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Christophorus 327

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Fahren

Sonnen-König

In zwanzig Sekunden steht einem der Himmel offen. So schnell lässt sich

das Dach des neuen 911 Turbo Cabriolet öffnen – und dann geht es erst

richtig ab. 480 PS, 310 km ⁄ h: Der neueste Porsche erfüllt alle Wünsche.

Dies zeigt eine Tour vom Taunus an den Rhein mit Zwischenstopps bei

Menschen, die bisher ganz unterschiedliche Leidenschaften hatten, jetzt

aber gemeinsam schwärmen: vom 911 Turbo Cabriolet.

Text

Horst Walter

Fotografie

Matthias Hangst


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Der Kollege aus den Niederlanden starrte auf das Papier mit den technischen Daten.

Immer wieder. Und schüttelte den Kopf. Immer wieder. Und schließlich stellte er die

vielleicht entscheidende Frage: „Wozu braucht ein Cabriolet 480 PS?“

Das war am Montagabend. Am Dienstagabend kam der Kollege aus den Niederlanden

freudig erregt nach seiner ersten Testfahrt mit dem neuen 911 Turbo Cabriolet zurück

ins Hotel und zog lächelnd die Frage vomVortag zurück. „Ich muss mich entschuldigen,

ich bin erst heute mit dem Wagen gefahren“, sagte er.

Zwischen Montagabend und Dienstagabend lag lediglich eine längere Autofahrt. Mit

480 PS. Mit offenem Verdeck. Mit 310 km/h Höchstgeschwindigkeit. Und mit der

Gewissheit, dass die Porsche-Ingenieure doch noch ganz dicht sind, obwohl sie nach

oben alles offen gelassen haben in einem der antriebsstärksten Autos derWelt. In diesem

Porsche, so weiß der Kritiker heute, kann man alles genießen: die 480 PS, die 310 km/h,

das offene Verdeck. Egal, was man an diesem Porsche wie nutzt – jede Fahrt wird zum

Erlebnis. Und Menschen, die denWagen zum ersten Mal sehen und bisher ihre Leidenschaft

ganz anders ausgelebt haben, sind begeistert – vom Motor, von der Optik, von

der Alltagstauglichkeit, vom geringen Benzinverbrauch für einen Sportwagen dieser

Leistungsklasse.

A

Burkhard Dinger und Ursula Zieten

Falkner

Die Falkner im Falkenhof Großer Feldberg im Taunus haben ein Ziel: den Menschen die

wilden Greifvögel näherzubringen. Deshalb ist die Tür jederzeit auf: Man kann hier Kindergeburtstage

feiern, Patenschaften übernehmen oder selbst einen Tag Falkner spielen. Der

Reiz für einen Falkner: „Den wilden Vögeln die Freiheit zu geben und sie doch an sich zu

binden“, sagt Ursula Zieten. Ein halbes Jahr braucht ein Falkner, um ein wildes Tier an sich

zu gewöhnen. Das geht über den Handschuh und über das Futter. Und über die Stimme.

Dinger: „Es ist ein ernster und gefährlicher Job, der auch viel Arbeit bedeutet. Man ist rund

um die Uhr für die Vögel da.“ In der Falknerei Großer Feldberg sieht man aus nächster Nähe

etwa 40 Greifvögel: Falken, Habichte, Bussarde, Adler, Milane, Geier, Eulen, Uhus und Käuze.

www.falknerei-feldberg.de


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Abfahrt: Königstein im Taunus, Kempinski Hotel Falkenstein.

Oliver Heberlein, der Chefkoch des Hauses, grübelt gerade

über dem Menü für das Feinschmeckerlokal Siesmayer. Es gibt

Kotelett von der Wachtel mit roter Zwiebelmarmelade, Morchelschaumsuppe

mit Frühlingslauch und Kaninchenrücken,

Weißer Heilbutt im Bouillabaissesud, Salzwiesenlamm im Ciabatta,

Knuspriges von Zitrone und …

Und vorbei ist es mit der Ruhe. Heberlein, der behauptet, er

könne nicht nur das Essen genießen, sondern auch das Kochen,

genießt jetzt dieses Geräusch. Den Klang eines Autos. Eines

Porsche. „Ein Turbo-Porsche“, sagt Heberlein mit leuchtenden

Augen und stürzt vor dieTür.Vergessen ist das Menü, jetzt interessieren

ihn nur noch 353 kW bei 6000/min, 480 PS, das Drehmoment

mit 620 Newtonmeter zwischen 1950 und 5000/min,

3,6 Liter Hubraum, Sechszylinder-Boxer mit Turboaufladung.

Von null auf 100 km/h in vier Sekunden mit dem serienmäßigen

Sechs-Gang-Schaltgetriebe, mit der Tiptronic S sind es nur 3,8

Sekunden. „Vier Stunden Zeit sollte man sich bei einem Acht-

Gang-Menü schon nehmen“, sagt der Chefkoch plötzlich und

schaut dem Cabriolet hinterher. Das Turbo Coupé habe ihm

ausgesprochen gut gefallen, aber dieser Porsche sei das „Sahnehäubchen“.

Gleiche Leistung – und dann offen! Knuspriges

von Zitrone und Himbeere mit Topfeneis wird es geben.

Für alles offen:

Ob beim Zwischenstopp im Weinbaugebiet oder bei der Fahrt

übers Land – beste Aussichten sind garantiert

Erste Station: Flörsheim-Wicker, das Tor zum Rheingau. Die

Frisur sitzt. Wir sind 250 km/h gefahren auf der Autobahn.

Offen. „Das gibt es doch gar nicht“, sagt Romana Martini, die

Weinprinzessin, die am liebsten den „Rheingauer Leichtsinn“

trinkt. Durch das serienmäßige Windschott und die geschlossenen

Seitenfenster gibt es auch bei Höchstgeschwindigkeiten

kaum mehr Verwirbelungen im Innenraum, der Komfort beim

Offenfahren ist wesentlich erhöht. „Man muss das Leben auch

genießen können“, sagt Romana Martini und rückt die Krone

auf ihren Haaren zurecht. Die Verwaltungsfachangestellte genießt

es, vor Menschen aufzutreten, den RheingauerWein anzupreisen

und im Rampenlicht zu stehen. Die Bi-Xenon-Scheinwerfer,

die dem 911 Turbo Cabriolet ein unverwechselbares

Gesicht geben, haben es ihr besonders angetan. Hier stimmt die

Optik. Die Nebelscheinwerfer sind tief und weit außen angeordnet,

was der Turbo-Front einen äußerst kraftvollen Auftritt

verleiht. Dazu das breite Heck, dessen Spaltflügel noch weiter

ausfährt als beim 911 Turbo Coupé (insgesamt 65 Millimeter),

damit der offene Sportwagen die gleichen fahrdynamischen

Ansprüche erfüllen kann. Das gab es bei Serien-Cabriolets auf

dieser Welt bisher noch nicht und es zahlt sich in vorbildlicher

Fahrstabilität bei sehr hohen Geschwindigkeiten aus.

Das sei schon ein Traumauto, sagt die Weinprinzessin. Und:

Man müsse sich Träume auch erfüllen. Deshalb will sie nicht

Verwaltungsfachangestellte bleiben, sondern Bürgermeisterin

von Flörsheim werden.

Zweite Station: Feldberg im Taunus. Die Motorradfahrer, die

den Großen Feldberg zu ihrem Quartier erkoren haben, staunen

über das umfangreiche Sicherheitspaket, das dieser Porsche

bietet. Neben sechs Airbags fahren bei einem drohenden A

Romana Martini

Weinprinzessin

Romana Martini hat ziemlich klare Vorstellungen: „Wenn

ich Bundeskanzlerin wäre, würde ich den Wein als Medizin

einführen und den Menschen jeden Tag ein Glas verordnen.

Damit sie mehr Lebensfreude erhalten“, sagt die

Weinprinzessin, die den Rheingau vertritt. Der Rheingau

erstreckt sich von Flörsheim-Wicker am Main bis Lorchhausen

am Rhein. Es ist ein geschlossenes Weinbaugebiet

mit rund 3000 Hektar Rebfläche. 84 Prozent davon

sind mit Riesling bestockt und elf Prozent mit Blauem

Spätburgunder. Rund 500 hauptamtliche Winzer und eine

stattliche Reihe renommierter Weingüter bringen ihre

Weine selbst auf die Flasche. Auch der Vater von Romana

Martini hat einige Zeit nebenberuflich als Winzer gearbeitet.

„Ich habe damals viel geholfen und die Liebe zum

Wein entdeckt“, sagt die Weinprinzessin.

www.rheingauerwein.de


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Schöne Aussichten:

So wird schon die Anfahrt zum Kempinski Hotel

Falkenstein zum Genuss

Überschlag auch noch von einem Überrollsensor gesteuerte Bügel

hinter den Rücksitzlehnen aus, und das Fahrzeug verfügt über

einen elektronisch gesteuerten Allrad-Antrieb, dem Porsche

Traction Management (PTM). Nur der Falkner Burkhard Dinger,

der sechs Monate im Jahr mit seinen Vögeln auf dem Feldberg lebt,

schaut ungläubig: „12,9 Liter braucht der nur?“

Oliver Heberlein

Küchenchef

Schon als Kind hat er der Oma immer zugeschaut, wenn sie Marmelade

eingekocht hat. Oliver Heberlein, der Küchenchef des Fünf-

Sterne-Hotels Kempinski-Falkenstein in Königstein im Taunus, hat

sein Metier von der Pike auf gelernt. Er war bei den Sterne-Restaurants

Bareiss in Baiersbronn, in der „Ente“ in Wiesbaden – und seit

2003 kocht er für das Gourmet-Restaurant Siesmayer im Kempinski.

Geschmack und Frische sind für ihn entscheidend. „Manchmal erhalte

ich am Morgen den Anruf eines Jägers – und dann überrasche

ich meine Gäste am Abend mit schmackhaften Wildgerichten“, sagt

der 38-jährige Küchenchef. Sein Ziel: „Ich will ein perfekter Gastgeber

sein.“ Dass ihm das gelungen ist, wird ihm am späten Abend

bei seiner Runde durchs Lokal klar. „Wenn die Leute nach dem Wein

oder dem Rezept fragen, weiß ich, dass sie den Besuch bei uns

genossen haben.“

www.kempinski-falkenstein.com

Er braucht nur 12,9 Liter. Auf 100 Kilometer. Das ist der niedrigste

Verbrauch in dieser Leistungsklasse weltweit und dafür gibt

es Gründe. Da ist der Motor, der durch die variable Turbinengeometrie

der beiden Abgas-Turbolader bei niedrigen Drehzahlen

deutlich besser anspricht. Da ist die technische Weiterentwicklung

bei Porsche. Seit dem Jahr 1970 hat das Unternehmen den Schadstoffausstoß

seiner Sportwagen um mehr als 95 Prozent reduziert.

Allein in den vergangenen zehn Jahren hat Porsche einen dreistelligen

Millionenbetrag in die Verbrauchs- und Emissionsoptimierung

der Motoren investiert. Außerdem wiegt der offene 911

Turbo lediglich 70 Kilogramm mehr als das Coupé – inklusive

des Verdeckmechanismus sowie des Überrollbügels. Das Turbo

Cabriolet absolvierte den Windkanaltest mit einem c w -Wert von

0,31 – identisch zum Turbo Coupé, was an der hervorragenden

aerodynamischen Qualität des Verdecks liegt. „Ich habe mal bei

Daimler gearbeitet, als Ingenieur“, sagt Burkhard Dinger, der sich

dann seinen Lebenstraum erfüllte: „Ich wollte schon immer Falkner

werden.“Vögel mag er. Und die Natur. „480PS und 12,9 Liter,

Wahnsinn.“

Endstation: Rheinfähre Bingen–Rüdesheim.Wir haben den Kraftstoffverbrauch

noch weiter gesenkt, weil wir mit dem schnellen

Auto langsam gefahren sind. „Langsam fahren macht auch Spaß“,

sagt der Fährmann Adi Schneider, der uns mit der „Stadt Rüdesheim“

von Bingen aus auf die andere Seite des Rheins bringt. A


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Adi Schneider

Fährmann

Morgens um 5.45 Uhr fährt die erste Fähre. Nachts um 0.15 Uhr die

letzte. Es ist viel Verkehr auf dem Rhein zwischen Bingen und Rüdesheim,

doch trotz aller Hektik genießt der Fährmann Adi Schneider seine

Arbeit. „Wir machen auf dem Schiff alles selbst, wir streichen die Wände,

wir kontrollieren die Maschinen“, sagt er – und man sieht ihm an, dass

er viel an der frischen Luft arbeitet. Braungebrannt weist er die 32

Autos auf ihre Plätze. Die „Stadt Rüdesheim“, die er steuert, hat einen

324 kW (440 PS) starken Hauptantrieb. 250 Personen passen auf die

Fähre, die eine Ladefläche von 400 m 2 hat. „Trotzdem sind wir viel beweglicher

als normale Schiffe“, sagt Schneider. Normale Schiffe gibt

es in der Bingen-Rüdesheimer Fahrgastschifffahrt auch. So wird von

romantischen Loreley-Fahrten bis zu Swinging Riverboat-Shuffle alles

angeboten.

www.bingen-ruedesheimer.com

911 Turbo Cabriolet

Technische Daten

Jetzt fährt unser Porsche 14 km/h – auf der Fähre. 32 Fahrzeuge

passen hier drauf, 120 Tonnen, 250 Personen. „Wir können auf

der Stelle um 360 Grad wenden“, sagt Schneider und begutachtet

unseren Porsche auf Alltagstauglichkeit. „Wie lange dauert es, bis

das Verdeck geschlossen ist?“ 20 Sekunden. „20 Sekunden?“ 20

Sekunden inklusive Scheiben. „20 Sekunden inklusive Scheiben?“

Das vollautomatische Faltverdeck aus Stoff und Leichtmetall ist

mit nur 42 Kilogramm besonders leicht und bietet dank des dreilagigen

Aufbaus eine sehr gute Außengeräusch-Dämmung sowie

einen hohen Schutz vor Kälte und Wärme. Es wird nach der Z-

Faltung so im Verdeckkasten abgelegt, dass sowohl die Verdeckinnenseite

als auch die beheizbare Heckscheibe aus Glas gut geschützt

sind.

Der Fährmann drückt einen Knopf an der Mittelkonsole und das

Dach öffnet sich – in 20 Sekunden. „Das genieße ich bei der Arbeit,

wir sind immer an der frischen Luft – wie die Cabrio-Fahrer“, sagt

er. DreiTouren macht er in der Stunde zwischen Bingen und Rüdesheim.

Neun Stunden steuert er die Fähre am Tag. Das heißt 27mal

hin und her. Von Bingen nach Rüdesheim, von Rüdesheim nach

Bingen.

Adi Schneider winkt zum Abschied. „Schnell fahren macht auch

Spaß“, sagt er und grinst. „Vor allem mit diesem Sportwagen.“

Wir geben Gas. Er hat recht.

Und das, obwohl jeder, der über das Porsche 911 Turbo Cabriolet

urteilen will, erst einmal ein Porsche 911 Turbo Cabriolet gefahren

haben sollte. Es könnte sonst sein, dass er sich später entschuldigen

muss.

B

Karosserie: Cabriolet, selbsttragend; beidseitig verzinkter Leichtbau-Ganzstahl-Aufbau;

Türen und Kofferraumdeckel aus Aluminium; Fullsize-, Seitenund

Kopf-Airbags für Fahrer und Beifahrer; Anzahl der Sitzplätze: 2+2

Aerodynamik: Luftwiderstandsbeiwert c w = 0,31

Motor: 6-Zylinder-Aluminium-Boxermotor, wassergekühlt; Motorblock und

Zylinderköpfe aus Aluminium; 4 obenliegende Nockenwellen; 4 Ventile pro

Zylinder; variable Steuerzeiten (VarioCam Plus); hydraulischer Ventilspielausgleich;

zwei Abgas-Turbolader mit variabler Turbinengeometrie; zwei Ladeluftkühler;

Trockensumpfschmierung mit separatem Motoröltank; 2 Dreiwege-

Katalysatoren; 2 Lambda-Sonden mit Stereoregelung; Motoröl 11 Liter; Kühlmittel

25 Liter; Motorsteuerung DME (Digitale-Motor-Elektronik) für Zündung,

Einspritzung und Nockenwellenverstellung; elektronische Zündung mit ruhender

Zündverteilung (6 Zündspulen); sequenzielle Multipoint-Einspritzung

Hubraum: 3600 cm 3

Motorleistung: 353 kW (480 PS) bei 6000 ⁄ min

Max. Drehmoment: 620 Nm bei 1950 – 5000 ⁄ min,

mit Overboost: 680 Nm bei 2100 – 4000 ⁄ min

Literleistung: 98,1 kW ⁄ Liter

Höchstdrehzahl: 6750 ⁄ min

Bremsen: 2-Kreis-Bremsanlage mit achsweiser Aufteilung; vorn 6-Kolben-Alu-

Monobloc-Bremssättel; gelochte, innenbelüftete Bremsscheiben mit Durchmesser

x Breite: 350 x 34 mm; hinten 4-Kolben-Alu-Monobloc-Bremssättel;

gelochte, innenbelüftete Bremsscheiben mit Durchmesser x Breite: 350 x

28 mm; PSM 8.0; Vakuum-Tandem-Bremskraftverstärker

Räder und Reifen: vorn 8 1 ⁄ 2 J x 19 mit 235 ⁄ 35 ZR 19,

hinten 11 J x 19 mit 305 ⁄ 30 ZR 19

Gewicht: Leergewicht DIN 1655 (1690) kg;

zulässiges Gesamtgewicht 2000 (2035) kg

Maße: Länge 4450 mm; Breite 1852 mm; Höhe 1300 mm

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 310 km ⁄ h

Beschleunigung: 0 – 100 km ⁄ h 4,0 (3,8) sec.; 0 – 160 km ⁄ h 8,6 (8,1) sec.;

0 – 200 km ⁄ h 12,8 (12,6) sec.; 0 – 1000 m 21,7 (21,4) sec.

* Die Werte in Klammern beziehen sich auf Fahrzeuge mit Tiptronic S.

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