Einer trage des anderen Last

dioezeselinz

Einer trage des anderen Last

in einer Gemeinschaft leben. Mit diesem Wort „Liebe“ ist die Haltung

gemeint, die wir heute „Solidarität“ nennen. Wenn Paulus

zur Liebe aufruft meint er nicht, dass sich Juden und Griechen

oder die unterschiedlichen Gruppierungen der jungen Gemeinden

gefühlvoll in die Arme fallen. Auch nicht, dass Gegensätze, Streitigkeiten,

Missverständnisse einfach zugedeckt werden. Jedoch

können alle in der Gemeinde zueinanderstehen, sich stützen,

sich aushalten, sich aber auch gegenseitig kritisieren und voneinander

lernen. Liebe ist solidarisches Handeln.

In diesem Sinn kann der berühmteste Paulustext über die Liebe,

das Hohelied (1 Kor 13,1-13) als ein Lied der Solidarität gelesen

werden: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete,

hätte aber keine Solidarität, wäre ich dröhnendes Erz oder

eine lärmende Pauke. 1

1 Gerhard Jankowski, Auslegung des ersten Korintherbriefs, in: Texte und

Kontexte 121-123, Berlin 2008.

Das Hohelied der

Solidarität

nach 1 Kor 13,1-13

1 Wenn ich in Sprachen der Menschen und Boten rede,

Solidarität aber nicht habe,

bin ich ein schepperndes Blech, eine lärmende Zimbel.

2 Und wenn ich Prophetie habe,

alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis,

und wenn ich alles Vertrauen habe, Berge zu versetzen,

Solidarität aber nicht habe,

bin ich ein Nichts.

3 Und wenn ich all meine Habe zur Speisung gebe,

und wenn ich meinen Leib ausliefere,

dass ich gerühmt werde,

Solidarität aber nicht habe,

nützt es mir nichts.

4 Die Solidarität hat einen langen Atem.

Wertvoll erweist sich die Solidarität,

nicht eifert sie,

nicht prahlt die Solidarität,

nicht bläst sie sich auf,

3

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