Spielen - Freizeit und Spiel

freizeit.und.spiel.de

Spielen - Freizeit und Spiel

Ausgabe

3/2009

9. Jahrgang

12,00 Euro

FreeLounge

Fachmagazin für kommunale Frei-Räume

Spielen

im Wandel der Zeit


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Neu als Chefredakteurin

Nach fast einem Jahr als Redakteurin

ist Dr. Anke Münster seit September

Chefredakteurin der FreeLounge. Sie

löst Maike Söltl ab, die sich anderen

Aufgaben widmet.

Die promovierte Kunsthistorikerin

und studierte Journalistin hatte

schon immer ein besonderes Faible

für Kunst im öffentlichen Freiraum.

Einige Jahre in einer PR-Agenturmit

dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit

für Kommunen und kulturelle

Organisationen kamen hinzu.

Außerdem Textprojekte für Hersteller

der Branche und schließlich die

Praxiserfahrungen, die sie mit den

eigenen Kindern auf den Spielplätzen

der Stadt Köln gesammelt hat. Für

dieses Fachmagazin also eine ideale

Besetzung. Im November 2008 wurde

sie von ihrer langjährigen Kollegin

Dagmar Thiemann zur FreeLounge

geholt – gemeinsam mit ihrem

Kollegen Ludwig Keißner haben beide

noch eine Menge mit diesem Fachmagazin

vor.

FreeLounge auf der FSB –

Halle 3.2, Stand A011

Liebe Leserinnen und Leser,

die Recherche für diese Ausgabe hat uns besonders viel Spaß gemacht – denn „Spielen

ist das große Schwerpunktthema dieser Ausgabe. Passend zur großen Leitmesse

der Branche, der FSB.

Die Facetten, unter denen wir das Spiel im öffentlichen Freiraum für Sie betrachten,

sind sehr vielfältig: Wir haben weit in die Vergangenheit zurückgeblickt und

den Landschaftsarchitekten Daniel Rimbach, der über die Entwicklungsgeschichte

öffentlicher Freiräume für Kinder promoviert hat, um einen Gastbeitrag gebeten.

Heraus gekommen ist dabei gleich eine 4-teilige Serie, die in dieser Ausgabe mit der

„Entdeckung der Kindheit“ in den Jahren bis 1850 startet.

Die Betrachtung der Gegenwart nimmt natürlich den größten Teil des Heftes ein:

Sie fi nden inspirierende Spielideen für den öffentlichen Raum, eine Bestandsaufnahme

über die Freiheit und die Möglichkeiten des Spielens im öffentlichen Raum

im Leitartikel, Kunstprojekte wie die kleinen Figuren des Streetart-Künstlers Slinkachu,

einen Überblick über sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten und Beispiele für

generationenübergreifende Spielparcours sowie den Gastbeitrag von Holger Hofmann

vom Deutschen Kinderhilfswerk über Jugendprojekte in Bremen. Apropos: Das

Deutsche Kinderhilfswerk steht inzwischen 13 Modellkommunen im Rahmen des

Projektes „Kinderfreundliche Stadtgestaltung“ zur Seite, lesen Sie, warum sich das

Mitmachen lohnt.

Bei der Bestandaufnahme durch die Vielfalt des Spiels im öffentlichen Raum darf

der Blick in die Zukunft nicht fehlen: Sie erfahren, wie der Städter heute über GPS

spielt und welche Erfahrungen man in Pfronten mit einem der ersten Computerspielplätze

gemacht hat.

Einen Vorgeschmack auf die FSB gibt Ihnen der Marktmonitor, in dem wir wieder

Neuheiten vorstellen. Die FreeLounge steckt also wieder einmal voller interessanter

Themen für Ihre Praxis - oder Planungsprojekte!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Dr. Anke Münster

Editorial | 3


4 | Inhalt

Inhalt

TOP THEMA

Spielen? Spielen! 6

Digitalzeitalter auf dem Spielplatz 12

Gemeinsam, nicht getrennt 14

GPS-Jagd mit dem Handy 20

Sinnes-Räume in der Kommune 22

Showcase für Spielplätze 27

Marktmonitor 28

Durch die Bank gut 33

GESELLSCHAFT

Jugend im öffentlichen Raum – Spiellandschaft Bremen

Autor: Holger Hofmann, DKHW 36

Deutsches Kinderhilfswerk unterstützt Kommunen 40

Die Straße ist keine gute Kinderstube 42

Völker – kommt auf diesen Platz! 44

Streitobjekt Kinderspiel 45

Dir Rückkehr der Trimm-Dich-Pfade 50

REPORT

Ein neuer Blick auf das Spielen 54

„Bergbau“ in der Oberpfalz 58

Sanierung statt Neuanschaffung 60

Preiswürdige KiTa-Außenanlage 62

SPIELRAUM

Kinderfreundliche Stadtplanung – Teil 2

Autor: Ruth-Esther Gilmore 64

Öffentliche „Boule“-Plätze 69

Völker – kommt auf diesen Platz!

Autor: Daniel Rimbach 72

STADT & KUNST

Kleine Leute in der großen Stadt 76

Die tote Stadt – Im Moloch der Meditation 79

Keine Bühne aber großes Theater 80

Walk Act 83

Buchtipps 85

STELLENMARKT

MESSE

Branchentreffpunkt FSB 88

IBA-Finale 2010 92

BUGA 2009 94

VERBAND

Der BFG startet durch 96

RECHT

Justitia ist nicht taub 98

WETTBEWERB

Kommunen in neuem Licht 102

TIVOLI

Branchen- und Herstellerverzeichnis 104

TERMINKALENDER 109

ENTDECKT! 110

FreeLounge

IMPRESSUM

Herausgeber:

freizeit&spiel Verlagsgesellschaft

Gewerbegebiet Larsheck, 56271 Kleinmaischeid

Telefon: +49 (0) 2689 9591-37

Telefax: +49 (0) 2689 9591-38

Erscheinungsweise:

vierteljährlich

Chefredaktion:

Dr. Anke Münster (V.i.S.d.P.)

E-Mail: redaktion@free-lounge.de

E-Mail: anzeigen@free-lounge.de

Anzeigenleitung:

E-Mail: anzeigen@free-lounge.de

DTP, Bildredaktion:

Maike Söltl (verantwortlich)

Redaktion:

Lutz Keißner, Dagmar Thiemann

Titelfoto:

slinkachu

z. Zt. gilt die Anzeigenpreisliste vom

1. Mai 2009

Internet: www.free-lounge.de

www.free-lounge.com

Copyright:

freizeit&spiel Verlagsgesellschaft mbH.

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit

schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Terminveröffentlichungen kostenlos,

aber ohne Gewähr. Keine Haftung bei

unverlangt eingesandten Manuskripten.

Namentlich gekennzeichnete Berichte

und Artikel geben nicht unbedingt die

Meinung der Redaktion wieder.

Quellennachweis:

FB Stadtgrün, Stadt Braunschweig, Frau Schulz-

Behrend (S. 9); Markus Gnüchtel und Jens Gabe;

GTL Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten

GbR (S. 18); Jose Manuel Gelpi – fotolia.com

(S. 45); Miredi – fotolia.com (S. 50); Jens Weber

(S. 56); tom – fotolia.com (S. 61); photocase.

com © Mr Nico (S. 63); cameraw – fotolia.com

(S. 70); Werkfoto AFF Architekten, Hans-Christian

Schlink, Berlin (S. 86); M. Johannsen– fotolia.com

(S. 100); Felix Quittenbaum –fotolia.com (S. 101)

Gerichtstand:

Montabaur

Druckaufl age:

5.000 Exemplare international

Druck:

Konrad Triltsch Print und digitale Medien GmbH,

Ochsenfurt-Hohestadt

Einzelbezugspreis:

Euro 12,– (inkl. Porto)

Jahresabonnement:

(4 Ausgaben)

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6 | Top Thema

Foto: Toni Anderfuhren


Spielen? Spielen!

Ob Spielplätze, Parks, Wälder oder einladende Plätze: Der öffentliche

Freiraum ist die perfekte Bühne für kreative Spiele.

Kinder versinken in ihren Fantasiewelten und

selbst Teenager vergessen ab und zu, dass sie

eigentlich cool sind: Spielen hat magische

Kräfte, denn es löst Menschen aus der Zeit. Eine

Stunde fühlt sich an wie wenige Minuten. Außerdem

verbindet das Spiel Faszination und Bildung.

Am Anfang des Lebens geschieht das vor

allem über sinnliche Erfahrungen, später entwickelt

sich im Spiel sprachliche Kompetenz,

Köperbeherrschung und natürlich Kreativität.

Es gibt eine Vielzahl von wissenschaftlichen

Erklärungen, warum Menschen spielen und

welcher Zweck damit verbunden ist. Aber es ist

eigentlich besonders schön, dass keine Theorie

bislang sämtliche Aspekte des Spielens erfassen

konnte. Zu vielseitig sind die Ausprägungen,

und es bleibt oft eine Frage der Deutung, ob

und welcher versteckte Nutzen hinter einem

Spiel stehen könnte. Erwerben Kinder zum Beispiel

durch Rollenspiele die Anpassungsfähigkeit,

die sie in ihrem späteren Leben brauchen,

oder erleben sie eine Flucht aus ihrer Realität?

Vielleicht stecken diese und noch viel mehr

Möglichkeiten je nach Situation im Spiel, auf

jeden Fall steht eines fest. Spielen macht Spaß

und das nicht nur Kindern. So soll der Gott

Hermes sogar der Erfi nder des Würfels sein.

Erwachsen - aber nicht zu sehr

Vorbei ist die Zeit, dass Erwachsene überwiegend

Zaungäste beim Spiel waren. Geprägt

durch den bürgerlichen Arbeitsethos des 19.

Jahrhunderts hatte das Spiel nach der Kindheit

lange Zeit ein schlechtes Image. Glücksspiele

waren verpönt und zu der Auffassung von

„Arbeit als des Bürgers Zier“ passte kein ausgewogenes

Verhältnis von Freizeit und Beruf.

Das hat sich heute ganz radikal verändert. Zum

einen wollen die Menschen nicht mehr mit der

früher üblichen Ernsthaftigkeit erwachsen sein,

zum anderen suchen sie sich ganz gezielt die

Freiräume und den Ausgleich zur Arbeit. Neben

dem Wunsch, es sich gut gehen zu lassen, haben

Computerspiele diese Entwicklung ebenso

beeinfl usst wie die Fitnessbewegung. Der öffentliche

Raum wird vor allem für das sportliche

Spiel genutzt – mit mehr Disziplinen denn

je. Aber es kann heute auch vorkommen, dass

man überraschend eine Gruppe kostümierter

Menschen im Park oder im Wald trifft, die sich

zu einem Live Action Role Playing (LARP) dort

getroffen haben. In Kostümen übernehmen die

Spieler bestimmte Rollen und stellen sie selbst

als Figur dar. Es gibt selten ein Ziel, sondern im

Mittelpunkt steht der Spaß. Gespielt wird ohne

Zuschauer, in der Regel mit 50 bis 200 Teilnehmern.

Bei großen Events können es auch durchaus

mehrere tausend Menschen sein. Meist

Atome spalten ist ein Kinderspiel,

verglichen mit einem Kinderspiel.

Albert Einstein

werden bei LARP Fantasy-Themen aufgegriffen.

Diese Art von freiem, darstellendem Spiel ist

noch ziemlich neu in der Erwachsenen-Welt.

Lange galt als Kennzeichen, dass man sich nach

der Kindheit bei Spielen immer an festen Regeln

orientiert und einen Spielzweck verfolgt –

in der Regel, die Mitspieler zu besiegen. Ohne

Zweifel kann man sagen, dass der öffentliche

Raum auch für Erwachsene an Bedeutung als

Spielfeld gewinnt. Gestützt wird dieser Trend

durch neue Technologie. Geocaching mit GPS-

Peilung hat die Schatzsuche gesellschaftsfähig

gemacht und eine beachtlich große Zahl von

Top Thema | 7


Foto: Udo Büsing

8 | Top Thema

Menschen mobilisiert. Es gibt zudem mehr und

mehr Handyspiele, bei denen die Mitspieler quer

durch die Stadt unterwegs sind. Für Kommunen

eröffnen sich durch diese Entwicklung neue

Möglichkeiten, Menschen zu Veranstaltungen

zusammenzubringen und sich gerade für jüngere

Generationen interessant zu machen.

Leute hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden,

sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen!

Oliver Wendell Holmes

Mehr Raum für Kinder in der Stadt

Wer auf dem Land aufwächst, lebt nach einer

neuen Studie zwar gefährlicher als in der Stadt,

jedoch bieten sich den Kindern in der Natur

vielfältige Spielmöglichkeiten, der Kontakt zu

Tieren und viele freie Flächen für raumgreifende

Spielszenarien. Je nachdem in welchen

Quartieren Familien wohnen und wie viel Engagement

die Eltern zeigen können, um in die

Natur zu fahren, kann der Bewegungsraum

für Stadtkinder sehr eng sein. Umso wichtiger

ist es, dass die Kommunen sich für geeignete

Spielmöglichkeiten stark machen.

Schulhöfe als Spielhöfe

Die Stadt Nürnberg begegnet ihrem Spielfl ächendefi

zit erfolgreich mit der Umwandlung

von Schulhöfen zu Spielhöfen, die den Kindern

auch am Nachmittag und an den Wochenenden

zur Verfügung stehen. Positive Effekte

dieser Maßnahmen sind für die Stadt die Flächeneinsparung

durch Doppelnutzung bestehender

Schulhöfe sowie die Verbesserung des

Spiel- und Freizeitangebotes in verdichteten

Stadtteilen. Die Erfahrungen in Nürnberg mit

der Öffnung von Schulhöfen reichen bis in die

50er Jahre zurück. Seit 1992 wird konsequent

an der Umgestaltung von Schulhöfen zu Spielhöfen

gearbeitet, so dass mittlerweile um die

40 Höfe fertiggestellt werden konnten. In einigen

Städten wie Kiel wurde dieses Erfolgs-

Modell übernommen. Trotzdem stehen auch

heute noch selbst in Nürnberg am Anfang der

Planung oft Vorbehalte der Schulleitung gegen

die Öffnung. Beteiligungsprojekte haben sich

bewährt, um im Konsens mit allen Partnern

zum Ziel zu kommen. Das Nürnberger Modell

ist eine sehr ökonomische Möglichkeit, Kindern

und Jugendlichen interessante Spielfl ächen zu

bieten. Die Stadt München setzt nicht auf den

Umbau der Schulhöfe, sondern öffnet bei 35

Schulhöfen nach Schulschluss für festgelegte

Zeiten die Tore, so dass Kinder und Jugendliche

mehr Platz für Spiel und Sport bekommen.

In vielen Anlagen werden außerdem von der

„Arbeitsgemeinschaft Spiellandschaft Stadt“

Spielaktionen angeboten.

Kinderwald

Aber auch jenseits der Schulhöfe lassen sich

mit Kreativität neue Spielräume erschließen.

2000 wurde beispielsweise in Hannover ein

sieben Hektar großes Gelände im Nordwesten

der Stadt offi ziell zum „Kinderwald“ ernannt.

Die Fläche gehört der Landeshauptstadt. Inzwischen

werden im „Kinderwald“ zusammen

mit dem Förderverein Kinderwald Hannover e.V.

jährlich über 200 Aktionen und Veranstaltungen

durchgeführt. Es gibt regelmäßige Gruppen,

Angebote für Kindergärten und Schulen, aber

auch Familienaktionen wie Jahreszeitenfeste.


Foto: FB Stadtgrün, Stadt BS

Die Spielfährte in der Braunschweiger Innenstadt

führt Kinder zu verschiedenen Spielstationen.

Spielinseln in Fußgängerzonen

Ein positiver Trend ist auch die Aufwertung

von Fußgänger-Zonen durch Spielinseln. Viele

Städte nutzen mittlerweile kleinere Spielelemente,

Wasserläufe oder Klangobjekte, um für

Kinder den Aufenthalt in der Stadt attraktiver

zu gestalten. In Braunschweig hat man diese

Idee zu einer Spielfährte durch die Stadt

ausgebaut, die mit verschiedenen Angeboten

spielerisch die Motorik sowie die Sinneswahrnehmung

anspricht. Ins Auge fallen die kleinen

farbigen Motive im Bodenbelag, die den Weg

zu den Spielgeräten weisen. Till-Eulenspiegel

stand als bekannte Braunschweiger Persönlichkeit

mit seiner Narrenkappe Modell für die

Pfl asterintarsien. Diese „Spielspuren“ verknüpfen

die Spielstandorte miteinander, machen

neugierig auf mehr und weisen den kleinen

Fährtensuchern den Weg. Die Spielfährte wurde

so konzipiert, dass es kein Anfang und kein

Ende gibt, so dass die Angebote jederzeit erweiterbar

sind. Als jährlich wiederkehrendes Event

wird darüber hinaus die ganze Innenstadt von

Braunschweig durch Angebote von Vereinen,

Verbänden, Gruppen und Organisationen zu

einer Spielmeile gestaltet, auf der die Kinder

und Jugendliche an einem Tag viele originelle

Sport- und Spielmöglichkeiten fi nden.

Moers: Spielplätze, die Spaß machen

Wie eine Stadt kontinuierlich ihr Freiraum-

Angebot für Kinder und Jugendliche verbessern

kann, zeigt das Beispiel von Moers am

Niederrhein. In den 90er Jahren war man an

einem Punkt angekommen, an dem auf vielen

Spielplätzen das Angebot immer geringer wurde,

da alte Geräte vielfach nur noch abgebaut

und wenig in den Erhalt oder den Ausbau der

Foto: Stadt Moers

Die Spielplatzoffensive in Moers freut kleine Entdecker ...

Spielplätze investiert wurde. Um jungen Arbeitslosen

einen Weg in das Berufsleben zu

ermöglichen, wurde 1996 ein Landesprogramm

aufgelegt, das den Umbau und die Erneuerung

von 30 Spielplätzen möglich machte. Die städtische

Jugendpfl egerin Vera Breuer freut sich

noch heute über dieses Projekt, denn dadurch

wurde in der Stadt das Bewusstsein geweckt,

wie notwendig und positiv neue Spielplätze für

die Zukunft der Kinder und damit auch der Familien

in der Stadt sind. Moers ist mit derzeit

knapp 110.000 Einwohnern laut den Prognosen

der Bertelsmann Stiftung im durchschnittlichen

Maß vom Bevölkerungsrückgang durch den demografi

schen Wandel betroffen. Bis 2025 ist ein

Rückgang um vier Prozent vorhergesagt, in etwa

wie bei den ähnlich großen Städten Hildesheim

und Koblenz. Maßnahmen zur Steigerung der

Attraktivität der Stadt für junge Menschen sind

entsprechend auch hier eine zukunftsweisende

Aufgabe. Ausgelöst durch die guten Erfahrungen

mit dem neu gestalteten Spielraum führte

die Stadt eine aufwendige Spielplatzbedarfs-

Spiele, damit du ernst sein kannst. Denn das Spiel ist ein

Ausruhen, und die Menschen bedürfen, da sie nicht immer

tätig sein können, des Ausruhens.

Aristoteles

planung durch, selbstverständlich mit Blick auf

die Altersstruktur der Stadtviertel. Als Ergebnis

kam heraus, dass 45 Spielplätze saniert oder neu

gebaut werden mussten. Seit 2001 wird nun

jährlich eine Summe von circa 500.000 Euro

zur Verfügung gestellt um nach und nach den

Spielraum auf den optimalen Stand zu bringen.

Foto: Stadt Moers

... und künftige Schlossherrinnen

Top Thema | 9


Foto: Toni Anderfuhren Foto: Toni Anderfuhren

Das Spiel ist der Weg der Kinder

zur Erkenntnis der Welt, in der sie leben.

10 | Top Thema

Maxim Gorki

Als „Spielträumer“ setzt sich Toni Anderfuhren aus der Schweiz dafür ein, dass die

Kinder durch die Natur und die Elemente inspiriert werden.

Dabei wird darauf geachtet, dass es Angebote

für unterschiedliche Altersstufen gibt, auch mit

barrierefreien Zugängen. Außerdem wird jeder

Spielplatz individuell mit einer Beteiligung der

Anwohner geplant. Auf diese Art und Weise ist

es der Stadt gelungen, sehr unterschiedliche

und von den Kindern akzeptierte Spielplätze

einzurichten. Vera Breuer erzählt, dass ihr Team

mittlerweile auch eine Liste mit Spielplatz-Tipps

vorbereitet hat: „Wir haben häufi g Eltern am Telefon,

die ganz begeistert von einem Spielplatz

sind und wissen möchten, wo es in der Stadt

noch ähnliche Angebote gibt. Das vermitteln

wir natürlich gerne.“ Vorbildlich ist in Moers

auch die durchaus aufwendige Betreuung der

Spielplätze, die bis 22.00 Uhr altersunabhängig

genutzt werden dürfen. Konfl ikte mit Jugendlichen

kommen nur selten auf, weil häufi g Mitarbeiter

vor Ort sind, die im Gespräch mit den

Jugendlichen bleiben und deshalb auch wenig

Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der

Ruhezeiten haben. „Manchmal kann man den

Eindruck haben, dass die ganz gerne von uns

ins Bett gebracht werden“, sagt Vera Breuer lachend

über die abendlichen Rituale, die wichtig

sind, damit die Spielplatzanwohner nicht unnötig

verärgert werden. Sie setzt sich immer dafür

ein, durch die Einbeziehung der Jugendlichen,

Lösungen zu fi nden, wie beispielsweise auch

der Bau einer BMX-Bahn die Spannungen zwischen

den Fahrern und älteren Parkbesuchern

aufl ösen konnte. Moers ist weit fortgeschritten

damit, eine bedarfsorientierte Versorgung mit

gut gestaltetem Spielraum bieten zu können.

Mit 130 Orten für Kinder und Jugendliche, bewegt

sich die Stadt am Niederrhein ganz weit

vorne, wenn man das Angebot mit anderen,

ähnlich großen Städten vergleicht.

Spielgelände und Abenteuer-Spielplätze

Neben den klassischen Spielplätzen entstand

etwa seit den frühen 70er Jahren eine Anzahl

von Abenteuer- und Bau-Spielplätzen, ungefähr

zehn Jahre später kamen die ersten Jugendfarmen

hinzu, die Stadtkindern den regelmäßigen

Umgang mit Tieren ermöglichen. So wichtig,

wie die wohnortnahen Spielplätze mit Spielgeräten

in den Städten sind, so wichtig sind auch

diese Oasen, die den Kindern Erfahrungen ermöglichen,

die sie im Alltag oft nicht machen

können. Allein in Deutschland gibt es etwa 500

dieser pädagogisch betreuten Spielplätze. Sie

sind in der Regel so angelegt, dass Improvisation

und Veränderbarkeit möglich sind, an der

die Kinder mitbestimmen und mitarbeiten. Mit


der Erfahrung aus seiner Arbeit auf Abenteuerspielplätzen

hat sich der Schweizer Toni Anderfuhren

als freiberufl icher Gestalter von kindgerechten

Spielräumen und mit seinen Worten als

Spielträumer“ selbständig gemacht. Er setzt

sich dafür ein, dass die Kinder Raum bekommen,

sich mit den Elementen Luft, Wasser, Erde

und Feuer zu beschäftigen und eigene Erfahrungen

zu machen. Wenn er Spielgelände plant,

dann ist es für ihn selbstverständlich, Kinder

in diesen Prozess intensiv einzubeziehen. „Es

ist der falsche Weg, die Kinder zu bitten, ihren

Lieblingsspielplatz zu zeichnen, denn dann

bekommt man Bilder von den Spielplätzen, die

Kinder kennen“, erklärt Toni Anderfuhren. „Ich

gehe mit den Kindern auf Expedition und lasse

sie in einem Gelände spielen. Dann bekommt

jeder zum Beispiel Fähnchen, die er an bestimmte

Plätze stecken soll, die ihm beim Spielen

besonders wichtig sind. 10jährige Mädchen

möchten vielleicht besonders gerne Tiere dabei

haben, kleinere Kinder immer Wasser und ältere

Jungs möchten Erfahrungen mit Feuer sammeln.“

Anderfuhren erhält so ein Bild, welche

Angebote er für Kinder unterschiedlichen Alters

berücksichtigen muss. Oft lässt er dann die

Kinder ein paar Tage später Modelle von einem

Spielgelände bauen, dass ihre Wünsche zeigen

soll, und fi ndet darin dann viele Ideen, die er

berücksichtigt. Immer gibt es bei Anderfuhren

verschiedene Strukturen und Materialien, die

Kinder für ihr Spiel nutzen können, zum Beispiel

lose Steine wie in einem Steinbruch. Das Gelände

wird durch Hügel, Höhlen oder Wasserläufe

gestaltet. Abhängig von der Situation vor Ort

können natürlich auch Spielgeräte wie Schaukeln,

Kletternetze, Spielhäuschen oder auch ein

Karussell hinzukommen. Dem „Spielträumer“ ist

es vor allem wichtig, dass die Kinder beim Spiel

Sinneserfahrungen sammeln können und ganz

selbstverständlich in Bewegung kommen.

Viele Grenzen – wenig Freiheit

„Wenn ich heute über die Wildnis der Kindheit

nachdenke, überrascht mich die unglaubliche

Freiheit, die mir meine Eltern gaben, in dieser

Wildnis das Abenteuer zu suchen. Unsere Vorstellung

von Kindheit hat seitdem einen sehr

tiefergehenden, sehr bedeutsamen Wandel erlebt.

Die Wildnis der Kindheit ist verschwunden,

die Zeit des Abenteuers ist vorbei.“ In einem

Essay, der im Juni in der Zeitschrift „Die Welt“

erschienen ist, beschäftigt sich der amerikanische

Autor Michael Chabon mit dem Verlust

von Erfahrungen, mit denen die Kinder am An-

fang des 21. Jahrhunderts leben müssen. Kinder

können heute tatsächlich nur noch selten von

Erwachsenen unbeobachtet spielen, wie das

bis vor geschätzt 25 Jahren noch ganz üblich

war. Fast jeder aus der Generation der bis 1970

geborenen Kinder kann Geschichten aus seiner

Kindheit erzählen, die auch bei den Eltern

damals den ein oder anderen Adrenalinstoß

ausgelöst hätten – aber: sie waren nicht dabei

und wussten nichts davon, dass die Jungs in

Tannenwipfeln schaukelten oder die Mädchen

nicht etwa auf dem Spielplatz waren, sondern

Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde

besser kennen lernen als im Gespräch in einem Jahr.

Platon

auf eigene Faust eine kleine Fahrradtour durch

ein Waldstück drehten. Völlig unglaublich heute,

dass sich ein Kind gegen den Besuch im Kindergarten

entscheiden durfte, um stattdessen

im Wald und in den Gärten mit seinen Freunden

zu spielen. Durch die heutige Brille betrachtet

grenzt es an ein Wunder, dass wir überhaupt

das Alter erreicht haben und Kinder bekommen

konnten. Natürlich ist es nicht neu, dass

Kindern Abenteuer vorenthalten werden. Wer

kann sich nicht daran erinnern, wie Heidi dafür

kämpfen musste, dass Klara mit ihr in die Berge

fahren durfte. Oder anders gesagt: Sehr behütete

Kinder gab es immer, aber es war doch eher

das Pech Einzelner und kein gesellschaftlicher

Konsens. Gründe für die Situation heute gibt es

viele: Angst vor Verbrechen gehört ebenso dazu

wie das Denken in höchsten Sicherheitskategorien

oder die Möglichkeit ganz sorgenfrei in virtuellen

Spielwelten Abenteuer erleben zu können.

Doch innerhalb dieser Grenzen können die

Städte und Gemeinden ihren Beitrag dazu leisten,

dass der gestaltete oder eingeräumte Freiraum

den Kindern möglichst viele Anregungen

zum Spiel bietet. Es wäre sogar angemessen,

das zur Chefsache zu machen, denn schließlich

haben immerhin die Götter selbst das Spiel erfunden

– wenn man der griechischen Mythologie

folgt. A.M.

Interessante Informationen

über das Spiel als Bestandteil

einer gesunden Entwicklung

enthält das Heft 03/09 „Spiel

und Spielzeug“ der Zeitschrift

Frühe Kindheit, die von der

Deutschen Liga für das Kind

in Familie und Gesellschaft

herausgegeben wird. Spielen

als Motor der Persönlichkeitsentwicklung

oder als Medium

der Konfl iktbewältigung: Viele

Themen, die in der FreeLounge

nur angerissen werden können

sowie Berichte aus der Praxis,

kann man durch die Beiträge

in dem Heft vertiefen.

Spiel und Spielzeug“

Zeitschrift: Frühe Kindheit

Herausgeber: „Deutsche Liga

für das Kind“

Ausgabe 3/2009

Aufl age: 4.000 St.

Erscheinungsweise:

6 Mal jährlich

Top Thema | 11


12 | Top Thema

Digitalzeitalter

auf dem Spielplatz

Kinder leben in einer digitalen Welt – sie verstehen Computeranwendungen

intuitiv und haben Spaß daran. So ist es nur logisch, dass digitale Technologien

auch auf Spielplätzen Einzug gehalten haben. Zwei skandinavische Hersteller

haben die ersten dieser Spielplätze in Deutschland installiert. Sie gehen

mit unterschiedlichen Ansätzen an das Thema ran.

Gülal aus Köln-Stammheim hüpft mit Marco

aus Dortmund um die Wette. Der Spielstand,

den beide mit ihrer iCard abrufen, zeigt, dass

Gülal knapp vor dem Dortmunder liegt. Ausgetragen

wird das SmartUs-Steps-Spiel jeweils

auf iGrid, dem interaktiven Hüpffeld der ersten

beiden deutschen SmartUs-Spielplätze des fi nnischen

Herstellers Lappset. Bei diesem Ansatz

wird eine internationale Vernetzung der Spielplätze

möglich gemacht. Die Firma Kompan aus

Dänemark hingegen hat mit der Produktreihe

ICON Spielgeräte auf den Markt gebracht, bei

denen die Wettkämpfe innerhalb der Kinder auf

dem Platz ausgetragen werden. Die Geräte sind

mit berührungssensiblen blinkenden „Buzzern“

ausgestattet, die durch Drauftippen Spiele und

Spielstände weitergeben, sodass die Kinder

Mannschaften bilden und gegeneinander spielen

können.

SmartUs macht internationale

Wettkämpfe möglich

Der Hersteller des Kölner SmartUs-Spielplatzes

verbindet traditionelle Spielgeräte mit Computertechnologie

und vernetzt seine Spielplätze

untereinander, sodass internationale

Foto: Kompan

Wettkämpfe gespielt werden können. Gülal

und Marco können zum Beispiel mit Kindern

in Finnland, in den Niederlanden, Schweden,

Dänemark, Norwegen, Spanien, England, Frankreich

oder Italien um die höchste Punktzahl

wetteifern. Lappset beschreibt das Konzept dieser

High-Tech-Spielfelder so: „SmartUs eröffnet

vielfältige Möglichkeiten zu spielerischer Aktivität

und spaßorientiertem Lernen, indem moderne

Technologie mit Spielgeräten verbunden und

die Spielumgebung vernetzt wird. Das Netz von

SmartUs-Umgebungen bildet die Basis für neuartige

Aktivspiele, Spielturniere, verschiedenste

Lernerfahrungen und Internetspiele. SmartUs

motiviert zum Laufen, Hüpfen und Begreifen,

zu lustigen Wettkämpfen und zu gemeinsamen

Erfolgserlebnissen. Gleichzeitig etabliert SmartUs

eine neue Aktivspielplatzkultur, die sich das

Interesse junger Menschen an Technologie und

neuen Medien zunutze macht.“

Die GAG Immobilien AG spendierte im letzten

Jahr in Köln den 130.000-Euro teuren Computerspielplatz

in einer Wohnsiedlung. Der Investor

kommt damit seiner sozialen Verantwortung

als Kölns größter Vermieter mit rund 42.000

Wohnungen und 100.000 Mietern nach. Damit


Foto: Kompan

Der Planetenspielplatz wurde im Juni in Pfronten

eröffnet: Spielgerät „Space“ aus der ICON-Serie von

Kompan.

sich Kinder- und Jugendliche in ihrem Wohnumfeld

wohlfühlen, investiert die Gesellschaft

jährlich rund 1,3 Mio. Euro in neue Spielplätze,

Bolzplätze und Außenanlagen bzw. deren Unterhaltung.

Insgesamt standen 2008 den GAG-

Mieter-Kindern in rund 6.000 Häuser- und

Wohnanlagen 540 Spielplätze zur Verfügung.

Die Investoren erklären: „Wir freuen uns, dass

wir jetzt den zahlreichen Kindern in der GAG-

Siedlung in Stammheim Kölns ersten High-

Tech-Spielplatz zur Verfügung stellen können.

Auf dem SmartUs-Spielplatz können Kinder an

Computertechnik herangeführt werden, aber

eben nicht in den eigenen vier Wänden im stillen

Kämmerlein, sondern draußen.“

Der ICON-Planetenspielplatz bringt

Kinder in Aktion

Auch im Allgäuer Pfronten spielt man digital –

was man übrigens per Livewebcam auf www.

pfronten.de sehen kann. Hier wurde im Juni der

„Planetenspielplatz“ eröffnet. Sein Name leitet

sich an dem futuristischen Design des Gerätetyps

„Space“ ab, das an ferne Galaxien erinnert.

Der Hersteller Kompan aus Dänemark hat mit

der Produktreihe ICON eine ganz neue Interpretation

von Spielgeräten auf den Markt gebracht.

Wir berichteten bereits in Ausgabe 1-2009 darüber.

Die Geräte sind mit so genannten „Buzzern“

ausgestattet, die durch Berührung Spiele

und Spielstände weitergeben, sodass die Kinder

Mannschaften bilden und gegeneinander spielen

können. Es geht um Zeit, die auf Knopfdruck

gemessen wird, und um Mannschaften, die

gebildet werden und gegeneinander antreten

können – also um genau die Art von Spielen,

die Kindern vertraut sind. In Pfronten werden

derzeit erste Erfahrungen gesammelt – teils er-

Foto: Lappset

Große SmartUs-Spiellandschaft von Lappset, in der Mitte die iStation als zentrale Einheit und die

Hüpffl äche iGrid.

staunliche: So ist die Altersstruktur der Nutzer

jünger als angedacht. Während hauptsächlich

Jugendliche erwartet wurden, fasziniert das

Gerät sehr viele Kinder im Grundschulalter. Die

Kinder verstehen die Geräte ohne Anleitung. Allerdings

wurde für die Erwachsenen die Spielanleitung

auf ein Informationsschild gedruckt.

Anfänglich bestanden Bedenken vonseiten der

Nachbarn, dass von dem im Wohngebiet liegenden

Spielplatz zu hoher Lärm ausgehen würde.

In der Praxis gibt es allerdings noch keine Beanstandungen.

Die Anlage ist jetzt täglich von

07:30 bis 20:00 Uhr online. Die ursprüngliche

„offl ine Mittagsruhe“ 12:00 bis 14:00 Uhr hat

Pfronten zurückgenommen. Und was den durchschnittlichen

Computeranwender vielleicht am

meisten erstaunt: Seit der Inbetriebnahme am

17. Juni 2009 sind bis August, dem Zeitpunkt

unserer Recherche, keine technischen Probleme

aufgetreten. Natürlich war auch dieser Spielplatz

nicht billig – aber weil die Verweildauer

der Kinder an diesem Gerät viel länger als

an üblichen Spielgeräten ist, steigt der Spielwert

der ganzen Anlage: Kommunen können

schon bei der Planung im Vergleich zu einer

herkömmlichen Anlage ein Spielgerät weniger

einplanen. Die Gemeinde Pfronten ist zufrieden

und der Viertklässler Julian auch: „Ich komme

oft hierher - wenn ich könnte, jeden Tag. Der

Spielplatz ist mal was ganz Neues und ist voll

abwechslungsreich. Auch meine Freunde fi nden

es hier toll zum Spielen.“

Dass diese ersten deutschen „Computerspielplätze“

– ob Pfronten oder Köln – so gut angenommen

werden, zeigt: Die Zukunft der deutschen

Spielplatze ist digital. Und derzeit kommt

diese Zukunft aus dem hohen Norden. D.T.

„Der neue Spielplatz ist

echt cool, so was hat weit

und breit niemand. Ich

komme gerne hierher mit

meinen Freunden. Die

Buzzer und vielen Lichter

machen viel Spaß.“

Simon, 10 Jahre, Nutzer des

Planetenspielplatzes in Pfronten

Links

» www.lappset.de

» www.smartus.com

» www.kompan.de

» www.pfronten.de

Top Thema | 13


Gemeinsam, nicht getrennt

Sogenannte Senioren-Spielplätze

sind im Trend. Aber

nach Ansicht vieler Planer

darf das medienwirksame

Aufstellen einiger Geräte

keine Freiraum-Konzepte

ersetzen, bei denen durch

Integration die Lebensqualität

für Jung und Alt in den

Städten gestärkt wird.

14 | Top Thema

Der Park der Generationen in Langenhagen bei

Hannover wurde im April eröffnet, doch Horst

Mägel (72) ist aus seiner Rolle als Ideengeber

und Koordinator noch nicht entlassen. Durch

seine Arbeit im Seniorenbeirat, einschließlich

der Gewinnung von Sponsoren und der Werbung

für die gute Idee hat er viel dazu beigetragen,

dass im Stadtpark von Langenhagen

auf 16.000 Quadratmetern ein Generationenpark

nach dem Entwurf von Lohaus Carl Landschaftsarchitektur

entstanden ist. Die Stadt hat

insgesamt 500.000 Euro investiert, um einen

zuvor wenig genutzten, etwas verwilderten Bereich

des Parks durch attraktive Angebote für

Menschen zwischen eins und hundert interessant

zu gestalten. Nun häufen sich bei Horst

„Senioren-Spielplätze sind das genaue Gegenteil von dem,

was unserer Erfahrung und Ansicht nach sinnvoll ist. Wichtig

ist der Dialog und die Begegnung der Generationen.“

Marita Gerwin, Fachstelle Zukunft Alter, Arnsberg

Mägel die Termine, an denen er Interessenten

aus verschiedenen Kommunen das Konzept und

die erfolgreiche Umsetzung vorstellt. Bei vielen

Senioren auch aus angrenzenden Seniorenheimen

ist der Bewegungspark besonders beliebt.

Acht Fitnessgeräte der Firma Playfi t sind entlang

eines sich schlängelnden Wegs aufgestellt

und laden zum Training ein. Außerdem gibt

es eine Boulebahn, zwei Schachtische sowie

ein Großfi guren-Schach. Jugendliche können

sich auf einem Bolzplatz austoben, der etwas

abgetrennt von diesem Areal angelegt wurde.

Kleinere Kinder haben auf dem neu errichteten

Spielplatz ihren Spaß. Horst Mägel kommt ins

Schwärmen, wenn man ihn nach der Akzeptanz

der Angebote bei den Senioren fragt, die sich

nach sechs Monaten schon gut beurteilen lässt:

„Alle unsere Erwartungen haben sich übertroffen.

Ich schätze, dass täglich im Durchschnitt

mehr als 40 Menschen an den Fitness-Geräten

trainieren, am Wochenende sicher noch mehr.

Morgens ganz früh kommt immer eine Gruppe

Nordic Walker, regelmäßig sehe ich auch Behindertengruppen.

Und es sind längst nicht nur

ältere Menschen, die unsere Geräte nutzen.“

Zusätzliche Angebote haben mit dazu beigetragen,

dass der Park ein stark frequentierter

Ort geworden ist. So gibt es jede Woche eine

kostenlose Stunde Qigong, an der durchschnittlich

mehr als 50 Menschen teilnehmen. Hinzu

kommen immer wieder Veranstaltungen für die

unterschiedlichen Altersgruppen.

Bevorzugen Senioren wirklich

abgetrennte Bereiche?

Das Konzept in Langenhagen setzt auf differenzierte

Angebote, die Schaffung von Aktions-

und Ruhezonen, aber gleichzeitig auf

einen gemeinsamen Raum für alle Generationen.

Der Bewegungspark ist offen gestaltet, auf

dem Weg sind Bänke aufgestellt, damit weniger

rüstige Senioren nicht ausgegrenzt werden und

von den Trainierenden Ruhepausen eingelegt

werden können. Die bislang einzige Studie über

die Nutzung von Fitnessparcours „Genderdifferenzierte

Untersuchungen zur Freifl ächennutzung

älterer Menschen“, die von der FH Wiesbaden

Anfang des Jahres vorgestellt wurde, war

zu dem Ergebnis gekommen, dass eben genau

eine solche Art der Aufstellung von Geräten zu

einer eher schlechten Nutzung führt. Laut der

Studie empfi ehlt sich das Anlegen eines Fitnessparcours

in einem abgegrenzten Teil eines

Parks, ohne Bänke, denn die befragten Senioren

gaben an, am liebsten ohne Zuschauer zu trainieren.

Horst Mägel kann dies aus seiner Erfahrung

und den täglichen Besuchen im Park nicht

bestätigen. „Der Bewegungspark lädt auch dazu

ein, dass Menschen miteinander ins Gespräch

kommen. Und das gelingt. Vielleicht kommen

manche lieber morgens, wenn der Park noch

leerer ist. Aber das ist ja auch kein Problem.“


Bewegung und Entspannung verbindet

Ähnliche Erfahrungen hat man auch im Generationenpark

Wiley in Neu-Ulm gemacht, der

im Rahmen der Landesgartenschau 2008 auf

18,5 Hektar angelegt worden war. Ganz explizit

hatten sich die Planer hier gegen separate,

altersspezifi sche Spiel- und Sportangebote und

für das nutzungsoffene Modell eines Generationenparks

entschieden. Christian Loderer, freier

Landschaftsarchitekt und Mitbüroinhaber von

Plancontext in Berlin, sieht auch im Rückblick

auf die Gartenschau sowie die jetzige Nutzung

des Parks diesen Ansatz bestätigt. „Der

Park sollte Angebote für Gymnastik, Spiel und

Sport für Menschen aller Altersstufen bieten.

Es wurden fl ießende Übergänge geschaffen,

so dass sich Jung und Alt miteinander an der

frischen Luft betätigen und erholen können.

Schon während der Gartenschau wurden beispielsweise

die aufgestellten Fitnessgeräte der

Firma Playfi t am „Sportlertreff“ im Zentrum der

Sportfelder sowohl von Senioren als auch von

den Sportlern zum Aufwärmen oder Stretching

genutzt.“ Seiner Erfahrung nach hängt die Akzeptanz

der Geräte auch sehr stark von den dort

zu leistenden Übungen ab. Sehr gut kommen

im Generationenpark Wiley die Geräte an, die

zum klassischen Repertoire der Fitness-Studios

gehören und sich an den natürlichen Bewegungen

wie dem Laufen orientieren. Dagegen

wurden Geräte, die die Koordination schulen

sollen, zwar ausprobiert, aber weniger intensiv

genutzt. Christian Loderer hält abgetrennte

Fitness-Parcours für Senioren für den falschen

Weg. „Wir haben in Berlin während der Planungen

zur Landesgartenschau in Neu-Ulm die

Möglichkeit genutzt und immer mal wieder einen

Blick in ein so abgetrenntes Areal geworfen.

Wir hatten nicht den Eindruck, dass dieses Angebot

wirklich Akzeptanz fi ndet.“ Er vergleicht

die unterschiedlichen Einschätzungen über die

bestmögliche Aufstellung von Fitnessparcours

für die Generation 60+ mit der Gretchenfrage,

ob ältere Menschen lieber in „Senioren-Supermärkten“

einkaufen. „Manche Menschen schätzen

solche Angebote, insbesondere die jugendlichen

Älteren meiden dagegen alle Kontakte zu

Orten, die explizit für Senioren sind.“

Ein nachhaltiger Gewinn für Neu-Ulm

Verschiedene Aspekte sorgen aus Sicht von Waltraud

Oßwald dafür, dass der Generationenpark

Wiley über alle Altersgrenzen hinweg so gut

angenommen wurde. Sie bemüht sich als Leiterin

des Freundeskreises der Landesgartenschau

Foto: Lichtschwärmer, Berlin Foto: Lichtschwärmer, Berlin

Foto: Lichtschwärmer, Berlin

Der Generationenpark Wiley wurde anlässlich der Landesgartenschau in Neu-Ulm 2008 angelegt.

Die modern gestaltete Möblierung lädt zu entspannenden Pausen ein.

Der Wasserspielplatz hat sich im vergangenen Sommer zu einem Publikumsmagnet entwickelt.

Top Thema | 15


Foto: Langenhagen

Viele Freizeitangebote zeichnen den Park der Generationen in Langenhagen aus. Der Bewegungspark bietet einen Pfad mit

Fitnessgeräten.

16 | Top Thema

mit vielen Mitstreitern darum, dass möglichst

zahlreiche Angebote eine nachhaltige Wirkung

für die Stadt haben und ist entsprechend häufi g

vor Ort. Die gute Erreichbarkeit des Parks sieht

sie als Grundvoraussetzung. Positiv bewertet

sie auch den Effekt, der sich für die Frequentierung

des Parks daraus ergibt, dass sich Fahrradfahrern

eine angenehm zu fahrende Nord-Süd-

Achse erschlossen hat. Die Weiträumigkeit lade

insbesondere auch die älteren Generationen

dazu ein, sich durch Spaziergänge in schöner

Natur fi t zu halten. In der Regionalpresse wurde

in diesem Sommer der Wasserspielplatz als

Highlight vorgestellt, das aufgrund der großfl

ächigen Liegewiesen längst nicht nur Familien

mit Kindern in den Generationenpark lockt.

Das Konzept geht also ganz offensichtlich auf,

obwohl den Neu-Ulmern bislang nur begrenzte

zusätzliche Freizeitangebote in Form von Veranstaltungen

und Kursen zur Verfügung stehen.

Waltraud Oßwald kann sich deshalb auch

vorstellen, dass beispielsweise die Fitnessgeräte

noch mehr Zuspruch fi nden würden, wenn sich

eine örtliche Krankenkasse oder ein Sportverein

bereit erklären würden, dort ein spezielles Training

anzubieten.

Zurück ins Zentrum der Stadt

Langenhagen und Neu-Ulm sind zwei Beispiele,

wie mit ganz unterschiedlichem Aufwand interessante

Angebote neu eingerichtet werden

können. Ganz anders war die Ausgangssituation

für den Stadtpark in Dessau, der zu einem

sozialen Brennpunkt geworden war. Der Wendepunkt

wurde herbeigeführt, indem er zum

Modellvorhaben im Forschungsprogramm Ex-

Foto: Langenhagen

perimenteller Wohnungs- und Städtebau wurde

(ExWoSt). Unter der Regie der Stiftung Bauhaus

Dessau sowie der Stadt wurden Prozesse

angestoßen, um durch die Aufwertung und Erneuerung

des Parks auch die Entwicklung der

Wohnviertel am Parkrand zu stabilisieren. Die

Freiraumplanung mit Sicherheitskonzept ging

im Anschluss an einen landschaftsarchitektonischen

Ideenwettbewerb an das Büro Lohrer

Hochrein Landschaftsarchitekten. Informationen

zu dem sehr interessanten Projekt fi nden

sich auf der Website des Bundesinstituts für

Bau-, Stadt-, Raumplanung (www.bbsr.bund.

de). Seit 2008 läuft die Phase der Umsetzung,

den Park im Bewusstsein der Dessauer zurück

ins Zentrum zu rücken.

Differenzierte Angebote für alle

In dem Kontext „Mehrgenerationenpark“ interessiert

vor allem das aufwendige Beteiligungsverfahren,

mit dem alle Nutzergruppen in die

Planung und die Umsetzung einbezogen wurden.

Elisabeth Cremer von der Stiftung Bauhaus

Dessau erzählt anschaulich, wie sich bei

den Parkwerkstätten in der Phase der Planung

alte Strukturen der Opposition zwischen Jung

und Alt aufzulösen begannen. Während viele

Senioren sich beispielsweise für ein Fahrradverbot

im Park aussprachen, führten die Kindern

als Wunsch an, mit ihren Großeltern im Park

Fahrrad fahren zu können. Der Planungsprozess

legte so neue Werte offen, die bei den Anwohnern

und Nutzern zu einem Umdenken führte.

Ganz konsequent wurden dann bei der Gestaltung

des Masterplans, der sich im Moment in

der Phase der Umsetzung befi ndet, alle unter-


schiedlichen Gruppen mit ihren Wünschen und

Bedürfnissen berücksichtigt. Ein wichtiger Teil

des Konzeptes ist, auch zukünftig die Gruppen

durch Parkpatenschaften mit ins Boot zu

nehmen. Die Organisatoren wurden dabei von

dem weitreichenden Engagement der Dessauer

überrascht. Für jedes neue Angebot gibt es Bürger

oder Institutionen, die sich für den Erhalt

einsetzen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass sowohl

durch die Aufteilung des Parks mit seinen

neuen Angeboten sowie durch die soziokulturellen

Maßnahmen zugleich auf den Dialog

der Generationen und Bevölkerungsgruppen

unterschiedlicher Herkunft, aber auch auf ein

differenziertes Angebot gesetzt wurde. Wie

sieht es in Dessau mit Angeboten für ältere

Menschen aus? Ein wichtiger Impuls für deren

Einbindung ging von dem Aufruf aus, für eine

Ausstellung Bilder und Erinnerungen von früher

zusammenzutragen. Das öffnete die Menschen

für den Neuanfang. Im Beteiligungsverfahren

kam dann unter anderem der Wunsch nach

altergemäßen Fitness-Angeboten. Ein Pfad der

Bewegung mit Geräten von Giro Vitale wurde

angelegt, der zwar offen gestaltet ist, der sich

aber in einem ruhigeren Teil des Parks befi ndet,

in einiger Entfernung zu den Sportplätzen.

Es ging darum, das Konfl iktpotential zwischen

Jugendlichen und älteren Menschen gering zu

halten. Der Spielplatz für kleinere Kinder befi

ndet sich dagegen ganz in der Nähe, da es

zwischen diesen Gruppen weniger Vorbehalte

gibt. Der Pfad der Bewegung richtet sich nicht

explizit an Senioren, wurde aber auf die formulierten

Bedürfnisse ausgerichtet. Bei Ortsterminen

zeigten sich die befragten Senioren zufrieden

mit dem Standort, der das Training zwar

in einsehbaren Bereichen, aber nicht auf dem

Präsentierteller stattfi nden lässt. Aktuell lässt

sich beobachten, dass der Pfad recht gut angenommen

wird. Aber auch in Dessau erhofft man

Foto: Dessau

Geräte von Giro Vitale kommen im Stadtpark Dessau zum Einsatz.

sich die Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse

oder anderen Institution, um noch mehr

Menschen zur Nutzung der Geräte zu bewegen.

Es gibt bereits verschiedene Kursangebote von

Tai Chi bis hin zu Zeichenkursen, die auch von

der älteren Generation rege genutzt werden.

Mittlerweile wurde sogar einen Parkmanager

eingestellt, der für die Koordination aller Events

im Park zuständig ist. Denn entsprechend der

Philosophie fi nden für alle Nutzergruppen auch

Veranstaltungen statt, und es entstehen immer

neue Ideen, wie der Park seinen Platz im Zentrum

auch im gesellschaftlichen und kulturellen

Leben der Stadt einnehmen kann.

Keine Senioren-Spielplätze in Arnsberg

Es gibt sicher nicht viele Städte in Deutschland,

die sich so intensiv auf die Veränderungen in

der Bevölkerungsstruktur durch den demografi

schen Wandel vorbereiten, wie das in Arnsberg

der Fall ist. Die Einbindung der Fachstelle

„Zukunft Alter“ in alle Prozesse der Stadt- und

Freiraumentwicklung ist in Arnsberg längst

schon ein Selbstverständnis. Die dort zustän-

Top Thema | 17

Foto: GTL


Foto: GTL Foto: GTL

In Arnsberg entsteht angrenzend an das Freizeitbad Nass ein öffentlich zugänglicher Solepark.

Derzeit wird das Gradierwerk gebaut,

über das schon bald die Sole herabrieseln

wird.

18 | Top Thema

dige Marita Gerwin erzählt,

dass es vor einiger

Zeit im Seniorenbeirat

den Vorschlag gab, in der

Stadt auch einen Senioren-Spielplatz

zu errichten.

Ganz schnell kamen

aber alle Teilnehmer zu

dem Entschluss, dass

ein solch abgrenzendes

Projekt nicht zu der Philosophie

der Stadt passt.

In Arnsberg wird Wert auf die Kommunikation,

den Dialog und die Begegnung der Generationen

gelegt. Dazu werden sowohl im Freiraum

als auch in der sonstigen Planung vielfältige

Projekte und Konzepte initiiert. In diesen Prozessen

sind alle Generationen angesprochen

und beteiligt. Konkrete Bedürfnisse der älteren

Generationen werden genauso wie die Belange

der jüngeren Menschen berücksichtigt. Das zeigt

sich aktuell auch bei der Planung und Realisation

des Soleparks im Stadtteil Hüsten. Durch Zufall

war dort eine Thermalsole entdeckt worden,

die jetzt sowohl für das Freizeitbad „Nass“ als

auch unter der Idee „Thermalsole für alle“ nach

dem Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros

GTL, Düsseldorf, in einem öffentlichen Park

den industriell geprägten Ortsteil aufwerten

soll. Ein Gradierwerk wird dafür sorgen, dass

herabrieselnde Sole das Einatmen salzhaltiger

Luft möglich macht. Das hat positive Effekte

für die Atemwege, insbesondere für Asthmatiker

und Allergiker – schon hier werden die

Generationen sich begegnen, denn neben alten

Menschen sind ja Kinder in jungen Jahren oft

von Erkrankungen der Atemwege betroffen. Der

Park wird dann angefangen von Sole-Sprudlern

bis hin zu einer beleuchteten Finnbahn für ein

sicheres und gesundes Joggen auch nach Einbruch

der Dunkelheit viele Angebote für alle

Altersgruppen bieten. Erwogen wird auch die

Aufstellung von einigen Trainingsgeräten, um

für ältere Menschen ein ausgewogenes Verhältnis

zwischen Ruhe- und Aktionsbereichen

zu schaffen. Auch wenn der Park derzeit noch

in der Bauphase ist, steht für die Organisatoren

in der Stadt fest, dass der neue Freiraum

durch differenzierte Kursangebote zusätzlich

belebt werden soll. Auch während der Bauphase

werden die unterschiedlichen Nutzergruppen

einbezogen. Marita Gerwin berichtet von einem

Probesitzen der neuen Bänke durch eine Gruppe

von Senioren, denn Sitzhöhe und Sitzkomfort

sind für ältere Menschen ein wichtiges Kriterium

bei der Nutzung.

Wie wird das Leben im öffentlichen Raum aussehen,

wenn die Babyboomer das Seniorenalter

erreicht haben? Wird sich der Trend fortsetzen,

dass die Nutzung öffentlicher Freiräume durch

Fitness- und Freizeitaktivitäten eine immer

wichtigere Rolle spielt, auch wenn es weniger

junge und viel mehr alte Menschen gibt? Wie

bei allen Zukunftsszenarien ist die Antwort

nicht leicht zu fi nden. Doch alle heutigen Ansätze

können schon Hinweise liefern. Wichtig

ist, bei den neuen Mehrgenerationen-Parkanlagen

künftig genau auf die Akzeptanz zu

schauen und das Nutzungsverhalten im Detail

zu analysieren. Es stellt sich die Frage, ob das

heute schon in ausreichender Form getan wird.

A.M.


Design muss

nicht teuer

sein!

original

M A D E I N G E R M A N Y

Top Thema | 19


GPS-Jagd mit dem Handy

20 | Top Thema

Räuber und Gendarm im 21. Jahrhundert

Wenn man an die Jugendlichen von heute denkt und den Begriff

Spiel hinzunimmt, wird man meistens beim Computerspiel landen.

Beliebt sind nach wie vor Jump and Run-Spiele, bei denen Computermännchen

springend und laufend über einen Parcours gehetzt

werden. Nicht gerade bewegungsfördernd für den Spieler. Das ist

jetzt anders. Jump and Run gibt es auch bei dem Verfolgungsspiel

FastFoot-Challenge. Dabei muss sich der Spieler selbst in Bewegung

setzen. Und zwar hurtig. Das Spiel kombiniert die Reize eines Computerspieles

mit sportlicher Betätigung. Die Stadt wird dabei zum

Spielfeld. Von den Spielern wird Strategie, Teamgeist und Schnelligkeit

gefordert.

Die Spielregeln sind einfach. Ein Spieler ist als

„X“ auf der Flucht. Innerhalb eines Radius von

1 km, müssen drei bis vier Mitspieler („Runner“)

den fl üchtenden X fangen, indem sie sich ihm

auf mindestens 50 Meter nähern. Der Flüchtige

muss dies 25 Minuten lang verhindern. Er

bekommt dafür einen Vorsprung und sieht auf

seinem Handydisplay stets die aktuellen Positionen,

Entfernungen und Bewegungsrichtungen

seiner Gegenspieler. Diese hingegen können ihn

nur alle sechs Minuten orten, ebenfalls über

ihre Mobiltelefone.

Untereinander können die Spieler chatten, Bewegungsrichtungen

koordinieren und den Alarm

auslösen - das Zeichen, dass sie X dicht auf

den Fersen sind und Unterstützung benötigen.

Auf einen elektronischen Stadtplan müssen sie

dabei verzichten. Auf diese Weise werden die

Spieler in die Situation versetzt, das Geschehen

auf dem Handydisplay mit ihrem Wissen über

die Umgebung in Einklang bringen. Besonders

wichtig ist es dabei, immer auf die Verkehrsregeln

zu achten und sie nicht über das Spielgeschehen

zu vergessen.

Das Jagdspiel der Generation Gameboy

Zum Spielen ist zunächst die freie Registrierung

auf der Community-Site www.fastfoot.mobi erforderlich.

Dort bekommt jeder Spieler ein Profi l,

Zugriff auf Foren und eine Messaging-Funktion,

um Mitspieler zu fi nden. Der Download des Programms

für das Handy lässt sich dort ebenfalls

durchführen. Haben sich die Spieler gefunden,

sind keine weiteren Vorbereitungen nötig. Jedes

Terrain kann sofort bespielt werden, sofern

Handy- und GPS-Empfang gewährleistet sind.

Jede Umgebung bietet einzigartige Bedingungen,

wie Verkehrsmittel, Abkürzungen und Verstecke,

die von den Spielern beliebig genutzt

werden können und somit zu einem Teil des

Spieles werden. Nach einem Spiel steht auf der

Website ein Replay für Google Earth bereit, auf

dem die Spieler das Geschehen Revue passieren

lassen können. In den Highscore-Listen können

sie sich regional und überregional mit anderen

vergleichen.

Sein Debut feierte FastFoot-Challenge im Mai

auf der Games08, einer Videospiele-Messe in

Berlin, wo es auf begeisterte Spieler traf. Als

erster Schritt war seit dem 1. Juni 2008 die

freie Version verfügbar, bei der keine Spielgebühren

anfallen. Natürlich entstehen Gebühren

für die Internet-Verbindung zum Gameserver.

In Vorbereitung befi ndet sich die Pro-Version,

die mit zusätzlichen kostenpfl ichtigen Features

aufwartet.


So macht Wissenschaft Spaß

Die Idee, zusammenzubringen was bisher nicht

zusammen gehörte, nämlich Sport und Bewegung

mit Computerspielen zu kombinieren,

stammt von ehemaligen wissenschaftlichen

Mitarbeitern des Technologie-Zentrums Informatik

(TZI) der Universität Bremen. Die Ausgründung

urban team GbR 2008 als Spin-Off

des Technologiezentrums hat mit „FastFoot-

Challenge“ bereits für Furore in der Welt der

Videospiele gesorgt. Auf der Basis der MCSP

Entwicklungs-Plattform bietet das Unternehmen

verschiedene Produkte und Dienstleistungen

an. Dazu gehören die Entwicklung und der

Vertrieb von Location-Based Games, das Angebot

von GPS Events und die Durchführung von

Projekten zur Entwicklung spezieller Produkte

im Bereich der Location-Based Services. Unterstützt

wird das Unternehmen durch das Bundesministerium

für Wirtschaft und Technologie

(BMWi), sowie das Gründernetzwerk BRIDGE.

Im Februar 2009 hat die Jury des International

Mobile Gaming Award 2009 Veranstaltung

im Rahmen des Mobile World Congress 2009

in Barcelona FastFoot-Challenge mit dem „Best

Real World Game“ Award ausgezeichnet. Damit

konnte sich FastFoot-Challenge gegen fünf

weitere Finalisten in dieser

Kategorie behaupten. en.

Die IMG Awards

wurden zum

fünften

Mal vergeben,

wobei

die Kategorie

„Best Real

World Game“ in

diesem Jahr neu hinzugekommen

ist. Im Juni 2009

kürte die Jury der NAVTEQ Global LBS Challenge

in Singapore urban team für FastFoot Challenge

zum „2nd Runner-Up“.

Live dabei - weltweit

Doch GPS Games sind nicht nur etwas für die

Spieler, sondern auch für das Publikum. Mit

FastFoot-Challenge LIVE bietet urban team den

Spielern nun ein virtuelles Stadion. Auf Basis der

Satellitenkarten von Google Earth können Zuschauer

aus der ganzen Welt über das Internet

die Spiele live mitverfolgen. Durch den hohen

Detailgrad der Darstellung können die Zuschauer

genau

die Wege

der Spieler erkennen

und sich ein Bild ihrer Strategien machen. Da

FastFoot-Challenge in weiten Teilen der Welt

gespielt werden kann, wird das Publikum mit

auf eine Reise an die verschiedensten Spielorte

genommen. „Wir wollen GPS Spiele und GPS

Sport als spannende Live-Unterhaltung für Zuschauer

etablieren und den Spielern ein breites

Publikum bieten.“, sagt Tom Nicolai von urban

team.

Jetzt müsste es nur noch gelingen, den Gedanken

„FastFoot statt Fastfood“ zu etablieren und

schwups wird die Jugend wieder fi t und fl ott.

L.K.

Fotos: urban team

Top Thema | 21


Die Wahrnehmung von Realität über die Sinne des Körpers

weicht zunehmend einer virtuellen und damit kognitiv

erfahrenen Realität. Die Schaffung von mehr öffentlichen

Sinnes-Erfahrungsräumen ist deshalb eine Zukunftsaufgabe

für Kommunen.

In Zeiten, in denen Leben und Erleben mehr auf Bildschirmen statt

in der Realität stattfi ndet, und Bewegung Motor-gesteuert ist, statt

motorisch, braucht es Möglichkeiten zur Schulung der verkümmernden

Sinne. Der öffentliche Freiraum lässt sich leicht in einen

Sinnes-Raum umwanden. Lesen Sie, was wir in dieser Hinsicht für Sie

recherchiert haben.

22 | Top Thema

Sinnes-Räume

in der Kommune

Sinnesgarten für Demenzkranke: Die klare Struktur der Wege, die alle zum Ausgangspunkt, der

Terrasse zurückführen, geben Orientierung.

Foto: Planrat

Die wichtigsten fünf Sinne kennt jeder: Sehen,

Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Tatsächlich

verschaffen uns noch weitere die Fähigkeit, die

Realität über den Körper zu erfassen. Insgesamt

spielen neun Sinne eine bedeutende Rolle. Sie

werden ergänzt um die Zeitwahrnehmung, die

nicht als eigentlicher Sinn gilt, sondern als kognitive

Leistung aus Sinneseindrücken abgeleitet

wird.

1. Sehen, visuelle Wahrnehmung

2. Hören, auditive Wahrnehmung

3. Riechen, olfaktorische Wahrnehmung

4. Schmecken, gustatorische Wahrnehmung

5. Tasten, haptische Wahrnehmung

6. Temperatursinn, Thermorezeption

7. Schmerzempfi ndung, Nozizeption

8. Vestibulärersinn, Gleichgewichtssinn

9. Körperempfi ndung

(oder Tiefensensibilität), Propriozeption

In welchem Maß der Mensch auch über die

Fähigkeit verfügt, magnetische Felder wahrzunehmen,

ähnlich wie manche Tiere - zum

Beispiel Zugvögel - ist noch nicht vollständig

geklärt.

Naturerfahrung in Wald und Wiese

In einer Zeit und Kultur, in der die Sinne immer

weniger trainiert werden, entfremden sich

die Menschen von ihrem Körper. Leben fi ndet

zunehmend im Kopf statt, in der Fernsehwelt

oder vor dem Computer und wird immer weniger

unmittelbar über den Körper erfahren. Dass

die Fähigkeit zur Körperwahrnehmung und die

motorischen Fähigkeiten schon bei Kindern erschreckend

nachlassen, ist bekannt, das gilt aber

genauso für Erwachsene und Senioren, bei de-


nen die Sinne durch Reizüberfl utung oder allein

schon altersbedingt nachlassen. Vielerorts werden

deshalb seit geraumer Zeit Sinnesprojekte

und Sinnespfade für alle Altersklassen initiiert:

Einer neusten Naturerlebnispfade eröffnete

nach einer Testphase jetzt endgültig Mitte September

im Naturpark Hoher Vogelsberg in Hessen.

Verschiedene Themenpfade führen durch

das Gebiet: die Naturspur, der Höhenrundweg

und der Sinnespfad für Heranwachsende und

Erwachsene. In diesem regen mehrere Stationen

die Sinne an: der Prüfstein zur Besinnung

auf sich selbst, der Spielraum mit Balanciergeräten,

eine Hörstation und eine Sehstation, der

Verzauberwald zum Entschleunigen, die Himmelsliegen

zum Entspannen, der Barfußpfad

und die Taufsteinhütte. Die Konzeption dieses

Sinnespfades ist von dem großen Pionier bei der

Errichtung sinnlicher Erfahrungsräume, Hugo

Kükelhaus, inspiriert.

Mit allen Sinnen gegen den

Wirklichkeitsverlust

Hugo Kükelhaus´ Todestag jährt sich zum 25.

Mal in diesem Jahr. Aber seine Gedanken sind

noch sehr lebendig, man stößt fast überall auf

sie, wo es um Sinneserfahrungen geht. Mit seinen

Objekten und Erfahrungsfeldern wollte er

den Gefahren eines „Wirklichkeitsverlustes“ in

einer immer virtuelleren Welt vorbeugen – und

dass schon in den 60er Jahren, als der Fernseher

als Massenmedium Einzug in die durchschnittliche

bundesdeutsche Familie hielt. Was würde

Hugo Kükelhaus wohl denken, wenn er sähe,

wie die heutigen „Digital Natives“, Kinder einer

Generation, die sich ein Leben ohne PC, Internet

und virtuelle Welten nicht vorstellen können,

leben? Wissen sie, wie ihr Körper vibriert,

wenn sie im Summstein Töne erzeugen? Kennen

sie die Wasserbilder, die entstehen, wenn

man eine Strömungsscheibe bewegt? Gerade

heute ist es noch wichtiger als zu seiner Zeit,

Heranwachsende an Naturphänomene und die

Gesetzmäßigkeit der sinnlich erlebbaren Realität

heran zu führen. Somit ist Hugo Kükelhaus

heute aktueller denn je. Nicht nur für Kinder

und Jugendliche.

Spielstationen zur Entfaltung der Sinne

Zu seinen Lebzeiten arbeitete Hugo Kükelhaus

mit dem Spielgerätehersteller Richter zusammen

und entwickelte Spielstationen mit seinem

Schüler Wolfram Graubner. Die Rechte für diese

Sinnesobjekte liegen heute bei der Richter

Spielgeräte GmbH, die seine Impulse lebendig

Die Graubner-Spielstationen,

mit denen Richter Spielgeräte

die Arbeit von Hugo Kükelhaus

lebendig hält, bieten viele sinnliche

Erfahrungen.

Klang erfahren.

Der Drehstein macht die Verbindung

von Kraft und Zeit spürbar.

Er lässt sich in kurzer Zeit mit viel

Kraft bewegen oder ganz langsam

mit dem kleinen Finger.

Foto: Richter Spielgeräte

Duft erleben.

Foto: Richter Spielgeräte

Foto: Richter Spielgeräte

Top Thema | 23


Hannes Fessmann entwickelt die Klangsteine, die sich nicht nur konzertant bespielen lassen,

sondern auch für musikalische Sinneserfahrungen im öffentlichen Raum eignen.

24 | Top Thema

hält. So fi ndet man die auf den Ideen von Kükelhaus

basierenden Sinnesgeräte von Wolfram

Graubner inzwischen in Kindergärten, auf öffentlichen

Plätzen, bei Bundes- und Landesgartenschauen

und sogar im Londoner Kensington

Garden. Ganz im Sinne von Hugo Kükelhaus gestaltet

sind die öffentlichen „Erfahrungsfelder

der Sinne“, etwa in Nürnberg auf der Wöhrder

Wiese oder auf Schloss Freudenberg bei Wiesbaden,

die mit ihrer Vielzahl an Stationen zu

einem erlebnisreichen Ausfl ug einladen. Abnehmer

der Spielstationen sind weltweit unter

anderem naturwissenschaftliche Museen und

insbesonders auch Senioreneinrichtungen. „Wir

arbeiten für alle Menschen von 3 bis 99.“, heißt

es im Hause Richter. „Auch für Senioren sind

unsere Geräte ideal, um zusammen mit Jüngeren

wieder Neugier zu entwickeln und Spaß an

neuen Erfahrungen zu haben.“ Die Produktplatte

der Graubner Spielstationen umfasst knapp

50 Objekte mit unterschiedlichsten Erfahrungsmöglichkeiten:

so zum Beispiel Zeiterfassung (z.

B. Dreizeitenpendel), Strömungserfahrung (z. B.

Strömungsscheibe, Virbelaschalen), Lichterfahrung

(z. B. Prismen, begehbares Kaleidoskop),

Klangerfahrung (z. B. Glocken, Gongs, Steinharfe,

Summsteine, Klangobjekte), Riecherfahrung

(Duftorgel), Raumerfahrung (z. B. Balanciergeräte,

Schaukeln).

Zukunftsmusik: Klangsteine

Im so genannten „Erfahrungsfeld“ von Schloss

Freudenberg in Wiesbaden lassen sich vie-

Foto: planrat

Ein Kräutertisch regt die Besucher des Sinnesgartens

zu gemeinsamer Tätigkeit an und weckt

den olfaktorischen Sinn.

le dieser Objekte entdecken. Auch auf dieser

Webseite zitiert man Kükelhaus: „Erfahren hat

eben mit Fahren zu tun. Hier liegt die Hürde.

Wir sind seit Jahrhunderten darin geübt, die

Erfahrung durch die Kenntnis zu ersetzen. Und

leben in einer Ersatzwelt. In der nichts anderes

ersetzt wird als das Leben selbst, eben: die

Erfahrung.“ Das „Erfahrungsfeld“ des Schlosses

bietet Besuchern einen „Feldweg“ zur Entdeckung,

Erkundung, zum spielerischen Umgang

mit all den Erscheinungen, die Himmel und

Erde zusammenhalten: optische Täuschungen,

Schwingungsphänomene, Dunkelraum, Klang-

und Tasterlebnisse, Naturerfahrung. Zu den

beeindruckensten Erfahrungen gehören sicher

die Klangsteine: Bearbeiteter schwarzer Granit,

dem man mit den eigenen Händen und Wasser

meditative Klänge entlocken kann. Der Salzburger

Hannes Fessmann entwickelt solche Steine:

„Wasser ist notwendig, um den Stein spielen

zu können. Wasser legt sich wie ein Film über

den Stein und nimmt ihm seine Härte. Wasser

weicht die Hände, die Finger auf und gibt ihnen

Geschmeidigkeit. Somit sind die Voraussetzungen

gegeben, ohne jeglichen Kraftaufwand den

Klang aus der Materie Stein zu entwickeln. Der

Klang des Steins enthält das Gedächtnis der

Erde.“ Sein Vater, Prof. Klaus Fessmann, bereist

derzeit mit dem Ensemble Klangstein die Republik

und konzertiert mit verschiedenen dieser

Klangsteine überwiegend in Kirchen oder auch

in Konzerthäusern wie der Philharmonie Essen.

Einige dieser Konzerte, wie ein Projekt mit Mar-


kus Stockhausen, wurden schon im Fernsehen

übertragen. Steinklang ist noch Zukunftsmusik

für den öffentlichen Außenraum, noch leise und

selten, aber schon deutlich hörbar: Ein erster

Fessmann-Klangstein wurde jüngst in einem

Erlebnispfad mit 30 Stationen rund um das

Element Wasser, dem „Hexenwasser“ auf dem

Hochsöll in Südtirol, aufgestellt. Denkbar wären

auch kommunale Plätze wie U-Bahnhöfe,

Unterführungen oder ähnliches mit guter Resonanz,

an denen Klangsteine und fl ießendes

Wasser dauerhaft vor Ort wären, so dass sich

Menschen zum Musizieren treffen könnten. Der

Straßengitarrist gesellt sich dann zum Steinklängler

und vielleicht kommt noch ein Sänger

dazu – die Installation würde zum gemeinsamen

improvisierten Spiel, wie man es in den

Fessmannschen Workshops unter anderen auf

Schloss Freudenberg lernt, einladen.

Ein Garten gegen das Vergessen

Weiter führt die sinnliche Betrachtung des öffentlichen

Freiraums vom Schloss zum Garten:

Sinnesgärten fi nden sich in immer mehr Kommunen

und Gemeinden. Diese werden allein

durch die demografi sche Entwicklung künftig

weiter an Bedeutung gewinnen, da Gärten von

je her gerne von älteren Menschen aufgesucht

werden. Natürlich ist jeder Garten auf seine

Weise ein Sinneserlebnis, wobei spezielle „Gärten

für die Sinne“ oder auch „Sinnesgärten“

bestimmte Aspekte aufweisen, die zu berücksichtigen

sind. Dagmar Hoffmann, Landschafts-

Foto: Christina Marx

Mitte September eröffnete der Sinnespfad Naturpark Hoher Vogelsberg in Hessen. Balancieren

gehört zum Programm.

planerin mit Ihrem Büro PlanRat Kassel, realisierte

einen Sinnesgarten für Menschen mit

Demenz für das St.Johannisstift Paderborn. In

diesem Fall ist der Zuschnitt des Gartens zwar

krankheitsbezogen, im Ergebnis „funktioniert“

der Garten aber über alle Generationen hinweg.

Die Landschaftsplanerin erklärt den konzeptionellen

Ansatz: „Mit der Demenz schwindet

Schritt für Schritt die Fähigkeit, Informationen

im Langzeitgedächtnis zu speichern. Gleichzeitig

gehen immer mehr Erinnerungen und Erfahrungen,

die im Langzeitgedächtnis gespeichert

sind, verloren. Der Gedächtnisverlust löst eine

zeitliche, räumliche und situative Desorientiertheit

aus. Dieser Zustand erklärt die vorherrschenden

Angstzustände der Betroffenen.

Es bleiben den Menschen nur noch einzelne Erinnerungen,

an die sie sich klammern, um nicht

vollständig ihre eigene Persönlichkeit zu verlieren.

Oft braucht es einen Anstoß von Außen,

eine Assoziation, ein Duft, eine Farbe, einen

Klang, um Erinnerungen zur Unterstützung der

Selbstdefi nition hervorzurufen. Die Gegenwart

erleben Menschen mit Demenz zunehmend auf

der rein sinnlichen Ebene.“ Für den Außenraum

bedeutet dies, so Dagmar Hoffmann, dass die

Anlage räumlich umgrenzt und einfach lesbar

sein sollte – und doch vielfältig genug, um Impulse

für individuelle Erinnerungen zu geben.

Alle menschlichen Sinne sollten angesprochen

werden, Möglichkeiten zur Bewegung und Betätigung

gegeben sein. Es wurde beispielsweise

ein großer Arbeitstisch entwickelt, in dessen

Top Thema | 25


26 | Top Thema

SINNESWERKSTATT LANDART Naturkunst für

Kinder

Für Kindergarten, Grundschule, Kinderprojektwochen,

Freizeiten, Kunstunterricht, Ganztag, Familie, Umweltbildung

und Kunstschule.

Ganz neu ist ein sehr anregendes Buch für naturpädagogische

und kreative Sinnesspiele für Kinder ab 4

Jahren im öffentlichen Freiraum in Wald und Wiesen.

Der Begriff „LandArt“ wurde in den 70er Jahren für

eine Bewegung rund um Natur-Kunst geprägt. Naturlandschaften

wurden durch riesige Naturinstallationen

aus Steinen, Erde, Sand, Holz und Wasser selbst zum

Kunstwerk. Hiervon ließen sich die Autorinnen zu fantasieanregenden

sinneserweckenden Freiraum-Spielen

inspirieren, die sie in ihrer sozialpädagogischen Tätigkeit

einsetzen.

Die Spielideen machen Urformen wie Kreise, Linien,

Spiralen oder Kreuze erfahrbar, indem die Kinder

beispielsweise Naturmaterialien sammeln und zu

Mustern legen. Andere Vorschläge drehen sich um das

Kennenlernen mit Naturmaterialien wie Holz, Sand

Steine, Blüten, Früchte, Schnee, Feuer, Tierformen,

Blätter. Auch Zeit wird zum sinnlichen Erlebnis, indem

zu jeder Jahreszeit draußen gespielt wird. Für die

Schulung aller Sinne fi nden Interessenten hier jede

Menge Anregungen.

Regina Bestle-Körfer, Annemarie Stollenwerk

www.oekotopia-verlag.de, 128 Seiten, 21,6 x 26,6 cm,

zahlreiche Farbfotos

ISBN: 978-3-86702-074-9 18,90 Euro

Foto: Richter Spielgeräte

Ebenfalls aus der Serie der Spielstationen von Richter: Die Spirale

balanciert mit verschiedenen physiologischen Phänomenen den

Sehsinn aus und überrascht durch eine veränderte Sicht nach

Betrachten.

Mitte Kräuter gepfl anzt sind. Die Anlage bietet

durch ihre klare Grundstruktur und Rundwege,

die immer zum Ausgangspunkt zurückführen,

eine räumliche Orientierung. Bei der Bepfl anzung

wurden bekannte Pfl anzen verwendet,

die Erinnerungen wecken und eine deutliche,

jahreszeitliche Orientierung ermöglichen. Die

Aufteilung der einzelnen Sinnesbereiche wird

durch eine entsprechende Pfl anzenauswahl unterstützt

– bunte Blumen, haptisch interessantes

Blattwerk, duftende Pfl anzen und Kräuter,

Gemüse und Beeren zum Ernten und Essen –

die Bandbreite für Sinneseindrücke ist groß und

gibt gleichzeitig Sicherheit durch Vertrautheit.

Sinnesschulung als gesellschaftliche

Aufgabe

Es mag sein, dass die konzeptionelle Grundlage

für diesen Garten der Blick auf die dementen

Bewohner war – doch eignen sich all diese

Merkmale genauso für überdrehte Kinder, überlastete

Mütter und überreizte Arbeitnehmer,

denen die Klarheit, Sicherheit und Vertrautheit

eines solchen Gartens genauso Ruhe und Halt

gibt, wie den Senioren der Wohnanlage. Ob mit

oder ohne generationsübergreifende Spielstationen

oder Klangsteine. Und so bleibt uns

als Fazit: „Sinnes-Räume für alle“ – eine ganz

wichtige Zukunftsaufgabe für die Kommunen.

D.T.


Spielplätze haben eine wichtige Funktion in der

Gesellschaft. Sie gehören zu Kindheit und Jugend

einfach dazu. Es gibt Spielplätze, die beschaulich

sind, so als wäre die Zeit stehen geblieben,

solche, die mit modernstem Spielgerät

bestückt sind und wieder andere, die vor allem

wegen ihrer Geländegestaltung und Bepfl anzung

attraktiv sind. Ein neuer Trend zeigt sich

in größeren Städten: Spielplätze für Jugendliche

und sogar Spielplätze für Senioren. Spielen

ist eben ein menschliches Grundbedürfnis, das

auch uns Erwachsene manchmal überkommt.

Wir müssen es nur zulassen. Immer geht es bei

Spielplätzen auch um Treffpunkte und Orte der

Kommunikation.

Ob ein Spielplatz leistet, was er soll, ist natürlich

auch Ansichtssache. Auf der Website www.

spielplatz-ansichten.de bietet sich die Gelegenheit

Spielplätze jeder Art vorzustellen. Gelungene,

aufregende, spannende, unmögliche,

kreative, grüne, experimentelle, abenteuerliche

Spielplätze können einer breiten Öffentlichkeit

präsentiert werden. Natürlich mit einem kurzen

Kommentar. Ziel: eine überregionale Auseinandersetzung

und mehr Aufmerksamkeit für real

existierende Plätze für Freizeit und Spiel Jeder,

der einen Spielplatz kennt, der erwähnenswert

ist, kann sich beteiligen. Ganz gleich, ob es ein

besonders gelungener oder eben nicht empfehlenswerter

Platz ist. Künstlerisch müssen die

Bilder nicht sein, aber scharf und richtig belichtet.

Und die Kommentare sollten konstruktiv

gehalten werden. L.K.

Einfach Bilder per Mail an

fotos@spielplatz-ansichten.de senden

und diese Details angeben:

Spielplatz:

(Straße) in (Ort/Land)

Kommentar zum Spielplatz:

(Ein bis zwei Sätze)

Fotograf: (Name)

Aufnahmedatum: (Monat/Jahr)

Showcase für

Spielplätze

Top Thema | 27

Foto: Anke Bührman


Marktmonitor

Neu in der Stadt

Pünktlich zur FSB starten die Hersteller eine Neuheitenoffensive: Dagmar Thiemann

hat sich für Sie umgesehen und stellt interessante Produkte für den kommunalen

Freiraum vor.

28 | Marktmonitor

Freestyler

Im fl achen Land lässt es sich gut treten: Kein

Wunder, dass eine völlig neue Kreuzung aus

Tretauto und BMX-Fahrrad von BERG Toys

aus den Niederlanden kommt - quasi der

Quad unter den Tretmobilen für Kinder. Der

Freestyler macht abenteuerliche Stunts für

zukünftige Helden möglich. Natürlich auf

sichere Weise, wofür diverse Features sorgen.

» www.bergtoys.nl

Balancierpfad

Ein neu entwickeltes Spielgeräteprogramm von RUWA aus

Österreich fördert nicht nur die Ausbildung der Sinne, sondern

sorgt auch für die Verbesserung der motorischen Fähigkeiten.

Neben einem Empfi ndungspfad fördern Hoch-tief-Balancier-

Geräte Gleichgewichtssinn und Körpergefühl. Übrigens: Beweglichkeit

und Gleichgewicht sind nicht nur für Kinder, sondern

auch ältere Menschen wichtige Komponenten, um sicher durch

den Alltag zu gelangen, dieser Pfad könnte also genauso gut in

einem Stadtpark installiert werden.

» www.ruwa.at

Ferrari Go-Kart

Ebenfalls von BERG Toys stammt der Ferrari unter den Go-Karts: Welcher Junge

träumt nicht von so einem roten Rennwagen? In Zusammenarbeit mit dem legendären

Rennwagenhersteller entwickelte BERG Toys zwei Pedal-angetriebene

Ferrari F1 Pedal Go-Karts. Mit den Maßen von 128 x 75 x 67 cm und einem

Gewicht von 27 kg kann er sich auf jeder Kart-Bahn gut

sehen lassen.

» www.bergtoys.nl


Bank in der Mauer

Die Stadt Würzburg gestaltete die Mainpromenade

neu. Hier lieferten die MHW Metallwerke

Helmstadt GmbH verschiedene Sitzgelegenheiten.

Ganz besonders gelungen fi nden wir

die Sitz- und Ruhezonen an der Hochwasserschutzmauer,

weil sie sich optisch so perfekt

integrieren. Als Rückenlehnen wurden geneigte

Steinelemente in die Natursteinoberfl äche der

Hochwasserschutzwand integriert. Unter der

Sitzfl äche sieht man das erhöhte Straßenpfl aster,

wodurch sich die Bank durch Blinde leicht

ertasten lässt.

» www.mhw-object-design.de

Vogelnest

Es sieht nicht nur nach einem sicheren

Nest aus, sondern ist es

auch: Beim HUCK-Vogelnest sorgt

eine engmaschige Gliedermatte,

auf der die Kinder sitzen, dafür,

dass die Kleinen nicht durchrutschen

und weder Arme noch Bei- ne

beim Schaukeln durchgesteckt

werden können. Der Boden ist

stufenlos und sanft gerundet,

damit „die Küken“ ergonomisch und geborgen im Vogelnest liegen. Eine extra starke Polsterung – stärker als von der

geltenden Spielgeräte-Norm vorgeschrieben – bietet zudem ein Maximum an Sicherheit. Noch mehr Sicherheit für die

Kommune bringt die 5-Jahres-Garantie auf alle Materialien. » www.huck.net

Leuchtpoller

Wenn die Dämmerung anbricht, fühlen sich viele Bürger auf öffentlichen Wegen

unsicher. Der Grund: Zwar hellen Laternen den Bereich großfl ächig auf, doch scheinen

sie nicht seitlich ins dunkle Gebüsch. Deshalb hat ABES den Leuchtpoller im Rahmen

der Serie intelligenter Stadtmöbel entwickelt. Dieser Leuchtpoller steht als einziger

seiner Art auf einem Wechselsockel mit 3p-Technologie. Das zylindrische Gehäuse aus

Aluminiumguss ist mit 36 kräftigen Routiero Luna-LED-Lampen bestückt, dessen Licht

nach allen Seiten ausstrahlt.

» www.abes-online.com

Marktmonitor | 29


Urban Play

Aus den Niederlanden stammt ein neues Spielgerät für

Kinder zwischen 6 und 12 Jahren: BOER entwickelte es mit

dem Ingenieurbüro Carve. Durch die besondere Linienführung

und Materialauswahl appelliert Urban Play an die

heutige Erlebniswelt der Kinder. Das Stahl-Spielgerät ist

mit drei Farben lieferbar: in Grün, Rot oder Blau.

Urban Play besteht aus dynamisch aufgebauten Spielgeräten

in vielen Variationen, die Kinder verlocken, immer

wieder Neues zu probieren. Objekte wie drehende Kugeln,

rotierende Plattformen und bewegliche Elemente regen zu

Bewegung an. Gleichzeitig können auch Ruhezonen wie

Lounge-Ringe oder Netze integriert werden.

» www.boerplay.com

30 | Marktmonitor

Rasengitterplatten

Sie sind nicht mehr ganz neu - etwa seit einem

Jahr auf dem Markt – aber durch die Änderungen

der Norm im Mai umso aktueller: Derzeit stellen die

Rasengitterplatten von Conradi+Kaiser die einzige

zweifelsfrei normgerechte Lösung für die Bodenbefestigung

hinter Hangrutschen dar, wie sie die neue

Norm EN 1176/2008 vorschreibt. Dort überzeugt

die Rasengitterplatte auch mit den erforderlichen

Fallwerten.

Mit einem Anteil von etwa einer Hälfte an Rasenfl äche

kombinieren die C+K-Rasengitterplatten natürliche Optik mit größtmöglichen

Fallschutzeigenschaften. Die integrierten Verbindungssysteme

verzahnen formschlüssig miteinander und ermöglichen eine schnelle,

kostengünstige Verlegung, die sich dem Untergrund fl exibel anpasst.

» www.conradi-kaiser.de


Unterirdisches Abfallsystem U-Select

Der Hauptteil des Abfall-Sammelsystems von Paul Wolff ist nicht nur unsichtbar, sondern auch gerecht: Mit U-Select,

dem unterirdischem Sammelsystem für Altpapier, Altglas sowie Restmüll, zahlt jeder Nutzer nur für seinen Abfall –

zum Beispiel in einer städtischen Wohnanlage. Sichtbar ist nur das Einwurfgehäuse, darunter befi ndet sich ein großer

Sammelcontainer, der mit einem Lift zur Leerung hochgefahren werden kann. Der jeweilige Nutzer identifi ziert sich

am Bedienfeld des Einwurfgehäuses mittels eines Chips oder Transponders, der die Abfallschleuse öffnet. Anschließend

werden die Daten per GPRS an einen Zentralrechner übertragen. Individuelle Nutzung und Füllstandskontrolle sind

dadurch jederzeit berechenbar.

» www.muellkonzepte.paulwolff.de

Großes Stern-Oktanetz

Corocord hat jüngst ein Oktanetz in neuer Ausrichtung defi -

niert: Schräg gekippt wird das Netz als Sternenform an drei

gekreuzten Druckstäben befestigt. Diese Konstruktion ist für

den Einsatz im Außen- wie auch im Innenbereich geeignet.

140 Meter Seil in ca. 2 cm Durchmesser ergeben 42 Maschen

– damit ist viel möglich: hangeln, durchklettern, balancieren

oder in der engmaschigen Struktur einen bequemen Sitzplatz

fi nden. Die Fallhöhe der Raumnetzpyramide beträgt 2,80

Meter, die benötigte Grundfl äche sollte einen Durchmesser von

4,55 m. aufweisen.

» www.corocord.de

Marktmonitor | 31


Spider Seilspielgerät

Der Spider, das neuste Seilspielgerät der Firma

Lappset, wurden speziell für Jugendliche und

Kinder, die gerne wild und intensiv spielen,

kreiert. Die Kombination von Klettergerät und

Sprungtuch geben reichlich Gelegenheit zur

Bewegung. Das Seilspielgerät kann von bis zu

11 Kindern gleichzeitig genutzt werden und ist

daher gerade für Wohngebiete und Gebäudekomplexe

im Großstadtdschungel sehr gut geeignet.

» www.lappset.de

Intelligente Stadtmöbel - LuxBin

ABES bietet seit längerem schon Poller in 3p-Technologie an, die im Falle

einer Kollision einfach an einer Sollbruchstelle abknicken und leicht durch

Austausch eines kostengünstigen Verbindungsstücks wieder aufgestellt

werden können. Jetzt wenden die Luxemburger die 3p-Technologie auch

auf Abfallbehälter und Ascher an. Solchermaßen ausgestattete Stadtmöbel

lassen sich außerdem im Handumdrehen entfernen, um Flächen anderweitig

zu nutzen. Einer der neuen intelligenten Stadtmöbel von ABES ist

der Abfallbehälter „LuxBin“, der auf der FSB vorgestellt wird. Der Behälter

fasst 80 Liter und steht mit patentierter 3p-Technologie wackelfest in der

ebenerdigen Bodenhülse: Entleert wird über den patentierten Öffnungsmechanismus

oder durch Kippen des Behälters.

» www.abes-online.com

32 | Marktmonitor

Wiegenwippe

Von der SPOGG Sport Güter GmbH aus Asslar-Berghausen stammen

die Geräte der Marke Hally Gally: Diese neue Wiegenwippe

mit wartungsfreiem Rollenlager ist für jedes Alter geeignet. Sie

eignet sich sowohl als Element in einem generationenübergreifenden

Fitness-Parcour, wie auch als Einzelgerät auf dem

Spielplatz. Die Wippe ist mit einer Fallhöhe von 1,30 m für Rasen

zulässig. Der Platzbedarf ist inklusive Sicherheitsbereich mit 3,50

m x 7,00 m anzusetzen.

» www.hally-gally-spielplatzgeraete.de


Im Osnabrücker Hauptquartier arbeiten derzeit

30 Mitarbeiter – und fast alle haben Kinder im

Spielplatzalter. Bis auf den Seniorchef Dr. Joachim

Runge, aber dieser hat drei Enkel von seinem

Sohn Oliver, somit verbringt auch er Zeit

mit Kindern. Einer der Enkel, der vierjährige Frederick,

ziert den Titel der aktuellen Broschüre

zur Serie KIDS. Und das kam so: Anfang diesen

Jahres setzten sich die Mitarbeiter bei Runge

mit der Geschäftsführung zusammen und stellten

fest, dass sie in der alltäglichen Lebenswelt

der Kinder alle eine ähnliche Erfahrung machen:

Es gibt einfach zu wenig kindgerechte Möbel im

öffentlichen Freiraum. Natürlich hat jeder Spiel-

oder Stadtplatz Bänke – aber auf die müssen

Kinder im Kita- und Kindergartenalter gehoben

werden oder klettern. Klassische metallene Abfallbehälter

fallen in der farbigen Umgebung

kaum ins Auge, dafür umso mehr der weggeworfene

Müll im Spielsand. Runge entwickelte

deshalb eine Kids-Serie mit einem rotgelben

Durch die Bank gut

In der Serie Herstellerportrait möchten wir Ihnen das wohl älteste deutsche

noch existierende Unternehmen für Freiraummöblierung vorstellen: die Runge

GmbH & Co. KG. Das Familienunternehmen hält sich seit über 100 Jahren

durch seinen hohen Qualitätsanspruch am Markt – derzeit unter den TOP-5.

Runge passt besonders gut in diese Ausgabe, weil die Osnabrücker gerade mit

der neuen Serie „KIDS“ in das Marktsegment Freiraummöblierung für Kinder

einsteigen.

Abfallbehälter und besonderen ergonomisch

angepassten Sitzmöbeln für Kinder. So auch ein

hölzerner Sitzring, der als Stuhlkreis für Kindergärten

oder ähnliche Flächen funktioniert.

Da Kinder im Alter von Frederick schnell dem

Stuhlkreisalter entwachsen, gehört auch das

Jugend-Sitzmöbel Theatrum zum Programm, in

dem die Jugendlichen ähnlich einer Tribune auf

drei Ebenen chillen können. Geschäftsführer

Oliver Runge erklärt die Idee hinter der Serie:

„Uns war wichtig, nicht nur über eine kindergerechtere

Gesellschaft zu reden, sondern sie

konkret durch eigene Gestaltung umzusetzen.

Dafür haben wir nicht nur unsere eigenen aktuellen

Erfahrungen als Eltern betrachtet, sondern

mit Designern gesprochen, mit Architekten

und Technikern, vor allem aber mit den Kindern

selbst. Sie wurden in den Entwicklungsprozess

mit einbezogen - bis hin zu ihrer Präsenz

in der Broschüre, auf die sie sehr stolz sind.“

Bei den Entwürfen für Kinder und Jugendliche

Portrait | 33


„Wir fördern die Verwendung FSC-zertifzierter

Hölzer. Der FSC ist die einzige

internationale Organisation, die es geschafft

hat durch höchste Ansprüche und

Integration aller Beteiligten, nicht nur die

Akzeptanz sondern sogar die intensive Unterstützung der größten

und führenden Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, WWF,

BUND, NABU etc. zu erhalten.“

Oliver Runge, Geschäftsführer Runge GmbH & Co. KG

34 | Portrait

SCS-COC-00465

hat Runge die betreuenden Erwachsenen nicht

vergessen. Jeder kennt die Diskussion der Kindergärtnerinnen

und Kindergärtner, die dieses

Jahr u.a. für körpergrößengerechtes Kindergartenmobiliar

im Sinne des Gesundheitsschutzes

gekämpft hatten. „Wir haben für beispielsweise

Erzieher und Lehrer bei dem System Circus

nicht nur eine ideale Sitzrunde für die Kinder

geschaffen, sondern mit dem PrivateSeat den

erwachsenengerechten Außenstuhl gleich mit.

So beweist Runge seinen vollständigen Entwicklungsansatz

bei Mobiliar für Kindergärten,

Schulen und Sportstätten.“

3-D-Simulation garantiert Präzision

in Perfektion

Wie bei Runge üblich, wurde bei der Produktentwicklung

vor deren materieller Entstehung in

spezieller 3D Software konstruiert und simuliert.

Simon Forman, Pressesprecher, erklärt den Vorteil

für die Qualitätssicherung: „Dieses Verfahren

sichert bei Sonderanfertigungen oder auch Produktinnovationen

für externe Auftraggeber den

hohen Qualitätsanspruch, da auf Wunsch von

Architekten die Entwürfe auch gerendert und

als Images zum Druck oder als Film ausgegeben

werden können. Dieses erhöht die Präzision und

die Kommunikation zwischen Hersteller, Planer

und Bauherr.“ Ein Beispiel dafür ist das Projekt

Landesgartenschau Bingen mit Parkbänken aus

unterschiedlichen Modellreihen, insbesondere

auch ein eigens hierfür entwickeltes Bankmodell.

Bei der Entwicklung und ortsspezifi -

schen Anpassung der Bänke hat Runge eng

mit dem Planer zusammengearbeitet und

durch moderne 3D-Bank-Simulationen

die Entscheidungsfi ndung bei dem Landschaftsarchitekten

und den Gremien der

Landesgartenschau unterstützt.

Saubere Lösungen für Kommunen

Neben Bänken und Banksystemen beliefert

Runge Kommunen auch mit Abfallbehältern.

Klassiker wie der Compactboy

und preisgekrönte Modelle

wie der Haidog, ein Abfallbehälter mit

integriertem Tütenspender für Hundekot,

sorgen in zahlreichen Städten für

ein sauberes Stadtbild. In Zeiten der

Terrorangst sorgte Runge 2007 mit

dem Abfallhai für Aufsehen, der mit

einer Protectus-Ausführung auf den

Markt gebracht wurde, die die Splitterkraft

einer Granate derart absorbiert,

dass das Gefahrenpotenzial einer Spreng-


ladung dramatisch reduziert wird. Als jüngste

Entwicklung wurde der Abfallbehälter Fly im

letzten Jahr mit dem iF product design award

geehrt und dieses Jahr sogar für die höchste

offi zielle Designauszeichnung der Bundesrepublik

Deutschland nominiert, für den Deutschen

Designpreis 2009.

Brasilianische Kiefer und

andere Harthölzer

Wie sich ein Unternehmen wie Runge über 100

Jahre am Markt halten konnte, liegt ganz sicher

an der Qualität der Produkte, ziemlich sicher an

ihrer zeitlosen Designstrategie und vielleicht

auch an der Stabilität der Familientradition, innerhalb

derer seit 1908 eine enorme Erfahrung

an jede nächste Generation weiter gegeben

wird. So ist Oliver Runge von klein auf mit Parkbänken

und ihrer Herstellung aufgewachsen,

hat schon am Mittagstisch über Hölzer gefachsimpelt

und war nach dem Wirtschaftsstudium

unter anderem für The Wood Connection in

Namibia tätig. Er hält den Maßstab für das verwendete

Holz – im Falle der Serie KIDS naturbelassenes

Niangon-Holz – hoch: So kommen nur

handverlesene Chargen in die Produktion. Und

diese tragen immer häufi ger das FSC-Siegel

für nachhaltige Holzwirtschaft, weil es Runge

gelingt, seine Kunden von der Glaubwürdigkeit

und dem wirklich sinnvollen Beitrag zum Schutz

der Wälder weltweit zu überzeugen. Vermutlich

kann sein Sohn Frederick in wenigen Jahren gutes

Holz schon von schlechtem unterscheiden,

noch bevor er alt genug für´s Chillen auf dem

Theatrum ist.

Wie haltbar Runge-Holzbänke sind, zeigt die

Tatsache, dass kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum

zur großen Freude von Oliver Runge

die wohl älteste, noch in Gebrauch befi ndliche

Parkbank aus brasilianischer Kiefer in Bayern

auftauchte. „Anhand des Markenschildes datieren

wir die Bank auf die Zeit zwischen dem

Gründungsjahr der Firma im Jahr 1908 und

1911.“

Holz und Metall als Material für

zeitlose Stadtmöbel

Die Holzverarbeitung hat bei Runge heute einen

Anteil von etwa 45 Prozent an der Gesamtproduktion.

Mehr als 54 Prozent entfallen auf

Bankkomponenten, Abfallbehälter und Fahrradständer

aus Metall. Mit Kunststoffprodukten

erwirtschaftet das Unternehmen weniger

als ein Prozent Umsatz. Simon Forman fasst die

Produktpalette zusammen: „Das Portfolio von

Runge umfasst insgesamt über 350 Produkte -

von historischen oder modernen Möbeln über

Sitzbänke unterschiedlicher Materialien, von

Abfallbehältern bis zu Fahrradständern, Tischen

und Pfl anzenkübeln. Insgesamt werden 1.220

unterschiedliche Grundvarianten angeboten,

die in mehreren Oberfl ächenveredelungen und

Farbvarianten bestellt werden können.“

Produziert wird übrigens ausschließlich in

Deutschland, was auch für die Zulieferer gilt.

„Durch die Bank gut“ – so lautet der Slogan des

Unternehmens. Und so lautet auch unser Eindruck.

D.T.

Für Kindergärten, Parks oder Spielplätze: Stuhlkreis Circus mit extrem haltbarem Niangon-Holz beplankt.

Auch ein Abfallbehälter zum Kids-

Programm: Dieser CowBoy sorgt für

Ordnung.

Portrait | 35


36 | Gesellschaft

Foto: shutterstock


Jugend im öffentlichen Raum

Spiellandschaft Bremen

Das Deutsche Kinderhilfswerk setzt sich für Kinderrechte, Beteiligung und die

Überwindung von Kinderarmut in Deutschland ein. Vor 35 Jahren traten die

Gründer an, um die Spielplätze Deutschlands zu verbessern – und tun es heute

noch. So unterstützt die Organisation private oder kommunale Projekte, welche

unter der Beteiligung von Kindern bestehende Spielorte verbessern oder

neue anregungsreiche Spielräume im Wohnumfeld schaffen. In Bremen ist

dies besonders vorbildlich gelungen. Unser Gastautor Holger Hofmann berichtet,

wie öffentlicher Freiraum für Jugendliche wieder attraktiv wurde.

Die häufi gste Freizeitaktivität von Jugendlichen

ist das Treffen mit anderen Gleichaltrigen, im

Sozialpädagogenjargon „Peers“ genannt. Das

Elternhaus kommt naturgemäß hierfür weniger

in Frage, Jugendfreizeitstätten sind selten

vorhanden und werden zudem vielerorts abgebaut.

Öffentliche Räume, in denen Jugendliche

sich bewegen, sich ausprobieren oder einfach

nur unter sich sein können, gewinnen daher

an Bedeutung. Doch zunehmend stoßen diese

Orte auf den Widerstand von Anwohnerinnen

und Anwohner, werden – von der Öffentlichkeit

weitgehend unbemerkt – Gegenstand von

Lärmklagen. Verschärfend wirkt die aktuelle

Gesetzeslage, welche die Jugendspielplätze

mittels Lärmschutzverordnung zusätzlich torpediert.

Derzeit behandelt das Gesetz Einrichtungen

des Jugendspiels wie etwa Skateranlagen,

Bolz-, Streetball- oder Tischtennisplätze

als Sportanlagen. Dadurch werden Abstandsfl

ächen zwischen 90 und 200 Metern nötig, die

vor allem in größeren Städten praktisch nicht

einzuhalten sind, es sei denn, die Plätze werden

an den Stadtrand verlegt. So kommt es dann zu

einer Skateranlage, die zunächst für viel Geld

errichtet wurde und dann Empörung auslöst,

weil sie nicht von den Jugendlichen genutzt

wird.

Jugendliche sind Opfer von Schutz-

und Planungsmaßnahmen

Jugendliche ab 12 Jahren sind so die größten

Opfer von Lärmschutz und dem Ausverkauf

städtischer Räume geworden. Etwa ab diesem

Alter beginnt das positive Image von spielenden

Kindern einem Schreckensbild zu weichen.

Aber vergessen wir nicht: „Wie es in den Wald

hineinschallt, so kommt es heraus“. Orte, die

Jugendliche verstärkt als Treffpunkte nutzen,

sind wohnortnahe Kinderspielplätze, Treppen

zum Skaten oder leider nicht zuletzt die Tankstelle.

Gibt es dort Jugendliche, die für Unordnung

oder Beschädigungen sorgen, etwa indem

sie ihre Zigarettenkippen auf dem Spielplatz

zurücklassen, dann fi ndet in der Regel kein

direkter Kontakt, kein Gespräch statt, sondern

es wird nur Klage unter den Erwachsenen laut

oder die Polizei gerufen. Dabei greift oftmals

ein Etikettierungsphänomen: Wird ein Jugendlicher

im öffentlichen Raum auffällig, so wird

die gesamte Altersgruppe damit in Verbindung

gebracht.

Unter den Jugendlichen macht sich ein Gefühl

der Machtlosigkeit breit, welches durch etikettierende

Vorwürfe und das Gefühl der Unerwünschtheit

noch weiter verstärkt wird.

Im öffentlichen Raum werden Normen und

Werte übernommen oder abgelehnt. Wir können

davon ausgehen, dass der öffentliche Raum

diese Aufgabe derzeit vor allem in negativer

Hinsicht erfüllt.

Gesellschaft | 37


Foto: DHKW

Jugendfreizeitheim Oslebshausen: In Zusammenarbeit mit dem

Künstler Claus Petersen entstand eine Chillecke.

Wer gefragt

„Wenn Jugendliche in Verfahren und Prozesse der wird, integriert

Stadtentwicklung einbezogen werden, etwa durch sich leichter

Es gilt deshalb,

ortsbezogene Planungsbeteiligung, als Beteiligte die Bedürfnisse

bei der Leitbildentwicklung der Kommune oder von Jugendlichen

im öffentlichen

über die Integration in Planungsverfahren wie Raum stärker zu

die Spielleitplanung, ermöglicht man ihnen erst, berücksichtigen,

ihnen Angebote

aktive Mitglieder der Zivilgesellschaft zu werden.“

bereitzustellen, in

Holger Hofmann, Deutsches Kinderhilfswerk

denen sie unter

sich sein können.

Die Einbeziehung von Jugendlichen in Verfahren

und Prozesse der Stadtentwicklung, etwa durch

ortsbezogene Planungsbeteiligung, die Einbeziehung

in die Leitbildentwicklung der Kommune

oder über die Integration in Planungsverfahren

wie die Spielleitplanung ermöglicht

sie zu aktiven Mitgliedern der Zivilgesellschaft

werden zu lassen. Gerade für die sogenannten

Problemgruppen wie Jugendliche mit Migrationshintergrund

oder aus sozial benachteiligten

Quartieren hat dieser Zugang eine hohe Integrationskraft.

Jugendliche als Expertinnen und

Experten für ihre Lebensumwelt einzubeziehen,

leitet sich schon aus den gesetzlichen Vorgaben

aus Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention

(die auch für „Kinder“ bis 18 Jahre gilt) und § 1

des Baugesetzbuches ab. Bei der Ausarbeitung

kommunaler Verfahren und Prozesse ist es notwendig,

alle relevanten Jugendspiel- und Freizeiträume

einzubeziehen und ihre Verteilung

38 | Gesellschaft

Foto: DHKW

Der Mosaikgecko gefällt als Hingucker

und als Sitzgelegenheit.

im Stadtgebiet zu berücksichtigen. Im Idealfall

erschließen sich Jugendliche ihr soziales und

ökologisches Umfeld in konzentrischen Kreisen.

Vom unmittelbaren Raum in der Nachbarschaft

und Bildungseinrichtungen bis hin zu weiter

entfernten Angeboten baut der Jugendliche

sein Verhaltens- und Rollenrepertoire immer

weiter aus. Bei der Betrachtung relevanter Räume

dürfen die oft geschlossenen Vereinssportplätze

oder Außengelände von öffentlichen Einrichtungen

nicht vergessen werden. Darin sind

Ressourcen zu erkennen, die neben einer guten

auch zu einer fi nanzierbaren jugendgerechten

Kommune führen. Über eine Ausrichtung der

Stadtentwicklung auf Jugendliche kann zudem

der Verbleib bzw. der Rückzug von Familien in

innerstädtische Quartiere befördert werden und

darüber sich eine nachhaltige Stadtentwicklung

vollziehen.

In Bremen sieht man, dass es geht

Seit elf Jahren gibt es in Bremen die Gemeinschaftsaktion

SpielRäume schaffen“. Ziel der

Aktion ist es, die Stadt für Kinder wieder lebenswerter

zu gestalten. In diesen elf Jahren

wurden über 180 Spielräume neu geschaffen.

Zahlreiche Initiativen und Einrichtungen haben

sich mit großem Engagement daran beteiligt. Es

sind an vielen Orten viele neue Projekte entstanden,

die insgesamt die Lebensqualität für

Kinder in Bremen verbessert haben. In Kooperation

mit der Stadtgemeinde Bremen hat das

Deutsche Kinderhilfswerk in 2008 einen Förder-


schwerpunkt „Jugendtreffpunkte“ eingerichtet.

Mit einem Sonderfonds werden gezielt Projekte

gefördert, die neue Treffpunkte für Jugendliche

in der Stadt entwickeln. Dabei ist es eine zentrale

Förderbedingung, dass die Ideen für das

Projekt von den Jugendlichen selber entwickelt

werden.

Hangelgarten beim Jugendfreizeitheim

Bremen Oslebshausen

Das Gelände beim Jugendfreizeitheim in Oslebshausen

lag lange Zeit brach. Immer wieder

äußerten die Jugendlichen, dass Sie hier gerne

einen attraktiven Treffpunkt hätten. In einer

Zukunftswerkstatt wurde das Außengelände

neu geplant. Den Jugendlichen war von Anfang

an neben den rein funktionalen Aspekten auch

eine ästhetische Gestaltung des Geländes wichtig.

So entstand zuerst unter Beteiligung des

Künstlers Claus Petersen ein Mosaikgecko als

Hingucker und Sitzgelegenheit und anschließend

ein interessantes Schweißprojekt mit der

Künstlerin Anja Fußbach. Nun steht dringend

ein Ort zum ‚Chillen‘ und Bewegen an. Die Jugendlichen

haben sich für einen Hangelgarten

und diverse gemütliche Sitzgelegenheiten, so

genannte ‚Hinfl äzer‘ und Hängematten entschieden.

Insbesondere wenn das Jugendfreizeitheim

geschlossen ist, soll es über das neue

Außengelände trotzdem einen Raum geben,

an dem sich die Jugendlichen treffen können.

Über die positive Anbindung an das Jugendfreizeitheim

lässt sich auch in Zukunft das Prinzip

Selbstöffnung der Einrichtung vermehrt verwirklichen.

Einige der Jugendlichen absolvieren

Kurse, um sich zum Jugendleiter zu qualifi zieren

(JuLeiKa) und zur Selbstöffnung berechtigt

zu sein.

Jugendbolzplatz am Warturmer Platz,

Woltmershausen

In einer Insellage zwischen Gewerbegebiet und

Verkehrsstraßen liegt das Bremer Quartier Warturmer

Platz. Der öffentliche Spielplatz wurde

letztes Jahr in einem Beteiligungsverfahren neu

und attraktiv gestaltet, jedoch fehlt ein attraktives

Angebot für die Älteren. Der Zustand des

benachbarten Bolzplatzes ist so schlecht, dass

er perspektivisch gesperrt werden muss. Seit

Jahren engagieren sich die Jugendlichen für die

Rettung ihres Bolzplatzes. Sie führen kleinere

Reparaturarbeiten durch, werben Spenden ein

und setzen sich mit den zuständigen Institutionen

auseinander. Mit Unterstützung des Förderkreises

des Wohnviertels Warturmer Platz

Foto: GKHW

Freiraummöbel, die von Jugendlichen gewählt und akzeptiert werden, lassen Lässigkeit zu.

und dem Kinder- und Jugendhaus Warturmer

Platz gibt es jetzt Planungen zur Bolzplatzsanierung.

Die Jugendlichen werden Abräumarbeiten

übernehmen, um die Kosten für die

Sanierung zu senken. Wenn alle beantragten

Gelder bewilligt werden, dann kann der neue

Platz noch dieses Jahr fertig werden.

Stadt für alle - Platz für Jugend

In den Jahren, in denen die Bremer Gemeinschaftsaktion

SpielRäume schaffen“ läuft,

wurde deutlich, dass Projekte für Jugendliche

ungleich schwerer zu realisieren sind, als Projekte

für Kinder. Die Kampagne des Deutschen

Kinderhilfswerks, „Stadt für alle - Platz für Jugend“,

hat deshalb neben der Förderung von

konkreten Projekten durch begleitende Öffentlichkeitsaktionen

auf die Rechte von Jugendlichen

in der Stadt aufmerksam gemacht. Unter

dem oben genannten Slogan wurden Poster

gedruckt und Anzeigen geschaltet. Jugendliche

haben selber Postkarten gestaltet und hierauf

ihre Wünsche für eine jugendgerechte Stadt

formuliert. Als Abschluss der Aktion wird es

voraussichtlich im Herbst 2009 einen Fachtag

zum Thema Jugendliche in der Stadt geben.

Holger Hofmann

» www.spiellandschaft-bremen.de

Holger Hofmann

Der Autor ist Leiter der Programmabteilung

Spielraum“

und Referent beim Deutschen

Kinderhilfswerk (DKHW) in

Berlin. In der Abteilung werden

zahlreiche Projekte koordiniert

und realisiert: das Projekt

„Bewegungsbaustellen“, der

Wettbewerb „ReCreate –

deine Idee macht den Unterschied“,

die Bremer Gemeinschaftsaktion

SpielRäume

schaffen“, der Weltspieltag,

die Aktionswoche „Zu Fuß

zur Schule“, das Bündnis

„Recht auf Spiel“, das Projekt

„Respekt“ in Uecker-Randow

und die Services für Kommunen

im Rahmen der Aktion

„Kinderfreundliche Stadtgestaltung“.

» www.dkhw.de

Gesellschaft | 39


Deutsches Kinderhilfswerk

unterstützt Kommunen

Links

www.dkhw.de

www.kinderfreundlichestadtgestaltung.de

www.recht-auf-spiel.de

www.kinderpolitik.de

40 | Gesellschaft

Vor dem Hintergrund des demografi schen Wandels und schrumpfender Städte

wird eine kinder- und familienfreundliche Entwicklung von Städten und Gemeinden

zu einer zentralen Strategie zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit.

Es bedarf dazu geeigneter Instrumente und Verfahren, die Bürgerbeteiligung

und Stadtplanung miteinander verknüpfen. Das Deutsche Kinderhilfswerk ist

unter anderem Initiator des Projektes „Kinderfreundliche Stadtgestaltung“

und unterstützt derzeit 13 Modellkommunen mit Rat und Tat. Weitere können

sich noch bewerben.

Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt die

kommunalen Bestrebungen seit 2004 und will

in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die

notwendige Aufwertung des Wohnumfeldes

schaffen. Neben politischer Lobbyarbeit zum

Beispiel mit dem Bündnis „Recht auf Spiel

und in Sachen (www.kinderpolitik.de) engagiert

man sich auch durch den Spielraumbeirat. Er

besteht aus interdisziplinär arbeitenden Fachverständigen

unterschiedlicher Berufe und Regionen.

Durch Vernetzung, Förderung und Beratung

will das Deutsche Kinderhilfswerk dazu

beitragen, Kinderfreundlichkeit in Deutschland

nicht nur politisch durchzusetzen, sondern

auch konkret zu verwirklichen. Dabei sieht man

die dringende Notwendigkeit, bei der Gestaltung

von städtischen Freiräumen und naturnahen

Spielangeboten neue Wege zu gehen. Ziel

ist ein kreatives Wohnumfeld mit öffentlichen

Räumen zum Entdecken und Verändern, mit

Kommunikations- und Naturerfahrungsräumen,

mit hausnahen Bewegungsräumen auch

auf Gehwegen und Straßen sowie mit offenen,

ungenormten Bewegungs-, Spiel- und Sportplätzen

für alle.

Spielleitplanung an der TU Berlin

Die Lobbyarbeit zeigt ihre Wirkung auch in Bildung

und Forschung: Seit Anfang 2009 wurde

in Berlin-Pankow durch die Unterstützung

der TU Berlin ein Projekt zur Spielleitplanung

gestartet. Damit wurde die Spielleitplanung

erstmals in einen Studiengang der Stadt- und

Regionalplanung aufgenommen.

Modellkommunen im Programm

Spiel! Platz ist überall“

Ein Instrument, das Ziel einer kinderfreundlichen

Stadtgestaltung konkret zu erreichen,

ist das Programm „Spiel! Platz ist überall“. Es

wird durch den Spielraumbeirat des Deutschen

Kinderhilfswerkes begleitet und durch das Bundesministerium

für Familie, Senioren, Frauen

und Jugend gefördert. Im Rahmen dieses Projektes

kooperiert das Deutsche Kinderhilfswerk

Kooperationen mit derzeit 13 Modellkommunen:

» Berlin-Pankow

» Blankenfelde-Mahlow

» Dortmund

» Eberswalde

» Hennef

» Karlsruhe

» Mülheim an der Ruhr

» Pattonville

» Rietberg

» Soltau

» Steinfurt

» Velbert (Projekt I, Projekt II)

» Würselen

Konkrete Hilfe:

Beratung und Vernetzung

Auf der Basis der Kooperationsvereinbarung

können die Kommunen eine Initiativberatung

durch die Mitglieder des Spielraumbeirates in

Anspruch nehmen, um ein Konzept für den Planungsprozess,

die Finanzierungsmöglichkeiten

und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

zu erhalten.


Jugend in der Modellkommune Berlin-Pankow

Das Deutsche Kinderhilfswerk bietet darüber

hinaus an, ein Fachgespräch zu organisieren,

das sich an örtliche Entscheidungsträger/innen

oder auch an die erweiterte Fachöffentlichkeit

und interessierte Erwachsene und Jugendliche

richtet (wie Vereine, Verbände oder Jugendverbände).

Hier übernimmt das Deutsche Kinderhilfswerk

die Kosten für die Bewerbung, das

Teilnehmermanagement und die Aufwendungen

für die Expertinnen und Experten.

Unterstützung von Starterprojekten

Darüber hinaus werden die Modellkommunen

darin unterstützt, Starterprojekte öffentlichkeitswirksam

darzustellen. Die Hilfe geht von

der Beratung hin bis zu fi nanziellen Mitteln für

Pressekonferenzen.

Evaluation des Entwicklungsprozesses

Eine begleitende lösungsorientierte Evaluation

soll den Kommunen helfen, den Entwicklungsprozess

kritisch zu begleiten und ihn als beispielgebend

für andere Kommunen aufzubereiten.

Hierfür stellt das Deutsche Kinderhilfswerk

weitere Beratungsstunden und die Aufarbeitung

von Materialien bereit.

Abschlussveranstaltung

Die Nachhaltigkeit des Beteiligungs- und Planungsverfahrens

wird durch eine Abschlussveranstaltung

befördert. Ferner lässt sich darüber

Transparenz zu Erfolgen, Schwierigkeiten und

der Fortführung herstellen.

„Unser Ziel ist ein kreatives Wohnumfeld mit

öffentlichen Räumen zum Entdecken und Verändern,

mit Kommunikations- und NaturerfahÖffentlichkeitsarbeitrungsräumen,

mit hausnahen Bewegungsräu-

Alle Kommunen men auch auf Gehwegen und Straßen sowie mit

werden auf der

Website www.

offenen, ungenormten Bewegungs-, Spiel- und

kinderfreundliche- Sportplätzen für alle.“

stadtgestaltung.

de präsentiert und

Michael Kruse, Pressesprecher und Leiter Information und Öffentlichkeits-

beispielgebend in

den Kommunikaarbeit,

Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

tionsmitteln des

Deutschen Kinderhilfswerkes transportiert. Aus

den gewonnen Projekterkenntnissen wird in Abstimmung

den Kommunen eine Ausstellungsplakat

erstellt. Ferner werden den Kommunen

„freecards“ bereitgestellt, die an öffentliche

und private Organisationen verteilt werden

sowie auf das lokale Engagement aufmerksam

machen oder zur Bewerbung von Veranstaltungen

dienen.

Darüber hinaus erhalten die Modellkommunen

Informationsmedien und Fachveranstaltungen

des Deutschen Kinderhilfswerkes zu Sonderkonditionen.

Es lohnt sich also, Modellkommune

zu werden. D.T.

Foto: Klaus Abt, TU Berlin

Gesellschaft | 41


„Die Straße ist keine

gute Kinderstube“

Straßenkinder in Deutschland

– ist das denn wirklich

ein Problem oder existieren

die nur in Filmen? Die

FreeLounge-Redaktion ist

der Frage nachgegangen

und hat jemanden kennengelernt,

der es genau weiß.

42 | Gesellschaft

Off Road Kids Stiftung

Markus Seidel

Der Donaueschinger Soziologe,

Journalist und Buchautor

Markus Seidel (42) ist Gründer

und Vorstandsprecher der Off

Road Kids Stiftung. Für sein

Engagement wurde er vom

Gründer des Davoser Weltwirtschaftsforums,

Professor

Klaus Schwab, als „Social

Entrepreneur“ ausgezeichnet.

Altbundespräsident Johannes

Rau verlieh Seidel das Bundesverdienstkreuz.

Off Road Kids

erhielt von Bundespräsident

Horst Köhler 2009 zweimal

den Preis „Ausgewählter Ort

im Land der Ideen“.

» www.offroadkids.de

Das sagt Markus Seidel. Er ist Vorstandssprecher

der Off Road Kids Stiftung, die Straßenkindern

in Deutschland hilft – allerdings so, dass aus

Ausreißern möglichst gar nicht erst Straßenkinder

werden und für die, die es längst sind,

schnellstmöglich aussichtreiche Lebensperspektiven

gefunden werden. Daher betreibt die

Stiftung in Großstädten wie Berlin, Dortmund,

Hamburg und Köln Streetwork-Stationen und

beschäftigt dort Straßensozialarbeiter, die an

allen sieben Wochentagen auf der Suche nach

Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

sind, die – oft wegen Misshandlungen oder

Missbrauchs – von zuhause abgehauen sind

und ihr Glück auf eigene Faust in der Anonymität

der Großstadt suchen.

„Das gelingt ihnen aber nicht“, blickt der mittlerweile

42-jährige Journalist, Soziologe und

Buchautor (Straßenkinder in Deutschland,

Ullstein) auf mittlerweile 15 Jahre Straßensozialarbeit

zurück: „Unsere Streetworker haben

inzwischen mehr als 1600 junge Menschen

erfolgreich aus dem Straßendasein heraus in

aussichtsreiche Lebensperspektiven vermitteln

können. Ich kenne keinen der jemals auf der

Straße Karriere gemacht hätte.“ Ein wesentlicher

Erfolgsfaktor bei der Vermittlung der oft

sehr verzweifelten Jugendlichen sei der Zeitfaktor:

„Wir müssen schneller sein, als Drogendealer

und Freier.“ Andernfalls werde es ungleich

schwerer, überhaupt mit Ausreißern so

frühzeitig in Kontakt zu kommen, dass sie die

vermeintlichen Annehmlichkeiten des Straßenlebens

nicht kennen lernen. So ziemlich alles,

was das Straßenleben für Ausreißer attraktiv

erscheinen lasse, sei gefährlich, erläutert Seidel:

„Obdachlosenspeisungen, Notschlafstellen,

gesellige und trinkfreudige Treffpunkte, wilde

Partys – das alles lockt jugendliche Ausreißer

magnetisch an.“

Talfahrt ins Unglück

Der Effekt sei verheerend – zumal die meisten

Minderjährigen schulpfl ichtig seien und sich

mit jedem Tag auf der Straße weiter ins Abseits

bewegten. Was anfangs noch als lustig erlebt

werde, „wird schnell zur rasanten Talfahrt in

den Drogen- und Prostitutionssumpf mit allen

lebensgefährlichen Infektionsgefahren“, gibt

Julia Zahidi, Leiterin der Kölner Streetwork-

Station von Off Road Kids, zu bedenken: „Jeder

gebildete Mensch muss doch erkennen, dass

das für Kinder gefährlich ist. Die haben doch

keine Ahnung, wie lebensbedrohlich Hepatitis-

C und HIV-Infektionen sind. Woher auch?“

Schon die Infektionsgefahr reiche aus, jeden

Gedanken an Sozialromantik zu begraben, so

Markus Seidel: „Es braucht keine ‚Sozialraumplanung’

für Straßenkinder in Deutschland. Es

muss sichergestellt werden, dass verzweifelte

junge Menschen hierzulande niemals auf der

Straße landen!“ Es wäre kontraproduktiv, Bereiche

etwa auf der Kölner Domplatte, am Berliner

Alexanderplatz, an der Frankfurter Konstablerwache

oder am Hamburger Hauptbahnhof

speziell für Straßenkinder und junge Obdachlose

einzurichten: „Das hätte eine sofortige

magnetische Anziehungskraft auf potentielle

Ausreißer. Dort laufen ja jeden Tag jede Menge

Schulklassen vorbei.“

Weniger Szene ist hilfreich

Seit die Junkie-Meile an der nach St. Georg ausgerichteten

Seite des Hamburger Hauptbahnhofs

mit einer Polizeistation zugebaut wurde

und die Drogenszene weitgehend vertrieben

wurde, müsse man klar erkennen, dass neue

Ausreißer nicht automatisch nach ihrer Ankunft

Zugang zur Szene hätten, resümiert Markus

Seidel die in Fachkreisen vielfach kritisierte

Hamburger Strategie: „Das hat durchaus Vor-


teile für unsere Arbeit. Wir können so schneller

und ungestörter Kontakt zu den Jugendlichen

aufbauen und Perspektiven recherchieren.“

Diesem Argument stimmt Jens Elberfeld, Leiter

der Dortmunder Streetwork-Station von

Off Road Kids zu: „Weniger Szene ist hilfreich.

Wer auf der Straße sehr allein ist, lässt sich

eher helfen.“ Doch Straßenszenen lösen sich

nicht von selbst auf. Das sei eine zeitaufwändige

Arbeit, so Elberfeld, und Vertreibung wirke

nur kurzzeitig: „Wenn in den Wintermonaten

weniger junge Menschen im Obdachlosenmilieu

auftauchen, helfen wir auch den Älteren

bei Ämtergängen und Wohnungssuche. Nur so

können wir die Bildung neuer Szenetreffpunkte

in Grenzen halten.“

Sponsoren – Treibstoff für die Stiftung

Dabei ist die Sozialraumplanung und -organisation

gar keine Aufgabe der Off Road Kids Stiftung,

denn die Hilfsorganisation betreibt ihre

vier Streetwork-Stationen in Berlin, Dortmund,

Hamburg und Köln ausnahmslos mit Spendengeldern.

Staatliche Unterstützung gab es bis

heute nie. Namhafte Förderer wie die Vodafone

Stiftung Deutschland, die Deutsche Bahn AG,

Permira, die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die

Franz Beckenbauer Stiftung, der Red Nose Day

(ProSieben) aber auch Privatspender unterstützen

die Strategie von Off Road Kids und sorgen

seit 15 Jahren dafür dass die Stiftung ihre Straßensozialarbeiter

Tag um Tag auf die Straße

schicken kann, obendrein zwei Kinderheime in

Bad Dürrheim im Schwarzwald nicht ins Stocken

geraten, eine Elternberatungs-Hotline zur

Verfügung steht und Erzieherinnen auch ohne

Abitur im stiftungseigenen „Hochschulinstitut

für Pädagogikmanagement IfPM“ berufsbegleitend

studieren können.

„Von unserer Arbeit profi tieren nicht nur die Jugendlichen,

denen wir direkt helfen“, freut sich

Off Road Kids Gründer Markus Seidel: „Auch

die Gesellschaft hat viel davon – rein optisch in

den Großstädten und vor allem fi nanziell durch

frühzeitig vermiedene Sozialhilfefälle.“ Letzteres

summiere sich durch die Arbeit von Off

Road Kids nach mittlerweile 15 Jahren auf etwa

eine Milliarde Euro an Sozialausgaben, die dem

Staatshaushalt erspart geblieben seien.

Fotos: Off Road Kids

Gesellschaft | 43


Völker,

kommt auf diesen Platz!

Auf Einladung von Neukölln.TV kamen Menschen aus vierzig Nationen zusammen – und Reinhold Steinle als schwäbischer Stadtführer in Berlin.

Liest man über Neukölln, so

fi ndet sich immer der Satz

„Menschen aus 160 Nationen

wohnen hier“. Diese

Vielfalt lässt in manchen

Köpfen bedrohliche Szenarien

entstehen. Das interaktive

Web-Fernsehen

Neukölln.TV wollte wissen,

ob sich die Nationen an einem

Tag zusammenbringen

lassen und was dann so alles

passiert.

44 | Gesellschaft

Menschen aus Martinique und Malaysia, aus

Kamerun und Kroatien: Lang war die Liste der

Nationen, die am 24. September auf dem Platz

der Stadt Hof im Stadtteil Neukölln vertreten

waren. Es war eine lebendige Vielfalt und eine

schöne Atmosphäre an einem angenehmen

Spätsommertag – aber statt 160 Nationen

konnte Neukölln TV dann doch „nur“ Menschen

aus 40 Ländern mobilisieren. Die Veranstalter

waren mit der Aktion dennoch sehr zufrieden:

Ihr Plan ging auf, für ein paar Minuten die Zeit

anzuhalten und den Blick der gefühlten, geborenen,

zugereisten und durchreisenden Berlinerinnen

und Berliner auf die positive Vielfalt

Neuköllns zu richten.

Der Platz als Salon der Karl-Marx-

Straße

Im Anschluss daran konnten Neuköllner verschiedener

Nationen einen Teil des Platzes

nacheinander als kleinen kulturellen Salon inszenieren.

Bei arabischer Gastfreundschaft und

der Lesung von Gedichten in arabischer und

deutscher Sprache, afrikanischer Musik und

hinduistischen Ritualen der Platzweihung haben

sich den Passanten neue Blickwinkel auf

einen kleinen urbanen Raum eröffnet, der bislang

viel zu wenig in das Stadtleben integriert

ist. Der Platz der Stadt Hof an der Karl-Marx-

Straße in Neukölln ist bislang kein Ort, an dem

man zur Ruhe kommen könnte. So wie die Stadt

Hof vor der Maueröffnung vor allem als Transitort

wahrgenommen wurde, hasten die Menschen

im Alltag über den Platz der Stadt Hof.

Das war am 24. September ganz anders und hat

einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie sich

der Ort in Zukunft wandeln könnte. Denn das

Bezirksamt wird durch eine Umgestaltung mit

Stadtmöblierung dafür sorgen, dass der Freiraum

eine neue Qualität als tatsächlicher Platz

erhalten wird. A.M.

Der Platz der Stadt Hof in Neukölln als Salon

verschiedener Nationen: Passanten beteiligten sich

an den hinduistischen Ritualen, mit denen der Platz

geweiht wurde.

Foto: A. Gründler

Foto: A. Gründler


Ruhestörung, privilegierter Lärm, Mietminderung, Schallschutzwände, erweiterte

Toleranzgrenze, Schallpegelmessung… - Wörter wie diese füllen viele

Aktenmeter in deutschen Gerichten. Sie zeugen von den Streitigkeiten, die

das Kinderspiel mit sich bringen kann. Kommunen kennen solche Fälle zur

Genüge. Gibt es Lösungsmöglichkeiten?

Unstreitig ist, dass Spielen und Heranwachsen

zusammengehören. Unstreitig und unvermeidbar

ist auch, dass Spielen mit Geräuschentwicklung,

ja sogar Lärm verbunden ist. Art, Lautstärke

und Zeitpunkt dieser Geräusche sind jedoch

Zankäpfel im Zusammenleben. Wie laut Kinder

in bestimmten Altersgruppen sein können,

zeigt sich in Kindertagesstätten, wo die lieben

Kleinen einen solchen Lärm machen, dass die

Betreuerinnen eigentlich Gehörschutzkapseln

tragen müssten, dies aber nicht tun. Dabei darf

Lärm niemanden krank machen. Auch das ist

unstrittig.

Mittlerweile urteilen die Richter etwas kinderfreundlicher

als in der Vergangenheit. Wer gegen

Spielplatzlärm klagt, hat zunehmend schlechte

Karten. Dennoch bleibt das Klagen über Kinderlärm

ein Problem für Städte und Gemeinden.

Manche Fälle sind skurril. Ein Spielplatz in Köln

ist beispielsweise jetzt mit einem 2,50 m hohen

Zaun umgeben, dessen Tür nur drei Stunden am

Tag geöffnet ist. In einer anderen Kommune

sucht eine der beliebten Vogelnestschaukeln

schon länger nach einem Asyl. Und auf einem

Fußballplatz darf der Verein nach 20 Uhr nicht

mehr trainieren und Trillerpfeifen sind völlig

verboten. Besonders im Bereich der Spielplätze

für Jugendliche und Heranwachsende verstärkt

Streitobjekt

Kinderspiel

sich das Problem dadurch, dass hier die Lärmschutzverordnung

anzuwenden ist. Und da wird

eben unerbittlich in Dezibel gemessen. Was

hilft in solchen Situationen?

Der Hamburger Weg

Hamburgs großes Wohnungsuntermehmen

SAGA GWG bietet rund 300.000 Menschen auf

dem Hamburger Markt Mietwohnungen und

Gewerbeobjekte. 800 Spielplätze und 80 Bolzplätze

gehören ebenfalls dazu. Mit 950 Mitarbeitern

und etwa 40 Auszubildenden stärkt

SAGA GWG die Lebensqualität in der Stadt mit

fi nanziellen Haushaltsbeiträgen und mit besonderem

Engagement für den sozialen Ausgleich

in den Quartieren, unter anderem durch stadtteilbezogene

Angebote für Sport und Kultur.

Um in den Wohnvierteln positive Entwicklungen

zu unterstützen, investiert der Unternehmensverbund

mit großem Aufwand in seine

Bestände und gleichzeitig in fl ankierende Maßnahmen

zur sozialen Quartiersentwicklung.

Dazu zählt auch die stadtteilnahe Förderung

von Sport und Kunst. Damit unterstützt SAGA

GWG Strukturen, mit denen Hamburg wachsen

kann: stabile Nachbarschaften in lebenswerten,

attraktiven Quartieren. Initiativen, Mietergruppen

und Themen aus den Quartieren haben mit

Gesellschaft | 45


Foto: SAGA GWG, Hamburg

Ein Spielplatz mitten zwischen den auf Passivhaus-Standard

sanierten Gebäuden der Riedsiedlung

46 | Gesellschaft

dem Stadtteilfernsehen eine beachtete Bühne

in der Stadt. All dies führt zu stabilen Nachbarschaften

und ist zugleich Voraussetzung für

den ökonomischen Erfolg des Unternehmens als

Systemvermieter und Bestandshalter. Diese Balance

kennzeichnet den Hamburger Weg.

Der Pressesprecher der SAGA GWG, Mario

Spitzmüller, zeigte in einem Gespräch verschiedene

Maßnahmen auf, die ineinandergreifen

und letztlich zu einer größeren Identifi kation

der Mieter mit ihrem Wohnquartier führen.

Gleichzeitig werden Lärmprobleme und Vandalismusschäden

stark verringert. Die meisten

Wohnviertel sind ruhig. Aber auch hier gibt

es nachbarschaftliche Interessenkonfl ikte. Da

schlichtet die SAGA. Und im Vorfeld einer Maßnahme

im Außenbereich wird eine breite Beteiligung

der Anwohner praktiziert.

Erfolgsrezept mit vielen guten Zutaten

Mario Spitzmüller: „Es ist das Gesamtkonzept

und es sind die Details, die hier in Hamburg

wirken. Gerade bei Bolz- oder Bewegungsplätzen

achten wir beispielsweise darauf, dass sie

einerseits attraktiv für die Jugendlichen und

Heranwachsenden sind, andererseits aber auch

Rücksicht auf die Anwohner nehmen. Fußballtore

werden zur Lärmreduzierung elastisch gelagert,

die Beläge bestehen aus hochwertigem

Kunststoff und selbst die Gittertore an den Zugängen

schließen dank Dämpfung angenehm

leise.“

Eine wichtige Säule im Konzept sind die Hauswarte.

Sie fungieren als Ansprechpartner. Auch

in dem Sinne, dass sie Jugendliche ansprechen

und auf ihr Fehlverhalten hinweisen. Sie sind

gut geschult, kennen sich auch mit der Drogenproblematik

aus und reagieren schnell auf

Vandalismus.

Frau Regehly und Herr Mahler –

zwei der Hamburger Conciergen

Foto: SAGA GWG, Hamburg

Mario Spitzmüller: „Man darf Vandalismus und

Verschmutzung nicht tolerieren. Wir gehen dagegen

vor. Auch schon einmal über den Weg

einer Anzeige. Vor allem aber beseitigen wir

Verschmutzungen oder Schäden kurzfristig.

Grafi tti, die nur wenige Stunden zu sehen sind,

machen keinen Spaß mehr.“

Ein anderes Beispiel ist die Neugestaltung einer

Parkanlage in einem Wohnviertel. Vor der

Revitalisierung alten Viertels hat man sich mit

Mietern an einen Runden Tisch gesetzt. Gemeinsam

mit ihnen und Landschaftsgärtnern

wurden Vorschläge erarbeitet und Wünsche

und Bedenken eingebracht. Das Ergebnis lässt

sich sehen: Die Identifi kation der Mieter mit ihrem

Viertel ist gestiegen und die Bereitschaft

zur Randale sehr gering.

Conciergen für das Wohlgefühl

Und schließlich ist ein wichtiges Element das

Konzept der Conciergen, das Mario Spitzmüller

beschreibt: „Bei großen Wohnanlagen, wie

Hochhäusern, gibt ein Büro, in dem ein Concierge

tätig ist. Derzeit sind es insgesamt 80 Logen

mit 200 Mitarbeitern – Langzeitarbeitslose,

die im Rahmen einer Berufsqualifi zierung von

10 Monaten diese wichtige Aufgabe übernehmen.

Sie arbeiten als Hausbetreuer, achten auf

Sauberkeit, sind Ansprechpartner für die Mieter,

nehmen auch mal ein Paket entgegen, verwalten

Mietergemeinschaftsräume. Das Konzept

greift. Die Menschen fangen wieder an, sich einen

guten Tag zu wünschen. Fahrstühle bleiben

sauber. Überall, wo das Conciergen-Konzept

praktiziert wird, konnten die Vandalsimuskosten

halbiert werden. Und die Hausbetreuer erfahren

Anerkennung, blühen auf und können

in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Jeder Vierte bekommt auf diese Weise einen

neuen Vollzeit-Arbeitsplatz.“


Patentrezepte gibt es nicht. Bereits diese wenigen

Beispiele zeigen jedoch, worauf es ankommt.

Wo man sich kümmert, miteinander

spricht, Teilhabe am Geschehen vermittelt, also

das Miteinander fördert, dort verringern sich

auch die Probleme mit Lärmbelästigung und

Randale.

Glückliches Wolfsburg

In einer ganz anderen Lage ist die Stadt Wolfsburg.

Es ist eine junge Kommune mit derzeit

120.000 Einwohnern und rund 170 Spielplätzen.

Eine verdichtete Bebauung wie in anderen

Städten gibt es hier nicht. Und mit einem

ausgefeilten Spielplatzkonzept lassen sich hier

fast alle Probleme vermeiden. Streitfälle zum

Thema Kinderlärm sind sehr selten.

Bereits im Jahr 2005 brachte die Stadt Wolfsburg,

in Federführung des Geschäftsbereichs

Jugend und Kooperation des Geschäftsbereichs

Grün, das Spielraumkonzept auf den Weg. Ziel

war und ist es, einen konzeptionellen Rahmen

zu schaffen, in dem die öffentlichen Spielangebote

für Kinder und Jugendliche gemäß dem

sich wandelnden demographischen und sozialstrukturellen

Bedingungen und Anforderungen

entwickelt werden. Das Spielraumkonzept gewährleistet,

dass für jeden Stadt- und Ortsteil

Wolfsburgs ein bedarfsgerechtes, öffentliches

Spiel- und Freiraumangebot besteht. Anhand

pädagogischer und psychologischer Kriterien

unterliegen die Spielräume umfassender Qualitätskriterien,

die in erster Linie der Entwicklungsförderung

der Kinder und Jugendlichen

dienen.

Spielraumkonzept

Die Stadt Wolfsburg führte aufgrund des Spielraumentwicklungsplanes

eine Bestandsaufnahme

in allen Stadt- und Ortsteilen durch und

erarbeitete nach und nach für die Stadt- und

Ortsteile eigene Spielraumkonzepte. Diese beschäftigen

sich neben der sozialen, demographischen

und nutzungsintensiven Indikatoren

und Strukturen des Stadtteiles vor allem mit

dem Bedürfnissen und Wünschen der Kinder.

Allein in diesem Jahr stellt die Stadt Wolfsburg

mit dem sog. Sofortprogramm aus dem Konjunkturpaket

II rund 1 Million Euro in die qualitative

Infrastruktur Wolfsburger Spielplätze zur

Verfügung.

Die Stadt geht bei Sanierung, bzw. Neuanlage

eines Spielplatzes wie folgt vor: Eine Spielraumkommission

bestehend aus Vertretern von

Foto: Stadt Wolfsburg

Kinder bestimmen in Wolfsburg bei der Planung mit

Vereinen und Institutionen, Schulen usw. und

delegierte Mitglieder des Ortsrates erarbeitet

ein Ortsteilkonzept, welches zur Beratung

im Ortsrat vorgelegt wird. Bei Einbindung von

Schulhöfen oder Sportplätzen erfolgt auch

eine Beratung im Schul- und Sportausschuss.

Danach erfolgen eine Empfehlung im Jugendhilfeausschuss

und die Beratung im Finanzausschuss.

Dann folgt der Ratsbeschluss. Besonders

ist, dass die Kinder und Jugendlichen bei der

Anlage und Sanierung von Spielplätzen mitwirken.

Kinder des Wohngebietes oder Schüler

entsprechender Schulen, dürfen bei „ihrem“

Spielplatz mitentscheiden und auswählen. In

Planungsworkshops erarbeiten die Kinder gemeinsam

mit Architekten und Pädagogen, wie

„ihr“ Spielplatz einmal aussehen soll.

München – große Stadt mit

wenig Kindern

Bezüglich der Lärmproblematik hat die Bayerische

Hauptstadt ein besonderes Problem. Sie

ist sehr groß, teilweise hoch verdichtet und

hat relativ wenige Haushalte mit Kindern - nur

etwa 16 %. Und die Erfahrung hat gezeigt: Je

weniger Kinder da sind, desto höher das Konfl

iktpotenzial. Es sind nicht nur planerische

Absichten und ihre Umsetzung, wie man plant

und gestaltet. Konfl ikte sind induziert durch soziales

Miteinander oder Nicht-Miteinander. Die

Konfl ikte entstehen oft durch Reaktionen von

Gesellschaft | 47

Foto: Stadt Wolfsburg


48 | Gesellschaft

Foto: Stadt München

Eine Kinder-Jury prüft in München Spielplätze

wenigen. Die Stadt ist verpfl ichtet, sich an die

bestehenden Aufl agen zu halten. Jana Frädrich,

die Kinderbeauftragte der Stadt kennt die Materie

nur zu gut.

Jana Frädrich: „Wir sind im Bereich Kinderspiel

noch relativ auf der guten Seite, weil man ja

dieses Planzeichen festsetzen kann. Und Kinderspiel

wird vor Gericht eigentlich ziemlich

einheitlich als sozial adäquater Lärm gesehen.

Ganz schwierig sind die Flächen für größere

Kinder und Jugendliche. Da unterliegen wir der

Bundesimmissionsschutzgesetzgebung und die

setzt Plätze für Bolzen, Skaten und die ganzen

bewegungsintensiven Spielplätze Sportstätten

gleich. Die unterliegen

also den gleichen Bedingungen

wie ein Fußballstadion.

In reinen Wohngebieten

müssen wir

Abstandsfl ächen von 140

m zur nächsten Wohnbebauung

einhalten in allgemeinen

Wohngebieten

immerhin noch 90 Meter

und die bekommen wir

in der Regel in hoch verdichteten

Städten nicht

mehr realisiert.“

Das BImSchG hat Schuld

Schaukel, Rutsche und Sandkasten sind bis zu

einem Alter von 7 Jahren attraktiv. Und dann

völlig out. Aber auch 8- bis. 17-Jährige haben

ein Recht auf Spiel und Bewegung. Solche Freiräume

anzubieten, fällt schwer. Das ist dafür mit

verantwortlich, dass in den Städten mit dichter

Foto: Stadt München

Bebauung für die größeren Kinder und Jugendlichen

nicht mehr Spielräume in adäquater Form

im öffentlichen Bereich vorgehalten werden

können. Lediglich an manchen Stellen, wie in

Parks, lassen sich die gesetzlichen Abstände realisieren.

Nur: die Flächen werden nicht abseits

gebraucht, sondern mitten in Wohnvierteln. Da

halten sich die Kinder und Jugendlichen auf.

Jana Frädrich klingt kämpferisch, wenn sie sagt:

„Wir müssen es schaffen, die bewegungsintensiven

Flächen in den Wohngebieten realisieren.

Das geht nur mit einer entsprechenden Änderung

des Bundes-Immissionsschutzgesetzes

(BImSchG). München hat da bereits vor vielen

Jahren über die Spielraumkommission einen

Vorstoß unternommen. Es scheitert bislang an

den Zuständigkeiten, an den Einwänden der

Ökologen, dann kommt der Gesundheitsschutz

mit dem Thema „Lärm ist Umweltverschmutzung“

und so weiter. Und da wundern wir uns,

wenn sich Kinder und Jugendliche auf Computerspiele,

Fernsehen und insgesamt auf konsumorientiertes

Verhalten zurückziehen. Das

macht keinen Sinn.“

Die Stadt München hat einen zweiten Vorstoß

über die Spielraum-Kommission und das Planungsreferat

unternommen, denn auch hier

gibt es seit vielen Jahren ein „Konzept Spielen

(1999). Nun soll das Planzeichen J für jugendgerechtes

Spielen etabliert werden. Das hängt

noch in der Schwebe. Neben etlichen anderen

Maßnahmen, die das Spiel und Bewegung für

Kinder und Jugendliche verbessert werden sollen,

gibt es auch modellhafte Bemühungen,

bei sozialen Konfl ikten zu vermitteln. Da viele

Spielplätze auf privatem Grund liegen, hat

Foto: Stadt München


die Stadt München einen Wettbewerb für ein

kinder- und familienfreundliches Wohnumfeld

initiiert und bereits zweimal positive Beispiele

ausgezeichnet, wo private Wohnungsbauunternehmen

mehr leisten als das Notwendige und

das Übliche. Zudem gibt es im Büro der Kinderbeauftragten

eine Ombudsstelle, die sich

ganz stark um Konfl iktbereiche kümmert. Und

ein weiterer Meilenstein konnte im September

2009 erreicht werden, als eine der größten

städtischen Wohnbaugesellschaften, die GWG,

eine kinderfreundliche Hausordnung einführte.

Informieren, appellieren, vermitteln

Zudem wurde eine so genannte Post von der

Kinderbeauftragten entwickelt. Darin sind die

rechtlichen Rahmenbedingungen aufgegriffen,

die für die häufi gsten Konfl iktfelder mit spielenden

und lärmenden Kindern bestehen. Seit Existieren

dieser Handreichung sind die gemeldeten

Fälle von Konfl ikten deutlich zurückgegangen.

Eine Briefwurfsendung, in der der Oberbürgermeister

persönlich für mehr Kinderfreundlichkeit

wirbt, gibt ebenfalls Hinweise zu Lösungen

in Konfl iktfällen. Hinzu kommt eine persönliche

Beratung und in ganz gravierenden Fällen die

Zusammenarbeit mit externen Mediatoren.

Ein wesentlicher Punkt ist das gute Miteinander.

Jana Frädrich betont: „Rücksichtnahme ist

ein Zauberwort. Eine meiner ersten Empfehlungen

ist: ´Reden Sie miteinander, kommen Sie

ins Gespräch, versuchen Sie gemeinsam eine

Lösung zu fi nden, bevor es zum Gericht geht´.

Je weniger man tut, desto mehr eskaliert ein

Konfl ikt.“

Das scheint neben der Fülle von Maßnahmen

einer der Kernpunkte der gesamten Problematik

zu sein. Ob Hamburger Weg, Wolfsburger Spielraumkommission

oder die Arbeit der Münchner

Kinderbeauftragten – miteinander zu reden,

aufeinander einzugehen, sich offen für Lösungen

zu zeigen, ist wohl der Königsweg der Konfl

iktbewältigung. L.K.

500.000 Euro gut angelegt – die neue Jugendfreizeitfl äche in Hamburg-Billstedt

Durchdachtes Detail: Netze statt Drahtgitter für die Lärmverringerung

Foto: SAGA GWG, Hamburg

Foto: SAGA GWG, Hamburg

Gesellschaft | 49


Die Rückkehr der

Trimm-Dich-Pfade

50 | Gesellschaft

Mit Sport gegen das Hüftgold

Ende der 60er Jahre ging es den Deutschen gut

– zu gut. Dicke Bäuche, wo man hin sah. Die

Zahl der Herzinfarkte war dramatisch angestiegen

und die Deutschen litten unter Übergewicht.

Ein Drittel der Männer und 40 Prozent

der Frauen hatten durchschnittlich sieben Pfund

Übergewicht. Um diesem besorgniserregenden

und produktivitätsschädigenden Trend entgegen

zu wirken, startete der Deutsche Sportbund

im Jahr 1970 die Aktion „Trimm Dich – durch

Sport!“. Trimmy, das kleine quadratköpfi ge

Männchen mit dem hochgereckten Daumen,

animierte fortan die lahmen Bundesbürger, sich

sportlich zu betätigen.

Und die „Trimm-Dich-Aktion“ kam an: Schon

im selben Jahr kannten 60 Prozent der bundesdeutschen

Bevölkerung das kleine Männchen

und ließen sich von ihm zum Sport animieren.

Die Sportvereine erlebten einen nicht erwarteten

Zulauf, die Bundesrepublik trimmte sich fi t.

Cartoon-Maskottchen Trimmy und der Slogan

„Trimm Dich - durch Sport“ - sie standen für

die enorm erfolgreiche Trimm-Dich-Bewegung,

die 1972 einen außergewöhnlichen Boom erlebte.

94 Prozent der Bevölkerung und sogar 99

Prozent aller Jugendlichen kannten die Trimm-

Dich-Aktion. Doch die Begeisterung für die

Trimm-Dich-Pfade ließ schon drei Jahre später

nach. Denn im Breitensport war plötzlich nicht

mehr das Trimmen gefragt, sondern das einfache

Joggen kam in Mode. Fitnessstudios eröff-

Foto: fotolia.de

neten witterungsunabhängige Trainingsmöglichkeiten.

Tennisspielen wurde als Breitensport

attraktiv. Weitere Trendsportarten setzten den

mittlerweile etwas altbackenen Pfaden zu.

Auch andere Aspekte wirkten sich negativ auf

die Trimm-Dich-Pfade aus. Der Zahn der Zeit

nagte an den überwiegend aus Holz bestehenden

Geräten. Wegen Verletzungsgefahren und

knapper Finanzmittel wurden die Einrichtungen

vielerorts abgebaut. Vandalismus spielt ebenfalls

eine wachsende Bedeutung. Auch neuere

sportwissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich

mit den Übungsgeräten der 1960er Jahre nicht

mehr vereinbaren. Obwohl es viel mehr sportliche

Betätigungen gibt, sieht man heute wieder

mehr und mehr Menschen mit Übergewicht –

auch junge. Und es sind nicht nur ein paar Kilo,

die auf den Hüften zu viel sind.

4FCircle - Fitness mit universitärem

Hintergrund

Vier F - hatten wir das nicht schon einmal?

1810 widmete sich Friedrich Ludwig Jahn dem

Turnen. Die vier F, die später zum Turnerkreuz

zusammengefügt wurden, stehen für Frisch ans

Werk, Fromm im Glauben an die Gemeinnützigkeit

und Wertbeständigkeit des Schaffens,

Fröhlich untereinander und Frei und offen in

allem Handeln.

Nun sind sie wieder da, die vier F. Bei den „neuen

Trimm-Dich-Pfaden“ stehen sie für FIT, FREE,

FUN und FUNCTION. Der Sportwissenschaftler


Oliver Seitz hat sich in seiner Diplomarbeit mit

dem Thema auseinandergesetzt und in Zusammenarbeit

mit Dr. Günther Penka von der TU

München und dem Spielgerätehersteller Playparc

die modernen „4F circle“-Fitnessparcours

entwickelt. Im Internet lassen zu den Geräten

Informationen unter www.playparc.de abrufen.

Das Programm basiert auf aktuellen sportmedizinischen

und trainingswissenschaftlichen

Erkenntnissen. Der auf einem Platz aufgebaute

Parcours besteht aus derzeit bis zu 30 Stationen,

an denen Koordination, Geschicklichkeit,

Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit trainiert

werden können. Anschauliche Schilder erläutern

die Übungen, die in drei unterschiedliche

Schwierigkeitsgrade eingeteilt sind. Weitere

Geräte sind in Entwicklung. Das Training eignet

sich für Anfänger und Fortgeschrittene. Was

den alten Trimm-dich-Pfad ausgemacht hat, ist

geblieben: kostenloser Sport unter freiem Himmel

und jede Menge Spaß.

Dieses völlig neuartige Sportkonzept für den

öffentlichen Raum bietet abwechslungsreiche,

ergonomisch korrekte Übungsstationen. Es ermöglicht

zielgerichtetes Training von Koordination,

Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Der

Fitnessparcours ist an einem Platz und nicht

im Verlauf einer bestimmten Joggingstrecke

aufgebaut. 4F circle unterscheidet sich von

anderen Sportgerätekonzepten auch dadurch,

dass es unabhängig vom Alter (3-99 Jahre),

unabhängig vom sportlichen Leistungsstand,

unabhängig von der Körpergröße und unabhängig

von Öffnungszeiten ist. Das ist so ganz

nach dem Herzen der Münchnerinnen und

Münchner, die sich einer wissenschaftlichen

Untersuchung zufolge am liebsten unter freiem

Himmel, nach individuellen Vorgaben und möglichst

ohne organisatorische Zwänge bewegen.

bietet abwechslungsreiche, ergonomisch korrekte

Übungsstationen.

Heute gibt es alleine in München 14 Fitness-

Parcours und in Deutschland, Österreich und

der Schweiz fi nden sich zusammen 65 4F circle

Standorte. Bürgermeister, Sportamtsleiter,

Sportmediziner, Hausärzte und auch Spitzensportler

der unterschiedlichsten Sportarten sind

von dem Konzept begeistert. Die Geräte haben

sich durch Konstruktion und Materialwahl als

sehr dauerhaft bewährt, während die Stationen

der alten Trimm-Dich-Pfade überwiegend aus

unbehandeltem Holz bestanden.

Ausdauer- und Kraft-Kombi

Auch andere Hersteller widmen sich dem Thema

Fitness im Außenbereich und gehen dabei andere

Wege. „Trimmfi t“ heißt das neue Konzept

der Kölner Sportwissenschaftler und Personal

Trainer um Phillippe Klaack, die ein futuristisch

anmutendes Edelstahlgerüst entwickelt haben,

an dem man ein komplettes Fitness- und Kraft-

Workout absolvieren kann. Unter freiem Himmel

und an der frischen Luft – und das Ganze

kostenfrei. Der erste Geräteparcours steht im

Kölner Blücherpark, direkt an einer beliebten

Laufstrecke.

„Die Idee war, Ausdauertraining und Krafttraining

geschickt zu kombinieren. Im Prinzip

wollten wir das, was früher der Trimmdich-Pfad

war, in eine zeitgemäße Form umsetzen. Mit

Geräten und Übungsaufbau, bei denen neue

sportwissenschaftliche Erkenntnisse in die

Trainingsempfehlungen miteingefl ossen sind“,

so Phillippe Klaack. Herausgekommen ist ein

Gerät, an dem man allein oder zu zweit trainieren

kann, bei dem Rumpf, Beine und Arme

gestärkt werden. Und das mit einer Vielzahl

Foto: NaoFit

Foto: NaoFit

Gesellschaft | 51


Foto: RheinEnergie

Verschiedene Laufstrecken im Blücherpark in Köln

52 | Gesellschaft

unterschiedlicher Übungsvariationen, sodass

auch bei einem langfristigen Training keine

Langeweile aufkommt.

Bei grün trainieren, bei rot pausieren

Um das Workout effektiv zu machen und Überlastungen

für Untrainierte zu vermeiden, haben

die Sportwissenschaftler ein Ampelsystem

entwickelt, das dem ganzen Training eine

zeitliche Struktur gibt wie beim Zirkeltraining,

das man noch aus Schulzeiten

kennt. Bei grünem Licht müssen

die Übungen 60 Sekunden langsam

ausgeführt werden, bei rotem Signal

wird 30 Sekunden pausiert.

Fünf Basic-Übungen für Rücken,

Arme, Beine, Bauch

und Schultern werden auf

einer Schautafel an der

Station erklärt. Wer sein

Training dokumentieren

möchte und weitere

Übungsanregungen oder

Tipps zur Ernährung sucht,

wird auf der begleitenden Internetseite

www.trimmfi t.de fündig. Nimmt man zusätzlich

ein Thera-Band mit zur Trimmfi t-

Station, eröffnen sich einem noch eine

Vielzahl weiterer Übungen. So lässt sich

ein Trainingsprogramm realisieren, für

das man im Studio viele unterschiedliche

Geräte benötigt.

Die Macher des Trimmfi

t-Konzepts haben bei

der Entwicklung darauf

geachtet, dass die Geräte

einfach, wartungsfrei

und fast selbsterklärend

sind. Die Sprossen und die

Bank sind so konstruiert,

dass man unabhängig von

der Körpergröße und dem

Trainingslevel stets optimal

ergonomisch seine

Übungen gestalten kann.

Und auch der Platzbedarf

ist minimal, da man

die Muskeln des ganzen

Körpers an einem einzigen

Gerät stärken kann.

Finanziert werden sollen die Trimmfi t-Anlagen

über Sponsoren, die Gemeinden oder Städte

müssen die öffentlichen Flächen zur Verfügung

stellen. Auch für größere Betriebssport- und

Vereinsanlagen ist Trimmfi t geeignet.

Konzipiert vom Hersteller Nao Fit und bezahlt

von der Rhein-Energie wurden die Kölner Anlage

jetzt offi ziell ihrer Bestimmung übergeben.

„Wir wollen die Stadt sportlich weiter nach

vorne bringen“, erklärt Volker Staufert, Netzvorstand

der Rhein-Energie und Vorsitzender

des Stadtsportbundes, das Engagement. Bereits

im Januar hatte das Unternehmen drei spezielle

Laufstrecken in der Grünanlage beschildert.

Trimmy ist wieder da

Auch das sympathische Maskottchen der

Trimm-Dich-Bewegung ist wieder aktiv. Die

neuen Müller® Trimm-Dich-Parcours sind mit

Playparc-Geräten ausgestattet. Die Molkerei

Alois Müller und der Deutsche Olympische

Sportbund schreiben seit 2008 moderne Trimm

Dich-Parcours aus. Auch 2010 steht wieder

eine Ausschreibung für vier Parcours an. Die

Ausschreibung bietet Städten, Kurorten und

Heilbädern die Möglichkeit, sich im Rahmen

der Kampagne für einen modernen Trimm Dich-

Parcours zu bewerben. Gemeinsames Ziel ist es,

möglichst viele Menschen für ein aktiveres Leben

zu begeistern. Berührungsängste gegenüber

Bewegung sollen durch einen hohen Spaßfaktor

abgebaut werden. Nach und nach sollen in

vielen Städten neue Trimm Dich-Parcours entstehen.

Alle deutschen Städte und Gemeinden

mit mindestens 50.000 Einwohnern sowie alle

Kurorte und Heilbäder können sich bewerben.


Um an der Ausschreibung teilzunehmen, sollte

ein vollständig ausgefülltes Bewerbungsformular

an folgende Adresse eingereicht werden:

Deutscher Olympischer SportBund

Stichwort „Trimm Dich-Ausschreibung“

Otto-Fleck-Schneise 12

60528 Frankfurt am Main

Mitmachen lohnt sich! Teilnahmeschluss ist der

4. Dezember 2009. Weitere Informationen gibt

es auf www.trimmy.de.

Schon die Kleinsten sollen zu mehr Bewegung

animiert werden. 100 Kindergärten in ganz

Deutschland bekommen einen eigenen Trimmy-

Bewegungsparcours der Molkerei Alois Müller

und des Deutschen Olympischen Sportbundes

(DOSB). Etwa 1.000 Kindergärten hatten sich

an der Initiative „Müller® bewegt Kinder - 100

Trimmy-Kindergärten® für Deutschland“ beteiligt.

Kinder und Erzieher/innen der 100 Gewinner-Kindergärten

haben die mit Fachleuten aus

Sport und Wissenschaft besetzte Jury mit den

besten Konzepten zum Thema „Bewegung und

Ernährung im Kindergarten“ überzeugt. Ziel der

Initiative ist es, Kinder spielerisch in ihrem gewohnten

Umfeld zu mehr Bewegung und einer

ausgewogenen Ernährung anzuregen.

„Die große Resonanz bestärkt uns, die Initiative

im kommenden Jahr fortzusetzen“, sagt

Anja Meisel von der Molkerei Alois Müller. Anlass

sind aktuelle Studien, die zeigen, dass die

meisten Kinder sich zu wenig bewegen. Dabei

ist gerade für die Kleinen Bewegung besonders

wichtig: „Werden bereits Kindergartenkinder

für mehr Bewegung motiviert, sind die Chancen

größer, dass sie auch als Erwachsene aktiv bleiben“,

sagt Professor Dr. Alexander Woll, Sportwissenschaftler

an der Universität Konstanz.

Sieben Stationen Sport und Spaß

Die ausgezeichneten Kindergärten bekommen

einen Trimmy-Bewegungsparcours mit vielen

kindgerechten Sportgeräten, unter anderem

Balancierhügel, Zick-Zack-Stepper, ein kleines

Trampolin, eine Langbank und ein Kriechtunnel.

Mit den Materialien werden Kraft, Ausdauer,

Schnelligkeit, Beweglichkeit sowie die Koordination

geschult. Die Sportgeräte können sowohl

im Innen- als auch im Außenbereich eingesetzt

werden. Eine kostenlose Fortbildung und ein

ausführliches Begleithandbuch für die Erzieher/

innen sind ebenfalls Bestandteil des Konzepts,

das langfristig in den Kindergärten verankert

werden soll. Die Kinder erhalten

Trimmy-Tagebücher, in denen sie

ihre Aktivitäten eintragen können.

Alle Materialien wurden

mit fachlicher Unterstützung der

Fachgruppe Sportwissenschaft der

Universität Konstanz entwickelt.

Die Konstanzer Wissenschaftler

werden das Projekt auch in Zukunft

begleiten und die Erfahrungen

der Trimmy-Kindergärten® mit

den Bewegungsparcours dokumentieren. Jedes

Jahr sollen nun weitere Kindergärten in ganz

Deutschland zu bewegungsfördernden Trimmy-

Kindergärten® werden.

Wünschen wir den neuen Trimm-Dich-Strecken

und innovativen Projekten eine lange und erfolgreiche

Karriere im Kampf gegen Bewegungsmangel

und Übergewicht. L.K.

Fotos: trimmy.de

Gesellschaft | 53


Foto: Jens Weber, München

54 | Report


Ein neuer Blick

auf das Spielen

Spielraum Stadt“ war einen knappen Monat lang das zentrale Thema in der

Bonner Innenstadt. Um die Orte neu wahrzunehmen, an denen Menschen

spielen, wurden zehn „Sichtfenster“ und eine große farbige Holzskulptur als

„Sehstation“ aufgebaut. Begleitende Aktionen regten zu Diskussion um das

Thema „Spielen in der Stadt“ an.

Der große rote Rahmen vor dem Spielplatz an

der Adolfstraße in Bonn ist ein schöner Ort für

ein nettes Picknick. Das kleine Mädchen knabbert

eine Laugenstange und springt danach mit

einem großen Satz aus dem Rahmen in den

Sand. „Sehen lernen“ steht in großen Buchstaben

auf dem Rahmen, aber das kann die Kleine

erstens noch nicht lesen und zweitens braucht

sie es an dieser Stelle auch gar nicht. Sie weiß

ganz selbstverständlich, wie wichtig solche

Spielorte in der Stadt sind. Für alle anderen gab

es vom 13. August bis zum 4. September an diesem

Ort und neun weiteren Stellen in Bonn die

großen farbigen Rahmen der Aktion „Sehen lernen“

der Initiative StadtBauKultur Nordrhein-

Westfalen. Etwas zu sehen ist eine Sache, es

aber auch wahrzunehmen eine ganz andere. Die

Bilderfl ut der modernen Medien hat den Blick

abgestumpft und Unscheinbares zieht keine

Aufmerksamkeit auf sich. Selbst die bedeutenden

Dinge verlieren ihren optischen Reiz, weil

man sie schon so oft gesehen hat. Dabei gibt es

viel im Stadtbild, das bewusst gesehen werden

sollte. In Bonn wurden die Rahmen so aufgestellt,

dass sie den Blick auf unterschiedlichste

Spielräume in der Stadt eröffneten: Plätze oder

Grünanlagen, Spielorte von mehr oder weniger

Qualität. Sie alle aber werden von Kinder, Jugendlichen

oder Erwachsenen bespielt und beleben

so die Bonner Innenstadt.

Von der Flaniermeile zur Spielstraße

Am Alten Zoll, einer Bastion der barocken

Stadtbefestigung, lenkte zum Beispiel ein Sichtfenster

den Blick auf einen Park am Rheinufer.

Zu sehen war dort eine improvisierte urbane

Spielsituation in Form einer sandigen Freifl äche.

Bonner Bürger haben diese Brache auf

nonchalante Art als Spielfl äche „besetzt“ und

nutzen sie zum Boule-Spielen. Das Rheinufer

war ebenfalls Standort eines Sichtfensters. Hier

ging es um die Verdeutlichung der Demokratisierung

der Promenade, die von der edlen Flaniermeile

zu einer Spielstraße für Jung und Alt,

zur Begegnungsstätte von Fußgängern, Joggern,

Radfahrern und Inlineskatern geworden

ist – jeder mit der eigenen Geschwindigkeit und

Mentalität.

Perspektivenwechsel bei der Sehstation

Die von dem Augsburger Architekten Andy

Brauneis entworfene 12 x 7 x 7 Meter große

begehbare Skulptur Sehstation war als belebtes

Zentrum der Aktion im Hofgarten aufgebaut. Der

Hofgarten steht wie kein anderer Freiraum in

Bonn für eine offene Nutzung durch Menschen

unterschiedlichsten Alters. Wer in die Sehstation

stieg, konnte bemerken, dass sich seine

Perspektive mit jeder Stufe ein wenig veränderte.

Eine Hörcollage lenkte die Wahrnehmung

auf verschiedene Facetten, die den Hofgarten

als öffentlichen Ort auszeichnen. So wurde die

Station als Standpunkt des Perspektivenwechsels

zugleich Symbol und Veranstaltungsort

für alle Aktionen zum Thema „Sehen lernen“ in

Bonn. Das umfassende Programm reichte von

Diskussionen, über Vorträge, Nachtwanderungen,

Stadt- und Theaterspaziergängen, GPS-

Touren bis hin zu einem Baukultur-Frühstück.

Auch für Kinder gab es Angebote: Der Bund

Report | 55


Foto: Robert Hörnig, Dortmund

Foto: Kaleidoskopia

Foto: Jamari Lior

56 | RRep

Report ep epor or ort

Foto: Robert Hörnig, Dortmund

Deutscher Architekten, Bonn-Rhein-Sieg, hatte

eine Stadtrallye unter dem Titel „Was seh’

ich da?“ vorbereitet und JAS – Verein Jugend

Architektur Stadt e.V. veranstaltete für Kinder

und Jugendliche einen Workshop „Aus dem

Rahmen gefallen – Spielorte entdecken“. Hier

konnten die jungen Teilnehmer an der Sehstation

im Hofgarten und an zwei weiteren Sichtfenstern

in der Stadt neue Spielorte erkunden,

entdecken und erforschen. Eine große Spielkiste,

gefüllt mit Frisbees, Jonglierbällen, Diabolos

und Springseilen stand tagsüber während der

gesamten Laufzeit des Projektes zur Verfügung,

um dem Spielen eine noch prominenteren Stellenwert

im Stadtbild zu verleihen. Das Spielmobil

MAX – ein bunter ausgebauter Anhänger mit

vielen verschiedenen Spielmöglichkeiten für

Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren – besuchte

wechselweise ebenfalls die Aktionsbereiche.

Das Projekt und seine Ziele

„Sehen Lernen“ stand in Bonn ganz im Zeichen

des Themas „Spielraum Stadt“. Das ist einer von

ganz unterschiedlichen Schwerpunkten, mit denen

die mobile Sehstation und die Sichtfenster

durch Städte in Nordrhein-Westfalen touren.

„Sehen lernen“ ist eine Aktion der Landesinitiative

StadtBauKultur NRW, die in Kooperation

mit den jeweiligen Städten, dem ILS Institut für

Landes- und Stadtentwicklungsforschung und

dem LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur

in Westfalen durchgeführt wird. Außerdem


SEHEN LERNEN, Kampagne für die Gebaute Umwelt im Rahmen der Landesinitiative StadtBauKultur NRW

handelt es sich um ein Pilotprojekt der nationalen

Stadtentwicklungspolitik des Bundes.

„Jede der Städte, die Stationen der Kampagne

„Sehen Lernen“ sind, schauen wir uns vorher an.

Was ist das für eine Stadt? Was gibt es für ein

spannendes Thema? An welchem Ort könnten

wir mit der Sehstation stehen, um das Thema

Baukultur zu fassen und präsent zu machen?

Und mit den Bürgern ein paar Stunden in der

Sehstation zu sitzen und uns das Treiben in der

Stadt anzusehen.“ So beschreibt Ulrike Rose

von StadtBauKultur NRW den Prozess, mit dem

die Planung jeweils beginnt.

Bislang wurde 2008 und 2009 in neun Städten

Nordrhein-Westfalens durch die wandernde Aktion

der Blick der Öffentlichkeit auf Gelungenes

und Misslungenes, Bestehendes und Zukünftiges

gerichtet. Die Sehstation ist das Ergebnis

eines im Jahr 2007 ausgelobten Wettbewerbes

zwischen Architekten, Stadtplanern und Künstlern

und dient der Sensibilisierung der Öffentlichkeit

für die gebaute Umwelt. „Neue Perspektiven

erschließen Überraschendes, lenken

den Blick auf Bekanntes und Unbekanntes. Sie

ermöglichen, das Umfeld neu zu entdecken und

räumliche Qualitäten oder Missstände wahrzunehmen“,

so der Augsburger Architekt Andy

Brauneis, der die Sehstation gemeinsam mit Nicolette

Baumeister aus München und Christian

Schüller aus Gersthofen im Rahmen des Wettbewerbs

entworfen hat.

Und was bleibt in Bonn von der Aktion zurück?

Durch die Sichtfenster konnte man in vielen einzelnen

Bildern erfassen, wie gut die augenblicklich

zu erlebende Renaissance des öffentlichen

Raums den Städten tut. Lebendige Orte wie der

Hofgarten werden zu einer Bühne der Innenstadt

mit dauernd wechselndem Programm. Die

Menschen suchen immer mehr die Orte auf, an

denen keine Schwellen für den Aufenthalt und

das Spielen im öffentlichen Raum existieren.

L.K., A.M.

Foto: Jens Weber, München

Report | 57

Foto: Ludwig Keißner


Foto: Monte Kaolino

„Bergbau“ in der Oberpfalz

Der Erfolg der Freizeiteinrichtungen am Monte Kaolino ist auf Sand

gebaut, genau gesagt auf 320 Millionen Tonnen Sand, der aus dem

Abbau von Bodenschätzen stammt. Dieses Jahr sind nun erstmals alle

Attraktionen am Monte Kaolino fertig: mit Sommerski und –rodeln,

Erlebniswegen, einem Abenteuer-Spielplatz und vielem mehr.

58 | Report

Der oberpfälzische Monte Kaolino befi ndet sich

in sehr guter Gesellschaft: Auf der Internetseite

www.duneguide.com steht er zusammen mit

den größten und schönsten Dünen der Welt.

Danach sah es zunächst einmal in seiner „Kindheit“

im 19. Jahrhundert gar nicht aus, denn

sein weißgrauer Quarzsand ist nicht mehr und

nicht weniger als ein Überrest, der beim Abbau

von Kaolin anfällt. Das Gestein Kaolin kommt

weltweit nur selten vor und wurde früher vor

allem zur Porzellan-, heute überwiegend zur

Papierherstellung verwendet. Weil man mit den

ungeheuren Sandmengen nichts anzufangen

wusste, hat man sie ohne besondere Absicht

aufgehäuft. Heute ragt die Düne 120 Meter in

die Höhe und ist zum Wahrzeichen der Region

um Hirschau geworden. In den 50er Jahren

wurde der Monte Kaolino als Sommerskigebiet

entdeckt. Seitdem hat sich die Fangemeinde

immer vergrößert. Mittlerweile hat die Ski-

Abfahrt eine Länge von 220 Meter, bei dem

ziemlich extremen Gefälle von rund 35 Grad.

Die Sandski-Europameisterschaften fi nden hier

ebenso statt wie Events und Wettkämpfe für

Boarder. Kinder können sich auch auf Plastikbobs

in das Sandvergnügen stürzen. Und der

Monte Kaolino hat als einziger Sandberg Europas

auch einen Lift.

Eine industriell genutzte

Landschaft verändern

Der Kaolinabbau hat lange Zeit großen Einfl uss

auf die Gestaltung und Entwicklung der Region

gehabt. Einige Jahrzehnte werden die Bodenschätze

auch noch für Arbeitsplätze sorgen,

doch bei dem Ausbau des Monte Kaolino zu

einem Freizeitzentrum ging es neben einer sofort

wirksamen touristischen Aufwertung auch

bereits um Signale für die Zukunft. Langfristig

steht die Umgestaltung der circa 720 Hektar

großen Landschaft an. Neben der bereits seit

langem laufenden Rekultivierung wurde für das

gesamte Revier ein Nachfolgenutzungskonzept

erarbeitet. Danach wird die Umgestaltung der

großen Tageabbaue zu einer Seenlandschaft

erfolgen. Man rief den GeoPark Kaolinrevier ins

Leben, der die Industrie-Landschaft und ihre

Veränderungen erlebbar macht. Am Fuß des

Monte Kaolino beginnt der Industrie-Pfad als

mehrsprachig konzipierter Rundkurs von etwa


sechs Kilometern Länge mit zwölf Stationen, an

denen die Besucher jeden Alters viel über die

Nutzung und Rekultivierung der Landschaft

erfahren können. Der Focus liegt auf dem

Erlebnis- und Spielcharakter der Informationsangebote.

Freizeitangebote wie Sand am Meer

Dieses Jahr sind nun erstmals alle Attraktionen

am Monte Kaolino fertig. Der Umbau eines

Schwimmbads aus den späten 50er Jahren in

ein modernes Freizeitbad stellte 2007 den Auftakt

der Erweiterung der Freizeitangebote dar.

Es ging darum, neben dem Sommerski viele

Aktivitäten für Menschen unterschiedlichen Alters

zu bieten. Mit europäischen Fördergeldern

aus dem Programm Leader plus wurden viele

der neuen Einrichtungen fi nanziert. So gibt es

jetzt einen Wald-Hochseilgarten, eine Rundstrecke

für Inline Skater und Rollski sowie einen

Abenteuer-Wasser-Spielplatz, der von Eckart

Brandau sehr individuell mit Blick auf den

Ort geplant und realisiert wurde. Ende 2008

kam dann noch die Sommerrodelbahn Monte

Coaster hinzu, die einige Achterbahn-Elemente

enthält. Auf einer rasanten Strecke von 1000

Meter Länge gibt es einen 350 Grad Panoramakreisel

mehrere Jumps und Wellen sowie

scharfe Haarnadel-Kurven. Es handelt sich um

einen Alpine Coaster von Wiegand. Auch wer

es etwas ruhiger mag, fi ndet am Monte Kaolino

Angebote. Der Farbenwald ist der meditative

Bereich der Freizeitanlage, der auf dem mit

einem Birkenwald bewachsenen Plateau einer

ehemaligen Abraumhalde angelegt wurde. In

dem Gelände wurden entlang eines Rundwegs

von einer Künstlerin gestaltet zehn große

leuchtende Farbstelen aufgestellt, die mit farbigem

Coloritquarz – einem Nebenprodukt des

Kaolinabbaus – beschichtet sind.

Hermann Falk, als Geschäftsführer zuständig

für die Freizeiteinrichtungen zeigt sich sehr zu-

frieden mit der

Nutzung der

Angebote. Das

Einzugsgebiet

der Besucher

hat sich seiner

Einschätzung

nach mit dem

neuen Angebot

nochmals

deutlich erweitert.

Vermehrt

kommen nun

auch Gäste aus

europäischen

Nachbarländern. Der ebenfalls erweiterte Campingplatz

am Monte Kaolino wird entsprechend

gut genutzt. Die Highlights an der Düne sprechen

erfreulicherweise junge Menschen an, die

oft mit dem Tourismus im eigenen Land weniger

anfangen können. Für sie gibt es spannende

Events, die sich nicht nur auf Sommerski beschränken.

Es fällt einem sicher kein besserer

Ort abseits der Nord- und Ostseestrände ein,

der besser für Beach-Volleyball-Veranstaltungen

geeignet wäre als der Monte Kaolino.

A.M.

Fotos: Monte Kaolino

Report | 59


Empfehlenswert:

Sanierung

statt Neuanschaffung

60 | Report

Ein zweites Leben für alte Tischtennisplatten

Wenn Spielgeräte in die Jahre kommen, sehen sich Kommunen mit der

Frage konfrontiert, was nun zu tun ist. Oft scheint es nur die Alternative

zu geben, entweder neue Geräte anzuschaffen oder die alten

einfach ersatzlos abzubauen. Jetzt bietet der Hersteller PRODUCT Spiel

- Sport - Freizeit aus Ralingen bei Trier eine günstige Möglichkeit an,

vorhandene Tischtennisanlagen langfristig zu sanieren.

Tischtennis ist eine der beliebtesten Sportarten

bei Kindern und Jugendlichen. Kein Wunder,

denn die Regeln sind einfach, die benötigte

Ausrüstung günstig, der Platzbedarf gering. Das

Wichtigste: es gibt jede Menge Spielspaß. Denn

Tischtennis ist Action pur. Ein schnelles Spiel,

das die Reaktion sowie die Auge-Hand-Koordination

schult und die Spieler immer in Bewegung

hält. Auf vielen Spielplätzen und Freizeitanlagen

gehören Tischtennisplatten daher seit

Jahrzehnten zum Inventar.

Tausende verwitterte oder beschädigte und

somit nicht mehr bespielbare bzw. gefährliche

Außen-Tischtennistische fristen ein trostloses

und optisch wenig ansprechendes Dasein. Die

extrem schweren Tische lassen sich meist nicht

umplatzieren und sind so oftmals ein Fall für

die Entsorgung. Gerade aber, wenn die Unterkonstruktion

und die statische Beschaffenheit

es zulassen, wäre eine Sanierung die sinnvollere

Maßnahme, um so nicht nur eine teure Entsorgung

des meist mit Kunststoff angereicherten

Betons zu umgehen sondern auch um ein wertvolles

Spiel- und Sportgerät zu erhalten.

Runde Ecken für die Sicherheit

PRODUCT Spiel – Sport – Freizeit ist Hersteller

von Spiel- und Sportgeräten. Eines der Produkte

ist Top-Spin, die – nach eigenem Bekunden

– sicherste Tischtennisplatte der Welt. Dies

durch runde Ecken, abgerundete Tischkanten

und Netzecken und durch eine Konstruktion

und Materialauswahl, an der sich Vandalen „die

Zähne ausbeißen“. Ideal zum beliebten Rundlaufspiel

und für Schulhöfe, Kinder- und Jugendeinrichtungen,

Spiel- und Bolzplätze. Für

„Puristen“ gibt es die Platte auch mit eckigen

Ecken.

Die Spielfl ächen bestehen aus 4 mm feuerverzinktem

Stahl, der in zwei Farben hochwertig

pulverbeschichtet ist. Standardmäßig ist die

Grundfarbe moosgrün. Andere RAL-Töne und

Sonderlackierungen sind möglich. Die Flächen

lassen sich jederzeit mit herkömmlichen Kunstharz-Lacken

nach- bzw. überlackieren. Wer auf

den Stein-Look nicht verzichten möchte, kann

den Tisch auch in einer speziellen Beschichtung

bekommen, die Stein- oder Betontischen sehr

ähnlich ist. Das „Netz“ aus 8 mm Massiv-Alu

hat keine Löcher, damit kein Hebel angesetzt

werden kann. Die 6 Tischbeine aus feuerverzinktem

Stahlrohr werden am Boden festgedübelt.

Bei Maßen von ca. 274x152,5 cm und

einem Gewicht von ca. 170 kg kann der Tisch

ohne Hebewerkzeug mit 4 Personen problemlos

umplatziert werden.


Sanierung auch in Eigenarbeit

Auf der Basis dieser Tische bietet das Unternehmen

ein Sanierungsset aus zwei Stahlblechplattenhälften

an. Damit ist eine Sanierung

kein Problem mehr. Die Stahlblechplattenhälften

werden einfach mit dem alten Betontisch

verklebt und haften so dauerhaft ohne optisch

störende Verschraubungen. Passend zu den Sanierungstischhälften

gibt es das 8 mm starke

Alu-Netz. Für Außentische, die noch bespielbar

sind, aber kein intaktes Netz mehr haben,

sind die Netze separat ab Lager lieferbar. Bei

nicht DIN-gerechten Maßen kann PRODUCT

auch Sondergrößen liefern oder man entfernt

überschüssiges Betonmaterial einfach mittels

Best Practice: Spielplatztelefone

Immer mehr Städte bieten ihren Bürgern den Service eines

Spielplatztelefons an. Hier können Kinder oder Erwachsene Verunreinigungen

und Beschädigungen direkt melden. Denn wenn

Scherben, Wespennester oder gar Spritzen den Spielplatz gefährlich

machen, muss schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Auch für Gestaltungsvorschläge sind die Behörden offen.

Hier einige vorbildliche Spielplatztelefone

Frechen 02234-501535

Pulheim 02238-808490

Bonn 0228-774499

Hennef 02242-888415

Rodgau 06106-82964328

Berlin Spandau 030-3313099

Gemeinde Grünheide 03362-58550

Trennscheibe. Die Sanierung kann von dem Betreiber

selbst durchgeführt oder beim Hersteller

in Auftrag gegeben werden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: ein jahrzehntelang

wieder bespielbarer Tisch, der nicht

mehr wetterbedingt verrottet und über rundlaufsichere,

stark abgerundete Ecken verfügt.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass keine

Erdarbeiten wie bei der Aufstellung eines neuen

Tisches erforderlich sind. Ganz wichtig: Wer

befürchtet, dass das Ping und Pong auf den

neuen Stahlplatten lauter ist als vorher, liegt

falsch. Beim Tischtennisspielen auf der TOP-

SPIN-Platte entstehen nur Spielgeräusche wie

auf Beton- oder Steintischen. L.K.

Fotos: PRODUCT

Report | 61


Foto: ©_Joosten_pixelgrain

Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis

Preiswürdige

Kita-Außenanlage

Am Abend des 10. September 2009 verlieh der Bund Deutscher

Landschaftsarchitekten in Berlin den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis

2009. Neben den Hauptpreisträgern erhielten

insgesamt sechs Projekte von 70 Einreichungen eine Würdigung,

darunter auch die Außenanlagen der Kita Griechische Allee,

Berlin.

62 | Report

Foto: ©_Joosten_pixelgrain

Auf den ersten Blick mutet diese Kita nicht wie

ein Kinderparadies an – eher wie ein Betonmonument.

Ihre Preiswürdigkeit erschließt sich

erst in der Betrachtung der Nutzungsmöglichkeiten

für die Kinder. Den Auftakt der räumlichen

Gesamtfi gur bildet ein kleiner Stadtplatz,

der eine Verbindung zwischen dem umgebenden

Quartier und dem Kindergarten darstellt.

Die pinkfarbene Bemalung seiner Asphaltfl äche

bildet einen reizvollen Kontrast zum Grau des

Betons. Prägend für den Gesamteindruck der

Außenräume mit 3.600 Quadratmeter Grundfl

äche ist die am Obergeschoss des Gebäudes

ansetzende Rampenskulptur aus Beton, die

sowohl Umfassung des Grundstückes und Abgrenzung

zur Straße ist, als auch das Rückgrat

der behindertenfreundlichen Erschließung des

Gebäudes. Sie ermöglicht den Kindern einen

Rundlauf in der Anlage. Aus dieser Rampe heraus

entwickeln sich in ihrem Verlauf die extra

entwickelten Spielgeräte. Neben diesen in den

Garten ragenden Spielelementen, wie der Brücke,

unter welcher sich zwei Schaukeln und eine

Wippe befi nden, einer breiten Rutsche, einem

Klettergerüst, einem Einzelpunktschwinger und

einem Wasserspiel bietet die Rampenskulptur

Möglichkeiten sich zu verstecken und zurück zu

ziehen. Leitgedanke dieser Konzeption war die

Maximierung der Freifl ächen. Durch die Integration

der Spielgeräte in die Rampenanlage an

den Grundstücksgrenzen ist eine freie, mit alten

Bäumen bestandene grüne Mitte entstanden.


Foto: ©_Joosten_pixelgrain

„Freiraum und Gebäude entwickeln gemeinsam

einen neuen Ort, der im Spannungsverhältnis

zwischen Innen und Außen der Bezeichnung

Kinder-Garten Rechnung trägt.“ So erklären

die Entwickler des Planungsbüros TOPOTEK 1

aus Berlin ihr Konzept. Christian Bohne, Ansprechpartner

dort, erläutert weiter: „Das

Spielen im Freien entwickelt sich aus dem von

Behles-Jochimsen-Architekten umgestalteten

Gebäude heraus und tritt nicht als isoliertes

zusätzliches Element in Erscheinung. Eine

wichtige Motivation für uns war ein einmaliges

Spielerlebnis mithilfe eines maßgeschneiderten

Spielobjektes zu schaffen, contra der üblichen

Orgie mit Spielobjekten aus dem Katalog“. Das

Bezirksamt Treptow-Köpenick Berlin investierte

450.000 Euro in das jetzt gewürdigte Projekt,

es wurde 2007 fertig gestellt. Nach zwei

Jahren Erprobung stellt sich die Frage, ob die

Preiswürdigkeit auch von den Erzieherinnen gesehen

wird? „Das wird sie defi nitiv.“ bestätigt

Christian Bohne unsere Nachfrage. D.T.

Foto: ©_Joosten_pixelgrain

Foto: ©_Joosten_pixelgrain

Projektbeschreibung

Projekt: Kita Griechische Allee, Berlin

Außengelände: 3.600 qm

Investitionssumme: 450.000 Euro

Planungsbüro: TOPOTEK 1, Berlin

Bauzeit: 2004 – 2007

Report | 63


64 | Spielraum

Foto: R. E. Gilmore


Kinderfreundliche

Stadtplanung

Teil II: Element Bäume

Für Kinder in der Stadt ist das Erleben der Vielfalt der Natur

faszinierend. Wenn Kinder von ihrer Stadt erzählen, schwärmen

sie immer von ihrem Lieblingsort, zu dem Bäume einfach dazu

gehören.

Der kontinuierliche Wechsel der Jahreszeiten

ist an den Bäumen in der Stadt ablesbar - durch

die neuen zarten Knospen im Frühling, das

dichte Blätterdach im Sommer, den Laubfall im

Herbst und die leeren knorrigen Äste im Winter.

Für eine Vielzahl von Kleinsttieren - Ameisen,

Käfer, Schmetterlinge und Singvögel - bieten

die Bäume in der Stadt ein Refugium. Für die

Kinder bietet diese Tierwelt zahlreiche Stunden

der Entdeckung. Bäume sind eine kinderfreundliche

Bereicherung für jede Stadt. Sie verleihen

der Innenstadt ihren besonderen Charme und

unterstreichen ihre Individualität.

Stadtparks wie der Stadtgarten in Freiburg, die

Eilenriede in Hannover, die Parkanlage von Bad

Muskau, der Dörnbergpark in Regensburg, der

Stadtpark in Görlitz oder der Englische Garten

in München ziehen die Kinder magisch an. Je

naturbelassener sich Park oder Stadtgarten zeigen,

desto beliebter sind sie unter den Kindern,

denn sie können die Natur und deren Gesetze

dort beobachten und begreifen. In den Bäumen

zu klettern, durch das Unterholz zu schweifen,

an den Teichen Experimente mit Papierschiffen

und Holzstöcken durchzuführen – das ist das

pure Glück am Leben und Entdecken.

Die Vorteile und Nutzungsmöglichkeiten von

Bäumen in der Stadt sind grenzenlos. Einerseits

wird durch Bäume die Luftqualität in der

Stadt erhöht und einer durch den Klimawandel

entstehenden Aufheizung der Städte entgegengewirkt.

Anderseits werden Bäume vermehrt

entlang der Stadtstraßen, auf städtischen Plät-

zen und auch im letzten Winkel der Innenstadt

gepfl anzt, weil die Stadtplaner, Architekten,

Landschaftsplaner und Soziologen einen massiven

Rückgang von Vandalismus innerhalb der

Stadtgrenzen erkannt haben. Dort, wo Bäume

und Menschen Raum zum Leben erhalten, entstehen

weniger Aggressionen und eine starke

Identifi kation mit der eigenen Stadt und dem

Wohnumwelt. Gerade Kinder spüren eine Verbundenheit

und Geborgenheit in der Nähe von

Bäumen.

Sowohl in den Auen an der Ilm in Weimar als

auch im Park von Schloss Friedenstein in Gotha

suchen Regentropfen ihren Weg durch das

Blätterdach. Diese anziehenden Grünanlagen

wurden als Landschaftsparks 1778 bzw. 1770

angelegt. Zu dieser Zeit schwärmten europäische

Besucher noch von dem üppigen Reichtum

der Bäume und Vegetation, die die Straßen von

Manhattan (New York) schmückten. In allen

Hauptstraßen Manhattans fl ankierten jahrhundertealte

Bäume die Bürgersteige, prägten das

Aussehen der Stadt und spendeten Schatten für

die Bürger und deren Kinder. 1780 fi elen dem

harten Winter und der fi nanziellen Notlage der

Stadtbewohner alle Bäume zum Opfer. Unabhängig

davon, ob es sich um Zier- oder Fruchtbäume

handelte, landeten ihre Stämme in den

Holzöfen. Zusammen mit anderen Straßen verlor

die Wall Street ihre Frische, ihren grünen

Charakter, ihren Schatten und ihre öffentlichen

Aufenthaltsräume. Dabei gab Manhattan seinen

menschlichen Charakter ab und zugleich

Spielraum | 65


Foto: R. E. Gilmore

Durch die Aneignung der Natur in körperlicher Tätigkeit ...

Foto: R. E. Gilmore

... erfahren Kinder ein Stück Selbständigkeit.

66 | Spielraum

erhöhte sich das tägliche Lebenstempo in der

Stadt. Es gab keinen Anreiz mehr, die Stadt

gemächlich zu durchwandern oder auf den

Bürgersteigen zu verweilen. Heute gibt es die

ersten Versuche, durch Anpfl anzungen neuer

Bäume Manhattan etwas von seiner alten Qualität

wiederzugeben.

Johann Wolfgang von Goethe verfasste 1790

in Weimar die Aufforderung und Mahnung an

Stadtplaner, Architekten und Landschaftsarchitekten:

„Pfl anz einen Baum! Und kannst Du

auch nicht ahnen, wer später in seinen Schatten

tanzt. Gedenke – Mensch, es haben Deine

Ahnen, obwohl sie Dich nicht kannten, auch für

Dich einen Baum gepfl anzt.“

Diese Weisheit wird in Osnabrück zu Herzen

genommen: Kinder und Bäume sind die Leitthemen

der Stadtplanung. Vierspurige Straßen

werden zu zweispurige Straßen zurückgebaut.

Entlang der Mitte entstehen lang gestreckte

Grünzonen mit Bäumen und Überquerungsmöglichkeiten

für die Kinder, die auf dem Schulweg

diese Straßen passieren müssen. Erstrebt wird

eine Vernetzung von grünen Streifzonen für

Kinder, damit sie sich in diesen geschützten

Bereichen mit ihren Freunden treffen können.

Wie grüne Finger durchziehen die Grünzonen

die Stadt. Ein weiteres Ziel ist, den Kindern die

Möglichkeit zu geben, sich entlang der Baumreihen

von der Innenstadt bis an den Stadtrand

hinaus stets gefahrlos bewegen zu können. Dadurch

können Kinder ihre Wohnumwelt allein

oder mit Freunden erobern.

Städte wie Wien, Mailand und Paris punkten

heute mit städtischen Parks und alten knorrigen

Baumalleen, die Kinder spontan erwähnen,

wenn sie ihr „Baumreich“ beschreiben sollen.

Vergleichbar dazu sind die Stresemannallee und

der Altenbekener Damm in Hannover-Südstadt.

Beide sind alt angelegte, eindrucksvolle und

imponierende Baumalleen. Mosaiken aus Licht

und Schatten bilden ein bewegliches Muster

an den Fassaden, Bürgersteigen und Straßen.

Ebenfalls wechselt auf den Gesichtern der Kinder,

die unter den Bäumen spielen, das Licht

und Schattenspiel ab. Gemeinsam überspannen

die Bäume mit ihren Blättern Straßenräume

von jeweils fast zwanzig Meter. Diese Baumalleen

empfi nden die Kinder als eine Schutzzone

und unter ihnen fi ndet eine Entschleunigung

statt. Sogar Autofahrer nehmen sich Zeit beim

Durchfahren und die Kinder spüren eine Losgelöstheit.

Eine nachdenkliche, genießerische

Stimmung wird von den Bäumen verbreitet. In

diesem urbanen, öffentlichen Stadtraum entwi-


ckelt sich ein intaktes soziales Gefüge, wo die

Menschen auf einander acht geben und bereit

sind, eine nachbarschaftliche Hand zu reichen.

Die Kinder spüren, dass die Natur nicht verdrängt

oder eingeengt wird. Daraus schließen

sie, wenn Platz für Bäume vorhanden ist, dann

ist auch Platz für sie in allen Entwicklungsstadien

vorhanden.

Das Blätterwerk von Bäumen dient darüber hinaus

als Lärmschutzelement. Der Straßenlärm

wird ähnlich wie bei einer Akustikwand in einer

Schule oder einem Theater von der unterschiedlichen

Schichtung der Blätter minimalisiert.

Eine Erhöhung der Lebensqualität der angrenzenden

Wohnungen und eine Verbesserung des

Wohnumfeldes werden durch diesen „natürlichen

Lärmschutz“ erzielt. Bei der Gestaltung

von Städten muss immer auf kinderfreundliche

Rückzugsgebiete geachtet werden. Kinder

schätzen die Gewissheit spielen zu dürfen, ohne

das Gefühl zu haben, andere Mitmenschen dabei

zu stören.

Oberhalb des Roemer- und Pelizaeus-Museums

in Hildesheim ist die Fläche unter einem Solitärbaum

ein alternativer Warteplatz für Schüler.

Von hier aus haben die Kinder einen freien

Blick zur Bushaltestelle, einen Überblick über

den zähfl ießenden Verkehr und Einblick in die

diversen Nationalitäten der Museumsbesucher.

Die Wartezeit am Fuß des Baums wird durch

eine Fußballrunde mit einer Blechdose verkürzt.

Nachdem die Schulkameraden in die verschiedenen

Busse verschwunden sind, hat das letzte

Kind den Baum ganz für sich. Dieser Moment ist

kostbar, denn jetzt ist ein Zurücklehnen gegen

den Baumstamm, ein Nachhängen der Gedanken

und ein Träumen von der Zukunft möglich.

In Naturenklaven wie in Köln entlang dem Rhein

oder wie in Ulm entlang der Donau dienen die

Flächen unter den Bäumen als attraktive, soziale

Treffpunkte für Kinder. Voller Lebensfreude und

in Verbindung zur Natur versammeln sie sich,

um über den Tagesverlauf zu reden und um die

vorbeifl anierenden Erwachsenen zu beobachten.

Durch das Beobachten der Verhaltensweise

und Umgangsformen der Erwachsenen lernen

sie die wichtigen gesellschaftlichen Regeln fürs

Leben. Jeden Tag gibt es ein neues Lehrstück.

Ein innovativer Weg einer kinderfreundlichen

Stadtplanung ist es auch, brachliegende Flächen

und Baulücken mit in die Planung einzubeziehen.

Eine zeitlich begrenzte Erlaubnis

für die Zwischennutzung von Brachfl ächen

ermöglicht Kindern, unter altem Baumbestand,

in verwilderten Parklandschaften oder auf zu-

gewachsenen Waldgrundstücken temporäre

Spiel- und Forschungsräume zu schaffen. Die

Stadt Waldshut-Tiengen hat zu diesem Zweck

eine Kartierung aller öffentlichen Freifl ächen

erstellt. Sämtliche Spielspuren von Kindern wie

Kletterabdrücke, Trampelpfade, Staudamm-

Reste, Seilschaukeln und Baumhäuser wurden

genau untersucht und dokumentiert. Die Möglichkeit,

Flächen außerhalb von gekennzeichneten

Spielplätzen nutzen zu können, ist für

Kinder überaus wichtig. Hier entstehen andere

Bewegungs- und Spielhandlungen als auf

Spielplätzen.

Für die behinderten Kinder der Hugo-Kükelhaus

Schule in Magdeburg im Stadtteil Neu-Reform

haben Bäume eine ganz andere Bedeutung:

ein Neuanfang und ein Abschluss. Bei jeder

neuen Einschulung wird jeweils ein Baum für

die neue Klasse gepfl anzt. Somit wachsen die

Bäume und Kinder zusammen auf. Aber auch

als Abschluss und zur Bewältigung von Trauer

spenden Bäume den Kindern Trost. Nachdem

ein Zivildienstleistender, der an der Schule gearbeitet

hatte, eines Abends zu Tode geprügelt

und getreten wurde, pfl anzten die behinderten

Kinder gemeinsam einen Baum. Dieser Baum ist

„der Baum für Ricky“, aber in Wirklichkeit ist

es ein Baum für die Kinder und er hat wie kein

anderes Mittel die Kinder bei ihrer Trauerarbeit

enorm unterstützt. Tagtäglich wird dieser Baum

gehegt und gepfl egt. Fröhlicher könnte das Kinderlachen

auf einem Schulhof nicht klingen,

wenn die Kinder ihren „Ricky-Baum“ Freunden

und Besucher der Schule vorzeigen. Es ist ein

Baum erfüllt mit Erinnerungen an einen ungewöhnlichen

Menschen, und zudem ein Baum,

der positiv von dem Wunsch und Willen nach

einem Weiterleben und einem Verarbeiten einer

Tragödie zeugt.

Bewegungsterritorien für das Wurzelwerk von

Bäumen in der Stadt müssen vorhanden sein.

Weil das Wurzelwerk die Gehwegplatten hebt

oder Straßenabschnitte aufbricht, werden Bäume

in „jungen Jahren“ gefällt. Durch vorausschauende

Planung können die zukünftig notwendigen

Wachstumsbereiche für die Wurzeln

als auch für den Stamm und die Baumkrone

gewährleistet werden. Jeder Baumverlust wird

von Kindern und auch von Erwachsenen als

extrem schmerzlich empfunden. Für die Kinder

sind es „Freunde“, die mit gewachsen sind, für

Erwachsene sind es Erinnerungen an den ersten

Kuss oder verliebtes Schlendern, das unter den

Bäumen stattfand. Dann freuen sich die meisten

Betroffen auf die neue Baumpfl anzung, nur

Ruth Esther Gilmore

Die Autorin verfasst zurzeit

bei Prof. Dr. Barbara Zibell

an der Fakultät Architektur

und Landschaft an der Leibniz

Universität Hannover und bei

Prof. Dr. Jens Dangschat an der

TU Wien ihre Dissertation über

Innovative Wege einer kinderfreundlichen

Stadtplanung in

deutschen Städten.

Foto: R. E. Gilmore

Spielraum | 67


Foto: R. E. Gilmore

Ungeahnte Naturkräfte Faszination pur

68 | Spielraum

um dann zu erfahren, dass der Ersatz auf einem

Grundstück im nächsten Ortsteil oder als

Baumgruppe auf dem weit entfernten Friedhof

wachsen wird.

Eine unsachgemäße Behandlung von Bäumen

während der unterschiedlichen Bauphasen

führt zu einem langsamen Sterben von zuvor

gesunden Bäumen. Innerhalb von fünf bis zehn

Jahren nach Bauabschluss – eine kurze Spanne

im Leben eines Baums – müssen beschädigte

Bäume wegen Anfälligkeit gegenüber Krankheiten

oder fehlender Standsicherheit entfernt

werden. Bauarbeiter, Architekten und Landschaftsarchitekten

müssen bei den Bauarbeiten

stets darauf achten, dass es nicht zu einer Wurzelverdichtung

kommt, z.B. durch das Gewicht

von (zwischen-) gelagerten Baustoffen über

dem Wurzelwerk oder durch das Be- und Überfahren

des Wurzelbereichs mit Baufahrzeugen.

Es geht noch schlimmer: der Einsatz von Rüttelplatten

und anderen Bodenverdichtungsgeräte

ist absolutes Gift für die empfi ndlichen Baumwurzeln.

Ein sorgloses Abstellen der Bauwagen,

deren schmale Schornsteine zwischen dem

Blätterwerk herausragen, kann häufi g beobachtet

werden. Dies führt meistens dazu, dass die

betroffenen Äste in den folgenden Jahren keine

Blätter mehr tragen.

Die großfl ächige Ausdehnung des Wurzelbereichs

von Bäumen erstaunt Kinder wie auch

Erwachsene. Ab dem Ende des Blattwerkes,

welches sich über einem befi ndet, dehnt sich

das Wurzelwerk des Baumes in der Regel noch

weitere zwei Meter darüber hinaus aus. Ohne

dass dies vermutet wird, dehnen sich unter den

Füßen die verletzlichen, überlebensnotwendigen

Wurzeln aus. Der Wurzelbereich muss deshalb

weiträumig von Lagerung und Befahrung

verschont bleiben, wenn die Bäume die Bauarbeiten

überleben sollen.

Aus der Sicht von Kinderaugen besteht eine

weitere Gefahr darin, dass Hunde ihre Duftnote

an Baumstämmen zurückzulassen pfl egen.

Wird Hunden erlaubt, ihre Ausscheidungen am

Baum zu hinterlassen, führt diese Unart dazu,

dass der Bereich unterhalb der Bäume an Aufenthaltsqualität

einbüßt. Kein Kind hält sich in

der Nähe übel riechender Baumstämme auf und

die in der Nähe aufgestellte Bank ist vergebliche

Liebesmühe. Ein Berühren des Baumstamms

kommt für die Kinder nicht in Frage.

Kinderfreundliche Stadtplanung mit Bäumen

betrifft nicht nur Spielplätze. Sie umfasst das

gesamte Wohnumfeld, von brachliegenden

Flächen und Baulücken, über Grünanlagen bis

hin zu Straßen und städtischen Plätzen, und

ermöglicht eine nachhaltige kinderfreundliche

Gestaltung von Städten und Gemeinden zu

Aufenthalts-, Spiel- und Erlebnisräumen für

Kinder.

Dipl.-Ing. Ruth Esther Gilmore

Teil III: Element Kinderbeteiligung

Teil IV: Element Mobilität

Foto: R. E. Gilmore


Foto: DPV

Öffentliche

„Boule-Plätze“

beliebt bei 1 Mio. Sportlern

Jeder, der in Frankreich war, kennt

die klischeehafte Szene: Sonntagnachmittag.

Eine Gruppe von meist

älteren Männern ist auf einer ebenen

Fläche im Schatten alter Bäume damit

beschäftigt, abwechselnd Kugeln

aus Metall in Richtung einer kleineren

Kugel zu werfen, um anschließend

wort- und gestenreich das jeweilige

Ergebnis zu untersuchen und leidenschaftlich

zu diskutieren. Dabei stört

die erloschene Maispapier-Zigarette

im Mundwinkel ebenso wenig wie die

unverrutschbare Baskenmütze. Zeit

für Boule – eine Spiel- und Sportart

so französisch wie Baguette, Bouillabaisse

und Marseillaise.

Boule gehört zur Gruppe der Kugelsportarten,

die es schon sehr lange gibt. Im Laufe der

Jahrhunderte wurde der Sport mehrfach verboten

Mal sahen die die Herrscher im Boulespiel

eine Gefährdung der Staatssicherheit, mal

wurden Nichtadelige ausgeschlossen. 1629

ließ die Kunsthandwerkerzunft, die Schläger

und Federbälle fabrizierte, das Boulespiel gerichtlich

verbieten, weil es „…zu lasterhaften

Ausschweifungen führt und Ursache sonstiger

Unverschämtheiten ist…“ Das wohl einzig vernünftige

Verbot erging 1824: in Lyon wurde es

untersagt, auf Verbindungsstraßen zwischen

den Orten und auf Hauptstraßen der Stadt

Boule zu spielen…

Ideal für jedes Alter

Noch eine Verwechselung: Eigentlich ist es

nicht wirklich Boule, was an den meisten Orten

gespielt wird, sondern Pétanque. Pétanque ist

über 100 Jahre alt und hat sich aus Jeu provençal

entwickelt. Diese Sportart wird mit drei

Schritten Anlauf gespielt. Irgendwann hatte

ein Spieler ein Altersproblem – Rheuma oder

Ichias – und da hat man gesagt: Wir machen

einen Kreis auf die Erde und spielen das aus

dem Stand. Daher auch der Name Pétanque –

Spielraum | 69


Millimeterarbeit – Der Unparteiische misst den Abstand mit dem Stechzirkel

Eine öffentliche Pétanque-Anlage in Frankreich für Freizeitsportler

70 | Spielraum

mit geschlossenen Füßen auf der Erde stehen.

So lässt sich Pétanque spielen, sobald man eine

Kugel halten kann und solange man eine Kugel

halten kann. Dort wo Freizeitspieler Boule spielen,

wird annähernd nach den Pétanque-Regeln

gespielt. Dies ist auch bei den bereits erwähnten

Franzosen der Fall.

In Deutschland war Konrad Adenauer der Botschafter

für die italienische Variante des Kugelspiels,

Boccia, das er in seinem Lieblings-

Urlaubsort Cadenabbia am Comer See kennen

und lieben gelernt hatte. Dennoch konnte sich

hierzulande Boule mit der Zeit durchsetzen.

Dies lag vor allem an den recht komplizierten

Regeln von Boccia. Es sind bestimmte Bahnen

vorgeschrieben und der Spieler muss vorher ansagen,

welche der Kugeln er treffen will.

Pétanque als Leistungssport

Pétanque ist in Deutschland die beliebteste Kugelsportart.

Nach den Verkaufszahlen der Kugeln

schätzt der Deutsche Pétanque-Verband

die Zahl der Freizeitspieler auf etwa 1 Million.

Dass es einen Deutschen Pétanque-Verband

gibt, wird den meisten Bürgern unbekannt sein.

Der Verband ist ein gemeinnütziger eingetragener

Verein und hat derzeit 10 Landesfachverbände

als Mitglieder. Der DPV ist über den

Deutschen Boccia-, Boule-, und Pétanque-Verband

e.V. Mitglied im Deutschen Olympischen

Sportbund (DOSB).

Im Pétanque werden folgende Formationen gespielt:

Tête à tête, Doublette und Triplette – also

das Spiel 1:1, in Zweier-Mannschaften oder als

Königsdisziplin in Dreier-Teams. International

wird in der Regel Triplette gespielt. Weltweit

gibt es 570.000 Spielerlizenzen, davon alleine

350.000 in Frankreich. Der Deutsche Pétanque-

Verband zählt immerhin 14.000 Lizenzen und

ist auch international gut aufgestellt.

Es gibt im DPV eine Bundesliga, seine Mannschaften

nehmen an Europa- und Weltmeisterschaften

teil und schließlich wurden die World

Games 2013 nach Deutschland vergeben. Sollten

sich deutsche Teams dann bei den jeweils

sechs besten Länderéquipes auf einem Treppchenplatz

wiederfi nden, wären die derzeitigen

Förderkriterien des Bundesinnenministeriums

erfüllt und der Förderzeitraum 2014-2017 gesichert.

In Anbetracht, dass Pétanque ab 2016

olympisch werden kann, durchaus gute Aussichten

für die Zukunft


Foto: DPV

Mit Konzentration und Präzision zum Turniererfolg

1 Million Freizeitspieler

Der DPV pfl egt neben dem Leistungssport auch

den Breitensport. Pétanque wird auch auf öffentlichen

Plätzen gespielt, da jeder Boden für

diese Kugelsportart geeignet ist. Die älteren

französischen Herren, die abends auf den Dorfplätzen

spielen, sind meist Freizeitspieler, vergleichbar

mit Fußballspielern im Park, die z. B.

Kleidungsstücke als „Torpfosten“ benutzen. Bei

beiden hat dies nichts mit den Fähigkeiten der

Spieler zu tun.

In Deutschland werden in Parks oft Boule-Plätze

angelegt und auch genutzt. Denn nicht alle

Pétanque-Vereine verfügen über eigene Plätze.

Daher ist es für sie ebenso wie für die Million an

Freizeitspielern wichtig, dass Kommunen Flächen

für den Sport bereithalten. In vielen Orten

ist dies bereits der Fall. Und dort, wo noch keine

Bahn vorhanden ist, entstehen für die Anlage

nur geringe Kosten.

Ruck-Zuck zum neuen Sportplatz

Benötigt wird zunächst eine Freifl äche von

etwa 15 x 4 m + eine „Zugabe“ rundum. Die

Aushubhöhe sollte etwa 30 cm betragen. Als

erste Schicht wird sehr grober Split verwendet,

der auch als Drainage dient. Die zweite Schicht

besteht aus feinem Split, der gut gewässert und

mit der ersten Schicht verdichtet wird. Als dritte

Schicht wird Mineralbetonsand dünn aufge-

Foto: DPV

tragen und geplättelt. Schließlich kommt oben

drauf noch die hauchdünne Aufl age aus sehr

feinem Split oder Kieselsteinchen. Der Platz

sollte nach Fertigstellung nicht gleich bespielt

werden. Innerhalb von 14 Tagen wird der Platz

immer wieder gewässert und geplättelt, bis er

hart genug für den Spielbetrieb ist. Ist der Platz

erst einmal „eingespielt“, bedarf er im Prinzip

keiner Pfl ege mehr. Tennisplätze (Rotascheplätze),

die nicht mehr genutzt werden, eignen sich

hervorragend, denn es reicht, wenn nur noch als

Aufl age eine hauchdünne Schicht feinkörnigen

Splits darauf verteilt wird. Alle Arbeiten können

von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs ausgeführt

werden.

Macht das nicht Lust auf Pétanque? L.K.

Spielraum | 71


Ausschnitt aus dem Gemälde „Die Kinderspiele“ von Pieter Bruegel d. Ä., 1560 (aus: VÖHRINGER, 1999, 50)

Vor der

„Entdeckung“ der Kindheit

In einer kleinen Reihe von vier Beiträgen „Zur Entwicklungsgeschichte

der öffentlichen Freiräume für Kinder“ stellt Daniel Rimbach in der

FreeLounge die wesentlichen Ergebnisse seiner Doktorarbeit 1 vor. Im

ersten Teil geht es um einen Überblick über die Anfänge vor 1850 als

Wurzeln der planmäßigen Gestaltung von Freianlagen für Kinder.

72 | Spielraum

Kinder haben schon „immer“ im Freiraum gespielt.

Im Mittelalter gab es jedoch keine speziell

für Kinder gestalteten Freiräume, da die

Gesellschaft nicht klar zwischen Kindern und

Erwachsenen unterschied. Das Kind des Mittelalters

und der frühen Neuzeit nutzte für sein

Spiel hauptsächlich vorgefundene Dinge oder

auch einfache, selbst oder von Familienmitgliedern

angefertigte Spielzeuge. Gewerbemäßig

hergestelltes Spielzeug in unserem heutigen

Sinne war eher selten. Diese speziell von Handwerkern

angefertigten Spielwaren, mit denen

vor allem die Kinder der oberen Stände spielten,

lassen sich ab dem hohen Mittelalter nachweisen.

Das berühmte Gemälde „Die Kinderspiele“ von

Pieter BRUEGEL D. ÄLTEREN aus dem Jahr 1560

ist ein Katalog der damals üblichen Spiele im

Freien. Es zeigt ungefähr 80 verschiedene Spiele.

Die Kinder auf dem Bild spielen zumeist ohne

Spielzeug miteinander (z.B. Prozession, Verstecken

etc.) und mit umfunktionierten Alltagsgegenständen.

Obwohl speziell für das Spiel

verfertigte Gegenstände, sogenanntes primäres

Spielzeug, noch relativ selten war, sind auch

einige solcher Spielmittel zu sehen. Zu dieser

Kategorie gehören die dargestellten Masken,

Puppen, Stelzen, Kreisel und Steckenpferdchen.

Die Kinder auf dem Bild spielen aber auch mit

Stöcken, Holz, Knochen, Reifen, Ziegelsteinen,

Schweinsblasen und gefangenen Vögeln. Die

Spiele fi nden entweder auf der sandigen Straße,

einem eingezäunten Rasenstück, an den Mauern

oder auf einer baumbestandenen Wiese an

einem Bach statt. Festinstallierte „Spielgeräte“,

d.h. Gegenstände, die zum Spiel genutzt werden,

sind: ein Sandhaufen, ein Baumstamm, ein

Holzbalken, ein Spieltisch, ein hölzerner Zaun,

ein Kletterbaum und ein Reck.


Die sich ab dem Ende des Mittelalters langsam

entwickelnde schrittweise gesellschaftliche

„Entdeckung“ oder „Erfi ndung“ der Kindheit als

eigener Lebensabschnitt spiegelte sich auch in

der zunehmend differenzierteren Gestaltung

von Freianlagen für Kinder wider.

Belehrung und Unterweisung

Von der frühen Neuzeit bis zur Zeit der Aufklärung

wurden Freianlagen für Kinder, wenn

überhaupt, dann nahezu ausschließlich mit

dem Ziel der Belehrung und Unterweisung oder

zur Erholung vom Lernen geschaffen.

Die ersten für Kinder geschaffenen Freianlagen

in der Renaissance waren botanische Gärten im

Zusammenhang mit Bildungseinrichtungen. Der

Ulmer Stadtbaumeister Joseph FURTTENBACH

stellte 1635 in seiner „Architectura vniversalis“

den Grundriss einer Schule vor. Das Gebäude

schließt vier Gartenhöfe, das heißt zwei „Küchengärtten“,

einen „Baumgartten“ und einen

„Blumengartten“, ein. Im „Baumgartten und

„Blumengartten“ sollten „die Innwohner ihr Recreation

haben können“ (FURTTENBACH, 1635,

Tafel 16 u. S. 47).

Am Ende des 17. Jahrhunderts entstanden die

ersten vereinzelten Schülerarbeitsgärten. Auf

Veranlassung von Herzog ERNST I VON SACH-

SEN, genannt der Fromme (reg. 1640-1675),

wurde in Gotha ein Kräutergarten an einer

Schule anlegt, um die Pfl anzenkenntnisse der

Kinder zu verbessern.

Spieleinrichtungen für Erwachsene in

den Gärten

Seit der Renaissance wurden in herrschaftlichen

Gärten des Adels und wohlhabenden Bürgertums

Räume für Erwachsenenspiele eingerichtet.

In den Gärten wurden z.B. Schießscheiben aufgestellt.

Besonders verbreitet waren Kegel-,

Kugel- und Kricketspiele, welche oft in den

Kabinetten des Bosketts auf eigens angelegten

Spiel-Plätzen“ stattfanden. So gab es in

der Renaissance und der Barockzeit spezielle

Plätze bzw. Bahnen für das Passspiel und das

Mailspiel (z.B. Hortus Palatinus in Heidelberg).

Brettspiele wurden in monumentale Maßstäbe

übersetzt. Schaukeln, Wippen und Karussells

wurden besonders im Rokoko als erotisierendkokettes

Spiel eingesetzt.

Im Barock war das Spiel ein wichtiger Teil der

Gartenkunst. Eine Besonderheit war der Pillnitzer

Schlossgarten bei Dresden, der unter dem

„Erster Grundriß zu der Schule“ (aus: FURTTENBACH, 1635, Tafel No. 16)

sächsischen Kurfürsten und König von Polen,

AUGUST DEM STARKEN, in den 1720er Jahren

so gestaltet wurde, dass die gesamte Anlage

einzig und allein dem höfi schen Spiel und der

höfi schen Festkultur gewidmet war. Die zahlreichen

Spieleinrichtungen dienten in erster

Linie dem Vergnügen des erwachsenen Publikums.

In diesen Anlagen spielten Kinder mit

den Erwachsenen als „kleine Erwachsene“ nach

deren Regeln. Dies beweist jedoch noch nicht,

dass die Kinder in den Gärten nicht auch eigene

„Nichterwachsenenspiele“ gespielt haben.

Es wird vielmehr deutlich, dass die Gärten ausschließlich

für Erwachsene geplant und angelegt

waren.

Erst kurz vor 1800 entstanden in den Privatgärten

auch erste Kinderspielbereiche, die mit speziellen

Kinderspielgeräten ausgestattet wurden.

Hier zeigte sich eine auffällige zeitliche und

sicher nicht zufällige Parallelität zum Aufkommen

der ersten bürgerlichen Kinderspielstuben

in der Zeit um 1800.

Stärkung von Körper und Geist

Die Zeit der Aufklärung und die Herausbildung

einer bürgerlichen Kultur ab etwa 1750 brachte

die endgültige Wertschätzung der Kindheit mit

sich. Die Philanthropen dieser Zeit, allen voran

BASEDOW in Dessau sowie SALZMANN in

Schnepfenthal bei Gotha, entwickelten detaillierte

Bildungskonzepte, bei denen die Aneignung

und Nutzung des Freiraums eine bedeutende

Rolle spielte. Wesentliche Bestandteile

dieser ganzheitlichen Erziehung und Bildung

waren die Gartenarbeit, die Durchführung von

Daniel Rimbach

Daniel Rimbach hat Landschaftsarchitektur

an der

Fachhochschule in Erfurt

studiert und führt seit 1998

ein Planungsbüro mit den

Schwerpunkten Gartendenkmalpfl

ege sowie Objekt- und

Landschaftsplanung. Er arbeitet

kontinuierlich an universitären

Forschungsprojekten mit

und hat seit 2001 Lehraufträge

an der Fachhochschule Erfurt.

2008 promovierte er an der

Fakultät für Architektur und

Landschaft der Gottfried

Wilhelm Leibniz Universität

Hannover.

Spielraum | 73


Foto: Daniel Rimbach

Rekonstruiertes Turngerät auf dem historischen Gymnastikplatz in Schnepfenthal in Thüringen

Nächster Beitrag:

Teil II: 1850 bis 1900

Der Aufschwung der öffentlichen

Anlagen für Kinder

74 | Spielraum

Leibesübungen sowie die Naturanschauung auf

Spaziergängen, Wanderungen und Fahrten. In

das Bildungsprogramm der Neuzeit für Kinder

führten die Aufklärer die gymnastischen und

turnerischen Übungen sowie die zielgerichtete

Aneignung von Natur und Landschaft ein. Auch

angeleitete Bewegungs- und Gesellschaftsspiele

wurden von den Philanthropen gefördert. Die

Leibesübungen und die Gartenarbeit unter ständiger

Anleitung eines Lehrers wurden vor allem

von den rationalen Aufklärern als ein probates

Mittel im Kampf gegen die „Selbstschändung“,

d.h. die Masturbation, angesehen.

1785 legte GUTSMUTHS auf einem bewaldeten

Hügel in der Nähe der Erziehungsanstalt

Schnepfenthal einen Gymnastikplatz für die

dortigen Zöglinge an.

Die Lage und Gestaltung dieses Platzes wurde

zum Vorbild für die Gestaltung der im Rahmen

der Turnerbewegung JAHNS ab 1811 entstehenden

Turnplätze. Die relativ wenigen, aber in

ganz Deutschland verbreiteten Turnplätze der

Turnervereine ermöglichten erstmals die zielgerichtete

körperliche Betätigung auf speziell

angelegten Plätzen außerhalb des schulischen

Zusammenhangs. Bei diesen öffentlichen Turnplätzen

schadete es laut JAHN nichts, wenn diese

in beträchtlicher Entfernung zu den Wohngebieten

angeordnet waren, „ja es wäre ein

selbst ein ¾ bis 1 Stunde weit gelegner einem

weit näheren, minder brauchbaren vorzuziehen.

Denn für Kinder von acht bis neun Jahren ist die

Übung im G e h e n schon sehr wichtig“ (JAHN

& EISELEN 1816, 202).

Foto: Daniel Rimbach

Entstehung der ersten gemeinschaftlichen

Kinderspielplätze

Für das freie selbsttätige Spiel der Kinder hatten

Pädagogen in der Zeit der Aufklärung jedoch

noch kein Verständnis. Im Zuge der zunächst

zögerlich einsetzenden Industrialisierung entstanden

ab den 1820er Jahren verstärkt Kleinkinderbetreuungseinrichtungen

und auch schon

allererste städtische Kinderspielplätze. Zu diesen

„Kleinkinderschulen“ und „Kleinkinderbewahranstalten“

gehörten auch Spielgeräte, die

in den Außenanlagen aufgestellt wurden. Diesen

ersten gemeinschaftlichen Spielplätzen lag

jedoch noch kein differenzierter pädagogischer

Ansatz zugrunde. Dies änderte sich erst durch

den Pädagogen Friedrich FRÖBEL, den Begründer

und Namensgeber der Kindergartenbewegung.

Er entwarf 1839 den Außenraum für den

ersten Kindergarten in Blankenburg. Der Außenraum,

d.h. der Garten, trug wesentlich zur

Begriffsprägung seines pädagogischen Grundkonzeptes

„Kindergarten“ bei. Im Garten des

ersten Kindergartens wurde gelernt, gearbeitet

und gespielt. Es gab Anschauungsbeete zum

Lernen. Jedes Kind hatte ein eigenes Beet zum

Arbeiten. Gemeinsam wurde auf einem Laufspielplatz

und einem Bauspielplatz gespielt.

Mit dem selbsttätigen Spiel fügte er der Pädagogik

eine dritte gleichberechtigte Säule hinzu.

Mit seinem halböffentlichen Charakter und

dem hierfür gezielt geplanten Besucherbereich

gehört der Garten des ersten Kindergartens an

den Beginn der Entwicklungslinie zur modernen

öffentlichen Freianlage für Kinder und weist


damit weit über das 19. Jahrhundert hinaus.

Bemerkenswert ist, vor allem im Vergleich mit

der später stattfi ndenden Entwicklung am Ende

des 19. Jahrhunderts, dass diese ersten, noch

halböffentlichen FRÖBELschen Spielplätze kein

Ersatz für in der Großstadt fehlende Natur waren.

Sie waren vielmehr Bestandteil eines pädagogischen

Konzepts, welches zunächst mit

Bauern- und Kleinbürgerkindern einer ländlichen

Region erprobt wurde.

Die Anlage von öffentlichen Kinderspielplätzen

vor 1850 ist als eine absolute Ausnahme zu betrachten.

In größerem Umfang wurden öffentliche

Spielplätze erst ab den 1870er und 1880er

Jahren angelegt, in sehr vielen Städten auch

erst ab der Wende zum 20. Jahrhundert.

Daniel Rimbach

Wissenschaftliche Aufarbeitung eines vernachlässigten Themas

Eine tiefgründige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Gesamtentwicklung der

öffentlichen städtischen Freiräume für Kinder als Planungsgegenstand hatte bisher erstaunlicherweise

noch nicht stattgefunden. Im Rahmen seiner Dissertation hat Daniel Rimbach

schwerpunktmäßig den Zeitraum ab der Mitte des 19. Jahrhunderts betrachtet, von der

Entstehung der ersten öffentlichen Freianlagen für Kinder bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Auf eine weitergehende, durchaus wünschenswerte Bearbeitung der Zeit nach 1945 wurde

verzichtet, da der damit unweigerlich verbundene Systemvergleich zwischen Ost und West

den Rahmen der Arbeit gesprengt hätte. Die Entwicklung dieser neuen Planungsaufgabe im

gesellschaftlichen Kontext und deren Berücksichtigung innerhalb des sich entwickelnden

Berufsstandes der Garten- und Landschaftsarchitekten beziehungsweise seiner fachlichen

Vorläufer stand im Mittelpunkt des Interesses. Untersucht wurde dabei, inwieweit die Gestaltung

der Freifl ächen für Kinder eine Planungsaufgabe des Gartenarchitekten beziehungsweise

seiner fachlichen Vorgänger war. Es wurden vor allem die von diesem Berufszweig

gestalteten Freianlagen für Kinder berücksichtigt. Aber auch Anlagen, die von Mitgliedern

anderer Berufsgruppen, zum Beispiel Architekten, Pädagogen oder Medizinern planmäßig

gestaltet bzw. planungstheoretisch vorbereitet wurden, fanden Beachtung. Die Ausbildung

von öffentlichen Freianlagen für Kinder beruhte im Untersuchungszeitraum stets auf drei

grundsätzlichen Gestaltungsanlässen: 1. der Gesundheitsvorsorge und Körperertüchtigung, 2.

dem Spiel und 3. der Belehrung und Unterweisung. Nach den jeweils herrschenden politischgesellschaftlichen

Rahmenbedingungen wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und

planerisch verwirklicht.

Quellen:

BRODBECK, Matthias (1996):

Zur Pädagogik F. W. A. Fröbels im

Lichte der Gegenwart.

Vortrag, gehalten am 31. Mai 1996 auf

dem Altenstein bei Bad Liebenstein und

Schweina aus Anlass des 1. Schweinaer

Fröbeltages. unv.

FURTTENBACH, Joseph (1635):

Architectura vniversalis. Ulm. [Permanente

URL: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/furttenbach1635]

JAHN, Friedrich Ludwig und EISELEN,

Ernst (1816):

Die Deutsche Turnkunst zur Einrichtung

der Turnplätze dargestellt von Friedrich

Ludwig Jahn und Ernst Eiselen. Berlin.

(Nachdruck in: Schwarze, Max und

Limpert, Wilhelm; o.J. [ca. 1928]: Quellenbücher

der Leibesübungen. Band 4.

Dresden.)

Rimbach, Daniel (2009):

Öffentliche Freiräume für Kinder als

Gegenstand der städtischen Freiraumplanung

von der Mitte des 19. bis

zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Ein

Beitrag zur Professionsgeschichte der

Landschaftsarchitektur in Deutschland.

Göttingen. (Cuvillier Verlag, zugl. Univ.

Diss Hannover, 2008)

VÖHRINGER, Christian (1999):

Pieter Bruegel 1525 / 1530 –1569.

Köln. (Könemann)

Spielraum | 75


76 | Stadt & Kunst

Fotos: Slinkachu


Kleine Leute

in der großen Stadt

Sie sind winzig, oft melancholisch oder wagemutig: Der britische

Streetart-Künstler und Photograph Slinkachu lässt Miniaturfi guren zu

Helden im urbanen Leben werden.

Ein gut gekleideter Mann sitzt auf dem Steinboden

einsam am Ufer der Themse und lässt

den Blick über das Wasser schweifen. Vieles

könnte ihm passiert sein: Job weg, Trennung,

Burnout. Die einsame Figur ist eine Projektionsfl

äche für große oder kleine Tragödien des

Lebens. „Aussteigerträume“ ist der Titel dieser

Arbeit, die nicht nur aufgrund des Maßstabs der

Figuren von 1:87 ein minimalistisches Meisterwerk

ist. Slinkachu inszeniert mit Blick für das

Wesentliche, Witz und ohne Angst vor Emotionen

alltägliche Situationen – und das mit

ganz geringen Mitteln. Zu dem Prinzip seiner

Arbeit gehört die Gegenüberstellung einer Detailaufnahme

und einem Foto aus Augenhöhe,

auf dem die Suche nach den kleinen Helden

manches Mal gar nicht so leicht ist. Slinkachus

Arbeiten sind auch deshalb so sympathisch,

weil sie das Leben des Stadtmenschen liebevoll,

und deshalb nie respektlos persifl ieren. In seiner

Welt gibt es verzweifelte Natursucher, gescheiterte

Supermänner, Arbeiter, die nicht vor zu

großen Aufgaben kapitulieren oder auch Exhibitionisten,

deren Obsession die Welt nicht interessiert.

Der Künstler sagt, dass seine Figuren

in der Stadt immer in gewisser Weise verloren

sind, entweder körperlich oder emotional. Seine

Streetart rückt mit diesem zentralen Thema

ganz leise und selbstverständlich in die Nähe

der Stadtbilder von Edward Hopper.

Spurensuche in London

Im Internet ist Slinkachu mit einer Website

und einem Blog präsent (www.slinkachu.com).

In diesen virtuellen Räumen kann man neue

Szenen bewundern und die kleinen Leute sogar

auf Reisen begleiten. Im September war

der Künstler an dem italienischen Kunst Festival

„Fame“ im süditalienischen Grottaglie mit

seiner ungewohnt raumgreifenden Installation

„What brings us together and what keeps us

apart“ beteiligt. Er hat in den engen Gassen

der Kleinstadt zwischen gegenüberliegenden

Häusern eine Szene realisiert, die italienische

Momente spiegelt. Auf jeder Seite ist ein

winziger Balkon angebracht, mit einer Person

darauf. Wer würde da nicht an Julia denken?

Die Gasse selbst wird durch eine lange, reich

behängte Miniatur-Wäscheleine überspannt.

Getrennt und doch verbunden sind die Figuren,

die sich dank ihres einfallsreichen Regisseurs

ganz natürlich in das Ambiente der italieni-

Stadt & Kunst | 77


Fotos: Slinkachu

„Sicherlich ist die Behauptung der Philosophen,

groß und klein seien nur Begriffe, die sich durch

Vergleichung ergeben, vollkommen wahr.“

Jonathan Swift, Gullivers Reisen

Hunger und Ruhm

78 | Stadt & Kunst

schen Provinz fügen. Während die Installation

in Grottaglie für die Dauer des Festivals ein

offi zieller Ausstellungsort war, kann man die

kleinen Leute in London nur mit viel Glück und

guten Augen fi nden. Slinkachu lässt sie einfach

zurück, wenn er seine Fotografi en gemacht hat.

Es lohnt sich also beim Besuch in London, ganz

genau hinzusehen. Vielleicht begegnet einem ja

Supermann auf einer Mülltonne oder auf den

Die Künstlergruppe Studiecromie hat in der apulischen

Stadt Grottaglie das Festival „Fame“ ins Leben gerufen, das

seinen Namen einem Wortspiel verdankt: „Fame“ bedeutet

auf italienisch Hunger, auf englisch Ruhm. Ohne öffentliche

Fördergelder werden Künstlerinnen und Künstler aus

ganz Europa eingeladen, die für einige Wochen in dem Ort

wohnen und dort arbeiten. Dabei wird an Traditionen des

Ortes angeknüpft, indem Arbeiten auf Keramiken gefertigt

werden. Außerdem werden den Streetart-Künstlern einige

Mauern für Werke zur Verfügung gestellt. Das sorgt für

Lichtblicke in teils sehr stark industriell geprägten Vierteln.

Infos unter www.famefestival.it

Metallstreben eines Gullydeckels. Durch genaues

Hinsehen das Besondere im alltäglichen Leben

zu entdecken, das ist ohne Frage die besondere

Stärke Slinkachus, der als Künstler nicht

in Erscheinung treten möchte und sich hinter

seinem Pseudonym verbirgt. Minimalistisch wie

seine Kunst ist die Auskunftsfreude über seine

Person: „Nicht aktiv von 1979 bis 2006, aktiv

seit 2006“, so beschreibt er seinen künstlerischen

Werdegang. Zum Glück kann man aber

jetzt auch in Deutschland mehr von seiner Arbeit

sehen. Die Serie „Kleine Leute in der großen

Stadt“ ist erstmals in einem Bildband erschienen.

Kleinformatig, versteht sich. Aber Größe

hat auch in diesem Fall nichts mit dem Format

zu tun. A.M.

Slinkachu:

Kleine Leute in der großen Stadt

128 Seiten, 12,95 Euro

ISBN 978-3455380606

Hoffmann und Campe


Die tote Stadt -

Im Moloch der Meditation

Stadt pulsiert, lebt, unaufhörlich, ununterbrochen.

Wie kann ein solcher

Ort zum Mittelpunkt der Meditation,

des Innehaltens werden, eine „Kirche

des Gewesenen“ gar? Die Künstlerin

Sonja Blattner gibt mit ihren Skulpturen

und Gemälden in einer Ausstellung

in Berlin Antworten darauf.

„Die tote Stadt“ - Ausstellung von

Sonja Blattner im Kronenboden

25.9. - 27.11.2009

Schwedenstraße 16, 13357 Berlin-Wedding

Öffnungszeiten:

Am Wochenende von 15 bis 18 Uhr

„Die tote Stadt“, von Erich Wolfgang Korngold komponierte und 1920 in

Hamburg und Köln uraufgeführte Oper, erzählt die Geschichte eines Mannes,

der sich nach dem Tod seiner Frau in ein Zimmer in Brügge - die „Kirche

des Gewesenen“ - zurückzieht, um sich der Trauer hinzugeben. In seinem

Rückzug, seiner Meditation, seinem Innehalten erscheint eine andere Frau,

die ihm seine wahre Liebe abverlangt. Das endet mit dem Tod der Frau und

dem Abschied des Protagonisten von der Stadt. Rückzug, Flucht aus dem

Moloch als Lösung? Sonja Blattner bezieht einen anderen Standpunkt. Aus

ihrer Sicht ist gerade die Stadt mit ihren dunklen Straßenzügen der Rückzugspunkt,

um zur Ruhe zu kommen, einen Ruhepunkt zu fi nden. In der ganzen

Zerrissenheit, im Auseinanderfallen, ist nicht die Abkehr von der Stadt

die rechte Lösung, sondern das sich Einlassen, die Hinwendung verspricht die

wahre Meditation. Wie viel Farbe verträgt eine solche Betrachtungsweise?

Auch darauf hat Blattner eine überraschende Antwort. Sie zitiert Matisse:

„Schwarz ist die Farbe des Lichts.“ Schwarz saugt das Licht in sich auf und

glänzt und leuchtet so viel mehr als alle anderen Farben. In dieser Welt

scheinbarer Widersprüche präsentiert sich das Werk Blattners als Aufbruch

in neue Denkweisen - und da fi ndet sie wieder mit Korngold zusammen.

Sonja Blattner, geboren 1955 in Konstanz, hat Philologie in Mainz studiert.

Nach dem Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Berlin wurde

sie 1996 zur Meisterschülerin Karl-Heinz Herrfurths ernannt. Sie lebt und

arbeitet in Berlin.

Michael S. Zerban

Stadt & Kunst | 79


Interview mit Nicole Ruppert,

Vorsitzende des Bundesverbandes

für Theater

im Öffentlichen Raum.

Keine Bühne,

aber großes Theater

80 | Stadt & Kunst

FreeLounge: Spielen ist das Thema unserer

Ausgabe. Städte kann man auch über das Theaterspiel

in den Straßen erleben. Was ist das

Besondere am Theater im Öffentlichen Raum,

Frau Ruppert?

N. Ruppert: Ganz allgemein: Es ist eine Kunst

ohne Ort, es nutzt den öffentlichen Raum als

Bühne. Die Künstler der Straße wissen seit

langem, dass man überall und nirgends künstlerisch

produzieren kann. Aus jedem offenen

Raum kann eine Bühne entstehen. Straßentheater

ist populäres Theater, es ist das neue Volkstheater.

Im Gegensatz zum klassischen Theater

ist es nicht heilig. Es beruft sich auf die Tradition

der öffentlichen Zeremonien und Rituale,

der Paraden, aber auch auf die neuen Technologien,

Videokunst und Multimedia. Heute ist

das Theater im Öffentlichen Raum ein weites

Feld, es gibt so viele unterschiedliche Formen

und künstlerische Ausdrucksweisen, die es dem

Genre erlaubt, sich auszuweiten im öffentlichen

Raum, im Stadtraum, im sozialen Raum.

FreeLounge: Was bewirkt das Theater auf den

Straßen in den Städten?

N. Ruppert: Nun, zunächst einmal belebt das

Theater den öffentlichen Raum. Zudem wirkt es

aber auch transformatorisch. Plätze und Stra-

ßen erfahren Verwandlungen durch das Theater:

ein Gebäude, das plötzlich zur einmaligen

Kulisse wird, eine Fußgängerzone, die überraschend

ganz andere Zusammenhänge schafft

als die des Einkaufens. Wenn zum Beispiel in

einer Einkaufsstraße eine Fassade in fünf Meter

Höhe bespielt wird, dann sehen viele Menschen

das erste Mal über die Höhe der Schaufenster

hinweg und entdecken vielleicht historische

Bauwerke, die sie vorher noch nie wahrgenommen

haben. Immer ist Straßentheater eine Form,

sich gezielt in städtisches Leben einzubringen

oder Alltagsplätze in ganz besondere Bühnen

und damit menschliche Zusammenhänge zu

verwandeln. Aus dem zufälligen Zusammentreffen

von Passanten mit Theater ergeben sich

neue, unvorhersehbare Situationen, gefüllt mit

Atmosphäre und Emotionen. Die Stadt verändert

sich, denn bestimmte Plätze oder Straßenzüge,

Parks oder Gewässer erhalten eine neue

Bedeutung. Das kann auch nachhaltig zu einer

anderen Sicht und Nutzung führen.

FreeLounge: Haben Sie ein Beispiel dafür?

Foto: N. Ruppert

N. Ruppert: Da fällt mir direkt Holzminden ein.

Seit 1991 gibt es in der Stadt ein Straßentheater-Festival.

Als wir dort angefangen haben,

wurde der Marktplatz nicht als Ort wahrgenommen,

der zum Aufenthalt einlädt. Das hat


Fotos: Theatre Fragile

Von Migration und Integration handelt "Wir treffen uns im Paradies", poetisch und sehr eindrucksvoll dargestellt

von der Gruppe Theatre Fragile.

sich durch das Festival geändert, denn plötzlich

gab es Außengastronomie und der Markt wurde

zu einem belebten Zentrum. Ähnliches gilt auch

für das Festival in Detmold. Dort wurde ein

Parkplatz bespielt, ein Ort, der viel mehr sein

könnte als eine Stellfl äche für Autos. Das ist

durch das Theater in das Bewusstsein gerückt.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Nutzung

vielleicht in Zukunft verändern wird.

FreeLounge: Wie ist die Reaktion der Zuschauer

auf Straßentheater?

N. Ruppert: Auf jeden Fall ist das eine Kunstform,

die begeistert. Weil die Menschen keinen

Eintritt zahlen und jederzeit entscheiden

können, ob sie bleiben oder gehen, sind sie in

der Regel viel stärker bereit, sich zum Beispiel

auch experimentelle Aufführungen anzusehen,

die sie niemals in ein Theater locken könnten.

Durch diese niedrige Hemmschwelle sind die

Menschen sehr offen. Der Aufführungsort Straße

erlaubt den Künstlern Mittel einzusetzen, die

jede Dimension eines Theaters sprengen würden.

Charakteristisch für das Straßentheater ist der

Einsatz von Feuereffekten, überdimensionierten

Objekten oder raumgreifenden Inszenierungen.

Die Zuschauer lassen sich durch diese sinnlichen

Erfahrungen faszinieren. Um nochmals

das Beispiel Holzminden zu nennen: Als das

Festival aufgrund der angespannten fi nanziellen

Haushaltslage der Stadt in seiner Existenz

bedroht war, hat sich eine enorme Spendenbereitschaft

der Menschen gezeigt. Die Aussage

war ganz klar: „Wir wollen das Theaterfestival

nicht verlieren. Das gehört zu unserer Stadt.“

Der Grund für die hohe Akzeptanz liegt auch

darin, dass diese Form des Theaters im Lebensraum

der Menschen spielt und die Möglichkeit

hat, an die Welt der Bewohner anzuknüpfen sowie

Geschichte und Geschichten aufzugreifen

und zu bearbeiten.

FreeLounge: Vor etwa drei Jahren hat sich der

Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum

e.V. gegründet. Was waren und sind Ihre Ziele?

N. Ruppert: Nun, die Gründung ist vor dem

Hintergrund zu sehen, dass Straßentheater als

Genre noch nicht die Anerkennung fi ndet, die

es verdient. Es gilt vielen nicht als hohe Kunst.

Deshalb haben sich Künstler, Produzenten, Organisatoren

und Manager des Genres zusammengeschlossen,

um eine Lobby zu schaffen.

Wir haben in Deutschland die folgende Situation:

Jedes Jahr wird vor einem Millionenpublikum

gespielt, aber die Bedingungen dafür sind

nicht wirklich gut. Es werden kaum öffentliche

Gelder in die Weiterentwicklung des Straßentheaters

investiert. Beispielsweise gibt es in

Nicole Ruppert

Nicole Ruppert führt seit

November 2008 als 1. Vorsitzende

und Vereingeschäftsführerin

den „Bundesverband

Theater im Öffentlichen Raum

e.V.“ Sie nimmt regelmäßig als

Referentin an nationalen und

internationalen Kongressen

teil und ist für verschiedene

Printmedien zum Thema „Theater

im Öffentlichen Raum“ als

Gastautorin tätig. Nicole Ruppert

arbeitet zudem langjährig

als selbstständige Kulturmanagerin

mit Schwerpunkt auf die

Konzeption und Organisation

von Veranstaltungen und

Festivals. Seit 1998 ist sie geschäftsführende

Inhaberin der

Kulturbüro GbR in Bonn.

Stadt & Kunst | 81


Foto: frankbaudy.de

Foto: Theater Titanick

Pax - Theatererlebnis um Krieg und Frieden von Theater Titanick

Foto: Theatre Fragile

82 | Stadt & Kunst

Deutschland gerade mal zwei Produktionszentren,

eines in Brandenburg und eines in Detmold.

Dort können Theatergruppen neue Produktionen

erarbeiten, jedoch müssen sie für die Unterbringung

und die Verpfl egung aufkommen.

Das ist in europäischen Nachbarländern bereits

ganz anders.

FreeLounge: Wie sieht es dort denn konkret

aus?

N. Ruppert: Nehmen wir als Beispiel Frankreich.

Dort hat man längst erkannt, dass Straßentheater

ein wichtiger Bestandteil der Kulturszene ist

und besonders geeignet, um in kleineren Städten

und ländlichen Regionen das Angebot zu

verbessern. Mit dieser Anerkennung verbindet

sich auch ein Förderprogramm, das es Theatergruppen

möglich macht, anspruchsvolle Produktionen

vorzubereiten. So hat Frankreich neun

nationale Produktionszentren für Straßentheater.

Die Künstler müssen für Verpfl egung sowie

Unterkunft nicht selbst aufkommen, ja es werden

sogar Probengelder gezahlt. In Frankreich

kann man deutlich sehen, wie sich die Qualität

der Inszenierungen durch diese Förderung

verbessert hat. Davon sind wir in Deutschland

weit entfernt. Hier befi nden sich die Künstler

immer in dem Spagat zwischen ihren Ideen und

den Programmen, die sich verkaufen lassen. Das

Theater im Öffentlichen Raum kommt in den

Förderprogrammen für darstellende Kunst bis

heute nicht vor.

FreeLounge: Könnten denn aus Ihrer Sicht

auch die Kommunen einen Beitrag dazu leisten,

dass sich die Situation für das Theater im

öffentlichen Raum verbessert?

N. Ruppert: Eine Möglichkeit sehe ich darin,

dass Kommunen oder auch die Organisatoren

von Festivals Verantwortung für Produktionen

übernehmen und nicht nur bestehende Programme

buchen. Die Kommunen könnten davon

profi tieren, weil sie dem Publikum Premieren

bieten können und so einem Festival ein

ganz anderes Gewicht geben.

FreeLounge: Frau Ruppert, wir danken Ihnen

für das Gespräch.

Das Interview führte Dr. Anke Münster


Walk Act

Parkbespielung oder große Platzinszenierung

Straßentheater gibt es in ganz unterschiedlichen Formaten. Wir

stellen Ihnen einige Gruppen vor, die in ganz unterschiedlicher Art

und Größe unterhalten, verzaubern, anrühren und begeistern.

Theater Pikante aus Lollar bei Gießen bietet

Straßentheater mit witzigen, clownesken

Walkakts. Ein Huhn lässt zum Beispiel Frau

Huber die Welt völlig neu erleben. Besonders

charmant sind auch die vier schrulligen

Waldameisen, die sich im Wirrwarr der

Stadt zurechtfi nden müssen. Sie marschieren

rhythmisch und geräuschvoll durch das neu zu

erkundende Großstadtrevier, erkunden Fremdes,

sammeln und probieren Nahrung, nehmen

manch mutigen Zuschauer in ihr Ameisenvolk

auf und überraschen mit klangvollem Gesang.

» www.theaterpicante.de

Die Theatergruppe PasParTout steht hinter

dem Act „Geschwister Klops“, die als drei verrückte

Alte eine skurrile Show aufs Straßenpfl

aster legen. Fröhlich tanzen die drei eine

psychologisch-musikalische Reise um die Welt,

bei der sie ihre Instrumente in jeder Lebenslage

beherrschen. PasParTout erzählt auch musikalisch

die wundervoll poetische Geschichte vom

alternden Zirkusdompteur und seinem Freund,

dem kleinen widerspenstigen Elefanten Rudi.

Der würde selbst den Tierpfl egern im Zoo vielleicht

nicht auf den ersten Blick als Fälschung

auffallen, so detailverliebt ist das Kostüm.

» www.paspartout.de

Foto: theaterpicante.de

Foto: paspartout.de

Stadt & Kunst | 83


Foto: Stefan Behr

Das Theater Anu verwandelt urbane Räume in begehbare theatrale Installationen.

Foto: Theater Titanick

84 | Stadt & Kunst

Theatre Fragile zeigt, dass Straßentheater

auch gesellschaftliche Themen eindrucksvoll

aufbereiten kann. „Wir treffen und im Paradies“

ist ein pantomimisches Stück über

Migration und Integration, dass in poetischen

Szenen von Hoffnung und Fremdsein erzählt.

„Handle with care“ steht als Idee über den

Produktionen des Berliner Ensembles, dass

Schauspieler, Theaterplastiker und Regisseure

aus vier Nationen zusammengeführt hat. Der

Wunsch, das Theater zu den Menschen zu

bringen und nicht auf die Menschen im Theater

zu warten, ist die gemeinsame Motivation

des Ensembles.

» www.theatre-fragile.de

Die Compagnie Theater Anu vom Regisseur

Stefan Behr zählt mit zu den erfolgreichsten

Straßentheatergruppen in Deutschland. Ob die

Parkbespielung „Lichtspuren“ oder das riesige

Lichterlabyrinth, das als Bühne der „Großen

Reise“ dient, immer sind es poetische Inszenierungen,

die mehrere Tausend Menschen in

ihren Bann ziehen. Für eine Nacht verwandelt

sich urbaner Raum in einen Wunschort aus

Licht, Spiel und Installation, der staunen lässt.

Das Theater Anu verwandelt Plätze und Orte in

eine begehbare theatrale Installation aus Licht,

Bildern und Toncollagen. Tausende von Kerzen

gestalten eine Welt, deren Figuren auf ihrer Lebensreise

stecken geblieben sind, die aber nie

die Hoffnung aufgegeben haben.

» www.theater-anu.de

Theater Titanick erzählt in atmosphärischen

Bildern und bizarren Figuren, gewaltigen,

faszinierenden Objekten, mit Live-Musik

und Spezialeffekten, erzählt von mythischen

Themen, von Mensch, Natur und Technik. Die

Stimmungen tragen die Handlung — wilde

Aktionen und poetische Szenarien mit schrägem

Humor und grotesken Charakteren. Es

sind jahrhundertealte Traditionen europäischer

Volkstheater, die Theater Titanick aufgreift und

mit modernen Ausdrucksformen verbindet -

um Bilderwelten entstehen zu lassen, die für

alle Kulturen verständlich sind, die überall auf

der Welt fesseln und verzaubern. Theater Titanick

wurde 1990 von Künstlern aus Münster

und Leipzig gegründet, wenig später erweiterte

sich die Gruppe zu einem internationalen

Ensemble, das weltweit mit Preisen für seine

Produktionen ausgezeichnet wurde.

» www.titanick.de


Eine interdisziplinäre Sicht auf die Entwicklungsmöglichkeiten

der europäischen Städte

ist das Thema des Buches „Stadtgestalten.

Visionen Allianzen Wege“, das in der Reihe

„Stadtentwicklung und Denkmalpfl ege“ von

Jürg Sulzer herausgegeben wurde.

Vernetzung als Strategie

der Stadtentwicklung

Weil die Zukunft der europäischen Städte nicht in der Uniformität

eines „International Style“, sondern der gewachsenen Unverwechselbarkeit

liegt, ist das Zusammenwirken unterschiedlichster Akteure

vor Ort gefragt. Jürg Sulzer fordert eine „Kunst des genauen

Hinsehens“, um die Städte als Unikate weiterentwickeln zu können.

Diesen Weg geht er auch exemplarisch mit dem Buch „Stadtgestalten“,

denn die Beiträge lenken den Blick auf Visionen, Allianzen und

Wege als ganz unterschiedliche Bausteine der Stadtentwicklung. In

Essays und Aufsätzen kommen Experten aus Städtebau, Wirtschaft,

Stadtbaukultur, Recht und Informatik grenzüberschreitend zu Wort.

Wer kann wie dabei helfen, dass die Innenstädte lebendige und individuelle

Zentren bleiben oder dass zukunftsorientierte ländliche

Lebensmodelle gefunden werden. Das Buch liefert mit diesem breit

angelegten Blickwinkel aufschlussreiche Ergebnisse für Fachleute

aus Städtebau, Architektur und verwandten Disziplinen. A. M.

Stadtgestalten. Visionen Allianzen Wege

Stadtentwicklung und Denkmalpfl ege 12

Herausgeber: Jürg Sulzer

Berlin: Jovis Verlag 2009

24.80 Euro

Stadt & Kunst | 85


Foto: Werkfoto AFF Architekten

Foto: Thomas Mayer, Neuss

Traditionell, effektvoll

oder puristisch

Günter Mader

Elke Zimmermann –

Bodenbeläge im Freiraum.

München:

Deutsche Verlags Anstalt 2009

144 Seiten mit 150 Fotos

und 80 Zeichnungen

69,95 Euro

86 | Stadt & Kunst

Die Sammlung besonders schöner Beispiele von Bodengestaltungen

in unterschiedlichen Materialien macht das neu

erschienene Buch „Bodenbeläge im Freiraum“ zu einem sehr

brauchbaren Ideengeber.

Wege in Parks, Stadt- oder Dorfplätze, Fußgängerzonen oder Promenaden: Jeder

Ort im öffentlichen Raum erhält immer auch durch die gewählten Bodenbeläge

seinen besonderen Charakter. Die Materialien und die Art der Verlegung prägen

das Erscheinungsbild ganz entscheidend. In ihrem neuen Buch „Bodenbeläge

im Freiraum“ stellen Günter Mader und Elke Zimmermann eine Anthologie zusammen,

die mit zusätzlichen bautechnischen Angaben und Materialkunde eine

interessante und inspirierende Lektüre für alle Freiraum-Planer ist. Zu jedem unterschiedlichen

Belagstyp haben die Autoren beispielhafte Gestaltungsideen zusammengetragen, die das Potential

der jeweiligen Bodenbeläge verdeutlichen. Dabei zeigen sie zum Beispiel, wie interessante Formate

oder ungewöhnliche Fugen einen an sich klassischen oder sehr schlichten Boden zu einem Blickfang

aufwerten können. Der Bildband liefert nicht nur Anregungen, sondern auch Qualitätsmaßstäbe.

Die Beispiele werden durch Schnittzeichnungen von Belagsaufbauten und systematische

Darstellungen ergänzt.

Das Buch „Bodenbeläge im Freiraum“ ist nach „Zäune und Tore“ sowie „Mauern“ die dritte

Veröffentlichung des Autoren-Duos, die praxisnah und umfangreich Grundelemente der Garten-

und Landschaftsarchitektur aufarbeitet. Günter Mader ist Architekt und Dozent für Freiraumplanung

an der Fachhochschule in Karlsruhe und arbeitet auch in der gestalterischen Praxis mit der

Gartenarchitektin Elke Zimmermann zusammen. A. M.

Foto: G. Mader


Perspektiven für urbane

Freiräume

Neun Modellprojekte im ExWoSt-Forschungsfeld „Innovationen für familien- und altengerechte

Stadtquartiere“ stellt die neu erschienene Broschüre „Neue Freiräume für den urbanen Alltag“ vor.

Als Best-Practice-Beispiele zeigen die Projekte sowohl in der Planung als auch in der Gestaltung

zukunftsorientierte Wege auf.

A. M.

Stellenmarkt

Sie suchen neue Mitarbeiter im

Freiraum für Ihre Gemeinde?

Dann sind Sie hier richtig!

Mit einer Verteilung an 5.000

qualifi zierte Adressen in Städten

und Gemeinden, an Spielplatzeinrichter

sowie Hersteller von

Gestaltungsobjekten für den

urbanen Raum, Architekten und

Garten- und Landschaftsbauer

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Neue Freiräume für den

urbanen Alltag

Hrsg. Vom Bundesministerium

für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

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stadtquartiere@bbr.bund.de

Die Tourismus GmbH Gemeinde Dornum sucht zum 15. Januar 2010 einen

Pächter

für den Indoor-Spiel-Park STURMFREI

Das Sturmfrei beinhaltet etwa 1.000 qm Aktionsfl äche, ein kleines Kino,

eine Gastronomie sowie eine Bühne, so dass Veranstaltungen bis 500

Personen möglich sind. Das Sturmfrei liegt unmittelbar an der Nordseeküste

zwischen Norddeich und Bensersiel. Die Gemeinde Dornum hat

jährlich etwa 500.000 Übernachtungen. Das Pachtmodell wird die touristischen

sowie die förderrechtlichen Bedingungen erfüllen müssen. Das

Pächterauswahlverfahren ist zweistufi g. Interessierte Pächter können sich

bis zum 30. Oktober 2009 für die zweite Stufe qualifi zieren. Dazu sind

folgende Nachweise zu erbringen:

1. Betriebserfahrungen mit vergleichbaren Anlagen/Referenzen

(Gewichtung 3)

2. Kenntnisse über touristische Zusammenhänge/

Standorte der Referenzen (Gewichtung 2)

3. Bonitätsauskunft über Creditreform oder Bilanzen der letzten drei

Jahre (Gewichtung 3)

4. Unternehmensform und Unternehmenssitz (Gewichtung 2)

Qualifi zierte Bewerber bekommen ausführliche Unterlagen zur Erstellung

eines Pachangebotes bis zum 27. November 2009 zugesendet.

Kontakt: Tourismus GmbH Gemeinde Dornum, Herr Kopper, Hafenstraße 3,

26553 Dornum, Tel. 04933 918812, r.kopper@dornum.de

Stadt & Kunst | 87


Foto: koelnmesse.de

88 | Messe


Branchentreffpunkt FSB

Redaktion vor Ort

Vom 28. bis 30. Oktober 2009 feiert die FSB, Internationale Fachmesse für

Freiraum, Sport- und Bäderanlagen, ihr 40-jähriges Jubiläum. Rund 500 Unternehmen

aus 44 Ländern präsentieren ihre Neuheiten, Produkte und Services

in Köln. Halle 3.2 ist dem Freiraum vorbehalten. Die Redaktion der

FreeLounge ist zusammen mit dem Bundesverband für Freiraumgestaltung am

Stand A011 vor Ort.

Aufgrund kommunaler Konjunkturpakete und

eines hohen Renovierungsbedarfs bei Sport-

und Freizeitanlagen erwarten viele Branchenvertreter,

dass die FSB Schwung in die beteiligten

Wirtschaftszweige bringt. Die FSB 2009

belegt die Hallen 3.2, 11.1, 11.2 und 11.3 der

Kölnmesse. Parallel zur FSB fi ndet auch die

aquanale - Internationale Fachmesse für Sauna,

Pool, Ambiente - vom 28. bis 31. Oktober in

den Hallen 10.1 und 10.2 statt. Ein attraktiv gestalteter

Wasserboulevard verbindet die direkt

nebeneinander liegenden Hallen des privaten

und öffentlichen Schwimmbadsektors miteinander.

Interessantes Rahmenprogram

IAKS Kongress

Im Rahmen des IAKS Kongresses trifft sich

an allen drei FSB-Tagen das Who is Who der

Sport- und Freizeitindustrie zum interdisziplinären

Austausch. Hochkarätige Referenten

bieten während der national und international

renommierten Veranstaltung der IAKS fundierte

Informationen zu aktuellen Themen, namhafte

Planer und Betreiber stellen außergewöhnliche

Projekte vor.

Kölner Schwimmbad- und Wellnessforum

Das 3. Kölner Schwimmbad- und Wellnessforum

liefert den Besuchern der FSB und der aquanale

am 29. und 30. Oktober Hintergrundinformationen

zu aktuellen Trends der Branche und klärt

über relevante Rechtsentwicklungen auf.

STADT und RAUM - den demografi schen

Wandel im Blick

Spiel- und Freizeitgeräte laden in Halle 3.2 auf

der Sonderschau STADT und RAUM, dem Areal

auf der FSB, zum Ausprobieren ein. Dort dreht

sich alles um Stadtgestaltung, Spielgeräte und

urbanes Design. Produkte wie Park- und Stadtmobiliar,

Spielplatzgeräte oder Objekte für den

öffentlichen Raum werden präsentiert. Speziell

mit Hinblick auf den demografi schen Wandel

stehen jedoch nicht Speziallösungen für einzelne

Zielgruppen, sondern Produkte für alle

im Mittelpunkt. Auch der begleitende Kongress

STADT und RAUM beschäftigt sich mit der Herausforderung,

urbane Räume für alle zu schaffen

- generationenübergreifend und barrierefrei.

Der von der STADT und RAUM Messe und

Medien GmbH unter dem Motto „Spielraum für

Alle!“ ausgelobte Deutsche SPIELRAUM-Preis

2009 wird am 30. Oktober verliehen.

Forum Kunstrasen

In Halle 11.3 fi ndet innerhalb der FSB 2009 die

weltweit größte Kunstrasenausstellung statt.

Es werden Themen wie neue Produktionstechnologien,

Qualitätsanforderungen und Marktpotenziale,

Bau- und Betriebskosten, das FIFA

Qualitätskonzept oder auch die Vorteile von

Kunstrasen für den Frauen-, Mädchen und Jugendfußball

behandelt.

Messe | 89


90 | Messe

Wettbewerb „SPA WELTEN“

Die Preisverleihung des internationalen Wettbewerbs

„SPA WELTEN“, den die European Waterpark

Association (EWA) und die Kölnmesse

ausgelobt haben, fi ndet am 29. Oktober statt.

Ziel des Wettbewerbs ist es, Visionen von Badefreuden

der Zukunft zu entwerfen, die auf den

Badekulturen der Vergangenheit basieren.

Wettbewerb „Die Basketballarena im Jahr

2020“

Einen gemeinsamen Wettbewerb zum Thema

„Die Basketballarena im Jahr 2020“ haben

die IAKS und der Weltbasketballverband FIBA

(Fédération Internationale de Basketball) ausgeschrieben.

Die vier besten Entwürfe werden

zum Auftakt des IAKS Kongresses am 28. Oktober

ausgezeichnet.

Action auf den Sonderfl ächen

Herzstück des FIBA-Village, des Basketball-

Dorfes in Halle 11.1, ist auch in diesem Jahr

der zentrale Basketball-Court. An allen drei

Messetagen werden dort in Zusammenarbeit

mit dem Deutschen Basketball Bund (DBB) Basketballspiele

veranstaltet. Zum Zuschauen und

Mitmachen fordern in der Halle 11.1 aber auch

eine Eisfl äche und ein Demopool für Aqua-

Fitness auf. Auf Freunde des Fußballspiels wartet

in Halle 11.3 dort eine Soccer-Fläche auf

Kunstrasen. Für Hockeyteams und -fans steht

an anderer Stelle der Halle eine Fläche für

Torschuss-Wettbewerbe und Flowball-Turniere

zur Verfügung. Weniger Action, dafür mehr

Anschauung bietet eine Sonderfl äche, die anschaulich

die Einsatzmöglichkeiten von Kunstrasen

in der Landschaftsarchitektur darstellt.

Die FreeLounge-Redaktion begrüßt Sie!

Lernen Sie uns kennen - das Redaktionsteam ist während der FSB vor Ort und steht

Ihnen für Fragen und Anregungen zur Verfügung! Besuchen Sie uns an unserem

Messestand A011 – wir freuen uns!

Dr. Anke Münster

neue Chefredakteurin der FreeLounge

Dagmer Thiemann

Textredakteurin der FreeLounge

Fachveranstaltungen für alle Zielgruppen

Auf der Agenda der FSB stehen darüber hinaus

noch zahlreiche weitere Fachveranstaltungen

für die unterschiedlichen Zielgruppen. So laden

die IAKS und das Innenministerium NRW

zur Veranstaltung „Sportstätten in Deutschland

- Fit für die Zukunft“ ein, die Forschungsgesellschaft

Landschaftsentwicklung Landschaftsbau

(FLL) präsentiert neue Erkenntnisse für den grünen

Bereich, und die Regionale 2010 stellt sich

vor. In anderen Veranstaltungen stehen Qualifi

zierungsangebote für Bau und Betrieb von

Sport- und Freizeitanlagen oder auch die Frauenfußball

WM in NRW im Mittelpunkt. Auch

der Landschaftsarchitektentag NRW unter dem

Motto „Land schafft Landschaft“ und die Gartenamtsleiterkonferenz

NRW fi nden im Rahmen

der FSB in der Koelnmesse statt. Nicht zuletzt

trifft sich die Arbeitsgemeinschaft Deutscher

Sportämter unter der Überschrift „Kommune &

Sport“, der Bund Deutscher Schwimmmeister

lädt zum Symposium, und der Freiburger Kreis -

Arbeitsgemeinschaft größerer deutscher Sportvereine

e.V. - organisiert die Abschlussveranstaltung

der Initiative „Aktiv vor Ort - Lokale

Senioren-Netzwerke in NRW“.

Redaktion FreeLounge vor Ort

Natürlich ist die Redaktion bei so viel interessanten

Themen selbst vor Ort. Wir schauen uns

um und informieren uns über Trends und Produkte.

Sie möchten wissen, wer die Macher der

FreeLounge sind? Kommen Sie an Stand A011

vorbei und sprechen Sie uns an. D.T.

Ludwig Keißner

Redakteur der FreeLounge


Die Großen der Branche

auf der FSB!

Bundesverband für Freiraum-Gestaltung e.V. (BFG)

FreeLounge A011

In Halle 3.2 trifft sich die Freiraumbranche

mit ihren wichtigsten Vertretern.

europlay C088

Boer Speeltoestellen A080/B081

HPS C071

stilum Public Design B050/C051

ABES B061

espas A040/B041

Kaiser & Kühne C030/E031

Berliner Seilfabrik C020/D021

Spogg/HUCK A020/B021

Messe | 91


Foto: IBA

92 | Messe

IBA-Finale 2010

Die Themen 2009:

Erfolgreiche

Stadtentwicklung

Wie gewinne ich Investoren,

Unternehmen und Bürger?

Konzern Kommune

Mit ziel- und wirkungsorientierter

Steuerung die Kassen

nachhaltig füllen?

Lokaler Klimaschutz

Mit innovativen Lösungen den

Haushalt entlasten?

Kooperationsmodelle

Wettbewerb oder Zusammenarbeit,

was macht stark?

Verwaltungsmodernisierung

Aufbruch oder Reformstau?

Ausgezeichnete Leistung

Am 10. September wurde ein Projekt der IBA

ausgezeichnet: die Biotürme Lauchhammer. Im

vergangenen Jahr zu neuem Glanz erstrahlt,

schmückt sich das einzigartige Industriedenkmal

und Projekt der Internationalen Bauausstellung

(IBA) Fürst-Pückler-Land neben dem

Brandenburgischen Ingenieurpreis nun auch

mit dem Denkmalpfl egepreis 2009. Im Schloss

Oranienburg verlieh Kulturministerin Prof. Dr.

Johanna Wanka den Preis, der mit 4500 Euro

dotiert ist, an das Cottbuser Ingenieurbüro

Peter Jähne und das Architekturbüro Zimmermann

und Partner.

Die Auszeichnung ehre die herausragenden Leistungen

bei der Erhaltung und denkmalgerechten

Umnutzung der Industrieanlage in Lauchhammer

und das Engagement aller Partner

und Bürger zur Sicherung dieses einzigartigen

kulturellen Erbes. „Sie stehen stellvertretend für

zahlreiche Brandenburgerinnen und Brandenburger,

die sich oft ehrenamtlich und mit hohem

Einsatz um unsere Baudenkmäler verdient

machen. Durch ihren Einsatz werden uns nicht

selten verloren geglaubte Bestandteile unserer

Brandenburger Identität zurückgegeben“, sagte

die Ministerin anlässlich der Preisverleihung.

Hochkarätige Konferenz

Mitte September waren die IBA-Terrassen

Schauplatz der internationalen Konferenz

„Chance: Bergbau-Folge-Landschaft“. Hier

konnten die vielschichtigen Probleme der Re-

Unter dem Titel „IBA – Zukunftsprogramm

und Imagekampagne für

die Lausitz“ berichtete FreeLounge

in der Dezemberausgabe 2008 über

den Wandel einer Landschaft mit

bewegter Geschichte. Kurz vor dem

Abschlussjahr 2010 lässt sich feststellen,

dass von einem Nachlassen

der Aktivitäten noch lange keine

Rede sein kann.

strukturierung von Bergbauregionen diskutiert

und der Erfahrungsaustausch mit anderen Regionen

intensiviert werden. Im Mittelpunkt

stand dabei der Umgang mit den Landschaften

nach dem Bergbau, den besonderen Potenzialen,

aber auch spezifi schen Problemen der

Landschaftsneugestaltung.

Die Konferenz richtete sich an ein interdisziplinäres

Fachpublikum – vom Bergbauingenieur

über den Regionalentwickler, Planer, Soziologen,

Land- und Forstwirte bis hin zum Kunstschaffenden

– sowie an Entscheidungsträger

aus Politik und Verwaltung, an Unternehmen,

Universitäten, Vereine und Verbände sowie Forschungseinrichtungen,

die sich mit der Entwicklung

von Bergbauregionen auseinandersetzen.

Die Veranstaltung präsentierte verschiedene

Bergbauregionen und ihre Strategien zur Bewältigung

des Strukturwandels. Zentrale Fragen

sind, wie man mit dem Weggang der Industrie

umgeht, welche Potenziale die Sanierung der

bergbaulich beanspruchten Landschaften bietet

und wie die Region eine neue Identität entwickeln

kann. In verschiedenen Vorträgen werden

spezifi sche Aspekte der Restrukturierung von

Bergbauregionen diskutiert.

Ein Kunstprojekt zum Abschlussjahr

2010 hat die IBA ihr Finale. Über zehn Jahre hinweg

hat sie dann die Um- und Neugestaltung

der Lausitzer Landschaft fachlich begleitet, planerische

Impulse gesetzt, Netzwerke aufgebaut

und wirtschaftlich tragfähige Strukturen für


Foto: IBA

einzelne Projekte geschaffen. Folglich bedeutet

das Jahr 2010 zwar das institutionelle Ende

der IBA, nicht aber das Ende der Projekte. Sie

werden in Eigenverantwortung weitergeführt.

Denn ein erklärtes Ziel war es, die Projekte aus

sich selbst heraus lebensfähig zu machen. Diese

Überlegung ist Grundlage für die Konzeption

des Abschlussjahres und bleibt auch weiterhin

die Botschaft: Nur durch eigenes Handeln ist

Zukunft machbar. Deshalb wird es im IBA-Finale

2010 keine von der Basis losgelösten Events

geben sondern Veranstaltungen, die unter Mitwirkung

der Lausitzer entstehen und durchgeführt

werden. Im Rahmen des Kunstprojektes

„Paradies 2“ werden sieben Veranstaltungen im

Abschlussjahr stattfi nden.

Ging es bei den 25 IBA-Projekten um die Erneuerung

der äußeren Landschaften, so widmet

sich dieses Projekt der Erneuerung innerer

Landschaften. Regisseur ist der Schweizer

Künstler Jürg Montalta, der im IBA-Halbzeitjahr

für seine Inszenierung „Alles verloren - alles

gewonnen“ bereits großen Zuspruch erntete.

Hinter seinem Kunstprojekt „Paradies 2“ steht

ein Konzept, das er gemeinsam mit der Bevölkerung

entwickelt hat

Die Einzelprojekte

1. Paradies 2 beginnt jetzt.

Ort: Großräschen - IBA-Terrassen

Termin: 24. April 20102.

2. Was ist Energie?

Ort: Stadt Welzow - Tagebau Welzow

Termine: 1., 8., 15., 22., 29. Mai 2010

3. Das Lebenskraftwerk.

Ort: Erlebniskraftwerk Plessa

Termine: 7., 14., 21., 28. August 2010

4. Ich öffne mein Fenster für dich.

Ort: Cottbus - Sachsendorf-Madlow

Termin: 4. Juli 2010

5. Das Geheimnis von Schlabendorf

Ort: Schlabendorf - Ortskern, See

Termine: 28./29. Mai; 9./10. Juni 2010

6. Das Herz von Guben und Gubin

Ort: Guben & Gubin - Hauptkirche

Termin: 8. Mai 2010

7. Auf zu neuen Ufern!

Ort: Sedlitz - Ufer des Sedlitzer Sees

Termin: 18. September 2010

Alle sieben Veranstaltungen im Rahmen von

„Paradies 2“ werden mit den Menschen der

Lausitz vorbereitet und von dem Symbol „Weißer

Hirsch“ begleitet, der - Erzählungen nach -

besondere Orte in der Lausitz markiert. Darüber

hinaus sind Essen, Trinken und Musik bei allen

Veranstaltungen verbindende Komponenten.

Es wird also noch einmal spannend im letzten

Jahr der IBA Fürst-Pückler-Land. Auch eine

gute Gelegenheit, den adligen Namen mit mehr

in Verbindung zu bringen als mit dem Eis, das

ihm der Königlich-Preußischen Hofkoch Louis

Ferdinand Jungius 1839 widmete. Schließlich

war Hermann von Pückler-Muskau einer der

herausragenden Landschaftsarchitekten seiner

Zeit, dessen Parks bis heute zu den besonderen

Höhepunkten der Landschaftsgestaltung im 19.

Jahrhundert in Europa zählen. L.K.

Messe | 93

Foto: IBA


Gerade zu Ende gegangen ist die Bundesgartenschau 2009 in Schwerin.

Vom 23. April bis 11. Oktober 2009 wurde rund 1.800.000

Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus auf der BUGA

Schwerin ein überragendes Ausstellungserlebnis geboten. Eine in

Deutschland einmalige Garten- und Parklandschaft zeigte die unterschiedlichen

Formen vom italienischen Renaissancegarten über die

barocke Gartengestaltung und den englischen Landschaftsgarten bis

zum modernen, durch klare Linien bestimmten Garten.

94 | Messe

BUGA 2009

kompakte Schau rund um das Schweriner Schloss

Es war eine besondere Ausstellung. Gleich drei

Merkmale heben sie aus der über 50-jährigen

Geschichte der Bundesgartenschauen heraus:

Im Mittelpunkt der Exposition stand die historische

Entwicklung der Gartenbaukunst vom 18.

Jahrhundert bis heute. Damit war die Schweriner

Ausstellung eine BundesGARTENschau im

eigentlichen Wortsinn. Zum anderen war die

BUGA in der Landeshauptstadt Mecklenburg-

Vorpommerns eine sehr kompakte Schau. Alle

Ausstellungsareale waren rund um das Schweriner

Schloss in unmittelbarer Nachbarschaft

der Altstadt angeordnet. Kurze Wege stellten

ein Charakteristikum der Bundesgartenschau

des Jahres 2009 dar. Und außerdem lagen die

sieben Gärten der Schweriner Schau alle am

Wasser. Damit wandte sich die Landeshauptstadt

dem Wasser zu.

Besondere Highlights waren die scheinbar

über dem Wasser schwebende „Schwimmende

Foto: BUGA GmbH

Wiese“, der „Spazierweg auf dem Wasser“ der

Schlossbucht und die Hallenschauen im Küchengarten.

Im Naturgarten konnte eine Orchideenwiese

in ihrem ursprünglichen Zustand

bewundert werden. Der Ufergarten mit seiner

zentralen Gastronomie bot neben dem Erlebnis

der Entspannung direkt am Wasser auch

die Möglichkeit der sportlichen Betätigung im

Wasser. Alle Gärten lagen sich wie eine Perlenkette

um das besondere Juwel Schwerins, das

Großherzogliche Residenzschloss, und boten

gleichzeitig den Ausblick auf die Silhouette der

Altstadt mit dem sie überragenden Dom. Eine

schwimmende Brücke verband den Garten am

Marstall mit dem Ufergarten. Damit schloss

sich ein Rundweg, auf dem sich immer wieder

neue Ausblicke auf den Schweriner See und das

Schloss eröffneten.

Barrierefreier Genuss

Die Bundesgartenschau 2009 in Schwerin präsentierte

sich weitgehend barrierefrei. Menschen

mit Behinderungen, aber beispielsweise

auch Eltern mit Kinderwagen, hatten einen

ungehinderten Zugang zu allen Teilen der Ausstellung.

Es gab entsprechende Einrichtungen

wie Behindertenparkplätze oder behindertengerechte

Toiletten. Für Seh-, Hör- und Mobilitätsbehinderte

standen besondere Angebote

bereit, wie moderne Technik, die es Ihnen erlaubte,

die Vielfalt der Ausstellung zu erleben.


Speziell ausgebildete Servicekräfte unterstützen

sie dabei. Am BUGA-Haupteingang konnten

Mobilitätsbehinderte sowohl E-Rollstühle

bzw. Scooter als auch Faltrollstühle kostenlos

ausleihen.

Ebenfalls am Haupteingang konnten Eltern Bollerwagen

ausleihen, um ihren Sprösslingen den

kompletten Fußmarsch durch die Schau zu ersparen.

Zudem bot die Pädagogin Dana Schröder

von der Kita GmbH im „Offenen Spielhaus“

eine Kinderbetreuung an. Kinder im Alter von 4

bis 10 Jahren wurden im Zeitraum von 9.30 bis

17.30 Uhr gern betreut.

Lernspaß in der Grünen Schule

Eine gute Tradition ist es, während einer Gartenschau

für Kinder und Schulklassen ein großes

Spektrum an Umweltbildung zur Verfügung zu

stellen. Die BUGA 2009 in Schwerin wurde dieser

Tradition ebenfalls gerecht und vermittelte

Wissen auf spielerische und ganz sicher unterhaltsame

Art. Damit lässt sich das Verständnis

für die Natur und ihre „Netzwerke“, in die wir

in der „Einen Welt“ eingesponnen sind, wecken

und begreifbar machen. Unter dem Begriff

„Grüne Schule“, mit den Themen: Naturerlebnis,

Wasser, Eine/Meine Welt, Ernährung und Energie/Klima,

wurden Zusammenhänge von Natur

und Umwelt aufgezeigt und für alle Altersklassen

interessant dargestellt. Ob es ein Leben im

Wassertropfen gibt, was alles in einem Rasenstück

zu entdecken ist, was der Donner mit dem

Blitz zu tun hat, ob Bäume reden können und

wie man Erde selber machen kann… Fragen, die

neben vielen anderen geklärt wurden und Fragen,

die sich ergaben, wenn man erst einmal

in einer „Grünen Schule“ auf Entdeckungstour

ging. Selbstverständlich kamen auf der Bundesgartenschau

auch Spiel und Spaß nicht zu

kurz. Drei große Spielfl ächen luden zum Toben

aber auch zum Erholen ein – das Wüstenland,

das Feuerland und das Sumpfl and hielten jede

Menge für große und kleine Entdecker bereit.

So auch den Kinderbauernhof, der zeigte, woher

unsere einheimischen Haustiere kommen

und welchen Nutzen die Menschen von den

Tieren haben.

28. 8. – ein toller Tag für Kinder

Auf Initiative des Schweriner Serviceclubs Soroptimist

International konnten in Zusammenarbeit

mit dem Kinderschutzbund 12 Kinder aus

drei Schweriner Einrichtungen einen tollen Tag

auf der Bundesgartenschau in Schwerin verbringen.

Zum Ferienabschluss wurde auf der

BUGA gelernt, gespielt und es gab die Gelegenheit

mit Fiete, dem Maskottchen der Bundesgartenschau,

zu kuscheln. Vor dem Vergnügen,

welches der Spielplatz der Atolle den Kindern

bot, gab es eine Lehrstunde zum Thema Eier im

Kinderbauernhof der Schau. Referendar Harald

Jantzen vermittelte anschaulich alles Wissenswerte

über Hühner, Gänse und ihre Eier. Als

Höhepunkt, konnten die Kinder einer Wachtel

beim Schlüpfen zusehen und sogar selbst eines

der fl auschigen Wesen in die Hand nehmen. Im

Anschluss ging es zur Grünen Schule, wo sich

die Kinder mit Würstchen und Brötchen stärkten,

bevor Spielen auf den Vulkanen oder der

Seilbahn angesagt war. Kurz vor dem Abschluss

Ausfl uges überreichte Fiete kleine Geschenke.

„Man darf die Situation nicht unterschätzen,

dass viele Kinder sozial benachteiligt sind. Sie

haben wenig vom Leben und darum wäre es eine

große Hilfe, wenn noch mehr Menschen dem

Kinderschutzbund beitreten würden, um solche

Ausfl üge und Initiativen zu unterstützen“, so

Cordula Gerburg, Präsidentin des Schweriner

Serviceclubs Soroptimist International.

Auch wenn viele Einrichtungen von Anfang an

als temporäre Anlagen konzipiert waren, bleibt

so viel von der BUGA 2009 erhalten, dass das

Gelände auch in Zukunft einen beliebten Anziehungspunkt

für Besucher der Stadt und für ihre

Einwohner sein wird. L.K.

Messe | 95

Foto: BUGA GmbH


Foto: photocase.de

96 | Report


Der BFG startet durch

Was bewegt die Spielplatzplaner in den Kommunen? Das ermittelt der Bundesverband

für Freiraumgestaltung (BFG) aktuell in einer breit angelegten

Befragung, deren Ergebnisse auf der FSB in Köln vorgestellt werden.

Kinder brauchen fantasievoll gestaltete Orte

zum Spielen in der Stadt. Tatsächlich sind solche

Spielplätze aber viel zu oft Mangelware. Es

gibt landauf und landab Bedarf an Spielräumen,

denn nicht nur die Kinder, auch die Städte

brauchen sie. Geht es doch schließlich darum,

Familien ein attraktives Wohnumfeld bieten

zu können. Der BFG hat deshalb seine erste

Umfrage dem Thema „Spielplatz-Planung“ gewidmet.

In Telefoninterviews werden in Kommunen

ab 100.000 Einwohnern Informationen

zusammengetragen, welche Hemmnisse und

Schwierigkeiten die Planung von Spielplätzen

beeinträchtigen. Mit den Ergebnissen stellt sich

der BFG auf der FSB in Köln vor. „Wegen der

anstehenden FSB haben wir bei der ersten Umfrage

das Thema „Spielplatz-Planung“ gewählt.

Das ist ein wichtiges Segment im öffentlichen

Freiraum, aber natürlich nicht das einzige. Wir

werden auch künftig regelmäßig Umfragen bei

den Kommunen, den Freiraumplanern und ganz

sicher auch bei den Nutzern von Freiraumangeboten

durchführen, um kontinuierlich eine

belastbare Menge und Tiefe an Informationen

Seminar: Zukunft Freiraum

veranstaltet vom Bundesverband für Freiraumgestaltung

zu diesen Themen zusammenzutragen.“ Benno

Schäfer, Gründungsmitglied und Vorsitzender

des Verbandes, setzt sich darüber hinaus dafür

ein, dass sich um den Verband ein Netzwerk mit

Kompetenzpartnern aus öffentlichen Institutionen,

Industrie und Wissenschaft herausbildet.

Mehr Dialog – mehr Informationen

Der BFG sieht es als seine zentrale Aufgabe an,

in den Dialog mit den Städten und Gemeinden

zu treten, um auf der Basis der erhobenen Daten

zielführende Vorschläge ableiten zu können.

Um bei dem Beispiel der Spielplätze zu bleiben:

Stimmt die Einschätzung verschiedener Versicherungsexperten,

dass die neuen europäischen

Normen in manchen Bereichen zu Verunsicherungen

geführt haben? Sind die knappen Kassen

der zentrale Hemmschuh? Mit der Umfrage

trägt der BFG eine Sammlung von Meinungen

und Einschätzungen zusammen, die es in dieser

Form so noch nicht gegeben hat, und die eine

wichtige Planungsgrundlage wird, um die Kommunen

in ihrer Arbeit unterstützen zu können.

A.M.

Einer der großen Trends in Deutschland ist die Renaissance des öffentlichen Freiraums. Vorbei

die Zeit des Cocoonings in den eigenen vier Wänden – die Parkbank oder besser noch trendige

Lounge-Möbel haben, sobald die Sonne scheint, das gute alte Sofa als Lieblingsplatz abgelöst.

Über alle Altersstufen hinweg besetzen die Menschen in Deutschland ihren Teil des öffentlichen

Freiraums.

Bei dem Seminar geht es um die Frage, wie Städte und Gemeinden trotz der knappen fi nanziellen

Mittel ihre Freiraumangebote aufwerten können. Schwerpunktmäßig werden folgende

Punkte zum Thema gemacht:

Finanzierungsmodelle

Kann und soll man Spielplätze leasen?

Best-Practice-Beispiele aus Kommunen

Termin: 20. November 2009; 9.00 Uhr bis 14.00 Uhr

Das Seminar-Programm wird auf der FSB vorgestellt. Anfragen unter bfg@free-lounge.de

Report | 97


98 | Recht

Foto: fotolia.com


Justitia ist nicht taub

Spiel- und Freizeitstättenlärm vor Gerichten

Spiel- und Freizeitstätten sind städtebaulich notwendig und wünschenswert,

wegen des von ihnen ausgehenden Lärms werfen sie allerdings auch immer

wieder rechtliche Konfl ikte auf. Gesetzgeber und Rechtsprechung behandeln sie

privilegiert, auch in Wohngebieten sind die damit einhergehenden Immissionen

in aller Regel sozialadäquat. Neuere Entwicklungen in der Rechtsprechung betreffen

vor allem große, moderne Anlagen sowie Einrichtungen für Jugendliche,

für die die Abgrenzung zu Sportanlagen im Einzelfall schwierig sein kann.

Wer mit der Planung, Errichtung und Unterhaltung

von Spiel- und Freizeitstätten befasst

ist, muss, wie bei jeder Planung, Spannungen

und Konfl ikte bewältigen. Die Bedürfnisse der

Familien und der jungen Menschen sowie die

Belange von Sport, Freizeit, und Erholung sind

schon von Gesetzes wegen planerisch als besondere

soziale und kulturelle Bedürfnisse der

Bevölkerung zu berücksichtigen. Spiel- und

Freizeitfl ächen werden vom Gesetzgeber als

wünschenswerte Einrichtungen behandelt, die

gerade auch in Wohngebieten vorhanden sein

müssen (siehe § 6 Abs. 1 Nr. 3, § 136 Abs. 3

Nr. 2 BauGB). Das wirkt sich auch auf die juristische

Bewertung des von Spiel- und Freizeitstätten

ausgehenden Lärms aus. In manchen

Landesgesetzen werden sogar umgekehrt Kinderspiel-

und Freizeitfl ächen vor Lärm durch

angrenzende Anlagen besonders geschützt: So

ist in der hamburgischen Bauordnung geregelt,

dass Kinderspiel- und Freizeitfl ächen durch

Bäume, Hecken, Sträucher oder andere Schutzvorkehrungen

besonders abzuschirmen sind,

wenn ihre Nutzung durch den Lärm oder andere

Belästigungen von in der Nähe vorhandenen

anderen Anlagen beeinträchtigt werden kann

(§ 10 Abs. 6 BauO Hamburg). Die Privilegierung

gegenüber anderen Lärmimmissionsquellen ist

konsequent. Wenn Kinder und Jugendliche auf

Spiel- und Freizeitstätten spielen, entsteht natürlich

Lärm, der aber gerade in Wohngebieten

auf eine wünschenswerte Nutzung zurückgeht.

Es wäre widersinnig, Spiel- und Freizeitstätten

nur außerhalb von Wohngebieten anzusiedeln.

Gleichwohl führt der von Spiel- und Freizeitstätten

ausgehende Geräuschpegel immer wieder

dazu, dass Anwohner sich an die zuständigen

kommunalen Behörden wenden. Manche Fälle

gehen auch vor Gericht. Interessant ist dies vor

allem für die Fragen, die moderne, größer angelegte

und deshalb auch für Anwohner angrenzender

Gebiete attraktive Anlagen aufwerfen.

Ein zweiter Themenkomplex, der die Gerichte

beschäftigt, sind Spiel- und Freizeitanlagen, die

speziell auf Jugendliche zugeschnitten sind und

bei denen sich die Abgrenzung zu Sportanlagen

als juristisches Problem stellt.

In einem kürzlich durch das Oberverwaltungsgericht

Lüneburg entschiedenen Fall haben Anwohner

sich mit einem Antrag auf Erlass einer

einstweiligen Verfügung gegen die Gemeinde

gewendet. Sie haben sich gegen die Lärmimmissionen

gewandt, die von einem benachbarten

öffentlichen Spielplatz ausgegangen sind.

Nun handelte es sich bei dem Spielplatz nicht

um eine gewöhnliche, in Wohngebieten übliche

Recht | 99


100 | Recht

und lediglich den unmittelbar angrenzenden

örtlichen Anwohnern dienende Anlage, sondern

um einen modernen Spielplatz mit einer Größe

von über 75.000 m². Die Anwohner rügten einen

Verstoß gegen das Rücksichtnahmegebot,

das bei jeder baurechtlichen Planung zu beachten

ist. Dies gelte sowohl im Hinblick auf die

Größe als auch auf die konkrete Ausstattung

des Spielplatzes. Das Verwaltungsgericht und

das Oberverwaltungsgericht haben den Antrag

zurückgewiesen. Die mit der Benutzung von

Kinderspielplätzen unvermeidbar verbundenen

Auswirkungen, vorwiegend Geräusche, seien als

notwendige Folgen einer wünschenswerten Tätigkeit

„ortsüblich und sozialadäquat“. Nur im

Ausnahmefall könnten solche Spielplätze oder

die dort errichteten Spielgeräte unzulässig sein,

wenn von ihnen Belästigungen oder Störungen

ausgingen, die in der konkreten Umgebung

unzumutbar seien. Diese Anforderungen hinderten

die Kommunen allerdings nicht daran,

auch große und modern konzipierte Spielplätze

einzurichten, zumal in dem konkret entschiedenen

Fall die Kommune durch die Anordnung

des Spielplatzes schon auf die angrenzenden

Anwohner Rücksicht genommen hatte, indem

sie in der unmittelbaren Nähe zur Wohnbebauung

nur Spielgeräte für Kleinkinder eingerichtet

hat. Für ältere Kinder angebotene und

eher lärmträchtige Spielgeräte wie Seilbahn,

Tischtennisplatten, Stammmikado, Sitzstämme,

Trampolin und Dschungelbrücke befanden sich

abgegrenzt durch eine Baumreihe in größerer

Entfernung. Die Gerichte haben auch das Argument

nicht gelten lassen, der Spielplatz sei

nicht auf die Bedürfnisse der angrenzenden

Bevölkerung beschränkt, sondern so attraktiv

ausgestaltet, dass ein regelrechter „Spielplatztourismus“

auch Kinder aus weiter entfernten

Wohngebieten zu diesem Spielplatz anlocke

(OVG Lüneburg, Az.: 9 LA 113/04).

Die rechtliche Beurteilung von Lärm gestaltet

sich vergleichsweise schwierig, wenn es um

solche Freizeiteinrichtungen bzw. Spielplatzanlagen

geht, die speziell auf die Benutzung

durch Heranwachsende und Jugendliche ausgerichtet

sind. Die Schwierigkeiten rühren daher,

dass sich die Abgrenzung zu Sportanlagen nicht

immer einfach gestaltet. Diese Abgrenzung ist

jedoch deshalb bedeutsam, weil Sportanlagen

in immissionsschutzrechtlicher Hinsicht speziell

geregelt sind. Für Sportanlagen gilt die

18. Verordnung zur Durchführung des Bundes-

Immissionsschutzgesetzes, die sog. „Sportanlagenlärmschutzverordnung“.

Diese Verordnung

enthält eindeutige Immissionsrichtwerte, die

im Rahmen von Baugenehmigungen sowie

Bauleitplanverfahren von den zuständigen Behörden

zu beachten sind. Kritisch wird es immer

dann, wenn die Errichtung einer Sportanlage in

unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Wohnbebauung

vorgesehen ist. Können dann die

Immissionsrichtwerte der Sportanlagenlärmschutzverordnung

nicht eingehalten werden,

ist das Vorhaben unzulässig.

Leicht fällt die Abgrenzung im Falle „klassischer“

Sportanlagen wie Tennisplätzen oder

Fußballstadien auf der einen und Freizeitparks

auf der anderen Seite. Doch bereits beim „Bolzplatz“

wird die Sache schwieriger. Geklärt ist

durch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts

zumindest, dass ein Bolzplatz

immissionsschutzrechtlich nicht schlechter behandelt

werden darf als eine Sportanlage und

dass einem Bolzplatz, der überwiegend von Kindern

bis 14 Jahren benutzt wird, ebenso wie bei

Kinderspielplätzen ein „Sozialadäquanzbonus“

zuzugestehen ist; ein Bolzplatz darf somit im

Einzelfall sogar lauter als ein Fußballplatz sein

(Az.: BVerwG 4 B 70/91).

Abgrenzungsschwierigkeiten bereiten moderne

Stadteinrichtungen wie Skateplätze oder

größere Skaterparks, Beachvolleyballplätze,

Basketball-Anlagen, kleinere Eisbahnen oder

Minigolfanlagen. Problematisch ist bereits,

dass keine einheitliche Defi nition des Begriffes

„Sport“ existiert; nicht jede bewegungsorientierte

Freizeitaktivität lässt sich unter den

Begriff „Sport“ fassen. Die Rechtsprechung

differenziert zunächst danach, von welcher

Altersgruppe die verschiedenen Anlagen überwiegend

genutzt werden. Solche Anlagen, die

für die körperliche Freizeitbetätigung von Kindern

bis zum Alter von 14 Jahren bestimmt

sind, zählen zu den sozialadäquaten Spiel- und

Freizeitanlagen und fallen per se nicht unter

die Richtwerte der Sportanlagenlärmschutzverordnung.

Ist eine Anlage jedoch geeignet

und dafür bestimmt, auch von älteren Kindern

bzw. Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen


enutzt zu werden, kommen die Richtwerte

der Sportanlagenlärmschutzverordnung nach

der Rechtsprechung grundsätzlich zur Anwendung.

Allerdings erfolgt diese Anwendung, wie

die Gerichte stets betonen, nicht schematisch.

Im Vordergrund steht stets die tatrichterliche

Wertung im Einzelfall. Besonders kreative und

moderne Anlagen, die sich nicht in das Schema

bereits entschiedener Grundsatzentscheidungen

fügen, werfen damit auch juristische Herausforderungen

auf, die im Vorfeld von Planung

und Errichtung bedacht werden müssen.

Dr. Michael Winkelmüller

Torsten Eberhard

Dr. Michael Winkelmüller, 38

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht

bei Redeker Sellner Dahs & Widmaier in Bonn.

Einen seiner Schwerpunkte bildet das technische

Sicherheitsrecht und damit verbundene Fragen der

Produktzulassung, technischen Normung, Zertifi zierung

und Haftung.

Dr. Torsten Eberhard, 30

Rechtsanwalt bei Redeker Sellner Dahs & Widmaier

in Bonn.

Einen seiner Schwerpunkte bildet das Umwelt- und

Bauplanungsrecht.

Foto: fotolia.de

Recht | 101


Kommunen im neuen Licht

Eine Chance für helle Köpfe

Noch bis zum 31.12.2009 können Kommunen ihre Unterlagen für

den Wettbewerb „Kommunen im neuen Licht“ einreichen, der im Mai

2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

ausgeschrieben wurde. Die 10 Gewinner erhalten jeweils 2 Millionen

Euro für die Realisierung einer Beleuchtung mit LED-Technik.

102 | Wettbewerb

Seit mehreren Jahren hat das BMBF die Entwicklung

der LED-Technologie in Deutschland

mit Verbundprojekten aus Industrie und Wirtschaft

stark gefördert. Ziel ist die Festigung des

Hightech-Standorts Deutschland, den Technologietransfer

zu beschleunigen und Arbeitsplätze

in diesem Bereich der Zukunftsträchtigen

Technologien zu sichern und neu zu schaffen.

Mittlerweile ist die Industrie in Deutschland

diesbezüglich gut aufgestellt. Mit dem Wettbewerb

soll der Einsatz in der kommunalen Praxis

forciert werden.

Besseres Licht zu halben Energiekosten

Nach Berechnungen des Zentralverbands Elektrotechnik-

und Elektroindustrie e.V. (ZVEI)

können die deutschen Kommunen allein durch

die Modernisierung von Straßenbeleuchtungen

sowie kommunalen Büro- und Schulgebäuden

fast die Hälfte ihres jährlichen Stromverbrauchs

(knapp 6000 GWh) einsparen (knapp 900 Millionen

von zwei Milliarden Euro). Im Übrigen

werden durch die neue Lichttechnik beträchtli-

che Energie- und CO2-Einsparungen erwartet.

Außerdem bieten die lichtdynamischen Eigenschaften

von LEDs Einsatzmöglichkeiten mit

unmittelbaren Auswirkungen auf den Menschen.

Mehr Konzentrationsfähigkeit und Arbeitssicherheit

abhängig von der Lichtfarbe

haben positive gesundheitliche Auswirkungen

und tragen damit mittelbar zur Senkung

von Kosten im Gesundheitssystem bei. Solche

Chancen können zu zusätzlichen Umsätzen bei

den lichttechnischen Unternehmen führen, die

frühzeitig die neue Technik beherrschen lernen.

In der BMBF-Leitmarktinitiative werden begleitende

Themen wie Normierung und Messtechnik,

Gütesiegel, Referenzobjekte und andere

vorangetrieben.

Die rasche Umsetzung der neuen Beleuchtungstechnologie

erfordert jetzt entsprechende

Impulse von Seiten der Politik. Neue, weltweit

beachtete LED-Lampen aus Deutschland

sind ein Ergebnis der HighTech-Strategie der

Bundesregierung. Nun geht es darum, die Ergebnisse

schnell in die Praxis umzusetzen. Der

Wettbewerb „Kommunen in neuem Licht“ unterstützt

dieses Vorhaben.

Noch ist Zeit für die Teilnahme

Der Wettbewerb richtet sich an Städte und

Gemeinden, die bis zum 31. Dezember 2009

Projektskizzen zu diesem Thema beim Projektträger

VDI Technologiezentrum in Düsseldorf

Foto: optischetechnologien.de


einreichen können. Angesprochen werden die

beiden Felder der Allgemeinbeleuchtung:

- Innenbeleuchtung von Gebäuden mit LED >

100 lm/W (Neubau und Sanierung)

- Außenbeleuchtung mittels LED (Straßenbeleuchtung,

Tunnelbeleuchtung etc.)

Das BMBF fördert die 10 aussichtsreichsten

Projekte mit jeweils bis zu 2 Mio. Euro. Die

wichtigsten Bewertungskriterien sind hierbei

Innovationsgrad, Energieeffi zienz, Kosteneffi -

zienz bei Einrichtung und Betrieb, organisatorische

Innovationen wie contracting-Modelle,

Ausstrahlung sowie prinzipielle Übertragbarkeit

auf andere Objekte. Eine unabhängige Fachjury

wertet die Projektskizzen aus und gibt die

10 innovativsten Projekte auf der Fachmesse

„Light & Building“ im April 2010 in Frankfurt

bekannt. Weiterhin werden für die erfolgreichen

Demonstrationsobjekte Plaketten und

Uhrkunden vergeben. 18 Monate haben die geförderten

Kommunen dann Zeit, ihre Planungen

umzusetzen.

Ansprechpartner:

Lars Unnebrink

VDI Technologiezentrum GmbH

VDI-Platz 1

40468 Düsseldorf

Tel.: 0211 / 6214-598

Fax: 0211 / 6214-484

E-Mail: unnebrink@vdi.de

Pilotprojekt an Raststätten

Die Tank- und Rastanlage Walsleben erstrahlt

bereits in neuem Licht. An der Autobahn A 24

(Berlin - Hamburg) hat das Bundesverkehrsministerium

mit Unterstützung des Landes Brandenburg

das bundesweit erste Pilotprojekt für

umweltfreundliche Außenbeleuchtung von

Raststätten gestartet. In Richtung Hamburg

wurden 28 Masten mit hochmoderner LED-

Technik aufgestellt. Das Bundesverkehrsministerium

reagiert damit schon jetzt auf das

ab 2015 EU-weit geltende Verkaufsverbot von

Quecksilberdampfl ampen, die an Raststätten

besonders häufi g verwendet werden.

Von dem Pilotprojekt in Brandenburg werden

neue Erkenntnisse über Lebensdauer, Energieeffi

zienz und Haltbarkeit der LED erwartet. Für

die Pilotanlage Walsleben Ost wurden Leuchten

ausgewählt, die von einem Unternehmen des

Kompetenznetzwerks in der Licht- und Optik-

Region Jena und dem Fraunhofer Institut für

angewandte Optik entwickelt wurden.

Foto: siteco.de

Siteco DL 10 – Licht-Kobra mit LED-Technik

Die Energieversorger EVO und die Stadt testen

jetzt in einem gemeinsamen Pilotprojekt ihre

Energieeffi zienz.

Pilotprojekt in Offenbach

An acht Standorten hat die für den Betrieb der

20.000 Offenbacher Lampen verantwortliche

EVO jeweils vier Leuchten verschiedener Hersteller

montiert. Ein neunter Ort mit weiteren

vier Laternen ist in Planung, so dass während

der bevorstehenden winterlichen Testphase

insgesamt 36 Lampen mit zukunftsweisender

Leuchtdiodentechnik Offenbacher Straßen

und Plätze in neues Licht tauchen werden. In

diesem Feldversuch werden verschiedene LED-

Leuchten mit herkömmlichen Lampen unter realen

Bedingungen vergleichen.

Die Entwicklung im Bereich öffentlicher Beleuchtung

bleibt ein spannendes Thema. Und

ein lohnenswertes. Über Konzepte und Ideen,

die im Rahmen des Wettbewerbs eingereicht

wurden, bewahrt das VDI Technologiezentrum

derzeit selbstverständlich Stillschweigen. Es ist

jedoch jeder Kommune unbenommen, mit eigenen

Projekten teilzunehmen. Dann aber jetzt

schnell. FreeLounge wünscht viel Erfolg. L.K.

Termin

Abgabe der Wettbewerbsbeiträge:

31. Dezember 2009

Wettbewerb | 103


SICHERHEIT

104 | Tivoli

BECO

BERMÜLLER & CO. GMBH

Elastik- und Fallschutzformteile

Fallschutzbeläge im Ortseinbau

Conradi+Kaiser GmbH

Herstellung von Gummiformteilen

und Bodensystemen

Granufl ex Kft

Hersteller von Fallschutzplatten seit 1990

terralastic GmbH

Fallschutz-Bodensysteme und

Gestaltungselemente aus Kautschuk

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D-90451 Nürnberg

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www.beco-bermueller.de

Tel. +49 (0) 911 64200-0

Fax +49 (0) 911 64200-50

Gewerbegebiet Larsheck

D-56271 Kleinmaischeid

info@conradi-kaiser.de

www.conradi-kaiser.de

Tel. +49 (0) 2689 9580-0

Fax +49 (0) 2689 9580-50

Bécsi út 269

H-1037 Budapest

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www.granulfex.hu

Tel. +36 1 453-0400

Fax +36 1 453-0006

Unterdorfstraße 10

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Tel. +49 (0) 2639 960233

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Poller, Palisaden, Randeinfassungen, Balkonbeläge, Prüfzeugnisse

nach EN 177

Ausführung fugenloser Ortseinbau nach DIN 7926 EN 1177 mit

Lizenznehmern in ganz Deutschland

Bodensysteme und Sicherheitssysteme für Schulen und

Kindergärten, Spielplätze, Freizeitanlagen, öffentliche Plätze und

Parks, Sportanlagen, Terrassen und Balkone, Stallungen.

Verkauf nur an den Fachhandel.

Fallschutzplatten und Fallschutz-Verbundpfl aster nach EN 1177,

Elastikplatten und elastisches Verbundpfl aster, Sicherheits-

Ergänzungselemente, Sandkastenumfassungen, fugenloser

Fallschutz, Sportbodenbeläge

– Fallschutz-Bodensysteme nach EN 1177

– Gestaltungselemente für den Außenbereich aus Kautschuk

– Einsatz der Produkte in Schulen, Kindergärten, auf Spiel-

und öffentlichen Plätzen

– Brandschutzplatten, Rutschenauslaufplatten, Sandkastenwinkel


SPIEL- UND SPORTGERÄTE, PUBLIC DESIGN

A+URBAN Design

Skateanlagen und Pipes

Roll-Hockey

Bolzplätze

Urbanes Mobiliar

AAST Spielgeräte VertriebsgmbH

Spiel- und Sportgerätehersteller

Berliner Seilfabrik GmbH & Co.

Elastik- und Fallschutzformteile

Elastic and impact protection moulded elements

Elastik- und Fallschutzformteile

Elastic and impact protection moulded elements

COROCORD Raumnetz GmbH

Seilzirkus – Seilspielgeräte

CREA-PLAY

(Deutschland) GmbH

espas GmbH

Spielgeräte

Stadtmobiliar

Bodensysteme

Zubehör

Europlay

Spielgeräte

Holzhof GmbH

Elastik- und Fallschutzformteile

Elastic and impact protection moulded elements

Elastik- und Fallschutzformteile

Elastic and impact protection moulded elements

HPS-Play Company Trading GmbH

Einrichtung von Hallenspielplätzen

Spielplatzkonzepte für Freizeit & Handel

Sepp-Giggenbach-Str. 31

D-84453 Mühldorf

info@aplusurbandesign.com

www.aplusurbandesign.com

Tel. + 49 (0) 8631 1403-68

Fax + 49 (0) 8631 1403-69

Kontaktperson: Fr. Sonja Rauscher

Hr. Andrew Stelzhammer

Handelsstraße 13

A-2201 Seyring

offi ce@aast.com

www.aast.com

Tel. +43 (0) 2246 27037

Fax +43 (0) 2246 27035

Lengeder Straße 4

D-13407 Berlin

www.berliner-seilfabrik.de

Tel. +49 (0) 30 414724-0

Fax +49 (0) 30 414724-33

Eichborndamm 167

D-13403 Berlin

info@corocord.de

www.corocord.de

Tel. +49 (0) 30 408988-0

Fax +49 (0) 30 408988-77

Hessenstraße 3

D-35325 Mücke/Groß-Eichen

crea-play@t-online.de

www.buerliag.com

Tel. +49 (0) 6400 959840

Fax +49 (0) 6400 959841

Graf-Haeseler-Str. 7–9

D-34134 Kassel

info@espas.de

www.espas.de

Tel. +49 (0) 561 5746390

Fax +49 (0) 561 5746399

Eegene 9

B-9200 Dendermonde

sales@europlay.eu

www.europlay.eu

Tel. +32 52 22 66 22

Fax +32 52 22 67 22

Rupestraße 33

I-38017 Mezzolombardo TN

sabrina@holzhof.com

Tel. +39 0461 601501

Fax +39 0461 604013

Gmundner Straße 40 · A-4664 Oberweis

info@hps-playco.at

www.hps-playco.at

Tel. +43 (0) 7613 25880-0

Fax +43 (0) 7613 25880-10

VERTRIEB DEUTSCHLAND

Detmolder Str. 596 · D-33699 Bielefeld

Tel. +49 (0) 521 9883298-0

Fax +49 (0) 521 8989001

www.hps-playco.de

Modulare Elemente

Keine Fundamente und Bodenverankerungen nötig

Einfacher Auf- und Abbau

Wartungsarm

Der Spezialist für Rutschen aus glasfaserverstärktem

Kunststoff (GFK). Die AAST GmbH hat GFK-Rutschen,

Polyethylen Röhrenrutschen, Erlebnisrutschen und eine

Fülle von Spielplatzkombinationen, in allen Variationen,

in ihrem Programm.

Seilspielgeräte für Kinderspielplätze

Alle unsere Produkte entsprechen den strengen Richtlinien

der EN 1176 und erfüllen auch alle bekannten technischen

Vorschriften.

Corocord hat sich selbst dazu verpfl ichtet, weltweit einzigartige

Raum- und Flächennetze anzubieten: mit hohem ästhetischem

Reiz, hohem Spielwert und langer Nutzungsdauer. Das ist keine

einfache Aufgabe. Aber solche Herausforderungen sind uns

wichtig und wir nehmen sie jeden Tag von neuem an.

Spiel- und Sportgeräte

– Fallschutzplatten

– drehbare Kletterbäume

– Parkmobiliar

– Hundetoiletten

Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von:

Spielgeräten aus Stahl

– Stadtmobiliar und Tischtennistischen aus Beton

– Bodensystemen

– Zubehör

Herstellung von Spielgeräten aus Holz und Metall. Wir

suchen Importeure für Deutschland, Österreich und die

Schweiz.

Spielplatzgeräte

– Public Design

– eigene Spielgeräteherstellung

– Vertrieb

– Montage

– Service für Reinigung und Wartung

– Komplettausstattung

– Kompetenz in Qualität, Spielwert und Sicherheit

Tivoli | 105


SPIEL- UND SPORTGERÄTE, PUBLIC DESIGN

HST-Spielgeräte GmbH & Co. KG

106 | Tivoli

HUSSON INTERNATIONAL GRUPPE

Abenteuer Spielplätze

Indoor/Outdoor

Kaiser & Kühne Freizeitgeräte GmbH

Durch Qualität – mehr Freude am Spiel

KINDERLAND

Emsland Spielgeräte

Klettermax GmbH

Spielplatzgeräte und Spielplatzeinrichtungen

KOMPAN GmbH

Spielgeräte, Multisportanlagen,

Parkmöbel, Planung, Montage und Service,

Indoor-Spielmöbel

playparc-neospiel GmbH

Spielgerätehersteller

Holzbau Quappen GmbH & Co. KG

DINOstarke Spielideen

für außen und innen

Parkgestaltung

Brücken und Lärmschutzwände

Individueller Holzbau

Gartenholz

Ing. Phillipp

GmbH & Co. KG

Spielplatz von

A wie Abenteuergeräte

bis Z wie Zubehör

Weyerberg 5

D-35614 Aßlar-Berghausen

info@hst-spielgeraete.de

www.hst-spielgeraete.de

Tel. +49 (0) 6443 8198-0

Fax +49 (0) 6443 8198-20

Route de l’Europe BP1

F-68650 Laputroie

husson@husson.eu

www.husson.eu

www.husson.de

Tel. +33 (0) 3 89 47 56 56

Fax +33 (0) 3 89 47 26 03

Im Südloh 5

D-27324 Eystrup

info@kaiser-kuehne-play.com

www.kaiser-kuehne-play.com

Tel. +49 (0) 4254 9315-0

Fax +49 (0) 4254 9315-24

ESF Emsland Spiel- und

Freizeitspielgeräte GmbH & Co. KG

Bahnhofstraße 50

49744 Geeste

kinderland@emsland-spielgeraete.de

www.emsland-spielgeraete.de

Tel. +49 (0) 5907 9479970

Fax +49 (0) 5907 9479975

Gewerbegebiet

D-19374 Domsühl

info@klettermax-gmbh.de

www.spielplatzgeraete.de

Tel. +49 (0) 38728 20012

Fax +49 (0) 38728 20017

Raiffeisenstraße 11

D-24941 Flensburg

kompan.gmbh@kompan.com

www.kompan.com

Tel. +49 (0) 4617 7306-0

Fax +49 (0) 4617 7306-35

A-4872 Neukirchen an der Vöckla

obra@obra.at

www.obra.at

Tel. +43 7682 2162-0

Fax +43 7682 2165

VERTRIEB IN DEUTSCHLAND

(Informationen im Internet)

Teutonia 9

Borlinghausen

D-34439 Willebadessen

info@playparc.de

www.playparc.de

Tel. +49 (0) 5642 709-01

Fax +49 (0) 5642 709-10

Industriestraße

D-49751 Sögel

info@quappen-holzbau.de

www.quappen-holzbau.de

Tel. +49 (0) 5952 9311-0

Fax +49 (0) 5952 9311-50

Vertrieb von Seilspiel- und Spielplatzgeräten, außerdem Ballfangnetzanlagen

und Sportnetze und -seile aller Art

Spielgeräte für Kinderspielplätze, Stadtmobiliar

Freizeitanlagen für Jugendliche, Tribünen

Bei der Planung und Gestaltung von Freizeitgeräten für alle

Altersgruppen gehen wir von Erfahrungen aus, die wir seit vielen

Jahren mit Entwürfen und Bau zahlreicher Großspielanlagen in

Freizeitparks im In- und Ausland sammeln konnten.

Spielplatzeinrichtungen

– individuelle Spielobjekte

– Barrierefreie Spielgeräte

Freizeitanlagen

– Parkeinrichtungen

Spielplatzgeräte und Spielplatzeinrichtungen

Ihr Partner und Spezialist, wenn es um Spielgeräte und

Spielraumplanung geht.

Einzigartiges Design, erstklassige Qualität, exzellenter Service,

kompetente Beratung und Know-how zeichnen uns aus.

Spielplatzgeräte in Kiefer, chromfrei druckimprägniert oder farbig,

nach dem OBRA-Farbkonzept oder in Lärche natur.

Spielplatzgeräte, Skateboardanlagen, Klettergeräte,

Multisportanlagen, Schwimmbadgeräte, Fitnessgeräte

Individuelle Spielplatzanlagen, Spielgeräte und Spielskulpturen aus

Robinie und Lärche

Montage-, Wartungs- und Reparaturarbeiten

Einrichtungsbausätze zum Wohnen, Turnen, Spielen und Gestalten

von Kindergärten und Therapiebereichen


SPIEL- UND SPORTGERÄTE, PUBLIC DESIGN

Ravensburger Freizeit- und

Promotion-Service GmbH

Erlebniswelten für Kinder und Familien

– Standard-Spielmodule und individuelle Konzepte

R&T STAINLESS A/S

Innovations 4 Play

Spielplatzkomponenten aus Edelstahl

Runge GmbH & Co. KG

Fabrik für Holz-, Metall- und Edelstahlverarbeitung

SPOGG Sport-Güter GmbH

Spielplatzgeräte

SMB Seilspielgeräte GmbH Berlin

in Hoppegarten

Elastik- und Fallschutzformteile

Elastic and impact protection moulded elements

Elastik- und Fallschutzformteile

Elastic and impact protection moulded elements

stilum GmbH

Spielplatzgeräte und Public Design-Produkte

Seilfabrik Ullmann

Handelsniederlassung Bremen GmbH

Spielgeräte

ZIMMER.OBST GmbH

Individuelle Spielraumgestaltung

Am Hangenwald 1

D-88074 Meckenbeuren/Liebenau

info-rfp@ravensburger.de

www.ravensburger.de

www.rfp-ravensburger.de

Tel. +49 (0) 7542 400350

Fax +49 (0) 7542 400101

Holsbjergvej 42

DK 2620 Albertslund

Dänemark

info@rt-stainless.com

www.rt-stainless.com

Tel. +45 39563473

Fax +45 39692384

Postfach: 3646

D-49026 Osnabrück

info@mail-runge.de

www.Durch-die-Bank-gut.de

Tel. +49 (0) 541 50552-0

Fax +49 (0) 541 50552-22

Schulstraße 27

D-35614 Aßlar-Berghausen

spogg@hally-gally-spielplatzgeraete.de

www.hally-gally-spielplatzgeraete.de

Tel. +49 (0) 6443 811262

Fax +49 (0) 6443 811269

Handwerkerstraße 7

D-15366 Dahlwitz-Hoppegarten

info@smb-seilspielgeraete.de

www.smb-seilspielgeraete.de

Tel. +49 (0) 3342 302015

Fax +49 (0) 3342 302016

Königsberger Straße 39

D-56269 Dierdorf

info@stilum.de

www.stilum.de

Tel. +49 (0) 2689 92790-0

Fax +49 (0) 2689 92790-29

Am Rönnebecker Hain 1

D-28777 Bremen

info@seilfabrik-ullmann.de

www.seilfabrik-ullmann.de

Tel. +49 (0) 421 69038-8

Fax +49 (0) 421 69038-75

Am Winkel 9

D-15528 Spreenhagen

spielraum@zimmerobst.de

www.zimmerobst.de

www.spielraumgestaltung.de

Tel. +49 (0) 33633 69 89-0

Fax. +49 (0) 33633 69 89-29

Seit 1993 planen und entwickeln wir erfolgreich Markenwelten

– vom Erlebnispfad bis zum kompletten Freizeitpark. Von der

Konzeption bis zur schlüsselfertigen Übergabe ist jedes Projekt

auf die Ziele unserer Kunden abgestimmt und deshalb einmalig.

Gerne erstellen wir für Sie ein einzigartiges Konzept.

Schaukelgelenke, Basketballkörbe, Sandkräne, Wippenlager, Einzelpunkt

Schwingbeschläge, Seilbahnen mit Zubehör, Schaukelsitze

und Rutschbahnen, viele mit Zertifi katen vom TÜV Produkt Service.

Als Unternehmen mit großem Exportanteil sind wir bestrebt, fl exibel

und schnell zu sein. Auch Sonderkonstruktionen sind möglich.

Entwicklung und Herstellung von Außenraummobiliar:

Parkbänke, Gartenbänke und anderen Sitzbänke, Rundbänke.

Abfallbehälter und Papierkörbe, Ascher.

Poller, Liegen und Tische sowie Fahrradständer und Fahrradparker.

Spielplatzgeräte zum Drehen, Wippen und Klettern

Trampoline

Vogelnestschaukel

Herstellung von Seilspiel- und Spielplatzgeräten:

– Raumnetze – Schaukelkörbe

– Flächennetze – Sport- und Freizeitgeräte

– Netztunnel – Bolzplatztore „citytor –das Original“

– Trampolin – Seil-Zusatzelemente für Spielgeräte

– Karussells – Ballfang-Seilnetzzäune

– Seilbrücken – SIPA-Seilsitze

Innovative Spielplatzgeräte und Public Design-Produkte

aus Stahl und Edelstahl

– eigenständiges und durchgängiges Design

– hochwertig verarbeitet

– wartungsarm und langlebig

– kostengünstig in Preis und Unterhalt

Fallschutzsysteme nach EN 1177

Drehbare KLettertürme, Kletternetze, Kletterpyramiden,

Nestschaukeln, Seilbrücken, Sonderanfertigungen,

aus USACORD Long-life unzerschneidbar

- Spezialist für individuelle Planung von Spielanlagen

- kompetente Beratung

- Herstellung in eigener Werkstatt

- Montage durch eigenes Fachpersonal

- Geprüfte Sicherheit nach EN 1176/77

Tivoli | 107


ZULIEFERER

VERBÄNDE

SONSTIGE

108 | Tivoli

EkoBoard HD ® & EkoGrip Fce ® Ekon BV

PO Box 92

6120 AB Born

Cost-effective quality in plastics

Kostengünstige Qualität in Kunststoff

a subsidiary of the

Royal Lankhorst Euronete Group BV

Seilerei Prutz GmbH

Seilspielgeräte für Kinderspielplätze

Netze für Industrie, Sport und Freizeit

Drahtseile, Seilerwaren

Verband Deutscher Hallenspielplätze

Fachliche, wirtschaftliche & politische

Interessenvertretung für Betreiber,

Gerätehersteller und Dienstleister der Branche

Korts

Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Fachanwälte für Steuerrecht

Rechts- und Steuerberatung

The Netherlands

sales@ekon.nl

www.ekon.nl

Tel. +31 (0) 46 489.1111

Fax +31 (0) 46 485.5544

Wittenberger Straße 89

D-06905 Bad Schmiedeberg

info@seilerei-prutz.de

www.seilerei-prutz.de

Tel. +49 (0) 34925 70392

Fax +49 (0) 34925 70155

Sandtorkai 74

D-20457 Hamburg

kontakt@my-vdh.de

Tel. +49 (0) 40 822232-33

Fax +49 (0) 40 822232-39

Geschäftsführer: Ubbo Voss

Mobil: +49 (0) 160 94712821

Hültzstraße 26

D-50933 Köln

s.korts@korts.de

www.korts.de

Tel. +49 (0) 221 94021-00

Fax +49 (0) 221 94021-01

A wide range of plastic boards + non-slip properties (if required).

Made from prime and/or recycled polymers.

Approved for Play Ground Equipment in conformity with EN 71-3.

Durable, sturdy, maintenance-free and highly wear resistant.

Ein breites Sortiment von Kunststoffplatten (+ Anti-Rutsch möglich).

Auf Basis von Neuware und/oder Regranulat. Tauglich für

Play Ground Equipment konform EN 71-3.

Haltbar, robust, wartungsfrei und hohe Verschleißfestigkeit.

Seilspielgeräte:

Netze, Brücken, Schaukelkörbe, Hängematten, Klettertaue,

Sonderanfertigungen und Seilerwaren nach Kundenwunsch

Der VDH versteht sich als Serviceunternehmen für seine Mitglieder,

vertritt ihre Interessen, schafft ihnen Wettbewerbsvorteile und

macht sich stark für deren wirtschaftlichen Erfolg.

Hierzu gehören im Einzelnen:

– Information & Erfahrungsaustausch durch regelmäßige Treffen,

Newsletter, Homepage, Workshops, Tagungen, Messen

– Einkaufsvorteile durch Rahmenverträge mit Herstellern,

Lieferanten, Dienstleistern, Versicherern, u.v.m

– Beratung, Schulung, Marktanalysen

– Interessenvertretung bei Politik, Berufsgenossenschaften, GEMA,

TÜV, GEZ, u.v.m. – Medien- & Öffentlichkeitsarbeit

– Qualitätssiegel & Klassifi zierung – u.v.m.

– Sebastian Korts, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht,

MBA –Master of Business Administration,

M.I.Tax – Master of International Taxation

– Petra Korts, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, MBA

– Silke Busch, Rechtsanwalt,

Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Arbeitsrecht

– Wahed T. Barekzai, Rechtsanwalt

Fachanwalt für Steuerrecht, L.L.M. – Mater of Laws


Termine TÜV Rheinland Akademie GmbH

13. bis 15. 10. 2009 in Berlin

23. bis 25. 11. 2009 in Dortmund

08. bis 10. 09. 2009 in Hamburg

25. bis 27. 08. 2009 in Kaiserslautern

01. bis 03. 12. 2009 in Köln

Seminar: „Fachkraft für

Kinderspielplätze“ (Nr. 10024)

16. 10. 2009 in Berlin

26. 10. 2009 in Dortmund

11. 09. 2009 in Hamburg

29. 09. 2009 in Kaiserslautern

04. 12. 2009 in Köln

04. 12. 2009 in Nürnberg

21. 08. 2009 in Stuttgart

Seminar: „Fachkraft für

Kinderspielplätze“ (Auffrischung, Nr. 10034)

01. 12. 2009 in Kaiserslautern

28. 06. 2010 in Köln

21. 09. 2009 in Leipzig

Seminar:

„Sicherer Kinderspielplatz“ (Nr. 10058)

Infos: TÜV Rheinland Akademie GmbH

Am Grauen Stein, 51105 Köln

Uwe Wendler, Tel.: 0221 8063113

UweWendler@de.tuv.com

Bundesverband für Freiraum-Gestaltung e.V.

20. 11. 2009 in Großmaischeid

Seminar: „Zukunft Freiraum“

Infos: FreeLounge

Gewerbegebiet Larsheck

56271 Kleinmaischeid

Tel. 02689 9591-37

Fax 02689 9591-38

bfg@free-lounge.de

Deutsches Institut für Urbanistik

09. bis 10. 11. 2009 in Berlin

Seminar: „Stadtumbau – urbane

Qualitäten durch Freiraumentwicklung“

07. bis 09. 12. 2009 in Berlin

Seminar: „Strategisches Investitionsmanagement

– langfristig erfolgreich

trotz knapper Kassen“

Infos: Deutsches Institut für Urbanistik GmbH

(Difu), Ernst-Reuter-Haus

Straße des 17. Juni 112 , 10623 Berlin

Telefon: 030 / 39 001-0

Telefax: 030 / 39 001-100

Messetermine 2009

24. bis 27. Oktober 2009

Entsorga-Enteco

Stuttgart

www.interbad.de

28. bis 30. Oktober 2009

FSB

Internationale Fachmesse für Freiraum-,

Sport- und Bäderanlagen

Köln (Messegelände),

Kontakt: Messe Köln,

Frau Frias (Produktmanagerin)

Tel.: 0221 821-2268

b.frias@koelnmesse.de

www.fsb-cologne.de

www.koelnmesse.de

VORSCHAU

Top Thema:

Wasser in der Stadt

Wasserspiele, Umweltthemen, Wasserkraft…. Wasserspielplätze …Schwimmbäder

in privater Trägerschaft und PPP-Projekte … Kreativer Umgang mit Flüssen und

Seen im Stadtbild

Wir stellen vor: Springbrunnen, Wasserspielplätze, Bewässerungstechnik,

Innovative Energiesparkonzepte im Energie- und Wasserkreislauf, Brückenbau

t e r m i n e

Editorial | 109


Entdeckt!

110 | Vermischtes

BOKX ist ein Stadtmöbel, in

dem Bücher ausgetauscht

werden, dass so die Lesekultur

in den Städten fördert.

Wer Bücher zu verschenken

hat, stellt sie in den öffentlichen

Bücherschrank. Wer

Bücher lesen möchte, nimmt

sie heraus. Nachbarn treffen

sich an den Standpunkten

von Bokx, tauschen Bücher, Erfahrungen und Geschichten aus. Der städtische Raum wird so im Alltag zum

kulturellen Treffpunkt. In Bonn stehen mittlerweile fünf der sehr robusten Schränke an prominenten Stellen.

Die Idee zu diesem Projekt stammt ursprünglich von der Mainzer Architekturstudentin Trixy Royeck. Sie hatte

damit einen Ideenwettbewerb der Bürgerstiftung Bonn gewonnen. Der Architekt und Schreiner Hans-Jürgen

Greve perfektionierte das Konzept durch seine Bokx, die es mittlerweile in drei Größen gibt.

www.bokx.org

Mit einem Cazador del sol kann man die Sonne einfangen: Die Magie

der Plexiglasscheiben des Produktdesigners René Hildebrand beruht auf

Fluoreszenz. Die kleinen Scheiben leuchten nämlich – von ganz allein

und ohne Strom. Aber nie aufdringlich: Bei Sonnenschein treten sie

bescheiden zurück und wirken fast durchsichtig. Ziehen Wolken auf,

beginnen sie in einem warmen Gelb, Grün oder Rot kräftig zu leuchten.

In Straelen wurde rund um den Krickenberger See und die Paesmühle

kürzlich ein Kunstprojekt des örtlichen Gymnasiums damit inszeniert.

Die Schüler gestalteten mit Dutzenden Sonnenfängern die Landschaft

und brachten so Sonne und Farbe auch in schattigste Nischen.

www.cazador-del-sol.de

Gratispinkeln.de ist eine Datenbank

deren Name Programm ist. Aktuell

sind fast 1100 öffentliche

Toiletten gespeichert, die kostenlos

benutzt werden können.

Auch Kommunen können ihre

entsprechenden Adressen dort

einstellen. Vielleicht ist der nächste

Stadtbummel nach einem Blick ins

Internet dann etwas weniger

stressig ...


Ihr Tagungshotel in der

Mitte Deutschlands

• ruhige, zentrale Lage direkt an der A3

• professionelle Präsentations- und Kommunikationstechnik

• angenehme Arbeitsatmosphäre mit persönlicher Betreuung

• individuell eingerichtete Zimmer mit ganz besonderem Charme

• Übernachtungen ab 60,00 Euro pro Person

Hotel

2009 werden erneut Vorträge zum

Thema Normung und Spielplatzsicherheit

im tannenhof stattfinden!

Stebacher Straße 64

56276 Großmaischeid

Telefon 02689 92710-0

Fax 02689 92710-199

info@hotel-tannenhof.info

www.hotel-tannenhof.info


stilum GmbH

Gewerbegebiet Larsheck · 56271 Kleinmaischeid

Tel. 02689 92790-0 · Fax 02689 92790-29

www.stilum.de · info@stilum.de

Wir sehen uns !

Auf der FSB in Köln

Besuchen Sie uns auf der FSB in Köln und überzeugen Sie sich von unseren

fantastischen Spielräumen! Sie finden uns in Halle 3.2, Stand C51/B50

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