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Kryptowährungsfonds: Eine neue Assetklasse für institutionelle Investoren?

Niedrigzinszeiten:

Stiftungen auf dem Weg

zu neuen Anlageformen

Nur jeder fünfte

Banken-Firmenkunde ist

profitabel

Run auf Büroimmobilien

hält weiter an

Kryptowährungsfonds:

Eine neue Assetklasse

für institutionelle Investoren?

SONDERTHEMA

Stefan Klaile

Vorstand

XOLARIS Service Kapitalverwaltungs-AG

Kryptowährungen als Oberbegriff der digitalen

Währungen, haben bereits mehr Akzeptanz, als

viele sich dies heute vorstellen können“

Ausgabe September/2017

www.FinanzBusinessMagazin.de

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Liebe Leserinnen und Leser:

Vielen Dank für 15 Jahre!


EDITORIAL I FinanzBusinessMagazin

EDITORIAL

Niedrigzinsphase sorgt für deutliche Verschiebungen in Portfolien

institutioneller Investoren

Die anhaltende Niedrigzinsphase setzt deutsche Stiftungen immer stärker unter Druck. Wie eine

aktuelle Befragung des Stiftungspanels des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen zeigt, gestaltet

sich der reale Kapitalerhalt für viele Stiftungen immer schwieriger.

Nach Einschätzung der befragten Stiftungen wird es 2017 nur noch knapp zwei Dritteln gelingen,

eine Rendite oberhalb der zu Jahresanfang prognostizierten Jahresinflationsrate von 1,5 Prozent zu

erwirtschaften.

Die Niedrigzinsphase führt europaweit auch zu deutlichen Verschiebungen in den Portfolios der institutionellen

Anleger. Seit 2010 sinkt der Anteil der Anleihen, während neben Aktien und Immobilien

vor allem alternative Anlagen zulegen. Dies zeigt der Mercer European Asset Allocation Survey 2017,

in dessen Rahmen mehr als 1.200 institutionelle Investoren in Europa mit einem Anlagevolumen von

insgesamt über 1,1 Billionen Euro analysiert wurden.

Um ihre Garantiezinsversprechen einzuhalten, wollen deutsche Versicherungen in diesem Jahr

weiterhin deutlich in Immobilien investieren. Die geplanten Käufe könnten damit bis Ende 2017

eine Rekordquote von 10,7 Prozent an der Kapitalanlage der Assekuranz erreichen. Dies zeigt das

jährliche Trendbarometer Assekuranz von EY Real Estate, für das 35 Unternehmen der Versicherungswirtschaft

Auskunft über ihre Pläne gaben.

Kapitalerhöhungen, Teilverkäufe, Abbau von Risiken und Personal: Die europäischen Banken haben

in den vergangenen zehn Jahren viele Register gezogen, um die Finanzkrise hinter sich zu lassen.

Doch nur 38 Prozent der größeren Institute in Europa stehen gut da. Dagegen ist der Zustand

von mehr als einem Viertel äußerst besorgniserregend, so eine aktuelle Studie der internationalen

Managementberatung Bain & Company.

Mit der Diskussion um Kryptowährungen und Initial Coin Offerings hat die Digitalisierung längst auch

Geld und Währungen erfasst. Bitcoins, Litcoins, Peercoins, Dogecoins, Mastercoins und zahlreiche

andere um Nutzer buhlende Crypto Currencies geistern durch das Netz. Dabei geben sich Jubel- und

Horrormeldungen die Klinke in die Hand – kaum ein Tag vergeht, an dem nicht zugleich Meldungen

zu lesen sind, wonach ein Start-up binnen weniger Stunden mehrere 100 Mio. Dollar über ein ICO

aufgebracht hat und zugleich eine Aufsichtsbehörde einen Anbieter einer virtuellen Währung aus

dem Verkehr gezogen hat. Haben wir es nur mit einer digitalen Wildwest- Spielwiese für moderne

Glücksritter zu tun oder verbirgt sich hinter dem Hype um Kryptowährungen eventuell eine ernstzunehmende

Alternative für Kapitalanleger?

Das Redaktionsteam

Ausgabe September/2017

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FinanzBusinessMagazin I INHALTSVERZEICHNIS

KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

6 Kryptowährungsfonds – eine neue Assetklasse für institutionelle Investoren?

von Dr. Thorsten Voß, Rechtsanwalt, Partner / SERNETZ · SCHÄFER Rechtsanwälte Partnerschaft mbB

9 Sollte man in die Blockchain-Technologie, in Bitcoins oder andere Kryptowährungen investieren?

von Prof. Dr. Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center

12 Deshalb sind Kryptowährungen für institutionelle Anleger interessant

Interview mit Stefan Klaile, Vorstand XOLARIS Service Kapitalverwaltungs-AG

14 Ertragssteuerliche Behandlung von Crypto Tokens

von Dr. jur. Julian Albrecht, Senior Associate bei Schnittker Möllmann Partner

17 Blockchain im Asset Management

von Dr. Khanh Dang Ngo, Rechtsanwalt, Finance & Blockchain, Simmons & Simmons LLP

20 Besteuerung der Geschäfte mit virtuellen Währungen – sog. Kryptowährungen

von Alexander Lehnen und Marcel Bailänder, ARNECKE SIBETH

24 Warum Bitcoin kein Betrug ist und wie sich Kryptowährungen als Investment eignen können

Interview mit Kryptowährungsexperte Jörg Molt, Speakers Excellence Top 100 Trainee & Speaker,

CEO Satoshi School

28 Neue Trend-Anlageklasse Kryptowährung reif für professionelle Investoren?

29 Schweiz: Falcon Private Bank erweitert Krypto-Asset-Management in Zusammenarbeit

mit der Bitcoin Suisse AG um Ether, Litecoin und Bitcoin Cash

30 Zentralbanken heizen die Nachfrage nach Kryptowährungen an

31 Kryptowährungen im Kampf mit traditionellen Zahlungsmitteln

33 eToros Crypto CopyFund investiert in Bitcoin, Ethereum, Ripple, LiteCoin, Ethereum Classic und Dash

34 Blockchain in der Finanzdienstleistungsbranche birgt großes Potenzial -

breite Anwendung in drei bis fünf Jahren

36 DXC-Studie "Blockchain": 60 Prozent der Banken prüfen Datenschutz

38 Blockchain macht Entwicklungszusammenarbeit wirksamer

39 EY, Guardtime und Branchenteilnehmer starten die weltweit erste Blockchain-Plattform

für Transportversicherer

41 Blockchain – Revolution: Abstraktes Unterfangen mit Zukunft Chance oder

42 Blockchain: In der Automobilbranche weitgehend unbekannt

44 Per Klick zum neuen Reisepass: 81 % der Deutschen wünschen sich die digitale Verwaltung

INVESTMENTS

46 Niedrigzinszeiten: Stiftungen auf dem Weg zu neuen Anlageformen

48 Studie: Auf der Suche nach Ertrag rücken alternative Investments in den Fokus

50 Coller-Capital-Umfrage: Private-Equity-Anleger rechnen mt Cyber-Angriffen

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INHALTSVERZEICHNIS I FinanzBusinessMagazin

52 KPMG: Fintech-Investitionen nehmen Fahrt auf

53 Forstimmobilienmarkt Deutschland im Fokus

56 Versicherungsgesellschaften investieren vornehmlich in Finanzprodukte aus dem Euroraum

FINANZMÄRKTE

57 McKinsey-Studie: Globalisierung der Finanzmärkte hat sich verändert

59 Zahl der Reichen in China steigt rasant an

BANKEN

60 Deutsche Privatbanken bleiben im europäischen Wettbewerb weiter zurück

62 Nur jeder fünfte Banken-Firmenkunde ist profitabel

64 Private Banking in der Schweiz – eine Branche im Umbruch

66 Schweizer Banking Report 2017: Digitalisiertes Retailbanking für zukunftsfeste Ertrags- und

Kostenstrukturen

68 Luxemburger Privatbanken müssen sich konsequent neu ausrichten

70 World Retail Banking Report 2017: Open Banking verspricht attraktives Ertragspotenzial für Banken

72 Jede vierte Bank kämpft ums Überleben

74 Bankenregulierung: Institute entdecken Sparpotenzial

75 Studie: Banken gehen FinTech-Kooperationen im Kreditgeschäft aus dem Weg

76 Finanzplatz Frankfurt: In der Pole-Position für Brexit-Banker

76 IT-Sicherheit: Banken kämpfen unter erschwerten Bedingungen

78 Studie: Jede vierte Bank ist Fintech-Gründer

IMMOBILIEN

79 Versicherungen: Einzelhandel und Sicherheit wieder top

81 Run auf Büroimmobilien hält weiter an

82 Mehrheit der Immobilieninvestoren möchte kaufen

83 Deutschland wohnt zur Miete

84 Mails im Minutentakt - wenn für Manager digital zur Qual wird

IMPRESSUM

86 Impressum

Ausgabe September/2017

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FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Kryptowährungsfonds

eine neue Assetklasse

für institutionelle Investoren?

von Dr. Thorsten Voß, Rechtsanwalt, Partner

SERNETZ · SCHÄFER Rechtsanwälte Partnerschaft mbB

Mit der Diskussion um Kryptowährungen

und Initial Coin Offerings

hat die Digitalisierung längst auch

Geld und Währungen erfasst. Bitcoins, Litcoins,

Peercoins, Dogecoins, Mastercoins

und zahlreiche andere um Nutzer buhlende

Crypto Currencies geistern durch

das Netz. Dabei geben sich Jubel- und

Horrormeldungen die Klinke in die Hand

– kaum ein Tag vergeht, an dem nicht zugleich

Meldungen zu lesen sind, wonach ein

Start-up binnen weniger Stunden mehrere

100 Mio. Dollar über ein ICO aufgebracht

hat und zugleich eine Aufsichtsbehörde

einen Anbieter einer virtuellen Währung

aus dem Verkehr gezogen hat. Haben wir

es nur mit einer digitalen Wildwest-Spielwiese

für moderne Glücksritter zu tun

oder verbirgt sich hinter dem Hype um

Kryptowährungen eventuell eine ernstzunehmende

Alternative für Kapitalanleger?

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Wie jeder Debatte tut auch dieser eine

Versachlichung gut und erscheint unbedingt

notwendig. Zunächst sei festgehalten,

dass Kryptowährungen – wie jede

neue Technologie – einer rechtlichen Einordnung

zugänglich sind und dass sich so

beinahe automatisch die Leitplanken aufstellen

werden, innerhalb derer sich Teilnehmer

auf dem Kapitalmarkt bewegen

können und dürfen. Erinnert sei etwa an

die Klarstellung der US-amerikanischen

Börsenaufsicht Securities und Exchange

Commission (SEC), wonach auf Coins –

unabhängig von deren Ausgestaltung im

Detail – durchaus wertpapier(handels)

rechtliche Vorschriften anwendbar sein

können. Allein dieses sehr prominente

Beispiel zeigt, dass es sich bei Kryptowährungen

keineswegs um einen (bislang)

ungeregelten Markt handelt.

Auch der deutsche Regulator war fleißig

und hat sich im Hinblick auf Kryptowährungen

erfreulich klar geäußert: So sind

nach Auffassung der BaFin, Bitcoins in der

Tatbestandsalternative der Rechnungseinheiten

gemäß § 1 Absatz 11 Satz 1 Kreditwesengesetz

(KWG) rechtlich verbindlich

als Finanzinstrumente einzuordnen. Und

weiter heißt es auf der BaFin-Homepage

wörtlich: „Diese rechtliche Einordnung gilt

grundsätzlich für alle VC. Auf die zugrundeliegende

Software oder Verschlüsselungstechnik

kommt es hierbei nicht an.“

Danach sind VC aber auch kein gesetzliches

Zahlungsmittel und daher weder

Devisen noch Sorten. Sie sind auch kein

E-Geld im Sinne des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes

(ZAG), da es keinen Emittenten

gibt, der sie, unter Begründung

einer Forderung gegen sich, ausgibt. Bei

digitalen Zahlungsmitteln ist dies gerade

anders, da hinter diesen stets eine zentrale

Stelle steht, welche die Ausgabe und

6 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Verwaltung der Einheiten tätigt. Derartige

Unternehmen betreiben in aller Regel das

E-Geld Geschäft nach § 1 a ZAG.

Mit dieser wichtigen und zentralen Grundaussage

lässt sich für die Konzeption von

Kapitalanlageprodukten gut arbeiten. Insbesondere

wird so klar, dass insbesondere

Prospektpflichten, Erlaubnispflichten

für Intermediäre und die Einhaltung von

wertpapierhandelsrechtlichen und geldwäscherechtlichen

Vorschriften eine erhebliche

Rolle spielen können. Im Fokus

des Interesses standen bislang bei einer

Ansprache breiterer Investorenkreise

die Internetplattformen,

auf denen Emittenten

und Anleger zusammengeführt

werden und die u.U. einer Erlaubnispflicht

unterfallen (z.B.

wegen Betreiben des Finanzkommissionsgeschäfts).

Nunmehr wendet sich der Markt

immer stärker einer professionellen

Konzeption für professionelle

Anleger zu, die durch ein

reguliertes Produkt bei allen

wohlverstandenen Risiken und

Volatilitäten eine interessante

Rendite zu erzielen versuchen

– und wer könnte dies im anhaltenden

Niedrigzinsumfeld

verdenken?

Das Augenmerk des Konzeptionärs

fällt hierbei schnell auf

das Kapitalanlagegesetzbuch, das sinnhafterweise

bei den Vorschriften über

Spezial-AIF aufgeschlagen wird. Eine Lektüre

macht schnell deutlich, dass hier ein

konsistentes Regelwerk existiert, dass

ursprünglich nicht auf Kryptowährungen

zugeschnitten gewesen sein mag, diese

aber gleichwohl sachgerecht erfassen

kann. So sind etwa die Produktregeln für

einen offenen Spezial-AIF im KAGB auf den

Umstand maßgeschneidert, dass die Anteile

bzw. die Aktien an einem Spezial-AIF

(je nach Rechtsform des Emittenten) von

Spezial-AIF ausschließlich von professionellen

und semi-professionellen Anlegern

gehalten werden. Der Spezial-AIF (früher:

Spezialfonds) ist im Unterschied zum Publikumsinvestmentvermögen

das „klassische“

Vehikel, mit dem institutionelle

Investoren ihre Investmentpolitik maßgeschneidert

umsetzen können. Spezial-AIF

sind im KAGB geregelte Sondervermögen,

die aufsichtsrechtlich vollreguliert sind

und dabei Absicherungsmöglichkeiten gegen

eine eventuelle Insolvenz vorsehen

Daher gibt es für offene inländische Spezial-

AIF auch keinen Katalog von zulässigen Vermögensgegenständen,

der eine Anlage in

Kryptowährungen ausschließen würde (anders

als etwa bei geschlossenen Publi-

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FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

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kums-AIF iSd §§ 261 ff KAGB). Verlangt

wird als Instrument der Produktregulierung

die Einhaltung des Grundsatzes der

Risikomischung (§ 282 Abs. 1 und Abs.

2 KAGB). Danach darf nur in solche Verkehrswerte

investiert werden,

(1) deren Verkehrswert ermittelt werden

kann;

(2) zudem muss die Zusammensetzung

der Vermögensgegenstände bei offenen

Spezial-AIF die vertraglichen Abreden des

AIF zur Rücknahme der Anteile oder Aktien

Rechnung tragen.

(3) insbesondere müssen die Vermögensgegenstände

in ihrer Zusammensetzung

so liquide sein, dass sie die von dem offenen

Spezial-AIF vorgesehene Rücknahme

der Anteile oder Aktien erlauben.

Das sind aber Punkte, die sich bei Kryptowährungen

handhaben lassen. Vor diesem

Hintergrund ist es nur eine Frage

der Zeit, bevor innovationsfreudige wie

kompetente Marktteilnehmer ein entsprechendes

Investitionsvehikel auflegen

werden. Ein professionelles Produkt für

professionelle Anleger beaufsichtigt von

einem professionellen Regulator – viel

besseres könnte der Alternatives-Branche

kaum passieren.

Zum Autor: Dr. Thorsten Voß, Bankkaufmann, vormals

BaFin, ist Rechtsanwalt und Partner im Düsseldorfer Büro

der Sozietät Sernetz Schäfer mit Tätigkeitsschwerpunkten

im Bank-, Kapitalmarkt-, Investment- und Aufsichtsrecht.

Er ist Mitherausgeber des Kommentars „Recht der Alternativen Investments“

im Verlag C.H.Beck sowie zahlreicher anderer kapitalmarktrechtlicher

Kommentare (ua zum KWG, WpHG und WpPG). Voß ist

Lehrbeauftragter an der Frankfurt School of Finance für Internationales

Bankaufsichtsrecht.

www.sernetz-schaefer.de

Dr. Thorsten Voß ist Referent beim 1.Investorenkongreß Kryptowährungen

am 23. Januar 2018 in München www.Investorenkongress.de

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KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Sollte man in die Blockchain-Technologie,

in Bitcoins oder andere Kryptowährungen

investieren?

von Prof. Dr. Philipp Sandner,

Leiter des Frankfurt School Blockchain Center

Bitcoin ist der Ursprung der Blockchain-Technologie,

die viel verändern

wird; auch die Bereiche Investment,

Vermögensanlage und Venture

Capital. Mit Kryptowährungen existieren

zudem neue Investitionsobjekte, die jedoch

als hochspekulativ einzustufen sind.

Bitcoin wird derzeit sehr kontrovers

diskutiert. Es handelt sich um eine so

genannte Kryptowährung, die seit 2008

existiert. Mit dem Konzept für Bitcoin

wurde damals auch die Blockchain-Architektur

erfunden. Teilweise wird von

„digitalem Gold“ gesprochen. Warum

Bitcoin? Wer heute von Deutschland aus

nach Indonesien 1000 Euro überweist,

weiß nicht nach wie vielen Tagen oder

gar Wochen der Betrag ankommt; zudem

werden Gebühren erhoben, so dass

etwa nur 900 Euro das Ziel erreichen. Mit

Bitcoin kann ein solcher Wert (1) binnen

Minuten weltweit versandt werden (2)

ohne nennenswerte Transaktionskosten.

Blockchain-Technologie:

Digitale Verwaltung von

Eigentumsverhältnissen

Die Blockchain-Technologie eignet sich zur

Verwaltung aller Arten von Eigentumsverhältnissen

und zur Automatisierung von

Geschäftsprozessen. So lassen sich Werte

übermitteln, ohne Intermediäre und ohne

Finanzinfrastruktur. Direkt von einem Absender

zum Empfänger. Daher müssen sich

Intermediäre wie Banken, Börsen, Vermögensverwalter

oder Venture Capital-Funds

mit der Technologie beschäftigen, um ihr

Geschäftsmodell auf neue Chancen aber

auch auf die Risiken auszurichten.

Kryptowährungen als Investitionsobjekt

Bitcoin hat sich inzwischen signifikant weiterentwickelt.

Es existieren nunmehr über

700 so genannte Kryptowährungen mit

teilweise sehr unterschiedlichen Profilen,

die interessante aber auch sehr spekulative

Investitionsobjekte sein können. Herausragend

ist sicherlich der Ansatz von

Ethereum, der die Abbildung von weltweiten

Geschäftsprozessen und -logiken

erlaubt. Funds, die in Kryptowährungen

investieren, sind derzeit in der Entwicklung.

Damit könnten auch traditionelle

Investoren in Kryptowährungen investieren.

Der Investor muss sich jedoch genau

mit der Materie auskennen, da regulato-

Ausgabe September/2017

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FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

rische Veränderungen wie im September

zu erheblichen Kursschwankungen führen

können. Hackerangriffe können zudem zu

Totalverlusten führen.

Veränderungen von Venture Capital

Auch Venture Capital-Geber sind Intermediäre.

Venture Capital-Geber sind seit

Jahrzehnten wichtige Financiers für Innovationen;

ohne derartige Kapitalgeber

gäbe es Unternehmen wie Google oder

Dropbox heutzutage nicht. Es waren exakt

diese Kapitalgeber, die in frühen Phasen

Start-ups kurz nach deren Gründung finanziert

haben, so dass diese dann zu großen

Unternehmen heranwachsen konnten. Mit

der Blockchain-Technologie müssen auch

Venture Capital-Geber ihr Geschäftsmodell

überdenken. Im Jahr 2017 sind weit

mehr als 1 Milliarde Euro von Investoren

via Blockchain-Technologie direkt an

Start-ups geflossen – ohne dass diese

Investitionen durch Venture Capital-

Geber vermittelt werden mussten. Dieses

Phänomen nennt sich im „digitalen

Volksmund“ Initial Coin Offering (ICO)

um sich bewusst und provokant an den

Begriff des Initial Public Offering (IPO)

von börsennotierten Unternehmen anzulehnen.

Natürlich ist hier ein gewisser

Hype zu beobachten und auch die regulatorischen

Anforderungen werden oftmals

nicht oder nur unzureichend beachtet.

Aber dennoch ist hier eine Veränderung

im Gange, auf die Venture Capital-Geber

achtgeben müssen, um übermorgen noch

Zugang zu herausragenden Start-ups zu

haben.

Iconiq Lab:

Blockchain-basierte

Unternehmensgründungen

Bei Iconiq Lab mit Sitz in Berlin und Frankfurt

handelt sich um ein Unternehmen,

das blockchain-basierte Start-ups unterstützt,

Gelder mittels Blockchain-Technologie

zu akquirieren. Iconiq Lab erfährt

großes Interesse von Start-ups aber auch

von Venture Capital-Gebern. Venture

Capital-Funds äußern Interesse, weil sie

merken, dass sich interessante Start-ups

direkt an Blockchain-Investoren wenden,

und nicht mehr an „traditionelle“ Venture

Capital-Geber. Dies zeigt, dass sich das

Thema Gründungsfinanzierung und Vermögensverwaltung

durch die Blockchain-

Technologie verändern wird.

10 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

W2B: Effiziente

Immobilienfinanzierung mittels

Blockchain-Technologie

Zuletzt ist W2B noch ein interessanter

blockchain-basierter Ansatz. Die Idee ist

hier, zum Beispiel Gewerbeimmobilien zu

erwerben, diese dann weiterzuentwickeln

und sich das Investment durch Mieter

über die Folgejahre refinanzieren zu lassen.

Diese Investitionsmöglichkeiten gibt

es bereits für Großinvestoren; seit Jahrzehnten.

Mit der Blockchain-Technologie

wäre es jedoch möglich, einen zuverlässigen

und effizienten Mechanismus zu

entwickeln, so dass auch kleinere Investoren

vom deutschen Immobilienmarkt

partizipieren könnten. Interessant wird

dies vor allem dann, wenn man auf diese

Weise ausländische Investoren eine Möglichkeit

bereit stellen würde, in Deutschland

zu investieren – ohne dass Intermediäre

hohe Kosten und übermäßig viel

Papierlast erzeugen.

Regulatorik als Herausforderung und

Treiber für Digitalisierung

Natürlich ist es nicht einfach, diese neuen

Geschäftsansätze regulatorisch korrekt

abzubilden, aber es ist möglich. Und damit

entstehen durch die Blockchain-Technologie

gänzlich neue Geschäftsmodelle, die zumeist

vollautomatische Geschäfts- und Zahlungsprozesse

beinhalten. Die Zeit wird zeigen,

inwiefern derartige Geschäftsideen erfolgreich

werden können. Aber in jedem Falle

lässt sich festhalten, dass die Blockchain-

Technologie nicht mehr verschwinden

wird, sondern zahlreiche Branchen und

Geschäftsmodelle signifikant beeinflussen

wird.

Zum Autor : Prof. Dr. Philipp Sandner leitet das

Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt

School of Finance & Management, welches im Februar

2017 initiiert wurde.

Zu den Themengebieten von Herrn Prof. Dr. Sandner gehören

Blockchain, Kryptowährungen, Digitalisierung und Entrepreneurship.

Herr Prof. Dr. Sandner ist im FinTechRat des Bundesministerium der

Finanzen.

www.fs.de/blockchain

Prof. Dr. Philipp Sandner ist Referent beim 1.Investorenkongreß

Kryptowährungen am 23. Januar 2018 in München www.Investorenkongress.de

Ausgabe September/2017

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FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Deshalb sind Kryptowährungen

für institutionelle Anleger interessant

Interview mit Stefan Klaile,

Vorstand XOLARIS Service Kapitalverwaltungs-AG

FBM: Warum sind Kryptowährungen

für institutionelle Anleger interessant?

Stefan Klaile: Kryptowährungen als

Oberbegriff der digitalen Währungen, haben

bereits mehr Akzeptanz, als viele sich

dies heute vorstellen können. Selbst Zahlungen

des täglichen Bedarfes lassen sich

teilweise bereits darstellen. Auch einige

Länder haben bereits; andere wollen kurzfristig,

digitale Währungen als Währung

akzeptieren, sodass es auch hier zu mehr

Akzeptanz dieser Währungen in unserem

täglichen Leben kommen wird. Aus diesem

Grund handelt es sich bei den Kryptowährungen

um potentielle Assets in die

investiert werden kann. Wenn man sich

den historischen Verlauf ansieht, dann

kann man die enormen Schwankungen

der verschiedenen Währungen erkennen,

sodass es sich zweifelsohne um high risk

investments handelt, die gleichzeitig aber

auch einen enormen Wertzuwachs haben

können. Aus diesem Grund kann eine Investition

in Kryptowährungen für institutionelle

Anleger interessant sein, wenn diese

in der jetzigen Zinsphase in spekulative

Anlagen mit einem überdurchschnittlichen

Rendite-/Risikoprofil investieren wollen.

FBM: Was sind die Herausforderungen

für Finanzprodukte?

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Stefan Klaile: Die Herausforderung

für Finanzprodukte bestehen aus einer

Vielzahl verschiedener Punkte. Wichtig ist

die Auswahl der richtigen Geschäftspartner,

damit diese auch nachhaltig in der Lage

sind, von einer Kryptowährung die jeweiligen

Mengen selbst herzustellen oder diese

ggf. auch am Markt kaufen zu können.

Daneben ist wichtig zu entscheiden ob man

sich auf eine spezielle Währung beschränken

will und wenn ja auf welche oder ob man

einen Multi-Asset-Ansatz aufbaut. Zeitgleich

muss man sich die Frage stellen,

ob eine Investition sinnvoll ist oder ob

man sich nicht besser an den Mining-

Farmen beteiligt, die notwendig sind,

um die Währungen zu produzieren.

Zum Schluss stellt sich noch die Frage

nach der geeigneten Struktur bzw. der

Konzeption des Produktes.

12 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

FBM: Wie ist Ihr Unternehmen hier

aufgestellt?

Stefan Klaile: Als XOLARIS beschäftigen

wir uns schon seit mehr als einem Jahr

mit dem Thema. Dies hängt auch damit

zusammen, dass wir Anfragen zur Auflage

eines Produktes sowohl von Kunden als

auch von Anbieterseite hatten und haben.

Derzeit sind wir in der Prüfung eines neuen

Projektes.

FBM: Welche Kunden wollen Sie mit

zukünftigen Angeboten ansprechen?

Stefan Klaile: Wenn wir als Service KVG

gemeinsam mit einem Kunden ein solches

Projekt aufsetzen, dann können aus unserer

Sicht damit nur Kunden angesprochen

werden, die sich selbst mit dem Thema

bereits intensiv beschäftigt haben. Dies

ist die Voraussetzung, damit das Risiko auf

Kundenseite selbst eingeschätzt und bewertet

und gleichzeitig auch die Konzeption und

der Inhalt des Produktes analysiert werden

kann. Insofern kann es sich aus unserer

Sicht nur um institutionelle Anleger

handeln, die Kryptowährungen selbst

als Assetklasse definiert haben.

Das Interview führte Friedrich Andreas Wanschka

für FinanzBusinessMagazin.de

Zum Interview-Partner: Stefan Klaile gründete

2010 die XOLARIS Gruppe und 2013 gemeinsam

mit der xpecto AG die XOLARIS Service KVAG in

München, deren Portfoliomanagement er seitdem

als Vorstand verantwortet.

Darüber hinaus ist er Aufsichtsrat der ADREALIS Service KVG

in Hamburg. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im

Bereich liquider und illiquider Finanzprodukte und bekleidete

Führungspositionen bei internationalen Finanzhäusern, unter

anderem als COO eines Emissionshauses. Stefan Klaile

entwickelte als Dozent an der Frankfurt School of Finance

& Management den Studiengang „Certified Closed End

Funds Advisor / Manager“

www.xolaris-kvg.de

Stefan Klaile ist Referent beim 1.Investorenkongreß Kryptowährungen

am 23. Januar 2018 in München www.Investorenkongress.de

Ausgabe September/2017

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FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Ertragssteuerliche Behandlung von

Crypto Tokens

von Dr. jur. Julian Albrecht,

Senior Associate bei Schnittker Möllmann Partner

Die Begriffe „Crypto Token“, „Blockchain“

und „ICO“ sind inzwischen

in aller Munde. Die im Rahmen von

Initial Coin Offerings (ICOs) eingesammelten

finanziellen Mittel werden immer größer,

Crypto Tokens wie Bitcoin, Ether,

Litecoin oder Ripple (dies sind nur einige

der bekanntesten) erreichen wöchentlich

neue, wenn auch volatile, Höchststände.

In ebenso schneller Folge werden neue,

vielversprechende Anwendungsgebiete

für die dahinterstehende Technologie der

Blockchain ausgemacht.

Die langfristige Perspektive für Crypto Tokens

wird – zumindest für den Standort

Deutschland – auch dadurch beeinflusst,

wie Gewinne aus Token-Geschäften

steuerlich behandelt werden,

denn Marktteilnehmer richten erfahrungsgemäß

ihre Investitionstätigkeit

auch nach der zu erwartenden Abgabenlast

aus. Dieser Beitrag wirft die

wichtigsten steuerlichen Fragen auf

und fasst den aktuellen Diskussionsstand

zusammen.

I. Steuerfrei vs. voll steuerpflichtig

Nach ersten Äußerungen der Bundesregierung

sind Bitcoin, die bekanntesten

und gemessen an der Marktkapitalisierung

(noch) wichtigsten Crypto Tokens, im

Ausgangspunkt Wirtschaftsgüter und als

solche in ihrer steuerlichen Behandlung

zunächst vergleichbar mit Münzen, Oldtimern

oder Briefmarken. Für Privatanleger

hat das folgende Konsequenzen: Gewinne

aus Bitcoin, die durch Kapitaleinsatz (nicht

„Mining“) erworben und später veräußert

werden, sind steuerfrei, sofern zwischen

Erwerb und Veräußerung ein Zeitraum von

mindestens einem Jahr (zehn Jahre, falls

ein Token als laufende Einkunftsquelle genutzt

werden kann) liegt – ein durchaus

interessantes Ergebnis, wenn man sich

vergegenwärtigt, dass nach Einführung

der sog. Abgeltungsteuer Veräußerungsgewinne

nur noch sehr selten steuerfrei erzielt

werden können.

Veräußerungen innerhalb eines Jahres

nach Erwerb sind hingegen voll steuerpflichtig.

Ein steuerbarer Vorgang ist dabei

nicht nur anzunehmen, wenn erworbene

Tokens für einen Preis in Euro veräußert

werden, sondern auch beim Eintausch von

Tokens gegen andere Wirtschaftsgüter.

„Anderes Wirtschaftsgut“ kann in diesem

Zusammenhang z.B. ein anderer Crypto

Token sein, bei dessen ICO man mit Bitcoin

zahlt (viele kleinere Token können nur gegen

andere, bekanntere Token, nicht aber

gegen sog. Fiat-Währungen eingetauscht

werden). Der Moment des Eintauschs ist

ein steuerlicher Realisationsvorgang, so

dass etwaige Kurserhöhungen innerhalb

eines Jahres zwischen dem Zeitpunkt des

Bitcoinerwerbs und des Eintauschs steuerpflichtige

Veräußerungsgewinne sind.

Um zu ermitteln, ob ein veräußerter Token

länger als ein Jahr gehalten wurde, dürfte

das sog. FIFO-Verfahren (first in - first out)

anzuwenden und häufig auch von Vorteil

sein. In tatsächlich-technischer Hinsicht

hilft die Blockchain-Technologie, die sämtliche

Transaktionen irreversibel festhält. Es

gilt an dieser Stelle, die steuerrechtliche

Beratung mit der technischen zu verknüpfen,

denn es gibt Maßnahmen, die sicherstellen,

dass die „richtigen“ Tokens ver-

14 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

äußert werden. Dafür ist ein technisches

Grundverständnis (u.a.) über die Arbeitsund

Wirkungsweisen von Blockchain-Transaktionen

und Wallets notwendig.

(Deutsche) Kapitalgesellschaften profitieren

von der Steuerfreiheit nicht. Im Gegenteil:

Für sie sind die Erträge beim direkten

Halten und Veräußern von Tokens

steuerpflichtig, und zwar im Gegensatz zu

Veräußerungserträgen bei Kapitalgesellschaftsanteilen

zu 100 %.

II. Besonderheiten

für Fonds-Investments in Crypto Tokens

Die Gewinnphantasien, die die Kursentwicklungen

von Bitcoin und anderen Crypto

Tokens ausgelöst haben, stellen auch

Manager von Tech-affinen Venture Capital-

Fonds vor die Frage, ob sie nicht einen Teil

des von ihnen verwalteten Geldes für den

Erwerb solcher Tokens einsetzen sollen.

Dabei ergeben sich einige steuerliche Besonderheiten,

die Manager vor einer Kaufentscheidung

beachten sollten.

a) Besteuerung von Fonds-Investoren

Venture Capital Fonds sind typischerweise

vermögensverwaltend tätig. Ein vermögensverwaltender

Fonds ist ein materiellsteuerliches

Nullum, denn aufgrund der

sog. Bruchteilsbetrachtung werden den

Investoren steuerlich keine Fondsanteile,

sondern anteilig die vom Fonds gehaltenen

Wirtschaftsgüter zugerechnet. Es ändert

sich gegenüber dem oben Gesagten also

nichts:

Natürliche Personen, die (ggf. über eine weitere

vermögensverwaltende Personengesellschaft)

in einen Fonds investieren, können

von der Steuerfreiheit nach Ablauf der Spekulationsfrist

profitieren. Das kann ein ganz

erheblicher selling point im Fundraising sein!

Kapitalgesellschaften sind mit Token-Gewinnen,

die auf sie aus einer Fondsbeteiligung

entfallen, voll steuerpflichtig. Daran

ändert natürlich auch die Zwischenschaltung

einer (deutschen) Kapitalgesellschaft

nichts – zwar kann dann je nach

konkreter Ausgestaltung die Investor-

Kapitalgesellschaft von der 95 %igen

Steuerfreiheit profitieren, auf Ebene der

Zwischengesellschaft tritt aber eine Körperschaft-

und Gewerbesteuerbelastung

ein.

Hier zeigt sich, dass sich je nach Investorenstruktur

unterschiedliche Haltestrukturen

anbieten können. Reine Token-Fonds

werden über Parallelfonds-Strukturen

nachdenken können, um jedem Investor

eine steueroptimierte Behandlung der

Rückflüsse zu gewährleisten.

b) Vermögensverwaltender Status eines

Crypto Fonds

Der originäre (durch ICOs, nicht durch

Mining) oder derivative (Handelsplattformen)

Erwerb von Crypto Tokens führt

nicht zwingend zur Gewerblichkeit eines

Fonds. Es sind bei der Beurteilung u.E. –

und hier scheinen uns erste Finanzämter

zuzustimmen – vielmehr die allgemeinen

Grundsätze anwendbar, die sich – bei

Venture Capital-ähnlichen Fonds – insbesondere

aus den Kriterien des sog. PE-

Erlasses des BMF ergeben. Das bedeutet,

dass es auf die Umstände des konkreten

Einzelfalls, vor allem aber auf die beabsichtigte

Haltedauer ankommt. Ein häufiges,

„händlertypisches“ Umschlagen

von Token und Ansprüchen sowie wiederkehrende

Reinvestitionen könnten zu einer

Gewerblichkeit des Fonds führen. Bei

ICOs, in denen zunächst nur Ansprüche

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FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

auf die spätere Übereignung erworben

werden, ist daher besondere Aufmerksamkeit

geboten; ebenso bei ICOs, in denen

nur mit anderen Token, nicht aber mit Fiat-

Währungen gezahlt werden kann.

c) „Infizierung“ des carried interest?

Der „VC-typische“ Teil des carried interest

bleibt (sofern die Anforderungen des § 18

Abs. 1 Nr. 4 EStG ansonsten grundsätzlich

erfüllt sind) steuerlich jedenfalls dann privilegiert,

wenn die Token-Rückflüsse kein

erhebliches Ausmaß annehmen. Dies wäre,

so sich diese Meinung durchsetzt, eine erhebliche

Erleichterung für Fondsmanager:

Sie könnten, nach Klärung weiterer gesellschaftsrechtlicher

und aufsichtsrechtlicher

Fragen, kleinere Testinvestitionen in

Tokens tätigen, ohne um ihren Steuervorteil

fürchten zu müssen.

d) Carry-Privileg für Token-Rückflüsse

Bei diesem Thema zeigt sich die Finanzverwaltung

aktuell noch zurückhaltend. Und

tatsächlich scheint der Wortlaut des § 18

Abs. 1 Nr. 4 EStG gegen eine Anwendung

der Norm auf Crypto-Carry zu sprechen. Wir

sind anderer Meinung: Das Privileg sollte

laut der Gesetzesbegründung eine steuerliche

Aufteilung des Carrys gerade entbehrlich

machen. Überdies wird in der Begründung

als Kernvoraussetzung die vorherige

Rückzahlung des Kapitaleinsatzes der Investoren

– und gerade nicht die Mittelherkunft

– identifiziert. Dass der Wortlaut gegen

die Anwendung spricht, ist übrigens nicht

verwunderlich: Die Norm wurde ca. fünf

Jahre vor „Geburt“ der Bitcoin erlassen.

Auch ein noch so vorausschauend handelnder

Gesetzgeber hätte schlicht nicht antizipieren

können, dass er, um „Wagniskapital“

zu fördern, nicht ausschließlich „Anteile

an Kapitalgesellschaften“, sondern auch

„digital-kryptografische Werteinheiten“ als

Carry-Quelle hätte nennen müssen.

Diese Einschätzungen geben unsere Ansichten

zum Thema wieder, die in konkreten

Einzelfällen von zuständigen Finanzämtern

auch geteilt wurden. Dennoch müssen wir

darauf hinweisen, dass umfassende verlässliche

Äußerungen der Finanzverwaltung

oder der Finanzgerichtsbarkeit fehlen. Wir

raten deshalb dazu, vor einem Investment

in Crypto Tokens die steuerlichen Folgen im

Vorwege abzuklären, vorzugsweise in einer

vom zuständigen Finanzamt erteilten verbindlichen

Auskunft.

Der Beitrag ist eine gekürzte und aktualisierte Fassung eines Briefings, das Mandanten von

Schnittker Möllmann Partners zu diesem Thema zur Verfügung gestellt wurde.

Zum Autor: Dr. jur. Julian Albrecht,

ist Senior Associate bei Schnittker Möllmann Partners in

Hamburg

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Bucerius Law

School in Hamburg und einem Auslandsstudium an der University

of Cambridge erfolgte nach dem 1.Staatsexamen eine Tätigkeit am

Lehrstuhl für Steuerrecht von Prof. Dr. Birgit Weitemeyer an der

Bucerius Law School und ein Referendariat mit Stationen u.a. beim

Finanzgericht Hamburg, der Finanzbehörde Hamburg, Latham &

Watkins LLP in Hamburg sowie Flick Gocke Schaumburg in Berlin.

Nach dem 2.Staatsexamen, der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft

und der Promotion zum Dr.jur. folgte eine Tätigkeit als Associate

bei Flick Gocke Schaumburg in Berlin/Hamburg.

www.smp.law

Dr. jur. Julian Albrecht ist Referent beim 1.Investorenkongreß Kryptowährungen

am 23. Januar 2018 in München www.Investorenkongress.de

16 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Blockchain im Asset Management

von Dr. Khanh Dang Ngo, Rechtsanwalt, Finance & Blockchain,

Simmons & Simmons LLP

Die Blockchain Technologie hat das

Potential das Asset Management

nachhaltig zu verändern. Blockchain

bietet eine Alternative zu vielen

aufzeichnungs-basierten Transaktionen.

Insbesondere der Zahlungsverkehr, die

Verwahrung von Vermögensgegenständen

und die Fondsberechnung lassen sich mit

Hilfe dieser vielversprechenden Technologie

effektiver gestalten, weil der Abgleich von

Daten schneller und weniger fehleranfällig

in einem digitalen Netzwerk vollzogen

werden kann. Blockchain behandelt

Assets wie das Internet Informationen

behandelt: sie dezentralisiert die Kontrolle

über Informationen, beseitigt Informationsasymmetrien

und allgemein

verändert die Art, wie wir mit Informationen,

Assets und Dingen umgehen und

mit ihnen interagieren. Die Blockchain

Technologie läutet einen Paradigmenwechsel

im Asset Management ein, das

nicht nur die Prozesse der Vermögensverwaltung

neukonzeptioniert, sondern

auch das Verhältnis zu Vermögensgegenständen

fundamental verändert.

Blockchain by Design bedeutet verteilte

Verwahrung von Daten. Statt Daten zentral

an einer Stelle zu erfassen, speichert

die Blockchain Daten in einem Verbund von

Computern. Jeder Computer in dem Netzwerk

ist ein Knotenpunkt und speichert

den gesamten Datensatz. Mit Hilfe von

Verschlüsselungstechniken und Algorithmen

gewährleistet Blockchain, dass jeder

einzelne Computer auch nur diejenigen

Daten lesen und bearbeiten kann, die ihm

zugeordnet sind. Gleichzeitig erhält der

einzelne Computer die Gewissheit, dass

er über den vollständigen, verschlüsselten

Datensatz verfügt. Blockchain schafft damit

Vertrauen über die Richtigkeit und Vollständigkeit

von Informationen, ohne dass

man sämtliche Informationen vollständig

lesen kann. Blockchain löst damit ein Kernproblem

der verteilten Datenverarbeitung.

Mit diesem Grundkonzept der dezentralen

Datenerfassung sind eine Fülle von Anwendungsfelder

im Asset Management

denkbar. Die gesamte Wertschöpfungskette

einer Wertpapiertransaktion dient

als Spielwiese einer Blockchain-basierten

Plattform, auf der jeder Teilnehmer zu

jeder Zeit alle Daten in nahezu Echtzeit

erfassen kann. Betrachtet man die Wertschöpfungskette

von der ersten Aufnahme

einer Order über das Erfassen des jeweiligen

Assets, der Ausführung der Transaktion

und der abschließenden Übertragung

der Vermögensgegenstände, so lassen

sich mit Hilfe von Blockchain-basierten

Plattformen viele veraltete Prozesse der

Datenüberprüfung, die teilweise derzeit

sogar noch manuell durchgeführt werden,

ersetzen und modernisieren.

Blockchain betrifft grundlegend zunächst

das Asset an sich. Blockchain-basierte Assets

werden auf der Grundlage von Wertmarken,

so genannten "Tokens" aufgezeichnet.

Tokens sind digitale Einheiten,

denen ein Wert gutgeschrieben wird.

Der erste Anwendungsfall der Blockchain

Technologie ist der bekannte Bitcoin. Bitcoin

ist eine Kryptowährung, die auf einer

öffentlichen Blockchain, auf die jedermann

im Internet Zugriff hat, gespeichert

wird. Genaugenommen werden die ein-

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17


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

zelnen Transaktionen der Bitcoin Wertmarke

auf der Blockchain gespeichert. Die Bitcoin

Blockchain erfasst also die Übertragung

eines Bitcoin bzw. Teileinheiten eines

Bitcoin (kleinste Einheit ist ein Satoshi)

von einem Teilnehmer auf einen anderen

im Netzwerk. Mittlerweile gibt es eine Fülle

von Alternativen Wertmarken, so genannten

Altcoins, die auf dem Prinzip der

verteilten Datenerfassung der Blockchain

basieren. Es war lange Zeit unklar, welchen

rechtlichen Status eine solche Wertmarke

wie der Bitcoin hat. Die deutsche

Aufsichtsbehörde betrachtet Bitcoin jedenfalls

als Finanzinstrument in Form

einer Rechnungseinheit, sodass die aufsichtsrechtlichen

Vorschriften auf Bitcoin

Anwendung finden. Nahezu alle maßgeblichen

Aufsichtsbehörden überwachen

die Entwicklung der Kryptowährungen und

Tokenemissionen streng, um systemischen

Wirkungen rechtzeitig schützend begegnen

zu können. Gerade die Venture Capital

Finanzierung mit eigens emittierten

Tokens durch so genannte Initial Coin

Offerings steht derzeit aufgrund der

Größe der erzielten Kapitalaufnahme

im Fokus der Aufsichtsbehörden.

Auf einer Blockchain-basierten Plattform

erhalten alle Teilnehmer Zugriff zu allen

wesentlichen Daten von Wertpapieren.

Während bei der Aufnahme von Order

zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren

und anderen Vermögensgegenständen

derzeit noch Broker und andere Intermediäre

eingeschaltet werden müssen,

stellt die Blockchain jedem Anleger den

direkten Zugriff auf den jeweiligen Vermögensgegenstand

her. Überflüssige Überprüfungen,

widerholende Bewertungen

und wiederkehrende Compliance Dokumentationen

können auf der Blockchainbasierten

Plattform eliminiert werden, weil

alle Daten auf einem einzelnen Datensatz

- dem "Block" bzw. der Blockkette- erfasst

werden, den alle Teilnehmer als einzige

Aufzeichnung der Wahrheit beurkunden

und beglaubigen. Nicht nur das Erfassen

der einzelnen Order ließe sich dezentral

dokumentieren. Auch die einzelnen Orderdaten

wie etwa Kaufpreis, Devisenkurs

und Ausführungszeitpunkt ließen sich auf

einer Blockchain allgemeingültig und von

jedermann verifiziert speichern. Das dezentrale

Design der Blockchain wirft aber

grundlegende Fragen der Sicherheit und

des Datenschutzes auf. Diese Fragen lassen

sich nicht ganz allgemein durch Algorithmen

und mathematische Formeln beantworten.

Darüber hinaus im Bereich der Haftung und

der Corporate Governance bleibt es bei den

konventionellen rechtlichen Grundsätzen,

die in einer Blockchainstruktur mitberücksichtigt

werden müssen.

Blockchain geht zudem über die "simple"

Aufzeichnung einzelner Transaktionen

hinaus. Die als Blockchain 2.0 bezeichnete

Weiterentwicklung ermöglicht nicht

nur die Aufzeichnung von Transaktionen

von Wertmarken ("tokens") wie

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KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

etwa Bitcoin, Ether oder anderen Altcoins,

sie bietet die Möglichkeit ganze

Programmierzeilen auf der Blockchain

abzuspeichern, die Smart Contracts genannt

werden. Hierunter versteht man

allgemein Wenn-Dann-Bedingungen, die

die Parteien vorzeitig vereinbaren und in

Computersprache schreiben. Treten die

vordefinierten Bedingungen eines Smart

Contracts ein, werden bestimmte Befehle

ausgeführt wie etwa die Übertragung

einer Wertmarke oder der Tausch

von Assets. Die derzeitige Entwicklung

von Smart Contracts ist rasant und viele

Standardtransaktionen insbesondere im

Derivate Bereich lassen sich zumindest

in der Konzeptionierungsphase darstellen.

Man arbeitet verstärkt etwa an das

Collateral Management von Derivaten,

bei denen etwa Margin Calls automatisch

ausgeübt werden und die erforderlichen

Sicherheiten automatisch übertragen

werden können.

Die Entwicklung von Blockchain scheint

unaufhaltbar. Im Bereich Asset Management

bietet die Blockchain Technologie

durch ihr dezentrales Design Effizienzsteigerung,

mit denen sich Daten

schneller und kostengünstiger abgleichen

lassen. Durch Tokens lassen sich

Assets oder jedenfalls Repräsentanzen

von Assets in nahezu Echtzeit übertragen.

Unabhängig von der Wertentwicklung

einzelner Tokens wird der Einsatz

von Blockchain viele Prozesse im Asset

Management grundlegend verändern

und die Evolution der Digitalisierung und

Automatisierung in bisher ungeahnte

Dimensionen vorantreiben.

Zum Autor: Dr. Khanh Dang Ngo ist Mitglied des

Internationalen FinTech Teams der Wirtschaftskanzlei

Simmons & Simmons.

Er ist spezialisiert auf die Beratung von Blockchain-basierten

Projekten und der Anlage in Kryptowährungen. Zuvor war er

lange Zeit als In-house Counsel für eine US-amerikanische

Bank tätig, für die er die Derivate-Clearing Abteilung aufgebaut

und betreut hat. Er hat an den Universitäten in Heidelberg,

Boston und Münster studiert und auf dem Gebiet der Finanzmarktinnovationen

rechtsvergleichend promoviert. Darüber

hinaus forschte er im Committee on Capital Markets Regulation

an der Harvard Law School.

www.simmons-simmons.com

Dr. Khanh Dang Ngo ist Referent beim 1.Investorenkongreß Kryptowährungen

am 23. Januar 2018 in München www.Investorenkongress.de

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FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Besteuerung der Geschäfte mit virtuellen

Währungen – sog. Kryptowährungen

von Alexander Lehnen und Marcel Bailänder, ARNECKE SIBETH

Kryptowährungen erfreuen sich zunehmender

Beliebtheit. Aufgrund

des ansteigenden Investitionsvolumens

von deutschen Private Equity bzw.

institutionellen Investoren treten vermehrt

Fragestellungen hinsichtlich deren

Besteuerung auf. Überwiegend werden Investitionen

in Bitcon und Ethereum vorgenommen.

Im Folgenden möchten wir die

wesentlichen steuerlichen Fragestellungen

näher beleuchten.

Ertragsteuerrechtliche Qualifizierung

von Kryptowährungen

Die deutsche Finanzverwaltung hat sich

bei der Frage der ertragsteuerlichen Einordnung

der Ansicht der Bundesanstalt für

Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) angeschlossen.

Diese hat virtuelle Währungen

am Beispiel Bitcoin als Rechnungseinheiten

gemäß § 1 des Kreditwesengesetz (KWG)

rechtlich verbindlich als Finanzinstrumente

qualifiziert. Die BaFin hat auch klargestellt,

dass es sich um kein gesetzliches Zahlungsmittel

handelt und daher weder um Devisen

noch Sorten. Steuerlich sind Kryptowährungen

somit nicht als Währungen, sondern

als immaterielle Wirtschaftsgüter zu

qualifizieren.

Besteuerung bei Investitionen

aus dem Privatvermögen

Grundsätzlich handelt es sich bei der

Veräußerung von Kryptowährungen um

private Veräußerungsgeschäfte. Diese

stellen sonstige Einkünfte dar und sind

steuerpflichtig, wenn der Zeitraum zwischen

Anschaffung und Veräußerung nicht

mehr als ein Jahr beträgt. Nur wenn der

Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger

als € 600 beträgt, bleiben auch diese Gewinne

steuerfrei. Zu beachten ist, dass

sich der Zeitraum von einem Jahr auf zehn

Jahre prolongiert, wenn aus der Nutzung

der Kryptowährung zumindest in einem

Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden. Die

ist beispielsweise dann der Fall, wenn die

Kryptowährungen gegen eine Verzinsung

an Unternehmen verliehen werden, die auf

den Handel mit Kryptowährungen spezialisiert

sind.

Eine Verlustverrechnung ist nur eingeschränkt

möglich. Verluste aus Veräußerungen

von Kryptowährungen mindern

nur die Einkünfte, die in dem unmittelbar

vorangegangenen Veranlagungszeitraum

oder in den folgenden Veranlagungszeiträumen

aus ebensolchen Veräußerungen erzielt

werden.

Beispielfall:

X erwirbt am 01.01.2017 einen Bitcoin zum

Kurs in Höhe von € 930. Am 01.09.2017 erwirbt

X Waren mit diesem Bitcoin im Wert

von € 4.000.

Ergebnis:

Mit dem Erwerb der Waren realisierte X ein

steuerbares und steuerpflichtiges privates

Veräußerungsgeschäft. X ist verpflichtet

eine Einkommensteuererklärung abzu-

20 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

geben und hat den realisierten Gewinn in

Höhe von € 3.070 zu versteuern.

Abwandlung:

X erwirbt die Waren erst am 01.01.2018.

Ergebnis Abwandlung:

Da der Zeitraum zwischen Anschaffung und

Veräußerung mehr als ein Jahr beträgt,

handelt es sich um ein nicht steuerbares

privates Veräußerungsgeschäft. Es besteht

weiterhin eine Verpflichtung zur Abgabe einer

Steuererklärung, der Gewinn unterliegt

jedoch nicht der Besteuerung.

Hierbei ist festzuhalten, dass jeder Erwerb

eines Vermögensgegenstandes mit einer

Kryptowährung einen Tauschvorgang und

damit einen Veräußerungstatbestand darstellt.

Gewerbliche Einkünfte

mit Kryptowährungen

Gewerbliche Einkünfte liegen vor, soweit

durch den Handel mit Kryptowährungen

eine selbständige nachhaltige Tätigkeit mit

der Absicht, Gewinn zu erzielen unternommen

wird und diese eine Beteiligung am

allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt.

Die bislang bekannteste als gewerblich

zu qualifizierende Einkunftsquelle im Hinblick

auf Kryptowährungen ist das sog.

Mining von Kryptowährungen. Daneben

sind bislang auch der Betrieb einer

Online-Börse für Kryptowährungen, das

Betreiben von Kryptowährungs-Geldautomaten

und die zinsbringende Anlage

von Kryptowährungen als gewerbliche

Einkünfte bekannt. Die gewerblichen

Einkünfte unterliegen – je nach Ort der

Betriebsstätte – zwischen 7% und 17%

Gewerbesteuer sowie dem persönlichen

Einkommensteuersatz. Die Gewerbesteuer

kann bei natürlichen Personen (teilweise) auf

die Einkommensteuer angerechnet werden.

Die Bilanzierung von

Kryptowährungen im Betriebsvermögen

Spätestens nach der ersten Investition in

Kryptowährungen aus einem Betriebsvermögen

heraus stellt sich Frage der handels-

und steuerrechtlichen Bilanzierung

von Kryptowährungen.

Für Kryptowährungen, die beispielsweise

auf einer Handelsplattform erworben

wurden, besteht die Möglichkeit der

Bilanzierung im Umlaufvermögen nach

HGB. Die Bewertung erfolgt handels- und

steuerrechtlich mit den tatsächlichen Anschaffungskosten.

Hierzu gehören auch die

jeweiligen Marktplatzgebühren, die beim

Erwerb vom Marktplatzbetreiber einbehalten

werden. Die Bewertung am Bilanzstichtag

erfolgt beim Umlaufvermögen mit den

jeweiligen Börsen- oder Marktpreis, jedoch

Quelle: © Massimo Cavallo - Fotolia.com

maximal mit den Anschaffungskosten. Oftmals

bestehen auf den verschiedenen Handelsplattformen

unterschiedliche Kurse mit

bis zu 15% Abweichung (eigene Beobachtung).

Hier stellt sich die Frage, welcher

Ausgabe September/2017

21


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Kurs für die Bilanzierung maßgeblich ist.

Unter Anwendung des Vorsichtsprinzips

schlagen wir eine Selektion der fünf bedeutendsten

Handelsplattformen sowie

die Wahl des auf diesen Plattformen

niedrigsten Umrechnungskurses für die

Bewertung vor.

Bevor wir näher auf die Bilanzierung von

selbst geschürften Kryptowährungen eingehen

wollen, möchten wir noch einmal

den Herstellungsprozess verdeutlichen:

Beim Mining von Kryptowährungen handelt

es sich um einen Prozess, bei dem Rechenleistung

zur Transaktionsverarbeitung,

Datensynchronisierung und Sicherung allen

Netzwerknutzern zur Verfügung gestellt

wird. Für das Mining von beispielweise

Bitcoins werden professionelle Bitcoin-Miner

benötigt. Diese haben spezielle ASIC-Chips

verbaut, die nur für das Minen von Bitcoins

geeignet sind. Da die angeschafften Rechner

sich nicht dem einzelnen Bitcoin direkt zuordnen

lassen, ist es nicht möglich, den erstellten

Bitcoins direkte Herstellungskosten zuordnen.

Die erstmalige Bilanzierung von selbst geminten

Bitcoins erfolgt in der Handelsbilanz

daher zum Umrechnungskurs im Erstellungszeitpunkt.

Steuerlich besteht für

die Bilanzierung von selbstgeschaffenen

immateriellen Wirtschaftsgütern im Anlagevermögen

ein Aktivierungsverbot, leider

jedoch nicht für immaterielle Wirtschaftsgüter

des Umlaufvermögens. Dies bedeutet,

dass selbst geminte Bitcoins, die zum

Handel bzw. Verkauf bestimmt sind, mit

ihren Herstellungskosten steuerlich anzusetzen

sind. Der Gewinn aus dem Mining

entsteht steuerlich jedoch in beiden Fällen

erst mit der Veräußerung bzw. anderweitigen

Verwendung der Bitcoins.

Besteuerung von Mining-Aktivitäten

am Standort Island

Aufgrund des enormen Energiebedarfs

der zum Mining verwendeten Rechner ist

Deutschland aufgrund seiner Strompreise

als Miningstandort nur bedingt attraktiv.

Der Standort Island, bei dem die Energiegewinnung

durch Geothermie betrieben

wird, hat sich bereits als ein weltweit anerkannter

Standort etabliert. Mining stellt

unseres Erachtens eine aktive Tätigkeit im

Sinne des deutschen Außensteuergesetzes

dar, weshalb Einkünfte aus einer isländischen

Kapitalgesellschaft oder dortigen

Betriebsstätte nicht der deutschen Hinzurechnungsbesteuerung

unterliegen sollten.

In Island werden Gewinne einer isländischen

LLC begünstigt mit 20% besteuert.

Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen

Deutschland/Island beträgt der Quellensteuereinbehalt

auf Dividendenzahlungen

nach Deutschland bei einer Beteiligungsquote

von mehr als 10% grundsätzlich 5%.

Ansonsten beträgt der Steuersatz in Island

dagegen 36%.

Umsatzsteuerliche Qualifizierung von

Kryptowährungen

Die Frage hinsichtlich der umsatzsteuerrechtlichen

Einordnung wurde bereits vom

Europäischen Gerichtshof in der Rechtssache

22 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Hedquist geklärt. In dem besagten Fall

ging es darum, ob es sich bei der Dienstleistung

in Form des An- und Verkaufs und

somit der Umtausch einer Kryptowährung

(hier Bitcoins) in eine anerkannte Währung

und umgekehrt um eine Dienstleistung

gegen Entgelt handelt und diese

von der Umsatzsteuer befreit ist. Der Kläger

vertrat die Ansicht, dass es sich aus

umsatzsteuerlicher Sicht um einen umsatzsteuerpflichtigen

Umtausch handelt.

Im Gegenzug machte der Unternehmer

den Vorsteuererstattungsanspruch geltend.

Der Europäische Gerichtshof urteilte,

dass es sich bei der Dienstleitung

um einen Umsatz handelt, der mit einem

herkömmlichen Währungsumtausch vergleichbar

ist. Daraus resultierend greift die

umsatzsteuerliche Befreiungsvorschrift

nach Art. 135 MwStSystRL. Final ist somit

festzustellen, dass Kryptowährungen (hier

Bitcoins) umsatzsteuerlich wie gesetzliche

Zahlungsmittel zu behandeln sind und für

damit zusammenhängende Betriebsausgaben

der Vorsteuerabzug versagt wird.

Im nationalen Umsatzsteuergesetz ist somit

die Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 8b

UStG anwendbar.

Fazit

Die umsatzsteuerliche Behandlung von

Kryptowährungen wurde bereits mit dem

Urteil des EuGH klargestellt. Ertragsteuerlich

handelt es sich bei Investitionen aus

dem Privatvermögen um private Veräußerungsgeschäfte.

Beim Mining handelt es

sich um gewerbliche Einkünfte. Das BMF

hat uns die steuerliche Qualifizierung bestätigt.

Mining in Island ist nicht nur unter

energetischen, sondern auch unter steuerlichen

Aspekten attraktiv.

Zum Autor: Alexander Lehnen, Wirtschaftsprüfer,

Steuerberater, Equity Partner bei ARNECKE SIBETH

Rechtsanwälte Steuerberater Partnerschaftsgesellschaft

mbB, ist auf die steuerliche Strukturierung von

Immobilieninvestitionen sowie die steuerliche und

aufsichtsrechtliche Fondsstrukturierung spezialisiert.

Tax Due Diligence bzw. Transaktionsberatung gehören

genauso zu seinem Spezialgebiet wie die umfassende

steuerliche Beratung von nationalen und internationalen

Immobilieninvestoren.

Marcel Bailänder, Diplom-Finanzwirt (FH), Steuerberater

bei ARNECKE SIBETH Rechtsanwälte Steuerberater

Partnerschaftsgesellschaft mbB, berät nationale und

internationale Mandanten im Steuerrecht. Ein Schwerpunkt

seiner Tätigkeit ist das Immobiliensteuerrecht.

Seine Tätigkeit erstreckt sich auf die steuerliche

Betreuung von Immobilientransaktionen und sowie

die laufende steuerliche Beratung von Unternehmen.

Herr Bailänder kommt ursprünglich von der Finanzverwaltung

und war für ein große internationale

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig.

www.arneckesibeth.com

Alexander Lehnen ist Referent beim 1.Investorenkongreß Kryptowährungen

am 23. Januar 2018 in München www.Investorenkongress.de

Ausgabe September/2017

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FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Warum Bitcoin kein Betrug ist und wie

sich Kryptowährungen als Investment

eignen können

Interview mit Kryptowährungsexperte Jörg Molt,

Speakers Excellence Top 100 Trainee & Speaker,

CEO Satoshi School

FBM: Herr Molt, was macht Sie so

sicher, dass Kryptowährungen wie

Bitcoin und Co., die Finanzwelt nachhaltig

verändern werden und es sich

nicht um einen Hype handelt oder gar

Betrug ist, wie der Chef von JP Morgan

kürzlich äußerte?

Jörg Molt: Sehen Sie, der Bitcoin und die

darunter liegende Blockchain-Technologie

stellen für viele eine Bedrohung dar. Die

heutige Technologie ermöglicht es mir dezentral,

unverfälschlich Werte und Besitz

zu übertragen. Die sog. Smart Contract

Technologie ist bahnbrechend. Sie können

in einem dezentralen, unabhängigen

Netzwerk Wahrheit schaffen. Sie brauchen

kein Vertrauen. Keine dritte Instanz. Überall,

wo Menschen praktisch einen Eintrag

vornehmen, kann es der Computer, ohne

den Mensch als Schwachstelle.

JP Morgan war hauptverantwortlich für

den Crash 2008. Die Erlaubnis auf Kreditausfall

zu wetten, hat Benzin ins Feuer

gegossen. JP Morgan hält selber an die

10000 Bitcoins nach dem der Kurs einbrach,

wurde eingekauft. In der Aktienwelt

sind Spekulationen zur Marktmanipulation

business as usal. Warum also nicht

bei Bitcoin, wenn man ihn als Asset sieht.

Viele Trader verstehen den Bitcoin nicht.

Der Bitcoin hat einen sog. Realmarktwert,

der bei ungefähr 2000 Dollar steht.

Dieser Wert entsteht aus der Tatsache,

dass der Bitcoin als Zahlmittel verwendet

wird, insbesondere in strukturschwachen

Regionen. Wenn Sie heute in Argentinien,

Venezuela oder Afrika sind und den

Werteverfall und die Inflation betrachten,

werden sie schnell verstehen, dass der

Bitcoin dort nicht spekulativ gehandelt

wird, sondern Warenwert erzeugt. Diesen

Menschen ist es egal, welche Umrechnung

der Bitcoin hat. Eine Cola kostet beispielsweise

0,0025 Bitcoin. Das kostet sie auch,

wenn der Dollarwert des Bitcoin Null ist.

Rechnen Sie heute Euros in DM um oder

anders gefragt ist der Euro instabil, weil

der DM Wert auf null ist?

Der Bitcoin ist eine Währung, die nicht

verfälscht werden kann und nicht gehacked.

Der Eintrag in einem öffentlichen

Verzeichnis, welches nicht verfälscht werden

kann durch eine zentrale Stelle, wie

beispielsweise bei Ethereum, bedeutet

letztendlich die reine Wahrheit.

Auf diesen Wert besinnt sich das ganze

System. Sie können nicht den Bitcoin

von der Blockchain trennen. Er hat eine

politische Komponente die man nicht

neutralisieren kann. Deshalb wird er

überleben. Nach dem die Bank MT. Gox

damals den „Private Key“, die „PIN/TAN“

ihrer Kunden benutzt hat, da die Kunden

die Schlüssel in der Bank lagerten und

650 Millionen US-Dollar in Bitcoins geklaut

hatten, ist der Kurs von 250 US-Dollar

24 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

innerhalb von 2,5 Jahren zurückgekehrt

auf über 3000 US-Dollar.

Es bedarf nur dem Glauben der Menschen

an den Wert. Nichts weiter. Denken Sie an

die Zigarettenwährung im 2. Weltkrieg. Es

gibt keine Blase und keinen Betrug. Ich

gehöre zu den wenigen Menschen, die das

Glück haben, seit 1995 an der Umsetzung

von freiem digitalen Geld zu arbeiten und

daher die Entwicklung des Bitcoins bis zur

Vollendung durch Satoshi Nakamoto begleiten

konnte. Dann weiß man, dass es

real ist und muss es nicht „glauben“.

FBM: Nun hat China ICOs und auch

den Handel von Kryptowährungen

eingeschränkt, bzw. verboten, was

den Kurs von Bitcoins postwendend

stark gedrückt hat. Wie sehen Sie die

Situation in der Auswirkung auf die

Zukunft in China, der asiatischen

Region und weltweit?

Jörg Molt: China hat konsequent umgesetzt,

was ich seit langem fordere: Die Regulation

von ICOs - in diesem Fall etwas

überspitzter. ICOs waren ein guter Motor

um Finanzierungen für Projekte anzustoßen.

Crowdfunding auf eine andere Art

und Weise. Wie beim IPO, dem Pendant

der Aktienwelt, ist es eine feine Sache eine

digitale Vorzugsaktie zu erwerben. Das

Problem liegt in der Natur des Menschen.

Wir leben in einer Zeit, wo Werte wenig

hinterfragt werden. Sie rufen in den Markt

„Kryptowährung“ oder „Blockchain“ und

schon spenden die Leute Millionen. Menschen

die die Technik und das Whitepaper

nicht annähernd verstehen und somit den

Verkaufstricks zum Opfer fallen.

80 Prozent dieser Projekte werden nie das

Licht der Welt erblicken. Wir reden von

100 Prozent Risikokapital. Was nun passiert

ist, dass es nicht die trifft, die seit

Jahren im Finanzmarkt unterwegs sind.

ICOs sind gesellschaftsfähig. Die digitale

Hausfrau sozusagen kauft Tokens. Der

Nerd von nebenan. Schließlich, wo neue

unabhängige digitale Welt draufsteht, will

man ja vorne dabei sein, den nächsten

„großen Wurf“ nicht verpassen. Man hat

ja auch das Internet verschlafen. Wer hat

heute Apple Aktien?

Quelle: © Syda Productions - Fotolia.com

Dieser Hype treibt die Menschen in zwei

Fallen. Der Traum von passiven Einkommen

und den Traum Dezentralität zu unterstützen.

ICOs sind aber das Gegenteil,

wie beispielsweise Ten X. Sie sind der Versuch

die alte Welt ins digitale Zeitalter zu

holen, aber Bitteschön voll kontrollierbar.

Ten X will die Kreditkarte für Ethereum

bauen. Das Pendant zu Visa auf Kryptogeldbasis,

allerdings können die Kunden

kontrolliert werden.

Deswegen wird meiner Meinung nach das

Projekt nicht akzeptiert. Die Angst davor

ein gesperrtes Konto zu haben, in Zeiten,

wo die Regierung ein Gesetz gegen den

„Bankrun“ erlässt, ist größer als der Verlockung

nachzugeben. Und so sind viele

Coin- und Blockchain Projekte eigentlich

nur Sammelsysteme, um irgendwann in

der FinTec-Welt ein Adäquat zu produzieren,

welches es von der Sicherheit mit der

Ausgabe September/2017

25


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Bitcoin Blockchain aufnehmen kann. Bis

jetzt sind nahezu alle tausend Blockchain

Projekte hackbar. Schlimmer noch, sie

sind allesamt auf der Bitcoin Blockchain

ohne Aufwand, umsetzbar.

China hat konsequent gehandelt, den

verschleierten Betrug beendet. Denn die

echten Projekte haben, durch den Missbrauch,

kaum Chancen noch gefördert zu

werden. Die Asiaten und Chinesen sind

nicht gegen die neue Welt. Sie wollen es

nur langsam angehen. ICOs sind rein kapitalistische

Systeme, die in das Konzept

des Kommunismus nicht passen. Es bedarf

weitreichender Regulierungen. Die

Chinesen warten ab. Es wird auch m. E.

kein Exchange Verbot geben. Die Chinesen

stehen vor den Wahlen. Sie wollen

Ordnung übergeben.

FBM: In einem Artikel von Ihnen,

prognostizieren Sie einen Kurs von

50.000 Dollar für einen Bitcoin in

5 Jahren. Wie kommen Sie auf diese

Zahl?

Jörg Molt: Der Bitcoin lebt durch Krisen

und der Tatsache, dass er beispielsweise

in Japan bewiesen hat, welchen Wohlstand

er generieren kann. Die japanische Regierung

ist zum Vorreiter einer modernen

Gesellschaft geworden, auch wenn Menschenrechte

abgebaut werden. Trotzdem

ist das Ökosystem auf Bitcoin ausgerichtet

und wir sehen, dass es funktioniert.

Viele Nationen werden folgen: Österreich,

Schweiz, Australien, Südkorea, Schweden,

Norwegen usw.

Die Akzeptanz und der Realmarktwert

steigt beachtlich, jeden Tag, somit auch

die Spekulationsspanne, die oberhalb aufbaut.

Richard Branson, Bill Gates u.v.m

sehen den Wert dort. Wir stehen kurz vor

einer Krise, die insbesondere Europa treffen

wird in 2019. Daher die Gesetzesnovellierung

zum Bank-run.

Im Jahr 2020 wird die Ausgabemenge der

Bitcoins von derzeit 12.5 BTC auf 6.25 BTC,

alle zehn Minuten, reduziert. Dieser deflationäre

Charakter lässt den Kurs weiter

ansteigen, die Nachfrage für Bitcoins ist

gigantisch. Wir haben allerdings nur

6,5 Millionen Bitcoins im Umlauf. Die

restlichen 10 Millionen werden gehalten.

Das führt zu einem enormen Wertzuwachs.

Des Weiteren betreiben viele Menschen

wie eben McAffee und Branson, Inkassa

und Forextrading. Sie wetten also auf diesen

Preis. Wenn man bedenkt, dass diese

Menschen jedes Jahr 450 Millionen US-

Dollar in die Entwicklung des Bitcoins setzen

und auf der anderen Seite ähnlich in

die FinTec Branche investieren, dann werden

sie dafür sorgen, dass die Strukturmaßnahmen

diesen Wert erreichen lassen,

das ist der Motor des Fortschritts.

Daneben werden wir erleben, wie im

1. Quartal 2018 die Welt vor der Kontrollierbarkeit

des Bitcoins kapituliert. Durch

SegWit und Tumblebit, MimbleWimble,

Dandelion wird der Bitcoin de facto unsichtbar.

Es wird nie wieder möglich sein,

Transaktionen von außerhalb zu verfolgen.

Diese merkwürdig klingenden Systeme

sind bereits im Beta Stadium. Die Weltgemeinschaft

wird lernen, dass man den

Bitcoin den Menschen nicht verbieten

kann. Plattformen wie Localbitcoins, ermöglichen

es Bitcoins, wie Bargeld, auf

der Straße zu erwerben.

Wir werden neben der dezentralen Börse

Bisq viele weitere sehen. Ich kann darüber

per Sepa Bitcons kaufen. Hier gibt es keine

Menschen mehr, nur Smart Contracts.

Die abwickelnde Bank ist ein Computer.

Diesen Fortschritt wird man nicht mehr

aufhalten können. Er ist bereits fertig programmiert

und im Einsatz.

Kim Schmitz aka Kim Dotcom wird sein

Projekt BitCache (Mega Upload2) veröffentlichen

und somit den Massenmarkt für

Bitcoins öffnen. Das Recht am digitalen

Gut speichere ich in Zukunft direkt in der

Blockchain und kann für Benutzer festlegen,

dass sie bei Nutzung eine Gebühr in

26 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Bitcoins zahlen. Man kann alles hochladen

auch Raubkopien. Der Unterschied ist:

Sollte der Eigentümer sein Recht einfordern,

wird der Content gelöscht, aber der

Einsteller bleibt unberührt. Das wird das

Copyright-Recht revolutionieren. Sie sehen,

all das sind Auswirkungen, die man

nicht verhindern kann und den Bitcoin auf

50.000 Euro bringen.

FBM: Ist das Thema Kryptowährungen

aus Ihrer Sicht auch schon für institutionelle

Investoren interessant und

wenn ja, welche Investmentprodukte

würden Sie da aktuell sehen?

Jörg Molt: Auf jeden Fall. Investoren

sollten nur lernen in Monatsabschnitten zu

denken. Day-Trader werden auf Grund der

Volatilität nicht glücklich. Investitionen

sind vor allem im Bereich Education und

in Miningfarmen zu sehen. Dabei sollte

man aber darauf achten, dass man direkt

in Miningfarmen investiert und nicht in

Multi-Level-Marketing (MLM). Wir benötigen

noch sehr viel Aufklärung. Ein gewinnbringendes

Vehikel wird die Investition in

die Entwicklung der Handhabung sein. An

digitale Währungen zu kommen und diese

dann zu nutzen ist eine Herausforderung,

die man ohne Hilfe kaum bewältigt. Der

Bitcoin ist von der Handhabung her noch

nicht „das IPhone“. KYC, Beschränkungen

und letztendlich komplizierte Software

machen es schwierig für Einsteiger mittleren

und späten Alters.

Mobile Wallets sind eine gute Sache, doch

für viele schwer in der Handhabung. QR

Code, Copy and Paste erreichen meist

nicht die 50-70 jährigen, die mit Abstand

größte Bevölkerungsgruppe, welche die finanzielle

Mittel hat, den BitCoin zu erwerben

oder die permanente Wertsteigerung

zur Absicherung zu nutzen.

Auch wird diese Welt zu kompliziert „vermarktet“,

dazu die Angst der etablierten

Institutionen, die dann falsche Wahrheiten

verbreiten, wie das Darknet Syndrom

oder zuletzt JP Morgan. Daher werden

die Wachstumsmärkte sich in Education

und Usability Projekte verschieben, dazu

braucht man nichts neues, das beste System,

der Bitcoin, muss massentauglich gemacht

werden.

Das Interview führte Friedrich Andreas Wanschka

für FinanzBusinessMagazin.de

Zum Interview-Partner: Jörg Molt,

Speakers Excellence Top 100 Trainee & Speaker

Als Trainer, Fachreferent und Consultant zählt er

zu den renommiertesten Spezialisten für Blockchain

und Kryptowährungen in Europa.

Branchenübergreifend berät er weltweit namhafte Firmen

und Institutionen bei der Implementierung von Digitalisierungsprozessen.

Als Solominer, sowie Mitglied im Verbund

bei Antmine, hat er wesentliche Strukturen mitgeschaffen. Er

baute von Anfang an Kapital- und Anlagevermögen in Bitcoin

auf. Durch die allgemeine Entwicklung von Smart Contracts, auf Grundlage der dezentralen

Blockchain, gründete er eine Beteiligungsgesellschaft zur Vermittlung zwischen Nutzern

und Herstellern. Zusammen mit weiteren Experten entstand daraus die „Satoshi Competence

School“. Er ist ein Bitcoin-Experte und bereits seit Beginn in Bitcoins investiert und involviert.

www. joerg-molt.de

Jörg Molt ist Referent beim 1.Investorenkongreß Kryptowährungen am

23. Januar 2018 in München www.Investorenkongress.de

Ausgabe September/2017

27


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Neue Trend-Anlageklasse

Kryptowährung reif für professionelle

Investoren?

Erstmals stattfindender Investorenkongress Kryptowährungen 2018

beschäftigt sich mit den wichtigsten Fragen von professionellen

Investoren

Kryptowährungen wie Bitcoin & Co.

beherrschen aktuell die Schlagzeilen

nicht nur der Wirtschafts- und

Finanzpresse. Kein Tag vergeht ohne neue

Meldungen. Die Kurse explodieren, sind

extrem volatil, was immer mehr Spekulanten

anzieht. Aber sind Kryptowährungen

nur eine Zeiterscheinung, ein

Hype oder werden Bitcoin & Co. mit der

dahinterstehenden Blockchain-Technologie,

die Finanzwelt doch in sehr naher Zukunft

nachhaltig verändern? Nicht wenige

Finanz-Experten trauen den neuen Kryptowährungen

eine entscheidende Rolle im

zukünftigen weltweiten Zahlungsverkehr

zu. So hat als erste Nation Japan, Kryptowährungen

bereits als offizielles Zahlungsmittel

anerkannt. Der Markt ist in

Bewegung. Die ersten Finanzprodukte zu

diesem Thema sind auf dem Markt. Nicht

nur Privatbanken und weltweit renommierte

Fondsanbieter entwickeln aktuell

neue Angebote. Deshalb ist genau zum

Jahresanfang 2018 der richtige Zeitpunkt

den jetzt so stark prosperierenden Markt für

institutionelle Investoren

• semi-professionelle Anleger

• Assetmanager

• Vermögensverwalter

• Banken

• Produktentwickler

• Anbieter

• Berater

• Fach-Juristen

• Wirtschaftsprüfer

• Kapitalanlage- und Kapitalverwaltungsgesellschaften

• Family Offices und

• Wirtschafts- und Finanz-Medien,

erstmals aus Investoren-Sicht darzustellen

und zu diskutieren. Dies passiert

am 23. Januar 2018 am Flughafen München,

Veranstaltungsort Municon, von 10:00 bis

17:30 Uhr beim ersten "Investorenkongress

Kryptowährungen 2018".

Der Investorenkongress Kryptowährungen

2018 präsentiert ausführlich 3 große

Themenbereiche:

Marktentwicklung

• Weltweiter Marktüberblick, Zukunftsausblick,

Chancen und Risiken von

Kryptowährungen.

Recht und Steuern

• Internationale und nationale rechtliche

Einschätzung, steuerliche Betrachtungen

sowie Regulierungen von Finanzanlagen

in Kryptowährungen.

Investitionsmöglichkeiten

• Investmentangebote für semi-professionelle

und institutionelle Investoren.

Überblick, Konzeptionen, Hintergründe

und Produktvorstellungen.

Top-Referenten und Diskussionsteilnehmer

aus den verschiedenen Themenbereichen

bieten exklusives Hintergrundwissen,

Markteinschätzungen, Rechtsgrundlagen,

Angebotsüberblick und Vorstellung einzelner

Investmentmöglichkeiten.

Autor:www.Investorenkongress.de

28 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Schweiz:

Falcon Private Bank erweitert

Krypto-Asset-Management

in Zusammenarbeit

mit der Bitcoin Suisse AG um Ether,

Litecoin und Bitcoin Cash

Die Falcon Private Bank hat in Kooperation

mit der Bitcoin Suisse AG

vom 22. August an ihr Blockchain-

Asset-Management-Angebot um die Kryptowährungen

Ether (ETH), Litecoin (LTC)

und Bitcoin Cash (BCH) erweitert. Damit

ist sie die erste Bank weltweit, die vermögenden

Privatkunden (High Net Worth Individuals)

Zugang zu einer ganzen Reihe

der am höchsten kapitalisierten Krypto-

Assets neben Bitcoin bietet.

Bereits im Juli hatte die Falcon Bank als

erste Schweizer Privatbank überhaupt

eine Krypto-Asset-Management-Lösung

in ihr Angebot aufgenommen, indem sie

es ihren Kunden ermöglichte Bitcoin direkt

über die Bank zu kaufen, verkaufen

und zu halten. Die im schweizerischen

Zug ansässige Bitcoin Suisse AG ist ein

weltweit führender Krypto-Asset-Broker

und Krypto-Asset-Manager, unterliegt

den Anti-Money-Laundering-Regularien

(AML) der Schweizer Bankenaufsichtsbehörde

FINMA, fungiert als Broker für die

Falcon Private Bank und stellt die Infrastruktur

für deren Krypto-Asset-Angebot

zur Verfügung. Das Unternehmen ist ein

führender Dienstleister für Crowdfunding-Projekte

(ICOs) und unterstützte

Projekte wie Bancor, Status, TokenCard,

Tezos, aeternity, OmiseGo, Melonport,

Matchpool, Decentraland, Moeda und

andere.

„Bitcoin Suisse ist stolz, das Produktangebot

der Falcon Private Bank im Bereich

der Krypto-Assets weiterhin zu unterstützen“,

sagt Niklas Nikolajsen, CEO

der Bitcoin Suisse AG. „Die Falcon Private

Bank war das erste Bankhaus, das

seinen Kunden einen direkten Zugang zu

Bitcoin geboten hat und hat damit Geschichte

geschrieben. Die Entscheidung,

dieses Angebot nun um Ether und andere

Krypto-Assets zu erweitern, macht

die Bank zur ersten Anlaufstelle für Besitzer

von Krypto-Assets und Investoren

in diesem Bereich.“

Die Falcon Private Bank ist ein Schweizer

Bankhaus, das für seine Kunden im Jahr

2016 14,6 Milliarden Schweizer Franken

verwaltete. Der Hauptsitz der Bank ist

Zürich. Daneben bestehen Filialen und Repräsentanzen

in Abu Dhabi, Dubai, London

und Luxembourg. Als Krypto-Broker

und Infrastrukturpartner hat die Bitcoin

Suisse AG die Bank dabei unterstützt,

alle Produkte und Dienstleistungen anzubieten,

die nötig sind, damit vermögende

Privatkunden und institutionelle Investoren

Krypto-Assets kaufen, sichern, nachverfolgen

und handeln können.

Die im August 2013 gegründete Bitcoin

Suisse AG bietet ein Spektrum von Finanzdienstleistungen

und Produkten für Privatkunden,

Unternehmen und Institutionen

im noch jungen Bereich Krypto-Finanzen

und dezentralisierte Märkte an. Dazu gehören

Brokerage, Trading, Asset Management,

ICO-Dienstleistungen, Softwareintegration

und Beratungslösungen,

Ausgabe September/2017

29


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

die auf Krypto-Assets und Blockchain-

Technologie basieren.

Das Unternehmen ist unter anderem

dafür bekannt, dass es die Krypto-Zahlungs-Infrastruktur

für die Stadt Zug zur

Verfügung stellt. Seit dem 1. Juli 2016

ist Zug die weltweit erste Stadt, deren

öffentliche Stellen Bitcoin und andere

Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren.

Als ältestes Schweizer Unternehmen

in seinem Marktsegment war die

Bitcoin Suisse AG, die seit 2014 AML-reguliert

ist, unter anderem als Broker für

Krypto-Asset-Institutionen wie die Ethereum

Foundation und die Lisk Foundation

tätig. Darüber hinaus bietet das Unternehmen

Krypto-Asset-Dienstleistungen

und -Lösungen für eine Reihe von Banken

und Asset Managern an.

Autor: www.bitcoinsuisse.ch

www.falconpb.com/de/

Zentralbanken heizen die Nachfrage nach

Kryptowährungen an

Ludwig von Mises Institut Deutschland e. V.

"Noch vor etwa zwei Jahren wurde Bitcoin

als Randtechnologie für Computer-Freaks

betrachtet. Inzwischen gewinnen Bitcoin

und Co. auch im Mainstream immer mehr

an Popularität", stellt Demelza Haysin in

ihrem jüngsten Beitrag auf www.misesde.org

fest. Den Grund hierfür sieht die

Doktorandin der Universität von Liechtenstein

allerdings weniger in der gestiegenen

Nachfrage nach einem privaten und

deflationären Tauschmittel, sondern primär

in der Geldpolitik der Notenbanken.

Es sind in erster Linie die niedrigen Zinsen,

die den Preis der Bitcoins treiben.

Die scharfe Korrektur des Bitcoinpreises

auf die Ankündigung der Fed-Chefin Janet

Yellen, die Zinsen in den USA weiter erhöhen

zu wollen, zeigte dies. Ein weiterer

Preistreiber ist die Demonetisierung von

Fiat-Währungen, beispielsweise in Indien

oder Venezuela.

Anders als allgemein wahrgenommen,

sind Bitcoins - gemäß der Definition der

österreichischen Schule - eine inflationäre

Währung: Das Angebot an Bitcoins

steigt pro Jahr um ca. 4%. Weil aber die

Nachfrage nach Bitcoins deutlich höher ist

als deren Zuwachsrate, steigt deren Preis

weiter an. Hierdurch können sie, trotz

ihres eigentlich inflationären Charakters,

als Schutz gegen die expansive Geldpolitik

der Zentralbanken dienen.

Dass die Preise auch weiter steigen werden,

hält Demelza Haysin für sehr wahrscheinlich.

Denn mit der Zeit werden die

Menschen im Umgang mit Bitcoins "erfahrener",

wodurch das Risiko und damit

verbunden der Preisabschlag auf das neue

Medium sinkt. Zum anderen erfahren die

USA ungefähr alle zehn Jahre einen wirtschaftlichen

Abschwung. Der letzte liegt

nun ziemlich genau eine Dekade zurück.

In der nächsten, unweigerlich kommen-

30 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

den Rezession wird die Fed die Anhebung

der Zinsen nicht durchhalten können. Mit

den entsprechenden Folgen für die Kryptowährungen.

Haysin konstatiert: "Negative

Zinsen in Europa und die Abschaffung

von Banknoten in Entwicklungsländern

sind treibende Faktoren für die Nachfrage

nach Bitcoin und anderen Kryptowährungen.

Investoren beginnen, das

Potenzial der Technologie als integralen

Bestandteil des Vermögensmanagements

aus der Perspektive der Portfolio-Diversifizierung

zu erkennen."

"Vor unseren Augen spielt sich im Bereich

der Kryptowährungen gerade etwas Historisches

ab", fügt Prof. Thorsten Polleit,

Präsident des Ludwig von Mises Instituts

Deutschland, an. "Wir erleben, wie sich in

einem marktwirtschaftlichen Prozess ein

neues Geldsystem zu etablieren versucht.

Welche 'Coins' am Ende überleben werden,

ist dabei noch genauso ungewiss wie

die Frage, ob sich Kryptowährungen tatsächlich

auch als Tauschmittel und nicht

nur als ein alternatives Anlageobjekt etablieren

werden können. Der Wettbewerb

wird es am Ende zeigen.

Autor: www.misesde.org

Kryptowährungen im Kampf

mit traditionellen Zahlungsmitteln

Kryptowährungen erfreuen sich großer

Bekanntheit. Über 70 Prozent

der Verbraucher kennen die innovativen

Zahlungsmittel oder haben davon

schon mal gehört. Allerdings gibt es nach

wie vor eine große Kluft zwischen Bekanntheit

und tatsächlicher Nutzung. Zudem

werden Kryptowährungen im Wettbewerb

mit staatlichen Währungen und Gold

in der Erfüllung der einzelnen Geldfunktionalitäten

weiterhin eher als Außenseiter

gesehen. Zu diesem Ergebnis kommt

eine repräsentative Studie der Unternehmensberatung

BearingPoint. Im Rahmen

der Online-Erhebung wurden über 1.000

Verbraucher aus ganz Deutschland befragt.

Die Studie beschäftigt sich mit den

grundlegenden Eigenschaften von Kryptowährungen

im Vergleich zu staatlichen

Zahlungsmitteln und Gold.

Kryptowährungen - Vertrauen und

Rahmenbedingungen vielfach nicht

vorhanden

Im Vergleich zu staatlichen Währungen

und Gold werden Kryptowährungen von

einem eher kleineren Anteil der Nutzer

als wettbewerbsfähig bezeichnet, wenn

auch mit steigender Tendenz. Laut der

aktuellen Studie halten immerhin 34

Prozent eine Ablösung durch virtuelle

Zahlungsmittel für wahrscheinlich. In

der Vorgängerstudie von BearingPoint

aus dem Jahr 2016 waren es lediglich

elf Prozent, die eine Durchsetzung und

damit frühzeitige Verdrängung traditioneller

Zahlungstechnologien erwarteten.

Allerdings hält nur etwa ein Drittel der

Befragten (32 Prozent) virtuelle Zahlungsmittel

für vertrauenswürdig hinsichtlich

ihrer Preisstabilität. Verbraucher

vertrauen am stärksten der Preisstabilität

des Goldes (81 Prozent), gefolgt von

staatlichen Währungen (69 Prozent).

"Die Digitalisierung der Finanzwirtschaft

führt zur Beschleunigung im Ablauf der

Finanzprozesse, um Verbraucherbedürfnisse

immer und jederzeit befriedigen zu

können. So ermöglichen es Kryptowährungen

beispielsweise, Zahlungen nahezu

in Lichtgeschwindigkeit zu beauftragen

und abzuwickeln. Daher ist ihr

Einsatz aus Verbrauchersicht zukünftig

sicherlich eine mögliche Alternative

zu staatlichen Währungen und Gold als

Ausgabe September/2017

31


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Zahlungsmittel oder Anlageform. Hierfür

muss in Bezug auf die Geldfunktionen

aber noch einiges passieren, um das

Entwicklungspotenzial von Kryptowährungen

auch wirklich auszuschöpfen.

Das erfordert vor allem entsprechende

technische und gesetzliche Rahmenbedingungen,

die grundlegende Veränderungen

im gesamten Finanzsystem nach

sich ziehen. Themen wie Sicherheit, Werterhaltung

und Zweckmäßigkeit spielen

dabei eine entscheidende Rolle", kommentiert

Dr. Robert Bosch, Partner bei Bearing-

Point im Bereich Financial Services.

Staatliche Währungen und Gold

weiter führend

Die noch fehlende Entwicklung zeigt sich

auch in Bezug auf die Geldfunktionalitäten.

Laut Studie gibt es hier weiterhin

signifikante Unterschiede zwischen

staatlichen Währungen, Gold und Kryptowährungen.

Gold wird mit 79 Prozent

als die beste Anlageform zur Werterhaltung

wahrgenommen. Die Hälfte der Nutzer

(53 Prozent) nimmt staatliche Währungen

als geeignete Anlageform wahr

und nur ein Drittel (31 Prozent) würde

für Anlagen virtuelle Währungen nutzen.

Wenn es um den Preisvergleich von Produkten

und Dienstleistungen geht, neigen

Verbraucher eher zu staatlichen Währungen

- für 77 Prozent der Befragten sind

diese am besten zum Preisvergleich geeignet.

Gold (48 Prozent) genauso wie Kryptowährungen

(36 Prozent) werden eher

weniger als Recheneinheit empfunden.

Auch wenn in absehbarer Zeit keine Ablösung

traditioneller Zahlungsmittel zu

erwarten ist, sollte die Finanzwelt Kryptowährungen

jedoch mehr Beachtung

schenken. Während 2016 nur fünf Prozent

die neue Zahlungsform bereits benutzt

haben, sind es laut der aktuellen

Studie mit elf Prozent immerhin schon

doppelt so viele. Und auch die Digitalisierung

trägt ihren Teil zur Weiterentwicklung

bei.

Über die Studie

Im Rahmen der Online-Befragung nahmen

1.006 Deutsche teil. Die Studie

beschreibt die grundlegenden Eigenschaften

von Kryptowährungen, staatlichen

Zahlungsmitteln und Gold. Virtuelle

Währungen (z.B. Bitcoins) sind

Geld in Form digitaler Zahlungsmittel,

bei denen die Prinzipien der Kryptographie

(Verschlüsselung) angewandt werden.

Als staatliche Währungen (z.B. der

Euro) werden Tausch- / Zahlungsmittel

und Anlageformen (z.B. Bar, Anleihen,

Tagesgelder) bezeichnet. Gold als Edelmetall

beinhaltet neben der industriellen

Nutzung die Funktionen der Tausch- und

Werterhaltung (z.B. Münzen, Goldzertifikate,

Goldfonds).

Autor: www.bearingpoint.com

32 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

eToros Crypto CopyFund investiert

in Bitcoin, Ethereum, Ripple, LiteCoin,

Ethereum Classic und Dash

eToro lancierte den Crypto CopyFund,

mit dem Anleger in sechs verschiedene

Kryptowährungen investieren

können. Der neue CopyFund deckt neben

Bitcoin und Ethereum auch Ripple, Lite-

Coin, Ethereum Classic sowie Dash ab und

umfasst damit die sechs aktuell größten

Kryptowährungen.

Durch die Zusammensetzung aus sechs

Kryptowährungen entsteht ein breit diversifiziertes

Portfolio. Bitcoin und Ethereum

machen derzeit zusammen etwa 70

Prozent des Gesamtmarktes aus. Zusammen

mit den vier nächstgrößten Kryptowährungen

deckt der neue CopyFund

aber sogar über 85 Prozent des Marktes

ab (Stand 11. Juli 2017). Die Kryptowährungen

werden im Portfolio gemäß ihrer

Marktkapitalisierung gewichtet. Ein Rebalancing

erfolgt auf monatlicher Basis. Zudem

analysiert das Investment-Komitee

von eToro das Portfolio fortlaufend.

"2017 ist ein entscheidendes Jahr für

Kryptowährungen. Der globale Markt hat

die Marke von 100 Milliarden US-Dollar

geknackt", sagt Yoni Assia, Mitbegründer

und CEO von eToro. "Unserer Ansicht

nach markiert dies einen Meilenstein auf

dem Weg hin zu einem Billionen-Dollar-

Markt. Mit einer nach Marktkapitalisierung

ausgerichteten Investment-Strategie ermöglichen

wir es Investoren, auf dieses

Wachstumspotenzial zu setzen."

Mit CopyFunds können Trader und Investoren

in vordefinierte Marktstrategien

investieren und gleichzeitig vom kumulierten

Wissen der Masse profitieren:

Top-Trader CopyFunds bieten Zugang auf

die am besten performenden Strategien

innerhalb der globalen Community von

eToro - sie vereinen die Strategien mehrerer

Top-Trader in ein Portfolio. Market

CopyFunds hingegen verfolgen fest definierte

Anlagestrategien. Mithilfe dieser

Produkte können Investoren ihr langfristiges

Risiko minimieren und dank diversifizierter

Investments Wachstumschancen

nutzen.

Quelle: © monsitj - Fotolia.com

Mit dem Crypto CopyFund erweitert eToro

sein Angebot im Bereich der Kryptowährungen

- Trader können bereits über den

Crypto Currency CopyFund nur in Bitcoin

und Ethereum investieren. Neben der

Möglichkeit, in die beiden CopyFunds für

Kryptowährungen zu investieren, können

Nutzer auf der eToro-Tradingplattform

auch direkt mit einzelnen Kryptowährungen

handeln. Der Schwerpunkt hierbei

liegt auf Bitcoin und Ethereum. Zudem

können sie die Trading-Strategien von

Kryptowährungs-Experten nachahmen,

beispielsweise Liam Davies, Alex Plesk

oder Jay Smith. Letzterer hat in den vergangenen

zwölf Monaten mehr als 171

Prozent Gewinn eingefahren. Rund zwei

Millionen US-Dollar sind derzeit auf der

eToro-Plattform auf seine Strategie angelegt.

eToro bietet eine Vielzahl verschiedener

CopyFunds an, die ab einem Mindestinvestment

von 5.000 US-Dollar zur

Verfügung stehen.

Autor: www.etoro.com

Ausgabe September/2017

33


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Blockchain in der Finanzdienstleistungsbranche

birgt großes Potenzial -

breite Anwendung in drei bis fünf Jahren

Roland Berger-Studie:

Durch Blockchain werden schnell neue Geschäftsmodelle entstehen

Die Technologie hilft Finanzdienstleistern,

Kosten zu sparen - Breite

Marktreife voraussichtlich in drei

bis fünf Jahren - erste Anwendungen sind

schon auf dem Markt - Banken und Versicherungen

sollten sich schrittweise auf

Blockchain und daraus entstehende Möglichkeiten

vorbereiten

Blockchain, die innovative Technologie, die

als Rückgrat der digitalen Währung Bitcoin

entstanden ist, wird in den kommenden

Jahren verstärkt Einzug in die Finanzbrache

halten und die digitale Transformation

der Geschäftsmodelle zusätzlich verstärken.

Denn durch Blockchain erhalten

viele Nutzer Transaktionsmöglichkeiten

mit Netzwerken, in denen sie Informationen

austauschen und Geschäfte abwickeln

können. Finanztransaktionen, die

bislang über Intermediäre liefen, können

künftig direkt zwischen den Beteiligten

abgewickelt werden. Das World Economic

Forum geht davon aus, dass bis 2025 insgesamt

10 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts

mithilfe dieser Technologie

abgewickelt wird.

"Blockchain wird die Art, wie weltweit

Geschäfte gemacht werden, verändern",

prognostiziert Wolfgang Hach, Partner von

Roland Berger. "Die Technologie und ihre

breiten Einsatzmöglichkeiten erlauben es,

etwa bei Handelstransaktionen oder Vertragsabschlüssen

auf vermittelnde Institutionen

oder Treuhänder zu verzichten.

Dadurch können Finanzinstitute Kosten

sparen und neue Geschäftsmodelle entwickeln."

In der neuen Studie "Enabling decentralized,

digital and trusted transactions

- Why blockchain will transform the financial

services industry" analysieren die Roland

Berger-Experten Chancen und Risiken der

Blockchain-Technologie.

Blockchain: dezentrale Transaktionen

und Kosteneinsparungen Die Blockchain-

Technologie nutzt eine Vielzahl vernetzter

Teilnehmer, um den Verlauf von Transaktionen

lückenlos, sicher und rückverfolgbar

dezentral abzuspeichern. Außerdem ist

die Anwendung automatisierter Vertragsabwicklungen

(Smart Contracts) möglich.

"Gerade in der Finanzbranche mit ihren

großen Datenmengen, zahlreichen Intermediären

und Dienstleistungen, die abgesichert

und verifiziert werden müssen,

ergeben sich für Blockchain viele Anwendungsmöglichkeiten",

erklärt Roland Berger-

Partner Sebastian Steger.

Durch den Einsatz dieser Technologie kann

die Finanzindustrie zudem erheblich Kosten

sparen - nicht nur durch den Verzicht auf

verschiedene Intermediäre, sondern auch

durch die hohe Automatisierung der

Prozesse.

Spannende Chancen für die Finanzindustrie:

kundenzentrierte Geschäftsmodelle,

neue Produktangebote

Hinzu kommt die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle

zu entwickeln. "Auf den

ersten Blick sieht es so aus, als ob Finanzdienstleister

ihr eigenes Geschäft kannibalisieren,

wenn sie Transaktionen über

Blockchain anbieten", erklärt Hach. "Doch

34 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Quelle: © monsitj - Fotolia.com

mit dieser Technologie können Finanzdienstleister

zum Beispiel auch weltweit

neue Kunden gewinnen, die bislang keine

Bankkonten oder Versicherungen hatten."

Außerdem bietet die Technologie hohe

Sicherheitsstandards. Und schließlich

sind Blockchain-Transaktionen schneller

als traditionelle Vertragsabschlüsse und

Transfers. Dadurch können Finanzdienstleister

zusätzliche Kunden gewinnen und

neues Geschäft generieren.

Zum Beispiel bei der Finanzierung von

Handelstransaktionen, oder bei der Absicherung

von Transportrisiken, etwa beim

Schiffstransport im Fernhandel: Bisher

müssen Verkäufer und Käufer über ihre

Banken zahlreiche Dokumente organisieren,

die festhalten, welchen Wert die

Ware hat, wie sie verladen und transportiert

wird und wer bis zu welchem Zeitpunkt

haftet. Solche Unterlagen müssen

allen Beteiligten im Original vorliegen. Mit

Blockchain ließen sich die Dokumente unveränderbar,

mit Zeitstempel und nachverfolgbar

digital speichern, so dass die

Handelspartner schnell und kostengünstig

darauf zugreifen können. Dadurch können

Zahlungen schneller angestoßen und die

Warenlieferung beschleunigt werden.

Ebenso effizient lassen sich auch Versicherungsfälle

regeln. Denn mithilfe der Blockhain-Technologie

können auch sensible

Kunden- und Objektdaten sicher gespeichert

und aktualisiert werden. Zum Beispiel

bei Kfz-Versicherungen: Dank Blockchain

können Versicherungen anhand der

Fahrer- und Fahrzeugdaten maßgeschneiderte

Policen anbieten und schnell zu Hilfe

eilen, wenn Unfälle bzw. Pannen passieren.

Das Fahrersystem meldet den Vorfall

in Echtzeit bei der Versicherung - Reparaturdienst,

Taxi oder andere Dienstleister

werden sofort benachrichtigt, um dem

Fahrer zu helfen. Über intelligente Sensoren

werden Autoschäden sofort erfasst

und der Versicherung gemeldet. "All das

erhöht die Kundenzufriedenheit, senkt die

Kosten, die den Versicherern für verschiedene

Dienstleister entstehen, und lässt

sich gut mit anderen digitalen Lösungen,

die heute schon entstehen, kombinieren",

sagt Wolfgang Hach.

Quelle: © Jakub Jirsák - Fotolia.com

Breite Marktreife beginnt in drei bis

fünf Jahren

Allerdings hält die neue Technologie auch

Hürden bereit, die noch zu überwinden

sind. Dazu zählen die Roland Berger-Experten

unter anderem einheitliche Standards

als Voraussetzung für die Kooperation über

Länder-, Branchen- und Unternehmensgrenzen

hinweg. Zudem sind auch rechtliche

Grundlagen und Sicherheitsaspekte

wesentliche Faktoren, damit sich die Blockchain

etablieren kann.

"Sowohl Politik, Regulatoren und Blockchain-Aktivisten

als auch die Industrie arbeiten

an diesen Aspekten, und weitere

Lösungen werden bald bereitstehen", ist

sich Sebastian Steger sicher. "Momentan

befindet sich die Blockchain-Technologie

in der Finanzbranche noch in einer Testphase;

marktfähige Anwendungen zeichnen

sich aber jetzt schon ab." Mit einer

breiteren Nutzung der Technologie rechnen

die Roland Berger-Experten in drei bis fünf

Jahren. Entsprechend sollten sich

Finanzdienstleister jetzt schon vorbereiten,

um sich frühzeitig Wettbewerbsvorteile

zu sichern.

Autor: www.rolandberger.de

Ausgabe September/2017

35


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

DXC-Studie "Blockchain":

60 Prozent der Banken prüfen Datenschutz

Sechs von zehn Banken in Deutschland

setzen bei der Zukunftstechnologie

Blockchain spezielle Sicherheitsfragen

bei Datenschutz und Nutzeridentifikation

auf die Agenda. Wichtiger Grund: Verbraucher,

die mit Hilfe der neuen Technik

bezahlen wollen, gilt es gegen den Verlust

persönlichen Daten gesondert abzusichern.

Banken müssen dafür die Kontrolle über

vormals zentral abgelegte Kundendaten

auf die Blockchain anpassen. Das sind Ergebnisse

der Studie "Blockchain - Evolution

oder Revolution", die im Auftrag von DXC

Technology über ein Marktforschungsinstitut

in Deutschland durchgeführt wurde.

Die Mehrheit der Institute sieht Handlungsbedarf,

die Zuverlässigkeit der Daten

innerhalb der Blockchain zu verbessern.

Zwar gelten einmal in der Blockchain gespeicherte

Daten als manipulationssicher.

Doch die relevanten Informationen verstecken

sich hinter anonymen Zahlenkolonnen.

"Die Blockchain funktioniert wie

ein digitales Grundbuch, das öffentlich alle

getätigten Transaktionen festhält", sagt

Jens-Thorsten Rauer, Director Banking

and Capital Markets bei DXC Technology.

"Welche Personen hinter einer abgewickelten

Zahlung stecken, lässt sich jedoch

nicht ohne weiteres überprüfen."

Grundsätzlich verspricht das System eine

hohe Sicherheit für die eigenen Daten. Es

gilt jedoch die besonderen Risiken rund

um die neue Technologie zu beachten.

Denn Blockchain-Nutzer hinterlassen Spuren,

ähnlich wie beim Verlauf eines Internet-Browsers,

der besuchte Webseiten auflistet.

Wer digital Geld überweist, wird mit

seiner anonymen Kennung in der Blockchain

gespeichert. Diese Daten lassen sich

mit anderen Informationen beispielsweise

von Online-Geschäften abgleichen, um die

Person hinter einer Blockchain-Adresse zu

ermitteln. Damit werden anonyme Zahlungen

gefährdet: "Mit ausreichend Daten

lässt sich jeder im Internet eindeutig identifizieren",

erläutert Rauer. "Das gilt auch

für die Blockchain."

Gibt es Probleme, benötigen Verbraucher

speziellen Schutz. Denn gerade bei öffentlich

betriebenen Blockchains fehlt den

Instituten ein direkter Zugriff. Selbst bei

schwerwiegenden Versehen ist eine manuelle

Korrektur explizit ausgeschlossen.

Daraus ergeben sich für Banken vollkommen

neue Compliance-Risiken. "Die Idee

hinter einer öffentlichen Blockchain besteht

darin, eine zusätzliche Regulierung

überflüssig zu machen, da Transaktionen

elektronisch durch die Beteiligten freigegeben

werden.", sagt Rauer.

Der Gesetzgeber ist bereits aktiv, um

Transaktionen in der Blockchain abzusichern.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin

sowie die Landeszentralbanken sind dabei,

sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen.

Konkrete Handlungsempfehlungen

im Sinne rechtlicher Vorgaben liegen allerdings

noch nicht vor. "In unseren Projektund

Kundensituationen haben wir die Erfahrung

gemacht, dass Banken sich nicht

nur aus Technologiesicht sondern auch

aus rechtlicher und Compliance-Sicht mit

dem Thema Blockchain befassen sollten.

Die Durchführung eines Pilotprojektes zusammen

mit dem Regulator hilft beiden

Seiten das Thema besser in den Griff zu

bekommen."

Um das Vertrauen in die neue Technologie

zu gewährleisten sollten Banken mit hohen

Transaktionsvolumen entsprechende tech-

36 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Quelle: © denisismagilov - Fotolia.com

nische "Proof of Concepts" durchführen, um

verschiedene Blockchain-Technologien in Bezug

auf das benötigte Transaktionsvolumen

zu evaluieren. Die verschiedenen Blockchain-

Protokolle weisen große Unterschiede in ihrer

Eignung vor allem bezüglich Performance

oder Protokoll-Reifegrade für Banken auf.

Aufgrund noch unterschiedlicher Blockchain-Plattformen

und -Implementierungen

ist es empfehlenswert, Anwendungen

auf ihre Eignung zur Integration

in ein spezifisches Blockchain-System

zu bewerten. "Beim Aufbau einer Blockchain

empfehlen wir unseren Kunden

einen risikobasierten Ansatz, indem die

Sicherheitskontrollen die Geschäftsanforderungen

und Prozesse mit berücksichtigen",

sagt Rauer. Dies bedeutet, dass

man zum einen die Daten kennt welche in

der Blockchain gespeichert und verarbeitet

werden sollen. Es bedeutet aber auch,

dass man Lösungen aufbaut, beispielsweise

zur Verschlüsselung, Codeüberprüfung

oder Identity Access Management,

um klassische Bedrohungen wie die Kompromittierung

der Public Key Infrastruktur

und der Anwendungsentwicklung zu

verhindern. Wichtig ist zudem eine effiziente

Governancestruktur aufzubauen,

um Cyberangriffe effizient abzuwehren.

"Wir erwarten, dass sich Cyberangriffe

künftig auf die Software richten, die einen

vereinfachten Zugang zur Blockchain

ermöglichen soll", sagt Rauer. "Hier gilt

es den Fokus auf die Implementierung zu

setzen und der Security-Level im Application-Bereich

sollte erhöht werden - beziehungsweise

bereits bei der Software-

Entwicklung inhärent enthalten sein."

Über die Studie

DXC Technology hat für die Studie "Blockchain:

Evolution oder Revolution?" im

Februar 2017 insgesamt 100 Fach- und

Führungskräfte deutscher Banken über

ein Marktforschungsinstitut befragt. 50

Vorstände, Geschäftsführer und leitende

Angestellte sowie 50 Mitarbeiter aus Fachabteilungen

haben an der Erhebung teilgenommen.

Autor: www.dxc.technology/de

Ausgabe September/2017

37


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Blockchain macht

Entwicklungszusammenarbeit wirksamer

KfW verwendet erstmals Blockchaintechnologie

für den transparenten Einsatz von Haushaltsmitteln

Die KfW testet im Auftrag des Bundesministeriums

für wirtschaftliche

Entwicklung und Zusammenarbeit

(BMZ) den Einsatz der sogenannten

Blockchaintechnologie. Diese ermöglicht

es, sämtliche Arbeits- und Genehmigungsschritte

im Rahmen der Beschaffung, der

Vertragsgestaltung, der Ausschreibungen

und Auszahlungsprozesse bei der Durchführung

eines Projekts zuverlässig abzubilden.

Um die Verwendung öffentlicher

Mittel transparent und nachvollziehbar zu

gestalten, hat die KfW Entwicklungsbank

zusammen mit dem KfW Digital Office die

Software TruBudget (Trusted Budget Expenditure

Regime) auf Basis dieser innovativen

Technologie entwickelt. Alle beteiligten

Parteien können auf dieser Plattform

zusammenarbeiten und verfolgen, wer

welche Änderungen vornimmt. Dank der

Blockchaintechnologie sind die Vorgänge

nicht nur transparenter nachvollziehbar,

sondern können vor allem nicht nachträglich

oder unbefugt manipuliert werden.

Das minimiert die Risiken einer Mittelfehlverwendung

auf Seiten der Institutionen,

an die ausgezahlt wird.

"Mängel im Management öffentlicher Finanzen

gehören zu den größten Hemmnissen für

wirtschaftliche Entwicklung und gefährden

regelmäßig auch die Wirksamkeit der Finanziellen

Zusammenarbeit. Mit TruBudget hat

die KfW eine innovative digitale Anwendung

entwickelt, von deren Nutzen auch andere

Entwicklungsbanken profitieren könnten.

Mit dieser Software ist Deutschland weltweit

Vorreiter bei der Anwendung digitaler

Lösungen in der Armutsbekämpfung", sagte

Dr. Norbert Kloppenburg, Mitglied des Vorstands

der KfW Bankengruppe.

In Entwicklungsländern besteht das Risiko,

dass öffentliche Mittel fehlgeleitet werden

anstatt dem Gemeinwohl (z. B. bei Krankenhäusern

und Schulen) zu dienen. Internationale

Geber reagieren auf diese

Risiken und die schwachen Umsetzungskapazitäten

in den Partnerländern, indem

parallele Strukturen aufgesetzt werden.

Die damit verbundenen Transaktionskosten

sind jedoch für beide Seiten hoch. Mit

der Umgehung der Systeme der Partnerinstitutionen

des jeweiligen Entwicklungsoder

Schwellenlandes erschweren die Geber

zudem ihre eigentliche Aufgabe, nämlich

die Partnerländer in die Lage zu versetzen,

Projekte eigenständig zu planen

und umzusetzen.

In einer Pilotphase, die durch das BMZ in

Höhe von 1 Mio. EUR finanziert wird, soll

der existierende Prototyp der Software

zunächst bei laufenden Investitionsprojekten

getestet und weiterentwickelt werden.

Die KfW ist bereits mit mehreren afrikanischen

Ländern für eine Pilotphase im

Gespräch.

Autor www.kfw.de

38 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

EY, Guardtime und Branchenteilnehmer

starten die weltweit erste Blockchain-

Plattform für Transportversicherer

Blockchain-Technologie verbindet Kunden, Makler und Versicherer

EY und Guardtime präsentieren die weltweit

erste Blockchain-Plattform für die

Transportversicherungsbranche.

Die Blockchain-Plattform bringt der Versicherungsbranche

enorme Vorteile: Sie

sieht sich einem komplexen internationalen

Umfeld gegenüber, das viele Beteiligte,

Bürokratie, große Transaktionsvolumen

und länderübergreifende Abstimmungsprozesse

mit sich bringt. Dies kann dazu

führen, dass die Anforderungen im Hinblick

auf Transparenz, Compliance und ein

sorgfältiges Risikomanagement nicht erfüllt

werden können. Die Blockchain-Plattform

führt getrennt gespeicherte Daten

und Prozesse zusammen, um das Risiko

von Abstimmungsdifferenzen und Fehlern

zu minimieren.

Versicherer können dank der für die Branche

bisher einmaligen Blockchain-Plattform

außerdem ihre Kapitalausstattung verbessern

und Effizienzvorteile erzielen, da die

Transparenz erhöht und Verwaltungskosten

verringert werden.

Dem Start der Plattform, die von A.P.

Møller-Maersk A/S, ACORD, Microsoft, MS

Amlin, Willis Towers Watson und XL Catlin

gemeinschaftlich initiiert wurde, ging eine

20-wöchige Proof-of-Concept-Phase voraus.

Die Plattform basiert auf der Global

Cloud-Technologie von Microsoft Azure.

Die weltweite Blockchain-Plattform verbindet

Kunden, Makler, Versicherer und

Dritte. Die Plattform kann Daten über Vermögenswerte

von mehreren Parteien erzeugen

und pflegen, Daten mit Versicherungsverträgen

verknüpfen, Informationen

empfangen und darauf reagieren (z. B. in

Form einer Tarifänderung oder Änderung

eines Geschäftsprozesses), Kundenvermögen,

Transaktionen und Zahlungen

miteinander verbinden sowie erstmalige

und weitergehende Schadenmeldungen

erfassen und auswerten.

Teilnehmer sind sich einig, dass die

Blockchain die Versicherungsbranche

grundlegend verändern wird

„Es war immer klar, dass die Blockchain

das Potenzial hat, das gesamte Versicherungswesen

zu transformieren. Mit unserer

Arbeit haben wir dazu beigetragen,

dass aus dem Potenzial Realität wird. Mit

der von uns erprobten Lösung, die bereit

für den kommerziellen Einsatz ist,

kann die Transportversicherungsbranche

erstmals von der Transparenz, Sicherheit

und Standardisierung der Blockchain

profitieren. Wir freuen uns darauf, diese

Technologie in der Schiffsversicherung

einzusetzen und herauszufinden, wie die

Erfahrungen und Erkenntnisse in anderen

Märkten für Spezialversicherungen und in

anderen Bereichen angewendet werden

können“, EY-Partner Oliver Netz.

Lars Henneberg, A.P. Head of Risk

and Insurance bei A.P. Møller-Maersk

A/S, erklärt dazu:

„Der Einsatz von Technologie zur Verschlankung

und Automatisierung unserer

Interaktionen mit dem Versicherungsmarkt

hat für uns oberste

Priorität. Versicherungsgeschäfte sind

bislang viel zu langwierig und umständlich.

Der Abstand zwischen Risiko

und Kapital ist einfach zu groß. Die

Blockchain-Technologie hat das Potenzial,

die gewünschte und längst fällige

Entwicklung zu erleichtern.“

Ausgabe September/2017

39


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Mike Gault, CEO von Guardtime,

erläutert:

„Die KSI® Blockchain Stack ist eine bewährte

Technologie zur Sicherung der

physischen Lieferketten sowie der Software-

und Informations-Lieferketten, auf

die sich Unternehmen stützen, um die Integrität

ihrer Geschäftsaktivitäten sicherzustellen.

Durch die Zusammenarbeit mit

EY können wir den Einsatz unserer Technologie

zur Lösung praktischer Probleme

von Kunden weiter ausdehnen. Die Technologie

von Guardtime und die Fachkompetenz

von EY ist eine starke Kombination

für Kunden, die schwierige Probleme mit

der Blockchain-Technologie lösen wollen.“

„Es ist großartig, dass wir bei dieser innovativen

Blockchain-Lösung für die Versicherungsindustrie

mit EY zusammenarbeiten

können. Unser Pionierprojekt

hat das Potenzial, den Zeitaufwand, die

Kosten und die Risiken entlang der gesamten

Wertschöpfungskette der Versicherungsbranche

deutlich zu reduzieren.

ACORD freut sich auf die weitere Zusammenarbeit,

denn wir wollen, dass unsere

Mitglieder von den Vorteilen aus der Nutzung

der Blockchain profitieren können“,

betont Bill Pieroni, President und CEO von

ACORD, einer weltweiten Organisation,

die internationale Standards für die Versicherungsbranche

entwickelt.

Mark Russinovich, Chief Technology

Officer von Microsoft Azure, erklärt:

„Microsoft ist davon überzeugt, dass die

Blockchain eine Transformationstechnologie

ist, die Reibungsverluste im Geschäftsverkehr

deutlich verringern kann, insbesondere

durch die Verschlankung von Geschäftsprozessen,

die von mehreren Unternehmen

geteilt werden. Die Transportversicherung

ist ein Paradebeispiel für einen komplexen

Geschäftsprozess, der mit der Blockchain

optimiert werden kann. Wir werden uns

weiterhin dafür einsetzen, dass Unternehmen

von der Blockchain profitieren können.

Wir freuen uns, gemeinsam mit EY,

Guardtime und anderen Branchenkenner

an der Entwicklung und Einführung von

Blockchain-Lösungen, die auf Technologien

von Microsoft Azure aufbauen, arbeiten zu

können.“

„Wir begannen mit dieser Arbeit im Jahr

2016, weil wir davon überzeugt waren,

dass die Blockchain-Technologie den

Transportversicherungsmarkt revolutionieren

könnte. Es ist ein großartiger Erfolg,

dass wir bereits in der Lage sind, eine

konkrete Plattform zu testen, über die wir

Transaktionen auf ganz neue Weise abwickeln

werden. Mit unserem MS Amlin

EDGE-Programm verfolgen wir das Ziel,

die Chancen zu nutzen, die sich aus strategischen

und radikaleren Möglichkeiten

der digitalen Disruption und Geschäftsmodellinnovation

ergeben“, erklärt Dr. Paul

Taffinder, Director of Strategy and Innovation

bei MS Amlin.

„Für die Weiterentwicklung der Versicherungsbranche

ist es unabdingbar, den Versicherungsprozess

völlig neu zu gestalten.

Diese Initiative kann Versicherungsgeschäfte

dank neuartiger Technologien

straffen und vereinfachen und dadurch effizienter

gestalten – ein wichtiger Entwicklungsschritt

für die Versicherungsbranche“,

betont Simon Gaffney, Chief Data Officer

von Willis Towers Watson.

„Dieses erfolgreiche Proof of Concept ist

wegweisend. Während die Versicherungsindustrie

die Blockchain bislang als Möglichkeit

betrachtet hat, einige Prozesse zu

revolutionieren und die Effizienz zu steigern,

wird unsere Lösung zu praxisrelevanten

Innovationen führen. Die Erfahrungen

und Erkenntnisse, die wir dabei

gewinnen, werden wir in anderen Versicherungssparten

anwenden können und

so für unsere Kunden in der ganzen Branche

einen Mehrwert schaffen,“ stellt Martin

Henley, Chief Information Officer von

XL Catlin, fest. Nähere Informationen unter

ey.com/insurance_blockchain

Autor: www.ey.com

40 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Blockchain – Revolution:

Abstraktes Unterfangen mit Zukunft

Chance oder Risiko? Die neue Transaktions-Technologie

hat das Potenzial für eine branchenübergreifende Revolution

Blockchains revolutionieren die Geschäftswelt.

Für sämtliche Branchen

von Logistik über Tourismus

und die Energiewirtschaft bis hin zur Finanzbranche

ist das Thema relevant.

Bislang wissen nur wenige in Deutschland

(11 Prozent) was dieser Begriff „in

etwa“ bedeutet, auch wenn jeder Fünfte

(22 Prozent) ihn schon einmal gehört hat.

Doch besonders die traditionellen Banken

sollten sich umgehend mit dieser Technologie

auseinandersetzen, um nicht überrollt

zu werden. Denn was Kunden bei

Bankgeschäften (Überweisungen) wichtig

ist, das sind zugleich die Vorteile der

Blockchain-Technologie, wie die aktuelle

Studie „Blockchain – Revolution“ des internationalen

Marktforschungs- und Beratungsinstituts

YouGov belegt.

Hohe Schnelligkeit, Transparenz und Sicherheit

sowie niedrige Transaktionskosten sind

die Pluspunkte von Blockchain. Vereinfacht

ausgedrückt ist darunter eine Software-

Architektur zu verstehen, die Prozesse

in einer neuartigen Infrastruktur programmiert

und automatisiert verarbeitet.

Zahlungsabwicklungen sind ein prädestiniertes

Anwendungsfeld für Blockchain.

Schließlich ist 84 Prozent der Deutschen

bei Überweisungen der Schutz vor Angriffen

Dritter wichtig, gefolgt von geringen

Kosten und der Bestimmung über

Datenverwendung (je 70 Prozent) sowie

Schnelligkeit (60 Prozent).

„Sobald die Technologie aufgrund ihrer

Vorteile immer mehr Anwendung und Anwender

findet, kommt eine Revolution ins

Rollen, die möglicherweise etablierte Anbieter

in ihrer Existenz bedroht“, betont

Quelle: © flydragon - Fotolia.com

Markus Braun, Head of Business Unit Reports

bei YouGov. Veränderungen gehen

stets einher mit Widerstand und Verunsicherung

– ein Punkt, den sich die etablierten

Player auf zwei Arten zu Nutze

machen können.

Einerseits indem sie ihre Rolle als verlässlicher,

vertrauter Partner nutzen, um die

Zukunftstechnologie leicht verständlich

zu kommunizieren und den Verbraucher

wirklich abzuholen statt ihn zu überfordern.

Schließlich wollen 48 Prozent der

Deutschen möglichst wenig technisches

Know-how bei Überweisungen anwenden

müssen. Gleichzeitig ist es jedem Zweiten

wichtig, zu wissen, was hinter den Transaktionen

passiert. Zudem setzt mehr als jeder

dritte Blockchain-Kenner auf bekannte

Finanzdienstleister, was den Markteinstieg

für Start-Ups erschwert.

Andererseits können die traditionellen Finanzinstitute

die Nachteile der Blockchain-

Technologie als eigene Vorteile nutzen. So

ist beispielsweise gerade bei der Altersgruppe

55plus der persönliche Kontakt

wichtig. Ein Wunsch, der mehr für eine Filialbank

spricht.

Ausgabe September/2017

41


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

„Die Blockchain-Entwicklung steht noch

ganz am Anfang und es ist schwer abschätzbar,

wie sich Geschäftsfelder entwickeln

werden. Die Ergebnisse zeigen

jedoch, dass Unternehmen sich schon

heute mit dem Thema befassen und das

Informationsdefizit in der Kommunikation

angehen sollten“, fasst Braun zusammen.

Die YouGov-Studie zeigt aus Marktsicht

attraktive Merkmale der Blockchain-Ken-

ner. So werden sie häufig von Freunden

und Bekannten um Rat gefragt, bevor diese

bestimmte Produkte kaufen. Dadurch

wirken die Early Adopter als Multiplikator

für die Blockchain-Technologie. Außerdem

verfügen sie eher über ein hohes Einkommen

und eine größere Risikofreude bei Investitionen.

Autor: www.yougov.de

Blockchain:

In der Automobilbranche

weitgehend unbekannt

Einer der wichtigsten Tech-Trends ist

in der deutschen Automobilindustrie

weitgehend unbekannt. Gerade einmal

ein Drittel der Automobilhersteller und

–zulieferer (34 Prozent) hat bislang von der

Blockchain als Technologie für den Unternehmenseinsatz

gehört. Zum Vergleich:

Bei Big Data (96 Prozent), 3D-Druck (92

Prozent) oder Internet of Things (73 Prozent)

liegen die Anteile deutlich darüber.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage im

Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter

177 Vorständen und Geschäftsführern von

Unternehmen der Automobilindustrie mit

20 und mehr Mitarbeitern in Deutschland.

„Blockchain wird nicht nur die Finanzoder

Energiewirtschaft verändern, Verwaltungsvorgänge

oder etwa die Logistik

Quelle: © cherezoff - Fotolia.com

revolutionieren“, sagt Bitkom-Präsident

Achim Berg. „Gerade im Verkehrssektor

gibt es faszinierende Einsatzszenarien.

Viele der aktuellen Herausforderungen

der Automobilindustrie können mit Blockchain

leichter bewältigt werden. Jedes Unternehmen

sollte ,digital first‘ denken und

handeln. Die Entscheidungsträger in der

Automobilindustrie sollten die Chancen

der Blockchain-Technologie für ihre jeweiligen

Unternehmen ausloten.“

Aktuell wird die Blockchain-Technologie

häufig auf ihren Einsatz bei sogenannten

Kryptowährungen wie Bitcoin reduziert.

Der dezentrale Ansatz der Blockchain-

Technologie ermöglicht aber Transaktionen

ohne zentrale Vertrauensinstanz in vielen

anderen Bereichen. So können

damit nicht nur Finanztransaktionen

sicher gestaltet werden,

sondern künftig zum Beispiel

Beurkundungen ohne Notar

erfolgen, Verträge als Smart

Contracts abgewickelt werden

oder die komplette Lieferkette

eines Produkts transparent

dargestellt und ins Internet of

Things (IoT) eingebunden werden.

Mit Blockchain lässt sich

der Parkraum in Innenstädten

42 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Quelle: © buchachon - Fotolia.com

bewirtschaften, Fahrzeugflotten verwalten

und das Elektrofahrzeug bezahlt autonom

den Strom mit der eignen digitalen Brieftasche.

In der Produktion von Fahrzeugen

macht Blockchain-Technologie im Zusammenspiel

mit KI-Lösungen genauere Fehleranalysen

möglich. Im Service lassen

sich Schäden oder Materialermüdung festhalten,

es kann punktgenau vorausschauend

gewartet und eine Unfallhistorie nachgehalten

werden.

Die Automobilunternehmen, die bereits

von der Blockchain gehört haben, sehen

die größten Anwendungschancen in der

Logistik und Warenwirtschaft (62 Prozent)

und in der Produktion (61 Prozent). Dahinter

folgen Forschung und Entwicklung

(50 Prozent), Einkauf (29 Prozent) und die

Personalabteilung (26 Prozent). Größter

Hinderungsgrund für eine Einführung im

eigenen Unternehmen sind die Kosten (60

Prozent), die unklare rechtliche Situation

(43 Prozent), etwa beim Datenschutz, sowie

das fehlende Know-how im Unternehmen

(29 Prozent). Gut jedes vierte Unternehmen

(27 Prozent) sieht bislang auch

keine Notwendigkeit, die Technik zu nutzen.

8 Prozent gehen davon aus, dass die

Blockchain ihnen keinen Mehrwert liefern

werde.

Nach Ansicht des Digitalverbands Bitkom

sollte die nächste Bundesregierung dafür

sorgen, dass sich Deutschland weltweit

führend in der Blockchain-Technologien

positioniert. Dazu gehört die Aufnahme

von Blockchain-Projekten in geeignete

Förderprogramme und die Etablierung von

entsprechenden Bildungs- und Weiterbildungsangeboten

ebenso wie ein aktives

Vorangehen der öffentlichen Verwaltung,

die Blockchain-Technologien einsetzen und

ausprobieren sollte. Unternehmen und

Verbraucher benötigen zudem Rechtssicherheit,

wenn sie Blockchain-Technologien

nutzen wollen. In der kommenden

Legislaturperiode muss daher ein geeigneter

Rechtsrahmen geschaffen werden.

„Blockchain ist eine der wichtigsten

Basistechnologien des Digitalzeitalters“,

so Berg. „Wer hier bei der Entwicklung

vorne mit dabei ist, kann sich enorme

Wettbewerbsvorteile verschaffen.“

Autor: www.bitkom.org

Ausgabe September/2017

43


FinanzBusinessMagazin I KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN

Per Klick zum neuen Reisepass:

81 % der Deutschen wünschen sich

die digitale Verwaltung

PwC-Umfrage: Online-Verwaltungen, wie sie in anderen Ländern

bereits üblich sind, würden hierzulande auf große Zustimmung treffen

Auch in einem digitalen Bürgerkonto

sehen die meisten Befragten viele

Vorteile / Voraussetzung allerdings

ist: Die persönlichen Daten müssen sicher

sein / PwC-Experte Hauke-Thiemian: „Im

Zeitalter von E-Commerce und Online-

Banking gehören lästige Behördengänge

zur Vergangenheit. Das hilft Verwaltung

und Bürgern gleichermaßen.“

In Ländern wie Dänemark, Österreich

oder Estland gibt es sie bereits – die digitale

Verwaltung, die den Bürgern eine

Vielzahl mühevoller Behördengänge erspart.

Auch in Deutschland würde sich die

große Mehrheit der Menschen diesen Service

wünschen. Dies zeigt eine repräsentative

Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und

Beratungsgesellschaft PwC. So zeigen sich

91 Prozent offen für die Idee, zum Beispiel

den Antrag auf Kindergeld oder die

Ausstellung eines Reisepasses in Zukunft

komplett online zu erledigen. Das Alter

der Befragten spielt dabei erstaunlicherweise

kaum eine Rolle: Selbst bei den

Über-64-Jährigen liegt die Zustimmung

bei rund 83 Prozent.

15 Minuten online

statt sechsmal zum Amt

Acht von zehn Befragten können sich zudem

vorstellen, sämtliche Verwaltungsvorgänge

über ein digitales Bürgerkonto

abzuwickeln. Damit ist ein Tool gemeint,

über das die komplette Interaktion zwischen

Bürger und Verwaltung zentral und

transparent abgewickelt werden kann.

„Ein solches Bürgerkonto hätte beispielsweise

zur Folge, dass sich der frischgebackene

Vater nicht nur online die Geburtsurkunde

ausstellen lassen kann, sondern

auch weitere Schritte wie der Antrag auf

Elterngeld ausgelöst werden können. Momentan

ist die Geburt eines Kindes mit

einem halben Dutzend Behördengängen

verbunden. Durch das Bürgerkonto ließe

sich das Procedere mit einem gesamten

Zeitaufwand von vielleicht 15 bis 30 Minuten

online erledigen“, sagt Borries Hauke-

Thiemian, Experte für Public Management

Consulting bei PwC in Deutschland.

Tablet statt Wartemarke –

das sollte die Vision sein

„Digitale Technologien sind heutzutage

selbstverständlicher Bestandteil unseres

täglichen Lebens. Immer mehr Menschen

betreiben Online-Banking, shoppen im Internet

oder nutzen Dienstleistungen wie

Car-Sharing. Vor diesem Hintergrund ist

den Menschen nur noch schwer begreiflich

zu machen, warum sie sich für einfache

Urkunden oder Dokumente einen halben

Vormittag ins Amt setzen sollen“, so Hauke-

Thiemian.

Wo es schon digitale Services gibt,

werden diese auch genutzt

Dabei ist es natürlich nicht so, dass die

deutschen Verwaltungen noch komplett in

der Offline-Welt leben. Bei vielen Stadtverwaltungen

können die Bürger inzwischen

online Termine ausmachen. Dadurch reduzieren

sich mögliche Wartezeiten. Zudem

wird die Gefahr gebannt, dass sich

44 Ausgabe September/2017


KRYPTOWÄHRUNGEN und BLOCKCHAIN I FinanzBusinessMagazin

Menschen sogar umsonst auf den Weg

zum Amt machen. Bemerkenswerterweise

nutzen die Deutschen solche Angebote

der PwC-Umfrage zufolge bereits relativ

intensiv. So gaben 67 Prozent der Befragten

an, digitale Dienstleistungen ihrer

Verwaltung in Anspruch zu nehmen. „Die

Politik sollte darin einen Ansporn sehen,

nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben“,

sagt Alfred Höhn, Leiter Öffentlicher

Sektor bei PwC. „Denn einerseits ist es

zwar erfreulich, dass die Online-Absprache

von Verwaltungsterminen allmählich zum

Standard wird. Andererseits kann dies gemessen

an Ländern wie Dänemark allerdings

nur ein Anfang sein. Denn dort können

die Bürger von Steuerangelegenheit

über Wohnkostenzuschüsse bis hin zur

Scheidung nahezu alles online regeln. Ein

solcher digitaler Rundum-Service sollte

auch für Deutschland die Vision sein.“

Viel Vertrauen in die Stadtverwaltung

– wenig in die Arbeitsagentur

Aus Sicht der potenziellen Nutzer gehört

zu den großen Vorteilen des digitalen Bürgerkontos,

dass sie damit Zeit sparen (68

Prozent Zustimmung) und Kosten reduzieren

(64 Prozent Zustimmung). Darüber

hinaus werden „Bequemlichkeit“, „Zuverlässigkeit“

und „Umweltverträglichkeit“

als positive Faktoren genannt. Auf der

anderen Seite hegen viele Menschen allerdings

datenschutzrechtliche Bedenken.

So fürchten 60 Prozent, beim digitalen

Bürgerkonto könnten personenbezogene

Informationen in falsche Hände geraten.

Entsprechend differenzieren viele Teilnehmer

bei der Frage, welche Behörden Zugriff

auf das Bürgerkonto erhalten sollen.

Bei der Stadtverwaltung haben 82 Prozent

der potenziellen Nutzer kein Problem damit.

Den Sozialversicherungsträgern bringen

immerhin 74 Prozent das nötige Vertrauen

entgegen. Dagegen wäre nur eine

Minderheit bereit, das Finanzamt (46 %),

die Justiz (41 %) oder die Bundesagentur

für Arbeit (28 %) Zugang zum digitalen

Nutzerprofil zu gewähren.

„Unterm Strich lässt sich sagen: Die meisten

Deutschen sind eindeutig für das digitale

Bürgerkonto – allerdings nur, wenn

die zu findende Lösung sicher ist und der

Bürger die Hoheit über seine persönlichen

Daten behält.“ Borries Hauke-Thiemian,

Experte für Public Management Consulting

bei PwC in Deutschland

Quelle: © Artur Marciniec - Fotolia.com

Das Stichwort „E-Partizipation“ sagt

erst wenigen etwas

Zurückhaltender zeigen sich die Deutschen

bei einem weiteren Thema, das das Verhältnis

zwischen Bürger und öffentlicher

Hand im Online-Zeitalter betrifft – nämlich

bei der sogenannten E-Partizipation.

Mit dem Stichwort wird eine Steigerung

der demokratischen Teilhabe durch die

Nutzung digitaler Tools beschrieben; das

wohl bekannteste Instrument in dieser

Hinsicht ist bislang die Online-Petition.

Nur 17 Prozent der Befragten zeigten in

der Umfrage ein klares Verständnis, was

mit E-Partizipation und Online-Beteiligung

genau gemeint ist. 49 Prozent gaben an,

die Begriffe zwar schon einmal gehört zu

haben, sich ihrer Bedeutung allerdings

nicht sicher zu sein.

Immerhin: Nachdem sie aufgeklärt wurden,

gaben 57 Prozent der Befragten

an, sie würden mehr Möglichkeiten von

Online-Beteiligungen grundsätzlich begrüßen.

PwC-Direktor Hauke-Thiemian

meint: „Die Digitalisierung eröffnet ganz

neue Möglichkeiten für die Einbindung von

Bürgern in demokratische Prozesse. Dabei

können breitere Zielgruppen erreicht, Prozesse

beschleunigt, Meinungstendenzen

einfacher erfasst und Informationen besser

vermittelt werden.“

Autor: www.pwc.de

Ausgabe September/2017

45


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

Niedrigzinszeiten:

Stiftungen auf dem Weg

zu neuen Anlageformen

Aktuelle Befragung des Bundesverbandes

Deutscher Stiftungen zeigt:

Nur zwei Drittel der Stiftungen erwarten

für 2017 Renditen oberhalb der

Inflationsrate. Bundesverband vermutet

steigende Nachfrage nach ertragsstarken,

einfach zugänglichen und wirkungsorientierten

Angeboten. Bundesverband fordert

Reform des Stiftungsrechts mit bundeseinheitlicher

Praxis.

Die anhaltende Niedrigzinsphase setzt

deutsche Stiftungen immer stärker unter

Druck. Wie eine aktuelle Befragung des

Stiftungspanels des Bundesverbandes

Deutscher Stiftungen zeigt, gestaltet sich

der reale Kapitalerhalt für viele Stiftungen

immer schwieriger.

Nach Einschätzung der befragten Stiftungen

wird es 2017 nur noch knapp zwei

Dritteln gelingen, eine Rendite oberhalb

der zu Jahresanfang prognostizierten Jahresinflationsrate

von 1,5 Prozent zu erwirtschaften.

Gerade kleinere Stiftungen

und solche, die nach Beginn der Niedrigzinsphase

2009 gegründet wurden, sind

davon betroffen. Fast ein Viertel der letztgenannten

rechnet mit Renditen unterhalb

der zu erwartenden Inflationsrate.

„Die negative Ertragsentwicklung birgt

aber auch eine Chance für den Stiftungssektor

mit einem geschätzten Vermögen

von 100 Milliarden Euro“, erklärt Felix Oldenburg,

Generalsekretär des Bundesverbandes

Deutscher Stiftungen, betont

aber: „Das Interesse an nachhaltigen

und wirkungsorientierten Vermögensanlagen

bei Stiftungen ist deutlich vorhanden,

ebenso die Nachfrage nach ‚anfassbaren‘

Sachwerten wie Immobilien. Doch

die meisten Finanzdienstleiter und Banken

sind auf diese Veränderungen bisher noch

unzureichend eingestellt. Klassische Standardlösungen

wie Stiftungsfonds werden

den Wettbewerb um zunehmend mobiles

Stiftungskapital nicht gewinnen.“

Nachfrage verändert sich

Neben ertragsstarken Produkten sind

auch Anlagen mit positiver gesellschaftlicher

Wirkung gefragt: Schon heute legen

über ein Fünftel der befragten Stiftungen

Teile ihres Stiftungskapitals entsprechend

an. Ob mit der Verpachtung landwirtschaftlicher

Flächen, Anteilen an sozialen

Einrichtungen, der Vermietung von Sozialimmobilien

oder wirkungsorientierten

Finanzmarktprodukten. Immobilien stehen

dabei besonders im Fokus. 37 Prozent

der befragten Stiftungen legen derzeit ihr

Geld in Immobilien, rund ein Drittel auch

in Immobilienfonds an. Die Immobilienanlage

kommt allerdings meist nur für kapitalstarke

Stiftungen in Frage. „Kleine

Stiftungen haben für Direktinvestments

vielfach keinen finanziellen Spielraum“,

erläutert Dr. Antje Bischoff, die den Forschungsbereich

des Bundesverbandes

leitet. Stiftungen, die auch künftig in Immobilien

investieren wollen, sehen sich

aktuell allerdings mit dem Problem kon-

46 Ausgabe September/2017


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

frontiert, ein geeignetes Anlageobjekt zu

finden. Hier tun sich selbst 37 Prozent der

Stiftungen mit über einer Million Euro

Kapital schwer.

Finanzdienstleister sind

gefordert neue Angebote zu schaffen

Jahrelang war es für Anbieter von Finanzprodukten

verhältnismäßig einfach,

Stiftungen ertragsstarke Angebote zu

machen. Die Niedrigzinsphase fordert

sie heraus, stellt Felix Oldenburg fest:

„Stiftungen wurden lange wie große, risikoscheue

Sparer gesehen. Doch sie

sind und können weit mehr sein. Stiftungskapital

ist immer auch Wirkungskapital.

Banken, Finanzdienstleister und

Vermögensverwalter, aber auch der Gesetzgeber

sind aufgefordert, sich auf die

veränderten Zeiten und Ansprüche von

Stiftungen einzustellen. Wir haben weder

einfach zugängliche Angebote noch klare

rechtliche Haftungsmaßstäbe, um mehr

aus dem Geld zu machen. Andere Länder

sind hier bereits weiter. Aber Themen

wie Impact und Mission Related Investing,

Genossenschaftsmodelle, Erbbaurechte

sind auch hierzulande nicht länger

Nischenthemen.“ Der Bundesverband reagiert

mit der Initiative „Kapital und Wirkung“

und zeigt mit guten Beispielen den

großen Werkzeugkasten, den Stiftungen

zur Verfügung haben. Dabei helfen auch

neue Partner wie oekom research, CSSP,

die Kanzlei PSP und weitere.

Bundesverband fordert

Stiftungsrechtsreform

Quelle: © everythingpossible - Fotolia.com

„Jetzt müssen zusätzlich auch die rechtlichen

Reformen folgen, damit Stiftungen

sich besser auf die sich verändernden

Rahmenbedingungen einstellen können

und Rechtssicherheit haben“, erklärt Felix

Oldenburg. Handlungsspielräume bei der

Vermögensanlage müssen dazu klarer im

Gesetz verankert werden, wie z.B. durch

die Kodifizierung der Business Judgement

Rule und Regelungen zur ‚Geschäftsführung‘

der Stiftung. Ergänzend dazu ist

die Etablierung rechtlicher Rahmenbedingungen

auf Bundesebene erforderlich,

damit die höchst unterschiedliche Verwaltungspraxis

auch in Bezug auf Fragen zur

Vermögensanlage vereinheitlicht wird. Autor

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Autor: www.stiftungen.org

Ausgabe September/2017

47


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

Studie:

Auf der Suche nach Ertrag rücken

alternative Investments in den Fokus

Institutionelle Investoren kaufen

immer weniger klassische Anleihen

Deutsche unregulierte Investoren

weisen mit 40% höchsten Aktienanteil

in Europa auf

Steigende US-Zinsen machen Absolute-

Return-Strategien wieder interessant

Angeführt wird der Rückzug aus den

klassischen Anleihen im europaweiten

Vergleich von den regulierten deutschen

Investoren, zu denen zum Beispiel die

Pensionskassen gehören. Diese Investoren

haben ihren Portfolioanteil an Anleihen

in den letzten sechs Jahren mehr

als halbiert, von 85 Prozent im Jahr 2010

auf inzwischen nur noch 41 Prozent. Dafür

stieg der Anteil der Immobilien und

alternativen Anlagen in ihren Portfolios

auf 46 Prozent.

Die Niedrigzinsphase führt europaweit zu

deutlichen Verschiebungen in den Portfolios

der institutionellen Anleger. Seit 2010

sinkt der Anteil der Anleihen, während neben

Aktien und Immobilien vor allem alternative

Anlagen zulegen. Dies zeigt der

Mercer European Asset Allocation Survey

2017, in dessen Rahmen mehr als 1.200

institutionelle Investoren in Europa mit

einem Anlagevolumen von insgesamt

über 1,1 Billionen Euro analysiert wurden.

Die Studie wurde dieses Jahr zum 15. Mal

durchgeführt.

„Der Trend zu alternativen Investitionen

liegt nicht ausschließlich in den extrem

niedrigen Zinsen für europäische Staatsanleihen

begründet“, sagt Herwig Kinzler,

Chief Investment Officer bei Mercer

in Deutschland. „Es sind auch die reiferen

Märkte für Private Debt, Private Equity

und Infrastrukturinvestitionen, die aktiv

Kapital an sich ziehen und dafür attraktive

Renditen versprechen.“

Die Deutschen sind Vorreiter

der Entwicklung

Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den

unregulierten deutschen Investoren, also

CTAs (Contractual Trust Arrangements):

In diesem Segment waren Aktien schon

immer ein wichtiger Teil des Portfolios,

doch Immobilien und alternative Anlagen

kommen auch hier inzwischen auf

zusammen 21 Prozent. Die unregulierten

deutschen Investoren haben zudem ihren

Aktienanteil erhöht, allein im letzten Jahr

von 35 Prozent auf 40 Prozent. Die Mehrheit

der europäischen Investoren hat ihr

Aktienengagement dagegen zurückge-

48 Ausgabe September/2017


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

schraubt, in Großbritannien beispielsweise

von 31 Prozent auf 29 Prozent. Die unregulierten

deutschen Investoren sind jetzt

noch vor den Iren mit der höchsten Aktienexposition

in Europa vertreten.

„Insgesamt ist die Portfolio-Komposition

bei den regulierten und den unregulierten

Investoren ähnlich“, kommentiert Kinzler.

„Obwohl ihr Anteil deutlich gesunken

ist, machen bei beiden Gruppen Zinspapiere

noch immer einen großen Teil des

Portfolios aus. Der Unterschied besteht

hauptsächlich in deutlich höheren Aktienanteilen

der unregulierten Investoren, den

die regulierten insbesondere durch Privatmarktanlagen

wie Private Debt, Private

Equity, Infrastruktur und Holzplantagen

ausgleichen.“

Integration von

Nachhaltigkeitskriterien ist noch

ausbaufähig

Laut Studie spielt das Thema Nachhaltigkeit

für Investoren zunehmend eine Rolle.

So berücksichtigen mittlerweile 28%

der befragten institutionellen Anleger in

Europa ESG-Faktoren in der Kapitalanlage,

weil sie ein finanzielles Risiko fürchten,

wenn sie es nicht tun. 2016 waren es

noch 20 Prozent. „Während einige wenige

deutsche Investoren Vorreiter im Bereich

Nachhaltigkeitsintegration in die Kapitalanlage

sind, ist die ESG-Integration in

Deutschland insgesamt weniger fortgeschritten

als in manchen Nachbarländern

wie Frankreich, den Niederlanden oder

Großbritannien“, erläutert Kinzler. „Ein

Hindernisgrund ist die wahrgenommene

konzeptuelle Unschärfe zwischen ethischen

Investments und der ESG-Integration.

Häufig wird auch fälschlicherweise

angenommen, dass die Berücksichtigung

von Nachhaltigkeitskriterien zwingend zu

einem eingeschränkten Investment Universum

und somit zu niedrigeren Erträgen

führt.“

Hedge-Fonds sind wieder im Kommen

Der Mercer Asset Allocation Survey zeigt

auch, dass die Allokationen in Absolute-

Return-Strategien, wie z. B. Hedgefonds,

wieder zunehmen. Waren im Vorjahr noch

33 Prozent der befragten Investoren in

Hedge-Fonds engagiert, so sind es jetzt

37 Prozent. „Der US-Basiszins steigt und

die Gebühren sind gesunken. Zudem steigen

mehr und mehr Investoren direkt

bei einzelnen Hedgefonds ein, statt über

Dachfonds zu gehen, und sparen sich so

den Großteil der Gebühren komplett. Damit

sind Hedgefonds-Investments als liquide

Alternatives wieder interessant geworden“,

so Kinzler.

Über Alternative Investments

Alternative Investments bestehen meist

mehrheitlich aus sogenannten Growth

Fixed Income-Anlagen. Diese sind in der

Regel eine Kombination von Staatsanleihen

aus Schwellenländern (Emerging

Markts Debt) und Unternehmens-Schuldverschreibungen

(High-Yield Bonds und

klassische Bonds). Dazu kommen sogenannte

Privatmarkt-Anlagen, d. h. Beteiligungen

an Private Equity-Fonds, Private

Debt-Fonds oder privat finanzierten

Infrastruktur-Projekten wie Häfen, Straßen,

Brücken oder Krankenhäuser. Auch

Hedge-Fonds-Beteiligungen und Rohstoff-

Geschäfte zählen zu den alternativen Investments.

Autor: www.mercer.de

Ausgabe September/2017

49


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

Coller-Capital-Umfrage:

Private-Equity-Anleger rechnen

mt Cyber-Angriffen

Mehr als die Hälfte der institutionellen

Private-Equity-Anleger

(Limited Partners, LPs) rechnet

damit, innerhalb der nächsten fünf Jahre

Ziel einer ernsten Cyber-Attacke zu

werden, obwohl in den letzten Jahren nur

einer von zwanzig LPs tatsächlich angegriffen

wurde. Dies geht aus dem jüngsten

Global Private Equity Barometer von

Coller Capital hervor. Die zunehmenden

Sicherheitsbedenken wirken sich auch

auf die Beziehungen zwischen den LPs

und ihren Fondsmanagern (General Partners,

GPs) aus: Etwa die Hälfte der Anleger

fordert, dass in den nächsten Jahren

eine Beurteilung von Cyber-Risiken

sowohl bei den GPs selbst als auch bei

ihren Portfoliounternehmen vorgenommen

wird.

Die meisten LPs räumen ein, dass

ihre Private-Equity-Renditen durch

Änderungen in ihren eigenen Organisationen

gesteigert werden könnten:

- Zwei Drittel der LPs glauben, dass Änderungen

bei der Rekrutierung von Personal

und bei der Beschaffung zu höheren

Renditen führen würden. - Drei Fünftel

denken, dass eine Neugestaltung ihrer

Investitionsentscheidungsprozesse die

Renditen steigern würde. - Und die Hälfte

ist der Ansicht, dass die Renditen durch

Änderungen an ihren Governance- und

Managementstrukturen erhöht werden

könnten.

Drei Viertel der Anleger glauben zudem,

dass ihre Private-Equity-Programme durch

die bessere Nutzung von Daten externer

Anbieter optimiert werden könnten.

"Private Equity bleibt eine renditestarke

Anlageklasse", so Jeremy Coller, CIO von

Coller Capital. "Es zeigt sich jedoch, dass

die Ergebnisse der Limited Partners stark

davon abhängen, wie sie am Markt agieren.

Investoren, deren Strukturen oder

Beschaffungsmodelle nicht zeitgemäß

sind, werden nicht in der Lage sein, die

Private-Equity-Renditen für die Begünstigten

der Fonds zu optimieren."

Michael Schad, Partner bei Coller Capital,

merkt an: "Die Anlageklasse Private Equity

ist weiterhin im Wachstumsmodus und

die Renditen sind nach wie vor sehr stark.

In einem insgesamt sehr positiven Marktumfeld

ist es interessant zu sehen, dass

LPs in den nächsten Jahren attraktive Investitionsmöglichkeiten

unter anderem

in Special Situations und Distressed Debt

sehen - Marktbereiche, die von Volatilität

und Problemen einzelner Unternehmen

profitieren."

Chancen und Risiken

Die Anleger erwarten, dass sich die Aussichten

für Private Equity sowohl kurz- als

auch mittelfristig weltweit weiter verbessern

werden. Die einzige Ausnahme ist

der Private-Equity-Sektor in Nordamerika,

dessen Aussichten kurzfristig als unsicherer

eingeschätzt werden, was zum Teil

auf Ungewissheit über mögliche steuerliche

und regulatorische Änderungen sowie

deren Folgen für den Sektor zurückzuführen

ist. Der zuversichtliche Ausblick

spiegelt die insgesamt positive Einschätzung

der Anleger hinsichtlich der Aktienmärkte

wider. Die Hälfte der LPs ist der

Auffassung, dass sich das Verhältnis von

Private Equity zu börsengehandeltem Beteiligungskapital

in den nächsten Jahren

zugunsten von Private Equity ändern wird

50 Ausgabe September/2017


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

- nur 6 Prozent der LPs gehen von einer

entgegengesetzten Entwicklung aus.

Die optimistische Einschätzung der Limited

Partners bedeutet aber nicht, dass

sie blind gegenüber den Risiken der Anlageklasse

sind. Neun von zehn LPs halten

hohe Preise bei Investitionen für ein Risiko

für die Private-Equity-Renditen - und weit

mehr als die Hälfte (60 Prozent) sehen im

Protektionismus eine echte Bedrohung.

Fast alle Anleger rechnen mit weiterhin

guten Chancen für Private-Equity-Investitionen

im Bereich der Fintechs; so gehen

etwa zwei Drittel der LPs von einem weiteren

Wachstum des Marktsegments aus. Die

Aussichten für Blockchain-Anwendungen

werden hingegen als weniger sicher eingeschätzt.

Nur ein Viertel der LPs ist überzeugt,

dass diese Technologie in den nächsten

fünf Jahren gute Perspektiven für

Private-Equity-Investitionen bietet.

Plattformstrategien dürften weiterhin die

Unterstützung von Anlegern erhalten.

Zwei Drittel der LPs geben an, dass der

erkennbare Einsatz dieser Strategien die

zunehmende Fähigkeit der GPs widerspiegelt,

Wert durch operative Verbesserungen

zu schaffen, indem sie ihren Portfoliounternehmen

mehr als nur finanzielle

Unterstützung geben und weniger auf die

Exzesse eines überhitzten Marktes setzen.

Die Präferenzen der Anleger bei Investitionen

im Energiesektor gehen regional

stark auseinander, wobei LPs in Nordamerika

Öl- und Gasinvestitionen gegenüber

erneuerbaren Energien vorziehen und Investoren

in Europa und Asien-Pazifik erneuerbare

Energien gegenüber fossilen

Energiequellen bevorzugen.

Quelle: © FotolEdhar - Fotolia.com

An den Kreditmärkten sind die Anleger

besonders an Special Situations und

Distressed Debt interessiert - drei Viertel

der LPs erwarten, dass diese Strategien in

den nächsten Jahren attraktive Chancen

bieten.

Die meisten Limited Partners setzen weiterhin

stark auf Private-Equity-Investitionen

im asiatisch-pazifischen Raum, obwohl

die bisherigen Renditen schwächer

ausgefallen sind als in Nordamerika und

Europa. Trotz des anhaltenden Engagements

gibt mehr als die Hälfte der LPs an,

bei der Wahl der GPs, Länder und Anlagestrategien

in der Region selektiver vorzugehen.

Viele Limited Partners erwarten, dass sich

durch die jüngsten Veränderungen im ge-

Ausgabe September/2017

51


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

schäftlichen und wirtschaftlichen Umfeld

Japans in den nächsten drei Jahren mehr

Chancen für Private Equity ergeben werden.

Mehr als 70 Prozent der LPs in der

Region Asien-Pazifik sind dieser Ansicht,

ebenso wie mehr als zwei Fünftel der LPs

in Nordamerika und Europa.

Beziehungen zwischen LPs und GPs

Obwohl die Hurdle-Rates, also der vereinbarte

Minimalerfolg eines Fonds, nach

Ansicht der meisten Anleger derzeit auf

einem angemessenen Niveau liegen, wären

zwei von fünf LPs unter bestimmten

Umständen bereit, eine geringere Hurdle-

Rate in Kauf zu nehmen - zum Beispiel

als Reaktion auf Renditeänderungen oder

wenn im Gegenzug andere Bedingungen

des Fonds angepasst werden.

Die Transaktionsgebühren scheinen ein

wichtiger, aber nicht entscheidender Faktor

für die Fondsauswahl der LPs zu sein.

Für Pensionsfonds hat das Thema offenbar

die größte Bedeutung, wobei ein Drittel

dieser Fonds Transaktionsgebühren als

einen entscheidenden Faktor für neue Kapitalzusagen

nennt.

Autor: www.collercapital.com

KPMG:

Fintech-Investitionen nehmen Fahrt auf

In Fintechs ist im zweiten Quartal dieses

Jahres weltweit mehr als doppelt

so viel Geld geflossen wie noch

in den ersten drei Monaten 2017. Insgesamt

wurden in Form von Venture Capital

und Private Equity oder im Rahmen von

Fusionen und Übernahmen umgerechnet

rund 8,4 Milliarden Dollar in Start-ups der

Finanzdienstleistungsbranche investiert

(Q1: 3,6 Mrd. $). Europa liegt dabei im

Trend: hier stiegen die Investitionen vom

ersten zum zweiten Quartal von 880 Millionen

auf über 2 Milliarden Dollar. Das

zeigt der aktuelle „Pulse of Fintech“ von

Quelle: © fotogestoeber - Fotolia.com

KPMG, für den die weltweiten Investitionen

in diesem Start-up-Segment regelmäßig

analysiert werden.

Trend geht hin zu B2B-Anwendungen

Vor allem in den USA und in Europa zeichnet

sich inzwischen ein neuer Trend ab.

Fokussierten sich Fintechs bisher meist

um Kundenanwendungen, widmen sie

sich inzwischen immer mehr der Frage,

wie sich Middle- und Backoffice-Prozesse

bei Finanzdienstleistern effizienter gestalten

lassen. Und so befinden sich unter den

Top 10 Fintech-Deals im zweiten Quartal

bereits drei aus dem B2B-Segment: CCH

Tagetik (Italien/USA, 321 Mio. $), Pos

Portal (USA, 158 Mio. $) und ITRS Group

(England, 140 Mio. $). KPMG-Partner Sven

Korschinowski: „Der Trend hin zu B2B-

Anwendungen dürfte sich künftig noch

verstärken, weil Banken gemerkt haben,

dass sie ihre Kosten drastisch reduzieren

müssen. Denn als Wettbewerber treten

zunehmend auch Fintechs mit Banklizenz

auf den Plan, bei denen das Verhältnis von

52 Ausgabe September/2017


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

Aufwand und Ertrag nur ein Drittel von

dem bei einer klassischen Bank beträgt.“

Auch regulatorische Themen treiben

den Markt

Weiter im Aufwind befinden sich auch

Start-ups, die sich Lösungen auf regulatorische

Fragen widmen („Regtechs“).

Hier flossen im ersten Halbjahr 2017 bereits

591 Millionen Dollar im Rahmen von

60 Deals. Zum Vergleich: Im gesamten

Vorjahr waren es 91 Deals und 994 Millionen

Dollar investiertes Kapital. Sven Korschinowski:

„Die anhaltenden Aktivitäten

deuten auf ein reges drittes Quartal 2017

hin, zumal PSD2 und die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung

für zusätzliche

Aufmerksamkeit in diesem Bereich sorgen.

Auch bei Themen wie Blockchain, digitalen

Währungen und rund um den Versicherungssektor

dürfte sich bis Ende des

Jahres noch einiges tun.“

Autor: www.kpmg.com

Forstimmobilienmarkt

Deutschland im Fokus

Der deutsche Wald als wertstabiles Investment

Der deutsche Forstimmobilienmarkt

rückt auf der Suche nach

alternativen Anlagemöglichkeiten

bei immer mehr Investoren ins

Blickfeld. Mit mehr als 11 Mio. ha nehmen

Wälder flächenmäßig etwa ein

Drittel der Bundesrepublik ein und rangieren

damit auf dem zweiten Platz –

hinter der Landwirtschaft mit einem Flächenanteil

von 52 %. Der Bestand von

schätzungsweise 90 Mrd. Bäumen wird

zukünftig aber noch wachsen: Zwischen

2002 und 2012 nahm die Waldfläche um

50.000 ha bzw. 0,4 % zu. Nichtsdestotrotz

bilden Forstimmobilien ein kleines Marktsegment.

Laut Savills sind die Wälder

auf eine Vielzahl von Eigentümern verstreut.

Ebenso kleinteilig ist auch der

Transaktionsmarkt, der zusammen mit

der Intransparenz eine Hürde für Investoren

darstellt. Zukünftig könnte die

Assetklasse aber eine Institutionalisierung

erfahren: Die Zusammenführung

kleiner Flächen birgt ein großes Konsolidierungspotenzial

und könnte Ertragssowie

Wertsteigerungen mit sich bringen,

da neben der Lage und der Qualität

des Baumbestands die Grundstücksgröße

maßgeblich preisbestimmend ist.

Vom Betongold zur Holztruhe

Die deutsche Immobilienlandschaft ist für

Investoren ein guter Nährboden für attraktive

Investments. Doch trauen sich

viele – vor allem institutionelle – Anleger

meist nicht an alternative Assetklassen

heran. Während der Forstimmobilienmarkt

in anderen Ländern bereits einen

vergleichsweise hohen Stellenwert hat,

bleibt er hierzulande eher die Ausnahme

in den Portfolios. Dem vergleichsweise

schweren Zugang zu diesem Immobiliensektor,

begründet in dessen Kleinteiligkeit

und Intransparenz, stehen Wertstabilität,

eine Ertragsrendite von durchschnittlich

2 % und ein großes Wachstumspotenzial

gegenüber. Neben rund 5 % aus Fischerei

und Jagd spielen auch die sonstigen Erträge

nur eine untergeordnete Rolle, während

mit 90 % ein Großteil des laufenden

Einkommens mit dem Holzverkauf erwirtschaftet

wird.

„Diese regelmäßigen Erträge sind vorhersehbar

und machen Forstimmobilien zusammen

mit dem stabilen Bodenwert zu

einer beständigen Anlageklasse“, erklärt

Dr. Frank Urfer, Director Investment Ger-

Ausgabe September/2017

53


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

many und bei Savills verantwortlich für

Forestry & Agricultural Investment. „Zudem

eignen sich Waldflächen gut für die

Portfoliodiversifikation, da sie nur gering

mit Aktien oder anderen Assetklassen

korrelieren.“

Hochadel als dominierender

Bestandshalter

Mit etwa 2 Mio. Waldbesitzern ist die hiesige

Eigentümerstruktur jedoch stark fragmentiert.

Während insgesamt ein Drittel (33 %)

der Forstflächen dem Staat sowie knapp

ein Fünftel (19 %) verschiedenen Körperschaften

zugeschrieben wird, befindet sich

fast die Hälfte (48 % bzw. 5,5 Mio. ha) im

Privatbesitz. Hier dominieren wiederum

Adelsfamilien wie die Familie Hohenzollern

mit circa 15.000 ha. In Bezug auf die

Flächengrößen sind die Privatwälder gegenüber

den Staats- und Körperschaftswäldern

sehr kleinteilig. Im Schnitt sind

diese lediglich 3 ha groß – nur 13 % des

Privatwaldes übertreffen einen Wert von

1.000 ha.

Die gemeinnützige DBU Naturerbe GmbH

führt mit 69.000 ha die Liste der Privatwaldeigentümer

an. Zum Vergleich: Der

Freistaat Bayern nennt als größter Waldbesitzer

insgesamt 780.000 ha sein eigen.

Baumbestand wächst –

Das Transaktionsvolumen auch

„Die zersplitterte Eigentümerschaft, das

ausgeprägte Vertraulichkeitsinteresse vieler

größerer Waldeigentümer und unzureichende

Zahlen der Gutachterausschüsse

machen den Forstimmobilienmarkt wesentlich

intransparenter als andere Segmente“,

erklärt Matthias Pink, Director

/ Head of Research Germany bei Savills.

Zwischen 2007 und 2014 wurden pro Jahr

in etwa 22.000 Kauffällen rund 41.000 ha

bzw. 320 Mio. Euro umgesetzt. Alle Werte

waren im Betrachtungszeitraum sehr stabil

und schwankten lediglich um etwa 10 % um

den langjährigen Mittelwert, was für ein

sehr konstantes Marktgeschehen spricht.

Pro Transaktion wechselten in den letzten

Jahren im Durchschnitt weniger als 2 ha

für knapp 15.000 Euro den Eigentümer.

Die größten Flächen pro Transaktion wurden

in Brandenburg gehandelt. Während

die Durchschnittsgröße hier bei 5,7 ha lag,

wurde in Baden-Württemberg lediglich ein

Wert von 0,22 ha erzielt. Das hängt zum

einen damit zusammen, dass in den alten

Bundesländern deutlich mehr kleinteilige

Verkäufe stattfanden. In Baden-Württemberg

wurden 2014 mit etwa 5.700 Kauffällen

beispielsweise dreimal mehr Forstimmobilien

gehandelt als in Brandenburg.

54 Ausgabe September/2017


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

Zum anderen liegt das Preisniveau in den

neuen Bundesländern deutlich unter dem

der alten Bundesländer. Investoren bezahlten

z. B. in Sachsen-Anhalt im Schnitt

2.500 Euro/ha – im teuersten Flächenland

Baden-Württemberg hingegen 30.100

Euro/ha. „Dies ist im Allgemeinen auf die

generell hohen Grundstückspreise, die

dichte Besiedelung, die positiven ökonomischen

Rahmenbedingungen sowie die

relativ hohe Bodenmasse des Bundeslandes

zurückzuführen. Am Bodensee

wird beispielsweise viel Waldgrund von

Schweizer Investoren aufgekauft. Zudem

spielt auch die hiesige Bodenqualität

eine gewichtige Rolle“, so Pink. „Die

durchschnittlich deutlich geringere Fläche

der Transaktionen in Baden-Württemberg

spricht für ein starkes Engagement von

Privatinvestoren und eine deutlich kleinteiligere

Eigentümerstruktur, die es in dieser

Form in Sachsen-Anhalt nicht geben

dürfte.“

Größe, Lage und Qualität des

Baumbestands bestimmen Anlagewert

Der Standort ist demnach eine stark preisbeeinflussende

Variable. Während der Markt

insgesamt wertstabil blieb, gibt es große

Preisdifferenzen auf Ebene der Bundesländer.

Spitzenreiter sind mit 42.900 Euro/ha

Bremen und Hamburg. Hier war der Flächenumsatz

mit nur 7 ha entsprechend gering,

was aber auch auf die hohe Bevölkerungsdichte

sowie die begrenzte Flächenkapazität

zurückzuführen ist. In den Stadtstaaten

steht logischerweise weniger Produkt zur

Verfügung als in Baden-Württemberg und

Bayern, die mit 1,4 Mio. ha bzw. 2,6 Mio.

ha die absolut größte Waldfläche aufweisen.

Rheinland-Pfalz und Hessen sind mit

einem Anteil von 42 % am dichtesten bewaldet.

Außerdem bestimmen die Nähe zu

Großstädten sowie Art, Qualität und Alter

der Bestockung wesentlich den Kaufpreis.

Der Preis einer Forstimmobilie wird dementsprechend

durch Größe, Lage und Qualität

des Baumbestands bestimmt. Größere Flächen

sind meist attraktiver für institutionelle

Anleger. Je nach Preisniveau rechnete sich

ein Investment für sie im Jahr 2014 erst ab

30 ha in Baden-Württemberg bzw. 400 ha

in Sachsen-Anhalt – auf Basis der aktuellen

Zahlen stiegen diese Werte allerdings noch

weiter an. Nur ab einer bestimmten Fläche

werden auch die Erträge durch Holz, Jagd

und Fischerei attraktiv – Eigenjagden sind

zum Beispiel erst ab einer Grundstücksgröße

von 75 ha möglich.

Zusammenlegung von Flächen

als Hebel für Ertrags- und

Wertsteigerungen

Da sowohl die Waldfläche als auch der

Holzvorrat weltweit abnimmt, versprechen

Forstimmobilien ein langfristiges

Wertwachstum – Grund und Boden sowie

Baumbestand sind gute Wertspeicher. „Die

jährliche Ertragsrendite liegt bereits seit

Jahren bei rund 2 %. Kalkuliert man die

Bodenwertsteigerungen mit ein, könnte in

den kommenden Jahren eine Gesamtrendite

von mindestens 4 % erzielt werden.

Der Rohstoff Holz gewinnt auch als Energieträger

wieder mehr an Bedeutung, sodass

die Erträge weiter steigen werden“,

so Urfer. „Auch hier heißt es ,Lage, Lage,

Lage‘, da die Nähe zu Hauptabnehmern

wie Sägewerken als maßgeblicher Standortfaktor

fungieren wird.“ Matthias Pink

ergänzt: „Werfen wir einen Blick in die

USA, nach Finnland oder Schottland fällt

auf, dass der dortige Handel mit Forstimmobilien

weitaus aktiver ist. Grund hierfür

ist, dass die dortigen Märkte transparenter

und bei weitem nicht so kleinteilig sind wie

die Forstlandschaft hierzulande. Durch die

Zusammenfügung kleiner Flächen könnte

neben Ertrags- und Wertsteigerungen

auch die Rendite erhöht werden, was auch

den deutschen Markt für Institutionelle

attraktiv machen würde.“

Autor: www.savills.de

Quelle: © duncanandison - Fotolia.com

Ausgabe September/2017

55


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

Versicherungsgesellschaften investieren

vornehmlich in Finanzprodukte aus dem

Euroraum

Statistik über Versicherungsgesellschaften im Euro-Währungsgebiet

Der von Versicherungsgesellschaften

im Euroraum gehaltene Gesamtbestand

an Schuldverschreibungen

verringerte sich von 3 339 Mrd € im ersten

Vierteljahr auf 3 325 Mrd € im zweiten

Quartal 2017, was einem Anteil von

43 % der gesamten Aktiva dieses Sektors

entsprach. Der Rückgang des Bestands an

Schuldverschreibungen war hauptsächlich

durch Nettoveräußerungen im Umfang

von 17 Mrd € begründet, die durch Preisänderungen

und sonstige Veränderungen

im Umfang von 4 Mrd € teilweise kompensiert

wurden.

Den zweitgrößten Anteil an den Gesamtaktiva

machten Investmentfondsanteile einschließlich

Geldmarktfondsanteilen (25 %)

aus. Der Wert dieser gehaltenen Anteile stieg

im zweiten Quartal 2017 auf 1 961 Mrd € nach

1 902 Mrd € im Vorquartal, was auf Transaktionen

im Volumen von 50 Mrd € sowie Preisänderungen

und sonstige Veränderungen im

Umfang von 11 Mrd € zurückzuführen war.

Die gebietsansässigen Versicherungsgesellschaften

investieren vornehmlich in

Finanzprodukte aus dem Euroraum. So

stammten im Berichtsquartal 81 % der

von ihnen gehaltenen Schuldverschreibungen,

92 % der Investmentfondsanteile

und 73 % der börsennotierten Aktien von

Institutionen mit Sitz im EuroWährungsgebiet.

Die versicherungstechnischen Rückstellungen

beliefen sich im zweiten Vierteljahr

2017 auf insgesamt 5 911 Mrd €,

verglichen mit 5 915 Mrd € im vorangegangenen

Quartal; davon waren 91 % den

Lebensversicherungen zuzuschreiben.

Der Bestand an fondsgebundenen Produkten

lag bei 1 110 Mrd € und entsprach

19 % aller versicherungstechnischen

Rückstellungen im Bereich Leben.

Autor www.Bundesbank.de

Quelle: © Mustafa Sen - Fotolia.com

56 Ausgabe September/2017


FINANZMÄRKTE I FinanzBusinessMagazin

McKinsey-Studie: Globalisierung

der Finanzmärkte hat sich verändert

Weltweit haben Banken immer

weniger Interesse an Kreditgeschäften

im Ausland und konzentrieren

sich stattdessen auf ihre Heimmärkte.

Die globalen grenzüberschreitenden

Kapitalflüsse sind seit dem Höchststand

2007 um 65% zurückgegangen, von damals

12,4 Bio. auf 4,3 Bio. US-Dollar im

Jahr 2016. In Deutschland sind die Auslandsforderungen

im gleichen Zeitraum

um 52% gesunken. Bei den größten deutschen

Banken haben sich ausländische

Vermögenswerte von 1,9 Bio. auf 0,8 Bio.

Dollar mehr als halbiert. Anders sieht es

bei den globalen Auslandsinvestitionen

aus: Sie sind im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung

(BIP) heute auf dem Niveau von

2007. Weltweit werden aktuell 27% aller

Aktien von ausländischen Investoren gehalten,

2000 waren es nur 17%. Auf den

Anleihemärkten liegt der Anteil internationaler

Investoren sogar bei 31% (2000:

18%). Dies sind die zentralen Ergebnisse

einer neuen Studie des McKinsey Global

Institute (MGI) mit dem Titel "The new

dynamics of financial globalization". Das

MGI hat dafür die in- und ausländischen

Kapitalströme in 100 Ländern untersucht.

Europäische und globale Banken auf

dem Rückzug

Die Banken der Eurozone waren 2007

weltweit die am stärksten globalisierten

Finanzinstitute. Seither sind ihre Auslandsforderungen

um 45% zurückgegangen.

Insgesamt stießen Banken zwischen

2007 und 2016 weltweit mindestens 2 Bio.

US-Dollar an Vermögenswerten ab, davon

über die Hälfte durch europäische

Institute. Die Gründe für diesen Rückzug

Quelle: © pressmaster - Fotolia.com

sind dem MGI zufolge vielfältig: neu bewertete

Länderrisiken; die Einsicht, dass

der Heimmarkt mit hohen Marktanteilen

lukrativ ist; nationale Richtlinien, die die

Vergabe von Krediten im Inland befördern;

Kapital- und Liquiditätsvorgaben,

die das komplexe Auslandgeschäft weniger

attraktiv machen. "Die Banken ziehen

sich aus Ländern und Märkten zurück, auf

denen ihnen die Größe oder das Alleinstellungsmerkmal

fehlt. Mehr als die Hälfte

der Korrektur entfällt auf Interbankkredite

und Schuldverschreibungen vor allem in

der Eurozone. Diese waren vor der Krise

exzessiv gewachsen. Es wurde sozusagen

der Reset-Knopf gedrückt", sagt Eckart

Windhagen, Seniorpartner bei McKinsey in

Frankfurt und Co-Autor der Studie. "Dieser

Prozess ist noch nicht abgeschlossen."

Deutschland in der

Finanzverknüpfung auf Platz 5

Auch wenn die Finanzinstitute ihr Auslandsgeschäft

stark zurückgefahren haben,

bleiben die globalen Finanzmärkte

eng verwoben, und es nehmen heute mehr

Länder an den globalen Finanzströmen teil

als jemals zuvor. Aus seiner Analyse der

Ausgabe September/2017

57


FinanzBusinessMagazin I FINANZMÄRKTE

Quelle: © psdesign1 - Fotolia.com

gesamten ausländischen Vermögenswerte

und Verbindlichkeiten von 100 Ländern

hat das MGI ein Financial Connectedness

Ranking entwickelt. Es zeigt: Entwickelte

Volkswirtschaften und internationale Finanzzentren

sind weiterhin am stärksten

ins globale Finanzsystem integriert.

Deutschland belegt in diesem Ranking hinter

den USA, Luxemburg, dem Vereinigten

Königreich und den Niederlanden Rang 5

und steht für 6% der ausländischen Investitionen

weltweit. Knapp die Hälfte davon

entfällt auf die Eurozone, 16% auf Großbritannien

und 11% auf die USA. Global

gesehen war Deutschland 2016 mit 8 Mrd.

US-Dollar Investitionen im Ausland und

Investitionen aus dem Ausland in Höhe

von 6,6 Mrd. Dollar ein Nettozahler. Aufstrebende

Volkswirtschaften holen jedoch

auf: Sie halten mittlerweile 15% aller

ausländischer Anlagewerte (2007: 8%).

China stieg von Rang 15 2005 auf jetzt

Rang 8. Die Auslandskredite, Direktinvestitionen

und Aktien- und Bondportfolios

Chinas zusammengenommen überstiegen

2016 zum ersten Mal die ausländischen Devisenreserven

der chinesischen Zentralbank.

Mehr Stabilität im weltweiten

Finanzsystem - Risiken bleiben

"Die Globalisierung der Finanzmärkte verspricht

für die Zukunft mehr Stabilität,

wesentliche Indikatoren haben sich verbessert",

so Windhagen. So ist der Anteil

der wenig volatilen Direktinvestitionen

und Eigenkapitalströme an den grenzüberschreitenden

Finanzflüssen von 36% auf

69% gestiegen. Zudem sind die globalen

Ungleichgewichte in den Leistungs-, Kapital-

und Vermögensbilanzen von 2,5% des

globalen BIP im Jahr 2007 auf 1,7% 2016

zurückgegangen. Die Studie zeigt auch:

Heute tragen mehr Länder zur Allokation

von Kapital bei als 2007. Damals hatten

die USA noch 67% des globalen Kapitals

absorbiert, heute hat sich dieser Anteil

halbiert. Aufstrebende Volkswirtschaften

sind dagegen zum ersten Mal seit zehn

Jahren wieder zu Nettoempfänger der globalen

Kapitalströme geworden.

"Die Risiken sind heute vorwiegend im

ausländischen Kreditgeschäft zu orten.

Dessen Volatilität kann große Auswirkungen

auf Volkswirtschaften und Wechselkurse

haben", beschreibt Windhagen

die aktuelle Entwicklung. Weitere Risiken

lägen in den stark erhitzten Aktienmärkten

sowie im Aufstieg von neuen Finanzzentren,

denen es zum Teil an Transparenz

mangele. "Neue digitale Plattformen, die

Blockchain-Technologie und das Machine

Learning können in Zukunft für grenzüberschreitende

Kapitalströme neue Kanäle

und Möglichkeiten eröffnen, bergen aber

auch unbekannte und schwer einschätzbare

Risiken."

Autor: www.mckinsey.de

58 Ausgabe September/2017


FINANZMÄRKTE I FinanzBusinessMagazin

Zahl der Reichen in China steigt rasant an

In China wächst der Reichtum mit

atemberaubendem Tempo. Die Privatvermögen

der Chinesen werden

dieses Jahr um 14 Prozent auf insgesamt

188 Billionen Renminbi (rund 28 Billionen

US-Dollar) steigen. Das prognostiziert der

aktuelle "China Private Wealth Report",

den die internationale Managementberatung

Bain & Company gemeinsam mit der

China Merchants Bank bereits zum fünften

Mal herausgibt. Im Rahmen der Studie

wurden in diesem Jahr rund 3.300 Personen

befragt.

Demnach hat sich der Wert des Privatbesitzes

in China zwischen 2006 und 2016

versechsfacht - auf nunmehr 165 Billionen

Renminbi (rund 24 Billionen US-Dollar).

Zugleich stieg die Zahl der Hochvermögenden,

die über mindestens 10 Millionen

Renminbi (rund 1,5 Millionen US-Dollar)

verfügen, von 180.000 auf gut 1,6 Millionen

Chinesen. Auf ein Vermögen von mehr

als 100 Millionen Renminbi (rund 15 Millionen

US-Dollar) kommen etwa 116.000

Chinesen. Diese Gruppe der Superreichen

hatte 2006 gerade einmal 7.000 Menschen

umfasst.

Der Reichtum verteilt sich heute gleichmäßiger

über das Land als noch vor zehn

Jahren. Zwar finden sich die Hochvermögenden

weiterhin vor allem in den Megastädten

und in den Küstenregionen. Doch

leben inzwischen in 22 der 34 Provinzen

der Volksrepublik jeweils mindestens

20.000 Reiche. "Der immense Zuwachs an

Vermögenden in China und deren Vertrauen

in Vermögensverwalter bietet einheimischen,

aber auch ausländischen Finanzdienstleistern

große Geschäftschancen",

betont Dr. Nikola Glusac, Bain-Partner und

Wealth-Management-Experte.

Tatsächlich verlassen sich nahezu zwei

Drittel der reichen Chinesen bei ihrer

Geldanlage auf professionelle Vermögensverwalter.

Dabei haben sich die Prioritäten

verschoben: Stand für die Hochvermögenden

2009 noch die Vermehrung ihres

Besitzes im Vordergrund, konzentrieren

sie sich heute vor allem auf dessen Erhalt

und möchten ihr Erbe ordnen. Dafür wollen

40 Prozent der Superreichen ein Family

Office nutzen. Auch Geldanlagen im Ausland

halten sie zunehmend für attraktiv.

Bereits 56 Prozent der reichen Chinesen

besitzen Assets in Übersee. Im Jahr 2011

waren es lediglich 19 Prozent gewesen.

Vermögende Chinesen setzen neue

Prioritäten

Chinas Reiche sind höchst anspruchsvolle

Kunden

Bei der Wahl ihres Vermögensverwalters

zählt für 61 Prozent die Reputation eines

Finanzinstituts. Dessen Expertise nennen

58 Prozent als entscheidendes Kri-

Ausgabe September/2017

59


FinanzBusinessMagazin I FINANZMÄRKTE / BANKEN

terium. Wollen Finanzdienstleister die extrem

wohlhabenden Chinesen als Kunden

für sich gewinnen, genügt es allerdings

nicht, sich allein auf ihren guten Ruf und

Standardangebote zu verlassen. Die Herausforderungen

für in- wie ausländische

Finanzinstitute sind enorm. "Jeder einzelne

Kunde ist ausgesprochen anspruchsvoll",

stellt Bain-Experte Glusac fest. Und er fügt

hinzu: "Auf die besonderen Bedürfnisse gehen

die besten Vermögensverwalter ebenso

gezielt ein wie auf die individuellen Lebenswege.

Gleichzeitig sind sie in der Lage,

mit modernster Technologie schnell und in

höchster Qualität immer neue Angebote zu

machen, die diese Klientel einfordert."

China Merchants Bank

Die in Shenzhen ansässige Geschäftsbank

wurde 1987 gegründet und zählt mittlerweile

zu den führenden Finanzinstituten in

China. Das Filialnetz deckt in erster Linie

die hoch entwickelten Regionen wie das

Yangtze-Delta und das Perlflussdelta ab.

Die China Merchants Bank ist zudem in bedeutenden

Städten anderer chinesischer

Provinzen sowie im Ausland vertreten. Sie

bedient neben zahlreichen Firmenkunden

auch gut 91 Millionen Privatkunden. Rund

60.000 Vermögende nehmen ihre Angebote

im Private-Banking wahr.

Autor: www.bain.com

Deutsche Privatbanken bleiben im

europäischen Wettbewerb weiter zurück

aktuelles Ranking unter Europas Retail Banken:

Deutschland und Österreich bei Kosten Schlusslicht

"Die europäischen Banken haben immer

noch stark mit dem Niedrigzinsumfeld zu

kämpfen und leiden unter dem gedämpften

realwirtschaftlichen Aufschwung. Entsprechend

belastet ist ihre Performance",

resümiert Mischa Koller, Manager für Financial

Services bei A.T. Kearney und Co-

Autor der Studie, die Ergebnisse des aktuellen

"Retail Banking Radar".

Der Retail Banking Radar der Managementberatung

untersucht seit 2007 jährlich

die Performance europäischer Retail

Banken und erlaubt damit einen umfassenden

und einzigartigen Einblick in die

Stärken und Schwächen der Privatkundenbanken

in Europa - und in die Position

der deutschen Institute im europäischen

Wettbewerb. Für die aktuelle Studie wurden

die Daten von fast 100 Privatkundenbanken

und Bankengruppen in 22 europäischen

Ländern hinsichtlich der Kriterien

Ertrag pro Kunde und Mitarbeiter, Gewinn

pro Kunde, Cost-Income-Ratio und Kreditrisikovorsorgequote

untersucht.

Europaweit verbucht die Branche erstmals

seit 2011 einen Ertragsrückgang Koller:

"Obwohl das Einlagen- und Kreditvolumen

weitergewachsen ist, konnte dies den anhaltenden

Margenverfall nicht kompensieren.

Erschwerend kommen in Ländern wie

Italien und Portugal erneut faule Kredite

hinzu." Die Fortschritte, so Koller, die die

Banken im vergangenen Jahr erzielt hätten,

seien wieder verloren.

Deutschlands Profitabilität liegt mit 153 Euro

Gewinn pro Kunde weiter unter dem europäischen

Durchschnitt. "Denn", so merkt Koller

an, "die deutschen Privatkundenbanken

haben immer noch nicht zur Genüge die

Gelegenheit einer strukturellen Bereinigung

genutzt". Die Achillesferse der deutschen

(wie auch österreichischen) Privatkundenbanken

sei weiterhin die Kosteneffizienz

60 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

- mittlerweile die schlechteste in Europa.

Die deutschen Institute hätten zwar in den

letzten Jahren den Filialabbau (14 Prozent)

vorangetrieben, doch andere europäischen

Banken, beispielsweise in Großbritannien,

seien effektiver (30 Prozent).

Trotz insgesamt positiven wirtschaftlichem

Umfeld bleibt das europäische Privatkundensegment

weiterhin stark unter Druck.

Aufgrund der niedrigen Zinsmarge sank der

durchschnittliche jährliche Ertrag pro Kunde

um drei Prozent auf 633 Euro. Zusätzlich

stieg die Risikovorsorge um 20 Prozent, insbesondere

in Portugal und Österreich. Dies

konnte durch eine um zwei Prozent höhere

Produktivität pro Mitarbeiter nicht ausgeglichen

werden, so dass der Gewinn je

Kunde sich um 14 Prozent verschlechterte.

Das Ergebnis der deutschen Privatkundenbanken

ist im Vergleich zu westeuropäischen

Instituten besser, wenn auch nicht

zufriedenstellend. Den deutschen Instituten

ist es trotz Interchange-Regulierung

unter anderem durch leistungsgerechte

Bepreisung von Basisprodukten gelungen,

die Provisionserlöse um 0,7 Prozent zu

steigern - was allerdings nicht ausreichend

war, um die weiter erodierende Zinsmarge

wettzumachen. Obwohl der Ertrag zurückgegangen

ist, konnten die deutschen Retail

Banken mit Kosteneinsparungen und Bewertungseffekten

die Gewinne stabil halten.

Das bessere Abschneiden im westeuropäischen

Vergleich verdanken die deutschen

Privatkundenbanken auch den besseren

wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Der Anstieg des Geschäftsvolumens (Einlagen

und Kredite) im letzten Jahr lag in

Deutschland mit 3,9 Prozent deutlich über

dem westeuropäischen Durchschnitt von

3,1 Prozent. Dennoch rutschten die deutschen

Institute bei der Kosteneffizienz

weiter ab und liegen auch unter Berücksichtigung

der historisch niedrigen deutschen

Risikovorsorgequoten nur im letzten

Drittel.

Als Best Champion wurde in diesem Jahr die

BAWAG für den deutschsprachigen Raum

ausgezeichnet. Seit ihrer Akquisition durch

Cerberus hat sie ihre Produkt- und Vertriebskomplexität

reduziert, die Nutzung

digitaler Kanäle intensiviert und die Mitarbeiterproduktivität

verbessert. Das Ergebnis:

Senkung der Kosten in den vergangenen

zwei Jahren um 16 Prozent. Auch die

ING-DiBa fällt im deutschsprachigen Raum

durch eine überdurchschnittliche Performance

(mehr als 10 Prozent) beim Ertrag

pro Kunde auf. Die Gründe: überdurchschnittliches

Wachstum im Geschäftsvolumen,

steigende Erträge aus dem Depotgeschäft

und die Vernetzung mit einer stark

wachsenden Wholesale-Banking-Division.

Ferner können auch Zukäufe ein Erfolgsrezept

sein, wie das Beispiel der Banca

Transilvania aus Rumänien, ebenfalls ein

europäischer Musterschüler, zeigt: Mit der

Übernahme der Volksbank Romania, die

sie in Rekordzeit von acht Monaten nach

Closing in das operative Geschäft integriert

hat, ist sie zum Marktführer im hochprofitablen

und wachstumsstarken Segment für

klein- und mittelständische Unternehmen

aufgestiegen. Das Ergebnis: Steigerung

des Ertrags pro Kunde um 23 Prozent in

nur zwei Jahren.

Quelle: © alswart - Fotolia.com

"Die deutschen Privatkundenbanken müssen

sich noch stärker auf strukturelle Verbesserungen

konzentrieren und die Chancen

ihres positiven Wirtschaftsumfelds

nutzen", empfiehlt Koller: "Da sie kaum

Spielraum auf der Zinsseite haben, gilt die

Devise: Provisionserlöse um fast 30 Prozent

steigern und die Kosten um nahezu

20 Prozent senken, um eine Cost-Income-

Ratio von 60 Prozent zu erzielen: Eine

große Herausforderung."

Autor: www.atkearney.com

Ausgabe September/2017

61


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Nur jeder fünfte Banken-Firmenkunde

ist profitabel

Die anhaltend niedrigen Zinsen decken

die Schwächen der Banken

im bisher noch profitablen Corporate-

Banking auf. Weltweit tragen laut der

Studie "How Banks Can Turn Around Unprofitable

Corporate Clients" der internationalen

Managementberatung Bain & Company

derzeit lediglich rund 20 Prozent der

Firmenkunden zum Gewinn einer multinationalen

Bank bei. 50 Prozent kreisen um

den Break-Even, 30 Prozent sind Verlustbringer.

Der Gewinn könnte indes schon

deutlich steigen, würde eine Bank bei ihren

unprofitabelsten Kunden, dies sind

etwa 1 Prozent, kostendeckende Preise

erheben oder sich von ihnen trennen.

"Die meisten Banken haben ihre Kostenstruktur

bereits erfolgreich gestrafft

oder sind gerade dabei. Sie können

also bei anziehender Weltkonjunktur

mit höheren Gewinnen rechnen", stellt

Dr. Jan-Alexander Huber fest, Bain-

Partner und Co-Autor der Studie. "Allerdings

verdeckt diese Entwicklung das

Problem unprofitabler Firmenkunden, die

auch bei steigenden Zinsen ein Klotz

am Bein der Banken bleiben." Kosten

und Risiken in einem Geflecht von Geschäftseinheiten,

IT-Systemen und Datenbanken

einzelnen Kunden korrekt

zuzurechnen, ist nicht einfach. Doch

der Aufwand lohnt sich. "Eine solide

Datenbasis ist in Preisverhandlungen

eine deutlich bessere Gesprächsgrundlage",

so Huber. Darüber hinaus lässt

sich durch die Trennung von unprofitablen

Kunden das freiwerdende Kapital

anderswo effizienter einsetzen.

Hoffnungsträger

schwächelt

Provisionsgeschäft

Den besonders bei deutschen Banken

großen Handlungsbedarf unterstreicht

die jüngste Ausgabe des Bain-Corporate-Banking-Index.

Er ging im zweiten

Halbjahr 2016 in den beiden Dimensionen

Ertrag und Profitabilität erneut

leicht zurück. Die Erträge im Firmenkundengeschäft

verharren damit bereits

seit vier Jahren mehr oder minder

auf dem gleichen Niveau. Die Profitabilität

sank in diesem Zeitraum um gut

30 Prozent (Abb. 1). Zwar profitierten

die Institute bei den Erträgen zuletzt

von einer regen Kreditnachfrage. Mit

1.036 Milliarden Euro erreichten die

Darlehen an Firmenkunden im zweiten

Halbjahr 2016 ein neues Rekordniveau

(Abb. 2). Doch dafür schwächelte der

Hoffnungsträger Provisionsgeschäft -

und hier vor allem das Cross-Selling.

73 Prozent der Erträge der Banken resultieren

damit nach wie vor aus dem

Zinsüberschuss.

Die Kreditmarge der Finanzinstitute stabilisierte

sich mit 1,4 Prozent zumindest

temporär. "Doch eine Trendwende ist nicht

in Sicht", betont Branchenkenner Dr. Chri-

62 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

stian Graf, Principal bei Bain & Company.

Dessen ungeachtet konzentrieren

sich einzelne Banken mit Erfolg auf bestimmte

Kunden und Produkte. "Wer

sich intensiv mit der Profitabilität

seiner Kunden auseinandersetzt,

kann selbst im hart umkämpften

Kreditgeschäft attraktive Margen

erzielen", so Graf. Positiv beeinflusst

hat die Profitabilität zuletzt auch die

unter den historischen Durchschnittswerten

liegende Kreditrisikovorsorge.

Bei den Kosten zahlen sich die Anstrengungen

der vergangenen Jahre langsam

aus. Der Verwaltungsaufwand ist im zweiten

Halbjahr 2016 gesunken und hat damit

zu einer Stabilisierung der Cost-Income-Ratio

beigetragen. Da jedoch die

Eigenkapitalanforderungen weiter gestiegen

sind, fiel die Eigenkapitalrendite vor

Steuern um einen weiteren Punkt auf 13

Prozent. Damit liegt sie zwar weiter über

den Kapitalkosten, bleibt jedoch unter

ihren Möglichkeiten. "Die Konzentration

auf profitable Kunden kann das Firmenkundengeschäft

wieder zu einer echten

Ertragsperle machen", ist Bankenexperte

Huber überzeugt.

Profitabilität pro Kunde wird zur

wichtigen Entscheidungsgrundlage

Genau diesen Weg beschreiten Vorreiter

in der Finanzwelt. Sie segmentieren ihre

Kunden nach Profitabilität und berücksichtigen

dabei auch Faktoren wie Unternehmensgröße

und zukünftiges Geschäftspotenzial.

Diese Segmentierung bestimmt

das Handeln der Bank über den gesamten

Lebenszyklus des Kunden hinweg:

- Onboarding. Das zukünftige Ertragspotenzial

eines Kunden fließt bereits

Quelle: © arsdigital - Fotolia.com

in die Entscheidung über die Aufnahme

einer Geschäftsbeziehung ein.

- Deal-Pricing. Kennt die Bank die Profitabilität

eines Firmenkunden, fällt es ihr

im konkreten Fall leichter zu entscheiden,

ob sie gegen Dumping-Angebote der Konkurrenz

mitbietet und so die Kundenbeziehung

vertieft - oder nicht.

- Budgetplanung. Bei den Vorreitern

basieren Planungsprozesse unter anderem

auf individuellen Kundenprofilen

und Prognosen über zukünftige Ertragschancen

eines Kunden.

- Kundenmanagement. Je nach Konjunktur-

und Branchenzyklus kann die Profitabilität

von Firmenkunden erheblich

schwanken. Eine Zwei- oder sogar Vierjahresperspektive

glättet Verwerfungen

und erleichtert fundierte Entscheidungen.

Autor: www.bain.com

Ausgabe September/2017

63


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Private Banking in der Schweiz –

eine Branche im Umbruch

Kostensteigerungen führen zu kritischer Profitabilität |

Anzahl der Privatbanken in zehn Jahren um 30 % geschrumpft |

„Weiter so“ keine Lösung

Die Private-Banking-Industrie in der

Schweiz befindet sich im Umbruch.

Zwar können die Schweizer Institute

nach wie vor auf ihre traditionellen Alleinstellungsmerkmale

wie Sicherheit, Stabilität,

Vertrauen und Tradition setzen. Auch ist

es den Banken gelungen, den aussergewöhnlichen

Boomzyklus der Wirtschaft

in den letzten Jahren für sich zu nutzen.

Dennoch hat sich die Ertragssituation im

Schweizer Private Banking deutlich zugespitzt.

So hat die Kombination aus konstant

fallenden Bruttomargen und einem

«teuren» Wachstum der Kundenvermögen,

das mit gleichlaufenden Kostensteigerungen

einhergeht, inzwischen zu einer im

Durchschnitt kritischen Profitabilität der

Institute geführt. Dies ist das zentrale Ergebnis

der aktuell veröffentlichten Schweizer

Private Banking Study von zeb. Die Strategie-

und Managementberatung, spezialisiert

auf die Beratung von Unternehmen

der Financial-Services-Industrie, hat in

den letzten Monaten den Private-Banking-

Sektor in der Schweiz intensiv untersucht

und analysiert, welche Herausforderungen

sich für die Zukunft ergeben und wie Banken

diesen gegensteuern können.

Brutto- und Ergebnismargen

sinken weiter

Wie die Studie im Einzelnen ergab, sind

die Assets under Management (AuM) im

Schweizer Private Banking trotz Konsolidierung

in den vergangenen fünf Jahren

um rund 3.2 % pro Jahr gewachsen, wovon

allerdings nur wenige Institute überproportional

profitieren konnten. Beim

untersuchten Bankensample von 24 Instituten

sind rund 70 % des gesteigerten

Kundenvermögens der letzten Jahre auf

M&A oder Marktperformance zurückzuführen.

Das eigentliche Net New Money, also die

reine Vertriebsleistung der Banken, fiel

vergleichsweise gering aus.

Die Profitabilität der Privatbanken geriet

damit stark unter Druck. Mittlerweile

ist die Bruttomarge im Schweizer

Private-Banking-Markt auf rund 82 bps

gesunken. Ein Grund hierfür war das

weitere Abschmelzen bzw. vollständige

Auflösen des „Offshore-Premiums“.

Auch konnten trotz steigender AuM

kaum Skaleneffekte realisiert werden,

was in einer proportional mitwachsenden

Kostenbasis resultierte. Insgesamt

wiesen die untersuchten Institute eine

durchschnittliche Ergebnismarge von

rund 20 bps auf – aus Sicht von zeb ein

kritischer Wert. Eine Abhängigkeit des

Margenverfalls von der Grösse der Institute

konnte die Studie nicht belegen.

Betrachtet man die strukturelle Marktentwicklung,

zeigt sich, dass die Konsolidierung

der Schweizer Private-Banking-Industrie

weiter anhält: So ist die

Zahl Privatbanken im Zehnjahresvergleich

um 30 % Prozent von 186 auf

130 Institute geschrumpft. 39 der 56

geschlossenen Banken sind der Bankengruppe

der „ausländisch beherrschten“

Institute zuzurechnen.

64 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

Ausblick –

Weiter wie bisher ist keine Lösung

zeb hat im Rahmen einer Szenariorechnung

analysiert, wie „wetterfest“ die

aktuellen Geschäftsmodelle im Schweizer

Private Banking sind. Basierend auf

einem Sample von 24 Banken, die ca.

40 % der AuM des gesamten Markts

repräsentieren, wurde der Einfluss von

drei potenziell realistisch erwartbaren

Zukunftsszenarien auf die Ergebnissituation

der Banken abgeschätzt. Die Studienautoren

legten dabei eine statische

Fortschreibung der PB-Aktivitäten ohne

sofortiges Gegensteuern durch gezielte

Massnahmen zugrunde.

Szenarioannahmen für Simulation

bis 2021:

Szenario 0 – „Fortschreibung der aktuellen

Entwicklung“: Weitere Steigerung

von AuM (+6.3 % p. a.) und Kostensteigerungen

fast im Gleichschritt (+5

% p. a.). Gleichzeitig weiteres Absinken

der Bruttomargen auf 76 bps im

Jahre 2021.

Szenario 1 – „Positives Szenario“: Steigerung

der AuM (+5 % p. a.) vor allem

getrieben durch Vertriebsleistungen

und dadurch geringere Kostensteigerung

(+2 % p. a.), Stabilisierung der

Bruttomarge auf aktuellem Niveau.

Szenario 2 – „Negatives Szenario“:

Einbruch der AuM (-2 % p. a.), eingeschränkte

Möglichkeiten zum Kostensparen

(+-0 %) und weiteres Absinken

der Bruttomargen auf 75 bps bis 2021.

Bei allen drei Szenarien wurde ein negativer

Einmaleffekt von 2 bps auf die

Ergebnismarge aufgrund FIDLEG/MiFID

II berücksichtigt.

Die Resultate der Simulationen zeigen,

dass die Ergebnismarge bei Fortschreibung

der aktuellen Entwicklung (Szenario

0) im Jahre 2021 im Durchschnitt

bei 17 bps läge. Damit wären fünf Banken

nicht mehr profitabel, weitere 15

Banken lägen unter dem kritischen Wert

von 20 bps. Diese Rechnung verdeutlicht,

dass ein Festhalten an aktuellen

Geschäfts- und Organisationsmodellen

keine nachhaltige Lösung für die Zukunft

sein kann. Im „positiv“ gerechneten

Szenario 1 lägen zwar mehr als die

Hälfte der Ergebnisse im „gesunden“

Bereich. Dennoch würden auch hier

zwei Institute unprofitabel arbeiten.

Bei Zugrundelegung des Negativszenarios

würde kein Institut im „gesunden“

Bereich verbleiben. Rund die Hälfte der

Samplebanken wäre in einer Krisensituation

unprofitabel, die andere Hälfte

läge im kritischen Bereich.

Heinz Rubin,

geschäftsführender Partner zeb.

Schweiz, bemerkt abschliessend:

«Die diesjährige Studie verdeutlicht,

dass trotz insgesamt freundlicher wirtschaftlicher

Rahmenbedingungen die

Ergebnisse der Banken auf einer zerbrechlichen

Basis stehen. Ohne Einleiten wirkungsvoller

Gegenmassnahmen wird

sich der Konsolidierungsprozess im Private

Banking in der Schweiz unvermindert

fortsetzen. Manager vieler Banken

sind gefordert, ihre Visionen für das

Private Banking in der Schweiz neu zu

skizzieren und darauf ausgerichtet das

Business- und Operating Modell anzupassen.

Ein ‘Weiter wie bisher’ ist für

die meisten Private-Banking-Anbieter

keine Option.»

Axel Sarnitz, Partner und Leiter der

Practice Group Private Banking bei

zeb, ergänzt:

»Schweizer Banken besitzen gute Voraussetzungen,

um sich international

im Private Banking zu behaupten – der

Standort Schweiz ist und bleibt für Privatanleger

attraktiv. Das heisst jedoch

nicht, dass alles so bleiben kann wie

bisher. Aus unserer Sicht werden 2021

vor allem jene Institute erfolgreich

sein, denen es gelingt, ihre Vertriebsleistung

über einen tatsächlichen Mehrwert

für Kunden zu steigern. Digitalisierung

und Innovationsfähigkeit sind

dabei wichtige Voraussetzungen, um

dieses Ziel zu erreichen.»

Autor: www.zeb.de

Ausgabe September/2017

65


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Schweizer Banking Report 2017:

Digitalisiertes Retailbanking

für zukunftsfeste Ertrags- und

Kostenstrukturen

Noch ist die Lage der Schweizer

Inlandsbanken zufriedenstellend

- obwohl das durchschnittliche

Aufwand-Ertrag-Verhältnis in den letzten

fünf Jahren um etwa 6 Prozentpunkte

stieg und die Eigenkapitalrendite um fast

ein Fünftel auf 5,7 Prozent sank. Damit

die Situation stabil bleibt, müssen die

Banken strukturelle Schwächen sowohl auf der

Kosten- als auch der Ertragsseite beheben,

die durch Markttrends wie die Digitalisierung

aktuell zusätzlich verstärkt werden.

Dies erfordert in den nächsten Jahren eine

Reihe taktischer Optimierungen und strategische

Transformationen der Geschäftsmodelle.

Zu diesen Ergebnissen kommt die

Strategieberatung Oliver Wyman in ihrem

grossangelegten Schweizer Banking Report

2017, der die Situation und Perspektiven

des inländischen Bankenmarktes der

Schweiz analysiert. Für die Studie untersuchten

die Berater mehr als 300 ausgewählte

Inlandsbanken.

Expandierendes Kredit- und Einlagevolumen

förderte in den letzten Jahren das Wachstum

der im Schweizer Inlandsgeschäft

tätigen Banken. Trotz sinkender Margen

konnten sie den Gesamtertrag durch die

Erhöhung der Bilanzsummen und der damit

verbundenen Risiken stabil halten.

Dazu wurde das Hypothekengeschäft um

jährlich 4,5 Prozent im Zeitraum von 2011

bis 2016 ausgeweitet. Allerdings sinkt das

Kreditwachstum bereits seit einiger Zeit,

so dass Geschäftsmodelle und Strategien

nicht mehr auf weiteres Wachstum des

Kreditvolumens über der Rate des BIPs

setzen können.

Die derzeitige Abhängigkeit der Banken

vom Zinsgeschäft ist ein Klumpenrisiko.

Der Ertragsanteil liegt aktuell bei 55 Prozent,

bei kleineren Instituten macht er sogar

bis zu 80 Prozent der Gesamterträge

aus. Doch langfristig prognostiziert Oliver

Wyman bis 2022 nur noch ein Minimalwachstum

der Zinserträge von einem Prozent

pro Jahr. Alternative Ertragsquellen

müssen viele Banken jedoch erst aktiv

ausbauen oder neu erschliessen, um zusätzliches

Wachstum generieren zu können.

Zu solchen möglichen Ertragsquellen

zählen Provisionen und Handelserträge,

Erträge aus dem Wealth und Asset Management,

dem Geschäft mit kleinen und

mittelständischen Unternehmen, sowie

dem Verkauf von Versicherungsprodukten.

Steigende Kosten erzwingen

Investitionen zur Verbesserung

des Bankbetriebes

Während im europäischen Bankensektor

insgesamt ein Beschäftigungsabbau statt-

66 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

fand, diagnostizieren die Oliver Wyman-

Berater bei den betrachteten Schweizer

Banken hohe Personalkostenblöcke durch

jährlich um 0,4 Prozent wachsende Beschäftigtenzahlen

sowie Personalkosten,

die pro Mitarbeiter jedes Jahr um 1,7 Prozent

steigen. Die Kosten wachsen damit

deutlich schneller als die Erträge. Dies erfordert

ein aktives Management, um die

negative Entwicklung des Aufwand-Ertrag-

Verhältnisses zu stoppen. Hier sind Investitionen

notwendig, um die strukturelle

Kostenspirale nachhaltig zu durchbrechen.

Insbesondere muss in die End-to-End-

Automatisierung sowie die Standardisierung

der Kernbetriebsprozesse sowie das

Back- und Middle-Office investiert werden.

"Retailbanken müssen jetzt Wege finden,

die Stagnation ihres Zinsgeschäfts mit

Provisions-, Handels- und sonstigen Erträgen

zu kompensieren. Paradoxerweise

bedeutet das zunächst mehr Ausgaben für

Digitalisierung, um langfristig die Kosten

im operativen Betrieb senken zu können",

umreisst Tobias Würgler, Partner bei Oliver

Wyman und Leiter der Schweizer Banking

Practice, die Aufgaben der Banken. Mut

zu unkonventionellen Strategien, um die

Kostenstrukturen zu verbessern? Schweizer

Retailbanken werden als Ergebnis der

Studie ihre Strategien grundlegend überdenken

müssen. Dazu gehören folgende

Massnahmen:

• Verschlankung des Serviceangebots

über Filialen: Bisher leisten sich die

Schweizer Banken ein sehr dichtes

Filialnetz. Doch bereits die jährlichen

Kosten für kleine Filialen mit Bargeldverkehr

summieren sich schnell zu

Beträgen im mittleren sechsstelligen

Bereich. In Skandinavien und den Benelux-Ländern

dagegen bieten Banken

nicht einmal mehr halb so viele

Filialen pro Einwohner an. Die Zukunft

liegt in bargeldlosen Filialen an guter

Passantenlage, wo Kunden primär beraten

werden.

• Zukünftig werden ausserdem häufiger

Kooperationen zwischen Retailbanken

zu beobachten sein: Dies umfasst beispielsweise

die Nutzung von Shared

Services, wie gemeinsame Netzwerke

von Geldautomaten, Hypothekarprozessen,

Abwicklungsplattformen oder

das Teilen von sonstigen Kostenblöcken,

die nicht zum Kerngeschäft gehören.

Selbst gemeinsam betriebene

Filialen sind denkbar.

Am Ende geht es um die Kunden -

Digitale Zugänge und personalisierte

Lösungen

Die Kundenbeziehungen der Banken sind

bedroht: Einerseits drängen Versicherungen

und Pensionskassen in das bisher

zu 95 Prozent bankendominierte Hypothekargeschäft,

andererseits versuchen Nichtbanken-Aggregatoren

und Drittanbieter

Kundeninteraktionskanäle zu besetzen und

damit die Banken von ihren Kunden abzukoppeln.

Daher investieren Retailbanken

massiv in die Digitalisierung der Kommunikations-

und Interaktionsschnittstellen.

Allerdings bergen neue digitale Angebote

und Zugangsmöglichkeiten für die Kunden

die Gefahr, lediglich die Kosten der Banken

zu steigern. Daher ist eine zeitgleiche,

grundlegende Transformation des Bankengeschäftsmodells

wichtig. "Schweizer

Banken müssen vermeiden, die Kostenstruktur

mit einer zusätzlichen 'digitalen

Kostenschicht' dauerhaft aufzublähen und

so noch mehr Komplexität in ihre Prozesse

zu bringen", warnt Roger Stettler, Principal

und Retailbanking-Experte bei Oliver Wyman

in Zürich.

Der Schweizer Banking Report kommt daher

zu dem Schluss, dass schweizerische

Retailbanken dringend ein digitales "Target

Operating Model" entwickeln müssen. Dieses

sollte eigene Omni-Channel-Schnittstellen

zur Kundeninteraktion umfassen,

sowie einen zentralen Datenpool, von

dem ausgehend automatisch individuelle

Lösungen für Kunden entwickelt werden

können. "Solche Veränderungen sind ein

Neuanfang' auf der "grünen Wiese" im

Banking: mühsam, zunächst kostenintensiv,

aber langfristig strukturell ertragssteigernd

und kostensenkend", fasst Würgler

die Aufgabe der Banken zusammen.

Autor: www.oliverwyman.com

Ausgabe September/2017

67


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Luxemburger Privatbanken müssen sich

konsequent neu ausrichten

zeb. Private-Banking-Studie Luxemburg

Der Private-Banking-Sektor im Großherzogtum

Luxemburg befindet sich

in einer entscheidenden Umbruchphase.

Gelingt es den dortigen hoch spezialisierten

Privatbanken nicht, sich rechtzeitig

auf die neuen Rahmenbedingungen

einzustellen, müssen sie trotz partiell guten

Krisenmanagements in den letzten

Jahren mit empfindlichen Ertragsrückgängen

rechnen. Dies sind die zentralen Ergebnisse

der neuen Private-Banking-Studie

von zeb für den Standort Luxemburg.

Die Strategie- und Managementberatung,

führend in der europäischen Financial-Services-Industrie,

hatte Anfang des Jahres

detailliert untersucht, welche Herausforderungen

die Luxemburger Privatbanken

im Private-Banking-Geschäft zu erwarten

haben und wie sie gezielt darauf reagieren

können.

Die erstmals durchgeführte Studie zeigt

auf, wie marktseitige und vor allem regulatorische

Veränderungen um den Wegfall

des Bankgeheimnisses den Luxemburger

Private-Banking-Sektor bereits in den

vergangenen Jahren vor große Herausforderungen

gestellt haben. „Auf den ersten

Blick haben die Institute gut darauf

reagiert und den Abzug von Geldern aus

dem Affluent-Segment durch die Akquise

hochvermögender Neukunden kompensieren

können. Auf den zweiten Blick jedoch

wird deutlich, dass das erzielte Wachstum

der Assets under Management (AuM) mit

deutlichen Margenrückgängen bezahlt

werden musste“, so zeb-Partner und Studieninitiator

Axel Oliver Sarnitz.

Insgesamt dürften die Ergebnisse der Institute

bei Fortschreibung aktueller Trends

oder auch nur einer leichten Verschlechterung

weiter unter Druck geraten. „Setzen

sich die Entwicklungen der letzten

Jahre fort, sinkt die durchschnittliche Ergebnismarge

im Jahr 2020 auf nur noch

etwas über 20 Basispunkte – das ist für

externe Investoren eine kritische Schwelle“,

unterstreicht Studienleiter Arnd Heßeler,

Executive Manager Luxemburg bei

zeb. „Und weitere Aufgaben warten. So

müssen die Luxemburger Institute klare

Antworten auf die Digitalisierung und die

dadurch dramatisch veränderten Kundenanforderungen

finden.“

Quelle: © pressmaster - Fotolia.com

Fortsetzung des Status quo ist keine

Option

Im Einzelnen ergab die Studie, dass

Luxemburgs Private-Banking-Sektor zwischen

2011 und 2015 trotz hoher regulatorischer

und marktseitiger Herausforderungen

nahezu konstante Ergebnisse

erzielen konnte. Der Ergebnisrückgang

von lediglich 5 % in diesem Zeitraum lässt

nach Ansicht von zeb bei einem AuM-

Wachstum von etwa 21 % jedoch auf eine

deutliche Margenerosion schließen, die

Banken im Wettbewerb um ihre neue Zielgruppe

hochvermögender Kunden in Kauf

nehmen mussten.

Auf Basis eines Banken-Samples errechneten

die Studienautoren, wie sich die Ergebnismargen

in drei Szenarien bis 2020

68 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

verändern werden. Das Kernergebnis: Nur

bei einer äußerst positiven Entwicklung

werden die Institute ihre Ergebnismargen

ausbauen können – selbst bei Fortschreibung

der aktuellen Rahmenbedingungen

ohne aktives Gegensteuern wird es zu

einem Margenrückgang kommen, im negativsten

Fall sogar in Richtung Null.

Neue Herausforderungen warten

Aktuell laufen die Luxemburger Private-

Banking-Institute im Wettbewerb um die

wenigen hochvermögenden Kunden Gefahr,

zu verwechselbar zu werden. „Wollen

die Banken weiterhin ihre Margen erwirtschaften,

müssen sie sich mit einem klaren

USP am Markt positionieren“, so Sarnitz.

Zusätzlich sind die Banken gefordert,

wesentlich konsequenter

auf veränderte Kundenanforderungen

zu reagieren.

„Echte Kundenbindung

wird vor allem durch herausragende

Kundenerlebnisse

geschaffen, die den

Einsatz digitaler Tools und

Lösungen erfordern“, führt

Sarnitz weiter aus.

Vor diesem Hintergrund

werden digitale Wettbewerber

wie etwa Robo-Advisors für Kunden

immer attraktiver. Ein Hybridmodell aus

persönlicher Beratung und automatisierten

Anlageentscheidungen bietet nach Ansicht

von zeb echte Chancen, auch in höheren

Vermögenssegmenten Marktanteile zu gewinnen.

Daneben werden unvermeidliche

Investitionen für Regulatorik und IT nach

Ansicht der Autoren auch zukünftig das Ergebnis

belasten und allein für sich große

Herausforderungen darstellen.

Luxemburg mit guten

Voraussetzungen für die strategische

Weiterentwicklung

Grundsätzlich bietet Luxemburg nach Ansicht

der Studienautoren gute Voraussetzungen

für den Private-Banking-Sektor.

So verfügt das Großherzogtum über eine

hervorragende technische Infrastruktur,

gut ausgebildetes Personal, EU-Zugang

sowie den Euro als Landeswährung. Hinzu

kommen die Abdeckung mehrerer Zeitzonen,

hohe Datenschutzstandards sowie

ein mehrsprachiges Umfeld.

Die Autoren zeigen vor diesem Hintergrund

drei strategische Stoßrichtungen

für Privatbanken in Luxemburg auf: Zunächst

können Institute den eingeschlagenen

Weg in Richtung internationales

Wealth Management weiter beschreiten,

wenn sie sich konsequent auf die Besonderheiten

des Segments mit einem individualisierten

Geschäftsmodell fokussieren.

Hierzu gehört u. a. ein Fokus auf klar definierte

Märkte und Kundengruppen sowie

eine Ansprache der Kunden durch Relationship

Manager auf Augenhöhe. Alternativ

ist aus Sicht von zeb die Nutzung der bestehenden

Infrastruktur

in Luxemburg

zum Aufbau

eines EU Hub für

digitales Private

Banking primär

im Affluent-Segment

erfolgversprechend.

Nicht

zuletzt können

gerade international

aufgestellte

Privatbanken die

skizzierten Standortvorteile nutzen, um

Luxemburg als eine von wenigen global

verteilten Buchungsplattformen zu etablieren

und dabei in hohem Maße Synergieeffekte

und Einsparpotenziale zu realisieren.

Quelle: © Photographee.eu - Fotolia.com

Die Unternehmensgruppe zeb ist an 17

Standorten in 13 Ländern tätig und bietet

maßgeschneiderte und flexible Beratungskompetenz

über die gesamte Wertschöpfungskette

von Finanzdienstleistern – von

der Strategie über die Restrukturierung

und den Vertrieb bis hin zur Unternehmenssteuerung,

dem Human Capital und

der IT. Mit nahezu 1.000 Mitarbeitern und

über 190 Millionen Euro Umsatz in 2016

ist zeb inzwischen die Nr. 1 der Strategieund

Managementberatungen für Banken,

Sparkassen, Versicherer und andere Finanzdienstleister

in Europa.

Autor: www.zeb.de

Ausgabe September/2017

69


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

World Retail Banking Report 2017:

Open Banking verspricht

attraktives Ertragspotenzial für Banken

Die Open-Banking-Entwicklung ist

kaum noch aufzuhalten. Banken

riskieren dabei den Verlust ihrer

bedeutenden Rolle als Finanzintermediär,

wenn sie nicht ein eigenes Modell zur zukünftigen

Kundeninteraktion finden und

sich dabei auch Drittangeboten von Fin-

Techs sowie weiterer Partnern öffnen. Die

Finanzinstitute könnten gemeinsam mit

FinTechs die Open-Banking-Bewegung

anführen, indem sie ihren Kunden innovative

und personalisierte Dienstleistungen

anbieten, die sowohl neues Ertragspotenzial

bieten als auch einen Mehrwert für die

Kunden darstellen. Das zeigt der World

Retail Banking Report 2017 von Capgemini

und der Efma.

"Open Banking bietet Banken die Gelegenheit,

ihren Kunden attraktive, individuelle

Produkte und Dienstleistungen von

Drittanbietern zu offerieren. Sie können

so die Kundenbindung steigern und sind

darüber hinaus attraktiv für potenzielle

Neukunden. Doch sie brauchen eine strategische

Weitsicht, um nicht langfristig

von den FinTechs aus dem Markt gedrängt

zu werden", sagt Klaus-Georg Meyer, Leiter

Business & Technology Consulting

für Finanzdienstleister bei Capgemini in

Deutschland.

API eröffnet den Weg zur

Open Banking Transformation

Die Zusammenarbeit von Banken und Fin-

Techs beim Open Banking ist für beide Seiten

ein Gewinn. Insbesondere für die Banken

gilt dabei: Obwohl die bereitgestellten

Programmierschnittstellen (Application

Programming Interfaces - API) einige Herausforderungen

in Sachen Sicherheit und

Quelle: © Rawpixel - Fotolia.com

Datenschutz bergen, sind sie der zentrale

Erfolgsfaktor, da sie den Kreditinstituten

ermöglichen, vom Erfindungsreichtum der

FinTechs zu profitieren, ohne ihre eigene

komplexe Infrastruktur anzutasten.

"Die erfolgreichsten Banken werden auf

der Basis von API neue Ertragspotenziale

generieren und mehr Informationen über

ihre Kunden erhalten, während sie gleichzeitig

das Kundenerlebnis verbessern";

sagt Vincent Bastid, Generalsekretär der

Efma. "Bereits heute setzen viele Banken

API für einen besseren Informationsfluss

zwischen ihren internen IT-Systemen ein.

Und wir sehen auch schon einige frühe

Nutzer, die ihre Rolle im Open Banking abstecken,

indem sie proaktiv ihre Systeme

und Datenbestände für Drittanbieter öffnen

und neue Umsatzerlöse generieren."

Zusammenarbeit ist der Schlüssel

zum Erfolg beim Open Banking

Wie genau die Entwicklung zum Open Banking

vonstattengehen wird, ist noch ungewiss.

Eine knappe Mehrheit von FinTech-

Unternehmen (53,8 Prozent) aber auch

viele Banken (43,5 Prozent) prognostizieren

eine Zukunft, in der beide gemeinsam

branchenübergreifende Plattformen entwickeln,

auf der sich ergänzende Dienst-

70 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

leistungen angeboten werden. Etwas weniger

wahrscheinlich, aber immer noch

realistisch ist das Szenario, dass Banken

weiterhin Produkte und Services anbieten,

den Vertrieb aber FinTechs, sogenannten

BigTechs wie Apple oder Amazon oder

auch anderen neuen offenen Plattformen

überlassen. Das hat den Vorteil der sinkenden

Vertriebskosten, birgt aber das

Risiko, Markensichtbarkeit und auch Kundenzugang

zu verlieren. Dieses Zukunftsszenario

wird von etwas weniger als der

Hälfte der Fintechs (47,8 Prozent) gesehen

und von nur 28,8 Prozent der Banken.

Der Wille zur Zusammenarbeit zwischen

FinTechs und Banken steht dabei außer

Frage. Fast alle Banken (91,3 Prozent) sowie

ein Großteil der FinTechs (75,3 Prozent)

gehen davon für die Zukunft aus. Die

Banken werfen dabei den Zugang zu ihren

Quelle: © ArchMen - Fotolia.com

Ressourcen, Erfahrung und Know-how in

die Waagschale. FinTechs hingegen bieten

Agilität, Schnelligkeit im Marktauftritt und

einen unvergleichlichen Ansatz der Kundenzentrierung.

Der Kauf von FinTechs

durch Banken spielt jedoch fast keine Rolle

(4,3 Prozent), andersherum schon gar

nicht (0 Prozent). Durch die Zusammenarbeit

und mit Hilfe der API können Banken

und Fintechs ihre jeweilige Stärke ausspielen

und damit die Kundenbedürfnisse

weit besser abdecken als jeder für sich.

"Viele Unternehmen am Markt verstehen,

dass Open Banking die neue Realität ist.

Aber sie wissen nicht, wie sie damit umgehen

sollen", erläutert Klaus-Georg Meyer

von Capgemini.

FinTechs erzielen bessere Werte bei

der Kundenerfahrung

Die FinTechs verstehen sehr gut, was genau

Kunden wollen. Das ist eine Bedrohung

für die etablierte Bank-Kunden-Beziehung.

Amazon, Apple oder Facebook

haben mit ihren Dienstleistungen den Maßstab

für Kundenerfahrung gesetzt - etwas,

das Kunden nun auch von ihrer Bankbeziehung

erwarten. Aus diesem Grund nehmen

Kunden auch die Dienstleistungen von Fin-

Techs an: 40,3 Prozent sagen, die neuen

Anbieter bieten eine positive Erfahrung, im

Vergleich dazu tun dies 37,1 Prozent bei

Banken. Der Abstand ist dabei in Nordamerika

am größten (57,8 Prozent gegenüber

49,5 Prozent), gleiches gilt für die Antworten

junger, techologieaffiner Kunden: Sie

würden am ehesten FinTechs nutzen.

"APIs machen Innovationen wie auch positive

Kundenerfahrungen einfacher, indem

sie das Wissen von Banken und FinTech

zusammenbringen. Um Open Banking

für alle Beteiligten zum Erfolg zu führen,

müssen Banken und FinTechs frühzeitig

einheitliche Governance und Technologie-

Standards definieren. Hinzu kommt, dass

viele Banken auch noch ihre Rolle im Open

Banking finden müssen", so Meyer abschließend.

Autor: www.capgemini.com

Ausgabe September/2017

71


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Jede vierte Bank kämpft ums Überleben

Bain-Studie zur Lage der Kreditinstitute in Europa

Kapitalerhöhungen, Teilverkäufe, Abbau

von Risiken und Personal: Die

europäischen Banken haben in den

vergangenen zehn Jahren viele Register

gezogen, um die Finanzkrise hinter sich zu

lassen. Doch nur 38 Prozent der größeren

Institute in Europa stehen gut da. Dagegen

ist der Zustand von mehr als einem

Viertel äußerst besorgniserregend. Das

zeigt die Studie "Battle of the Banks: The

Fight for Profitable Business Models in Europe"

der internationalen Managementberatung

Bain & Company, für die insgesamt

111 Kreditinstitute analysiert wurden.

"Die Krise der europäischen Banken ist

längst noch nicht ausgestanden", erklärt

Dr. Dirk Vater, Bain-Partner und Leiter

der Praxisgruppe Banken in Deutschland,

Österreich und der Schweiz. Er warnt jedoch

davor, die Sorgenkinder der Branche

vorschnell abzuschreiben: "Unsere Analyse

zeigt, dass Banken mit einer klaren

Strategie und mutigen Entscheidungen innerhalb

von drei bis fünf Jahren gesunden

können."

Profitabilität deutscher Banken

zu gering

Der bereits zum vierten Mal durchgeführte

Gesundheitscheck von Bain ordnet

die Banken in einem Scoring-Modell vier

Kategorien zu: entlang der beiden Achsen

Profitabilität und Effizienz sowie Bilanz

und Finanzierung (Abb. 1). Genutzt werden

dazu sowohl die Abschlüsse der Institute

selbst als auch Daten von Anbietern

wie SNL Financial und Moody's. Folgende

Ergebnisse sind in den einzelnen Kategorien

zutage getreten:

• Gewinner: Immerhin 38 Prozent der

Banken befinden sich in einer komfortablen

Position, darunter vor allem Institute

aus Belgien, den Niederlanden

und Skandinavien. Bei nahezu allen

Kennzahlen lassen sie den Wettbewerb

hinter sich.

• Schwächen im Geschäftsmodell: Rund

17 Prozent haben zwar ihre Bilanz

weitgehend in Ordnung gebracht, leiden

aber noch unter Schwächen im

Geschäftsmodell. Zu dieser Gruppe

zählen fast alle an der Studie beteiligten

deutschen Institute. Ihre Profitabilität

und Effizienz bewegen sich auf

dem niedrigen Niveau der griechischen

Wettbewerber.

• Schwächen in der Bilanz: Ebenfalls 17

Prozent hinken bei den Bilanzkennzahlen

hinterher, vor vier Jahren waren

es noch 21 Prozent. Solche Schwächen

machen Banken verwundbar und

sie nähern sich der Kategorie "Sorgenkinder"

an.

• Sorgenkinder: Die Zahl der Banken in

kritischem Zustand ist seit 2013 um

zwei Prozentpunkte auf 28 Prozent

gestiegen. Hier finden sich vor allem

Institute aus Griechenland, Italien,

Spanien und Portugal. Sämtliche gescheiterte

Banken in den vergangenen

zehn Jahren sowie zahlreiche Beteiligte

an Zusammenschlüssen, dazu zählen

die spanischen Sparkassen, waren zuvor

in dieser Kategorie angesiedelt.

Der Kapitalmarkt straft diese Sorgenkinder

ab. Ihr Kurs-Buchwert-Verhältnis

(KBV) liegt bei 0,31 und damit bei nicht

72 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

einmal einem Viertel des Werts von Gewinnerbanken,

die auf 1,31 kommen.

Schwächen in der Bilanz führen zu einem

durchschnittlichen KBV von 0,72. Schwächen

im Geschäftsmodell haben einen KBV

von 0,60 zur Folge. Nur mit einer klaren

Strategie und entschlossenem Handeln

können Banken diese Bewertungslücke

schließen.

4. Veränderte Finanzierung: Die Passivseite

von Banken, die zu den Gewinnern

aufgeschlossen haben, veränderte sich

grundlegend. Die Spareinlagen stiegen

um 20 bis 25 Prozent, der Anteil der

Wholesale-Finanzierung sank um 70

bis 80 Prozent.

Halbierung der risikogewichteten

Aktiva und Erhöhung der Spareinlagen

Einigen europäischen Banken gelang in

den vergangenen Jahren der Sprung in die

Gewinnerkategorie. Aus ihrem Handeln

lassen sich vier Stellhebel ableiten:

1. Drastische Bilanzkürzung: Banken, die

auf die Erfolgsspur zurückgekehrt sind,

haben ihre risikogewichteten Aktiva

um rund 50 Prozent reduziert, ihr Kreditvolumen

um 25 bis 30 Prozent und

das Volumen der sogenannten notleidenden

Kredite um 70 bis 75 Prozent.

2. Höhere Kundenloyalität im digitalen

Zeitalter: Konzentrieren sich Banken

auf zukunftsträchtige Geschäftsfelder

und die konsequente Digitalisierung,

können sie Privat- und Geschäftskunden

begeistern und letztendlich ihre

Nettozinsmarge bezogen auf die risikogewichteten

Aktiva verdoppeln.

3. Radikaler Neuanfang bei den Kosten:

Die Erfolgsformel heißt "Zero-based

Redesign". Wer Jahr für Jahr seine Kosten

von Grund auf neu plant und nicht

nur fortschreibt, deckt Einsparpotenziale

auf und schafft Freiräume für Investitionen

in neue Geschäftsfelder.

Quelle: © yexela - Fotolia.com

"Grundsätzlich wissen die meisten Kreditinstitute,

welche Themen sie angehen

müssen", stellt Bain-Partner Vater fest.

"Doch viele agieren nach wie vor zu vorsichtig

und scheuen den nötigen radikalen

Wandel." Eine entschlossene Herangehensweise

ist angesichts der veränderten

Kundenerwartungen, des harten Wettbewerbs

sowie der verschärften Regulierung

unerlässlich. "Für die Banken gilt es

jetzt zu handeln. Sie müssen vor allem

die Schwächen in ihren Bilanzen ausmerzen

und sich auf zukunfts- und margenträchtige

Geschäftsfelder konzentrieren",

betont Vater.

Autor: www.bain.com

Ausgabe September/2017

73


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Bankenregulierung:

Institute entdecken Sparpotenzial

Die Banken in Deutschland kämpfen

weiterhin gegen die Regulierung

der Branche. 70 Prozent der

Entscheider stufen die Belastung als zu

hoch ein. Das ergibt der Branchenkompass

Banking 2017 von Sopra Steria Consulting.

Viele Institute suchen allerdings

inzwischen nach Wegen, einen möglichst

großen Nutzen für das eigene Unternehmen

aus dem Erfüllen der Vorschriften

zu ziehen. Die Commerzbank nutzt den

Anlass einer Regulierung im Zahlungsverkehr,

um ihr Liquiditätsmanagement

noch effizienter zu gestalten. Eine zentral

organisierte IT-Plattform auf Basis einer

Standardsoftware von Sopra Steria Consulting

ermöglicht ein Echtzeitmonitoring

zur Überwachung untertägiger Liquiditätsrisiken.

Das Institut erfüllt mit der neuen Lösung

die regulatorischen Vorgaben zur

quantitativen Messung des untertägigen

Liquiditätsrisikos, implizit vom Basler

Ausschuss für Bankenaufsicht in der Konkretisierung

BCBS248 gefordert. Die Regelung

enthält die Erwartung, dass Banken

ihre Liquidität während des Tages

laufend überwachen und steuern können.

"Eine Meldung von Kennzahlen als

reine Rückschau wird der Bankenaufsicht

künftig nicht mehr genügen. BCBS248

fordert im Prinzip ein aktives Management

der untertägigen Liquidität und der

sich hieraus ergebenden Risiken", verdeutlicht

Dirk Rath, verantwortlich für

den Bereich Liquidity Management bei

Sopra Steria Consulting.

Dafür benötigen die Banken allerdings

hochaktuelle Transaktions- und Liquiditätsdaten,

die - wo immer möglich - in

Echtzeit aus unterschiedlichsten Systemen

extrahiert und bereitgestellt werden

müssen. "Hier stoßen viele Banken

mit ihrer bestehenden heterogenen Anwendungslandschaft

an ihre Grenzen",

so Rath. Einen möglichen Lösungsansatz

bietet der Aufbau einer zentralen

Architekturplattform für das Liquiditätsmanagement,

das in Echtzeit alle liquiditätsrelevanten

Informationen in der benötigten

Menge, Qualität und Detailtiefe

bereitstellt. "Je genauer Banken ihre Zahlungsflüsse

kennen, desto dosierter können

sie bei sich abzeichnenden Risiken

handeln und müssen im Ergebnis weniger

Liquidität als Reserve einplanen", erklärt

Bankenexperte Dirk Rath.

Commerzbank verbessert

Liquiditätsmanagement

mit integrierter Standardsoftware

Die Commerzbank ist mit einer derartigen

Umstellung auf eine neue Softwarelandschaft

schon weit fortgeschritten.

Das Institut modernisiert sein Intraday-

Liquiditätsmanagement mit der integrierten

IT-Lösung "Steria Liquidity Suite"

von Sopra Steria Consulting. Bis Mitte

2018 soll das gesamte Cash- und Liquiditätsmanagement

schrittweise auf eine

Echtzeitsteuerung umgestellt werden.

"Das Zauberwort für uns lautet Integration",

sagt Dr. Bernd Leinert, Projektmanager

im Bereich Group Management

Treasury der Commerzbank. "Unsere IT-

Infrastruktur und die fachlichen Abläufe

im Liquiditätsmanagement sind bereits

heute deutlich weniger komplex, das

spart Kosten. Künftig wollen wir in der

Lage sein, die nötigen Reserven an Liquidität

zu optimieren, und uns so Vorteile

im Wettbewerb verschaffen", so Leinert.

Autor: www.soprasteria.de

74 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

Studie: Banken gehen

FinTech-Kooperationen im Kreditgeschäft

aus dem Weg

FinTechs spielen für Banken bei der

Digitalisierung des Kreditgeschäfts

kaum eine Rolle. Nicht einmal jedes

zehnte Institut setzt auf strategische Kooperationen

mit einem FinTech. 14 Prozent

der Institute haben FinTechs zumindest

teilweise in ihre Digitalstrategie für das

Privatkundengeschäft einbezogen. Im Firmenkundengeschäft

scheinen die Banken

etwas weiter zu sein. Dort setzt immerhin

ein Drittel teilweise auf Kooperationen

mit den Start-Ups. Dies sind Ergebnisse

einer detaillierten Befragung von 43 deutschen

Universalbanken, Sparkassen,

Volksbanken und Spezialbanken durch die

Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft

PwC.

Die Institute sehen laut Studie bisher auch

wenig Veranlassung, mit FinTechs zu kooperieren.

Stärkere Impulse durch eine Zusammenarbeit

werden höchstens für die

Vertriebskanäle erwartet: Im Bereich Konsumentenkredit

sieht das ein Drittel der

Befragten so, im Bereich Baufinanzierung

rechnet die Hälfte damit. Insgesamt entstehen

aber aus Sicht der Banken keine

wesentlichen Potenziale aus der Zusammenarbeit

mit FinTechs. So erwarten drei

Viertel der Institute im Konsumentenkreditgeschäft

explizit keine Auswirkungen

auf Marketing und Image und auf Schnittstellen.

Die Hälfte der Befragten verneint

Konsequenzen für das Produktportfolio. 60

Prozent halten die Prozesse für unberührt

von möglichen FinTech-Kooperationen.

"Die Banken gehen das Thema FinTech-

Kooperationen bislang kaum strategisch

an. Sie sehen offenbar keinen Mehrwert

darin, von den Kernkompetenzen des Gegenübers

zu lernen. Damit vergeben die

Institute aber die Chance, sich noch gezielter

mit innovativen Produktangeboten

am Markt hervorzuheben", sagt Tomas

Rederer, Partner bei PwC im Bereich Financial

Services.

Wettbewerbsdruck: Banken sehen

keinen Zwang zur Kooperation

Quelle: © kasto - Fotolia.com

Keine wesentlichen Impulse erwartet

Dabei sehen die Kreditinstitute durchaus

einen erhöhten Wettbewerbsdruck aufgrund

des Markteintritts neuer Konkurrenz

- vor allem spezialisierter FinTechs,

die bisher nur begrenzt regulatorischen

Anforderungen unterliegen. Knapp jeder

zehnte Befragte geht davon aus, dass dieser

Druck in den kommenden drei Jahren

noch zunehmen wird. "Umso erstaunlicher,

dass die Banken sich mehrheitlich gegen

Kooperationen mit FinTechs zu sträuben

scheinen", so PwC-Experte Rederer. Sein

Rat: "Die Banken müssen ihre Angebote

weiterentwickeln und ihr digitales Profil

schärfen, etwa durch den Aufbau eines

digitalen Partner-Ökosystems." Von der

Kooperation mit neuen Marktteilnehmern

könnten beide Seiten lernen und so das

eigene Geschäftsmodell weiterentwickeln.

Autor: www.pwc.de

Ausgabe September/2017

75


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Finanzplatz Frankfurt:

In der Pole-Position für Brexit-Banker

Wie die Finanzplatzstudie des Helaba-

Bereichs Volkswirtschaft/Research zeigt,

ist das deutsche Finanzzentrum im Rennen

um die Brexit-Banker in der Pole-Position.

So haben sich bereits zahlreiche

Banken dafür ausgesprochen, Arbeitsplätze

von der Themse an den Main zu

verlagern, was sich in den Beschäftigtenzahlen

niederschlagen wird: "Wir erwarten,

dass mindestens die Hälfte der

aus London abwandernden Finanzjobs

nach Frankfurt verlegt wird. Dies entspricht

über einen Zeitraum von mehreren

Jahren mindestens 8.000 Mitarbeitern.

Bis Ende 2019 sehen wir deshalb

einen Beschäftigungsanstieg um 4 Prozent

auf rund 65.000 Mitarbeiter in den

Frankfurter Bankentürmen (Ende 2016:

62.400). Und das, obwohl parallel die

Konsolidierung am heimischen Bankenmarkt

anhält", erläutert Dr. Gertrud

Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin des

Bereichs Volkswirtschaft/Research bei

der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Autor: www.helaba.de

IT-Sicherheit:

Banken kämpfen unter erschwerten

Bedingungen

Für Banken in Deutschland wird es

schwerer, die gewohnten Standards

an IT-Sicherheit zu gewährleisten.

Sechs von zehn Instituten sprechen von

komplexeren Angriffsszenarien und neuen

Anforderungen an den Umgang mit IT-

Risiken. Bei den Retailbanken sind es fast

drei Viertel der Institute, bei denen Digitalisierung,

neue Bedrohungsszenarien

sowie Regulierungsvorschriften die Arbeit

der Sicherheitsmanager erschweren. Das

sind die Ergebnisse des Branchenkompass

Banking 2017 von Sopra Steria Consulting

und dem F.A.Z.-Institut.

Die Herausforderungen der Banken steigen

unter anderem durch die zunehmende

Zahl an Lieferanten digitaler Technologien.

Acht von zehn Finanzdienstleistern sind

beispielsweise über digitale Plattformen

oder Softwarelösungen mit Dienstleistern

vernetzt, ergibt die Potenzialanalyse Digital

Security von Sopra Steria Consulting,

für die 51 IT-Entscheider von Banken und

Versicherern befragt wurden. Viele Kreditinstitute

sind beispielsweise mit externen

Datenbanken für eine schnelle Bonitätsprüfung

bei Onlinekreditanträgen verbunden.

Zudem gibt es Plattformen, auf denen

Finanzierungsvorhaben von Unternehmen

mit Finanzierungsangeboten von Banken

zusammengeführt werden. Durch die EU-

Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 sind Banken

sogar verpflichtet, sich gegenüber

76 Ausgabe September/2017


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

Drittanbietern zu öffnen. Dazu kommt,

dass Banken mit ihrem eigenen Online-

Bezahldienst Paydirect künftig stärker mit

Online-Händlern und dem Einzelhandel

zusammenarbeiten werden.

All diese neuen digitalen Lösungen und

Anbieter vergrößern die Angriffsfläche,

und es wird anspruchsvoller, das nötige

IT-Sicherheitslevel zu halten. "Die Institute

müssen sicherstellen, dass auch diese

Partner und ihre Lösungen die hohen

Standards der Banken erfüllen. Das zu

kontrollieren, wird bei einer wachsenden

Zahl an Partnern immer aufwändiger",

sagt Dr. Gerald Spiegel, Leiter Information

Security Solutions bei Sopra Steria Consulting.

Die Institute reagieren, in dem sie

vermehrt Dienstleister-Audits durchführen

und Mindeststandards vertraglich vereinbaren.

Mehr als jeder zweite Finanzdienstleister

führt einen derartigen Lieferanten-

Check durch, andere Institute fordern von

ihren Partnern eine Sicherheitszertifizierung.

WannaCry und seine Nachfolger

erfordern mehr Tempo

Für eine wirksame Bekämpfung von Cybercrime-Attacken

wie WannaCry und Petya

muss das IT-Sicherheitsmanagement

der Banken künftig deutlich schneller reagieren.

Ein Grund: Ransomware wie WannaCry

unterscheidet sich von bisheriger

Malware. Sie sind in der Lage, wie ein

Wurm andere Rechner im gleichen Netz zu

infizieren. Die Reaktionszeit des Opfers ist

dadurch gravierend kürzer, will man eine

Ausbreitung verhindern. Zudem werden

die Angriffe immer undurchschaubarer.

Jüngste Attacken haben gezeigt, dass ein

Angriff deutlich länger dauert und die Angreifer

schlagen in verschiedenen Phasen

an mehreren Stellen zu.

Diese Risiken wirksam einzudämmen, erfordert

ein Sicherheitsmanagement mit

oft unterschätztem Ressourcenbedarf

und Kompetenzerfordernissen. Diese sind

intern schwer zu finden und aufzubauen.

Jeder dritte Finanzdienstleiser sucht

auf dem Arbeitsmarkt nach passenden

Cybersecurity-Spezialisten, um sich den

Quelle: © Sergey Nivens - Fotolia.com

neuen Bedrohungsszenarien zu stellen.

Parallel suchen die Banken deshalb nach

alternativen Lösungen.

Ein Weg, den Banken gehen können ist,

das IT-Sicherheitsmanagement stärker

zu automatisieren - beispielsweise über

regelbasierte Prozeduren. "Die Institute

sollten darüber hinaus das Thema IT-Sicherheit

und Cybersecurity als Führungsinformation

in ihre Ablauforganisation integrieren

- als eine Art Lagebild für das

Management - um Ressourcen besser zu

steuern", sagt Dr. Gerald Spiegel.

Banken sind vorsichtiger

beim Outsourcing

Eine weitere Herausforderung der Banken

ist, die strengeren Anforderungen der

Bankenaufsicht an IT- und Informationssicherheit

mit den Zielen einer effizienteren

IT-Landschaft in Einklang zu bringen. Jedes

fünfte Institut nutzt beispielsweise

öffentliche Cloud-Computing-Lösungen,

um Kosten zu sparen. Viele Banken verlagern

zudem Arbeitsprozesse an Spezialisten.

Risiken von Programmierfehlern

und Sicherheitslücken sind damit schwerer

zu kontrollieren. Die Bundesanstalt für

Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) reagiert

auf wachsende IT-Risiken zum Beispiel

mit den bankaufsichtlichen Anforderungen

an die IT (BAIT). Diese lösen bei

den Banken erheblichen Weiterentwicklungsbedarf

ihrer IT-Sicherheitsprozesse

aus. Als Folge wird Dienstleistern wie

ihren Auftraggebern eine Compliance allerhöchster

Güte abverlangt. Zudem sind

Banken insgesamt vorsichtiger bei ihren

Outsourcing-Vorhaben, so der Branchenkompass

Banking 2017.

Autor: www.soprasteria.de

Ausgabe September/2017

77


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Studie:

Jede vierte Bank ist Fintech-Gründer

Die Banken in Deutschland mischen

sich unter die Fintechs. Jedes vierte

Institut (27 Prozent) hat selbst ein

Fintech gegründet, beispielsweise in Form

einer selbständigen Digitaleinheit unter

dem Konzerndach oder als komplett losgelöste

Marke. 61 Prozent der Institute

arbeiten in irgendeiner Form mit einem Finanztechnologieunternehmen

zusammen.

Übernahmen sind dagegen weniger verbreitet.

Das sind die Ergebnisse des neuen

Branchenkompass Banking 2017 von

Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-

Institut.

Die Banken suchen damit eindeutig die

Nähe zu den digitalen Innovatoren. Ziele

sind, Kundenerlebnis und Abläufe zu verbessern

sowie digitale Leistungen

wie im Zahlungsverkehr

durch mobile Verfahren sowie in

der Beratung durch Robo Advisor

voranzutreiben. Je nach Bankentyp

unterscheidet sich die Aufgeschlossenheit

gegenüber der

Zusammenarbeit mit einem Finanz-Startup.

Die Fintech-Affinität

der Banken hängt im Wesentlichen

mit dem Geschäftsmodell

zusammen. Vor allem die Direktbanken

sind aufgeschlossen gegenüber

einer Zusammenarbeit.

Häufige Partner sind Plattformen

wie Lendstar, Moneymeets und Wikifolio.

"Die Großbanken ergänzen Leistungen

eher selektiv, beispielsweise beim Scannen

von Überweisungen per Smartphone.

Zudem entwickeln diese Institute mehr

selbst", sagt Stefan Lamprecht, Division

Director Banking von Sopra Steria Consulting.

Ein inzwischen verbreitetet Weg für

mehr Inhouse-Innovationen ist die Gründung

eigener Fintechs, wie die von der

Deutschen Bank gegründete Digitalfabrik.

Die Gründung ist inzwischen genauso verbreitet

wie die punktuelle Zusammenarbeit

mit Startups. Weniger attraktiv ist

der Kauf eines Technologieunternehmens.

16 Prozent der Bankentscheider berichten

von umgesetzten Fusionen, wie der Kauf

von Easyfolio durch die Privatbank Hauck

& Aufhäuser.

Fintech-Übernahmen

weniger attraktiv

Die Zurückhaltung an einer Übernahme

hat Gründe: Der Kauf erfolgreich am

Markt tätiger Fintechs verspricht zwar

eine exklusive Nutzung der vom Startup

entwickelten Technologien. Eine

Akquisition ist jedoch mit großen

finanziellen Belastungen verbunden.

"Viele Fintechs werden

im Markt sehr stark bewertet. Ein

Aufkauf bedeutet hohe Investitionen

zur Weiterentwicklung. Dazu

kommt die schwierige Integration

beider Unternehmenskulturen",

so Stefan Lamprecht. Unklar ist

beispielsweise, ob die Gründer

nach der Übernahme weiter am

Ball bleiben und die digitale Einheit

wie bisher vorantreiben.

Durch Kooperationen lassen sich

dagegen mit wenig Aufwand und Risiko

schnell Leistungen ergänzen. "Der Markt

ist sehr schnell. Es ist ungewiss, welche

Produkte sich letztendlich durchsetzen

und vom Kunden akzeptiert werden. Mit

Kooperationen sind kurzfristige Wechsel

der Anbieter und der Technologien je nach

Marktentwicklung steuerbar", sagt Stefan

Lamprecht von Sopra Steria Consulting.

Autor: www.soprasteria.de

78 Ausgabe September/2017


IMMOBILIEN I FinanzBusinessMagazin

Versicherungen:

Einzelhandel und Sicherheit wieder top

EY Real Estate „Trendbarometer Assekuranz“ 2017

Um ihre Garantiezinsversprechen

einzuhalten, wollen deutsche Versicherungen

in diesem Jahr weiterhin

deutlich in Immobilien investieren. Die

geplanten Käufe könnten damit bis Ende

2017 eine Rekordquote von 10,7 Prozent

an der Kapitalanlage der Assekuranz erreichen.

Dies zeigt das jährliche Trendbarometer

Assekuranz von EY Real Estate, für

das 35 Unternehmen der Versicherungswirtschaft

Auskunft über ihre Pläne gaben.

„Trotz steigender Preise zählen Immobilieninvestments

weiter zu den Anlageklassen,

die in der Assekuranz am stärksten

ausgebaut werden“, sagt Dietmar Fischer.

Er ist Partner bei EY Real Estate und hat die

Studie verantwortet. Fast alle Befragten

(96 Prozent) setzen auf Immobilien innerhalb

Deutschlands – eine Steigerung um

8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Nordamerika (38 Prozent) und Asien (27

Prozent) haben in ähnlichem Umfang an

Attraktivität gewonnen, bleiben aber in

ihrer Bedeutung hinter Deutschland sowie

den europäischen Kernregionen auf

Rang drei und vier. „Fast überall stehen

die etablierten Märkte im Fokus. Es ist eine

Rückbesinnung auf mehr Sicherheit“, sagt

Fischer.

Core und Core-Plus an der Spitze

Entsprechend würden B- und C-Lagen

weniger nachgefragt, außerdem stünden

Projektentwicklungen nicht mehr ganz

so oft auf dem Einkaufszettel. Dafür sind

voll vermietete Core-Immobilien in guten

Lagen in der Gunst der Assekuranz gestiegen:

9 von 10 Befragten (88 Prozent)

wollen hier investieren. Im Vorjahr waren

es nur 63 Prozent. Ebenso beliebt sei das

immer noch vergleichsweise sichere Core-

Plus-Segment (88 Prozent). Die Überraschung

hält sich in Grenzen: „Mehr Risiko,

wie wir es zuletzt vielleicht etwas häufiger

gesehen haben, war im Portfolio ohnehin

immer nur als Ergänzung gedacht“, so Fischer.

Handel stationär und online

Im Vergleich der Nutzungsarten gilt: Die

Einzelhandelsimmobilie, die im vergangenen

Jahr ihren Spitzenplatz eingebüßt hatte,

hat das Bürosegment wieder eingeholt.

Beide werden aktuell von jeweils 72 Prozent

der Befragten favorisiert. „Im Einzelhandelssegment

sehen die Befragten zwar

weiterhin einen gewissen Druck durch den

E-Commerce“, so Fischer. Aber: „Inzwischen

haben sich viele Händler gewandelt

und gut auf den Wettbewerb eingestellt.“

Die Wohnimmobilie ist trotz Sorge vor einer

noch schärferen Mietpreisbremse mit

68 Prozent kaum weniger attraktiv als

das Einzelhandels- und Bürosegment. Auf

Rang vier folgen Logistikimmobilien. Sie

stehen bei 48 Prozent der Versicherungen

auf der Agenda. Im Vorjahr waren es noch

8 Prozentpunkte weniger. „Logistikimmobilien

profitieren vom E-Commerce“, so

Fischer. Die Assekuranz glaube sowohl an

den stationären Handel als auch an den

Online-Shop.

Ausgabe September/2017

79


FinanzBusinessMagazin I IMMOBILIEN

Treiber und getrieben: Digitalisierung

Nicht nur der Einzelhandel, auch die übrigen

Nutzungsarten verändern sich unter

dem Druck des digitalen Fortschritts. Der

Anspruch an Zuschnitt, Flexibilität und Zukunftsfähigkeit

der Flächen wird weiter steigen,

meinen 84 Prozent der Befragten. Über

die Immobilienqualität hinaus gilt: Auch die

Investitionsprozesse der Versicherungen

wandeln sich infolge neuer digitaler Technologien.

Jeder zweite Befragte (52 Prozent)

erwartet dies. „Die Unternehmen rechnen

mit mehr Effizienz zum Beispiel bei der Diversifikation

ihrer Immobilien“, so Fischer.

„Stichworte sind hier Big Data und eine bessere

Informationsgrundlage.“

Zur Studie

Das aktuelle Trendbarometer Immobilienanlagen

der Assekuranz ist die zehnte

Ausgabe der jährlich durchgeführten

Studie. An der Befragung teilgenommen

haben ca. 35 führende Versicherungsunternehmen

aus Deutschland. Die teilnehmenden

Unternehmen stellen einen repräsentativen

Querschnitt der Assekuranz

dar. Jedes befragte Unternehmen hält im

Durchschnitt ein Immobilienvermögen

von rund 3,6 Milliarden Euro.

Autor: www.ey.com

80 Ausgabe September/2017


IMMOBILIEN I FinanzBusinessMagazin

Run auf Büroimmobilien hält weiter an

Deutschland ist nach wie vor eine

wichtige Adresse, wenn es um Investitionen

auf dem Büromarkt

geht. Immerhin beansprucht dieses Segment

rund 39 % Anteil an den Gesamtgewerbeinvestitionen

und positioniert sich

damit erneut auf Platz 1.

Insgesamt wurden hier im 1. Halbjahr über

10,1 Mrd. Euro umgesetzt – eine Steigerung

um 35 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

„Ausschlaggebend für dieses

Wachstum sind die Abschlüsse in den Top-

7-Standorten. Mit 81 % entfielen etwa

vier Fünftel des Transaktionsvolumens auf

die Metropolen“, beobachtet Marcus Lemli,

CEO Germany / Head of Investment

Europe bei Savills. „Die Fokussierung der

Investoren auf die Großstädte hängt insbesondere

mit der positiven Entwicklung

auf den dortigen Vermietungsmärkten zusammen.“

Im Schnitt stiegen die Spitzenmieten

innerhalb der letzten 12 Monate

um fast 4 %, während die Leerstandsrate

um ganze 70 Basispunkte zurückging. Vor

allem größere Objekte sind angesichts des

Anlagedrucks vieler Investoren momentan

besonders gefragt. So lagen die Umsätze

je Bürotransaktion bei fast 48 Mio. Euro,

was einer Steigerung von fast 10 % ggü.

dem Vorjahr entspricht.

Auffallend ist in diesem Jahr, dass im 1.

Halbjahr deutlich mehr Portfolios gehandelt

wurden als im Jahr zuvor. Etwa 30 %

des umgesetzten Transaktionsvolumens

entfielen auf Portfolioverkäufe, während

es im Durchschnitt der vergangenen fünf

Jahre lediglich 24 % waren. „Der Trend

zu mehr Portfoliotransaktionen wird von

zwei Seiten gestützt: Erstens sehen Investoren,

die sich in den letzten Jahren Portfolios

aufgebaut haben, jetzt den richtigen

Zeitpunkt zum Ausstieg. Zweitens ist die

Nachfrage nach großen Volumina von zum

Beispiel Staats- und Pensionsfonds sehr

hoch“, konstatiert Matthias Pink, Director

/ Head of Research bei Savills. Mit 35 %

bzw. 22 % am Transaktionsvolumen zählten

Asset-Manager und Spezialfonds im

bisherigen Jahresverlauf zu den aktivsten

Käufergruppen. Private-Equity-Fonds und

Projektentwickler waren mit jeweils 21 %

und 20 % demgegenüber die aktivsten Verkäufer.

„Zwar waren Private-Equity-Fonds

in den letzten 12 Monaten per saldo Nettokäufer,

dies ist jedoch zu einem großen

Teil dem Verkauf der IVG Büroimmobilien-

Sparte an Blackstone zuzuschreiben“, so

Pink. „Insgesamt befinden sich die opportunistischen

Akteure in Deutschland mittlerweile

auch am Büromarkt im Verkaufsmodus.

Risikoaverse Käufergruppen wie

Spezialfonds oder Versicherungen greifen

hingegen weiter gerne zu.“

Im Vergleich zum Jahresauftakt gaben die

Spitzenrenditen in den Top-7-Märkten im

2. Quartal im Schnitt um weitere 20 Basispunkte

nach und fielen auf einen Wert von

3,4 %. „Die Nachfrage nach deutschen

Büroobjekten aus dem In- und Ausland ist

ungebrochen hoch und lässt die Preise in

den oftmals hochkompetitiven Bieterprozessen

weiter steigen“, so Lemli. „Allerdings

dürfte sich die Renditekompression

verlangsamen, da immer mehr Eigentümer

einen Verkauf in Betracht ziehen dürften.

Aufgrund des größeren Angebots bei

einer unverändert hohen Nachfrage wird

die Investmentaktivität in jedem Fall hoch

bleiben.“ Savills rechnet damit, dass das

Transaktionsvolumen des Gesamtjahres

den Vorjahreswert von 24 Mrd. Euro übersteigen

wird.

Autor:www.savills.de

Ausgabe September/2017

81


FinanzBusinessMagazin I IMMOBILIEN

Mehrheit der Immobilieninvestoren

möchte kaufen

45 Prozent der Antwortenden einer von

JLL unter deutschen Immobilieninvestoren

durchgeführten Online-Erhebung

planen in den kommenden zwölf Monaten

per Saldo, ihre Immobilienbestände

zu erhöhen. 38 Prozent wollen ihre Bestände

halten und nur 17 Prozent wollen

per Saldo verkaufen. Die zentrale Frage

der Erhebung im Vorfeld der Bundestagswahl

lautete: Inwiefern beeinflussen

verschiedene politische Ereignisse

die Entscheidungen von Immobilieninvestoren

in Deutschland? Im Blickpunkt

standen dabei ausschließlich die Auswirkungen

auf den Investmentmarkt für

gewerbliche Immobilien in Deutschland.

Summa summarum lässt sich festhalten,

dass als limitierender Faktor für

den Handel mit Immobilien weniger die

politischen Einflüsse gesehen werden,

als vielmehr das knappe Angebot an

Objekten. Bei einigen Investoren führt

auch das hohe Preisniveau zu Kaufzurückhaltung.

Für 62 Prozent ist der Brexit das aktuelle

politische Ereignis mit dem größten

Einfluss auf den deutschen Immobilieninvestmentmarkt.

Die Zinspolitik

bzw. das aktuelle Zinsniveau wird von

55 Prozent als relevantes Kriterium angesehen.

Hier ist nach Aussage von vielen

Befragten keine Zinswende erkennbar

oder kurzfristig zu erwarten. Die

Bundestagswahl mit 37 Prozent und

die Politik des US-amerikanischen Präsidenten

mit 30 Prozent folgen auf den

Plätzen 3 und 4 der Relevanz-Kriterien.

Bei der konkreten Nachfrage nach dem

Einfluss auf die eigenen Investitionsentscheidungen

dominiert die Zinspolitik

der EZB mit 97 Prozent, gefolgt vom

Brexit mit 84 Prozent sowie der Zinspolitik

der Fed mit 75 Prozent. Lediglich

für 48 Prozent der Antwortenden hat

die Bundestagswahl einen Einfluss auf

ihre Investitionsentscheidung. Alles in

allem belegt die Umfrage, dass sich das

stabile politische Umfeld in Deutschland

positiv auf die generelle Konjunktur und

insbesondere auch auf den Immobilieninvestmentmarkt

auswirkt. Die Mehrheit

der befragten Investoren möchte

ihre Immobilienbestände in Deutschland

vergrößern, dementsprechend erwarten

sie ein auf sehr hohem Niveau stabiles

oder sogar noch steigendes Transaktionsvolumen

für 2017 gegenüber 2016.

Autor: www.jll.de

82 Ausgabe September/2017


IMMOBILIEN I FinanzBusinessMagazin

Deutschland wohnt zur Miete

Deloitte Property Index: hohe Kaufpreise und niedrige Mietrendite

machen Eigentumsbildung für die Deutschen unattraktiv

Zwar gelten insbesondere die Schwaben

als eifrige „Häuslebauer“ – auf

ganz Deutschland bezogen ist es

jedoch eher zweifelhaft, ob die Erbauer

auch deren Bewohner sein werden: Laut

des aktuellen Deloitte Property Index bevorzugen

54,3 Prozent der deutschen Bevölkerung

eine Mietwohnung. Zum Vergleich:

Beim Zweitplatzierten Dänemark

liegt der Wert bei 34,4 Prozent. Europaweit

rückt der Erwerb von Wohnraum zum

Zweck der Vermietung zunehmend in den

Fokus. In Deutschland liegen dabei die

Profite der Vermieter unter dem europäischen

Durchschnitt - im dänischen Odense

und drei ungarischen Städten winken

die attraktivsten Renditemöglichkeiten.

Unter den teuersten Städten Deutschlands

behauptet sich München als Spitzenreiter.

Europaweit bleibt London

weiterhin die unangefochtene

Nummer eins, auch

wenn die Preise hier langsam

sinken.

„In den meisten europäischen

Ländern gilt das

selbst genutzte Wohneigentum

als Normalfall.

Deutschland ist europaweit

die große Ausnahme

– trotz vielfältiger Finanzierungsmöglichkeiten,

niedriger Zinsen und einer

insgesamt guten

wirtschaftlichen Lage der

meisten Bürger“, erklärt

Michael Müller, Partner

und Leiter Real Estate &

Construction bei Deloitte.

Trend geht grenzübergreifend

zum Mieten

In der Hauptsache dürften die hohen

Kaufpreise für eine allgemeine, grenzübergreifende

Tendenz zum Mieten sorgen.

Auch Angebote wie Airbnb machen

Mieten attraktiv, ebenso wie die hohe, zu

vielen Lebensentwürfen passende Flexibilität.

Anders als in Deutschland – und

mit Abstrichen Dänemark und Österreich

– übersteigt die Mietquote in den übrigen

Ländern derzeit aber noch kaum die

25-Prozent-Marke. In Slowenien und Ungarn

liegt der Mietanteil gar nur bei 2,4

bzw. 3,9 Prozent.

Niedrige Rendite

Entsprechend attraktiv sollten die Perspektiven

für Investitionen in Mietwohnungen

sein. Tatsächlich trifft das vor allem für polnische

und dänische, nicht aber für deutsche

Städte zu: In Odense

können Mietrenditen von

8,9 Prozent realisiert werden,

in Budapest sind es

7,9, in Györ und Debrecen

je 7,8 Prozent. Deutsche

Metropolen wie Hamburg,

Frankfurt, München oder

Berlin finden sich am Ende

der Skala, jedoch noch vor

Inner London und dem

Stadtkern von Paris. Die

Spanne der möglichen

Mietrenditen in den deutschen

Städten liegt zwischen

3,2 (München) und

4,9 Prozent (Berlin).

Berlin legt zu –

London lässt nach

Die Immobilienpreise im

teuersten Stadtgebiet Europas,

Inner London, sind

von 2015 auf 2016 um 8,8

Ausgabe September/2017

83


FinanzBusinessMagazin I IMMOBILIEN

Prozent gefallen, während sie in Berlin um

knappe zehn Prozent auf 3.510 Euro/qm

gestiegen sind. München liegt mit 6.580

Euro/qm in Deutschland zwar noch deutlich

vorn und verzeichnete ein Preiswachstum

von gut acht Prozent. Deutschlandweit

liegen die Preise mit durchschnittlich

2.957 Euro/qm niedriger als in Frankreich,

Dänemark oder Irland. Die Steigerungsrate

von durchschnittlich 8,5 Prozent bewegt

sich jedoch im oberen Mittelfeld – hinter

Polen und Ungarn (je 9,7%) und weit hinter

Slowenien mit einem auffälligen Spitzenwert

von 26,5 Prozent. In Großbritannien

hingegen ist der Markt rückläufig

(-9%).

Intensive Neubau-Tätigkeit

Der Bau neuen Wohnraums hat in Deutschland

eine gewisse Priorität – jedenfalls im

Vergleich mit anderen Ländern. So entstanden

2016 hierzulande 3,9 neue Wohnungen

pro 1.000 Einwohner – Spitzenreiter

ist Frankreich mit 6,8 Wohnungen,

Schlusslicht Portugal mit 0,6 Wohnungen.

Auch bei den Bauvorhaben liegt Deutschland

mit 4,6 Projekten/1.000 Einwohner

im „oberen Mittelfeld“, Österreich führt

mit 7,6. Deutschland verfügt mit 41,8 Mio.

Wohnungen über den größten Wohnungsbestand

Europas, wird aber dennoch bezogen

auf die Bevölkerungszahl mit nur

513 Wohnungen pro 1.000 Einwohner von

Frankreich, Spanien und Portugal übertroffen.

„Die Studie hat ergeben, dass nur in den

Niederlanden der Immobilienerwerb im

Verhältnis zum Einkommen noch günstiger

ist als in Deutschland. Daher sollten

die Politik und die gesamte Branche daran

arbeiten, dass dieser Vorsprung dauerhaft

beibehalten wird. Denn nur so lässt sich

die Eigentumsquote in Deutschland nachhaltig

verbessern“, resümiert Müller.

Autor: www.Deloitte.com/de

Mails im Minutentakt -

wenn für Manager digital zur Qual wird

EY-Studie zur digitalen Kommunikation

Die Vielfalt digitaler Kommunikationsformen

soll das Arbeiten in den

Unternehmen erleichtern, entwickelt

sich jedoch zunehmend vom Segen

zum Fluch. Das ist ein zentrales Ergebnis

der Studie "Renaissance des Analogen"

der Unternehmensberatung EY, für die

800 Fach- und Führungskräfte deutscher

Unternehmen befragt wurden. 47 Prozent

der Befragten sind der Ansicht, dass die

beständig fortschreitende Digitalisierung

in der Arbeitswelt für sie eher Stress als

eine Bereicherung ist. Jeder zweite Teilnehmer

der Studie erklärt, dass er aufgrund

der ständigen Erreichbarkeit durch

die digitalen Medien vom intensiven Denken

abgehalten wird. Laut Nelson Taapken,

Partner und HR-Experte bei EY, zeigen

diese Ergebnisse: "In entscheidenden

Punkten ist die digitale Kommunikation

zum Effektivitäts- und Effizienzfresser geworden

und wird von Fach- und Führungskräften

auch als solcher empfunden."

Gestiegene Stressbelastung durch

Mails und Chatprogramme

Ein weiteres alarmierendes Resultat der

Studie: Über 40 Prozent der Befragten beklagen

eine gestiegene Stressbelastung

durch die digitalen Medien. Gleichzeitig

tun Fach- und Führungskräfte jedoch wenig,

um sich davor zu schützen. So unterbricht

über alle Altersgruppen hinweg

ein Drittel der Befragten die Arbeit mehr-

84 Ausgabe September/2017


IMMOBILIEN I FinanzBusinessMagazin

mals pro Stunde selbst, um E-Mails abzurufen.

Vor allem jedoch neigen die jüngeren

dazu, sich durch die elektronische

Post ständig ablenken zu lassen. So ruft

jeder zweite Befragte unter 30 Jahren seine

Mails mehrmals pro Stunde ab, ebenso

tun dies 46 Prozent der Studienteilnehmer

zwischen 30 und 40 Jahren. "Bei diesem

Rhythmus ist es in der Tat nicht möglich,

tief in ein Thema einzutauchen", mahnt

Taapken. Genau das sei aber wichtig, um

gute Arbeitsergebnisse zu erzielen oder für

den Unternehmenserfolg wichtige innovative

Lösungen zu finden. Gefragter denn

je sei daher die strukturierte Planung des

Tagesablaufs.

Laut der Studie nehmen sich jedoch nur

27 Prozent der Fach- und Führungskräfte

regelmäßig bewusste Auszeiten von der

digitalen Kommunikation. Nicht unschuldig

daran sind die Unternehmen, die den

Mitarbeitern nicht erklären, wie sie sich

entsprechende Freiräume schaffen können

- und sie im Gegenteil noch zur ständigen

Erreichbarkeit und Sichtbarkeit in

den digitalen Medien drängen. "Gerade in

Konzernen ist häufig der Vorstand selbst

sehr aktiv in den sozialen Netzwerken. In

der Folge wird Medienpräsenz mit Erfolg

assoziiert", so Laura Jacob, Senior Managerin

und HR-Expertin bei EY. Vergessen

werde dabei jedoch, dass die Vorstände

dieses Pensum nur mit einem ganzen

Stab an Mitarbeitern bewältigen können.

Eine wichtige Botschaft an Fach- und Führungskräfte

laute daher: Erreichbarkeit

und Verfügbarkeit sind keinesfalls mit Bedeutung

oder Wirksamkeit gleichzusetzen.

Analog schlägt digital

Neben den kritischen Auswirkungen übermäßiger

digitaler Kommunikation zeigt die

Umfrage die immense Bedeutung analoger

Kommunikationsformen, die durch sie

verdrängt zu werden drohen. So nennen

die befragten Fach- und Führungskräfte

physische Meetings und gemeinsame

Brainstormings als das wichtigste Format

(32 Prozent), um innovative Ideen zu entwickeln,

gefolgt vom schnellen Austausch

auf dem Flur bzw. im Großraumbüro (17

Prozent). Das Nutzen von Internetforen

oder digitalen Innovationsplattformen, die

das Unternehmen eingerichtet hat, wird

mit acht bzw. sechs Prozent hingegen als

kaum hilfreich eingeschätzt. Dennoch haben

50 Prozent der befragten Fach- und

Führungskräfte im vergangenen Jahr nicht

an einem analogen Format zur Ideenfindung

wie einem Abteilungsbrainstorming,

Innovationsworkshop oder Hackathon

teilgenommen. Jacob: "In Anbetracht der

großen Bedeutung von Innovationen ist

das für Unternehmen höchst gefährlich."

Auch die wichtigen analogen Treffen sind

jedoch keine Selbstläufer. So erklären 63

Prozent der Befragten auch: "Meetings

sind Zeitfresser, die meine Arbeit unnötig

unterbrechen." 59 Prozent bestätigen,

dass viele Mitarbeiter Meetings nicht ernst

nehmen, schlecht vorbereitet sind oder zu

spät kommen. Gewünscht sind deshalb

klare Kommunikationsregeln, eine strikte

Zeitbegrenzung sowie die bessere Auswahl

der Teilnehmer und der Einsatz von

Moderatoren. An dieser Stelle sind insbesondere

die Führungskräfte gefordert, die

Qualität der Meetings zu erhöhen. Gefragt

sind sie zudem in einer weiteren analogen

Disziplin: der Face-to-Face-Kommunikation

mit ihren Mitarbeitern.

So zeigt die Umfrage: Geht es um den

Austausch mit dem Chef, bevorzugen

auch im digitalen Zeitalter 51 Prozent

der Fach- und Führungskräfte die direkte

Kommunikation (gehen spontan vorbei

oder vereinbaren einen Termin), die von

91 Prozent der Befragten als Zeichen besonderer

Wertschätzung betrachtet wird.

Insgesamt gilt, so Taapken:

"Unternehmen sollten sich wieder stärker

um die erfolgreiche analoge Kommunikation

kümmern, statt permanent neue digitale

Tools einzuführen." Dabei handelt

es sich um eine Erkenntnis, die laut dem

Experten im Silicon Valley bereits um sich

gegriffen hat. Hier legen gerade hochinnovative

Startups, die den klassischen Firmen

in Sachen Digitalisierung weit voraus

sind, extremen Wert auf die räumliche

Nähe und den persönlichen Austausch unter

ihrer Mitarbeitern.

Autor: www.ey.com

Ausgabe September/2017

85


FinanzBusinessMagazin I IMPRESSUM

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86 Ausgabe September/2017


NOTIZEN I FinanzBusinessMagazin

Ausgabe September/2017

87


NEUE Assetklasse Kryptowährungen?

am 23.01.2018

im municon in München

AnmEdlung:

www.investorenkongress.de

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