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Wirtschaftszeitung_26062017

Branchen &Betriebe: Die Werkzeugmacher Seite 14/15 Geld &Geschäft: Schwere Zeit für Notenfälscher Seite 17/18 Leben &Wissen: Reise durchs Sonnensystem Seite 25/26 DIEWIRTSCHAFT Münster |Münsterland Mit Sonderbeilage FLOTTENMANAGEMENT UND NUTZFAHRZEUGE www.agravis.de Aschendorf f Verlag GmbH &Co. KG Soester Straße 13, 48155 Münster ZKZ 88690 PVST Ausgabe 4/17 www.die-wirtschaft-muensterland.de Preis: 3,50 Euro Wo steckt der Gründergeist? Im Zehn-Jahres-Vergleich ging im Münsterland die Zahl der Existenzgründungen um fast 40 Prozent zurück. Die Zahlen sind deutlich: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen und die Handwerkskammer (HWK) Münster registrierten im vergangenen Jahr im Münsterland rund 5700 Existenzgründungen. Im gesamten Bezirk der beiden Kammern (Münsterland und Emscher- Lippe-Region) gab es 7500 Firmengründungen, das sind sechs Prozent weniger als im Jahr 2015. ImZehn- Jahres-Vergleich–2006 bis 2016 –beträgt der Rückgang nach Angaben der Kammern fast 40 Prozent. IHK-Hauptgeschäftsführer Karl- Friedrich Schulte-Uebbing kennt einen Grund: „In Zeiten gut laufender Konjunktur und Vollbeschäftigung geht die Zahl der Gründungen zurück.“ Die klassische Verlegenheitsgründung („Ich habe keinen Job, also mache ich mich selbstständig“) gebe es nicht mehr.Die meisten Gründer hätten eine Idee, sie beschäftigten sich beim Aufb au der eigenen Existenz aber viel zu wenig mit den betriebswirtschaftlichen Fakten und Erfordernissen. Und es gebe zu viele bürokratische Hemmnisse. Das wird von beiden Kammern übereinstimmend betont. „Gründer brauchen ebenso wie expandierende Unternehmen ein Umfeld, das sie voranbringt statt ausbremst“, sagt Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer,und nennt Beispiele: Entrümpelung und Vereinfachung der Bürokratie, gut ausgebauteVerkehrswege, Sicherung des Berufsnachwuchses, Verlässlichkeit bei den Fördermitteln. Hund: „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, auch die politischen.“ ►Fortsetzung Seite 2 OFFEN GESAGT Mehr Mut Natürlich hat IHK-Hauptgeschäftsführer Schulte-Uebbing mit seiner Einschätzung recht. Brummt die Konjunktur, geht die Zahl der Firmengründungen zurück. Warum soll sich jemand auf das Abenteuer Selbstständigkeit einlassen, wenn seine Leistungsfähigkeit und Kompetenz auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist? Es läuft doch ... Aber läuft es wirklich? Der auffällige Rückgang bei den Existenzgründungen im Münsterland ist alarmierend. Zeigt dieser Negativtrend doch, dass es an Gründergeist mangelt, dass man sich mit Unternehmertum schwertut und der Mut zum Schritt in die Selbstständigkeit fehlt. Wie kann man dies ändern? Sicherlich dadurch, dass man die Einstiegsvoraussetzungen in den Markt optimiert und vor allem die Rahmenbedingungen verbessert. Eine zu komplizierte Bürokratie darf kreative Köpfe und Menschen, die etwas unternehmen wollen, nicht stoppen. Finanzielle Hilfen in der Anfangsphase sind sicherlich gut, aber keine Dauerlösung. Schließlich soll die neue Firma möglichst schnell auf eigenen Beinen stehen. Doch daran hapert es. Wie die NRW-Statistiker in diesen Tagen bekannt gegeben haben, existiert im Land drei Jahre nach der Gründung nur noch die Hälfte der Unternehmen. Eine mehr als bedrückende „Überlebensrate“. Von Nachhaltigkeit keine Spur. Ursachenforschung ist angebracht. wk Mittelstand hält sich gut Bei den Insolvenzen führen kleine Unternehmen die Halbjahresstatistik an. Vor allem kleine Unternehmen sind im ersten Halbjahr 2017 in die Pleite gerutscht. Mehr als die Hälfte der von einer Insolvenz betroffenen Unternehmen (52,9 Prozent) habe einen Umsatz von weniger als 250 000 Euro im Jahr erwirtschaftet. Deutlich besser sah es im Mittelstand aus. Wi We die Wirtschaftsauskunftei Creditreform jetzt berichtete, sei vor allem bei Jungunternehmern im Alter vonbis zu 29 Jahrendas Pleiterisiko besonders hoch. 4 198869 003501 2 0 0 2 6 Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum meldeten mehr kleine Unternehmen Insolvenz an: Im ersten Halbjahr waren es5450 Fälle, rund 200 mehr. In wirtschaftliche Schiefl age seien dabei besonders viele meist von einem Einzelunternehmer betriebene Kl einstunternehmen geraten, die weniger als 100000 Euro im Jahr umsetzten. Deutlich zurück gingen dagegen die Insolvenzzahlen imMittelstand. Dank der guten Konjunktur und der niedrigen Zinsen sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzenaber insgesamt in den ersten sechs Monaten um 5,9 Prozent auf 10 300. Das traf auch weniger Mitarbeiter. Die Zahl der von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffenen Beschäftigten ging um rund 10 000 auf rund 99 000 zurück. Insgesamt mussten die Gläubiger laut Creditreform auf Forderungen von schätzungsweise rund 13 Milliarden Euro(Vorjahr16,3)verzichten. Zu den größten Insolvenzfällen gehörten in diesem Jahr bislang die Pleiten der Bonner Solarworld AG und der Hamburger Großreederei Rickmers. Mit einem Rückgang um 7,5Prozent auf36300 Fällesank im Vergleich zum Vorjahrdie Zahlder Verbraucherinsolvenzen sogar noch stärker. Im ersten Halbjahr 2016 hatte der Rückgang noch bei 2,7 Prozent gelegen, sodass sichder positiveTrend bei Verbraucherinsolvenzen nun noch beschleunigte. „Der private Schuldenberg ist jedoch nach wie vor hoch“, sagte Creditreform-Geschäftsführer Volker Ulbricht. Vorallem bei denInsolvenzen ehemals Selbstständiger habe es sogar einen Anstieg gegeben. dpa Sie sind Eigentümer eines Mehrfamilienhauses, eines Wohn- und Geschäftshauses oder auf der Suche nach einer Anlageimmobilie? Unser Expertenteam berät Sie gern!