STATISTIK und POLITIK - AHS-Gewerkschaft

goed.ahs.at

STATISTIK und POLITIK - AHS-Gewerkschaft

gymnasium

STATISTIK und

POLITIK

Was Studien über die Qualität des

Bildungswesens aussagen

Die Zeitschrift der

AHS-Gewerkschaft

62. jahrgang

märz/april 2013 nr. 2

Gewerkschaft

Öffentlicher Dienst

Fotos: Lilya / Sergey Nivens - Fotolia.com


zugespitzt

inhalt

top thema

4

24?

Die Endlosdiskussion über ein neues Lehrer-Dienst- und

Besoldungsrecht dauert zwar noch keine 24 Jahre; dennoch

hat man manchmal diesen Eindruck. Nun scheint

aber die Regierung wild entschlossen, dieses Problem

noch vor den Wahlen zu lösen. Seit Langem fordert ja

die Gewerkschaft, die Anfangsgehälter anzuheben und

dafür die Gehaltskurve abzuflachen, und das unter Beibehaltung

der Lebensverdienstsumme. Letzteres vermisst

man jedoch im ersten Regierungsangebot. Im Gegenteil!

Da versucht der Dienstgeber, die in Aussicht gestellte

Anhebung der Anfangsbezüge mit einer erhöhten

Lehrverpflichtung zu koppeln. Dabei geistert die Zahl 24

herum. Bessere Arbeitsbedingungen und Entlastungen

werden hingegen nur nebulos angedeutet. Im AHS-

Bereich würde diese Erhöhung allen Lehrerinnen und

Lehrern ein Plus von mindestens einer oder zwei Klassen

bescheren.

Die Ministerin begründet eine Erhöhung der Lehrverpflichtung

mit dem höheren Anfangsbezug. Eine sonderbare

Logik, wenn man die deutliche Reduktion der

Lebensverdienstsumme verschweigt! Die Ex-Bankerin gibt

sich dafür quasi als Philanthropin, wenn sie meint, bei

niedrigeren Endbezügen würden die Lehrerinnen und

Lehrer eben längere Zeit mehr verdienen. („Österreich“,

27. 12. 2012). Offenbar verlieren Menschen, die über

Jahre mit gigantischen Geldsummen jonglierten, jeden

Bezug zur Realität.

Auch die Idee, alle Lehrerinnen und Lehrer gleich zu entlohnen

und schularten- bzw. fachspezifische Unterschiede

über ein Zulagensystem zu berücksichtigen, erscheint

eher als gefährliche Drohung, wenn man bedenkt, dass

z. B. das BIFIE im Rahmen der Standardüberprüfung in

Deutsch für die Korrektur pro Schülertext einen Betrag

von € 5,-- vorsieht. Das soll leistungsgerecht sein? Die

Verantwortlichen haben sichtlich keine Ahnung vom

Zeitaufwand für sorgfältige Korrekturen.

Will man junge Menschen so für den Beruf gewinnen?

Aber vielleicht wird ein PR-Berater der Ministerin noch

empfehlen, die Arbeitszeiterhöhung als großzügige

Geste zu präsentieren, da die 24 Stunden ja bloß pro

Woche und nicht pro Tag gelten sollen.

MP

top thema

statistik und politik

Von Mag. Michael Zahradnik

gut zu wissen

Die wichtigsten Neuerungen

für 2013

Von Mag. Dr. Eckehard Quin

Werbungskosten (teil 2)

Von Mag. Herbert Weiß

im focus

Der leistungsstand

unserer 10-jährigen

Von Mag. Gerhard Riegler

Chancengleichheit?

Von Mag. Wolfgang

Schüpany

facts statt fakes

Von Mag. Gerhard Riegler

menschen

Auszeichnungen und

ernennungen

Neues Mitglied der Bundesleitung

service

aktuelle seite

„Schwach ausgeprägte

Kompetenz"

Von Mag. Dr. Eckehard Quin

nachgeschlagen

Redaktionsschluss

Redaktionsschluss für die

Nr. 3/2013: 5. April 2013

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Beiträge bitte per E-Mail an

office.ahs@goed.at


Foto: Photok.dk - Fotolia.com

Sehr geehrte Frau Kollegin! Sehr geehrter Herr Kollege!

Am 11. Dezember 2012 wurden gleich drei Studien präsentiert: die Ergebnisse der Standardtestungen

in Mathematik auf der achten Schulstufe, TIMSS und PIRLS. Allein die letzten

zwei umfassen zusammen rund 1.400 Seiten.

Die Reaktionen darauf waren vorhersehbar und hatten – ebenso vorhersehbar – allerhand

Skurriles zu bieten. So schlug etwa BZÖ-Chef Josef Bucher als Sofortmaßnahme eine Kürzung

der Bildungsausgaben um rund 60 % vor. Ich wende mich aber lieber ernsthafteren

Betrachtungen zu und möchte einige beachtenswerte Punkte aus TIMMS und PIRLS herausgreifen:

• Aus meiner Sicht nahezu banal, von der Politik aber ständig ignoriert: „Successful

schools tend to be well-resourced.“

• In Österreich besuchen nur 33 % der SchülerInnen eine Schule, in der bei zumindest

90 % der MitschülerInnen die Erstsprache die Unterrichtssprache ist. Im internationalen

Schnitt sind es rund 70 %, in Finnland sogar 85 %.

• In kaum einem anderen Staat haben LehrerInnen mit so großen disziplinären Problemen

zu kämpfen wie in Österreich.

• Finnlands Vorsprung entsteht ausschließlich im ersten Lebensjahrzehnt und nimmt während

der Sekundarstufe I ab. Dasselbe gilt auch für das traditionsreiche Gesamtschulland

England und für das von einem Böcke schießenden Landeshauptmann so heiß

geliebte Italien. Wer die Leistung der finnischen SchülerInnen auf die Gesamtschule der

10- bis 14-Jährigen zurückführt, ist ahnungslos oder sagt bewusst die Unwahrheit.

• Leistungsorientierung, hinter der alle Schulpartner stehen und die von allen getragen

wird, führt zum Erfolg.

Die genannten Fakten sind für Personen, die internationale Studien verfolgen, nicht grundsätzlich

neu. Viele PolitikerInnen und „ExpertInnen“ weigern sich aber, sie zur Kenntnis zu

nehmen und daraus sinnvolle Handlungen abzuleiten.

Dr. Günter Schmid, Gründer und langjähriger Leiter des Sir-Karl-Popper-Gymnasiums in

Wien, forderte als Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt, endlich „den

Reset-Button in der Bildungspolitik“ zu drücken und dort den Hebel anzusetzen, wo längst

„nicht nur mehr bloß der Schuh drückt, sondern der Hut brennt“. Und der Fachdidaktiker

Werner Peschek, dessen Institut an der Entwicklung der Test-Items für die Standardtestungen

mitgearbeitet hat, meinte in einem Interview: „Insbesondere ist zu fragen, ob der

immense (finanzielle) Aufwand für die Testung von 80.000 Schülern gerechtfertigt ist oder

ob man das Geld nicht für andere Maßnahmen wie Schul- und Unterrichtsentwicklung,

Lehrer/innenweiterbildung oder Schulausstattung sinnvoller hätte einsetzen können.“ Oder

volkstümlicher ausgedrückt: Vom Wiegen allein wird die Sau nicht fett!

Mag. Dr. Eckehard Quin,

Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft

editorial

Die Redaktion

wünscht

frohe Ostern!

impressum

gymnasium. Zeitschrift der AHS-Gewerkschaft in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. He raus ge ber: Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Fritz

Neugebauer. Medieninhaber: Die GÖD Wirtschaftsbetriebe Ges. m. b. H., A-1010 Wien, Teinfaltstraße 7. Chefredaktion und für den Inhalt

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sowie der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen der zum Abdruck gelangenden Beiträge sowie ihre Verwendung

für andere Ausgaben vor.

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Mag. Michael Zahradnik,

stv. Vorsitzender der

AHS-Gewerkschaft

michael.zahradnik@goed.at

STATISTIK und POLITIK

Ende 2012 wurden eine Menge Studien zum Bildungswesen

veröffentlicht. Was solche Studien über die Qualität eines

Bildungswesens aussagen können, welche Schlüsse man

aus den Ergebnissen ziehen und welche Fehlschlüsse man

lieber bleiben lassen sollte – damit setzt sich

dieser Artikel auseinander.

1 OECD. Education at a glance.

Hier zit. nach: oesterreich.orf.at/stories/2546008/;

13.1.2013

4 gymnasium


Bildungsstudien überschwemmen uns. In den letzten

Monaten wurden etwa die Ergebnisse der ersten Bildungsstandardtestungen

in Mathematik (BIST), die flächendeckend

die Mathe-Kompetenzen von Österreichs

SchülerInnen der 8. Schulstufe messen, veröffentlicht.

Dazu gab es die internationalen Studien

PIRLS und TIMMS (messen die Naturwissenschaften/

Mathematikkentnisse bzw. das Lesekönnen der Zehnjährigen).

Jährlich erfreut uns auch die OECD mit ihrer

Bildungsstudie „Education at a glance“. Und kürzlich

lieferte uns auch der „Nationale Bildungsbericht“ interessante

Zahlen.

In Schlagzeilen zusammengefasst, werden meist folgende

Befunde (v)ermittelt:

• Österreich gibt relativ viel Geld für sein Schulwesen

aus.

• Die Leistungen der SchülerInnen sind aber eher

durchschnittlich.

• Bildung vererbt sich in Österreich stark.

• SchülerInnen mit Migrationshintergrund gehören zu

den Bildungsverlierern.

Ich möchte diese Grob-Ergebnisse nicht in Zweifel ziehen.

An jeder dieser Aussagen ist etwas dran. Ähnliche

Befunde erhalten wir in den letzten 15 Jahren immer

wieder. (Diese inzwischen „historischen Aussagen“ können

auch entlastend empfunden werden: Denn es

ist unserem Land dennoch in diesen Zeiten gelungen,

eines der reichsten EU-Länder zu werden und zu bleiben.

Wobei etwa mich Ergebnisse wie „Das Kind eines

Hacklers bleibt halt ein Hackler. Aber bei uns hat es

wenigstens einen Arbeitsplatz“ nicht wirklich zufrieden

stellen können.)

Interessant sind aber vor allem zwei Fragen: Warum

ist das so, wie es ist? Und wie lassen sich Schwächen

verbessern?

KOSTEN des Schulsystems

Laut Nationalem Bildungsbericht gibt Österreich pro

Schüler oder Student rund 9000 Euro aus. (Ob das

genau so stimmt, lässt sich in diesem Mischmasch eher

schwer überprüfen, wird aber hier einmal geglaubt.) Ein

naheliegender und von manchen Medien gern nahegelegter

Schluss wäre nun: Die LehrerInnen verdienen

in Österreich zu viel.

Dem widerspricht allerdings wieder die OECD – zumindest

im Vergleich mit anderen akademischen Berufen:

„Pädagogen werden in Österreich deutlich schlechter

bezahlt als in anderen Bereichen tätige Akademiker

(...). So verdienen Lehrer in Österreich nach 15 Jahren

Berufserfahrung nur zwischen 58 und 65 Prozent des

Gehalts anderer Akademiker. (....) In der Sekundarstufe

I, wo an der Hauptschule Lehrer mit PH-Abschluss und

an der AHS-Unterstufe Pädagogen mit Uni-Abschluss

arbeiten, liegt das Einkommen bei 63 Prozent von

jenem anderer Akademiker. Die an den Unis ausgebildeten

Lehrer für AHS und berufsbildende mittlere und

höhere Schulen (BMHS) erhalten nach 15 Dienstjahren

65 Prozent vom durchschnittlichen Gehalt anderer

Akademiker.“ 1

Meines Erachtens stimmt beides: Derzeit sind die Bildungskosten

in Österreich vergleichsweise eher hoch.

Und dennoch verdient man als Akademiker in Nicht-

Lehrer-Berufen vor allem in jungen Jahren deutlich

besser. Das hat mit dem Senioritätsprinzip unserer Besoldung

zu tun. In Ehren ergraute PädagogInnen verdienen

bei uns das Zweieinhalbfache einer Junglehrkraft.

In keinem anderen Land ist diese Spanne so groß. Und

das wird verstärkt durch 2 Fakten der österreichischen

Zeitgeschichte: 1) mit der Bildungsexplosion der Kreisky-

Jahre und 2) mit den Pensionsreformen um die Jahrtausendwende.

Erstere bescherte Österreich mehr als

jede zweite höhere Schule – und dafür brauchte man

damals viele junge LehrerInnen – zum Beispiel auch

mich. Dieser demographische „Lehrerbauch“ jener, die

in den späten 70er und frühen 80er Jahren als billige

JunglehrerInnen ins System eingestiegen sind, wölbt sich

derzeit in den höheren und höchsten Gehaltsstufen.

Sprich: Derzeit haben wir sehr viele alte und deshalb

teure LehrerInnen im System. Und das deutlich länger

als früher, denn die Pensionsreformen der letzten

15 Jahre halten die teureren PädagogInnen länger im

Aktivstand. Und man könnte sie auch gar nicht wegschicken,

weil man schon jetzt zu wenige Lehrkräfte hat.

Zusätzlich verteuern 2 Faktoren das österreichische

Schulwesen: Wir haben durch die Teilung in Bundesund

Landeslehrer teure Parallelstrukturen in der Verwaltung.

Und wir haben im Pflichtschulbereich sehr

kleinteilige Strukturen: Jeder zweite Schulstandort hat

höchstens 4 Klassen. Davon die Hälfte nicht einmal

4 Klassen. Das ist teuer.

QUALITÄT der Ausbildung

Grundsätzlich: Die Qualität kann, soll und muss gesteigert

werden. Und zwar permanent. Die Welt wird

komplizierter, wir Lehrkräfte müssen unsere SchülerInnen

morgen noch besser darauf vorbereiten, als wir das

gestern taten.

Aber es muss uns AHS-LehrerInnen auch erlaubt sein,

darauf hinzuweisen, dass wir jedenfalls deutlich besser

sind, als man glauben könnte, wenn man Zeitungen

liest. Da könnte man nämlich den Eindruck bekommen,

WIR wären das Problem.

Dass wir das nicht sind, zeigen z. B. die Ergebnisse der

neuen Standardtests in Mathematik. Ich nehme diese

Studie heran, denn sie ist erstens brandneu, zweitens

nahezu flächendeckend und drittens werden die

Ergebnisse der PISA-Studien nach den ersten beiden

Testungen, die auch die AHS als beste Ergebnisbringerin

auswies, nicht mehr nach Schularten getrennt veröffentlicht.

Die GymnasiastInnen der 4. Klassen erreichten

5


Grafik 1 Grafik 2

top thema

bei BIST im Österreich-Schnitt 600 Punkte. Das sind um

fast 20 % mehr als die gleichaltrigen PflichtschülerInnen

(504). Das ist nun sicher kein Grund, verächtlich auf

die KollegInnen von der Hauptschule zu blicken. Die

müssen ja zum Beispiel auch jene Kids unterrichten, die

es zu uns oder bei uns nicht schaffen. Die können nur

einen verschwindenden Teil selber an Sonderschulen

abgeben. Die APS-KollegInnen leisten unter schwierigen

Bedingungen schwere Arbeit.

Aber in aller Unbescheidenheit: Aus diesen Zahlen lässt

sich nun gar nicht herauslesen, dass WIR das Problem

darstellen. Wenn die Standards übererfüllt werden,

dann fast nur in unserem Bereich. Wenn sie nicht erfüllt

werden, dann fast nicht in unserem Bereich. Wenn

etwa eine gemeinsame Schule nach dem Best-practice-Modell

gestaltet werden sollte, dann müsste eine

solche wohl wie ein Gym aussehen. Am ehesten wie ein

oberösterreichisches Gym – aber auch die Wiener AHS

bräuchte sich nicht zu verstecken (siehe nächste Seite).

Falsche Schlüsse

Es ließen sich aus BIST auch falsche Schlüsse ziehen. Das

Wiener AHS-Ergebnis weist etwa mit 583 Punkten einen

geringen Rückstand hinter den Gymnasien der meisten

anderen Bundesländer auf, liegt auch deutlich hinter

Spitzenreiter Oberösterreich zurück. Nun hat aber Wien

eine Besonderheit: Hier werden 54 % der Unterstufenkinder

in der AHS beschult, mehr als doppelt so viele wie in

den meisten anderen Ländern.

Jetzt könnte man daraus den Fehlschluss ziehen: Je

mehr Kinder in einer AHS unterrichtet werden, desto

schlechter das Ergebnis. Zwei Argumente dagegen:

Ich finde es bemerkenswert, dass es Wien (oder den

Wiener AHS) gelingt, deutlich mehr als die Hälfte der

SchülerInnen auf einen Wert von 583 Punkten zu bringen

(Es macht schließlich einen Unterschied, ob man

die besten 15 % bewertet oder die besten 55 %.). Und

würde man beispielsweise die 20 % schwächeren

Schüler aus den AHS-Ergebnissen weg- und den HS-/

NMS-Ergebnissen dazurechnen, dann würden sich die

Wiener Zahlen noch deutlich verbessern. Und zwar in

beiden Segmenten! Ohne dass sich an den Leistungen

der SchülerInnen aber auch nur irgend etwas geändert

hätte. Das sind halt die Tücken der Statistik.

Laut BIFIE-Statistik sitzen in der AHS 27.986 Kinder in 1.176

Klassen. In den APS sitzen 53.373 Kinder in 2.898 Klassen.

Man könnte daraus den falschen Schluss ziehen: Je

höher die Klassenschülerzahl, desto besser die Ergebnisse.

Denn jene Gymnasialkinder, von denen im Schnitt

23,79 in einer Klasse sitzen, erzielen bessere Ergebnisse

als die PflichtschülerInnen mit nur 20,31 Kinder pro Klasse.

Dass hier kein kausaler Zusammenhang besteht, ist

offensichtlich. Wer dazu (je nach Setting in den Ergebnissen

durchaus divergierende) Studien braucht, erhält

bei Herbert Altrichter/Sonja Somerauer. Klassenschülerzahl,

Schülerleistungen und Unterrichtsqualität (Erziehung

und Unterricht. Oktober 7-8, 2007) einen guten

Überblick über die Forschungslage. Grob lässt sich diese

aber wohl am ehesten so zusammenfassen: Bei über 30

SchülerInnen verschlechtert sich die Lernqualität, bei

unter 20 verbessert sich diese.

Migration und Integration

Migration ist ein wichtiger Faktor in der Schule. Das kann

man mögen oder nicht, es ist aber so. Im Österreich-

Schnitt schlägt der Migrationshintergrund bei BIST mit

einem Minus von 67 Punkten zu Buche. In der APS mit

minus 68 Punkten, in der AHS mit minus 42 Punkten. (Es

gibt aber auch gegenläufige Teilaspekte: So gehen

SchülerInnen, die Polnisch, Tschechisch, Slowakisch

oder Ungarisch als Umgangssprache sprechen, prozentuell

gesehen öfter ins Gymnasium als deutschsprachige.

Umgekehrt ist es bei türkischsprachigen Kindern.)

Vor allem Jugendliche mit türkischer Umgangssprache

fallen auch häufig früh aus dem Bildungssystem:

17,6 % von ihnen sind nach Abschluss der Schulpflicht

nicht mehr im System. Und werden damit in Zukunft

große Probleme haben und wahrscheinlich machen.

Das heißt, es geht nicht primär um den Faktor Migration,

sondern vor allem auch um den sozialen Status.

Hier zeichnen sich halt manche Bevölkerungsgruppen

als besonders arm, besonders schulfern, besonders

sprachschwach aus. Dafür können aber die Kinder am

allerwenigsten.

6


In den letzten rund 20 Jahren gab es eine starke Zuwanderung.

Diese war begründet mit einer starken Nachfrage

nach Arbeitskräften im Billiglohnsektor – und dem

Bürgerkrieg in Jugoslawien. Diese Zuwanderung wurde

je nach ideologischem Hintergrund als gut, belastend

oder unausweichlich empfunden, fand aber jedenfalls

statt. Heute haben mehr als 40 % der Wiener Volksschulkinder

einen Migrationshintergrund. Über 207.000

mehrsprachig aufgewachsene Kinder gehen derzeit in

unsere Schulen.

Auf diese Zuwanderung wurde auf 2 Arten reagiert. Der

deutschtümelnde Reinrassler meinte, wenn man die

Fremden alle heimschickte, dann wäre alles besser. Das

ist nicht nur menschenverachtend, sondern angesichts

der Zahlen schlicht dumm und unmöglich.

Dagegen erklärte der rotgrüne Gutmensch meist

pathetisch, man habe die Fremden eh lieb, die wären

auch kein Problem, ja sie dürfen geradezu keines sein.

Dadurch wurde von dieser Seite her aber verschwiegen,

dass die Zuwandererkinder Probleme hatten. Und

die LehrerInnen hat man mit den neuen Schwierigkeiten

einfach allein gelassen. Guter Rat, aber keine

Ressourcen, das war die längste Zeit die österreichische

„Integrations-Politik“ für die Schulen. Denn im Gegenzug

zum Anwachsen der Zuwandererkinder seit den

1990ern wurde das Geld in den Schulen immer weniger.

Ein Sparpaket jagte das andere, Unterrichtsstunden

wurden gekürzt, Deutschstunden wurden weniger.

Nachmittagsbetreuung kostete nun. Man frustrierte die

Lehrer durch Gehaltseinbußen, man verringerte das

Angebot für die Kinder. Einsparen war das wichtigste

Credo der Bildungspolitik. (Mit Ausnahme der Senkung

der Klassenschülerhöchstzahlen, soviel Fairness muss

auch sein.) Aber das reichte halt bei weitem nicht.

Oder wie die „Salzburger Nachrichten“ zu den mangelnden

Integrationserfolgen meinten: „Daran ist nicht

nur die FPÖ schuld, sondern auch die Bundesregierung

inklusive Schmied. Sie haben das Problem der Migrantenkinder,

ihre miesen Deutschkenntnisse und Schulnoten

nicht einmal ansatzweise gelöst.“ 2

Am menschlichsten und am einfachsten löst man die

sprachlichen Schwierigkeiten im dritten Lebensjahr. Hier

eignen sich die Kids im Kindergarten die Sprache mit

etwas Hilfe im Rekordtempo an. Etliche Kindergartenpädagoginnen

haben mir das bestätigt: „Kriege ich

sie in der Krippe, mit 2, 3 Jahren, dann geht das fast

von selbst in einem halben Jahr. Bei den Fünfjährigen

kämpfen wir schon mehr.“ Das heißt, wenn man wirklich

das Problem lösen und den Kindern echte Chancengleichheit

einräumen will, dann müsste man alle zur Verfügung

stehenden Ressourcen hier einsetzen. Hier lässt

sich das Defizit an der Wurzel bekämpfen, schonend

für die Kinder, nachhaltig, spielerisch. Damit wären

auch die Diskussionen um „Deutsch-Vorschuljahr“ versus

„Keine Gettoklassen“ obsolet. Und die Frage einer

gemeinsamen Schule auf der Sekundarschule 1 verlöre

wahrscheinlich viel von ihrem Schrecken. Vor allem,

Grafik 3

wenn man natürlich auch die Kevin Prohaskas, also

die auch nicht gerade schulaffinen Aborigines-Kids

aus Simmering oder Donaustadt, bei Bedarf im Kindergarten

nachsozialisieren könnte. Ja, das kostet Geld.

Aber es zahlt sich aus. Es wäre echt christlich. Und echt

sozialdemokratisch.

TIMMS/PIRLS

Beide Studien besagen: Rund 20 % der Absolventen der

Volksschulen erreichen die zu erwartenden Leis tungen

nicht. Auch hier ergibt sich ein großer Überschneidungsbereich

mit dem Migrationsnachwuchs. Daher

scheinen mir auch hier dieselben Gründe vorzuliegen

und dieselben Rettungsmaßnahmen sinnvoll.

Der so beliebte Hinweis, die frühe Trennung in der

Sekundarstufe 2 wäre der Grund für die schlechten

Leistungen, der greift hier voll ins Leere: Die hier getesteten

Kinder besuchten alle eine gemeinsame Schule,

die Volksschule. Trotzdem haben wir fast auf die Kommastelle

genau dieselbe Problemkohorte wie 4 Jahre

später. Das Problem entsteht früher. Und sollte wenn

irgend möglich noch früher beigelegt werden.

P. S.: Mir sind „Migro-Kids“ ein ganz großes Anliegen. Ich

mag sie sehr. Ich unterrichte an einer Wiener Schule,

an der rund 80 % der SchülerInnen einen Migrationshintergrund

haben. Aber davon haben nur wenige (vor

allem späte Quereinsteiger) ein schulisches Problem

deswegen. Für unsere Migro-Maturanten mussten und

müssen wir uns nicht genieren. Ich erinnere mich mit

Stolz und Freude an Ini, Dejan, Eylim und die vielen

anderen tollen AbsolventInnen. Und ich weiß, vielen

von euch geht es genau so. Denn heute besuchen

rund 30.000 Kinder mit Migrationshintergrund die AHS.

Mit großteils achtungsgebietenden Ergebnissen. Aber

ich hätte halt gerne ein bisschen Hilfe seitens der Politik.

In den letzten 20 Jahren haben wir oft den Schwarzen

Peter zugewiesen bekommen. Selten die benötigten

Ressourcen und Rahmenbedingungen.

n

2 Salzburger Nachrichten, 15. Jänner 2013 Glosse: par.

„Selbst schuld am Ausländerwahlkampf“

top thema

7


gut zu wissen

Mag. Dr. Eckehard Quin,

Vorsitzender der

AHS-Gewerkschaft

eckehard.quin@goed.at

Die wichtigsten

Neuerungen für 2013

Die Gewerkschaft konnte eine Reihe von Verbesserungen durchsetzen.

„Papamonat“

Einem öffentlich Bediensteten ist auf sein Ansuchen

für den Zeitraum von der Geburt seines Kindes bis

längstens zum Ende des Beschäftigungsverbotes der

Mutter ein Urlaub unter Entfall der Bezüge (Karenzurlaub)

im Ausmaß von bis zu vier Wochen zu gewähren,

wenn er mit dem Kind und der Mutter im gemeinsamen

Haushalt lebt.

Der Bedienstete hat Beginn und Dauer des Karenzurlaubes

spätestens eine Woche vor dem voraussichtlichen

Geburtstermin bekanntzugeben und in

weiterer Folge die anspruchsbegründenden sowie

die anspruchsbeendenden Umstände darzulegen.

Die Zeit des Karenzurlaubes ist in dienst-, besoldungsund

pensionsrechtlicher Hinsicht wie eine Karenz nach

dem VKG zu behandeln.

Pflegefreistellung

Ab sofort haben öffentlich Bedienstete auch

Anspruch auf Pflegefreistellung für eigene Kinder,

wenn diese nicht im gemeinsamen Haushalt leben.

Der Anspruch auf Pflegefreistellung wird außerdem

auf die Begleitung von Kindern während eines stationären

Aufenthalts derselben in einer Heil- und

Pflegeanstalt ausgedehnt, sofern das Kind das zehnte

Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Teilzeitbeschäftigung für Personen

in Leitungsfunktionen

Ab 1. September 2013 ist es auch Personen in Leitungsfunktionen

gestattet, die Lehrverpflichtung

wegen der Betreuung eines Kindes (§ 50b BDG) zu

reduzieren. Wird für einen Leiter 1 , einen Abteilungsvorstand,

einen Fachvorstand oder einen Erziehungsleiter

die Lehrverpflichtung herabgesetzt, ist

eine geeignete Lehrperson mit der (dem Ausmaß

der Herabsetzung entsprechenden) Vertretung des

Inhabers der Leitungsfunktion zu betrauen.

Einer mit Leitungsaufgaben teilbetrauten Lehrperson

gebührt für die Dauer dieser Teilbetrauung eine

Vergütung. Diese ist nach den Bestimmungen über

die Dienstzulage nach § 57 GehG (Direktorenzulage

etc.) und dem Ausmaß der Teilbetrauung zu

bemessen.

Fahrtkostenzuschuss

Dem Bediensteten, der durch Erklärung beim Arbeitgeber

ein Pendlerpauschale 2 in Anspruch nimmt,

gebührt ab dem Tag der Abgabe dieser Erklärung

bei seiner Dienstbehörde ein Fahrtkostenzuschuss. Der

Fahrtkostenzuschuss beträgt seit 1. Jänner 2013 für

jeden vollen Kalendermonat (in EUR):

8 gymnasium


gut zu wissen

Foto: Yuri Arcurs – Fotolia.com

einfache Fahrtstrecke

über

„kleine“ Pendlerpauschale

Anspruch auf das

„große“ Pendlerpauschale

2 km - 10,14

20 km 18,63 40,23

40 km 36,84 70,02

60 km 55,08 100,00

Anrechnung von künstlerischen

Universitätsstudien als Vordienstzeiten

Lehrpersonen für Bildnerische Erziehung, Technisches

Werken und Textiles Werken sowie für verwandte

Unterrichtsgegenstände an mittleren und höheren

Schulen erfüllen die Erfordernisse für die Einreihung in

L 2a 2 (l 2a 2) durch die erfolgreiche Ablegung der

Reifeprüfung (Reife- und Diplomprüfung) und den

Erwerb eines Diplom- oder Mastergrades nach einem

einschlägigen künstlerischen Universitätsstudium. In

der Vergangenheit gab es Meinungsverschiedenheiten

zwischen der Gewerkschaft und dem Dienstgeber

über die Anrechnung der Studienzeiten für die Vorrückung.

Nun wird gesetzlich ausdrücklich sichergestellt,

dass die vorgeschriebene Mindeststudiendauer

eines künstlerischen Studiums bei der Ermittlung des

Vorrückungsstichtages zu berücksichtigen ist.

Abgeltungen im Zusammenhang mit der

neuen Reifeprüfung

Alle hier genannten Vergütungen treten mit der flächendeckenden

Einführung der neuen Reifeprüfung

in Kraft. Sie gelten auch, wenn das „Gesamtpaket“

durch Beschluss des SGA um ein Jahr vorverlegt wird,

was bis zur Drucklegung dieser Zeitung nur in einer

einzigen Schule geschehen ist. Prüfungstaxen, die im

Folgenden nicht erwähnt werden, unterliegen keiner

Veränderung.

Wenn im Rahmen von Schulversuchen nur Teile der

neuen Reifeprüfung erprobt werden, gelten die bisherigen

Bestimmungen – es gebührt also z. B. keinerlei

Abgeltung für den Schulversuch Vorwissenschaftliche

Arbeit (VWA), es gelten die derzeitigen Prüfungstaxen

für die schriftliche Matura auch beim Schulversuch zur

Zentralmatura etc.

VWA: Der Lehrperson gebührt für die kontinuierliche

Betreuung der VWA im Verlauf der letzten Schulstufe

je betreuter Arbeit eine Abgeltung in Höhe von 9,82

Prozent des Gehalts der Dienstklasse V Gehaltsstufe 2.

(Derzeit wären das 229,95 €.) Dabei ist der Gehaltsan-

1 Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen

männlichen und weiblichen Geschlechts.

2 Zum Pendlerpauschale siehe den Artikel „Fahrtkostenzuschuss und Pendlerpauschale“

von Mag. Herbert Weiß in der Ausgabe Nr. 6/2012.

9


satz der Dienstklasse V Gehaltsstufe 2 für September

des Jahres zugrunde zu legen, in dem das Schuljahr

beginnt, in dessen Verlauf die Betreuung stattfindet.

Die Abgeltung für die Betreuung der VWA gebührt

im Fall des Betreuungswechsels aliquot der zunächst

betreuenden und der die Betreuung fortsetzenden

Lehrperson in Abhängigkeit vom jeweiligen Zeitraum

ihrer aufrechten Bestellung zum Betreuer (Bestellungszeitraum)

in der Betreuungsphase. Als Betreuungsphase

gelten die Kalendermonate September bis April des

Schuljahres, in dessen Verlauf die Betreuung stattzufinden

hat. Für jeden vom Bestellungszeitraum erfassten

Kalendermonat in der Betreuungsphase gebührt

je ein Achtel der Abgeltung. Im Falle des Wechsels

während eines Monats gebührt der auf diesen Monat

entfallende Betrag den beiden Lehrpersonen anteilig

entsprechend der jeweiligen Betreuungsdauer.

Für die Korrektur der VWA einschließlich Präsentation

und Diskussion gebührte derzeit eine Prüfungstaxe in

der Höhe von 31,4 €. Auch bei diesem Betrag erfolgt

eine automatische Valorisierung.

Vorbereitung auf die mündliche Reifeprüfung: Der Lehrperson,

die mit der Abhaltung von Unterrichtseinheiten

im Rahmen von Arbeitsgruppen zur Vorbereitung auf

die mündliche Reifeprüfung betraut ist, gebührt für

jede gehaltene Unterrichtseinheit eine Abgeltung in

Höhe von 2,5 Prozent des Gehalts der Dienstklasse V

Gehaltsstufe 2. (Derzeit wären das 58,54 €.)

Arbeitsgruppen dürfen pro Prüfungsgebiet der mündlichen

Reifeprüfung zum jeweiligen Haupttermin in der

Anzahl gebildet werden, die dem Ergebnis der Teilung

der Gesamtzahl der im Prüfungsgebiet zu betreuenden

Prüfungskandidaten durch 20, gegebenenfalls

aufgerundet auf die nächste ganze Zahl, entspricht.

Die Arbeitsgruppen dürfen im Umfang von bis zu vier

Unterrichtseinheiten geführt werden.

Prüfungstaxen: Für eine zentrale schriftliche Prüfung,

eine Kompensationsprüfung und eine mündliche Teilprüfung

wird jeweils 11,3 € bezahlt. Dieser Betrag entspricht

der derzeitigen Abgeltung für die mündliche

Teilprüfung.

Das mit der neuen Reifeprüfung zusätzlich geschaffene

Kommissionsmitglied, der fachkundige Beisitzer bei

Prüfungsgebieten der mündlichen Prüfung sowie bei

Kompensationsprüfungen, erhält 5,8 € Prüfungstaxe.

Auch die oben genannten Prüfungstaxen werden

automatisch valorisiert.

Verbesserung der Entgeltfortzahlung im

Krankheitsfall

Nach der bisherigen Rechtslage hatten Vertragsbedienstete

keinen Anspruch auf Fortzahlung des

Monatsentgelts, wenn sie früher als 14 Tage nach

Dienstantritt durch Krankheit an der Dienstleistung

verhindert sind. Die Fortzahlung im Falle einer Dienstverhinderung

durch andere wichtige, die Person

betreffende Gründe setzte eine mindestens einmonatige

Dienstleistung voraus.

Diese Wartefristen entfallen nun zur Gänze. Voraussetzung

für den Anspruch auf Entgeltfortzahlung bleibt

jedoch wie bei der Dienstverhinderung durch Unfall,

dass der Dienst angetreten wurde.

Klarstellung im Mutterschutzund

Väterkarenzgesetz betreffend

Vertragslehrer

Beamte, deren Wochendienstzeit nach MSchG oder

VKG herabgesetzt ist, dürfen über die für sie maßgebende

Wochendienstzeit hinaus zur Dienstleistung nur

herangezogen werden, wenn die Dienstleistung zur

Vermeidung eines Schadens unverzüglich notwendig

ist und ein Bediensteter, dessen Wochendienstzeit

nicht herabgesetzt ist, nicht zur Verfügung steht. Diese

Bestimmung ist auf Lehrer nicht anzuwenden, deren

Lehrverpflichtung um höchstens 25 % herabgesetzt ist.

Diese Regelungen werden nun explizit auch auf Vertragsbedienstete

ausgeweitet, womit klargestellt ist,

dass auch Vertragsbedienstete bei Inanspruchnahme

von Elternteilzeit nicht zu Mehrdienstleistungen herangezogen

werden dürfen.

Mitwirkungsrecht der

Personalvertretung im Rahmen des

„Qualitätsmanagements“

Im heurigen Schuljahr können Schulen freiwillig am

„Qualitätsmanagement“ gem. § 18 Bundes-Schulaufsichtsgesetz

teilnehmen. Ab 1. September 2013 ist es

an allen Schulen umzusetzen.

Im Rahmen des Qualitätsmanagements sind auf allen

Ebenen der Schulverwaltung u. a. periodisch Entwicklungspläne

zu erstellen und Zielvereinbarungen zu

treffen.

Seit 29. Dezember 2012 spricht § 9 Abs. 1 lit. p PVG

dem jeweils zuständigen Personalvertretungsorgan

(PVO) ein Mitwirkungsrecht bei Entwicklungsplänen

und Zielvereinbarungen gemäß § 18 Bundes-Schulaufsichtsgesetz

zu.

Aus dem Mitwirkungsrecht des zuständigen PVO, in

der Regel des Dienststellenausschusses (DA), ergibt

sich aber auch eine Mitwirkungspflicht. Der DA ist spätestens

zwei Wochen vor der geplanten Durchführung

der Maßnahme nachweislich davon in Kenntnis zu setzen.

Wenn der DA gem. § 10 PVG dagegen Einspruch

erhebt, hat der Dienststellenleiter mit dem Ziel einer

Verständigung eingehend mit dem DA zu verhandeln.

Kommt keine Verständigung über die Entwicklungspläne

und Zielvereinbarungen zustande, haben, wenn es

der DA fordert, die darin vorgesehenen Maßnahmen

so lange zu unterbleiben, bis über die Angelegenheit

endgültig entschieden ist.

n

10 gymnasium


gut zu wissen

Mag. Herbert WeiSS,

Vorsitzender-Stellvertreter

und Besoldungsreferent

herbert.weiss@goed.at

Werbungskosten

Teil 2: Arbeitskleidung –

Doppelte Haushaltsführung

In diesem Teil der Serie möchte ich einige Aufwendungen nennen, von denen man gemeinhin

annimmt, dass sie Werbungskosten darstellen, was leider nicht immer der Fall ist.

Foto: Bernd Leitner – Fotolia.com

ARBEITSKLEIDUNG:

Es können nur die Kosten für typische Berufs- oder

Arbeitsschutzkleidung geltend gemacht werden

(z. B. Arbeitsmäntel). Kosten für Kleidung, die üblicherweise

auch privat getragen wird (z. B. Sportkleidung,

Turnschuhe), können nicht abgeschrieben werden.

Die Reinigungskosten für die steuerlich anerkannte

Arbeitskleidung können nur bei außergewöhnlicher

beruflicher Verschmutzung abgesetzt werden, wenn

dafür die Rechnung einer Reinigungsfirma vorliegt.

ARBEITSMITTEL UND WERKZEUGE:

Darunter fallen Wirtschaftsgüter, die überwiegend zur

Ausübung einer Berufstätigkeit verwendet werden.

Dazu gehören Arbeitsmaterialien (natürlich nur in

einem glaubwürdigen Rahmen) wie Papier, Kugelschreiber,

Disketten, CD-Rohlinge oder Videokassetten.

Absetzbar sind weiters Taschenrechner, Musikinstrumente

von Musiklehrern 1 (allerdings meist mit

einer sehr langen Nutzungsdauer versehen – z. B. bei

einem neuen Klavier zum Preis von EUR 7.300,00 mit

mindestens 20 Jahren; Ausgaben für Instrumente,

die als Antiquitäten anzusehen sind, gelten nicht als

Werbungskosten) und Schulsoftware (z. B. Notenprogramme,

Formelschreib- und -zeichenprogramme).

Sportgeräte wie z. B. Schi sind nur dann absetzbar,

wenn sie ausschließlich beruflich verwendet werden.

Das trifft üblicherweise nur bei Berufssportlern zu. Die

Ausschließlichkeit kann unter Umständen aber auch

durch die Verwahrung in der Schule nachgewiesen

werden, was wiederum durch die Direktion bestätigt

werden kann.

1 Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen

weiblichen und männlichen Geschlechts.

11


Computer gehören auch zu dieser Gruppe von Werbungskosten.

Aufwendungen im Zusammenhang mit

der Anschaffung eines Computers einschließlich des

Zubehörs (z. B. CD-Rohlinge, Drucker, Modem, Scanner)

sind Werbungskosten, soweit eine berufliche Verwendung

eindeutig feststeht (kein Aufteilungsverbot).

Bei Computern, die in der Wohnung des Steuerpflichtigen

aufgestellt sind, sind die berufliche Notwendigkeit

und das Ausmaß der beruflichen Nutzung vom Steuerpflichtigen

nachzuweisen oder glaubhaft zu machen.

Eine Aufteilung in einen beruflichen oder privaten

Anteil ist gegebenenfalls nach entsprechenden Feststellungen

im Schätzungsweg vorzunehmen.

Bei dieser Schätzung ist angesichts der breiten Einsatzmöglichkeiten

von Computern ein strenger Maßstab

anzuwenden. Dabei ist unter anderem zu berücksichtigen,

ob das Gerät von in Ausbildung stehenden

Familienangehörigen des Steuerpflichtigen für Ausbildungszwecke

verwendet wird oder inwieweit Internetanschlüsse

verwendet werden, für die keine berufliche

Notwendigkeit besteht. Bei der Schätzung ist das

Parteiengehör zu wahren. Auf Grund der Erfahrungen

des täglichen Lebens ist davon auszugehen, dass

die private Nutzung eines beruflich verwendeten, im

Haushalt des Steuerpflichtigen stationierten Computers

mindestens 40 % beträgt. Wird vom Steuerpflichtigen

eine niedrigere private Nutzung behauptet, ist

dies im Einzelfall konkret nachzuweisen bzw. glaubhaft

zu machen.

Die Aufwendungen für die Anschaffung eines Computers

sind ggf. über die Absetzung für Abnutzung

abzuschreiben, wobei für Anschaffungen ab 1. Jänner

2003 grundsätzlich von einer Nutzungsdauer von

mindestens drei Jahren auszugehen ist. Eine einmal

gewählte Nutzungsdauer kann nicht geändert werden.

PC, Bildschirm und Tastatur stellen eine Einheit dar,

nicht jedoch Maus, Drucker oder Scanner, die als

eigenständige Wirtschaftsgüter anzusetzen sind und

– soweit die Anschaffungskosten EUR 400 nicht übersteigen

– als geringwertige Wirtschaftsgüter sofort

abgeschrieben werden können.

ARBEITSZIMMER:

Die Aufwendungen für ein Arbeitszimmer sind für

Lehrer nicht absetzbar. Abzugsfähige Ausgaben liegen

nämlich nur dann vor, wenn das Arbeitszimmer

nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird und den

Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet.

Nur wenn dieses Arbeitszimmer erforderlich ist UND

fast ausschließlich beruflich genutzt wird UND nicht im

Wohnungsverband liegt (z. B. eigene Mietwohnung),

können die entstehenden Kosten (Miete, Strom etc.)

und die Einrichtung des Arbeitszimmers steuerlich geltend

gemacht werden.

AUS- UND FORTBILDUNGSKOSTEN:

Aufwendungen für Bildungsmaßnahmen sind als Werbungskosten

abzugsfähig, wenn sie Kosten für Fortbildung,

Ausbildung im verwandten Beruf oder Umschulung

darstellen.

Fortbildungskosten dienen dazu, im jeweils ausgeübten

Beruf auf dem Laufenden zu bleiben, um den

jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden. Merk-

12 12 gymnasium


mal beruflicher Fortbildung ist es, dass sie der Verbesserung

der Kenntnisse und Fähigkeiten im bisher

ausgeübten Beruf dient.

Ausbildungskosten sind Aufwendungen zur Erlangung

von Kenntnissen, die eine Berufsausübung ermöglichen.

Die Abzugsfähigkeit von Ausbildungskosten ist

nur dann gegeben, wenn ein Zusammenhang mit der

ausgeübten oder einer damit verwandten Tätigkeit

vorliegt. Maßgebend ist die konkrete Einkunftsquelle

(z. B. konkretes Dienstverhältnis, konkrete betriebliche

Tätigkeit), nicht ein früher erlernter Beruf oder

ein abstraktes Berufsbild oder eine früher ausgeübte

Tätigkeit.

Steht eine Bildungsmaßnahme im Zusammenhang

mit der bereits ausgeübten Tätigkeit, ist eine Unterscheidung

in Fort- oder Ausbildung nicht erforderlich,

weil in beiden Fällen Abzugsfähigkeit gegeben ist.

Aus- und Fortbildungskosten unterscheiden sich von

der Umschulung dadurch, dass sie nicht „umfassend“

sein müssen, somit auch einzelne berufsspezifische

Bildungssegmente als Werbungskosten abzugsfähig

sind. Ob eine Tätigkeit mit der ausgeübten Tätigkeit

verwandt ist, bestimmt sich nach der Verkehrsauffassung

2 . Von einer verwandten Tätigkeit ist auszugehen,

wenn die Tätigkeiten (Berufe) üblicherweise gemeinsam

am Markt angeboten werden (z. B. Friseurin und

Kosmetikerin, Dachdecker und Spengler) oder die

Tätigkeiten im Wesentlichen gleich gelagerte Kenntnisse

oder Fähigkeiten erfordern (z. B. Fleischhauer

und Koch, Elektrotechniker und EDV-Techniker). Eine

wechselseitige Anrechnung von Ausbildungszeiten ist

ein Hinweis für das Vorliegen von verwandten Tätigkeiten.

Von einem Zusammenhang mit der ausgeübten oder

verwandten Tätigkeit ist dann auszugehen, wenn die

durch die Bildungsmaßnahme erworbenen Kenntnisse

in einem wesentlichen Umfang im Rahmen der

ausgeübten (verwandten) Tätigkeit verwertet werden

können. Bei Bildungsmaßnahmen zum Erwerb

grundsätzlicher kaufmännischer oder bürotechnischer

Kenntnisse (z. B. Einstiegskurse für EDV, Erwerb des

europäischen Computerführerscheins, Buchhaltung)

ist stets von einem Zusammenhang mit der jeweils ausgeübten

(verwandten) Tätigkeit auszugehen. Derartige

Kenntnisse sind von genereller Bedeutung für alle

Berufsgruppen, sodass in diesen Fällen die Prüfung, ob

eine konkrete Veranlassung durch den ausgeübten

Beruf erfolgt, zu entfallen hat.

Ab der Veranlagung 2003 sind Aufwendungen für

Umschulungsmaßnahmen dann abzugsfähig, wenn

sie derart umfassend sind, dass sie einen Einstieg in

eine neue berufliche Tätigkeit ermöglichen, die mit

der bisherigen Tätigkeit nicht verwandt ist und auf

eine tatsächliche Ausübung eines anderen Berufes

abzielen.

Der Begriff „Umschulung“ setzt – ebenso wie Aus- und

Fortbildung – voraus, dass der Steuerpflichtige eine

Tätigkeit ausübt. Wurde bereits ein Beruf ausgeübt,

hindert eine eingetretene Arbeitslosigkeit, unabhängig

davon, ob Arbeitslosengeld bezogen wurde oder

nicht, die Abzugsfähigkeit von Umschulungskosten

nicht. Als berufliche Tätigkeit gilt jede Tätigkeit, die

zu Einkünften führt (d. h. auch Hilfstätigkeiten oder

fallweise Beschäftigungen). Auch wenn die berufliche

Tätigkeit in einem Kalenderjahr erst nach Anfallen von

Aufwendungen begonnen wird, können absetzbare

Umschulungskosten vorliegen. Absetzbar sind in diesem

Fall alle Umschulungskosten, die im Kalenderjahr

des Beginns der beruflichen Tätigkeit anfallen.

Beispiel: Beginn eines Medizinstudiums im Oktober

2010 und Aufnahme einer Tätigkeit als Taxifahrer im

Februar 2011. Die Studienkosten können ab dem Jahr

2011 als Umschulungskosten abgesetzt werden.

Da ein Pensionist keine Erwerbstätigkeit ausübt, sind

Bildungsmaßnahmen jedweder Art (Fortbildung, Ausbildung,

Umschulung) grundsätzlich nicht als Werbungskosten

absetzbar. Davon ausgenommen ist ein

Frühpensionist, der nachweist oder glaubhaft machen

kann, dass er die Bildungsmaßnahme zum beruflichen

Wiedereinstieg absolviert und somit tatsächlich auf

die Ausübung eines anderen Berufs abzielt.

Im Rahmen der Umschulung ist es nicht erforderlich,

dass der Steuerpflichtige seine bisherige Tätigkeit aufgibt.

Die angestrebte Tätigkeit muss aber zur Sicherung

des künftigen Lebensunterhaltes dienen oder zumindest

zu einem wesentlichen Teil beitragen. Dabei sind

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie aus

Kapitalvermögen nicht zu berücksichtigen.

Aufwendungen des Steuerpflichtigen selbst im Zusammenhang

mit Umschulungsmaßnahmen, die aus

öffentlichen Mitteln (AMS) oder von Arbeitsstiftungen

gefördert werden, sind immer als Werbungskosten

abzugsfähig. Aufwendungen für einzelne Kurse oder

Kursmodule für eine nicht verwandte berufliche Tätigkeit

sind nicht abzugsfähig (z. B. Aufwendungen für

den Besuch eines einzelnen Krankenpflegekurses, der

für sich allein keinen Berufsumstieg sicherstellt). Derartige

Aufwendungen sind nur abzugsfähig, wenn sie

Aus- oder Fortbildungskosten darstellen.

Typische Aus- und Fortbildungskosten für Lehrer:

Kurskosten (Kursbeitrag), Kosten für die Arbeitsunterlagen,

Fahrtkosten, Nächtigungskosten und allenfalls

Tagesgelder, und zwar für die ersten fünf Tage, wenn

der Kurs nicht am Wohnort oder Arbeitsort stattfindet.

Ersetzt der Arbeitgeber einen Teil dieser Kosten, kann

2 Unter „Verkehrsauffassung“ versteht man die überwiegende Meinung der

Allgemeinheit zur Bewertung eines juristischen Sachverhalts.

gut zu wissen

13


natürlich nur die Differenz als Werbungskosten geltend

gemacht werden. Sprachkurse sind dann absetzbar,

wenn man die Sprache im Beruf braucht. Nur die

Kurskosten können als Werbungskosten berücksichtigt

werden, nicht aber Fahrt- und Aufenthaltkosten etwa

beim Besuch eines Sprachkurses im Ausland.

Aufwendungen für Studienreisen gehören nur dann zu

den Berufsfortbildungskosten, wenn sie eindeutig von

Privatreisen abgegrenzt werden können. Das gilt dann

als gegeben, wenn die Planung und Durchführung

der Reise entweder im Rahmen einer lehrgangsmäßigen

Organisation oder in einer anderen Weise erfolgt,

die den beruflichen Anlass einwandfrei erkennen

lässt. Die erworbenen Kenntnisse müssen einigermaßen

konkret im Beruf verwertbar sein. Das Programm

selbst muss auf eine Berufsgruppe zugeschnitten sein,

sodass es für Berufsfremde nicht von Interesse ist.

Das Tagesprogramm schließlich muss, orientiert an

der Normalarbeitszeit, durchschnittlich acht Stunden

täglich betragen. Liegen diese Voraussetzungen vor,

sind alle im Zusammenhang mit der Studienreise stehenden

Kosten (Fahrt- und Aufenthaltskosten, Teilnahmegebühren

etc.) als Werbungskosten absetzbar. Bei

Studienreisen mit gemischtem Programm zählen hingegen

nur eindeutig abgrenzbare Fortbildungskosten

als Werbungskosten (z. B. Teilnahmegebühren).

Sind die beruflich veranlassten Reiseabschnitte klar

und einwandfrei von privat veranlassten Reiseabschnitten

trennbar, können die anteiligen Aufwendungen

für Verpflegung und Unterkunft als Werbungskosten

geltend gemacht werden.

Das Aufteilungsverhältnis für die Fahrtkosten ergibt

sich aus dem Verhältnis der ausschließlich beruflich

veranlassten Aufenthaltstage zu den übrigen Aufenthaltstagen.

Die Tage der Hin- und Rückreise sind

neutral zu behandeln und fließen in diese Berechnung

nicht ein. Pauschale Tages- und Nächtigungsgelder

(Diäten) können nur für jeden rein betrieblich veranlassten

Aufenthaltstag als Werbungskosten abgesetzt

werden.

Ist eine Trennung zwischen beruflicher/betrieblicher

und privater Veranlassung der Reise nicht möglich,

so sind die Reiseaufwendungen weiterhin zur Gänze

nicht abzugsfähig. Wurde allerdings eine Dienstreise

vom Arbeitgeber angeordnet, gilt sie als fremdbestimmt.

In diesem Fall besteht ein Anspruch auf uneingeschränkte

Abzugsfähigkeit der Reiseaufwendungen,

selbst wenn anlässlich der Reise auch private

Unternehmungen stattfinden.

3 Der Wert gilt seit 1. Jänner 2011. Für den Zeitraum 2008 bis 2010 galt der

Wert EUR 281.

DOPPELTE HAUSHALTSFÜHRUNG

UND FAMILIENHEIMFAHRTEN:

Wer eine Wohnung in der Nähe des Arbeitsplatzes

braucht, weil der Familienwohnsitz zu weit weg ist,

um täglich nach Hause zu fahren (jedenfalls bei

einer Entfernung von mehr als 120 km), kann die Aufwendungen

für diese Wohnung als Werbungskosten

geltend machen. Das sind insbesondere Aufwendungen

für eine zweckentsprechende angemietete

Wohnung (Hotelzimmer) des Steuerpflichtigen am

Dienstort (Mietkosten und Betriebskosten) einschließlich

der erforderlichen Einrichtungsgegenstände. Die

durchschnittlichen Kosten einer Hotelunterkunft (je

nach örtlichen Gegebenheiten maximal EUR 2.200

monatlich) dürfen dabei aber nicht überschritten

werden. In diesem Zusammenhang ist auch auf die

Häufigkeit der auswärtigen Nächtigungen Bedacht

zu nehmen. Bei Eigentumswohnungen ist zu prüfen,

ob nicht die berufliche Veranlassung durch private

Gründe (z. B. Vermögensschaffung, künftige Wohnvorsorge

für Angehörige) überlagert wird. Steht die

berufliche Veranlassung im Vordergrund, können

die Abnutzung (1,5 % pro Jahr) sowie die diesbezüglichen

Betriebskosten abgesetzt werden. Aufwendungen

für Familienheimfahrten können bis zu EUR

306 monatlich (ein Zwölftel des höchstmöglichen

jährlichen Pendlerpauschales 3 ) als Werbungskosten

abgesetzt werden.

Verheiratete oder in eheähnlicher Gemeinschaft

Lebende können diese Werbungskosten auf Dauer

geltend machen, wenn beide Partner steuerlich

relevante Einkünfte beziehen. Ist der Partner nicht

berufstätig, können sie für eine Dauer von zwei

Jahren beansprucht werden. Bei Alleinstehenden ist

die doppelte Haushaltsführung mit sechs Monaten

befristet.

Bei einem verheirateten oder in eheähnlicher

Gemeinschaft lebenden Dienstnehmer sind bei Geltendmachung

der Kosten einer doppelten Haushaltsführung

grundsätzlich die Kosten von wöchentlichen

Familienheimfahrten zu berücksichtigen. Bei einem

alleinstehenden Steuerpflichtigen wird grundsätzlich

das monatliche Aufsuchen des Heimatortes als

ausreichend angesehen. Voraussetzung ist, dass der

alleinstehende Steuerpflichtige an diesem Heimatort

über eine Wohnung verfügt. Der Besuch der Eltern ist

nicht als Familienheimfahrt zu werten.

Sind wöchentliche bzw. monatliche Familienheimfahrten

mit Rücksicht auf die Entfernung (insbesondere

ins Ausland) völlig unüblich, so ist nur eine

geringere Anzahl von Familienheimfahrten steuerlich

absetzbar.


n

(Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe.)

14 gymnasium


im fokus

Mag. Gerhard Riegler,

Vorsitzender des

Zentralausschusses und

Mitglied der Bundesleitung

gerhard.riegler@goed.at

Der Leistungsstand

unserer 10-Jährigen

Beobachtungen aus den PIRLS 2011- und TIMSS 2011-Ergebnissen 1 (Teil 1)

1 Folgende drei Studien wurden

von der „International Association

for the Evaluation of Educational

Achievement (IEA)“ am 11. Dezember

2012 veröffentlicht:

• IEA, „PIRLS 2011 – International

Results in Reading“ (2012); im

Folgenden als „IEA, PIRLS 2011“

zitiert.

• IEA; „TIMSS 2011 – International

Results in Mathematics“ (2012),

im Folgenden als „IEA, TIMSS-M

2011“ zitiert.

• IEA, „TIMSS 2011 International

Results in Science“ (2012); im

Folgenden als „IEA, TIMSS-NaWi

2011“ zitiert.

Am selben Tag veröffentlichte das

BIFIE den Bericht „PIRLS & TIMSS

2011 - Schülerleistungen in Lesen,

Mathematik und Naturwissenschaft

in der Grundschule - Erste Ergebnisse“

(2012), den ich im Folgenden

als „BIFIE, PIRLS & TIMSS 2011“ zitiere.

Wie bei PISA sind bei den 10-Jährigen die AsiatInnen weltweit

voran, und Finnlands SchülerInnen erzielen europaweit die besten

Leistungen. Der Leistungsvorsprung der finnischen SchülerInnen ist

auf der vierten Schulstufe enorm und schmilzt während der Sekundarstufe

I. Deshalb ist es grotesk, wenn Finnland penetrant als

Argument für die Gesamtschule strapaziert wird. PolitikerInnen und

„ExpertInnen“, die es trotzdem tun, beweisen ihre Immunität gegenüber

Daten und Fakten.

Foto: lassedesignen - Fotolia.com

15


Foto: lassedesignen - Fotolia.com

Aktuellste Finnland-Daten:

Finnland hat bei TIMSS 2011 sowohl auf der vierten als

auch auf der achten Schulstufe teilgenommen.

• In Mathematik erzielten Finnlands SchülerInnen

der vierten Schulstufe 545 Punkte, die der achten

Schulstufe 514, also 31 Punkte weniger. 2

• In den Naturwissenschaften erreichten Finnlands

SchülerInnen der vierten Schulstufe 570 Punkte,

die der achten Schulstufe 552, also immerhin 18

Punkte weniger. 3

Die finnischen SchülerInnen verlieren von dem enorm

großen Vorsprung, den sie nach ihrem ersten Lebensjahrzehnt

aufweisen, von der fünften bis zur achten

Schulstufe etwa ein halbes Lernjahr. Dasselbe gilt

für den traditionsreichen Gesamtschulstaat England

sowie Italien, in dessen Gesamtschulsystem sich zuletzt

der Tiroler Landeshauptmann und seine Bildungslandesrätin

verliebt haben. 4

Der familiäre Background entscheidet

mehr als alles andere:

Für Österreichs 10-Jährige gilt: „In Lesen und Mathematik

liegt die Gruppe der Kinder mit Eltern, die

maximal einen Pflichtschulabschluss haben, etwa 80

Punkte zurück; in Naturwissenschaft sind es sogar rund

100 Punkte.“ 5

Die PIRLS 2011- und die beiden TIMSS 2011-Studien

belegen neuerlich nicht nur für Österreich, sondern

für alle Staaten, dass die Leistungen der SchülerInnen

sehr stark vom sozioökonomischen Status ihrer Familie

abhängen, nämlich von

1. den Bildungsressourcen im Elternhaus

2. der Sprachförderung vor dem Schuleintritt

3. der Lesefreude der Eltern

4. der Sprache

1. Bildungsressourcen im Elternhaus 6 :

Im internationalen Mittel erreichen 10-Jährige, denen

im Elternhaus „many resources“ zur Verfügung stehen,

beim Lesen um 123 Punkte mehr als die 10-Jährigen,

bei denen es nur „few resources“ sind. Das ist eine

Differenz, die den Einfluss aller anderen Faktoren in

den Schatten stellt.

Die vier skandinavischen Staaten, die an PIRLS teilgenommen

haben (Finnland, Schweden, Dänemark

und Norwegen), zeichnen sich durch besonders hohe

Bildungsressourcen im Elternhaus aus: Unter den 45

PIRLS-Teilnehmern belegen sie die Plätze 1 (Norwegen),

3 (Schweden), 4 (Dänemark) und 7 (Finnland).

In Skandinavien wird den Kindern von ihren Eltern ein

bildungsförderndes Ambiente geboten, das nicht nur

europaweit, sondern weltweit herausragt.

In Skandinavien sind mehr als doppelt so viele Kinder

in ihrem Elternhaus von vielen Bildungsressourcen

umgeben, als dies für Österreich der Fall ist. Unsere

10-Jährigen landen bezüglich der Bildungsressourcen

in ihrem Elternhaus zwischen Slowenien und Russland

im weltweiten Mittelfeld.

Im internationalen Mittel haben 36 % der 10-Jährigen

zumindest einen Elternteil, der ein gehobenes

berufliches Niveau 7 aufweist. In Finnland sind es

50 % (in Dänemark 57 %, in Schweden 59 % und in

16 gymnasium


Norwegen sogar 66 %), in Österreich dagegen nur

27 %. 8 Auch bei ALLEN anderen in den Studien abgefragten

Bildungsressourcen finden Österreichs 10-Jährige

schlechtere Bedingungen vor als die 10-Jährigen

ALLER skandinavischen Staaten.

Ein vergleichender Blick ins Elternhaus der 10-Jährigen

Finnlands und Österreichs 9 :

• Höchstens 25 Kinderbücher im Haushalt haben nur

12 % der 10-Jährigen Finnlands; in Österreich sind

es doppelt so viele (24 %).

• Mehr als 100 Bücher im Haushalt haben 38 % der

10-Jährigen in Finnland; in Österreich befinden sich

dagegen nur bei 28 % der 10-Jährigen mehr als

100 Bücher im Haushalt.

• Auch was das eigene Zimmer und einen Internetzugang

anlangt, sind die 10-Jährigen Österreichs

den SchülerInnen aller skandinavischen Staaten

unterlegen.

2. Sprachförderung

vor dem Schuleintritt:

Im internationalen Mittel erreichen 10-Jährige, deren

sprachliche Entwicklung oft durch Vorlesen, Geschichtenerzählen,

Liedersingen etc. 10 gefördert wurde,

beim Lesen um 99 Punkte mehr als die 10-Jährigen,

die nie oder fast nie derart gefördert wurden.

3. Lesefreude der Eltern:

Im internationalen Mittel erreichen 10-Jährige, deren

Eltern gerne lesen, beim Lesen um 48 Punkte mehr als

die 10-Jährigen, deren Eltern nicht gerne lesen. 11

4. Sprache:

10-Jährige, die die Unterrichtssprache 12 schon vor

Beginn ihrer Schullaufbahn gesprochen haben, weisen

im internationalen Mittel einen Vorsprung von 37 Punkten

auf die SchülerInnen auf, die erst während der

Schulzeit die Unterrichtsprache zu sprechen beginnen.

In Österreich besucht jeder sechste 10-Jährige eine

Schule, an der nicht einmal die Hälfte der SchülerInnen

die Unterrichtssprache als Erstsprache gelernt hat.

In Finnland trifft dies nur bei jedem hundertsten zu.

In Österreich sprechen inzwischen 23 % der 10-Jährigen

zu Hause nicht die Unterrichtssprache – ein Prozentsatz,

der kaum in einem anderen Land erreicht

wird. Österreichs 10-Jährige, die zu Hause nicht die

Unterrichtssprache sprechen, weisen beim Lesen im

internationalen Vergleich einen der größten Leistungsrückstände

auf. 13

Kindergartenbesuch:

Zwischen Kindern, die den Kindergarten mindestens

drei Jahre lang, und denen, die ihn höchstens ein Jahr

lang besucht haben, liegt im internationalen Mittel

eine Leistungsdifferenz von 26 Punkten zugunsten der

Kinder, die den Kindergarten länger besucht haben.

Mit 69 % besuchen in Österreich weit mehr Kinder den

Kindergarten mindestens drei Jahre lang als in Finnland

(46 %). Im internationalen Mittel sind es 42 %. 14

Enormer Rückstand am Start der

Schullaufbahn („early literacy skills“ 15

und „early numeracy skills“ 16 ):

Österreichs Kinder beginnen ihre Schullaufbahn mit

der im internationalen Vergleich geringsten Lese- und

Schreibkompetenz. 17 Kaum besser sieht es hinsichtlich

grundlegender mathematischer Kenntnisse aus:

Österreich landet unter allen 50 Teilnehmerstaaten an

TIMMS auf dem drittletzten Platz 18 .

Disziplinäre Probleme 19 :

Von disziplinären Problemen ist der Unterricht an Österreichs

Volksschulen deutlich mehr betroffen, als dies

international üblich ist. Unter allen Teilnehmerstaaten

Europas ist der Unterricht an Österreichs Volksschulen

den meisten disziplinären Problemen ausgesetzt.

Am ehesten „mithalten“ können diesbezüglich noch

Deutschlands Schulen. 20

In Österreich und Deutschland hat die Schulpolitik

offensichtlich mit Ordnung und Disziplin noch immer

ein (wohl auch historisch erklärbares) Problem und

nimmt dafür ausgebrannte LehrerInnen in Kauf. Wer

Lehrkräften das Unterrichten vorsätzlich erschwert,

sollte sich weder scheinheilig über vermehrte Burnout-

Fälle wundern noch über im internationalen Vergleich

schwache Lernerfolge beklagen oder gar die LehrerInnen

oder „das Schulsystem“ dafür anprangern.

(Fortsetzung folgt.)

n

2 IEA, TIMSS-M 2011, S. 40-42

3 IEA, TIMMS-NaWi 2011, S. 38-40

4 IEA, TIMSS-M 2011, S. 66

5 BIFIE, PIRLS & TIMSS 2011, S. 61

6 Bildungsniveau und berufliches Niveau der Eltern, Bücher im Elternhaus,

eigenes Kinderzimmer … (exakte Definition: IEA, PIRLS 2011, S. 113)

7 „Includes corporate manager or senior official, professional, and technician

or associate professional.“ (IEA, PIRLS 2011, S. 114)

8 IEA, PIRLS 2011, S. 114

9 IEA, PIRLS 2011, S. 114

10 Vollständige Liste der Kriterien: IEA, PIRLS 2011, S. 127

11 IEA, PIRLS 2011, S. 120

12 exakt: die Testsprache

13 BIFIE, PIRLS & TIMSS 2011, S. 50

14 IEA, PIRLS 2011, S. 128

15 Buchstaben erkennen, Buchstaben schreiben können, einige Wörter

lesen können, einige Wörter schreiben können, Sätze lesen können

16 Bis 100 zählen können, die Ziffern erkennen, die Ziffern schreiben können

17 IEA, PIRLS 2011, S. 146

18 IEA, TIMSS-M 2011, S. 222

19 Unpünktlichkeit, unentschuldigtes Fernbleiben, Stören des Unterrichts,

Schwindeln, Diebstahl, Vandalismus, verbale, physische und psychische

Gewalt gegenüber MitschülerInnen und Lehrkräften … (siehe IEA, PIRLS

2011, S. 179)

20 IEA, PIRLS 2011, S. 178; IEA, TIMSS-M 2011, S. 270; IEA, TIMSS-NaWi 2011,

S. 272

im fokus

17


im fokus

Mag. Wolfgang Schüpany,

ehemaliges Mitglieder der Bundesleitung

AHS Gewerkschaft

1 INSEE: Institut National de la Statistique

et des Études Économiques,

vergleichbar in etwa mit "Statistik

Austria"-Statistikausgabe 2012

2 Höherwertiges Diplom: Diplom

eines weiterführenden Abschlusses

nach der Matura

Foto Simonis 1090 Wien

Chancengleichheit?

oder Warum hat Frankreichs Schulsystem

dieselben Probleme wie wir?

Es ist schon irgendwie komisch: Da hat Frankreich in seinem Schulwesen

so ziemlich alle Parameter verwirklicht, die in Österreich unbedingt

und mit allen Mitteln umgesetzt werden müssen, soll heißen Gesamtschule,

Ganztagesbetreuung, Zentralmatura, und dann kämpfen die

Franzosen mit genau denselben Problemen wie unser angeblich so

verstaubtes und reformbedürftiges Schulsystem.

In der Internetausgabe der renommierten französischen

Zeitung "Le Figaro" vom 28. November 2012

fand sich interessanterweise folgender Artikel: „Des

destins scolaires scellés dès l'entrée au collège"

(Schulische Schicksale sind bereits mit dem Eintritt

ins collège besiegelt). Wie geht's weiter? „Selon l’

enquête ‚France, portrait social’ de l’Insee 1 , 76 % des

enfants de cadres ou d'enseigneants décrochent

un diplôme supérieur, contre 20 % pour les enfants

d'ouvriers“ (Nach der Umfrage "Frankreich, soziales

Portrait" des Insee erreichen 76 % der Kinder von leitenden

Angestellten oder Lehrern ein höherwertiges

Diplom 2 , gegenüber 20 % der Arbeiterkinder). Oder

was die Erfolge bei der Matura betrifft: „Prés de

90 % des enfants d'enseignants ou de cadres passent

avec le succès le bac contre 40 % pour les enfants

d'ouvriers ..." (Rund 90 % der Kinder von Lehrern oder

leitenden Angestellten schaffen die Matura mit Erfolg,

gegenüber 40 % der Arbeiterkinder). Das kann aber

doch nur eine Momentaufnahme sein, oder? Die

Umfrage des Insee stellt überdies fest, dass sich dies

sozialen Ungleichheiten in den letzten 20 Jahren kaum

bewegt haben.

Das kennen wir doch in Österreich alles von irgendwoher.

Sind das nicht die sattsam bekannten Argumente

der diversen „Schulexperten", die immer wieder darauf

hinweisen, dass die sozialen Ungleichheiten NUR

durch das differenzierte Schulsystem in Österreich

entstehen und dass das Allheilmittel dagegen NUR

die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen sein

kann? Jetzt gibt's aber mit den Daten in Frankreich ein

kleines Problem für diese Argumentation: Denn das

oben zitierte französische „Collège" ist eben genau

diese gemeinsame Schule der 11- bis 15-Jährigen –

und die Franzosen haben die Gesamtschule seit über

50 Jahren.

Zu den Fakten

a) Das INSEE ist ein staatliches Statistik-Institut und

somit sind diese Daten prinzipiell einmal ernst zu

nehmen.

b) In Frankreich gäbe es für unsere innovativen und

fortschrittlichen „Schulexperten" eigentlich paradiesische

Zustände: Dort sind seit vielen Jahrzehnten

Ganztagsschulen (mit verschränktem Ganztagsunterricht),

Gesamtschule und Zentralmatura

Pflicht, eigentlich müssten die französischen Schüler

bei allen Rankings ganz, ganz vorne liegen,

haben sie doch genau alle jene Vorgaben, die in

Zukunft aus unserem (schlechten) Schulsystem das

beste weltweit machen sollen.

c) Die französischen Schulen sind für diese Aufgaben

18 gymnasium


aulich und personell adaptiert. In den Schulen

gibt es z. B. eine ausreichend große Schulkantine

mit täglichen Menüs zur Auswahl. Es gibt dort eine

Krankenstation mit einer Krankenschwester ganztägig.

Und es gibt – weil das Ganze in zumeist großen

Schulzentren in Ballungszentren stattfindet – auch

bei fast jeder größeren Schule ein eigenes Internat

dazu.

d) Wenn die Kinder keinen Unterricht haben, sind sie

in „Permanence" (Studierzeit), wo sie von eigens

angestellten „Surveillants" (Erziehern) beaufsichtigt

werden, die meistens auch im Internat arbeiten.

e) Alle Schüler gehen ab dem 11. Lebensjahr in die

gemeinsame Schule (und dies seit den 60er Jahren),

also seit rund 50 Jahren. Allerdings gehen

in Frankreich sehr viele Schüler in Privatschulen,

deutlich mehr als in Österreich. Die Privatschulen

sind nämlich deutlich besser als ihre öffentlichen

Pendants.

f) Im lycée (dreijährig) kommt es zu einer sehr konkreten

Spezialisierung für den kommenden (zu wählenden)

Maturazweig.

g) Die Matura ist gänzlich zentral, die Kandidaten

schreiben anonymisierte Arbeiten in einem für sie

fremden Prüfungszentrum, diese Arbeiten werden

dann ebenfalls anonymisiert von einem externen

Korrekturteam korrigiert. Die Ergebnisse werden mit

genauen Punktezahlen (Auszeichnung bis „nicht

bestanden") auch in den Zeitungen veröffentlicht.

Ebenso das Ranking von den besten bis zu den

schlechtesten Schulen im Land.

h) An der Uni gibt es allerdings nur die Möglichkeit,

nach den vorher gewählten Maturazweigen ein

Studium zu beginnen. Ein Maturant aus „Littérature"

hat in Frankreich z. B. nicht die Berechtigung,

Technik oder Medizin zu studieren, weil ihm dazu

die Grundvoraussetzungen bzw. überhaupt der

Maturaabschluss für dieses Studium fehlen.

i) Ab den höheren Diplomen gibt es in Frankreich

keine Abschlüsse in unserem Sinn mehr, sondern

es gibt ein „Concours-System" (Wettbewerbssystem):

Wenn ich die Wettbewerbe nicht „gewinne"

(d. h. in der vorher festgelegten Zahl von Gewinnrängen),

dann komme ich mit meinen Abschlüssen

auch nicht voran.

Eigentlich wäre das – mit Ausnahme der z. T. brutalen

Elitenbildung ab der Universität/Hochschule – ja

irgendwie bis zur Matura auch der Traum der innovativen

Schulexperten in Österreich. Denn laut deren

Aussage ist unser Schulsystem ja nur deswegen so

schlecht (ist es das überhaupt, oder wird das nur

unter medialem Getöse herbeigeschrieben?), weil

wir weder Ganztags- noch Gesamtschulen haben,

und weil deswegen die sozialen Unterschiede so groß

sind, und weil wir ohne das alles bei PISA in Zukunft

noch viel schlechter abschneiden werden, und weil

überhaupt ...

Apropos PISA: Wie schaut es denn da in Frankreich

aus? Bei PISA 2009 gab es nur beim Lesen einen

signifikanten Unterschied (F: 496/Ö: 470 Punkte), bei

den Naturwissenschaften (F: 498/Ö: 494) und bei

Mathematik (F: 497/Ö: 496) sind die Unterschiede

eher marginal.

Irgendwie fragt man sich bei Betrachtung all dieser

Fakten, der in Frankreich vorhandenen schulischen

Infrastruktur und der damit verbundenen doch eher

mittelmäßigen Ergebnisse schon, wie und vor allem

warum man in Österreich das alles in genau diese

Richtung ändern möchte, die sich anscheinend 50

Jahre lang nicht wirklich bewährt hat.

Ein ganz profanes Problem bei all diesen Dingen:

Wo sollen die österreichischen Kinder z. B. bei der

verpflichtenden Ganztagsschule für alle mangels vorhandener

Schulkantinen eigentlich zu Mittag essen?

Beim nächsten Fast-Food-Beisel oder Kebap-Standl?

Eine wahrhaft erhebende Vision. Und vor allem so

gesund für die Kinder!

Warum bleiben in Frankreich soziale Unterschiede

aus bildungsnahen und bildungsfernen Schichten

anscheinend genauso bestehen wie im – pädagogisch

angeblich so rückschrittlichen – Österreich mit

seinem Gymnasium, das man in Österreich unbedingt

abschaffen muss? Und zwar genau aus den Gründen,

die in Frankreich offenbar NICHT funktionieren?

Oder irren unsere Bildungsexperten doch, weil sich

Bildungsnähe und -ferne auch im privaten Umfeld der

Kinder abspielen müssen und sich mit Zwangsbeglückung

durch einen Einheitsbrei des Schulsystems

nichts, aber auch gar nichts ändert, wie man in Frankreich

seit Jahrzehnten konsterniert feststellen muss?

Viele Bildungsverantwortliche in Frankreich schielen

fallweise schon begehrlich auf ein Land, das wirtschaftlich

und auch bei PISA besser abschneidet als

die Franzosen: Deutschland. Und dort vor allem auf

das Bundesland, das innerhalb Deutschlands regelmäßig

die besten Ergebnisse liefert, nämlich Bayern.

Und – richtig! – Bayern hat (so wie Österreich derzeit

noch) auch ein differenziertes Schulsystem. Die

Schlüsse daraus möge jeder für sich selbst ziehen.

Die Franzosen tun es bereits, nämlich Schlüsse ziehen:

Es gibt dort seit dem vorigem Schuljahr Schulversuche,

in denen die Abschaffung der Ganztagsschule getestet

wird. Irgendwie wanken da die Fundamente der

Argumentation der österreichischen Bildungsexperten

schon gewaltig, nicht?

n

19


facts

statt fakes

DAS SAGT TIROLS „EXPERTE“

MIT DEM BLICK NACH ITALIEN TROTZ ALLER FAKTEN:

„Die gemeinsame Schule sei keine Frage der Ideologie,

sondern der Vernunft, sagt Platter und empfiehlt den Blick nach Südtirol.“

(LH Günther Platter, Der Standard vom 11. Jänner 2013)

Mag. Gerhard Riegler,

Mitglied der Bundesleitung

gerhard.riegler@goed.at

fakt ist…

ANZAHL DER 15-JÄHRIGEN SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER JE LEHRKRAFT

(Lehrkraft = Vollbeschäftigungsäquivalent; Stand: 2009)

8,2

9,4

11,2 11,2

13,2

15,9

Bedeutet der wiederholte Hinweis

auf Südtirol die Aufforderung

an die Politik, Österreichs

Klassen radikal zu verkleinern?

Bei den 15-Jährigen würden

„Südtiroler Verhältnisse“ eine

Verkleinerung der Klassen um

35 % bedeuten.

OECD, PISA 2009 – Ergebnisse Südtirol“

(2011), Seite 134

fakt ist…

DIE ENTWICKLUNG DER JUGENDARBEITSLOSIGKEIT SEIT AUSBRUCH DER KRISE

36,5

11,9

8,1

8,7

8,5

16,5

19

14,3

20,2

19,8

25,5

20,3

Soll sich Österreichs

Jugendarbeitslosigkeit vervierfachen,

um zumindest

annähernd italienische Verhältnisse

zu erreichen? Oder

sollen sich PolitikerInnen,

die Österreichs Jugend auf

den Gesamtschulweg locken,

einen anderen Arbeitsplatz

suchen?

Eurostat (Abfrage vom 25. Jänner 2013)

fakt ist…

15-JÄHRIGE, DIE ZUHAUSE NICHT DIE UNTERRICHTSSPRACHE SPRECHEN

3,7

4,5

4,9

7,1

7,3

8,1

10,5

10,7

Glaubt der Tiroler Landeshauptmann,

dass die Gesamtschule

die Anzahl der SchülerInnen

halbiert, die zuhause

nicht die Unterrichtssprache

sprechen?

OECD, „Key Data on Teaching Languages

at School“ (2012), Seite 20

20 gymnasium


menschen

Auszeichnungen und Ernennungen

Der Bundespräsident hat verliehen:

DEN TITEL HOFRAT:

Mag. Rupert Peinsipp

Direktor am BORG Bad Aussee

Mag. Walter Roth

Direktor am BG/BRG Neusiedl/See

Mag. Lucia Schneider

Direktorin am BORG Perg

Mag. Gottfried Ferdinand Wurm Schulleiter am Evang. RG/ORG Oberschützen

DEN TITEL OBERSTUDIENRÄTIN / OBERSTUDIENRAT:

Mag. Claudia Amadori-Dinhobl Prof. am PriG/ORG Sankt Ursula in

Salzburg-Glasenbach

Mag. Hannes Aublinger

Prof. am BG/BRG/BORG Oberschützen

Mag. Herbert Dutzler

Prof. am BRG Schloss Wagrain in Vöcklabruck

Mag. Georg Fondi

Prof. am BG/BRG Wien III, Hagenmüllergasse

Mag. Georg Hinterdorfer

Prof. am BORG Perg

Mag. Margareta Jäger

Prof. am BRG Wörgl

Mag. et Dr. Hans Jörg Jost

Prof. am BG/BRG Weiz

Mag. Helga Mittendorfer

Prof. am BG/BRG Bad Ischl

Mag. Martina Mittendorfer

Prof. am BRG Schloss Wagrain in Vöcklabruck

Mag. Marianne Pajor

Prof. am BG/BRG Bad Ischl

Mag. et Dr. Ulrike Pieslinger

Prof. am BG/BRG Stainach

Mag. Heidrun Pötler

Prof. am BG/BRG Weiz

MMag. Monika Rihosek

Prof. am Akademischen Gymnasium in Innsbruck

Mag. Agnes Steinkellner

Prof. am BG/BRG Linz, Khevenhüllerstraße

Mag. Eva Ulf

Prof. am Akademischen Gymnasium in Innsbruck

Mag. Martha Vilt

Prof. am BG/BRG/BORG Eisenstadt, Kurzwiese

Mag. Gabriele Wegmayer

Prof. am BG/BRG Wien X, Pichelmayergasse

Mag. Angelika Zoder

Prof. am BORG Mistelbach

DER BUNDESPRÄSIDENT HAT WEITERS VERLIEHEN:

DAS SILBERNE EHRENZEICHEN FÜR VERDIENSTE UM DIE REPUBLIK ÖSTERREICH:

Hofrätin Mag. et Dr. Waltraud

Hauschka

Direktorin am Öffentlichen Gymnasium der Stiftung

Theresianische Akademie in Wien IV, Favoritenstraße

DER BUNDESPRÄSIDENT HAT ERNANNT:

Prof. Mag. Roman Ehold

zum Direktor des BORG Ternitz

Prof. OStR Mag. Friedrich

zum Direktor des BG/BRG Leoben

Fischelschweiger

Prof. Mag. Imelda Görög

zur Direktorin des BG in Graz, Georgigasse

(Graz International Bilingual School)

Prof. OStR Mag. Herwig Hilber zum Direktor des BG/BRG Peraustraße in Villach

Prof. OStR Mag. Barbara Marosits zur Direktorin des BG/BRG Weiz

Prof. Mag. Regina Niedermayer zur Direktorin des BG/wiku BRG in Wien VI,

Amerlingstraße

Prof. Mag. et Dr. Ulrike Pieslinger zur Direktorin des BG/BRG Stainach

DIE BUNDESMINISTERIN FÜR UNTERRICHT, KUNST UND KULTUR HAT BESTELLT:

Mag. Andreas Breitegger

zum Direktor am BORG Deutsch Wagram

Prof. Mag. Michael Päuerl

zum Direktor am BG/BRG Mödling

Die Bundesleitung gratuliert ihren Mitgliedern!

Neues Mitglied der Bundesleitung:

Mag. Susanne Rosza

Ich wurde 1969 in Wien geboren,

besuchte die Volksschule sowie das

naturwissenschaftliche Realgymnasium

im 9. Wiener Gemeindebezirk und

wuchs zweisprachig (Deutsch/Slowenisch)

auf. Die Matura absolvierte ich

im Juni 1987 und studierte Kombinierte

Religionspädagogik und Psychologie/

Philosophie an der Universität Wien. Das

Schuljahr 1992/93 begann ich als „Quereinsteigerin“

unter anderem am BRG

Gottschalkgasse in Wien Simmering. Ich

legte meine letzte Diplomprüfung im

Oktober 1992 erfolgreich ab, konnte

mein Unterrichtspraktikum im SJ 1993/94

an derselben Schule ablegen und bin

seit dem SJ 1994/95 am jetzigen Schulstandort

BG 11 Geringergasse (vormals

Gottschalkgasse) tätig.

Ich bin seit Juli 1996 verheiratet und seit

1998/99 Mutter zweier Töchter.

Als Mitglied in der Personalvertretung,

Obfrau der Gewerkschaft an der Schule,

SGA-LehrerInnenvertreterin sowie Mitglied

des Elternvereins an der Schule

meiner Töchter ist es mir ein großes Anliegen,

den Berufsstand der LehrerInnen zu

stärken und die Zusammenarbeit zwischen

allen Schulpartnern zu fördern, bei

Fragen zu helfen und entsprechende

Lösungen zu finden. Ich freue mich, das

Wiener Team tatkräftig zu unterstützen,

junge KollegInnen für die Interessenvertretung

zu stärken sowie Kooperationen

mit den umliegenden Bundesländern zu

initiieren.

Sprechstunde: nach telefonischer Vereinbarung

BG 11 Geringergasse 2, 1110 Wien, Tel:

01/ 76 78 777 (Schule)

Herzlichen Dank an das ausgeschiedene

Mitglied der Bundesleitung

Die Bundesleitung dankt Kollegin Mag.

Ingrid Söllner-Fritscher (seit November

2010 Mitglied der BL) für ihren Arbeitseinsatz

und wünscht ihr auf ihrem beruflichen

und privaten Lebensweg alles

Gute!

(Von Mag. Verena Nägele)

21


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Mag. Verena Nägele,

Pressereferentin der

AHS Gewerkschaft

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Vorsitzender der

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„Schwach ausgeprägte

Kompetenz“

„Schwach ausgeprägte kaufmännische Kompetenz“

wirft der Rechnungshof der Führung des BIFIE in einem

im November 2012 erschienenen Bericht vor. 1

Standards

„Von 2008 bis 2010 betrugen die Aufwendungen für

die Bildungsstandards 8,22 Mill. EUR […] Für den Zeitraum

2011 bis 2014 waren für die Bildungsstandards

28,93 Mill. EUR […] geplant. […] Die Gesamtbeträge

berücksichtigen die Begleitforschung zu den Bildungsstandards

nicht.“ 2 Rund 37 Millionen Euro haben die

im Mai 2012 erstmals durchgeführten Standardüberprüfungen

also bisher gekostet – um 61 % mehr, als

bei der Schaffung der gesetzlichen Grundlagen von

BM Schmied bis inkl. 2012 als „Maximalvariante“ veranschlagt!

Und die Ergebnisse werden erst sieben

Monate nach der Testung rückgemeldet – zu einem

Zeitpunkt also, zu dem sich die Schüler 3 schon längst

für ihre weitere Schullaufbahn entscheiden mussten.

Zentralmatura

„Für den Zeitraum 2008 bis 2010 entstanden dem BIFIE

durch die standardisierte Reifeprüfung Aufwendungen

von 4,61 Mill. EUR. Das BIFIE plante weitere 24,52

Mill. EUR […] für die Jahre 2011 bis 2014. Das BMUKK

stellte dem BIFIE Wien 400 Werteinheiten (20 VZÄ bzw.

1,20 Mill. EUR) pro Jahr ab dem Jahr 2011 für die standardisierte

Reifeprüfung zur Verfügung. Damit sollten

Lehrkräfte aus der Unterrichtspraxis einen Teil ihrer

Lehrverpflichtung […] zur Entwicklung von Aufgaben

verwenden. Die Werteinheiten […] stellten einen

zusätzlichen Kostenfaktor für die standardisierte Reifeprüfung

dar, den das BMUKK abdeckte.“ 4

Über 30 Millionen Euro sind bisher in dieses Projekt

geflossen, an dessen Sinnhaftigkeit nicht nur ich

zweifle: „Der Wissenschaftliche Beirat beurteilte die

Arbeiten zur standardisierten Reifeprüfung im Frühjahr

2011 wie folgt: „Die bisherigen Verfahren erscheinen

aber nur schwach testtheoretisch begründet, in der

Durchführung wenig praktikabel und in der politischen

Legitimation anfällig.“ Er empfahl, eine vereinfachte

Durchführung unter vertretbaren Kosten anzustreben.

Seiner Ansicht nach wäre dies am besten gewährleistet,

wenn die Lehrkräfte der Abschlussklassen die

Aufgaben entwickelten.“ 5

Verantwortlichkeiten

Die Leitung des BIFIE obliegt den zwei Direktoren. Seit

Beginn ist Dkfm. Ferdinand Lacina Aufsichtsratsvorsitzender,

der es allerdings mit seiner Kontrollfunktion

wohl nicht so genau genommen hat, da er den Aufsichtsrat

nicht einmal so oft einberufen hat, wie es das

geltende Recht fordert. 6

Das BMUKK richtete eine Koordinationsstelle für das

BIFIE ein, deren Vorsitz BM Schmied selbst innehat.

Der Rechnungshof kritisiert „die Beiziehung externer

Berater mit hohen Kosten, weil seiner Ansicht nach in

den staatlichen Dienststellen ausreichend Fachkompetenz

vorhanden war, um die Aufsichtsaktivitäten

abwickeln zu können.“ 7 Im Rahmen seiner Schlussbemerkungen

fragt er sich daher, „ob die an das

BIFIE übertragenen Aufgaben nicht selbst durch das

BMUKK erledigt werden können.“ 8

Ich bin mir nicht sicher, ob das eine sinnvolle Lösung

wäre. Aus dem Bericht geht nämlich meines Erachtens

eindeutig hervor, dass nicht nur die Leitung des BIFIE,

sondern auch der mehrheitlich vom BMUKK besetzte

Aufsichtsrat unter Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina

ebenso wie die Koordinationsstelle im BMUKK

unter der Leitung von BM Schmied versagt haben.

„Schwach ausgeprägte Kompetenz“ ist jedenfalls

kein BIFIE-Monopol.

n

1 Rechnungshof (Hrsg.), Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und

Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) (3. November 2012),

S. 117.

2 RH, BIFIE, S. 139.

3 Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen

männlichen und weiblichen Geschlechts.

4 RH, BIFIE, S. 145.

5 RH, BIFIE, S. 143.

6 Siehe RH, BIFIE, S. 156f.

7 RH, BIFIE, S. 164.

8 RH, BIFIE, S. 188.

23


„Im Allgemeinen gewinnen Länder, die

in PISA gut abschneiden, die besten

Studierenden für den Lehrerberuf, indem

sie ihnen ein höheres Gehalt sowie

berufliches Ansehen bieten.“

OECD (Hrsg.), PISA im Fokus Nr. 13

(Februar 2012), Seite 3

„A 10 % increase in teacher pay would

give rise to around a 5–10 % increase in

pupil performance.“

Univ.-Prof. Peter Dolton et al., If you pay

peanuts do you get monkeys? A crosscountry

analysis of teacher pay and

pupil performance (2011), Seite 41

nachgeschlagen

„Ob die Reform [Anm.: neues

LehrerInnendienstrecht] in dieser

Legislaturperiode noch gelinge,

liege in Schmieds Verantwortung.

Er werde sich jedenfalls nicht unter

Druck setzen lassen. ‚Claudia

Schmied hatte immerhin jahrelang

Zeit, ein attraktives neues

Dienstrecht vorzulegen.‘“

Paul Kimberger, Vorsitzender der

ARGE LehrerInnen in der GÖD,

www.liferadio.at am 7. Jänner 2013

Fotos: Minerva Studio / Stefan Gräf - Fotolia.com

„Dass ausgerechnet das

Unterrichtsministerium eine der großen

Schwachstellen dieser Regierung ist,

wiegt schwer. [...] Langsam sollte sich

Claudia Schmied die Frage stellen, ob

das alles immer nur an den anderen

liegt.“

Kronen Zeitung vom 5. Jänner 2013

„In welcher Verkleidung immer wir ihm

begegnet sind, stets hat der beruflich

agierende Dilettant erfolgreich versagt.

Er hat seinen Schnitt gemacht,

obwohl er in der Sache höchst selten

etwas zustande bringen konnte, auf

das längerfristig Verlass gewesen

wäre. Allemal folgte dem Feuerwerk

seiner Ankündigungen das Verglühen

der Versprechen.“

Thomas Rietzschel, Die Stunde der

Dilettanten (2011), Seite 249f

P. b. b. ■ Erscheinungsort Wien ■ Verlagspostamt 1010 Wien ■ GZ 03Z035306M

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