Geht Nordic Walking auch nach Bandscheibenvorfall?

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Geht Nordic Walking auch nach Bandscheibenvorfall?

– aktuelle medizin – leserforum

Fragen zu einer „Ganzkörper-Sportart mit Allradantrieb“

Geht Nordic Walking auch nach

Bandscheibenvorfall?

Nordic Walking wieder unbeschwert

ermöglichen.

Nordic Walker: Stimmt hier der Stockeinsatz?

Nordic Walking eignet sich auch

zur Reha, erklärte Dr. med. Klaus

Bachfischer, Ärztlicher Direktor des

Orthopädischen Fachzentrums Weilheim,

in MMW Nr. 29-30/2005, S. 19.

Zu diesem Interview erreichten uns

mehrere Leseranfragen, die

Dr. Bachfischer hier beantwortet:

Foto: privat

Frage von Gisela Modersohn-

Meyer:

Ich habe eine Frage an

Herrn Dr. Bachfischer: Vor

einigen Jahren wurden bei

mir zwei Bandscheibenvorfälle

der HWS diagnostiziert.

Jedes Mal, wenn ich

Nordic Walking gemacht

habe, bekam ich wieder

Schmerzen im Schulterbereich und der

Schwindel trat wieder ein. Meine Frage:

Soll ich es trotzdem immer wieder

versuchen, oder ist es wegen der Bandscheibenvorfälle

nicht angebracht,

Nordic Walking zu machen?

Dr. med. Klaus

Bachfischer,

Weilheim

Antwort:

Bei Ihnen ist es entscheidend, in welcher

Höhe die Bandscheibenvorfälle

an der Halswirbelsäule vorliegen und

ob diese aus medizinischer Sicht

Schwindel und Schulterschmerzen

auslösen können. Um dies zu

klären, sollten Sie Rat bei Ihrem

behandelnden Arzt einholen.

Prinzipiell wird die Halswirbelsäule

beim Nordic Walking

nicht sehr stark beansprucht.

Auch tritt keine verstärkte

Reklination (eine Überstreckung

des Kopfes nach

hinten) im Bewegungsablauf

auf, sodass diese Sportart auch

für Patienten mit Bandscheibenvorfällen

als geeignet angesehen

wird. In Ihrem speziellen

Fall wäre es gut, wenn Sie Ihre

Technik beim Laufen zusätzlich von

einem erfahrenen Trainer überprüfen

lassen würden. Oft gibt es an der einen

oder anderen Stelle kleine Veränderungsmöglichkeiten,

die Ihnen das

Foto: Pöhlmann/Mauritius

Frage von Dr. med. Hans Niederhuber,

Neuendettelsau:

Beim Betrachten des Bildes in der

MMW fallen mir zwei Dinge auf: Bei

dieser Marschgeschwindigkeit erreicht

keiner einen effektiven Puls. Aber vielleicht

noch wichtiger: Keiner hat den

Daumen in der Daumenschlaufe! Seit

ich konsequent die Daumenschlaufe

beim Nordic Walking benutze, sind

meine anfänglichen Epicondylitisbeschwerden

ohne weiteren Maßnahmen

abgeklungen. Vielleicht hilft dieser

Tipp anderen weiter.

Antwort:

Vielen Dank für Ihren Tipp. Ihr Beispiel

macht ganz deutlich, wie wichtig

die richtige Technik und Anwendung

der Stöcke ist. Auf einem gedruckten

Bild die reelle Marschgeschwindigkeit

zu erkennen, ist sicherlich schwierig.

Generell haben Sie aber recht, dass

man beim Walken darauf achten sollte,

die Belastung durch Geschwindigkeit,

Schrittlänge, Stockeinsatz individuell

einzustellen, um den richtigen

Puls und damit einen optimalen Trainingseffekt

zu erhalten.

Frage von Joachim Schlüter, Hamburg:

Gibt es irgendwo eine Übersicht über

die „technischen“ Anforderungen bei

Nordic Walking, wie Länge der Stöcke,

spezielles Schuhwerk etc.? Gibt es

eventuell eine Website, auf der man

solche Dinge nachlesen kann. Oder

können Sie mir da ein paar nützliche

Hinweise geben?

Schuhwerk: Eignen sich ganz normale

Joggingschuhe oder muss es ein spezieller

Walking-Schuh sein? Welche

besonderen Anforderungen muss das

Schuhwerk erfüllen?

16 MMW-Fortschr. Med. Nr. 38 / 2005 (147. Jg.)


– aktuelle medizin – leserforum

Stöcke: Wie lang müssen die Stöcke

sein – etwa wie beim Skilanglauf oder

eher wie beim Bergwandern? Gibt es

ein Richtmaß?

Stockeinsatz: Man sieht ja allerorten,

dass die meisten Nordic Walker die

Stöcke nur „mitschleppen“. Wie stark

sollte der Stockeinsatz sein? Soll man

sich kraftvoll abdrücken, oder reicht es

aus, die natürlichen Bewegungen der

Arme zu unterstützen?

Antwort:

Sie sprechen ein paar heiß diskutierte

Themen in der noch jungen Trendsportart

an. Eine spezielle Internetseite,

auf der alle Ihre Fragen beantwortet

werden, gibt es leider nicht. Sie könnten

sich die gewünschten Informationen

stattdessen aber über verschiedene

Seiten oder Foren zusammen suchen.

Dort werden jeweils unterschiedliche

Aspekte und Perspektiven beleuchtet.

Gerne möchte ich im Einzelnen auf

Ihre Fragen eingehen:

Schuhwerk: Zumindest am Anfang

müssen es keine speziellen Nordic-

Walking-Schuhe sein. Ein gut sitzender

Schuh mit starkem Halt und

Rutschfestigkeit sollte jedoch Grundvoraussetzung

sein.

Foto: Fufy/IFA-Bilderteam

Die Schlaufen an den Stöcken sollten auch genutzt werden.

Stöcke: Hier gibt es bestimmte Formeln,

um die geeignete Stocklänge zu

errechnen. Beispielsweise die 90˚-Regel:

Wenn Oberarm und Unterarm einen

90°-Winkel bilden, ist die Länge

richtig. Am besten ist es jedoch, einfach

Stöcke unterschiedlicher Länge

auszuprobieren und die jeweilige individuelle

Länge festzustellen.

Stockeinsatz: Wenn man die Stöcke

mitschleift, ist das eigentlich kein Nor-

dic Walking mehr. Bei korrekter Technik

werden die Arme in einem harmonischen,

diagonalen Bewegungsablauf

aufgesetzt und die Stärke des Stockeinsatzes

nach der körperlichen Verfassung

durchgeführt. Vermieden werden

sollte dabei jedoch, den gesamten Körper

zu massiv abzudrücken.

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In diesen Monaten befragt

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18 MMW-Fortschr. Med. Nr. 38 / 2005 (147. Jg.)

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