf umweltfreundliche Verkehrsmittel.

In Bruchsal ist eine leichte Zunahme der Verkehrs- um 0,2 Prozentpunkte

und etwas stärker der Siedlungsfläche um 0,7 Prozentpunkte

zu verzeichnen.

Der Siedlungsdichtewert ist im betrachteten Zeitraum geringfügig

schwankend und liegt im Durchschnitt bei 2.168 Ew/km², was in etwa

dem Landeswert von Baden-Württemberg entspricht (2.142 Ew/km² im

Jahr 2010).

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Bereits in zurückliegenden Jahren wurde in der Stadt Bruchsal ein besonderer Schwerpunkt

auf die Nutzung und Aktivierung von vorhandenen Innenentwicklungspotenzialen

gelegt. Unbebaute aber bereits erschlossene Wohn- und Gewerbeflächen werden aktiviert

sowie ältere Wohnquartiere durch Sanierungsmaßnahmen verstärkt aufgewertet.

Innenentwicklung hat weiterhin Vorrang vor Außenentwicklung.

• Erfassung innerstädtischer Flächenpotenziale (Durchführung im Jahr 2013 vorgesehen)

• Erhalt bzw. Schaffung dichter, kompakter Strukturen und Nachverdichtungen

• Gewinnung innerstädtischen Wohnraums durch Um- und Ausbau bestehender Gebäude

• Am Bedarf orientierte Umnutzung von Gebäuden und Strukturen

• Erhebung von Entsiegelungspotenzial

26


Umweltbericht 2012

5. Wasser

5. Wasser

Stadtleitbild Bruchsal 2020:

Trinkwasserversorgung sichern: Trinkwasser wird aus eigenen Brunnen und Quellen

erschlossen. Zur Qualitätssicherung ist eine Einhaltung der Restriktionen in den

ausgewiesenen Trinkwasserschutzgebieten vorrangig.

Die Grundwasserqualität wird durch die Minimierung von Schadstoffeinträgen insgesamt

gesichert.

Sparsamen Umgang mit Ressourcen fördern: Die Stadt Bruchsal unterstützt den

sparsamen Umgang mit endlichen Ressourcen und fördert die Nutzung erneuerbarer

Ressourcen. Die verstärkte Förderung der Nutzung regenerativer Energien, wie Solarenergie

und Erdwärme, wird angestrebt.

Ressourcenpolitik bei der Stadtplanung berücksichtigen: Kommunale Planungen

orientieren sich an den Grundsätzen einer nachhaltigen Ressourcenpolitik (z.B.

bei Bebauungsplänen, Verkehrswegeplanungen u.a.).

Bei der Erschließung neuer Baugebiete wird eine an die Anforderungen der passiven

Solarenergienutzung angepasste Bebauungsstruktur sowie die Regenwassernutzung

innerhalb des Gebietes angestrebt.

Kulturlandschaft pflegen: Die Kulturlandschaft Bruchsal – wie Gewässer, Feuchtgebiete,

Halbtrocken- und Magerrasen sowie der Kraichgaurand mit dem Streuobstgürtel

– wird erhalten, aufgewertet und gepflegt sowie mit ihren Biotopen vernetzt.

Der Erhalt der – die Kulturlandschaft prägenden – landwirtschaftlichen Nutzflächen

wird angestrebt.

Fließgewässer erlebbar machen: Durch neue Wegeführung und Gestaltung werden

die vorhandenen Fließgewässer erlebbar gemacht und das Orts- bzw. Stadtbild

insgesamt aufgewertet.

5.1 Einführung

Wasser ist die grundlegende Voraussetzung für alles Leben auf der Erde. Es ist unverzichtbarer

Bestandteil des gesamten Naturhaushaltes, dient als Lebensraum für

Pflanzen und Tiere und als Lebensgrundlage des Menschen. In diesem Sinne müssen

nach dem neuen Wasserhaushaltsgesetz unsere Wasserressourcen als „nutzbares

Gut“ geschützt werden. Dies gelingt nur bei Beachtung des Zusammenspiels und

der Wechselwirkungen zwischen Trinkwasser, Oberflächenwasser und Abwasser im

gesamten Wasserkreislauf.

27


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Abbildung 5.1

Der Wasserkreislauf (Umweltbericht Ettlingen)

Intakte Gewässerökosysteme stehen auch in weit reichenden Wechselwirkungen mit

dem Boden und der Atmosphäre, so dass Eingriffe oft beträchtliche Folgen haben.

Insbesondere durch Bautätigkeit und Einleitungen sind die natürlichen Funktionen

der Gewässer auf vielfältige Weise gefährdet. Begradigungen vernichten zum Beispiel

Lebensräume am und im Gewässer. Aber auch Flächenversiegelungen, welche

unter Umständen räumlich weit entfernt vom nächsten Gewässer gelegen sind, verhindern

einerseits die Grundwasserneubildung durch Versickerung, verstärken andererseits

auch Hochwasserereignisse. Durch Schadstoffeinträge und Düngemittel sind

besonders oberirdische Gewässer gefährdet. Bei fehlender Pufferwirkung kann jedoch

auch das Grundwasser betroffen sein (Quelle: Umweltbericht Ettlingen).

5.2 Oberflächengewässer

Wesentliche Ziele des Gewässerschutzes sind der gute ökologische und chemische

Zustand der Fließgewässer und Seen. Diese Ziele sind in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie

(EU-WRRL) festgeschrieben.

Wasser kann als Hochwasser aber auch zu einer Gefahr für den Menschen werden.

Durch die Hochwasservorhersage der LUBW gewinnen Rettungskräfte wichtige

Zeit um sich auf drohende Hochwasserereignisse vorzubereiten. Durch rechtzeitiges

Eingreifen von Behörden, Kommunen und Bürgern können immense Schäden verhindert

werden.

In Trockenperioden sind die täglich aktualisierten Niedrigwasservorhersagen der

LUBW eine wichtige Grundlage für das Niedrigwassermanagement. Diese Informationen

finden besonderes Interesse bei Wasserbehörden, Schifffahrt, Energieversorgung

und Landwirtschaft.

Ein Maß für die chemische Belastung von Gewässern ist die Gewässergüte. Doch

trotz Verbesserung der Güteklassen in baden-württembergischen Gewässern ist ein

Rückgang natürlicher Tier- und Pflanzenarten dieser Ökosysteme zu verzeichnen.

Diese Arten benötigen verschiedene morphologische Gewässerstrukturen. Deshalb

berücksichtigen Gewässerbewertungen und Maßnahmen zur naturnahen Gestaltung

heute sowohl chemische als auch morphologische Eigenschaften.

Oberflächengewässer in der Bruchsaler Region treten als Fließgewässer und als

Stillgewässer auf.

28


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Abbildung 5.2

Gewässerplan Bruchsal

5.2.1 Fließgewässer

Die Fließgewässer im Bruchsaler Gemeindegebiet stammen hauptsächlich aus dem

Kraichgau und werden von Quellen gespeist. Der Hauptabfluss erfolgt in nordwestliche

Richtung.

Insgesamt befinden sich auf dem Bruchsaler Gemeindegebiet 29 ständig oder temporär

Wasser führende Bachläufe und Gräben mit einer Gesamtlänge von über 70

Kilometern.

Der Landschaftsplan für die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Bruchsal, Forst,

Hambrücken und Karlsdorf-Neuthard hat die Fließgewässer des Kraichgaus bereits

thematisiert (SFN, 2009):

Im Landschaftsraum des Kraichgaus gibt es sowohl Quellen als auch Oberflächenabflüsse,

die landschaftseigene Fließgewässer speisen und für das Bruchsaler Gemeindegebiet

prägend sind. Die Einzugsgebiete sind durch lokale Wasserscheiden

klar voneinander getrennt. Das größte Gewässersystem hier bildet der Saalbach mit

seinen Nebengewässern, gefolgt vom Grombach. Daneben bilden die Ungeheuerklamm

an der Südgrenze des Gemeindegebietes und der Schattengraben südlich

von Bruchsal kleine separate Einzugsgebiete, deren nicht ständig Wasser führende

Gewässer sich erst in der Oberrheinebene mit den Gewässersystemen von Grombach,

Pfinz und Saalbach verbinden.

Nördlich von Bruchsal fließen mit dem Odentalgraben und Fuchslochgraben zwei

nicht ständig Wasser führende Gräben dem Duttlacher Graben zu. Der Duttlacher

Graben selbst wird vom Kläranlagenauslauf der Kläranlage Bruchsal gespeist und

29


Umweltbericht 2012

5. Wasser

verfügt sonst über keine ständig Wasser führenden Zuflüsse oder Verbindungen zu

den anderen Gewässersystemen.

Entlang der Bruchkante der Oberrheinebene (Verlauf der Bundesstraße 3) treten

mehrere kleine Quellen zu Tage. Die Quellaustritte zwischen Bruchsal und Untergrombach

werden über offene Gräben dem Schönbornwiesengraben zugeführt,

welcher im Bereich der Büchenauer Hardt mit der Fortführung des Schattengrabens

zusammen als Hardtgraben unser Gemeindegebiet verlassen und westlich von

Karlsdorf in die Pfinzkorrektion einmünden.

Saalbachsystem

Der Saalbach tritt, aus seinen Quellgebieten östlich von Bretten im Stromberg kommend,

südlich von Helmsheim in das Bruchsaler Gemeindegebiet ein. In seinem weiteren

Verlauf bis Bruchsal nimmt er zahlreiche Nebengewässer auf, von denen viele

nicht ständig Wasser führen, sei es, weil die Schüttung der sie speisenden Quellen

häufig zu gering ist, oder auch, weil viele dieser Gewässer mit dem Charakter von

Abzugsgräben nur nach starken Niederschlagsereignissen Wasser abführen. Während

die Nebengewässer im Bereich der Ortslagen von Helmsheim und Heidelsheim

ausnahmslos verdolt sind, weist der Saalbach selbst nur in Bruchsal bei der Unterquerung

des Bahnhofsgeländes eine längere Verdolung auf, fließt ansonsten aber

offen. Am westlichen Stadtrand von Bruchsal erfolgt der Abschlag des Saalbachkanals.

Nördlich von Karlsdorf überquert der Saalbach den Saalbachkanal mittels einer

Trogbrücke und wird dann zwischen Dämmen durch die Saalbachniederung (Nebengemarkung

Bruchsal) nach Norden geführt. An zwei Stellen wird nochmals Wasser

für den Wagbach (rechts des Saalbachs) und für den Saugraben (links des Saalbachs

abgeschlagen. Seit Fertigstellung der Neuen Saalbach-Wagbachüberleitung

im Jahre 2010 nördlich des Karlsdorfer Baggersees führt der Oberlauf des Wagbaches

wieder Wasser.

Die biologische Gewässergüte zeigt den Saalbach zum Bearbeitungsstand 2004 (s.

Abb.) auf dem Gesamtteil der Fließstrecke im Bruchsaler Gemeindegebiet mit einer

mäßigen Belastung (=Gewässergüte 2). Die Einstufung erfolgte auf Grundlage der

Untersuchung durch die LUBW.

Abbildung 5.3

Biologische Gewässergüte des Saalbachs (Ausschnitt aus „Biologische Gewässergütekarte Baden-

Württemberg“, Quelle: LUBW 2006)

30


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Im Wasserhaushaltsgesetz ist verankert, dass lt. Europäischer Wasserrahmenrichtlinie

(WRRL) die Oberflächengewässer bis 2015 in einen „guten Zustand“ zu versetzen

sind, soweit dieser noch nicht vorhanden ist. Auf dieser Grundlage wurde für die

Herstellung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Saalbachs eine Maßnahmenplanung

von der Wasserbehörde aufgestellt, welcher die Defizite aufzeigt. Die ermittelten

Maßnahmen zur Strukturverbesserung sind im Bewirtschaftungsplan konkretisiert

und vom Unterhaltungslastträger umzusetzen. Für den Saalbach wurden dabei

die Schwerpunkte auf die Wiederherstellung der Durchgängigkeit sowie auf die Verbesserung

der Gewässerstruktur gelegt. Bisher werden die Maßnahmenumsetzungen

als Freiwilligkeitsleistungen auf dem Ökokonto der Stadt Bruchsal als Guthaben

verbucht.

Nachfolgend sind die bereits realisierten WRRL-Maßnahmen aufgeführt:

Beschreibung vorher nachher

Dammrückverlegung in

Saalbachniederung, Anlage

naturnaher Bachlauf, Fertigstellung

2010

Durchgängigkeit aufwärts

herstellen, Rampe aufreißen,

Fertigstellung 2011

Durchgängigkeit aufwärts

herstellen, Rampe aufreißen,

Sohlgleite Schlachthof, Einbringung

Störsteine, Verbesserung

Sohlstruktur,

Fertigstellung 2011

Durchgängigkeit aufwärts

herstellen, raue Rampe

ehem. Wässerschleuse zw.

Helmsheim und Heidelsheim,

Fertigstellung 2011

Fotos: Leif Pötzsch (Stadt Bruchsal)

31


Umweltbericht 2012

Noch zu realisierende WRRL-Maßnahmen sind:

5. Wasser

Pegel Bruchsal, Sohlgleite, Umsetzung

durch Land Ba-Wü

Altenbergbrücke, Sohlgleite Umsetzung gekoppelt

an Neubau Altenbergbrücke

Fotos: Leif Pötzsch (Stadt Bruchsal)

Die Wasserstände sowie die Abflussmengen des Saalbaches werden schon langjährig

am Pegel in Bruchsal (Augartenstraße) aufgezeichnet und können im Internet aktuell

über die Hochwasservorhersagezentrale des Landes Baden-Württemberg abgefragt

werden. Der Mittelwert des Wasserstandes beträgt 30 cm bei einer Abflussmenge

von 1,34 m 3 /s, bei Hochwasserereignissen beträgt beispielsweise bei einem

50 jährlichen Hochwasser der Wasserstand 1,86 cm und die Abflussmenge ca. 40

m 3 /s. Die Flussgebietsuntersuchung Saalbach (2012) zeigt Überflutungsflächen auf

und schlägt entsprechende lokale Hochwasserschutzmaßnahmen vor. Die Planung

und Umsetzung von diesen Maßnahmen wird als eine von vielen großen Aufgaben in

den nächsten Jahren anzugehen sein.

Grombachsystem

Der Grombach nimmt seinen Ausgang knapp südlich der Gemarkungsgrenze von

Obergrombach in einem System von Gräben im Bereich der Binsheimer Aussiedlerhöfe.

Er unterquert den Obergrombacher Ortskern in einer langen Verdolung und

nimmt darin das Wasser einer mindestens seit dem Mittelalter gefassten Quelle unterhalb

der Schlosskapelle auf. Anschließend durchfließt er den „Wasserfall“, eine mit

Damm und rauer Rampe versehene Hochwasserrückhalteeinrichtung. Am oberen

Ortsrand von Untergrombach tritt er erneut in eine lange Verdolung ein. Zuvor erhält

er seinen wichtigsten Zulauf, den Brunnenbach, der in Quellen im Talgrund oberhalb

des Ortsrandes von Untergrombach entspringt. Der Grombach tritt erst unterhalb der

Bahnlinie Karlsruhe-Bruchsal wieder ins Freie. Im verdolten Bereich in Untergrombach

wird der Grombach-Entlastungskanal abgeschlagen und führt sein Wasser über

den Neuen Kanal bei Büchenau der Pfinzkorrektion zu.

Der Grombach selbst wird im Hochsystem zum Lachengraben westlich von Büchenau

geführt, wo er mit dem von Süden hinzukommenden Weingartener Bach zusammenfließt

und auf Neutharder Gemarkung in die Pfinzkorrektion einmündet.

32


Umweltbericht 2012

5.2.2 Stillgewässer

5. Wasser

Im Bruchsaler Gemeindegebiet treten keine natürlichen Stillgewässer auf. Jedoch

sind durch Auskiesung auf den Gemarkungen der Stadtteile Untergrombach und Büchenau

3 Baggerseen geschaffen worden. Ein kleiner, ehemals durch Kiesabbau

entstandener See befindet sich auf Bruchsaler Gemarkung.

Der Baggersee Metzgerallmend in Untergrombach wird seit 1997 nicht mehr ausgekiest,

er hat eine Größe von cirka 21 Hektar und eine maximale Tiefe von knapp

27 Metern. Aufgrund des starken Nutzungsdruckes durch Angelsport, Baden und

Tauchen wird der Gemeingebrauch des ehemaligen Baggersees mit seinen Uferbereichen

durch eine Rechtsverordnung geregelt. Der See ist als Badegewässer überregional

bekannt, die Wasserqualität wird in der Badesaison vom Landesgesundheitsamt

überwacht.

Foto: Leif Pötzsch (Stadt Bruchsal)

Der Baggersee Alte Allmend in Büchenau ist rein rechtlich noch immer in Betrieb,

allerdings ist seit 2012 die Kiesförderungs- und Aufbereitungsanlage vollständig abgebaut

und vom Werksgelände entfernt. Der Baggersee ist in der Schutzgebietskulisse

Natura 2000 als FFH-Gebiet aufgenommen, hat eine Fläche von etwa 12 Hektar

und weist eine Tiefe von cirka 25 Metern auf. Der Gemeingebrauch des Baggersees

ist durch eine Rechtsverordnung geregelt, da Angelsportnutzung sowie Baden und

Tauchen stattfinden.

Foto: Leif Pötzsch (Stadt Bruchsal)

33


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Der Baggersee Fahrteich in Büchenau ist in Betrieb, die Kiesförderungs- und Aufbereitungsanlagen

wurden 2012 erneuert. Die Wasserfläche hat eine Ausdehnung von

circa 20 Hektar, die Wassertiefe beträgt etwa 23 Meter. Der See wird angelsportlich

genutzt, eine Rechtsverordnung zur Regelung des Gemeingebrauchs besteht nicht.

Foto: Leif Pötzsch (Stadt Bruchsal)

Der Bärensee im Norden von Bruchsal ist durch Kiesausgrabung während des Eisenbahnbaus

vor circa 150 Jahren entstanden. Die Wasserfläche hat eine Ausdehnung

von 0,4 Hektar, die Wassertiefe beträgt nur etwa 1 Meter und ist vom Grundwasserstand

abhängig. Der Bärensee befindet sich in Privatbesitz, sein Name

stammt vom früheren Eigentümer.

Foto: Leif Pötzsch (Stadt Bruchsal)

Mögliche/ zukünftige Maßnahmen:

weitere Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Oberflächengewässer

durch:

• Bepflanzung und Entwicklung standortgerechter Gehölze in den Uferbereichen

• Einrichten von Gewässerrandstreifen als Puffer gegen schädliche Einwirkung angrenzender

Flächen

• Gestaltung der Gewässerstruktur unter Berücksichtigung des Wasserabflusses

und Hochwasserschutzes.

34


Umweltbericht 2012

5.3 Trinkwasser

5. Wasser

Ohne Wasser kommt kein Lebewesen aus. Auch für den Menschen ist es ein wichtiges

Lebensmittel.

In Deutschland stehen insgesamt gesehen genug Wasserressourcen zur Verfügung,

sodass es Kritiker gibt, die Wassersparen als Unsinn bezeichnen. Sie übersehen jedoch,

dass die regionale Verfügbarkeit ausschlaggebend ist und dass diese Menge

des verfügbaren Wassers nicht komplett zu 100 % ausgeschöpft werden kann. Sonst

wäre nämlich eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Gewässer in all ihren ökologischen

Funktionen nicht mehr möglich (siehe Abb. 5.1). Jeder Liter steht nur einmal

zur Verfügung und die Nutzung an einer Stelle erfordert den Verzicht an anderer

Stelle. Auch wenn in unserer Region kein Wassermangel herrscht, gilt es täglich dafür

zu sorgen, das dieses Lebensmittel in erstklassiger Qualität zur Verfügung steht.

In Baden Württemberg werden etwa 75 % des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen.

Die Beschaffenheit und die zur Verfügung stehende Menge des Grundwassers

sind daher wichtige Informationen für die Trinkwasserversorgung. Nach Möglichkeit

soll das Grundwasser ohne aufwändige Aufbereitung für die Trinkwasserversorgung

nutzbar sein.

Mögliche Schadstoffeinträge stammen aus landwirtschaftlichen Quellen (Nitrat und

Pflanzenschutzmittel), aus Industrie und Gewerbe oder der Energieversorgung. Andere

Belastungsquellen bilden Einträge aus Verkehr und Leckagen in Abwasserkanälen

sowie Altlasten.

Das Bruchsaler Trinkwasser wird aus vorhandenen Brunnen und Quellen aus geschützten

Grundwasserreservoiren entnommen. Der Wasserbedarf der Kernstadt

Bruchsal sowie der Stadtteile Heidelsheim, Helmsheim, Ober- und Untergrombach

wird durch die Wasserwerke Bruchsal und Heidelsheim mit zusammen acht Brunnen,

der Unteren-Weg-Quelle und zwei Brunnen in Untergrombach gedeckt. Der Stadtteil

Büchenau wird durch den Zweckverband Wasserversorgung Mittelhardt versorgt. Die

Qualität wird ständig mikrobiologisch, chemisch sowie physikalisch-chemisch kontrolliert

und jährlich amtlich bestätigt. Entsprechend den aktuell geltenden drei europäischen

Härtebereichen („hart“, „mittel“ und „weich“), wird die Qualität des Trinkwassers

der Kernstadt Bruchsal sowie der Ortsteile Büchenau, Unter- und Obergrombach

als „hart“, die des Trinkwassers der Ortsteile Heidelsheim und Helmsheim als

„mittel“ eingestuft. (Weitere Informationen finden Sie auf der ewb-Webseite.)

Auf Bruchsaler Gemarkung befinden sich teilweise oder ganz drei ausgewiesene

Wasserschutzgebiete (WSG 7, OT Heidelsheim, WSG 201 Obergrombach „Untere

Wegquelle und Brunnen I und II und WSG 29 Gemeinde Karlsdorf-Neuthard). In den

jeweiligen Zonen I – III der Schutzgebiete bestehen verschiedene Nutzungseinschränkungen,

sodass stoffliche Einträge ins Grundwasser vermieden werden und

die gute Qualität des Bruchsaler Trinkwassers gewährleistet bleibt.

5.4 Wasserverbrauch und Wassersparen

Der Durchschnittsverbrauch liegt in Deutschland momentan bei ca. 128 Litern

Trinkwasser pro Tag und Einwohner. Dabei werden lediglich zwei bis drei Liter

zum Trinken und Kochen verwendet. Die größten Anteile werden beim Baden, Duschen,

Wäschewaschen und von der Toilettenspülung verbraucht. In den Siebzigern

lag der Durchschnittsverbrauch noch bei über 180 Litern pro Person und Tag. Auch

in der Industrie ist der Wasserbedarf in den letzten 20 Jahren durch wassersparende

35


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Verfahren und Kreislaufführung um ein Drittel verringert worden. Nach diesen Rückgängen

im Wasserverbrauch und einer Tendenz zur Stabilisierung der momentanen

Verbrauchswerte sind steigende Wasserverbräuche insgesamt wohl nicht mehr zu

erwarten, jedoch absehbar auch keine stark sinkenden.

Toilette

Baden und Duschen

44 Liter

41 Liter

Wäschewaschen 17 Liter

Körperpflege

Garten

Autowaschen

Kochen

Sonstiges

6 Liter

6 Liter

3 Liter

3 Liter

8 Liter

Tabelle 5.1:

Durchschnittsverbrauch Trinkwasser in Deutschland pro Person und Tag

(http://www.wnd.shuttle.de/wnd/wendalinum/htmfiles/projekte/wasser/wasserverbrauch-BRD.htm)

Im Unterschied zu anderen Grundstoffen (z.B. Kohle, Öl, Erze) wird Wasser nicht

verbraucht sondern gebraucht, d.h. es gelangt nach vorübergehender Nutzung wieder

in den Wasserkreislauf zurück. Problematisch dabei ist, dass in der Regel jede

Nutzung von Wasser mit kostenintensivem Energieverbrauch (technische Aufbereitung)

und Verschmutzung einhergeht. Wasser sparen vermindert daher Energieverbrauch,

Kosten und Abwasser (Reinigungsaufwand) und ist ökologisch sinnvoll.

Zum Wassersparen gibt es inzwischen zahlreiche Aufklärungsbroschüren von Umweltverbänden,

Ministerien oder Stadtwerken. Neben den bekannten verhaltensbezogenen

Tipps, wie z.B. Duschen statt Baden oder Getränke nicht unter fließendem

Wasser kühlen, gibt es zahlreiche technische Maßnahmen zur Reduzierung des

Wasserverbrauchs. Im Sanitärbereich hat die Toilettenspülung (ca. 1/3 des Tagesverbrauchs)

das größte Einsparpotenzial durch wassersparende Spülkästen, Druckspüler

oder Kurzspültasten. Es gibt außerdem bereits viele wassersparende Armaturen.

Durch den Einbau von Wohnungswasserzählern in Mehrfamilienhäusern lassen

sich Wasserkosten verursachergerecht nach konkretem Verbrauch berechnen und

nicht pauschal nach Wohnungsgröße oder Bewohneranzahl. Der finanzielle Anreiz

für sparsamen Wasserverbrauch und Investitionen in wassersparende Einrichtungen

ist somit größer.

Eine weitere gute Möglichkeit zur Senkung des Trinkwasserverbrauchs ist die

Regenwassernutzung für das Gießen im Garten. Die neue gesplittete Abwassergebühr

gibt dazu verstärkt Anreize.

Indirekt nützlich ist eine vermehrte Versickerung von Regenwasser von Dach- und

befestigten Flächen (Siehe Wasserkreislauf S. 28). Die v.a. in Ballungsgebieten auftretenden

Probleme mit großen Regenmengen können so abgeschwächt werden,

weil die Regenwasserableitungssysteme und die näheren Oberflächengewässer entlastet

werden. Gleichzeitig reichert mehr Versickerungswasser auch das Grundwasser

an und gleicht versiegelungsbedingte Defizite aus.

36


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Insgesamt lässt sich so der durchschnittliche Trinkwasserverbrauch ohne Komfortverlust

oder hygienische Einschränkungen um etwa ein Drittel verringern.

(Quellen: http://www.wnd.shuttle.de/wnd/wendalinum/htmfiles/projekte/wasser/wassereinfuehrung.htm;

Erik Gawel, „Ist Wassersparen wirklich Unsinn?“, Die Zeit 04.04.2012; )

5.5 Abwasser

Neben der Trinkwassergewinnung besteht ein wichtiger Teil der Wasserwirtschaft in

der Entsorgung und Reinigung des anfallenden Schmutzwassers. Als Abwasser wird

dabei sowohl das durch den Gebrauch verunreinigte Schmutzwasser als auch das

von bebauten oder befestigten Flächen abfließende und gesammelte Niederschlagswasser

sowie Fremdwasser aus Grundwasser und anderen Quellen bezeichnet.

Abwässer werden über die Kanalisation in Kläranlagen transportiert und

nach der Behandlung in den Vorfluter geleitet.

Die Abwasserbehandlung zielt in erster Linie auf die Verringerung von Gewässerbelastungen

durch Abwassereinleitungen. Einerseits ist es positiv, wenn möglichst viel

genutztes und verschmutztes Wasser in Kläranlagen gereinigt wird. Anderseits ist es

ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll, wenn möglichst wenig nicht oder nur leicht verschmutztes

Wasser unnötig in Kläranlagen eingeleitet wird. Erstrebenswert ist also

auch hier ein geringer Wasserverbrauch (siehe oben) und gleichzeitig eine geringe

Versiegelung und ein hoher Reinigungsgrad des Abwassers.

Daneben spielt die Rückgewinnung und Wiederverwertung von Nährstoffen im Klärschlamm

eine zunehmende Rolle. Neue Verfahren werden zur Schließung von Stoffkreisläufen

im Sinne einer nachhaltigen Ressourcennutzung entwickelt. Dies betrifft

insbesondere die Rückgewinnung von Phosphor aus der Abwasserreinigung.

In Deutschland sind ca. 94 % der Einwohner an öffentliche Kläranlagen angeschlossen,

in denen die Abwässer praktisch immer behandelt werden. Mit dem privaten

Wasserverbrauch ist auch der Abwasseranfall in den letzten Jahren gesunken. Er

schwankt allerdings in weiten Grenzen zwischen 50 - 400 l pro Tag und Einwohner.

Für Baden-Württemberg gibt das Statistische Landesamt ein Durchschnittsaufkommen

an Schmutzwasser von 147 l pro Tag und Einwohner an.

In Bruchsal werden die Abwässer der Kernstadt, der Ortsteile Ober- und Untergrombach

sowie der Gemeinde Forst über den Eigenbetrieb Abwasserbetrieb in der Kläranlage

Bruchsal behandelt. Die Ortsteile Heidelsheim und Helmsheim entwässern

in die Kläranlage Heidelsheim des Abwasserverbandes Weißach- Oberes Saalbachtal.

Der Ortsteil Büchenau ist an die Kläranlage Karlsdorf-Neuthard des Zweckverbandes

Abwasserverband Kammerforst angeschlossen.

Das öffentliche Kanalnetz der Stadt Bruchsal mit einer Gesamtlänge von 264,4 km

ist in 9 Bezirke aufgeteilt. Darin werden die Abwässer überwiegend im Mischsystem

aufgefangen, d.h. Schmutz- und Regenwasser werden in einem Kanal abgeleitet.

37


Umweltbericht 2012

Kanalbezirk 1 Kernstadt Nord-West

Kanalbezirk 2 Kernstadt Nord-Ost

Kanalbezirk 3 Kernstadt Süd-Ost

Kanalbezirk 4 Kernstadt Süd-West Mischwasser (MW) 164,1 km

Kanalbezirk 5 OT Heidelsheim Regenwasser (RW) 61,9 km

Kanalbezirk 6 OT Helmsheim Schmutzwasser (SW) 38,3 km

Kanalbezirk 7 OT Obergrombach

Kanalbezirk 8 OT Untergrombach

Kanalbezirk 9 OT Büchenau

Tabelle 5.2

Abwasser-Kanalnetz in Bruchsal (Abwasserbetrieb, Stadt Bruchsal)

5. Wasser

Im Rahmen der Eigenkontrollverordnung (EKVO) sind Kommunen verpflichtet ihre

Kanalisationsanlagen regelmäßig zu überprüfen und falls erforderlich zu sanieren. In

Bruchsal wurden seit 2003 nach Kanal-TV-Befahrungen sukzessive großflächige Kanalsanierungen

durchgeführt, sodass die Kanalbezirke 3,4 und 6 fast vollständig in

gutem Zustand sind. In den kommenden Jahren sind jedoch zahlreiche weitere Kanalsanierungen

erforderlich.

Gemessene Schmutzwassermengen liegen nur für die Kläranlage Bruchsal vor.

Rechnet man pauschal den Trinkwasserverbrauch der anderen Ortsteile als deren

annäherndes Schmutzwasseraufkommen, erhält man einen durchschnittlichen Wert

von etwa 275 l pro Einwohner und Tag.

In der Kläranlage Bruchsal wurde im Jahr 2002 erstmals ein integriertes Managementsystem

für Qualität, Umwelt und Arbeitsschutz eingeführt. Die Anlage ist seitdem

nach kontinuierlichen Rezertifizierungs- bzw. Überwachungsaudits nach DIN EN

ISO 9001, 14001 und nach OHSAS 18001 zertifiziert. Maßgebliche Ziele sind die

Energie- und Kostenoptimierung, die Minimierung der Umweltwirkungen sowie kontinuierliche

Verbesserungen in den Arbeitsprozessen.

Bislang wurden Maßnahmen durchgeführt:

- zur Verbesserung der Ablaufwerte (Reinigungsleistung)

- zur Optimierung der Fällung

- zur Erhöhung der Eigenstromerzeugung

- zur Stromverbrauchsreduzierung insgesamt

Außerdem wurde eine mögliche Abwasserwärmenutzung in bestimmten Kanalbereichen

untersucht, ergab aber bislang keine relevanten Nutzungsmöglichkeiten für öffentliche

Gebäude. Die Analyse der Klärschlammentsorgung bezüglich einer ressourcen-

und energieeffizienteren Verwertung ergab bisher ebenfalls keine sinnvollen

umsetzbaren Verbesserungsmöglichkeiten.

(Quellen: Abwasserbetrieb Bruchsal, http://de.wikipedia.org/wiki/Abwasser; Stadt Heidelberg, Förderprogramm

zur Einsparung von Frischwasser und Vermeidung von Abwasser (Nachhaltiges Wassermanagement)

38


Umweltbericht 2012

5.6 Rechtliche Rahmenbedingungen

5. Wasser

Während in der Vergangenheit durch Wasserrecht vorwiegend die Nutzung von

Wasserentnahmen und der Ausbau von Gewässern geregelt wurden, steht heute der

Schutz der Gewässer im Vordergrund.

Durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wurde die Wasserpolitik

der Europäischen Union neu geordnet. Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedsstaaten

bis zum Jahr 2015 die oberirdischen Gewässer in einen guten ökologischen und

chemischen Zustand sowie das Grundwasser in einen guten chemischen und mengenmäßigen

Zustand zu versetzen. Weiterhin wurde die nachhaltige Nutzung der

Wasserressourcen als Ziel formuliert. Die Ziele sollen durch die Schritte Bestandsaufnahme,

Monitoring, Aufstellung von Bewirtschaftungsplänen mit Maßnahmenprogrammen

erreicht werden.

Aus der EU-WRRL sind weitere Richtlinien hervorgegangen. Diese sind die Richtlinie

zum Schutz des Grundwassers vor Verschmutzung und Verschlechterung (Grundwasserrichtlinie)

sowie die Richtlinie über Umweltqualitätsnormen im Bereich der

Wasserpolitik (Umweltqualitätsnormenrichtlinie).

Auf Bundesebene bildet das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) des Bundes die rechtliche

Grundlage. In ihm wurde die WRRL in nationales Recht umgesetzt. Es wird

durch die Wassergesetze der Länder, in Baden-Württemberg das Wassergesetz

(WG), sowie weitere Verordnungen und technische Richtlinien ergänzt und konkretisiert.

Zur Ausführung des WHG stehen verschiedene Verordnungen zur Verfügung. Die

Abwasser-, Trinkwasser- und Grundwasserverordnungen regeln die technischen Verfahren

zur Untersuchung und Aufbereitung des Wassers. Das Hochwasserschutzgesetz

definiert bundesweit einheitliche stringente Vorgaben zur Vorbeugung gegen

Hochwasserschäden. Weitere Gesetze betreffen stoffliche Einträge in Gewässer,

zum Beispiel das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz, das Chemikaliengesetz, das

Pflanzenschutzgesetz und das Düngemittelgesetz sowie die Abwasserverordnung.

Da Trinkwasser als Lebensmittel gilt, greift hier auch das Lebensmittelgesetz.

Im Wassergesetz (WG) stehen neben konkreten Angaben zu Eigentumsverhältnissen

und nachhaltiger Bewirtschaftung von Gewässern der Gewässerschutz und damit

die Umsetzung des EU-Rechts im Vordergrund. Grundsätzlich soll ein naturnaher

Zustand angestrebt werden. Für die Umsetzung sind das Umweltministerium als

oberste Wasserbehörde, die Regierungpräsidien als höhere Wasserbehörden und

die unteren Verwaltungsbehörden als untere Wasserbehörden zuständig. Die Verantwortung

für die Aufstellung von Bewirtschaftungsplänen und Maßnahmenprogrammen

der Flussgebietseinheit Mittlerer Oberrhein hat das Regierungspräsidium

Karlsruhe. Für die Gemarkung Bruchsal liegt ein Maßnahmenkatalog vor. Die darin

enthaltenen Umsetzungsaufforderungen zu den Themen Durchgängigkeit, Mindestwasser

und Strukturverbesserung für die Bruchsaler Gewässer sind bereits zu einem

großen Teil umgesetzt (siehe Abschnitt Oberflächengewässer).

Des Weiteren ist die Stadt Bruchsal Träger der Unterhaltungslast für Gewässer zweiter

Ordnung und erstellt z.B. Gewässerentwicklungspläne (GEP) für den Saalbach

(seit 2002) und den Duttlacher Graben. In diesen Plänen werden über das Gewässer

hinaus auch die angrenzenden Bewirtschaftungsflächen in die Betrachtung einer naturnahen

Entwicklung mit einbezogen.

39


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Aufgrund des Urteils des VGH Baden-Württemberg vom 10.03.2010 müssen in Baden-Württemberg

alle Kommunen die Struktur der Abwassergebühren neu ordnen.

Deshalb wurde es auch in Bruchsal erforderlich, die Gebühren für Schmutz- und Niederschlagswasser

ab 2010 mittels der gesplitteten Abwassergebühr zu trennen. Gemäß

der neuen Abwassersatzung werden die Kosten der Abwasserbeseitigung

entsprechend der tatsächlichen Inanspruchnahme gerechter aufgeteilt.

Zum 01. November 2011 sind wesentliche Änderungen in der Trinkwasserverordnung

in Kraft getreten, in denen gesundheitspolitisch relevante Regelungslücken

zum Beispiel zur Legionellenproblematik beseitigt werden.

40


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Ziel: möglichst geringe Trinkwasserentnahme

Indikator 5a: Wasserverbrauch Gesamtstadt in Liter pro Einwohner und Tag

Liter pro Einwohner u. Tag

160

140

120

100

80

60

40

20

0

Abbildung 5.4.

Datenquelle:

Definition:

141

134 131

130 127 125 127 124 125

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Jahr

Stadtwerke Bruchsal, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Erfasst wird der spezifische Wasserbedarf in Liter je Einwohner und Tag. In

der Statistik ist der Verbrauch von Haushalten, Kleingewerbe und Dienstleistungsunternehmen

enthalten, nicht aber der Verbrauch von Industriebetrieben

und Sondervertragskunden.

Bedeutung:

Entwicklung:

Die Bereitstellung von Trinkwasser (Trinkwasseraufbereitung) ist mit kostenintensivem

Energieaufwand und Materialeinsatz verbunden. Der schonende

und zurückhaltende Umgang mit unserem Wasserdargebot ist notwendig,

da Wasserressourcen in erster Linie Teil des natürlichen Wasserhaushaltes

sind und dort viele ineinander greifende, vor allem ökologische Funktionen

übernehmen. Der Trinkwasserverbrauch ist auch ein Maß für die anfallende

Schmutzwassermenge und damit für die Schadstofffracht, die den jeweiligen

Kläranlagen zugeleitet wird.

Der Wasserverbrauch pro Einwohner und Tag ist in Bruchsal im betrachteten

Zeitraum um ca. 15 Liter gesunken, wobei ab 2007 kein klarer Trend zu

weiterem geringerem Wasserverbrauch erkennbar ist. Die Durchschnittswerte

für Baden-Württemberg sind im Vergleichzeitraum von 124 auf 115 Liter

gesunken und liegen damit unter den Werten von Bruchsal. Der bundesweite

Durchschnitt liegt bei 127 l. Allgemein angestrebt wird ein Ziel von höchstens

100 l verbrauchtem Trinkwasser pro Einwohner und Tag. Durch die neu

eingeführte Aufteilung der Abwassergebühren auf den Trinkwasserbezug

und den Regenwasserabfluss werden jedoch verstärkt Anreize entstehen

Regenwasser zu nutzen, Dächer zu begrünen und auch Trinkwasser einzusparen.

Die Verbrauchsentwicklung ist jedoch auch von der Wetterlage bzw.

den Niederschlagsmengen abhängig.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Ziele für ein nachhaltiges Wassermanagement entwickeln, beschließen, in Abständen

bilanzieren (Sicherung der selbständigen Wasserversorgung)

• Information der Bürger und evtl. Förderung von privaten Maßnahmen, die dem sparsamen

Umgang mit Trinkwasser dienen und zu einer naturverträglichen Regenwasserbewirtschaftung

beitragen (z.B. Entsiegelung von Flächen, Versickerung von Niederschlagswasser,

Dachbegrünungen, Wohnungswasserzähler zur Nachrüstung in Mietwohnungen,

Regenwassernutzung in Haus u. Garten)

41


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Indikator 5b: Wasserverbrauch städtische Liegenschaften in m³

Wasserverbrauch in m³

25.000

20.000

15.000

10.000

5.000

0

Abbildung 5.5

Datenquelle:

17.367

165

105.383


23.782

226

105.383


23.162

209

110.799


20.024

181

110.799


17.984

161

19.304

144

17.782

17.568

132 125

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Gesamtverbrauch in m³

Jahr

111.901


134.367


spezif. Verbrauch pro m² BGF

Stadtwerke Bruchsal, städtisches Verbrauchscontrolling

135.147


140.227


250

200

150

100

50

0

spezif. Verbrauch in m³ /BGF

Definition:

Entwicklung:

Dargestellt ist der im Gebäude- und Energiemanagement erfasste Gesamtverbrauch

der städtischen Liegenschaften (ca. 100 Gebäude, Verwaltungsgebäude,

Feuerwehrgebäude, Friedhofsgebäude, Schulgebäude, Sporthallen,

soziale Einrichtungen, sonstige und angemietete Gebäude). Nicht enthalten

sind Wasserverbräuche die aus Arbeiten anderer Ämter resultieren

(z.B. das Gießen von Bäumen und Anpflanzungen).

Seit 2008 gibt es ein kontinuierliches, verlässliches Verbrauchscontrolling in

der Stadtverwaltung und seitdem ist der Wasserverbrauch der städtischen

Liegenschaften etwa konstant (Durch Abrechnungsänderungen bei der ewb

sind in 2008 nur 10,5 Monate abgerechnet und in 2009 dafür 13,5 Monate).

In den letzten Jahren wurden bei Sanierungen städtischer sanitärer Anlagen

alle Duscheinrichtungen mit Zeitschaltuhren ausgestattet. Bei ca. 80 % der

Toiletten sind Kurzspültasten eingebaut und weitere ca. 80 % der Armaturen

wurden durch wassersparende Modelle ersetzt. Für einen weiteren Vergleich

kann man den Gesamtverbrauch auf die jeweils aktuelle Gesamtfläche

beziehen. Neu gebaute oder neu genutzte Gebäude werden so berücksichtigt.

Der spezifische Wasserverbrauch pro m² Bruttogeschossfläche

hat sich in den letzten Jahren somit verringert. Tatsächlich ausschlaggebend

für den Wasserverbrauch wäre jedoch der Bezug auf die Nutzeranzahl.

Gebäude mit dem höchsten absoluten Wasserverbrauch sind die Gymnasien

JKG und Schönborngymnasium, der Baubetriebshof sowie das Gesamtobjekt

Albert-Schweitzer-Realschule und Pestalozzischule.

mögliche/zukünftige Maßnahmen Aktionen:

• Verbrauchscontrolling kontinuierlich fortführen und bei Abweichungen schnell

reagieren (Rohrbrüche), weitere Unterzähler einbauen

• weiter sukzessiv wassersparende Armaturen bei Sanierungen einbauen

• mögliche Versickerung oder Nutzung des Regenwassers von städtischen Dächern und

befestigten Flächen prüfen

• Dachbegrünungen und Entsiegelung von städtischen Flächen prüfen

42


Umweltbericht 2012

5. Wasser

Ziel: möglichst geringes Abwasseraufkommen

Indikator 5c: Abwasseraufkommen und Reinigungsleistung Kläranlage Bruchsal

Abwassermenge in Tsd. m³

8.000

6.000

4.000

2.000

0

Abbildung 5.6

96,3 97,0 97,3

96,9 97,0

92,8 91,7 91,4

94,0

92,1

93,2 93,7

94,6

92,4

94,2

90,9

91,7

94,1

80,6 81,9

80,4 80,1

80,6 79,7

83,0

77,4

77,5

6.086

5.084

4.997

5.196

5.769

5.472

5.834

6.414

6.027

0

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Jahr

Abwassermenge in Tsd. m³ CSB in % Nges in % Pges in %

100

80

60

40

20

Reinigungsleistung in %

Datenquelle:

Abwasserbetrieb Bruchsal, Leistungsvergleich kommunale Kläranlagen

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Dargestellt wird die in der Kläranlage Bruchsal ankommende Jahres-

Abwassermenge in 1000 m³ aus den Ortsteilen Ober- u. Untergrombach,

Kernstadt und der Gemeinde Forst. Die Gesamtabwassermenge setzt sich

zusammen aus dem Schmutzwasser von Haushalten und Gewerbe sowie

aus Fremdwasser und Regenwasser. Der Abbaugrad von Schmutzfrachten

in Prozent ergibt sich aus der Differenz der jeweiligen Schadstoffgehalte im

Zu- und Ablauf. Angegeben sind die Werte für den chemischen Sauerstoffbedarf

(CSB), für Stickstoff (N) und Phosphat (P).

Die Jahresabwassermenge gibt Auskunft über das von der Kläranlage zu

bewältigende Abwasservolumen. Je geringer die Menge umso geringer der

Energie- und Reinigungsaufwand. Anhand des Abbaugrades von Schmutzfrachten

im Abwasser lässt sich die Leistungsfähigkeit der Kläranlage gut

nachweisen. Der chemische Sauerstoffbedarf dient insbesondere als Summenparameter

zur Quantifizierung der Belastung von Abwasser mit organischen

Stoffen. Phosphat ist in vielen Reinigungs- und Waschmitteln enthalten

und Harnstoff ist die größte Stickstoffquelle. Beide Schadstoffe können

bei Einleitung in Gewässer sauerstoffzehrend, fischgiftig oder eutrophierend

sein.

Weil in Bruchsal Schmutzwasser und Regenwasser in einem Mischsystem

abgeleitet werden, beeinflusst die Niederschlagsmenge eines Jahres das

Abwasseraufkommen. Einen relativ großen Einfluss hat in Bruchsal außerdem

das Fremdwasser aus Grundwasser und anderen Quellen. Aufgrund

steigender Fremdwasseranteile steigt auch die Gesamtabwassermenge in

der Kläranlage Bruchsal seit einigen Jahren leicht an. Die Abbauleistungen

der Schadstofffrachten konnten fast durchgehend auf hohe Werte verbessert

werden und liegen für CSB (95%) und Nges (82%) im Bundesdurchschnitt,

für Pges (91%) sogar darüber.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• weiterhin kontinuierliche Kanalsanierungen bzw. Reparaturen, um hydraulisch ausreichende

und dichte Kanäle zu gewährleisten

43


Umweltbericht 2012

5. Wasser

• weiterhin kontinuierliche Kanalreinigungen, um möglichst geringe Schmutzfrachten in

den Regenrückhaltebecken und in der Kläranlage zu gewährleisten

• weiterhin Energiebilanz und Verbrauchsmittel der Kläranlage optimieren

• keine Schadstoffeinträge durch Klärschlamm sicherstellen

• für die Stadtteile Büchenau, Heidelsheim, Helmsheim von den jeweiligen Abwasserverbänden

die statistischen Daten beschaffen und auswerten

44


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

6. Luft und Lärm

Stadtleitbild Bruchsal 2020:

Luftgüteüberwachung einführen:

Im Rahmen der europaweiten Vorgaben wird eine indikatorengestützte Luftgüteüberwachung

eingeführt.

Lärmbelastung reduzieren:

Durch die Erstellung von Lärmminderungsplänen und daraus resultierenden Maßnahmen

wird die Wohnqualität an Hauptverkehrsstraßen verbessert.

6.1 Luft

6.1.1 Einführung

Eine hohe Luftqualität und Luftreinhaltung sind heute zentrale Fragen des Umweltschutzes.

Auch wenn sich die Luftqualität in der längerfristigen Betrachtung stetig

verbessert hat, wobei im Laufe der Zeit die relevanten Schadstoffe von zunächst Ruß

zu Schwefeldioxid (saurer Regen) und später zum sog. Sommersmog mit Ozon und

dann zu Feinstaub und Stickstoffoxiden wechselten, müssen Luftverunreinigungen

weiterhin dauerhaft vermindert werden (Quelle: Webseite Landesanstalt für Umwelt,

Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg [LUBW], Relevante Luftschadstoffe).

Im Jahr 2013 wird sich die Europäische Union schwerpunktmäßig

mit der Verbesserung der Luftqualität befassen und hat

deshalb 2013 zum Jahr der Luft erklärt. Regelmäßige

Informationen hierzu können auf den Internetseiten des

Umweltbundesamtes abgerufen werden.

Alle Lebewesen sind auf saubere Luft angewiesen. Doch oft ist die Qualität der Luft

durch natürliche Ursachen und in besonderem Maße aber auch durch den Menschen

beeinträchtigt. Die anthropogenen Luftschadstoffe stammen hauptsächlich aus dem

Verkehr, der Industrie, von Heizungen und der Landwirtschaft. Natürliche Quellen für

Luftverunreinigungen sind z.B. Fäulnisprozesse, Baum- und Graspollen, Winderosion

von Bodenmaterial und Waldbrände. Tages- und Jahreszeiten sowie das Wetter beeinflussen

zusätzlich, wie sich diese Emissionen ausbreiten.

Die Einwirkungen von Luftverunreinigungen auf den Menschen, auf Tiere, Pflanzen

und Sachgüter (z.B. Bauwerke) werden als Immissionen bezeichnet. (Quelle: Umweltdaten

2012, LUBW).

Als Luftverunreinigungen werden gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz

(BImSchG) alle Veränderungen der natürlichen Zusammensetzung der Luft bezeichnet,

insbesondere durch Rauch, Ruß, Staub, Gase, Aerosole, Dämpfe und Geruchsstoffe.

Entsprechende Grenz-, Alarm-, Ziel- und Informationswerte sind in der Richtlinie

2008/50/EG des Europäischen Parlaments und des Rates festgelegt, die mit der

39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung

über die Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen - 39. BImSchV)

zusammen mit einer Änderung des BImschG in deutsches Recht umgesetzt sind.

45


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Beispiele für Schadstoffe:

• Benzol wird zu rund 90 % vom Verkehr freigesetzt. Somit sind die Hauptemissionsquellen

die Verbrennung von Benzin in Kraftfahrzeugen, Verdunstungsverluste

beim Betankungsvorgang sowie Freisetzungen bei der industriellen Produktion.

Benzol gilt als krebserregender Luftschadstoff, der bei längerfristiger Aufnahme

zu Schädigungen der inneren Organe führen kann und des Weiteren ein

Stoff mit erbgutveränderndem Potenzial ist.

• Stickstoffoxide (NO x ) entstehen bei Verbrennungsprozessen mit hohen Temperaturen.

Zunächst wird überwiegend Stickstoffmonoxid (NO) freigesetzt, welches

in der Atmosphäre zu Stickstoffdioxid (NO 2 ) oxidiert wird. Stickoxide werden vor

allem durch Kraftfahrzeugverkehr und Verbrennung fossiler Brennstoffe emittiert

und können beim Menschen bei längerer Einwirkung zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit

gegenüber Atemwegsinfektionen führen. Außerdem sind Stickoxide an

weiteren Prozessen beteiligt, z.B. durch Umwandlung zu Nitraten an Überdüngungs-

und Versauerungseffekten (saurer Regen).

• Feinstaub (PM 10 ) ist der Teil der Stäube mit einer Korngröße von maximal 10

Mikrometer Durchmesser. Partikel unterhalb dieser Größe (ab PM 2,5 ) sind lungengängig

und können weit in den menschlichen Organismus vordringen und Beschwerden

des Atemtraktes und des Herz-Kreislauf-Systems verursachen. Auch

die Staubbelastung stammt überwiegend vom Verkehr insbesondere aus Abgasen

von Dieselmotoren, Reifenabrieb, Aufwirbelung usw., von kleinen und mittleren

Feuerungsanlagen und von Industrie und Gewerbe.

6.1.2 Grenzwerte für Luftschadstoffe

Luftschadstoffe können schädliche Einwirkungen auf den Menschen, Tiere, Pflanzen,

Wasser, Boden und Luft sowie Sachgüter haben.

Deshalb sind für Luftschadstoffe in den jeweils gültigen Verordnungen zum BImschG

Grenzwerte vorgegeben, die ab gewissen Fristen einzuhalten sind. In den Jahren bis

zum Inkrafttreten dieser Grenzwerte wird eine kontinuierlich abnehmende Toleranzmarge

hinzugerechnet. Wird dieser Wert überschritten, so ist laut § 47 Abs. 1

BImSchG ein Luftreinhalteplan zu erstellen.

Die Richtlinie 2008/50/EG gibt den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, die für die Einhaltung

der Luftqualitätsgrenzwerte für Stickstoffdioxid (NO 2 ), Feinstaub (PM 10 ) und

Benzol gesetzten Fristen zu verlängern. Der Antrag für eine Fristverlängerung für die

Einhaltung des Grenzwertes für NO 2 wurde für Deutschland gestellt und wird derzeit

von der EU-Kommission bearbeitet. Eine Verlängerung ist bis 31.12.2014 möglich.

Zusätzlich wurden in der Richtlinie 2008/50/EG Luftqualitätsstandards für die noch

kleineren PM 2,5 -Feinstäube festgelegt.

Durch umfangreiche emissionsmindernde Maßnahmen im Verkehrsbereich nehmen

die Benzol-Konzentrationen in Deutschland immer weiter ab. Gaspendelsysteme an

Tankstellen und in Tanklagern mindern den Austritt beim Lagern und Umfüllen. Auch

die Senkung des Benzolgehaltes im Kraftstoff selbst führt zu einer Emissionsminderung,

sodass der geltende Grenzwert von 5µg/m³ in Deutschland nahezu überall eingehalten

wird. (Quelle: Umweltbundesamt, Stand 24.06.2011).

46


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit (Anhang XI Richtlinie 2008/50/EG)

Luftschadstoff Jahresmittelgrenzwert Frist für die Einhaltung des Grenzwertes

Benzol 5 µg/m³ 01.10.2010

Stickstoffdioxid 40 µg/m³

01.10.2010 (Fristverlängerung für Toleranzmargen

bis 31.12.2014 ist beantragt)

PM 10

PM 2,5

Tabelle 6.1

40 µg/m³

25 µg/m³

01.01.2005 (Fristverlängerungen für Toleranzmargen

liegen für einige Städte in Baden-Württemberg

vor)

01.01.2015 (Toleranzmarge 20% am 11.06.2008,

Reduzierung am folgenden 1. Januar und danach

alle 12 Monate um jährlich ein Siebtel bis auf 0%

am 01.01.2015)

6.1.3 Überwachung der Luftqualität in Baden-Württemberg - Messnetze

Um Luftverunreinigungen zu erkennen, zu erfassen und die Ursachen soweit als

möglich zu beseitigen oder zumindest zu begrenzen, werden in Baden-Württemberg

seit Anfang der 70er Jahre sowohl die Art und Menge der in der Luft freigesetzten

Stoffe (Emissionen) als auch die Konzentrationen der Stoffe in der Außenluft (Immissionen)

und ihrer Ablagerung (Deposition) systematisch untersucht und bewertet.

Messnetze werden landesweit von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und

Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) betrieben. (Quelle: Umweltdaten 2012

LUBW)

In der längerfristigen Betrachtung hat sich die Luftqualität in Baden-Württemberg in

den letzten 20 Jahren stetig verbessert. Vor allem bei den Luftschadstoffen Schwefeldioxid,

Kohlenmonoxid, Benzol und Blei liegen die gemessenen Konzentrationen

unterhalb der Immissionsgrenzwerte.

Bei den primär verkehrsbedingten Luftschadstoffen Stickstoffdioxid und Partikel PM 10

lagen die gemessenen Konzentrationen bei den verkehrsnahen Messstationen zum

Teil noch erheblich über den Immissionsgrenzwerten. Die Schadstoffdepositionen in

Form von Staubniederschlag und Schwermetalleintrag lagen auch im Jahr 2011 weit

unterhalb der in der technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) festgelegten

Immissionswerte. (Quelle: Kenngrößen der Luftqualität, Jahresdaten 2011;

LUBW Baden-Württemberg).

Die Emissionen aller wesentlichen Quellen natürlichen und anthropogenen Ursprungs

werden im Emissionskataster der LUBW erfasst:

• kleine und mittlere Feuerungsanlagen

häusliche und gewerbliche Feuerungsanlagen für die Gebäudeheizung und die

Warmwasserbereitung und bei Kleinverbrauchern gemäß § 1 BImSchV

• Verkehr

Straßen-, Schiff-, Schienen- und bodennaher Flugverkehr

• Industrie und Gewerbe

• sonstige technische Einrichtungen

Maschinen, Geräte und Fahrzeuge (z.B. in der Landwirtschaft und auf Baustellen),

Abfallwirtschaft, Abwasserreinigung, Gasverteilung etc.

• biogene Systeme

Abwehungen von Bodenpartikeln, Waldbrände, Pollen und Sporen, Nutztierhaltung

etc.

47


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Bei den kleinen und mittleren Feuerungsanlagen stiegen in den letzten Jahren durch

den verstärkten Einsatz von Holz als Brennstoff die Partikel PM 10 - Emissionen an

(Quelle: Umweltdaten 2012 Baden-Württemberg, LUBW).

Verteilung der Emissionen von PM 10

auf die Quellengruppen in Baden-Württemberg

4%

16%

16%

38%

26%

kleine und mittlere

Feuerungsanlagen

Verkehr

Industrie und Gewerbe

sonstige technische

Einrichtungen

biogene Systeme

Abbildung 6.1

Quelle: Umweltdaten 2012 Baden-Württemberg, LUBW

6.1.4 Überwachung der Luftqualität in Bruchsal

Bis September 1998 war in Bruchsal eine Luftmessstation als Teil des Luftmessnetzes

Baden-Württemberg vorhanden (am Meßplatz, etwa Ecke Schnabel-Henning-Str.

und Am Viehmarkt). Allerdings wurden diese und 13 weitere Messstationen in

Baden-Württemberg aufgrund einer Neukonzeption des Luftmessnetzes aus Kostengründen

abgebaut. Zuvor bestand das Angebot, die Messstation durch die Stadtverwaltung

Bruchsal zu übernehmen. Die daraufhin angestrengten Bemühungen, die

Messstation im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit mit den umliegenden

Gemeinden mit an der Einwohnerzahl orientierter Kostenbeteiligung zu erhalten,

sind ergebnislos geblieben, sodass die Station abgebaut wurde.

Zwischen April 2004 und März 2005 wurden vom Zentrum für Umweltmessungen,

Umwelterhebungen und Gerätesicherheit Baden-Württemberg (UMEG) in der Kernstadt

Bruchsal sowie in allen an der B35 und B3 liegenden Stadtteilen (Untergrombach,

Bruchsal, Heidelsheim, Helmsheim) Messungen der Immissionsbelastung

durch die Luftschadstoffe Stickstoffdioxid (NO 2 ), Benzol und Ruß an insgesamt 17

Standorten durchgeführt. Diese Sondermessung hatte zum Ziel, Auswirkungen eines

Lkw-Nachtfahrverbotes im Raum Pfinztal-Berghausen und Weingarten auf mögliche

Umleitungsstrecken prüfen zu können.

Bei Benzol wurde an allen Messpunkten mit 1,6 – 1,9 µg/m³ sowohl der 2004 geltende

Beurteilungswert von 10 µg/m³ als auch der ab 2010 gültige Grenzwert von

5 µg/m³ eingehalten.

Für die Ermittlung der Feinstaubbelastung erfolgte eine modellhafte Bewertung, die

PM 10 -Jahresmittelwerte von unter 25 µg/m³ ergaben. Damit war die Einhaltung des

Grenzwertes von 40 µg/m³ im Jahresmittel gegeben.

Der für das Jahr 2005 geltende Grenzwert für NO 2 von 50 µg/m³ wurde in der Kernstadt

Bruchsal, Heidelsheim und Helmsheim überschritten. Aufgrund dessen war die

48


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Erstellung eines Luftreinhalteplanes durch das Regierungspräsidium Karlsruhe (§ 47

Abs. 1 BImSchG, § 6 ImSchZuVO) zu prüfen.

Allerdings müssen hierfür Messpunkte gewisse Anforderungen erfüllen wie z.B. enge

schluchtartige Bebauung mit hoher Bewohnerdichte etc. Diese Anforderungen waren

nur bei den Messpunkten entlang der B3 in der Kernstadt Bruchsal und in Untergrombach

erfüllt, sodass nur diese Bereiche in weitere Überlegungen im Zusammenhang

mit einem Luftreinhalteplan bzw. eines Aktionsplanes durch das Regierungspräsidium

Karlsruhe einbezogen wurden.

Die Stadtverwaltung Bruchsal wurde hierbei beteiligt, indem sie Vorschläge von

Maßnahmen zur Luftreinhaltung erarbeitete wie z.B. Verkehrsverflüssigung, Infrastruktur-

und Straßenbaumaßnahmen, Verkehrsbeschränkungen wie Ausweisung

einer Umweltzone etc.

Weitere Messungen im Jahr 2007 ergaben an den Messpunkten in der Kernstadt

Bruchsal gegenüber 2004/2005 mit 43-45µg/m³ geringere NO 2 - Jahresmittelwerte.

Da damit die damals gültigen NO 2 - Jahresmittelwerte von 46 µg/m³ (= Summe aus

Grenzwert von 40µg/m³ plus Toleranzmarge für das Jahr 2007 von 6 µg/m³) eingehalten

wurden, war die Erstellung eines Luftreinhalteplans nicht mehr erforderlich.

Ab dem Jahr 2008 wurden Messungen in der Kernstadt Bruchsal beendet, die allerdings

in einem der nächsten Spotmessprogramme wieder aufgenommen werden

sollten, was bisher nicht erfolgt ist. Mit dem Spotmessprogramm werden an straßennahen

Belastungsschwerpunkten die Konzentrationsspitzen der verkehrsrelevanten

Schadstoffe Stickstoffdioxid und Feinstaub PM 10 gemessen.

Es besteht kein Anspruch einer Kommune auf eine Messstelle; auch dann nicht,

wenn Überschreitungen der Grenzwerte nicht ausgeschlossen werden können (siehe

Landtagsdrucksache 14/1943 vom 06.11.2007).

6.1.4.1 Emissionen in Bruchsal

Für folgende Luftschadstoffe sind im Emissionskataster der LUBW Bruchsaler Werte

für das Jahr 2010 abrufbar:

Emissionen in Bruchsal 2010 in Tonnen pro Jahr

Gruppe* CO NO x SO 2 NMVOC Staub PM10 CH 4 CO 2 N 2 O NH 3

Biogene Systeme n.v. 24 n.v. 153 8 4 36 n.v. 29 42

Kleine und Mittlere

Feuerungsanlagen

Industrie und Gewerbe

Sonstige Technische

Einrichtungen

389 66 21 18 14 14 13 119.953 1 n.v.

Werte liegen nur auf Kreisebene vor

140 35 n.v. 123 2 2 246 4.934 5 n.v.

Verkehr 768 351 1 63 93 41 3 114.209 3 15

Summe 1.297 476 22 357 117 61 298 239.096 38 57

nv: nicht nachweisbar, vernachlässigbar.

* Erläuterungen hierzu siehe Seite 47

Tabelle 6.2

Quelle: Emissionskataster 2010, LUBW

49


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

6.2 Lärm

6.2.1 Einführung

Menschen und die heimische Tierwelt sind einer Vielzahl von Geräuschquellen ausgesetzt

wie Verkehr, Gewerbeanlagen, Sport- und Freizeitanlagen und Nachbarschaftslärm.

Lärm kann als unerwünschter, störender oder belästigender Schall aufgefasst werden.

Während Schall als physikalisches Phänomen gut messbar und charakterisierbar

ist, ist die Belästigung durch Lärm meist abhängig von der individuellen Geräuschwahrnehmung.

So kann etwa das Meeresrauschen als „ruhig“ empfunden

werden, während der gleich laute Straßenverkehr stark belästigt.

Schall wird in Schallpegeln zwischen 0 (Hörschwelle) und 130 (Schmerzgrenze)

Dezibel (dB) gemessen. Die Empfindlichkeit des Gehörs ist stark frequenzabhängig,

d.h. dass tiefe und sehr hohe Töne bei gleicher Intensität schwächer wahrgenommen

werden als Töne mittlerer Frequenzen. Dieser Sachverhalt wird bei der A-Bewertung

von Schallpegeln berücksichtigt (abgekürzt dB (A)).

Beispiele unterschiedlicher Schallpegel:

Lärm dB(A) Ruhe

Schmerzgrenze

Rockkonzert (nahe Lautsprecher)

Presslufthammer in unmittelbarer

Nähe

Kreissäge, übliche Diskothek

Lkw, 1m Abstand

Pkw, 50 km/h, 1m Abstand

Staubsauger

Gespräch

Leise Musik

Kühlschrank

Flüstern

Klick einer PC-Maus in 3m Entfernung

Stille

Hörschwelle

130

120

110

100

90

80

70

am fließenden Gebirgsbach

60 am Meer

50

40

ruhiges Wohngebiet

30

20

10

0

Tabelle 6.3: Orientierende Beispiele unterschiedlicher Schallpegel für Lärm und „Ruhe“

Quelle: Broschüre „Lärmaktionsplanung - Informationen für die Kommunen in Baden-Württemberg“,

Stand November 2011, Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-

Württemberg (LUBW)

6.2.2 Lärmbetroffenheit

Lärm ist für die Menschen in Deutschland eine der am stärksten empfundenen Umweltbeeinträchtigungen.

Subjektive Momente spielen dabei eine wichtige Rolle: derjenige,

der ein Geräusch verursacht, empfindet es in der Regel weniger störend als

der, der ihm ausgesetzt ist.

50


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Umfragen zufolge fühlen sich in Baden-Württemberg etwa 60 Prozent der Bevölkerung

durch Lärm in ihrem Wohnumfeld gestört oder belästigt (Quelle: Webseite

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg LUBW,

Straßenlärm 2012).

Bei der Betrachtung der verschiedenen Lärmquellen geht in Baden-Württemberg die

stärkste Belästigung vom Straßenverkehr mit 31,7%, gefolgt von Flugverkehr

(18,6%), lauten Nachbarn (14,4%) und Schienenverkehr (11,3%) aus. Gewerbe- und

Industrieanlagen (6,5%) sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen (3,5%) stören hingegen

vergleichsweise gering (Quelle: Lärmbelästigung in Baden-Württemberg, Landesanstalt

für Umweltschutz Baden-Württemberg, 2004).

Seit dem Frühjahr 2002 erhebt das Umweltbundesamt in einer Online-Befragung

bundesweit und kontinuierlich Belästigungswerte für Lärm. Der jeweils aktuelle Stand

der Auswertung ist im Internet unter folgender Adresse abrufbar:

http://www.umweltbundesamt.de/laermumfrage/.

6.2.3 Lärm und Gesundheit

Ein Übermaß an Schall, in Stärke und Dauer, kann nachhaltige gesundheitliche Beeinträchtigungen

oder Schäden hervorrufen wie Gehörschäden, vegetative Störungen,

Schlafstörungen und psychische Beeinträchtigungen. Lärm steht im Verdacht,

die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen zu fördern.

6.2.4 Grenzwerte für Lärmarten

Ein allgemeines Gesetz zum Schutz vor Lärm gibt es in Deutschland nicht. In einer

Vielzahl von rechtlichen Regelungen und Vorschriften verschiedenster Rechtsgebiete

wird versucht, den Lärm durch mess- oder berechenbare Größen objektivierbar zu

machen (Schallpegel, Tonhöhen, besondere Geräuschcharakteristika, zeitliches Auftreten

etc.). Es existieren allerdings keine einheitlichen Grenz- und Richtwerte und

auch keine einheitlichen Ermittlungs- und Beurteilungsverfahren.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über den derzeitigen Stand der Regelungen.

Neben den Richtwerten existieren noch vielfältige Regelungen über Zuschläge, mit

denen Geräuschmerkmale wie Impulshaltigkeit, Tonhaltigkeit, Informationshaltigkeit

sowie die Ruhezeiten berücksichtigt werden. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind

diese in der nachfolgenden Tabelle nicht berücksichtigt.

51


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Gesamtübersicht zu Grenz- und Richtwerten „Tag (6-22 Uhr)“ und „Nacht (22-6 Uhr)“

Alle Angaben in dB(A)

Quelle: LUBW, Stand Oktober 2011

Nutzungsart

Straße/

Lärmsanierung

1

16. BlmSchV VLärmSchR 97/

FörderRL Lärmsanierung

Schiene

Industrie- und

Gewerbelärm

Baulärm Sportlärm Freizeitlärm

TA Lärm AVV Baulärm 18. BlmSchV Freizeitlärmrichtlinie

Flug

-lärm

Gesetz

zum

Schutz

gegen

Fluglärm

Lärm

im Städtebau 8

Orientierungswerte

nach DIN

18005,

Beiblatt 1

Tag Nacht Tag Nacht Tag Nacht Tag Nacht Tag Nacht Tag Nacht Tag Nacht

Straße/

Schiene

Lärmvorsorgung

Krankenhäuser,

Schulen, Kur,

Erholungsorte

Reine

Wohngebiete

Allg. Wohngebiete

Gewerbegebiete

Kern-, Dorf-

Mischgebiete

Tag-Schutzzone

1

Tag-

Schutzzone

2

Nacht-

Schutzzone

57 47 70

(67)

59 49 70

(67)

59 49 70

(67)

64 54 72

(69)

69 59 75

(72)

60

(57)

60

(57)

60

(57)

45 35 3 45 2 35 5 45 4 35 3 45 6a 35 3,6b 45 9 35 9

50 35 3 50 2 35 5 50 4 35 3 50 6a 35 3,6b 50 40/35

55 40 3 55 2 40 5 55 4 40 3 55 6a 40 3,6b 55 45/40

62 60 45 3 60 2 45 5 60 4 45 3 60 6a 45 3,6b 60 10 50/45 10

(59)

65

65 55/50

(62) 65 50 3 65 2 50 5 65 4 50 3 65 6a 50 3,6b

65 7a

60 7a

55 11

Erläuterungen:

1. Mit dem Bundeshaushalt 2011 wurden die Immissionsgrenzwerte für bestehende Bundesautobahnen und Bundesstraßen in der

Baulast des Bundes um 3 dB(A) abgesenkt (Werte in Klammern). In Baden-Württemberg wurden diese Werte mit dem Nachtrag zum

Landeshaushalt 2010/2011 auch für Landesstraßen in der Baulast des Landes übernommen.

2. Tagzeitraum von 7 bis 20 Uhr.

3. Maßgebend ist die lauteste Nachtstunde.

4. Bei Sportlärm sind während der gesetzlichen Ruhezeiten strengere Richtwerte einzuhalten

5. Nachtzeitraum von 20 bis 7 Uhr

6a. Freizeitlärmrichtlinie des LAI (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz). Bei Freizeitlärm sind während der Ruhezeiten

und an Sonn- und Feiertagen strengere Richtwerte einzuhalten.

6b. Freizeitlärmrichtlinie des LAI.

7a. Werte gelten für bestehende Flugplätze mit ziviler Nutzung. Für neue oder wesentlich baulich erweiterte zivile und militärische Flugplätze

gelten niedrigere Werte, für bestehende militärische Flugplätze gelten höre Werte.

7b. Werte gelten für bestehende Flugplätze mit ziviler Nutzung. Für neue oder wesentlich baulich erweiterte zivile und militärische Flugplätze

gelten niedrigere Werte.

8. Orientierungswerte sind bei der Planung von Neubaugebieten zu berücksichtigen. Sind hier zwei Werte angegeben, gilt der höhere für

Verkehrslärm und der niedrigere für Gewerbe- und Freizeitlärm, sowie für Geräusche von vergleichbaren öffentlichen Betrieben.

9. Diese Gebietsarten sind nicht explizit ausgewiesen, es wurde der untere Wert für Sondergebiete angegeben. Die Orientierungswerte

bei „sonstigen Sondergebieten“ können je nach Art der Nutzung zwischen 45 und 65 dB(A) (Tag) / 35 und 65 dB(A) (Nacht) liegen.

10. Nach DIN 18005 ist bei Kerngebieten der Orientierungswert für Gewerbegebiete zu verwenden.

11. Wert gilt für bestehende Flugplätze. Für neue oder wesentlich baulich erweiterte zivile und militärische Flugplätze gelten niedrigere

Werte. Wert 55 dB (A) oder mindestens 6 Fluglärmereignisse mit L Amax ≥ 57 dB(A) innen.

Tabelle 6.4

Quelle: http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/50516/

6.2.5 Umgebungslärmkartierung

Neben den o.g. Regelungen legt die Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments

und des Rates über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm

(kurz: EU-Umgebungslärmrichtlinie) ein europaweites einheitliches Konzept fest, um

vorzugsweise schädliche Auswirkungen durch Umgebungslärm zu verhindern, zu

vermeiden oder zu mindern. Ziel ist, die Lärmbelastung durch Umgebungslärm zu

senken und ruhige Gebiete vor einer zukünftigen Verlärmung zu schützen. Unter

Umgebungslärm versteht man unerwünschte oder gesundheitsschädliche Geräusche

52


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

im Freien, die durch Aktivitäten von Menschen verursacht werden, einschließlich des

Lärms, der von Verkehrsmitteln, Straßenverkehr, Eisenbahnverkehr, Flugverkehr

sowie von Geländen für industrielle Tätigkeiten ausgeht. Die Richtlinie gilt nicht für

Lärm, der von der davon betroffenen Person selbst verursacht wird, noch für Lärm

durch Tätigkeiten innerhalb von Wohnungen, Nachbarschaftslärm, Lärm am Arbeitsplatz,

in Verkehrsmitteln oder Lärm, der auf militärische Tätigkeiten zurückzuführen

ist (s. hierzu den vollen Wortlaut der Artikel 3 Buchstabe a und Artikel 2 Absatz 2 EU-

Umgebungslärmrichtlinie).

Die EU-Umgebungslärmrichtlinie wurde über das Bundes-Immissionsschutzgesetz

(§§ 47 a ff BImSchG) und die Verordnung über die Lärmkartierung (34. BImSchV) in

nationales Recht überführt.

Danach sind zeitlich gestaffelt Lärmkarten mit einer europaweit einheitlichen Lärmberechnungsmethode

zu erstellen, die die Lärmsituation entlang stark befahrener

Hauptverkehrsstraßen (Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, § 47b Nr. 3

BImSchG), Bahnlinien und in Ballungsräumen darstellen. Allerdings unterscheiden

sich die nach der Umgebungslärmrichtlinie ermittelten Lärmindizes von den nach den

langjährig eingeführten deutschen Berechnungsvorschriften (z.B. TA Lärm – 6. Allgemeine

Verwaltungsvorschrift zum BImSchG, Verkehrslärmschutzverordnung - 16.

BImSchV etc.), sodass ein direkter Vergleich nicht möglich ist.

Die Lärmkarten sind Grundlage für die Erstellung von Lärmaktionsplänen für lärmentlastende

Maßnahmen unter Beteiligung der Öffentlichkeit.

Zuständig für Lärmaktionspläne sind die Gemeinden (§ 47e BImSchG). Sie sind allerdings

häufig für die Umsetzung der Maßnahmen und teilweise auch für die Durchführung

anschließender Planungen nicht selbst zuständig.

Allerdings gibt es keine verbindlichen Auslösewerte, die zur Aufstellung eines Aktionsplanes

verpflichten.

Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg regt Lärmpegel-

Schwellenwerte in Kombination mit konkreten Betroffenenzahlen als Orientierungshilfe

an.

In den Lärmkarten wird der Lärmindex L Night (über die Nacht gemittelte Lärmbelastung)

sowie der Lärmindex L DEN (über 24 Stunden gemittelte Lärmbelastung) dargestellt.

Der L DEN wird aus Mittelungspegeln in den Zeitphasen Tag, Abend und

Nacht gebildet, mit einer abgestuften Höhergewichtung der Abend- und Nachtwerte.

Lärmindex Tag: L Day (12 Stunden, 6 - 18 Uhr)

Lärmindex Abend: L Evening (4 Stunden, 18 - 22 Uhr)

Lärmindex Nacht: L Night (8 Stunden, 22 - 6 Uhr).

Für die erste Stufe der Lärmaktionsplanung sollte zunächst dort gezielt für Entlastung

gesorgt werden, wo Lärmpegel L DEN von 70 dB (A) oder L Night von 60 dB (A) erreicht

oder überschritten werden; für die zweite Stufe werden Lärmpegel L DEN von 65 dB

(A) oder L Night von 55 dB (A) angeregt. Allerdings sollte ein unverhältnismäßig großer

Aufwand für Einzelfallplanungen, d.h. Lärmaktionspläne für wenige Betroffene, vermieden

werden (Schreiben des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur Baden-

Württemberg vom 23.03.2012, Aktenzeichen 53-8826.15/75, Lärmaktionsplanung,

Verfahren zur Aufstellung und Bindungswirkung).

53


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Zuständigkeiten und Erfassungsgrenzen für die Umgebungslärmkartierung Baden-

Württemberg:

Lärmquelle

Zuständigkeit für die

Kartierung

Erfassungsgrenzwerte

für Stufe 1

Lärmkartierung 30.06.2007

Aktionsplanung 18.08.2008

Erfassungsgrenzwerte

für Stufe 2

Lärmkartierung 30.06.2012

Aktionsplanung 18.07.2013

Ballungsräume jeweilige Kommune > 250.000 Einwohner > 100.000 Einwohner

Hauptverkehrsstraßen*

LUBW

> 6 Mio. Kfz/Jahr

(= 16.400 Kfz/Tag)

> 3 Mio. Kfz/Jahr

(= 8.200 Kfz/Tag)

Haupteisenbahnstrecken Eisenbahnbundesamt > 60.000 Züge/Jahr > 30.000 Züge/Jahr

Tabelle 6.5

*Hauptverkehrsstraßen: Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, jeweils mit einem Verkehrsaufkommen

von über drei Mio. Kfz pro Jahr (§ 47 b Nr. 3 BImSchG).

Neben der Darstellung der flächenhaften Belastung in Form von Lärmkarten sieht die

EU-Umgebungslärmrichtlinie auch tabellarische Angaben über die Anzahl der lärmbelasteten

Menschen, Wohnungen sowie Schul- und Krankenhausgebäude vor.

Weiter sind Angaben zur Gesamtfläche von belasteten Gebieten zu machen.

Die Lärmkarten und die Betroffenheitsanalyse der Stufe 1 der Umgebungslärmkartierung

sind abgeschlossen und stehen auf den Internetseiten der LUBW zur Verfügung.

Bruchsal

Stufe 1 der Lärmkartierung

>6 Mio. Kfz/Jahr

>60.000 Züge/Jahr

Lärmbelastete

Einwohner an

Hauptverkehrsstraßen*

Lärmbelastete

Wohnungen an

Hauptverkehrsstraßen*

Lärmbelastete

Einwohner an

Eisenbahnen des

Bundes

Lärmpegelbereiche

55-60 60-65 65-70 70-75 >75 50-55 55-60 60-65 65-70 >70

dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A)

L DEN L DEN L DEN L DEN L DEN L Night L Night L Night L Night L Night

2912 672 105 17 0 1616 246 24 0 0

1333 308 48 8 0 740 113 11 0 0

2700 790 220 60 20 2410 570 180 40 20

Tabelle 6.6

*Hauptverkehrsstraßen: Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, jeweils mit einem Verkehrsaufkommen

von über drei Mio. Kfz pro Jahr (§ 47 b Nr. 3 BImSchG).

Quelle:

Lärmkartierung LUBW Baden-Württemberg, Stand 09.01.2008 und Eisenbahnbundesamt,

Webseite Stand Dezember 2012

Die Lärmkartierung zeigt für Bruchsal, dass in Bereichen entlang der A 5, B 35 und

der Eisenbahnlinie Bruchsal – Untergrombach Lärmbelastungen vorliegen. Aufgrund

der vorgeschriebenen Betroffenheitsanalyse war eine Erstellung von Lärmaktions-

54


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

plänen (Stufe 1) für den Bereich der Hauptverkehrsstraßen in Bruchsal bisher nicht

erforderlich. Die Frist für die Erstellung von Lärmaktionsplänen wegen Belastungen

durch Haupteisenbahnstrecken wurde bis Ende 2013 verlängert (siehe Schreiben

des Ministeriums Verkehr und Infrastruktur vom 14.12.2012). In diesem Schreiben

sind auch niedrigere Betroffenenzahlen als bisher mitgeteilt worden.

Die Lärmkartierung der Stufe 2 an Hauptverkehrsstraßen (mehr als 3 Mio. Kfz/Jahr)

liegt seit Ende Januar 2013 vor und steht auf den Internetseiten der LUBW zur Verfügung.

Die Lärmkartierung der Stufe 2 der bundeseigenen Haupteisenbahnbahnstrecken

durch das Eisenbahnbundesamt verzögert sich und soll bis Ende 2013 erstellt werden.

Bruchsal

Stufe 2 der Lärmkartierung

>3 Mio Kfz/Jahr

>30.000 Züge/Jahr

Lärmbelastete Einwohner

an Hauptverkehrsstraßen*

Lärmbelastete Einwohner

an nichtbundeseigenen

Haupteisenbahnstrecken

Lärmpegelbereiche

55-60 60-65 65-70 70-75 >75 50-55 55-60 60-65 65-70 >70

dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A)

L DEN L DEN L DEN L DEN L DEN L Night L Night L Night L Night L Night

4751 2288 1046 871 27 3462 1435 1009 39 0

68 14 0 0 0 37 0 0 0 0

Tabelle 6.7

*Hauptverkehrsstraßen: Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, jeweils mit einem Verkehrsaufkommen

von über drei Mio. Kfz pro Jahr (§ 47 b Nr. 3 BImSchG).

Quelle: Lärmkartierung LUBW Baden-Württemberg, Stand 22.01.2013

Aufgrund der Betroffenenzahlen ist für die Stufe 2 der Lärmkartierung für den Bereich

der Hauptverkehrsstraßen ein Lärmaktionsplan durch die Stadtverwaltung Bruchsal

zu erstellen. Entsprechende Vorbereitungen hierzu laufen bereits, sodass die Fertigstellung

bis Ende 2013/Anfang 2014 erfolgen soll.

6.2.6 Straßenlärm

6.2.6.1 Allgemeines

Baden-Württemberg hat nicht nur eigene Verkehrsströme zu bewältigen, sondern ist

auch ein Brennpunkt des Transitverkehrs. Durch den Straßenverkehr fühlen sich

etwa 60 % der Bevölkerung in Baden-Württemberg belästigt. Kraftfahrzeuge sind je

nach Fahrzeugart, Betriebsweise und Fahrbahneigenschaften unterschiedlich laut.

Im Durchschnitt ist ein Lkw bei Tempo 50 so laut wie 20 Pkw.

Beim Verkehrslärm ist das Motorengeräusch allerdings nur beim Anfahren, Beschleunigen

und bei niedriger Fahrgeschwindigkeit pegelbestimmend. Spätestens ab

50 Stundenkilometern tritt der Reifenlärm in den Vordergrund (Quelle: Webseite,

LUBW Baden-Württemberg, Straßenlärm, Juli 2012).

Für die Entstehung des Reifen-Fahrbahn-Geräusches ist neben dem Reifen auch der

Fahrbahnbelag von entscheidender Bedeutung. Lärmoptimierte Fahrbahnen können

je nach Belagsart, Verkehrszusammensetzung, Witterung und Geschwindigkeit den

55


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Lärmpegel um 2 bis 5 dB (A) senken (Quelle: Broschüre „Gute Beispiele für Maßnahmen

zur Lärmminderung“, Stand November 2012, LUBW Baden-Württemberg).

6.2.6.2 Mautausweichverkehr, Maßnahmen gegen Straßenlärm in Bruchsal

Seit Jahresbeginn 2005 wird in Deutschland eine streckenbezogene Gebühr für

schwere Lkw auf Autobahnen und seit 01.08.2012 zusätzlich auf vierstreifigen Bundesstraßen

mit Anbindung an das Autobahnnetz erhoben. Sie zielt auf eine verursachergerechtere

Anlastung der Wegekosten und eine Sicherung der Finanzierung des

weiteren Ausbaus und der Unterhaltung der Verkehrsinfrastruktur. Ein Lkw mit 40

Tonnen belastet die Straßendecke etwa 60.000mal stärker als ein Pkw (Quelle:

Webseite Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Lkw-Maut: innovativ,

ökologisch und gerecht; Juni 2012).

Um Erkenntnisse zu gewinnen, auf welchen Strecken des nachgeordneten Straßennetzes

im Regierungsbezirk Karlsruhe mautbedingte Verkehrsverlagerungen mit Lkw

über 12 t eingetreten sind, wurden im Auftrag des Bundes Berechnungen basierend

auf landesweiten Verkehrszählungen durchgeführt. Diese ergaben signifikante Zunahmen

auf Teilbereichen der Bundesstraßen B 10, B 35, B 36 und B 293, und zwar

deutlich stärker in den Nachtstunden als in den Tagesstunden.

Daraufhin wurde zur Eindämmung des Mautausweichverkehrs und der damit verbundenen

Auswirkungen (Lärm, Luftverunreinigungen etc.) die nächtliche Sperrung

(22.00 – 6.00 Uhr) für den Durchgangsverkehr für Lkw über 12 t auf folgenden Strecken

im Jahr 2006 angeordnet (jeweils in beide Richtungen):

• B 3 zwischen B 10 bei Karlsruhe-Durlach und B 35 in Bruchsal

• B 35 zwischen Bruchsal (B 3) und B 10 bei Illingen.

Mit der Sperrung des Lkw-Durchgangsverkehrs in den Nachtstunden kann eine geringere

Belastung der Anwohner erzielt werden, der regionale Wirtschaftsverkehr ist

davon nur unwesentlich betroffen und eine Überwachung lässt sich zielgerichtet

durchführen. Allerdings sind bei Sperrungen des Durchgangsverkehrs Fahrten ausgenommen,

die im Zusammenhang mit der Anliegerfunktion und der Erschließungsfunktion

(bis 20 km) der betroffenen Straße stehen, sowie Fahrten, die dem Regionalverkehr

im Umkreis von 75 km ab dem ersten Beladeort (auch damit verbundene

Leerfahrten) dienen. Weitere Ausnahmen bestehen für Hoheitsfahrzeuge und Hilfstransporte

sowie für Nutzer ausgewiesener Umleitungsstrecken bei besonderen Verkehrslagen

(Sperrung, Stau, stockender Verkehr).

Im Zusammenhang mit dem Mautausweichverkehr wurde von der Stadtverwaltung

Bruchsal eine Verkehrserhebung zur Querschnittsbelastung der B35/östlich Anschluss

Silberhölle-Eggerten in der Zeit vom 12. - 18.03.2005 und 13. - 19.06.2006 in

Auftrag gegeben. Diese ergab, dass der Lkw-Verkehr (Lkw > 12t bzw. Länge von

7,60m – 18,0m) in den genannten Zeiträumen nahezu gleich geblieben ist. Nach Einführung

des Nachtfahrverbotes ab Mai 2006 zeigen die Nachtwerte im Juni 2006 einen

geringeren Lkw-Verkehr.

Als weitere Maßnahme zum Schutz der Anwohner vor Straßenlärm wurden im Spätjahr

2012 zwei Lärmschutzwände mit einer Höhe von zwei bis fünf Metern entlang

der B 35 in Bruchsal errichtet.

56


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Die Lärmschutzwand Schattengraben in Fahrtrichtung Bretten verläuft östlich der

Prinz-Max-Kreuzung B 3 / B 35 bis zur DB-Unterführung und ist rund 250 Meter lang.

Die Lärmschutzwand Hagelkreuz in Fahrtrichtung Germersheim verläuft ab der DB-

Unterführung bis zum Parkplatz Pauluskirche (östlich der Prinz-Max-Kreuzung) und

ist rund 115 Meter lang (Quelle: Pressemitteilung Regierungspräsidium Karlsruhe

vom 24.08.2012).

6.3 Rechtliche Rahmenbedingungen

• Richtlinie 2008/50/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die

Luftqualität und saubere Luft in Europa – EU-Luftqualitätsrichtlinie

• Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen,

Geräusche, Erschütterungen und ähnlichen Vorgängen – Bundes-

Immissionsschutzgesetz (BImSchG)

• 39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung

über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen – 39.

BImSchV)

• Erste allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz

(Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft)

• Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung

und Bekämpfung von Umgebungslärm – EU-Umgebungslärmrichtlinie

• 34. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung

über die Lärmkartierung – 34. BImSchV)

• 6. allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische

Anleitung zum Schutz gegen Lärm – TA Lärm)

• Verschiedene weitere Richtlinien geben Grenzwerte für Schadstoffgehalte in der

Luft und für Lärmschutz an wie Geräte- und Lärmschutzverordnung – 32.

BImSchV, Verkehrslärmschutzverordnung – 16. BImSchV etc.

57


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Ziel: möglichst niedrige Luftverschmutzung

Indikator 6a: Jahresmittelwerte des Luftschadstoffes Stickstoffdioxid (NO 2 )

Messpunkt NO 2- Jahresmittelwert 2004/2005 NO 2 -Jahresmittelwert 2007

Bruchsal Messpunkt 4

Karlsruher Str. 10

50µg/m³

43 µg/m³

Bruchsal Messpunkt 5

Karlsruher Str. 9

60µg/m³

45 µg/m³

Tabelle 6.8

Datenquelle:

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Bericht-Nr. 21-10/2005 UMEG (Zentrum für Umweltmessungen, Umwelterhebungen

und Gerätesicherheit Baden-Württemberg), Schreiben

des Umweltministeriums Baden-Württemberg vom 04.11.2008

Erfasst wurden die Jahresmittelwerte der Konzentration des Luftschadstoffes

Stickstoffdioxid NO 2

Saubere Luft ist lebensnotwendig. Schadstoffimmissionen können

beim Menschen zu akuten gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder

chronischen Beschwerden führen. Luftverunreinigungen sind oftmals

auch eine wesentliche Ursache für Schäden an der natürlichen Vegetation

und an landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Die Emissionen gasund

partikelförmiger Schadstoffe gelangen dabei direkt oder über Umwandlungsprozesse

auch in emittentenferne Regionen.

Die NO 2 –Jahresmittelwerte haben den im Jahr 2007 geltenden

Grenzwert von 46 µg/m³ (=Summe aus Grenzwert von 40 µg/m³ plus

Toleranzmarge von 6µg/m³) eingehalten. Da weitere Messwerte nicht

vorhanden sind, lässt sich keine sichere Aussage treffen, ob der ab

2010 geltende Grenzwert von 40 µg/m³ eingehalten wird.

Bei Benzol und Feinstaub PM 10 ist die Einhaltung der vorgegebenen

Grenzwerte aufgrund der Messergebnisse von 2004/2005 zu erwarten.

(Grenzwerte siehe 39. BImSchV)

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Einrichtung eines Messpunktnetzes und Beschaffung einer mobilen Messstelle

• bei Grenzwertüberschreitungen erfolgt die Erarbeitung und Durchführung spezifischer

Maßnahmen durch das Regierungspräsidium Karlsruhe in Zusammenarbeit mit der betroffenen

Kommune (§ 47 Abs.1 BImSchG, § 6 ImSchZuVO) mit Schwerpunkt auf verkehrslenkenden

und verkehrsreduzierenden Maßnahmen: Ausweisung von Umweltzonen,

Durchfahrtsverbote und Routenführung für Lkw, Optimierung des Verkehrsflusses,

Vermeidung von Transitverkehr durch Innenstadtbereiche, Parkraummanagement und

Parkraumregulierung, Stärkung des ÖPNV, Verbesserungen in der Baustellenlogistik und

Verringerung von Baustellenstaub in Innenstadtbereichen etc.

Weitere Informationen:

Messstellen werden landesweit von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz

Baden-Württemberg betrieben. Hierbei besteht kein Anspruch einer Kommune auf

eine Messstelle; auch dann nicht, wenn Überschreitungen der Grenzwerte nicht ausgeschlossen

werden können (siehe Landtagsdrucksache 14/1943 vom 06.11.2007).

58


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Ziel: möglichst niedrige Lärmbelastung

Indikator 6b: Lärmbelastete Einwohner an Hauptverkehrsstraßen und

Haupteisenbahnstrecken

Bruchsal

Stufe 1 der Lärmkartierung

>6 Mio Kfz/Jahr

>60.000 Züge/Jahr

Lärmbelastete

Einwohner an

Hauptverkehrsstraßen*

Lärmbelastete

Einwohner an Eisenbahnen

des

Bundes

Stufe 2 der Lärmkartierung

>3 Mio. Kfz/Jahr

>30.000 Züge/Jahr

Lärmbelastete

Einwohner an

Hauptverkehrsstraßen*

Lärmpegelbereiche

55-60 60-65 65-70 70-75 >75 50-55 55-60 60-65 65-70 >70

dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A) dB(A)

L DEN L DEN L DEN L DEN L DEN L Night L Night L Night L Night L Night

2912 672 105 17 0 1616 246 24 0 0

2700 790 220 60 20 2410 570 180 40 20

4751 2288 1046 871 27 3462 1435 1009 39 0

Tabelle 6.9

* Hauptverkehrsstraßen: Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen mit mehr als 3 Mio. Kfz/Jahr

(§ 47 b Nr. 3 BImSchG)

Datenquelle: Ermittlung der Lärmbelastung durch Umgebungslärm, Stand 09.01.2008

(Stufe1) und 22.01.2013 (Stufe 2) Landesanstalt für Umwelt, Messungen

und Naturschutz Baden-Württemberg und Eisenbahnbundesamt, Stand Dezember

2009. Die Kartierung des Eisenbahnbundesamtes für die Stufe 2

verzögert sich und soll bis Ende 2013 vorliegen.

Definition:

Bedeutung:

Angegeben ist die Anzahl der lärmbelasteten Einwohner durch Umgebungslärm

für verschiedene Lärmpegelbereiche an Hauptverkehrsstraßen und Eisenbahnen

in Bruchsal, ermittelt nach einem bundeseinheitlich festgelegtem

Berechnungsverfahren. Unterschieden wird zwischen der 24-stündigen

Lärmbelastung (L DEN ) und der nächtlichen Lärmbelastung von 22-6 Uhr

(L Night ). Für die erste Stufe der Lärmaktionsplanung sollte zunächst dort gezielt

für Entlastung gesorgt werden, wo Lärmpegel L DEN von 70 dB (A) oder

L Night von 60 dB (A) erreicht oder überschritten werden. Allerdings sollte ein

unverhältnismäßig großer Aufwand für Einzelfallplanungen, d.h. Lärmaktionspläne

für wenige Betroffene, vermieden werden.

Lärm ist eine der größten Umweltbelastungen für die Menschen. Umfragen

zufolge wird Straßenverkehr als Hauptlärmquelle, gefolgt von Flugverkehr,

lauten Nachbarn und Schienenverkehr empfunden. Industrie- und Gewerbeanlagen

sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen stören demgegenüber weniger.

Lärm kann zu gesundheitlichen Schäden und Beeinträchtigungen wie Gehörschäden,

vegetative Störungen, Schlafstörungen, psychischen Beeinträchtigungen

führen und die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen

fördern.

59


Umweltbericht 2012

6. Luft und Lärm

Ziel ist es, die Lärmbelastung der Bevölkerung zu senken und ruhige Gebiete

vor einer zukünftigen Verlärmung zu schützen.

Entwicklung:

Für viele Lärmarten hat der Gesetzgeber eine Grenze festgelegt. Diese sind

jedoch von Zeit, Ort, Nutzung des Gebietes etc. abhängig. Im Jahr 2002

wurde mit der EU-Umgebungslärmrichtlinie ein einheitliches europaweites

Konzept zur Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm festgelegt.

Die Richtlinie wurde in den Jahren 2005 und 2006 in deutsches Recht umgesetzt.

Die Erstellung von Lärmaktionsplänen (Stufe 1) für den Bereich der Hauptverkehrsstraßen

war in Bruchsal aufgrund der vorgeschriebenen Betroffenheitsanalyse

bisher nicht erforderlich. Die Frist für einen Aktionsplan wegen

Belastung durch Haupteisenbahnstrecken wurde bis Ende 2013 verlängert.

Für die Stufe 2 der Lärmkartierung sind Erfassungsgrenzwerte für Hauptverkehrsstraßen

von mehr als 3 Mio. Kfz/Jahr (= 8.200 Kfz/Tag) und für Haupteisenbahnstrecken

von mehr als 30.000 Zügen pro Jahr festgelegt. Aufgrund

der Betroffenenzahlen bei den Hauptverkehrsstrecken ist von der

Stadt Bruchsal eine Lärmaktionsplanung bis 18.07.2013 zu erstellen

(§§ 47 ff BImSchG). Allerdings hat es bei der Erstellung der Kartierungen

zeitliche Verzögerungen gegeben, sodass diese erst Ende Januar 2013 vorlagen.

Die Kartierung für die Haupteisenbahnstrecken (Stufe 2) verzögert

sich ebenfalls und soll bis Ende 2013 vorliegen.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Lärmminderung beim Straßenverkehr z.B. durch Verbesserung bestehender Fahrbahnbeläge

(Einbau von lärmarmen Fahrbahnbelägen bzw. Sanierung schadhafter Fahrbahndecken),

Lärmschutzwände, Lärmschutzwälle, Lärmschutzfenster, Geschwindigkeitsbeschränkungen,

Verstetigung des Verkehrsflusses ( z.B. Kreisverkehr statt Ampelschaltungen,

Optimierung von Ampelanlagen „Grüne Welle“, Einführung von ampelfreien

Rechtsabbiegerspuren), Verkehrsbeschränkungen wie Lkw-Nachtfahrverbot oder

Anliegerverkehr, Förderung lärmarmer und öffentlicher Verkehrsmittel z.B. durch Ausbau

des Radwegenetzes und Verbesserung des ÖPNV, Verringerung des Parksuchverkehrs

• Lärmminderung beim Schienenverkehr z.B. durch Lärmschutzwände, Tunnel, Lärmschutzfenster,

Umrüstung der Wagenflotte mit positiver Auswirkung auf die Rad-

Schienen-Geräusche, Schleifen der Schienen (akustisch optimiertes, regelmäßig wiederkehrendes

Schienenschleifen – Besonders überwachte Gleis).

60


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

7. Verkehr und Mobilität

Stadtleitbild Bruchsal 2020:

Verkehrliche Lagegunst nutzen

Die Stadt Bruchsal baut bei der weiteren Entwicklung auf ihre hervorragende Einbindung

in das regionale und überregionale Verkehrsnetz auf.

Der regionale öffentliche Nahverkehr soll auf das Mittelzentrum Bruchsal orientiert

werden, der städtische auf die Innenstadt.

Öffentlichen Nahverkehr fördern und ausbauen

Die Stadt Bruchsal baut umwelt- und sozialverträgliche Verkehrsarten weiter aus und

sichert damit die Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen.

Das Stadtbussystem wird als zukunftsfähiges Verkehrsmittel in der Stadt und zur

Vernetzung der Stadtteile erhalten und weiterentwickelt, um den aus der demographischen

Entwicklung resultierenden Erfordernissen zu entsprechen.

Die Erreichbarkeit der öffentlichen Einrichtungen für die Bevölkerung wird durch

ÖPNV sichergestellt.

Individualverkehr lenken

Der motorisierte Individualverkehr wird durch geeignete Maßnahmen, die sich an

umwelt- und stadtplanerischen Erfordernissen (Straßenbild, Schadstoff- und Lärmbelastung,

Verkehrsicherheit u.a.) orientieren, kanalisiert bzw. gelenkt.

Der Durchgangsverkehr wird reduziert. Er wird durch geregelte Führung auf geeigneten

überörtlichen Hauptverkehrsstraßen geleitet.

Der Quell- und Zielverkehr wird kanalisiert. Er wird über möglichst kurze Wege durch

geregelte Führung über Hauptverkehrsstraßen geführt.

Die Fuß- und Radwegeverbindungen zwischen den Wohnquartieren und Stadtteilen

werden vervollständigt.

Straßenraumgestaltung und Parkangebot optimieren

Die Straßengestaltung wird verbessert und das Parkraumangebot optimiert, da dies

auch wichtige Marketing- und Image-Faktoren für eine attraktive Innenstadt darstellen.

7.1 Einführung

In unserer mobilen Gesellschaft spielt der motorisierte Fahrzeugverkehr mit den daraus

resultierenden Lärm- und Schadstoffbelastungen und mit dem Flächenverbrauch

etc. eine große Rolle. Demgegenüber sind das Fahrrad und die eigenen Füße die

umweltschonendsten Verkehrsmittel – abgasfrei, leise und flächensparend. Zusammen

mit öffentlichen Verkehrsmitteln spielen sie im sogenannten Umweltverbund

eine wesentliche Rolle im Bemühen um eine nachhaltige Verkehrsentwicklung. Durch

eine gesteigerte Attraktivität des Fuß- und Radverkehrs sollen Autofahrer für einen

Umstieg auf diese umweltschonenden Verkehrsmittel gewonnen werden.

Im Bemühen um geringere Umweltbelastungen fördert die Stadtverwaltung Bruchsal

den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie die Nutzung des ÖPNV durch

ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für den Anfahrtsweg zur Arbeitsstelle („Jobticket“).

61


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

Des Weiteren wird beim Fuhrpark der Stadtverwaltung Bruchsal bei Ersatz- oder

Neubeschaffung von Fahrzeugen und Maschinen auf geringeren Schadstoffausstoß

geachtet.

7.2 Fußgängerverkehr

7.2.1 Einführung

Das Zu-Fuß-Gehen ist die natürlichste und ursprünglichste Art sich fortzubewegen

und mobil zu sein. Die Anzahl der Wege, die zu Fuß zurückgelegt werden, wird häufig

unterschätzt, da sie oft mit der Nutzung anderer Verkehrsmittel kombiniert werden

und dann bei Zählungen unberücksichtigt bleiben. Der Anteil der reinen Fußwege am

Verkehrsaufkommen beträgt je nach Stadt 25 bis 45%. Kinder und ältere Menschen,

also die schwächsten Verkehrsteilnehmer, nehmen dabei überdurchschnittlich am

Fußverkehr teil (Quelle: Umweltbundesamt, Fußgänger- und Fahrradverkehr, 2012).

Fußgänger können sich nahezu auf allen Flächen und auch auf sehr engem Raum

bewegen. Dennoch werden Fußgänger durch Platzansprüche des motorisierten Verkehrs,

des Radverkehrs, des ruhenden Verkehrs (Parkraum) und diversen Sondernutzungen

der verbliebenen Gehwege wie z.B. durch Händler, Straßencafes oder

Baustellen eingeengt. Auch die Zerschneidung von Fußwegenetzen und die Unfallgefahren

durch den motorisierten Verkehr haben negative Auswirkungen auf die Attraktivität

des Fußgängerverkehrs.

7.2.2 Fußgängerverkehr in Bruchsal

Der Fußgängerverkehr steht mit 25,4% in der Verkehrsmittelwahl der Bruchsaler Bevölkerung

an zweiter Stelle nach dem Pkw (Quelle: Haushaltsbefragung zum Mobilitätsverhalten,

omniphon GmbH 09.10.2012; Auszug siehe Seite 63). Grundsätzlich

werden die Belange der Fußgänger bei allen Planungen einbezogen und kontinuierlich

Verbesserungen bei der Benutzbarkeit von Fußwegen angestrebt, wie beispielsweise

durch Einrichtung von Querungshilfen, Erweiterung der fußgängerfreundlichen

Bereiche wie z.B. der Europaplatz, Attraktivierung der Gestaltung von Mischflächen

in der Innenstadt etc.

Auf einem Teilbereich der Kaiserstraße, dem Friedrichplatz/Friedrichstraße, dem

Schönbornplatz, Schulgasse und Hoheneggerstraße erstreckt sich eine Fußgängerzone.

Folgende weitere Bereiche sind hierin zwischenzeitlich einbezogen worden:

Babette-Ihle-Platz/Anton-Wetterer-Straße, Kirchplatz/Josef-Kunz-Straße und Anton-

Heuchemer-Straße.

Da eine Fußgängerzone weitestgehend vom Fahrzeugverkehr – mit Ausnahme des

zeitlich begrenzten Liefer- und Anfahrtsverkehrs – befreit ist, trägt diese zur Erhöhung

der Lebensqualität der Bewohner bei und lässt den Einkaufsbummel oder das

Verweilen in der Innenstadt entspannter und ansprechender gestalten.

Damit sich auch mobilitätseingeschränkte Menschen möglichst frei und sicher in der

Innenstadt bewegen können, fand im August 2012 eine Begehung u.a. mit der Lokalen

Agenda 21, Arbeitsgruppe Menschen mit und ohne Handicap statt. Für die hierbei

gesammelten Anregungen werden von der Stadtverwaltung Bruchsal in Zusammenarbeit

mit der Lokalen Agenda 21 gestaffelt nach Dringlichkeit Lösungen und

Umsetzungsmöglichkeiten erarbeitet.

62


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

Der Innenstadtbereich Bruchsals wird durch die Gleisanlagen des Bahnhofs getrennt.

Um eine Verbindung der Wohnbereiche westlich der Bahn zur Innenstadt für Fußgänger

zu schaffen, werden derzeit Überlegungen zu verschiedenen Querungsalternativen

der Bahnanlagen (Verlängerung der vorhandenen Unterführung bzw. Fußgängersteg)

diskutiert.

7.3 Radverkehr

7.3.1 Einführung

Radverkehr ist als umweltfreundlicher Verkehr weder mit Lärm noch mit schädlichen

Emissionen verbunden. Sein Flächenbedarf ist vergleichsweise gering. Zusammen

mit dem ÖPNV und dem Fußverkehr bietet er die Möglichkeit, insbesondere die Innenstadtbereiche

vom Kraftfahrzeugverkehr und damit von Stau, von Schadstoffen

und Lärm zu entlasten. Daneben bietet das Fahrrad dem Nutzer und der Nutzerin im

Alltags- und Freizeitverkehr eine bezahlbare Mobilität. Wegen seiner positiven Effekte

auf die Umwelt, das Klima, die Lebensqualität in den Innenstadtbereichen und die

Gesundheit der Menschen sollte der Radverkehr weiter gefördert werden.

Dazu bedarf es einer sicheren, bedarfsgerechten und komfortabel ausgebauten Infrastruktur

mit durchgängigen und vor allem alltagstauglichen Radverkehrsnetzen, die

alle wesentlichen Quell- und Zielpunkte verbinden.

Des Weiteren erhöhen sichere und ausreichende Abstellmöglichkeiten an Bahnhöfen

und Haltestellen des Schienenverkehrs, in Innenstadtbereichen, bei Arbeitgebern,

Behörden und bei Wohnungen, verstärkte polizeiliche Maßnahmen wie Registrierung

und Codierung der Fahrräder, einheitliche Fahrradwegweisungen und Mitnahmemöglichkeiten

in öffentlichen Verkehrsmitteln die Attraktivität des Radverkehrs.

Das Potenzial des Radverkehrs liegt hinsichtlich der Wegelängen vor allem im Entfernungsbereich

bis zu 5 Kilometern, in dem eine intensive Fahrradnutzung im Alltag

für fast alle Fahrtzwecke möglich ist: rund 90% aller Fahrradfahrten finden in diesem

Bereich statt. Zugleich werden auf diesen Strecken aber auch 40% aller Fahrten im

motorisierten Individualverkehr zurückgelegt (Quelle: Nationaler Radverkehrsplan

2020, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung).

Bei der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr ist zu berücksichtigen, dass Radfahrerinnen

und Radfahrer je nach Fahrtzweck, Alter und Erfahrung ganz unterschiedliche

Bedürfnisse und Anforderungen haben, etwa hinsichtlich der Geschwindigkeit oder

des Sicherheitsempfindens bzw. des Sicherheitsbedürfnisses. Unter Umständen ergibt

sich daraus die Notwendigkeit verschiedener Streckenführungen für unterschiedliche

Nutzergruppen (z.B. Schulwege, touristische Routen getrennt von Hauptstrecken

mit hohen Geschwindigkeiten).

7.3.2 Radverkehr in Bruchsal

In Bruchsal stellt das Fahrrad aufgrund der topographischen Verhältnisse mit relativ

geringen Steigungen in weiten Teilen der Gemarkung und relativ geringen Entfernungen

eine Alternative zu anderen Verkehrsmitteln dar. Vorhanden sind unterschiedliche

Radverkehrsführungen wie Mischverkehr auf der Fahrbahn, baulich angelegte

Radwege mit oder ohne Beschilderungen, Markierungslösungen wie z.B.

Schutz- und Radfahrstreifen und Gehwege mit Freigabe für den Radverkehr.

63


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

In Tempo 30-Zonen und in verkehrsberuhigten Bereichen kann entsprechend den

bestehenden Regelungen (StVO bzw. VwV-StVO) davon ausgegangen werden, dass

sich Radfahrer weitgehend ungefährdet bewegen können, sodass hier Radverkehrsanlagen

i.d.R. entbehrlich sind. Im Stadtgebiet Bruchsals sind außer auf den Durchgangsstraßen

überwiegend Straßen mit Tempo 30 vorhanden.

Grundsätzlich sind zwei Arten von Radverkehrsanlagen zu unterscheiden:

• benutzungspflichtige Radverkehrsanlagen

Der Radfahrer muss den Radweg benutzen und darf nicht auf der Fahrbahn fahren.

Zeichen 237

Sonderweg für Radfahrer

Abbildung 7.1

Zeichen 240

gemeinsamer Fuß- und Radweg

Zeichen 241

getrennter Rad- und Fußweg

• nicht benutzungspflichtige Radverkehrsanlagen

Der Radfahrer darf wahlweise auf der Radverkehrsanlage oder auf der Fahrbahn

fahren (z.B.: der Gehweg in der Prinz-Wilhelm-Straße mit Freigabe des Radverkehrs).

Benutzungspflichtige Radwege sind innerorts nur noch an Gefahrenstellen oder bei

sehr hohem Verkehrsaufkommen zulässig.

Deshalb werden in nächster Zeit sämtliche Radwegbeschilderungen in Bruchsal vom

Ordnungsamt der Stadtverwaltung überprüft und vermutlich wird ein Großteil der benutzungspflichtigen

Radwege in andere sog. Radverkehrsanlagen abgeändert werden.

Seit 2013 ist der Radverkehr mit Schrittgeschwindigkeit (nach der Rechtsprechung

bis zu 11 km/h) in der Fußgängerzone Bruchsals freigegeben. Damit ist es nun möglich,

die bestehenden Radverbindungen in Nord-/Südrichtung ohne die bisherigen

erheblichen Umwege zu nutzen.

Im Außerortsbereich bestehen über straßenbegleitende Radwege und ein ergänzendes

Netz von Wirtschaftswegen gute Verbindungen in die Ortsteile und die benachbarten

Gemeinden. Lücken bestehen zwischen Obergrombach und Helmsheim und

zwischen Helmsheim und Heidelsheim auf der Höhe des Rasthofes.

Dagegen besteht im Innerortsbereich noch kein zusammenhängendes Radwegenetz,

dessen einzelne Netzbestandteile teilweise Engstellen, Barrieren, Lücken etc.

aufweisen. Insbesondere durchgängige Radverkehrsanlagen, die ein zügiges Vorankommen

ermöglichen, gibt es im Zentrum noch nicht. Fahrradabstellanlagen sind

ebenfalls noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden.

In diesem Zusammenhang ist auf den Verkehrsentwicklungsplan zu verweisen, der

derzeit im Auftrag der Stadtverwaltung Bruchsal erstellt und auch Daten zum Radverkehr

enthalten wird.

64


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

In Bruchsal ist eine Verknüpfung zwischen dem Radverkehr und dem Öffentlichen

Personennahverkehr durch Fahrradmitnahmemöglichkeiten in Stadtbahnen, Straßenbahnen

und großen Bussen des Karlsruher Verkehrsverbundes und der Stadtbusverkehr

Bruchsal GmbH gegeben.

7.3.2.1 Kennzahlen der Fahrradnutzung

Eine aktuelle Haushaltsbefragung in Karlsruhe und dem Nachbarschaftsverband

Karlsruhe, Bruchsal und Gondelsheim zum Mobilitätsverhalten ergab für Bruchsal,

dass nur 9 % der Befragten in Bruchsal kein Fahrrad besitzen (Quelle: Haushaltsbefragung,

omniphon GmbH, 2012).

Trotz der großen Fahrräderzahl in Bruchsal werden Fahrräder weniger häufig genutzt

als der Pkw.

Mit dem sog. Modal Split wird die Verkehrsmittelwahl, also die Anteile der genutzten

Verkehrsmittel wie motorisierter Individualverkehr (Pkw, Motorrad), Öffentlicher Verkehr

sowie Fuß- und Fahrradverkehr in Prozent angegeben.

In Bruchsal beträgt der Radverkehrsanteil laut der o.g. Umfrage 9,6% und der des

motorisierten Individualverkehrs (MIV) 52,5%, der sich wiederum aus 42,3% als Fahrer

und aus 10,2% als Mitfahrer zusammensetzt.

Hauptverkehrsmittel

Gemeinde zu Fuß Fahrrad MIV als

Fahrer/in

MIV als

Mitfahrer/in

Öffentlicher

Verkehr

Karlsruhe 24,4% 24,5% 25,7% 8,7% 16,7%

Ettlingen 23,4% 15,7% 33,7% 9,5% 17,6%

Bruchsal 25,4% 9,6% 42,3% 10,2% 12,4%

Tabelle 7.1

Quelle: Haushaltsbefragung zum Mobilitätsverhalten für die Stadt und den Nachbarschaftsverband

Karlsruhe, Ergebnisbericht für die Stadt Bruchsal vom 09.10.2012, omniphon GmbH

Wie weitere Beispiele zeigen, bestehen auf lokaler Ebene teilweise deutliche Unterschiede

in der Intensität der Fahrradnutzung:

Freiburg 27%, Heidelberg 30%, Offenburg 25%, Münster 38% (Quelle: jeweilige Internetseite

der genannten Stadt, 2012).

Daneben führt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) deutschlandweit eine

Befragung „ADFC-Fahrradklima-Test“ durch mit dem Ziel der vergleichbaren Erfassung

von Radfahrbedingungen in Städten und Gemeinden, zuletzt in der Zeit vom

25.09.2012 bis 30.11.2012. Bei dieser Abfrage können Radfahrer ihre Einschätzung

zum Radverkehr in ihrer Stadt abgeben u.a. zur Nutzungshäufigkeit des Fahrrades,

Fahrziele, komfortable und sichere Radführung und Fahrradabstellmöglichkeiten

usw. Die vorab festgelegte Mindestfallzahl an Teilnehmern (abhängig von der Stadtgrößenklasse:

50 für Städte und Gemeinden unter 100.000 Einwohnern) wurde 2012

erstmals für Bruchsal erreicht, sodass hier nun Auswertungsergebnisse vorliegen:

insgesamt haben in Bruchsal 189 Personen an der Umfrage teilgenommen. Bruchsal

belegt Rang 217 von insgesamt 252 Städten unter 100.000 Einwohnern.

Die Ergebnisse können auf den Internetseiten des ADFC abgerufen werden.

65


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

7.3.2.2 Fahrradabstellanlagen

Bei steigendem Fahrradverkehr muss auch der zunehmende Bedarf an Fahrradabstellanlagen

gedeckt werden. Folglich sind Abstellmöglichkeiten an Bahnhöfen und

Haltestellen des Schienenverkehrs, in Innenstadtbereichen, bei Arbeitgebern und

Behörden zu schaffen. Handlungsbedarf besteht auch bei Wohnungen, gerade dort,

wo Abstellmöglichkeiten bisher nur schwer zugänglich sind (z.B. im Keller).

An den Bahnhöfen/Haltestellen der Kernstadt Bruchsal und der Stadtteile gibt es insgesamt

481 Fahrradstellplätze, größtenteils überdacht. Am Bahnhof Bruchsal sind

die dort vorhandenen 92 Fahrradstellplätze weder überdacht noch ausreichend.

Deshalb werden hier viele Fahrräder „wild“ im Umfeld abgestellt.

Im Innenstadtbereich Bruchsals gibt es 195 Fahrradstellplätze (zum Vergleich: allein

die Tiefgarage Kaiserstraße, Tiefgarage Bürgerzentrum und das Parkhaus Rathausgalerie

bieten insgesamt 909 Kfz-Stellplätze; Quelle: Bruchsaler Tourismus, Marketing

und Veranstaltungs- GmbH).

Stellplätze für Pedelecs oder E-Bikes mit Schließfächern für die Akkus gibt es bisher

nicht.

Fahrradstellplätze an Bahnhöfen in Bruchsal

und Stadtteilen

Fahrradstellplätze im Innenstadtbereich

Bruchsal

überdacht

nicht

überdacht

überdacht

nicht

überdacht

Bahnhof Bruchsal 92 Rathaus am Otto-Oppenheimer-Platz 4

Stadtbus-Rendezvous - - Kaiserstr./Ecke Dr.-Karl-Meister-Str. 10

Haltestelle Gewerbliches

Bildungszentrum

Fahrradboxen

40

8

Kaiserstr./Schönbornplatz 5

Haltestelle Schlachthof Bruchsal 23 Bibliothek, Am Alten Schloss 24

Haltestelle Tunnelstr. Bruchsal 22 Rathaus am Marktplatz/Rathausstr. 11

Haltestelle Schlossgarten 36 Rathaus/Anton-Heuchemer-Str. 6

Haltestelle Stegwiesen 40 John-Bopp-Str./Ecke Kegelstr. 6

Bahnhof Heidelsheim 40 Babette-Ihle-Platz 10

Haltestelle Heidelsheim-Nord 20 Josef-Kunz-Str. 3

Bahnhof Helmsheim 12 Friedrichsplatz 25

Bahnhof Untergrombach 148 mittlere Friedrichstr. 9

nördliche Friedrichstr./Höhe Bäckerei 5

Am Schlossgarten/Damianstor 20

Martin-Luther-Str./Handelslehranstalt 5

Luisenstr./Post 15

Luisenstr./Stadtbusbüro 8

Bahnhofsplatz/Amalienstr. 10

Europaplatz 19

Summe 369 112 Summe 10 185

Summe insgesamt 481 Summe insgesamt 195

Tabelle 7.2

Quelle: Ordnungsamt und Stadtplanungsamt der Stadtverwaltung Bruchsal

Ein im Mai 2012 von der Stadt Bruchsal gestellter Antrag zur Förderung von Fahrradabstellanlagen

im Rahmen des Sonderförderprogramms „Fahrradabstellanlagen des

Landes Baden-Württemberg zur Verbesserung der Intermodalität“ wurde mit Schrei-

66


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

ben des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur vom 06.08.2012 mit Hinweis auf

die Vielzahl der eingegangen Anträge abgelehnt.

7.3.2.3 Schulwegsicherung und Schulwegpläne

Das Innenministerium Baden-Württemberg hat mit Erlass vom 26.08.2011 die Schulen

aufgefordert, die Wege zwischen Wohnbereich und Schule zu ermitteln und

Schulwegpläne zu erstellen. Für die Wege zu den Grundschulen sind dies in der Regel

Fußwege. Die Wege in die weiterführenden Schulen werden überwiegend mit

öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Rad zurückgelegt. Entsprechend erfordern

die Wege zu den Haltestellen am Wohnort und an den Schulen sowie die mit dem

Rad genutzten Wege besondere Beachtung.

Schulen ohne einen Schulwegplan (fast alle Bruchsaler Schulen) müssen diesen in

den nächsten Monaten erstellen, wobei sie vom Ordnungsamt der Stadtverwaltung

Bruchsal unterstützt werden.

7.3.2.4 Verkehrssicherheit und Verkehrserziehung

Akzeptanz und Nutzung des Fahrrads als Verkehrsmittel hängen maßgeblich von der

Verkehrssicherheit ab. Zentrale Voraussetzung sind Regelkenntnisse und Regelakzeptanz,

gute Sichtverhältnisse, Einsehbarkeit entlang von Radwegen wegen des

Sicherheitsempfindens, Beleuchtung bei Dunkelheit, baulicher Zustand der Radverkehrsanlagen,

Erhöhung der Helmtragequote, Nutzung von heller Kleidung und reflektierenden

Materialien, regelmäßige Wartung des eigenen Fahrrads etc.

Radfahrer zählen neben Fußgängern und Kindern zu den besonders gefährdeten

Verkehrsteilnehmern, die entsprechend in der Unfallbilanz des Polizeipräsidiums

Karlsruhe erfasst werden. Seit dem Jahr 2000 gab es in Bruchsal durchschnittlich

jährlich 50 Verkehrsunfälle mit Radfahrern. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass ein

Teil der Unfälle (z.B. Alleinunfälle, Kleinstunfälle) polizeilich nicht erfasst wird.

Verkehrsunfälle mit Radfahrern in Bruchsal :

Jahr 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Verkehrsunfälle

insgesamt

1.208 1.242 1.289 1.133 1.241 1.249 1.232 1.370 1.273 1.354 1.367 1.323

Verkehrsunfälle

mit Radfahrern

51 42 43 51 52 44 49 67 50 64 44 41

Tabelle 7.3

Quelle: Auszug aus Verkehrsberichten des Polizeipräsidiums Karlsruhe, Akten des Ordnungsamtes

Die im Lehrplan für Grundschulen vorgesehene Verkehrserziehung umfasst auch

eine Fahrradfahrerausbildung, die für Bruchsaler Schüler in Bretten auf dem Verkehrsschulungsplatz

der Verkehrswacht Bruchsal-Bretten stattfindet. Die Bruchsaler

Schüler nutzen den ÖPNV mit Kostenerstattung durch die Stadtverwaltung Bruchsal

oder werden in elterlichen Fahrgemeinschaften nach Bretten gefahren. Der Unterricht

in Bretten wird von der Polizei Karlsruhe durchgeführt. Die Schulungsmittel stellt die

Verkehrswacht Bruchsal-Bretten. Der ursprünglich in Bruchsal vorhandene Verkehrsschulungsplatz

nördlich der Albert-Schweitzer-Realschule entsprach nicht mehr den

heutigen Anforderungen und war deshalb nach dessen Aufgabe als gemeinsames

67


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

Sport- und Spielgelände für die Albert-Schweitzer-Realschule und die Pestalozzi-

Förderschule vorgesehen. Allerdings wurde bisher weder eine Modernisierung des

Verkehrsschulungsplatzes noch ein Umbau für die angrenzenden Schulen realisiert.

Für einen möglichen Neubau eines Verkehrsschulungsplatzes für verschiedene Zielgruppen

wie Kinder aus Kindergärten und Grundschulen, Senioren, Menschen mit

Mobilitätseinschränkungen usw. wurden inzwischen Planungen für einen Standort im

Schlossgarten erstellt. Allerdings sind Grundstücks- und Finanzierungsfragen noch

nicht geklärt, sodass die Realisierung eines Neubaus in naher Zukunft nicht absehbar

ist.

7.3.2.5 Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit

Ein wichtiger Bereich, um die Potenziale des Radverkehrs besser nutzen zu können,

sind eine intensive Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit, die die positiven Effekte

des Radfahrens vermitteln, sowie allgemein für ein fahrradfreundliches Klima

sorgen.

In Bruchsal arbeitet seit dem Jahr 2000 die Lokale Agenda 21 Bruchsal, Arbeitsgruppe

Radwege engagiert am Thema Radverkehr mit, wie z.B. beim Konzept der Radrouten

(alltagstaugliche Radrouten und touristische Radrouten wie z.B. Schönbornroute,

Spargel-Route, Bruchsaler Ringroute etc.), bei der Koordination von Routen

auf Landkreisebene, bei Beschilderungen, bei Querungshilfen, Erstellen von Mängellisten

in Bezug auf Schäden, Sicherheitsaspekte etc.

Am 09.07.2011 wurde erstmals von der Stadtverwaltung Bruchsal zusammen mit der

Arbeitsgruppe Radwege (Lokale Agenda) eine öffentliche Informations- und Diskussionsrunde

zum Thema „Fahrradfahren in Bruchsal“ veranstaltet. Hierbei wurden

rund 100 Hinweise und Anregungen gesammelt, die inzwischen etwa zur Hälfte auf

Lösungen hin überprüft wurden. Teilweise konnten Vorschläge bereits umgesetzt

und realisiert werden.

Im Jahr 2013 ist eine Sympathie-Kampagne „FahrRad 2013“ des Agenda-Büros der

Stadtverwaltung Bruchsal in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Radwege und

weiterer Beteiligter geplant.

7.3.3 Serviceleistungen

Verschiedene Dienstleistungen machen die Nutzung des Fahrrads gerade im Alltagsverkehr

zusätzlich attraktiv. Beispiele dafür sind:

Schlauchautomaten, mobile Reparaturservices, öffentliche Luftpumpstationen, Gepäcksafes

und Lieferservices als Kompensation für das Fehlen eines „Kofferraumes“

für die Zwischenlagerung von Einkäufen und den Transport sperriger Güter, Fahrradwaschanlagen,

Fahrradboxen, Radvermietungen usw.

Seit April 2012 gibt es in Bruchsal, Am Kübelmarkt, eine private Fahrradverleihstation.

7.3.4 Rechtliche Rahmenbedingungen

• Straßenverkehrsgesetz (StVG)

• Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)

• Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV –StVO)

68


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

Ziel: Verringerung des motorisierten Individualverkehrs

Indikator 7a: Beförderungsfälle im ÖPNV in Bruchsal

Anzahl der Busfahrgäste

1.400.000

1.200.000

1.000.000

800.000

600.000

400.000

200.000

0

Abbildung 7.2

1.270.000

1.310.000 1.279.000 1.293.000

1.216.000

1.037.145 1.120.000 1.130.000 1.160.000

1.191.000

826.101

2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Jahr

Datenquelle: Stadtbusverkehr Bruchsal GmbH, 2012

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Angegeben werden die absoluten Beförderungszahlen der Stadtbusverkehr

Bruchsal GmbH nach Jahren. Die dargestellten Beförderungszahlen basieren

auf Hochrechnungen von geschätzten Fahrgastzahlen durch die Busfahrer

an 2 Werktagen und am Samstag je Woche.

Der öffentliche Personennahverkehr stellt eine umweltfreundliche Alternative

zum motorisierten Individualverkehr dar.

Seit Einführung des Stadtbusverkehrs im November 2000 sind die Fahrgastzahlen

deutlich angestiegen und haben sich seit dem Jahr 2006 auf etwa

gleichem Niveau stabilisiert, wobei ein weiterer leichter Anstieg zu verzeichnen

ist.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Kürzungen beim Stadtbus sollten vermieden und Lücken im System durch Ausbau geschlossen

werden, um damit weiter den Anreiz für den Umstieg vom Privat-Pkw in den

Bus zu schaffen.

• Verstärkte Verzahnung der Regionalbuslinien mit dem Stadtbusverkehrsnetz zur Schaffung

von Synergieeffekten umsetzen.

69


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

Indikator 7b: Zahl der Beschäftigten der Stadtverwaltung Bruchsal, die den ÖPNV für

die Strecke Wohnung – Arbeitsstelle nutzen (Jobticket)

Beschäftigte der Stadtverwaltung Bruchsal

700

600

500

400

300

200

100

0

560

576

561 546

527

509 501 501 503 505 493

475

161 176 165 152

116

123 135 127 132 126 118 122

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Beschäftigte insgesamt (mit Azubis)

Nutzer von Jobtickets

Abbildung 7.3

Datenquelle: Personal- und Organisationsamt, 2012

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Angegeben sind die absoluten Zahlen der Beschäftigten einschließlich

Auszubildender und der Nutzer von Jobtickets nach Jahren. Unter Jobticket

wird die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (Karlsruher

Verkehrsverbund einschließlich ScoolCard / Ausbildungskarte

und Stadtbusverkehr) mit Bezuschussung durch die Stadtverwaltung

Bruchsal verstanden.

Eine umweltfreundliche Verkehrsart wird gefördert und damit zur Stärkung

des öffentlichen Personennahverkehrs sowie zur Entlastung des

Innenstadtverkehrs beigetragen.

Seit 1998 wird die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs von

Beschäftigten der Stadtverwaltung Bruchsal mit einem finanziellen Zuschuss

gefördert. Eingeführt wurde diese Förderung zur Stärkung des

ÖPNV und als Ausgleich für eine Reduzierung kostenlos zur Verfügung

gestellter Parkplätze. Folglich konnten Nutzer von Jobtickets kostenlose

Parkplätze der Stadtverwaltung nicht mehr in Anspruch nehmen.

Die Höhe des Zuschusses hat sich im Laufe der Jahre verändert. Ab

dem Jahr 2012 wird der Zuschuss gestaffelt nach Entgelt- bzw. Besoldungsgruppe

gewährt.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Durchschnittlich nutzen 26 % der Beschäftigten ein Jobticket. Hier könnten Anreize geschaffen

werden, dass in noch stärkerem Umfang der Weg zur Arbeit klimafreundlich zurückgelegt

wird, z.B. durch Bereitstellung weiterer Fahrradabstellplätze evtl. mit Überdachung

und abschließbarer Fahrradboxen, Nutzung von Umkleide/Dusche zur Verfügung

stellen, Förderung von Fahrgemeinschaften etc.

• Die Stadtverwaltung Bruchsal könnte verstärkt möglichst gut gewartete Dienstfahrräder

anbieten, damit bei innerörtlichen Dienstfahrten darauf zurückgegriffen werden kann und

Kurzfahrten mit dem Pkw überflüssig werden.

70


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

• Fahrtraining zu Sprit sparendem Fahren für Beschäftigte anbieten, die den städtischen

Fuhrpark nutzen.

• Die Verkehrsmittelwahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Arbeitsstelle unter Angabe

von Gründen erheben. Nach der Auswertung mit Aktionen wie „Radeln zur Arbeit“

oder „Eine Woche ohne Auto“ und sonstiger Anreize auf stärkere klimafreundliche Mobilität

hinwirken.

71


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

Ziel: Fahrzeuge mit möglichst geringem Schadstoffausstoß

Durch die Nutzung klimaschonender Dienstfahrzeuge verringert sich die Schadstoffbelastung.

Die Kommune hat eine wichtige Vorreiterrolle bei der Nutzung besonders schadstoffarmer

Technologien.

Indikator 7c: KFZ-Bestand nach Feinstaubplakette, Stadtverwaltung

35

30

33

keine Plakette

erforderlich,

selbstfahrende

Arbeitmaschine

Bestand städtische Fahrzeuge

25

20

15

10

10

11

16

22

16 16

15

12

6

Schadstofgruppe 1,

keine Plakette

Plakette rot

Plakette gelb

5

Plakette grün

Abbildung 7.4

Datenquelle:

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

0

Stadt Bruchsal

2008 2011

Erfasst wurden die Fahrzeuge des Baubetriebshofs sowie die Fahrzeuge

der Stadtverwaltung ohne Feuerwehr.

Die Feinstaubplakette gibt einen guten Überblick wie sich der städtische

Fahrzeugbestand in Richtung weniger Schadstoffausstoß entwickelt. So hat

sich vor allem der Fahrzeugbestand des Baubetriebshofs in den drei Jahren

von 9 Fahrzeugen mit grüner Plakette auf 16 erhöht, gleichzeitig wurde die

Zahl der Fahrzeuge, die keine Plakette erhalten können von 9 auf 3 Fahrzeuge

reduziert. In Bezug auf besonders schadstoffarme Technologien geben

die Daten allerdings keine Auskunft.

2012 wurde das erste Erdgasfahrzeug angeschafft. Für 2013 ist die Anschaffung

eines Elektroautos und der Bau einer Elektrotankstelle beim Rathaus

am Marktplatz geplant.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Umstellung des Fahrzeugbestandes der Stadtverwaltung Bruchsal und der Töchter auf

Elektrofahrzeuge (Kfz, E-Bikes) und Netzaufbau von Ladestationen. Soweit dies nicht

möglich ist, Anschaffung von umweltschonenden Fahrzeugen (z.B. Erdgas, Fahrzeuge

mit geringem Spritverbrauch)

• Anschaffung von E-Bikes als Dienstfahrräder (Vorbildfunktion der Stadt, auch weitere

Fahrten mit Fahrrad möglich).

72


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

Ziel: Verringerung des motorisierten Individualverkehrs / Fußgänger- und

fahrradfreundliche Stadt

50%

40%

Anteil in Prozent

30%

20%

10%

0%

42,30%

25,40%

9,60%

10,20% 12,40%

zu Fuß Fahrrad MIV als Fahrer/in MIV als Mitfahrer/in Öffentlicher Verkehr

Hauptverkehrsmittel in Bruchsal im Jahr 2012

Abbildung 7.5

Datenquelle: Haushaltsbefragung zum Mobilitätsverhalten für die Stadt und den Nachbarschaftsverband

Karlsruhe, Bruchsal und Gondelsheim; Ergebnisbericht für

die Stadt Bruchsal vom 09.10.2012 (omniphon GmbH)

Definition:

Bedeutung:

Anteile der genutzten Verkehrsmittel wie Fuß- und Fahrradverkehr, motorisierter

Individualverkehr (MIV: Pkw, Motorrad) sowie Öffentlicher Verkehr

(Nah- und Fernverkehr) in Bruchsal in Prozent.

Das Fahrrad und die eigenen Füße sind die umweltschonendsten Verkehrsmittel

– abgasfrei, leise und flächensparend. Durch eine gesteigerte Attraktivität

des Fuß- und Radverkehrs sollen Autofahrer für einen Umstieg auf diese

umweltschonenden Verkehrsmittel gewonnen werden.

Entwicklung: Im Außerortsbereich bestehen über straßenbegleitende Radwege und ein

ergänzendes Netz von Wirtschaftswegen gute Verbindungen in die Ortsteile

und in die benachbarten Gemeinden. Lücken bestehen zwischen Obergrombach

und Helmsheim und zwischen Helmsheim und Heidelsheim auf der Höhe

des Rasthofes. Im Innerortsbereich besteht noch kein zusammenhängendes

Radwegenetz, dessen einzelne Netzbestandteile teilweise Engstellen,

Barrieren und Lücken aufweisen. Durchgängige Radverkehrsanlagen, die ein

zügiges Vorankommen ermöglichen, gibt es im Zentrum noch nicht. Fahrradabstellanlagen

sind noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden.

Bei den Fußwegen werden kontinuierlich Verbesserungen der Benutzbarkeit

durch Einrichtung von Querungshilfen, Erweiterungen der fußgängerfreundlichen

Bereiche und Attraktivierung der Gestaltung von Mischflächen in der Innenstadt

etc. angestrebt.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Beschluss eines Fahrradinfrastrukturkonzeptes mit dem Ziel der Erhöhung des Fahrradanteils

an der Verkehrsmittelwahl und regelmäßiger Mobilitätserhebung als Wirkungskontrolle

von umgesetzten Maßnahmen (Bsp.: Steigerung von derzeit 10% Fahrradanteil an

der Verkehrsmittelwahl in Bruchsal auf 15% bis zum Jahr 2020)

• Weiterhin Berücksichtigung der Belange der Fußgänger und Radfahrer bei allen Planungen.

73


Umweltbericht 2012

7. Verkehr und Mobilität

• Schaffung eines engmaschigen Fußwegenetzes, sicher, angenehm und ohne Umwege.

• Radwegenetz schaffen, das für Radfahrer überall ein sicheres Ankommen auf kurzen

Wegen ermöglicht.

• Komfortable Vernetzung mit dem Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV).

• Gestaltung des Innenstadtbereiches, sodass dieser zum Verweilen, zum Zufußgehen,

zum Radfahren einlädt.

• Bequeme und sichere Fahrradabstellmöglichkeiten bieten.

• Schule, Arbeit, Einkaufen, Freizeitvergnügen: alles gut erreichbar zu Fuß, mit dem Rad

oder in Kombination mit dem ÖPNV.

Weitere Informationen:

Eine kontinuierliche Datenerfassung des Fuß- und Radverkehrs, zumindest Querschnittszählungen

und Unfallanalysen, wenn möglich Haushaltsbefragungen, sind für eine Wirkungskontrolle

von umgesetzten Maßnahmen notwendig.

Im Verkehrsentwicklungsplan 2025 der Stadt Bruchsal, der voraussichtlich im Jahr 2013 fertig

gestellt sein wird, werden viele der hier genannten Themenbereiche enthalten sein.

74


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

8. Energie- und Klimaschutz

Stadtleitbild Bruchsal 2020:

Sparsamen Umgang mit Ressourcen fördern: Die Stadt Bruchsal unterstützt den

sparsamen Umgang mit endlichen Ressourcen und fördert die Nutzung erneuerbarer

Ressourcen. Die verstärkte Förderung der Nutzung regenerativer Energien, wie Solarenergie

und Erdwärme, wird angestrebt.

Ressourcenpolitik bei der Stadtplanung berücksichtigen: Kommunale Planungen

orientieren sich an den Grundsätzen einer nachhaltigen Ressourcenpolitik (z.B.

bei Bebauungsplänen, Verkehrswegen u.a.).

Bei der Erschließung neuer Baugebiete wird eine an die Anforderungen der passiven

Solarenergienutzung angepasste Bebauungsstruktur sowie die Regenwassernutzung

innerhalb des Gebietes angestrebt.

8.1 Einführung

Der Energiebedarf unserer Gesellschaft ist enorm. Neben den verschiedenen Wirtschaftssektoren

verbrauchen auch die privaten Haushalte - also jeder Einzelne von

uns – täglich Energie in den unterschiedlichsten Formen, z. B: für Strom, Heizung

oder Verkehrsmittel. Die Versorgung mit diesen Energien basiert aber noch überwiegend

auf fossilen, nicht erneuerbaren Energieträgern wie Uran, Kohle und Öl. Bei der

Verbrennung fossiler Energieträger werden jedoch klimaschädliche Treibhausgase

freigesetzt. Etwa 80 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland entstehen

derzeit energiebedingt. Auch andere menschliche Aktivitäten wie Viehhaltung und

Waldrodung verursachen die Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Diese Klimagase verändern das natürliche Temperaturgleichgewicht der Erde.

Langwellige Strahlung, die von der Erdoberfläche abgegeben wird, kann nicht frei

durch die Atmosphäre in den Weltraum passieren, sondern wird von den Klimagasen

absorbiert und reflektiert. Die Folge ist eine Aufheizung der Erde. Da der Prozess

dem Wärmerückhalt in einem Treibhaus entspricht, wird auch vom Treibhauseffekt

gesprochen.

Treibhausgase sind Spurengase, das heißt sie kommen nur in geringen Konzentrationen

in der Lufthülle der Erde vor. Aufgrund ihrer charakteristischen physikalischen

Eigenschaften beeinflussen sie dennoch entscheidend das Erdklima. Denn ursprünglich

existiert ein natürlicher Treibhauseffekt durch die Klimagase Wasserdampf,

Kohlendioxid (CO 2 ), Ozon (O 3 ), Distickstoffmonoxid (N 2 O), und Methan (CH 4 ) und

sorgt für eine globale Durchschnittstemperatur von 15° Celsius.

Durch Verbrennung fossiler Energieträger und die Zerstörung von Wäldern setzt der

Mensch jedoch enorme Mengen an zusätzlichem CO 2 und anderen klimawirksamen

Gasen frei. Hierzu zählen insbesondere Methan aus der Rinderhaltung,

Lachgas sowie synthetische halogenierte Kohlenwasserstoffe und Schwefelhexafluorid.

Die im Kyoto-Protokoll genannten Treibhausgase und deren Herkunft werden im

Folgenden kurz erläutert.

Kohlendioxid (CO 2 ) fungiert als Referenzgas, das heißt die Wirksamkeit aller Treibhausgase

wird in Relation zu CO 2 gesetzt. Kohlendioxid entsteht in natürlichen Prozessen

zum Beispiel bei Vulkanausbrüchen, mikrobiologischem Abbau und der At-

75


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

mung. Anthropogen (menschlich verursacht) werden jedoch vorwiegend durch die

Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Erdgas große Mengen

an CO 2 freigesetzt. Mit der großflächigen Zerstörung von Wäldern werden gleichzeitig

natürliche Kohlenstoffsenken vernichtet.

Abbildung 8.1

Temperaturanstieg auf der Erde in Anhängigkeit der CO2-Konzentration

(Quelle: Webseite Klimawandel global)

Methan (CH 4 ) ist der Hauptbestandteil von Erd-, Bio- und Deponiegasen, da es

durch organische Gär- und Zersetzungsprozesse entsteht. Dementsprechend sind

die Hauptquellen auch die Landwirtschaft, insbesondere die Tierhaltung und der

Nassreisanbau (Klimawirksamkeit 21 x CO 2 ).

Distickstoffoxid (N 2 O) wird trivial auch als Lachgas bezeichnet. Es wird vor allem in

der intensiven Landwirtschaft aus Stickstoffdüngern gebildet. Auch bei Verbrennungsprozessen

und im Verkehr entstehen erhebliche N 2 O-Emissionen. Die Verweilzeit

in der Atmosphäre beträgt ca. 100 Jahre. Der prozentuale Beitrag zum

menschengemachten Klimawandel wird auf etwa 5 % geschätzt (Klimawirksamkeit

310 x CO 2 ).

Stickstofftrifluorid (NF 3 ) gibt es erst seit den 90-er Jahren. NF 3 findet Verwendung

als Ersatzstoff für Fluorkohlenwasserstoffe und wird bei der Herstellung von Flachbildschirmen

und Solarzellen benötigt (Klimawirksamkeit 7.200 x CO 2 ).

Teilhalogenierte und perfluorierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW/P-FKW)

werden zusammen mit Schwefelhexafluorid als Ersatzstoffe für Fluorkohlenwasserstoffe

(FCKW) eingesetzt. Die Freisetzung erfolgt somit vorrangig bei der Herstellung

von Schaumstoff, in Kühlanlagen, in Feuerlöschsubstanzen und als Lösungsmittel

(Klimawirksamkeit bis 11.700 x CO 2 ).

Schwefelhexafluorid (SF 6 ) ist das stärkste bekannte Treibhausgas. Es wird hauptsächlich

als Isolator in Hochspannungsanlagen und Transformatoren und als

Schutzgas verwendet. Weiterhin kann es zur Wärmedämmung und zum Lärmschutz

in Isolierglasfenstern eingesetzt werden (Klimawirksamkeit 23.900 x CO 2 ).

(Quelle jeweils Umweltbericht Ettlingen)

76


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

8.2 Klimawandel und Klimaschutzpolitik

Der erhöhte Anteil dieser vom Menschen verursachten Treibhausgase in der

Atmosphäre verursacht einen weltweiten Klimawandel. Der Meeresspiegel ist im

20. Jahrhundert um ca. 17 cm angestiegen und im vergangenen Jahrzehnt zeigen

Satellitenmessungen bereits einen Anstieg von 3 cm. Inzwischen sind vielfältige

Auswirkungen des Klimawandels auch in Deutschland spürbar. Stürme, die ganze

Wälder verwüsten, extreme Gewitter und Hochwasserereignisse sind auch aus

Baden-Württemberg bekannt. Zwischen 1951 und 2000 hat sich die Jahresmitteltemperatur

in unserer Region um 1,5 Grad erhöht. Seit Beginn der systematischen

Temperaturerfassung im Jahr 1861, wahrscheinlich sogar seit 1.000 Jahren waren

die 90er Jahre weltweit das wärmste Jahrzehnt; 1998 war das wärmste Jahr (gefolgt

von den Jahren 2002 und 2003). Je nach Region müssen wir bis zum Jahr 2050 mit

einem weiteren Temperaturanstieg von bis zu 1,7 Grad rechnen. Die Frosttage

haben hier im Mittel um 30 Tage pro Jahr abgenommen, die Sommertage hingegen

um 20 Tage pro Jahr zugenommen. Die Anzahl der Tage mit Starkniederschlägen

hat sich um elf Tage pro Jahr erhöht.

(Quelle: Klimaschutzkonzept 2010 und 2020 PLUS Baden-Württemberg)

Abbildung 8.2

Klimawandel in Baden-Württemberg (Quelle: Webseite BUND LV. Baden-Württemberg)

Die Wissenschaft geht ganz überwiegend davon aus, dass ab einer globalen

Erwärmung um mehr als 2 Grad (und einer Änderungsrate von mehr als 0,2 Grad

pro Jahrzehnt) gefährliche Klimaänderungen sehr wahrscheinlich werden, Klimaveränderungen

die das System Erde so aus der Balance bringen werden, dass es

nach menschlichem Ermessen nicht mehr beherrschbar sein wird. Solche Klimaveränderungen

werden aller Voraussicht nach auch mit unkalkulierbaren Risiken für das

Zusammenleben der Weltgemeinschaft verbunden sein. Die notwendige Begrenzung

der Erderwärmung um max. 2 Grad wird auch als das 2-Grad-Ziel bezeichnet.

Der Klimawandel ist damit langfristig eines der größten Probleme, dem die Weltgemeinschaft

gegenüber steht. Es ist notwendig den Ausstoß an Treibhausgasen,

insbesondere von Kohlendioxid (CO 2 ), deutlich zu verringern (weltweit um 45% -

60% bis 2050 gegenüber 1990). Diese zentrale umweltpolitische Herausforderung

erfordert schonenden Umgang mit fossilen Energieträgern und den Aufbau

einer CO 2 -armen Energieversorgung. Je später die CO 2 -Emissionen sinken umso

schneller und mehr müssen sie sinken, was wiederum entsprechende drastischere

Maßnahmen erfordert (nicht nur umweltpolitisch sondern auch wirtschafts- und

77


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

sozialpolitisch etc.) Ökonomisch gilt die Zusammenfassung: Klimawandel wird sehr

teuer – Klimaschutz relativ günstig.

Steigender Energiebedarf weltweit und der damit einhergehende erhöhte Kohlendioxidanstieg

stehen aber Klimaschutzmaßnahmen entgegen. Einerseits müssen

entschlossene Maßnahmen ergriffen werden, um den Klimawandel aufzuhalten und

andererseits muss die steigende Energienachfrage befriedigt werden, denn die Weltbevölkerung

wächst und die Menschen haben ein Recht auf Entwicklung und einen

angemessenen Lebensstandard. Es gibt erste wissenschaftliche Stimmen, die

warnen, dass das 2-Grad-Ziel ohne konkrete Einigung über globale CO 2 -

Minderungspläne bis spätestens 2020 nicht mehr einzuhalten sein wird.

Abbildung 8.3

CO 2 -Ausstoss in ausgewählter Länder in 2007 pro Kopf und insgesamt

(Quelle: webseite Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit)

Doch wie können diese Ziele erreicht werden – oder anders ausgedrückt – welche

Maßnahmen müssen heute eingeleitet werden, damit spätestens 2050 der Anstieg

der globalen Durchschnittstemperatur auf 2 Grad Celsius begrenzt wird?

Dazu ist eine Reduktion der CO 2 -Emissionen bis 2050 um rund 90 % in den

Industrieländern gegenüber 1990 erforderlich. Und dazu sind Maßnahmen in allen

relevanten Sektoren erforderlich. Der Umbau der Industriegesellschaft und die

Sicherstellung einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und umweltschonenden Energieversorgung

ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Eine

Herausforderung, die unserer Gesellschaft sowohl ethische als auch kulturelle

Grundsatzentscheidungen abverlangt.

78


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Abbildung 8.4

Flaggen verschiedener Länder (Quelle: webseite: Verbraucher fürs Klima.de)

Deutschland hat bisher seine Klimaziele erreicht 1 - im Jahr 2010 wurde bereits eine

Reduktion des CO 2 -Ausstoßes von 22% erreicht - und legte daraufhin die Messlatte

höher. Bis 2020 will Deutschland nun eine Reduktion der Emissionen von 40% erreichen.

Weiterhin sollen die klimaschädlichen Emissionen gegenüber dem Basisjahr

1990 bis 2030 um 55 %, bis 2040 um 70 % und schließlich bis 2050 um 80 - 95 %

sinken. Für Deutschland ist deshalb der grundlegende Umbau der Energieversorgungsstrukturen

hin zu erneuerbaren Energien die zentrale Schlüsselposition zur

Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung. (Im ersten Halbjahr 2012

deckten erneuerbare Energien bereits ein Viertel des deutschen Strombedarfs, um

das Pfingstwochenende lag der Solaranteil im Netz der EnBW sogar bei über 50%.)

Mit einem langfristig angelegten Energiekonzept und den Beschlüssen zur Energiewende

soll dies umgesetzt werden. (Siehe auch „Rechtlicher Rahmen“)

8.3 Kommunen als umsetzende Akteure der Energiewende

In der aktuellen Diskussion zur Umsetzung der Energiewende wird immer mehr deutlich,

dass ihr Gelingen in weitaus stärkerem Maße als bisher dezentrale Ansätze

braucht und somit vorrangig in den Städten und Gemeinden entschieden wird. Das

Klimabewusstsein in der Bevölkerung steigt und in den politischen Ebenen setzt sich

die Erkenntnis durch, dass nationale und regionale Klimaschutzziele nur erreicht

werden können, wenn sie in Städten und Gemeinden mit verschiedensten Aktivitäten

direkt umgesetzt werden. Kommunaler Klimaschutz leistet einen enorm wichtigen

Beitrag zur Klimavorsorge und dient als Vorbild für Bürger und Bürgerinnen, sich dem

Thema Klimaschutz zu nähern und selbst zu handeln. Städte und ihre Stadtwerke

habe die Chance im Interesse ihrer Bürger die Energiewende von Anfang an mit zu

gestalten. Viele Städte haben diese Multiplikatorenwirkung erkannt und sehen Klimaschutz

außerdem immer mehr als zukunftsorientierten Standortfaktor für eine nachhaltige

Entwicklung. Erste klimaneutrale Kommunen gibt es bereits, viele planen

den Weg dorthin.

8.3.1 Flächenausweisung für Windenergieanlagen in Bruchsal

In der Diskussion zur Energiewende spielt die Windenergie eine zentrale Rolle. Abgesehen

vom Bau ist der Betrieb von Windkraftanlagen frei von Treibhausgas-

Emissionen. Die Landesregierung strebt bis 2020 einen Windenergieanteil an der

Stromerzeugung Baden-Württembergs von mindestens 10 Prozent an.

1 Dies ist größtenteils auf den Zusammenbruch der Industrie in den neuen Bundesländern nach 1990 zurück zu führen.

79


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Das Landesplanungsgesetz wurde entsprechend geändert und die bisherigen regionalplanerischen

Vorranggebietsausweisungen für Windenergieanlagen zum

31.12.2012 aufgehoben. Damit sind Windenergieanlagen im Außenbereich gem.

§ 35 Abs. 1 Nr. 5 Baugesetzbuch grundsätzlich zulässig, wenn öffentliche Belange

nicht entgegenstehen und die Erschließung gesichert ist.

Um ausreichend Steuerungsmöglichkeiten zu behalten, wird derzeit von der Stadtverwaltung

Bruchsal für die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Bruchsal, Forst,

Hambrücken, Karlsdorf-Neuthard ein Sachlicher Teilplan Windenergie zum Flächennutzungsplan

2025 mit Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windenergieanlagen

aufgestellt.

Nach dem bisherigen Verfahrenstand sind 8 Prüfflächen ermittelt worden, die

grundsätzlich für Windenergieanlagen unter Berücksichtigung von Abstandsflächen,

Schutzgebieten etc. und hinsichtlich des Windpotentials in Frage kommen.

Diese Flächen liegen alle auf der Gemarkung Bruchsals im Bereich des Kraichgaus

(Rößlenberg, Eisenhut, Spiegelberg, Hornbuckel, An der hohen Straße, Großer

Wald/Stockich, Pfadberg, Eichelberg).

8.4 Energieversorgung und Klimaschutzaktivitäten in Bruchsal

Für die leitungsgebundene Energieversorgung ist in Bruchsal die Energie- und

Wasserversorgung Bruchsal GmbH (ewb) zuständig. Sie liefert als Grundversorger

Erdgas an ca. 3.300 Kunden in der Kernstadt und in den Ortsteilen Untergrombach,

Büchenau und Heidelsheim. Das Verteilnetz dazu wurde in den letzten Jahren weiter

ausgebaut und ergibt nun ca. 190 km.

Die Stromversorgung von Bruchsal und Ortsteilen erfolgt seit 2009 vollständig über

das eigene Leitungsnetz der ewb an ca. 27.500 Kunden. Aus Klimaschutz- und

Nachhaltigkeitsgründen richtet auch die ewb ihre Energieversorgung auf CO 2 -Einsparung

und CO 2 -Vermeidung aus. So bietet sie ihren Kunden in der Gesamtbetrachtung

bereits zu über 30 % Strom aus erneuerbaren Energien. Auch die Nachfrage

der Bürger nach Ökostrom- oder Biogasprodukten steigt. In 2011 verzeichnete

die ewb 273 energreen- und 449 watergreen-Kunden sowie 53 Biogasabnehmer.

Sie bezogen ca. 236 MWh energreen-Strom und 8.800 MWh watergreen-Strom.

Das entspricht ca. 3,5 % des Gesamtstromverbrauchs in Bruchsal. Die ewb und die

Stadt Bruchsal gehen mit gutem Beispiel voran und versorgen ihre Liegenschaften

mit watergreen-Ökostrom.

Für die Wärmeversorgung Bruchsaler Gebäude wurden in 2011 ca. 820 MWh Bio-

Erdgas bezogen, welches aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Der

Anteil am Gesamtgasverbrauch beträgt allerdings nur ca. 0,4 %.

Für die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien sind die Stadtwerke Bruchsal

zunehmend in allen Themenbereichen aktiv (Solarenergie, Bioenergie, Windenergie,

Geothermie, Kraft-Wärme-Kopplung sowie auch Elektro- und Erdgasmobilität). Eine

Erneuerbare Energien Gesellschaft mbH (EEG) wurde 2012 gegründet. Außerdem

fördern die ewb verschiedene Energiesparmaßnahmen und bieten eine kostenlose

Erstberatung zu Energieeffizienzfragen rund um Gebäudetechnik und Gebäudehülle.

(Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der ewb.)

80


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Abbildung 8.5

Energieträgermix der ewb für Strom im Jahr 2011 (Quelle: Webseite ewb)

Seit einigen Jahren beschäftigt sich die Lokale Agenda Arbeitsgruppe „Umwelt

und Energie“ im Rahmen des Agenda 21 - Prozesses mit den Themen Energiesparen

und erneuerbare Energien in Bruchsal. Sie organisiert Umweltmessen, Informationsveranstaltungen,

Aktionen zu erneuerbaren Energien und neu auch die Teilnahme

an der „Solarbundesliga“. Hier war Bruchsal nun zum zweiten Mal am Start

und belegte im landkreisweiten Vergleich einen guten 2. Platz. Laut Arbeitsgruppe ist

jedoch noch Potential nach oben vorhanden.

Die Umwelt- und Energieagentur des Landkreises Karlsruhe ist Ansprechpartner

für private Haushalte, öffentliche Einrichtungen, Wohnungswirtschaft sowie Handwerks-

und Gewerbebetriebe zu allen Fragen der Energie- und CO 2 -Einsparung.

2010 erarbeitete sie das Energie- und Klimaschutzkonzept „zeozweifrei“ für den

Landkreis Karlsruhe mit dem Ziel den Energiebedarf der gesamten Region zu 100 %

aus erneuerbaren Energien zu decken. Um dieses ehrgeizige Ziel Wirklichkeit

werden zu lassen und die Umsetzung der Potenziale für erneuerbare Energien voran

zu bringen, beschloss der Kreistag, am European Energy Award (eea) und am

bundesweiten „100 % Erneuerbare-Energie-Regionen“-Projekt teilzunehmen.

Innerhalb dieses Konzeptes gibt es erstmals auch für die Stadt Bruchsal eine

gesamt-städtische Ist-Analyse zum Gesamtenergieverbrauch und zu CO 2 -

Emissionen. Als Ergebnis zeigte sich, dass der Energiebedarf im Stadtgebiet

bilanziell vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Nach Nutzung

der vorhandenen Energieeinsparpotenziale kann mit einem Mix aus Solarenergie,

Erdwärme, Biomasse, Wind, Wasser und Abwärme im Jahresdurchschnitt

mehr Energie als nötig produziert werden, um dem verbleibenden Jahresenergiebedarf

gerecht zu werden. Die Stadt Bruchsal hat damit eine gezielte Planungshilfe

für zukünftige Klimaschutzaktivitäten. Auch Hausbesitzer profitieren und können auf

der Webseite www.solarkataster.de beispielsweise herausfinden, ob sich ihr Dach

für eine Fotovoltaikanlage eignet.

(Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von zeozweifrei.de)

81


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Bruchsal

Gesamtenergie - Betrachtung in MWh / Jahr

518.656

MWh

741.190

MWh

Ist- Verbrauch

Einsparpotenzial

Rest - Bedarf

Potenzial

Erneuerbare Energien

850.420

MWh

Basis 2010

Abbildung 8.6

Gesamtenergiebetrachtung Stadt Bruchsal (Quelle: Energie- u. Klimaschutzkonzept Landkr Karlsruhe)

Die Stadt Bruchsal möchte ihr Verantwortungsbewusstsein, ihr Engagement und ihre

Vorbildfunktion bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen zu den

Themen Energieeffizienz, Energieeinsparung und Erneuerbare Energien deutlich

machen. Dazu sind die Koordination der vorhandenen Klimaschutzaktivitäten,

die Erstellung energie-politischer Leitbilder und die Beteiligung örtlicher Akteure

sowie der Bürgerschaft notwendig. Denn die eigenständige Gestaltung der Energiewende

hier vor Ort birgt wichtige win-win-Situationen wie:

- die Sicherung einer zukunftsfähigen wirtschaftlichen Entwicklung

- die Sicherung qualifizierter Arbeitsplätze vor Ort (besonders Handwerk)

- die Unabhängigkeit von Energieimporten

- die Stärkung der Gemeinschaft innerhalb der Kommune

(Quelle: MPS Energie Institut)

Trotz oder gerade wegen der alarmierenden Entwicklung des Weltklimas kommt es

zunehmend auf den Einzelnen an. Viele kleine Schritte bewirken auch beim Klimaschutz

letztendlich große Veränderungen. Der Wunsch der Bürger u. a. Akteure nach

mehr Beteilung und Mitgestaltung sowie die entsprechenden Kompetenzen sind vorhanden.

Die Vielzahl der Themen und Aufgaben ist groß. (Bürgersolaranlagen,

-windpark, Wasserkraft- und Geothermienutzung, Gebäudesanierung, ÖPNV,

E-Mobilität, Konsumverhalten…)

8.5 Rechtliche Rahmenbedingungen

Da Klimaveränderungen und deren Folgen und Zusammenhänge global wirken,

muss der Umgang damit auch weltweit geregelt werden.

Der internationale Klimaschutz geht vor allem auf den sogenannten Erdgipfel von Rio

zurück. Dort wurde 1992 die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen

(UNFCCC) mit dem Ziel des Klimaschutzes verabschiedet. Mit der Reduktion von

Treibhausgasen soll die Störung des Klimasystems verhindert bzw. vermindert werden.

Daraus ging zur konkreteren Ausgestaltung 1997 das Kyoto-Protokoll hervor.

82


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Das erst 2005 in Kraft getretene Abkommen legt erstmals völkerrechtlich verbindliche

Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern fest und setzt

einen konkreten Zeitrahmen für die Umsetzung bis 2012. Bislang haben 193 Staaten

sowie die Europäische Union das Kyoto-Protokoll ratifiziert. Es verpflichtet die beteiligten

Industriestaaten, den globalen Ausstoß klimaschädlicher Gase bis 2012 um

5,2% gegenüber 1990 zu senken. Der EU obliegt dabei ein Gesamtminderungsziel

von 8%, das entsprechend des Verursacherprinzips über eine Lastenverteilung auf

die einzelnen EU-Staaten verteilt wird. Für Deutschland sind dies 21 % Minderung.

Details für eine zweite Verpflichtungsperiode nach 2012 sollen auf weiteren UN-

Klimakonferenzen bis 2015 beschlossen werden. Strittig sind vor allem der Umfang

und die Verteilung der künftigen Treibhausgas-Reduktionen, die Einbindung von

Schwellen- und Entwicklungsländern in die Reduktionsverpflichtungen sowie die

Höhe der Finanztransfers.

Internationale Einigkeit wurde aber darüber erzielt, dass die weltweite Klimaerwärmung

auf weniger als 2 Grad Celsius begrenzt werden muss um das Klimasystem

„Erde“ ausreichend stabil zu halten. Dazu müssen die weltweiten Emissionen bis

2050 um mindestens 50 % gegenüber 1990 gesenkt werden. Für die Industrieländer

bedeutet dies eine CO 2 –Reduktion um mindestens 60-80 % bis 2050 (Basis 1990).

Nationale und regionale Klimaschutzziele orientieren sich hauptsächlich an diesem

2-Grad-Ziel. Hierzu gibt es inzwischen eine Vielzahl von Richtlinien und Gesetzgebungen,

die einzelne Segmente der Klimaschutzpolitik berühren.

Auf EU-Ebene bildet das 2008 in Kraft getretene Klima- und Energiepaket der EU

den gesetzlichen Rahmen. Darin verpflichten sich die EU-Mitgliedsstaaten auf die

griffige Formel „20-20-20 bis 2020“

• 20% Reduktion der CO 2 -Emissionen (Basisjahr 1990; 20% Minimalziel)

• 20% Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch (in 2005 ca.

8,5%)

• 20% Einsparung des EU-Energieverbrauchs (Energieeffizienzziel)

Ein Hauptinstrument des Maßnahmenpakets ist das EU-Emissionshandelssystem

(EU-EHS). Der Emissisionshandel mit „Verschmutzungsrechten“ soll die Umweltkosten,

die durch Emissionen entstehen künstlich bepreisen. Emittiert ein Unternehmen

mehr CO 2 als es Zertifikate besitzt, muss es entweder neue Zertifikate erwerben oder

in emissionsmindernde Technologie investieren.

Weiterhin wurden verschiedene EU-Richtlinien zu einzelstaatlichen Zielvorgaben,

zur Lastenverteilung, zur Förderung erneuerbarer Energien, zur Förderung der Kraft-

Wärme-Kopplung, zur Energieeffizienz, zur geologischen Speicherung von CO 2 , zur

Kraftstoffqualität und zur CO 2 -Minderung bei PKWs verabschiedet.

Die EU-Mitgliedsstaaten haben oder müssen diese nun mit eigenen Rechtvorschriften

umsetzen, ihre nationalen Systeme anpassen und damit gewährleisten, dass die

vereinbarten Ziele erreicht werden.

83


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Außerdem bildet die Öko-Design-Richtlinie den europäischen Rechtsrahmen für die

Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchs-relevanter

Produkte. Sie sieht Mindesteffizienzanforderungen für verschiedene

Produktgruppen vor. Dies führt dazu, dass besonders ineffiziente Geräte

schrittweise vom EU-Binnenmarkt ausgeschlossen werden und trägt dazu bei, die

nationalen und europäischen Klimaschutzziele zu erreichen. Bekanntes Beispiel

hierzu ist das Auslaufen des Verkaufs von herkömmlichen Glühlampen.

Auch die deutsche Klimaschutzpolitik steht im Kontext des Leitbilds einer

nachhaltigen Entwicklung, der Agenda 21 und des 2-Grad-Ziels. Denn es liegt auf

der Hand, dass Handeln für den Schutz des globalen Klimas auf nationaler, regionaler

und lokaler Ebene unbedingt erforderlich ist. So wurde im Jahr 2007 ein Integriertes

Energie- und Klimaprogramm (IEKP) der Bundesregierung beschlossen. Es

beinhaltet Gesetze, Verordnungen und weitere Maßnahmen, um das Ziel, bis zum

Jahr 2020 die Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Basisjahr 1990 um 40 % zu

reduzieren, zu erreichen.

Auf Bundesebene trat 2004 das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG)

in Kraft. Es bildet die nationale Rechtsgrundlage für den Emissionshandel nach der

EU-Richtlinie über das europäische Handelssystem mit Treibhausgas-

Emissionsberechtigungen. Ab 2013 wird sich die Zahl der emissionshandelspflichtigen

Anlagen deutlich erhöhen. Außerdem soll der Flugverkehr in den Handel einbezogen

werden.

Mit dem Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-

Gesetz– EEG) wird der Ausbau von Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren

Quellen gefördert. Die letzte Gesetzesnovelle wurde vom Bundestag im Juni 2011 im

Zuge der Energiewende beschlossen. Im EEG wird geregelt, dass Strom aus erneuerbaren

Energiequellen, wie Wind- oder Solarenergie, bevorzugt in das Stromnetz

eingespeist werden und wie den Anbietern ein Mindestverkaufspreis für Strom

aus erneuerbaren Energiequellen garantiert wird.

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) des Bundes gilt seit dem

01.01.2009 für Neubauten und seit der Novellierung 2011 auch für bestehende

öffentliche Gebäude (Vorbildfunktion). Es schreibt vor, dass Eigentümer von Gebäuden

einen Teil ihres Wärmebedarfs (und Kältebedarfs) aus erneuerbaren Energien

decken müssen bzw. Ersatzmaßnahmen wählen können. Ziel ist ebenfalls die nachhaltige

Entwicklung der Energieversorgung und die Weiterentwicklung von Technologien

zur Erzeugung von Wärme aus Erneuerbaren Energien.

Das Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-

Kopplung (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz – KWK) zielt auf die Erhöhung der

Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung in der Bundesrepublik auf 25 Prozent

der gesamten Stromerzeugung. Außerdem werden die Markteinführung der Brennstoffzelle

sowie die Förderung des Neu- und Ausbaus von Wärmenetzen, in die

Wärme aus KWK-Anlagen eingespeist wird, angestrebt. Die letzte Novelle wurde

2012 beschlossen.

Das Gesetz zur Einsparung von Energie in Gebäuden (Energieeinsparungsgesetz

–EnEG, 2009 novelliert) zielt darauf ab, in Gebäuden nur so viel Energie zu verbrauchen,

wie jeweils notwendig ist um das Gebäude zweckdienlich zu nutzen. Auf seiner

Grundlage dürfen Verordnungen erlassen werden, die energetische Anforderungen

84


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

an Gebäude und ihre Anlagentechnik stellen. Aus dem EnEG geht die Energieeinsparverodnung

(EnEV) hervor, in der bautechnische Standardanforderungen

zum effizienten Betriebsenergieverbrauch von Gebäuden vorgeschrieben sind. Ziel

der novellierten EnEV 2009 ist es, den Energiebedarf für Heizung und Warmwasser

im Gebäudebereich um etwa 30 % zu senken. In einem weiteren Schritt sollen laut

Integriertem Energie- und Klimaprogramm (IEKP) ab 2012 die energetischen Anforderungen

nochmals um bis zu 30 % erhöht werden. Außerdem ist der Energieausweis

inzwischen im gesamten Baubestand notwendig, bei Verkauf und Neuvermietung

sowie als Aushang in großen, vielbesuchten öffentlichen Gebäuden.

Abbildung 8.7

Übersicht Energiestandards für Gebäude (Quelle: www.energiepass.wordpress.com)

Der wichtigste energiepolitische Beschluss der Bundesregierung, der momentan und

zukünftig viele Gesetzgebungsverfahren beeinflussen wird, ist die Energiewende

und der damit verbundene Atomausstieg bis 2022. Bis zum Jahr 2050 soll die Energieversorgung

in Deutschland überwiegend durch erneuerbare Energien gewährleistet

werden. Dies erfordert einen grundlegenden Umbau der Energieversorgungssysteme.

Das Energiekonzept aus 2010 und die Beschlüsse zur Beschleunigung

der Energiewende von 2011 beschreiben den Weg in das neue Energiezeitalter mit

konkreten Zielen, einem Monitoring-Prozess und solidem Finanzierungsplan sowie

insgesamt etwa 180 Einzelmaßnahmen.

Die Roadmap Energiepolitik 2020 ist ein vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz

und Reaktorsicherheit (BMU) herausgegebenes Konzept zur Energiepolitik

der kommenden Jahre inklusive eines BMU-Szenarios für die Energieversorgung im

Jahre 2020. (http://www.algore2008.de/roadmap_energiepolitik_bund_2020.pdf)

Baden-Württemberg steht als Hochtechnologieregion (ca. 0,3 % Anteil an weltweiten

Treibhausgasemissionen) in der besonderen Verantwortung, die Vorreiterrolle

des Landes auch beim Klimaschutz auszubauen. Das Land bringt sich dazu insbesondere

im Rahmen bestehender grenzüberschreitender Partnerschaften wie der

„Vier Motoren für Europa“, der „Oberrheinkonferenz“ oder der „Internationalen Bodenseekonferenz“

sowie darüber hinausgehender Aktivitäten ein.

85


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Die grün-rote Landesregierung hat in ihrer Koalitionsvereinbarung festgelegt, die

Energie- und Klimapolitik neu auszurichten. Zentrales Element dazu ist das

Klimaschutzgesetz, in dem verbindliche Ziele zur Treibhausgasminderung festgelegt

werden. Es wird gegenwärtig erarbeitet (Entwurf vom 26.10.2012 derzeit in

Anhörung) und greift auf Erfahrungen aus anderen Bundesländern zurück. Es wird

den Rahmen für ein Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept vorgeben,

welches die notwendigen Strategien und Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele

Baden-Württembergs enthält. Als Grundlage dient das vorhandene

Klimaschutzkonzept 2020 PLUS Baden-Württemberg von 2011. Generell sollen

auch in Baden Württemberg die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 % und bis

2050 um 90% sinken.

Zusätzlich zum Bundesgesetz gibt es auf Landesebene seit 2008 das Erneuerbare-

Wärme-Gesetz BW für Altbauten (EWärmeG), um den Anteil erneuerbarer Energien

an der Wärmeversorgung zu erhöhen.

Ein zentraler Baustein für die Energiewende in Baden-Württemberg ist das novellierte

Landesplanungsgesetz 2012, in dem die planerische Steuerung der Windkraftnutzung

beschrieben ist. Das Land hat mit dem Windatlas eine wichtige Grundlage

für eine verstärkte Nutzung der Windenergie im Land bereitgestellt. Für Bruchsal wird

derzeit der Flächennutzungsplan überarbeitet mit dem Ziel Konzentrationsgebiete für

Windkraft auszuweisen.

Die Stadt Bruchsal hat bisher keine Zielvereinbarungen zum Klimaschutz bzw. zur

CO 2 - Minderung in Verbindung mit einem gesamtstädtischen Energiekonzept beschlossen.

Seit 2010 gibt es allerdings das Energie- und Klimaschutzkonzept für den Landkreis

Karlsruhe „ zeozweofrei“ mit dem Ziel, den gesamten Energiebedarf der Region

klimaneutral, d.h. zu 100% mit erneuerbaren Energien zu erzeugen.

86


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Ziel: möglichst niedriger Energieeinsatz

Indikator 8a: Energieverbrauch Gesamtstadt Bruchsal

Verkehr

475.940 MWh

Energieverbrauch nach Verbrauchergruppen in MWh pro Jahr

Summe Energieverbrauch 1.261.298 MWh/Jahr

Kommunale

Liegenschaften

Wärme 12.395 Strom 2.485

Haushalte / GHD

Wärme 410.687 MWh

Abbildung 8.8

Industrie Strom

69.051 MWh

Industrie Wärme

99.861 MWh

Haushalte / GHD

Strom 190.879 MWh

Basis Jahr 2010

Datenquelle:

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Energie- und Klimaschutzkonzept Landkreis Karlsruhe (Basis 2010), darin

v.a. statistisches Landesamt BW, ewb und verallgemeinernde Durchschnittsannahmen,

städtische Erhebung 2010

Dargestellt sind die Energieverbrauchswerte der Verbrauchergruppen Kommunale

Liegenschaften, private Haushalte (inkl. Gewerbe/Handel/

Dienstleistung und Kleinverbraucher) und Industrie jeweils getrennt nach

Wärmeenergie und Strom sowie der Verbrauchsgruppe Verkehr. Die

Wärmeverbrauchswerte sind witterungsbereinigt. Verkehr beinhaltet die

durch Fahrzeugnutzung verursachten Energieverbräuche.

Möglichkeiten und Maßnahmen zum kommunalen Klimaschutz können nur

erarbeitet werden, wenn die Ist-Situation des gesamtstädtischen Energieverbrauchs

und seine Aufteilung bekannt sind. Energieeinsparung ist und

bleibt die beste und kostengünstigste Energiequelle, denn gesparte nicht

verbrauchte Energie muss nicht extra erzeugt und transportiert werden.

Auch Energieeffizienz, die bessere (Aus-)Nutzung von Energie führt zu

weniger Energieverbrauch. Die resultierende Verringerung von CO 2 - Emissionen

trägt direkt zum Klimaschutz bei. Außerdem erfordern die steigenden

Preise für Energie auch aus Existenzgründen in immer mehr Haushalten,

bestmöglich Energie einzusparen.

Eine gesamtstädtische Energiebilanz wurde bisher nicht erstellt. Das Klimaschutzkonzept

des Landkreises Karlsruhe von 2010 gibt erstmals einen

Überblick über den jährlichen Gesamtenergieverbrauch in Bruchsal von

ca. 1.260 GWh. Einen wesentlichen Anteil daran (ca. 33%) hat allein der

Wärmeverbrauch der Haushalte. Zusammen mit dem Stromverbrauch liegt

der Anteil Haushalte/GHD bei fast 50 %. Der Verkehrsanteil am Gesamtenergieverbrauch

beträgt ca. 38 %. Auch in der Gesamt-Energiebilanz der

Bundesrepublik sind Gebäudebeheizung und Verkehr die größten Verbrauchergruppen

mit etwa ähnlichen Anteilen wie in Bruchsal. Sie bergen

generell das höchste Energieeinsparpotenzial. Bezieht man den Gesamtenergieverbrauch

auf die Einwohnerzahl werden in Bruchsal pro Person

insgesamt ca. 29.600 kWh pro Jahr verbraucht. Für die Einhaltung des

2-Grad-Ziels (Siehe Einführung) ist ein nachhaltiger Energieverbrauch von

17.500 kWh pro Einwohner und Jahr anzustreben.

87


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• Bekenntnis zum Klimaschutzkonzept „zeozweifrei“ und Zusammenarbeit mit Landkreis

zu dessen Umsetzung

• energiepolitisches Leitbild entwickeln, beschließen, Ziele in Abständen bilanzieren

• energierelevante Festlegungen in der Bauleitplanung (Energieträger, Solarnutzung,

Energiestandard u.ä.) sowie beim Grundstücks(ver-)kauf beschließen

• energieoptimierte Stadtteile Bahnstadt und Campus als städtische Modellprojekte

• Energieberatung von Bauinteressenten und Sanierern

• städt. Förderung von Neubauten u. Sanierungen nach bestimmten Energiestandards

• Stromsparprogramm, Modellhaushalte, Prämien, Öffentlichkeits-Kampagnen

• lokale/regionale Akteure/Kooperationen unterstützen (insb. Handwerker, Planer mit

fachspezifischen Fort- und Weiterbildungen)

• umweltbewusstes Handeln und Eigeninitiative im Privat- und Industriesektor fördern

• Kooperation mit Handwerk und Stadtwerken zur Förderung neuer Energiedienstleistungsprodukte

• siehe auch Mobilität/Verkehr

Indikator 8b: Energieverbrauch städtische Liegenschaften in kWh pro Jahr

16.000.000

160

Energieverbrauch in kWh/Jahr

14.000.000

12.000.000

10.000.000

8.000.000

6.000.000

4.000.000

2.000.000

140

129

124

121

128

104

110

104

140

120

100

80

60

40

20

spez. Energieverbrauch kWh/m²a

0

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

0

Abbildung 8.9

Erdgas Nahwärme Erdöl

Holzpellets Stromheizung Strom

spez. Verbrauch pro m² BGF

Datenquelle: Stadtwerke Bruchsal, städtisches Verbrauchscontrolling u. Auswertung 2011

Definition:

Entwicklung:

Dargestellt ist der im Gebäude- und Energiemanagement erfasste

Verbrauch für Heizenergie (witterungsbereinigt) und Strom der städtischen

Liegenschaften (ca. 100 Gebäude, Verwaltungsgebäude, Feuerwehrgebäude,

Friedhofsgebäude, Schulgebäude, Sporthallen, soziale Einrichtungen,

sonstige und angemietete Gebäude). Nicht enthalten sind Energieverbräuche,

die aus Arbeiten anderer Ämter resultieren (z.B. Straßenbeleuchtung

und Veranstaltungen).

Der Gesamtenergieverbrauch der städtischen Liegenschaften beträgt über

14 Mio. kWh und ist im Betrachtungszeitraum nicht wesentlich gesunken,

weil neu gebaute und neu genutzte Gebäude die bewirtschaftete Fläche um

ca. 30 % erhöhten. Deshalb ist es bei der Bewertung der Energieverbrauchsentwicklung

sinnvoll, den Gesamtenergieverbrauch jeweils auf

die aktuelle Gesamtfläche zu beziehen. Der spezifische Energieverbrauch

pro m² hat sich in den letzten Jahren somit um 25 % verringert und liegt

aktuell bei 104 kWh/ m² Bruttogeschossfläche. Da es seit 2008 ein kontinuierliches

Verbrauchscontrolling in der Stadtverwaltung gibt, können auch die

88


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

einzelnen Verbrauchsentwicklungen der verschiedenen Energieträger ausgewertet

werden. Erkennbar ist, dass der Anteil von Erdöl durch Austausch

alter Heizanlagen kleiner wird und der Anteil von Holzpellets größer (2009-

2011 Abschaltung einzelner Holzpelletkessel aus unterschiedlichen Gründen

erforderlich). Der Anstieg des Gesamtenergieverbrauchs resultiert hauptsächlich

aus der Zunahme von Nahwärme durch die verstärkte Nutzung

von Gebäuden auf dem Campusgelände. Außerdem soll hier erwähnt

werden, dass leerstehende Gebäude ebenfalls noch Energie verbrauchen,

nämlich laut Verbrauchcontrolling immer noch ca. 1/3 des Energieverbrauchs

im Nutzungszustand.

Der Gesamtstromverbrauch blieb erfreulicherweise und im Gegensatz zu

vielen anderen Kommunen etwa gleich hoch. Durch die fortschreitende

Technologisierung in allen Gebäuden (insbes. EDV) werden Stromeinsparungen

durch Effizienzmaßnahmen bislang „aufgefressen“. Erste

Anzeichen für eine Trendwende sind aber erkennbar.

Die größten Energieverbraucher unter den städtischen Liegenschaften sind

die Gebäudekomplexe der Gymnasien JKG und Schönborngymnasium, der

Albert-Schweitzer-Realschule mit Pestalozzischule sowie des Campusgeländes.

In den letzten Jahren wurde bei Sanierungen städtischer Gebäude und

vielen Einzelmaßnahmen kontinuierlich auf Energieeffizienz geachtet.

Fassaden, Dächer und oberste Geschossdecken wurden gedämmt, Fenster

ausgetauscht, Heizungsanlagen mit Mess-Steuer-Regelungstechnik

optimiert, Heizverteilungen mit drehzahlgeregelten stromsparenden Hocheffizienzpumpen

ausgestattet. Warmwasserbereitungen wurden stillgelegt

bzw. optimiert, Lüftungsanlagen und Beleuchtungen durch effiziente und

regelbare Komponenten ausgetauscht. Die neue Mensa des Schönborngymnasiums

wurde im zukunftweisenden Passivhausstandard errichtet.

Auch bei Bürogeräten, insbesondere Computern und Monitoren wird auf

Energieeffizienz geachtet. Alle neuen Geräte der letzten Jahre sind unter

dem Label „Green IT“ zertifiziert.

Außerdem gibt es im Rahmen eines städtischen Energieeinsparprojektes in

einigen Schulen Energiespargruppen, die über Prämien an erzielten Energieeinsparungen

beteiligt werden.

Neben städtischen Liegenschaften wurde seit 2004 auch die Straßenbeleuchtung

saniert. Die Gesamtinvestitionskosten von ca. 890.000 € haben

sich bereits im Jahr 2011 durch die erzielten Energieeinsparungen

amortisiert.

mögliche/zukünftige Maßnahmen Aktionen:

• energetische Standards für die städtischen Liegenschaften beschließen, Ziele in Abständen

bilanzieren

• Mess-, Steuer- und Regelungstechnik von Heizanlagen weiter optimieren (mithilfe Auswertungen

von Unterzählern) und Gebäudeleittechnik kontinuierlich ausbauen

• Warmwasserbereitung und –leitungen weiter auf minimal erforderliches Maß reduzieren

• weitere Schulen zur Teilnahme am Energieeinsparprojekt gewinnen

• kontinuierliche Hinweise für Hausmeister, Gebäudenutzer und Mitarbeiter

• Leerstände von Gebäuden dringend vermeiden

• Kraft-Wärme-Kopplung nutzen

• an Finanzierung Energieagentur beteiligen oder am European Energy Award teilnehmen

höhere Zuschüsse beim Förderprogramm Klimaschutz-Plus

89


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Ziel: möglichst geringe CO 2 -Emissionen

Indikator 8c: CO 2 -Emissionen Gesamtstadt Bruchsal

Verkehr 151.825 t

CO2-Emissionen nach Verbrauchergruppen in Tonnen pro Jahr

Summe 457.379 Tonnen/Jahr

Kommunale

Liegenschaften

Wärme 3.073 t

Strom 1.573 t

Haushalte / GHD

Wärme 110.471 t

Abbildung 8.10

Industrie

Strom 42.950 t

Industrie

Wärme 28.760 t

Haushalte / GHD

Strom 118.727 t

Datenquelle: Energie- und Klimaschutzkonzept Landkreis Karlsruhe (Basis 2010),

städtische Erhebung 2010, IWU- Institut für Wohnen und Umwelt

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Basis Jahr 2010

Dargestellt sind die CO 2 -Emssionen der Verbrauchergruppen Kommunale

Liegenschaften, private Haushalte (inkl. Gewerbe/Handel/Dienstleistung und

Kleinverbraucher) und Industrie jeweils getrennt nach Wärmeenergie und

Strom sowie der Verbrauchsgruppe Verkehr.

Kohlendioxid (CO 2 ) ist mit einem Emissionsanteil von deutschlandweit rund

90% das wichtigste Treibhausgas und damit maßgeblich verantwortlich für

die überdurchschnittlich rasche Erwärmung der Erdatmosphäre (Treibhauseffekt).

Die damit einhergehende globale Klimaänderung hat nachhaltige

Auswirkungen auf die Ökosysteme sowie damit verbunden erhebliche wirtschaftliche

und soziale Folgen. Vor diesem Hintergrund wird auf wissenschaftlicher

Ebene gewarnt, die globale Erwärmung langfristig auf insgesamt

maximal 2°C zu begrenzen. Die Bundesregierung strebt für Deutschland

eine Emissionsminderung um 40% bis 2020 gegenüber 1990 an, Baden-

Württemberg bislang eine Minderung von 30%.

CO 2 -Emissionen entstehen überwiegend bei der Verbrennung von fossilen

Energieträgern (energiebedingte CO 2 -Emissionen), vor allem in den

Bereichen Stromerzeugung in öffentlichen Kraftwerken und Industrie,

Prozessfeuerungen, Raumwärmebereitstellung und Verkehr. Jede Minderung

von CO 2 -Emissionen durch Energieträgerwechsel oder Effizienzmaßnahmen

trägt direkt zum Klimaschutz bei.

Eine gesamtstädtische CO 2 -Bilanz wurde bisher nicht erstellt. Das Klimaschutzkonzept

des Landkreises Karlsruhe von 2010 gibt erstmals einen

Überblick über die jährlichen CO 2 -Emissionen in Bruchsal von 457.380 t.

Die Hälfte davon wird, wie beim Energieverbrauch, von Haushalten/GHD

verursacht. Der Verkehrsanteil an den Gesamtemissionen beträgt 33%. In

diesen Bereichen bestehen auch die größten Emissionsminderungspotentiale.

Im Vergleich zur Energiebetrachtung trägt der Energieträger

Strom überdurchschnittlich zur CO 2 -Belastung bei. Strom sparen zur CO 2 -

Minderung lohnt sich deshalb besonders. Bezieht man die Gesamt-

90


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

emissionen auf die Einwohnerzahl werden in Bruchsal pro Person insgesamt

ca. 10,7 t CO 2 im Jahr emittiert. Für die Einhaltung des 2-Grad-Ziels

(Siehe Einführung) ist ein nachhaltiger Energieverbrauch von maximal 2 t

CO 2 pro Einwohner und Jahr anzustreben.

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• siehe Indikator 8a

• siehe Indikator 7a –f

Indikator 8d: CO 2 -Emissionen städtische Liegenschaften in t pro Jahr

CO2-Emissionen in Tonnen/Jahr

6.000

5.000

4.000

3.000

2.000

1.000

0

Abbildung 8.11

Datenquelle:

46

45

42

39

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Erdgas Nahwärme Campus Erdöl

Holzpellets

spez. CO2 in kg pro m² BGF

Stromheizung Strom

städtische Auswertung, IWU- Institut für Wohnen und Umwelt

Definition: Dargestellt sind die im Gebäude- und Energiemanagement ermittelten CO 2 -

Emissionen der städtischen Liegenschaften (ca. 100 Gebäude, Verwaltungsgebäude,

Feuerwehrgebäude, Friedhofsgebäude, Schulgebäude, Sporthallen,

soziale Einrichtungen, sonstige und angemietete Gebäude). Nicht enthalten

sind CO 2 -Emissionen die aus Arbeiten anderer Ämter resultieren.

Entwicklung:

40

Die Gesamt-CO 2 -Emissionen der städtischen Liegenschaften von über

4.500 t CO 2 haben sich im Betrachtungszeitraum zunächst verringert und

sind dann wieder leicht gestiegen, weil neu gebaute und neu genutzte Gebäude

die bewirtschaftete Fläche um ca. 30 % erhöhten. Deshalb ist es bei

der Bewertung der Emissionsentwicklung sinnvoll, die Gesamtemissionen

jeweils auf die aktuelle Gesamtfläche zu beziehen. Die spezifischen CO 2 -

Emissionen pro m² haben sich in den letzten Jahren somit um ca. 28 %

verringert und liegen aktuell bei 33 t CO 2 / m² Bruttogeschossfläche.

Wesentliche CO 2 -Minderungen konnten durch Energieträgerwechsel von

Erdöl auf Holzpellets oder Erdgas erreicht werden. Im Vergleich zum Energieverbrauch

hat Strom einen wesentlich höheren CO 2 -Emissionsanteil.

Stromeinsparmaßnahmen vermindern die städtischen CO 2 -Emissionen

somit am meisten. Die unter Indikator 8b aufgeführten Energiesparmaßnahmen

haben hier auch zu einer entsprechenden Reduktion der CO 2 -

Emissionen geführt.

mögliche/zukünftige Maßnahmen Aktionen:

• siehe Indikator 8b und 8f

32

34

33

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

-

spezif. CO2-Emissionen kg/m²a

91


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

Ziel: möglichst hoher Anteil an erneuerbaren Energien

Indikator 8e: Erneuerbare Energien Gesamtstadt in Watt pro Einwohner

Installierte Leistung

in W pro Einw.

300

250

200

150

100

50

0

13

196 40

146

93

202

69

49

29

16

2 3 9

2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012

+ ca. 2.200 m²

Kollektorfläche

Solarthermie

Jahr

Fotovoltaik Biogene Brennstoffe Geothermie

Abbildung 8.12

Datenquelle:

Definition:

Bedeutung:

Entwicklung:

Stadtwerke Bruchsal, städtische Erhebung

Erfasst wird die installierte Leistung der jeweiligen erneuerbaren Energie, die

über das EEG vergütet wird in Watt pro Einwohner. Für Biogene Brennstoffe

wie Biogas und Geothermie sind erst seit 2012 konkrete Daten vorhanden.

Energieerzeugungsanlagen aus Wasserkraft und Windkraft sind in Bruchsal

bisher nicht vorhanden. In einer städtischen Erhebung wurde außerdem die

gesamte bisher installierte Kollektorfläche für Solarthermie in m² ermittelt.

Durch Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien verringern sich der

Verbrauch fossiler nicht regenerativer Rohstoffe und dementsprechend der

Ausstoß von Treibhausgasen. Die Nutzung erneuerbarer Energien trägt

direkt zum Klimaschutz bei. Langfristig gibt es vor dem Hintergrund der

Energiewende (Ausstieg aus der Kernenergie) zur Umstellung auf erneuerbare

Energiequellen keine Alternative. Deshalb müssen sie bei Aufrechterhaltung

der Versorgungssicherheit konsequent weiter ausgebaut werden.

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung steigt auch in

Bruchsal, wobei Fotovoltaikanlagen den größten Teil dazu beitragen. 2012

gab es in Bruchsal 575 Fotovoltaikanlagen und dazu 6 Biogasanlagen und

1 Geothermieanlage, die über das EEG vergütet werden. Die gesamte

installierte Leistung betrug 10,9 MWp. Insgesamt wurden damit im Jahr

2011 ca. 14.700 MWh erneuerbarer Strom ins ewb-Stromversorgungsnetz

eingespeist und ca. 3.200 MWh erneuerbare Wärme erzeugt. Das entspricht

etwa dem Jahresverbrauch von 3.000 4-Personen-Haushalten (bei Strom)

und 200 Haushalten (bei Wärme)

Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass der Gesamtstromverbrauch

bisher ebenfalls angestiegen ist und noch weiter steigen wird. Der Anteil von

Strom aus erneuerbaren Energien liegt deshalb nur bei 5,5 % (in BaWü

11,3 % und bundesweit 24 %)

mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

• energiepolitisches Leitbild entwickeln, beschließen, Ziele in Abständen bilanzieren

• energierelevante Festlegungen in der Bauleitplanung (Energieträger, Solarnutzung,

Energiestandard u.ä.) sowie beim Grundstücks(ver-)kauf beschließen

• Energieberatung von Bauinteressenten und Sanierern

• städt. Förderprogramm für Neubauten u. Sanierungen nach bestimmten Standards

92


Umweltbericht 2012

8. Energie und Klimaschutz

• Baugebiete mit integrierten Energieversorgungskonzepten (Bahnstadt, Campus), evtl.

Versorgung ausschließlich mit regenerativen Energien

• Stadtwerke bei Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung (Energiepark mit Fotovoltaik,

Windkraft) und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen unterstützen, Ökostrom-Kampagne,

Solarwettbewerb)

• regionale Akteure/Kooperationen/ unterstützen (insbes. Heizungsbauer, Biogaserzeuger)

• umweltbewusstes Handeln und Eigeninitiative im Privatsektor fördern, Solardachkataster

• Klimaschutzbildung vom Kindergarten bis zum Gymnasium

• siehe auch Mobilität/Verkehr

Indikator 8f: Erneuerbare Energien städtische Liegenschaften

Entwicklung:

Seit 2009 bezieht die Stadtverwaltung Bruchsal für den gesamten Strombedarf

von städtischen Liegenschaften, BTMV, Straßenbeleuchtung und

Abwasserbetrieb das Ökostromprodukt watergreen (ca 7 Mio. kWh).

Dieses stammt zu 100 % aus erneuerbaren Energien und wird regelmäßig

durch den TÜV Nord zertifiziert. Allerdings werden gegenüber dem Ökostromprodukt

energreen keine neuen Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung

gefördert.

Auf städtischen Dächern sind zurzeit 10 Fotovoltaikanlagen mit einer

installierten Leistung von insges. 340 kWp installiert. Die Stadtwerke Bruchsal

installieren derzeit 5 weitere Anlagen auf städtischen Dachflächen mit

ca. 310 kWp. In den nächsten Jahren sind weitere neue Fotovoltaik-Anlagen

in etwa derselben Größenordnung geplant.

Zur regenerativen Wärmeversorgung tragen 4 Holzpellet-Anlagen mit einer

installierten Leistung von insges. 760 kW bei. Deren Anteil an der Gesamtwärmeversorgung

der städtischen Liegenschaften beträgt mind. 12 %.

mögliche/zukünftige Maßnahmen Aktionen:

• städtische Modellprojekte bei Neubau und Sanierungen von Heizanlagen hinsichtlich

Nutzung erneuerbarer Energien umsetzen

• sukzessive Stromheizungen ersetzen

• Vergabekriterien für neue Wärmeerzeugungsanlagen festlegen

• Kraft-Wärme-Kopplung nutzen

• Ökostrombezug schrittweise auf Ökostrom mit Neuanlagenquote umstellen

93


Umweltbericht 2012

9. Abfallwirtschaft

9. Abfallwirtschaft

9.1 Einführung

Bis 31.12.2008 hatte der Landkreis die öffentlich-rechtliche Aufgabe des Einsammelns und Beförderns

von Abfällen und der Kompostierung pflanzlicher Abfälle gemäß § 6 Abs. 2 LAbfG auf die

Städte und Gemeinden im Landkreis Karlsruhe übertragen.

Diese Übertragungsvereinbarung wurde vom Landkreis Karlsruhe zum 31.12.2008 gekündigt,

womit die Zuständigkeit für die gesamte öffentlich-rechtliche Abfallentsorgung wieder beim Landkreis

lag.

Seit 01.01.2009 besteht folgende Neuregelung:

Die Aufgaben des Einsammelns und Beförderns für Hausmüll/Geschäftsmüll (Graue Tonne),

Wertstoffe (Grüne Tonne), Restsperrmüll und Wertstoffsperrmüll (Altholz, Metall und Elektrogroßgeräte)

werden vom Landkreis erledigt.

Erläuterungen zu den Abfallarten und die Entwicklung der Abfallmengen in Bruchsal werden unter

„9.2 Abfallentsorgung/-verwertung für Hausmüll im Holsystem von 2009 - 2011 in Zuständigkeit

des Landkreises“ dargestellt.

Auf die Stadt Bruchsal wurden die Teilbereiche

- Abfallberatung

- Einsammlung von wildem Müll

- Betrieb von Wertstoffhöfen

- Betrieb von Grünabfallsammelplätzen

- sowie die Grünabfallverwertung

nach § 6 Abs. 3 LAbfG durch eine Übertragungsvereinbarung delegiert und die grundsätzliche

Regelungen für die Durchführung dieser Aufgaben, sowie die Höhe der Aufwandsentschädigung

festgelegt.

Erläuterungen hierzu sind unter „9.3 Abfallentsorgung/-verwertung von 2009 - 2011 für Teilbereiche

in Zuständigkeit der Stadt Bruchsal“ zu finden.

- Bis 31.12.2011 stellte die Stadt Bruchsal fünf Grünabfallsammelplätze in den Stadtteilen

Bruchsal, Heidelsheim, Untergrombach und Obergrombach sowie zwei Wertstoffhöfe in

den Stadtteilen Bruchsal und Untergrombach für die Anlieferung von Grünabfällen und

Wertstoffe zur Verfügung und betreute die Abfallannahme. Ab 2012 werden den Bürgern

drei Grünabfallsammelplätze in Bruchsal, Heidelsheim und Untergrombach angeboten.

94


Umweltbericht 2012

9. Abfallwirtschaft

9.2 Abfallentsorgung/-verwertung für Haushalte im Holsystem von 2009 - 2011 in

Zuständigkeit des Landkreises Karlsruhe

Abfallentsorgung im Holsystem

0,37 0,45 0,32 kg

300,00

21,24 kg

24,39 kg

21,01 kg

250,00

kg pro Einwohner und Jahr

200,00

150,00

100,00

125,47 kg

15,93 kg

113,60 kg

125,41 kg

18,81 kg

115,90 kg

126,44 kg

16,39 kg

117,30 kg

50,00

0,00

2009 2010 2011

Hausmüll Restsperrmüll Wertstoffe (Grüne Tonne) Wertstoffsperrmüll

(Altholz/Metall, Elektrogroßgeräte)

Abbildung 9.1

Datenquelle:

Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Karlsruhe (Abfallmengen/Abfallstatistik

2011), Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (amtliche Einwohnerzahl des

Statistischen Landesamtes jeweils zum Stand 30.06.)

Die Berechnung „kg pro Einwohner und Jahr“ ist eine durchschnittliche Berechnung

anhand der Gesamtmenge im Landkreis, bezogen auf die Einwohnerzahl

der Stadt, d. h. es findet bei der Abfuhr keine gemeindespezifischen Verwiegungen

statt.

Definition:

Erfasst werden durch den Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises die Mengen

für Hausmüll, Wertstoffe, Restsperrmüll und Wertstoffsperrmüll (Altholz, Metall

und Elektroschrott), die im Holsystem eingesammelt werden.

Seit der Umstellung der Zuständigkeit für die Abfalleinsammlung im Jahr 2009

werden die Restabfälle aus dem Kleingewerbe (Geschäftsmüll) in der Regel nicht

mehr über die Hausmüllsammlung erfasst, sondern sind der Gewerbemüllsammlung

des Landkreises zugeordnet. Die Geschäftsmüllmengen sind daher im Diagramm

(s. o.) nicht dargestellt.

Hausmüll (Graue Tonne)

Eine repräsentative Analyse der Hausmüllzusammensetzung durch den Landkreis

Karlsruhe im Jahr 2010 ergab, dass über den Hausmüll nur noch geringe Mengen

an Wertstoffen und Garten- und Pflanzenabfällen entsorgt werden. Dies korrespondiert

mit den hohen erfassten Wertstoff- und Grünabfallmengen und zeigt,

dass die Bevölkerung im Landkreis die verwertbaren Anteile weitgehend vom

Restabfall trennt. Im Hausmüll befindet sich noch ein größerer Anteil an Küchenund

Speiseabfällen, die sich aber wegen der geringen Akzeptanz in der Bevölkerung

auch mit einer zusätzlichen Tonne (Biotonne) nur unwirtschaftlich getrennt

erfassen lassen.

Für die Restmüllentsorgung können von den Haushalten Restmüllgefäße in den

Größen 60-, 80-, 120-, 240- und 1.100 Liter bestellt werden. Die Gefäße werden

vom Landkreis in der jeweils gewünschten Größe zur Verfügung gestellt. Benachbarte

Grundstücke können Müllgemeinschaften bilden und die Abfallgefäße ge-

95


Umweltbericht 2012

9. Abfallwirtschaft

meinsam nutzen. Dies ist interessant, wenn nur wenige Personen auf dem

Grundstück wohnen und deshalb nur geringe Abfallmengen anfallen.

Wertstoffe (Grüne Tonne)

Die Analysen der Zusammensetzung des mit der Wertstofftonne erfassten Gemischs

zeigen, dass mit ihr überwiegend Papier, Pappe und Kartonagen gesammelt

werden. Die anderen Wertstoffe, die überwiegend aus Leichtverpackungen

bestehen, machen einen geringeren Anteil aus.

Die Wertstofftonnen sind in den Größen 80-, 120-, 240-, 660-, 770- und 1.100 Liter

erhältlich. Die Gefäße werden vom Landkreis in der jeweils gewünschten Größe

zur Verfügung gestellt. Benachbarte Grundstücke können auch hier Müllgemeinschaften

bilden und die Abfallgefäße gemeinsam nutzen.

Sperrmüll und Wertstoffsperrmüll

Seit dem Jahr 2009 wird der Sperrmüll im Landkreis auf Abruf und getrennt nach

den drei Fraktionen Restsperrmüll, Altholz und Metalle/Elektrogroßgeräte gesammelt.

Die Sperrmüllabfuhr erfolgt grundsätzlich auf Abruf, nach Anmeldung per Telefon,

Internet oder persönlich vor Ort. Die einzelnen Fraktionen werden getrennt voneinander

abgefahren.

Entwicklung: Hausmüll

Im Landesvergleich lag die spezifische Hausmüllmenge im Landkreis Karlsruhe

und somit auch für Bruchsal im Jahr 2011 mit 117 kg pro Einwohner wie in den

Vorjahren deutlich unter dem Durchschnitt in Baden-Württemberg mit 124 kg pro

Einwohner.

Die Hausmüllmenge ist - analog zur Zahl der Einwohner - im Berichtszeitraum relativ

stabil geblieben.

Wertstoffe (Grüne Tonne)

Die Menge des Wertstoffgemischs, das mit der Wertstofftonne im Landkreis gesammelt

wird, liegt seit einigen Jahren auf einem hohen Niveau und nimmt jedes

Jahr geringfügig weiter zu. Dies zeigt, dass die komfortable Wertstofftonne von

der Bevölkerung gut genutzt wird.

Sperrmüll und Wertstoffsperrmüll

Im Landesvergleich lag die spezifische Restsperrmüllmenge im Jahr 2011 mit

16 kg pro Einwohner unter dem Landesdurchschnitt von 20 kg pro Einwohner.

Die Wertstoffmenge, die über die Sperrmüllabfuhr gesammelt wurde hat sich etwas

verringert.

Insgesamt ist die mit der Sperrmüllabfuhr (Restsperrmüll, Altholz und Metalle/Elektrogroßgeräte)

erfasste Menge in Bruchsal von rund 1.860 Tonnen in 2010

auf 1.620 Tonnen im Jahr 2011 zurückgegangen. Dies ist darauf zurückzuführen,

dass nur noch eine Abfuhr je Sperrmüllart gebührenfrei ist und deshalb weniger

Sperrmüll bereitgestellt wird.

9.3 Abfallentsorgung/-verwertung 2009 - 2011 für Teilbereiche in Zuständigkeit der

Stadt Bruchsal

9.3.1 Abfallberatung

Definition:

Die Aufgabe der Abfallberatung umfasst die Beratung und Betreuung der privaten

Haushalte. Dort wird insbesondere die Abfallbehälterverwaltung, die Sperrmüll-

96


Umweltbericht 2012

9. Abfallwirtschaft

anmeldungen, die Reklamationsbearbeitung sowie die Ausgabe bzw. der Verkauf

von Müllsäcken ortsnah den Bürgern angeboten.

Zusätzlich wird die Schadstoffsammlung an den entsprechenden Annahmestellen

drei Mal pro Jahr durch den Baubetriebshof betreut.

Entwicklung: Die Aufgabe der Abfallberatung wurde bei der Stadt Bruchsal im I. Quartal 2010

dem Bürgerbüro zugeordnet

9.3.2 Einsammeln von wildem Müll

Definition wilder Müll:

a) unzulässig abgelagerter Müll außerorts:

Zuständig ist die Stadt Bruchsal im Auftrag des Landkreises, wenn kein Verursacher ermittelt

werden kann (siehe unten).

b) Unzulässig abgelagerter Müll innerorts:

Zuständig ist der jeweilige Grundstückseigentümer, wenn kein Verursacher ermittelt werden

kann.

Bei unzulässig abgelagertem Müll auf öffentlichen Straßen, Wege, Plätze und städtischen Liegenschaften

ist die Stadt Bruchsal zuständig (siehe unten).

zu a: Die Aufgabe umfasst:

• regelmäßige Kontrolle der Gemarkung Bruchsal auf wilde Müllablagerungen

• Bearbeitung von Meldungen

• zeitnahe Abholung des illegal abgelagerten Mülls

• Ablieferung illegalen Mülls in die vom Landkreis Karlsruhe bereitgestellten Container

• Ermittlung der Verursacher und Mitteilung an den Landkreis

Diese Aufgabe wird von verschiedenen Abteilungen des Bau- und Vermessungsamtes wahrgenommen

(Abt. Tiefbau, Grün, Landschaftspflege, Abfallwirtschaft und Baubetriebshof).

zu b.: Die Aufgabe umfasst:

• Bearbeitung von Meldungen durch die Abteilung Tiefbau, Grün, Landschaftspflege

• Organisation der Abholung und Entsorgung des unzulässig abgelagerten Mülls auf Kosten

der Stadt.

Entwicklung: Der Stundenaufwand des Baubetriebshofes für die Einsammlung der wilden Müllablagerungen

im Außenbereich entwickelt sich im Berichtszeitraum steigend. In

2009 mussten rund 50 Stunden, im Jahr 2010 rund 75 Stunden und im Jahr 2011

rund 85 Stunden für diese Tätigkeit aufgewendet werden.

Auf der Gemarkung der Stadt Bruchsal mussten im Berichtszeitraum 17,2 Tonnen

für 2009, 19,36 Tonnen für 2010 und 14 Tonnen für 2011 wilder Müll eingesammelt

werden.

Das Einsammeln der wilden Müllablagerungen im Innenbereich entwickelt

sich während des Berichtzeitraumes tendenziell steigend.

97


Umweltbericht 2012

9. Abfallwirtschaft

9.3.3 Abfallentsorgung/-verwertung im Bringsystem

a) Betrieb von Wertstoffhöfen

Wertstoffhöfe

kg pro Einwohner und Jahr

16,00

14,00

12,00

10,00

8,00

6,00

4,00

2,00

0,05 kg

1,13 kg

1,39 kg

0,76 kg

1,29 kg

4,52 kg

3,74 kg

0,06 kg

1,18 kg

1,47 kg

1,02 kg

1,49 kg

5,37 kg

4,42 kg

0,05 kg

1,27 kg

1,78 kg

1,05 kg

1,56 kg

5,51 kg

4,38 kg

0,00

2009 2010 2011

Altholz

Bauschutt

Kartonagen

Metalle

Papier

Elektrokleingeräte

Entladungslampen

Datenquelle:

Abbildung 9.2

Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Karlsruhe (Wertstoffmengen, Abfallstatistik

2011, Abfallwirtschaftssatzung des Landkreises), Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

(amtliche Einwohnerzahl des Statistischen Landesamtes jeweils

zum Stand 30.06.).

Definition:

Erfasst werden Wertstoffe wie

• Altholz (Altholzkategorie I – III nach Altholzverordnung) ohne Glasinhalt und in

Einzelteile zerlegt mit max. Kantenlänge 2 Meter) z. B. Möbel etc.

• Batterien

• Bauschutt verwertbar ohne schädliche Verunreinigungen, z. B. Beton, Ziegel,

Fliesen, Keramik, Mauerwerk, Felsaushub (z. B. Sandstein) bis max. 50 Liter

je Anlieferung

• Kartonagen,

• Metalle, (ohne Elektrogeräte)

• Papier,

• Elektrokleingeräte (ausschließlich im Bringsystem),

• Entladungslampen und

• Styropor

Auf den Wertstoffhöfen überwacht die Stadt die Anlieferung der Wertstoffe und

Zuordnung zu den entsprechenden Wertstoffcontainern. Geregelt wird u. a. auch

der Transport der Wertstoffcontainer zu den Übergabestellen des Landkreises.

Entwicklung: Die Wertstoffhöfe werden von Jahr zu Jahr stärker von den Bürgern angenommen,

was die steigenden Wertstoffmengen belegen. Besonders die Mengen an

Altholz- und an verwertbarem Bauschutt sind seit Einführung der Wertstoffhöfe

angestiegen. Eine leichte Mengensteigerung zeigt sich auch bei den erfassten

Altpapiermengen, Kartonagen und Elektrokleingeräten.

98


Umweltbericht 2012

9. Abfallwirtschaft

Der Anstieg der Wertstoffe, die direkt auf die Wertstoffhöfe gebracht werden, ist

teilweise auf die seit 2011 eingeführte Gebührenpflicht ab der 2. Sperrmüllanmeldung

im Holsystem (pro Jahr) zurückzuführen. Statt einer gebührenpflichtigen

Sperrmüllabfuhr können z. B. alte Möbel auch als Altholz auf den Wertstoffhöfen

gebührenfrei angeliefert werden.

Beim Vergleich der Gesamtmenge aus Anlieferungen auf Wertstoffhöfen der

Stadt und des Landkreises liegt die Stadt, bezogen auf die jeweiligen Einwohnerzahlen,

unter dem Durchschnitt des Landkreises.

Jahr

Stadt Bruchsal

kg pro Einwohner und Jahr

Landkreis Karlsruhe

kg pro Einwohner und Jahr

2009 12,89 15,61

2010 15,01 18,44

2011 15,61 21,91

Tabelle 9.1

Weitere Sammelstellen für Wertstoffe:

Im Stadtgebiet werden auf Grundstücken der Stadt Bruchsal für folgende Wertstoffe Sammelstellen

angeboten:

• Glas (63 Container)

• Altkleider (42 Container)

• CD-Sammelstelle (in der Stadtbibliothek)

• Korken (Stadtbibliothek, Rathaus am Marktplatz)

• Batterien (Stadtbibliothek, Rathaus am Marktplatz).

Daneben werden weitere Container und Sammelstellen angeboten, die nicht von der Stadt Bruchsal

unterhalten werden (z.B. Korksammlung im Altenzentrum).

b) Betrieb von Grünabfallsammelplätzen einschl. Grünabfallverwertung

Grünabfälle 2009 - 2011

kg pro Einwohner und Jahr

250,00

200,00

150,00

100,00

50,00

0,00

219,69 kg

147,60 kg

119,88 kg

2009 2010 2011

Datenquelle:

Definition:

krautig/grasige und holzige Grünabfälle

Abbildung 9.3

Stadt Bruchsal (Grünabfallmengen), Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises

Karlsruhe (Abfallstatistik 2011, Abfallwirtschaftssatzung des Landkreises), Statistisches

Landesamt Baden-Württemberg (amtliche Einwohnerzahl des Statistischen

Landesamtes jeweils zum Stand 30.06.).

Erfasst wurden Grünabfälle auf fünf Grünabfallsammelplätzen.

Auf zwei Grünabfallsammelplätzen in Heidelsheim wurden überwiegend Grünabfälle

gemischt angeliefert.

In Bruchsal und Untergrombach wurden die Grünabfälle getrennt nach krautig/

grasigen Grünabfällen und holzige Grünabfälle angenommen.

99


Umweltbericht 2012

9. Abfallwirtschaft

In Obergrombach konnten ausschließlich krautig/grasige Grünabfälle entsorgt

werden.

Folgende Definition der Grünabfälle wird durch den Abfallwirtschaftsbetrieb des

Landkreises vorgegeben:

krautig/grasige Grünabfälle sind: Beet- und Balkonpflanzen, Stauden von Tomaten,

Bohnen etc. und Laub sowie Rasen-/Wiesenschnitt

holzige Grünabfälle sind: Baumstämme (bis 30 cm Durchmesser), Äste und

Strauchschnitt holzig (auch mit Blättern)

Mengenbegrenzung: pro Anlieferung maximal 5 m³ Grünabfälle

Entwicklung: Im Landkreisvergleich lag die Stadt Bruchsal bezüglich der Grünabfallmengen im

Jahr mit 219,69 kg pro Einwohner weit über dem Landkreisdurchschnitt von 184

kg. Der Landesdurchschnitt wird mit 86 kg pro Einwohner angegeben.

Gründe für die drastische Mengensteigerung von 2009 bis 2011 waren:

- Umstellung der Gemeindeeinrichtungen auf Landkreiseinrichtungen, d. h. jeder

Landkreisbewohner konnte ab 2009 seinen Grünabfall auf sämtliche Grünabfallsammelplätze

im Landkreis Karlsruhe entsorgen.

- auf dem privat betriebenen Grünabfallsammelplatz in Heidelsheim konnten bis

31.12.2011 Grünabfälle ohne Trennung in krautig/grasige und holzige Grünabfälle

angeliefert werden, was zu enormen Mengensteigerungen führte.

- Bis Mitte 2011 waren die Öffnungszeiten der Grünabfallsammelplätze der Stadt

Bruchsal bedeutend höher als in anderen Kommunen (68 Stunden Öffnungszeiten

pro Woche).

Zusätzlich ist zu erwähnen, dass die jährlichen Grünabfallmengen witterungsabhängigen

Schwankungen unterliegen. Die Mengen konnten teilweise nur mit einem

Volumenaufmaß und einem Umrechnungsfaktor ermittelt werden.

Zur Problemlösung wurden im Gemeinderat 2011 entsprechende Maßnahmen die

spätestens zum 01.01.2012 umgesetzt wurden, beschlossen:

- Reduktion der fünf Grünabfallsammelplätze auf drei. Es wird aktuell in Bruchsal,

Untergrombach sowie in Heidelsheim jeweils ein Grünabfallsammelplatz

angeboten.

- Gleiche Annahmebedingungen auf allen Grünabfallsammelplätzen:

• getrennte Annahme von krautig/grasige und holzige Grünabfälle sowie

• gleiche Öffnungszeiten (13 Stunden pro Woche und Grünabfallsammelplatz).

Die Entwicklung der Grünabfallmengen 2009 bis 2012 (siehe Tabelle 9.2) zeigt,

dass die beschlossene Maßnahmen bereits greifen.

2009 2010 2011 2012

Grünabfälle gesamt 4.900 t 6.600 t 9.500 t 7.160 t

Tabelle 9.2

9.3.4. Bedeutung und Ziel der durch die Stadt Bruchsal übernommenen Aufgaben

im Bereich der Abfallentsorgung/-verwertung

Durch die Aufgabenübernahme durch die Stadt Bruchsal können die Dienstleistungen bürgernah

angeboten werden. Im Rahmen der verfügbaren finanziellen Mittel wird dem

Bruchsaler Bürger das bestmögliche Entsorgungsangebot zur Verfügung gestellt.

Bei einer zentralen Erledigung würde das bestehende Angebot den Landkreis reduziert

werden.

100


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

10.1 Einführung

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Umweltbildung: „Umweltbildung ist ein in den 1970er Jahren aufgekommener Bildungsansatz,

der einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen

vermitteln soll.“ „Schon seit Ende der 80er Jahre gibt es Umweltbildungsakteure in

allen Bildungssektoren von der frühkindlichen Bildung über Schule, berufliche und allgemeine

(Weiter-)Bildung, Hochschule bis zum informellen Lernen. Nach der Agenda 21 der Weltkonferenz

in Rio de Janeiro 1992 entwickelte sich die Umweltbildung international immer

mehr in Richtung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) weiter. Dieses Leitbild bezieht

sich nicht nur auf Ökologie, Umwelt oder Natur, sondern integriert weitere Dimensionen,

z.B. Soziales und Ökonomie, oft auch Politik/Partizipation und Kultur.“ (Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Umweltbildung und www.umweltbildung.de )

Ökologie: „Die Ökologie ist ursprünglich Teildisziplin der Biologie, welche die Beziehungen

der Lebewesen untereinander und mit ihrer unbelebten Umwelt erforscht. Mit wachsendem

Umweltbewusstsein hat der Begriff im 20. Jahrhundert eine Bedeutungserweiterung erfahren

und bezeichnet heute häufig auch die Handlungsweisen, die dem Umweltschutz dienen.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/ökologie )

Ökonomie: Die Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der

planvollen Deckung des menschlichen Bedarfs dienen. (Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/ökonomie )

Partizipation: „Partizipation bezeichnet die aktive Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen bei

der Erledigung der gemeinsamen (politischen) Angelegenheiten bzw. der Mitglieder einer

Organisation, einer Gruppe, eines Vereins etc. an den gemeinsamen Angelegenheiten.“

Darunter ist zum einen die Teilhabe der Bevölkerung an politischen Willensbildungsprozessen,

insbesondere an Wahlen und Referenden zu verstehen. „In einem rechtlichen Sinne

bezeichnet Partizipation die Teilhabe der Bevölkerung an Verwaltungsentscheidungen.“

(Quelle: Politiklexikon, Bundeszentrale für Politische Bildung)

Wirkungsvoller Umweltschutz hängt unter anderem davon ab, was Umweltschutz für den

Einzelnen bedeutet und inwiefern er bereit ist, sein eigenes Handeln danach auszurichten.

Umfragen bestätigen, dass das Bewusstsein der Menschen für die Bedeutung des Umweltschutzes

in Deutschland durchaus groß ist. In der aktuellsten Umfrage belegt es sogar Platz

drei der derzeit wichtigsten politischen Aufgaben. Dabei sieht sich die Bevölkerung durchaus

auch selbst sehr stark in der Verantwortung: Im Bereich des Klimaschutzes sind beispielsweise

88 Prozent davon überzeugt, durch ihr Alltagsverhalten einen wirksamen Beitrag zur

Verbesserung leisten zu können.

Die Bereitschaft, selbst aktiv etwas zur Verbesserung zu tun, ist im Verhältnis hierzu deutlich

geringer und hängt stark vom Thema ab. Ebenso ist erkennbar, dass das „Umweltbewusstsein“

nicht unabhängig von sozialen und kulturellen Faktoren bewertet werden kann. Dies

liegt möglicherweise auch daran, dass viele Menschen nicht die nötige Sachkenntnis besitzen,

um entscheiden zu können, welches Handeln dem Umweltschutz dient. (Quelle: regelmäßige

Repräsentativumfrage zum Umweltbewusstsein des Umweltbundesamtes für

Mensch und Umwelt, siehe

http://www.umweltbundesamt.de/umweltbewusstsein/umweltbewusstsein.htm).

Eine Schlüsselrolle zur Verbesserung spielt deshalb die „Umweltbildung“, denn nur wenn es

uns gelingt, Menschen gleich welcher sozialen und kulturellen Herkunft über die Zusammenhänge

unserer Umwelt zu informieren und sie zur Mitarbeit zu motivieren, kann ein nachhaltiger

Umweltschutz gelingen. Bildung im Sinne eines lebenslangen Lernens richtet sich

grundsätzlich an alle Altersgruppen. Unser besonderes Augenmerk muss jedoch der Umweltbildung

von Kindern und Jugendlichen gelten. Altersgerecht und milieuübergreifend kön-

101


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

nen so frühzeitig Verständnis für die Natur vermittelt sowie Rücksichtnahme und die Verantwortung

des Menschen für die Natur, die Umwelt, sich selbst und anderen gegenüber gefestigt

werden.

Umweltbildung ist weltweit seit vielen Jahren ein wichtiges Thema. Als eine der Meilensteine

für die Bedeutung der nachhaltigen Entwicklung und damit auch der Umweltbildung darf die

Umweltkonferenz der Vereinten Nationen bezeichnet werden, die 1992 in Rio de Janeiro

stattfand. Hier einigten sich 172 Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland auf ein

Aktionspaket, das auf einer nachhaltigen Entwicklung von Umwelt im Zusammenspiel von

ökologischen, sozialen und ökonomischen Gesichtspunkten beruht und durch Partizipation

im lokalen Umfeld erfolgen soll. Dieses Aktionsprogramm ist als „Agenda 21“ („was zu tun

ist im 21. Jahrhundert“) bekannt.

2002 bei der Folgekonferenz in Johannisburg haben die Vereinten Nationen für die Jahre

2005 bis 2014 die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgerufen. Auf Bundesebene

hat die nationale Umsetzung der UN-Dekade zu einer Reihe von Umweltbildungs-

Initiativen öffentlicher Stellen geführt (z.B. Bundesumweltministerium www.bmu.de, Bildungsservice,

Bundesamt für Naturschutz www.bfn.de/ 0309_bildung.html). Mit dem Aktionsplan

2009 „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ fordert die Landesregierung von Baden-

Württemberg vermehrte Anstrengungen zur Umweltbildung (Quelle: „Leitfaden Umweltbildung

im BUND Baden-Württemberg, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Hiervon

beeinflusst werden auch die Lehrpläne der Schulen in Baden-Württemberg, die seit 2004

immer stärker auch Unterrichtsziele im Zusammenhang mit „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

beinhalten.

10.2 Lokale Agenda 21 in Bruchsal

Mit dem Beschluss des Gemeinderates im Jahr 1999, in Bruchsal eine lokale Agenda 21 zu

gründen, wurden Ziele wie „nachhaltige Entwicklung“ und die Partizipation im Umweltbereich

auf kommunaler Ebene anerkannt. Von Beginn an wurde im Bruchsaler Agenda 21-Prozess

darauf geachtet, dass alle drei von den Vereinten Nationen geforderten Dimensionen (Ökologie

/ Soziales / Ökonomie) besetzt sind. Gleichwohl spielen Themen des klassischen Umweltbereiches

wie Umwelt, Natur und Ökologie eine große Rolle. Entsprechend sind viele

Arbeitsgruppen der Lokalen Agenda 21 in Bruchsal im Umweltschutz aktiv und führen zahlreiche

Aktionen im Bereich der Umweltbildung durch.

Die Lokale Agenda 21 in Bruchsal ist thematisch in zwei Arbeitskreise (AK „Gesellschaft und

Soziales“ und AK „Stadtentwicklung, Umwelt und Energie“) gegliedert, denen wiederum Arbeitsgruppen

zugeordnet sind. In den Arbeitsgruppen findet die inhaltliche Arbeit statt. Organisatorische

Unterstützung erhalten die Arbeitsgruppen vom städtischen Agenda-Büro.

Im Jahr 2012 besteht die Lokale Agenda 21 in Bruchsal aus elf Arbeitsgruppen:

▪ AG „Flächenmanagement“

▪ AG „Radwege“

▪ AG „Innenstadt, Fußgängerzone, Gewerbeansiedlung, ÖPNV“

▪ AG „Umwelt und Energie“

▪ AG Projektegarten Heubühl“

▪ AG „Netzwerk Heubühl“

▪ AG „Forum Eine Welt“

▪ AG „Menschen mit und ohne Handicap“

102


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

▪ AG „Senioren“

▪ AG „Jugend“

▪ AG „Soziale Dienste / Tauschring“

Einmal im Jahr treffen sich Agenda-Mitwirkende, Stadtverwaltung und Mitglieder des Gemeinderates

im Agenda-Ausschuss, um über Zuschüsse und inhaltliche Anträge zu entscheiden.

Die Schwerpunkte der Agenda-Arbeit werden danach in einer öffentlichen Gemeinderats-Sitzung

dem Hauptorgan der Stadt sowie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Darüber hinaus präsentiert sich die Lokale Agenda 21 in Bruchsal in der Regel ein Mal im

Jahr mit allen Arbeitsgruppen der Bevölkerung und informiert dabei über Umweltthemen.

2012 geschah dies in Form einer Agenda21-Messe anlässlich der Energie- und Baumesse

am 6. und 7. Oktober 2012 in den Seminarräumen des Bürgerzentrums.

10.3 Schulen

Umwelterziehung und Nachhaltigkeit sind seit 2004 zentrale Themen und Aufgaben der

Schule in den Bildungsplänen.

Die pädagogische Dimension der Bildung und Erziehung für nachhaltige Entwicklung erfordert

eine Veränderung in der Aneignung von und im Umgang mit Wissen, vor allem aber die

Einübung praktischer und sozialer Kompetenzen sowie die Förderung persönlicher Verantwortungsbereitschaft.

Deshalb findet sich Umweltbildung als fächerübergreifende Aufgabe in

den Bildungsplänen aller Schultypen in Baden-Württemberg wieder. Im Sinne einer kompetenzorientierten

Lernwelt erfolgt die Umsetzung je nach Schulart und Klassenstufe mit unterschiedlichen

methodischen Ansätzen und Hilfsmitteln.

Die Bandbreite der Themen im Bereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und damit auch

der Umweltbildungsthemen in baden-württembergischen Schulen ist sehr groß. Insbesondere

haben praktisch umsetzbare Themen wie, z.B. Müllvermeidung, Energiesparen, Einsatz

erneuerbare Energien/Solarenergie, Gesundheitserziehung, Gestaltung des Schulgeländes

ihren Eingang in die Schulen gefunden.

In besonderem Maße werden Projekte im Bereich der Jahresthemen der BNE-Dekade umgesetzt.

Diese waren bzw. sind:

▪ 2007 Kulturelle Vielfalt

▪ 2008 Wasser

▪ 2009 Energie und Klima

▪ 2010 Geld

▪ 2011 Stadt

2012 Ernährung

▪ 2013 Mobilität

103


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Darüber hinaus haben die Vereinigten Nationen folgende Internationalen Jahre ausgerufen:

▪ 2010 Internationales Jahr der Biologischen Vielfalt

▪ 2011 Internationales Jahr der Wälder

10.4 Kindergärten

Die Etablierung einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im vorschulischen Bereich ist

eine Konsequenz, die aus der Agenda 21 (Kapitel 25) erwächst. Rechtlich

gesehen schreibt die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 vor – die 1992 von

Deutschland ratifiziert wurde –, dass Kinder ein Recht auf gesunde Lebens- und Entwicklungsbedingungen

haben. Im Sozialgesetzbuch VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz, KJHG)

von 1990 wird in ähnlicher Weise von der Schaffung und Erhaltung positiver Lebensbedingungen

für junge Menschen und ihre Familien sowie einer kinder- und familienfreundlichen

Umwelt gesprochen (KJHG, § 1, Abs. 3, Nr. 4). Das KJGH stellt einen verbindlichen Bezugspunkt

für Kindertagesstätten dar und beschreibt die Aufgabe des Kindergartens mit „Betreuung,

Bildung und Erziehung des Kindes“ (KJHG, § 22, Abs. 3, Nr. 2).

Im Gegensatz zu den verbindlichen Bildungsplänen der Schulen gibt es in Kindergärten keine

verbindlichen Vereinbarungen über die Bildungsinhalte.

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hat zur Umsetzung dieses Bildungsauftrags im

Jahr 2011 einen „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in baden-württembergischen

Kindergärten und weiteren Kindertageseinrichtungen“ herausgegeben, der in Zusammenarbeit

mit Trägern und Experten entstand. Der Orientierungsplan sieht Umweltbildung als wichtige

Aufgabe in den Kindergärten.

Der Orientierungsplan ist jedoch – im Gegensatz zu den Bildungsplänen in Schulen – kein

verbindliches Regelwerk. Stattdessen beschreibt er einen Qualitätsstandard, dessen Zielformulierungen

von Trägern und Einrichtungen eigenverantwortlich pädagogisch umgesetzt

werden sollen. Entsprechend spielen neben trägerspezifischen Auffassungen von Bildung,

Erziehung und Betreuung in Kindertagesstätten insbesondere die pädagogischen Fachkräfte

bei der konkreten Umsetzung des Bildungsauftrages eine herausragende Rolle.

Als Reaktion auf die defizitären Naturerfahrungen von Kindern und die zunehmende

Reizüberflutung entstanden in den letzten Jahren in Deutschland zahlreiche Wald- und Naturkindergärten,

in denen Erfahrungen mit der Betreuung von Kindern in der freien Natur

gemacht werden.

Ein weiterer Entwicklungsstrang ist in der Ökologisierung von Kindertagesstätten zu sehen,

der von der Erkenntnis geleitet ist, dass Umweltbewusstsein am ehesten an einem Ort gefördert

werden kann, der aus ökologischer Sicht intakt ist und nicht im Widerspruch zur pädagogischen

Zielsetzung steht. In erster Linie beziehen sich diese Überlegungen auf die

Kindergartenarchitektur und die Umgestaltung des Außengeländes.

10.5 Vereine, Verbände und gemeinnützige Organisationen

Auch eine Reihe von Vereinen, Verbänden und weiteren Organisationen in Bruchsal widmen

sich aktiv dem Umweltschutz und der Umweltbildung. Mit ihrer Arbeit tragen sie kontinuierlich

dazu bei, die Bedeutung des Umweltschutzes zu festigen.

104


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Ziel: Möglichst viele und vielfältige Möglichkeiten zum Erwerb von Kompetenzen

im Bereich „Umweltschutz“.

Indikator 10a: Zusammenstellung der Möglichkeiten zum Erwerb von

Kompetenzen im Bereich „Umweltschutz“ im Rahmen der

Lokalen Agenda21 Bruchsal.

Schwerpunkte der Umweltbildung 2012: Lokale Agenda 21

Verteilung in Prozent

0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50

Naturschutz/biologische Vielfalt

36

Kategorien Umweltbericht

Boden

Wasser

Luft/Lärm

Verkehr/Mobilität

Energie/Klimaschutz

9

9

9

9

45

Abfallwirtschaft

9

Abbildung 10.1

Auswertung der thematischen Schwerpunkte der Arbeitsgruppen der Lokalen Agenda 21 in

Bruchsal

Datenquelle: städtische Erhebung

Bedeutung: Grundsätzlich haben zu den Arbeitsgruppen der Lokalen Agenda21 in Bruchsal

alle Interessierte – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Religion

– Zugang.

Tatsächlich bewegt sich die Altersstruktur der Mitwirkenden entsprechend

dem demographischen Wandel immer mehr nach oben. Es wirken kaum junge

Menschen mit, die zudem aufgrund ihrer schulischen oder beruflichen Entwicklung

auch häufig ihr Engagement einschränken oder – bei Wegzug – auch

ganz aufgeben müssen.

Ebenso fällt auf, dass die Akteure der Lokalen Agenda21 in Bruchsal eher

männlich sind. Dies zeigt sich besonders bei der Übernahme von Sprecherfunktionen:

Neun der elf bestehenden Arbeitsgruppen werden von Sprechern,

lediglich zwei von Sprecherinnen geleitet. Die Sprecher der zwei Arbeitskreise

sind alle männlich.

Die Arbeitsgruppen der Lokalen Agenda 21 in Bruchsal sind in ihrer Themenvielfalt

breit aufgestellt. Schwerpunktmäßig arbeiten die Gruppen in den Kategorien

„Naturschutz / biologische Vielfalt“ sowie „Verkehr / Mobilität“.

Jedoch lässt sich feststellen, dass die Arbeitsweise der Arbeitsgruppen sehr

unterschiedlich ausgeprägt ist: So setzen einige Arbeitsgruppen ihren

Schwerpunkt auf die Projektarbeit und bieten zahlreiche Mitwirkungsangebote

für Jung und Alt. Andere Arbeitsgruppen treffen sich zwar regelmäßig mit ihren

Mitgliedern zur Bearbeitung von Themen, sind über diesen engen Kreis hinaus

aber nur wenig öffentlichkeitswirksam tätig und setzen auch keine Projekte mit

Mitwirkungscharakter um. Niederschwellige Mitwirkungsmöglichkeiten sowie

gute Öffentlichkeitsarbeit sind jedoch wichtige Ansatzpunkte, um Bürgerinnen

105


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

und Bürger als neue Akteure für Umweltschutz zu gewinnen und ihr Umweltbewusstsein

zu stärken.

Entwicklung: Bei den konstituierenden Sitzungen der Lokalen Agenda 21 in Bruchsal haben

sich 88 Bürgerinnen und Bürger bereit erklärt, sich für die Ziele der Agenda 21

einzusetzen. Als Motor der Agenda-Arbeit und fachlicher Begleiter der 15 Arbeitsgruppen

fungierte das städtische Agenda-Büro im Amt für Vermessung,

Umwelt und Liegenschaften. Ende 2003 ging das Agenda-Büro in das Hauptamt

über. Mit dem personellen Wechsel war auch eine Verringerung der Zeitanteile

verbunden, so dass eine intensive hauptamtliche Begleitung des Prozesses

nicht mehr möglich war. Dies war vermutlich mit ein Grund, dass die

Zahl der Akteure kontinuierlich sank. Wendepunkt der Talfahrt war das Jahr

2009, als nur noch acht Arbeitsgruppen bestanden und sich nur noch knapp

50 Ehrenamtliche bereit fanden, im Agenda-Prozess mitzuwirken. Mit der

Wahl des neuen Stadtoberhauptes, Oberbürgermeisterin Petzold-Schick, erhielt

auch der Agenda-Prozess wieder neuen Auftrieb. Im Jubiläumsjahr 2010

entstanden so neue Arbeitsgruppen wie die AG „Menschen mit und ohne

Handicap“. 2011 folgte die AG „Jugend“, die sich aus Ehemaligen des Jugendgemeinderates

rekrutierte. Ebenso konnte der Fortbestand des Projektegartens

Heubühl durch neue Aktive gesichert werden. Aus der Krise entstand

inzwischen sogar eine zweite Arbeitsgruppe, die AG „Netzwerk Heubühl“, in

der sich acht gemeinnützige Gruppen zusammengeschlossen haben, um die

naturnahen Bildungsprojekte im Heubühl in den Fokus zu rücken. Ende 2012

wirken somit wieder 80 Ehrenamtliche in 11 Arbeitsgruppen im Bruchsaler

Agenda-Prozess mit.

Im Rahmen aller Aktionen und Projekte sollen drei erfolgreiche Projekte im

Jahr 2012 besonders hervorgehoben werden:

1) Aktion „Saubere Stadt“: An der ehrenamtlichen Müllsammelaktion wirkten

2012 580 Kinder und Jugendliche sowie 90 Erwachsene mit (im Vergleich:

2011 waren es „nur“ 70 Kinder/Jugendliche und 40 Erwachsene). Die große

Steigerung liegt zum einen an der größeren Bekanntheit und stärkeren

Werbung für die Aktion (teilnehmende Gruppen werden auf Wunsch mit

Bild im Amtsblatt veröffentlicht). Zudem nahm die Hebelschule mit den

Klassenstufen 2-4 an der Aktion teil und stellte mit 330 Personen den „Löwenanteil“

der Teilnehmenden. Auch insgesamt stieg bei Kindergärten und

Schulen die Bereitschaft, selbst Vorbild zu sein und etwas zur Sauberkeit

beizutragen. Im Dezember fand gar eine Müllsammelaktion im Rahmen eines

Kindergeburtstages statt – auf Wunsch des Geburtstagskindes.

2) „Projektegarten Heubühl“: Nach der Beseitigung der Feuer- und Vandalismusschäden

sowie personellen Neuorganisation im Jahr 2011 ist der Projektegarten

Heubühl für Kindergärten, Schulklassen und andere Gruppen

wieder eine besondere Anlaufstelle. 2012 fanden 60 Veranstaltungen mit

Kindern (Kindergärten, Grundschulklassen, Kindergeburtstage) sowie Erwachsenen

(Feste, Hohlwegwanderungen, Betriebsausflug) statt.

„Netzwerk Heubühl“: Die personellen und organisatorischen Unsicherheiten

führten dazu, dass sich die naturnahen Bildungsgruppen im Kleinen und

Großen Heubühl zu einem Netzwerk zusammen schlossen und sich gemeinsam

für Umweltbildung einsetzen. Besonders hervorzuheben ist dabei

der einmal im Jahr stattfindende „Tag der offenen Tür“ im Heubühl, der jeweils

am 3. Oktober stattfindet. Ohne Strom und fließendes Wasser können

106


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

kleine und große Umweltschützer ganz „hautnah“ erleben, was Natur bedeutet.

3) Entwicklungshilfe-Projekt „Raketenbrenner“: Seit einigen Jahren tüftelt Richard

Fetzner, Mitglied der AG „Umwelt und Energie“, an einem umweltfreundlichen

Kocher, der in Entwicklungsländern mit geringen Holz-

Ressourcen zum Kochen verwendet werden kann. Heraus kam der „Raketenbrenner“,

der nur ein Viertel des üblichen Holzbedarfes verbraucht und

zudem deutlich weniger Rauch entwickelt. Mit diesem ist er 2012 in den

verschiedensten Entwicklungsländern Afrikas unterwegs und hat sich auch

der Missionsgruppe Büchenau angeschlossen. Aber auch in Bruchsal hat

er sich bewährt und ist insbesondere im Projektegarten Heubühl im Dauereinsatz,

da es dort in der freien Natur keinen Strom zum Kochen gibt. Menschen,

die den Kocher im Einsatz erleben, werden in besonderem Maße

inspiriert, über Ressourcen-Verbrauch nachzudenken.

Foto: Stadt Bruchsal

107


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Indikator 10b: Zusammenstellung der Möglichkeiten zum Erwerb von Kompetenzen

im Bereich „Umweltschutz“ im Rahmen der schulischen Ausbildung.

Schwerpunkte der Umweltbildung 2012:

Grund- und weiterführenden Schulen

Verteilung in Prozent

0 5 10 15 20 25 30 35 40

Naturschutz / Biologische Vielfalt

20

Kategorien Umweltbericht

Boden

Wasser

Luft / Lärm

Verkehr / Mobilität

Energie / Klimaschutz

Abfall

0

1

5

7

21

35

allgemein

12

Abbildung 10.2

Auswertung der Rückmeldungen der Schulen auf den Fragebogen „Projekte und Aktionen zu Umweltbildung/Umweltschutz“

Datenquelle: Um belastbare Daten über die Umweltbildung von Schülerinnen und Schülern

zu erhalten wurden die 20 Grund- und weiterführenden Schulen der Stadt und

des Landkreises sowie weitere schulischen Bildungsstätten angeschrieben.

Insgesamt 13 Schulen gaben an, Bildungsprojekte im Bereich des Umweltschutzes

auszuführen (65%). Diese wurden hinsichtlich ihrer Quantität ausgewertet.

Eine Auswertung nach qualitativen Gesichtspunkten war nicht möglich.

Die Auswertung kann aus diesen Gründen nicht als repräsentativ angesehen

werden. Es ergeben sich trotzdem klare Tendenzen.

Bedeutung: Die Schwerpunkte der schulischen Umweltbildungsprojekte liegen im Jahr

2012 in den Kategorien „Energie- und Klimaschutz“, „Abfall“ und „Naturschutz

/ Biologische Vielfalt“. In diesen Bereichen haben Kinder und Jugendliche eine

große Bandbreite an Möglichkeiten, Sachkenntnisse über Umweltthemen zu

erlangen, den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu lernen und

ihr eigenes Verhalten danach auszurichten.

Übergreifende Projekte sowie Projekte in den Bereichen „Wasser“ bzw. „Luft /

Lärm“ werden ebenfalls durchgeführt. „Verkehr / Mobilität“ und „Boden“ sind

hingegen Themen, die wenig aufgegriffen werden. Somit können Kompetenzen

in diesem Bereich nur bedingt erlangt und in den Alltag übernommen

werden.

108


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Das Heisenberg-Gymnasium zeigt das am ganzheitlichsten an Umweltthemen

ausgerichtete Profil:

1. Das Projekt "Grünasium - Heisenberg-Gymnasium Bruchsal communicates

green" erhielt den osKarl für Nachhaltigkeit (Karlsruher Wissenschaftspreis).

Bei diesem Schülerförderwettbewerb werden Mitschüler, Eltern und

Lehrer für die Themen Energieverbrauch und Energieeinsparung sensibilisiert.

Weitere Infos: http://www.youtube.com/watch?v=bPD6_YI4m-o

2. Green-AG „Biodiversität“ in Kooperation mit Fraport und Flughafen Frankfurt:

Schüler setzen sich intensiv mit dem Thema „Biodiversität“ auseinander

und entwickeln Zukunftsvisionen für biologische Vielfalt im Kontext wirtschaftlichen

Handelns.

3. Geplante Zertifizierung des Heisenberg-Gymnasiums zur "Umweltschule in

Europa – Internationale Agenda 21 Schule": Die Zertifizierung zielt auf die

Entwicklung umweltverträglicher Schulen und die Förderung der Bildung für

nachhaltige Entwicklung. Schulen können die Auszeichnung erhalten, wenn

sie innerhalb der Projektzeit ein selbstentwickeltes Konzept zur Verbesserung

ihrer Umweltverträglichkeit erfolgreich umsetzen konnten.

(http://www.umwelterziehung.de/projekte/umweltschule/index.html).

Die Rückmeldungen aus den Schulen zum Thema „Umweltverwaltung“ waren

nur gering und betrafen Maßnahmen im Bereich Müll (Korkensammelaktion,

Druckerpatronensammlung, Altbatterie-Sammlung ) bzw. Energie (Reduzierung

Energieverbrauch). Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang

das Kooperationsprojekt „Energie-Einspar-Beteiligungsprojekt für

Bruchsaler Schulen“. Ziel dieses Projektes ist es, durch technische Möglichkeiten

als auch Verhaltensänderungen Energie möglichst effizient einzusparen.

Als Anreiz werden Nutzer an den durch nicht benötigte Energie bzw.

Wasserminderverbrauch erzielten Einsparungen beteiligt. 2012 beteiligen sich

hieran das Justus-Knecht-Gymnasium, das Schönborn-Gymnasium, die Albert-Schweitzer-Realschule

und die Burgschule Obergrombach.

Umweltthemen sind auch in Institutionen, die der beruflichen oder sonstigen

schulischen Ausbildung zuzuordnen sind, vertreten: So meldet bspw. die Polizeischule,

dass die Grundlagenvermittlung von lärmmindernder und energiesparender

Fahrweise Teil der Ausbildungsinhalte ist. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe

wurden 2012 weitere Ideen in der Polizeischule umgesetzt. Hierzu

gehörten eine Fragebogenaktion, eine Fortbildung zum Thema Klima sowie

die von den AG-Teilnehmern ins Leben gerufene „Mobil in den Frühling-

Woche“, bei der die Angehörigen der Polizeischule eine Woche besonders

umweltfreundlich zum Dienst kamen. Mit diesem Projekt gewann sie den zweiten

Platz des Wettbewerbs „Schule und Klimawandel“ der „Winfried Böhler

Umwelt Stiftung“, der am 9. September 2012 verliehen wurde.

Entwicklung: Da die Datenerfassung an Bruchsaler Schulen im Jahr 2012 erstmals erfolgte,

kann über eine Entwicklung in Bruchsal noch keine Aussage getroffen werden.

Insgesamt lässt sich anhand der Lehrpläne in Baden-Württemberg erkennen,

dass Umweltthemen eine immer größere Bedeutung in den Schulen erlangen.

109


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Indikator 10c: Zusammenstellung der Möglichkeiten zum Erwerb von Kompetenzen

im Bereich „Umweltschutz“ im Rahmen der Kindergärten.

Schwerpunkte der Umweltbildung 2012: Kindergärten

Anteil in Prozent

0 5 10 15 20 25

Naturschutz / Biologische Vielfalt

20

Boden

0

Kategorien Umweltbericht

Wasser

Luft / Lärm

Verkehr / Mobilität

Energie / Klimaschutz

Abfallwirtschaft

0

1

2

4

11

übergreifend

3

Abbildung 10.3

Auswertung der Rückmeldungen der Kindergärten auf den Fragebogen „Projekte und Aktionen zu

Umweltbildung/Umweltschutz“

Datenquelle: Um belastbare Daten über die Umweltbildung in Kindergärten zu erhalten

wurden die 22 Kindergärten und Kinderhorte in Bruchsal angeschrieben. Insgesamt

12 Einrichtungen meldeten sich zurück (55%) und gaben an, Bildungsprojekte

im Bereich des Umweltschutzes auszuführen. Diese Projekte

wurden den Kategorien des Umweltberichtes zugeordnet, um über die

Schwerpunkte der Umweltbildung in Bruchsaler Kindertageseinrichtungen

Aussagen treffen zu können.

Bedeutung: Bruchsaler Kindergärten haben Projekte aus dem Bereich der Umweltbildung

fest als Bildungsziel verankert. Schwerpunktthemen sind dabei „Naturschutz

und biologische Vielfalt“ sowie „Abfallwirtschaft“. Der Zugang der Kinder zu

diesen Themen erfolgt dem Alter entsprechend auf spielerische Art und mit

praktischem Ansatz.

Durchweg zieht es die Bruchsaler Kindergärten mit ihren Schützlingen in die

freie Natur, sei es bei einem Waldtag, bei einem Besuch des Projektegartens

im Heubühl bzw. des WieWaldi Natur- und Erlebnisgartens e.V. oder auch bei

Spaziergängen zur Bestimmung von Tieren und Pflanzen. Mit allen Sinnen erfahren

Kinder so, was Natur bedeutet.

Ebenso spielt Abfallvermeidung und Recycling eine große Rolle in Kindergärten.

Durch das Sammeln von Abfällen, durch Kompostierung oder auch Weiterverwendung

von gebrauchtem Papier für Malzwecke lernen Kinder von

klein auf, wie wichtig es ist, sparsam mit Materialien umzugehen und diese

nach Möglichkeit dem Kreislauf wieder zuzuführen.

Diese Aktionen sind von großer Bedeutung, denn nur wer seine Natur und

Umwelt als wichtigen Teil seiner Lebenswelt erlebt, wird im erwachsenen Alter

Verständnis für Umweltschutzmaßnahmen haben.

In größerem Maße als Schulen suchen sich Kindergärten Kooperationspartner,

um Kinder an die Natur heranzuführen. Hierzu zählen bspw. der Förster,

verschiedene Naturvereine, die Lokale Agenda 21 sowie die Stadtverwaltung.

110


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Eine besondere Bedeutung im Rahmen der Umweltbildung hat der Wald- und

Naturkindergarten Bruchsal e.V., der durch sein pädagogisches Konzept ganz

auf die Vielfalt der Natur im Wechsel des Jahreslaufs ausgerichtet ist. So heißt

es auf der Homepage des Vereins: „Die Primärerfahrungen mit den Elementen

der Natur und dem Raum im Wald können durch kein Bestimmungsbuch ersetzt

werden und besitzen aufgrund ihrer Echtheit eine besondere Qualität.

Die Kinder werden durch direktes Erleben, Experimentieren und Beobachten

möglichst viele Antworten auf ihre Fragen selbst finden können. Die Kinder

schöpfen in ihrer weiteren Entwicklung aus diesem komplexen Erfahrungsschatz

und sind eher bereit, achtsam mit der Natur umzugehen.“

Insgesamt gibt es damit für Kinder in Kindergärten in Bezug auf die Schwerpunktthemen

„Naturschutz/biologische Vielfalt“ sowie „Abfallwirtschaft“ einen

guten Zugang zu Umweltbildungsmaßnahmen.

Auch die Einrichtungen selbst messen dem Umweltschutz eine größere Bedeutung

bei und achten bei der Umweltverwaltung auf schonenden Umgang

mit Ressourcen. So melden eine Vielzahl von Kindergärten, dass sie konsequent

bei Verlassen des Raumes das Licht ausschalten, sowie Wasser und

Energie sparsam verwenden. Hierzu passt auch die bewusste Verwendung

von Mehrweggeschirr, die Verwendung von Handtüchern anstelle von Papiertüchern

und die Weiterverwendung von einseitig bedrucktem Papier oder Kalendern/Plakaten

zu Malzwecken.

Entwicklung: Da die Datenerfassung an Bruchsaler Kindergärten im Jahr 2012 erstmals

erfolgte, kann über eine Entwicklung in Bruchsal noch keine Aussage getroffen

werden.

111


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Indikator 10d: Zusammenstellung der Möglichkeiten zum Erwerb von Kompetenzen

im Bereich „Umweltschutz“ im Rahmen von Vereinen und gemeinnützigen

Organisationen.

Schwerpunkte der Umweltbildung 2012: Vereine und Initiativen

prozentualer Anteil

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Naturschutz/biologische Vielfalt

100

Kategorien Umweltbericht

Boden

Wasser

Luft/Lärm

Verkehr/Mobilität

Energie/Klimaschutz

8

8

8

8

15

Abfallw irtschaft

23

Abbildung 10.4

Auswertung der Rückmeldungen der Vereine auf den Fragebogen „Projekte und Aktionen zu Umweltbildung/Umweltschutz“

Datenquelle: Städtische Erhebung per Fragebogen an alle Bruchsaler Vereine/Verbände

Bedeutung: Die Rückmeldung der Vereine und gemeinnützigen Initiativen auf den Fragebogen

hat ergeben, dass dreizehn Gruppen aufgrund ihrer Satzung oder Aktivitäten

einen Schwerpunkt im Bereich des Umweltschutzes haben bzw. den

Umweltschutz in besonderem Maße fördern. Hierzu gehören:

▪ Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz Bruchsal e.V. (AGNUS)

▪ Arbeitskreis Wasser Obergrombach

▪ Bürgerstiftung Bruchsal

▪ Golfclub Bruchsal e.V.

▪ Imkerverein Bruchsal e.V.

▪ I.R.B.A. Forschung, Entwicklung, Integration e.V.

▪ Lebenshilfe Bruchsal e.V.

▪ Obst- und Gartenbauverein 1879 e.V. Bruchsal

▪ Sportfischerverein 1951 Bruchsal

▪ Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe e.V.

▪ Vogelschutz- und Zuchtverein Untergrombach e.V.

▪ Verein für Umwelt- und Naturschutz Untergrombach e.V.

▪ WieWaldi Natur- und Erlebnisgarten e.V.

112


Umweltbericht 2012

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Die Ergebnisse der Umfrage haben ergeben, dass alle Gruppen im Bereich

der Kategorie Naturschutz/biologische Vielfalt tätig sind. Die übrigen Kategorien

sind zwar vertreten, spielen jedoch eine eher untergeordnete Rolle.

Foto: R. Carl

Bei Vereinen, die Umweltschutzmaßnahmen nicht als Schwerpunkt durchführen,

sind besonders Umweltbildungsmaßnahmen im Bereich Abfallwirtschaft

beliebt. So werden regelmäßig selbst oder in Zusammenarbeit mit der Aktion

„Saubere Stadt“ Müllsammelaktionen durchgeführt.

Die Lebenshilfe Bruchsal-Bretten hat eine Arbeitsgruppe „Naturschutz“ gegründet,

die sich mit ihren Mitwirkenden um Naturschutz in Bruchsal kümmert.

So entstand 2012 in Kooperation mit dem Stadtförster und Forst-Azubis ein

Insektenhotel im Heubühl, in den Jahren zuvor wurden gemeinsam Sitzgelegenheiten

gebaut.

Ferner engagiert sich die Lebenshilfe seit 2011 im Rahmen des Projektes

„JUNA“ aktiv im Naturschutz der Region. JUNA steht für „Jugend und Naturschutz“

und ist eine konfessions-, gemeinde-, vereins- und gruppenübergreifende

Initiative, die als Ziel den Schutz und Erhalt der Natur, insbesondere

durch Jugendliche und Kinder, im Blick hat. Vorrangig werden Naturschutzgebiete

und Biotope in Graben-Neudorf, Wiesental, Phillipsburg, Hochstetten

und in Oberhausen betreut. Ein Einsatz auf Bruchsaler Gemarkung hat bislang

noch nicht stattgefunden.

Wer sich in Vereinen und gemeinnützigen Organisationen zum Thema „Naturschutz

und biologische Vielfalt“ bilden möchte, hat damit in Bruchsal gute

Möglichkeiten. Auch ein Einsatz im Bereich Abfallwirtschaft ist in vielen Einrichtungen

möglich.

Entwicklung: Die Abfrage über Umweltprojekte und Ziele erfolgte an Bruchsaler Vereinen

erstmals im Jahr 2012. Bei genauerer Betrachtung der Vereine und deren Historie

wird jedoch deutlich, dass der überwiegende Teil seit Jahren konstant

arbeitet. 2012 gewann der Verein für Umwelt und Naturschutz Untergrombach

e.V. beim Kreisumweltschutzpreis den 1. Preis für ihre Arbeit im Amphibienschutz.

Auch das Projekt „JUNA“ wurde 2012 ausgezeichnet und erhielt als eines von

drei Projekten den Aggiornamento-Preis im Rahmen einer Konzils-Gala auf

dem 98. Deutschen Katholikentag.

Die Stadt Bruchsal unterstützt die Vereine seit vielen Jahren bei ihrer praktischen

Naturschutzarbeit, z.B. durch Abfuhr und Entsorgung von Mähgut.

113


Umweltbericht 2012

Mögliche/zukünftige Maßnahmen/Aktionen:

10. Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat 2011 in seiner Broschüre „Bildung

für nachhaltige Entwicklung – Lokale Netzwerke und Praxisbeispiele aus sechs Kommunen

in Baden-Württemberg“ kommunale Wege für eine erfolgreiche Arbeit im Bereich

Bildung für nachhaltige Entwicklung aufgezeigt und konkret die „Vernetzung und Kooperation

verschiedener Bildungsinitiativen vor Ort…“ empfohlen. Diese seien „…wichtige Voraussetzungen,

um gesellschaftliche Entwicklungsprozesse im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung

stärker in die Fläche zu tragen.“

Eine Nachfrage bei den Kindergärten und Schulen hat ergeben, dass die Einrichtungen sich

zur Förderung der Umweltbildung insbesondere personelle und finanzielle Unterstützung

wünschen. Ebenso wurden „best practice“-Beispiele aus anderen Institutionen gewünscht.

Vereine und gemeinnützige Initiativen sind ehrenamtlich tätig. Der kommunale Einfluss auf

diese Gruppen ist deshalb beschränkt. Jedoch gibt es aus Sicht der Kommune die Möglichkeit,

die Gruppen in ihrer Umweltbildung zu unterstützen.

Wir schlagen deshalb als Maßnahmen vor:

1. Unterstützung der Schulen, Kindergärten und Vereine durch erstmalige Einrichtung einer

zentralen Kontaktstelle für alle Kategorien der Umweltbildung:

• Kontinuierliche Förderung der bisher weniger behandelten Umweltthemen: Sammlung

und Weitergabe von guten Beispielen aus Schulen, Kindergärten und Vereinen

sowie Bildung von jährlichen Schwerpunktthemen.

• Zusammenführung von Netzwerkpartnern (Schulen, Kindergärten, Vereine, Agenda

21) zur Förderung von Umweltbildungsmaßnahmen und Umsetzung gemeinsamer

Projekte.

2. Gezielte Förderung von Umweltthemen durch Bildung von Schwerpunktthemen im Rahmen

der Agenda 21 und personelle Unterstützung im Agenda 21-Büro: 2013 sollte

schwerpunktmäßig das Radfahren in Bruchsal unterstützt werden.

3. Gewinnung von Nachwuchs für die Lokale Agenda 21.

4. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit in allen Arbeitsgruppen der Agenda 21.

5. Durchführung von Mitmach-Projekten in allen Arbeitsgruppen der Agenda 21, um niederschwellig

an Umweltthemen heranzuführen (z.B. Aktion "Essbare Stadt").

114


Umweltbericht 2012

11. Umweltverwaltung

11. Umweltverwaltung

11.1 Organisation des Umweltschutzes bei der Stadt Bruchsal

Das Thema Umweltschutz umfasst viele verschiedene Sachgebiete wie z.B. Naturschutz

und Landschaftspflege, Gewässerschutz und Wasserwirtschaft, Luftreinhaltung

und Klimaschutz, Abfallwirtschaft, Bodenschutz und Altlasten. Dabei hat sich

der Focus im Laufe der Jahre durchaus verändert. Es gibt kaum ein anderes Aufgabengebiet,

in dem ständig so viele gesetzliche Änderungen, vor allem auf europäischer

Ebene, vorgenommen werden wie beim Umweltschutz. Umweltschutz berührt

somit die unterschiedlichsten Aufgabenbereiche innerhalb einer Stadtverwaltung.

Dies spiegelt sich auch bei der Stadt Bruchsal wieder.

In den 80er Jahren wurden bei den Kommunen verstärkt Umweltschutzbeauftragte

eingestellt. Die Aufgaben umfassten meist Naturschutz, Biotopverbundplanungen,

Umwelt- und Abfallberatung. Auch bei der Stadt Bruchsal gab es eine solche Stelle,

die verschiedenen Ämtern zugeordnet war bis sich in den 90er Jahren die Umweltabteilung

beim Amt für Vermessung, Umwelt und Liegenschaften etablierte. Die

Aufgabengebiete der 8 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 3 in Teilzeit, waren

u.a. Bodenschutz, Altlasten, Abfallwirtschaft, Etablierung der Lokalen Agenda 21,

Naturschutz, Landschaftspflege, Umweltbildung, Gewässerschutz, Baggerseen, spezielle

Artenschutzmaßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit, Umweltrecht, Bauleitplanung,

Umweltpolizei und Wildschadensregulierung. Dazu kam noch ein Landschaftspflegetrupp,

der sich aus ehemaligen Mitarbeitern des Schlachthofes zusammensetzte.

Durch deren praktische Arbeit konnten viele städtische Biotopflächen, Wegränder

und Gräben ökologisch sinnvoll gepflegt werden. Mit Fertigstellung des neuen Baubetriebshofgebäudes

wurde der Landschaftspflegetrupp in den Bauhof integriert.

Durch ihr spezielles Fachwissen in der Landschaftspflege sind sie auch heute noch

vorrangig für Maßnahmen im Naturschutz zuständig.

Mit der Zusammenlegung des Stadtbauamtes und des Amtes für Vermessung, Umwelt

und Liegenschaften 2006 zum Bau- und Vermessungsamt wurde die Umweltabteilung

aufgelöst. Ein Teil der Naturschutzaufgaben, die Landschaftspflege, Gewässerschutz,

Umweltpolizei und Wildschadensregulierung wurden in die Abteilung Tiefbau,

Grün, Landschaftspflege integriert und mit zusätzlichen Aufgaben versehen. Die

übrigen Mitarbeiter wurden in der Umweltstelle zusammengefasst. Zusätzlich kamen

noch Aufgaben der zentralen Verwaltung dazu. Mit der Rückdelegation der Abfallwirtschaft

2009 wurde der Abfallbereich dem Abwasserbetrieb angegliedert. Von den

ursprünglich 1,5 Stellen aus dem Fachbereich Umwelt sind in der Umweltstelle seit

2009 noch ca. 0,8 Stellen für Umweltthemen übrig.

Mitte 2011 wurde die Umweltstelle dem Stadtplanungsamt angegliedert. Dadurch

wurde eine erneute Aufgabenumverteilung notwendig. Neben koordinierenden Tätigkeiten

in den Bereichen Klimaschutz, Immissionsschutz, Bodenschutz und Altlasten

gehören die Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung zu den Aufgaben der Umweltstelle.

Hinzu kommen spezielle Themen wie Artenschutz und fachliche Begleitung

der Bauleitplanung sowie die Erstellung des Umweltberichtes in Projektarbeit. Die

Fülle der fachspezifischen Aufgaben und der rechtlichen Fragen erfordert eine lange

Einarbeitungszeit und verträgt sich nicht mit einer hohen Fluktuation und erfordert

fachlich gut ausgebildete Beschäftigte. Viele der oben genannten Themen können

mit der personellen Ausstattung der Umweltstelle nicht bewältigt werden. Umso wich-

115


Umweltbericht 2012

11. Umweltverwaltung

tiger ist eine ämterübergreifende Zusammenarbeit, wie sie derzeit für die Erstellung

des Umweltberichts erfolgreich durchgeführt wird.

Denn ökologische Themen betreffen praktisch alle Bereiche der Stadtverwaltung und

sollten zukünftig bei allen Tätigkeiten berücksichtigt werden.

mögliche zukünftige Maßnahmen:

• Fortschreibung des Umweltberichts alle 5 bis 6 Jahre.

• Die Vielzahl fachspezifischer Umweltaufgaben mit den damit verbundenen rechtlichen

Fragen erfordert zusätzliches Personal mit entsprechender Qualifikation.

• Bildung von ämterübergreifenden Projektgruppen zu besonders wichtigen und

umfassenden Umweltthemen, z.B. Klimaschutz.

• Erstellen eines Leitfadens zur Bearbeitung und Erläuterung des Unterpunktes

„Nachhaltigkeit“ bei Vorlagen an den Gemeinderat und weiterer Gremien.

116


Umweltbericht 2012

11. Umweltverwaltung

11.2 Beschaffungswesen

Stadtleitbild Bruchsal 2020:

Sparsamen Umgang mit Ressourcen fördern: Die Stadt Bruchsal unterstützt den

sparsamen Umgang mit endlichen Ressourcen und fördert die Nutzung erneuerbarer

Ressourcen. Die verstärkte Förderung der Nutzung regenerativer Energien, wie Solarenergie

und Erdwärme, wird angestrebt.

11.2.1 Einführung

In Kommunen wird eine Vielzahl von Produkten eingekauft, die von der Büroausstattung

über Kommunalfahrzeuge bis hin zu Baumaterialien reichen. Von jedem Produkt

gehen mehr oder weniger starke Umweltbelastungen aus. Diese lassen sich nur verringern,

wenn die Hersteller umweltverträgliche Produkte produzieren und die Käufer

sich dafür entscheiden. Die Kommunen können durch gezielte Nachfrage nach umweltverträglichen

Produkten zu einem vorsorgenden Umweltschutz beitragen und

damit gleichzeitig im Sinne einer Vorbildfunktion die Vermarktung umweltfreundlicher

Produkte fördern.

Eine umweltverträgliche Beschaffung kann bei der

Vergabe von öffentlichen Aufträgen im Rahmen der

öffentlichen oder beschränkten Ausschreibung verwirklicht

werden, indem bestimmte Umweltkriterien in der

Leistungsbeschreibung vorgegeben werden, die das

geforderte Produkt bzw. die geforderte Leistung erfüllen

muss. Es kann zum Beispiel von vornherein eine umweltfreundliche

Alternative wie Recyclingpapier für die

Ausschreibung gewählt werden. Auch Lebenszykluskosten

können bereits in der Leistungsbeschreibung

einbezogen werden, indem Mindestanforderungen zum

Beispiel an den Energieverbrauch gestellt werden. Bei

Büromöbeln und vielen anderen Produkten kann das

Umweltzeichen Blauer Engel als Kriterium gefordert

werden.

Kommunen benötigen Papier als Schreib-, Kopier-, Fax- und Druckpapier sowie in

Form von Briefumschlägen und Versandtaschen. Sowohl bei der Beschaffung des

Papiers, als auch bei der Vergabe von Druckaufträgen kann die Verwendung umweltfreundlicher

Papiersorten bevorzugt werden. Darüber hinaus kann ein Beitrag zum

Umweltschutz über den sparsamen Umgang mit Papier erfolgen.

Bei der Herstellung von Papier entstehen Umweltbelastungen durch Frischwasserund

Energieverbrauch sowie durch Abwasserbelastungen. Recyclingpapier, das zu

100 % aus Altpapier hergestellt wird, ist im Vergleich zu ungebleichtem und chlorfrei

gebleichtem Papier aus Zell- oder Holzstoff ökologisch günstiger zu bewerten. Es

weist erheblich geringere Belastungen hinsichtlich des Frischwasser- und Energieverbrauchs,

der Abwasserbelastungen und des Abfallaufkommens auf.

11.2.2 Beschaffung bei der Stadt Bruchsal

Abbildung 11.1

Das Beschaffungswesen ist bei der Stadt Bruchsal teilweise zentral geregelt, teilweise

auf die Ämter übertragen. So werden EDV, Telekommunikation, Kopiergeräte,

117


Umweltbericht 2012

11. Umweltverwaltung

Papier, Kopfbögen, Briefumschläge, Postzustellungsurkunden, Kfz, Reinigungsdienstleistungen,

-mittel und -geräte zentral beschafft.

Derzeit werden im Jahr durchschnittlich 2,2 Mio. weißes Blatt Papier für die Stadtverwaltung

und den Baubetriebshof Bruchsal bestellt (Quelle: Hauptamt, Stadtverwaltung

Bruchsal). Recyclingpapier wird bisher nur für Briefumschläge verwendet.

Leere Druckerpatronen werden gesammelt und zur Wiederverwertung weitergegeben.

Wiederbefüllte Druckerpatronen werden bisher nicht genutzt.

Würde statt 2,2 Mio Frischfaserpapier Recyclingpapier verwendet, könnten folgende

Umweltbelastungen vermieden werden („Ökologischer Vergleich von Büropapieren in

Abhängigkeit vom Faserrohstoff, 2006“, IFEU Institut):

• 20.593 kg weniger Holz

• 347.976 l weniger Frischwasserverbrauch

• 71.662 kWh weniger Energie

• 1.910 kg weniger CO 2

Mit der eingesparten Energiemenge können 96.840 Maschinen Wäsche bei 60° Grad

(5 kg, energieeffizientes Gerät) gewaschen werden.

Seit Februar 2012 erfolgt der CO 2 -neutrale Versand von Briefen über GOGREEN.

Der Ausgleich, der beim Versand entstehenden Emissionen erfolgt dabei über international

anerkannte Klimaschutzprojekte.

Einen sparsamen Umgang mit Papier kann die Stadtverwaltung fördern, indem vermehrt

doppelseitig kopiert und gedruckt wird. Auf Initiative der Abteilung Gebäudeund

Energiemanagement und der Abteilung Informationstechnologie wurde die Registratur

mit einem neuen Drucker ausgestattet, so dass die meist umfangreichen

Dokumente des Städtetags seit einem halben Jahr doppelseitig gedruckt im Umlauf

sind. Der sparsame und damit auch wirtschaftliche Umgang mit Papier hängt aber

insbesondere von der Mitwirkung der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab,

die entsprechenden Funktionen wie doppelseitig drucken oder Drucken im Econo-

Mode (sparsamer Umgang mit Druckerpatrone) zu nutzen. Hilfreich wäre hier die

automatische Druckeinstellung entsprechend zu ändern. Eine allgemeine Einweisung

in die Möglichkeiten der Geräte für alle Beschäftigten wäre sinnvoll.

Die „Dienstanweisung für das Beschaffungswesen bei der Stadtverwaltung Bruchsal

vom 01.06.2002 trifft bisher keine Regelungen zur Berücksichtigung von Umweltkriterien,

wäre jedoch das geeignete Instrument einheitliche Standards zur Förderung der

umweltverträglichen Beschaffung festzulegen. Das Umweltbundesamt bietet auf der

Internetseite www.beschaffung-info.de umfangreiche Informationen von konkreten

Ausschreibungsempfehlungen für Waren und Dienstleistungen, vergaberechtlichen

Aspekten bis hin zu Praxisbeispielen von Kommunen.

mögliche zukünftige Maßnahmen:

• Festlegung von Umweltstandards in der Dienstanweisung für das Beschaffungswesen,

insbesondere für Papier, Bürogeräte, Möbel, Fahrzeuge, Reinigungsleistungen

und Reinigungsmittel; Ausweitung auf weitere interne Bereiche (z.B. Verwendung

von sozial verträglich gehandelten Produkten bei Konferenzgetränken,

Präsenten etc.)

• Beschluss zur Verwendung von Recyclingpapier

• Interne Informationen zur sparsamen Nutzung von Druckern und Kopiergeräten.

118


12. Zusammenfassung mittelfristiger Maßnahmenempfehlungen

Dieser Umweltbericht dokumentiert und veranschaulicht die Umweltsituation der

Gemeinde Bruchsal. Er dient damit als Informationsgrundlage für die Öffentlichkeit,

die Kommunalpolitik und für die Stadtverwaltung.

Des Weiteren dienen die hier gesammelten Daten auch als Grundlage für die Umsetzung

praktischer Maßnahmen im Bereich des Umweltschutzes. Um diesen Prozess

einer nachhaltigen städtischen Entwicklung kontinuierlich fortführen zu können,

sind regelmäßige Fortschreibungen des Umweltberichtes sinnvoll.

Ebenso ist die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an zentralen Umweltthemen

von hohem Wert, sodass die Bürgerschaft, Vereine, Verbände etc. weiterhin in städtische

Entwicklungsprozesse eingebunden werden.

In nachfolgender Liste sind Maßnahmenempfehlungen zu den einzelnen Themenbereichen

zusammengestellt. Diese Empfehlungen sind ein Auszug aus den in den

einzelnen Themenbereichen genannten Maßnahmen. Es handelt sich hierbei um

Maßnahmen mit einem hohen Wirkungsgrad, die mittelfristig umsetzbar sind.

Nr. Maßnahme

Naturschutz/Biologische Vielfalt

1 Biotopverbundmaßnahmen, z.B. Blühstreifen

in Feldflur (Ökokonto-, CEF-

Maßnahmen) und Gewässerrandstreifen

Boden

1 Innenentwicklung hat weiterhin Vorrang

vor Außenentwicklung, insbesondere

durch Erhalt bzw. Schaffung dichter,

kompakter Strukturen und Nachverdichtungen,

Gewinnung innerstädtischen

Wohnraums durch Um- und Ausbau bestehender

Gebäude, am Bedarf orientierte

Umnutzung von Gebäuden und Strukturen

(Erfassung innerstädtischer Flächenpotenziale

erfolgt im Jahr 2013)

Wasser

1 Ziele für ein nachhaltiges Wassermanagement

entwickeln, beschließen, in Abständen

bilanzieren: Sicherung der selbständigen

Wasserversorgung, Grundwasser

sparsam nutzen und nur im

Rahmen der Grundwasserneubildung

entnehmen

hoch

Wirkungsgrad

Verantwortliche/

Beteiligte

Stadt,

Landwirte

Fortsetzung

/

Neu

neu

mittel

Stadt, ewb Fortsetzung

/neu

2 Prüfung möglicher Dachbegrünungen

und Entsiegelung sowie möglicher Nuthoch

Stadt neu

Status

(Stand

25.06.13)

Ausarbeitung

beauftragt

(Gemeinderat

am

25.06.13)

hoch Stadt Fortsetzung

Gemeinderatsbeschluss

am

25.06.13

119


Nr. Maßnahme

zung/ Versickerung von Regenwasser

von Dächern/Flächen städtischer Liegenschaften

3 Weitere Verbesserung der ökologischen

Funktionsfähigkeit der Oberflächengewässer

durch bspw. Bepflanzung und

Entwicklung standortgerechter Gehölze

in den Uferbereichen, Einrichten von

Gewässerrandstreifen als Puffer gegen

schädliche Einwirkung angrenzender

Flächen, Gestaltung der Gewässerstruktur

unter Berücksichtigung des Wasserabflusses

und Hochwasserschutzes

Luft

Lärm

1 Erstellung eines Lärmaktionsplanes bis

Ende 2013 (Verfahren gem. §§ 47 ff

BImSchG aufgrund Betroffenenanalyse)

Verkehr und Mobilität

1 Beschluss eines Fahrradinfrastrukturkonzeptes

mit dem Ziel der Erhöhung

des Fahrradanteils an der Verkehrsmittelwahl

und regelmäßiger Mobilitätserhebung

als Wirkungskontrolle von umgesetzten

Maßnahmen (Bsp.: Steigerung

von derzeit 10% Fahrradanteil an der

Verkehrsmittelwahl in Bruchsal auf 15%

bis zum Jahr 2020)

2 Umstellung des Fahrzeugbestands der

Stadt Bruchsal und Töchter auf Elektrofahrzeuge

(Kfz, E-Bikes), soweit möglich

und Netzaufbau von Ladestationen

Energie und Klimaschutz

1 Klimaschutzkonzept für Bruchsal entwickeln

und beschließen

(z.B. auf Grundlage des Landkreiskonzeptes

„zeozwei-frei“); Ziele in Abständen

bilanzieren:

Wirkungsgrad

Verantwortliche/

Beteiligte

Fortsetzung

/

Neu

mittel Stadt neu

mittel

hoch

Stadt,

Bürger

Stadt,

Bürger

neu

Status

(Stand

25.06.13)

hoch Stadt Fortsetzung

Gemeinderatsbeschluss

am

25.06.13

1 Einrichtung eines Messpunktnetzes und

Beschaffung einer mobilen Messstelle

(für Schadstoffe Stickstoffdioxid, Feinstaub)

Fortsetzung

Gemeinderatsbeschluss

am

25.06.13

hoch Stadt, ewb neu Ausarbeitung

beauftragt

(Gemeinderat

am

25.06.13)

hoch

Stadt, ewb

Energieagentur,

Bürger,

Handwerk

neu

Ausarbeitung

beauftragt

(Gem.rat

25.06.13)

120


Nr. Maßnahme

• Plattform/Strukturen schaffen zur

dauerhaften Bearbeitung des Themas

Klimaschutz in Bruchsal

• energierelevante Festlegungen in der

Bauleitplanung (Energieträger, Solarnutzung,

Energiestandard u.ä.)

sowie beim Grundstücks(ver-)kauf

beschließen

• energieoptimierte Stadtquartiere

Bahnstadt und Campus als städt.

Modellprojekte

• städt. Förderung von Neubauten u.

Sanierungen nach bestimmten Energiestandards

• Unterstützung der ewb und anderer

Akteure bei Energieprojekten und

beim Ausbau der erneuerbaren

Energien (Solar, Windkraft, Biomasse,

Wasser)

2 energetische Standards für die städtischen

Liegenschaften (und Töchter) beschließen,

Ziele in Abständen bilanzieren

3 Weitere Optimierung der Heizanlagen

(Mess-, Steuer- und Regelungstechnik)

mithilfe Auswertungen von Unterzählern

und kontinuierlicher Ausbau der Gebäudeleittechnik

4 Klimaschutzbildung in Kindergärten und

Schulen, weitere Schulen zur Teilnahme

am Energieeinsparprojekt gewinnen,

teilnehmende Schulen kontinuierlich

betreuen

Abfallwirtschaft

1 Ehrenamtliche Müllsammelaktionen

ausweiten und Recycling-Projekte unterstützen

(z.B. Putzeten, "Korken für Kork",

Schülerfirma Joß-Fritz-Schule)

Umweltbildung und Umweltbewusstsein

Wirkungsgrad

Verantwortliche/

Beteiligte

Fortsetzung

/

Neu

hoch Stadt neu

mittel Stadt Fortsetzung

/neu

Stadt,

Bürger

1 Einrichtung einer zentralen Kontaktstelle

zur Unterstützung der Schulen, Kindergärten

und Vereine für alle Kategorien

der Umweltbildung (→ Personalbedarf):

• Kontinuierliche Förderung der bisher

weniger behandelten Umweltthemen:

Sammlung und Weitergabe von guhoch

Stadt neu

Status

(Stand

25.06.13)

hoch Stadt Fortsetzung

Gemeinderatsbeschluss

am

25.06.13

Gemeinderatsbeschluss

am

25.06.13

Fortsetzung

Gemeinderatsbeschluss

am

25.06.13

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Nr. Maßnahme

ten Beispielen aus Schulen, Kindergärten

und Vereinen sowie Bildung

von jährlichen Schwerpunktthemen

• Zusammenführung von Netzwerkpartnern

(Schulen, Kindergärten,

Vereine, Agenda 21) zur Förderung

von Umweltbildungsmaßnahmen und

Umsetzung gemeinsamer Projekte

Umweltverwaltung; Organisation

1 Fortschreibung des Umweltberichtes in

regelmäßigen Abständen (z.B. alle 5

Jahre) und kontinuierliche Datenerhebung

mit Auflistung der zu erfassenden

Daten und Information der zu beteiligenden

Ämter der Stadtverwaltung

2 Erstellen eines Leitfadens zur Bearbeitung

und Erläuterung des Unterpunktes

"Nachhaltigkeit" bei Vorlagen an den

Gemeinderat und weiterer Gremien

3 Ausbau der Handlungsfähigkeit der Umweltstelle,

Stadt Bruchsal: zusätzliches

Personal mit entsprechender Qualifikation

erforderlich wegen der Vielzahl fachspezifischer

Umweltaufgaben mit den

damit verbundenen rechtlichen Fragen

Umweltverwaltung; Beschaffungswesen

1 Festlegung von Umweltstandards in der

Dienstanweisung für das Beschaffungswesen

(z.B. Recyclingpapier, Möbel,

Reinigungsmittel) und Ausweitung auf

weitere interne Bereiche (z.B. Verwendung

von sozial verträglich gehandelten

Produkten bei Konferenzgetränken, Präsenten

etc.)

Wirkungsgrad

Verantwortliche/

Beteiligte

Fortsetzung

/

Neu

mittelhoch

Status

(Stand

25.06.13)

hoch Stadt Fortsetzung

Gemeinderatsbeschluss

am

25.06.13

Stadt neu Ausarbeitung

beauftragt

(Gemeinderat

am

25.06.13)

hoch Stadt neu

hoch Stadt neu Ausarbeitung

beauftragt

(Gemeinderat

am

25.06.13)

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