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FISCH BEWEGT INTERVIEW

FISCH BEWEGT INTERVIEW MIT DR. MATTHIAS KELLER, GESCHÄFTSFÜHRER DES BUNDESVERBANDES DER DEUTSCHEN FISCHINDUSTRIE UND DES FISCHGROSSHANDELS E. V. Wie steht es um die Fischbranche in Deutschland? Die Sparten der Fischwirtschaft in Deutschland sind für die kommenden Jahre gut aufgestellt, die Herausforderungen der Zeit nicht nur zu erkennen, sondern auch entsprechend zu beantworten. Das trifft sowohl auf die Unternehmen der Fangwirtschaft und der Aquakultur als auch auf die Unternehmen der Fischbe- und -verarbeitung und den gesamten Handel mit Fisch und Meeresfrüchten zu. Neben den Themen „Nachhaltigkeit“, „Authentizität“ und „sichere Qualität“ wird der „Kommunikation entlang der Wertschöpfungskette“ eine hohe Bedeutung zukommen und weitere Investitionen verlangen. Bleibt Frischfisch angesichts der Wertzuwächse durch MAP/ Discounter auf der Strecke? Welche Tücken sehen Sie für den deutschen Markt? Fisch und Meeresfrüchte haben ein gutes Image bei den Konsumenten in Deutschland. Dieses positive Image muss weiter gefördert werden, da immer wieder tückische Versuche unternommen werden, die Absatzerfolge zu schmälern. Dazu zählen einerseits „possenhafte“ Entscheidungen der EU-Kommission wie im Fall des Vermarktungsverbotes von „Bio-Lachs aus Norwegen“ aufgrund unterschiedlicher Rechtsauslegung und andererseits unseriöse Bewertungen der Qualität von Fisch und Meeresfrüchten durch einzelne Nichtregierungsorganisationen, die von etlichen Pressemedien „ungeprüft“ verbreitet werden, wie die Berichterstattung über Ethoxyquin in Lachs zeigte. Seit dem Eintritt der Discounter in die Segmente „vorverpackter frischer Fisch“ und „aufgetaute Fisch-Convenience-Produkte“ ist enorme Bewegung in den Absatz von Fisch und Meeresfrüchten in Deutschland gekommen. Seit nunmehr 3 Jahren (Basis 2014) kennen die wert- und mengenmäßigen Umsätze des LEH mit Frischfisch und aufgetauten Fischen und Meeresfrüchten nur eine Richtung: nach oben! Die Zuwachsraten der Absatzmengen sind erstaunlich: 10 % im Jahr 2014, 17 % im Jahr 2015 und ca. 5 % im Jahr 2016 sind beeindruckend. Faszinierend ist aber auch die Tatsache, dass dieser Mengenzuwachs auf einem Preisniveau stattfand und noch immer stattfindet, das eigentlich nicht zum legendären „Billig-Image“ des deutschen Marktes passt. Hier hat sich eine Neuorientierung des Konsumenten vollzogen. „Frische“ darf etwas mehr kosten! Wie viel allerdings, wird sich in der Zukunft zeigen! Rechnen Sie mit weiteren Wertzuwächsen in der Zukunft trotz u. U. sinkenden Absatzes? Im Prinzip ja. Noch ist nicht abzusehen, wann die nachgefragte Menge ein oberes Limit erreichen wird. „Frischfisch“ wird als „teuer“ wahrgenommen und so müssen weiter gute Argumente „kommuniziert“ werden, warum der Preis so ist, wie er ist. 14

Wie steht die deutsche Fischwirtschaft im Vergleich zur europäischen und internationalen Branche da? 1,7 % der Fischereifahrzeuge der EU sind in Deutschland beheimatet. Sie stellen ca. 4,52 % der EU-Fischfangmenge bereit. Am Anteil der EU-Aquakulturproduktion ist Deutschland mit ca. 1,92 % beteiligt. 7,2 % des wertmäßigen Umsatzes der EU- Fischverarbeitung entfallen auf Deutschland. Damit nimmt Deutschland den vierten Platz in der EU ein! Allerdings liegt Deutschland mit ca. 14 kg Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch und Meeresfrüchten eher am unteren Ende im Vergleich mit anderen EU-Mitgliedstaaten. Dennoch ist Deutschland ein interessanter Absatzmarkt. So kann einer Untersuchung der EU-Kommission aus dem Jahr 2016 entnommen werden, dass z. B. im September 2016 die Verbraucher in Deutschland mit 14,03 €/kg nach den Verbrauchern in Dänemark (15,20 €/kg) den zweithöchsten Wert für ihre Einkäufe von frischen Fischen und Meeresfrüchten ausgegeben haben. Dagegen lagen die durchschnittlichen Einkaufswerte in Frankreich bei 10,00 €/kg, in Italien bei 8,00 €/ kg und in Spanien bei nur 7,24 €/kg! Diese Zahlen zeigen, dass der deutsche Verbraucher sehr wohl gewillt ist, einen höheren Preis zu zahlen. Welche Rolle spielt die fish international für die Branche, was erwarten Sie von der Jubiläumsmesse 2018? Für alle diejenigen in der deutschen Fischbranche, für die Boston, Brüssel und Vigo zu weit weg und zu teuer sind, bietet Bremen einen idealen Branchentreffpunkt im eigenen Land. Kurze Wege, ausreichend Zeit für Gespräche, gepflegte Infrastruktur und vieles mehr helfen jedem in unserer Branche, sich über aktuelle Trends mit Kollegen auszutauschen, aber auch selbst Akzente zu setzen, um noch besser mit seinen Produkten und/ oder Dienstleistungen wahrgenommen zu werden. Ich erwarte vom Bremer Messeteam mit nun bald 30 Jahren Seafoodmesse- Erfahrung die Planung und Durchführung einer bewegenden und inspirierenden Veranstaltung, die alle Sinne der Messebesucher ansprechen wird. Die Weichen dazu wurden insbesondere durch die Erweiterung der GASTRO IVENT und das breitere Angebot im Jahr 2016 gestellt. Jetzt gilt es Fahrt aufzunehmen und die Branche erneut zu bewegen! Ich halte eine nachhaltige „Wertschöpfungskettenreaktion für Fische und Meeresfrüchte im Jahr 2018“ für möglich! Die „Jubiläums-fish international 2018“ wird mehr sein als nur eine Messe. Darauf freue ich mich schon sehr! 15

Fish in focus - Germany's fish fair