Hüftarthroskopie – ambulant oder stationär?

ofz.online.de

Hüftarthroskopie – ambulant oder stationär?

Fortbildung

Im Gespräch

Im Gespräch

Hüftarthroskopie – ambulant oder

stationär?

Die Hüftarthroskopie hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung

gewonnen. Doch noch immer stellt diese Operationsmethode hohe

Anforderungen an das handwerkliche Können und die instrumentelle

Ausstattung. Dr. Klaus Bachfischer, Weilheim, und Dr. Michael

Dienst, Homburg/Saar, im Gespräch über notwendige Voraussetzungen

und wirtschaftliche Aspekte der Operationsmethode.

Die Hüftarthroskopie scheint an Bedeutung

zu gewinnen. Wie würden Sie

?

denn den aktuellen Stellenwert der noch

jungen Operationsmethode einschätzen?

Bachfischer: Seit einigen Jahren beobachte

ich zunehmende wissenschaftliche

Aktivitäten im Bereich der gelenkerhaltenden

operativen Therapie am Hüftgelenk.

Nicht nur Umstellungsosteotomien

oder pfannenverbessernde Eingriffe,

sondern auch komplexere biomechanische

Korrekturen, zum Beispiel

zur Offset-Verbesserung und bei femoro-acetabulärem

Impingement werden

erforscht und durchgeführt. Durch die

technischen Verbesserungen der Arthroskopie

am Hüftgelenk sind jetzt

auch zusätzliche Krankheitsbilder sinnvoller

und ohne eine deutliche operative

Morbidität zu behandeln.

Welche Krankheiten sind das denn genau,

die arthroskopisch behandelt wer-

?

den können?

Dienst: Die Indikationsliste zur Hüftarthroskopie

ist vor allem in den letzten

fünf Jahren wesentlich erweitert worden.

Auch komplexere Pathologien

werden mittlerweile arthroskopisch behandelt,

sodass die offenen Operationsverfahren

am Hüftgelenk weiter in den

Hintergrund gedrängt werden. Ich

möchte Ihnen gerne einen Überblick

über die Erkrankungen geben, bei denen

sich eine Hüftarthroskopie anbietet:

Das Vorliegen von freien Körpern

ist eine seltene, aber optimal geeignete

Indikation zur arthroskopischen Intervention.

Selbst größere freie Körper

können arthroskopisch zerkleinert und

dann entfernt werden. Die Ergebnisse

sind sehr gut. Bei Verdacht auf Labrumläsionen

müssen Zuweiser und Operateur

sich immer die Frage stellen, ob

hier nicht eine weitere Pathologie vorliegt,

die für eine Labrumveränderung

ursächlich ist. Isolierte Labrumläsionen

sind meiner Erfahrung nach sehr selten,

sie sind meistens die Folge eines femoroazetabulären

Impingements, einer

Dysplasie oder einer anderen Gelenkfehlstellung.

Refixationen machen nur

dann Sinn, wenn das Labrum instabil,

nur wenig degenerativ verändert ist und

(!) die Ursache der Labrumläsion mitbehandelt

wird. So wäre eine Refixation

des Labrums bei Vorliegen einer Dysplasie

höheren Abweichungsgrades nur

dann indiziert, wenn das Gelenk einoder

kurzfristig zweizeitig umgestellt

wird. Bei Labrumresektionen sollte sehr

zurückhaltend reseziert werden, um

möglichst viel Labrumgewebe zu erhalten.

Dies gilt im besonderen Maße bei

Vorliegen einer Dysplasie, bei der das

Labrum die „letzte Leitplanke“ ist. Synoviale

Erkrankungen wie Chondromatose,

Synovitiden etc. sind eine gute Indikation

zur Hüftarthroskopie. Denn

sie bieten eine einfache Inspektion und

Biopsie auffälliger Schleimhautareale

bis hin zur umfangreichen Chondromentfernung

und ausgedehnten Synovektomie.

Bei Rezidiveingriffen oder Vorliegen

einer pigmentierten villonodulären

Synovitis sollte die Arthroskopie

Dr. med. Michael Dienst

Oberarzt an der Orthopädische

Uniklinik

Homburg/Saar:

„Bei fortgeschrittenen

Coxarthrosen

mit deutlichen Bewegungseinschränkungen

macht eine

arthroskopische Intervention

keinen

Sinn.“

Dr. med. Klaus Bachfischer

Ärztlicher Direktor

des Orthopädischen

Fachzentrums (OFZ)

Weilheim: „Um eine

Hüftarthroskopie

erfolgreich zu meistern,

bedarf es einer

großen Routine und

Erfahrung.“

mit einer Radiosynoviorthese nach sechs

bis zwölf Wochen kombiniert werden.

Auch die akute, septische Arthritis ist

eine sehr gute Indikation für ein arthroskopisches

Debridement und eine

Antibiotikumträgereinlage. An unserer

Klinik lavagieren und debridieren wir in

allen Fällen nach zwei bis drei Tagen ein

zweites Mal, es folgt eine sechswöchige

Antibiotikumgabe nach Antibiogramm.

Bei Coxarthrose ist eine arthroskopische

Behandlung nur dann indiziert,

wenn die Knorpelschäden lokalisiert

sind, der Gelenkspalt noch ausreichend

erhalten ist, der Verdacht auf eine mechanische

Irritation, zum Beispiel durch

ein osteochondrales Fragment oder

Knorpellappen besteht, und die Gelenkbeweglichkeit

noch erhalten ist.

Hier bietet die Arthroskopie die Möglichkeit

des Debridements bis hin zur

32

Ambulante Chirurgie 5·2006

32-36.indd 32 29.09.2006 09:33:09


Abrasionsarthroplastik und Mikrofrakturierung.

Bei Rupturen des Ligamentum

capitis femoris ist die präoperative

Diagnose oftmals nur schwer zu stellen,

wenn überhaupt meist nur durch die

Anfertigung eines MR-Arthrogramms.

Hinweise geben ein Abduktions-Außenrotationstrauma

oder eine Fehlstellung

wie eine Dysplasie oder Koxa magna

nach Epiphyseolysis capitis femoris.

Die Ergebnisse der arthroskopischen Ligamentresektion

sind bei noch gutem

Zustand des Knorpels hervorragend.

Auch bei Vorliegen eines femoroazetabulären

Impingements bietet die Hüftarthroskopie

zunehmend bessere Behandlungsmöglichkeiten.

Insbesondere

die femorale Fehlform, das Cam-Impingement,

kann arthroskopisch gut

durch eine Taillierung des ventrolateralen

Kopf-Hals-Übergangs behandelt

werden.

Problematisch ist die Arthroskopie

noch bei Vorliegen einer fortgeschrittenen

azetabulären Form, dem sog.

Pincer-Impingement. Die arthroskopische

temporäre Ablösung des Labrum

acetabulare, Zurücktrimmen des

Pfannenrandes und Refixation des

Labrum ist noch nicht etabliert. Unklare

Hüftschmerzen sind seltener geworden.

Bei positivem LA-Test und

nicht richtungsweisender radiologischer

Diagnostik kann eine diagnostische

Arthroskopie indiziert sein. Eine

therapieresistente Psoastendinitis bzw.

eine schmerzhaftes Psoasspringen kann

eine Tenotomie erforderlich machen.

Diese kann arthroskopisch oder endoskopisch

minimal-invasiv über das Gelenk

oder extraartikulär am Trochanter

minor erfolgen.

Eine Hüftkopfnekrose ist nur in

Ausnahmefällen eine Indikation zur

Hüftarthrokopie, wie bei noch gut erhaltenem

Gelenkspalt und dem Verdacht

auf eine mechanische Irritation

zum Beispiel durch einen Knorpellappen

oder ein osteochondrales Fragment.

Eine Osteochondrosis dissecans des

Hüftkopfes ist extrem selten, dann aber

eine gute Indikation zur Arthroskopie.

Die Indikation zur Arthroskopie eines

endoprothetischen Gelenkersatzes stellt

sich unserer Erfahrung nach nur bei

Vorliegen einer schmerzhaft springenden

Psoassehne.

Im Umkehrschluss: Bei welchen Erkrankungen

des Hüftgelenkes eignet sich

?

denn besser ein offenes Verfahren?

Dienst: Es gelten die gleichen Grundsätze

wie bei anderen Gelenken. Eine arthroskopische

Intervention bei fortgeschrittenen

Coxarthrosen mit deutlichen

Bewegungseinschränkungen macht keinen

Sinn. Hier sollte eine endoprothetische

Versorgung erfolgen. Auch bei

fortgeschrittenen synovialen Erkrankungen

wie Osteo-/Chondromatosen

mit großen Chondromen oder Chondromkonglomeraten

insbesondere mit

Bewegungseinschränkung empfiehlt sich

ein offenes Vorgehen. In diesen Fällen ist

die arthroskopische Zerkleinerung der

Osteochondrome zu zeitaufwendig, zudem

ist hier ein umfangreiches Release

erforderlich, welches effektiver offen

durchgeführt werden kann. Ein femoroazetabuläres

Impingement vom Pincer-

Typ ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt

noch die Domäne der offenen Behandlung.

Wie erfolgt denn die Indikationsstellung

? zur Hüftarthroskopie im niedergelassenen

ambulanten Bereich?

Bachfischer: Zum einen ist es wichtig,

die entsprechenden Krankheitsbilder zu

erkennen. Hierzu ist die genaue klinische

Untersuchung in Kombination

mit der Basisbildgebung, also einer genauen

Röntgenbildanalyse, sowie speziellen

Bildgebungsverfahren bis hin zur

Magnetresonanz-Tomographie (MR)

mit intraartikulärem Kontrastmittel nötig.

Dies in enger Zusammenarbeit mit

einem darauf spezialisierten Radiologen.

Sollte man selbst die Möglichkeit zur

Durchführung von MR haben, ist eine

oftmals noch raschere Diagnostik möglich.

Die Indikation zur Arthroskopie

selbst sollte dann endgültig der die arthroskopische

Operation durchführende

Facharzt stellen, wobei wir niedergelassenen

Orthopäden dabei eine wesentliche

richtungsweisende Empfehlung

vornehmen können und müssen.

Gibt es denn auch Kontraindikationen,

? die bei der Indikationsstellung zur Hüftarthroskopie

bedacht werden müssen?

Dienst: Ja, so sollte z.B. eine akute Azetabulumfraktur

nicht arthroskopiert

werden. Denn dabei ist das Risiko zu

groß, dass Flüssigkeit durch die Frakturspalten

in das Retroperitoneum und

durch Kapselrisse in das periartikuläre

Weichteilgewebe gepresst wird. Ein Zuwarten

von vier bis sechs Wochen zum

Beispiel zur Entfernung von intraartikulären

Fragmenten ist empfehlenswert.

Auf weniger gute Indikationen wie das

Vorliegen einer Hüftkopfnekrose wurde

bereits eingegangen. Grundsätzlich

muss berücksichtigt werden, dass die

Arthroskopie abgesehen von den meisten

Formen des femoroazetabulären

Impingements die biomechanische Situation

nicht verändert. So muss der

Patient beispielsweise bei Vorliegen einer

Dysplasie darauf hingewiesen werden,

dass möglicherweise eine Umstellungsosteotomie

notwendig ist. Die Arthroskopie

kann hier nur die Funktion

der Abklärung und die Therapie intraartikulärer

Folgeschäden wie Labrumläsionen

oder Rupturen des Lig. capitis

femoris übernehmen. Der Patient muss

zudem darüber aufgeklärt werden, dass

eine Umstellung auf eine offenes Verfahren,

ein- oder zweizeitig, möglich

werden kann. Wie in anderen Gelenken

besteht das Risiko, dass es intraartikulär

zu einem Instrumentenbruch kommt.

Zudem kommt es – insbesondere bei

gedrungenen, muskelkräftigen und

männlichen Patienten mit länger bestehender

Gelenkerkrankung – vor, dass

keine ausreichende Distraktion von

Kopf und Pfanne erzielt werden kann.

Welche apparative und instrumentelle

? Ausstattung muss zur Durchführung einer

Hüftarthroskopie vorhanden sein?

Dienst: Über die Standardausrüstung

zur Arthroskopie des Knie- oder Schultergelenks

hinaus ist eine besondere Zusatzausstattung

erforderlich. Die Lagerung

kann in Rücken- oder Seitenlage

auf einem regulären Extensionstisch erfolgen.

Empfehlenswert ist ein besonders

dick gepolsterter Gegenzugstab,

um Probleme im Leisten- und Genitalbereich

zu vermeiden. Alternativ können

spezielle Tischanbauten verwendet

werden, die mittlerweile von verschiedenen

Firmen angeboten werden (z.B.

Firma Arthrex, Karlsfeld; Firma Innomed,

Savannah, GA, U.S.A.; Firma

Smith & Nephew, Hamburg). Zur Portalanlage

muss selbst für den fortge-

Ambulante Chirurgie 5·2006

33

32-36.indd 33 29.09.2006 09:33:12


Fortbildung

Im Gespräch

schrittenen Arthroskopeur ein Röntgenbildwandler

vorhanden sein. Zur

Arthroskopie des Hüftgelenks können

bei den meisten Patienten reguläre

4mm-Arthroskop-Schaftsysteme verwendet

werden. An die Grenzen stößt

man hier jedoch bei weichteilkräftigen,

adipösen Patienten, für die Arthroskopschäfte

mit größerer Schaftarbeitslänge

verwendet werden müssen. Es

sollten mindestens zwei, besser drei Arthroskopieschäfte

vorhanden sein, um

zwischen den Portalen hin- und herwechseln

zu können, ohne dauernd den

Schaft neu ein- und ausführen zu müssen.

Zur Portalanlage muss ein System

aus Metallkanülen, Führungsdraht und

kanülierten Trokaren zur Verfügung

stehen. Zur diagnostischen Arthroskopie

gehört ein überlanger Tasthaken.

Die operative Arthroskopie wird erst

durch den Einsatz von überlangen Shavern,

besonderen HF-Instrumenten

und überlangen handbetriebenen Instrumenten

möglich. Wenngleich in vielen

Fällen auch Instrumente normaler

Länge verwendet werden können, erfordert

z.B. das Arbeiten in der Fossa acetabuli,

die größere Arbeitslänge bei Verwendung

des dorsolateralen Portals und

die Arthroskopie von weichteilkräftigeren

Patienten überlange Instrumente.

Vorteilhaft sind besondere Arbeitshülsen

unterschiedlichen Durchmessers

und Länge. Mittlerweile werden komplette

Arthroskop- und Instrumentiersystem

von verschiedenen Herstellern

angeboten (z.B. Arthrex, Karlsfeld;

Storz, Tuttlingen; Stryker, Duisburg;

Smith & Nephew, Hamburg)

Ist unter diesen Bedingungen eine Hüft-

? Arthroskopie auch in einer ambulanten

Einrichtung machbar?

Bachfischer: Prinzipiell machbar ist es

schon. Grundvoraussetzungen sind das

Vorhandensein einer modernen ASK-

Einrichtung, einer Extensionstischlagerung

mit allen dazugehörigen zusätzlichen

Polsterungen und eine Bildwandlereinheit.

Der OP-Saal muss auch so

großzügig sein, dass die gleichzeitige

Verwendung dieser drei Gerätschaften

und eine intraoperative eventuell nötige

Umlagerung trotz aller Geräte möglich

ist. Dies ist in reinen ambulanten Einrichtungen,

die von niedergelassenen

Ärzten betrieben werden, sicherlich nur

sehr selten möglich. Auch das Personal

muss für diese OP gut eingearbeitet

werden.

Wie ist bei gegebener Indikation der operative

Ablauf einer Hüftarthroskopie?

?

Dienst: Der Patient kann auf dem Rücken

oder der Seite gelagert werden, wir

bevorzugen die Rückenlage auf einem

Extensionstisch. Arthroskopisch müssen

zwei Bereiche des Gelenks untersucht

und behandelt werden: Der Bereich

innerhalb des Labrum acetabulare

zwischen Kopf und Pfanne („zentraler

Bereich“) und der Bereich außerhalb

des Labrum acetabulare um den Kopf

und Schenkelhals herum („peripherer

Bereich“). Es ist verständlich, dass der

zentrale Bereich nur unter Zug am Bein

(Traktion) arthroskopisch angegangen

werden kann. Es hat sich gezeigt, dass

der periphere Bereich wesentlich besser

ohne Traktion arthroskopiert werden

kann, zudem ist es dabei vorteilhaft,

wenn das Bein frei bewegt werden kann.

Im zweiten Teil der Arthroskopie wird

daher der periphere Bereich ohne Traktion

arthroskopiert. Meistens müssen

drei bis fünf verschiedene Portale zum

Hüftgelenk angelegt werden, sodass im

Hüftbereich nach der Operation drei

bis fünf kleine Hautschnitte zu finden

sind. Je nach Komplexität des Eingriffs

dauern arthroskopische Eingriffe am

Hüftgelenk beim erfahrenen Arthroskopeur

45 bis 180 Minuten.

Und wie erfolgt die peri- und postoperative

Betreuung und Rehabilitation eines

?

hüftarthroskopierten Patienten?

Dienst: Einfache diagnostische oder

kurze therapeutische Eingriffe am Hüftgelenk

könnten prinzipiell ambulant

durchgeführt werden. Aber im Hinblick

auf die größtenteils fehlende Erfahrung

nicht spezialisierter Kliniken und niedergelassener

Kollegen, den großen instrumentellen

und logistischen Aufwand

und die fragliche Honorierung im ambulanten

Bereich ist dies jedoch auch

bei kurzen Eingriffen in Frage zu stellen.

Wir empfehlen zum gegenwärtigen

Zeitpunkt noch eine stationäre Behandlung

über drei bis fünf Tage. Wir beginnen

ab dem erstem postoperativen Tag

mit einer Motorschienenbehandlung

und physiotherapeutischen Behandlung.

Bei einer Abrasionsarthroplastik,

Mikrofrakturierung oder Arthroskopie

beim femoroazetabulären Impingement

wird die Motorschienenbehandlung bis

mindestens in der sechsten Woche postoperativ

fortgeführt. Bei den Maßnahmen

am Knorpel wird das operierte

Bein an zwei Unterarmgehstützen für

sechs Wochen entlastet (Abrollbelastung),

in allen anderen Fällen (auch

der Taillierung am Femurkopf-Schenkelhals-Übergang)

erfolgt eine schmerzadaptierte

Aufbelastung über 7-14 Tage.

Die Patienten werden angehalten, frühzeitig

auf dem Ergometer zu trainieren,

zunächst ohne Widerstand. Als Grenze

der Nachbehandlungsintensität und -

frequenz gilt für alle Patienten die Provokation

von Schmerz. Je nach Art des

Eingriffs und Sportart können Sportler

meistens bereits nach wenigen Wochen,

seltener erst nach drei bis vier Monaten

wieder voll trainieren.

Wie sieht denn die wirtschaftliche Kalkulation

einer Hüftarthroskopie in einer

?

reinen ambulanten Einrichtung aus?

Bachfischer: Hier sind viele verschiedene

Aspekte zu berücksichtigen. Geht

man von einer bereits vorhandenen Arthroskopieeinrichtung

und einem Bildwandler

aus, so fallen zusätzliche Investitionskosten

für einen Extensionstisch

und die dazugehörige Polsterung an.

Auch die gesamte Abdeckung ist deutlich

aufwendiger als bei Knie- oder

Schulterarthroskopien. Zusätzlich erforderlich

sind dann noch die speziellen

Kanülensysteme für Hüftarthroskopien.

Und was ist mit dem Zeitaufwand im

? OP?

Bachfischer: Das ist schwierig einzuschätzen.

Die Arthroskopie des Hüftgelenkes

kann sicherlich nicht im Schnelldurchgang

ausgeführt werden. Wenn

dann auch noch ausgedehnte therapeutische

Maßnahmen durchzuführen sind,

ist eine Stunde schnell vergangen. Man

darf nicht vergessen, dass dann neben

den Kosten für den OP-Saal auch noch

das OP-Personal und eine ärztliche Assistenz

erforderlich sind. Die Gesamtkosten

hierfür sind natürlich vom vollständigen

Zeitaufwand abhängig und

34

Ambulante Chirurgie 5·2006

32-36.indd 34 29.09.2006 09:33:12


Fortbildung

Im Gespräch

Foto: M. Dienst

Arthroskopie einer linken Hüfte: Arthroskop von dorsolateral, Schaft mit Trokar von

ventrolateral und Zange von ventral.

der ist bei der aufwendigen Lagerung,

eventuellen Umlagerung und Einstellung

mit dem Bildwandler eher höher

zu kalkulieren. Auch die Lernkurve sollte

großzügig berücksichtigt werden.

Wie sieht die Abrechnung einer ambulanten

Hüftarthroskopie beim Kassen-

?

patienten aus?

Bachfischer: Im EBM2000+ gibt es

eine klare Zuordnung je nach Operation.

Hierbei werden die jeweiligen Abrechnungsziffern

von der einfachen

reinen aseptischen Spülung über die

Knorpelbehandlung bis hin zur totalen

Synovektomie oder einer arthroskopischen

Spongiosaplastik genau angegeben.

Dazu kommen noch die Pauschalen

für das Verbrauchsmaterial wie bei

allen arthroskopischen Operationen.

Spezielle Instrumente wie Kanülen,

Shaver oder Vapor sind nicht gesondert

abrechenbar. Auch die ärztliche Assistenz

wird nicht vergütet.

In welcher Form gestaltet sich dies bei

? Privatkassen?

Bachfischer: In der GOÄ gibt es keine

klare Zuordnung. Ich sehe hier eine ähnliche

Problematik wie in der arthroskopischen

Schulterchirurgie, bei der zunehmend

nur offen abrechenbare Eingriffe

auch arthroskopisch durchgeführt wurden.

Hier ist dann nur eine teilweise analoge

Abrechnung möglich. Die Kosten

für die zusätzlichen Einmalmaterialien

werden allerdings von den Privatkassen

zum genauen Einkaufspreis akzeptiert.

Sie raten also eher nicht zur ASK des

? Hüftgelenkes in einer ambulanten Einrichtung?

Bachfischer: Um eine Hüftarthroskopie

erfolgreich zu meistern, bedarf es

einer großen Routine und Erfahrung

nicht nur des Operateurs, sondern des

gesamten Teams. Um eine ausreichend

hohe Frequenz an derartigen Eingriffen

durchzuführen ist eine Zentrumsbildung

notwendig. Meiner Meinung nach

sollte dies auch im Niedergelassenenbereich

so respektiert werden. Eine ambulante

Durchführung der Arthroskopie

ist dort dann meines Erachtens prinzipiell

schon möglich, gerade weil auch bei

Bedarf eine stationäre Weiterbehandlung

in einer Hand möglich ist. Zum

anderen sind arthroskopische Operationen

im ambulanten Bereich nur dann

kostendeckend durchführbar, wenn sie

rasch und ohne Komplikationsrisiko

durchgeführt werden können. Dies ist

derzeit bei der Hüft-Arthroskopie sicherlich

nicht gegeben.

Wie schätzen Sie denn hinsichtlich der

? aktuellen Entwicklungstrends bei der

arthroskopischen und minimal-invasiven

Hüftchirurgie die Chancen für die Zukunft

ein?

Dienst: Das Interesse an der Hüftarthroskopie

ist in den letzten drei Jahren

exponentiell gestiegen, nicht zuletzt

im Hinblick auf die deutlich verbesserten

technischen Möglichkeiten und

vermehrten Erkenntnisse pathogenetischer

Zusammenhänge. In den USA

haben sich bereits vor wenigen Jahren

einige Zentren etabliert, die ihr Behandlungsspektrum

auf die Arthroskopie des

Hüftgelenks ausgedehnt haben. Im Bereich

der Hüftchirurgie wird sich ein

Behandlungszentrum perspektivisch

nur dann behaupten können, wenn arthroskopische,

minimal-invasive und

offene gelenkerhaltende Operationen

im Spektrum angeboten werden. Problematisch

ist sicherlich die flache Lernkurve

beim Erlernen der Hüftarthroskopie.

Über Hospitationen hinaus sollte

zunächst die Möglichkeit der Teilnahme

an Kadaverkursen oder Bewerbung

um Fellowships bedacht werden, bevor

„Experimente“ am Patienten durchgeführt

werden. Es ist davon auszugehen,

dass seitens der Industrie zunehmend

Instrumente und Lagerungsmittel angeboten

werden, welche die Portalanlage

und den Ablauf der Hüftarthroskopie

vereinfachen und den Zeitbedarf der

Operation reduzieren. In einigen Jahren

werden wir – ähnlich der Rekonstruktion

der Rotatorenmanschette in der

Schulter – in der Lage sein, komplexe

Eingriffe an Labrum und Gelenkkapsel

und Knorpelzelltransplantationen bzw.

Knorpelmatriximplantationen durchzuführen.

Offene Verfahren werden ihre

Berechtigung behalten, aber zunehmend

in den Hintergrund gedrängt

werden.

Bachfischer: Die arthroskopischen Behandlungen

am Hüftgelenk stellen eine

wesentliche Erweiterung des diagnostischen

und therapeutischen Spektrums

für diese Gelenk dar. Nur bei sehr guter

Vorerfahrung ist die Durchführung im

niedergelassenen ambulanten Bereich

derzeit sinnvoll. Die Honorierung dieser

sehr speziellen und aufwendigen

operativen Therapie ist derzeit sicherlich

nicht ausreichend abgebildet.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

!

Das Gespräch führte Eva Hoppmann.

36

Ambulante Chirurgie 5·2006

32-36.indd 36 29.09.2006 09:33:12

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine