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EasyLinux E-Mail & Chat sicher machen (Vorschau)

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easy LINUX !<br />

04/2012<br />

Oktober – Dezember<br />

12.2<br />

easy ! LINUX<br />

OpenSuse 12.2<br />

Brandneue 32-Bit-Version<br />

– KDE 4.8.4, Gnome 3.4.2<br />

– Installation auf Festplatte<br />

– LibreOffice 3.5.4, Kernel 3.4<br />

– auf der DVD-Rückseite:<br />

vier Live-CDs mit KDE/Gnome<br />

in 32- und 64-Bit-Versionen<br />

Installationsanleitung im Heft<br />

E-MAIL & CHAT<br />

SICHER MACHEN<br />

14 GByte<br />

auf 3 DVD-Seiten<br />

einfach – klar – benutzerfreundlich!<br />

Rescatux<br />

– Rettungs-Linux-Distribution<br />

– reinstalliert Boot-Manager Grub<br />

– repariert Platten-Partitionen<br />

– setzt Passwörter zurück<br />

– Installation auf USB-Stick möglich<br />

Service Kit 04/2012<br />

Updates für (K)Ubuntu 12.04<br />

und OpenSuse 12.1/12.2<br />

www.easylinux.de<br />

Grundlagen der Verschlüsselung S. 32<br />

Thunderbird mit GPG und S/MIME ab<strong>sicher</strong>n S. 36<br />

<strong>Chat</strong> und Filesharing mit RetroShare S. 44<br />

Passwort-Manager KeePassX S. 48<br />

Dateien verschlüsseln mit GPG S. 54<br />

Linux installieren<br />

OpenSuse 12.2 auf der Heft-DVD S. 26<br />

Multi-Boot-System: Windows & 2-mal Linux S. 62<br />

Software-Tests<br />

Fast gleich: LibreOffice gegen OpenOffice S. 109<br />

SoftMaker Office 2012 (Betaversion) S. 112<br />

Jump-and-Run-Spiel: Tiny & Big S. 106<br />

Workshops<br />

MediathekView holt TV-Sendungen S. 57<br />

Arbeiten mit der Shell automatisieren S. 70<br />

RSS-News-Feeds mit Akregator lesen S. 75<br />

25 Seiten Tipps & Tricks<br />

KDE S. 79<br />

Gnome S. 84<br />

Gimp S. 96<br />

Shell S. 103<br />

LibreOffice S. 92<br />

Ubuntu S. 88<br />

Programme auf DVD<br />

Data Crow (12), Capivara (13), FF Multi Converter (14)<br />

gscan2pdf (16), Instantbird (17), Muse (18), Piggydb (20)<br />

Urban Lightscape (22), Xournal (24), IPFire, XnViewMP<br />

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easy LINUX!<br />

EDITORIAL<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Chefredakteur<br />

Klage des Tages<br />

Liebe Leserinnen und Leser,<br />

einmal täglich schaue ich mir die wichtigen<br />

Newsseiten im Netz an, um zu sehen, was es<br />

Neues gibt – in der Linux-Welt und anderswo.<br />

Seit es Netbooks, Smartphones und Tablet-<br />

Computer gibt, ist das Nachrichtenvolumen<br />

deutlich angewachsen, denn wo früher nur<br />

die Rede von Desktop-PCs und Notebooks<br />

war, ist die Vielfalt jetzt deutlich größer.<br />

Doch in den letzten Monaten ist die Lektüre<br />

der Produktnachrichten immer lästiger geworden:<br />

Gefühlt jede zweite Meldung handelt<br />

nicht davon, welche Features ein neues Gerät<br />

hat, sondern welcher Konkurrent wegen der<br />

Verletzung von Patenten dagegen klagt. In<br />

den Klagen, deren Begründungen den meisten<br />

Anwendern oft nur als lächerlich erscheinen<br />

können, geht es dabei ab und zu um Lizenzgebühren,<br />

welche die andere Seite zahlen soll<br />

– doch viel häufiger versucht ein Patentinhaber,<br />

den Vertrieb eines Produkts oder einer<br />

Geräteserie vollständig zu unterbinden. Weil<br />

solche Gerichtsverfahren (und deren Ausgang)<br />

immer nur für ein Land gelten, hört<br />

man vom selben Konflikt gleich mehrfach:<br />

Dann darf ein Produkt in Deutschland nicht<br />

mehr verkauft werden, in den USA aber<br />

schon, und es wird anstrengend, den Überblick<br />

zu behalten.<br />

Ich würde außer dem Überblick genauso<br />

schnell das Interesse verlieren, wenn diese lästige<br />

Klagerei nicht auch auf uns als potenzielle<br />

Käufer Auswirkungen hätte. Vor einigen Jahren<br />

waren die Klagen von SCO gegen Vertreter<br />

der Linux-Welt ein Dauerbrenner (2003 bis<br />

2011) [1], SCO behauptete, dass Linux wesentliche<br />

Teile aus dem (teilweise SCO gehörenden)<br />

Unix-Quellcode übernommen hatte. Das<br />

war aber eine einzelne Geschichte; heute klagt<br />

ständig jeder gegen jeden. Dass die Verfahrenskosten<br />

einen Beitrag dazu leisten, Gerätepreise<br />

hoch zu halten, darf man annehmen. Schlimmer<br />

ist aber die Beschränkung; manche Geräte,<br />

deren Vorankündigungen man interessiert verfolgt,<br />

schaffen es vielleicht – dank Verkaufsverbot<br />

– nie auf den deutschen Markt.<br />

Heute im Angebot: Google versus Apple<br />

Die Lage ist also sehr unerfreulich. Die letzte<br />

Meldung vor Redaktionsschluss stammte vom<br />

19.09., Motorola (Google) gegen Apple: Alle<br />

Geräte, die iMessage verwenden (dazu gehören<br />

u. a. Macs, iPhones und iPads), sollen gegen<br />

ein Motorola-Patent verstoßen, ihr Verkauf<br />

soll in den USA verboten werden [2]. Stein des<br />

Anstoßes ist die Möglichkeit, mit iMessage eine<br />

Konversation z. B. auf dem Mac zu beginnen<br />

und dann später auf einem Apple-Smartphone<br />

fortzusetzen. Das Patent ist von 2006; Linuxbzw.<br />

Unix-Profis nutzen schon seit den 80er-<br />

Jahren die vergleichbare Technik, ein <strong>Chat</strong>programm<br />

in einer screen-Session laufen zu lassen<br />

und z. B. nach der Fahrt ins Büro diese Session<br />

wieder aufzunehmen (ohne dass das <strong>Chat</strong>programm<br />

je unterbrochen wurde), dazu loggt<br />

man sich per SSH (früher via Telnet) auf der<br />

anderen Maschine ein und setzt die screen-Sitzung<br />

fort [3]. Das ist jetzt technisch nicht exakt<br />

dasselbe, aber das Problem ist gleich. Nun<br />

könnte man fast Mitleid mit Apple haben, die<br />

sich gegen diesen Vorwurf der Patentverletzung<br />

wehren müssen, aber Apple ist ja nicht<br />

besser und versucht regelmäßig, den Verkauf<br />

von Android-Geräten aus ähnlich albernen<br />

Gründen zu unterbinden. Es fällt schwer, in<br />

diesem Spiel „Gute“ und „Böse“ zu benennen.<br />

Das darf nur mein Programm!<br />

Besonders hässlich wird es, wenn die höchst<br />

umstrittenen Softwarepatente ins Spiel kommen,<br />

bei denen Algorithmen in Computerprogrammen<br />

geschützt werden: Während große<br />

Softwarekonzerne noch die Ressourcen haben,<br />

um eine Patent- und Rechtsabteilung mit der<br />

Überprüfung ihrer Produkte zu beschäftigen,<br />

haben freie Entwicklergemeinschaften im<br />

Open-Source-Umfeld keine Chance, dies auch<br />

nur zu versuchen. Über vielen Projekten<br />

schwebt daher das Damoklesschwert einer<br />

Klage, die alle Anstrengungen der ehrenamtlichen<br />

Entwickler zunichte <strong>machen</strong> könnte.<br />

Schaut man sich an, was in den letzten Jahren<br />

so alles patentiert wurde, findet man etliche<br />

Beispiele, bei denen jeder, der sich schon länger<br />

mit Computern beschäftigt, sofort „prior<br />

art“ rufen müsste: Prior art (deutsch: Stand<br />

der Technik) ist eine Regelung im Patentrecht,<br />

nach der man nichts patentieren kann, was es<br />

bereits früher gab oder was sich von bekannten<br />

Lösungen nur in Details unterscheidet –<br />

leider erkennen die Patentämter oft nicht,<br />

dass einem Patentantrag der Charakter des<br />

Neuen völlig fehlt.<br />

Das Patentrecht und dessen Auslegung müssen<br />

(in vielen Ländern) dringend auf den<br />

Prüfstand, denn die großen Spieler nutzen<br />

ihre Patentsammlungen nicht dazu, ihre innovativen<br />

Erfindungen zu schützen, sondern<br />

wollen damit Konkurrenten nach Möglichkeit<br />

komplett vom Markt ausschließen. n<br />

Infos<br />

[1] c’t Magazin: „SCO vs. Linux: Die<br />

unendliche Geschichte“, http:// heise.<br />

de/ –302076 (http:// ezlx. de/ c4u1)<br />

[2] Ars Technica zu Motorola vs. Apple:<br />

http:// arstechnica. com/ apple/ 2012/<br />

09/ motorola-asks-itc-to-ban-everymac-ipad-and-most-iphones/<br />

(http:// ezlx. de/ c4u2)<br />

[3] Artikel zu „screen“: Heike Jurzik,<br />

„Manchmal kommen sie wieder –<br />

screen“, LinuxUser 01/ 2001, S. 92 ff.,<br />

http:// www. linux-community. de/<br />

artikel/ 805 (http:// ezlx. de/ c4u3)<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012<br />

www.easylinux.de 3


ÜBERBLICK<br />

INHALT<br />

OpenSuse ist<br />

eine der populärsten<br />

Linux-<br />

Distributionen.<br />

Von der Heft-<br />

DVD installieren<br />

Sie die aktuelle<br />

Version 12.2.<br />

Ab Seite 26.<br />

Spielspaß unter Linux: Ab Seite 106 stellen wir das<br />

Jump-and-Run-Spiel „Tiny & Big“ vor.<br />

AKTUELL<br />

Editorial ......................................................................................................3<br />

DVD-Inhalt..................................................................................................6<br />

Leserbriefe .................................................................................................7<br />

Nachrichten ...............................................................................................9<br />

Neue Software ........................................................................................12<br />

Webseiten ................................................................................................25<br />

Heft-DVD: OpenSuse 12.2 ......................................................................26<br />

Die aktuelle OpenSuse-Version ist schnell installiert: Dieser Artikel<br />

zeigt Ihnen, wie Sie das Linux-System von der Heft-DVD aufsetzen und<br />

was dabei zu beachten ist.<br />

VERSCHLÜSSELN<br />

Grundlagen der Verschlüsselung ........................................................32<br />

Datenübertragungen laufen im Internet oft im Klartext ab, Angreifer<br />

könnten theoretisch mitlesen. Darum setzen viele Dienste auf Verschlüsselung.<br />

Was dabei eigentlich passiert, verrät diese Einführung.<br />

E-<strong>Mail</strong> verschlüsseln .............................................................................36<br />

Entgegen der allgemeinen Auffassung ist E-<strong>Mail</strong><br />

alles andere als ein Medium mit Privatsphäre.<br />

Die Nachrichten sind so geheim wie jede beliebige<br />

Postkarte. Mit den richtigen Hilfsmitteln<br />

sorgen Sie dennoch für Vertraulichkeit.<br />

Sicher chatten mit RetroShare .............................................................44<br />

Instant Messenger verschicken Ihre Kurznachrichten unverschlüsselt<br />

im Internet. Mit RetroShare <strong>sicher</strong>n Sie die Kommunikation ab und<br />

bieten Freunden Ihre Dateien zum Download an.<br />

Passwort-Manager KeePassX .............................................................48<br />

Für etliche Internetdienste brauchen Sie Zugangsdaten: Diese alle im<br />

Kopf zu behalten und dabei noch <strong>sicher</strong>e, verschiedene Passwörter zu<br />

wählen, ist keine leichte Aufgabe. KeePassX erinnert sich für Sie und<br />

schützt die sensiblen Daten mit einem Masterpasswort.<br />

VERSCHLÜSSELN<br />

Dateien verschlüsseln ...........................................................................54<br />

Wollen Sie Ihre Daten in die Cloud verschieben oder allgemein vor<br />

fremden Zugriffen schützen, verschlüsseln Sie diese besser. Zum<br />

Glück bringen OpenSuse 12.1/12.2 und Kubuntu 12.04 dafür bestens<br />

geeignete Werkzeuge mit.<br />

WORKSHOP<br />

ARD und ZDF on demand mit MediathekView ..................................57<br />

Die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland bieten fast alle Sendungen<br />

auch online an. Mit MediathekView laden Sie diese manuell<br />

oder automatisch herunter und speichern sie lokal.<br />

Multi-Boot: Windows und 2x Linux .....................................................62<br />

Viele Linux-Anwender möchten sich nicht ganz von Windows trennen<br />

und streben daher eine Parallelinstallation beider Betriebssysteme<br />

an. Wie Sie Windows sogar mit zwei Linux-Distributionen gemeinsam<br />

nutzen können, zeigt dieser Artikel.<br />

Bilder freistellen .....................................................................................68<br />

Zum Designen kleiner Flyer und Karten müssen Sie nicht gleich zu<br />

einem Desktop-Publishing-Monster wie Scribus greifen. Einen simplen<br />

Bildumlauf erstellen Sie mit ein paar Mausklicks auch in LibreOffice.<br />

Automatisieren mit der Shell................................................................70<br />

Die Shell erlaubt es Ihnen, Ihr Linux-System über<br />

Textkommandos zu steuern. Doch warum sollten<br />

Sie ein 70er-Jahre-Interface verwenden, wenn<br />

doch KDE und Gnome äußerst komfortabel sind<br />

und die Bedienung mit der Maus erlauben? Unter<br />

anderem wegen der Geschwindigkeit.<br />

Akregator verwaltet RSS-Feeds ..........................................................75<br />

RSS-Feeds helfen dabei, die Informationsflut des Alltags unter Kontrolle<br />

zu halten. Mit dem KDE-Programm Akregator gelingt das besonders<br />

gut.<br />

4 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


INHALT<br />

E-<strong>Mail</strong>s, <strong>Chat</strong>nachrichten, Dateien auf der<br />

Platte und die Liste Ihrer Passwörter: All<br />

dies können Sie verschlüsseln – wie es<br />

geht, erklären wir ausführlich ab Seite 32.<br />

Neben LibreOffice lebt auch Open-<br />

Office als Apache-Projekt weiter.<br />

Wir haben die beiden Officepakete<br />

verglichen. Ab Seite 109.<br />

BASICS<br />

GURU-TRAINING<br />

Mount Points ...........................................................................................77<br />

Betriebssystem und Anwendungen liegen auf C:, das DVD-Laufwerk<br />

heißt D: oder E:, und wer noch ein Diskettenlaufwerk hat, spricht es<br />

als A: an – so kennt man es von Windows. Linux verwaltet Datenträger<br />

anders.<br />

TIPPS & TRICKS<br />

mcedit – der Editor für die Shell ........................................................115<br />

Konfigurationsdateien, Skripte oder einfache Notizen – für solche<br />

Schreibarbeiten müssen Sie nicht zu einer umfangreichen Textverarbeitung<br />

greifen. Ein schlanker Texteditor im Terminalfenster oder auf<br />

der Konsole ist in diesem Fall das Mittel der Wahl. Wir übergeben das<br />

Kommando an Mcedit.<br />

Tipps & Tricks zu KDE ............................................................................79<br />

Gnome-Tipps............................................................................................84<br />

Knoppix und Kubuntu .............................................................................88<br />

LibreOffice-Tipps ....................................................................................92<br />

Effizienter arbeiten mit Gimp ................................................................96<br />

Linux-Tipps ..............................................................................................98<br />

Know-how für die Kommandozeile ...................................................103<br />

TEST<br />

Jump-and-Run-Spiel: Tiny & Big .......................................................106<br />

Mit Schneidbrenner und Enterhaken bewaffnet jagt ein kleiner Junge<br />

hinter einer Unterhose her. Dabei zerlegt er eine Berglandschaft fachgerecht<br />

in ihre Einzelteile. Was abgedreht klingt, entpuppt sich als<br />

spaßiges und innovatives Jump-and-Run-Spiel.<br />

LibreOffice versus OpenOffice ...........................................................109<br />

Die früheren OpenOffice-Tipps heißen jetzt LibreOffice-Tipps, und aktuelle<br />

Linux-Distributionen liefern Officepakete mit dem neuen Namen<br />

aus. OpenOffice lebt aber als Apache-Projekt weiter. Gibt es Gründe,<br />

mit OpenOffice statt LibreOffice zu arbeiten?<br />

SoftMaker Office 2012 Beta ................................................................112<br />

Schon seit vielen Jahren versorgt die Nürnberger Softwareschmiede<br />

SoftMaker auch Linux-Anwender mit ihrem Officepaket. Die neue<br />

Version 2012 steht kurz vor dem Verkaufsstart; wir haben die zweite<br />

Beta getestet.<br />

Lesen Sie ab Seite 62,<br />

wie Sie mehrere Betriebssysteme<br />

auf einer<br />

Platte installieren. Hintergrundwissen<br />

zu Plattenpartitionen<br />

gibt es ab<br />

Seite 77.<br />

SERVICE<br />

Linux User Groups ............................................................................ 117<br />

Impressum.......................................................................................... 120<br />

Hardware- u. Bücherservice .......................................................... 121<br />

<strong>Vorschau</strong> ............................................................................................ 122<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

5


AKTUELL<br />

Heft-DVD und Service Kit<br />

HEFT-DVD<br />

Rescatux<br />

Die Rettungsdistribution Rescatux<br />

bietet eine Fülle an Tools,<br />

um sowohl defekte Windowsals<br />

auch Linux-Systeme wieder<br />

zum Laufen zu bringen. Im Fokus<br />

der Entwickler stand auch<br />

die Benutzerfreundlichkeit.<br />

Data Crow<br />

Die Java-Software Data Crow leistet hervorragende<br />

Dienste beim Katalogisieren<br />

von Filmen, Musik, Software und Büchern.<br />

„gscan2pdf“<br />

Dieses Werkzeug scannt nicht nur Ihre Dokumente<br />

ein, sondern legt eine unsichtbare<br />

Textebene über PDF-Dateien.<br />

Instantbird<br />

Aus dem Hause Mozilla stammt das <strong>Chat</strong>programm<br />

Instantbird. Es unterstützt Protokolle<br />

wie IRC und ICQ.<br />

AUSSERDEM AUF DVD:<br />

• Skype (Internettelefonie)<br />

• Urban Lightscape (Bildhelligkeit) • Piggydb (Wissensmanagement)<br />

• VirtualBox (Virtualisieren)<br />

IPFire<br />

Die Firewall-Distribution IPFire glänzt nicht<br />

nur mit einer Fülle nützlicher Features, sondern<br />

hat auch ein nutzerfreundliches GUI.<br />

KeePassX<br />

Passwörter gehören zum Weballtag. Je <strong>sicher</strong>er<br />

sie sind, desto schwerer sind sie zu<br />

merken. Dieses Programm verwaltet sie.<br />

Muse<br />

Der MIDI-Sequenzer Muse bringt unter anderem<br />

eine Notendarstellung, eine Effektautomation<br />

und einen Wave-Editor mit.<br />

XnViewMP<br />

Der außerordentlich performante Bildbetrachter<br />

XnViewMP glänzt mit einer Vielzahl<br />

sinnvoller Funktionen.<br />

RetroShare<br />

RetroShare ermöglicht durch starke Verschlüsselung<br />

den abhör<strong>sicher</strong>en Austausch<br />

von Nachrichten und Dateien.<br />

• Capivara (Datenabgleich)<br />

• Xournal (Dokumenteneditor)<br />

SERVICE KIT<br />

Das Service Kit auf der Heft-DVD enthält<br />

alle relevanten Sicherheits- und Programmaktualisierungen<br />

für OpenSuse<br />

12.1/12.2 und Kubuntu 12.04 seit dem<br />

Erscheinungstag der Distributionen. Ein Upgrade<br />

älterer Versionen (beispielsweise von<br />

OpenSuse 12.1 auf OpenSuse 12.2) ermöglicht<br />

das Service Kit jedoch nicht.<br />

Die auf dem Service Kit enthaltenen Pakete<br />

stammen aus den Original-Downloadquellen<br />

von Novell und Canonical. Damit ist<br />

die Aktualisierung über die Service-Kit-DVD<br />

technisch identisch mit einem Onlineupdate.<br />

Durch die zeitliche Differenz zwischen<br />

dem Fertigstellen des Datenträgers<br />

und dem Erscheinen des Heftes können inzwischen<br />

jedoch neue Updates auf den Servern<br />

der Distributoren bereitstehen.<br />

OPENSUSE 12.2<br />

Die 32-Bit-Version der beliebten Distribution<br />

OpenSuse 12.2 finden Sie auf Seite A der<br />

zweiten Heft-DVD. Ein Schwerpunkt dieser<br />

Release, die zwei Monate später als geplant<br />

an den Start ging, liegt auf der Modellpflege.<br />

Die Anwendungen an Bord von Open-<br />

Suse haben viele kleine Verbesserungen erfahren.<br />

Zum Beispiel soll der Dolphin-Verzeichnisbrowser<br />

den Inhalt großer Verzeichnisse<br />

schneller auf den Bildschirm holen und Ansichtswechsel<br />

besser vertragen. Im PDF-Betrachter<br />

Okular ist es jetzt möglich, Text zu<br />

markieren, wobei Okular selbstständig Grenzen<br />

wie Absatzenden erkennt. Das Erscheinungsbild<br />

wurde an vielen Stellen modernisiert,<br />

zum Beispiel mit einem neuen GUI für<br />

das Power-Management-System.<br />

Wie üblich bringt das System aus Nürnberg<br />

aber auch die jeweils neuesten Softwareversionen<br />

mit. Zum Einsatz kommen die Desktops<br />

KDE 4.8.4 und Gnome 3.4.2, den Unterbau<br />

liefert Kernel 3.4 zusammen mit<br />

dem X-Server 1.12. LibreOffice 3.5.4 stellt<br />

die Officesuite.<br />

Auf Seite B der zweiten Heft-DVD finden Sie<br />

vier unterschiedliche OpenSuse-12.2-Versionen<br />

als Live-CDs. Während die 32-bit-<br />

KDE-Version direkt vom Datenträger bootet,<br />

finde Sie den 64-Bit-Ableger im Verzeichnis<br />

/iso-images des Datenträgers. Es enthält<br />

zudem jeweils die<br />

32- und 64-Bit-Versionen<br />

der Gnome-<br />

Variante. (Thomas<br />

Leichtenstern/tle)<br />

6 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Leserbriefe<br />

AKTUELL<br />

LESERBRIEFE<br />

XSane kann mehrseitige PDFs scannen<br />

[Papierstapel 2 PDF, EL 04/ 2012] Sie schreiben,<br />

dass man mit XSane kein mehrseitiges<br />

Dokument als PDF-Datei speichern kann.<br />

Das ist nicht richtig. Auf dem Auswahl-Button<br />

oben rechts im Hauptfenster kann Mehrseitig<br />

(Strg+M) (Abbildung 1) gewählt<br />

werden. Ich habe schon öfter damit mehrseitige<br />

PDF-Dokumente erstellt.<br />

Wolfgang Steiner<br />

Xfce noch nicht verschlimmbessert<br />

[Editorial, EL 04/ 2012] Vielen Dank für diesen<br />

Beitrag! Seit nunmehr reichlich zehn Jahren<br />

nutze ich Linux, angefangen mit Suse über<br />

Tests mit Kanotix bin ich bei Ubuntu gelandet.<br />

Ich war zufrieden, bis KDE 4 kam. Da<br />

stieg ich auf Gnome um, die Bedienung war<br />

bewährt. Jetzt also Gnome 3, also stieg ich auf<br />

Xfce um, und das alles nur, weil ich meine gewohnten<br />

Arbeitsabläufe halbwegs beibehalten<br />

wollte. Sollte Xfce irgendwann auch so verschlimmbessert<br />

werden, suche ich wieder was<br />

Bewährtes.<br />

Unity habe ich kurz probiert, das ist jetzt<br />

mitinstalliert und wird nie benutzt. Ich bin<br />

immer noch ein Freund von Nautilus, den<br />

möchte ich auch zukünftig nutzen.<br />

Ob ich als Nutzer der alten, „nichtwischenden“<br />

Generation der Computeranwender allerdings<br />

einer ausreichend großen Zielgruppe<br />

angehöre, muss ich leider anzweifeln.<br />

Vielleicht gibt es ja in zukünftigen Versionen<br />

die einfache Möglichkeit, die alten Bedienschemata<br />

zu erhalten. Karsten Reincke<br />

Trinity<br />

[Editorial, EL 04/ 2012] Bravo, endlich mal jemand,<br />

der mir aus der Seele spricht! Nachdem<br />

ich mich über die Benutzerunfreundlichkeit<br />

von KDE 4 unter Debian 6 (Squeeze) sehr geärgert<br />

hatte, habe ich rumgesucht und wie Sie<br />

ebenfalls Trinity (einen KDE-3-Fork) installiert.<br />

Da es für Debian 7 (Wheezy) leider<br />

(noch) kein Trinity gibt, habe ich stattdessen<br />

Xfce installiert. Wir Benutzer sollten den<br />

Hard- und Software-Entwicklern viel öfter mal<br />

auf die Finger klopfen … Wolfgang Gruhn<br />

Divide et impera<br />

[Editorial, EL 04/ 2012] Es ist bedauerlich, an<br />

welchen Fronten die Entwickler-Community<br />

ihre Ressourcen verpulvert. Nicht genug damit,<br />

dass sich Linux mit seiner überbordenden<br />

Distributionsvielfalt über Gebühr<br />

zerfasert, sondern innerhalb einer jeden Distribution<br />

mit jeder Major Release dann auch<br />

noch immer wieder alles anders macht. Das<br />

mag etwas für Nerds sein, aber nicht für den<br />

normalen User, der mit dem System einfach<br />

nur möglichst effektiv arbeiten möchte, und<br />

insbesondere nicht für den Windows-Migranten,<br />

der eh schon genug zu lernen hat<br />

und keine Lust auf immer neue verwirrende<br />

Lernkurven verspürt.<br />

Das wäre doch der Wunsch: Ein schlagkräftiges<br />

Linux-Imperium bietet Microsoft ernsthaft<br />

Paroli; das hat noch nicht mal der Mac<br />

geschafft. Aber in Anlehnung an Cäsars<br />

Motto „Divide et impera!“ braucht sich Microsoft<br />

nur aufs „impera“ zu konzentrieren –<br />

das „divide“ besorgt die Linux-Community<br />

voller blinder Begeisterung selber. Es ist ein<br />

Jammer, wie sich diese geniale und engagierte<br />

Community in Sachen Desktop weitgehend<br />

selber bis zur Bedeutungslosigkeit zersplittert.<br />

So wird Linux für den ganz normalen, IT-unerfahrenen<br />

User (und das dürfte der Löwenanteil<br />

sein) niemals eine gangbare Alternative<br />

werden.<br />

Dr. Wolf-R. Müller<br />

Stärke von Linux?<br />

[Editorial, EL 04/ 2012] Ich sehe das genauso,<br />

wie Sie es beschrieben haben. Für mich sollte<br />

es eine Oberfläche zum Ausprobieren und<br />

eine stabile Oberfläche für die tägliche Arbeit<br />

geben. Wahrscheinlich wird die Klötzchenoberfläche<br />

genauso scheitern wie bereits bisher<br />

jede zweite Windows-Version. Von einem<br />

„Warten auf die nächste Windows-Version“<br />

merke ich schon lange nichts mehr. Dass<br />

Abb. 1: Mit XSane kann man auch mehrseitige<br />

Dokumente in eine einzige PDF-<br />

Datei scannen.<br />

© photocase.com<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de 7


AKTUELL<br />

Leserbriefe<br />

Linux diesen Quatsch mitmacht, finde ich<br />

schade – es nicht zu tun,<br />

könnte genau die Stärke von<br />

Linux sein. Carsten Hertzberg<br />

Bei Ubuntu 10.04 bleiben<br />

[Editorial, EL 04/ 2012] Dem Artikel<br />

kann ich uneingeschränkt<br />

zustimmen. Ich nutze auf zwei<br />

Rechnern nach wie vor Ubuntu<br />

10.04. Zu Testzwecken und damit<br />

ich mich daran gewöhne, habe ich<br />

auf einem älteren PC Ubuntu 12.04<br />

installiert. Ich empfinde die neue<br />

Oberfläche als sehr gewöhnungbedürftig.<br />

Deshalb habe ich, sobald das<br />

möglich war, auf den alten Desktop<br />

umgestellt.<br />

Ich würde mich selbst als halbwegs kundigen<br />

Anfänger bezeichnen, was bedeutet,<br />

dass ich die Konsole zwar benutze –<br />

aber mit äußerster Vorsicht. Deshalb trifft<br />

manche Änderung etwas verspätet bei mir<br />

ein, es sei denn, sie kommt bereits über die<br />

Aktualisierungsverwaltung daher.<br />

An dieser Stelle möchte ich nicht zuletzt ein<br />

großes Lob für Ihre Zeitschrift aussprechen.<br />

Ich lese diese bereits seit einiger Zeit und<br />

freue mich jedes Mal auf die neuste Ausgabe.<br />

Die praktischen Tricks, Tipps und Kniffe <strong>machen</strong><br />

mich mit dem Betriebssystem vertrauter<br />

und versierter. Dafür an dieser Stelle ein liches Dankeschön: Weiter so! Mario<br />

herz-<br />

Nitsch<br />

Von Ribbons verschont<br />

[Editorial, EL 04/ 2012] Als Administrator<br />

stelle ich mir bei neuen Software-Versionen<br />

immer die Frage, was diese dem Anwender<br />

bringen – leider meist nur Einarbeitungsaufwand.<br />

Die nützlichen Neuerungen werden<br />

überschattet von mieser Performance, ausgelöst<br />

durch sinnlosen Ressourcenhunger. Alte<br />

Bugs werden durch neue abgelöst. Die neue<br />

Benutzeroberfläche ist dunkelgrau auf Hellgrau,<br />

Schaltflächen tauchen nur auf, wenn<br />

man mit der Maus darüber fährt. Ständig wird<br />

versucht, das Internet zu kontaktieren, und<br />

diverser weiterer Unfug.<br />

Da bei uns Microsoft-Monokultur angesagt ist,<br />

muss man die Updates auf die tollen bunten<br />

Versionen auch noch fast alle mit<strong>machen</strong> und<br />

auch bezahlen.<br />

Bedauerlicherweise wird in der Linux-Welt<br />

häufig das gleiche Lied gesungen. Zum Glück<br />

gibt es dort aber immer wieder Gruppen, die<br />

sich abspalten und den Weg nicht mitgehen.<br />

Eine Distribution, die sich für den Einsatz in<br />

größeren Unternehmen eignet, vermisse ich<br />

leider.<br />

LINUX<br />

easy !<br />

Öfter mal was Altes<br />

Liebe Leserinnen und Leser,<br />

der Linux-Kernel, die grafischen Oberflächen<br />

und die Standardprogramme unter Linux erscheinen<br />

ständig in neuen Versionen. Das<br />

hat mit dem Entwicklungsmodell „release<br />

early, release often“ („veröffentliche früh<br />

und oft“) [1] zu tun, das viele Open-Source-<br />

Projekte umsetzen. Es hat viele Vorteile,<br />

z. B. landen Fehlerkorrekturen und nützliche<br />

neue Funktionen so viel schneller beim Anwender,<br />

als wenn Software nur einmal im<br />

Jahr aktualisiert wird. Doch ein Großteil der<br />

Entwickler scheint die Aufgabe als „mach<br />

alle paar Monate alles komplett anders“ zu<br />

verstehen – ein Phänomen, das sich durch<br />

die ganze Softwarewelt (nicht nur unter<br />

Linux) zieht:<br />

l KDE 4 hat als Nachfolger von KDE 3 keinen<br />

Stein auf dem anderen gelassen; der<br />

Desktop hat technisch fast nichts mehr<br />

mit dem alten KDE zu tun, sieht anders<br />

aus und wird anders bedient.<br />

l Für Gnome 3 versus Gnome 2 gilt das<br />

Gleiche, weswegen sich z. B. Linux Mint<br />

großer Beliebtheit erfreut, das Gnome-<br />

Freunden die Möglichkeit gibt, die alte<br />

Oberfläche weiter zu verwenden.<br />

l Ubuntu installiert jedem Anwender, auch<br />

dem mit 30-Zoll-Monitor, eine Oberfläche,<br />

die für Netbook-Displays optimiert ist.<br />

Und bei den anderen:<br />

l Mit Windows 8 kommt die Kachel-Oberfläche,<br />

die schon auf Windows-Smartphones<br />

für wenig Begeisterung sorgt, auf den<br />

PC. Dort sieht sie noch schlechter aus,<br />

gehört aber zwingend zu jeder künftigen<br />

Windows-Installation.<br />

l Nachdem Microsoft Office erst mit den<br />

vom Usability-Team erfundenen Ribbons<br />

(Menübändern) die alte Menü- und Symbolleistensteuerung<br />

auf den Kopf stellte,<br />

steht für 2013 schon wieder ein neues Be-<br />

dienkonzept an, das besser zu Windows 8<br />

passen soll.<br />

l Apple versucht, die Bedienung unter iOS<br />

(für iPhone, iPad & Co.) und Mac OS X<br />

zu vereinheitlichen, empfiehlt Vollbildanwendungen<br />

und änderte kürzlich auf dem<br />

Mac die Richtung von Scrollgesten auf<br />

dem Touchpad.<br />

EDITORIAL<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Chefredakteur<br />

Wechsel der Arbeitsfläche, sondern zeigt beim<br />

Umschalten des Desktops einfach unspektakulär<br />

die neuen Fenster an, und das ziemlich<br />

schnell.<br />

Dabei sind einige Features der neuen Desktops<br />

ja wirklich super praktisch, die Entwickler<br />

haben da viel Liebe und Kreativität reingesteckt<br />

– aber ist es nicht möglich, neue<br />

Innovation ist ja wundervoll, aber ich hätte Funktionen in die alten Oberflächen zu integrieren?<br />

eigentlich am liebsten einen KDE-3-Desktop,<br />

bei dem die Oberfläche und alle Anwendungen<br />

durch jahrelange Verbesserungen kom-<br />

Wunder, dass viele Anwender die Installation<br />

Wenn sich ständig alles ändert, ist es kein<br />

plett fehlerfrei und rasend schnell arbeiten. neuer Betriebssystem- oder Softwareversionen<br />

verweigern, auch wenn sie damit auf<br />

Wo die Tastenkombinationen, die ich irgendwann<br />

gelernt habe, alle funktionieren und die sinnvolle neue Funktionen verzichten müssen.<br />

Wer normale Benutzer im Blick hat, der<br />

Menüpunkte sich in genau den Untermenüs<br />

verstecken, an denen ich sie schon vor zehn sollte deren mühsam erworbene Kenntnisse<br />

Jahren gefunden habe.<br />

nicht regelmäßig durch komplette Umstellungen<br />

wertlos <strong>machen</strong>. Nur was einen extremen<br />

Clevere Software, die meinen Drucker am<br />

USB-Anschluss oder im Netzwerk besser erkennt,<br />

3-D-Features neuer Grafikkarten ausren,<br />

darum sind ja die intuitiv zu bedienenden<br />

Mehrwert bietet, darf ganz anders funktioniereizt,<br />

im Officeprogramm Word- und Excel- Smartphones mit Android und iOS so populär.<br />

Dokumente vom Windows-Kollegen perfekt Meinen PC will ich trotzdem nicht wie ein<br />

importiert, das Schneiden und Mischen von Handy bedienen.<br />

Videos in beliebigen Formaten erlaubt und Wie sehen Sie das? Wenn Sie in der aktuellsten<br />

Inkarnation des Programms „Startmenü“<br />

vieles mehr: All das will ich haben, und zwar<br />

direkt, wenn es verfügbar wird – aber nicht das <strong>Mail</strong>programm finden, schreiben Sie uns<br />

um den Preis, dass sich schon wieder die Benutzung<br />

des Desktops komplett verändert. redaktion@easylinux.de.<br />

doch mal eine E-<strong>Mail</strong> zu diesem Thema an<br />

n<br />

Alles so bunt hier<br />

Die ständig neuen Desktops scheinen mir immer<br />

„guck mal, was ich alles kann“ zuzurufen.<br />

Ich denke dann immer: „Toll, aber in den<br />

nächsten Wochen bin ich erst mal ausgebremst,<br />

bis ich verstanden habe, wie ich das<br />

alles benutzen kann.“ Auf meinem privaten<br />

Linux-PC läuft tatsächlich ein (leicht modernisiertes)<br />

KDE 3, das zwar Trinity [2,3] heißt,<br />

aber trotzdem im Kern KDE 3 ist. Es hat keinen<br />

schicken Desktopwürfel-Effekt beim<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2012<br />

www.easylinux.de 3<br />

Gestern habe ich<br />

Linux Mint 13 von der Heft-<br />

DVD installiert: Installation super, Performance<br />

gut, Bedienung auch. Aber dann den<br />

Netzwerkdrucker ansteuern: Da fehlen Pakete,<br />

Verbindung zum NAS mit NFS-Dateisystem<br />

klappt nicht. Der Fokus hat bei den Entwicklern<br />

offenbar auch nicht auf Funktion gelegen.<br />

Hoffentlich bleibt LibreOffice von Ribbons<br />

oder Schlimmerem verschont. Frank Hahn<br />

Mac OS X hat Hand und Fuß<br />

[Editorial, EL 04/ 2012] Die Kritik an Mac OS X<br />

kann ich nicht nachvollziehen. Eigentlich haben<br />

(fast) alle Neuerungen in Mac OS X Hand<br />

und Fuß. Das sage ich nicht als Apple-Fanboy,<br />

sondern aus Überzeugung und als Linux-Benutzer.<br />

Sie sprechen die Scrollrichtung an: Zugegeben,<br />

ich habe auch gleich gesucht, wo man es wieder<br />

umstellen kann, aber habe mich dazu entschieden,<br />

dem Feature ohne Zwang mal eine<br />

Chance zu geben. Nach nicht mal zwei Tagen<br />

hatte ich mich dran gewöhnt, da die Scrollrichtung<br />

kein Umdenken erfordert und mit dem<br />

(wirklich ultrapräzisen) Apple-Touchpad die<br />

Bedienung wie an einem Touchscreen sehr<br />

leicht von der Hand geht. Super!<br />

Infos<br />

[1] Veröffentliche früh und oft: http:// en.<br />

wikipedia. org/ wiki/ Release_early,_<br />

release_often (http:// ezlx. de/ c3y1)<br />

[2] Trinity: http:// www. trinitydesktop. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c3y2)<br />

[3] Hans-Georg Eßer, „Trinity bringt KDE<br />

3 zurück“, <strong>EasyLinux</strong> 01/ 2012, S. 62 ff.<br />

003-003_Editorial_hej.indd 3 04.07.2012 16:25:38 Uhr<br />

Die Vollbilddarstellung kann man, muss<br />

man aber nicht, nutzen. In Verbindung<br />

mit „Mission Control“ und Gesten entsteht<br />

aber ein nahzezu perfekter<br />

Workflow.<br />

Ihre Meinung zu Gnome 3 und Unity<br />

kann ich absolut nachvollziehen:<br />

Mit den Desktops ist – selbst wenn<br />

man versucht, eine Umgewöhnung<br />

zu erzwingen – ein flüssiges Ar-<br />

beiten „out of the box“ kaum<br />

möglich: Leider grauenhaft. KDE<br />

4 finde ich (mal abgesehen von<br />

geänderten Shortkeys) ziemlich<br />

gelungen. Allein die oft etwas<br />

träge Reaktion fällt mir hier<br />

negativ auf.<br />

Die Entwickler von Linux-<br />

Distributionen und -Desk-<br />

tops versuchen immer<br />

mehr, neue Benutzer allein<br />

durch „Eyecandy“ zu ge-<br />

winnen, und nicht mit<br />

einem flotten, in sich<br />

konsistenten System.<br />

Man bekommt allerhand<br />

schön anzuschauende,<br />

aber meist<br />

nutzlose Funktionen<br />

und Programme auf die<br />

Festplatte geschaufelt. Alltägliche (und selbstverständliche)<br />

Dinge laufen jedoch nur mühsam,<br />

schlecht oder gar nicht. Dazu zählen<br />

l die Kompatibilität zu Audio- und Videocodecs,<br />

l die Lauffähigkeit oder zumindest 99,9-prozentige<br />

Kompatibilität zum populären Microsoft<br />

Office,<br />

l endlich mal ein Kernel, der auf Notebooks,<br />

welche älter als ein halbes Jahr sind, den<br />

Akku nicht binnen 90 Minuten leersaugt,<br />

l oder die Einrichtung von Hardware,<br />

welche der Kernel nicht automatisch erkennt.<br />

Vielleicht sollte die Entwicklung jetzt langsam<br />

lieber mal in Richtung Hybrid-Kernel (im<br />

Sinne von Linux/ Windows oder Linux/ Darwin)<br />

gehen, statt immer nur die Optik aufzuhübschen.<br />

Könnte man Apple- oder Windows-<br />

Software nativ auf einem Linux-Kernel lauffähig<br />

<strong>machen</strong>, wäre der Knoten beim eher unversierten<br />

Anwender endgültig geplatzt.<br />

In der Linux-Welt besteht die Revolution leider<br />

nur aus heißer Luft in Form von Desktops,<br />

welche die darunter liegende Brachlandschaft<br />

erfolgreich verdecken. Schade, das Potential<br />

(und auch der Umstiegs- und Umlernwille)<br />

vieler Nutzer wäre <strong>sicher</strong> vorhanden …<br />

Julian Schweigert n<br />

8 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


News<br />

AKTUELL<br />

NACHRICHTEN<br />

OpenSuse 12.2 als Boxversion<br />

Der Verlag Open Source Press bietet die neue<br />

OpenSuse-Version 12.2 als Box mit einigen<br />

Zugaben an [1]. Die Packung enthält eine<br />

Doppel-DVD mit 32- und 64-Bit-Fassungen<br />

und eine weitere DVD mit Live-Versionen<br />

zum Ausprobieren sowie Add-ons. Dazu gesellt<br />

sich ein gedrucktes Handbuch mit rund<br />

350 Seiten in deutscher Sprache. Der Verlag<br />

packt aus seinem Programm noch das Buch<br />

„Bash – Arbeiten und programmieren mit der<br />

Shell“ als PDF-Datei dazu. Außerdem gibt es<br />

Rabattgutscheine für LPI-Trainings, für die<br />

Vollversion der Finanzverwaltungssoftware<br />

Moneyplex sowie für die Bildbearbeitung<br />

PaintSupreme [2].<br />

Die Box ist zum Preis von rund 60 Euro im<br />

Handel erhältlich. Daneben bietet der Verlag<br />

ein Abo an, das die einzelnen Boxen günstiger<br />

macht. Open Source Press gibt an, von<br />

jeder verkauften Box eine Spende an das<br />

OpenSuse-Projekt weiterzuleiten. (Mathias<br />

Huber/hge)<br />

[1] https:// www. opensourcepress. de/ index. php? 26& tt_<br />

products=368 (http:// ezlx. de/ c4j1)<br />

[2] http:// www. braindistrict. com/ de/ paintsupreme/<br />

(http:// ezlx. de/ c4j2)<br />

Audio Video Linux 6.0<br />

AV Linux, eine Debian-basierte Distribution<br />

mit Software für Audio- und Video-Produktion,<br />

ist in Version 6.0 erschienen. Die Release<br />

aktualisiert den Kernel auf Version 3.0.36.<br />

Beim Qt-Toolkit setzen die<br />

Entwickler auf eine ältere<br />

Debian-Squeeze-Version,<br />

da es Probleme mit Qt 4.8<br />

gab. Auch den Bootprozess<br />

und einzelne Plug-ins für<br />

Multimedia-Software haben<br />

die Macher aufgeräumt, um<br />

einen reibungslosen Betrieb<br />

zu ermöglichen. Der Drumcomputer<br />

Hydrogen erhielt<br />

neue Kits, der Windows-<br />

Emulator Wine ein Update<br />

auf 1.4. Zur aktualisierten Software gehören<br />

der Audiorekorder Audacity 2.0, der Harddisk-Rekorder<br />

Ardour in Version 2, Rosegarden<br />

12.04, Guitarix 0.24, HandBrake 0.9.6<br />

und eine Entwicklerversion von OpenShot<br />

1.4.2. Kdenlive und VLC liegen als maßgeschneiderte<br />

Pakete vor.<br />

Weitere Informationen sowie zwei Videos zur<br />

neuen Version finden sich in den Release Notes<br />

[1]. Das rund 2,5 GByte große DVD-Image<br />

steht als Torrent und auf dem FTP-Server<br />

zum Download bereit [2].<br />

Der Hauptentwickler hat angekündigt, dass<br />

diese Version die letzte sein wird. Zu den<br />

Hauptgründen zählt unter anderem die mangelnde<br />

Spendenbreitschaft. (Mathias Huber/hge)<br />

[1] http:// www. remastersys. com/ forums/ index. php?<br />

topic=2530. 0 (http:// ezlx. de/ c4j3)<br />

[2] http:// www. bandshed. net/ DownloadInstall. html<br />

(http:// ezlx. de/ c4j4)<br />

Ubuntu 12.10 ohne 2-D-Version von Unity<br />

Ubuntu 12.10 wird erstmals kein Unity 2-D<br />

(eine abgespeckte Unity-Version, die ohne<br />

3-D-Beschleunigung funktioniert) mehr an<br />

Bord haben. Die Entwickler haben die Pakete<br />

für den 2-D-Desktop komplett aus der aktuellen<br />

Entwicklerversion 12.10 entfernt. Das<br />

schreibt Jason Warner in einer E-<strong>Mail</strong> auf<br />

der Ubuntu-Desktop-<strong>Mail</strong>ingliste [1]. Es gebe<br />

nun nur noch eine Codebasis für den<br />

Ubuntu-Desktop und keine Unterschiede<br />

mehr zwischen den Desktops für aktuelle<br />

und ältere Rechner.<br />

Letztere können zukünftig LLVMpipe verwenden:<br />

Dieser Treiber auf Gallium3D-Basis<br />

[2] ermöglicht es Grafikkarten, OpenGL über<br />

Software-Rendering zu nutzen, ohne dafür<br />

spezielle Treiber zu benötigen.<br />

Die LLVMpipe-Implementierung befinde sich<br />

laut Warner aktuell noch in der Entwicklung;<br />

die Anpassungen würden vermutlich erst mit<br />

Ubuntu 13.04 abgeschlossen sein. Zudem<br />

werde auch LLVMpipe nicht auf allen Systemen<br />

laufen. Besitzern älterer Rechner empfiehlt<br />

Warner daher, bei Ubuntu 12.04 zu<br />

bleiben oder einen anderen Desktop zu verwenden<br />

– in Frage kommen hier Lubuntu<br />

und Xubuntu mit LXDE bzw. Xfce. (Kristian<br />

Kißling/hge)<br />

[1] https:// lists. ubuntu. com/ archives/ ubuntu-desktop/<br />

2012-August/ 003940. html (http:// ezlx. de/ c4j16)<br />

[2] https:// de. wikipedia. org/ wiki/ Gallium3D<br />

(http:// ezlx. de/ c4j17)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

9


AKTUELL<br />

News<br />

Android: 67 % Marktanteil in Europa<br />

Nachdem bereits im letzten Jahr jedes zweite<br />

neue Smartphone mit Android verkauft<br />

wurde, sind es nun laut einer aktuellen Studie<br />

von Kantar Worldpanel ComTech [1] im<br />

europäischen Durchschnitt bereits 67,1 Prozent.<br />

Spitzenhalter ist dabei Spanien: Hier<br />

haben sich im Testzeitraum bis Ende August<br />

sogar 86,6 Prozent der Smartphone-Käufer<br />

für ein Android-Gerät entschieden. Gleichzeitig<br />

verlor in sämtlichen untersuchten Ländern<br />

Apples iOS Marktanteile. In Deutschland<br />

kommen die Apple-Geräte noch auf<br />

13,3 Prozent (Vorjahr: 22,3 Prozent), in Spanien<br />

sind sogar nur drei von 100 Smartphones<br />

iOS-Geräte. Gegen diesen Trend entwickelt<br />

sich England, dort konnte iOS leicht<br />

zulegen, Android aber auch.<br />

Die aktuelle Studie zeigt zudem, dass sich<br />

rund 30 Prozent der Smartphone-Besitzer für<br />

ein Gerät mit einem großen Display (über 4,5<br />

Zoll) entschieden haben. Mit der Displaygröße<br />

nimmt zugleich auch die Nutzung des<br />

Geräts für diverse Inhalte zu.<br />

Die Studie wirft auch einen Blick auf die USA,<br />

Brasilien und Australien. In Amerika hat Android<br />

Martkanteile gegenüber iOS verloren<br />

und liegt nun wieder unter 50 Prozent. In<br />

Australien und Brasilien zeigt sich hingegen<br />

ein ähnliches Bild wie in Europa mit Wachstumsraten<br />

gegenüber dem Vorjahr zwischen<br />

20 und 30 Prozent. (Marcel Hilzinger/hge)<br />

[1] http:// www. kantarworldpanel. com/ global/ News/<br />

Android-maintains-its-European-domination<br />

(http:// ezlx. de/ c4j15)<br />

Freie Schrift „Source Sans Pro“ von Adobe<br />

Das sonst eher für seine proprietären Produkte<br />

bekannte amerikanische Unternehmen<br />

Adobe gibt eine Schrift frei, die sich für den<br />

Einsatz auf Webseiten und in Printprodukten<br />

eignet. Die Schrift „Source Sans Pro“ ist unter<br />

einer freien Lizenz erhältlich. Adobe bietet<br />

die verschiedenen Schnitte und Stile als Open-<br />

Type- und TrueType-Fonts an. Zudem stehen<br />

die Schriftdaten auf Adobe Typekit [1] und<br />

Google Web Fonts [2] bereit, was das dynamische<br />

Einbinden in Webseiten erlaubt.<br />

Adobe selbst plant den Einsatz<br />

der Schrift in seinen<br />

Open-Source-Anwendungen,<br />

wie dem Webkit-basierten<br />

Editor Brackets [3].<br />

Eine frühere Variante kam<br />

bereits im Strobe Media<br />

Playback Framework [4]<br />

zum Einsatz, damals unter<br />

dem Namen „Playback<br />

Sans“. Wer sich für die konkreten<br />

Schriftdaten interessiert,<br />

um diese als Grundlage<br />

für eigene Entwicklungen<br />

zu verwenden, den bedient<br />

Adobe ebenfalls und<br />

stellt diese zum Download<br />

bereit. Alle Schriftdaten stehen<br />

unter der SIL Open Font License [5]. (Andreas<br />

Bohle/hge)<br />

[1] https:// typekit. com/ fonts/ source-sans-pro<br />

(http:// ezlx. de/ c4j5)<br />

[2] http:// www. google. com/ webfonts/ specimen/<br />

Source+Sans+Pro (http:// ezlx. de/ c4j6)<br />

[3] http:// brackets. io/ (http:// ezlx. de/ c4j7)<br />

[4] http:// www. osmf. org/ strobe_mediaplayback. html<br />

(http:// ezlx. de/ c4j8)<br />

[5] http:// opensource. org/ licenses/ openfont. html<br />

(http:// ezlx. de/ c4j9)<br />

Autorentool in Calligra<br />

KDEs Office-Suite Calligra bekommt Zuwachs:<br />

Ein spezielles Werkzeug für Autoren längerer<br />

Texte soll die Sammlung der Module erweitern.<br />

Es wird die Möglichkeit bieten, vom ersten Plot<br />

bis zur ausführlichen Geschichte mit komplexer<br />

Struktur alle Arbeiten in einer Applikation<br />

zu erledigen.<br />

Eine normale Textverarbeitung bietet über einen<br />

ordentlich strukturierten Text und die Gliederungsansicht<br />

zwar die Möglichkeit, einen<br />

Überblick über die Teile des Textes zu behalten,<br />

aber die inhaltlichen Stränge der Geschichte<br />

holt diese Technik selten ans Licht.<br />

Spezielle Tools, wie Celtx [1], verfügen über<br />

zusätzliche Datenbanken für Orte, Personen<br />

oder Handlungsabläufe. Diese zeigen auf einen<br />

Blick, welche Teile des Textes in Bezug zueinander<br />

stehen. Nun wollen mehrere Mitglieder<br />

aus dem Calligra-Projekt die Suite um eine<br />

neue Komponente erweitern, die genau diese<br />

Funktion mitbringt.<br />

Die neue Komponente soll den Name Calligra<br />

Author [2] tragen. Im ersten Anlauf planen die<br />

Entwickler einen Umfang, der das Schreiben<br />

einer Zusammenfassung, den eigentlichen kreativen<br />

Prozess sowie das Publizieren der Geschichte<br />

erlaubt. Im nächsten Schritt wollen sie<br />

es dann ermöglichen, Multimedia-Elemente<br />

einzubinden. (Andreas Bohle/hge)<br />

[1] https:// www. celtx. com/ about. html<br />

(http:// ezlx. de/ c4j10)<br />

[2] http:// www. calligra. org/ news/<br />

calligra-announces-author/ (http:// ezlx. de/ c4j11)<br />

Newsticker<br />

Parted Magic: Die Live-CD zum Bearbeiten<br />

von Partitionen, ist in Version 2012_09_12<br />

erschienen.<br />

Das Glanzstück dieser Release ist Version<br />

0.13.1-git des Tools „gparted“, die einige<br />

LVM-Features beherrscht. Außerdem gibt<br />

es eine Menge aktualisierter Software, darunter<br />

den Linux-Kernel 3.5.3 und den Browser<br />

Firefox 15.0.1. (U. Bantle/hge)<br />

http://partedmagic.com/ (http://ezlx.de/c4j18)<br />

Freier Audiocodec Opus: Die Internet Engineering<br />

Task Force (IETF) hat einen neuen<br />

Audiocodec namens Opus verabschiedet,<br />

der sich lizenzfrei implementieren lässt.<br />

Der in RFC 6716 festgelegte Standard soll<br />

sich für Sprache und Musik sowie für die<br />

Archivierung und das Streaming von Audiodaten<br />

eignen. (M. Huber/hge)<br />

http://opus-codec.org/ (http://ezlx.de/c4j19)<br />

10 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


News<br />

AKTUELL<br />

Thunderbird erhält nur noch bis November neue Features<br />

Die Mozilla Foundation ändert das Entwicklungsmodell<br />

ihres beliebten E-<strong>Mail</strong>-Programms<br />

Thunderbird. Eine letzte Version soll<br />

im November erscheinen, danach wird<br />

es von der Stiftung selbst nur noch<br />

Sicherheitsupdates geben.<br />

Für diese recht drastische<br />

Maßnahme nennt Mitchell<br />

Baker, die Vorsitzende der<br />

Mozilla-Stiftung, gleich<br />

mehrere Gründe in ihrem<br />

Blog [1]. So seien die Thunderbird-Anwender<br />

mit dem<br />

bisherigen Funktionsumfang zufrieden,<br />

die Funktionen in Thunderbird<br />

somit ausreichend. Zudem hätte Mozilla<br />

es nicht geschafft, mit dem E-<strong>Mail</strong>-Client<br />

neue, innovative Impulse bei der Internetkommunikation<br />

zu setzen. Baker bemängelt<br />

auch das Fehlen einer wachsenden, aktiveren<br />

Mitarbeiterbasis, einzige Ausnahme wären<br />

die engagierten Übersetzerteams. Abschließend<br />

würden heutzutage auch immer häufiger<br />

Webmaildienste genutzt. Das Thunderbird-Team<br />

sei daher der Meinung, dass für ihr<br />

E-<strong>Mail</strong>-Programm nur noch die Stabilität im<br />

Vordergrund stünde.<br />

Als Konsequenz schlägt die Mozilla<br />

Foundation ein neues Entwicklungsmodell<br />

vor [2]. Demnach<br />

liefert Mozilla selbst nur noch<br />

Sicherheitsaktualisierungen<br />

und Fehlerkorrekturen.<br />

Neue Funktionen sollen<br />

Freiwillige aus der Nutzergemeinschaft<br />

beisteuern können.<br />

Die Mozilla Foundation<br />

finanziert weiterhin ein kleines<br />

Entwicklerteam und stellt die nötige<br />

Infrastruktur.<br />

Im November erscheint noch eine letzte neue<br />

Thunderbird-Version mit Langzeitunterstützung<br />

(Extended Support Release, ESR) [3].<br />

Danach gibt es dann alle sechs Wochen Sicherheitsupdates,<br />

zumindest für ein Jahr.<br />

Diese Aktualisierungen gelten dann auch für<br />

die normale Thunderbird-Version. Wie es anschließend<br />

weitergeht, steht noch nicht fest.<br />

Nach Angaben der Mozilla Foundation hat<br />

Thunderbird weltweit um die 20 Millionen<br />

Nutzer. (Tim Schürmann/hge)<br />

[1] http:// blog. lizardwrangler. com/ 2012/ 07/ 06/<br />

thunderbird-stability-and-community-innovation/<br />

(http:// ezlx. de/ c4j12)<br />

[2] https:// wiki. mozilla. org/ Thunderbird/ Proposal:_<br />

New_Release_and_Governance_Model<br />

(http:// ezlx. de/ c4j13)<br />

[3] http:// www. mozilla. org/ en-US/ thunderbird/<br />

organizations/ (http:// ezlx. de/ c4j14)<br />

Newsticker<br />

KDE 4.9.1: Die im September erschienene<br />

Version aktualisiert die Plasma Workspaces,<br />

Anwendungen sowie die Plattform.<br />

Das empfohlene Update verbessert unter<br />

anderem die Kontact-Suite und behebt Fehler<br />

in Dolphin. Daneben versprechen die<br />

Entwickler verbesserte Performance. (M.<br />

Huber/hge)<br />

http://www.kde.org/ (http://ezlx.de/c4j20)<br />

Kann eine<br />

Schulungseinrichtung<br />

für mehr als EINEN<br />

Themenbereich<br />

berühmt werden?<br />

Das Linuxhotel ist bekannt für erstklassige Open-Source-Schulungen. In den letzten Jahren kamen Java<br />

und andere Programmiersprachen hinzu - wie immer in Kooperation mit führenden Spezialisten, und in<br />

abgeschiedener, konzentrierter, aber auch ziemlich verspielter Umgebung. Es ist so naheliegend, auch<br />

Entwicklerthemen bei den OpenSource‘lern zu lernen, weil man dort schon immer sehr „unter die<br />

Haube“ guckte und mit viel Freude intensivst arbeitet. Das weiss ein Großteil der deutschen Admins, nur<br />

unter Entwicklern hat's sich noch nicht so ganz herumgesprochen.<br />

Mehr siehe www.linuxhotel.de<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

11


AKTUELL<br />

Neue Software<br />

NEUE SOFTWARE<br />

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version.<br />

Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie<br />

die passenden Pakete und Installationshinweise.<br />

Data Crow – bringt Ordnung in Ihre Multimediadateien<br />

Das innovative Tool Data Crow holt Cover und<br />

Beschreibung, Infos zur Band und weitere Daten<br />

automatisch aus dem Internet. Außer für<br />

CDs klappt das auch bei Büchern, Filmen und<br />

Software.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

Das Programm lädt Beschreibungen, Cover-Abbildungen,<br />

Schauspielerlisten und weitere Zusatzinformationen<br />

aus dem Netz nach.<br />

Haben Sie einen Film im Fernsehen gesehen<br />

und möchten nun in Ihrer Datenbank einen<br />

Eintrag dafür anlegen, brauchen Sie in Data<br />

Crow (Abbildung 1) lediglich den Titel einzugeben.<br />

Die Software sucht dann bei einschlägigen<br />

Portalen wie Amazon oder IMDb nach<br />

einem DVD-Cover, einer Inhaltsangabe und<br />

der Liste aller mitwirkenden Schauspieler.<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

Dank der eingebunden Internetservices<br />

entstehen in der Data-Crow-Datenbank Einträge<br />

für die Lieblingsfilme, Bücher oder<br />

Software magisch mit wenigen Mausklicks.<br />

Für jeden Schauspieler legt Data Crow einen<br />

eigenen Eintrag an. Wenn sich also einige<br />

Filme in der Datenbank angesammelt haben,<br />

existieren schnell etliche Schauspieler-Datensätze.<br />

Für Schauspieler nutzt Data Crow die<br />

Internet Movie Database, die allerdings auch<br />

in der deutschen Version nur englische Steckbriefe<br />

zutage gefördert hat, aber immerhin gibt<br />

es für die meisten Schauspieler ein Bild. Bei<br />

vielen Datensätzen dauert das Update einige<br />

Minuten, doch es geht automatisch im Hintergrund<br />

über die Bühne.<br />

Da steckt viel Musik drin<br />

Ganz ähnlich klappt es mit Musikalben, Software<br />

oder Büchern: Geben Sie den Titel ein,<br />

dann holt die Anwendung eine Beschreibung,<br />

ein Cover-Foto oder Screenshots aus dem Internet.<br />

Für Bücher bindet Data Crow unter anderem<br />

wieder Amazon als Informationsquelle<br />

ein. Wer nach Linux-Software sucht, der findet<br />

viele Programme in den Datenbanken<br />

SourceForge und Softpedia.<br />

Selbstverständlich dürfen Sie alle Einträge von<br />

Hand verändern; auch eigene Bilder, wie<br />

Screenshots von Szenen, die Sie besonders beeindruckt<br />

haben, lassen sich hinzufügen.<br />

Wenn die Internetquellen einmal keine Infos<br />

zu einem Eintrag liefern, bleibt immer noch<br />

die Möglichkeit, sie von Hand einzutragen.<br />

Wer suchet, der findet<br />

Für einfache Suchanfragen gibt es in Data<br />

Crow die Schnellfilter links oben im Programmfenster.<br />

Dort suchen Sie nach einem für<br />

die aktuelle Kategorie definierten Feld, zum<br />

Beispiel nach Filmen mit einem bestimmten<br />

Schauspieler oder Regisseur.<br />

Für Recherchen mit mehreren Suchbedingungen<br />

gibt es das Filter-Werkzeug, das ein<br />

Klick auf Filter in der Button-Leiste öffnet.<br />

Dort legen Sie auch fest, nach welchen Kriterien<br />

die Software das Suchergebnis sortiert.<br />

Einmal eingegebene Filterkombinationen lassen<br />

sich abspeichern.<br />

Die Bedienung des Programms ist zwar logisch<br />

gestaltet, fällt zuweilen aber unnötig kompliziert<br />

aus: So gibt es drei Wege, einen neuen<br />

Eintrag anzulegen: Der Eintragsassistent startet<br />

eine Onlinesuche und legt auf der Basis<br />

eines ausgewählten Suchergebnisses einen<br />

neuen Eintrag an. Der Neu-Button erzeugt dagegen<br />

einen leeren Eintrag, der sich nach Ausfüllen<br />

des Titelfelds mit Hilfe des Aktualisieren-Buttons<br />

mit Onlinedaten füllen lässt.<br />

Zu guter Letzt gibt es noch die Onlinesuche,<br />

die nach Filmen, Büchern oder Programmen<br />

sucht, zunächst ohne einen Eintrag in der Datenbank<br />

zu hinterlegen. Dennoch lassen sich<br />

die Suchergebnisse über den Button Eintrag<br />

hinzufügen in der Datenbank verewigen. n<br />

Infos<br />

[1] Data Crow: http:// www. datacrow. net/<br />

(http:// ezlx. de/ c4p3)<br />

Abb. 1: Der CD-Titel genügt: Auf dessen Basis sucht Data Crow Cover-Art, Künstlerbiografie<br />

und Infos zur Band – egal, ob Sie die CD besitzen oder nicht.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Data Crow<br />

12 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Neue Software<br />

AKTUELL<br />

Capivara: grafische Verzeichnis-Synchronisationssoftware<br />

Wer im Internet nach „Verzeichnisse synchronisieren<br />

Linux“ sucht, der stößt meistens zuerst<br />

auf das Kommandozeilenprogramm „rsync“.<br />

Die Java-Software Capivara bietet ähnliche<br />

Funktionen, aber unter einer schicken grafischen<br />

Oberfläche.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

Die Standardlösung unter Linux zum Abgleichen<br />

von Verzeichnissen ist nach wie vor das<br />

Konsolenprogramm rsync. Einfacher zu bedienen<br />

ist Capivara [1], ein grafisches Java-Programm<br />

mit ausgeklügelten Synchronisationsfunktionen.<br />

Die Applikation zeigt nicht nur lokale Verzeichnisse<br />

an, sondern verbindet sich auch<br />

über FTP und SSH mit Rechnern im Netz.<br />

SMB-Freigaben kennt die Software jedoch<br />

nicht, obwohl sie wie fast alle Java-Programme<br />

auch auf Windows läuft. Etwas umständlich<br />

ist, dass sich auch das lokale Dateisystem<br />

erst nach einem Klick auf das Verbindungs-Icon<br />

rechts oben im Teilfenster öffnet.<br />

Dafür gibt es Bookmarks, die das Öffnen von<br />

Remote-Verbindungen beschleunigen.<br />

Beamen mit Hindernissen<br />

Capivara ist ein zweispaltiger Dateimanager<br />

(Abbildung 2). Allerdings darf der Anwender<br />

Dateien nicht einfach von einem Unterfenster<br />

in das andere ziehen. Nur der Kopieren-Button<br />

ganz oben im Programmfenster kopiert die<br />

Dateien auf die andere Seite.<br />

Im Kopieren-Dialog gibt es die Optionen Verfolge<br />

Symlinks und Erhalte Zeitstempel. Die<br />

erste Einstellung steuert, ob die Software<br />

Links auf andere Verzeichnisse (im Linux-Jargon<br />

„symbolische Links“) so behandelt wie<br />

echte Unterverzeichnisse. Die zweite legt fest,<br />

ob die beim Kopieren neu erstellten Dateien<br />

das Entstehungsdatum der Ursprungsdatei erben,<br />

oder ob das Dateidatum den Zeitpunkt<br />

des Kopierens anzeigt.<br />

Schutzfunktion<br />

Das Hauptproblem beim Synchronisieren von<br />

Verzeichnissen ist, dass Sie die ältere Fassung<br />

einer Datei nicht unbedingt durch die neuere<br />

ersetzen möchten. Eine gute grafische Synchronisationssoftware<br />

informiert den Anwender<br />

daher darüber, bei welchen Dateien ein<br />

Überschreiben bevorsteht. Ein übersichtliches<br />

GUI ist hier Pflicht, denn sonst zerstört ein unachtsamer<br />

Klick schnell benötigte Daten.<br />

Ein Beispiel: Eine Datei ist nur links, eine bloß<br />

rechts vorhanden. Zwei überschneiden sich,<br />

einmal ist die linke Version neuer, einmal die<br />

rechte. Das Programm signalisiert die drei Zustände<br />

der Dateien durch drei Farben: nur einmal<br />

vorhanden = rot, älter = hellrot, neuer<br />

= dunkelrot. Allerdings fallen die Farbschattierungen<br />

so ähnlich aus, dass man sie kaum<br />

auseinanderhalten kann. Und was steht nun<br />

für „neuer“, Hellrot, oder Dunkelrot? Hier<br />

wäre es dringend geboten, statt der drei Rottöne<br />

die Ampelfarben Rot, Gelb und Grün einzusetzen.<br />

Vor dem Synchronisieren steht die <strong>Vorschau</strong>,<br />

in der Capivara anzeigt, welche Dateien es in<br />

welche Richtung kopiert. Welche Datei eine<br />

frühere Fassung überschreibt, steht hier jedoch<br />

nicht: Die beiden Dateien WanderungImZillertal1.gpx<br />

und TuxerJoch-hausAut.gpx<br />

sind in beiden Verzeichnissen enthalten, die<br />

beiden anderen nicht. Capivara zeigt in beiden<br />

Fällen den blauen Richtungspfeil an.<br />

Außer dem Datenverlust durch versehentliches<br />

Überschreiben birgt das Synchronisieren<br />

nach dem Zeitstempel noch weitere Probleme:<br />

Nicht immer geht die Rechneruhr richtig.<br />

Linux-Rechner setzen beim Dateisystem<br />

außerdem universelle Weltzeit ein, Windows-<br />

Computer Lokalzeit. In Capivara darf der Benutzer<br />

daher eine Zeitdifferenz angeben, bis<br />

zu der Dateien als gleich alt gelten.<br />

Zuverlässiger als nach dem Änderungsdatum<br />

gilt das Vergleichen von Dateien mit Prüfsummen.<br />

Sie kennen vielleicht die MD5-Prüfsummen,<br />

mit denen Sie untersuchen, ob beim<br />

Herunterladen eines CD-Images ein Übertragungsfehler<br />

aufgetreten ist. Das gleiche Prinzip<br />

nutzen die Synchronisationsvarianten<br />

MD5 sync und SHA1 sync. SHA1 ist eine zuverlässigere,<br />

aber auch wesentlich langsamere<br />

Testmethode als MD5.<br />

Die Synchronisationsvariante Size-Sync, welche<br />

die Dateigröße auswertet, ist sehr schnell,<br />

aber unzuverlässig: Unkomprimierte Bitmaps<br />

verändern beim Bearbeiten ihre Größe nicht,<br />

auch sonst bedeutet gleiche Größe nicht zwingend<br />

gleichen Inhalt.<br />

n<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

Capivara bringt alle notwendigen Funktionen<br />

zum Synchronisieren von Verzeichnissen<br />

mit. Allerdings: Dateien lassen sich<br />

nicht durch Ziehen mit der Maus verschieben,<br />

das Programm warnt auch nicht deutlich<br />

genug vor dem Überschreiben von Dateien.<br />

Das KDE-Programm Krusader [2]<br />

schützt hier wirksamer vor Datenverlust.<br />

Infos<br />

[1] Capivara: http:// capivara. sourceforge.<br />

net/ (http:// ezlx. de/ c4p1)<br />

[2] Krusader: http:// www. krusader. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4p2)<br />

Abb. 2: Capivara synchronisiert komfortabel Verzeichnisse und achtet dabei penibel darauf,<br />

dass es nicht versehentlich die falschen überschreibt.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Capivara<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

13


AKTUELL<br />

Neue Software<br />

FF Multi Converter – Formatwandler mit großer Bandbreite<br />

Selbst Anwender, die Konsolenprogramme<br />

schätzen, haben ihre liebe Not mit den leistungsfähigen<br />

Tools ImageMagick und FFmpeg.<br />

FF Multi Converter, ein GUI für FFmpeg, Image-<br />

Magick und „unoconv“, erleichtert das Handling<br />

der Programme.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

„Das Ziel von FF Multi Converter [1] ist es,<br />

unter einer benutzerfreundlichen Oberfläche<br />

Umwandler für alle Multimedia-Dateiformate<br />

zu bündeln“, stellen seine Entwickler vollmundig<br />

fest. Natürlich scheitert der Anspruch,<br />

alle Dateiformate zu unterstützen, leicht daran,<br />

dass neue hinzukommen. Die meisten gebräuchlichen<br />

Bild-, Audio- und Videoformate<br />

sowie alle Dokumentformate, die LibreOffice<br />

liest oder schreibt, unterstützt FF Multi Converter<br />

aber. Dazu gehört auch des Doc-Format<br />

von Microsoft Word.<br />

Damit das Programm diesen Anspruch halten<br />

kann, delegiert es die eigentliche Arbeit an die<br />

bewährten Werkzeuge FFmpeg, ImageMagick<br />

und unoconv. Doch schon ein übersichtliches<br />

GUI für ImageMagick und FFmpeg ist wertvoll,<br />

denn beide Tools stoßen Einsteiger mit<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

FF Multi Converter überzeugt als grafisches<br />

Frontend für die Kommandozeilentools<br />

ImageMagick und unoconv, also beim Umwandeln<br />

von Bild- und Officedateien. Allerdings<br />

scheiterte das Konvertieren von Videos<br />

im Test oft, teilweise aufgrund eines<br />

Fehlers im Hintergrundprogramm FFmpeg,<br />

manchmal aber auch, weil FF Multi Converter<br />

nicht auf aktuelle Versionen des<br />

Hilfsprogramms abgestimmt ist.<br />

einer komplizierten Bedienung vor den Kopf,<br />

bei der selbst die Reihenfolge der Kommandozeilenparameter<br />

eine Rolle spielt.<br />

Wandelbar<br />

In der Standardeinstellung schreibt der FF<br />

Multi Converter (Abbildung 3) das Ergebnis<br />

der Umwandlung in das gleiche Verzeichnis<br />

wie die Ausgangsdatei. Unter Edit / Preferences<br />

ändern Sie das gegebenenfalls. Auf<br />

Wunsch verarbeitet FF Multi Converter alle<br />

Dateien eines Typs oder einer bestimmten Dateiendung<br />

im Verzeichnis in einem Arbeitsschritt.<br />

Nach der Auswahl der Quelldatei entscheiden<br />

Sie sich für eine der Kategorien Audio/ Video,<br />

Images oder Documents. Letztere ist für Textund<br />

Officedokumente inklusive PDF-Dateien<br />

bestimmt, Letzteres ist allerdings nur als Zielformat<br />

verfügbar. Naturgemäß gibt es für die<br />

Officedateien außer Ausgangs- und Zielformat<br />

keine weiteren Einstellungen.<br />

Im Reiter Images dürfen Sie dagegen die Größe<br />

für das neu erzeugte Bild wählen. Das Ausgangsformat<br />

erkennt ImageMagick, das für<br />

Grafiken zuständige Hintergrundprogramm,<br />

von selbst.<br />

Qual der Wahl<br />

Im Reiter Audio/ Video gibt es mehr Wahlmöglichkeiten:<br />

Hinter dem Preset-Button verbergen<br />

sich Voreinstellungen für zahlreiche mobile<br />

Geräte. Der More-Button öffnet Einstellungen<br />

für Videoauflösung und das Seitenverhältnis.<br />

Auch die Video- und Audiobitrate,<br />

also die Größe der Videodatei pro Sekunde<br />

Spielzeit, lässt sich einstellen. Die vielen mitgelieferten<br />

Presets (Voreinstellungen) optimieren<br />

alle diese Einstellungen für ein bestimmtes<br />

Mobilgerät.<br />

Allerdings zeigt sich schnell, dass FFmpeg mit<br />

seinen häufig wechselnden und schlecht dokumentierten<br />

Kommandozeilenparametern<br />

nicht nur viele Anwender überfordert: Auch<br />

etliche FF-Multi-Converter-Voreinstellungen<br />

funktionierten mit den FFmpeg-Versionen der<br />

<strong>EasyLinux</strong>-Distributionen nicht. Sie benutzen<br />

Parameter, die schon eine Weile nicht mehr<br />

existieren und laufen deswegen ins Leere.<br />

Wer sich allerdings so weit in die zuweilen<br />

komplizierte Syntax des FFmpeg-Konverters<br />

eingearbeitet hat, dem gelingt es, die Parameter<br />

manuell anzupassen. In diesem Fall<br />

braucht er dann eigentlich FF Multi Converter<br />

nicht mehr und sollte lieber das Kommandozeilenprogramm<br />

direkt benutzen.<br />

Zu einfach gestrickt<br />

Meist zum Erfolg geführt hat in unseren Tests<br />

die über den Default-Button neben den Presets<br />

erreichbare Standardeinstellung, auch in Kombination<br />

mit benutzerdefinierten Einstellungen<br />

für Video Size (Auflösung) oder Video Bit-Rate.<br />

Beim Komprimieren hochauflösender Videos<br />

oder Umwandeln in ein anderes Dateiformat<br />

erfüllt die grafische Oberfläche also ihren<br />

Zweck sehr gut und hält, was das Projekt dem<br />

Anwender verspricht.<br />

Der Fortschrittsbalken ist allerdings nutzlos:<br />

Er springt ohne Zwischenschritte von 0 auf<br />

100 Prozent, wenn die Umwandlung abgeschlossen<br />

ist. Ein Klick auf Details blendet die<br />

Ausgabe von FFmpeg ein. Aus dem Wert für<br />

time lässt sich ablesen, bei welcher Spielzeit<br />

die Umwandlung bereits angelangt ist:<br />

time=00:01:12.25 steht zum Beispiel für eine<br />

Minute und 12,25 Sekunden.<br />

Falscher Fehler<br />

Kennt FFmpeg das Format der Eingabedatei<br />

nicht, was bei den unzähligen Kompressionsverfahren<br />

und Dateiformaten unter verschiedenen<br />

Betriebssystemen oft genug passiert,<br />

dann meldet FF Multi Converter lediglich 0/ 1<br />

Dateien converted. Die eigentliche Fehlermeldung<br />

ist nur unter Details sichtbar. n<br />

Infos<br />

[1] FF Multi Converter: https:// sites.<br />

google. com/ site/ ffmulticonverter/<br />

(http:// ezlx. de/ c4p4)<br />

Abb. 3: Der FF Multi Converter dient als grafische Oberfläche für die Komandozeilentools<br />

FFmpeg, ImageMagick sowie „unoconv“ und erleichtert damit ihre Bedienung.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

FF Multi Converter<br />

14 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


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AKTUELL<br />

Neue Software<br />

„gscan2pdf“ – durchsuchbare PDFs aus Scans erstellen<br />

PDF ist das optimale Format zum Archivieren<br />

von Scans: Es bündelt und komprimiert viele<br />

Seiten. „gscan2pdf“ sorgt mit maschineller Zeichenerkennung<br />

dafür, dass Sie die PDFs auch<br />

nach Schlagwörtern durchsuchen können.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

Das Ärgerliche an eingescannten Dokumenten<br />

ist, dass sie keinen durchsuchbaren Text enthalten.<br />

Der Grund dafür ist, dass beim Scannen<br />

Bilder und keine Textdateien entstehen. Abhilfe<br />

schafft die als „Optical Character Recognition“<br />

(OCR) bekannte Technik der maschinellen Zeichenerkennung,<br />

für die es die Linux-Programme<br />

Cuneiform und Tesseract gibt.<br />

Beides sind aber Kommandozeilentools, die<br />

lediglich Text in einer einzelnen Bilddatei erkennen<br />

und in eine Textdatei schreiben. Das<br />

grafische Programm gscan2pdf nutzt Cuneiform<br />

oder Tesseract für die Texterkennung<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

gscan2pdf überzeugt beim Erstellen von<br />

durchsuchbaren PDFs, die sich hervorragend<br />

für das Archivieren von Dokumenten<br />

eignen. Allerdings gleicht seine Scanfunktion<br />

die praktisch immer vorhandene Grautönung<br />

des Papiers nicht aus. Optisch professionelle<br />

PDFs entstehen daher nur,<br />

wenn gscan2pdf die mit anderen Programmen<br />

erzeugten Scans zu Sandwich-PDFs<br />

weiterverarbeitet.<br />

und bereitet das Ergebnis zu so genannten<br />

Sandwich-PDFs auf, bei denen eine unsichtbare<br />

Textebene über der eingescannten Bilddatei<br />

liegt (Abbildung 4).<br />

Schmackhaftes Sandwich<br />

Die Software kombiniert die originalgetreue<br />

Optik der gescannten Seiten mit der Durchsuchbarkeit<br />

von Textdateien. Das funktioniert<br />

in jedem PDF-Reader, der eine Suchfunktion<br />

mitbringt, also auch mi Okular und Evince.<br />

Die Hybrid-PDFs aus Bild- und unsichtbarer<br />

Textebene entstehen in gscan2pdf mit wenigen<br />

Mausklicks: Ein Klick auf das dritte Icon<br />

von rechts öffnet den Scandialog mit zahlreichen<br />

Einstellungen. Etliche davon betreffen<br />

nur Besitzer eines Einzugsscanners, der automatisch<br />

einen ganzen Stapel Vorlagen verarbeitet.<br />

Die Einstellung alle Seiten weist solche<br />

Scanner an, das ganze Magazin zu verwerten.<br />

Blatt für Blatt<br />

Besitzer eines normalen Flachbettscanners<br />

wählen dagegen die Option #: und geben im<br />

Zahlenfeld dahinter 1 ein. Der Scanner liest<br />

dann pro Klick auf den Scannen-Button eine<br />

Seite. Wer es schafft, eine neue Vorlage aufzulegen,<br />

während der Scanner zwischen den Seiten<br />

pausiert, darf auch die Anzahl aller zu<br />

scannenden Seiten einstellen und muss zwischendurch<br />

nicht mehr zur Maus greifen.<br />

Ist im nächsten Reiter Scanmodus die Option<br />

Scannen auf Knopfdruck aktiv, löst erst ein<br />

Druck auf eine der Tasten am Scanner den<br />

Scan aus. Allerdings funktioniert das unter<br />

Linux nicht mit jedem Modell. Wichtig sind<br />

noch die Einstellung Scan-Auflösung, die nicht<br />

unter 300 dpi liegen sollte, und der Scanmodus<br />

(Farbe/Graustufen/Schwarzweiß).<br />

Die Kästchen Bilder bereinigen und Texterkennung<br />

anwenden sind beim ersten Start aktiv.<br />

In der Zeile für die Texterkennung befindet<br />

sich ein Auswahlfeld für die auf dem Rechner<br />

installierten Zeichenerkennungs-Programme.<br />

Den besten Eindruck macht in letzter Zeit die<br />

von Google gesponserte Engine Tesseract, die<br />

Sie unter OpenSuse und Ubuntu über das<br />

gleichnamige Paket installieren. Für deutsche<br />

Texte ist die Spracheinstellung German in der<br />

Zeile darunter wichtig, sonst gibt es Probleme<br />

mit den Umlauten.<br />

Licht und Schatten<br />

Das Ergebnis der Scans fällt zwiespältig aus:<br />

Einerseits funktioniert die Texterkennung,<br />

ohne dass Sie sich mit Kommandozeilenprogrammen<br />

herumschlagen müssen. Die Textschicht<br />

ist auch ausreichend exakt über der<br />

Grafik platziert. Störend wirken aber die zackigen<br />

Ränder der hellgrauen Textbereiche vor<br />

den von der Software ausgeschnittenen leeren<br />

Bereichen. Zu allem Überfluss hat gscan2pdf<br />

auch noch Löcher in die Abbildung geschnitten.<br />

Darum ist es anzuraten, die Option Bilder<br />

bereinigen, die für das Freistellen der leeren<br />

Flächen verantwortlich ist, abzuschalten.<br />

Im Vergleich mit der Scansoftware Scan Tailor<br />

[2] enttäuscht die grafische Aufbereitung der<br />

Seiten, die sich auf das Herausschneiden freier<br />

Bereiche und ein Geraderichten des Scans beschränkt.<br />

Besonders stört, dass für Helligkeit<br />

und Kontrast nicht einmal manuelle Einstellungen<br />

vorhanden sind.<br />

Wer Wert auf reinweiße Ergebnisse legt,<br />

scannt daher am besten mit Scan Tailor oder<br />

XSane alle Seiten als einzelne Bilddateien in<br />

ein Verzeichnis. Diese lassen sich in gscan2pdf<br />

problemlos zu einem mehrseitigen Sandwich-<br />

PDF weiterverarbeiten.<br />

n<br />

Infos<br />

[1] gscan2pdf: http:// gscan2pdf.<br />

sourceforge. net/ (http:// ezlx. de/ c4p5)<br />

[2] Scan Tailor: http:// scantailor.<br />

sourceforge. net/ (http:// ezlx. de/ c4p6)<br />

Abb. 4: „gscan2pdf“ bettet mit Hilfe der OCR-Programme Cuneiform oder Tesseract maschinell<br />

erkannten Text in PDFs aus eingescannten Seiten ein.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

gscan2pdf<br />

16 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Neue Software<br />

AKTUELL<br />

Instantbird: portabler <strong>Chat</strong>client<br />

Mozillas Firefox und Thunderbird haben einen<br />

kleinen Bruder: das <strong>Chat</strong>programm Instantbird.<br />

Wie die bekannteren Programme teilt es<br />

seine Einstellungen auch mit Installationen auf<br />

einem anderen Betriebssystem.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

Schon Jahre bevor Instantbird [1] 2011 Version<br />

1.0 erreichte, brachten die Linux-Platzhirsche<br />

Empathy [2], Pidgin [3] oder Kopete [4] alle<br />

denkbaren Features mit. Dennoch wartet das<br />

Tool (Abbildung 5), das die gleiche Codebasis<br />

benutzt wie der Browser Firefox und das <strong>Mail</strong>programm<br />

Thunderbird, mit einem Alleinstellungsmerkmal<br />

auf, das Gnome- oder KDE-Anwendungen<br />

naturgemäß abgeht: Instantbird<br />

läuft sowohl unter Linux, als auch unter<br />

Windows und Mac OS X und sieht auf allen<br />

drei Systemen weitgehend identisch aus.<br />

Instantbird unterstützt alle wichtigen <strong>Chat</strong>protokolle:<br />

AIM, Facebook <strong>Chat</strong>, Gadu-Gadu,<br />

Google Talk, Novell Groupwise, ICQ, IRC,<br />

MSN, MySpaceIM, Netsoul, QQ, Simple, Twitter,<br />

XMPP (Jabber) sowie Yahoo. Es ist also<br />

möglich, das Instantbird-Profilverzeichnis auf<br />

einem USB-Stick mitzunehmen und an einem<br />

anderen Linux- oder Windows- Rechner ohne<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

Beim Leistungsumfang hinkt Instantbird im<br />

Vergleich mit anderen <strong>Chat</strong>clients weit hinterher.<br />

Als beinahe einziges Plus bleibt die<br />

Portabilität zwischen den Betriebssystemen.<br />

Die dafür vorbereitete Version auf der<br />

<strong>EasyLinux</strong>-DVD startet unter Windows und<br />

Linux mit der gleichen Konfiguration.<br />

Konfiguration mit den gewohnten Einstellungen<br />

loszulegen. Da das Tool keine Installation<br />

voraussetzt, wäre es praktisch, auch<br />

gleich die Programmdateien auf das Medium<br />

zu packen.<br />

Grabenkämpfe<br />

Tatsächlich ist es in der Praxis nicht so einfach,<br />

Linux- und Windows-Programme von<br />

einem gemeinsamen Datenträger aus zu starten<br />

– nicht zuletzt deswegen, weil Windows<br />

mit Linux-Dateisystemen nichts anfangen<br />

kann. Linux liest Windows-Dateisysteme<br />

zwar, führt dort aber Programmdateien wegen<br />

einer anderen Rechtestruktur nicht aus.<br />

Das Tar-Archiv instantbird-portable.tar auf der<br />

<strong>EasyLinux</strong>-CD enthält daher ein so genanntes<br />

Dateisystem-Image mit der Instantbird-Programmdatei,<br />

das ein enthaltenes Startskript<br />

als echtes Linux-Dateisystem mountet. Auch<br />

die Windows-Version ist mit eingepackt.<br />

Sie brauchen das Tar-Archiv lediglich zu entpacken<br />

und das Verzeichnis instantbird-portable<br />

auf den Stick zu kopieren. Instantbird starten<br />

Sie danach mit einem der beiden Skripte<br />

instantbird_linux.sh und instantbird_windows.bat.<br />

Die Anwendung selbst läuft mit normalen<br />

Anwenderrechten. Nach Beenden von<br />

Instantbird fragt der Skript zum Aushängen<br />

des von ihm eingebundenen Dateisystems erneut<br />

nach dem Root-Passwort, dann lässt sich<br />

der UBS-Stick wie gewohnt <strong>sicher</strong> entfernen.<br />

Sollten Sie aus Versehen die Konsole vor dem<br />

Aushängen geschlossen haben, führen Sie als<br />

Administrator umount /dev/loop0 aus.<br />

Unter Windows brauchen Sie kein Administrator-Passwort,<br />

dort starten Sie Instantbird mit<br />

einen einfachen Klick auf instantbird_windows.bat.<br />

Die systemübergreifend portable<br />

Lösung eignet sich also besonders, um Ihre<br />

<strong>Chat</strong>accounts zu Hause unter Linux einzurichten<br />

und sie dann bei Freunden auf dem Windows-Rechner<br />

zu benutzen.<br />

Anno 2005<br />

Abgesehen von der Portabilität bietet Instantbird<br />

dem Anwender wenig: Das seit Jahren<br />

selbstverständliche Versenden von Dateien<br />

steht bei Instantbird immer noch unter Some<br />

Day auf der Roadmap, ebenso die Unterstützung<br />

von Videochat über einen Jabber-Server<br />

wie das verbreitete Google Talk. Kopete und<br />

Pidgin können das aber bereits.<br />

Nicht einmal die deutsche Rechtschreibprüfung<br />

funktioniert: Zwar steht unter addons.instantbird.org<br />

ein deutsches Wörterbuch zum<br />

Download bereit, jedoch lässt es sich in der<br />

aktuellen Version 1.2 nicht installieren.<br />

Dafür weiß aber die übersichtliche Sprechblasen-Optik<br />

zu gefallen: Bei eigenen <strong>Chat</strong>beiträge<br />

deutet der Trichter der Sprechblasen<br />

nach links, bei denen der anderen <strong>Chat</strong>teilnehmer<br />

nach rechts. Den <strong>Chat</strong>teilnehmern lassen<br />

sich in der Buddylist (Freundesliste) Farben<br />

zuweisen. Mehrere Konversationen vereint Instantbird<br />

ähnlich wie Firefox als Tabs in einem<br />

Fenster.<br />

Ein Hauch von frischem Wind<br />

Die aktuelle Version zeigt auch die <strong>Chat</strong>protokolle<br />

vergangener Sitzungen in der gewohnten<br />

Optik an. Die Suchfunktion gleicht der von<br />

Firefox; sie springt nicht nur von Treffer zu<br />

Treffer, sondern hebt sie auf Wunsch auch<br />

farbig hervor.<br />

Das ist einer der wenigen Punkte, bei denen<br />

Instantbird die Nase vorn hat – Kopete gibt<br />

sich bei der Suche und der Protokollfunktion<br />

zum Beispiel weniger komfortabel. n<br />

Infos<br />

[1] Instantbird: http:// instantbird. com/<br />

(http:// ezlx. de/ c4p7)<br />

[2] Empathy: https:// live. gnome. org/<br />

Empathy (http:// ezlx. de/ c4p8)<br />

[3] Pidgin: http:// www. pidgin. im/<br />

(http:// ezlx. de/ c4p9)<br />

[4] Kopete: http:// kopete. kde. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4p10)<br />

Abb. 5: Instantbird sieht schmuck aus, besitzt eine gute Suchfunktion, die auch vergangene<br />

<strong>Chat</strong>sessions einbezieht, und läuft auf allen gängigen Betriebssystemen.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Instantbird<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

17


AKTUELL<br />

Neue Software<br />

Muse – MIDI-Sequenzer mit praktischen Extras<br />

Nach vier Jahren Arbeit haben die Entwickler<br />

des MIDI-Sequenzers Muse Version 2 vorgestellt<br />

und Linux damit ein weiteres gutes, freies Musikprogramm<br />

mit Notendarstellung und voller<br />

Unterstützung für viele Effekt-Plug-ins beschert.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

Die stabile Version 2.0 des MIDI-Sequenzers<br />

Muse [1] bringt eine Notendarstellung und Effektautomation<br />

(Abbildung 6) mit. Das Programm<br />

zeichnet beim Abspielen Veränderungen<br />

auf, zum Beispiel bei der Chorus-Tiefe<br />

oder -Geschwindigkeit, die Sie im Einstellungsdialog<br />

eines Effekt-Plug-ins vornehmen.<br />

Die Applikation unterstützt außerdem Wave-<br />

Audio-Tracks.<br />

Vereinfacht<br />

Das „Linux Audio Developer‘s Simple Plugin<br />

API“ (LADSPA) ermöglicht es Plug-in-Autoren,<br />

raffinierte grafisch gestaltetete Einstellungsdialoge<br />

zu realisieren. Meist ahmen die<br />

Plug-ins die Optik von Hardware-Effektgeräten<br />

nach, was hübsch aussieht, manchmal aber<br />

die Bedienung eher erschwert. Daher ist es<br />

gut, dass Muse alternativ eine für alle Plug-ins<br />

einheitliche Schieberegler-Optik anbietet.<br />

Die wohl wichtigste Neuerung in Version 2,<br />

die Partituranzeige, kann sich allerdings noch<br />

nicht mit der Notenansicht in Rosegarden<br />

messen: Sie zeigt die Noten in weiten, stets<br />

gleichen Abständen an. Auch eine ausgefeilte<br />

Eingabefunktion, welche die Computertastatur<br />

als Keyboard nutzt, fehlt noch.<br />

Etwas billig<br />

Die grafische Darstellung der Noten lässt noch<br />

zu wünschen übrig: Muse zeichnet sie unabhängig<br />

vom Notenwert in gleichem Abstand.<br />

Vortragszeichen, die besonders klassische Musiker<br />

benötigen, kennt das Programm nicht.<br />

Zum Ausdrucken und vom Blatt spielen eignen<br />

sich die Noten aus Muse daher kaum.<br />

Professionelle, klassische Partituren bewältigt<br />

allerdings bisher kein Linux-MIDI-Sequenzer,<br />

sondern allenfalls das dedizierte Notensatzprogramm<br />

MuseScore.<br />

Nette Kleinigkeiten<br />

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die<br />

Klavierwalzen/ Pianoroll-Ansicht kaum von<br />

der Umsetzung in anderen Programmen. Noten<br />

erscheinen dort als Balken, deren Länge<br />

für die Dauer steht; die Tonhöhe lässt sich an<br />

den Klaviertasten links ablesen.<br />

Auf den zweiten Blick fällt aber eine nützliche<br />

Besonderheit auf: Die Werkzeuge für das Einfügen,<br />

Löschen oder Verschieben wechseln<br />

Sie in Muse mit einem Rechtsklick auf einen<br />

freien Fensterbereich, nicht mit einem Klick in<br />

die Button-Leiste. Diese Kleinigkeit beschleunigt<br />

das Arbeiten mehr als man denkt.<br />

Wie in anderen Sequenzern gibt es Controller-<br />

Unterfenster, mit denen sich Instumenten-Parameter<br />

wie die Anschlaglautstärke oder Balance<br />

anhand einer mit einem Stiftwerkzeug<br />

gezogenen Linie verändern.<br />

Nur ein Quäntchen<br />

Niemand spielt auf dem Keyboard in Vierundsechzigstel-Genauigkeit.<br />

Daher erscheinen per<br />

Keyboard eingespielte Töne in der Notenansicht<br />

praktisch immer als Gewirr aus kurzen<br />

Notenwerten und Pausen. Wie alle Sequenzer<br />

bringt Muse daher eine Quantisierungsfunktion<br />

mit, die allzu kurze Notenwerte rundet.<br />

Der Quantifizierer von Muse rundet nicht einfach<br />

stur: Sein integrierter Grenzwertfilter<br />

sorgt dafür, dass feine Nuancen erhalten bleiben.<br />

Außerdem bildet das Programm auf<br />

Wunsch einen Kompromiss aus Quantifizierung<br />

und der realen Notendauer.<br />

Einen Swing (Jazz-typische Verschiebung im<br />

Verhältnis von kurzen und langen Noten)<br />

kennt Muse ebenfalls. Sehr praktisch ist auch<br />

die im Programm enthaltene Notenauswahlfunktion,<br />

mit der die Applikation unter anderem<br />

kurze, schwach angeschlagene Töne, also<br />

typische Keyboard-Spielfehler, löscht und damit<br />

für Ordnung sorgt.<br />

n<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

Für Anfänger ist Muse schon deshalb eine<br />

gute Wahl, weil es einige Synthesizer-Plugins<br />

mitbringt, und daher auch auf Rechnern<br />

ohne MIDI-fähige Soundkarte ohne Konfigurationsaufwand<br />

Töne erzeugt. Mit seiner<br />

Effektautomation und dem Aufzeichnen der<br />

Einstellungen von Effekt-Plug-ins während<br />

des Abspielens macht es eine Nachbearbeitung<br />

in vielen Fällen überflüssig.<br />

Infos<br />

[1] Muse: http:// muse-sequencer. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4p11)<br />

Abb. 6: Version 2.0 macht den Sequenzer Muse mit einer Notendarstellung und einer Effektautomation<br />

wieder konkurrenzfähig. Praktisch ist auch das vereinfachte GUI,<br />

welches das Programm für LADSPA-Plug-ins anbietet.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Muse<br />

18 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


AKTUELL<br />

Neue Software<br />

Piggydb – innovative Wissensdatenbank<br />

Piggydb verlinkt Textfragmente per Drag and<br />

Drop und zeichnet sie thematisch mit Tags aus.<br />

So entsteht eine neuartige Wissensmanagement-Software,<br />

die in verschiedenen Anwendungsbereichen<br />

wie dem Event-Management<br />

oder Buchprojekten die Gedanken ordnet.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

Menschliche Gedanken bewegen sich in spontanen<br />

Assoziationen. Bringt man diese Geistesblitze<br />

zu Papier, so fällt es meist schon wenig<br />

später schwer, sie nachzuvollziehen. Dass<br />

es sich lohnen kann, Ideen festzuhalten, zeigt<br />

sich an der Beliebtheit von Mindmaps, welche<br />

die Assoziationen zwischen Begriffen durch<br />

Verbindungslinien festhalten. Während Mindmaps<br />

nur bis zu einer bestimmten Größe übersichtlich<br />

bleiben, erschließt Piggydb [1] das<br />

Prinzip der Gedankenvernetzung auch für<br />

große Wissensbestände.<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

Gängige Verfahren, Gedanken und Stichpunkte<br />

zu ordnen und zu sammeln, reichen<br />

von der berühmten Zettelwirtschaft über<br />

Gliederungen in der Textverarbeitung bis<br />

hin zum Einsatz eines Wikis. Piggydb bündelt<br />

die bekannten Arbeitsprinzipien Verlinkung<br />

und Tagging unter einer intuitiven<br />

Weboberfläche und kommt damit der Natur<br />

des menschlichen Denkens viel näher.<br />

Per Drag and Drop entsteht ein Beziehungsgeflecht<br />

zwischen kurzen Texten oder hochgeladenen<br />

Dateien (Abbildung 7). Wie in einer<br />

Mindmap lässt sich ein einmal formulierter<br />

Gedanke mit beliebig vielen anderen verknüpfen.<br />

Für die grafische Darstellung der Objektbeziehungen<br />

übernimmt Piggydb die Ordnerhierarchie<br />

eines Dateimanagers.<br />

Piggydb ist eine Webanwendung, die Sie im<br />

Browser unter der Adresse localhost:8080 öffnen.<br />

Auf anderen Rechnern im Heimnetzwerk<br />

gilt die URL Ip-des-Serverrechners:8080. Um<br />

den Server zu starten, genügt es, das Programmarchiv<br />

zu entpacken und in der Konsole<br />

cd piggydb-standalone sowie java -jar piggydb-standalone.jar<br />

aufzurufen. Java muss<br />

dazu auf dem Rechner installiert sein. Wenn<br />

es geklappt hat, erscheint ein kleines Icon in<br />

der Taskleiste, über das Sie den Server bei Bedarf<br />

wieder stoppen.<br />

Zettelsammlung<br />

Die Startansicht listet alle Einträge in der Reihenfolge<br />

des Erstellens auf. Der Schieberegler<br />

am oberen Fensterrand bestimmt, ob für maximale<br />

Übersicht bloß die Namen der Einträge<br />

oder auch Inhalt und Assoziationen sichtbar<br />

sind. Der grüne +-Button oben im Browserfenster<br />

erzeugt neue Texteinträge. Der Editor<br />

in Piggydb kennt Textformatierungen und bindet<br />

Bilder in den Text ein. Eingebettete Dateien,<br />

die der Browser nicht anzeigt, erscheinen<br />

als Downloadlinks.<br />

Wenn Sie den Mauszeiger über den grauen Bereich<br />

eines Eintrags bewegen, öffnet sich sein<br />

wichtigstes Werkzeug: eine kleine Icon-Palette.<br />

Das erste Icon darin erzeugt die für Piggydb<br />

charakteristischen Verknüpfungen zwischen<br />

den Einträgen. Dazu ziehen Sie es mit gedrückter<br />

Maustaste auf ein anderes Objekt.<br />

Gut gegliedert<br />

In der grafischen Darstellung wirken die Objektverknüpfungen<br />

wie eine hierarchische<br />

Ordnung von Haupt- und Unteraspekten. Ein<br />

Objekt darf gleichzeitig von mehreren Elternobjekten<br />

abhängen, aber auch von keinem.<br />

Außerdem lassen sich in einem Arbeitsschritt<br />

bidirektionale Verknüpfungen erzeugen, bei<br />

denen Objekt A auf Objekt B verweist und<br />

gleichzeitig Objekt B auf A.<br />

Ein Vergleich mit einer gewöhnlichen hierarchischen<br />

Gliederung verdeutlicht den Vorteil:<br />

Wenn Sie einen Gedanken formuliert haben,<br />

der auch noch an anderer Stelle relevant ist,<br />

müssen Sie dort entweder einen verweisenden<br />

Text einfügen oder den Wortlaut dorthin kopieren.<br />

Fällt Ihnen eine bessere Formulierung<br />

ein, dann gilt es, beide Textstellen anzupassen.<br />

Die Netzstruktur in Piggydb, welche Verknüpfungen<br />

kreuz und quer durch die Hierarchie-Ebenen<br />

erlaubt, passt daher einfach besser<br />

zur Natur des menschlichen Denkens.<br />

Ordentlich ausgezeichnet<br />

Zum Suchen dienen weitere Ordnungsverfahren:<br />

Das einfachste ist der Kalender, mit dem<br />

Sie Einträge nach dem Erstellungsdatum filtern.<br />

Noch leistungsfähiger sind die Tags, die<br />

jedes Objekt einem oder mehreren Themengebieten<br />

zuordnen. Besonders hervorzuheben<br />

ist, dass sich die Tags selbst wie normale Objekte<br />

verknüpfen lassen; verknüpfte Tags erben<br />

dabei die Auszeichnungen.<br />

Ein Beispiel: Computer sind Elektrogeräte.<br />

Diese hängen mit dem Thema „Stromsparen“<br />

zusammen. Desktop-PCs sind mit dem Thema<br />

„Computer“ verknüpft. Die Suche „Stromsparen“<br />

findet daher auch die mit „Desktoprechner“<br />

ausgezeichneten Objekte.<br />

n<br />

Infos<br />

[1] Piggydb: http:// piggydb. net/<br />

(http:// ezlx. de/ c4p12)<br />

Abb. 7: Das Kernfeature von Piggydb stellen die Objektverknüpfungen, die durch Ziehen<br />

des Verknüpfungs-Icons auf ein weiteres Objekt entstehen.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Piggydb<br />

20 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Neue Software<br />

AKTUELL<br />

Rescatux – Rettungssystem für häufige Linux-Probleme<br />

Wenn das dringend gebrauchte Linux-System<br />

nicht mehr bootet oder Sie das Root-Passwort<br />

vergessen haben, sind weniger erfahrene Linux-Anwender<br />

dankbar für eine helfende<br />

Hand. Das Rettungs-Live-System Rescatux automatisiert<br />

kritische Rettungsaktionen.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

Rescatux enthält eine grafische Oberfläche<br />

für etliche Konsolen-Programme, mit<br />

denen Anwender ihren kaputten Linux-Systemen<br />

wieder auf die Beine helfen. Tief<br />

gehendes Linux-Know-how ist für den Einsatz<br />

des Rettungs-Live-Systems nicht erforderlich.<br />

Wer sich nicht <strong>sicher</strong> ist, dass<br />

er das Reparieren des Dateisystems, das<br />

Fixen des Boot-Loaders oder das Zurücksetzen<br />

eines Passworts auch per Hand<br />

zustande bringt, sollte eine Rescatux-CD<br />

im Schrank liegen haben.<br />

Bei älteren Windows-Versionen war es gängige<br />

Praxis, bei Problemen gleich das ganze<br />

System neu zu installieren. Wegen seines modularen<br />

Aufbaus ist das bei einem Linux-System<br />

praktisch nie nötig.<br />

Allerdings muss man erst einmal wissen, wie<br />

man ein kaputtes System wieder zum Laufen<br />

bringt. Zumindest drei typische Probleme löst<br />

das Rettungs-Live-System Rescatux (Abbildung<br />

8) automatisch: Es reinstalliert den Bootmanager<br />

Grub, repariert zerstörte Dateisysteme<br />

und setzt vergessene Passwörter zurück.<br />

Auch Ubuntu-Installationen, bei denen sudo<br />

nicht mehr funktioniert, bringt Rescatux wieder<br />

in Form. Als Bonus gibt es den Passwort-<br />

Reset auch für Windows-Systeme. Überschriebene<br />

Windows-Master-Boot-Records lassen<br />

sich ebenfalls wiederherstellen.<br />

Der übliche Ärger<br />

Das Problem des nicht mehr startenden Grub-<br />

Bootmanagers tritt nach jeder Windows-Neuinstallation<br />

auf. Aber auch das Aufspielen<br />

eines Linux-Systems läßt ab und zu Einträge<br />

aus dem Bootmenü verschwinden. Bootet ein<br />

System wegen einer kaputten Root-Partition<br />

nicht mehr, so ist das Dateisystem möglicherweise<br />

aufgrund eines Hardware-Defekts so<br />

weit zerstört, dass auch Rescatux machtlos<br />

ist – doch ein Versuch schadet auch dann<br />

nicht. Ein gewissenhafter Anwender braucht<br />

die Passwort-Reset-Funktion natürlich nie.<br />

Aber zumindest führt sie anschaulich vor Augen,<br />

dass ein Passwort nicht vor Angreifern<br />

mit physischem Zugang zum Rechner<br />

schützt.<br />

Ein Pinguin geht nicht unter<br />

Rescatux steht als ISO-Datei zur Verfügung,<br />

die sich mit den Standardprogrammen auf<br />

eine CD brennen lässt. Alternativ booten es<br />

Leser von <strong>EasyLinux</strong> direkt über die Heft-<br />

DVD. Zum Installieren auf einem USB-Stick<br />

empfehlen die Entwickler das bei Ubuntu<br />

mitgelieferte Programm USB-ImageWriter,<br />

unter OpenSuse heißt die Entsprechung<br />

ImageWriter. Einige Sekunden nach dem<br />

Start begrüßt Sie Rescatux mit der geöffneten<br />

Rescapp, einem Programm, das Steuerzentrale<br />

und Dokumentation kombiniert.<br />

Das Handbuch gibt es allerdings nur auf<br />

Englisch und Spanisch.<br />

Die Buttons, die die Rescatux-Funktionen starten,<br />

ordnet das GUI übersichtlich am oberen<br />

Fensterrand an. Außer Support gibt es die<br />

schon angesprochenen Funktionen Grub, Filesystem<br />

(Dateisystem) und Passwort. Der Windows-Button<br />

leitet zu allen Windows-spezifischen<br />

Funktionen weiter.<br />

Guter Rat ist greifbar<br />

Besonders hervorzuheben sind <strong>Chat</strong> und Send<br />

log. <strong>Chat</strong> verbindet mit dem Rescatux-<strong>Chat</strong>kanal,<br />

Send log übermittelt die bei Rescatux-<br />

Operationen angefallen Logdateien nach paste.<br />

debian.net (http://ezlx.de/c4p13), einem freien<br />

Clipboard-Webservice.<br />

Aus den von Rescatux übermittelten Logs lesen<br />

erfahrene Linux-Anwender ab, was schiefgegangen<br />

ist. Ein Webbrowser an Bord der<br />

Rescatux-CD hilft auch dann mit Google-Recherchen<br />

weiter, wenn im <strong>Chat</strong> kein menschlicher<br />

Ansprechpartner verfügbar ist.<br />

Schritt für Schritt<br />

Jeder Klick auf einen Button öffnet die zugehörige<br />

Dokumentation. Englisch-Kenntnisse<br />

vorausgesetzt führt das Wizard-Interface damit<br />

auch unerfahrene Anwender zum Ziel.<br />

Eine Hürde, die es bei hardwarenahen Operationen<br />

zu überwinden gilt, sind die Kürzel für<br />

die Festplatten-Partitionen.<br />

So steht die Bezeichnung sda1 für die erste<br />

Partition auf der ersten Platte, sdb2 für die<br />

zweite Partition der zweiten Platte und so weiter.<br />

Wer hier nicht <strong>sicher</strong> ist, startet mit Preferences<br />

/ Gparted im Startmenü links unten den<br />

grafischen Partitionseditor GParted. n<br />

Infos<br />

[1] Rescatux: http:// www. supergrubdisk.<br />

org/ rescatux/ (http:// ezlx. de/ c4p14)<br />

Abb. 8: Rettungsschwimmer: Das Rescatux-Live-System bewahrt nicht mehr startende<br />

Linux-Installationen vor dem Untergang durch Neuinstallation.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Rescatux (bootet von der Heft-DVD)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

21


AKTUELL<br />

Neue Software<br />

Urban Lightscape: Belichtungskorrektur für Bildausschnitte<br />

Mit Urban Lightscape, dem Spezialisten für die<br />

punktgenaue Belichtungskorrektur, hellen Sie<br />

die störenden Schlagschatten, die die tief stehende<br />

Abendsonne auf Ihren Urlaubsfotos hinterlassen<br />

hat, mit wenigen Mausklicks auf.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

Jede herkömmliche Fotobearbeitungssoftware<br />

ist in der Lage, die Belichtung einer Aufnahme<br />

als Ganzes problemlos via Helligkeit und Kontrast<br />

zu korrigieren. Was aber, wenn gar nicht<br />

das ganze Foto unterbelichtet ist, sondern bloß<br />

der Bildausschnitt im Schatten? Damit die partielle<br />

Anpassung keine hässlichen Kanten hinterlässt,<br />

müssen Sie in Gimp in diesem Fall<br />

zunächst den dunklen Bereich wählen und die<br />

Übergänge zwischen ausgewählten und nicht<br />

ausgewählten Stellen verwischen, was mit viel<br />

Aufwand verbunden ist und entsprechend<br />

lange dauert.<br />

Viel einfacher geht es mit der Linux-Software<br />

Urban Lightscape [1], einem Spezialprogramm<br />

für die Helligkeitskorrektur von Bildausschnitten.<br />

Hier genügt ein Doppelklick ins Zentrum<br />

des zu adaptierenden Bereichs um ihn als relevant<br />

zu markieren.<br />

Ziehen Sie nun die Maus mit gedrückter Taste<br />

nach oben oder unten. Urban Lightscape verändert<br />

dann die Belichtung in einem farblich<br />

zusammenhängen Bereich um den Kontrollpunkt.<br />

Für fließende Übergänge sorgt die Software<br />

danach vollautomatisch ohne weitere Interaktion<br />

seitens des Anwenders.<br />

Da die auf der Heft-DVD enthaltenen Pakete<br />

keinen Startmenüeintrag erzeugen, starten Sie<br />

das Programm über Eingabe von urbanlightscape<br />

in der Konsole.<br />

Mit ein paar Klicks<br />

Klicken und ziehen: Bei vielen Fotos führt das<br />

mehrmalige Wiederholen dieses einfachen Arbeitsschritts<br />

schon zu entscheidenden Verbesserungen.<br />

Die Software sucht selbstständig<br />

nach Kanten von Objekten und errechnet daraus<br />

eine Belichtung, die ein am Kontrollpunkt<br />

platziertes Licht simuliert (Abbildung 9).<br />

Das clevere Verfahren lässt sich selbst mit<br />

Gimp oder Photoshop nur schwer nachstellen:<br />

Zwar gelingt es mit etwas Aufwand, einzelne<br />

Gegenstände auf dem Foto auswählen, doch<br />

die Übergänge zwischen ausgewählten und<br />

nicht gewählten Bildbereichen lassen sich<br />

nicht gezielt an Bilddetails ausrichten.<br />

Details im Griff<br />

In Urban Lightscape merkt der Anwender<br />

nichts von den komplexen Berechnungen im<br />

Hintergrund. Drei Schieberegler stehen bereit,<br />

welche die Auswahl des zu aktivierenden Ausschnitts<br />

und seinen Übergang zu unveränderten<br />

Bereichen beeinflussen: Spread (Ausbreitung),<br />

Tolerance (Toleranz) und Smoothness<br />

(Glätte).<br />

Während Spread den Radius des Effekts anpasst,<br />

legt Tolerance fest, wie deutlich Kanten<br />

im Bild hervortreten müssen, damit sie Urban<br />

Lightscape als Objektbegrenzung wahrnimmt.<br />

Der Smoothness-Regler sorgt für glatte oder<br />

schroffere Übergänge vom Kontrollpunkt zum<br />

Randbereich hin.<br />

Alles außer Magie<br />

Für Abhilfe gegen unerwünschtes Sensorrauschen<br />

beim Anheben der Helligkeit sorgen die<br />

Regler Blacks und Whites, die Helligkeit und<br />

Farbintensität an den dunkelsten oder hellsten<br />

Stellen im Korrekturbereich zurückfahren. Das<br />

Aufdrehen von Blacks verdunkelt die Bildbereiche<br />

mit farbigem Rauschen des Bildsensors<br />

wieder zu Schwarz. Whites wirkt analog auf<br />

helle Bereiche. Ein paar Bilddetails verschwinden<br />

bei der Blacks- und Whites-Anpassung<br />

auch wieder. Bildbereiche, in denen der Kamerasensor<br />

praktisch keine Helligkeitsunterschiede<br />

mehr erfasst, bleiben naturgemäß verborgen.<br />

Zugabe<br />

Die restlichen Funktionen in Urban Lightscape<br />

sind schnell erklärt: Der Brightness-Schieber<br />

modifiziert die Helligkeit des ganzen Bildes,<br />

der Channel Mixer unter den Light Settings<br />

verschiebt die Rot-, Grün- und Blauanteile im<br />

vom Effekt betroffenen Bereich.<br />

Gesetzte Kontrollpunkte lassen sich nach<br />

einem Mausklick verschieben, ein Doppelklick<br />

verändert wie beim ersten Setzen die Helligkeit.<br />

Kontrollpunkte verschwinden, wenn man<br />

sie über den Bildrand hinaus zieht. n<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

Urban Lightscape beherrscht zwar nur eine<br />

Bildbearbeitungsoperation, diese allerdings<br />

sehr gut. Seine gezielte Belichtungskorrektur<br />

macht Fotografen, wenn auch nur auf<br />

dem Computer, ein Stück weit von den Naturgesetzen<br />

unabhängig. In seiner Bedienung<br />

gibt sich das Programm intuitiv, jedoch<br />

fehlt ihm die Möglichkeit, Kontrollpunkte<br />

und Einstellungen für ein Bild zu<br />

speichern. Die Software exportiert lediglich<br />

das fertige Ergebnis.<br />

Infos<br />

[1] Urban Lightscape: http:// www. indii.<br />

org/ software/ urbanlightscape<br />

(http:// ezlx. de/ c4p15)<br />

Abb. 9: Mit den Schiebereglern „Spread“, „Tolerance“ und „Smoothness“ beeinflussen<br />

Sie die Auswirkungen der Filter auf das Bild.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Urban Lightscape<br />

22 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


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AKTUELL<br />

Neue Software<br />

Xournal – nützlicher PDF-Annotator<br />

Eigentlich ist Xournal als Notitzblock-Software<br />

für Tablets gedacht. Da es aber auch in PDFs<br />

zeichnet und schreibt, füllt es als PDF-Annotationsprogramm<br />

auch eine Lücke auf dem Linux-Desktop.<br />

✰ ✰ ✰ ✰ ✰<br />

Seine Entwickler beschreiben Xournal [1] als<br />

universell einsetzbare Notizbuch-Software für<br />

Tablet-Computer. Bewaffnet mit einem Stylus<br />

(einem Zeichenstift für Touchscreens) kritzeln<br />

Sie damit auf dem Tablet wie auf einem Zeichenblock<br />

(Abbildung 10). Ein Textmarker-<br />

Werkzeug leuchtet vorhandenen Text transparent<br />

an, statt ihn zu überschreiben. Mit dem<br />

Textwerkzeug tippen Sie mit der Bildschirmtastatur,<br />

statt direkt mit dem Stylus auf den<br />

Touchscreen zu schreiben.<br />

Mit der Option Lineal gelingen mit dem Zeichen-<br />

oder Textmarker-Werkzeug exakte Geraden.<br />

Noch raffinierter ist die Formerkennungs-Option:<br />

Frei Hand gezeichnete Liniensegmente,<br />

Kreise, Drei- oder Vierecke verwandelt<br />

das Programm automatisch in geometrisch<br />

genaue Figuren. Dabei ist allerdings eine ruhige<br />

Hand gefragt, denn die Erkennungsgenauigkeit<br />

des Werkzeugs ist bewusst relativ<br />

niedrig ausgelegt, damit man es beim Schreiben<br />

mit dem Stylus nicht deaktivieren muss.<br />

Auch Bilddateien lassen sich in die handgezeichneten<br />

Skizzen einbinden. Es gibt ein<br />

Auswahl-Werkzeug für rechteckige Bildbereiche<br />

und ein Freiformauswahl-Werkzeug.<br />

Ausgewählte Bildbereiche lassen sich frei in<br />

der Skizze verschieben.<br />

Die neueste Xournal-Version 0.4.7 nutzt auch<br />

die Zwischenablage: Text bettet das Programm<br />

als editierbare und verschiebbare Textrahmen<br />

ein. Eingefügte Bilder lassen sich nachträglich<br />

skalieren und natürlich wie die Textrahmen<br />

auf der Seite verschieben.<br />

Das Abstandswerkzeug verhält sich wie ein<br />

elektronischer Laubrechen: Nach einem Klick<br />

in das Bild zeigt Xournal eine horizontale Linie;<br />

ein Ziehen mit der Maus verschiebt alle<br />

Bildelemente, die sich unterhalb dieser Linie<br />

befinden. Auch ein virtueller Radiergummi<br />

fehlt natürlich nicht.<br />

Kreativ<br />

Das alles zusammen ergibt eine praktische, intuitiv<br />

zu bedienende Software für Tablet-Besitzer.<br />

Doch das ist nicht der Hauptgrund, warum<br />

die Redaktion Xournal für diese Ausgabe<br />

der Software-News herausgepickt hat: Xournal<br />

ist nämlich eines der wenigen freien Programme,<br />

das PDFs annotiert. Nach dem Öffnen<br />

einer PDF-Datei dürfen Sie diese mit<br />

denselben Werkzeugen bearbeiten wie die linierte<br />

Seite im Notizbuch-Modus.<br />

Es ist sehr praktisch, während einer Präsentation<br />

den Punkt mit<br />

dem Leuchtmarker<br />

hervorzuheben,<br />

bei dem die Teilnehmer<br />

Diskussionsbedarf<br />

angemahnt<br />

haben. Im<br />

Unterricht füllt das<br />

Textwerkzeug<br />

Lückentexte aus.<br />

Das funktioniert<br />

auch dann einwandfrei,<br />

wenn es<br />

sich bei dem Arbeitsblatt<br />

um eine<br />

eingescannte Bilddatei<br />

handelt.<br />

Xournal füllt mit<br />

seinen Annotationsfunktionen<br />

eine echte Lücke<br />

in der freien Software-Welt:<br />

Das<br />

Programm öffnet<br />

Abb. 10: Die Tablet-Notizbuch-Software Xournal annotiert PDF- selbst auf schwachbrüstiger<br />

Dateien und bewährt sich damit auch auf dem Desktop.<br />

Hardware<br />

mühelos hundert Seiten lange PDFs. Bei<br />

sehr langen Dokumenten gibt es also keinen<br />

gleichwertigen Ersatz für diese Applikation:<br />

Grafik-Programme, die es ähnlich wie Xournal<br />

gestatten, in ein Dokument zu malen, öffnen<br />

in der Regel nur eine Seite.<br />

Linke, rechte und mittlere Maustaste lassen<br />

sich mit einem Standardwerkzeug vorbelegen,<br />

zum Beispiel links für Zeichnen, rechts für Radieren<br />

und mittlere Taste für das Textwerkzeug.<br />

Für das Arbeiten am Beamer gibt es einen<br />

Vollbildmodus.<br />

Neu gebacken<br />

Xournal bringt sein eigenes Dateiformat mit,<br />

das sich in anderen Programmen nicht öffnen<br />

lässt. Auch PDF-Annotationen speichert es<br />

normalerweise in diesen xoj-Dateien und tastet<br />

das Original-PDF dabei nicht an. Vorausgesetzt,<br />

dass das PDF oder nicht eingebettete<br />

Bilddateien sich noch im selben Ordner befinden,<br />

erscheint beim erneuten Öffnen einer<br />

Xournal-Datei das PDF wieder als Hintergrund.<br />

Das Programm beherrscht allerdings<br />

auch einen PDF-Export samt Annotationen.<br />

Neuere Versionen von Xournal versuchen dabei<br />

im ursprünglichen PDF enthaltenen Text<br />

auch wieder als Text einzubetten. Das PDF<br />

lässt sich weiterhin nach Schlagworten durchsuchen,<br />

der Text bleibt unabhängig von der<br />

Vergrößerung scharf.<br />

Allerdings gilt das nicht für PDF-Dateien in<br />

Formatversion 1.5 oder höher. Adobe hat Version<br />

1.5 schon 2003 veröffentlicht; viele Anwendungen<br />

benutzen inzwischen Version 1.5<br />

oder 1.6. Diese PDFs exportiert Xournal als<br />

komprimierte, ganzseitige Grafiken, die sich<br />

nicht mehr durchsuchen lassen und bei<br />

starkem Zoom einen hässlichen Treppeneffekt<br />

aufweisen. (Peter Kreussel/tle) n<br />

DIE REDAKTION MEINT<br />

Xournal besticht als praktischer Tablet-Notizblock,<br />

noch mehr aber als PDF-Annotations-Software,<br />

für die es unter Linux keine<br />

gleichwertige Alternative gibt.<br />

Infos<br />

[1] Xournal: http:// xournal. sourceforge.<br />

net/ (http:// ezlx. de/ c4p16)<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Xournal<br />

24 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Webseiten<br />

AKTUELL<br />

Angeklickt<br />

Im Internet gibt es mehrere Milliarden Webseiten – auch<br />

Suchmaschinen helfen nur bedingt, die berühmte Nadel im<br />

Heuhaufen zu finden. <strong>EasyLinux</strong> stellt in jeder Ausgabe eine<br />

Sammlung besonders interessanter Websites vor. Sollten Sie<br />

auch eine dieser Webperlen kennen, schicken Sie uns eine<br />

<strong>Mail</strong> an redaktion@easylinux.de mit dem Betreff „Angeklickt“<br />

und einer kurzen Beschreibung der Seite. Bei Veröffentlichung<br />

Ihres Vorschlags erhalten Sie kostenlos das jeweils<br />

aktuellste Starter Kit. (Thomas Leichtenstern/tle)<br />

©pressmaster, fotolia.de<br />

Guter Start<br />

Auf der Startseite iGoogle laufen benutzerdefiniert<br />

alle Informationsdrähte aus dem Internet<br />

zusammen. Für viele wurde sie im Laufe<br />

der Zeit zur wichtigsten Informationsquelle.<br />

Kürzlich kündigte Google an, den Dienst im<br />

November 2013 dicht zu <strong>machen</strong>. Halb so<br />

wild, denn inzwischen gibt es einen adäquaten<br />

Ersatz namens uStart. Wie iGoogle bereitet<br />

das Projekt die unterschiedlichsten Informationsquellen,<br />

wie E-<strong>Mail</strong>-Konten, Kalender,<br />

Notizblock oder RSS-Feeds, übersichtlich auf<br />

der Seite auf. Sie platzieren die Blöcke nach<br />

Belieben per Drag & Drop an der gewünschten<br />

Stelle. Jeder der Blöcke erlaubt über Options,<br />

Look & Feel genau anzupassen.<br />

Das merk ich mir …<br />

Die Macher nennen ihr Evernote-Projekt „Ihr<br />

virtuelles Gedächtnis“, was das Ziel der Entwickler<br />

gut beschreibt. Es handelt sich um einen<br />

virtuellen Notizblock, den Sie auf den<br />

verschiedensten Wegen nutzen können.<br />

Der einfachste davon ist der Zugriff direkt<br />

über die Webseite. Hier geben Sie Ihre Notizen<br />

ein, wie es auch in einem Google-Docs-<br />

Dokument möglich ist. Für den bequemen<br />

Zugriff auf die Daten bietet das Projekt für alle<br />

gängigen Browser Add-ons an. Außerdem gibt<br />

es Apps für Android und iOS, die den Zugriff<br />

vom Smartphone erlauben. Mit ihnen können<br />

Sie nicht nur Text, sondern auch Sprachaufzeichnungen<br />

<strong>sicher</strong>n.<br />

Eingerichtet<br />

Vermutlich stand jeder schon einmal vor dem<br />

Problem, dass er sich nicht vorstellen konnte,<br />

wie denn die ins Auge gefasste Couchgarnitur<br />

wohl im Wohnzimmer aussehen mag.<br />

Hier sorgt der Webdienst Roomsketcher für<br />

Abhilfe. Es gestattet Ihnen, Ihre komplette<br />

Wohnung virtuell nachzubilden. Für jeden<br />

Zimmertyp stehen zahlreiche verschiedene<br />

Einrichtungsgegenstände zur Verfügung, die<br />

Sie per Drag & Drop an die gewünschte Stelle<br />

ziehen können. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden,<br />

starten Sie eine virtuelle Begehung<br />

der Räumlichkeiten, was Ihnen einen sehr genauen<br />

Eindruck davon vermittelt, wie das<br />

Möbel wohl ins Zimmer passt.<br />

<strong>EasyLinux</strong> meint: Zwar bietet uStart wegen<br />

der geringen Anzahl an Widgets noch keinen<br />

vollwertigen Ersatz für iGoogle, allerdings ist<br />

es die beste derzeit verfügbare Alternative.<br />

<strong>EasyLinux</strong> meint: Dank seiner universellen<br />

Schnittstellen bietet Evernote die ideale Plattform<br />

zum Sammeln und Verwalten von Informationsschnipseln<br />

aller Art.<br />

<strong>EasyLinux</strong> meint: Wer auf die Schnelle herausfinden<br />

möchte, wie er seine Wohnung geschmackvoll<br />

umgestalten könnte, findet auf<br />

dieser Webseite die passende Unterstützung.<br />

INFOS<br />

Website: http:// www. ustart. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4w1)<br />

Sprache: Englisch<br />

Thema: News-Aggregator<br />

INFOS<br />

Website: http:// evernote. com/<br />

(http:// ezlx. de/ c4w2)<br />

Sprache: Deutsch<br />

Thema: Virtueller Notizblock<br />

INFOS<br />

Website: http:// www. roomsketcher. com/<br />

de/ (http:// ezlx. de/ c4w3)<br />

Sprache: Deutsch<br />

Thema: Virtuelle Wohnraumgestaltung<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

25


AKTUELL<br />

Heft-DVD: OpenSuse 12.2<br />

Heft-DVD: OpenSuse 12.2 installieren<br />

September-Suse<br />

Die aktuelle OpenSuse-Version ist schnell installiert: Dieser Artikel<br />

zeigt Ihnen, wie Sie das Linux-System von der Heft-DVD aufsetzen<br />

und was dabei zu beachten ist.<br />

Marcel Hilzinger<br />

Mit dieser Anleitung verwandeln Sie<br />

Ihren PC oder Laptop in weniger<br />

als einer Stunde in einen Linux-<br />

Rechner. Es spielt dabei keine Rolle, ob auf<br />

dem Rechner bereits ein anderes Linux-System<br />

oder Windows vorinstalliert ist: Open-<br />

Suse verträgt sich mit allen Betriebssystemen.<br />

Aller Anfang<br />

Wenn Sie den Ablauf einer Linux-Installation<br />

bereits kennen, starten Sie einfach den Rechner<br />

mit eingelegter OpenSuse-Heft-DVD neu<br />

und folgen den Anweisungen der Installationsroutine.<br />

Sind Sie bei einem Punkt un<strong>sicher</strong>,<br />

nutzen Sie die Hilfefunktion des Installationsprogramms<br />

YaST oder schauen in diesem<br />

Artikel nach.<br />

Wird dies Ihre erste Linux-Installation, lesen<br />

Sie diese Anleitung am besten zunächst komplett<br />

und starten die Installation erst im Anschluss.<br />

Planen Sie die Parallelinstallation von<br />

OpenSuse, Kubuntu und Windows auf einer<br />

Platte, empfiehlt sich zusätzlich unser Artikel<br />

Multi-Boot ab Seite 62 dieser Ausgabe.<br />

Installation von der Heft-DVD<br />

Arbeiten Sie auf Ihrem PC bereits mit einer älteren<br />

Version von OpenSuse, müssen Sie das<br />

System nicht neu installieren, sondern können<br />

ein Upgrade durchführen. Details dazu<br />

lesen Sie im Kasten Fliegender Wechsel.<br />

Legen Sie die Heft-DVD ein und starten Sie<br />

den Rechner neu. Sie sehen dann den Open-<br />

Suse-Bootbildschirm (Abbildung 1). Startet<br />

beim Booten nicht automatisch die DVD,<br />

müssen Sie zunächst einige Einstellungen im<br />

BIOS Ihres Rechners ändern. Drücken Sie<br />

dazu beim Start je nach Hersteller die Taste<br />

[Entf], [F2] oder [F1], damit Sie in die BIOS-<br />

Konfiguration gelangen; meist finden Sie in<br />

den Einschaltmeldungen einen kurzen Hinweis,<br />

welche Taste Sie dafür drücken müssen.<br />

Dann ändern Sie unter Advanced BIOS Options<br />

oder Boot die Reihenfolge der Laufwerke<br />

so, dass das CD-/ DVD-Laufwerk an erster<br />

Stelle steht (First Boot Device).<br />

Neben der Installation befinden sich im Bootmenü<br />

noch weitere Einträge, um den Rechner<br />

auf Hardware-Probleme zu überprüfen (Speichertest<br />

und Firmware-Test) bzw. um bei Problemen<br />

ein Linux-System von der DVD zu<br />

starten. Haben Sie den Verdacht, die DVD ist<br />

beschädigt, nehmen Sie Kontakt mit der Redaktion<br />

auf (cdredaktion@easylinux.de). Defekte<br />

DVDs ersetzen wir Ihnen kostenlos.<br />

Wenn Sie keinen Eintrag auswählen, startet<br />

nach einer Zeit automatisch das auf der Festplatte<br />

installierte System. Möchten Sie Open-<br />

Suse installieren, dann wählen Sie über die<br />

Pfeiltasten den Eintrag Installation aus und<br />

drücken [Eingabe].<br />

Abb. 1: Im Bootmenü der Heft-DVD drücken Sie [F2], um die Installationssprache auf<br />

Deutsch umzustellen.<br />

Willkommen bei YaST<br />

Nach der Auswahl von Installation begrüßt<br />

Sie das OpenSuse-Installations- und Systemverwaltungsprogramm<br />

YaST. Im Willkommensdialog<br />

sehen Sie neben einer Kurzinformation<br />

zum Datenträger die Lizenzvereinbarung<br />

von Novell sowie Sprach- und Tastaturauswahl.<br />

Mit einem Klick auf Weiter landen<br />

Sie bei der Auswahl der Installationsart. Befindet<br />

sich auf dem Rechner schon ein Open-<br />

Suse-System, können Sie dieses aktualisieren<br />

(Abbildung 2). Die Installation können Sie an<br />

jeder beliebigen Stelle abbrechen, dann erscheint<br />

ein Textmenü. Über dessen Zeilen Installation<br />

starten / Rettungssystem starten landen<br />

Sie im Systemreparaturmodus. Sie sollten<br />

diese Auswahl wirklich nur dann treffen,<br />

wenn Sie Ihr bereits installiertes Linux-System<br />

nicht mehr starten können.<br />

26 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Heft-DVD: OpenSuse 12.2<br />

AKTUELL<br />

OpenSuse richtet die Hardware Ihres Rechners<br />

vollautomatisch ein. Sollten dabei Probleme<br />

auftreten, müssen Sie die Markierung<br />

vor der Checkbox Automatische Konfiguration<br />

verwenden entfernen. Ein Klick auf Weiter<br />

führt Sie zur Zeitzonen-Auswahl. Hier müssen<br />

Sie in der Regel bei der passenden Sprachauswahl<br />

nur auf Weiter klicken. Im nächsten Installationsfenster<br />

können Sie die gewünschte<br />

Desktopumgebung auswählen.<br />

Desktop und Partitionierung<br />

Der Standarddesktop von OpenSuse ist KDE<br />

4. Sind Sie mit der vorgeschlagenen Auswahl<br />

zufrieden, dann bringt Sie Weiter zum nächsten<br />

Dialog. Entscheiden Sie sich für Gnome,<br />

markieren Sie den Eintrag Gnome. Für einen<br />

Xfce- oder LXDE-Desktop sowie für spezielle<br />

Ansprüche ohne grafische Oberfläche wählen<br />

Sie zunächst Andere. Hat Ihr Rechner nur<br />

512 MByte Hauptspeicher oder weniger, empfiehlt<br />

es sich, statt KDE oder Gnome den<br />

schlanken LXDE-Desktop zu installieren. Markieren<br />

Sie dazu den Eintrag Andere und wählen<br />

Sie danach LXDE aus der Liste.<br />

Unabhängig vom gewählten Desktop landen<br />

Sie im nächsten Schritt beim Partitionierungsdialog<br />

von YaST. Unter Linux ordnet man jeder<br />

Partition einen so genannten Einhängepunkt<br />

32 ODER 64 BIT?<br />

Auf der Heft-DVD finden Sie die 32-Bit-Version<br />

von OpenSuse 12.2; die OpenSuse-<br />

Webseite bietet außerdem eine 64-Bit-Version<br />

zum Download an. Unsere DVD eignet<br />

sich zur Installation auf praktisch allen PCs<br />

mit einer CPU von Intel, AMD oder Via, allerdings<br />

sollte Ihr Rechner über mindestens<br />

512 MByte Hauptspeicher (RAM) und einen<br />

mindestens 500 MHz schnellen Prozessor<br />

verfügen. (Die Empfehlungen liegen bei<br />

mindestens 1 GByte RAM und einem<br />

2,4-GHz-Prozessor.)<br />

Haben Sie eine 64-Bit-CPU, können Sie<br />

auch die 64-Bit-Variante nutzen, die Sie zunächst<br />

herunterladen müssen – die 32-Bit-<br />

Version der Heft-DVD läuft aber auch auf<br />

64-Bit-CPUs. Die 64-Bit-Variante bringt bei<br />

sehr rechenintensiven Aufgaben wie Audiound<br />

Videokodierung, Verschlüsselung und<br />

Komprimierung einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil<br />

mit, allerdings kann es bei<br />

gewissen Multimedia-Anwendungen zu<br />

Kompatibilitätsproblemen kommen, weswegen<br />

die <strong>EasyLinux</strong>-Redaktion Linux-Einsteigern<br />

immer den Einsatz der 32-Bit-Version<br />

empfiehlt. Zudem finden Sie Softwarepakete<br />

auf den <strong>EasyLinux</strong>-DVDs immer im<br />

32-Bit-Format.<br />

Abb. 2: Hier wählen Sie zwischen den Installationsmodi<br />

Neuinstallation oder Aktualisierung.<br />

(Mount Point) zu. Das Pendant zum Windows-<br />

Verzeichnis C:\ heißt unter Linux Wurzelverzeichnis.<br />

Es hat einen Schrägstrich / als Einhängepunkt.<br />

Hier liegt das eigentliche System.<br />

Für / müssen Sie eine eigene Partition anlegen,<br />

da Sie sonst nichts installieren können. Die<br />

Größe der Partition hängt von der Festplatte<br />

ab. Mindestens 5 GByte sollten es sein, mehr<br />

als 20 GByte lohnen sich kaum, wenn Sie unserer<br />

Empfehlung folgen, eine separate Partition<br />

für /home anzulegen (siehe unten).<br />

Eine weitere Partition müssen Sie für den virtuellen<br />

Speicher, den so genannten Swap-Bereich,<br />

anlegen. Diese Partition sollte mindestens<br />

so groß wie der Arbeitsspeicher Ihres<br />

Rechners sein. Mit 4 GByte sind Sie meist auf<br />

der <strong>sicher</strong>en Seite, neuere PCs haben teilweise<br />

auch schon 8 GByte RAM. Der virtuelle Speicher<br />

benötigt keinen Einhängepunkt. Sie sollten<br />

für das Verzeichnis /home ebenfalls eine<br />

separate Partition anlegen, denn das erleichtert<br />

später einen eventuellen Umstieg auf eine<br />

andere Linux-Distribution. /home entspricht<br />

dem Verzeichnis C:\Users unter Windows. Linux<br />

speichert hier aber nicht nur Dokumente,<br />

sondern auch sämtliche persönlichen Einstellungen,<br />

Schriften, Symbole, Hintergrundbilder<br />

und so weiter. Je größer /home ist, desto mehr<br />

Platz haben Sie für Ihre Daten.<br />

YaST hat dazu in seinem Partitionierungsvorschlag<br />

bereits die Option Separate Home-Partition<br />

vorschlagen aktiviert. Wenn Sie nur eine<br />

einzelne Linux-Partition verwenden möchten,<br />

entfernen Sie das Häkchen.<br />

Wenn sich auf Ihrer Festplatte schon ein Betriebssystem<br />

befindet, versucht OpenSuse automatisch,<br />

den vorhandenen Plattenplatz optimal<br />

aufzuteilen. Meist geht das durch Verkleinern<br />

von bestehenden und Anlegen von<br />

zusätzlichen Partitionen. In einigen Fällen<br />

schlägt YaST aber auch vor, vorhandene Partitionen<br />

zu löschen, z. B. dann, wenn Sie statt<br />

der Aktualisierung eines installierten Open-<br />

Suse-Systems die Neuinstallation ausgewählt<br />

haben. Durch das Löschen einer bestehenden<br />

Partition gehen aber sämtliche Daten in dieser<br />

Partition verloren. Achten Sie deshalb besonders<br />

auf die Einträge, die im Vorschlag von<br />

YaST rot markiert sind (Abbildung 3).<br />

Schauen Sie sich den Vorschlag von YaST genau<br />

an und entscheiden Sie sich dann für eine<br />

der folgenden Möglichkeiten:<br />

Abb. 3: Rot markierte Einträge sind Warnungen. Im automatischen Partitionierungsvorschlag<br />

von YaST finden Sie normal nur eine Warnung, in der es ums Verkleinern der<br />

Windows-Partition geht.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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27


AKTUELL<br />

Heft-DVD: OpenSuse 12.2<br />

Abb. 4: Die Partitionierungsübersicht von YaST bietet sehr viele Möglichkeiten. In der<br />

Regel benötigen Sie nur die Einträge unter „Festplatten“.<br />

l Vorschlag annehmen -> Klick auf Weiter<br />

l Vorschlag teilweise annehmen -> Klick<br />

auf Partitionsaufbau bearbeiten<br />

l Vorschlag komplett ignorieren -> Klick<br />

auf Partitionsaufbau erstellen<br />

Die Checkbox LVM-basierten Vorschlag erstellen<br />

richtet sich an erfahrene Nutzer mit speziellen<br />

Anforderungen an die Partitionierung.<br />

Auch die Option Btrfs als Standarddateisystem<br />

FLIEGENDER WECHSEL<br />

OpenSuse bietet die Möglichkeit eines offiziellen<br />

Distributionssprungs über das Kommandozeilentool<br />

zypper. Möchten Sie die<br />

Version 12.1 auf 12.2 auffrischen, ohne<br />

dazu über die DVD installieren zu müssen,<br />

starten Sie zunächst im installierten System<br />

YaST und ändern über Software / Repositories<br />

verwalten bei sämtlichen Paketquellen<br />

den Pfad von 12.1 zu 12.2. Erfahrene<br />

Nutzer können diesen Schritt auch auf<br />

der Kommandozeile vornehmen. Achten<br />

Sie darauf, dass mindestens die Software-<br />

Verzeichnisse oss und update aktiviert<br />

sind. Falls Sie PackMan oder andere zusätzliche<br />

Repositories (etwa für 3-D-Treiber<br />

von ATI oder Nvidia) nutzen, dann sollten<br />

Sie diese auch auf Version 12.2 umstellen.<br />

Haben Sie die Repositories an Version<br />

12.2 angepasst, öffnen Sie ein Terminalfenster<br />

und geben hier die folgenden drei<br />

Befehle ein:<br />

sudo zypper refresh<br />

sudo zypper dup -d<br />

sudo zypper dup<br />

Der erste Befehl frischt die Liste der verfügbaren<br />

Pakete auf, der zweite lädt sämtliche<br />

Updates herunter, und der dritte installiert<br />

dann die Pakete. Nach einem Neustart<br />

sollte Ihr System auf dem aktuellsten<br />

Stand sein. Alternativ zu diesem Update<br />

auf der Kommandozeile können Sie Ihr System<br />

auch ganz normal über YaST aktualisieren,<br />

wie im Abschnitt Willkommen bei<br />

YaST beschrieben.<br />

verwenden können Sie ignorieren und sorgen<br />

so dafür, dass YaST die neuen Linux-Partitionen<br />

mit dem bisherigen Standarddateisystem<br />

Ext4 formatiert; das neuere Btrfs beherrschen<br />

noch nicht alle Linux-Distributionen.<br />

Steht Ihnen für die Installation von OpenSuse<br />

eine neue Festplatte zur Verfügung, wählen<br />

Sie den Menüpunkt Partitionsaufbau erstellen.<br />

YaST zeigt dann als Nächstes den Dialog Vorbereiten<br />

der Festplatte an. Hier markieren Sie<br />

die gewünschte Festplatte und klicken auf<br />

Weiter. Vorsicht: YaST löscht dann sämtliche<br />

Daten auf der ausgewählten Festplatte.<br />

Partitionen anlegen<br />

Möchten Sie die Größe der Partitionen selbst<br />

bestimmen oder Spezialeinstellungen (wie<br />

das Verschlüsseln einer Partition) aktivieren,<br />

wählen Sie Partitionsaufbau bearbeiten oder<br />

Benutzerdefinierte Partitionierung. In beiden<br />

Fällen landen Sie beim Dialog Festplatte vorbereiten:<br />

Expertenmodus (Abbildung 4). Wir<br />

beschreiben im Folgenden, welche Partitionen<br />

Sie für eine erfolgreiche Installation von Open-<br />

Suse benötigen und wie Sie diese anlegen. Bei<br />

Auflösungen unter 1280 x 1024 Pixeln zeigt<br />

der Dialog den Text der meisten Buttons vermutlich<br />

nur teilweise an. Mehr Platz schaffen<br />

Sie, indem Sie die linke Spalte ausblenden:<br />

Die drei grauen Punkte sind ein Anfasser, den<br />

Sie nach links ziehen können.<br />

Um eine neue Partition anzulegen, brauchen<br />

Sie zunächst genügend leeren Platz<br />

1<br />

bzw. einen nicht partitionierten Bereich auf<br />

Ihrer Festplatte. Installieren Sie OpenSuse<br />

Abb. 5: Sie müssen mindestens eine Partition<br />

mit dem Einhängepunkt „/“ anlegen.<br />

neben Windows, muss die Windows-Partition<br />

zuerst verkleinert werden. Die gewünschte<br />

Festplatte wählen Sie in der Systemansicht<br />

aus. Die Gerätebezeichnung für<br />

die erste Festplatte ist in der Regel /dev/<br />

sda. In der rechten Fensterhälfte zeigt das<br />

Partitionierungsmodul nun die zwei Reiter<br />

Überblick und Partitionen an.<br />

Wechseln Sie auf den Reiter Partitionen<br />

2<br />

und wählen Sie die zu verkleinernde Partition<br />

aus, klicken Sie dann auf Größe ändern<br />

und geben Sie die neue Größe für diese<br />

Partition an. Nun haben Sie einen nicht<br />

partitionierten Bereich, in dem Sie die Partition<br />

für OpenSuse anlegen. Wenn Sie für<br />

die Installation eine neue leere oder eine<br />

zweite Festplatte verwenden, dann können<br />

Sie diesen Schritt überspringen – achten<br />

Sie aber auf die Auswahl der richtigen Festplatte.<br />

Um die neue Partition für das OpenSuse-<br />

3<br />

System anzulegen, klicken Sie unter Partitionen<br />

auf Hinzufügen.<br />

Wählen Sie als Typ Erweiterte Partition<br />

4<br />

und teilen Sie der neuen Partition am einfachsten<br />

sämtlichen freien Speicher zu<br />

(Maximale Größe). Lassen Sie aber etwas<br />

leeren Platz auf der Festplatte übrig, können<br />

Sie zusätzlich am Ende noch eine separate<br />

FAT-Partition anlegen, die Sie sowohl<br />

von Ihrem Linux- als auch von Ihrem<br />

Windows-System aus ansprechen können.<br />

Klicken Sie auf Beenden; die Übersicht<br />

zeigt dann einen neuen Eintrag vom Typ<br />

Extended an.<br />

Klicken Sie erneut auf Hinzufügen, um nun<br />

5<br />

innerhalb der erweiterten Partition eine logische<br />

Partition zu erstellen. Richten Sie<br />

zunächst eine Partition für den virtuellen<br />

Speicher (Swap) ein. Auf diese Partition<br />

schreibt das System, wenn im Hauptspeicher<br />

(RAM) kein freier Platz mehr ist.<br />

Wählen Sie dazu als Benutzerdefinierte<br />

Größe die Größe des Hauptspeichers in Ihrem<br />

Rechner, z. B. 4 GByte, und klicken Sie<br />

auf Weiter<br />

Markieren Sie den Punkt Partition formatieren<br />

und wählen Sie unter Dateisystem<br />

6<br />

den Eintrag Swap aus. Unter Einhängeoptionen<br />

soll als Einhängepunkt ebenfalls<br />

swap erscheinen. Ein Klick auf Beenden<br />

legt die Swap-Partition an.<br />

Klicken Sie anschließend wieder auf Hinzufügen<br />

und geben Sie eine Benutzerdefi-<br />

7<br />

nierte Größe von 10 bis 15 GByte für die<br />

Systempartition an. Nach einem Klick auf<br />

Weiter erscheinen die Formatierungsoptionen<br />

für die neue Partition. Normalerweise<br />

werden unter Partition formatieren<br />

28 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Heft-DVD: OpenSuse 12.2<br />

AKTUELL<br />

das Dateisystem Ext4 und unter Partition<br />

einhängen ein Schrägstrich als Einhängepunkt<br />

vorgeschlagen (Abbildung 5). Überprüfen<br />

Sie diese Optionen – wenn alles<br />

stimmt, klicken Sie auf Beenden.<br />

Es empfiehlt sich, auf jeden Fall eine separate<br />

/home-Partition anzulegen. Klicken Sie<br />

8<br />

dazu wieder auf Hinzufügen und markieren<br />

Sie die Checkbox Maximale Größe. Klicken<br />

Sie auf Weiter und überprüfen Sie, ob<br />

Partition formatieren markiert und Ext4 als<br />

Dateisystem vorgeschlagen wird. Wenn<br />

das so ist, brauchen Sie hier nichts zu ändern.<br />

Der Punkt Partition einhängen sollte<br />

bereits markiert sein, aber den Einhängepunkt<br />

ändern Sie selbst auf /home. Um<br />

diese Partition zu verschlüsseln, aktivieren<br />

Sie die Checkbox Geräte-Verschlüsselung –<br />

dann fragt YaST Sie nach einem Passwort<br />

für den Zugriff.<br />

Nach einem Klick auf Beenden sollten Sie jetzt<br />

unter Typ mindestens vier Einträge sehen: Extended,<br />

Swap und zweimal Linux native (sowie<br />

die eventuell schon vorhandenen Windows-Partitionen).<br />

Sind Sie mit der Partitionierung<br />

fertig, führt Sie ein Klick auf Übernehmen<br />

wieder zum Dialog Vorschlag für Partitionierung<br />

zurück. Hier setzen Sie die Installation<br />

mit einem Klick auf Weiter fort.<br />

Letzte Schritte<br />

Im Dialog Neuen Benutzer erstellen geben Sie<br />

Ihren Namen, einen Loginnamen (Benutzername)<br />

und ein Passwort an. In der Grundeinstellung<br />

wird hier die Automatische Anmeldung<br />

vorgeschlagen. Dementsprechend wird<br />

Abb. 7: Die Belohnung aller Mühen: OpenSuse 12.2 präsentiert sich nach der Installation<br />

mit seinem aktuellen KDE-SC-4-Desktop.<br />

von dem Benutzer beim Systemstart kein Passwort<br />

verlangt. Möchten Sie aber doch, dass<br />

das System nur nach Eingabe des Passworts<br />

gestartet wird, entfernen Sie hier die Markierung.<br />

In der Grundeinstellung benutzt Open-<br />

Suse das angegebene Passwort auch für den<br />

Systemverwalter root. Möchten Sie für root ein<br />

separates Passwort vergeben, entfernen Sie die<br />

Markierung vor der Option Dieses Passwort für<br />

den Systemadministrator verwenden.<br />

Es folgt der Dialog Installationseinstellungen.<br />

Er listet nochmals sämtliche Punkte auf, die<br />

YaST durchführen wird. Per Mausklick auf<br />

eine der grünen Überschriften oder über die<br />

Drop-down-Liste Ändern können Sie die Einstellungen<br />

anpassen. Wählen Sie in diesem<br />

Dialog Abbrechen, startet YaST den Rechner<br />

nach einer kurzen Rückfrage neu, ohne am<br />

System etwas zu ändern. Nach einem Klick<br />

auf Installieren und einer nochmals mit Installieren<br />

zu beantwortenden Sicherheitsabfrage<br />

(Abbildung 6) richtet YaST die ausgewählten<br />

Partitionen ein und kopiert die Software von<br />

der DVD auf die Festplatte. Der Vorgang dauert<br />

je nach Leistungsfähigkeit des Rechners<br />

zwischen 20 und 30 Minuten. Sie sehen dabei<br />

eine kleine Diashow mit den wichtigsten Features<br />

von OpenSuse 12.2.<br />

Nachdem YaST die ausgewählten Pakete installiert<br />

hat, bootet das System. Da sich die<br />

DVD noch im Laufwerk befindet, sehen Sie<br />

nun wieder den Startbildschirm der Open-<br />

Suse-DVD. Drücken Sie hier einfach [Eingabe],<br />

um von der Festplatte zu booten. Haben<br />

Sie an den Einstellungen zur automatischen<br />

Konfiguration nichts geändert, richtet<br />

YaST nun automatisch die zentralen Hardwarekomponenten<br />

wie Netzwerk-, Grafikund<br />

Soundkarte ein. Nach Klicks auf Weiter<br />

und Beenden startet OpenSuse die grafische<br />

Oberfläche KDE (Abbildung 7). (hge) n<br />

Infos<br />

[1] OpenSuse: http:// www. opensuse. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4d1)<br />

[2] Download: http:// software. opensuse.<br />

org/ (http:// ezlx. de/ c4d2)<br />

Abb. 6: Jetzt wird es ernst: Klicken Sie hier auf „Installieren“, richtet YaST OpenSuse<br />

ein. Wählen Sie „Zurück“ und dann „Abbrechen“, bleibt das System unverändert.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

OpenSuse 12.2<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

29


TITEL<br />

Verschlüsselung<br />

Grundlagen der Verschlüsselung<br />

Vertraulich!<br />

© Stuart Miles, 123rf.com<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Datenübertragungen laufen im Internet oft im Klartext ab, Angreifer könnten theoretisch<br />

mitlesen. Darum setzen viele Dienste auf Verschlüsselung. Was dabei eigentlich passiert,<br />

verrät diese Einführung.<br />

Den Versand einer E-<strong>Mail</strong> vergleicht<br />

man oft mit der klassischen Postkarte:<br />

Beide enthalten eine Empfängerangabe,<br />

ohne die das <strong>Mail</strong>system (bzw. die<br />

Postmitarbeiter) keine Chance hätten, die<br />

Nachricht zuzustellen, und in beiden Fällen<br />

GLOSSAR<br />

Sniffer: Ein Sniffer ist ein Programm,<br />

das Netzwerkverkehr mitlesen und<br />

auswerten kann. Es nutzt die Eigenschaft<br />

lokaler Netzwerke, dass dort<br />

Datenpakete prinzipiell an jeden Rechner<br />

übertragen werden – normalerweise<br />

verwerfen die meisten Rechner<br />

diese Pakete, weil sie erkennen, dass<br />

sie nicht der Empfänger sind. Sniffer<br />

schalten die Netzwerkkarte in einen<br />

Modus, in dem sie jedes Paket annimmt.<br />

Solche Tools sind für die Fehleranalyse<br />

in Netzen sinnvoll, dienen<br />

aber auch als Angriffsprogramme.<br />

ist die eigentliche Botschaft für jeden lesbar,<br />

der die <strong>Mail</strong> oder Postkarte in die Hand bekommt.<br />

Darum verschickt man vertrauliche<br />

Botschaften nicht als Postkarten, sondern<br />

steckt sie in einen Briefumschlag und hofft,<br />

dass diesen niemand öffnet. Nicht nur für E-<br />

<strong>Mail</strong>s, sondern auch für viele andere Internetdienste<br />

gilt, dass die Nachrichten<br />

im Klartext übertragen<br />

werden. Damit hat jeder,<br />

der z. B. im Netzwerk einen<br />

Sniffer installieren kann, die<br />

Möglichkeit, solche Nachrichten<br />

abzufangen und zu<br />

lesen, eventuell sogar verändert<br />

weiterzugeben. Das ist<br />

unschön und damit einer der<br />

Gründe, aus denen es Verschlüsselungstechniken<br />

gibt.<br />

Verschlüsselt<br />

Ein ganzer Teilbereich der<br />

Informatik, die Kryptografie<br />

(griechisch: geheim schreiben), beschäftigt<br />

sich damit, wie man Botschaften von einem<br />

Sender zum Empfänger bringen kann, ohne<br />

dass Dritte (die wir Angreifer nennen) die<br />

Nachricht lesen oder verändern können.<br />

Verschlüsselung läuft so ab, dass mit einem<br />

festgelegten Verfahren die Nachricht vor dem<br />

Abb. 1: Bei symmetrischer Verschlüsselung dient derselbe<br />

Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln.<br />

Quelle: Wikipedia, Benutzer „Bananenfalter“<br />

32 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Verschlüsselung<br />

TITEL<br />

Versand in eine unlesbare, verschlüsselte<br />

Form umgewandelt<br />

wird. Diese macht sich dann auf<br />

die Reise, und der Empfänger<br />

muss sie zunächst entschlüsseln<br />

(also die Verschlüsselung rückgängig<br />

<strong>machen</strong>), bevor er sie lesen<br />

kann (Abbildung 1). Die<br />

ursprüngliche Botschaft nennt<br />

man „Klartext“, für die verschlüsselte<br />

Variante ist der Begriff<br />

„Geheimtext“, manchmal<br />

auch das englische Wort „Ciphertext“,<br />

üblich.<br />

Nun kann ein Angreifer den Geheimtext<br />

während der Übertragung<br />

immer noch abfangen, darum<br />

ist es wichtig, dass er ihn<br />

nicht mit geringem Aufwand entschlüsseln<br />

kann (Abbildung 2).<br />

Deshalb hängt das Ergebnis einer<br />

Verschlüsselung nie nur<br />

vom Klartext ab, sondern man<br />

setzt zusätzlich einen Schlüssel<br />

(oder ein Schlüsselpaar) ein:<br />

Tauscht man den Schlüssel aus,<br />

ändert sich auch der erzeugte<br />

Geheimtext.<br />

In einfachen Verschlüsselungsverfahren müssen<br />

sich Sender und Empfänger auf einen gemeinsamen<br />

Schlüssel einigen, der sowohl<br />

zum Ver- als auch zum Entschlüsseln benutzt<br />

wird. Solche Verfahren heißen „symmetrisch“,<br />

weil sie in beiden Richtungen denselben<br />

Schlüssel verwenden. Einen gemeinsamen<br />

Schlüssel zu verwenden, macht aber die<br />

Aufgabe komplizierter, wenn Sender und<br />

Empfänger sich nicht vorab treffen können,<br />

um diesen Schlüssel zusammen auszuwählen.<br />

Es ist dann ein separater (<strong>sicher</strong>er) Kommunikationsweg<br />

nötig.<br />

Abb. 2: Eine verschlüsselte <strong>Mail</strong> in Thunderbird: Ohne den privaten GPG-Schlüssel sieht man nur unverständliche<br />

Buchstaben.<br />

Asymmetrische Verschlüsselung<br />

Darum gibt es als Alternative die asymmetrischen<br />

(nicht-symmetrischen) Verschlüsselungsverfahren,<br />

die immer ein Schlüsselpaar<br />

einsetzen: Jeder Teilnehmer in einem solchen<br />

System besitzt sowohl einen privaten als auch<br />

einen öffentlichen Schlüssel. Der öffentliche<br />

dient zum Verschlüsseln einer Botschaft, mit<br />

dem privaten erhält man später den Klartext<br />

zurück (Abbildung 3). Solange Sie nur selbst<br />

mit Klar- und Geheimtexten experimentieren,<br />

reicht dieses eine Schlüsselpaar aus; Sie können<br />

damit aber keine Nachrichten für eine andere<br />

Person verarbeiten: Würden Sie eine<br />

Nachricht mit Ihrem eigenen öffentlichen<br />

Schlüssel verschlüsseln und dann verschicken,<br />

könnte der Empfänger damit nichts anfangen<br />

– ihm fehlt der private Schlüssel zum<br />

Entschlüsseln. Sie brauchen in dieser Situation<br />

stattdessen den öffentlichen Schlüssel des<br />

Empfängers.<br />

Die Namen für die Schlüssel sind also passend<br />

gewählt:<br />

l Jeder hält seinen privaten Schlüssel geheim,<br />

denn er dient dazu, Nachrichten zu<br />

entschlüsseln, die an ihn gerichtet sind.<br />

l Den öffentlichen Schlüssel macht man öffentlich,<br />

man kann ihn z. B. anderen Personen<br />

schicken, auf die eigene Webseite<br />

stellen oder bei speziellen Servern hinterlegen,<br />

die genau für diese Aufgabe eingerichtet<br />

wurden: Im Idealfall hat jede Person<br />

Zugriff auf den öffentlichen Schlüssel<br />

einer Person und kann<br />

damit Nachrichten verschlüsseln,<br />

die an diese<br />

geschickt werden sollen.<br />

Bei diesen Verfahren müssen<br />

sich Sender und Empfänger<br />

also nicht vorher über<br />

einen gemeinsamen Schlüssel<br />

abstimmen, darum eignen<br />

sie sich besonders gut<br />

für den Versand von <strong>Mail</strong>s –<br />

auch an Empfänger, mit denen<br />

man bisher gar keinen<br />

Kontakt hatte, sofern sich<br />

deren öffentlicher Schlüssel<br />

beschaffen lässt.<br />

Anwendungsgebiete<br />

Die klassische Anwendung für asymmetrische<br />

Verschlüsselung ist der <strong>Mail</strong>versand mit PGP<br />

bzw. GPG, wie wir ihn im Artikel ab Seite 36<br />

beschreiben. Doch gibt es noch viele weitere<br />

Einsatzmöglichkeiten. Ab Seite 44 stellen wir<br />

das Programm RetroShare vor: Mit diesem Instant<br />

Messenger können Sie chatten und ausgewählten<br />

Gesprächspartnern auch Dateien<br />

zum Download anbieten. Das Programm verschlüsselt<br />

solche Dateien vor der Übertragung,<br />

beim Empfänger werden sie wieder entschlüsselt.<br />

Damit eignet sich das Programm zum<br />

File Sharing im Freundeskreis; kein Dritter<br />

kann auf Ihre freigegebenen Dateien zugreifen.<br />

Wer die Datenübertragung über das In-<br />

Abb. 3: Asymmetrische Verschlüsselung nutzt zwei<br />

Schlüssel: Der öffentliche ver-, der private entschlüsselt.<br />

Quelle: Wikipedia, Benutzer „Bananenfalter“<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

33


TITEL<br />

Verschlüsselung<br />

GPG kann diese beiden Verfahren auch kombinieren<br />

und damit <strong>Mail</strong>s verschicken, welche<br />

nur der Empfänger lesen kann und für die er<br />

gleichzeitig prüfen kann, dass sie tatsächlich<br />

vom angeblichen Absender stammen.<br />

Im Zusammenhang mit der „elektronischen<br />

Signatur“ [2] werden diese Methoden immer<br />

wichtiger, weil Sie damit in Zukunft rechtswirksam<br />

Briefe als E-<strong>Mail</strong> verschicken können,<br />

z. B. an Behörden.<br />

Abb. 4: TrueCrypt erlaubt komfortabel das Einrichten eines verschlüsselten Verzeichnis-<br />

Containers, den Sie an einer beliebigen Stelle einhängen (mounten) können.<br />

ternet abfängt, sieht nur Datenmüll, weil er<br />

den zum Entschlüsseln nötigen privaten<br />

Schlüssel nicht besitzt.<br />

Mit GPG können Sie auch händisch Dateien<br />

verschlüsseln und dann z. B. als Backup bei<br />

einem Webspace-Anbieter parken, dem Sie<br />

nicht vertrauen. Sollte der Provider nicht ausreichend<br />

<strong>sicher</strong> mit Ihren Daten umgehen, bedeutet<br />

das dann kein Risiko. Wie Sie unter Linux<br />

Dateien mit GPG ver- und entschlüsseln,<br />

verrät der Artikel ab Seite 54.<br />

So genannte Hybridverfahren setzen symmetrische<br />

und asymmetrische Verschlüsselung<br />

ein: Sie tun das, weil symmetrische Verfahren<br />

in der Regel schneller arbeiten (also weniger<br />

Rechenzeit benötigen), was sie für das Verschlüsseln<br />

sehr großer Datenmengen interessant<br />

macht. Das Problem, einen gemeinsamen<br />

Schlüssel finden zu müssen, löst man dann,<br />

indem man für den Schlüsselaustausch ein<br />

(langsameres) asymmetrisches Verfahren einsetzt.<br />

Das ist dann aber nur am Anfang der<br />

Datenübertragung nötig; sobald sich beide<br />

Seiten auf einen gemeinsamen Schlüssel geeinigt<br />

haben, nutzen sie für den Rest der Übertragung<br />

das symmetrische Verfahren.<br />

Verschlüsselte Platte<br />

Statt einzelne Dateien zu verschlüsseln, bevorzugen<br />

es viele Anwender, eine ganze Plattenpartition<br />

zu verschlüsseln. Beim Zugriff<br />

auf eine solche Partition müssen die Daten<br />

dann „on the fly“ verschlüsselt (beim Schreiben)<br />

bzw. entschlüsselt (beim Lesen) werden.<br />

Linux enthält bereits die nötige Software, um<br />

dies zu tun, es ist aber nicht ganz leicht, dieses<br />

Feature nachzurüsten.<br />

Bei der Installation von OpenSuse und Kubuntu<br />

kann man angeben, dass die Home-<br />

Partition (mit den privaten Nutzerdaten) verschlüsselt<br />

wird. Wer nachträglich zumindest<br />

einen Ordner einrichten möchte, der alle dort<br />

abgelegten Dateien automatisch verschlüsselt,<br />

greift am besten auf TrueCrypt (Abbildung 4)<br />

zurück, das ein komfortables Setupprogramm<br />

mitbringt; Details verrät ein älterer TrueCrypt-<br />

Artikel [1].<br />

Digitale Unterschriften<br />

Neben dem Verschlüsseln werden asymmetrische<br />

Verfahren auch oft zum Signieren von<br />

Nachrichten eingesetzt: Hierbei kehrt sich die<br />

Rolle von privaten und öffentlichen Schlüsseln<br />

um; der Absender verwendet seinen privaten<br />

Schlüssel zum Signieren (nur er ist dazu<br />

in der Lage, weil keine andere Person diesen<br />

Schlüssel hat), und der Empfänger kann dann<br />

mit Hilfe des öffentlichen Schlüssels (vom Absender)<br />

prüfen, ob wirklich er diese „Unterschrift“<br />

geleistet hat.<br />

Komfort versus Sicherheit<br />

In der Praxis haben viele Anwender keine<br />

Lust, Verschlüsselungsfunktionen für ihre<br />

Übertragungswege zu aktivieren: Das liegt daran,<br />

dass es meist mit einigem Aufwand verbunden<br />

ist. Dieses Problem gibt es im ganzen<br />

IT-Sicherheitsbereich: Darum funktioniert<br />

Phishing so gut, und darum gibt es diverse<br />

Botnetze, welche die (meist Windows-betriebenen)<br />

Computer von zigtausend Privatanwendern<br />

zu leistungsfähigen, aus der Ferne<br />

kontrollierten Netzen von Angriffs- oder<br />

Spam-Schleuder-Maschinen bündeln.<br />

Die Frage ist immer, welchen Preis Anwender<br />

für das Erhöhen der Sicherheit zahlen müssen.<br />

Ansätze, die hier die Hürden zu hoch legen,<br />

indem sie komplexe und unverständliche<br />

Konfigurationen erfordern, scheitern automatisch,<br />

weil sich nur ein geringer Teil der Anwender<br />

auf diese Strapazen einlässt.<br />

Ein besonderes Problem bei verschlüsselter<br />

Kommunikation bleibt, dass diese nur funktioniert,<br />

wenn beide Seiten die Funktionen<br />

nutzen wollen. Der <strong>sicher</strong>heitsbewussteste<br />

Anwender hat also keine Chance, wenn alle<br />

Kollegen und Freunde nur <strong>Mail</strong>s im Klartext<br />

senden und empfangen können. Zumindest<br />

bei E-<strong>Mail</strong>s etabliert sich Verschlüsselung<br />

aber allmählich als üblich – wenn Sie Ihr<br />

<strong>Mail</strong>programm für die Nutzung von GPG vorbereiten<br />

und in Ihren E-<strong>Mail</strong>s in den Fußzeilen<br />

darauf hinweisen, verbessern Sie damit<br />

die Lage: Vielleicht kommen dann schon bald<br />

die ersten <strong>Mail</strong>s <strong>sicher</strong> und unabhörbar auf<br />

Ihren Rechner. (hge)<br />

n<br />

Infos<br />

[1] TrueCrypt-Artikel: Mela Eckenfels,<br />

„Hinter Schloss und Riegel“,<br />

<strong>EasyLinux</strong> 01/ 2011, S. 52 ff.,<br />

http:// www. linux-community. de/<br />

artikel/ 22499 (http:// ezlx. de/ c4h1)<br />

[2] Wikipedia-Artikel zur elektronischen<br />

Signatur: http:// de. wikipedia. org/ wiki/<br />

Elektronische_Signatur<br />

(http:// ezlx. de/ c4h2)<br />

34 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


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TITEL<br />

E-<strong>Mail</strong> verschlüsseln<br />

S/ MIME und PGP mit Thunderbird<br />

Briefgeheimnis<br />

Entgegen der allgemeinen Auffassung ist E-<strong>Mail</strong> alles andere<br />

als ein Medium mit Privatsphäre. Die Nachrichten sind<br />

so geheim wie jede beliebige Postkarte. Mit den richtigen<br />

Hilfsmitteln sorgen Sie dennoch für Vertraulichkeit.<br />

© Roman Sigaev, 123RF.com<br />

Florian Effenberger<br />

Man sollte meinen, dass die E-<strong>Mail</strong>-<br />

Kommunikation – eine der ältesten<br />

Internettechnologien – nach<br />

jahrelanger Erprobung inzwischen <strong>sicher</strong> ist,<br />

doch das ist ein Trugschluss. Noch immer<br />

wandern die Nachrichten im Klartext durch<br />

die Netze. Technologien wie SSL/ TLS und<br />

STARTTLS bieten zwar eine schützende Hülle<br />

auf dem Weg zwischen zwei Servern; klemmt<br />

sich jedoch ein Angreifer beim Verhandeln<br />

der SSL-Schlüssel dazwischen, kann er die<br />

Nachrichten lesen.<br />

Das wohl größte Risiko besteht aber darin,<br />

dass Ihre Nachrichten im Klartext beim Provider<br />

landen, bevor Sie diese abholen. Da heutzutage<br />

die meisten Provider ein Webinterface<br />

anbieten, können Angreifer Ihre E-<strong>Mail</strong>s on-<br />

GLOSSAR<br />

SSL/ TLS: Mit Hilfe des Protokolls verschicken<br />

Sie verschlüsselt Daten über<br />

un<strong>sicher</strong>e Netzwerke (wie das Internet).<br />

SSL, das die bekannte Abkürzung<br />

für Secure Sockets Layer ist, wird seit<br />

Version 3.0 unter dem Kürzel TLS<br />

(Transport Layer Security) fortgeführt.<br />

line lesen, wenn sie Ihre Zugangsdaten in die<br />

Finger bekommen. Auch das ist nicht so abwegig<br />

wie Sie glauben: Immer wieder liest<br />

man von massenhaft gehackten Accounts, aus<br />

denen Angreifer E-<strong>Mail</strong>s kopieren. Auf Seiten<br />

wie Pastebin.com landen im Wochenrhythmus<br />

Listen mit geklauten Logindaten diverser<br />

Webseiten – darunter gelegentlich auch <strong>Mail</strong>dienste.<br />

Tatsächlich lagern Sie als Nutzer Ihre E-<strong>Mail</strong>s<br />

oft bewusst beim Provider. Der Vorteil: So<br />

greifen Sie via IMAP von beliebigen Rechnern<br />

weltweit auf diese E-<strong>Mail</strong>s zu. Wollen Sie sich<br />

vor Risiken schützen, können Sie Ihre E-<strong>Mail</strong>s<br />

verschlüsseln. Die entschlüsselten Versionen<br />

lesen Sie dann lediglich auf Ihrem privaten<br />

Client im Klartext. Die Frage ist nur, welche<br />

Technik ist die richtige?<br />

Grundlagen<br />

Zum besseren Verständnis <strong>machen</strong> Sie sich<br />

zunächst mit einigen Grundbegriffen vertraut.<br />

Nachrichten lassen sich entweder signieren,<br />

verschlüsseln oder auch beides gleichzeitig.<br />

Die Signatur funktioniert dabei ähnlich wie<br />

eine Unterschrift: Das Dokument bleibt für jedermann<br />

lesbar, erhält aber einen Herkunftsnachweis.<br />

Im Gegensatz zur normalen Unterschrift<br />

beweist die E-<strong>Mail</strong>-Signatur zugleich,<br />

dass die Nachricht nach dem Abschicken und<br />

Signieren nicht verändert wurde. Die Verschlüsselung<br />

hingegen schützt die E-<strong>Mail</strong> mit<br />

Hilfe von Kryptografie vor neugierigen Blicken<br />

Dritter. Die <strong>sicher</strong>ste Variante ist die Kombination<br />

beider Verfahren – eine Signatur bestätigt<br />

die Echtheit der Nachricht, deren Inhalt<br />

wiederum eine Verschlüsselung schützt.<br />

Für beide Varianten kommt ein Schlüsselpaar<br />

zum Einsatz, das aus einem privaten und einem<br />

öffentlichen Schlüssel besteht. Jeder der<br />

Schlüssel hat eine feste Funktion:<br />

l Der private Schlüssel dient Ihnen einerseits<br />

zum Dechiffrieren von verschlüsselten<br />

E-<strong>Mail</strong>s, die Sie erreichen. Andererseits<br />

„unterschreiben“ Sie damit Ihre eigenen<br />

E-<strong>Mail</strong>s, die Sie auf diese Weise signiert<br />

an die Kommunikationspartner schicken.<br />

l Mit Ihrem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt<br />

Ihr Gegenüber hingegen Nachrichten<br />

an Sie und überprüft die Korrektheit<br />

der Signaturen bei E-<strong>Mail</strong>s, die von<br />

Ihnen stammen.<br />

Den privaten Schlüssel speichern Sie auf<br />

Wunsch auf verschiedenen Medien, meist<br />

aber auf der Festplatte. Zunehmend finden<br />

aber auch Smartcards und USB-Tokens Ver-<br />

STARTTLS: Stellt im Gegensatz zu SSL<br />

erst einmal eine unverschlüsselte Verbindung<br />

her. Erst wenn sich Client und<br />

Server auf eine Verschlüsselung einigen,<br />

beginnt die <strong>sicher</strong>e Kommunikation.<br />

Abb. 1: Eine grüne Leiste im Kopfbereich einer E-<strong>Mail</strong> zeigt in Thunderbird: Diese E-<strong>Mail</strong><br />

wurde nicht durch eine dritte Partei verändert.<br />

36 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


E-<strong>Mail</strong> verschlüsseln<br />

TITEL<br />

breitung. Ein änderbares Kennwort – auch<br />

Passphrase genannt – schützt den Schlüssel<br />

vor Zugriffen durch Unbefugte.<br />

Etwas komplizierter wird das Ganze dadurch,<br />

dass es zwei verschiedene Standards zur E-<br />

<strong>Mail</strong>-Verschlüsselung gibt. Die meisten Programme<br />

– so auch Thunderbird – unterstützen<br />

von Haus aus das so genannte S/ MIME-<br />

Verfahren. Dabei stellt eine dem E-<strong>Mail</strong>-Client<br />

bekannte Zertifizierungsstelle ein Zertifikat<br />

für Sie aus, das Sie als Person eindeutig identifiziert.<br />

Das funktioniert ähnlich wie eine notarielle<br />

Beglaubigung; kostenfreie Zertifikate<br />

stellen verschiedene Anbieter aus, die wir<br />

weiter unten vorstellen.<br />

Demgegenüber steht das so genannte PGP-<br />

Verfahren, auch als GnuPG oder OpenPGP bekannt.<br />

Der große Unterschied besteht darin,<br />

dass Sie die nötigen Schlüssel selbst erstellen.<br />

Die Funktion der Zertifizierungsstelle nehmen<br />

andere PGP-Nutzer wahr: Sie bestätigen Ihre<br />

Identität. Je mehr Bestätigungen Sie vorweisen,<br />

desto vertrauenswürdiger sind Sie. Das<br />

Vertrauen liegt hier also nicht bei einem einzelnen<br />

Anbieter, sondern bei einer Gemeinschaft<br />

von Nutzern. Öffentliche Schlüsselserver<br />

speichern die einzelnen Schlüssel und deren<br />

Beglaubigungen. Ein großer Nachteil von<br />

PGP besteht allerdings darin, dass viele<br />

E-<strong>Mail</strong>-Programme zu dessen Nutzung eine<br />

separate Erweiterung benötigen.<br />

PGP mit Enigmail<br />

Unser Testsystem besteht aus Mozilla Thunderbird<br />

und der PGP-Erweiterung Enigmail.<br />

Benutzen Sie Thunderbird bereits, müssen Sie<br />

unter Kubuntu und OpenSuse 12.1/ 12.2 lediglich<br />

die Enigmail-Komponente installieren, die<br />

im Paket enigmail steckt. Andernfalls suchen<br />

Sie auf allen drei Systemen zusätzlich nach<br />

thunderbird. Wir zeigen nacheinander die Installation<br />

unter den Distributionen Kubuntu<br />

12.04 und OpenSuse 12.1/ 12.2.<br />

Um Thunderbird und Enigmail unter Kubuntu<br />

12.04 neu einzuspielen, klicken Sie<br />

1<br />

im KDE-Menü auf Rechner / Muon-Programmverwaltung,<br />

was die gleichnamige<br />

Anwendung auf den Schirm ruft.<br />

Tippen Sie nun thunder in das Suchfeld<br />

2<br />

oben rechts, erscheinen die Pakete Enigmail-Erweiterung<br />

für Thunderbird sowie<br />

Thunderbird <strong>Mail</strong>.<br />

Klicken Sie nacheinander auf beide und<br />

3<br />

dann rechts daneben auf Installieren, was<br />

die Software nach einer Passworteingabe<br />

auf den Rechner holt.<br />

Unter OpenSuse 12.1 und der neuen Version<br />

12.2 läuft das ganze Prozedere ähnlich ab, da<br />

ja auch OpenSuse KDE verwendet:<br />

Abb. 2: So sieht der Signaturblock einer mit PGP signierten Nachricht aus. Sie sehen<br />

ihn, wenn Sie den Quelltext der Nachricht betrachten.<br />

Hier klicken Sie auf das grüne Gecko-Icon<br />

1<br />

unten links, wählen dann Rechner / Software<br />

installieren/ entfernen und landen anschließend<br />

in der Paketverwaltung.<br />

Über die Suchzeile oben links fahnden Sie<br />

2<br />

erst nach enigmail und setzen beim angezeigten<br />

Paket ein Häkchen. Sie wiederholen<br />

das Prozedere mit thunderbird, wobei<br />

das Häkchen hier neben das Paket Mozilla-<br />

Thunderbird gehört.<br />

Der folgende Klick auf Akzeptieren unten<br />

3<br />

rechts spielt die Pakete nach einer Auflistung<br />

der Änderungen auf den Rechner.<br />

Das Schlüsselpaar erzeugen<br />

Um Thunderbird zu starten, wählen Sie unter<br />

Kubuntu Anwendungen / E-<strong>Mail</strong>-Client (Thunderbird<br />

<strong>Mail</strong>/ News) aus dem K-Menü. Unter<br />

OpenSuse 12.1/ 12.2 finden Sie Thunderbird<br />

unter Anwendungen / Internet / E-<strong>Mail</strong>. Richten<br />

Sie nach einer Erstinstallation zunächst<br />

Ihr E-<strong>Mail</strong>-Konto ein und testen Sie, ob das<br />

Empfangen und Versenden von E-<strong>Mail</strong>s problemlos<br />

funktioniert. Die Kontodaten finden<br />

Sie meist etwas versteckt auf der Webseite Ihres<br />

E-<strong>Mail</strong>-Providers (Google, Yahoo, Web.de<br />

etc.), wenn Thunderbird nicht von sich aus<br />

die korrekten Daten vorschlägt.<br />

GLOSSAR<br />

IMAP: Das Internet Message Access Protocol<br />

erlaubt es Clients unter anderem,<br />

die E-<strong>Mail</strong>s auf dem Server zu speichern<br />

und zu verwalten. Der Client lädt zunächst<br />

nur die Überschriften herunter und erst<br />

bei Bedarf die vollständigen Inhalte.<br />

Smartcards: Auf diesen speziellen Chipkarten,<br />

die sich nur mit Hilfe geeigneter<br />

Hardware auslesen lassen, speichern Sie<br />

den privaten Schlüssel.<br />

Den Einstieg in die PGP-Verschlüsselung mit<br />

Thunderbird erleichtert Ihnen auf allen drei<br />

Systemen gleichermaßen der Assistent:<br />

Klicken Sie in der Menüzeile auf OpenPGP<br />

1<br />

/ OpenPGP-Assistent und bestätigen Sie die<br />

Wahl Ja, ich möchte vom Assistenten geholfen<br />

bekommen über Weiter.<br />

Benutzen Sie mehrere E-<strong>Mail</strong>-Konten, suchen<br />

Sie nun das aus, für das Sie die PGP-<br />

2<br />

Unterstützung benötigen.<br />

Im zweiten Dialogfenster wählen Sie Nein,<br />

3<br />

ich möchte in den Empfängerregeln festlegen,<br />

wann unterschrieben werden soll – andernfalls<br />

würde Enigmail jede Nachricht<br />

automatisch digital signieren. Klicken Sie<br />

abermals auf Weiter.<br />

Treffen Sie dieselbe Wahl auch für die Verschlüsselung<br />

(Nein, ich möchte …) und<br />

4<br />

wählen Sie erneut Weiter.<br />

Der Assistent bietet Ihnen nun an, die Einstellungen<br />

Ihres E-<strong>Mail</strong>-Kontos für PGP zu<br />

5<br />

optimieren, was Sie am besten akzeptieren.<br />

Nun entscheiden Sie, ob Sie ein neues<br />

6<br />

Schlüsselpaar erzeugen oder ob Sie bereits<br />

öffentliche und private Schlüssel besitzen,<br />

die Sie importieren möchten. Im Test haben<br />

wir die erste Option gewählt.<br />

USB-Tokens: Hier bewahrt ein kleiner USB-<br />

Stick das Passwort auf. Der Vorteil: Sie<br />

brauchen keinen Kartenleser, um an das<br />

Passwort zu gelangen.<br />

S/ MIME: Steht für Secure/Multipurpose Internet<br />

<strong>Mail</strong> Extensions, bezeichnet also<br />

eine <strong>sicher</strong>e E-<strong>Mail</strong>-Erweiterung. Das Multipurpose<br />

steht vermutlich dafür, dass<br />

S/ MIME zugleich das Signieren und Verschlüsseln<br />

von E-<strong>Mail</strong>s erlaubt.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

37


TITEL<br />

E-<strong>Mail</strong> verschlüsseln<br />

Abb. 3: Mit PGP verschlüsseln Sie Ihre Nachricht bei Bedarf auch – ohne den richtigen<br />

Key (und die passende Passphrase) ist sie dann nicht mehr lesbar.<br />

Das Hilfsprogramm fragt jetzt nach einer<br />

7<br />

Passphrase (einem Schlüsselwort), mit<br />

dem Sie Ihren privaten Schlüssel zukünftig<br />

schützen. Wählen Sie hier ein <strong>sicher</strong>es<br />

Passwort mit Sonderzeichen und Zahlen.<br />

Nun zeigt der Assistent alle gewählten Optionen,<br />

was Sie mit Weiter absegnen. Um<br />

8<br />

das Schlüsselpaar zu erstellen, sammelt<br />

PGP Zufallsdaten, während Sie weiterarbeiten.<br />

Dieser Prozess kann unter Kubuntu<br />

eine Weile (Minuten) dauern, unter Open-<br />

Suse brauchte er nur Sekunden.<br />

Abschließend erscheint recht schnell ein<br />

9<br />

Fenster in dem Sie auf Zertifikat erzeugen<br />

klicken. So speichern Sie ein Widerrufszertifikat<br />

(mit der Endung rev.asc) an einem<br />

<strong>sicher</strong>en Ort. Wird Ihr Schlüssel einmal<br />

missbraucht, erklären Sie ihn mit Hilfe des<br />

Zertifikats für ungültig und wenden so im<br />

Notfall weitere Schäden ab.<br />

Das war es im Prinzip. Der Assistent fragt<br />

nochmal nach der in Schritt 7 festgelegten<br />

Passphrase und gratuliert Ihnen nach zwei<br />

weitere Klicks dazu, stolzer Besitzer eines<br />

PGP-Schlüssels zu sein.<br />

an sich selbst. Beim Verfassen einer neuen<br />

<strong>Mail</strong> fällt Ihnen ein neuer Menüpunkt namens<br />

OpenPGP nebst Icon ins Auge. Klicken Sie darauf<br />

und wählen Sie Nachricht unterschreiben,<br />

zeigt ein Schlüssel in der Statuszeile an, dass<br />

Thunderbird die Nachricht signiert.<br />

Kurze Zeit nach dem Versand, vor dem Sie Ihr<br />

in Schritt 7 angelegtes Passwort angeben,<br />

taucht die Nachricht im Posteingang auf. In<br />

der <strong>Vorschau</strong> bzw. im Nachrichtenfenster<br />

zeigt eine grüne Leiste, dass es sich um eine<br />

unveränderte E-<strong>Mail</strong> handelt (Abbildung 1).<br />

Hätten Dritte die E-<strong>Mail</strong> auf dem Weg manipuliert,<br />

erschiene dort eine rote Leiste.<br />

Klicken Sie zum besseren Verständnis auf Ansicht<br />

/ Nachrichten-Quelltext. Hier sehen Sie,<br />

welchen Weg die Nachricht im Internet zurückgelegt<br />

hat – auf diese Informationen kann<br />

auch ein Empfänger ohne PGP zugreifen. Den<br />

unverschlüsselten Nachrichtentext rahmt dabei<br />

der Signaturblock ein (Abbildung 2).<br />

Um die Nachricht vor den neugierigen Blicken<br />

Dritter zu schützen, verschlüsseln Sie diese<br />

im nächsten Versuch. Schreiben Sie dazu wieder<br />

eine E-<strong>Mail</strong> an sich selbst, wählen Sie<br />

diesmal aber OpenPGP / Nachricht verschlüsseln.<br />

Unten in der <strong>Mail</strong> erscheint dann ein<br />

Schlüsselsymbol, ansonsten passiert nichts<br />

weiter. Erst wenn Sie die E-<strong>Mail</strong> abschicken,<br />

verschlüsselt die Software die Nachricht. Um<br />

das zu tun, benötigt sie allerdings den öffentlichen<br />

Schlüssel Ihres Gesprächspartners,<br />

sonst sendet Thunderbird die Nachricht nicht.<br />

Schicken Sie die E-<strong>Mail</strong> an sich selbst, erscheint<br />

die Abfrage nicht, da Thunderbird Ihren<br />

Schlüssel ja kennt.<br />

Beim Öffnen der eigenen Nachricht im Posteingang<br />

fragt Thunderbird nach der Passphrase<br />

für Ihren privaten Schlüssel (Abbildung<br />

3). Wie Sie sich erinnern, benötigt<br />

Thunderbird zum Dechiffrieren der E-<strong>Mail</strong><br />

den privaten Schlüssel, den Sie ja zusätzlich<br />

durch ein Kennwort abge<strong>sicher</strong>t haben. Der<br />

Nachrichtenquelltext zeigt auch, dass Thun-<br />

Abb. 4: Bekommen Sie eine E-<strong>Mail</strong> von einem PGP-Nutzer, bei dem der öffentliche<br />

Schlüssel fehlt, …<br />

Die erste <strong>sicher</strong>e E-<strong>Mail</strong><br />

Um die Grundfunktionen von PGP zu erfassen,<br />

schicken Sie am besten eine Test-E-<strong>Mail</strong><br />

GLOSSAR<br />

Fingerprint: Öffentliche Schlüssel sind<br />

oft sehr lang (meist 1 024 Zeichen).<br />

Um sie einfacher zu identifizieren, gibt<br />

es Fingerabdrücke, die nur 128 oder<br />

160 Bits lang sind.<br />

Abb. 5: … laden Sie diesen einfach von einem der zahlreichen Keyserver herunter.<br />

38 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


E-<strong>Mail</strong> verschlüsseln<br />

TITEL<br />

Abb. 6: Neben Comodo bietet auch StartCom ein kostenloses E-<strong>Mail</strong>-Zertifikat an. Wie<br />

Sie das vom Browser in das E-<strong>Mail</strong>-Programm transferieren, lesen Sie weiter unten.<br />

derbird den E-<strong>Mail</strong>-Inhalt nicht mehr im Klartext<br />

übermittelt – nur noch der legitime Empfänger<br />

darf den Inhalt lesen.<br />

Schlüssel verwalten und verifizieren<br />

Das waren nur lokale Tests. Für den Kontakt<br />

mit der Außenwelt ist es jedoch wichtig, Ihren<br />

Schlüssel auf einen Schlüsselserver zu laden.<br />

Schickt ein Dritter eine chiffrierte Nachricht<br />

an Sie oder will Ihre Signatur überprüfen,<br />

kann er den dazu nötigen Schlüssel einfach<br />

mit dem auf dem Server abgleichen (Abbildung<br />

4 und 5). Sie laden einen Schlüssel<br />

hoch, indem Sie OpenPGP / Schlüssel verwalten<br />

wählen und die Option Standardmäßig<br />

alle Schlüssel anzeigen ankreuzen. Sie wählen<br />

Ihren Schlüssel aus und dann aus dem Kontextmenü<br />

die Funktion Auf Schlüssel-Server<br />

hochladen. Es empfiehlt sich, gleich mehrere<br />

Server mit Ihrem Key zu versorgen. Ihr Gegenüber<br />

hat nun die Chance, Ihren Schlüssel<br />

von einem Server herunterzuladen. Verfassen<br />

Sie jedoch eine verschlüsselte E-<strong>Mail</strong> an ein<br />

Gegenüber, öffnet sich dasselbe Fenster und<br />

Sie holen den Schlüssel über Fehlende Schlüssel<br />

herunterladen von einem der Server.<br />

Als wesentliche Anlaufstelle in der Schlüsselverwaltung<br />

(auch Schlüsselring genannt) erweisen<br />

sich die Einstellungen, die Sie über<br />

OpenPGP / Schlüssel verwalten erreichen. Dort<br />

finden Sie alle bekannten Schlüssel, ergänzt<br />

um Namen, E-<strong>Mail</strong>-Adressen und weitere Informationen<br />

zur Person, zu welcher der<br />

Schlüssel gehört. Sie verwalten hier Ihre eigenen<br />

Signaturen, bestätigen die Identität von<br />

anderen und finden auch den so genannten<br />

Fingerprint, über den Sie einen Schlüssel eindeutig<br />

identifizieren (Eintrag Schlüsseleigenschaften<br />

im Kontextmenü).<br />

Hilfreich ist auch die Möglichkeit, Schlüsseln<br />

verschiedene Vertrauensstufen zuzuweisen.<br />

Wie das funktioniert und welche weiteren<br />

Möglichkeiten PGP bietet, erklären sowohl ein<br />

englischsprachiges Enigmail-Handbuch [1] als<br />

GLOSSAR<br />

Zertifikate: Ein digitales Zertifikat soll<br />

die Identität seines Inhabers bestätigen,<br />

was daher meist ein externer Anbieter<br />

übernimmt.<br />

COMODO-ZERTIFIKAT<br />

Wir zeigen, wie Sie testweise ein „Free Email<br />

Certificate“ von Comodo generieren. Auf der<br />

Webseite [6] geben Sie den Vor- und Nachnamen<br />

sowie Ihre E-<strong>Mail</strong>-Adresse an. Achten<br />

Sie darauf, dass die Daten mit denen Ihres<br />

E-<strong>Mail</strong>-Kontos absolut identisch sind, andernfalls<br />

schlägt die spätere Überprüfung fehl.<br />

Auch sollten Sie alles auf demselben Rechner<br />

erledigen, da Comodo im Browser einen<br />

Schlüssel hinterlegt und Sie das Zertifikat<br />

nur über diesen Browser erhalten. Die<br />

Schlüssellänge belassen Sie bei der Voreinstellung<br />

hochgradig. Genauso wie bei PGP<br />

widerrufen Sie auch Comodo-Zertifikate – allerdings<br />

nicht mit Hilfe einer speziellen Datei.<br />

Vielmehr legen Sie dazu ein Passwort<br />

auf der Webseite fest. Setzen Sie dann ein<br />

Häkchen bei I ACCEPT the terms of this<br />

Subscriber Agreement und klicken Sie auf<br />

Next, beginnt der Prozess.<br />

Dritter; wählen Sie es daher mit Bedacht.<br />

Firefox erstellt nun den privaten Schlüssel<br />

und legt ihn in seinem Schlüsselring ab, der<br />

hier Zertifikatsverwaltung heißt. Um das fertige<br />

Zertifikat und die Beglaubigung zu erhalten,<br />

öffnen Sie Ihren Posteingang: Comodo<br />

schickt Ihnen nach der Anmeldung eine<br />

E-<strong>Mail</strong> mitsamt Link (Abbildung 7). In ein<br />

Firefox-Formular tragen Sie nun Ihre E-<strong>Mail</strong>-<br />

Adresse und das zugeschickte Passwort ein.<br />

Anschließend meldet der Browser, er habe<br />

das persönliche Zertifikat soeben installiert.<br />

Zunächst fragt Ihr Browser – in unserem Beispiel<br />

Firefox – nach einem Passwort für die<br />

Zertifikatsdatenbank, auch Masterpasswort<br />

genannt. Ähnlich wie bei PGP schützt dieses<br />

Ihren Schlüssel vor einem unbefugten Zugriff<br />

Abb. 7: Einen Link zum Abholen des erstellten Zertifikats erhalten Sie nach einer Anmeldeprozedur<br />

per E-<strong>Mail</strong>. Wickeln Sie alle Schritte auf demselben Rechner ab.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

39


TITEL<br />

E-<strong>Mail</strong> verschlüsseln<br />

Abb. 8: Das Zertifikat wurde erfolgreich aus Firefox exportiert und befindet sich nun in<br />

der Zertifikatsverwaltung von Thunderbird.<br />

auch die deutschsprachige Beschreibung auf<br />

der Webseite Thunderbird-<strong>Mail</strong>.de [2].<br />

S/ MIME: Selbstzertifizierung<br />

Neben PGP beherrscht Thunderbird auch den<br />

Verschlüsselungsstandard S/ MIME. Auch dieser<br />

benötigt ein Schlüsselpaar, das Thunderbird<br />

zusammen mit der Unterschrift eines<br />

(meist kommerziellen) Zertifikate-Anbieters<br />

speichert. Ungewöhnlich ist, dass Sie das Zertifikat<br />

zunächst im Browser speichern, um es<br />

dann in Thunderbird zu importieren. Preise<br />

und Leistungen der Zertifikateanbieter variieren<br />

sehr stark, und nicht alle Programme unterstützen<br />

sämtliche Zertifikate. Aus Sicht des<br />

Autors empfehlen sich kostenlose StartSSL-<br />

Zertifikate [3], die allerdings nicht wirklich<br />

aussagekräftig sind.<br />

Nach Eingabe einiger Daten und der Bestätigung<br />

eines Links per E-<strong>Mail</strong> benötigt die Firma<br />

nach eigenen Angaben bis zu sechs Stunden,<br />

um Ihnen eines der freien Zertifikate zuzuschicken<br />

– im Test dauerte es nur ein paar Minuten.<br />

Die Zertifikate gelten für ein Jahr. Sie<br />

erhalten sie nur, wenn Sie sich mit einer privaten<br />

Adresse anmelden; die angegebene Firmenadresse<br />

monierte der Anbieter im Test.<br />

Folgen Sie den Instruktionen auf der Webseite,<br />

installiert Firefox am Ende ein individuelles<br />

Zertifikat (Abbildung 6).<br />

Als Alternative kommt ein ebenfalls kostenfreies<br />

Zertifikat von Comodo [4] in Frage<br />

(siehe Kasten Comodo-Zertifikat). In bester<br />

Community-Manier (und <strong>sicher</strong>er als bei Comodo<br />

und StartSSL) funktionieren die freien<br />

Zertifikate von CAcert [5], die aber bisher leider<br />

nur wenige Programme unterstützen.<br />

In Firefox finden Sie nun also sowohl Ihren<br />

privaten Schlüssel als auch den öffentlichen<br />

Schlüssel mitsamt der Beglaubigung einer<br />

Zertifizierungsstelle. Jetzt gilt es, das alles in<br />

Thunderbird zu exportieren, um damit <strong>Mail</strong>s<br />

zu signieren und zu verschlüsseln. Das, was<br />

Sie in Thunderbirds PGP-Modul als Schlüsselmanager<br />

kennen, trägt in Firefox die Bezeichnung<br />

Zertifikatsverwaltung. Diese finden Sie<br />

unter Bearbeiten / Einstellungen / Erweitert /<br />

Verschlüsselung / Zertifikate anzeigen / Ihre<br />

Zertifikate. Haben Sie das Comodo- bzw.<br />

StartSSL-Zertifikat korrekt erhalten, erscheint<br />

dort ein Eintrag COMODO CA Limited oder<br />

StartCom Ltd. mit einem Ablaufdatum in einem<br />

Jahr. Markieren Sie diesen Eintrag, klicken<br />

Sie auf Sichern und wählen Sie einen<br />

Dateinamen mit der Endung .p12, unter dem<br />

Sie das Zertifikat speichern.<br />

Firefox fragt Sie nun nach einem Passwort,<br />

mit dem es die Datei verschlüsseln soll. Das<br />

ist in der Tat verwirrend: Bisher haben Sie ein<br />

Kennwort für den Widerruf des Zertifikats direkt<br />

bei Comodo vergeben und unter Umständen<br />

ein zweites Kennwort, mit dem Firefox<br />

seinen Schlüsselring bzw. Zertifikatsspeicher<br />

ab<strong>sicher</strong>t. Das Passwort, das Sie nun festlegen,<br />

dient dazu, die Sicherungsdatei zu verschlüsseln<br />

– Sie werden es im nächsten Schritt<br />

benötigen. Hat Firefox den erfolgreichen Export<br />

gemeldet, starten Sie Thunderbird und<br />

öffnen auch dort den Zertifikatsmanager über<br />

Bearbeiten / Einstellungen / Erweitert / Zertifikate<br />

/ Zertifikate / Ihre Zertifikate.<br />

Zunächst begrüßt Sie gähnende Leere, der Sie<br />

mit einem Klick auf Importieren begegnen.<br />

Wählen Sie die gerade erstellte .p12-Datei aus<br />

und geben Sie das eben festgelegte Passwort<br />

ein. Thunderbird meldet im Anschluss den erfolgreichen<br />

Import, und der Zertifikatsmanager<br />

füllt sich (Abbildung 8). Abschließend<br />

verdonnern Sie Thunderbird noch dazu, dieses<br />

Zertifikat fortan zu verwenden. Dazu öffnen<br />

Sie Bearbeiten / Konten-Einstellungen /<br />

S/ MIME-Sicherheit und klicken neben Digitale<br />

Unterschrift auf Auswählen. Im folgenden Dialog<br />

präsentiert Thunderbird Ihr Zertifikat, das<br />

Sie am einfachsten anhand der E-<strong>Mail</strong>-Adresse<br />

in der ersten Zeile identifizieren (Abbildung<br />

9). Thunderbird fragt Sie dann, ob Sie Ihre E-<br />

<strong>Mail</strong>s mit dem Zertifikat auch verschlüsseln<br />

wollen – bejahen Sie das.<br />

Signieren, die Zweite<br />

Jetzt ist es an der Zeit, die erste E-<strong>Mail</strong> mit der<br />

S/ MIME-Technologie zu signieren. So kompliziert<br />

das Besorgen des Zertifikats bisher war,<br />

umso einfacher ist die tägliche Benutzung. Sie<br />

weist zudem viele Parallelen zu PGP auf. Öffnen<br />

Sie ein Nachrichtenfenster und verfassen<br />

Sie erneut eine E-<strong>Mail</strong> an sich selbst. Klicken<br />

Sie anschließend im Menü oder in der Symbolleiste<br />

auf den Punkt S/ MIME und wählen<br />

Sie Nachricht unterschreiben. Ein weißer Briefumschlag<br />

mit rotem Siegel rechts in der Statuszeile<br />

signalisiert Ihnen, dass das Signieren<br />

mit S/MIME funktioniert.<br />

Kurze Zeit später sollte die Nachricht in Ihrem<br />

Posteingang eintreffen. Auch hier sehen Sie<br />

auf einen Blick, ob die E-<strong>Mail</strong> manipuliert<br />

Abb. 9: Soll Thunderbird das eben importierte Zertifikat zukünftig auch benutzen, müssen<br />

Sie das dem E-<strong>Mail</strong>-Programm explizit mitteilen.<br />

42 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Abb. 10: Nachricht<br />

intakt.<br />

wurde. Der Briefumschlag mit rotem Siegel<br />

(Abbildung 10) bestätigt die Unversehrtheit<br />

einer Nachricht. Stimmt zwar das Zertifikat,<br />

aber ist der Absender nicht identisch, moniert<br />

Thunderbird das mit einem Fragezeichen<br />

(Abbildung 11). Ein großes rotes X<br />

(Abbildung 12) warnt vor manipulierten<br />

Nachrichten. Über einen Klick auf das jeweilige<br />

Symbol zeigt Thunderbird noch weitere<br />

Informationen zur Nachricht, ihrem Absender<br />

sowie zu etwaigen Fehlern an.<br />

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Abb. 11: Falscher Das Verschlüsseln einer E-<strong>Mail</strong> mittels<br />

Absender.<br />

S/ MIME ist im Gegensatz zum Signieren in<br />

der Praxis etwas komplizierter als mit PGP.<br />

Auch diese Funktion aktivieren Sie über das<br />

entsprechende Menü im Nachrichteneditor.<br />

Genauso wie bei PGP benötigen Sie dazu den<br />

öffentlichen Schlüssel des Empfängers; doch<br />

im Gegensatz zu PGP fehlt hier ein zentraler<br />

Abb. 12: Manipulierte<br />

Nachricht. kennt. Thunderbird speichert vielmehr alle<br />

Schlüsselserver, der sämtliche Schlüssel<br />

S/ MIME-Schlüssel automatisch ab, wenn die<br />

Software eine signierte Nachricht erhält. Der einfachste Weg, um<br />

öffentliche Schlüssel auszutauschen, besteht daher darin, dass Sie<br />

und Ihr Gegenüber sich einmalig eine signierte Nachricht zusenden.<br />

Von da an chiffrieren Sie Ihre Nachrichten untereinander problemlos<br />

über S/ MIME, wobei hier die schützende Passphrase fehlt. Besitzen<br />

Sie hingegen kein Zertifikat vom Gegenüber, weigert sich Thunderbird,<br />

eine S/ MIME-verschlüsselte E-<strong>Mail</strong> abzuschicken.<br />

Fazit<br />

Obwohl viel dafür spricht, nutzen in der Praxis nach wie vor recht<br />

wenige Anwender E-<strong>Mail</strong>-Verschlüsselung. Zum Teil liegt es <strong>sicher</strong><br />

daran, dass die Einrichtung wie im Fall von S/ MIME häufig noch zu<br />

kompliziert ist – für PGP gilt das schon weniger. Soll aber Privates<br />

privat bleiben, lohnt sich der Aufwand. Welchen Standard Sie dabei<br />

bevorzugen, ist Geschmackssache: Thunderbird kommt glücklicherweise<br />

sowohl mit S/ MIME als auch mit PGP klar. (kki) n<br />

Infos<br />

[1] Enigmail-Handbuch:<br />

http:// www. rainydayz. org/ node/ 25 (http:// ezlx. de/ c4c1)<br />

[2] Deutschsprachige Enigmail-Beschreibung: http:// www.<br />

thunderbird-mail. de/ wiki/ Enigmail_OpenPGP<br />

(http:// ezlx. de/ c4c2)<br />

[3] StartSSL: http:// www. startssl. com/ (http:// ezlx. de/ c4c3)<br />

[4] Comodo Free E-<strong>Mail</strong> Certificate:<br />

http:// www. comodo. com/ home/ email-security/<br />

free-email-certificate. php (http:// ezlx. de/ c4c4)<br />

[5] CAcert: http:// www. cacert. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4c5)<br />

[6] Comodo E-<strong>Mail</strong>-Zertifikat: https:// secure. instantssl. com/<br />

products/ frontpage? area=SecureEmailCertificate<br />

(http:// ezlx. de/ c4c6)<br />

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TITEL<br />

Sicher chatten<br />

RetroShare<br />

Sicher chatten<br />

Instant Messenger verschicken Ihre Kurznachrichten unverschlüsselt im<br />

Internet. Mit RetroShare <strong>sicher</strong>n Sie die Kommunikation ab und bieten<br />

Freunden Ihre Dateien zum Download an.<br />

Hans-Georg Eßer<br />

E-<strong>Mail</strong>s sind schlecht geeignet, um<br />

schnell etwas zu besprechen, darum<br />

setzen viele Internetnutzer auf Instant-Messaging-Programme,<br />

die einen Livechat<br />

erlauben. Neben der direkten Kommunikation<br />

zwischen zwei Gesprächspartnern bieten<br />

diese oft auch Räume, in denen sich mehrere<br />

Anwender treffen können. Klassisch laufen<br />

hier alle Übertragungen unverschlüsselt<br />

ab, so dass Instant Messaging für vertrauliche<br />

Nachrichten keine gute Wahl ist.<br />

Es gibt aber verschiedene Ansätze, auch solche<br />

Nachrichtendienste durch Verschlüsselung abzu<strong>sicher</strong>n;<br />

ein früher Vertreter ist das Netzwerk<br />

SILC (Secure Internet Live Conferencing),<br />

das wir 2006 in einem Artikel vorgestellt haben<br />

[4]. Es hat sich aber nicht durchsetzen können<br />

und wurde zuletzt 2009 aktualisiert [5].<br />

ALTERNATIVEN<br />

Wenn Sie bereits ein Instant-Messaging-Programm<br />

wie Kopete oder Pidgin oder einen<br />

IRC-Client zum <strong>Chat</strong>ten unter Linux verwenden,<br />

haben Sie auch die Möglichkeit, dort<br />

ein Verschlüsselungs-Plug-in nachzurüsten,<br />

das die Unterstützung<br />

für Off-the-record Messaging<br />

(OTR) nachrüstet;<br />

einige Anwendungen<br />

können das von<br />

Haus aus, z. B. KDEs<br />

Kopete (Abbildung 1).<br />

Welche Schritte dafür<br />

mit Pidgin notwendig<br />

sind, beschreibt ein älterer<br />

<strong>EasyLinux</strong>-Artikel<br />

[2]. Eine Liste der IM-<br />

Clients und IRC-<strong>Chat</strong>programme,<br />

für die es<br />

OTR-Support gibt, finden<br />

Sie bei den OTR-<br />

Entwicklern [3].<br />

Ähnlich wie beim E-<strong>Mail</strong>-Versand mit GPG<br />

sind auch beim <strong>sicher</strong>en <strong>Chat</strong>ten Vorarbeiten<br />

nötig – verschlüsselte Kommunikation setzt<br />

immer voraus, dass beide Partner den Wunsch<br />

nach Vertraulichkeit umsetzen möchten. Sie<br />

können nicht „einseitig“ entscheiden, mit jemandem<br />

verschlüsselt zu chatten, und Sie<br />

können auch nicht Ihr sonst übliches Messenger-Programm<br />

verwenden. (Einige Instant<br />

Messenger bieten Plug-ins für OTR-Verschlüsselung,<br />

siehe Kasten Alternativen.) Beide Seiten<br />

müssen spezielle Software installieren, die<br />

verschlüsselte Verbindungen erlaubt. Wir<br />

stellen das Programm RetroShare [1] vor, das<br />

neben dem <strong>Chat</strong>ten auch Filesharing und einen<br />

E-<strong>Mail</strong>-ähnlichen Dienst unterstützt.<br />

RetroShare installieren<br />

RetroShare ist bei Ubuntu und OpenSuse nicht<br />

in den Standard-Repositories enthalten; es ist<br />

Ansonsten bietet auch Skype eine eingebaute<br />

<strong>Chat</strong>funktion, und die <strong>Chat</strong>nachrichten<br />

werden verschlüsselt – allerdings verwendet<br />

Skype ein nicht offengelegtes Verfahren, so<br />

dass man dem Anbieter vertrauen muss.<br />

Abb. 1: Die Kopete-Installation enthält ein OTR-Plug-in.<br />

aber unter beiden Distributionen möglich,<br />

schnell eine Paketquelle für das Programm<br />

einzurichten und die Software zu installieren.<br />

Details zur Installation aus dem Netz finden<br />

Sie im Kasten Installation übers Netz. Außerdem<br />

finden Sie RetroShare auch auf unserer<br />

Heft-DVD, was die Einrichtung erleichtert.<br />

Auf beiden Distributionen starten Sie das Programm<br />

über das Startmenü oder indem Sie<br />

mit [Alt-F2] ein Schnellstartfenster öffnen und<br />

darin RetroShare eingeben.<br />

Ersteinrichtung<br />

Was vor dem ersten praktischen Einsatz des<br />

Programms zu erledigen ist, hängt davon ab,<br />

ob Sie bereits ein GPG-Schlüsselpaar besitzen:<br />

Wenn Sie, wie im Artikel Briefgeheimnis ab<br />

Seite 36 beschrieben, GPG für Thunderbird<br />

eingerichtet haben, fällt ein Schritt weg.<br />

Findet RetroShare beim ersten Programmstart<br />

ein GPG-Schlüsselpaar, bietet das Programm<br />

an, dieses zu verwenden, und fragt nur nach<br />

einer Ortsbezeichnung. In diesem Fall füllen<br />

Sie nur das Feld Ort im Dialogfenster aus und<br />

klicken links unten auf Erstelle neuen Ort.<br />

Gibt es noch kein Schlüsselpaar, füllen Sie im<br />

Dialogfenster die Felder Name, E-<strong>Mail</strong>, Passwort,<br />

Ort aus und klicken Sie dann auf Generiere<br />

neues Profil (Abbildung 2). Das Programm<br />

erzeugt dann ein neues GPG-Schlüsselpaar,<br />

was ein paar Sekunden Zeit benötigt.<br />

Im nächsten Schritt erscheint ein kleiner Dialog,<br />

in dem Sie das im ersten Schritt gewählte<br />

Passwort (bzw. die bei einer bereits erfolgten<br />

GPG-Einrichtung gewählte GPG-Passphrase)<br />

eingeben müssen. Danach ist die Erstkonfiguration<br />

erledigt, und das Hauptfenster erscheint<br />

(Abbildung 3).<br />

Freunde einladen<br />

Nun haben Sie eine funktionierende Retro-<br />

Share-Installation, aber noch keine einzigen<br />

<strong>Chat</strong>partner. Das wird sich auch nicht ändern,<br />

solange Sie keine Freunde einladen und mit<br />

ihnen die Schlüssel austauschen.<br />

44 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Sicher chatten<br />

TITEL<br />

Abb. 2: Beim ersten Start richten Sie ein Profil ein.<br />

Abb. 3: Das Hauptfenster zeigt zunächst nur einen Eintrag für Sie selbst an.<br />

RetroShare bietet Ihnen die Möglichkeit, neue<br />

Freunde per E-<strong>Mail</strong> einzuladen (Abbildung 4)<br />

– das funktioniert nur, wenn Sie das Standardmailprogramm<br />

(unter KDE z. B. kmail)<br />

auch konfiguriert haben. Nutzen Sie nur einen<br />

Webmailer (wie Google <strong>Mail</strong>) und keinen<br />

lokal installierten E-<strong>Mail</strong>-Client, können Sie<br />

diese Funktion nicht verwenden. Es ist aber<br />

auch ohne automatische E-<strong>Mail</strong>s kein Problem,<br />

die nötigen Informationen an Ihre Kontakte<br />

weiterzugeben.<br />

Wir gehen im Folgenden davon aus, dass zwei<br />

Anwender (Sie und Ihr Kontakt) live an Ihren<br />

Rechnern sitzen. Sie können die für das gegenseitige<br />

Hinzufügen nötigen Schritte parallel<br />

ausführen.<br />

Zunächst klicken Sie beide auf das oberste<br />

1<br />

Icon in der Symbolleiste am linken Rand,<br />

es stellt eine blaue Person und ein grünes<br />

Plussymbol dar und zeigt als Erläuterung<br />

Assistent zum Hinzufügen von Freunden<br />

an, wenn Sie mit der Maus darüber fahren.<br />

INSTALLATION ÜBERS NETZ<br />

Ubuntu- und Kubuntu-Anwender installieren<br />

die Software am schnellsten, indem sie auf<br />

der Konsole ein spezielles Repository ergänzen:<br />

Öffnen Sie über [Alt-F2] und Eingabe<br />

von konsole ein Terminalfenster und<br />

geben Sie darin die folgenden Befehle ein:<br />

sudo add-apt-repository ppa:csolerU<br />

-users/retroshare<br />

sudo apt-get update<br />

sudo apt-get install retroshare<br />

Nach dem ersten Befehl müssen Sie Ihr<br />

Passwort eingeben und danach noch mit<br />

[Eingabe] bestätigen, dass Sie das neue<br />

Repository wirklich hinzufügen möchten.<br />

Auch das dritte Kommando erwartet eine<br />

Bestätigung, weil neben dem Paket retroshare<br />

auch eine benötigte Bibliothek namens<br />

libupnp3 auf die Platte wandern soll.<br />

Damit öffnet sich ein neues Fenster mit<br />

2<br />

dem Assistenten, der Ihnen hilft, den Kontakt<br />

hinzuzufügen. Übernehmen Sie hier<br />

die vorausgewählte Option Gib das Zertifikat<br />

manuell ein und klicken Sie auf Weiter.<br />

Sie sehen dann einen zweigeteilten Dialog<br />

3<br />

(Abbildung 5). Oben zeigt das Programm<br />

Ihren eigenen öffentlichen Schlüssel an,<br />

und der untere Bereich ist noch leer.<br />

Kopieren Sie aus dem oberen Bereich Ihren<br />

4<br />

eigenen Schlüssel per Copy & Paste in eine<br />

E-<strong>Mail</strong> und schicken Sie diese an Ihren<br />

Kontakt. Wenn Sie das Ganze synchron erledigen,<br />

erhalten Sie beide nach kurzer Zeit<br />

eine E-<strong>Mail</strong>, die jeweils den Schlüssel des<br />

Kontakts enthält.<br />

Der fremde Schlüssel gehört in den unteren<br />

5<br />

Bereich des Fensters. Fügen Sie also die<br />

Textzeilen aus der E-<strong>Mail</strong> unten ein. Achten<br />

Sie dabei darauf, dass Sie nichts auslassen<br />

und nicht zu viel Text einfügen: Der<br />

relevante Bereich beginnt mit einer Zeile<br />

Sie finden danach das Programm im KDE-<br />

Startmenü unter Anwendungen / Internet /<br />

RetroShare.<br />

Unter OpenSuse ist der Ablauf ähnlich:<br />

Nach dem Eintragen eines neuen Repositorys<br />

installieren Sie das Paket (das hier retroshare-svn<br />

heißt) mit zypper:<br />

sudo zypper addrepo http://download.U<br />

opensuse.org/repositories/home:/U<br />

AsamK:/RetroShare/openSUSE_12.2/U<br />

home:AsamK:RetroShare.repo<br />

sudo zypper install retroshare-svn<br />

(Wenn Sie OpenSuse 12.1 verwenden, ersetzen<br />

Sie in dem langen Pfad die Versionsnummer<br />

12.2 durch 12.1.) Im KDE-Startmenü<br />

taucht danach ein neuer Eintrag Anwendungen<br />

/ Internet / Tauschbörse / RetroShare<br />

auf.<br />

-----BEGIN PGP PUBLIC KEY BLOCK----- und<br />

endet mit einer Zeile der Form --LO-<br />

CAL--192.168.178.1:12345;--EXT--111.222.1<br />

11.222:0;. Klicken Sie auf Weiter, wenn Sie<br />

den Schlüssel eingefügt haben.<br />

Es erscheinen nun Informationen über den<br />

6<br />

Schlüssel; u. a. sehen Sie den Namen Ihres<br />

Kontaktes (Abbildung 6). Da Sie bei der<br />

gewählten Schlüsselaustauschmethode<br />

recht <strong>sicher</strong> sein können, dass Sie wirklich<br />

den Schlüssel Ihres Kontakts eingefügt haben,<br />

aktivieren Sie noch die Option Authentifiziere<br />

Freund (GPG Schlüssel unterzeichnen)<br />

und klicken dann auf Abschließen.<br />

Sie werden dann aufgefordert, Ihr Passwort<br />

7<br />

für den GPG-Schlüssel (die GPG-Passphrase)<br />

einzugeben.<br />

Haben Sie (auf beiden Seiten) den neuen Kontakt<br />

hinzugefügt, sehen Sie nach einer Weile<br />

in einer Statusmeldung, dass Sie miteinander<br />

verbunden sind (Abbildung 7).<br />

<strong>Chat</strong>ten<br />

Einen <strong>Chat</strong> können Sie nur mit Freunden beginnen,<br />

mit denen Sie auch verbunden sind.<br />

Dazu reicht ein Doppelklick auf den Eintrag in<br />

der Freundesliste; es öffnet sich dann ein klas-<br />

Abb. 4: RetroShare bereitet eine E-<strong>Mail</strong>-<br />

Einladung mit Ihrem Schlüssel vor.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

45


TITEL<br />

Sicher chatten<br />

Abb. 5: Oben sehen Sie Ihren Schlüssel, in die untere<br />

Hälfte gehört der Schlüssel eines Kontakts.<br />

sisches <strong>Chat</strong>fenster, in dem Sie Ihre Nachrichten<br />

eingeben und die Antworten lesen (Abbildung<br />

8). Sie können es auch verwenden, um<br />

dem anderen eine Datei zuzusenden.<br />

RetroShare baut direkte Verbindungen zwischen<br />

den <strong>Chat</strong>partnern auf, es gibt keinen<br />

zwischengeschalteten Server. Abhängig von<br />

der Netzwerkanbindung der beiden Partner<br />

ist es unterschiedlich aufwendig, diese Verbindung<br />

herzustellen, z. B. dann, wenn beide<br />

Abb. 6: Beim Import eines GPG-Schlüssels zeigt<br />

Retro Share die Daten des neuen Kontakts an.<br />

Anwender hinter einer Firewall sitzen. Im<br />

Test hat es teilweise mehrere Minuten gedauert,<br />

bis die Verbindung stand. Wie sich die<br />

Partner überhaupt finden können, lesen Sie<br />

im Kasten Technische Details.<br />

In den meisten Fällen wird keine Anpassung<br />

an den Netzwerkeinstellungen nötig sein,<br />

denn RetroShare unterstützt unter anderem<br />

Verbindungen über UPnP (Universal Plug and<br />

Play). Wenn Sie Schwierigkeiten beim Verbindungsaufbau<br />

haben<br />

und einen DSL- oder<br />

ähnlichen Router für<br />

den Internetzugang<br />

verwenden, können<br />

Sie am Router einen<br />

Port auf den Rechner<br />

weiterleiten, an dem<br />

Sie RetroShare benutzen.<br />

Bei den meisten<br />

Routern ist das einfach<br />

über die Weboberfläche<br />

zu erledigen.<br />

Suchen Sie (nur bei<br />

Problemen!) eine nicht<br />

benutzte Portnummer<br />

aus; 2323 ist ein guter<br />

Kandidat – die Nummer darf nicht kleiner als<br />

1024 sein. Dann tragen Sie im Router ein, dass<br />

diese Portnummer an dieselbe Portnummer<br />

auf Ihrem RetroShare-Rechner weitergeleitet<br />

wird, sowohl für TCP als auch UDP. Bei der<br />

FritzBox sind dafür zwei Einträge in der Tabelle<br />

nötig (Abbildung 9).<br />

Wenn Sie die Weiterleitung eingerichtet haben,<br />

müssen Sie auch RetroShare noch darüber<br />

informieren; dazu klicken Sie im Pro-<br />

TECHNISCHE DETAILS<br />

Beim Verbindungsaufbau zwischen zwei <strong>Chat</strong>partnern<br />

gibt es zwei große Probleme, welche<br />

die Software lösen muss – die Lösungsideen<br />

sind aus anderen Systemen schon bekannt,<br />

aber bei RetroShare kombiniert:<br />

IP-Adresse des Partners finden<br />

In klassischen Instant-Messaging-Systemen<br />

gibt es einen zentralen Server, an dem sich<br />

jeder Anwender anmelden muss. Der Server<br />

hat dann den Gesamtüberblick darüber, welche<br />

Teilnehmer gerade aktiv sind und unter<br />

welchen IP-Adressen man sie erreichen<br />

kann. Will ein Partner den anderen kontaktieren,<br />

fordert er den Server auf, die Verbindung<br />

herzustellen.<br />

Bei RetroShare gibt es keinen Server, deswegen<br />

ist die Kontaktaufnahme viel schwieriger.<br />

Das Programm setzt dazu auf Techniken,<br />

die auch Peer-2-Peer-Netzwerke für Filesharing<br />

einsetzen, u. a. verwendet es so genannte<br />

verteilte Hashtabellen (distributed<br />

hash tables, DHTs) [7], deren Beschreibung<br />

hier zu weit führen würde. Vereinfacht gesagt,<br />

sucht RetroShare zunächst seine<br />

„nächsten Nachbarn“, von dort wird die Anfrage<br />

dann weitergeleitet, bis schließlich die<br />

gesuchte Information gefunden wird.<br />

Um die Suche überhaupt starten zu können,<br />

enthält RetroShare eine Liste mit 500 IP-<br />

Adressen von RetroShare-Anwendern, von<br />

denen einige online sein müssen.<br />

Direktverbindung aufbauen<br />

Ist die IP-Adresse des Gesprächspartners gefunden,<br />

steht das Programm vor dem nächsten<br />

Problem: Selbst wenn beide Seiten<br />

gleichzeitig eine Verbindung aufbauen möchten,<br />

finden sie nicht so leicht zueinander. Die<br />

meisten PCs von Privatanwendern haben<br />

keine öffentliche IP-Adresse, über die sie aus<br />

dem Internet heraus ansprechbar sind, sondern<br />

hängen an einem Router (z. B. einem<br />

DSL-Router). Der Router wählt sich ins Internet<br />

ein und erhält eine öffentliche IP-Adresse<br />

(ist also von außen erreichbar), aber dem PC<br />

teilt der Router nur eine private IP-Adresse<br />

(die meist mit 192.168. beginnt) zu.<br />

Wenn beide Seiten so ein Netzwerksetup haben,<br />

ist mit klassischen Mitteln keine Direktverbindung<br />

möglich. Dann muss einer der<br />

Teilnehmer auf seinem Router eine Portweiterleitung<br />

einrichten, oder die Programme<br />

müssen sich Tricks bedienen, um dennoch<br />

kommunizieren zu können. Dazu gibt es ein<br />

Verfahren namens UDP Hole Punching [8],<br />

das z. B. auch Skype für denselben Zweck<br />

nutzt. Weil das kein schnelles Verfahren ist,<br />

dauert es damit manchmal ca. zehn Minuten,<br />

bis eine Verbindung steht.<br />

Gruppenchat<br />

Wenn Sie einen <strong>Chat</strong>raum betreten, sehen<br />

Sie dort auch Teilnehmer, mit denen Sie<br />

nicht befreundet sind, und können mit ihnen<br />

chatten. Das klappt aber nur so lange, wie<br />

jeder der <strong>Chat</strong>raumbesucher auf Umwegen<br />

mit allen übrigen befreundet ist. Wenn also<br />

z. B. Anton mit Berta, Berta mit Chris, Chris<br />

mit Dora und Dora mit Emil befreundet sind<br />

(aber einander ansonsten nicht kennen),<br />

können alle in einem <strong>Chat</strong>raum miteinander<br />

sprechen. Verlässt nun Chris („in der Mitte“)<br />

den Raum, dann zerfällt der Raum in zwei<br />

Teile: Anton und Berta bleiben in der ersten<br />

Hälfte, Dora und Emil in der zweiten. Die beiden<br />

getrennten Gruppen können nicht weiter<br />

gemeinsam chatten.<br />

Auch das liegt daran, dass es keinen Server<br />

gibt, über den die Teilnehmer alle miteinander<br />

verbunden wären: Wenn im obigen Beispiel<br />

Anton etwas im <strong>Chat</strong>raum schreibt,<br />

legt seine Botschaft einen langen Weg bis<br />

zum Rechner von Emil zurück, nämlich über<br />

alle „dazwischen“ liegenden Kontakte.<br />

Wir danken dem RetroShare-Entwicklerteam,<br />

das sich zwei Stunden Zeit für ein Interview<br />

mit <strong>EasyLinux</strong> genommen hat, um technische<br />

Fragen zu beantworten – das Interview haben<br />

wir in einem RetroShare-<strong>Chat</strong>raum geführt.<br />

46 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Sicher chatten<br />

TITEL<br />

gramm auf das Zahnrad-Icon in der<br />

Symbolleiste am linken Rand, wechseln<br />

im Einstellungsfenster zum Reiter<br />

Server, schalten dort oben auf<br />

Portweiterleitung von Hand um und<br />

tragen dann in den beiden Port-Feldern<br />

die neue Portnummer (im Beispiel<br />

2323) ein. Nach einem Neustart<br />

sollten Verbindungen dann leichter<br />

zustande kommen.<br />

Weitere Funktionen<br />

Neben dem <strong>Chat</strong>ten bietet Retro- Abb. 7: Auf dem Reiter „Neuigkeiten“ sehen Sie, wenn das<br />

Share weitere Features, die wir hier Programm Verbindungen mit Freunden aufnimmt.<br />

Fazit<br />

nur kurz erwähnen:<br />

l Dateiversand: In jedem <strong>Chat</strong>fenster gibt es men austauschen können, darunter sind<br />

ein kleines Ordner-Icon, über das Sie Dateien<br />

auswählen und dem <strong>Chat</strong>partner anbie-<br />

l Suchfunktion: Über die Suche finden Sie<br />

auch öffentliche „Lobbys“.<br />

ten können. Er erhält in seinem <strong>Chat</strong>fenster<br />

dann einen anklickbaren Link und kann haben – Sie können aber nur auf die Da-<br />

Dateien, die andere Anwender freigegeben<br />

darüber die Übertragung der Datei (direkt teien zugreifen, zu deren Besitzer Sie eine<br />

von Ihrem auf seinen PC) anstoßen.<br />

Freundschaftskette herstellen können.<br />

l Dateifreigabe: Allgemein können Sie mit<br />

RetroShare klassisches Filesharing betreiben,<br />

also z. B. den Ordner mit Ihren MP3- Wer mit RetroShare starten möchte, aber zu-<br />

Leere Kontaktliste?<br />

Dateien freigeben – anders als bei klassischen<br />

P2P-Netzen <strong>machen</strong> Sie diese aber ware auch einzusetzen und Schlüssel auszunächst<br />

niemanden überreden kann, die Soft-<br />

Infos<br />

nicht öffentlich, sondern erlauben nur tauschen, kann auf der RetroShare-<strong>Chat</strong>serverseite<br />

[6] den Benutzer <strong>Chat</strong> Server zu sei-<br />

Ihrem Freundeskreis den Zugriff. Geben<br />

Sie Dateien auch für „Freunde von Freunden“<br />

weiter, erweitert sich der Kreis der<br />

nen Kontakten hinzufügen – nach erfolgrei-<br />

Zugriffsberechtigten – dabei wird aber die<br />

letztliche Quelle nie sichtbar, denn Dateiübertragungen<br />

laufen immer von Freund<br />

zu Freund.<br />

l RetroShare-E-<strong>Mail</strong>s: Eingebaut ist auch<br />

eine Möglichkeit, E-<strong>Mail</strong>s zu verschicken<br />

– nicht direkt über das Internet, sondern<br />

über die RetroShare-Verbindungen. Wenn<br />

Sie diese Funktion nutzen, müssen Sie also<br />

nicht zusätzlich GPG im <strong>Mail</strong>programm<br />

konfigurieren. Allerdings ist es wahrscheinlicher,<br />

dass einer Ihrer Kontakte bereits<br />

<strong>Mail</strong>s verschlüsselt.<br />

l Foren: Es gibt mehrere Arten von Foren, Abb. 8: Das <strong>Chat</strong>ten funktioniert wie bei<br />

in denen Sie sich zu verschiedenen The-<br />

klassischen IM-Programmen.<br />

chem Schlüsseltausch mit diesem Bot<br />

sehen Sie mehrere neue <strong>Chat</strong>räume,<br />

in denen Sie andere Anwender finden,<br />

die auch auf Kontaktsuche sind.<br />

Beachten Sie nur beim Hinzufügen<br />

neuer unbekannter Kontakte, dass Sie<br />

für diese ein niedriges Vertrauen einstellen.<br />

Vor allem sollten Sie die<br />

Schlüssel dieser Personen nicht mit<br />

GPG signieren – schließlich wissen<br />

Sie nicht, um wen es sich wirklich<br />

handelt.<br />

Wenn Sie RetroShare als Instant-Messaging-Lösung<br />

einsetzen, können Sie <strong>sicher</strong><br />

sein, dass Ihre Kommunikation nicht belauscht<br />

wird – allerdings müssen dann alle<br />

Gesprächspartner dasselbe Programm installieren<br />

und vor der ersten <strong>Chat</strong>sitzung die<br />

Schlüssel austauschen. Das bedeutet einmalig<br />

etwas erhöhten Aufwand, garantiert aber für<br />

alle späteren Gelegenheiten die Sicherheit Ihrer<br />

<strong>Chat</strong>s. (hge)<br />

n<br />

[1] RetroShare: http:// retroshare.<br />

sourceforge. net/ (http:// ezlx. de/ c4s1)<br />

[2] Artikel zu <strong>Chat</strong>verschlüsselung mit<br />

Pidgin und OTR: Martin Loschwitz,<br />

„Unbeobachtet chatten“, <strong>EasyLinux</strong><br />

04/ 2009, S. 49 ff., http://<br />

linux-community. de/ artikel/ 19249<br />

(http:// ezlx. de/ c4s2)<br />

[3] OTR-kompatible IM-Clients: http://<br />

www. cypherpunks. ca/ otr/ software.<br />

php (http:// ezlx. de/ c4s3)<br />

[4] SILC-Artikel: Hans-Georg Eßer, „Ohne<br />

Mithörer chatten“, <strong>EasyLinux</strong><br />

08/ 2006, S. 50 ff., http:// www.<br />

easylinux. de/ 2006/ 08/ 050-silc/<br />

(http:// ezlx. de/ c4s4)<br />

[5] SILC: http:// silcnet. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4s5)<br />

[6] RetroShare-<strong>Chat</strong>server: https:// www.<br />

f2f-fr. net/ w2c/ en/ (http:// ezlx. de/ c4s6)<br />

[7] Wikipedia zu verteilten Hashtabellen<br />

(DHTs): http:// de. wikipedia. org/ wiki/<br />

Verteilte_Hashtabelle<br />

(http:// ezlx. de/ c4s7)<br />

[8] Artikel zu UDP Hole Punching: Jürgen<br />

Schmidt, „Der Lochtrick“, Heise<br />

Security, 2006, http:// www. heise. de/<br />

security/ artikel/ Wie-Skype-Co-Firewal<br />

ls-umgehen-270856. html<br />

(http:// ezlx. de/ c4s8)<br />

Abb. 9: Bei den meisten DSL-Routern (hier eine FritzBox) können Sie Ports für TCP- und<br />

UDP-Verbindungen an bestimmte Rechner im lokalen Netz weiterleiten.<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

RetroShare<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

47


TITEL<br />

Passwortmanager KeePassX<br />

Sicheres Einloggen mit KeePassX<br />

Passwörter<br />

im Griff<br />

Für etliche Internetdienste brauchen Sie Zugangsdaten:<br />

Diese alle im Kopf zu behalten und dabei noch <strong>sicher</strong>e,<br />

verschiedene Passwörter zu wählen, ist keine leichte<br />

Aufgabe. KeePassX erinnert sich für Sie und schützt die<br />

sensiblen Daten mit einem Masterpasswort.<br />

Stefan Huchler<br />

Egal, ob E-<strong>Mail</strong>-Provider, Userforum,<br />

Onlineshops oder soziale Netzwerke<br />

– heutzutage benötigt man für nahezu<br />

jeden Internetdienst eine noch nicht vergebene<br />

Nutzerkennung sowie ein zugehöriges,<br />

möglichst nicht-triviales Passwort. Niemand<br />

ist begeistert, wenn Unbefugte Einblick in<br />

Konten- und Fondsbestände erhalten, von<br />

Transaktionen ganz zu schweigen.<br />

Darüber hinaus erwarten aber auch der eigene<br />

Router und das vielleicht aus mehreren alten<br />

Rechnern errichtete Heimnetzwerk eigene<br />

Logindaten – von User-, Root-, BIOS- und<br />

Smartphone-Passwörtern ganz zu schweigen.<br />

Obwohl aus Sicherheitsgründen ratsam, empfinden<br />

gerade Linux-Neulinge das regelmäßig<br />

wiederkehrende Ersetzen einmal eingeübter<br />

Passwörter durch eine bislang nicht verwendete,<br />

möglichst komplizierte Folge von acht<br />

oder mehr Zeichen nicht nur für das Langzeitgedächtnis,<br />

sondern auch für den erlebten Bedienkomfort<br />

als Zumutung.<br />

Es verwundert daher wenig, dass so mancher<br />

vernetzte Privatanwender beim wiederholten<br />

Passieren von passwortgeschützten Zugangskontrollen<br />

vereinfachte oder gar automatisierte<br />

Logins attraktiv findet. Wenn Sie sich<br />

zu dieser Gruppe zählen, sollte Ihnen bewusst<br />

sein, dass ein Zugewinn an Einfachheit häufig<br />

mit einem Absinken von System<strong>sicher</strong>heit erkauft<br />

wird. Nach einem Schnelldurchlauf<br />

durch die in der Praxis verbreiteten Vereinfachungen<br />

zeigen wir Ihnen daher im Folgenden,<br />

wie Sie mit dem Programm KeePassX [1]<br />

wieder Herr über Ihre zahlreichen Logindaten<br />

werden.<br />

KEEPASSX-INSTALLATION<br />

KeePassX ist auf den von <strong>EasyLinux</strong> unterstützten<br />

Distributionen schnell eingerichtet.<br />

Kubuntu/ Ubuntu<br />

KeePassX ist in den Standardpaketquellen<br />

von (K)Ubuntu enthalten. Starten Sie den<br />

Paketmanager und spielen Sie das Paket<br />

keepassx ein. Sie finden das Programm im<br />

KDE-Menü unter Anwendungen / Dienstprogramme<br />

/ Passwortverwaltung (KeePassX).<br />

OpenSuse<br />

Ein Tool für alles?<br />

Die einfachste Möglichkeit, bei einer Vielzahl<br />

erforderlicher Loginvorgänge sein Gedächtnis<br />

zu entlasten, ist die Verwendung eines fast<br />

identischen, möglichst einfach zu merkenden<br />

bzw. herzuleitenden Passworts bei ebenfalls<br />

gleich bleibendem Benutzernamen – für alle<br />

Seiten. Die Versuchung, einer so simplen Lösung<br />

nachzugeben, ist gerade für den <strong>sicher</strong>heitstechnischen<br />

Laien groß – und dürfte daher<br />

gängige Loginpraxis vieler Privatanwender im<br />

Internet sein. <strong>EasyLinux</strong> rät Ihnen hiervon<br />

nachdrücklich ab! Ein Universalpasswort ist<br />

nämlich bestenfalls so <strong>sicher</strong> wie das hackeranfälligste<br />

System, in dem Sie sich damit einloggen.<br />

Ist es einem Hacker oder Passwort-<br />

Phisher gelungen, über eine Schwachstelle an<br />

Ihre Zugangsdaten zu gelangen, wird es für ihn<br />

eine sportliche Übung sein, herauszufinden, ob<br />

Sie diese Logindaten auch noch für andere<br />

Zur Installation von KeePassX müssen Sie<br />

zunächst ein weiteres Repository (eine Paketquelle)<br />

einbinden, aus der die Paketverwaltung<br />

die Software herunterladen kann.<br />

Starten Sie YaST und rufen Sie über Software<br />

/ Software installieren oder löschen<br />

1<br />

die Paketverwaltung auf.<br />

Dann wählen Sie Konfiguration / Repositories<br />

/ Hinzufügen URL eingeben und<br />

2<br />

fügen<br />

im Eingabefeld Repository Name:<br />

den Namen KeePassX und im Eingabefeld<br />

Url die Adresse des OpenSuse-Repositorys<br />

[2] ein. Bestätigen Sie mit einem Klick<br />

auf Weiter.<br />

Klicken Sie im folgenden Dialog auf Vertrauen.<br />

Suchen Sie nun nach dem Namen<br />

3<br />

KeePassX und markieren Sie diesen für<br />

die Installation.<br />

Klicken Sie auf Akzeptieren und im anschließend<br />

erscheinenden Dialog auf<br />

4<br />

Fortfahren. Das YaST-Fenster für die Softwareverwaltung<br />

schließt sich automatisch<br />

nach der Einrichtung. Sie können<br />

nun auch das YaST-Hauptfenster von<br />

Hand schließen.<br />

Sie finden das installierte Programm im<br />

KDE-Menü unter Anwendungen / Dienstprogramme<br />

/ Sicherheit / Passwortverwaltung<br />

(KeePassX).<br />

48 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Passwortmanager KeePassX<br />

TITEL<br />

Abb. 1: KeePassX bietet eine komfortable Oberfläche für die Verwaltung Ihrer Passwortsammlung.<br />

Zwecke einsetzen. Er kann bei sehr ähnlichen<br />

Passwörtern schnell all Ihre Zugänge kontrollieren<br />

– womöglich eine gute Zeit lang, ohne<br />

dass Sie hiervon etwas erahnen.<br />

App-spezifische Autologins<br />

Desktopbetriebssysteme und Applikationen,<br />

deren Entwickler sich größtmöglichen Bedienkomfort<br />

auf die Fahnen geschrieben haben,<br />

bieten ihren Nutzern häufig eine zweite Form<br />

des vereinfachten Logins an: den applikationsspezifisch<br />

eingebauten Passwortmanager.<br />

Ein typisches Beispiel hierfür stellen die<br />

in fast jeden Webbrowser integrierten Passwortmanager<br />

dar. Wenn Sie sich beispielsweise<br />

mit aktiviertem Passwortmanager als<br />

neuer Kunde in einem Onlineshop einloggen,<br />

merkt sich der Browser auf Wunsch Ihre seitenspezifischen<br />

Logindaten und füllt diese<br />

beim nächsten Anmelden automatisch ein, so<br />

dass Sie für den Zugang häufig nur noch einen<br />

Bestätigungsknopf drücken müssen.<br />

Ein erstes Problem bei dieser Vereinfachung<br />

ergibt sich daraus, dass der Rechner, auf dem<br />

die Passwörter gespeichert sind, vorübergehend<br />

oder dauerhaft in falsche Hände gelangen<br />

kann. Bei unverschlüsselter Festplatte<br />

kann ein Dieb selbst bei nicht knackbarem<br />

Root-Passwort relativ leicht alle vom Passwortmanager<br />

verwalteten Logindaten auslesen.<br />

Ein zweiter Nachteil solcher Passwortmanager<br />

wird dann spürbar, wenn Sie das<br />

gleiche Programm samt der im integrierten<br />

Passwortmanager gespeicherten Logindaten<br />

nicht nur auf einem, sondern auf mehreren<br />

Betriebssystemen bzw. Computern parallel<br />

einsetzen wollen. Die Zugangsdaten auf<br />

mehreren PCs synchron zu halten, ist in der<br />

Regel noch umständlicher als der inzwischen<br />

durchaus verbreitete gemeinsame Zugriff auf<br />

Lesezeichen.<br />

oder Facebook Connect ihre Login-Management-Dienste<br />

an. Obwohl einige Systeme im<br />

Gefolge beliebter Social-Media-Dienste zunehmend<br />

Verbreitung finden, konnte sich bislang<br />

noch kein Online-Identitätsdienst WWW-weit<br />

als Standard durchsetzen. Aus Sicherheitsgründen<br />

sollten Sie es sich ohnehin zweimal<br />

überlegen, ob Sie Anmeldungen über einen<br />

Online-ID-Dienst durchführen, zu dessen Geschäftsmodell<br />

es zählt, das Surfverhalten von<br />

Nutzern möglichst unterbrechungsfrei aufzeichnen<br />

und analysieren zu können.<br />

Alternative KeePassX<br />

Anders als die bisher beschriebenen Lösungen,<br />

ist das für Linux, Windows und<br />

Mac OS X verfügbare Programm KeePassX<br />

(Abbildung 1) ein guter Kompromiss zwischen<br />

einfacher Handhabung und einem relativ<br />

hohen Grad an Sicherheit.<br />

Nach der Installation (siehe Kasten KeePassX-<br />

Installation) starten Sie die Anwendung und<br />

legen über Datei / Neue Datenbank eine Datenbank<br />

mit all Ihren, bei Bedarf auch in bestimmte<br />

Kategorien bzw. Gruppen unterteilbaren<br />

Zugangsdaten an. Für spätere Zugriffe<br />

auf diese zentrale Zugangsdatensammlung<br />

sollten Sie ein möglichst <strong>sicher</strong>es<br />

Masterpasswort<br />

wählen, da andernfalls ein<br />

erfolgreicher Hacker schnell<br />

Zugriff auf alle Accountdaten<br />

erhält.<br />

Über Einträge / Neuen Eintrag<br />

hinzufügen können Sie<br />

jederzeit witere Logindaten<br />

ergänzen. Unter Extras /<br />

Passwortgenerator können<br />

Sie sich bei Bedarf qualitativ<br />

besonders hochwertige Passwörter generieren<br />

lassen.<br />

Zugriff allerorten<br />

Die mit KeePassX erzeugte verschlüsselte Datenbankdatei<br />

können Sie lokal auf der Festplatte,<br />

auf einem für mehrere Rechner freigegebenen<br />

Netzwerkordner, auf den Sie Schreibzugriff<br />

haben, oder – noch eleganter – auf einem<br />

USB-Stick speichern. Letztere Variante<br />

hat den Vorteil, dass Sie damit Ihre verschlüsselten<br />

Zugangsdaten überall hin mitnehmen<br />

und sich entsprechend problemlos auch über<br />

einen Fremdrechner passwortgeschützten Zugriff<br />

verschaffen können.<br />

Wollen Sie öfter von fremden PCs aus auf Ihre<br />

KeePassX-Logindaten zugreifen, aber dort<br />

nicht jedesmal lokal KeePassX installieren,<br />

können Sie die auf den gängigen Betriebssystemen<br />

ausführbaren KeePassX-Binärprogramme<br />

zusätzlich mit auf den USB-Stick kopieren<br />

und somit KeePassX künftig direkt vom<br />

Stick starten. Wenn Sie ein schwer knackbares<br />

Masterpasswort gewählt haben, ist neben<br />

der mobilen USB- sogar eine noch elegantere<br />

Onlinevariante vorstellbar: Dazu übertragen<br />

Sie die Datei mit den verschlüsselten Loginda-<br />

Online-ID-Dienste<br />

Zumindest für die Anmeldung auf diversen<br />

Internetportalen bieten seit einigen Jahren<br />

auch Online-Authentifizierungssysteme wie<br />

OpenID, Mozilla Persona (früher BrowserID)<br />

Abb. 2: Wählen Sie eine Tastenkombination für das automatische Ausfüllen.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

49


TITEL<br />

Passwortmanager KeePassX<br />

wird. Außerdem sollten Sie auch darauf achten,<br />

dass Sie bei KeePassX-Logins auf Webseiten<br />

im Feld Url die jeweils richtige URL angegeben<br />

haben. Wenn Sie nun in einem Forum<br />

zu einem dort veröffentlichten Beitrag als Forenmitglied<br />

einen Kommentar verfassen wollen<br />

und nach dem Passwort gefragt werden,<br />

prüfen Sie zuerst, ob das Eingabefeld für den<br />

Benutzernamen bereits aktiviert ist (Abbildung<br />

3). Falls nicht, klicken Sie mit der Maus<br />

zunächst auf das Eingabefeld für den Benutzernamen,<br />

und spätestens jetzt können Sie die<br />

Tastenkombination, die Sie in KeePassX festgelegt<br />

haben, also z. B. [Strg-1], drücken, damit<br />

KeePassX sich in dem Forum für Sie einloggt.<br />

Integration in KDE<br />

Abb. 3: Achten Sie vor dem Drücken der Auto-Fill-Tastenkombination darauf, dass das<br />

Feld für den Benutzernamen aktiviert ist.<br />

Damit KeePassX nicht ständig als minimiertes<br />

Fenster geöffnet bleiben muss, können Sie mit<br />

wenigen Handgriffen dafür sorgen, dass Kee-<br />

PassX sich besser in KDE einbettet und rechts<br />

in der Taskleiste als Tray-Symbol erscheint.<br />

Wechseln Sie dazu in den KeepassX-Einstellungen<br />

(Extras / Einstellungen) auf den Reiter<br />

Allgemein (1) und aktivieren Sie sowohl die<br />

ersten drei Häkchen als auch den Haken vor<br />

KeepassX minimiert starten (Abbildung 4). Die<br />

Auto-Fill-Funktion von KeePassX funktioniert<br />

nun auch dann, wenn die Anwendung lediglich<br />

als Symbol in der Taskleiste aktiv ist.<br />

Fazit<br />

Abb. 4: Diese Einstellungen verbessern die KDE-Integration.<br />

ten zu Dropbox oder ähnlichen Cloud-Diensten<br />

und können dann von überall auch ohne<br />

USB-Stick darauf zugreifen.<br />

Abb. 5: KeePassX erzeugt ein Tray-Icon in der KDE-Taskleiste.<br />

Browser-Auto-Fill<br />

Damit Sie die Logindaten nicht umständlich<br />

aus der temporär entschlüsselten KeePassX-<br />

Datenbank abschreiben müssen, bietet Kee-<br />

PassX Ihnen die Möglichkeit, die Anmeldeformulare<br />

von Webseiten automatisch auszufüllen<br />

und Sie anzumelden. Damit das funktioniert,<br />

müssen Sie zunächst ein Tastenkürzel<br />

festlegen. Dazu rufen Sie in KeePassX den<br />

Menüpunkt Extras / Einstellungen / Fortgeschritten<br />

auf. In das Feld hinter Globaler Auto-<br />

Type-Kurzbefehl tragen Sie eine Tastenkombination<br />

ein, die künftig diese Funktion auslöst.<br />

Sie könnten hier z. B. Strg + 1 (für [Strg-1])<br />

als Kombination wählen (Abbildung 2).<br />

Wählen Sie keine Tastenkombination, die von<br />

einer Ihrer benutzten<br />

Anwendungen schon für<br />

eine andere Funktion<br />

vorbelegt ist, da die ursprüngliche<br />

Funktion<br />

sonst überschrieben<br />

Wenn Sie Anmeldungen bislang noch vollständig<br />

unter Rückgriff auf Ihr Langzeitgedächtnis<br />

erledigen mussten, werden Sie die<br />

Umstellung auf KeePassX als deutliche Entlastung<br />

erleben. Da die mit KeePassX in regelmäßigeren<br />

Abständen neu generierten Einzelpasswörter<br />

in der Regel auch stärker sind,<br />

führt der Umstieg auf KeePassX auch zu einer<br />

Verbesserung Ihrer Sicherheit.<br />

Wer nur einen einzigen PC verwendet, dem<br />

reicht vielleicht die im Browser eingebaute<br />

Passwortverwaltung; beim Einsatz mehrerer<br />

Rechner wird KeePassX wegen seiner vielfältigen<br />

Einsatzmöglichkeiten und der integrierten<br />

Auto-Fill-Funktion schnell zum unverzichtbaren<br />

Helfer. (ahu/ hge)<br />

n<br />

Infos<br />

[1] KeePassX: http:// www. keepassx. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4l1)<br />

[2] OpenSuse-Repository: http://<br />

download. opensuse. org/ repositories/<br />

security:/ passwordmanagement/<br />

openSUSE_12. 2 (http:// ezlx. de/ c4l2)<br />

52 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


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TITEL<br />

Dateien verschlüsseln<br />

Dateien einfach (de)chiffrieren<br />

© pip, Photocase.com<br />

Wollen Sie Ihre Daten in die Cloud<br />

Schlüsseldienst<br />

verschieben oder allgemein vor<br />

fremden Zugriffen schützen, verschlüsseln<br />

Sie diese besser. Zum<br />

Glück bringen OpenSuse 12.1/ 12.2<br />

und Kubuntu 12.04 dafür bestens<br />

geeignete Werkzeuge mit.<br />

Kristian Kißling<br />

Einige Witzbolde sprechen inzwischen<br />

nicht mehr von der Cloud (zu dt.<br />

„Wolke“), sondern nur noch von der<br />

„Klaut“, wie in „klauen“. Hinter dem mäßig<br />

komischen Sprachwitz verbirgt sich aber ein<br />

Fünkchen Wahrheit: Vertrauen Sie Cloud-<br />

Diensten wie Ubuntu One, Dropbox oder Microsofts<br />

SkyDrive Ihre Dateien an, ist es möglich,<br />

dass diese in falsche Hände geraten. Das<br />

kann über Mitarbeiter der Firmen geschehen,<br />

aber ebenso über Dritte, die Accounts kompromittieren<br />

und Daten stehlen – gerade ge-<br />

GLOSSAR<br />

OpenPGP-Standard: Offizieller Internetstandard<br />

(RFC 4880) für Verschlüsselung,<br />

der auf PGP 5.x („Pretty Good<br />

Privacy“) basiert. PGP beinhaltete jedoch<br />

patentierte Algorithmen und<br />

wurde zudem kommerziell vertrieben,<br />

weshalb man den unabhängigen Standard<br />

ins Leben rief.<br />

schehen bei Dropbox [1]. Denn letztlich besteht<br />

die Cloud, für die das amerikanische<br />

National Institute for Standards and Technology<br />

(NIST) auf seiner Webseite [2] eine Definition<br />

versucht, nur aus Servern, die Dienste<br />

über das Internet anbieten. Auf diesen Servern<br />

speichern Sie dann Ihre Daten. Weisen<br />

die Dienste Sicherheitslücken auf, nutzen Angreifer<br />

das unter Umständen aus.<br />

Die Angst vieler Anwender davor, Dateien in<br />

der Cloud zu speichern, ist daher nicht unberechtigt<br />

– dennoch bietet die Technik auch<br />

Vorteile: Die Daten sind für Sie und Ihre<br />

Freunde von allen Orten der Welt aus erreichbar;<br />

Sie brauchen bloß einen Internetzugang.<br />

Baut der Cloud-Anbieter keinen Mist und legt<br />

saubere Backups an, sind die Daten redundant<br />

gespeichert und somit dauerhaft verfügbar.<br />

Bei einem Totalverlust Ihres Computers<br />

gibt es immer noch das Online-Backup.<br />

Verschlüsseln<br />

Wollen Sie Ihre Dateien im Onlinespeicher lagern,<br />

besteht immer die Möglichkeit, sie zu<br />

verschlüsseln. Dafür gibt es unter Linux den<br />

OpenPGP-Standard. Auf diesen setzt etwa<br />

das Kommandozeilenprogramm gpg, für das<br />

es einige grafische Frontends gibt, von denen<br />

wir weiter weiter unten eines vorstellen.<br />

Sie verschlüsseln Ihre Daten, indem Sie ein<br />

Schlüsselpaar erzeugen, das aus einem (geheimen)<br />

privaten Schlüssel und einem öffentlichen<br />

Schlüssel besteht. Sie nutzen Ihren eigenen<br />

öffentlichen Schlüssel, um die Datei<br />

damit zu chiffrieren, wobei zum Beispiel der<br />

sehr <strong>sicher</strong>e AES-Algorithmus zum Einsatz<br />

kommt. Um die Datei später wieder zu dechiffrieren,<br />

verwenden Sie den privaten Schlüssel,<br />

der sich auf Ihrer Festplatte befindet und den<br />

also nur Sie besitzen. Sie sollten immer eine<br />

Kopie dieses Schlüssels auf einem anderen<br />

Datenträger behalten, damit Sie nach einem<br />

Festplatten-Crash noch darauf zugreifen können.<br />

Kopieren Sie dazu nach der Einrichtung<br />

das versteckte Verzeichnis .gnupg aus Ihrem<br />

Home-Verzeichnis auf eine externe Platte oder<br />

einen USB-Stick.<br />

Kopiert ein Angreifer Ihre verschlüsselten Daten<br />

illegal aus der Cloud, braucht diese Person<br />

den privaten Schlüssel auf Ihrem Rechner, um<br />

mit den Daten etwas anfangen zu können.<br />

Und nicht nur das: Er muss zudem ein langes<br />

Passwort (die Passphrase) kennen, das Sie<br />

beim Erstellen des Schlüsselpaares ebenfalls<br />

generieren und das den privaten Schlüssel vor<br />

unbefugten Zugriffen schützt.<br />

Nebenbei: Laden Sie den öffentlichen Schlüssel<br />

auf einen offiziellen Schlüsselserver, lässt<br />

sich das Schlüsselpaar auch zum Sichern Ihrer<br />

E-<strong>Mail</strong>-Kommunikation verwenden, wie es<br />

der Artikel ab Seite 36 beschreibt. Ihr Kommunikationspartner<br />

muss dann eine an Sie<br />

gerichtete E-<strong>Mail</strong> mit Ihrem öffentlichen<br />

Schlüssel chiffrieren und umgekehrt.<br />

Schlüsselmeister KGpg<br />

Die beiden von <strong>EasyLinux</strong> unterstützten Versionen<br />

von OpenSuse (12.1 und 12.2) installieren<br />

bereits automatisch eine Software namens<br />

KGpg, die es ermöglicht, Ihre Dateien<br />

im Dateimanager Dolphin zu chiffrieren. Sie<br />

basiert auf OpenPGP und bietet ein grafisches<br />

Interface für gpg auf dem KDE-Desktop an.<br />

In der Praxis sieht das so aus, dass Sie Dolphin<br />

aufrufen, Ihre zu verschlüsselnde Datei<br />

mit der rechten Maustaste anklicken und aus<br />

54 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Dateien verschlüsseln<br />

TITEL<br />

dem Kontextmenü die Option Aktionen / Datei<br />

verschlüsseln auswählen (Abbildung 1).<br />

Handelt es sich um einen Ordner, wählen Sie<br />

Aktionen / Ordner packen und verschlüsseln.<br />

Verwenden Sie Kubuntu 12.04, müssen Sie<br />

noch das Paket kgpg über K-Menü / Rechner /<br />

Muon-Programmverwaltung nachinstallieren<br />

– ansonsten folgen Sie demselben Weg.<br />

Nun erscheint ein kleines Fenster, das Sie<br />

dazu auffordert, einen der vorhandenen<br />

GnuPG-Schlüssel auszuwählen. Existiert bereits<br />

ein Schlüssel auf Ihrem System, markieren<br />

Sie diesen und klicken Sie auf OK. Dolphin<br />

erzeugt nun eine zweite Datei, die den Namen<br />

der Originaldatei trägt, ergänzt um die zusätzliche<br />

Endung .asc. Das war es schon: Sie haben<br />

die Datei verschlüsselt und lagern Sie<br />

nun, wo immer Sie wollen. Um diese Datei<br />

wieder zu entschlüsseln, markieren Sie diese<br />

und wählen aus dem Kontextmenü Mit KGpg<br />

öffnen. Nach Eingabe der Passphrase entschlüsselt<br />

KGpg die Datei.<br />

Schlüsseldienst<br />

Üblicherweise bleibt das Fenster der Schlüsselverwaltung<br />

nach dem ersten Start leer. Bevor<br />

Sie Dateien ver- und entschlüsseln, müssen<br />

Sie noch ein Schlüsselpaar generieren, das<br />

aus einem öffentlichen<br />

und einem privaten<br />

Schlüssel besteht.<br />

Das weiß auch<br />

KGpg: Es versteckt<br />

nach dem ersten<br />

Start hinter dem<br />

Fenster der Schlüsselverwaltung<br />

(Abbildung<br />

2) einen<br />

dienstbaren Assistenten<br />

(KGpg-Assistent).<br />

Dieser hilft<br />

nun beim Anlegen<br />

des neuen Schlüsselpaares:<br />

Schließen Sie zunächst das Fenster zur<br />

1<br />

Schlüsselauswahl und klicken Sie dann im<br />

Assistenten auf Weiter.<br />

Der Assistent schlägt nun vor, GnuPG2 zu<br />

2<br />

wählen, dessen ausführbare Datei gpg2<br />

sich im Pfad /usr/ bin/ befindet – klicken<br />

Sie hier einfach auf Weiter.<br />

Die Konfigurationsdatei (gpg.conf) legt die<br />

3<br />

Software üblicherweise im versteckten<br />

Ordner .gnupg in Ihrem Home-Verzeichnis<br />

ab, was Sie über Weiter akzeptieren. Nun<br />

gelangen Sie zum nächsten Dialog.<br />

Abb. 1: Über das Kontextmenü im Dateimanager Dolphin verschlüsseln<br />

Sie mit KGpg Dateien und Ordner.<br />

Kreuzen Sie hier die Option Neues Schlüsselpaar<br />

wird erstellt ebenso an wie KGpg<br />

4<br />

automatisch beim Anmelden starten.<br />

Nun erscheint ein Formular mit mehreren<br />

5<br />

Feldern (Schlüsselgenerierung), über das<br />

Sie den Schlüssel generieren. Geben Sie<br />

dazu einen Namen, eine E-<strong>Mail</strong>-Adresse<br />

sowie im Feld Ablaufdatum ein Verfallsdatum<br />

für den Schlüssel an. Als Schlüssellänge<br />

werden häufiger 2048 Bit empfohlen,<br />

als Algorithmus greifen Sie am besten zu<br />

DSA & ElGamal.<br />

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55


TITEL<br />

Dateien verschlüsseln<br />

Algorithmen<br />

Üblicherweise stehen gpg zum (De-)Chiffrieren<br />

verschiedene Algorithmen zur Verfügung.<br />

Um diese anzusehen, geben Sie<br />

gpg --list-keys<br />

in eine Konsole ein. Das Kommando listet die<br />

verfügbaren Schlüssel auf. Über<br />

Abb. 2: Haben Sie mit Hilfe des Assistenten Schlüsselpaare generiert, tauchen diese anschließend<br />

in der Schlüsselverwaltung auf.<br />

GLOSSAR<br />

AES: Der Advanced Encryption Standard,<br />

auch Rijndael-Algorithmus genannt,<br />

ist ein symmetrisches Verschlüsselungsverfahren<br />

und setzt auf<br />

Schlüssellängen von 128, 192 und<br />

256 Bit. Er darf frei eingesetzt werden<br />

und kommt unter anderem bei der<br />

WPA2-Verschlüsselung von WLAN-Verbindungen<br />

zum Einsatz.<br />

Unter Kubuntu müssen Sie hier einen<br />

6<br />

Schritt mehr tun, da der Assistent offenbar<br />

den Pfad aus Schritt 2 nicht weitergibt.<br />

Schließen Sie also vor dem Ausfüllen das<br />

Fenster Schlüsselgenerierung und rufen Sie<br />

dann im Fenster Schlüsselverwaltung den<br />

Menüpunkt Einstellungen / KGpg einrichten<br />

auf. Unter GnuPG-Einstellungen ändern<br />

Sie den Pfad neben Programmpfad von gpg<br />

zu /usr/ bin/ gpg2 und entfernen das Häkchen<br />

bei GnuPG-Agenten benutzen. Über<br />

OK kehren Sie ins Hauptfenster zurück und<br />

wählen hier Schlüssel / Schlüsselpaar generieren,<br />

um nun das Formular im Fenster<br />

aus Schritt 5 auszufüllen.<br />

Nach einem Klick auf OK geben Sie nun die<br />

7<br />

Passphrase an. Diese entsperrt später Ihren<br />

privaten Schlüssel, wenn Sie Dateien dechiffrieren.<br />

Andernfalls könnte jede Person<br />

mit Zugang zu Ihrem Rechner auch auf die<br />

verschlüsselten Dateien zugreifen.<br />

Zu guter Letzt erzeugen OpenSuse und Kubuntu<br />

die Schlüsselpaare, was unter Ku-<br />

8<br />

buntu 12.04 etwas mehr Zeit in Anspruch<br />

nimmt, da das System die Zufallsdaten aus<br />

Ihren Desktopaktionen generiert. Arbeiten<br />

Sie also normal weiter, bis der angezeigte<br />

Fortschrittsbalken sein Ende erreicht.<br />

Abschließend erscheint der neue Schlüssel<br />

9<br />

mitsamt Fingerabdruck. Klicken Sie auf OK<br />

oder setzen Sie noch ein Häkchen neben<br />

Speichern unter, wenn Sie den Schlüssel<br />

später noch verwenden wollen.<br />

Nun lassen sich Dateien wie oben beschrieben<br />

über das Kontextmenü ver- und entschlüsseln.<br />

Wichtig ist dabei noch, das sich<br />

der private Schlüssel auf dem Rechner befindet,<br />

auf dem Sie eine Datei entschlüsseln.<br />

gpg --edit-key USER-ID<br />

bearbeiten Sie die Eigenschaften eines bestimmten<br />

Schlüssels. Im Beispiel heißt der<br />

Schlüssel kkissling, also ersetzen Sie die<br />

USER-ID durch kkissling. Nach diesem Schritt<br />

gelangen Sie in einen interaktiven Modus, der<br />

es Ihnen erlaubt, verschiedene Kommandozeilenbefehle<br />

abzusetzen, zum Beispiel:<br />

showprefs<br />

Der Befehl zeigt neben dem Eintrag Verschlü.:<br />

die Algorithmen an, die GPG mit Vorliebe verwendet<br />

(Abbildung 3). Wie Sie sehen, steht<br />

an erster Stelle der anfangs erwähnte AES-Algorithmus<br />

in seiner 256-Bit-Variante.<br />

Setzen Sie das neu generierte Schlüsselpaar<br />

zum Austausch von Informationen beim <strong>Mail</strong>verkehr<br />

ein, prüft die Software, welche Algorithmen<br />

die OpenPGP-Variante des Kommunikationspartners<br />

bevorzugt und wählt als Algorithmus<br />

den ersten gemeinsamen Treffer.<br />

Sie dürfen die Reihenfolge der bevorzugten<br />

Algorithmen sogar verändern [3], doch solche<br />

Details führen hier zu weit. Tippen Sie quit,<br />

verlassen Sie den interaktiven Modus.<br />

Fazit<br />

Sicher in die Cloud? Das geht durchaus, wenn<br />

Sie Ihre Dateien vorher mit KGpg verschlüsseln.<br />

Allerdings dürfen Sie dann später den<br />

privaten Schlüssel nicht verlieren und die<br />

Passphrase nicht vergessen – andernfalls sind<br />

Ihre verschlüsselten Inhalte zwar <strong>sicher</strong>, aber<br />

auch unwiderruflich verloren. (kki) n<br />

Infos<br />

Abb. 3: Mit Hilfe von ein paar Kommandozeilenbefehlen erfahren Sie, welche Verschlüsselungsalgorithmen<br />

GPG mit Vorliebe einsetzt.<br />

[1] Dropbox-Hack:<br />

https:// blog. dropbox. com/ index. php/<br />

security-update-new-features/<br />

(http:// ezlx. de/ c4b1)<br />

[2] Cloud-Definition des NIST: http://<br />

www. nist. gov/ itl/ csd/ cloud-102511.<br />

cfm (http:// ezlx. de/ c4b2)<br />

[3] GPG-Algorithmen festlegen: http://<br />

wiki. ubuntuusers. de/ GnuPG# Konfigu<br />

ration-der-bevorzugten-Algorithmen<br />

(http:// ezlx. de/ c4b3)<br />

56 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


MediathekView<br />

WORKSHOP<br />

MediathekView: Videos von ARD, ZDF & Co.<br />

ARD und ZDF on demand<br />

Die öffentlich-rechtlichen Sender<br />

in Deutschland bieten fast alle<br />

Sendungen auch online an. Mit<br />

MediathekView laden Sie diese<br />

manuell oder automatisch herunter<br />

und speichern sie lokal.<br />

Martin Loschwitz<br />

Schöne neue Onlinewelt: Wenn Sie<br />

eine Sendung bei ARD, ZDF & Co.<br />

verpasst haben, können Sie diese<br />

auch nach der Ausstrahlung noch anschauen,<br />

denn die Sender bieten ein Onlinearchiv. Es<br />

gibt jedoch einen Haken: Weil sich private<br />

Medienunternehmen durch die gebührenfinanzierte<br />

Unterhaltung bedroht sahen, erzwangen<br />

sie vor Gericht, dass die Videos nach<br />

kurzer Zeit von den Homepages der öffentlichen<br />

Programme wieder verschwinden müssen.<br />

In den meisten Fällen ist nach sieben Tagen<br />

Schluss – wer trotzdem noch eine Sendung<br />

sehen möchte, kann nur hoffen, dass<br />

andere Benutzer die entsprechenden Videos<br />

heruntergeladen und auf YouTube gestellt haben.<br />

Anderenfalls ist die Aufzeichnung online<br />

praktisch nicht mehr zu finden.<br />

Wer auf die Idee kommt, sich die Aufnahmen<br />

vorsorglich von den Websites herunterzuladen<br />

und zu einem späteren Zeitpunkt anzuschauen,<br />

steht vor weiteren Problemen: Jeder Sender<br />

pflegt ein eigenes Archiv, und die Bedienung<br />

der einzelnen „Mediatheken“ unterscheidet<br />

sich stark voneinander. Eine unmittelbare<br />

Downloadfunktion ist zudem nicht vorgesehen.<br />

Außerdem ist es umständlich, sich regelmäßig<br />

durch die verschiedenen Websites zu<br />

klicken, um interessante Sendungen zu finden:<br />

Die Menge der verfügbaren Videos ist beachtlich,<br />

und die Orientierung fällt oft schwer.<br />

MediathekView hilft<br />

An dieser Stelle kommt das Werkzeug MediathekView<br />

gelegen: Es tut im Grunde nichts anderes,<br />

als die verschiedenen Videoseiten von<br />

Sendern wie ARD und ZDF abzugrasen. Anschließend<br />

zeigt es eine Übersicht der verfügbaren<br />

Sendungen an. Der Clou ist, dass Sie unmittelbar<br />

in MediathekView eine Sendung per<br />

Mausklick anschauen oder sie herunterladen<br />

können, um sie zu einem späteren Zeitpunkt<br />

zu sehen. Liegt die Videodatei erstmal auf Ihrer<br />

Festplatte, spielt es keine Rolle, ob das Video<br />

selbst später aus der Mediathek des Senders<br />

verschwindet. Zudem ist MediathekView freie<br />

Software und steht auf der Projektwebseite [1]<br />

gratis zum Download bereit.<br />

Installation<br />

MediathekView ist eine Java-Anwendung.<br />

Das ist sehr praktisch, wenn Sie mit unterschiedlichen<br />

Betriebssystemen arbeiten müssen,<br />

denn MediathekView steht für Windows,<br />

Linux und Mac OS X mit identischer Oberfläche<br />

zur Verfügung. Bevor Sie selbst loslegen<br />

können, müssen Sie sich darum kümmern,<br />

dass die Programme VLC und flvstreamer<br />

ebenfalls zur Verfügung stehen.<br />

Der Videoplayer VLC liegt den gängigen Distributionen<br />

bei. Unter OpenSuse und Ubuntu<br />

genügt es, das Paket vlc zu installieren, um<br />

diese Abhängigkeit zu erfüllen. Etwas umständlicher<br />

verhält es sich mit flvstreamer –<br />

zumindest dann, wenn Sie nicht mit einem<br />

Ubuntu-System unterwegs sind. Bei Ubuntu<br />

gehört flvstreamer zum Lieferumfang; das<br />

gleichnamige Paket liefert das Programm.<br />

OpenSuse hingegen liegt flvstreamer nicht bei.<br />

Stattdessen sind Sie hier auf rtmpdump angewiesen,<br />

das es als Paket für OpenSuse in der<br />

YaST-Auswahl gibt. Bevor Sie MediathekView<br />

zum ersten Mal starten, stellen Sie also <strong>sicher</strong>,<br />

dass auf Ubuntu-Systemen vlc und flvstreamer<br />

bzw. unter OpenSuse vlc und rtmpdump installiert<br />

sind.<br />

MediathekView selbst installieren Sie ohne<br />

Klimmzüge: Laden Sie das Programmarchiv<br />

von der Webseite einfach herunter und speichern<br />

Sie es in Ihrem Home-Verzeichnis. Bei<br />

Redaktionsschluss war die Version 3.0 aktuell,<br />

welche die Entwickler im August veröffentlicht<br />

haben – diese Version finden Sie<br />

auch auf der Heft-DVD. Die .tar.gz-Datei entpacken<br />

Sie (z. B. mit dem KDE-Archivverwalter<br />

Ark) in einen Ordner in Ihrem Home-Verzeichnis.<br />

Klicken Sie danach doppelt auf die<br />

im neuen Ordner liegende Datei Mediathek-<br />

View.sh, um das Programm zu starten.<br />

Einstellungen anpassen<br />

Nach dem ersten Aufruf präsentiert MediathekView<br />

einen Dialog, in dem Sie die wichtigsten<br />

Einstellungen vornehmen. Den ersten<br />

© Marquis, photocase.com<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

www.easylinux.de<br />

57


WORKSHOP<br />

MediathekView<br />

Dialog quittieren Sie mit einem Klick auf Mit<br />

Standardeinstellungen starten, im zweiten tragen<br />

Sie beim Feld Pfad zum flvstreamer auswählen<br />

den Pfad /usr/bin/rtmpdump ein und<br />

klicken auf Weiter.<br />

Im nächsten Dialog legen Sie fest, welche<br />

Einstellungen jeweils für die Wiedergabe und<br />

das Speichern von Videos gelten. Möchten<br />

Sie z. B. das Verzeichnis ändern, in dem MediathekView<br />

heruntergeladene Videos ablegt,<br />

klicken Sie oben auf Linux Speichern und tragen<br />

danach unten einen Zielpfad ein. Das<br />

Ändern des Standardpfades ist eine gute<br />

Idee, weil MediathekView die Videos sonst<br />

direkt in Ihr Home-Verzeichnis speichert –<br />

wenn Sie viele Videos herunterladen, führt<br />

das schnell zu Chaos.<br />

Haben Sie alle Einstellungen erledigt, beenden<br />

Sie mit einem Klick auf Weiter die anfängliche<br />

Konfiguration und gelangen zum Mediathek-<br />

View-Hauptfenster. Erschrecken Sie nicht,<br />

wenn dieses anfangs etwas kahl aussieht:<br />

Nach dem ersten Start lädt MediathekView<br />

zunächst die Listen von Filmen herunter, die<br />

es Ihnen anschließend zum Sehen anbietet.<br />

Die Filmlisten kommen nicht direkt von den<br />

Fernsehsendern, sondern von den Servern des<br />

MediathekView-Projektes. Die Entwickler des<br />

Programms lassen in regelmäßigen Abständen<br />

automatisiert über eigene Skripte diese Listen<br />

zusammentragen, um den MediathekView-<br />

Nutzern die Auswahl zu erleichtern.<br />

Das Programm aktualisiert diese Liste übrigens<br />

nicht automatisch. Sie sehen an der Anzeige<br />

unten rechts im Programm jedoch, wie<br />

alt die aktuell genutzte Liste ist. Um zu einem<br />

beliebigen Zeitpunkt ein Update dieser Liste<br />

auszulösen, klicken Sie auf das Symbol mit<br />

der Weltkugel, das Sie unter dem Datei-Eintrag<br />

in der Dateileiste sehen. Wenn sich das<br />

angezeigte Alter der Liste im Anschluss nicht<br />

ändert, bedeutet das nur, dass auf dem Server<br />

im Moment keine aktuellere<br />

Liste zur Verfügung<br />

steht.<br />

Die Oberfläche<br />

Unter der Menüleiste finden<br />

Sie Symbole, die<br />

schnellen Zugriff auf die<br />

wirklich wichtigen Funktionen<br />

des Programms bietet.<br />

Darunter gibt es drei<br />

Reiter, wobei anfangs nur<br />

auf dem Reiter Filme Einträge<br />

zu finden sind. Der<br />

Filme-Tab bietet Ihnen die<br />

Übersicht über sämtliche<br />

Videos, die Mediathek-<br />

View zum Anschauen und<br />

zum Download anbietet<br />

(Abbildung 1). Um eine<br />

Sendung anzusehen, genügt<br />

es, doppelt auf den<br />

Abb. 1: Das Hauptfenster von MediathekView zeigt verfügbare Sendungen, hier bei der Suche nach der<br />

Tagesschau.<br />

Eintrag in der Filmliste zu<br />

klicken: Dann startet die<br />

Wiedergabe des ausgewählten Films in einem<br />

separaten VLC-Fenster.<br />

Einen Film herunterladen<br />

Wenn Sie einen Film herunterladen möchten,<br />

dann geht das so:<br />

Scrollen Sie in der Filmliste zu dem Film.<br />

1<br />

Nutzen Sie dazu gegebenenfalls die Suchfunktion,<br />

indem Sie im Feld Thema oder<br />

Titel unter Filter ein Stichwort eintragen.<br />

Wenn Sie den gewünschten Beitrag gefunden<br />

haben, klicken Sie mit der rechten<br />

2<br />

Maustaste auf den Eintrag und wählen aus<br />

dem Kontextmenü den Eintrag Film speichern<br />

aus.<br />

Wechseln Sie zum Reiter Downloads. Hier<br />

3<br />

finden Sie eine Liste aller heruntergeladenen<br />

Filme; in den Spalten Dateiname und<br />

Pfad steht, wo der Film auf der Festplatte<br />

liegt (Abbildung 2). Leider zeigt MediathekView<br />

keinen Fortschrittsbalken an, so<br />

Abb. 2: Unter „Downloads“ sehen Sie, welche Videos MediathekView gerade herunterlädt. Bei langsamen Leitungen empfiehlt es<br />

sich, nicht zu viele Videos gleichzeitig zu laden.<br />

58 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


MediathekView<br />

WORKSHOP<br />

Abb. 3: Über diesen Dialog fordern Sie<br />

MediathekView auf, Sendungen mit dem<br />

Thema „Tagesschau“ um 20:00 Uhr automatisch<br />

aufzunehmen.<br />

dass Sie das Ende des Downloads nur daran<br />

erkennen können, dass die Zieldatei<br />

nicht mehr größer wird.<br />

MediathekView speichert Dateien in der<br />

4<br />

Standardeinstellung als MP4-Dateien –<br />

diese Dateien spielen Sie mit jedem beliebigen<br />

Videoplayer ab.<br />

Abos mit MediathekView verwalten<br />

Eines der praktischen Features von MediathekView<br />

ist die Option, regelmäßig wiederkehrende<br />

Sendungen als Abos einzubinden.<br />

Möchten Sie z. B. zur Sicherheit die Tagesschau<br />

jeden Abend herunterladen, um sie<br />

nachträglich anzuschauen, wenn Sie nicht<br />

rechtzeitig zu Hause waren, dann ist die Abofunktion<br />

genau dafür vorgesehen. Ein Abo<br />

richten Sie wie folgt ein:<br />

Wechseln Sie zum Reiter Filme und geben<br />

1<br />

Sie oben bei Filter den Titel „Tagesschau“<br />

in das Feld Thema oder Titel ein. Drücken<br />

Sie [Eingabe], um die Suche zu starten.<br />

MediathekView zeigt eine große Anzahl an<br />

2<br />

Sendungen an. Navigieren Sie zu einem<br />

Eintrag, der Ihrem Wunsch entspricht (im<br />

Beispiel eine Tagesschau um 20:00 Uhr).<br />

Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf<br />

3<br />

diesen Eintrag und wählen Sie im Kontextmenü<br />

Abo / Abo mit Sender und Thema<br />

und Titel anlegen aus. Das Programm erstellt<br />

Abos anhand des Senders, des Themas<br />

und des Titels aus seinen Programmlisten.<br />

Wollen Sie also eine regelmäßig wiederkehrende<br />

Sendung aufnehmen, müssen<br />

Sie darauf achten, dass diese Werte genau<br />

den Vorgaben der Sendung entsprechen<br />

(Abbildung 3).<br />

Klicken Sie abschließend auf OK. Danach<br />

4<br />

können Sie zur Kontrolle zum Reiter Abos<br />

wechseln – dort sollte das angelegte Abo<br />

bereits zu sehen sein.<br />

Möchten Sie ein Abo wieder löschen, wählen<br />

Sie auf dem Abos-Reiter das Abo aus<br />

5<br />

und klicken auf das große rote Kreuz in der<br />

Symbolleiste. Wollen Sie das Abo nur deaktivieren<br />

(aber nicht löschen), führt ein<br />

Klick auf das schwarze Kreuz zum Ziel.<br />

Um dieses Abo später zu reaktivieren, genügt<br />

ein Klick auf den grünen Haken.<br />

Wenn’s mal wieder länger dauert<br />

MediathekView erlaubt auch mehrere simultane<br />

Downloads. Dabei ist zu beachten, dass<br />

auch kurze Sendungen zu durchaus großen<br />

Dateien führen können: Eine rund 45-minütige<br />

Dokumentation belegt auf der Platte ungefähr<br />

1 GByte Platz. Das Downloadfenster<br />

von MediathekView funktioniert wie eine<br />

Warteschlange: Je mehr Filme Sie im Filme-<br />

Tab auswählen, desto länger wird die<br />

Schlange. Beim Benutzen der Funktion für simultane<br />

Downloads ist aber auch Vorsicht geboten:<br />

Zu viele gleichzeitige Downloads können<br />

dazu führen, dass die Leitung für normales<br />

Surfen im Netz nicht mehr zu gebrauchen<br />

ist. Darum ist es sinnvoll, einen guten Mittelweg<br />

zu finden. Das Fenster, in dem Sie die<br />

maximale Anzahl erlaubter Downloads eintragen,<br />

erreichen Sie über den Menüpunkt<br />

Downloads / Anzahl gleichzeitige Downloads.<br />

Sie tragen die gewünschte Zahl dann in das<br />

Zahlenfeld ein, das Sie bei diesem Menüeintrag<br />

sehen.<br />

Mehr Einstellungen<br />

Über den Konfigurationsdialog können Sie<br />

noch verschiedene Parameter genauer festlegen,<br />

um das Programm an Ihre Wünsche anzupassen.<br />

Sie erreichen diesen Dialog über den<br />

Menüpunkt Datei / Einstellungen. Wenn Sie<br />

zum Beispiel einen Proxyserver nutzen, um ins<br />

Internet zu kommen, richten Sie diesen unter<br />

Netzwerk ein. Unter Allgemein haben Sie die<br />

Möglichkeit, dem Tool ein neues Aussehen zu<br />

verpassen: Neben Look and Feel findet sich<br />

dort ein Drop-down-Menü, das verschiedene<br />

Themes anbietet. Nimbus ist vor allem für<br />

KDE-Systeme eine gute Wahl und sorgt dafür,<br />

dass MediathekView sich deutlich besser in<br />

den Desktop einpasst (Abbildung 4).<br />

Fazit<br />

MediathekView ist ein großartiges Werkzeug,<br />

um den Löschaktionen der diversen öffentlichrechtlichen<br />

Fernsehsender zu entkommen.<br />

Wenige Mausklicks reichen aus, um eine komplette<br />

Sendung lokal zu speichern, damit Sie<br />

diese später ansehen können. Die Abofunktion<br />

ist ebenfalls pfiffig, denn damit können Sie<br />

z. B. Serien automatisiert aufnehmen, ohne<br />

sich um jede Folge separat kümmern zu müssen.<br />

So werden Sie sehenswerte Sendungen<br />

von ARD, ZDF & Co. in Zukunft nicht mehr<br />

verpassen. (hge)<br />

n<br />

Infos<br />

[1] MediathekView: http:// sourceforge.<br />

net/ projects/ zdfmediathk/<br />

(http:// ezlx. de/ c4r1)<br />

Software zum Artikel auf DVD:<br />

Mediathek<br />

Abb. 4: Im Konfigurationsdialog von MediathekView legen Sie verschiedene Einstellungen<br />

des Programms fest – beispielsweise seine Optik.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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59


WORKSHOP<br />

Multi-Boot: Windows & Linux<br />

Windows und zweimal Linux auf einer Platte<br />

Multi-Boot<br />

Viele Linux-Anwender möchten sich nicht ganz von Windows trennen<br />

und streben daher eine Parallelinstallation beider Betriebssysteme<br />

an. Wie Sie Windows sogar mit zwei Linux-Distributionen<br />

gemeinsam nutzen können, zeigt dieser Artikel.<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Festplatten aktueller Rechner bieten oft<br />

ein ganzes Terabyte (1 TByte =<br />

1 024 GByte) Platz für Programme und<br />

Daten; da ist es problemlos möglich, die<br />

Platte aufzuteilen und mehrere Betriebssysteme<br />

zu installieren. Ein Bootmanager erlaubt<br />

beim Rechnerstart die Auswahl, welches der<br />

Systeme booten soll; für den Wechsel zu einem<br />

anderen System fährt man den Computer<br />

einfach herunter und startet ihn neu. Das<br />

ist deutlich billiger als die Alternative, mehrere<br />

Computer zu kaufen, die häufig gar nicht<br />

ins Arbeitszimmer oder unter den Schreibtisch<br />

passen.<br />

Die Alternative zur Parallelinstallation mehrerer<br />

Systeme heißt Emulation bzw. Virtualisierung;<br />

dabei läuft Windows in einer virtuellen<br />

Maschine unter Linux (oder umgekehrt) –<br />

diese Vorgehensweise haben wir schon in<br />

mehreren Artikeln beschrieben [1,2], und sie<br />

bietet den Vorteil, dass man Programme aller<br />

Betriebssysteme parallel (und ohne Reboot)<br />

einsetzen kann. Der Nachteil ist, dass die Performance<br />

des Gastsystems oft niedriger als die<br />

einer nativen Installation ist und es (selten)<br />

Probleme beim Zugriff auf angeschlossene<br />

Geräte gibt.<br />

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der<br />

Parallelinstallation von Windows und zwei<br />

oder mehr Linux-Distributionen auf einem<br />

Rechner, wobei (nach Auswahl im Bootmanager)<br />

immer nur ein einziges Betriebssystem<br />

aktiv ist. Bei der Einrichtung sollte man geschickt<br />

vorgehen und unter anderem dafür<br />

sorgen, dass wichtige Dateien von allen installierten<br />

Systemen aus erreichbar sind. Die<br />

meisten Installationsroutinen von Linux-Distributionen<br />

sind darauf ausgerichtet, dass bereits<br />

ein Windows auf der Platte vorhanden<br />

ist und dort auch bleiben soll; für die Installation<br />

von mehr als einer Linux-Distribution<br />

sind zusätzliche Planungen nötig.<br />

Da geht es hin<br />

Das Ziel ist ein Multi-Boot-System, das Windows,<br />

OpenSuse und (K)Ubuntu auf einer<br />

Festplatte kombiniert und dabei die folgenden<br />

Eigenschaften hat:<br />

l Beim Booten des Rechners wählen Sie im<br />

Bootmenü aus, welches der drei Betriebssysteme<br />

Sie starten möchten.<br />

l Auf Ihre privaten Dateien, Musik und Videos<br />

sowie E-<strong>Mail</strong>s greifen Sie einheitlich<br />

von allen Systemen aus zu; es spielt keine<br />

Rolle, welches der Betriebssysteme gerade<br />

aktiv ist.<br />

l Standardprogramme wie Firefox, Thunderbird<br />

und OpenOffice, die es für Windows<br />

und Linux gibt, sind auf allen Betriebssystemen<br />

mit einheitlichen Einstellungen<br />

installiert.<br />

Außerdem ist die Festplatte für das Nachrüsten<br />

weiterer Linux-Distributionen bzw. für<br />

Aktualisierungen auf neuere OpenSuse- bzw.<br />

Ubuntu-Versionen vorbereitet.<br />

Wir gehen in diesem Szenario davon aus, dass<br />

nur ein Benutzer (Sie) mit diesem Rechner arbeitet<br />

und dass Sie unter Windows und Linux<br />

denselben Benutzernamen verwenden. Beide<br />

Betriebssysteme richten auch standardmäßig<br />

nur einen Benutzeraccount ein. Wenn Sie unter<br />

einem der Systeme weitere Nutzer (etwa<br />

für andere Familienmitglieder) anlegen, können<br />

diese das jeweilige System auch verwenden,<br />

aber die Integration der Einstellungen<br />

und persönlichen Dateien über Betriebssystemgrenzen<br />

hinweg funktioniert nur für den<br />

ersten (Standard-)Benutzer.<br />

Installationsmarathon<br />

Die Installation beginnt mit dem Einrichten<br />

von Windows, weil der Windows-Installer<br />

sich am schlechtesten mit bereits vorhandenen<br />

anderen Betriebssystemen verträgt. (Er<br />

ignoriert sie komplett und kann nur durch Löschen<br />

einer Partition freien Platz schaffen.)<br />

Außerdem sind die meisten Rechner ab Werk<br />

bereits mit Windows vorkonfiguriert.<br />

Wenn Sie eine frische Festplatte verwenden,<br />

installieren Sie also zunächst Windows. Dabei<br />

müssen Sie sich über eine Aufteilung der Festplatte<br />

(Platz für die Linux-Systeme) keine Gedanken<br />

<strong>machen</strong>, weil die Linux-Installationsroutinen<br />

eine bestehende Windows-Partition<br />

problemlos verkleinern können. Im Kasten<br />

Theorie zu Platten und Partitionen finden Sie<br />

Hinweise zur Theorie der Festplattenaufteilung<br />

und zu der unter Linux üblichen Notation,<br />

mit der Sie individuelle Linux-Partitionen<br />

benennen können.<br />

Planung<br />

Um das Ziel zu erreichen, schlagen wir die<br />

folgende Aufteilung Ihrer Festplatte vor:<br />

l /dev/ sda1 – primäre Partition, Windows,<br />

Dateisystem NTFS, Laufwerk C: mit der<br />

Windows-Installation<br />

l /dev/ sda2 – erweiterte Partition (nimmt<br />

logische Partionen auf)<br />

l /dev/ sda5 – erste logische Partition, Windows,<br />

Dateisystem NTFS, Laufwerk D: für<br />

von Windows und Linux gemeinsam genutzte<br />

Dateien<br />

l /dev/ sda6 – zweite logische Partition, Typ<br />

„Linux Swap“, für den Auslagerungsspeicher<br />

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Multi-Boot: Windows & Linux<br />

WORKSHOP<br />

sda1<br />

(primär)<br />

Windows C:<br />

/windows<br />

sda5 (log.)<br />

Windows D:<br />

/share<br />

sda6 (log.)<br />

Swap<br />

sda7 (log.)<br />

Ubu + Suse<br />

/home<br />

sda2 (erweitert)<br />

sda8 (log.)<br />

Kubuntu<br />

/ (Root)<br />

sda9 (log.)<br />

OpenSuse<br />

/ (Root)<br />

sda10 (log.)<br />

(reserviert)<br />

Abb. 2: Wenn Sie unserem Partitionierungsvorschlag folgen, zerlegen Sie die Festplatte in eine primäre Partition für Windows und<br />

eine erweiterte Partition für Linux, die sechs logische Partitionen enthält (von denen die erste auch unter Windows benutzbar ist).<br />

l /dev/ sda7 – dritte logische Partition, Typ<br />

„Linux“, Dateisystem Ext4, für Ihr Home-<br />

Verzeichnis (die privaten Nutzerdaten)<br />

l /dev/ sda8 – vierte logische Partition, Typ<br />

„Linux“, Dateisystem Ext4, für die Installation<br />

von (K)Ubuntu<br />

l /dev/ sda9 – fünfte logische Partition, Typ<br />

„Linux“, Dateisystem Ext4, für die Installation<br />

von OpenSuse<br />

l /dev/ sda10 – sechste logische Partition, Typ<br />

„Linux“, Dateisystem Ext4 (leer), für die<br />

Installation eines dritten Linux-Systems<br />

Wenn Sie bereits vorab wissen, dass Sie zahlreiche<br />

weitere Linux-Versionen ausprobieren<br />

möchten, können Sie noch zusätzliche logische<br />

Partitionen /dev/ sda10, /dev/ sda11 usw.<br />

anlegen, die Sie zunächst nicht verwenden.<br />

Andersrum können Sie auch auf /dev/ sda9<br />

verzichten, wenn Sie nur ein Linux-System<br />

neben Windows einrichten möchten – in letzterem<br />

Fall wäre aber die hier beschriebene<br />

Vorgehensweise unnötig kompliziert, und Sie<br />

könnten einfach die Linux-Installation mit<br />

Standardeinstellungen erledigen. Abbildung<br />

2 zeigt die Aufteilung grafisch.<br />

Als grobe Vorgehensweise empfehlen wir:<br />

Booten Sie Windows und defragmentieren<br />

1<br />

Sie die Festplatte.<br />

Starten Sie den Rechner mit eingelegter<br />

2<br />

(K)Ubuntu-Installations-DVD neu und richten<br />

Sie damit (K)Ubuntu ein, wobei Sie bereits<br />

alle nötigen Partitionen erzeugen.<br />

Starten Sie den Rechner mit eingelegter<br />

3<br />

OpenSuse-Installations-DVD neu und richten<br />

Sie damit OpenSuse ein, wobei Sie festlegen,<br />

dass OpenSuse die Partition mit dem<br />

Verzeichnis /home aus der (K)Ubuntu-Installation<br />

ebenfalls für diesen Ordner nutzt.<br />

Für den Browser Firefox und das <strong>Mail</strong>programm<br />

Thunderbird stellen Sie unter Linux<br />

4<br />

noch ein, dass diese Programme die unter<br />

Windows angelegten Profile verwenden.<br />

Diese groben Schritte beschreiben wir nun<br />

ausführlich, wobei wir für Details der Linux-<br />

Installationen (soweit sie nicht mit den hier<br />

vorgeschlagenen speziellen Einstellungen zu<br />

tun haben) auf die klassischen Installationsanleitungen<br />

aus <strong>EasyLinux</strong> verweisen, für<br />

OpenSuse 12.2 zum Beispiel auf Seite 26 in<br />

dieser Ausgabe [3], für Kubuntu 12.04 in<br />

Heft 03/ 2012 [4].<br />

THEORIE ZU PLATTEN UND PARTITIONEN<br />

sda1<br />

(primär)<br />

sda5<br />

(logisch)<br />

Linux gibt jeder Festplatte einen so genannten<br />

Gerätedateinamen: Das ist ein Kürzel<br />

der Form sda (für die erste SATA- oder SCSI-<br />

Festplatte) bzw. hda (für die erste klassische<br />

IDE-Festplatte). Weitere Platten vom gleichen<br />

Typ heißen dann sdb, sdc usw. bzw.<br />

hdb, hdc usw. Diese Kurzbezeichnungen stehen<br />

traditionell für „SCSI Disk A“ (SCSI-<br />

Platte A), „SCSI Disk B“ usw. und „Hard Disk<br />

A“ (Festplatte A), „Hard Disk B“ usw. In aktuellen<br />

Rechnern werden Sie keine IDE-Festplatten<br />

mehr finden, so dass Sie meist nur<br />

mit den Namen sda und sdb rechnen müssen,<br />

weil auch mehr als zwei Festplatten unüblich<br />

sind.<br />

Diese Kürzel heißen Gerätedateinamen<br />

(engl. device filenames), weil es im Ordner<br />

/dev/ passende Einträge gibt (etwa: /dev/<br />

sda für die erste SATA-Platte), über welche<br />

Linux mit den Platten kommuniziert. Das Verzeichnis<br />

enthält noch zahlreiche weitere Einträge,<br />

über die sich andere Hardware (andere<br />

Geräte) ansprechen lässt.<br />

Jede Festplatte kann vier so genannte primäre<br />

Partitionen enthalten. Es gibt auf jeder<br />

Platte ein zentrales Inhaltsverzeichnis, das<br />

Informationen über diese vier Partitionen<br />

speichert. Die vier primären Partitionen werden<br />

von 1 bis 4 durchnummeriert. Diese<br />

Nummer wird an den Namen der Plattengerätedatei<br />

angehängt, um den Namen der Partitionsgerätedatei<br />

zu bilden: So heißt etwa die<br />

erste Partition auf der Platte /dev/ sda einfach<br />

/dev/ sda1.<br />

Damit man mehr als vier Partitionen auf einer<br />

Platte verwenden kann, wurde zu MS-<br />

DOS-Zeiten das Konzept der erweiterten Partition<br />

eingeführt: Auf jeder Festplatte darf<br />

eine der vier primären Partitionen vom Typ<br />

„erweitert“ sein – innerhalb dieser erweiterten<br />

Partition können dann weitere „logische“<br />

Partitionen angelegt werden. Die erweiterte<br />

sda2 (erweitert)<br />

sda6<br />

(logisch)<br />

Abb. 1: So sieht eine einfache Aufteilung einer Festplatte mit einer primären und einer<br />

erweiterten Partition (die wiederum zwei logische Partitionen enthält) aus.<br />

Partition ist also nur ein Container und enthält<br />

selbst kein Dateisystem, auf dem Sie<br />

Dateien speichern können, sondern weitere<br />

Partionen (Abbildung 1).<br />

In Microsoft-Sprache heißen die logischen<br />

Partitionen „logische Laufwerke“. Linux nutzt<br />

auch erweiterte Partitionen und kann innerhalb<br />

einer solchen prinzipiell beliebig viele logische<br />

Partitionen anlegen. Sie werden ab 5<br />

durchnummeriert, so dass etwa die erste logische<br />

Partition auf der Platte /dev/ sda über<br />

die Gerätedatei /dev/ sda5 ansprechbar ist.<br />

In sehr seltenen Fällen reicht es nicht aus,<br />

eine Windows-Partition zu verkleinern, um<br />

Platz für Linux zu schaffen: Das ist dann der<br />

Fall, wenn Windows so installiert wurde,<br />

dass das System bereits vier primäre Partitionen<br />

(z. B. eine Systempartition, zwei Datenpartitionen<br />

und eine Recovery-Partition) enthält.<br />

Eine dieser Partitionen muss dann in<br />

eine erweiterte Partition umgewandelt werden,<br />

damit sich darin neue logische Partitionen<br />

anlegen lassen – und das bedeutet den<br />

Verlust aller Dateien in dieser primären Partition,<br />

die Sie darum vorher auf eines der anderen<br />

Windows-Laufwerke <strong>sicher</strong>n müssen.<br />

Auf den meisten Rechnern gibt es ab Werk<br />

aber nur zwei (primäre) Partitionen, und dann<br />

können die Installationsroutinen der Linux-<br />

Distributionen problemlos Platz für Linux<br />

schaffen.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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63


WORKSHOP<br />

Multi-Boot: Windows & Linux<br />

03/ 2012) finden oder von der Kubuntu-Webseite<br />

[6] herunterladen können.<br />

Nach dem Booten der DVD wählen Sie als<br />

1<br />

Installationsart die Option Manuell, um<br />

selbst die Partitionierung festzulegen.<br />

Abb. 3: Unter Windows defragmentieren Sie zunächst die Windows-Partition.<br />

Schritt 1: Windows defragmentieren<br />

Bevor Sie eine Windows-Partition verkleinern,<br />

sollten Sie das Windows-Programm zur Defragmentierung<br />

der Festplatte ausführen.<br />

Fragmentierung tritt auf, wenn Dateien nicht<br />

zusammenhängend auf der Festplatte gespeichert,<br />

sondern in mehreren Teilstücken an<br />

verschiedenen Stellen untergebracht sind. Das<br />

Defragmentierungsprogramm sorgt als Nebeneffekt<br />

dafür, dass alle Daten an den Anfang<br />

der Windows-Partition wandern: Das ist<br />

manchmal notwendig, um eine solche Partition<br />

(ausreichend) zu verkleinern. Unter Windows<br />

7 oder Vista klicken Sie im Explorer mit<br />

der rechten Maustaste auf das Icon des Windows-Laufwerks<br />

(C:) und wählen aus dem<br />

Kontextmenü den Punkt Eigenschaften. Im Eigenschaftenfenster<br />

wechseln Sie zum Reiter<br />

Tools und klicken dann auf Jetzt defragmentieren<br />

(Abbildung 3). Nach dem Defragmentieren<br />

können Sie Windows herunterfahren.<br />

Schritt 2: Kubuntu installieren<br />

Als erstes Linux-System installieren Sie das<br />

aktuelle Kubuntu, das Sie z. B. auf der Heft-<br />

DVD der letzten Ausgabe (<strong>EasyLinux</strong><br />

Verkleinern Sie die vorhandene Windows-<br />

2<br />

Partition – das wird je nach Installation<br />

/dev/ sda1 oder /dev/ sda2 sein. Im Test mit<br />

einem frisch installierten Windows 7 gab<br />

es auf dem Testrechner noch eine zusätzliche<br />

kleine Partition, so dass die eigentliche<br />

Windows-Partition /dev/ sda2 war. Geben<br />

Sie unter Mount point an, dass diese Partition<br />

später im Verzeichnis /windows eingebunden<br />

wird.<br />

Wie viel Platz Sie Windows und Linux auf<br />

der Platte zur Verfügung stellen wollen,<br />

hängt im Wesentlichen davon ab, unter<br />

welchem der Betriebssysteme Sie mehr<br />

Programme installieren werden. Sind Sie<br />

un<strong>sicher</strong>, geben Sie Windows ungefähr die<br />

halbe Platte, denn auch Ihre unter Linux<br />

erstellten Dokumente werden auf dieser<br />

Windows-Partition landen. Die Größe tragen<br />

Sie in MByte ein, also zum Beispiel<br />

200000 für knapp 200 GByte.<br />

Der Installer verkleinert sofort die Partition<br />

und benötigt dafür einige Minuten.<br />

Unten in der Liste der Partitionen gibt es<br />

3<br />

nun einen Eintrag Freier Speicher. Klicken<br />

Sie diesen an und legen Sie über den sich<br />

öffnenden Dialog eine neue logische Windows-Partition<br />

an (die danach als /dev/<br />

sda5 erscheint). Wählen Sie das FAT32-<br />

Dateisystem und als Mount point den Ordner<br />

/shared.<br />

Abb. 4: In der Übersicht sehen Sie alle von Ihnen angelegten Partitionen.<br />

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<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Multi-Boot: Windows & Linux<br />

WORKSHOP<br />

Ähnlich legen Sie nun noch weitere Partitionen<br />

an, zunächst eine Swap-Partition<br />

4<br />

(/dev/ sda6). Für diesen Auslagerungsspeicher,<br />

den später sowohl Kubuntu als auch<br />

OpenSuse nutzen werden, reichen 4 GByte<br />

aus; tragen Sie darum in das Größenfeld<br />

4300 (MByte) ein. Als Typ wählen Sie Auslagerungsspeicher<br />

(Swap).<br />

Weiter geht es mit einer Partition, die Sie<br />

5<br />

unter /home einhängen. Darin liegen dann<br />

die Home-Verzeichnisse mit den persönlichen<br />

Einstellungen und Dateien (außer jenen,<br />

die auf der Windows-Partition landen).<br />

Als Dateisystem wählen Sie Ext4, als<br />

Größe bieten sich 10 bis 20 Prozent der<br />

Plattenkapazität an. Diese Partition wird<br />

/dev/ sda7.<br />

Es folgt die Systempartition für Kubuntu,<br />

6<br />

in Linux-Sprache auch Root-Partition genannt,<br />

weil sich hier das Wurzelverzeichnis<br />

/ (engl. root directory) befindet. Der<br />

Dateisystemtyp ist wieder Ext4, der Mount<br />

point ist /. Damit erzeugen Sie /dev/ sda8.<br />

Schließlich legen Sie noch zwei weitere<br />

7<br />

Partitionen (sda9 und sda10) an, die auch<br />

beide den Dateisystemtyp Ext4 erhalten,<br />

das Feld Mount point lassen Sie jedoch jeweils<br />

leer. Die erste der beiden wird später<br />

zur OpenSuse-Systempartition, die<br />

zweite ist für spätere Verwendung (etwa<br />

die Installation eines dritten Linux-Systems)<br />

reserviert.<br />

Überprüfen Sie dann die Tabelle, sie sollte<br />

8<br />

jetzt wie in Abbildung 4 aussehen. Wenn<br />

alles passt, klicken Sie auf Jetzt installieren.<br />

Es folgen zwei Warnhinweise, die Sie darüber<br />

informieren, dass die Partitionen sda9<br />

und sda10 nicht eingebunden werden – das<br />

ist in Ordnung.<br />

Abb. 5: Ändern Sie unter Kubuntu die Konfigurationsdatei „/ etc/ fstab“, damit Sie als<br />

normaler Benutzer Schreibrechte für die Windows-Partitionen haben.<br />

Schließen Sie die Installation ab und probieren<br />

Sie am Ende aus, ob sich beide in-<br />

9<br />

stallierten Systeme (Windows und Kubuntu)<br />

booten lassen.<br />

Wenn Sie unter Ubuntu angemeldet sind,<br />

ändern Sie die Einstellungen, mit denen<br />

das System die Windows-Partitionen einbindet.<br />

Dazu geben Sie in einem Terminal<br />

(das Sie z. B. über [Alt-F2] und Eingabe<br />

von konsole öffnen) den Befehl sudo kate /<br />

etc/fstab ein und ersetzen im Editor in den<br />

Zeilen, die /shared bzw. /windows enthalten,<br />

die Zeichenfolge umask=007,gid=46<br />

durch umask=077,fmask=177,uid=1000,<br />

gid=1000 (Abbildung 5).<br />

Anpassungen Kubuntu<br />

Im folgenden Schritt richten Sie Kubuntu so<br />

ein, dass die Linux-Anwendungen Dokumente,<br />

MP3-Dateien, Bilder und Videos sowie<br />

Downloads nicht auf der Linux-Partition, sondern<br />

in den entsprechenden Windows-Ordnern<br />

ablegen: Damit haben Sie später auf<br />

diese Daten immer Zugriff, unabhängig vom<br />

gerade laufenden Betriebssystem.<br />

Öffnen Sie über [Alt-F2] und Eingabe von<br />

konsole in das Schnellstartfenster ein Terminalfenster<br />

(falls es nicht noch von den letzten<br />

Arbeitsschritten geöffnet ist) und geben Sie<br />

dort nacheinander die folgenden Befehle ein,<br />

die unter anderem einige Ordner löschen und<br />

Links zu anderen erstellen – es ist wichtig,<br />

dass es sich um ein frisch installiertes Linux-<br />

System handelt. (Geben Sie diese Kommandos<br />

also nicht auf einer schon länger genutzten<br />

Linux-Installation ein, denn dann würden<br />

die Ordner Dateien enthalten!)<br />

cd<br />

W=/windows/Users/esser<br />

Das Kommando cd steht alleine auf einer<br />

Zeile. Im zweiten Befehl müssen Sie esser<br />

durch Ihren Windows-Benutzernamen ersetzen.<br />

Achten Sie auch auf den Großbuchstaben<br />

am Anfang von Users – das gilt entsprechend<br />

für die folgenden Kommandos:<br />

rm -r Dokumente<br />

ln -s $W/Documents Dokumente<br />

rm -r Musik<br />

ln -s $W/Music Musik<br />

rm -r Bilder<br />

ln -s $W/Pictures Bilder<br />

rm -r Videos<br />

Abb. 6: Der Partionierer in YaST zeigt die bestehende Aufteilung an. Sie legen hier nur<br />

fest, welche Partitionen OpenSuse nutzen soll, denn die Aufteilung passt schon.<br />

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65


WORKSHOP<br />

Multi-Boot: Windows & Linux<br />

Abb. 7: So soll die Partitionsübersicht im OpenSuse-Installer YaST aussehen: Root-,<br />

Home- und Windows-Partitionen sind eingebunden.<br />

ln -s $W/Videos Videos<br />

rm -r Downloads<br />

ln -s $W/Downloads Downloads<br />

Mit diesen Befehlen haben Sie die für Dokumente,<br />

Musik, Bilder, Videos und Downloads<br />

aus dem Webbrowser vorgesehenen Verzeichnisse<br />

gelöscht und durch symbolische Links<br />

auf die entsprechenden Ordner in der Windows-Installation<br />

ersetzt. (Beachten Sie die unterschiedlichen<br />

Schreibweisen; Windows verwendet<br />

englische Ordnernamen, auch wenn es<br />

im Explorer deutsche Übersetzungen anzeigt.)<br />

Wenn Sie also in Zukunft unter Windows oder<br />

Linux solche Dateien erstellen, landen diese<br />

automatisch auf der Windows-Partition.<br />

Damit ist die Einrichtung von Kubuntu vorläufig<br />

abgeschlossen. Legen Sie jetzt eine Open-<br />

Suse-DVD (z. B. die Heft-DVD dieser Ausgabe<br />

ein) und starten Sie den Computer neu.<br />

Schritt 3: OpenSuse installieren<br />

Bei der OpenSuse-Installation haben Sie weniger<br />

Arbeit, weil Sie alle Partitionen bereits bei<br />

der Kubuntu-Einrichtung vorbereitet haben.<br />

Wählen Sie in OpenSuse-Installer YaST als<br />

1<br />

Installationsart den Modus Neuinstallation.<br />

YaST schlägt vor, die bestehenden Partitionen<br />

für / (/dev/ sda8) und /home (/dev/<br />

sda7) zu verwenden, dabei würde es die<br />

Home-Partition einfach einbinden und sda8<br />

(wo sich die Kubuntu-Installation befindet)<br />

formatieren, also löschen. Das müssen Sie<br />

korrigieren und wählen darum zunächst<br />

Partitionsaufbau erstellen und dann Benutzerdefinierte<br />

Partitionierung (für Experten).<br />

Sie sehen dann eine Übersicht aller Partitionen,<br />

die OpenSuse entdeckt hat.<br />

2<br />

Abbildung<br />

6 (suse02) zeigt diese Liste. Zur Erinnerung:<br />

/dev/ sda7 enthält die Home-Verzeichnisse,<br />

auf /dev/ sda8 liegt das Kubuntu-System.<br />

Klicken Sie den Eintrag für /dev/ sda7 mit<br />

3<br />

der rechten Maustaste an und wählen Sie<br />

aus dem Kontextmenü Bearbeiten. Im erscheinenden<br />

Dialog aktivieren Sie die Option<br />

Partition einhängen und wählen als<br />

Einhängepunkt /home aus.<br />

Wichtig: Übernehmen Sie hier die Vorgabe<br />

Partition nicht formatieren, denn diese Partition<br />

haben Sie bereits bei der Kubuntu-<br />

Installation eingerichtet. Klicken Sie auf<br />

Beenden, um die geänderten Einstellungen<br />

für diese Partition zu übernehmen.<br />

Es fehlt noch die Root-Partition für das<br />

4<br />

OpenSuse-System: Klicken<br />

Sie in der Übersicht mit der<br />

rechten Maustaste auf den<br />

Eintrag für /dev/ sda9 und<br />

wählen Sie im Kontextmenü<br />

wieder Bearbeiten.<br />

Diese Partition muss formatiert<br />

werden, darum ändern<br />

Sie im erscheinenden Dialog<br />

die Einstellung auf Partition<br />

formatieren (und<br />

übernehmen den Dateisystemvorschlag<br />

Ext4). Außerdem<br />

aktivieren Sie rechts<br />

die Option Partition einhängen<br />

und wählen als Einhängepunkt<br />

das Wurzelverzeichnis<br />

/. Klicken Sie dann<br />

erneut auf Beenden.<br />

Jetzt fehlen noch die beiden Windows-Partitionen.<br />

Bearbeiten Sie (ähnlich wie in<br />

5<br />

Schritt 3) die beiden Einträge für die NTFSund<br />

die FAT32-Partition (im Beispiel /dev/<br />

sda2 und /dev/ sda5) und tragen Sie dort<br />

als Einhängepunkte /windows und /share<br />

ein. Danach sollte die Partitionstabelle wie<br />

in Abbildung 7 aussehen.<br />

Prüfen Sie nochmals, dass es in der Tabelle<br />

6<br />

in der Spalte F nur eine einzige Eintragung<br />

F gibt (nämlich bei /dev/ sda9), und klicken<br />

Sie dann auf Übernehmen. Auf der nächsten<br />

Seite, welche die Partitionierung zusammenfasst,<br />

klicken Sie auf Weiter.<br />

Danach können Sie die Installation abschließen.<br />

Der Installer trägt automatisch Windows<br />

und beide Linux-Versionen in das Bootmenü<br />

ein, das später bei jedem Rechnerstart erscheint<br />

(Abbildung 8). Prüfen Sie, dass Sie<br />

alle drei Betriebssysteme darüber problemlos<br />

starten können.<br />

Im laufenden OpenSuse-System sind nun<br />

noch einige Anpassungen nötig.<br />

Anpassungen OpenSuse<br />

Öffnen Sie mit [Alt-F2] ein Schnellstartfenster,<br />

in das Sie das Kommando kdesu kwrite<br />

/etc/fstab eingeben. Ein kleines Dialogfenster<br />

fragt nach dem Root-Passwort (das bei einer<br />

Standardinstallation identisch mit Ihrem Benutzerpasswort<br />

ist), und dann startet der<br />

Editor KWrite und zeigt die Konfigurationsdatei<br />

/etc/ fstab an.<br />

Abb. 8: Der Installer richtet ein Bootmenü ein, aus dem<br />

Sie Windows, OpenSuse und Kubuntu starten können.<br />

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<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Multi-Boot: Windows & Linux<br />

WORKSHOP<br />

Abb. 9: Auch unter OpenSuse müssen Sie die Einstellungen für den Zugriff auf Windows-Partitionen anpassen.<br />

In dieser Datei müssen Sie (ähnlich wie unter<br />

Kubuntu) die Einträge für die Einhängepunkte<br />

/windows und /share anpassen. Ersetzen Sie<br />

in beiden Zeilen die Zeichenkette gid=users<br />

durch uid=1000,gid=100 (Abbildung 9;<br />

Achtung: Die Zahlen sind wirklich verschieden,<br />

tausend bzw. hundert), speichern Sie die<br />

Datei mit [Strg-S] und verlassen Sie den Editor<br />

mit [Strg-Q]. Starten Sie dann den Rechner<br />

neu, um die Änderungen zu aktivieren.<br />

Schritt 4: Gemeinsame Webprofile<br />

Es bleibt als letzte Aufgabe noch die Vereinheitlichung<br />

der Benutzerprofile von Firefox<br />

und Thunderbird, falls Sie diese Programme<br />

als Browser und E-<strong>Mail</strong>-Lösung einsetzen<br />

möchten. Das hat folgende Vorteile:<br />

l Unter Firefox greifen Sie von jedem Betriebssystem<br />

aus auf dieselben Bookmarks<br />

DATENSICHERUNG<br />

Mehrere Betriebssysteme auf einem Computer<br />

bedeuten immer auch eine Herausforderung,<br />

was die Daten<strong>sicher</strong>ung angeht.<br />

Dabei sollten Sie beachten, dass mit der<br />

hier vorgeschlagenen Einrichtung Linux-Programme<br />

Ihre Dokumente teilweise auf der<br />

Windows-Partition speichern.<br />

Persönliche Dateien und Einstellungen finden<br />

Sie also an mehreren Stellen; Sie sollten<br />

bei einem Backup mindestens die folgenden<br />

drei Ordner <strong>sicher</strong>n:<br />

l /home/ username – Ihr Home-Verzeichnis<br />

unter Linux<br />

l /windows/ Users/ username – Ihr Home-<br />

Verzeichnis unter Windows (das dort C:\<br />

Users\username heißt)<br />

l /share – die zusätzliche Partition für Datenaustausch<br />

zwischen Windows und Linux<br />

Am einfachsten können Sie das unter Linux<br />

erledigen, weil Sie hier Zugriff auf die privaten<br />

Dateien von Windows und Linux haben.<br />

Wenn Sie unter Windows ein Backup-Programm<br />

verwenden, können Sie nur die auf<br />

den Windows-Laufwerken liegenden Dateien<br />

<strong>sicher</strong>n.<br />

zu, und auch in Firefox gespeicherte Zugangspasswörter<br />

sind stets verfügbar.<br />

l In Thunderbird laden Sie E-<strong>Mail</strong>s nur<br />

einmal vom <strong>Mail</strong>server herunter. Würden<br />

Sie hier mit separat eingerichteten<br />

Thunderbird-Versionen arbeiten, müssten<br />

Sie jede Nachricht doppelt herunterladen<br />

(und auch doppelt speichern – einmal auf<br />

der Windows- und einmal auf der Linux-<br />

Partition).<br />

Am einfachsten ist es, wenn Sie zunächst<br />

Firefox und Thunderbird unter Windows einrichten,<br />

dort müssen Sie beide Programme sowieso<br />

erst nachinstallieren, weil Windows<br />

diese nicht enthält. Firefox kann dabei Bookmarks<br />

vom Internet Explorer importieren,<br />

wenn Sie diesen vorher verwendet haben.<br />

Unter Linux passen Sie dann die Konfiguration<br />

der beiden Anwendungen an. Was Sie dazu<br />

tun müssen, steht in einem älteren Artikel [5].<br />

Stand der Dinge<br />

Beide Linuxe nutzen für Office-Dokumente,<br />

Bilder, Musik und Videos nun die Ordner auf<br />

der Windows-Partition, denn Windows kann<br />

mit Bordmitteln nicht auf Linux-Partitionen<br />

zugreifen, während Linux mit dem umgekehrten<br />

Weg kein Problem hat.<br />

Wenn Sie unter Windows Microsoft Office installiert<br />

haben, können Sie auch Word- und<br />

Excel-Dateien, die Sie damit erstellen, später<br />

unter Linux bearbeiten: LibreOffice öffnet<br />

diese Dokumente. Es empfiehlt sich dann<br />

aber, Word und Excel so einzustellen, dass es<br />

die alten Dateiformate (erkennbar an den<br />

dreistelligen Dateiendungen .doc und .xls statt<br />

.docx und .xlsx) verwendet, weil LibreOffice<br />

diese besser lesen und schreiben kann.<br />

Zudem steht noch eine komplette Partition<br />

zur Verfügung, auf die Sie unter allen Betriebssystemen<br />

zugreifen können: Unter Linux<br />

wechseln Sie dazu in der Ordner /share, unter<br />

Windows auf das Laufwerk D:. Hier ist Platz<br />

für Dateien, die nicht sinnvoll in einen der gemeinsamen<br />

Ordner (Dokumente, Bilder etc.)<br />

passen, die Sie aber trotzdem unter Windows<br />

und Linux nutzen wollen.<br />

Wenn Sie regelmäßig Backups erstellen (was<br />

sehr empfehlenswert ist), sollten Sie noch die<br />

Hinweise im Kasten Daten<strong>sicher</strong>ung beachten,<br />

weil diese Aufgabe beim Einsatz mehrerer Betriebssysteme<br />

etwas komplexer wird.<br />

Fazit<br />

Wer mehrere Linux-Versionen mit Windows<br />

auf einer Platte kombinieren möchte, sollte die<br />

Zeit in vernünftiges Setup der Systeme investieren,<br />

denn das erspart später viele umständliche<br />

Reboots, die nötig werden, wenn eine<br />

Datei vom laufenden System aus nicht erreichbar<br />

ist. Mit den hier vorgeschlagenen Einstellungen<br />

erhöhen Sie die Chance, alles Wichtige<br />

stets im Griff zu haben. Da Sie ohne Emulation<br />

bzw. Virtualisierung arbeiten, steht dem laufenden<br />

Betriebssystem und dessen Anwendungen<br />

stets die gesamte Leistungsfähigkeit<br />

des Rechners zur Verfügung. (hge) n<br />

Infos<br />

[1] Windows unter Linux: Thomas<br />

Leichtenstern, „System im System“,<br />

<strong>EasyLinux</strong> 01/ 2011, S. 43 ff.,<br />

http:// www. linux-community. de/<br />

artikel/ 22378 (http:// ezlx. de/ c4e1)<br />

[2] Linux unter Windows: Hans-Georg<br />

Eßer, „Linux rein virtuell“, <strong>EasyLinux</strong><br />

01/ 2012, S. 54 ff.<br />

[3] Installationsanleitung OpenSuse 12.2:<br />

ab Seite 26 in dieser Ausgabe<br />

[4] Installationsanleitung Kubuntu 12.04:<br />

Kristian Kißling, „Startklar“,<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/ 2012, S. 24 ff.,<br />

http:// www. linux-community. de/<br />

artikel/ 26322 (http:// ezlx. de/ c4e2)<br />

[5] Gemeinsame Programmprofile unter<br />

Windows und Linux: Hans-Georg<br />

Eßer, „Einfach statt doppelt“,<br />

<strong>EasyLinux</strong> 01/ 2011, S. 40 ff.,<br />

http:// www. linux-community. de/<br />

artikel/ 22376 (http:// ezlx. de/ c4e3)<br />

[6] Kubuntu-Webseite:<br />

http:// www. kubuntu. org/<br />

(http:// ezlx. de/ c4e4)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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67


WORKSHOP<br />

Bilder freistellen<br />

Bildumläufe in LibreOffice<br />

Ja, wo laufen sie denn?<br />

Zum Designen kleiner Flyer und Karten müssen Sie nicht gleich zu einem Desktop-Publishing-Monster wie<br />

Scribus greifen. Einen simplen Bildumlauf erstellen Sie mit ein paar Mausklicks auch in LibreOffice.<br />

Franz Böhm<br />

Fügen Sie eine Grafik in ein Dokument<br />

ein, soll der begleitende Text diese am<br />

besten umfließen (Umlauf), damit sie<br />

nicht allein in der Zeile steht. Sie beeinflussen<br />

den Umlauf in LibreOffice über das gleichnamige<br />

Menü, das Sie im Menü Format oder im<br />

Kontextmenü einer markierten Grafik finden.<br />

Wählen Sie die Umlaufart Kein Umlauf, verdrängt<br />

das Bild den Text rechts und links von<br />

der Grafik, so dass die Grafik allein in der<br />

Zeile steht. Via Seitenumlauf setzt LibreOffice<br />

das Bild in einen rechteckigen Rahmen, den<br />

der Text auf allen Seiten umläuft. Mit der Einstellung<br />

Dynamischer Seitenumlauf überlassen<br />

Sie Writer die Entscheidung, ob und wie<br />

der Text das Objekt einrahmen darf.<br />

Beträgt der Abstand zwischen Objekt und Seitenrand<br />

weniger als zwei Zentimeter, richtet<br />

LibreOffice keinen Textumlauf ein. Entscheiden<br />

Sie sich für die Einstellung Durchlauf,<br />

überdeckt die Grafik den dahinter liegenden<br />

Text. Wählen Sie hingegen Im Hintergrund,<br />

landet das Bild hinter dem Text, der dann die<br />

Grafik überschreibt.<br />

Es gibt jedoch noch weitere Umlaufarten. Soll<br />

der Text die Grafik nur auf einer Seite umlaufen,<br />

legen Sie den Umlauf mit Hilfe des Reiters<br />

Umlauf im Dialogfeld Bild fest. Letzteres finden<br />

Sie entweder im Menü Format oder über<br />

Abb. 1: Im Beispiel haben wir die Grafik um drei Arbeitsbereiche ergänzt.<br />

den Befehl Bild im Kontextmenü. In der Dialogbox<br />

tauchen neben den oben beschriebenen<br />

Varianten auch die Umlaufarten Vor und<br />

Hinter auf, dank denen der Text links bzw.<br />

rechts um das Objekt läuft. Setzen Sie im Abschnitt<br />

Optionen derselben Registerkarte auch<br />

ein Häkchen vor Kontur, folgt der Textfluss<br />

den Konturen der Grafik – auch auf diese Option<br />

treffen Sie im Kontextmenü.<br />

Konturenumfluss bearbeiten<br />

Auf den vorgegebenen<br />

Textfluss wirken Sie bei<br />

Bedarf individuell ein.<br />

Dazu klicken Sie wieder<br />

auf Format / Umlauf / Kontur<br />

bearbeiten. Im Kontur-Editor<br />

bearbeiten Sie den Umlauf nach oder<br />

entwerfen ihn völlig neu. Tabelle 1 listet die<br />

Symbolleistenbefehle des Editors auf.<br />

Öffnen Sie den Kontureditor, sehen Sie die<br />

1<br />

Grafik in einem separaten Fenster mit eigener<br />

Symbolleiste. Wahlweise lassen Sie den<br />

Umriss automatisch suchen und anpassen<br />

(Autokontur) oder Sie erstellen ihn mit den<br />

vorhandenen Werkzeugen gleich selbst.<br />

Ein Klick auf das Symbol Punkte bearbeiten<br />

aktiviert die Umrisslinie, die aus vielen<br />

2<br />

Punkten besteht, die Sie weiter bearbeiten.<br />

Einen Punkt aktivieren Sie per Mausklick.<br />

3<br />

Sie dürfen jeden Punkt verschieben, zusätzliche<br />

Punkte einfügen oder löschen.<br />

Um viele Umrisspunkte auf einmal zu löschen,<br />

ziehen Sie mit dem Mauszeiger ei-<br />

4<br />

nen Rahmen um diese (sie färben sich nun<br />

lila) und drücken Sie [Entf].<br />

Der verbleibende, etwas heller markierte Bereich<br />

der Grafik (Arbeitsbereich), zeigt den<br />

Teil des Bildes, der im fertigen Dokument übrig<br />

bleibt. Ein Klick auf das blaue Häkchen in<br />

der Symbolleiste übernimmt die Änderung.<br />

© 36Clicks, 123RF.com<br />

Der Kontureditor im Einsatz<br />

Nur selten erzeugt der Eintrag Format / Umlauf<br />

/ Kontur den idealen Textumlauf um eine Grafik.<br />

Mit etwas Know-how justieren Sie nach.<br />

Weitere Arbeitsbereiche hinzufügen<br />

Klicken Sie im Kontureditor an eine Stelle außerhalb<br />

des grauen Arbeitsbereichs, verlassen<br />

Sie den Punktebearbeitungsmodus. Nun dür-<br />

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<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Bilder freistellen<br />

WORKSHOP<br />

fen Sie den Arbeitsbereich verschieben und<br />

fügen mit Hilfe der Symbolschaltflächen<br />

Rechteck, Ellipse und Polygon noch weitere<br />

Arbeitsbereiche hinzu.<br />

Diese Arbeitsbereiche wirken wie Schablonen:<br />

Alles, was sie überdecken, erscheint im Dokument<br />

als Grafik, den Rest schaufelt Libre-<br />

Office für Text frei. Überlappen sich zwei<br />

Schablonen, blendet LibreOffice den überlappenden<br />

Teil aus. Das Ergebnis der in Abbildung<br />

1 dargestellten Arbeitsbereiche im Dokument<br />

zeigt Abbildung 2.<br />

Unbrauchbare Ergebnisse bearbeiten Sie einfach<br />

weiter: Dazu klicken Sie im Kontureditor<br />

auf die Grafik, um den Bearbeitungsmodus zu<br />

starten, und dann auf das Icon Punkte bearbeiten.<br />

Wieder erscheinen die Kurvenpunkte<br />

zum Modifizieren der Arbeitsbereiche. Der erneute<br />

Klick auf das blaue Häkchen wendet die<br />

Änderungen an.<br />

Eine Umlaufkontur erstellen<br />

Es erfordert einige Detailarbeit, bis Sie die einzelnen<br />

Punkte so ausgerichtet und angeordnet<br />

haben, dass ein vernünftiger Textumlauf entsteht.<br />

Schneller und einfacher geht es so:<br />

Beenden Sie den Punktebearbeitungsmodus<br />

per Mausklick auf eine Stelle außer-<br />

1<br />

halb des grauen Bereichs im Kontureditor.<br />

Klicken Sie auf das Icon Arbeitsbereich in<br />

2<br />

der Kontureditor-Symbolleiste und dann in<br />

den Arbeitsbereich des Kontureditors.<br />

Den nun eventuell folgenden Warndialog<br />

3<br />

(Das Setzen eines …) beantworten Sie mit<br />

Ja. Das Dialogfeld verschwindet, und Libre-<br />

Office löscht den Arbeitsbereich mitsamt<br />

allen eingefügten Bereichen.<br />

Klicken Sie jetzt auf das Werkzeug Polygon<br />

4<br />

in der Symbolleiste und ziehen Sie den gewünschten<br />

Umriss auf. Dazu klicken Sie<br />

auf eine Startposition und ziehen mit gedrückter<br />

Maustaste eine Linie bis zum<br />

Punkt der ersten Richtungsänderung. Die<br />

Aktion wiederholen Sie nun beliebig oft.<br />

Zum Abschließen der Linie klicken Sie doppelt<br />

auf den Anfangspunkt; der neue Arbeitsbereich<br />

ist erstellt.<br />

Passt das Ergebnis, übernehmen Sie den<br />

5<br />

neuen Umriss mit dem blauen Häkchen<br />

links oben in Ihr Dokument. Wenn nicht,<br />

korrigieren Sie die Umrisspunkte wie besprochen.<br />

Passt alles, schließen Sie den<br />

Abb. 2: So erscheinen die Grafikteile im<br />

Dokument. Im Beispiel versteckt sich ein<br />

Geist zwischen den Zeilen.<br />

Kontureditor per Mausklick auf das rot hinterlegte<br />

X in der Titelleiste.<br />

Abstand zwischen Text und Objekt<br />

Den Abstand des Textes zu der erstellten Umrisslinie<br />

des Objekts stellen Sie auf Wunsch<br />

millimetergenau ein. Rufen Sie dazu Bild aus<br />

dem Kontextmenü auf und dann Umlauf. Unter<br />

Abstände geben Sie die Wunschwerte ein<br />

und klicken auf OK. (kki)<br />

n<br />

TABELLE 1<br />

Symbol Funktion Erklärung<br />

Autokontur Zeichnet automatisch um das Objekt eine Kontur, die Sie nachträglich bearbeiten.<br />

Punkte bearbeiten<br />

Punkte verschieben<br />

Punkte einfügen<br />

Punkte löschen<br />

Zuweisen<br />

Arbeitsbereich<br />

Auswahl<br />

Rechteck<br />

Ellipse<br />

Polygon<br />

Pipette und<br />

Farbtoleranz<br />

Widerrufen und<br />

Wiederholen<br />

Bietet die Möglichkeit, die Konturform zu ändern. Klicken Sie auf das Symbol und ziehen Sie die Griffe<br />

der Kontur in die gewünschte Form.<br />

Bietet die Möglichkeit, an den Griffen der Kontur zu ziehen, um so deren Form zu ändern.<br />

Fügt einen Griff ein, an dem Sie ziehen können, um die Form der Kontur zu ändern. Klicken Sie auf dieses<br />

Icon und dann auf den Konturenumriss.<br />

Entfernt einen Punkt aus dem Konturenumriss. Klicken Sie auf das Icon und dann auf den Punkt, den<br />

Sie löschen möchten.<br />

Weist die Kontur dem ausgewählten Objekt zu.<br />

Löscht die benutzerdefinierte Kontur. Klicken Sie auf das Symbol und dann in den <strong>Vorschau</strong>bereich.<br />

Wechselt in den Auswahlmodus, in dem Sie die Kontur auswählen.<br />

Zeichnet eine rechteckige Kontur mit der Größe und Position, die Sie zuvor in der Objektvorschau<br />

durch Ziehen bestimmen. Um ein Quadrat zu zeichnen, halten Sie beim Ziehen [Umschalt] gedrückt.<br />

Zeichnet eine Ellipse mit der Größe und Position, die Sie in der Objektvorschau durch Ziehen bestimmen.<br />

Um einen Kreis zu zeichnen, halten Sie beim Ziehen [Umschalt] gedrückt.<br />

Zeichnet eine geschlossene Kontur aus geraden Liniensegmenten. Klicken Sie an den gewünschten<br />

Ausgangspunkt für das Polygon und zeichnen Sie ein Liniensegment, indem Sie den Mauszeiger ziehen.<br />

Klicken Sie erneut, um das Ende des Liniensegments festzulegen, und definieren Sie durch weitere<br />

Mausklicks die restlichen Liniensegmente des Polygons. Per Doppelklick schließen Sie das Polygon<br />

ab. Um die Polygonwinkel auf Vielfache von 45 Grad zu beschränken, halten Sie beim Klicken [Umschalt]<br />

gedrückt.<br />

Wählt Bereiche der Bitmap-Grafik aus, welche dieselbe Farbe besitzen. Klicken Sie hier und dann auf<br />

eine Farbe in der Grafik. Um den ausgewählten Farbbereich zu vergrößern, erhöhen Sie den Wert im<br />

Feld Toleranz.<br />

Macht die letzte Aktion rückgängig bzw. macht die Aktion des letzten Rückgängig-Befehls rückgängig.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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69


WORKSHOP<br />

Automatisieren<br />

Aufgaben mit der Shell automatisieren<br />

Vollautomatisch<br />

Die Shell erlaubt es Ihnen, Ihr Linux-System über Textkommandos zu steuern. Doch warum sollten Sie ein<br />

70er-Jahre-Interface verwenden, wenn doch KDE und Gnome äußerst komfortabel sind und die Bedienung<br />

mit der Maus erlauben? Unter anderem wegen der Geschwindigkeit.<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Betrachten Sie einmal die folgende<br />

Aufgabenstellung: Sie haben in den<br />

letzten Jahren eine Reihe von Dokumenten<br />

mit LibreOffice und anderen Programmen<br />

erstellt und dabei sauber eine Dateinamenskonvention<br />

der Form 2012-03-Brief-Finanzamt.odt<br />

verwendet. Der Ordner, der<br />

diese Dokumente enthält, ist nun aber sehr<br />

voll und unübersichtlich geworden – mehr<br />

Struktur muss her.<br />

Sie planen, für jedes Jahr einen Ordner (2011,<br />

2012 etc.) und darin jeweils zwölf Unterordner<br />

01 bis 12 für die Monate anzulegen – die<br />

Dateien sollen dann in den passenden Ordner<br />

wandern und dabei die (danach nicht mehr<br />

nötigen) Jahres- und Monatsangaben in den<br />

Dateinamen verlieren. Aus der Datei<br />

2012-03-Brief-Finanzamt.odt soll also die Datei<br />

Brief-Finanzamt.odt im Unterverzeichnis<br />

03 des Ordners 2012 werden.<br />

Das ist mit einem grafischen Dateimanager<br />

wie Dolphin zwar kein Problem: Für das Anlegen<br />

der Verzeichnisse wählen Sie im Kontextmenü<br />

mehrfach Neu erstellen / Ordner.<br />

Steht die neue Ordnerhierarchie, können Sie<br />

per Drag & Drop und zwei geöffneten Dolphin-Fenstern<br />

alle Dateien an die passende<br />

Stelle schieben. Zuletzt bleibt dann nur noch<br />

das Umbenennen der Dateien: Sie klicken jede<br />

einzeln mit der rechten Maustaste an, wählen<br />

aus dem Kontextmenü den Punkt Umbenennen<br />

und entfernen im Dateinamen Monat und<br />

Jahr (Abbildung 1).<br />

Falls Sie das mit 300 Dateien <strong>machen</strong> müssen,<br />

die in zwei oder mehr Jahren durchaus zusammenkommen<br />

können, sind Sie eine Weile<br />

damit beschäftigt, und die Arbeit ist ein wenig<br />

nervtötend. Wenn Sie die Taste [F2] zum Umbenennen<br />

drücken und mit den Cursortasten<br />

von einer Datei zur nächsten springen, können<br />

Sie die Arbeit geringfügig beschleunigen<br />

– aber viel bringt das nicht.<br />

Auftritt der Shell<br />

Betrachten Sie dagegen die folgenden drei<br />

Shell-Kommandos, die Sie in ein über das<br />

Startmenü (oder über [Alt-F2] und Eingabe<br />

von konsole) geöffnetes Terminalfenster eingeben:<br />

cd ~/Dokumente<br />

mkdir -p {2009..2012}/{0{1..9},U<br />

10,11,12}<br />

for f in 2???-??-*; do mv "$f" U<br />

"${f:0:4}/${f:5:2}/${f:8}"; done<br />

Diese – zugegeben komplexen – drei Zeilen<br />

Text erledigen die Aufgabe automatisiert ohne<br />

weitere Eingriffe. Doch was genau passiert<br />

hier eigentlich?<br />

Das erste Kommando cd ~/Dokumente<br />

1<br />

wechselt innerhalb der Shell in Ihren Dokumente-Ordner.<br />

Die Tilde ~ ist dabei eine<br />

Abkürzung für Ihr Home-Verzeichnis<br />

/home/ Benutzername.<br />

Mit dem zweiten Kommando erzeugen Sie<br />

2<br />

auf einen Schlag die gesamte benötigte<br />

Verzeichnishierarchie: mkdir steht für<br />

„make directory“ (Verzeichnis erstellen),<br />

und die geschweiften Klammern helfen dabei,<br />

automatisch ganz viele Argumente für<br />

diesen Befehl zu erzeugen: {2009..2012}<br />

wird zu allen Zahlen zwischen 2009 und<br />

2012, alternativ könnten Sie hier auch<br />

{2009,2010,2011,2012} schreiben, aber die<br />

Variante mit den beiden Punkten ist kürzer.<br />

Hinter dem Schrägstrich / folgt ein geschachtelter<br />

Ausdruck: Wenn Sie hier einfach<br />

{1..12} schreiben würden, ergäbe sich<br />

{1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12}, mit der Konstruktion<br />

0{1..9} erzeugt die Shell die einstelligen<br />

Monatszahlen mit führender 0.<br />

Den gesamten Ausdruck interpretiert die<br />

Shell so, dass Sie alle möglichen Kombinationen<br />

der Form 2009/ 01, 2009/ 02, …,<br />

2012/ 12 als Argumente für mkdir verwenden<br />

wollen; die Shell führt also tatsächlich<br />

das Kommando<br />

© Nataliya Hora, 123rf.com<br />

70 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Automatisieren<br />

WORKSHOP<br />

mkdir -p 2009/01 2009/02 U<br />

2009/03 2009/04 2009/05 2009/06 U<br />

2009/07 2009/08 2009/09 2009/10 U<br />

2009/11 2009/12 2010/01 2010/02 U<br />

2010/03 2010/04 2010/05 2010/06 U<br />

2010/07 2010/08 2010/09 2010/10 U<br />

2010/11 2010/12 2011/01 2011/02 U<br />

2011/03 2011/04 2011/05 2011/06 U<br />

2011/07 2011/08 2011/09 2011/10 U<br />

2011/11 2011/12 2012/01 2012/02 U<br />

2012/03 2012/04 2012/05 2012/06 U<br />

2012/07 2012/08 2012/09 2012/10 U<br />

2012/11 2012/12<br />

aus. Die Version mit geschweiften Klammern<br />

ist deutlich schneller zu tippen, und<br />

dieser Vorteil würde sich noch vergrößern,<br />

wenn Sie neben 2009 bis 2012 noch für<br />

weitere Jahre Ordner erzeugen wollten.<br />

mkdir hat hier noch die Option -p, die dafür<br />

sorgt, dass das Tool fehlende „Zwischenverzeichnisse“<br />

erzeugt. Versuchen Sie mal, in<br />

der Shell mkdir 2020/01 einzugeben: Sie erhalten<br />

dann die Fehlermeldung, dass der<br />

Ordner 2020 noch nicht existiert. Mit -p erzeugt<br />

mkdir dieses fehlende Verzeichnis automatisch,<br />

bevor es 2020/ 01 anlegt.<br />

Der größte Automatisierungsschritt folgt in<br />

3<br />

der letzten Zeile. Es handelt sich bei dem<br />

langen Befehl um eine so genannte For-<br />

Schleife, die ein Kommando mehrfach ausführt.<br />

In diesem Fall sucht die Shell alle<br />

Dateien im aktuellen Ordner, die auf das<br />

Muster 2???-??-* passen. Das Fragezeichen<br />

steht dabei für ein beliebiges Zeichen, das<br />

Sternchen für beliebig viele davon. Das<br />

Muster erfasst also alle zuvor beschriebenen<br />

Dateinamen, z. B. 2012-03-Brief-Finanzamt.odt.<br />

Jeden dieser Dateinamen<br />

merkt sich die Shell nun für einen Schleifendurchlauf<br />

in der Variablen f (was am<br />

Code for f in ... liegt). Mit diesem Inhalt<br />

führt die Shell dann das Kommando mv<br />

"$f" "${f:0:4}/${f:5:2}/${f:8}" aus. Für<br />

den Beispieldateinamen 2012-03-Brief-Finanzamt.odt<br />

passiert dann Folgendes:<br />

Abb. 1: Zahlreiche Dateien in Dolphin zu verschieben und ihnen neue Namen zu geben,<br />

ist eine langwierige Aufgabe.<br />

$f ist einfach der Dateiname selbst, im Beispiel<br />

wieder 2012-03-Brief-Finanzamt.odt.<br />

4<br />

Er ist das erste Argument für den mv-Befehl,<br />

der Dateien umbenennen und verschieben<br />

kann. Damit ist schon mal klar,<br />

welche Datei mv bearbeiten soll. Es fehlt<br />

noch das zweite Argument, das hier aus<br />

drei Teilen zusammengesetzt wird, die<br />

durch Schrägstriche getrennt sind: Los geht<br />

es mit ${f:0:4}. Darüber sprechen Sie wieder<br />

den Dateinamen an, erhalten aber nur<br />

die ersten vier Zeichen – ab Position 0. Die<br />

Shell beginnt die Zählung bei 0; die Zeichen<br />

0 bis 3 aus dem Dateinamen ergeben<br />

also 2012. Es folgt ein Schrägstrich und danach<br />

${f:5:2} – das funktioniert genauso,<br />

liefert aber die Zeichen 5 und 6 (im Beispiel:<br />

03) zurück. Nach einem weiteren<br />

Schrägstrich folgt abschließend ${f:8}. Hier<br />

fehlt die Längenangabe, was die Shell so<br />

interpretiert, dass Sie alle Zeichen ab Nummer<br />

8 verwenden möchten. Für die Beispieldatei<br />

ergibt sich also insgesamt das<br />

Kommando<br />

mv "2012-03-Brief-Finanzamt.oU<br />

dt" "2012/03/Brief-Finanzamt.U<br />

odt"<br />

Es verschiebt die Datei in den Ordner 2012/<br />

03/ und gibt ihr gleichzeitig den neuen Dateinamen<br />

Brief-Finanzamt.odt. Danach<br />

geht es mit der nächsten Datei weiter, bis<br />

alle Dateien am gewünschten Platz stehen.<br />

Die Anführungszeichen um die beiden Argumente<br />

herum wären in diesem Fall nicht<br />

zwingend nötig gewesen; wenn Sie aber Leerzeichen<br />

in Ihren Dateinamen benutzen, müssen<br />

Sie mit diesen Zeichen arbeiten: Die Shell<br />

mag keine Leerzeichen in Argumenten. Um<br />

etwa (als einfachere Aufgabe) die Datei Name<br />

mit Blank.txt in Neuer Name.txt umzubenennen,<br />

müssten Sie das Kommando<br />

mv "Name mit Blank.txt" "Neuer NU<br />

ame.txt"<br />

verwenden, ohne die Anführungen sieht die<br />

Shell in dieser Zeile fünf Argumente (1. Name,<br />

2. mit, 3. Blank.txt, 4. Neuer und 5. Name.txt)<br />

für das mv-Kommando und würde versuchen,<br />

vier Dateien (die ersten vier Argumente) in einen<br />

nicht vorhandenen Ordner namens Name.<br />

txt (das fünfte Argument) zu verschieben.<br />

Komplexere Muster<br />

Nun war das Aufgabenbeispiel für die Shell<br />

noch leicht gewählt, weil sich in den Beispieldateinamen<br />

schon alle Bestandteile (Jahr, Monat,<br />

Restname) an der richtigen Stelle befinden.<br />

Oft haben Sie es mit einer komplizierteren<br />

Situation zu tun. Die Lösung, die Sie hier<br />

finden, werden Sie eventuell nicht auf Anhieb<br />

verstehen – lassen Sie sich davon aber nicht<br />

irritieren, das Ziel der Darstellung ist, Sie von<br />

der Leistungsfähigkeit der Shell zu überzeugen.<br />

Die vorgestellten Befehle können Sie<br />

auch ohne vollständiges Verständnis verwenden<br />

und durch ein wenig Experimentieren Ihren<br />

eigenen Vorstellungen anpassen.<br />

Etwas umständlicher wird das erste Beispiel<br />

etwa, wenn die Dateinamen anfangs die Form<br />

Brief-Finanzamt-17.3.2012-Kopie.odt haben:<br />

Das Datum steht mitten im Text und hat die<br />

Form Tag.Monat.Jahr, wobei Tag und Monat<br />

ein- oder zweistellig sein können.<br />

Ein Muster, um solche Dateien in der For-<br />

Schleife zu bearbeiten, ist noch relativ schnell<br />

gefunden: Wenn Sie in der Shell<br />

ls *-{[1-9],[0-3][0-9]}.{[1-9],[U<br />

01][0-9]}.20??-*<br />

eingeben, erscheinen alle Dateien mit passenden<br />

Namen. Komplizierter wird es, wenn Sie<br />

die einzelnen Bestandteile (Tag, Monat, Jahr)<br />

aus solchen Dateinamen herausziehen möchten:<br />

Das klappt nicht mehr mit demselben<br />

Trick wie oben, weil sich die Informationen<br />

nicht an einer fixen Stelle im Namen befinden.<br />

Stattdessen benötigen Sie so genannte<br />

reguläre Ausdrücke, mit denen es möglich ist,<br />

Teile eines Musters einzeln anzusprechen. Die<br />

folgenden Codezeilen funktionieren nur,<br />

wenn in der Shell-Variablen $NAME ein Da-<br />

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71


WORKSHOP<br />

Automatisieren<br />

.*-[0-9][0-9]?.[0-9][0-9]?.20..-.*<br />

Abb. 2: Dateien komplex umbenennen und verschieben – dafür benötigen Sie ein Bash-<br />

Skript, das mit regulären Ausdrücken arbeitet.<br />

teiname gespeichert ist, der dem obigen Muster<br />

entspricht, also die Form Vorne-DD.MM.<br />

JJJJ-Hinten hat, wobei DD ein ein- oder zweistelliger<br />

Tag, MM ein ebenso ein- oder zweistelliger<br />

Monat und JJJJ ein vierstelliges Jahr<br />

(zwischen 2000 und 2099) ist. Das Muster ist<br />

so einfach wie möglich gehalten, passt also<br />

auch auf fehlerhafte Datumsangaben wie den<br />

35.13.2012.<br />

MUSTER='\(.*\)-\([0-9][0-9]\?\)\U<br />

.\([0-9][0-9]\?\)\.\(20..\)-\(.*U<br />

\)'<br />

VORNE=$( echo $NAME | sed -e "sU<br />

|$MUSTER|\1|" )<br />

TAG=$( echo $NAME | sed -e "sU<br />

|$MUSTER|\2|" )<br />

MONAT=$( echo $NAME | sed -e "sU<br />

|$MUSTER|\3|" )<br />

JAHR=$( echo $NAME | sed -e "sU<br />

|$MUSTER|\4|" )<br />

HINTEN=$( echo $NAME | sed -e "sU<br />

|$MUSTER|\5|" )<br />

test $TAG -le 9 && TAG=0$TAG<br />

test $MONAT -le 9 && MONAT=0$MONAT<br />

Reguläre Ausdrücke<br />

Die erste Zeile weist der Shell-Variablen $MUS-<br />

TER einen regulären Ausdruck zu. Er enthält<br />

etliche Backslashes (Rückwärts-Schrägstriche<br />

„\“), die ihn unleserlich <strong>machen</strong>. In einer vereinfachten<br />

(und nicht funktionierenden) Darstellung<br />

hat der Ausdruck diese Form:<br />

LISTING 1: VERSCHIEBEN MIT REG. AUSDRÜCKEN<br />

for NAME in *-{[1-9],[0-3][0-9]}.{[1-9],[01][0-9]}.20??*; do<br />

if test "${NAME:0:1}" != '*'; then<br />

MUSTER='\(.*\)-\([0-9][0-9]\?\)\.\([0-9][0-9]\?\)\.\(20..\)\?\(.*\)'<br />

VORNE=$( echo $NAME | sed -e "s|$MUSTER|\1|" )<br />

TAG=$( echo $NAME | sed -e "s|$MUSTER|\2|" )<br />

MONAT=$( echo $NAME | sed -e "s|$MUSTER|\3|" )<br />

JAHR=$( echo $NAME | sed -e "s|$MUSTER|\4|" )<br />

HINTEN=$( echo $NAME | sed -e "s|$MUSTER|\5|" )<br />

test $TAG -le 9 && TAG=0$TAG<br />

test $MONAT -le 9 && MONAT=0$MONAT<br />

test $HINTEN = "-" && HINTEN=""<br />

mkdir -p $JAHR/$MONAT<br />

mv "$NAME" "$JAHR/$MONAT/$JAHR-$MONAT-$TAG-$VORNE$HINTEN"<br />

echo $NAME '-->' $JAHR/$MONAT/$JAHR-$MONAT-$TAG-$VORNE$HINTEN<br />

fi<br />

done<br />

Die einzelnen Teile dieses Ausdrucks haben<br />

die folgenden Bedeutungen:<br />

l .*: Der Punkt steht für ein beliebiges Zeichen,<br />

und der Stern dahinter bedeutet, dass<br />

es beliebig oft (auch nie) auftreten darf.<br />

l -: Das ist einfach das Minuszeichen, das<br />

in den Beispieldateinamen vor und hinter<br />

dem Datum steht.<br />

l [0-9]: Wie bei den einfacheren Mustern,<br />

welche die Shell versteht (s. o.), steht [0-<br />

9] für eine der Ziffern zwischen 0 und 9.<br />

l [0-9]?: Das angehängte Fragezeichen ändert<br />

diesen Teilausdruck ab; es bewirkt,<br />

dass hier entweder eines der Zeichen 0 bis<br />

9 oder nichts erwartet wird. (Zusammengefasst<br />

steht also [0-9][0-9]? für eine einoder<br />

zweistellige Zahl.)<br />

l 20..: Dies ist schließlich das vereinfachte<br />

Muster für eine mit 20 beginnende vierstellige<br />

(Jahres-)Zahl (wobei 20.. auch auf<br />

die Zeichenkette 20th passt).<br />

In dieser Darstellung tauchen Punkte in zwei<br />

Bedeutungen auf: einmal als beliebiges Zeichen<br />

und einmal als echter Punkt (im Datum<br />

zwischen Tag und Monat sowie zwischen Monat<br />

und Jahr). Aus diesem Grund verwendet<br />

der korrekte reguläre Ausdruck die Darstellung<br />

\. für einen „echten“ Punkt. Auch das<br />

Fragezeichen muss mit einem Backslash versehen<br />

werden. Beachtet man diese Regeln, ergibt<br />

sich der folgende Ausdruck:<br />

.*-[0-9][0-9]\?\.[0-9][0-9]\?\.2U<br />

0..-.*<br />

Er ähnelt dem endgültigen Ausdruck schon<br />

stärker. Was jetzt noch fehlt, sind die zahlreichen<br />

öffnenden und schließenden runden<br />

Klammern \(…\), welche Teilausdrücke einklammern.<br />

Dadurch kann man später die so<br />

erkannten Teile separat ansprechen, als „ersten<br />

geklammerten Ausdruck“, „zweiten geklammerten<br />

Ausdruck“ usw., in der Notation<br />

regulärer Ausdrücke mit \1, \2 usw.<br />

Wenn es nur darum ginge, die Jahreszahl aus<br />

dem Dateinamen herauszuholen, würde es<br />

ausreichen, diesen Teilausdruck in Klammern<br />

zu setzen, also so:<br />

.*-[0-9][0-9]\?\.[0-9][0-9]\?\.\U<br />

(20..\)-.*<br />

Da aber auch die restlichen Teile benötigt<br />

werden, gibt es hier insgesamt fünf Teilausdrücke<br />

(Namensteil vor dem Datum, Tag, Monat,<br />

Jahr, Namensteil nach dem Datum), die<br />

durch Klammern markiert werden.<br />

Die Befehle hinter der Musterdefinition rufen<br />

alle das Kommando sed auf, das reguläre<br />

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Automatisieren<br />

WORKSHOP<br />

Alle Befehle zusammengefasst und mit einer<br />

For-Schleife versehen, die einen ganzen Ordner<br />

voller Dateien auf geeignete Unterordner<br />

aufteilt, finden Sie in Listing 1; dort gibt es zusätzlich<br />

noch eine Abfrage (if ...), die dafür<br />

sorgt, dass nur wirklich vorhandene Dateinamen<br />

bearbeitet werden. Wenn Sie die Code-<br />

Zeilen in eine Datei namens script.sh schreiben,<br />

können Sie diese mit<br />

. script.sh<br />

Abb. 3: Das ist das Wunschergebnis: Die Dokumente liegen jetzt nach Jahren und Monaten<br />

getrennt in separaten Ordnern und haben besser sortierbare Namen.<br />

Ausdrücke versteht. Alle Befehle arbeiten<br />

ähnlich und entnehmen dem Dateinamen die<br />

fünf Teilausdrücke. Wenn also in $NAME<br />

anfangs der Wert Brief-Finanzamt-17.3.2012-<br />

Kopie.odt steht, dann gilt nach dem Ausführen<br />

der Befehle:<br />

$ echo $VORNE; echo $TAG; echo $U<br />

MONAT; echo $JAHR; echo $HINTEN<br />

Brief-Finanzamt<br />

17<br />

3<br />

2012<br />

Kopie.odt<br />

(Die echo-Kommandos geben<br />

die Inhalte der Variablen<br />

aus.) Die letzten beiden Befehle<br />

(mit test) dienen nur<br />

dazu, Tag und Monat mit einer<br />

führenden Null zu versehen,<br />

falls diese Zahlen einstellig<br />

(zwischen 1 und 9)<br />

sind; dazu prüft test, ob der<br />

Inhalt der Shell-Variablen<br />

$TAG bzw. $MONAT kleiner<br />

oder gleich 9 (englisch: less<br />

or equal, -le) ist.<br />

Nun ist der Dateiname (der<br />

in der Variablen $NAME<br />

steht) in seine Bestandteile<br />

zerlegt, und diese kann<br />

man nach Bedarf verwenden,<br />

um daraus Verzeichnis-<br />

oder neue Dateinamen<br />

zu erstellen. Ist das Ziel<br />

wieder, die Dokumente in<br />

Unterordner der Form JJJJ/<br />

MM zu verteilen und dabei<br />

noch umzubenennen,<br />

könnten sich z. B. die folgenden<br />

Befehle anschließen:<br />

mkdir -p $JAHR/$MONAT<br />

mv "$NAME" "$JAHR/$MONAT/$JAHR-$U<br />

MONAT-$TAG-$VORNE-$HINTEN"<br />

Damit würde die Datei Brief-Finanzamt-<br />

17.3.2012-Kopie.odt in 2012-03-17-Brief-Finanzamt-Kopie.odt<br />

umbenannt und in den<br />

Ordner 2012/ 03/ verschoben. Die Anführungszeichen<br />

sind wieder notwendig, damit<br />

Dateinamen mit Leerzeichen keine Probleme<br />

verursachen.<br />

(mit einem Punkt und einem Leerzeichen am<br />

Anfang des Befehls) ausführen, und alle Dateien<br />

landen am gewünschten Ort. Zusätzlich<br />

gibt das Skript zu jeder bearbeiteten Datei mit<br />

echo aus, was es getan hat. Die Muster im Listing<br />

wurden gegenüber der Darstellung im<br />

Text noch leicht verändert, so dass es auch<br />

mit Dateinamen funktioniert, bei denen auf<br />

das Datum direkt die Dateiendung folgt.<br />

Die Abbildungen 2 und 3 zeigen ein Beispielszenario<br />

mit acht Dokumenten, die zunächst<br />

alle im Ordner Dokumente liegen und<br />

nach dem Ausführen des Skripts in Unterverzeichnissen<br />

von 2011 und 2012 landen.<br />

Scannerkontrast<br />

Zum Abschluss noch ein einfacheres Beispiel<br />

aus dem Bereich der Bildbearbeitung:<br />

Wenn Sie gelegentlich unter Linux Dokumente<br />

einscannen, haben Sie vielleicht auch<br />

Abb. 4: Spezialisierte Anwendungen, wie die Foto-Batch-Verarbeitung Phatch, helfen auch beim Automatisieren<br />

eintöniger Aufgaben, sind aber auf den jeweiligen konkreten Zweck eingeschränkt.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

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73


WORKSHOP<br />

Automatisieren<br />

das Problem, dass die Scans viel zu dunkel<br />

werden; das Papier erscheint dann nicht<br />

weiß, sondern dunkelgelb bis bräunlich.<br />

Drucken Sie es in dieser Form aus (um eine<br />

Kopie zu <strong>machen</strong>), ist auch der Ausdruck<br />

unangenehm dunkel und verschwendet<br />

Tinte oder Toner.<br />

Scanprogramme wie XSane oder das in der<br />

letzten Ausgabe vorgestellte gscan2pdf [1]<br />

erlauben es Ihnen zwar, die Kontrast- und<br />

Farbeinstellungen für den Scan zu ändern,<br />

aber das müssen Sie bei jedem Programmstart<br />

erneut erledigen. Für bereits eingescannte<br />

Dokumente können Sie den Kontrast<br />

nachträglich mit Gimp oder einer anderen<br />

Bildbearbeitung anpassen, was lästig ist,<br />

wenn Sie zahlreiche Seiten nachbearbeiten<br />

müssen.<br />

Die Shell lässt Sie auch hier wieder schneller<br />

arbeiten, wenn Sie das Programm convert aus<br />

dem imagemagick- (Ubuntu) bzw. ImageMagick-Paket<br />

(OpenSuse) installiert haben: Mit<br />

diesem Tool können Sie ebenfalls Kontrastund<br />

Farbkorrekturen vornehmen, ohne dafür<br />

die Bilder zunächst zu öffnen. Praktisch ist<br />

außerdem, dass Sie auf Wunsch direkt eine<br />

PDF-Datei im A4-Format erstellen. Alles zusammen<br />

erledigt das folgende Kommando:<br />

convert *.jpg -brightness-contraU<br />

st 25x60 -page A4 ausgabe.pdf<br />

In diesem Beispiel sind 25 und 60 die Parameter<br />

für Helligkeit (brightness) und Kontrast; je<br />

nach Qualität Ihrer eigenen Scans müssen Sie<br />

mit diesen Zahlen ein wenig experimentieren.<br />

Die Originalbilder werden nicht verändert, so<br />

dass Sie problemlos mehrere Anläufe nehmen<br />

können. Der Befehlsaufruf geht davon aus,<br />

dass im aktuellen Ordner (in den Sie in der<br />

Shell mit cd gewechselt sind) alle eingescannten<br />

Dateien liegen und diese die Dateiendung<br />

.jpg haben.<br />

convert kann noch viel mehr, ein häufig genutztes<br />

Feature ist z. B. das Verkleinern von<br />

Bildern, um Thumbnails für eine Webseite zu<br />

erstellen oder hochaufgelöste Bilder vor dem<br />

Weiterleiten per <strong>Mail</strong> in eine akzeptable Dateigröße<br />

zu zwingen. Dazu dient die Option<br />

-resize:<br />

convert original.jpg -resize 800U<br />

x800 klein.jpg<br />

erzeugt nicht etwa ein quadratisches Bild mit<br />

800 x 800 Pixeln, sondern reduziert die Bildgröße<br />

so, dass Breite und Höhe maximal 800<br />

Pixel haben. (Der zweite Wert in 800x800 ist<br />

die Höhe.) Listing 2 zeigt ein Beispiel dafür,<br />

wobei identify (ebenfalls aus dem ImageMagick-Paket)<br />

die Größe von Original und erzeugtem<br />

Bild anzeigt.<br />

Um Bildbearbeitungsaufgaben zu automatisieren,<br />

können Sie auch spezielle GUI-Tools<br />

verwenden, z. B. Phatch (Photo & Batch,<br />

Abbildung 4) [2,3], die Arbeit mit Shell-<br />

Tools hat aber den Vorteil, dass Sie sich daran<br />

gewöhnen, komplexe Shell-Kommandos<br />

zusammenzustellen, um Aufgaben schnell<br />

zu erledigen. Mehr Informationen zu convert<br />

finden Sie in einem älteren <strong>EasyLinux</strong>-<br />

Artikel [4].<br />

Fazit<br />

Sie haben nun einige der Möglichkeiten entdeckt,<br />

die Shell-Befehle Ihnen bieten. Manches<br />

ist dabei vielleicht unverständlich geblieben.<br />

Auf unserer Webseite finden Sie viele<br />

alte Shell-Artikel in den Rubriken „Guru-Training“<br />

und „Shell-Tipps“, mit denen Sie weitere<br />

Shell-Kommandos ausprobieren können.<br />

Für einen umfassenden Einstieg in die Shell<br />

empfehlen wir außerdem die Shell-Kapitel des<br />

gratis erhältlichen Buchs „Linux“ [5]. Shell-<br />

Profi wird man nicht über Nacht, aber wenn<br />

Ihnen die Beispiele aus diesem Artikel gefallen<br />

haben und Sie Ihre Kenntnisse vertiefen<br />

möchten, ist der Grundstein gelegt. (hge) n<br />

LISTING 2: CONVERT<br />

Die Datei original.jpg hat die Auflösung<br />

2492 x 3480 (Breite x Höhe); convert erzeugt<br />

daraus ein verkleinertes Bild mit der<br />

neuen Auflösung 573 x 800 – das Seitenverhältnis<br />

bleibt erhalten (ca. 1/ 1,40):<br />

$ convert original.jpg -resize 800xU<br />

800 kleiner.jpg<br />

$ identify *.jpg<br />

original.jpg JPEG 2492x3480 2492x34U<br />

80+0+0 8-bit DirectClass 3.843MB 0.U<br />

000u 0:00.000<br />

kleiner.jpg JPEG 573x800 573x800+0+U<br />

0 8-bit DirectClass 171KB 0.000u 0:U<br />

00.000<br />

VORSICHT BEI DER AUTOMATISIERUNG<br />

So mächtig Shell-Befehle sind, so gefährlich<br />

können sie auch sein: Wenn Sie sich<br />

vertippen, entfesseln Sie schnell zerstörerische<br />

Kommandos und löschen beispielsweise<br />

ganze Verzeichnishierarchien.<br />

Darum sollten Sie einige Sicherheitsmechanismen<br />

einbauen. Bevor Sie eine Schleife<br />

oder Kommandos, die rekursiv arbeiten<br />

(d. h., die Dateien in allen Unterordnern anfassen),<br />

aufrufen, können<br />

Sie die möglichen Auswirkungen<br />

mit den folgenden<br />

beiden Tipps einschränken:<br />

Erstellen Sie zunächst<br />

1<br />

vom Ordner, den Sie bearbeiten,<br />

eine Sicherheitskopie;<br />

im Home-<br />

Verzeichnis könnten Sie<br />

dazu etwa cp -a Dokumente<br />

Dokumente.bak<br />

eingeben, wenn Sie mit<br />

Dateien im Dokumente-Ordner arbeiten<br />

möchten.<br />

Setzen Sie vor potenziell riskante Befehle,<br />

2<br />

die Sie in einer Schleife ausführen möchten,<br />

das Kommando echo, also z. B. echo<br />

mv ... statt mv ... – das bewirkt, dass die<br />

Shell die eigentlich gewünschten Befehle<br />

nicht ausführt, sondern nur (mit echo) in<br />

der Konsole ausgibt (Abbildung 5).<br />

Abb. 5: Stellen Sie kritischen Kommandos ein „echo“<br />

voran, zeigt die Shell die Aktionen an, die sie ohne<br />

„echo“ ausführen würde.<br />

Infos<br />

[1] gscan2pdf-Artikel: Hans-Georg Eßer,<br />

„Papierstapel 2 PDF“, <strong>EasyLinux</strong><br />

03/ 2012, S. 86 ff.,<br />

[2] Phatch: http:// photobatch. stani. be/<br />

(http:// ezlx. de/ c4a1)<br />

[3] OpenSuse-Repository für Phatch:<br />

http:// software. opensuse. org/<br />

download. html?<br />

project=multimedia:photo&<br />

package=phatch (http:// ezlx. de/ c4a2)<br />

[4] convert-Artikel: Heike Jurzik,<br />

„Zauberhafte Bildbearbeitung“,<br />

<strong>EasyLinux</strong> 06/ 2006, S. 89 ff.,<br />

http:// www. easylinux. de/ 2006/ 06/<br />

089-guru-convert/ (http:// ezlx. de/ c4a3)<br />

[5] Shell-Einführung: Johannes Plötner<br />

und Steffen Wendzel, „Linux“, Galileo<br />

Computing 2012, Kapitel 7,<br />

http:// openbook. galileocomputing. de/<br />

linux/ linux_kap07_001. html<br />

(http:// ezlx. de/ c4a4)<br />

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<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Akregator<br />

WORKSHOP<br />

Der KDE-RSS-Reader Akregator<br />

Zusammengefasst<br />

Martin Loschwitz<br />

RSS-Feeds helfen dabei, die Informationsflut des Alltags unter Kontrolle zu halten.<br />

Mit dem KDE-Programm Akregator gelingt das besonders gut.<br />

Im Internet sehen Sie sich täglich einer<br />

wahren Flut von Informationen ausgesetzt.<br />

Unzählige Nachrichtenseiten buhlen<br />

um Ihre Gunst, für etliche Themen gibt es<br />

vielfältige Angebote. Wenn Sie allerdings täglich<br />

versuchen, sämtliche wichtigen Websites<br />

auf vermeintlich interessante Artikel hin zu<br />

durchstöbern, haben Sie bald keine Zeit mehr<br />

für andere Dinge. RSS-Feeds ermöglichn es<br />

Ihnen, Informationen von diversen Seiten unter<br />

einer einheitlichen Oberfläche zu bündeln<br />

und ganz bewusst nur die Artikel anzuschauen,<br />

die Sie interessieren – die oft aufwendige<br />

Suche auf Websites mit unterschiedlichen<br />

Layouts ist nicht nötig.<br />

Die Geschichte von RSS<br />

Die Abkürzung RSS steht für Rich Site Summary.<br />

Die Idee dahinter ist denkbar einfach:<br />

Eine Website stellt die Kerninformationen zu<br />

jedem Artikel, den sie veröffentlicht, als kurze<br />

Zusammenfassung zur Verfügung. Oft beschränkt<br />

sich die per RSS ausgelieferte Information<br />

auf den Titel eines Beitrags sowie den<br />

Namen des Autors. Manchmal gibt es zusätzlich<br />

einen „Teaser“, der aus den ersten paar<br />

Sätzen des Artikels besteht und so noch besser<br />

abschätzen lässt, ob die Lektüre eines Beitrags<br />

sich tatsächlich lohnt. Dabei ist es egal,<br />

von welcher Seite RSS-Einträge kommen: Das<br />

Protokoll ist standardisiert, Nachritenseiten<br />

können es genauso nutzen wie Blogs oder andere<br />

Dienste. Die Besucher einer Seite laden<br />

sich von dieser eine Textdatei mit den RSS-<br />

Einträgen herunter und benutzen dazu ein<br />

spezielles Programm, den RSS-Feedreader.<br />

Dieser stellt die gewonnenen Informationen<br />

einheitlich dar; als Anwender erhalten Sie<br />

also eine schnelle Übersicht über neue Inhalte<br />

auf allen Seiten, deren RSS-Feeds Sie abonniert<br />

haben. Interessiert Sie ein Artikel, klicken<br />

Sie auf den Eintrag im RSS-Reader und<br />

gelangen unmittelbar zum vollen Text auf der<br />

Website des Anbieters.<br />

Klingt genial, ist es auch – das passende RSS-<br />

Programm vorausgesetzt. Wenn Sie KDE einsetzen,<br />

haben Sie Glück: Der hauseigene RSS-<br />

Reader des KDE-Projekts, der auf den Namen<br />

Akregator hört, ist schnell und vielseitig.<br />

Akregator installieren<br />

Akregator ist der offizielle RSS-Reader für<br />

KDE und gehört als solcher fest zur Desktopumgebung.<br />

Wenn Sie mit OpenSuse oder Kubuntu<br />

unter KDE arbeiten, ist das Programm<br />

wahrscheinlich schon installiert – andernfalls<br />

genügt es, über die Paketverwaltung das Paket<br />

akregator nachzuinstallieren. Danach lässt<br />

sich das Programm über das K-Menü starten;<br />

der Eintrag lautet Akregator und ist auch über<br />

die Suche im KDE-Menü zu finden.<br />

Wenn Sie Akregator zum ersten Mal starten,<br />

<strong>machen</strong> Sie sich am besten zunächst mit seiner<br />

Oberfläche vertraut. Das Akregator-Fenster<br />

ist in zwei Bereiche unterteilt: Links sehen<br />

Sie eine Liste der Feeds, die Sie abonniert haben.<br />

Im rechten Teil wird ein Eintrag angezeigt,<br />

wenn Sie ihn aus der Liste links auswählen.<br />

Über diesen beiden Fensterbereichen<br />

finden Sie Buttons, mit denen Sie die geladenen<br />

RSS-Einträge aktualisieren oder als gelesen<br />

markieren. Übrigens: Nachdem Sie das<br />

Tool zum ersten Mal gestartet haben, wirkt<br />

die Oberfläche des Programms etwas leer; das<br />

liegt daran, dass Akregator noch keine RSS-<br />

Feeds abgeholt hat. Nach einigen Sekunden<br />

tauchen in der Liste links neue News auf, womit<br />

Akregator Ihnen seine Einsatzbereitschaft<br />

vermeldet (Aufmacherbild).<br />

Artikel lesen<br />

Wenn Sie links auf einen Eintrag in der Liste<br />

klicken, teilt sich der rechte Teil des Fensters<br />

erneut. Oben sehen Sie nun alle Einträge, die<br />

zu dem ausgewählten Feed gehören, im größeren<br />

Bereich darunter finden sich die Texte<br />

zur gewählten Überschrift. Wie viel Text zu<br />

einem RSS-Eintrag gehört, bestimmt der<br />

Dienstanbieter. Nachrichtenseiten liefern häufig<br />

nur den schon erwähnten Teaser, um Leser<br />

auf die Website zu locken und ihnen so<br />

eventuelle Werbung anzuzeigen; nicht-kommerzielle<br />

Websites wie etwa die des KDE-Projekts<br />

verteilen im RSS-Feed oft komplette Artikel,<br />

so dass zum Erhalt einer Information der<br />

Besuch der dazugehörigen Website gar nicht<br />

mehr nötig ist. Am Ende jeder Nachricht befindet<br />

sich – in jedem Fall – der Link zum Online-Inhalt,<br />

der nach einem Klick im Browser<br />

erscheint.<br />

Eigene Feeds hinzufügen<br />

Akregator wäre nicht annähernd so praktisch,<br />

böte es nicht die Möglichkeit, eigene Feeds zu<br />

definieren. Tatsächlich bietet Akregator diese<br />

© Hans-Georg Eßer<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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75


WORKSHOP<br />

Akregator<br />

Übrigens: Wenn Sie den Link eines Feeds in<br />

die Zwischenablage kopieren, nimmt Akregator<br />

Ihnen Arbeit ab. Beim Hinzufügen eines<br />

neuen Feeds fügt es den Eintrag aus der Ablage<br />

automatisch in das Adressfeld ein, so<br />

dass Sie bloß noch auf OK klicken müssen.<br />

Abb. 1: Auf der Website der Linux-Community erkennen Sie den RSS-Feed am typischen<br />

RSS-Symbol.<br />

Option – wenn Sie die Adresse eines Feeds<br />

haben, der in Akregator als Nachrichtenquelle<br />

auftauchen soll, ist die Sache geritzt. Die<br />

meisten Websites bieten RSS-Feeds an, aber<br />

genau an dieser Stelle beginnt die Sache kompliziert<br />

zu werden.<br />

Nicht wenige Anbieter halten RSS-Feeds zwar<br />

bereit, verstecken die Links zu den Feeds auf<br />

ihrer Website allerdings sehr gut. Auf der<br />

Website von Spiegel Online, immerhin laut<br />

diversen Statistiken die meistbesuchte<br />

deutschsprachige Nachrichtenseite, findet<br />

sich auf der Startseite der Link zu einer Übersicht<br />

der verschiedenen Feeds, der allerdings<br />

etwas untergeht. Leichter zu finden ist der<br />

Feed auf der Website der Linux Community –<br />

und zwar nicht zuletzt deshalb, weil er das<br />

klassische RSS-Icon verwendet (Abbildung<br />

1). Wann immer Sie dieses Icon sehen, sind<br />

Sie auf dem richtigen Weg.<br />

Feeds in die Liste einzutragen, die Akregator<br />

verwaltet, ist danach ein Kinderspiel:<br />

Klicken Sie im Akregator-Hauptfenster in<br />

1<br />

der Dateileister auf Nachrichtenquelle /<br />

Nachrichtenquelle hinzufügen. Es erscheint<br />

ein Fenster, in das Sie den Link zum RSS-<br />

Feed eintragen. Im Beispiel der Linux-Community<br />

heißt dieser Link http://www.<br />

linux‐community.de/rss/feed/main. In der<br />

Regel ist es aber gar nicht nötig, den RSS-<br />

Link herauszufinden, weil die meisten<br />

Webseiten mit ihrer regulären Homepage<br />

gleich über ein spezielles Tag einen Verweis<br />

auf die RSS-Feed-Adresse ausliefern.<br />

Sie könnten im Beispiel also auch einfach<br />

http://www.linux‐community.de/ eingeben<br />

(Abbildung 2). Nur wenn eine Seite mehrere,<br />

etwa nach Themen sortierte Feeds<br />

anbietet, brauchen Sie die korrekte Feed-<br />

Adresse.<br />

Klicken Sie auf OK, zeigt Akregator ein<br />

2<br />

Fenster mit den Feed-spezifischen Einstellungen<br />

an. Auf dem ersten Reiter können<br />

Sie ein eigenes Intervall für den Abruf der<br />

neuen Feed-Einträge festlegen. Tun Sie das<br />

nicht, nutzt Akregator den programmweiten<br />

Standardwert.<br />

Nützlich ist in diesem Fenster auch der<br />

3<br />

Eintrag Über neue Artikel informieren:<br />

Kreuzen Sie diese Option an, wird bei<br />

neuen Nachrichten eines Feeds in der KDE-<br />

Startleiste eine entsprechende Notiz erscheinen.<br />

So ersparen Sie sich das regelmäßige<br />

Nachschauen in Akregator und verpassen<br />

trotzdem keine neuen Einträge.<br />

Auf dem zweiten Reiter Archiv stellen Sie<br />

4<br />

ein, wie das Programm Feed-Einträge archiviert.<br />

Im Normalfall verschwinden RSS-Einträge<br />

nach einiger Zeit von den Webseiten –<br />

wenn Sie diese archivieren, bleiben sie Ihnen<br />

dauerhaft erhalten. Das betrifft aber nur<br />

die via RSS übertragenen Daten und nicht<br />

etwa die darüber verlinkten Artikel.<br />

Wenn alle Einstellungen vorgenommen<br />

5<br />

sind, klicken Sie auf OK, um den Vorgang<br />

abzuschließen.<br />

Abb. 2: Indem Sie einen Link zu einem RSS-Feed in die Zwischenablage kopieren, sorgen<br />

Sie dafür, dass Akregator ihn automatisch einfügt.<br />

Feeds sortieren<br />

Akregator fügt den Feed dann in die Liste der<br />

Nachrichtenquellen ein, und zwar unterhalb<br />

des Eintrags, der zuletzt ausgewählt war.<br />

Möchten Sie hier für Ordnung sorgen und Ihre<br />

Feeds kategorisieren, ist das kein Problem:<br />

Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf<br />

1<br />

Alle Nachrichtenquellen (den Eintrag ganz<br />

oben) und wählen Sie Neuer Ordner aus.<br />

Akregator legt einen neuen Ordner in der<br />

Seitenleiste an und bietet Ihnen an, diesem<br />

einen Namen zu geben.<br />

Verschieben Sie nun den eben hinzugefügten<br />

Feed per Drag & Drop in den neuen<br />

2<br />

Ordner. Möchten Sie später weitere Feeds<br />

abonnieren, wählen Sie vorher in der Seitenleiste<br />

den Ordner aus, zu dem der neue<br />

Feed hinzuzufügen ist. Den Rest erledigt<br />

Akregator selbstständig.<br />

Wichtige Artikel im Überblick behalten<br />

Ähnlich wie ein <strong>Mail</strong>programm bietet Ihnen<br />

auch Akregator einen Weg, um einzelne Artikel<br />

als wichtig zu markieren. Das ist hilfreich,<br />

wenn ein Artikel besonders interessante Informationen<br />

enthält und Sie ihn später schnell<br />

wiederfinden möchten. Einen Artikel markieren<br />

Sie so:<br />

Wählen Sie den Artikel aus, so dass er im<br />

1<br />

rechten unteren Teil des Akregator-Fensters<br />

angezeigt wird.<br />

Klicken Sie dann oben in der Liste mit der<br />

2<br />

rechten Maustaste auf den Titel des Artikels<br />

und wählen Sie im Kontextmenü Als<br />

wichtig markieren aus. Vor dem Titel des<br />

Artikels erscheint nun ein kleiner Briefumschlag<br />

mit einem roten Ausrufezeichen.<br />

Um die als wichtig markierten Artikel zu<br />

3<br />

sehen, klicken Sie im rechten Teil des<br />

Fenster auf den Button rechts neben der<br />

Suchleiste, der die Aufschrift Alle Artikel<br />

trägt. Wählen sie im Drop-down-Menü den<br />

Eintrag Wichtig aus, um nur die wichtigen<br />

Artikel anzuzeigen.<br />

Fazit<br />

Mit Akregator behalten Sie komfortabel den<br />

Überblick über alle Nachrichtenquellen, die<br />

den RSS-Dienst anbieten. Da es sich um den<br />

Standard-Feedreader von KDE handelt, sind<br />

nicht mal Installationsarbeiten nötig, um das<br />

praktische Programm zu nutzen. (hge) n<br />

76 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Mount Points<br />

BASICS<br />

Windows-Laufwerksbuchstaben und Linux-Moint-Points<br />

Laufwerk „C:“<br />

oder „/ “-Partition<br />

Betriebssystem und Anwendungen liegen auf C:, das DVD-Laufwerk heißt D: oder E:, und wer noch ein Diskettenlaufwerk<br />

hat, spricht es als A: an – so kennt man es von Windows. Linux verwaltet Datenträger anders.<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Schon seit den 70er-Jahren gibt es Betriebssysteme,<br />

die Datenträger über<br />

Laufwerksbuchstaben ansprechen:<br />

Die Bezeichnungen A: und B: für die ersten<br />

beiden Diskettenlaufwerke in einem PC verwendet<br />

Windows als Nachfolger von Microsoft<br />

DOS (Disk Operating System), und MS-<br />

DOS hat dieses Konzept von dem noch älteren<br />

System CP/ M (Control Program for Microprocessors)<br />

übernommen, das in den 80ern auf<br />

Heimcomputern wie dem C128 lief.<br />

Als dann die ersten Festplatten für PCs auf<br />

den Markt kamen, wurde einfach weiter gezählt,<br />

und so erhielten DOS-Partitionen die<br />

Bezeichnungen C:, D: usw.; mit CD-/ DVD-<br />

Laufwerken und sonstigen Geräten kamen<br />

noch mehr Buchstaben dazu, und Netzwerk-<br />

Volumes (Freigaben) werden unter Windows<br />

typischerweise mit „höheren“ Buchstaben<br />

(H:, M:, …) angesprochen.<br />

© Kristian Peetz, fotolia<br />

Schön kurz, aber …<br />

Das Konzept der Laufwerksbuchstaben ist eigentlich<br />

praktisch: Mit nur zwei Zeichen<br />

(Buchstabe und Doppelpunkt), die einem Pfad<br />

vorangestellt werden, gibt man das Gerät an,<br />

auf dem zu suchen ist. Die Unterscheidung<br />

zwischen Platten und DVD-Laufwerken als<br />

verschiedenen Geräten wird so auch durch die<br />

wechselnden Buchstaben deutlich.<br />

Wer mit mehreren Platten oder vielen Partitionen<br />

arbeitet, verliert aber schnell die Übersicht:<br />

Jede Partition (mit einem DOS-/ Windows-Dateisystem)<br />

erhält unter Windows einen<br />

eigenen Laufwerksbuchstaben, und bei<br />

zwei „Laufwerken“ C: und D:, die auf der gleichen<br />

Festplatte liegen, werden die Begriffe<br />

unsinnig, denn das „C-Laufwerk“ und das „D-<br />

Laufwerk“ sind ja nur zwei benachbarte Partitionen<br />

auf demselben Laufwerk.<br />

Dazu kommt noch, dass frühere Windows-<br />

Versionen (95/ 98/ ME) beim Einbau einer<br />

neuen Platte eventuell die Laufwerksbuchstaben<br />

durcheinander geworfen haben: Die Regel<br />

zur Nummerierung war dort „erst die primären<br />

Partitionen, dann die logischen in einer erweiterten<br />

Partition“. Wird zu einer Platte mit<br />

primärer Partition C: und logischem „Laufwerk“<br />

D: in der erweiterten Partition eine neue<br />

Platte eingebaut und dort eine primäre Partition<br />

angelegt, heißt diese ab dem nächsten<br />

Windows-Start D:, und das alte D: wird zu E:.<br />

Wer dann Startmenü-Einträge mit Verweisen<br />

auf D: hatte, musste diese anpassen.<br />

Die modernen Windows-Versionen, von NT<br />

über 2000, XP und Vista bis zu Windows 7<br />

und 8 haben dieses Problem nur ansatzweise,<br />

weil man dort für die meisten Partitionen von<br />

Hand Laufwerksbuchstaben vergeben und so<br />

nach dem Einbau einer neuen Platte die alte<br />

„Ordnung“ aufrecht erhalten kann.<br />

Wer unter DOS nicht mit verschiedenen Laufwerksbuchstaben<br />

hantieren wollte, konnte<br />

dort den Befehl join verwenden, um ein Laufwerk<br />

über ein Unterverzeichnis eines anderen<br />

Laufwerks anzusprechen, das ging etwa so:<br />

C:\> join e: c:\daten<br />

Danach waren die Dateien auf Laufwerk E:<br />

unterhalb von C:\daten\ verfügbar. Moderne<br />

Windows-Versionen beherrschen das Feature<br />

noch immer, wahlweise über die Datenträgerverwaltung<br />

oder auf der Konsole mit Hilfe von<br />

diskpart [1].<br />

Der Unix-Weg<br />

Der alte DOS-Befehl join versuchte im Grunde,<br />

ein altes Unix-Feature nachzubilden: nämlich<br />

die Fähigkeit, Datenträger über frei wählbare<br />

Verzeichnisse anzusprechen. So hat es Unix<br />

schon Jahrezehnte lang gemacht, und auch<br />

Linux nutzt den als „Mounten“ bekannten<br />

Mechanismus, bei dem ein Datenträger (etwa<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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77


BASICS<br />

Mount Points<br />

Abb. 1: Kubuntu merkt sich in der Datei „/ etc/ fstab“ nicht die Gerätedateien, sondern die UUIDs.<br />

eine Plattenpartition oder eine DVD) über ein<br />

Verzeichnis verfügbar gemacht wird.<br />

Um einen Datenträger unter Linux zu mounten,<br />

kann man (mit Administratorrechten ausgestattet,<br />

also als Benutzer root) das Kommando<br />

mount verwenden, dem man im Wesentlichen<br />

eine Gerätedatei und ein Verzeichnis<br />

übergibt:<br />

l Die Gerätedatei legt dabei fest, welcher<br />

Datenträger eingebunden werden soll. Für<br />

CDs und DVDs ist das oft /dev/​sr0, für<br />

Disketten /dev/​fd0 (Floppy Drive 0, das<br />

erste Diskettenlaufwerk), Festplattenpartitionen<br />

werden anders angesprochen, z. B.<br />

über /dev/​sda1 oder /dev/​sdb5. Details zu<br />

den Partitionsnamen finden Sie übrigens<br />

im Kasten Theorie​zu​Platten​und​Partitionen<br />

des Artikels Multi-Boot auf Seite 62.<br />

l Das Verzeichnis ist frei wählbar, muss<br />

aber vorhanden sein. Um für Ordnung<br />

zu sorgen, werden Wechselmedien meist<br />

in ein Unterverzeichnis von /media eingebunden,<br />

bei DVDs und USB-Sticks<br />

berücksichtigt Linux auch die Datenträgerkennungen,<br />

so dass der Inhalt einer<br />

<strong>EasyLinux</strong>-DVD z. B. unter /media/​EA-<br />

SYLINUX erscheint. Das passiert automatisch.<br />

Nicht eingebundene Partitionen auf<br />

Festplatten können Sie z. B. mit<br />

mount /dev/sda7 /mnt<br />

temporär im Verzeichnis /mnt einbinden: Das<br />

ist für den kurzfristigen Zugriff auf Partitionen<br />

vorgesehen.<br />

Einige Datenträger werden aber fest eingebunden,<br />

dazu gehört in jedem Fall die Linux-<br />

Partition, auf der sich das Wurzel- oder Root-<br />

Verzeichnis / befindet – diese Partition heißt<br />

darum auch die Root-Partition. Sie wird bereits<br />

beim Booten des Systems gemountet;<br />

zum einen, weil der Bootloader weiß, welche<br />

die Root-Partition ist, zum anderen aber auch,<br />

weil das in der Konfigurationsdatei /etc/​fstab<br />

so festgelegt ist: Dort stehen in einem Linux-<br />

System Informationen über alle bekannten<br />

Datenträger und die Verzeichnisse, über die<br />

sie erreichbar sein sollen.<br />

Wozu ist das gut?<br />

Welchen Vorteil bringt es nun, verschiedene<br />

Geräte über Unterverzeichnisse statt über<br />

Laufwerksbuchstaben anzusprechen – ist die<br />

Vergabe verschiedener Laufwerksnamen wie<br />

C: und D: für Diskette, Festplatte und DVD<br />

nicht logischer?<br />

Wie schon weiter oben beschrieben, ist das<br />

ein vernünftiger Ansatz, solange man genau<br />

eine Festplatte (genauer: eine einzige Partition)<br />

und ein DVD-Laufwerk hat und an der<br />

Hardware nichts ändert – das garantiert nämlich<br />

unter Windows, dass die Laufwerksbuchstaben<br />

sich nie ändern.<br />

In ein Linux-System können Sie jederzeit zusätzliche<br />

DVD-Laufwerke, Festplatten oder<br />

andere Speichermedien integrieren oder beispielsweise<br />

die Reihenfolge der Festplatten<br />

ändern, auch der Ausbau einer internen Platte<br />

und anschließende Anschluss über ein externes<br />

USB-Gehäuse ist relativ problemlos. Dadurch<br />

ändern sich zwar die Namen der Gerätedateien,<br />

über die Linux diese Geräte anspricht<br />

– nach einer entsprechenden Anpassung<br />

in der Zuordnungsdatei /etc/​fstab ist<br />

aber wieder alles beim Alten: Die Inhalte der<br />

Datenträger finden sich erneut in den Verzeichnissen,<br />

in die sie gehören.<br />

Linux unterstützt außerdem die Verwendung<br />

von eindeutigen Datenträger-IDs (UUID: Universally<br />

Unique Identifier): Damit können Sie<br />

die Platten sogar umstrukturieren, ohne etwas<br />

an der Zuordnungsdatei zu ändern, wenn<br />

auch diese mit IDs arbeitet (Abbildung 1).<br />

Platz schaffen<br />

Die Flexibilität, die einem das Mounten verschafft,<br />

nutzt man auch, wenn der Platz auf<br />

einer Partition knapp wird: Arbeiten Sie z. B.<br />

mit einer einzigen Linux-Partition, die zu<br />

95% gefüllt ist, können Sie als normaler Anwender<br />

keine Dateien mehr speichern. Eine<br />

neue Platte löst dann das Platzproblem auf<br />

einfache Weise: Kopieren Sie ein gesamtes<br />

Unterverzeichnis, wie z. B. /home, auf die<br />

neue Platte und löschen Sie die Inhalte des<br />

ursprünglichen Verzeichnis – dann mounten<br />

Sie die Kopie einfach in das jetzt leere Verzeichnis,<br />

erzeugen einen passenden Eintrag<br />

in der Datei /etc/​fstab und nutzen ab sofort<br />

beide Platten.<br />

Bei Verwendung von Laufwerksbuchstaben<br />

müssten Sie beispielsweise C:/​home/​benutzer<br />

nach dem Verschieben als D:/​benutzer ansprechen,<br />

was vielleicht nicht jedem Programm<br />

gefällt, das Dateien „auf“ C: gespeichert<br />

hat – unter Linux bemerken Programme<br />

gar nicht den Unterschied: Was vorher /home/​<br />

benutzer war, ist auch nach dem Umbau<br />

/home/​benutzer; dass die Dateien jetzt auf einer<br />

anderen Partition liegen, interessiert die<br />

Software nicht. (hge)<br />

n<br />

Infos<br />

[1] Microsoft Technet: Zuweisen eines<br />

Mount-Point-Ordners zu einem<br />

Laufwerk, http:// technet. microsoft.<br />

com/ de-de/ library/ cc753321. aspx<br />

(http:// ezlx. de/ c4k1)<br />

78 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


KDE-Tipps<br />

TIPPS & TRICKS<br />

KDE-Tipps<br />

Besser arbeiten mit KDE<br />

Thomas Drilling<br />

KDE wird von Version zu Version komfortabler. Wir konzentrieren uns in diesem Beitrag auf<br />

nicht alltägliche, aber überaus nützliche neue Funktionen in KDE 4.9.0.<br />

Das von Kritikern gern gegen KDE vorgebrachte<br />

Argument, ein stetiger Anstieg<br />

der Anzahl von Funktionen und<br />

Einstellungsmöglichkeiten überfordere den<br />

Einsteiger, lässt sich leicht entkräften, denn<br />

KDE „funktioniert“ im Alltagsbetrieb auch<br />

ohne weitere Konfiguration. Neue Funktionen<br />

müssen Sie schon aktiv suchen, werden dann<br />

bisweilen aber mit Interessantem und Nützlichen<br />

belohnt. Eine neue KDE-Version gelangt<br />

in der Regel durch ein Major-Release-Update<br />

der verwendeten Distribution auf Ihre Festplatte.<br />

Ein manuelles, vorzeitiges Installieren<br />

von KDE über Backports oder aus den Quellen<br />

ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Manchmal<br />

bringt ein bewusster und gezielter Blick<br />

auf die jeweiligen Neuerungen Verblüffendes,<br />

Interessantes und Nützliches hervor, so wie<br />

in der aktuellen KDE-Version 4.9.x.<br />

Update auf KDE-<br />

01<br />

Version 4.9.x<br />

Um Ihnen die Neuerungen von KDE SC 4.9.0<br />

(die inzwischen verfügbare KDE-Version 4.9.1<br />

bringt nur Fehlerkorrekturen) präsentieren zu<br />

können, haben wir KDE entgegen unserer<br />

Empfehlung durch Einbinden des zugehörigen<br />

Backport-PPAs unter Kubuntu 12.04 installiert.<br />

Mit Erscheinen dieses Beitrages sollte<br />

KDE 4.9.0 allerdings standardmäßig in Kubuntu<br />

12.10 verfügbar sein. OpenSuse 12.2<br />

enthält KDE 4.8.4, die 4.9er-Version lässt sich<br />

dort aber nachinstallieren.<br />

Wer KDE 4.9.0 unter<br />

Kubuntu 12.04 ausprobieren<br />

möchte,<br />

kann das Update ganz<br />

komfortabel über die<br />

Paketverwaltung (Apper<br />

oder Synaptic) installieren.<br />

Voraussetzung<br />

ist lediglich,<br />

dass Sie die erwähnte<br />

Backport-Paketquelle<br />

einbinden. Das geht<br />

am schnellsten in einem<br />

mit [Alt-F2] und<br />

Eingabe von konsole<br />

geöffnetem Terminalfenster,<br />

in dem Sie<br />

den Befehl<br />

sudo add-apt-reU<br />

pository ppa:kuU<br />

buntu-ppa/backports<br />

ausführen. Anschließend stehen Ihnen die<br />

KDE-4.9.0-Pakete im Paketmanager zur Verfügung,<br />

und Sie müssen die betreffenden Pakete<br />

lediglich zum Aktualisieren markieren,<br />

sofern Sie nicht ohnehin automatische Updates<br />

erlaubt haben.<br />

Abb. 1: Die GTK-Paketverwaltung können Sie auch unter Kubuntu<br />

installieren und nutzen.<br />

Basics: Synaptic<br />

02<br />

unter KDE<br />

Zwar ist Apper das Standardpaketwerkzeug<br />

unter KDE/ Kubuntu und für den Alltagsgebrauch<br />

auch ausreichend, das gute alte Synaptic<br />

ist aber – zumindest bei auf Debian basierenden<br />

Distributionen wie Ubuntu – ungleich<br />

leistungsfähiger und komfortabler.<br />

Wenn Sie den durch das Installieren eines<br />

GTK-Programms unter KDE bedingten Overhead<br />

nicht scheuen, können Sie Synaptic (wie<br />

übrigens auch Ubuntus Software-Center) problemlos<br />

unter Kubuntu installieren und nutzen.<br />

Das geht am schnellsten durch Eingeben<br />

des Kommandos<br />

sudo apt-get install synaptic<br />

in ein Terminalfenster oder durch Auswählen<br />

von Synaptic in Apper, wie in Abbildung<br />

1 zu sehen.<br />

Basics: Paketquellen<br />

03<br />

aktualisieren<br />

Die Backport-Paketquelle für KDE 4.9.0 können<br />

Sie dann optional auch unter Synaptic im<br />

Menü Einstellungen / Paketquellen mit einem<br />

Klick auf Hinzufügen im Reiter Andere Software<br />

hinzufügen. Sie müssen nur im Dialog<br />

APT-Zeile von Hand den Eintrag<br />

79


TIPPS & TRICKS<br />

KDE-Tipps<br />

Abb. 2: Paketquellen können Sie unter Synaptic hinzufügen,<br />

müssen aber auch hier die korrekte Schreibweise beachten.<br />

Abb. 3: KDE 4.9.0 lässt sich im Paketmanager als Aktualisierung aus<br />

den Backports-Quellen installieren.<br />

deb http://ppa.launchpad.net/kubU<br />

untu-ppa/backports/ubuntu precisU<br />

e main<br />

hinzufügen und auf die Schaltfläche Software-Pakequelle<br />

hinzufügen klicken (Abbildung<br />

2).<br />

Anschließend lesen Sie die neue Paketquelle<br />

mit einem Klick auf das Symbol Neu laden in<br />

der Werkzeugleiste ein. Auf der Konsole erledigen<br />

sie das durch Eingeben von sudo apt-get<br />

update. Übrigens lässt sich Synaptic auch auf<br />

RPM-basierenden Distributionen wie Open-<br />

Suse oder Fedora installieren, bringt hier aber<br />

kaum Vorteile.<br />

Basics: KDE 4.9.0<br />

04<br />

installieren<br />

Jetzt ist es problemlos möglich, KDE SC 4.9.0<br />

unter Synaptic als Aktualisierung auszuwählen.<br />

Je nach Einstellung wird Ihnen eine solche<br />

kurze Zeit nach dem Aktivieren der Paketquelle<br />

automatisch angeboten, oder Sie<br />

wählen in Synaptic im Navigationsbereich<br />

links den Filter Ursprung und dann in der Paketquellenliste<br />

darüber den Eintrag LP-PPAkubuntu-ppa-backports/<br />

precise (Abbildung<br />

3). Sie können dann rechts die zu aktualisierenden<br />

Pakete markieren und in der Symbolleiste<br />

auf Anwenden klicken.<br />

Dolphin: Bewertungen<br />

05<br />

einschalten<br />

Die neue Version 2.1 des Standard-Dateimanagers<br />

Dolphin in KDE 4.9.0 bringt eine Reihe<br />

von Verbesserungen im Umgang mit Metadaten<br />

wie etwa Rating und Tags. KDE-Nutzer<br />

können bekanntlich jede beliebige Datei im<br />

Dateimanager „bewerten“. Das bietet sich vor<br />

allem bei Dateien an, die Sie mit anderen Nutzern<br />

teilen, wie etwa Bilder oder Wallpaper.<br />

Sollten Bewertungen im von Ihnen gewählten<br />

Ordner nicht angezeigt werden, mussten Sie<br />

bei älteren Dolphin-Versionen wie folgt vorgehen:<br />

Sie markierten die gewünschte Datei<br />

oder das gewünschte Verzeichnis im Dateimanager<br />

und wählten im Kontextmenü (Rechtsklick)<br />

den Eintrag Eigenschaften. Dann wech-<br />

selten Sie hier zum Reiter Informationen und<br />

klickten dann auf den Link Einrichten. Dolphin<br />

zeigte dann im Dialog Anzuzeigende Elemente<br />

einrichten für sämtliche darstellbare Eigenschaften,<br />

Attribute und Meta-Informationen<br />

ein Ankreuzfeld, unter anderem auch für<br />

Bewertungen (Abbildung 4). Das eigentliche<br />

Setzen einer Bewertung oder eines Kommentars<br />

erledigten Sie im Reiter Informationen,<br />

indem Sie z. B. auf die Zahl der zu setzenden<br />

Sternchen klickten, die dann ihre Farbe von<br />

ausgegraut auf gelb wechselten.<br />

Beim neuen Dolphin können Sie zum Anzeigen<br />

von Bewertungen und anderen Meta-Informationen<br />

auch das Service-Menü Ansicht /<br />

Zusätzliche Informationen benutzen und dort<br />

die gewünschte Option, z. B. Rating oder Tags<br />

durch einfaches Setzen des entsprechenden<br />

Häkchen aktivieren (Abbildung 5).<br />

Auf genauso komfortable Weise ist es zum<br />

Beispiel auch möglich, den jeweiligen kompletten<br />

Pfad und die vollständigen Berechtigungen<br />

in der Icon-Darstellung einzuschalten<br />

(Abbildung 6).<br />

Abb. 4: Der klassische Weg, um in Dolphin Ratings einzublenden,<br />

ist etwas lang.<br />

Abb. 5: Unter Dolphin 2.1 gelingt das Anzeigen von Bewertungen via<br />

Service-Menü.<br />

80 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


KDE-Tipps<br />

TIPPS & TRICKS<br />

Abb. 6: Dolphin 2.1 zeigt Pfad und Bewertung in der Symbolansicht.<br />

Abb. 7: Dolphin 2.1 versteht jetzt auch Mercurial.<br />

Dolphin: Service-Menü<br />

06<br />

erweitern<br />

Das so genannte Service-Menü Ansicht / Zusätzliche<br />

Informationen hat unter Dolphin 2.1<br />

in KDE 4.9.0 eine Reihe zusätzliche Einträge<br />

und Funktionen erhalten. So kann Dolphin<br />

jetzt außer mit den Versionsverwaltungssystemen<br />

GIT, SVN und CVS auch mit Mercurial<br />

umgehen. Das ist zwar vorrangig für Entwickler<br />

interessant, aber auch für Nutzer, falls Sie<br />

etwa eine brandneue Software direkt aus einem<br />

Versionsverwaltungssystem „auschecken“<br />

wollen oder müssen. Viele neue Funktionen<br />

unter Dolphin sind KDE-typisch als<br />

Dienste realisiert, die Sie – sofern nicht in der<br />

Voreinstellung aktiviert – vor deren Anzeige<br />

im Service-Menü zunächst unter Einstellungen<br />

/ Dienste per Häckchen aktivieren müssen<br />

(Abbildung 7).<br />

Dolphin: Zusätzliche<br />

07<br />

Dienste<br />

Wie bei vielen KDE-Programmen und -Komponenten<br />

lässt sich der Funktionsumfang von<br />

Dolphin durch das Hinzufügen von Diensten<br />

erweitern. Die auf diese Weise ergänzten<br />

Funktionen finden sich nicht nur im Sevice-<br />

Menü, sondern auch an vielen anderen Stellen<br />

wieder, etwa im Kontextmenü einer markierten<br />

Datei. Ein klassisches Beispiel ist etwa<br />

das Kontextmenü Komprimieren, in dem Sie<br />

auf einfache Weise zip-, rar- oder tar-Archive<br />

der ausgewählten Dateien erstellen können.<br />

Bei der Version 2.1 in KDE 4.9.0 hat sich die<br />

Anzahl der in Einstellungen / Dolphin einrichten<br />

unter Dienste zur Verfügung stehenden<br />

Erweiterungen noch einmal deutlich erhöht<br />

(Abbildung 8).<br />

Der Dienste-Dialog enthält in der neuen Version<br />

4.9 aber noch viele weitere neue Funktionen.<br />

Mit der Schaltfläche Neue Dienste herunterladen<br />

können Sie zusätzliche Erweiterungen<br />

aus dem Internet holen (Abbildung 9).<br />

Wie auch anderswo in KDE üblich, lässt sich<br />

Abb. 8: Dolphin 2.1 bringt in KDE 4.9.0<br />

zahlreiche neue Dienste mit.<br />

Abb. 9: Dolphin holt auf Wunsch zusätzliche Erweiterungen aus dem Internet.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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81


TIPPS & TRICKS<br />

KDE-Tipps<br />

die Auswahl nach Bewertung, Neuheit, häufigste<br />

Downloads usw. sortieren bzw. einschränken.<br />

Die aus dem Internet installierten Dolphin-Erweiterungen<br />

funktionieren auch in älteren<br />

Dolphin-Versionen. Unter den externen Erweiterungen<br />

gibt es zahlreiche Schätze; eine<br />

interessante Auswahl präsentiert der Kasten<br />

Externe Erweiterungen für Dolphin.<br />

Kontact: Thunderbird-<br />

08<br />

Import<br />

Die neue Kontact-Version in KDE 4.9.0 kann<br />

E-<strong>Mail</strong>s, Filter, Kontakte und Termine aus<br />

Thunderbird und Evolution importieren.<br />

Möchten Sie beispielsweise Ihre Thunderbird-<strong>Mail</strong>s<br />

unter KDE in K<strong>Mail</strong> importieren,<br />

wechseln Sie in Kontact ins E-<strong>Mail</strong>-Modul,<br />

rufen den Menüpunkt Datei / Nachrichten<br />

importieren auf und wählen danach im Dialog<br />

K<strong>Mail</strong>CVV im<br />

zuständigen Listenauswahlfeld<br />

statt K<strong>Mail</strong> Archivdatei<br />

importieren<br />

den Eintrag Importieren<br />

der lokalen<br />

<strong>Mail</strong>s und der Ordnerstruktur<br />

von<br />

Thunderbird/ Mozilla<br />

aus (Abbildung<br />

10).<br />

Wählen Sie dann<br />

den Zielordner mit<br />

einem Klick auf das<br />

Ordnersymbol neben<br />

Select Folders<br />

(z. B. Posteingang)<br />

und nach einem<br />

Klick auf Weiter<br />

Abb. 10: Dolphn 2.1 importiert von Thunderbird.<br />

EXTERNE ERWEITERUNGEN FÜR DOLPHIN<br />

In Dolphin ist es im Menü Einstellungen /<br />

Dienste mit der Schaltfläche Neue Dienste<br />

herunterladen möglich, externe Erweiterungen<br />

für Dolphin aus dem Internet zu installieren.<br />

Nützlich ist unter Kubuntu z. B.<br />

das Ubuntu One Dolphin Plug-in.<br />

Haben Sie das Plug-in mit einem Klick auf<br />

die gleichnamige Schaltfläche installiert,<br />

können Sie ab sofort jeden beliebigen Ordner<br />

in Dolphin über das Kontextmenü Ubuntu<br />

One mit Ihrem Onlinespeicher synchronisieren.<br />

Bei einer Datei haben Sie über das Kontextmenü<br />

wahlweise die Möglichkeit, diese<br />

zu veröffentlichen und dabei den Web-Link<br />

zu kopieren.<br />

Laden Sie auf die gleiche Weise die Erweiterung<br />

DropBox ServiceMenü herunter, stehen<br />

Ihnen ebenfalls per Dolphin-Kontextmenü<br />

eine Reihe von komfortablen Funktionen für<br />

den Zugriff auf Ihre Dropbox zur Verfügung.<br />

So können Sie etwa eine Datei oder ein Verzeichnis<br />

mit den ersten beiden Einträgen<br />

wahlweise in Ihren öffentlichen Dropbox-<br />

Ordner kopieren oder verschieben und die<br />

URL jeweils in Klipper einfügen. Außerdem<br />

haben Sie über das Kontextmenü die Möglichkeit,<br />

eine öffentliche URL zu erzeugen<br />

oder diese via K<strong>Mail</strong> oder Google <strong>Mail</strong> zu<br />

versenden (Abbildung 14).<br />

Ebenfalls nützlich ist das Service-Menü audiokonverter,<br />

über das Sie Audiodateien per<br />

Rechtsklick schnell in eines der zahlreichen<br />

unterstützten Formate (darunter MP3, Ogg<br />

Vorbis, AMR, AAC, M4R, FLAC, WMA, Real-<br />

Audio und Musepack) umwandeln können.<br />

Es setzt allerdings voraus, dass die Pakete<br />

ffmpeg, oggenc, faad, faac, flac, mplayer<br />

und lame installiert sind.<br />

Wünschen Sie sich den gleichen Komfort<br />

auch für Videoformate, installieren Sie die<br />

Dolphin-Erweiterung kde-services. Die Erweiterung<br />

fügt neben einem leistungsfähigen<br />

Videokonverter gleich ein ganzes Bündel<br />

an Funktionen ins KDE-Service-Menü<br />

ein. Details offenbart ein Klick auf das Infosymbol<br />

der Erweiterung kde-Services im Dialog<br />

Neue Erweiterungen herunterladen. Diese<br />

Erweiterung ist allerdings bei vielen Distributionen<br />

bereits aktiviert.<br />

Ebenfalls sehr nützlich ist die Erweiterung<br />

Tunderbird Service Menu. Ist sie installiert,<br />

können Sie in Dolphin jede beliebige<br />

Datei über das Kontextmenü als Anhang<br />

an eine Thunderbird-E-<strong>Mail</strong> anhängen (Abbildung<br />

15).<br />

Das funktioniert analog zur mit K<strong>Mail</strong> verknüpften<br />

Standardfunktion Aktionen / Als<br />

E-<strong>Mail</strong>-Anhang versenden, diesmal mit dem<br />

Kontextmenü-Eintrag Aktionen / Verschicken<br />

als Anhang mit Thunderbird.<br />

Abb. 14: Dolphin unterstützt via Erweiterung auch die direkte<br />

Interaktion mit Ihrer Dropbox.<br />

Abb. 15: Dank der Thunderbird-Erweiterung verschickt Dolphin<br />

Dateien auch als Anhang via Thunderbird.<br />

82 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


KDE-Tipps<br />

TIPPS & TRICKS<br />

Okular: PDF-Dateien mit<br />

09<br />

Anmerkungen<br />

Ebenfalls neu in KDE 4.9.0 ist, dass der KDEeigene<br />

Dokumentenviewer Okular in der Version<br />

0.15.0 jetzt in der Lage ist, Anmerkungen<br />

in PDF-Dokumenten zu speichern und auszudrucken.<br />

Zum Einfügen von Anmerkungen<br />

rufen Sie den Menüpunkt Extras / Rezensionen<br />

auf oder drücken [F6]. Okular präsentiert<br />

dann eine Symbolleiste zum Einfügen verschiedener<br />

Anmerkungen. Beim Markieren<br />

mit der Maus erkennt Okular sogar selbstständig<br />

Grenzen wie zum Beispiel Absatzenden<br />

(Abbildung 12).<br />

Abb. 11: K<strong>Mail</strong> sortiert die importierten Thunderbird-<strong>Mail</strong>s nach Konten.<br />

Konsole: Suchen aus<br />

10<br />

Markierung<br />

Viele weitere Neuerungen in KDE 4.9.0 erschließen<br />

sich nicht unbedingt auf den ersten<br />

Blick. Interessant sind beispielsweise eine<br />

Reihe neuer Funktionen der Konsole. So können<br />

Sie jetzt direkt aus der Konsole heraus<br />

nach einem markierten Textelement suchen.<br />

Markieren Sie dazu das gewünschte Textfragment<br />

mit der Maus direkt im Konsolenfenster,<br />

wählen Sie im Kontextmenü (Rechtsklick)<br />

den Eintrag Nach „xxxxxx“ suchen mit und<br />

dann im aufklappenden Untermenü den gewünschten<br />

Suchdienst, etwa Google oder<br />

Wikipedia (Abbildung 13).<br />

Abb. 12: Der KDE-PDF-Viewer Okular ist in der Lage, Anmerkungen in PDF-Dokumenten<br />

zu speichern.<br />

den Profilordner Ihrer lokalen Thunderbird-<br />

Installation, in der Regel $HOME/ .thunderbird/<br />

xxxxxxx.default. Das Ergebnis landet<br />

mitsamt der kompletten IMAP-Verzeichnisstruktur<br />

im Unterverzeichnis Thunderbird-Import<br />

im Posteingang. Arbeiten Sie in Thunderbird<br />

mit mehreren E-<strong>Mail</strong>-Konten, sortiert der<br />

Import-Assistent die importierten Nachrichten<br />

nach Konten (Abbildung 11).<br />

Eine weitere Neuerung in Kontact ist das<br />

Backup- und Restore-Tool für E-<strong>Mail</strong>s, Konfigurationsdaten<br />

und Metadaten. Ferner verfügt<br />

insbesondere K<strong>Mail</strong> mit KTnef über einen<br />

neuen Betrachter für Anhänge, und Kontact<br />

beherrscht das Integrieren Ihrer Google-Kontake<br />

und Google-Kalender.<br />

Konsole: Verzeichnis per<br />

11<br />

Drag & Drop öffnen<br />

Ferner ist es jetzt in der Konsole möglich, dass<br />

Sie ein beliebiges Verzeichnis aus Dolphin heraus<br />

via Drag & Drop auf das Konsolenfenster<br />

fallen lassen. KDE bietet dann automatisch<br />

ein Kontextmenü an, aus dem heraus Sie z. B.<br />

mit Ordner wechseln zu in der Shell in dieses<br />

Verzeichnis wechseln können.<br />

Konsole: Mit Tabs<br />

12<br />

jonglieren<br />

Haben Sie in der Konsole mehrere Tabs geöffnet,<br />

können Sie diese bequem mit der Maus via<br />

Drag & Drop sortieren. Darüber hinaus können<br />

Sie jeden Tab über den Menüpunkt Datei / Unterfenster<br />

duplizieren klonen, wobei exakt das<br />

gleiche Anzeigeprofil zum Einsatz kommt –<br />

solche Profile legen z. B. die Vorder- und Hintergrundfarbe<br />

in der Shell fest. (hge) n<br />

Abb. 13: In KDE 4.9.0 können Sie Shell-Ausgaben komfortabel als Suchbegriffe nutzen.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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83


TIPPS & TRICKS<br />

Gnome-Tipps<br />

Tipps und Tricks zu Gnome<br />

Gnome-Tipps<br />

Heike Jurzik<br />

01<br />

Gnome ist neben KDE die zweite große Desktopumgebung<br />

für Linux. In den Gnome-Tipps stellen wir regelmäßig<br />

Nützliches und Praktisches für die alternative grafische<br />

Oberfläche vor. Wir stellen Tricks für die dritte Generation<br />

des Desktops vor: die Gnome Shell.<br />

Nautilus: Schneller auswählen per<br />

Tastatur<br />

Gnomes Dateimanager Nautilus bietet ein paar<br />

praktische Tastaturshortcuts, dank derer Sie<br />

die Maus nicht mehr groß bemühen müssen.<br />

Um alle Dateien oder Verzeichnisse eines Ordners<br />

auf einen Schlag zu markieren, können<br />

Sie entweder das erste Element per Maus markieren,<br />

die Umschalttaste drücken und dann<br />

auf das letzte klicken – einfach und schneller<br />

geht’s allerdings mit [Strg-A].<br />

Noch flexibler zeigt sich der Dateiverwalter,<br />

wenn es um Suchmuster geht. Die Tastenkombination<br />

[Strg-S] öffnet ein Dialogfenster<br />

Nach Muster auswählen. Über die üblichen<br />

Platzhalter, die Sie vielleicht von der Arbeit<br />

auf der Bash kennen, definieren Sie so Ihre eigenen<br />

Suchmuster. Dabei steht das Fragezeichen<br />

für genau ein beliebiges Zeichen (zum<br />

Beispiel ergibt „H?hn“ die Worte „Huhn“,<br />

„Hahn“ oder „Hohn“), während ein Sternchen<br />

für beliebig viele verschiedene Zeichen steht<br />

(etwa „G*ss“ für „Guss“ oder „Genuss“). Geben<br />

Sie ins Nautilus-Suchfenster also *.png<br />

ein, markiert der Dateimanager alle Dateien,<br />

die auf .png enden (Abbildung 1).<br />

Nautilus: Navigation per<br />

02<br />

Tastatur<br />

Auch für die Fortbewegung im Verzeichnisbaum<br />

müssen Sie sich nicht mit der Maus<br />

durch die Ordnersymbole klicken. Um direkt<br />

zu einem bestimmten Ort zu springen, drücken<br />

Sie etwa [Strg-L] und geben dann in die<br />

Adressleiste am oberen Fensterrand den gewünschten<br />

Ordner ein. Praktisch: Nautilus<br />

vervollständigt Ihre Eingabe, sobald sie eindeutig<br />

ist. Über [Alt-Pfeil hoch] springen Sie<br />

in das übergeordnete Verzeichnis, [Alt-Pfeil<br />

links] geht einen Schritt im Verlauf zurück<br />

(entspricht einem Klick auf das linke Pfeilsymbol)<br />

und [Alt-Pfeil rechts] einen Schritt<br />

vor (rechtes Pfeil-Icon). Das funktioniert wie<br />

im Browser.<br />

Shotwell: Bilder gezielt<br />

03<br />

importieren<br />

In der Voreinstellung schaufelt die Gnome-<br />

Bildverwaltung Shotwell Fotos beim Import in<br />

den eigenen Ordner Bilder im Home-Verzeichnis.<br />

Ist Ihnen das nicht recht, und wollen Sie<br />

selbst ein Verzeichnis bestimmen, besuchen<br />

Sie über das Menü Bearbeiten die Einstellungen<br />

des Programms. Auf dem ersten Reiter Bibliothek<br />

finden Sie die Konfigurationsmöglichkeit.<br />

Im Bereich Speicherort der Bibliothek gibt es ein<br />

Drop-down-Menü Fotos importieren nach.<br />

Wählen Sie aus diesem entweder einen vorhandenen<br />

Ordner aus oder klicken Sie dort auf<br />

Andere, um den Dateiauswahldialog zu öffnen.<br />

Bestimmen Sie jetzt das Verzeichnis Ihrer<br />

Wahl. Über die Schaltfläche rechts oben können<br />

Sie auch neue Ordner erstellen und z. B.<br />

von nun an /home/ benutzer/ Bilder/ Shotwell als<br />

Bibliothek verwenden (Abbildung 2).<br />

Wenn Sie im Konfigurationsdialog unter dem<br />

genannten Drop-down-Menü zusätzlich ein<br />

Häkchen bei der Option Ordner der Shotwell-<br />

Bibliothek auf neue Dateien überwachen setzen,<br />

beobachtet die Bildverwaltung das Verzeichnis.<br />

Landen dort neue Fotos oder Bilddateien,<br />

tauchen diese nach kurzer Zeit in der<br />

linken Leiste im Hauptfenster auf. Alternativ<br />

können Sie jederzeit von Hand einen Import<br />

über das Datei-Menü anstoßen: Dort finden Sie<br />

den Eintrag Aus Ordner importieren, der alle<br />

Schnappschüsse eines Verzeichnisses einliest.<br />

Netterweise fragt die Anwendung nach, ob Sie<br />

die Bilder in die Bibliothek kopieren oder Verweise<br />

zu den Originalen erstellen möchten.<br />

Shotwell: Bilder und Alben auf<br />

04<br />

Facebook teilen<br />

Shotwell aktiviert in der Voreinstellung ein<br />

paar Erweiterungen, über die Sie Ihre<br />

Schnappschüsse und Alben mit Flickr, Picasa,<br />

84 <strong>EasyLinux</strong> 04/2012<br />

©Martin Benavides, http://elmaya.pochorno.com


Gnome-Tipps<br />

TIPPS & TRICKS<br />

Piwigo, YouTube und Facebook teilen können.<br />

(Ob diese Plug-ins eingeschaltet sind,<br />

überprüfen Sie über Bearbeiten / Einstellungen,<br />

Register Erweiterungen, Bereich Veröffentlichen.)<br />

Um nun eines oder mehrere Bilder<br />

beispielsweise auf Facebook zu teilen, gehen<br />

Sie so vor:<br />

Markieren Sie die gewünschten Bilder in<br />

1<br />

der Bildverwaltung und rufen Sie den<br />

Menüpunkt Datei / Veröffentlichen auf.<br />

Aus dem Drop-down-Menü Fotos veröffentlichen<br />

auf suchen Sie den Eintrag Facebook<br />

2<br />

aus. Klicken Sie auf Anmelden, um ein bestehendes<br />

Konto mit Shotwell zu verbinden<br />

oder einen neuen Account anzulegen.<br />

Abb. 1: Nautilus bietet praktische Tastaturshortcuts, um schnell Dateien und Ordner zu<br />

markieren. [Strg-S] erlaubt die Suche mit Platzhaltern.<br />

Nach einem Klick auf Anmelden öffnet sich<br />

3<br />

ein Dialog, über den Sie das neue Gerät bei<br />

Facebook anmelden oder den Schritt überspringen<br />

können. Danach folgen die Feineinstellungen.<br />

Über das Drop-down-Menü<br />

Wer Beiträge sehen kann, die diese Anwendung<br />

für dich in deiner Facebook-Chronik<br />

postet legen Sie fest, welche Benutzer die<br />

Bilder sehen dürfen.<br />

Nach einem Klick auf Zur Anwendung sehen<br />

Sie den Hinweis, für welche Bereiche<br />

4<br />

Shotwell Connect gerne die Genehmigung<br />

hätte. Während Sie den Zugriff auf Ihre bei<br />

Facebook gelagerten Fotos und Videos erlauben<br />

müssen, dürfen Sie den Eintrag In<br />

deinem Namen posten per Klick auf das<br />

kleine Kreuz entfernen.<br />

Als Letztes bestimmen Sie in einem Dialogfenster,<br />

ob die Bilder in einem existie-<br />

5<br />

renden oder neuen Album landen. Im<br />

Drop-down-Menü tauchen alle Ihre Facebook-Bildersammlungen<br />

auf, so dass Sie<br />

diese unkompliziert auswählen können.<br />

Wenn Sie eine neue Sammlung erstellen,<br />

dürfen Sie noch einmal aussuchen, für wen<br />

Abb. 2: Ein Blick in den Dateimanager zeigt: Was Shotwell in der linken Leiste unterhalb<br />

von „Ereignisse“ chronologisch sortiert, taucht im vorher definierten Ordner für die Bibliothek<br />

(„~/ Bilder/ Shotwell“) auf.<br />

die Schnappschüsse sichtbar sind. Auch<br />

die Größe können Sie reduzieren.<br />

Ein Klick auf Veröffentlichen bringt die Bilder<br />

auf den Facebook-Server. Ein Fort-<br />

6<br />

schrittsbalken zeigt dabei an, wie viele Fotos<br />

schon hochgewandert sind.<br />

Die Bilder tauchen allerdings nicht direkt in<br />

der eigenen Chronik auf. Da eine externe Anwendung<br />

die Fotos hinzugefügt hat, besuchen<br />

Sie auf der Facebook-Seite Ihre Bildersammlung,<br />

gehen zum Album und klicken auf Fotos<br />

bestätigen, um die Ausstellung zu eröffnen<br />

und die Bilder freizugeben. Optional können<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

04/2012<br />

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85


TIPPS & TRICKS<br />

Gnome-Tipps<br />

Sie dem Album eine Beschreibung oder weitere<br />

Schnappschüsse hinzufügen, es teilen<br />

oder bearbeiten (Abbildung 3).<br />

Shotwell: Facebook-Freigabe<br />

05<br />

entfernen<br />

Um Shotwells Zusammenarbeit mit Facebook<br />

zu beenden, melden Sie sich einmal in Shotwell<br />

selbst ab. Zusätzlich besuchen Sie Ihren<br />

Facebook-Account im Browser Ihrer Wahl und<br />

öffnen über den kleinen, nach unten gerichteten<br />

Pfeil oben rechts neben Startseite die Privatsphäre-Einstellungen.<br />

Klicken Sie danach<br />

auf Einstellungen bearbeiten neben dem Eintrag<br />

Werbeanzeigen, Anwendungen und Webseiten.<br />

Unter Anwendungen, die du verwendest<br />

sollte auch Shotwell Connect auftauchen. Nun<br />

können Sie die Anwendung per Mausklick auf<br />

das kleine Kreuz daneben entfernen.<br />

Blogartikel vom<br />

06<br />

Desktop versenden<br />

Das kleine Tool Gnome-Blog verschickt bequem<br />

Blogartikel vom Desktop aus. Laut<br />

Homepage [1] unterstützt es die Anbieter Advogato.org,<br />

Movable Type, WordPress, Live-<br />

Journal.com, Pyblosxom und andere Systeme<br />

mit Support für die Schnittstellen Blogger API<br />

[2] und MetaWeblog [3]. Ubuntu- und Open-<br />

Suse-Anwender installieren das Paket gnomeblog<br />

über den Paketmanager. Sie starten den<br />

Helfer danach über die Aktivitäten / Blog-Einträge<br />

verfassen oder über Eingabe von<br />

gnome-blog-poster in den Schnellstarter ([Alt-<br />

F2]) oder ein Terminalfenster.<br />

Zunächst widmen Sie sich den Einstellungen,<br />

die Sie über die gleichnamige Schaltfläche erreichen.<br />

Im oberen Bereich wählen Sie aus<br />

dem Drop-down-Menü Blog-Typ<br />

den zu Ihrem Blog passenden<br />

Eintrag aus. Das Protokoll darunter<br />

setzt die Anwendung meist<br />

automatisch richtig. Füllen Sie<br />

weiterhin die Felder mit der Basis<br />

adresse und Ihren Zugangsdaten<br />

aus. Klicken Sie dann unten<br />

rechts auf den Button Blogs nachschlagen.<br />

Gibt es mehrere Blogs<br />

unter der Adresse, können Sie<br />

danach aus dem Menü Blog-<br />

Name die richtige Instanz aussuchen<br />

(Abbildung 4).<br />

Ist alles konfiguriert, beenden Sie den Einrichtungsdialog<br />

über Schließen. Im Hauptfenster<br />

können Sie nun Ihren Artikel eingeben. Oben<br />

tragen Sie einen Titel ein, darunter den Text.<br />

Viele Formatierungsoptionen gibt es nicht;<br />

immerhin dürfen Sie fett und kursiv auszeichnen.<br />

Auch eine rudimentäre Funktion zum<br />

Einfügen von Links ist vorhanden. Bilder bleiben<br />

genauso außen vor wie fortgeschrittene<br />

Layoutfunktionen oder die Zuordnung zu einer<br />

bestimmten Kategorie des Blogs. Ein beherzter<br />

Klick auf Eintrag veröffentlichen<br />

schickt alles ins Web (Abbildung 5) – ohne<br />

<strong>Vorschau</strong> oder die Gelegenheit, nachträglich<br />

einen Vertipper zu korrigieren. Dieses und andere<br />

Feinarbeiten nehmen Sie dann am besten<br />

wieder in der gewohnten Blog-Eingine vor.<br />

GEdit: Automatische Zeilenumbrüche<br />

abschalten<br />

07<br />

Der Gnome-Standardtexteditor entfernt auf<br />

Wunsch Umbrüche in Ihren Textdateien und<br />

schreibt alles in eine einzige Zeile. Praktisch<br />

ist das Feature etwa dann, wenn Sie einen<br />

Abb. 4: Bevor Sie mit dem kleinen Gnome-Programm<br />

loslegen und bloggen können, stellen Sie die Zugangsdaten<br />

und die Blog-Engine ein.<br />

Text „am Stück“ kopieren und woanders einfügen<br />

möchten, etwa in einem Forum oder in<br />

der Eingabemaske eines Webblogs – also<br />

überall da, wo eine andere Software selbstständig<br />

Umbrüche setzen, damit sich der Text<br />

automatisch an die Fensterbreite anpasst. In<br />

der Voreinstellung müssen Sie jedes Mal den<br />

Konfigurationsdialog öffnen und ein Häkchen<br />

setzen beziehungsweise entfernen (Bearbeiten<br />

/ Einstellungen, Reiter Ansicht, Checkbox Zeilenumbruch<br />

aktivieren).<br />

Da das mitunter etwas lästig ist, wenn man<br />

mal so und mal so arbeiten möchte, finden Sie<br />

auf der GEdit-Plug-in-Seite [4] die Erweiterung<br />

Text Wrap, die es erlaubt, per Mausklick<br />

auf ein Symbol in der Werkzeugleiste hinund<br />

herzuschalten. Die folgende Schritt-für-<br />

Schritt-Anleitung zeigt, wie Sie das Plug-in<br />

mit dem Texteditor zusammenbringen:<br />

Starten Sie den Dateimanager Nautilus und<br />

1<br />

aktivieren Sie über die Tastenkombination<br />

[Strg-H] die Anzeige von versteckten Dateien<br />

und Verzeichnissen (also solchen, die<br />

mit einem Punkt beginnen).<br />

Wechseln Sie vom Home-Verzeichnis aus<br />

2<br />

in den Ordner .local/ share/ gedit. Wenn Sie<br />

dort kein Verzeichnis namens plugins vorfinden,<br />

erstellen Sie es über Datei / Neuen<br />

Ordner anlegen.<br />

Abb. 3: Über eine Erweiterung bringen Sie die Gnome-Bildverwaltung Shotwell dazu,<br />

direkt Ihre Bilder und/ oder Alben auf der eigenen Facebook-Seite zu veröffentlichen.<br />

Laden Sie nun über den Link von der Plugin-Webseite<br />

[4] die beiden Dateien toggle-<br />

3<br />

textwrap.plugin und toggletextwrap.py in<br />

dieses Verzeichnis .local/ share/ gedit/ plugins<br />

– und zwar direkt dorthin, nicht etwa<br />

in einen Unterordner.<br />

Danach starten Sie den Texteditor neu und<br />

4<br />

öffnen wiederum den Einrichtungsdialog<br />

über Bearbeiten / Einstellungen. Wechseln<br />

Sie zum Reiter Plugins, scrollen Sie in der<br />

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<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Gnome-Tipps<br />

TIPPS & TRICKS<br />

Liste ganz nach unten und aktivieren Sie<br />

Textumbruch, indem Sie ein Häkchen in<br />

der Checkbox setzen. Sie können die Konfiguration<br />

nun über Schließen beenden.<br />

In der Symbolleiste des Hauptfensters nistet<br />

sich ab jetzt ein Symbol mit einem grünen<br />

Häkchen ein. Per Mausklick auf dieses schalten<br />

Sie um und setzen beziehungsweise entfernen<br />

Umbrüche in Ihren Textdateien.<br />

GEdit: Keine Syntaxhervorhebung<br />

08<br />

beim Druck<br />

Der Gnome-Texteditor beherrscht von Haus<br />

aus das so genannte Syntax-Highlighting und<br />

hebt damit bestimmte Wörter und Zeichen in<br />

Texten abhängig von ihrer Bedeutung in unterschiedlichen<br />

Farben oder Schriftstilen hervor.<br />

Das erleichtert die Lesbarkeit von Quelltexten,<br />

Konfigurationsdateien und anderen<br />

Dokumenten ungemein. Für jede dieser<br />

„Sprachen“ verwendet das Programm eine<br />

andere Gestaltung. In der Voreinstellung ist<br />

diese nicht aktiv für zum ersten Mal geöffnete<br />

Dokumente. Sie schalten die Syntaxhervorhebung<br />

über das Menü Ansicht / Hervorhebungsmodus<br />

ein.<br />

Nach verschiedenen Kategorien sortiert finden<br />

Sie dort über 90 verschiedene Farbschemata,<br />

die Sie mit der Maus zuweisen. Wenn<br />

Sie das Dokument speichern und das nächste<br />

Mal öffnen, erinnert GEdit sich an Ihre Wahl<br />

und verwendet dasselbe Syntax-Highlighting.<br />

Drucken Sie ein so ausgezeichnetes Dokument,<br />

landen die Farben mit auf dem Papier.<br />

Wer nur einen Schwarz-Weiß-Drucker hat<br />

oder aus einem anderen Grund lieber auf die<br />

Farben verzichtet, der kann das Feature im<br />

Drucken-Dialog (Datei / Drucken oder [Strg-<br />

P]) abschalten. Gehen Sie dazu zum Reiter<br />

Texteditor und entfernen Sie das Häkchen bei<br />

Syntax im Ausdruck hervorheben.<br />

GEdit: Motivationshilfe<br />

09<br />

mit Statistik<br />

Viele Profischreiber legen nicht einfach drauf<br />

los, sondern haben ein genaues Ziel vor Augen.<br />

Meistens definiert der Auftraggeber, wie<br />

Abb. 5: Gnome-Blog kann nicht besonders viel, erledigt dafür<br />

aber seinen Job in Windeseile. Für einfache Artikel ohne<br />

viel Formatierungsaufwand eignet sich das Tool allemal.<br />

viele Wörter oder Zeichen ein Text haben soll.<br />

Wohl dem, der mitzählt? Die meisten Texteditoren,<br />

so auch GEdit, <strong>machen</strong> dieses überflüssig.<br />

Wenn Sie „auf Zeile schreiben“ müssen<br />

oder wollen, blenden Sie doch einfach über<br />

das Menü Werkzeuge die Statistik zum Dokument<br />

ein. Erscheint das Werkzeug bei Ihnen<br />

nicht im Menü, werfen Sie einen Blick in die<br />

Einstellungen und schauen nach, ob das entsprechende<br />

Plug-in aktiviert ist. Verantwortlich<br />

ist Document Statistics beziehungsweise<br />

Statistik zum Dokument, wie es in der deutschen<br />

Übersetzung heißt. Bei aktuellen<br />

Gnome-/GEdit-Versionen gehört es zum Standardlieferumfang.<br />

Das kleine Dialogfenster listet genau auf, wie<br />

viele Zeilen, Wörter, Zeichen (inklusive Leerzeichen),<br />

Zeichen (diesmal ohne Leerzeichen)<br />

und Bytes Sie eingetippt haben. Das Fenster<br />

können Sie an eine beliebige Stelle des Desktops<br />

verschieben und dann im Dokument weitertippen,<br />

es stört nicht und nimmt dem<br />

Hauptprogramm auch nicht den Fokus weg.<br />

Leider aktualisiert sich die Anzeige nicht automatisch.<br />

Wenn Sie also den momentanen<br />

Fortschritt nachschauen müssen, klicken Sie<br />

auf den Button Aktualisieren.<br />

Screenshots für die<br />

10<br />

Zwischenablage<br />

Wenn Sie die Taste [Druck] unter Gnome betätigen,<br />

erstellen Sie ein Foto des gesamten Desktops,<br />

[Alt-Druck] knipst das aktuelle Fenster.<br />

Die Schnappschüsse landen jeweils im PNG-<br />

Format nach einem kurzen Flackern und nach<br />

einem Geräusch, was an einen Kameraauslöser<br />

erinnert, im Verzeichnis Bilder<br />

in Ihrem Home-Verzeichnis.<br />

Etwas mehr Komfort<br />

und sogar Möglichkeiten<br />

zur Interaktion bietet<br />

das Screenshottool, wenn<br />

Sie es über die Aktivitäten /<br />

Bildschirmfoto oder den Befehl<br />

gnome-screenshot -i<br />

starten, den Sie in ein<br />

Schnellstart- oder Terminalfenster<br />

eingeben.<br />

Im folgenden Dialog suchen<br />

Sie aus, ob Sie den<br />

gesamten Bildschirm, ein<br />

Fenster oder einen selbst<br />

definierten Bereich aufnehmen.<br />

Außerdem stellen Sie<br />

auf Wunsch eine Verzögerung<br />

in Sekunden ein, um<br />

zeitversetzt zu knipsen. Im<br />

Bereich Effekte können Sie<br />

darüber hinaus bestimmen,<br />

ob Sie den Fensterrahmen und/ oder den<br />

Mauszeiger mit ablichten wollen. Ein abschließender<br />

Klick auf Bildschirmfoto aufnehmen<br />

erstellt dann den Screenshot. Der folgende<br />

Dialog bietet an, die Datei an einem Ort<br />

der Wahl abzuspeichern; das Bildformat bestimmen<br />

Sie über die Dateiendung.<br />

Eine andere Möglichkeit ist, über die gleichnamige<br />

Schaltfläche den Schnappschuss in<br />

die Zwischenablage zu kopieren und in einem<br />

Bildbearbeitungsprogramm der Wahl einzufügen<br />

und weiterzuverarbeiten. Ohne lange<br />

Umwege über die Dialog können Sie dieses<br />

Verhalten auch direkt in einem einzigen Befehl<br />

erreichen. Anstelle von gnome-screenshot<br />

-i geben Sie in ein Schnellstart- oder Terminalfenster<br />

einfach<br />

gnome-screenshot -c<br />

ein, und nach dem Auslösegeräusch befindet<br />

sich das Bild in der Zwischenablage. (hge) n<br />

Infos<br />

[1] Gnome-Blog: http:// projects. gnome.<br />

org/ gnome-blog/ (http:// ezlx. de/ c4m1)<br />

[2] Blogger API (engl.):<br />

https:// developers. google. com/<br />

blogger/ (http:// ezlx. de/ c4m2)<br />

[3] MetaWeblog-API (engl.):<br />

http:// xmlrpc. scripting. com/ meta<br />

WeblogApi. html (http:// ezlx. de/ c4m3)<br />

[4] GEdit-Plug-ins: https:// live. gnome. org/<br />

Gedit/ Plugins (http:// ezlx. de/ c4m4)<br />

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04/2012<br />

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87


TIPPS & TRICKS<br />

Knoppix und Ubuntu<br />

Tipps und Tricks zu Knoppix und Ubuntu<br />

Knoppix und Ubuntu<br />

Heike Jurzik<br />

Ubuntu und Knoppix basieren auf der Linux-Distribution<br />

Debian – wir verraten Tricks und Kniffe, welche die Arbeit<br />

auf diesen Systemen angenehmer <strong>machen</strong>.<br />

Unity: Linse für<br />

01<br />

Wikipedia-Fans<br />

In der letzten Ausgabe haben wir in den<br />

Ubuntu-Tipps die Unity-Lenses für Programme,<br />

Dateien und Ordner, für die Musiksammlung,<br />

Ihre Kontakte sowie Ask Ubuntu und YouTube<br />

vorgestellt [1]. Waren in den ersten Versionen<br />

von Unity noch nicht so viele Linsen dabei,<br />

schießen die praktischen Filter inzwischen wie<br />

Pilze aus dem Boden, und viele fleißige Entwickler<br />

basteln ihre eigenen Erweiterungen für<br />

das Dash und stellen diese der Allgemeinheit<br />

zur Verfügung. In dieser Folge stellen wir Lenses<br />

vor, die bei der Recherche helfen.<br />

Für eine Suche in der Onlineenzyklopädie<br />

Wikipedia rüsten Sie das Paket unity-lens-wikipedia<br />

nach. Es befindet sich im Repository<br />

Unabhängig (Von Drittanbietern bereitgestellt),<br />

das Sie über das Software-Center-Menü<br />

Bearbeiten / Software-Paketquellen aktivieren.<br />

Wechseln Sie dort zum Reiter Andere Software<br />

und setzen Sie ein Häkchen bei der genannten<br />

Quelle. Nach Eingabe Ihres Passworts und einem<br />

Klick auf Legitimieren suchen Sie nach<br />

dem Paket und spielen es ein. Die neue Linse<br />

erreichen Sie über die Tastenkombination<br />

[Windows-E]. Geben Sie Ihren Suchbegriff ein<br />

und klicken Sie gegebenenfalls auf Weitere Ergebnisse<br />

anzeigen. Per Mausklick öffnen Sie<br />

dann einen Wikipedia-Artikel aus den Suchergebnissen<br />

im steht.<br />

Unity: Akademische Linse<br />

02<br />

fürs Dash<br />

Bei der allgemeinen Literaturrecherche wissenschaftlicher<br />

Dokumente hilft Google Scholar<br />

[2]. Die Suchmaschine richtet sich nach<br />

eigenen Aussagen an Akademiker und durchforstet<br />

kostenlose Dokumente im Internet sowie<br />

kostenpflichtige Angebote von kommerziellen<br />

Anbietern. Dazu gehören vor allem<br />

Artikel aus Zeitschriften, Bücher, technische<br />

Berichte, Seminararbeiten, Konferenzbeiträge<br />

und so weiter.<br />

Medizinische Artikel aus der nationalen medizinischen<br />

Bibliothek der Vereinigten Staaten<br />

(National Library of Medicine) findet PubMed<br />

[3]. Die englischsprachige textbasierte Metadatenbank<br />

bietet einen kostenfreien Zugang<br />

zu verschiedenen anderen Datenbanken an,<br />

dokumentiert medizinische Artikel in Fachzeitschriften<br />

und liefert Links auf Volltextzeitschriften.<br />

Der Entwickler Mark Tully vereint<br />

Google Scholar und PubMed in einer einzigen<br />

Linse namens unity-lens-academic. Um diese<br />

aus seinem Launchpad-Repository zu installieren,<br />

öffnen Sie über [Strg-Alt-T] ein Terminalfenster<br />

und geben nacheinander die folgenden<br />

Befehle ein:<br />

sudo add-apt-repository ppa:markU<br />

jtully/ppa<br />

sudo apt-get update<br />

sudo apt-get install unity-lens-U<br />

academic<br />

Abb. 1: Der Filter „unity-lens-academic“ durchforstet Google Scholar und PubMed nach<br />

wissenschaftlicher Literatur. Per Mausklick auf einen Artikel öffnen Sie ihn im Browser.<br />

Auf Aufforderung geben Sie Ihr eigenes Passwort<br />

ein, um sich mittels sudo als Administrator<br />

zu authentifizieren. Nach der Installation<br />

melden Sie sich vom Unity-Desktop ab und<br />

wieder neu an. Der Tastaturshortcut zum Öffnen<br />

des Filters im Dash ist [Windows-M], was<br />

eventuell mit der Musiklinse kollidiert. (Der<br />

nächste Tipp zeigt daher, wie Sie die Shortcuts<br />

an Ihre Wünsche anpassen.)<br />

Ins Suchfeld geben Sie danach den Namen eines<br />

Autors oder andere Stichworte ein; auch<br />

hier öffnet ein Klick auf eine Fundstelle den<br />

Artikel im Browser. Wenn Sie rechts auf Suchergebnisse<br />

filtern klicken, können Sie bestimmen,<br />

ob die akademische Linse nur bei Google<br />

88 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/2012


Knoppix und Ubuntu<br />

TIPPS & TRICKS<br />

Scholar, nur bei PubMed oder in beiden Quellen<br />

nach Treffern fahndet (Abbildung 1).<br />

03<br />

Unity: Shortcuts für Lenses<br />

anpassen<br />

Wie im vorigen Tipp beschrieben, verwendet<br />

die Linse unity-lens-academic denselben<br />

Shortcut wie die Musik-Linse. Drücken Sie<br />

[Windows-M], bringt das den Suchfilter für<br />

die akademischen Artikel zum Vorschein –<br />

die Musiksammlung ist damit nicht länger per<br />

Tastatur über das Dash zu erreichen. Verantwortlich<br />

dafür sind die Dateien mit der Endung<br />

.lens unterhalb von /usr/ share/ unity/<br />

lenses. Um das Tastenkürzel eines Filters anzupassen,<br />

bearbeiten Sie die passende .lens-<br />

Datei. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung<br />

zeigt beispielhaft, wie Sie das Kürzel für<br />

unity-lens-academic von [Windows-M] zu<br />

[Windows-X] ändern:<br />

Öffnen Sie ein Dateimanagerfenster mit<br />

1<br />

Administratorrechten. Dazu drücken Sie<br />

beispielsweise [Alt-F2] und geben als Befehl<br />

gksudo nautilus ein. Auf Aufforderung<br />

geben Sie Ihr eigenes Kennwort ein.<br />

Navigieren Sie bis zum Ort /usr/ share/<br />

2<br />

unity/ lenses. Dort sehen Sie alle installierten<br />

Filter versammelt; jeder davon hat einen<br />

Unterordner mit einem aussagekräftigen<br />

Namen.<br />

Betreten Sie den Unterorder academic, um<br />

3<br />

den Filter für die wissenschaftlichen Beiträge<br />

anzupassen. Klicken Sie mit der rechten<br />

Maustaste auf die Datei academic.lens<br />

und wählen Sie aus dem Kontextmenü der<br />

rechten Maustaste den Eintrag Mit Texteditor<br />

öffnen.<br />

Blättern Sie bis zur Zeile Shortcut=m und<br />

4<br />

ersetzen Sie das m durch ein x.<br />

Speichern Sie die Änderungen und verlassen<br />

Sie den Texteditor. Melden Sie sich da-<br />

5<br />

nach vom Desktop ab und neu an. Drücken<br />

Sie nun [Windows-M], sollte die Musik-<br />

Abb. 2: Über die Systemeinstellungen richten Sie die automatische<br />

Anmeldung für einen Benutzeraccount ein.<br />

Linse wie gewohnt funktionieren und<br />

[Windows-X] den akademischen Filter auf<br />

den Plan rufen.<br />

Ubuntu: Automatische Anmeldung<br />

04<br />

(de)aktivieren<br />

Für gewöhnlich entscheiden Sie bereits bei<br />

der Installation von Ubuntu, ob der dort eingerichtete<br />

Benutzeraccount beim Rechnerstart<br />

automatisch angemeldet wird. Haben Sie das<br />

verpasst, oder wollen Sie das Ubuntu-System<br />

nachträglich so konfigurieren, dass ein Account<br />

ohne Umweg über den Displaymanager<br />

LightDM und Eingabe seines Passworts sofort<br />

loslegen kann, ist das schnell eingerichtet.<br />

Klicken Sie links im Dash auf das Zahnradsymbol<br />

oder öffnen Sie über [Windows-A]<br />

die Anwendungslinse und geben Sie sys ein,<br />

um die Systemeinstellungen zu starten. Wählen<br />

Sie dann ganz unten im Bereich System<br />

den Eintrag Benutzer aus. Links sehen Sie<br />

alle Accounts aufgelistet.<br />

Um für einen davon die automatische Anmeldung<br />

einzurichten, klicken Sie zunächst<br />

rechts oben auf Entsperren und geben Ihr eigenes<br />

Kennwort ein, um mit Administratorrechten<br />

zu arbeiten. Dann wählen Sie den<br />

gewünschten Account aus und schieben den<br />

Regler neben Automatische Anmeldung nach<br />

rechts (Abbildung 2). Nach einem Neustart<br />

sollte dieser Benutzer ohne Umweg über<br />

LightDM auf seinem Desktop landen. Bedenken<br />

Sie, dass dieses Feature ein potenzielles<br />

Sicherheitsrisiko ist. Um es wieder abzuschalten,<br />

schieben Sie den Regler in den Systemeinstellungen<br />

wieder nach links, so dass<br />

dort Aus steht.<br />

Knoppix: Dateisysteme mit der<br />

05<br />

Live-DVD reparieren<br />

Beschädigte Dateisysteme reparieren Sie unter<br />

Linux und anderen Unix-Derivaten in der Regel<br />

mit fsck (File System Check). Das Tool<br />

sollten Sie immer nur auf nicht eingehängte<br />

Dateisysteme loslassen,<br />

da sonst eventuell<br />

andere Prozesse<br />

schreibend<br />

darauf zugreifen<br />

und die Reparatur<br />

beziehungsweise<br />

Überprüfung durcheinanderbringen.<br />

Sind die Sorgenkinder<br />

die Home-Verzeichnisse<br />

auf einer<br />

separaten Partition,<br />

ist es normalerweise<br />

kein Problem, den<br />

Rechner zu booten, /home zu unmounten und<br />

dann mit fsck den Schaden zu untersuchen<br />

und zu richten. Hat allerdings das Wurzeldateisystem<br />

/ die Macke oder liegt alles zusammen<br />

auf einer großen Partition, können<br />

Sie auch zu einer Live-Distribution greifen. Im<br />

Folgenden zeigen wir, wie Sie ein Ext4-Dateisystem<br />

einer Ubuntu-Installation mit Knoppix<br />

prüfen und reparieren.<br />

Booten Sie Knoppix und öffnen Sie über einen<br />

Klick auf das Dateimanager-Icon das<br />

1<br />

Programm PCManFM. In der linken Leiste<br />

sehen Sie bei den Orten auch die nicht eingehängten<br />

Dateisysteme der installierten<br />

Betriebssysteme. Über einen Mausklick<br />

hängen Sie es ein, um die Gerätebezeichnung<br />

in Erfahrung zu bringen.<br />

Öffnen Sie über das Symbol in der unteren<br />

2<br />

Kontrollleiste ein Terminalfenster und geben<br />

Sie darin den Befehl mount ein, um herauszufinden,<br />

welches Dateisystem die<br />

Partition verwendet:<br />

/dev/sda1 on /media/sda1 typeU<br />

ext4 (rw,nosuid,nodev,relatiU<br />

me,user_xattr,barrier=1,data=U<br />

ordered)<br />

Wie Sie sehen, heißt die Gerätedatei /dev/<br />

3<br />

sda1, und es handelt sich um ein Ext4-<br />

Dateisystem. Das richtige Tool zur Reparatur<br />

heißt also fsck.ext4. (Übrigens finden<br />

Sie über Eingabe der ersten Buchstaben<br />

fsck und zweimaliges Drücken von [Tab]<br />

heraus, wie die verwandten Programme für<br />

andere Dateisysteme heißen.) Hängen Sie<br />

die Partition nun aus:<br />

umount /media/sda1<br />

Danach starten Sie fsck.ext4 zusammen mit<br />

4<br />

der Option -f („force“ = „erzwingen“) und<br />

dem Namen der Gerätedatei. Das Programm<br />

überprüft die interne Datenstruktur<br />

und versucht, verlorene Daten wiederherzustellen.<br />

Falls es diese nicht richtig zuord-<br />

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89


TIPPS & TRICKS<br />

Knoppix und Ubuntu<br />

nen kann, verschiebt es sie ins Verzeichnis<br />

/lost+found. Ist fsck.ext4 fertig mit der Arbeit,<br />

sehen Sie eine Zusammenfassung<br />

(Abbildung 3).<br />

Knoppix: Auflösung beim Booten<br />

06<br />

einstellen<br />

Startet die Live-Distribution hartnäckig in einer<br />

Auflösung von 1024 x 768 und erkennt<br />

größere Monitore nicht richtig, können Sie mit<br />

einem so genannten Cheatcode nachhelfen.<br />

Starten Sie dazu das System. Wenn Sie den<br />

Bootprompt boot: sehen, definieren Sie die<br />

Bildschirmauflösung und Farbtiefe von Hand.<br />

Geben Sie beispielsweise Folgendes ein, um<br />

eine Auflösung von 1280 x 1024 mit einer<br />

Farbtiefe von 24 Bit zu konfigurieren:<br />

boot: knoppix screen=1280x1024 dU<br />

epth=24<br />

Drücken Sie danach [Eingabe], um Knoppix<br />

mit dieser Bootoption zu starten. Erkennt das<br />

Live-System die Bildschirmauflösung von<br />

Laptops nicht richtig, hilft eventuell der Cheatcode<br />

fb1024x768 weiter, um die Verwendung<br />

des Framebuffers mit einer bestimmten<br />

Auflösung zu erzwingen. Beachten Sie, dass<br />

vor diesem kein knoppix steht:<br />

boot: fb1024x768<br />

Andere mögliche Auflösungen sind fb800x600<br />

und fb1280x1024.<br />

Knoppix: Desktopsperre<br />

07<br />

einrichten<br />

Viele Benutzer sperren gerne den Bildschirm,<br />

wenn sie eine Pause <strong>machen</strong> oder aus anderen<br />

Gründen den Arbeitsplatz verlassen.<br />

Abb. 3: Mit der Live-DVD Knoppix und dem Standardtool „fsck“ überprüfen und reparieren<br />

Sie bequem Dateisysteme anderer Distributionen.<br />

Knoppix hat für solche Fälle das Programm<br />

XScreenSaver dabei. Bevor Sie dieses einrichten<br />

oder den Bildschirm zum ersten Mal sperren,<br />

sollten Sie ein Passwort für den Benutzer<br />

knoppix setzen, weil Sie sonst nicht wieder<br />

„aufschließen“ können. Am schnellsten geht<br />

das auf der Shell: Öffnen Sie über das untere<br />

Panel ein Terminalfenster und geben Sie<br />

sudo passwd knoppix<br />

ein. Danach geben Sie zweimal hintereinander<br />

ein Kennwort für den Nutzer ein; die Abfrage<br />

des alten Passworts erfolgt nicht, da Sie mittels<br />

sudo als Administrator arbeiten und dieser jederzeit<br />

für alle Accounts die Kennwörter modifizieren<br />

darf. Während Sie tippen, erscheinen<br />

keine Sternchen als visuelles Feedback.<br />

Danach starten Sie die Einrichtung von<br />

XScreenSaver über das Startmenü / Einstellungen<br />

/ Bildschirmschoner. Auf dem Reiter Anzeige-Modi<br />

konfigurieren Sie, welcher Bildschirmschoner<br />

läuft, und definieren eine Zeitspanne<br />

für die automatische Sperre. Für einige<br />

Screensaver dürfen Sie über die Schaltfläche<br />

Einstellungen ein Feintuning vornehmen. Über<br />

<strong>Vorschau</strong> erhalten Sie einen Eindruck davon,<br />

was im „Ernstfall“ passiert.<br />

Wer nicht so lange warten möchte, bis der<br />

Bildschirm automatisch dicht macht, aktiviert<br />

die Sperre von Hand – ebenfalls über diesen<br />

XScreenSaver-Konfigurationsdialog. Über Datei<br />

/ Bildschirm jetzt sperren verriegeln Sie den<br />

Desktop sofort und können danach beruhigt in<br />

die Mittagspause gehen (Abbildung 4). Kommen<br />

Sie zurück und bewegen die Maus, fordert<br />

Knoppix ein Kennwort an. Gut, dass Sie<br />

dieses vorher gesetzt haben. (hge) n<br />

Infos<br />

Abb. 4: Wenn Sie unter Knoppix von Hand den Bildschirm sperren, sollten Sie vorher<br />

unbedingt ein Passwort für den Benutzer „knoppix“ gesetzt haben.<br />

[1] Ubuntu-Tipps zu Lenses: Heike Jurzik,<br />

„Knoppix und Ubuntu“, <strong>EasyLinux</strong><br />

03/ 2012, S. 96 ff., http:// www.<br />

linux-community. de/ artikel/ 26079<br />

(http:// ezlx. de/ c4q2)<br />

[2] Google Scholar: http:// scholar. google.<br />

de/ (http:// ezlx. de/ c4q3)<br />

[3] PubMed: http:// www. pubmed. gov/<br />

(http:// ezlx. de/ c4q4)<br />

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