Ausgabe 3/2008 (PDF) - Universität Koblenz · Landau

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Ausgabe 3/2008 (PDF) - Universität Koblenz · Landau

3_2008

Nr. 23

NeuLand

Landauer Campuszeitung

Zeichen für Umwelt gesetzt

Kunstaktion über Verhältnis von Mobilität und Natur

Seinen Augen mochte sicherlich

manch ein Fußgänger oder

Autofahrer nicht trauen, als er

Ende Juli den Landauer Messplatz,

einen Parkplatz in der

Innenstadt, passierte: Vier aus

Zweigen und Ästen gefertigte

Fahrzeuge parkten eine Woche

lang dort: Ein Oldtimer, ein

Bagger, eine Planierraupe und

ein Traktor. Wo kamen diese

Gebilde her? Und: Was suchten

sie auf dem Parkplatz zwischen

all den alltäglichen Blech-Fahrzeugen?

Die Gebilde waren, wie auch ein

Panzer und eine Rakete, während

einer Projektwoche des Landauer

Instituts für Kunstwissenschaft und

Bildende Kunst, des Naturschutzgebietes

Ebenbergs und des

Ferienpasses der Stadt Landau

entstanden. Kunst-Professor

Diethard Herles und Biologe Dr.

habil. Hans Jürgen Hahn initiierten

dieses konzeptkünstlerische Projekt

„Aus Natur wird Kunst“, um

auf das schwierige Verhältnis zwischen

Menschen, deren mobilisierter

Umwelt und der Natur hinzuweisen

und – ganz im Sinne des

Kunstverständnisses – die Öffentlichkeit

zum Nachdenken anzuregen.

Die Konzeptkunst bildete sich

in den 60er Jahren in den USA

heraus und wurde stark geprägt

von dem Künstler Sol LeWitt. Nicht

das einzelne Werk steht in dieser

Kunstrichtung im Mittelpunkt des

künstlerischen Schaffens, sondern

Kleinteilige Handarbeit: Mit Ästen, Zweigen und Schnüren festigten

Kunststudenten im Naturschutzgebiet Ebenberg sechs Gebilde, die

technisches Gerät darstellen. Hier eine Rakete.

die zugrunde liegende Idee, also

das Konzept. Künstlerisches Vorbild

der Konzeptkunst-Bewegung

war der Franzose und Objektkünstler

Marcel Duchamp, ebenfalls

Wegbereiter des Dadaismus

und Surrealismus.

Die Landauer Kunst-Aktion setzte

an den Annehmlichkeiten und den

negativen Aspekten der Mobilität

an: Auto, Bus oder Zug bringt jedermann

schnell und bequem von

A nach B und dank des Fliegers ist

fast jeder Winkel der Welt in weniger

als 24 Stunden zu erreichen.

Doch welchen Einfluss haben Mobilität

und die damit einhergehende

Technisierung auf unsere Umwelt

und somit auf die Natur? Und

wie hängen Menschen, ihre tech-

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NeuLand

Fleißige Helfer: Viele Kinder werkten bei dem Kunstprojekt unter

Anleitung angehender Kunstpädagogen mit.

nischen Erfindungen und die natürliche

Umwelt miteinander zusammen?

Ein Sachverhalt, über

den Kunst-Didaktiker Herles und

Naturschützer Hahn die Landauer

Öffentlichkeit zum Nachdenken

anregen wollten. Denn ganz klar

ist: Mobilität beeinträchtigt die

Natur: Und: Es zeichnet sich ganz

deutlich ab, dass die für Mobilität

notwendigen Ressourcen wie Öl

nicht mehr lange reichen werden.

Wichtig also, dass die kommende

Generation sich mit dieser Problematik

auseinandersetzt und kreative

Lösungen für künftige Mobilität

sucht. Deshalb war das Projekt

nicht nur für die angehenden Kunstlehrer,

die am Landauer Kunst-Institut

studieren, sondern auch für

Kinder aus Landau und der Region

geöffnet.

Über die Kunstaktion wollten Herles

und Hahn auch Aufmerksamkeit

für den Ebenberg, ein ökologisches

Kleinod vor den Toren Landaus, generieren.

Der Ebenberg, ehemals

genutzt von den französischen

Streitkräften für militärische Übungen,

ist das einzige Nationale

Naturerbe in Rheinland-Pfalz. Insgesamt

nur 33 dieser Schutzgebiete

in Deutschland wurden im

Mai dieses Jahres durch die Deutsche

Bundesstiftung Umwelt übernommen

– ein deutlicher Hinweis

auf die bundesweite Bedeutung des

Ebenbergs für den Erhalt der biologischen

Vielfalt. Der Ebenberg ist

das einzige große Lössgebiet in

Deutschland, das nicht landwirtschaftlich

genutzt wurde und damit

heute eine einzigartiger Artenvielfalt

an Pflanzen und Tieren bietet.

Die Idee, diese Aktion im Naturschutzgebiet

umzusetzen, hat für

Kunst-Experten Herles noch einen

weiteren Grund: Naturschutzgebiete

existieren, so Herles, um Natur

in ihrer ursprünglichen Form zu wahren.

Ihre Aufgabe ähnle denen von

Museen, so der Kunstpädagoge,

die Kunst vor dem Verschwinden

zu bewahren gedenken. Dass Natur

überhaupt geschützt werden

muss, hänge mit der Zerstörung

durch Technisierung zusammen,

spinnt Herles den gedanklichen

Faden weiter. Und dies sei nicht

erst ein Phänomen der neueren

Zeit. Bereits in der Antike wurden

für Kriegsgerät und Schiffsbau

Wälder gerodet. Warum betreiben

Menschen dieses zerstörerische

Werk? Umweltzerstörung ist ein

Resultat mangelnder ästhetischer

Bildung, so die Antwort von Professor

Herles. Er sieht aus diesem

Grund eine ganz wichtige Aufgabe,

die Kunstunterricht in den Schulen

wahrzunehmen habe. Kunsterziehung

müsse heutzutage nicht

nur künstlerische Fähigkeiten fördern

und wichtige Kunsttheorien

vermitteln. Kunstunterricht heute

müsse die ästhetische Bildung der

Schüler und die Auseinandersetzung

mit ästhetischen Fragen im

weitesten Sinne fördern, so die

Forderung von Kunstdidaktiker

Herles. Auch dafür schuf die Aktion

im Naturschutzgebiet öffentliches

Bewusstsein.

Nach der erfolgreichen künstlerischen

Symbiose zwischen Kunst

und Natur planen die beiden Wissenschaftler

für kommenden Sommer

eine neue Aktion im Naturschutzgebiet

Ebenberg. Als Erinnerung

an die diesjährige Aktion

stehen dort noch Panzer und Rakete

zum Verrotten, um auf natürliche

Weise dem Stoffkreislauf wieder

zugeführt zu werden. Die weitern

vier Gebilde wurden nach ihrem

einwöchigen Ausflug auf dem

Landauer Parkplatz zur Uni transportiert

und setzen dort weiterhin –

als künstlerische Ausstellungsstücke

– ein Zeichen für die Umwelt.

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NeuLand

Europapreis 2008 des Landes

Rheinland-Pfalz

Auszeichnung für Landauer Studierende

Die Initiative „Integriertes Projekt

für Ausländische Studierende

an der Universität in Landau

(IPAS)“ gehört in diesem Jahr

zu den Preisträgern des Europapreises

des Landes Rheinland-

Pfalz. Das 2002 von deutschen

und ausländischen Studierenden

der Universität in Landau

gegründete Projekt ist mit dem

dritten Preis ausgezeichnet

worden, der mit 500,- Euro dotiert

ist.

Wollen, dass sich ausländische

Studierende in Landau schnell

Zuhause fühlen: Die Mitglieder von

IPAS.

Stolze Preisträger bei der Verleihung des Europapreises in Mainz (links

Vizepräsident Prof. Dr. Eckhard Friedrich mit IPAS-Mitgliedern).

IPAS ist ein Projekt von Studierenden

für Studierende. Die meisten

der IPAS-Mitglieder waren bereits

im Ausland und haben selbst erfahren,

wie schwierig es sein kann,

in einem fremden Land zurecht zu

kommen und sich dort zu integrieren.

Deshalb leistet IPAS seinen

Beitrag dazu, den internationalen

Studierenden das Einleben in Landau

und besonders an der Universität

zu erleichtern. Jeder ausländischen

Studierende, der sein Studium

in Landau beginnt, wird von

IPAS kontaktiert. Die Initiative organisiert

für jeden Austauschstudenten

einen passenden Mentor,

der für eine umfassende persönliche

Betreuung sorgt. Der Mentor

hilft bei den ersten Behördengängen,

führt durch die Uni und

erklärt das deutsche Uni-System.

Gemeinsam werden Stundenpläne

erstellt, Seminare ausgewählt

und Formulare ausgefüllt.

Gleichzeitig will IPAS durch seine

Aktivitäten den Kontakt zwischen

deutschen und ausländischen Studierenden

in Landau fördern. In

jedem Semester veranstaltet IPAS

zum Beispiel interkulturelle Work-

shops, landeskundliche Wochenend-Exkursionen

innerhalb

Deutschlands, Wanderungen im

Pfälzer Wald, Ausflüge oder gemeinsame

Besuche von lokalen

Festen. IPAS wird vom Allgemeinen

Studierendenausschuss (AStA)

und dem Akademischen Auslandsamt

bei seiner Arbeit unterstützt

und finanziell gefördert.

Der Europapreis wird seit 1992 für

beispielhafte europäische Aktivitäten

junger Rheinland-Pfälzerinnen

und Rheinland-Pfälzer vergeben. In

diesem Jahr stand der Europapreis

unter dem Motto „Lernen interkulturell

– Austausch an den Hochschulen“.

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NeuLand

Zu zweit geht vieles leichter

Tandemprogramm für ausländische Studierende

Margarita Brousos und Eleana

Georgiou sind ein gutes Tandem.

Beide studieren im sechsten Semester

Psychologie am Campus

Landau und meistern gemeinsam

die Unwägbarkeiten in Studentenleben

und Alltag. Dabei wäre Eleana

Georgiou aus Athen beinahe in

Berlin und nicht in Landau gelandet.

Als sie sich im Vorfeld eines

Auslandsaufenthaltes für Landau

und gegen das „Berliner Chaos“

entschied, wusste sie noch nicht,

wie positiv sich diese Entscheidung

auszahlen würde: Am 1. April

2008 fuhr ihr Zug in der Pfalz ein

und wurde bereits erwartet. Im Rahmen

des Mentoring- bzw. Tandem-

Programms des IPAS (Integratives

Projekt Ausländischer Studierender

in Landau) hatte sich Margarita

Brousos für ein Mentoring-Training

gemeldet, um einer griechischen

Studentin den Einstieg in das Landauer

Campusleben zu erleichtern.

So stand sie bereits am Gleiß, um

Eleana Georgiou in Empfang zu

nehmen und ihr die ersten Schritte

in einem fremden Umfeld zu erleichtern.

Das seit 2002 existierende IPAS

arbeitet eng mit dem Akademischen

Auslandsamt zusammen

und versucht, „internationalen Studierenden

das Einleben hier in

Landau und besonders an der Uni

zu erleichtern.“ Die Studierenden

des IPAS bieten zahlreiche Treffen

und Veranstaltungen (Maimarkttreffen,

Wochenendfahrten, Grillabende)

an, die das Tandem-Programm

ergänzen. Die Träger des

Projektes, allesamt Studierende,

haben selbst bereits Auslandserfahrungen

gemacht. Durch eine 1:1-

Betreuung können IPAS-Mentoren

die „Internationals“ optimal unterstützen.

So stand auch Margarita Brousos

Eleana Georgiou bei allen Behördengängen

zur Seite. Die Griechin

hatte bereits sieben Jahre Deutsch

gelernt, Urlaub in Deutschland

gemacht und per E-Mail Kontakt

zu Margarita Brousos aufgenommen.

Die Realität im Behördendschungel

zwischen städtischen

Ämtern, universitären Institutionen

und Vorlesungsverzeichnissen erwies

sich dennoch als wahre Herausforderung.

Ein Zeitplan mit den

wichtigsten Fristen und Terminen

half dem Tandem bei der Organisation.

Doch auch abseits von langen

Universitätsfluren konnte

Margarita Brousos Hilfestellung

leisten. Von der Aufbewahrung und

Übergabe des Schlüssels für das

Wohnheim über Beistand beim Unterzeichnen

des Mietvertrags bis

bin zum Abschluss einer Krankenversicherung

gab es viele Möglichkeiten

für Margarita Brousos, den

Einstieg in Eleana Georgious neuen

Alltag zu erleichtern. Georgiou

betont den „psychologischen Nutzen“

des Mentorings und weiß,

dass ihr die Integration durch die

Hilfestellung im Tandem „sehr leicht

fiel“. Die dringlichsten Erledigungen

hatte das Tandem nach nur

einer Woche getan. Das Schlüsselerlebnis

für die beiden Studentinnen

war allerdings ein anderes:

Seit einem gemeinsamen Shopping-Bummel

entwickelte sich zwischen

Eleana Georgiou und Margarita

Brousos eine enge Freundschaft.

Im nächsten Jahr plant die

Landauerin ihrerseits einen Auslandaufenthalt.

Wo? Natürlich in

Griechenland. Die ersten schweren

Wochen in einem fremden Land

werden auch ihr – vielleicht sogar

wiedervereint im griechisch-deutschen

Tandem – mit Sicherheit

leichter fallen.

Die IPASler treffen sich jeden ersten

Montag im Monat um 20:30

Uhr in der „Brauchbar“ (Ecke Ostring/Ostbahnstraße)

und heißen

alle Interessierten herzlich willkommen.

HENNING KÖHLER

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NeuLand

„Soft skills“ im modernen Arbeitsleben

13. Arbeitsweltsymposium informierte über Wege zum

beruflichen Karriereerfolg

Groß war erneut die Resonanz

auf das Landauer Arbeitsweltsymposium,

das der Landauer

Arbeits-, Organisations- und

Wirtschaftspsychologe Prof. Dr.

Fred Müller seit nunmehr 13

Jahren als Austausch zwischen

Wissenschaft und Personalwirtschaft

organisiert. Fest im

Weiterbildungskalender der

Region hat sich die Veranstaltung

mittlerweile etabliert.

Unter dem Motto „Soft Skills“ sind

„Hard Facts“ lockte die in der Reihe

bislang erste Veranstaltung zur

Soft-Skill-Qualifizierung über 70

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

aus Wirtschaft und Wissenschaft

auf den Landauer Campus. Denn

auf „Soft Skills“, insbesondere

soziale Kernkompetenzen von Führungskräften

und Mitarbeitern, wird

in der modernen Arbeitswelt immer

stärker Wert gelegt. Sie sind

wichtige karriere- und erfolgs-

fördernden Faktoren, bekräftigt

Arbeitsexperte Müller. Wichtig sei

aber ein systematischer Ansatz bei

sozialen Kompetenztrainings in

Unternehmen und Organisationen:

Ob bei „coaching on the job“ für

Stellenbewerber und ambitionierte

Mitarbeiter, ob bei einer begründeten

Diagnose von Kundenorientierung

und deren Förderung oder

bei coaching-kompetentem Führungsverhalten.

Termin und Thema des 14. Arbeitsweltsymposiums

haben Professor

Müller und sein Team bereits geplant:

Die Veranstaltung findet am

Freitag, 25. September 2009, zum

Thema „Diagnose und Förderung

persönlicher Kernkompetenzen“

statt. Plätze können ab sofort reserviert

und ab dem 2. März 2009

verbindlich gebucht werden. Weitere

Informationen zur Veranstaltung

gibt es online unter

www.uni-landau.de/fb8/pasv.

Herausgeber

Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

der Universität

Koblenz-Landau,

Campus Landau

Bürgerstraße 23,

76829 Landau

Fotos

S.3: IPAS; Alle weiteren: Karin Hiller.

Layout

Bender Mediengestaltung

Impressum

Redaktionsteam

Kerstin Theilmann (verantw.)

Henning Köhler

Kontakt

Kerstin Theilmann

Tel.: 06341/906-219

Fax: 06341/906-236

Email:

theil@uni-koblenz-landau.de

www. neuland.uni-koblenz-landau.de

Redaktionsschluss für die nächste

Neuland-Ausgabe ist zu erfragen

beim Redaktionsteam. Unaufgefordert

eingereichte Beiträge haben

keinen Anspruch auf Veröffentlichung.

Die Redaktion behält sich

die Kürzung und Überarbeitung von

Texten vor. Die Meinung einzelner

Autorinnen/Autoren gibt nicht immer

die Meinung der Redaktion

wieder.

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NeuLand

Neue Bücher für Uni-Bibliothek

Fachschaft Geographie spendet Schulbücher

Kann stolz sein: Buchspende-Initiatorin Juliane Graupner überreicht

Bibliotheksleiter Michael Schefczik die neuen Geographie-Lehrbücher.

Über neue Schulbücher, Lehrerbände,

Arbeitshefte, Atlanten,

CDs und Experimentierhefte für

das Fach Erdkunde können sich

Landauer Studierende des

Lehramts an Haupt- und Realschulen

freuen: Über 40 Werke

im Gesamtwert von rund 1.400,-

Euro spendierte die Fachschaft

Geographie der Landauer Universitätsbibliothek.

Die Bücherspende initiiert hat Juliane

Graupner, ehemalige Vorsitzende

der Fachschaft Geographie.

Der angehenden Erdkundelehrerin

war bei den Vorbereitungen auf

Schulpraktika und für ihre Zulassungsarbeit

aufgefallen, dass der

Bestand an Schulbüchern für

Rheinland-Pfalz in der Universitätsbibliothek

nicht mehr dem aktuellen

Stand entsprach. Und genau

die neuesten Schulbücher wollte

Juliane Graupner hinsichtlich der

Aufbereitung demographischer

Themen für ihre Examensarbeit unter

die Lupe nehmen.

Von der Notwendigkeit der Bestandserweiterung

überzeugt, be-

willigte die Fachschaft Geographie

das benötigte Geld. Schließlich,

so das Argument, sei die

Aktion satzungskonform, denn ein

solches Erweiterungsangebot

käme allen Studierenden der Geographie

zugute. Großen Gefallen

an dem studentischen Engagement

fanden auch Michael Schefczik,

Leiter der Uni-Bibliothek,

sowie Juniorprofessor Dr. Bernhard

Köppen und Dr. Michael Horn

von der Abteilung Geographie, mit

denen die Fachschaft die Anschaffungen

abstimmte. Die dem

Institut zur Verfügung stehenden

Buchmittel setzen die beiden Wissenschaftler

sorgsam ein und achten

zunächst darauf, dass die für

ein ordentliches Studium notwendigen

Fachbücher und Zeitschriften

auf aktuellstem Stand sind.

Die Aktualisierung des Schulbuchbestandes

wäre planmäßig frühestens

in zwei Jahren möglich

gewesen.

Dank des Engagements der Geo-

Fachschaft und dem schnellen Katalogisieren

durch die Uni-Bibliothek

kommen die Lehramtsanwärter

schon heute in den Genuss

aktueller Schulbücher, um sich

für ihre Schulpraktika intensiv vorbereiten

zu können. Und mit dieser

Aktion konnte die Fachschaft

neben Ausflügen und geselligen

Veranstaltungen einmal mehr etwas

für das Allgemeinwohl der Studierenden

tun. Ein entsprechender

Aufkleber auf der Innenseite

des Buchdeckels verrät dann

auch jedem Nutzer, wem er das

vorliegende Werk zu verdanken

hat.

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NeuLand

Die Forschungsinitiative eröffnet gute

Chancen zur weiteren Profilierung der

Forschung an der Universität

Die Umsetzung des Bologna-Prozesses

und damit verbunden die

Reform der Lehrerbildung in Rheinland-Pfalz,

die Einführung neuer

Bachelor- und Masterstudiengänge

und die dafür notwendigen Akkreditierungsverfahren

sowie der

Bund-Länder-Hochschulpakt 2020

bestimmten häufig die Diskussionen

und Debatten an den Campi

und in den Universitätsgremien. Der

große Erfolg von Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern aus

Koblenz und Landau im Wettbewerb

um Fördermittel der Forschungsinitiative

des Landes ist

dabei etwas in den Hintergrund gerückt,

völlig zu Unrecht wie ich

meine. Doch die dabei eingeworbene

Finanzierung für die Schwerpunktbereiche

Bildungsforschung,

Umweltwissenschaften und Informatik,

insgesamt über 2 Mio. Euro

bis 2011, sind ein entscheidender

Meilenstein auf dem Weg zur weiteren

Profilierung der Forschung

an der Universität.

Seit ihrer Gründung hat die Universität

ihre Drittmitteleinnahmen für

die Forschung kontinuierlich gesteigert.

Dabei ist der Anteil von Mitteln

der Europäischen Union im Vergleich

zu anderen Landesuniversitäten

überproportional hoch.

Ausbaufähig ist hingegen die

grundlagenorientierte, von der Deutschen

Forschungsgemeinschaft

(DFG) geförderte Forschung. Strategisches

Ziel der Universität Koblenz-Landau

ist daher der Aufbau

von Forschungsstrukturen, die es

ermöglichen, auf nationaler und internationaler

Ebene mit größeren

Forschergruppen und Graduiertenkollegs

aufzutreten.

Genau an dieser Stelle können wir

jetzt mit den drei, durch die

Forschungsinitiative geförderten

Schwerpunktsbereichen ansetzen.

Sie dienen auch der Vorbereitung

von DFG-Anträgen für eine Forschergruppe

(Umweltwissenschaften)

und von zwei DFG-Graduierten-Kollegs

(Bildungsforschung

und Informatik).

Das Wissenschaftsministerium

machte von Beginn an deutlich,

dass für die Entscheidung über die

Vergabe der Landesmittel die Begutachtung

durch eine renommierte

externe Expertengruppe ausschlaggebend

sein würde. Deshalb

hatte die Universitätsleitung schon

im Vorfeld entschieden, ein vergleichbares

Verfahren universitätsintern

durchzuführen. Der internen

Ausschreibung folgte eine Begutachtung

der eingereichten Anträge

durch externe Experten. Dabei arbeitete

die Universität mit dem

Evaluationsverbund Südwest zusammen.

Auf Grundlage der Stellungnahmen

dieser Gutachter erfolgte

dann die Entscheidung der

Universitätsleitung über den Gesamtantrag,

der beim Wissenschaftsministerium

eingereicht

wurde. Das Verfahren war zwar

aufwendig, aber der Erfolg im landesweiten

Wettbewerb um die Mittel

der Forschungsinitiative zeigt,

dass wir die richtige Entscheidung

getroffen haben. Inzwischen ist

eine Zielvereinbarung zwischen

Land und Universität geschlossen

worden.

Ziel des Schwerpunkts Bildungsforschung

ist die Förderung des

wissenschaftlichen Nachwuchses

durch hochwertige Dissertationen

im Rahmen aufeinander bezogener

Forschungsprojekte im Bereich

der Unterrichts- bzw. Lehr-Lern-Forschung.

Das zu Grunde liegende

Konzept gliedert sich ein in die

Bemühungen um eine Neuorientierung

der Bildungswissenschaften,

insbesondere durch eine stärkere

wechselseitige Durchdringung

von Theorie und Praxis in der

bildungswissenschaftlichen Forschung

Innerhalb des Schwerpunkts Umweltwissenschaften

wurde eine interdisziplinäre

Arbeitsgruppe

INTERNANO gegründet, die das

Verhalten und die ökologische

Wirksamkeit synthetischer anorganischer

Nanopartikel und deren

Wechselwirkung mit Schadstoffen

in Boden- und Wassersystemen

untersuchen will, denn die Anwendung

der Nanotechnologie in der

industriellen Produktion wächst

rasant. Bereits heute sind über 300

Produkte auf dem Markt, die mittels

Nanotechnologie hergestellt

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NeuLand

oder verbessert wurden, z. B.

selbstreinigende Oberflächen,

Schutzanstriche für Karosserien

oder der Schutz vor ultravioletter

Strahlung in Sonnencremes.

Im Zentrum des Schwerpunkts Informatik

steht die Softwareadaption.

Sie ist nicht nur eine technisch-wissenschaftliche

Herausforderung,

sie ist auch eine ökonomische

Notwendigkeit. Die Entwicklung

komplexer Software ist kostenintensiv.

Diese Kosten amortisieren

sich nur, wenn bestehende

Software einfach auf veränderte

Anforderungen angepasst werden

kann. Die Doktoranden und Doktorandinnen

eines geplanten Graduiertenkollegs

zur Softwareadaption

sollen die Möglichkeit erhalten,

ihre Arbeiten im Rahmen eines koordinierten,

internationalen Forschungsprogramms

durchzuführen.

Wir haben damit einen wichtigen

Meilenstein erreicht, müssen aber

den Weg zur weiteren Profilierung

der Forschung weiter voran schreiten.

Deshalb hat die Universitätsleitung

im Kontext der Forschungsinitiative

auch dafür gesorgt, dass

neue Ideen und Forschungsansätze

heranreifen können, um später

neue profilbildende Schwerpunkte

in der Universität zu bilden. Große

Teile des Forschungsfonds der

Universität werden künftig eingesetzt,

um neue zukunftsweisende

Projekte zu fördern. Anschubfinanzierungen

für geplante Antragstellungen

bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft

(DFG) und

anderen wichtigen Förderern können

hingegen jederzeit beantragt

werden.

PROF. DR. ROMAN HEILIGENTHAL

UNIVERSITÄTSPRÄSIDENT

Geballte Frauen-Power

Mentoring-Programm am Campus Landau fördert

Frauen bei Karriereplanung und Berufseinstieg

Erfolgreich endete der erste

Durchlauf des Mentoringprogramms

für Frauen am Campus

Landau. Initiiert von Frauenbüro

und Alumni-Netzwerk sollen

mit dieser Initiative Berufsanfängerinnen

vom Know-How

berufserfahrener, erfolgreicher

Frauen profitieren. Aber: Der

Austausch ist keineswegs eine

Einbahnstraße, wie Mentorin

Birgit Fuchs und ihre Mentee

Cornelia Weiss einstimmig betonen.

Als eines von sieben Tandems

haben die beiden Frauen

in der neunmonatigen Projektzeit

voneinander gelernt und

darüber hinaus Freundschaft

geschlossen.

Mentoringprogramme kommen in

der Berufswelt zur Förderung des

Nachwuchses seit geraumer Zeit

zum Einsatz. Zur Steigerung der

Chancengleichheit werden zunehmend

reine Frauenprogramme aufgelegt.

Der Landauer Ansatz geht

dabei einen speziellen, neuen Weg:

Sowohl Mentee als auch Mentorin

müssen Absolventin der Landauer

Universität sein. Finanziert wurde

das Pilotprojekt vom Ministerium

für Familie, Senioren, Frauen und

Jugend. Ob es nun in eine feste

Programmlinie münden kann, ist

aus finanziellen Gründen derzeit

noch offen. Der Erfolg des ersten

Versuches sowie der Frauenanteil

von gut 70 Prozent unter der Landauer

Studierendenschaft spreche

unbedingt für eine Weiterführung

des Mentoringprogramms, so die

beiden Projektorganisatorinnen,

Frauenreferentin Heide Gieseke

und Alumni-Referentin Heidemarie

Komor. Sieben Tandems haben die

beiden Verantwortlichen über neun

Monate intensiv betreut. Das Engagement

und der Zeitaufwand hat

sich gelohnt, wie sich aus dem

Feedback der Tandems schließen

lässt. Einige Mentees haben dank

des Programms einen erstklassigen

Berufseinstieg gefunden.

Wie sie Kind und Karriere miteinander

verbinden kann, war zentrale

Fragestellung, die die Psychologie-Absolventin

und Physiothe-

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NeuLand

rapeutin Cornelia Weiss mit ihrer

Mentorin Birgit Fuchs, pädagogische

Leiterin „Betreuen, Fördern,

Wohnen“ des Pfalz-Klinikums in

Klingenmünster, erörterte. Wöchentlich

mailten sich die beiden

Frauen und im vierzehntägigen

Rhythmus stand ein persönliches

Treffen auf dem Programm. Sie

legten gemeinsam Ziele fest, die

sie bis zum Ende der Projektlaufzeit

erreichen wollten. Das Arbeiten

mit einer erfahrenen Mentorin

habe auf alle Fälle den Horizont

erweitert, bekräftigt Psychologin

Cornelia Weiss, die nach einer

zweijährigen Familienphase

nach Abschluss des Studiums ihren

Berufseinstieg plant. Über Birgit

Fuchs erhielt sie die Möglichkeit,

im Pfalz-Klinikum interessante

Gespräche zu führen und in verschiedene

Berufsfelder zu schnuppern.

Im Besonderen fördere das Mentoring-Programm

die Persönlichkeitsentwicklung,

gleichermaßen

für Mentorin als auch Mentee, so

Birgit Fuchs. Und vor allem für die

Mentee sei dies von großer Bedeutung,

stelle die Persönlichkeit

die Klammer zwischen Bildungsbetrieb

und beruflicher Realität dar,

betont Mentorin Fuchs. Bei Cornelia

Weiss mündete der kontinuierliche

und systematische Austausch

in genaue Vorstellungen,

wie ihr beruflicher Werdegang weiter

verlaufen soll: Ihren ersten Beruf,

die Physiotherapie, möchte

Weiss mit der Psychologie verbinden

und so ihre berufliche Nische

finden, z.B. in Form von Entspannungstrainings

für Führungskräfte.

Diese Idee konnte Psychologin

Weiss dank Mentorin Fuchs bereits

im Pfalzklinikum testen. Und:

Der zeitliche Druck, trotz Kind

schnell Karriere machen zu müssen,

hat sich verflüchtigt. „Dass

das Mentoring-Programm ausschließlich

für Frauen ist, und

meine Mentorin auch Kinder hat,

hat mir sehr viel gebracht“, so die

Einschätzung von Mentee Weiss.

Von links nach rechts:1. Reihe: Susan Burkhardt, Gabriele Dlugosch,

Sabine Patsch, Birgit Fuchs, Cornelia Weiss, 2. Reihe: Heide Gieseke,

Claudia Hochdörffer, Sandra Staudenmayer, Gabriele Cierniak, Heidemarie

Komor, 3. Reihe: Marion Schnaudigel, Katharina Stotz, Sabine Wehner,

Anja Isele. (Es fehlen Christina Teichmann und Judith Laux).

Denn: „Frauen haben in vielen Bereichen

die selben Fragen“.

Birgit Fuchs würde sich auf alle

Fälle und gerne wieder als Mentorin

zur Verfügung stellen, trotz des zeitlichen

Aufwandes, den das Mentorinnen-Dasein

mit sich bringt. „Ich

habe Erfahrungen, die ich gerne

weiter gebe“. Und schließlich biete

ein Tandem auch der Mentorin

die Möglichkeit, vieles zu reflektieren.

Außerdem hinkten Frauen in

der Netzwerkgründung Männern

noch weit hinterher. Aber gerade

über persönliche Kontakte ergäben

sich spannende persönliche

und berufliche Chancen, so Fuchs.

Netzwerken steht auch für Heide

Gieseke und Heidemarie Komor

weiterhin ganz oben auf der Agenda.

So sind die Teilnehmerinnen

des Mentoring-Programms auch

über ein eigenes Forum auf der

Netzwerk-Plattform „Xing“ vernetzt.

Die Gruppe wird darüber hinaus

auch in der realen Welt nach Ablauf

der offiziellen Projektphase in

Kontakt bleiben. Das nächste Treffen

soll im November stattfinden.

Die Weiterführung des Programms

wäre für die kommenden Generationen

an Landauer Absolventinnen

ganz wichtig. Davon sind die

Organisatorinnen Gieseke und

Komor überzeugt. Denn oft zeichnen

Frauen in ihrer Erinnerung ihre

Berufsbiografie als eine Aneinanderreihung

von Zufälligkeiten nach,

so Frauenreferentin Gieseke. Und

Alumni-Referentin Komor ergänzt:

„Mit dem Programm können Karrieren

Landauer Absolventinnen

sichtbar gemacht und Berufseinsteigerinnen

gute Kontakte in die

Wirtschaft eröffnet werden.“

Die Karriereförderung von Frauen

ist am Campus Landau ein wichtiges

Thema. Vor zwei Jahren hub

das Frauenbüro das Karrierezentrum

für Frauen namens KAR-

LA aus der Taufe. KARLA bietet

insbesondere in den Bereichen der

Schlüsselqualifikationen und Vereinbarkeit

von Studium, Beruf und

Familie Vorträge, Workshops und

Seminare für Studentinnen, Doktorandinnen

und Absolventinnen

an.

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NeuLand

Michelangelo: Internetportal für

europäische Kunst

Recherchepool für Lehrer, Schüler und

Kunstinteressierte

Welchen Beitrag leistete im 17.

Jahrhundert die Malerin und

Kupferstecherin Maria Sybilla

Merian zur Erforschung der Entwicklungsstadien

von Insekten?

Welchen künstlerischen Stellenwert

besitzen die im 12. Jahrhundert

geschaffenen Wasserspeier

des Kölner Doms? Oder

wie entwickelte sich die Bildende

Kunst in den vergangenen

Jahrhunderten in Bulgarien, Italien

oder England?

Antworten auf all diese und weitere

Fragen soll das EU-Projekt und

Internetportal „Michelangelo“ liefern,

das bis Herbst 2009 fertig

gestellt sein wird. Lehrer für Kunst

und Englisch aus sechs europäischen

Ländern (Bulgarien,

Deutschland, England, Italien,

Polen und Portugal) arbeiten derzeit

unter der Koordination von

wissenschaftlichen Einrichtungen

daran, die wichtigsten nationalen

Kunstwerke und Künstler der beteiligten

Staaten aus den zurückliegenden

zehn Jahrhunderten pädagogisch

in englischer Sprache aufzubereiten.

Deutscher Projektpartner

ist das Zentrum für empirisch

pädagogische Forschung

(zepf) der Universität in Landau.

Die Partnerschulen sind das Pamina-Schulzentrum

in Herxheim,

die Realschule Edenkoben, das

Landauer Eduard-Spranger-Gymnasium,

die Integrierte Gesamtschule

Kandel und das Kurfürst-

Ruprecht-Gymnasium in Neustadt.

Das Portal wird eine Informationsquelle

für alle an Kunst interessierten

Personen werden und insbesondere

Schülern und Lehrern

als pädagogisch wertvolle Fundgrube

zur Unterrichts- oder Referatsvorbereitung

dienen. Entweder

nach Jahrhunderten oder nach

Ländern wird die Kunstrecherche

möglich sein. Doch damit endet

der Service der Site noch nicht:

Derzeit arbeiten die Projektbeteiligten

auch an der pädagogischen

Bewertung von bereits vorhandenen

Internetquellen über die ent-

sprechenden Kunstthemen. Ein

nächster Schritt wird dann die

Konzeption von Lernmaterialien

sein.

Das Projekt wird durch die Europäische

Union (EU) im Rahmen

des EU-Bildungsprogramms für Lebenslanges

Lernen (PLL), Programmlinie

„Comenius“ gefördert.

Einen ersten Überblick über das

Kunstportal gibt es auf der Homepage

des Projektes unter

michelangelo.pixel-online.org.

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NeuLand

Landauer Wissenschaftler bei Oxford

Round-Table

Thema des Forums: Der Bologna-Prozess

Die Schaffung eines gemeinsamen

europäischen Hochschulraumes,

wie es der so genannte

Bologna-Prozess bis zum

Jahr 2010 vorsieht, ist das bislang

umfassendste Reformvorhaben

in der Hochschullandschaft.

Dies war Thema des

diesjährigen Runden Tischs in

Oxford, der ältesten Universität

im englischsprachigen Raum.

Zu diesem Diskussionsforum

reiste der Landauer Professor

Dr. Peter Nenniger Anfang Juli.

Eine Woche lang debattierte er

mit Experten aus aller Welt

darüber, wie die Reform trotz

aller Herausforderungen und

Schwierigkeiten zum Erfolg

geführt werden kann.

Eine besondere Auszeichnung ist

die Teilnahme am Oxforder

Roundtable für den Pädagogik-Professor

aus Landau und derzeitigen

Präsidenten einer der 14 Abteilungen

des international tätigen Verbandes

für Angewandte Psychologie,

der „International Association

of Applied Psychology“, kurz IAAP.

Denn teilnehmen kann nur, wer eine

persönliche Einladung in die englische

Elite-Uni erhält. Vor 20 Jahren

wurde der Runde Tisch in Oxford

eingerichtet. Seither debattieren

alle zwei Jahre Universitätspräsidenten,

Professoren sowie

Vertreter aus der Praxis aus aller

Welt über aktuelle gesellschaftliche

oder ethische Themen. Dieses

Jahr stand die Diskussion im

Zeichen des Bologna-Prozesses.

Der Bologna-Prozess trägt seinen

Namen von der italienischen Stadt

Bologna. Dort beschlossen 1999

Prof. Dr. Peter Nenniger

die europäischen Bildungsminister,

dass die Studienabschlüsse bis

2010 europaweit vergleichbar sein

sollten: Diplom und Magister werden

nach und nach in Bachelor

und Master überführt. „Ein Prozess,

der allen europäischen Ländern

derzeit Magenschmerzen bereitet“,

erläutert Professor Peter Nenniger.

Denn es prallen verschiedene

Bildungstraditionen der einzelnen

Länder aufeinander. Deshalb

ist es so wichtig, dass in Oxford

erstmals in dieser Zusammensetzung

weltweit über die Problematik

diskutiert und ein vernünftiger

Anstoß gegeben wurde.

So wünschenswert die Vorstellung

eines transparenten europäischen

Hochschulraums ist, so große Herausforderungen

bedeutet dessen

Umsetzung: Eine geringere Quote

von Studienabbrechern war das

Ziel. Eine aktuelle Studie des

Hochschul-Informations-Systems

HIS zeigt dagegen, dass in manchen

Fächern die Zahl der Abbrecher

seit Einführung des Bachelors

sogar zugenommen hat. Ein

größerer Studierendenaustausch

zwischen den europäischen Ländern

dank der wechselseitigen

Anerkennung von Studienleistungen

ist ein weiteres Anliegen der

Bologna-Reform. Die Realität zeigt,

dass die Mobilität aber eher eingeschränkt

wird. „In Deutschland gibt

es teilweise gar Probleme, während

des Studiums von einem Bundesland

ins nächste zu wechseln“,

gibt Nenniger zu bedenken.

Professor Nenniger bereicherte die

Debatte um den Erfolg der europäischen

Hochschul-Reform mit

seinem Vortrag über die Bedeutung

der kulturellen Unterschiede

in der höheren Ausbildung in Europa.

Neuland 3_08 Seite 11


NeuLand

Landauer Doktorand ausgezeichnet

Dirk Bißbort gewinnt Jury-Preis auf internationaler

Tagung in Schottland

Wie lernen Studierende? Eine

spannende Frage, der Dirk Bißbort,

Doktorand am Landauer

Zentrum für empirische pädagogische

Forschung (zepf), mit

seinem Promotionsvorhaben in

den nächsten Jahren auf den

Grund gehen möchte. Das Thema

weckt bereits international

Interesse: Auf der 33. IUT-Konferenz

in Glasgow, einer internationalen

Tagung zur Verbesserung

der akademischen Lehre,

setzte Pädagoge Bißbort

sich gegen die international

starke Konkurrenz – 22 Teams

aus zehn Ländern – bei der

Posterpräsentation durch. Diese

Art der Darstellung ist eine

gängige Methode unter Wissenschaftlern,

um auf Tagungen

Forschungsvorhaben kurz und

übersichtlich skizziert zu präsentieren.

Inhalt und Aufbereitung

von Bißborts Poster, der

als einziger Deutscher an der

Präsentation teilnahm, überzeugten

die Jury. Die Teilnahme

an der Tagung wurde durch

ein neues Förderprogramm für

Nachwuchswissenschaftler der

Landauer Uni finanziert.

Mit seiner Doktorarbeit zur Optimierung

der Hochschuldidaktik beizutragen,

ist Bißborts Anliegen.

Er möchte herausfinden, welches

Potenzial des selbständigen Lernens

Studierende in verschiedenen

Lernumgebungen entwickeln.

Denn: Was sich ein Mensch eigenständig

erarbeitet, bleibt auch

besser im Gedächtnis haften. Als

Ergebnis seiner Doktorarbeit möchte

Bißbort Instrumente entwickeln,

Mit der Präsentation seines Dissertationsthemas überzeugte Dirk Bißbort

die Jury in Glasgow.

mit deren Hilfe Seminare und Kurse

didaktisch optimiert werden können.

„In jedem Kurs sitzen unterschiedliche

Leute, die ganz unterschiedliche

Lerngewohnheiten haben“,

erklärt Pädagoge Bißbort

seine Überlegungen. „Das bedeutet

für mich als Dozent jedes Mal

eine neue Herausforderung. Denn

das Unterrichtskonzept, das in einer

Gruppe zu tollen Ergebnissen

geführt hat, kann mit einer anderen

Gruppe viel weniger fruchten“.

In den vergangenen Monaten hat

Dirk Bißbort einen rund 100 Fragen

umfassenden Erhebungsbogen

entwickelt, den er derzeit in Lehrveranstaltungen

testet. Ist diese

Vorstudie abgeschlossen geht es

an die Hauptuntersuchung in Form

von Vergleichsmessungen. Rund

um die Themen Lernen, Motivation,

Emotion und Lernbedingungen

möchte er 600 Studierende über

einen längeren Zeitraum und aus

verschiedenen Lehrveranstaltungstypen

jeweils in der Mitte und zu

Ende eines Semesters befragen.

Mit dieser Erhebung plant Dirk

Bißbort, die Wirkungszusammenhänge

von Lerntypen und Lernumgebungen

zu ergründen, die er

dann in verschiedene Tools umsetzen

möchte: z.B. ein diagnostisches

Tool für Lehrende, ein Tool

zur Selbstreflexion für Studierende

und ein Tool, mit dessen Hilfe

Lernveranstaltungen gezielt gestaltet

und optimiert werden können.

Mit dem positiven Feedback auf

sein Promotionsthema in Schottland

wird Bißbort sein ehrgeiziges

Forschungsvorhaben nun weiter

vorantreiben. Denn er möchte bald

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NeuLand

erste Ergebnisse zum Präsentieren

haben, ist doch an die Auszeichnung

in Glasgow eine Einladung

zur nächsten IUT-Tagung im

kanadischen Vancouver im Jahr

2009 gekoppelt. Und: Dieses Mal

wird Bißbort sein Thema einem

großen Auditorium im Rahmen eines

Vortrages präsentieren dürfen.

Über das Interesse an seinem Thema

aus internationalen Wissenschaftskreisen

ist der gebürtige

Zweibrücker mehr als überwältigt:

In der Zwischenzeit ist eine weitere

Anfrage in Landau eingetroffen,

aus der sich vielleicht ein Vortrag

in Harvard ergeben könnte. „Der

Austausch mit internationalen Kollegen

ist mir ganz wichtig“, bekräftigt

Pädagoge Bißbort, der vor zwei

Jahren in Landau auch bereits eine

internationale Summer School für

Nachwuchswissenschaftler mitorganisiert

und betreut hat. So bekomme

man konstruktives Feedback

zum eigenen Forschungsthema,

könne Netzwerke aufbauen

und Forschungskooperationen

initiieren.

Neue Bildungsansätze in der Praxis

fördern

Zepf als „Ort der Ideen“ ausgezeichnet

Grund zum Strahlen (v.l.n.r.): Dr. Roland Arbinger, Vizepräsident Prof.

Dr. Eckhard Friedrich, Prof. Dr. Reinhold S. Jäger,

Deutsche-Bank-Repräsentant Andreas Rohde und Prof. Dr. Peter Nenniger.

Das Zentrum für empirische pädagogische

Forschung (zepf) ist

einer der diesjährigen Sieger

im bundesweiten Wettbewerb

„365 und ein Orte im Land der

Ideen“. Ausgezeichnet wurde

der „Innovationspreis für nach-

haltige Bildung“, mit dem das

zepf seit 2006 herausragende

Projekte an allgemein- und

berufsbildenden Schulen kürt,

die nachweislich zu verbesserter

Ausbildung und erhöhtem

Wissensstand führen.

In einer kleinen Feierstunde nahmen

die Leiter des zepf, Prof. Dr.

Reinhold S. Jäger, Prof. Dr. Peter

Nenniger und Dr. Roland Arbinger,

die von Bundespräsident Horst Köhler

unterzeichnete Urkunde von

Andreas Rohde, Leiter des Öffentlichen

Sektors der Deutschen Bank

Mannheim, entgegen. Die Deutsche

Bank fördert als exklusiver

Partner diesen Wettbewerb, der

erstmals im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft

und als Teil der gemeinsamen

Standortinitiative

„Deutschland – Land der Ideen“ von

Bundesregierung und deutscher

Wirtschaft ausgeschrieben wurde.

Mit dieser Auszeichnung werde die

Bedeutung und Tragweite des

Innovationspreises für nachhaltige

Bildung bundesweit anerkannt,

freut sich Vizepräsident Prof. Dr.

Eckhard Friedrich. Der Innovationspreis

ist nur eines von zahlreichen

Projekten, das das zepf neben vielseitiger

Forschung durchführt. Einen

Überblick über die Arbeit des

bundesweit und auch international

tätigen zepf können sich Interessierte

am 15.12. verschaffen. Dann

wird sich das zepf als „ausgewählter

Ort“ der Öffentlichkeit präsentieren.

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NeuLand

Publizieren während der Promotion

Spätestens am Ende der Promotionsphase

ist das Thema

„Publizieren“ für alle Promovierenden

von Bedeutung. Dass

auch während der Arbeit an der

Dissertation verschiedene Publikationsmöglichkeiten

genutzt

werden können, erfuhren Studierende

und Promovierende in

der Informationsveranstaltung

„Publizieren während der Promotion“,

die das Interdisziplinäre

Promotionszentrum der

Universität Koblenz-Landau organisierte.

In drei Vorträgen wurde im Rahmen

der IPZ-Veranstaltung „Publizieren

während der Promotion“ der

Frage nachgegangen, welche Publikationsmöglichkeiten

bereits

während der Promotion bestehen.

Die ReferentInnen deckten verschiedene

Themenfelder ab: Publikation

von Studiumsabschlussarbeiten

und Sammelbänden, Veröffentlichungen

in Fachzeitschriften

und elektronisches Publizieren.

Thomas Metten, Doktorand der Germanistik

in Koblenz, berichtete

über die Publikation seiner Studiumsabschlussarbeit

und eines

Sammelbandes, den er im Kontext

einer interdisziplinären Vortragsreihe

am Campus Koblenz

realisiert hatte. Er legte dar, wie er

bei der Veröffentlichung seiner

Magisterarbeit vorgegangen ist,

welche Kosten damit verbunden

waren und empfahl den Anwesenden

als gute und kostengünstige

Option das Verfahren des „Prints

on Demand“. Er regte an, sich bei

Firmen um einen Druckkostenzuschuss

zu bemühen und berichtete

über die Schritte, die bei der

Publikation eines Sammelbands

zu beachten sind.

Jun.-Prof. Dr. Mario Gollwitzer,

Fachbereich Psychologie, gewährte

in seinem Vortrag einen umfassenden

Einblick in das Publizieren

in wissenschaftlichen Fachzeitschriften.

Er erläuterte, was Impact

Faktoren und Zitationsindizes sind

und welche Bedeutung sie im wissenschaftlichen

Kontext haben.

Gollwitzer legte sehr anschaulich

dar, wie der Publikationsmarkt (in

der Psychologie) funktioniert, welche

Hürden AutorInnen im so genannten

Peer-Review-Verfahren

überwinden müssen, um Artikel in

einer Fachzeitschrift zu platzieren

und gab abschließend wertvolle

Anregungen zu den „Dos and

Don’ts“ im Schreibprozess.

Der dritte Vortrag von Dr. Cindy

Leppla, stellv. Leiterin der Universitätsbibliothek

Landau, behandelte

das elektronische Publizieren

mit Open Access. Hierbei handelt

es sich um den weltweit kostenfreien

und uneingeschränkten Zugang

zu wissenschaftlichen Publikationen

und Forschungsergebnissen

in elektronischer Form. Leppla

erklärte den Anwesenden die Vorgehensweise

für das elektronische

Publizieren an der Universität Koblenz-Landau

und den hiesigen

Hochschulschriftenserver OPUS.

Wichtig sei laut Leppla auch, dass

bei der Veröffentlichung die Urheberrechte

gewahrt bleiben.

Dr. Kathrin Ruhl, Geschäftsführerin

des IPZ und Moderatorin der

Veranstaltung, ermutigte die

NachwuchswissenschaftlerInnen,

Das Publizieren ist für Nachwuchswissenschaftler

oft noch unbekanntes

Terrain: Eine IPZ-Veranstaltung

gab Einblicke in die Praxis.

die Promotionsphase für Publikationsprojekte

zu nutzen. Die TeilnehmerInnen

hatten sowohl während

der Veranstaltung als auch

beim anschließenden geselligen

Beisammensein die Möglichkeit,

Fragen an die ReferentInnen zu

richten und das Thema „Publizieren“

zu vertiefen.

Das IPZ sieht seine Aufgabe unter

anderem in der Professionalisierung,

Unterstützung und Weiterbildung

von DoktorandInnen. Im

Rahmen von Kursprogramm und

Career Service werden fachspezifische

und überfachliche Workshops

und Vorträge angeboten.

Nähere Informationen zum IPZ

sowie zu der Veranstaltung „Publizieren

während der Promotion“

unter:

www.ipz.uni-koblenz-landau.de

Neuland 3_08 Seite 14


NeuLand

Runter vom Schulhof –

Rauf auf den Campus

Annweilerer Gymnasiasten schnupperten Uni-Luft

Anfang Juni besuchten 21 Schülerinnen

und Schüler der Jahrgangsstufe

11 des Trifels-Gymnasiums

Annweiler eine Woche

lang die Universität in Landau.

Organisiert und betreut wurde

das „Schnupperstudium“ von

Studienberaterin Ursula Sitt,

Elena Emling und Carmen Zimmermann.

In einer Einstiegssitzung

brachten die Betreuerinnen

den Schnupperstudenten

die Grundlagen des Studiums

nahe und händigten ihnen

einen individuell abgestimmten

Stundenplan aus. Ein Besuch

der zahlreichen universitären

Außenstellen und eine

Führung über den Campus rundeten

das Programm ab. Dann

hieß es für die Schülerinnen

und Schüler, eigene Erfahrungen

auf dem Campus und im

studentischen Alltag zu sammeln.

Großen Anklang fanden die vielen

Freiheiten und Selbständigkeiten,

die das Studentenleben im Vergleich

zum Schülerdasein bietet.

Auch das breite Lehrangebot, die

Zwanglosigkeit des Lernens, sowie

die Idee des „Schnupperstudiums“

als solche gefiel den

Schnupperstudenten. Viele Vorurteile

und Befürchtungen vor dem

universitären Alltag, so die Schüler,

konnten abgebaut werden. Man

wisse nun, was ein Studium an der

Universität in Landau eigentlich

bedeute. Überrascht waren die

Schüler von dem unverkrampften

Umgang der Dozenten mit den Studierenden

und der lockeren Atmosphäre

auf dem Campus. Auch die

Größe der Universität und die Anzahl

der Studierenden machten

die ersten Schritte im universitären

Umfeld zu einer neuen Erfahrung.

Bei einem abschließenden Treffen

der Schnupperstudenten mit Elena

Emling und Carmen Zimmermann

konnten die Schülerinnen und Schüler

von ihren Erlebnissen während

der Uni-Woche berichten. Von Pro-

blemen mit der - an der Universität

obligatorischen - hochdeutschen

Sprache, ausgefallenen oder überfüllten

Vorlesungen und von interessanten

Erfahrungen in einem

Seminar über Wahrnehmungspsychologie

oder in der Zooschule war

die Rede. Auch die Vorzüge eines

ausgiebigen Mensa-Aufenthalts

oder die Gleichbehandlung mit den

anderen Studenten wurden lobend

hervorgehoben. Für die angehenden

Studierenden und auch für jene,

die kein Studium anstreben, lag

der Wert der Schnupper-Woche in

der Vielfalt der Erlebnisse. Denn

ganz gleich, welche Erfahrungen

die Schülerinnen und Schüler aus

Annweiler während der Schnupper-

Woche auf dem Campus machen

durften: der Schritt ins Studium

dürfte ihnen nun um einiges leichter

fallen.

HENNING KÖHLER

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