HUMOUR RESOURCES – Schräges und Skurriles aus der Welt der Personalabteilungen

susanne.vukan

our

Human

Resources

Schräges und Skurriles

aus der Welt der Personalabteilungen

Österreich I Deutschland I Schweiz


Lachen verbindet

Als mich vor einem Jahr Klaus Niedl für die Idee begeisterte, ein Buch mit all den unglaublichen, lustigen

und herzerwärmenden Geschichten herauszugeben, die die Arbeit im HR so besonders machen, hätte ich

mir im Traum nicht ausgemalt, wie viele HR-Verantwortliche in Österreich, Deutschland und der Schweiz

voller Zuspruch und Begeisterung an diesem Projekt mitwirken wollten.

In sieben Jahren engem Kontakt mit der HR-Welt habe ich tiefe Einblicke gewonnen in das grenzenlose

Engagement und die Leidenschaft, die tagtäglich von Personalverantwortlichen gelebt werden. Es ist mir

eine große Ehre, ihnen, die stets mit so viel Herzblut ihrem Beruf und ihrer Berufung nachgehen, nun mit

HUMOUR RESOURCES eine Freude zu bereiten und einen Auszug der amüsantesten Geschichten dieser

bezaubernden, schillernden und kunterbunten Welt veröffentlichen zu dürfen.

All jenen, die ihren wertvollen Schatz skurriler Anekdoten und irrwitziger Erlebnisse mit uns teilten,

möchte ich von ganzem Herzen danken: Jede und jeder Einzelne hat dieses Buch zu einem einzigartigen

Lesevergnügen gemacht, das es in dieser Art und Weise kein zweites Mal zu finden gibt! Oder hätten Sie

gewusst, wie man am besten mit strengen Kammern in Dienstwohnungen umgeht, warum Callboys

neuerdings Vorstellungsgespräche führen und was eigentlich Captain Kirks Lebenslauf mit alledem zu

tun hat?

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Schmökern und darf Ihnen abschließend noch versichern: Jede

Geschichte ist so passiert und selbst erlebt. Auch wenn man es manchmal nicht für möglich halten

möchte …

Mag. Julia Hauska

Leitung CAREER Verlag

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Meine Maße sind 86-61-86.

An einem Bewerbungsgespräch interessiert?

Schräge Storys aus der Welt von Human-Resources-Abteilungen

Das menschliche Gehirn weist mehr als 500 Millionen Knotenpunkte auf und zählt damit zu einem der

komplexesten Gebilde (als Personalist bin ich geneigt zu erwähnen, dass ich im Laufe meiner Karriere nur

wenigen Menschen begegnet bin, die dieses Potenzial auch wirklich genutzt hätten). So beeindruckend

auf der einen Seite diese menschliche Fähigkeit ist, umso klarer wird, dass nichts, was wir an Universitäten

und Fachhochschulen in der Theorie des Personalmanagements lehren und lernen, auch nur annähernd

an die wunderbare Vielfalt menschlichen Verhaltens in der Unternehmenspraxis herankommt. Dennoch

versuchen wir uns mit der Überzeugung, dass sich menschliches Verhalten klassifizieren, bewerten und

durch Einflussparameter bestimmen lässt, im Managementalltag mit Modellen und Theorien zu helfen,

um nicht den Verzweiflungstod der Ratlosigkeit zu sterben.

Die Idee für dieses Buch entstand aus der Praxis des Alltags im Bereich Human Resources. Sie entspringt

der unglaublichen Energie einer fast mantraartigen Wiederholung seitens der Teammitglieder im Human-

Resources-Bereich, wenn „es wieder mal passiert ist“: Der Appell, dass wir „es“ in einem Buch niederschreiben

müssen. Nachsatz: Wenn einmal Zeit dafür bleibt. Das „es“ ist dabei nichts weniger als die Abkehr von

der Norm des menschlichen Verhaltens, das Unerwartete, Verblüffende, Überraschende, das Frivole, das

Lustige, das Bunte und mitunter auch das Irre, das uns im zwischenmenschlichen Miteinander mit MitarbeiterInnen,

ManagerInnen und BewerberInnen begegnet. Der Eintritt des „es“ hat Konsequenzen: ein

Innehalten im sonst so prozesshaften Ablauf der HR-Administration, ein einander Ansehen und in nicht

seltenen Fällen ein gruppendynamischer Höhepunkt in Form eines kollektiven Lachanfalls.

Um die Vielfalt der Erlebnisse so breit und auch so tief als möglich darzustellen, wurde die Umsetzung

des Buches als Sammlung schräger Geschichten von möglichst unterschiedlichen Human-Resources-

Abteilungen diverser Branchen und Organisationsgrößen angelegt. Die einzige Voraussetzung ist, dass

die/der BeitragsschreiberIn die Geschichte selbst erlebt hat.

Dr. Klaus Niedl

Global HR Director NOVOMATIC GROUP

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Ist das Teil des Eignungstests? Sollte ich so mein Durchhaltevermögen

zeigen? Und was würde Amnesty International dazu sagen?

Wir sollten bloß nicht auf die Idee kommen, dass er diese

Schweinereien aus eigener Tasche bezahlen würde.

„Mein lieber Herr, jede gute Fee im Märchen erfüllt drei Wünsche.

Ihre habe ich nun erfüllt, mehr gibt es nicht!“

„Du Mädel, ich habe in ein paar Minuten einen Termin bei eurer Personalchefin,

bring mir doch noch schnell von eurem Getränkeautomaten ein Bier.“


Mit der Sternenflotte

in die strenge Kammer


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Space Manager

anonym, Einzelhandel, rund 4.000 MitarbeiterInnen

Hand aufs Herz: Könnten Sie adhoc beantworten, mit welchen Aufgaben ein/e Space ManagerIn für

gewöhnlich so betraut wird? Machen Sie sich keine Gedanken, wenn dem nicht so ist. Sie befinden sich

damit in guter Gesellschaft. Die Bezeichnung ist im deutschsprachigen Raum außer unter einschlägig

Vorbelasteten eher unüblich, daher möchte ich meiner Geschichte ein kurzes Aufgabenprofil vorausschicken:

Space ManagerInnen sind im Handel tätig, erstellen Regalpläne und helfen bei der Gestaltung

des Sortiments.

Als ich eines Tages eine solche Stelle ausschrieb, war ich dementsprechend auf einige Fragen gefasst. Mit

der galaktischen Bewerbung, die schließlich über das firmeneigene Jobportal bei mir einlangte, hätte ich

allerdings in Lichtjahren nicht gerechnet.

Es bewarb sich nämlich ein gewisser Herr Kirk.

Vorname James, zweiter Name Tiberius.

Mein Bewerber James T. Kirk hatte sogar, wie es das Protokoll verlangte, seinen detaillierten Lebenslauf

angefügt. Beginnend mit der Ausbildung in der Sternenflottenakademie, listete er penibel seine Dienstzeiten

und Aufgabenbereiche auf anderen Schiffen auf bis er schließlich die Enterprise als Kapitän übernahm.

Gebannt las ich von seinen turbulenten Abenteuern, während er in einem Wurmloch verschlossen

war, und noch vielem mehr. Sogar ein professionelles Foto des „Kandidaten“ durfte nicht fehlen.

Der Lebenslauf schloss mit dem Satz: „Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen halte ich mich für

qualifiziert, die Stelle als Space Manager zu übernehmen.“

Auch wenn ich ihm da nur beipflichten konnte, war ich letztlich doch überzeugt, dass der Weltraum

deutlich größere Wagnisse für James T. Kirk bereithielt.

PS: Leider hat sich der Verfasser oder die Verfasserin nie geoutet. Ich hätte den oder die Kreative gerne

kennengelernt.

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Ist das Teil des Eignungstests? Sollte ich so mein Durchhaltevermögen zeigen?

Und was würde Amnesty International dazu sagen?

Aufnahmetest der anderen Art

Mag. Rene Angermair, MA, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Aktiengesellschaft

Es steht außer Frage, dass sich (vor allem gut qualifizierte) BewerberInnen heutzutage einiges gefallen

lassen müssen, um ihren Traumjob zu erlangen. Mehrstufige Bewerbungsgespräche finden schon in fast

jedem Bewerbungsprozess statt und auch Assessment-Center und Aufnahmetests sind keine Seltenheit

mehr. Diese Aufnahmeverfahren prüfen im Idealfall kognitive Fähigkeiten, psychische Belastbarkeit und

Teamfähigkeit ab. Manchmal wird daraus allerdings auch ein Kampf des Menschen gegen seine eigene

Natur.

Normalerweise versuchen wir, die ohnehin schon nervösen KandidatInnen vor

einem Eignungstest nicht über Gebühr zu belasten. Sie sollen sich in aller

Ruhe auf die bevorstehende Arbeit konzentrieren können. Aus diesem

Grund stellen wir den BewerberInnen auch einen Lehrling an die Seite,

an den sie sich bei Fragen oder nach Beendigung des Tests wenden

können. Einer unserer Kandidaten, der zuvor bereits voll auf den Test

fokussiert gewesen war, hörte jedoch mitten während der Aufgabe

plötzlich den Ruf der Natur. Der Ruf war laut und nicht enden wollend.

Besorgt, dass der Eignungstest „plötzlichen Harndrang in Stresssituationen“

diagnostizieren würde, blieb der Bewerber vorerst still. Vermutlich

wurden die Zahlen am Bildschirm in seiner Wahrnehmung

irgendwann zu Wassertropfen, die stetig den Desktop entlangflossen

es kam jedenfalls zu dem Punkt, an dem selbst jegliche Form von

Zen-Meditation nichts mehr geholfen hätte. Eine Toilette musste her.

Wie angeordnet, wandte sich der Kandidat an den Lehrling und fragte

verzweifelt nach dem Weg zum nächsten WC. Der Lehrling jedoch,

der selbst noch nicht lange im Unternehmen war, interpretierte das

Gezappel als Nervosität, verstand nur die Hälfte und dachte, der

Bewerber sei fertig mit dem Test. Ordnungsgemäß verwies er ihn auf

die Frau Personalistin, die gleich kommen würde. Man kann sich nur

ansatzweise vorstellen, welche Fragen in diesem Moment im Kopf

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des Kandidaten herumschwirrten. Ist das Teil des Eignungstests? Sollte ich so mein Durchhaltevermögen

zeigen? Und was würde Amnesty International dazu sagen?

Die HR-Verantwortliche tauchte schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit auf, erkannte die Ratlosigkeit

und das Entsetzen im Gesicht des Bewerbers und wies ihm den richtigen Weg. Für den Kandidaten mag

das ein einzigartiges Erlebnis gewesen sein, aber immerhin steht einer Karriere als US-Marine jetzt nichts

mehr im Wege. Dort sind derartige Prüfungen an der Tagesordnung.

Im Osten viel Neues

anonym, Dienstleistung, rund 3.300 MitarbeiterInnen

Was wissen wir schon realistisch von den Menschen, die uns tagtäglich im Berufsleben begegnen? Man

grüßt einander kopfnickend am Gang, misst ab und an die Kräfte am Verhandlungstisch, tauscht anschließend

Höflichkeiten beim gemeinsamen Mittagessen aus und kämpft Seite an Seite beim Charity-Sportevent

um den begehrten Siegerpokal. Doch hinter jeder noch so glatten und auf Hochglanz polierten

Fassade können sich Abgründe auftun, die selbst den Marianengraben vor Neid erblassen lassen würden.

Ich könnte stundenlang Geschichten darüber zum Besten geben, was ich im Laufe meiner Tätigkeit,

insbesondere als Recruiter, bereits erlebt habe. Über so manches Geschehnis empfiehlt es sich freilich, den

Mantel des Schweigens zu breiten für immer. Eine ganz besondere Anekdote möchte ich Ihnen jedoch

nicht vorenthalten:

Ein internationaler Konzern mit mehreren tausend MitarbeiterInnen war auf der Suche nach einem geeigneten

Geschäftsführer für eine Tochterfirma im Osten. Nun ist eine solche Position stets recht anspruchsvoll

zu besetzen, da sie mit einer entsprechenden Repräsentation des Unternehmens im jeweiligen Land

sowie mit einer damit verbundenen beträchtlichen Verantwortung einhergeht. Folglich gilt es im Rahmen

des Recruiting-Prozesses nicht nur, eine angemessene Entlohnung festzulegen, sondern darüber hinaus

auch ein ansprechendes „Rundum-Sorglos-Paket“ mit komfortablem Firmenwagen und repräsentativer

Dienstwohnung zu schnüren, um die besten KandidatInnen zu gewinnen. Diese Herausforderung

meisterten wir bravourös: Rasch war ein geeigneter Bewerber identifiziert, der einen überaus zuverlässigen

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und kompetenten Eindruck machte und zudem durch sein ausgesucht korrektes Auftreten gekonnt überzeugte.

Ring …

Ring …

Ring …

Dass unser Wunschkandidat sich in weiterer Folge nicht allzu lange bitten ließ, bevor er den vorgeschlagenen

Deal stilecht per Montblanc-Unterschrift besiegelte, hätte uns rückblickend betrachtet vielleicht

stutzig machen können. Zum damaligen Zeitpunkt feierten wir jedoch schlicht unseren Erfolg und

entsandten den frischgebackenen Expat hochzufrieden in seine neue Heimat. Doch kaum hatte er sich

dort installiert, häuften sich nach anfänglicher Euphorie über den vermeintlichen High-Performer die

Verdachtsmomente die sich zum allgemeinen Schrecken schlussendlich auch bestätigten. Drücken wir

es freundlich aus: Seine Auffassung von beruflicher Pflichterfüllung divergierte nicht nur beträchtlich vom

Verhaltenskodex unseres Unternehmens, sondern auch von den Weisungen des Gesetzgebers.

Die Konzernzentrale zog selbstverständlich stante pede die Konsequenzen und berief das schwarze Schaf

umgehend zurück. Hinter verschlossener, schallisolierter Türe wurden dem ehemaligen Geschäftsführer

ganz offensichtlich gehörig die Leviten gelesen, bevor man das Arbeitsverhältnis fristlos beendete. Direkt

nach dieser unehrenhaften Verabschiedung wurde der einst so großspurige Mitarbeiter mit gesenktem

Kopf von unserem Sicherheitsbeauftragten auf direktem Weg zum Ausgang eskortiert. Bevor er das

Gebäude verließ, musste er noch sämtliche firmeneigene Facilitys abgeben.

Man könnte meinen, die unerfreuliche Angelegenheit hätte ein sprichwörtliches Ende mit Schrecken

genommen, sobald seine retournierte Ausstattung auf Vollständigkeit geprüft worden war. Doch dem war

nicht so: Natürlich war der „Ex-Pat“ mit seinem Dienstwagen in die Zentrale gekommen und hatte den

zugehörigen Schlüssel wie gefordert begleitet von einer nur minimalen Gesichtsentgleisung ausgehändigt.

Bedauerlicherweise „vergaß“ er dabei, uns mitzuteilen, wo er das gute Stück geparkt hatte. Dank

modernster Navigationstechnologie stellte dieser Sabotageakt keine unüberwindbare Hürde für uns dar

ärgerlich war es aber allemal. Doch damit nicht genug.

Wenige Tage später erreichte mich der lautstarke Anruf des aufgebrachten osteuropäischen Vermieters.

Dem unwirschen Redeschwall, der sich, kaum dass ich den Hörer abgenommen hatte, über mich ergoss,

entnahm ich nach und nach, dass die Wohnung des eben entlassenen Top-Managers rundum renovierungsbedürftig

wäre. Mit sich überschlagender Stimme teilte mir mein Gesprächspartner mit, dass er

über die Jahre wirklich nachsichtig geworden wäre, aber das Chaos, das dieser Mann hinterlassen hatte,

ein schlicht ungeheuerliches Ausmaß angenommen hätte. Unvorstellbare Schäden hätte er angerichtet

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ein himmelschreiender Skandal und eine bodenlose Frechheit wäre das. Wir sollten bloß nicht auf die Idee

kommen, dass er diese Schweinereien aus eigener Tasche bezahlen würde. Am besten müsste der gottlose

Mieter selbst alternativ stellvertretend wir als Konzern für die entstandenen Schäden aufkommen.

Nun kann es leider durchaus sein, dass der eine oder andere Manager nicht ausgesucht sorgsam mit der

zur Verfügung gestellten Ausstattung umgeht. Ob diese Nachlässigkeit dem allgemeinen Leichtsinn der

Gesellschaft oder der Tatsache geschuldet ist, dass es sich dabei nicht um persönliches Eigentum handelt,

sei zum Zeitpunkt dahingestellt. Fakt ist, dass unser Vermieter bereits in der Vergangenheit in regelmäßigen

Abständen unappetitliche Flecken am Teppichboden oder unerklärliche Löcher in der Wand beanstandet

hatte. Folglich führte ich seine Aufregung auch eher auf das vielgerühmte Temperament der OsteuropäerInnen

zurück als auf das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung. So sehr ich mich auch mühte, den

Hausherrn zu beschwichtigen, er wollte mich nicht vom Haken lassen, und auch mir lag es im Sinne einer

produktiven Zusammenarbeit am Herzen, das Thema ordentlich erledigt zu wissen. Also bat ich einen

verlässlichen Mitarbeiter vor Ort, sich ein persönliches Bild des vermeintlichen Tatorts zu machen.

Was er nach erfolgter Inspektion ungläubig zu berichten hatte, stellte alles bisher Dagewesene in den

Schatten. Ganz augenscheinlich hatte der ehemalige Geschäftsführer einen ausgeprägten Sinn für das

Außergewöhnliche. Denn noch lange bevor eine grau-schattierte Trilogie derartige Praktiken salonfähig

machte, hatte er sein Schlafzimmer zu einer „strengen Kammer“ par excellence umfunktioniert. Von gepolsterten

Handschellen über Gummiknebel bis hin zu den unterschiedlichsten Züchtigungsinstrumenten

war der Raum mit sämtlichen Folter-Accessoires ausgestattet, die die gut sortierte SM-Szene bereithielt.

Es versteht sich von selbst, dass sowohl die Wandbefestigungen als auch die Verdunkelungen von

bester Qualität und sehr professionell montiert worden waren. Im Wandschrank aus dunklem Nussbaumholz

waren darüber hinaus vereinzelte, kostspielig anmutende Utensilien zurückgeblieben, die Menschen

an die Grenzen ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit bringen sollten. Außerhalb des Protokolls

erzählte mir der Kollege, er hätte sich bei einzelnen „Spielzeugen“ nicht einmal in den kühnsten Träumen

ausmalen können, wofür sie benutzt werden sollten.

Damit war die Entrüstung des Wohnungsbesitzers mehr als nur nachvollziehbar, und wir trugen selbstverständlich

die vollen Renovierungskosten, womit er glücklicherweise rasch zu besänftigen war. Unser

ehemaliger Geschäftsführer blieb übrigens untergetaucht ich vermute allerdings, dass ihm die jüngste

Entwicklung am Belletristik-Markt recht zusagt ...

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„Mein lieber Herr, jede gute Fee im Märchen erfüllt drei Wünsche.

Ihre habe ich nun erfüllt, mehr gibt es nicht!“

Die drei Wünsche

Mag. Dagmar Wagner, Finanzdienstleistung

Gute Software-EntwicklerInnen mit Spezialgebiet Java sind rar so rar, dass im Vergleich sogar Nadeln im

Heuhaufen etwas von ihrem Seltenheitswert einbüßen. Man muss schon sehr viele Bewerbungen sondieren,

um eine geeignete Kandidatin oder einen geeigneten Kandidaten zu finden. So kam es schließlich

auch, dass mein Kollege und ich als wir eines Tages ebensolche Java-ExpertInnen suchten eine Vielzahl

an Gesprächen mit „Naja“-KandidatInnen zu absolvieren hatten. Mein Kollege war zu dem Zeitpunkt als

Geschäftsführer einer der Tochtergesellschaften, ich als Personalleiterin unseres Konzerns tätig. Aber

nicht, dass Sie denken, ich erwähnte das aus Standesdünkel! Lassen Sie mich Ihnen einfach von Herrn M.

erzählen, 43 Jahre alt und seit drei Jahren arbeitslos:

Gleich zu Beginn des Bewerbungsgesprächs wurde mir klar, dass Herr M. offenbar Probleme mit Frauen

hatte, denn er ignorierte mich gekonnt. Selbst dann, wenn ich ihm die Fragen stellte. Er beantwortete sie

zwar, allerdings immer nur an meinen Kollegen gerichtet. Außerdem schrieb er alles, was gesagt wurde,

fast wortwörtlich mit. Das Gespräch war also wirklich anstrengend und ich der festen Überzeugung, es

könnte nicht mehr schlimmer werden. Da sollte ich mich allerdings gewaltig irren.

Als nämlich seine Füllfeder leer wurde, sah er in meine Richtung plötzlich war ich doch sichtbar und

wies mich an: „Meine Füllfeder ist leer, geben Sie mir Ihren Kugelschreiber!“ Seinen Tonfall als herablassend

zu bezeichnen wäre ein Ausdruck völliger Untertreibung gewesen. Nichtsdestotrotz blieb ich

äußerlich ruhig, holte von meinem Schreibtisch (das Gespräch fand übrigens in meinem Büro statt) einen

Kugelschreiber und meinte stoisch: „Bitte schön, gerne können Sie diesen Kugelschreiber auch mitnehmen.“

Herr M. nahm den Kugelschreiber ohne auch nur ein Wort des Dankes entgegen.

Kaum wollte ich mich setzen, sah er hoch und orderte bei mir forsch und mit etwa diesen Worten einen

Kaffee: „Ich möchte einen Kaffee bringen Sie einen!“ In diesem Moment verschlug es mir nun doch die

Sprache, und auch mein Kollege schaute mich recht verschreckt an wobei man dazusagen muss, dass

er mich zuvor wohl noch nie sprachlos erlebt hatte. Da hatte ich meine Contenance aber auch schon wiedererlangt

und fragte ihn mit einem schelmischen Augenzwinkern „Wenn ich schon dabei bin, Kaffee zu

servieren, möchtest du auch einen?“ Leise und mit einem nur mühselig unterdrückten Grinsen murmelte

er: „Ja, bitte, wenn du so nett bist.“

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Also begab ich mich hinaus in die Küche, wo ich zufällig die Vorstandsassistentin antraf, die mich fragte,

ob das Vorstellungsgespräch denn so schnell schon vorbei wäre. Nachdem ich ihr in knappen Worten von

der Kaffeebestellung des Kandidaten berichtet hatte, schlussfolgerte sie das einzig Richtige: „Na, wofür

bewirbt sich der, etwa als Generaldirektor?“ wir lachten beide herzlich.

Als ich gekonnt den Kaffee servierte, bedankte sich mein Kollege ausnehmend freundlich für das gute

Service. Herr M. zeigte sich davon unbeeindruckt, ignorierte mich und sprach einfach weiter.

Aber es sollte noch besser kommen … gerade als ich Platz nehmen wollte, hatte der gute Mann ein neues

Bedürfnis: „Mir ist heiß, machen Sie das Fenster auf!“. Dabei zeigte er mit ausgestrecktem Zeigefinger auf

das Fenster. Und ja, ich öffnete das Fenster.

Bevor ich mich allerdings wieder an den Tisch setzte, sagte ich ganz freundlich

und ruhig zu ihm: „Mein lieber Herr, jede gute Fee im Märchen erfüllt drei Wünsche.

Ihre habe ich nun erfüllt, mehr gibt es nicht! Haben wir uns verstanden?“

Herr M. sah mich daraufhin kurz verständnislos an, sprach dann aber ungerührt

weiter, während mein Kollege sein breites Grinsen nun gar nicht mehr

verbergen konnte.

In einem Akt vollendeter Selbstbeherrschung brachten wir das Gespräch zu

Ende. Kaum dass Herr M. das Büro verlassen hatte, fragte mich mein Kollege,

ob wir ihn denn nun aufnehmen wollten. Mit einem verschwörerischen

Schmunzeln antwortete ich ihm: „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es

schaffen werde, ihm jeden Tag einen Kaffee zu servieren, deshalb müssen wir

uns wohl oder übel fragen, ob wir ihn tatsächlich als neuen Generaldirektor

haben wollen.“

Mein Kollege hat die Geschichte natürlich brühwarm seinen MitarbeiterInnen

erzählt, und wann immer eine Besprechung mit mir anberaumt ist, sagen sie:

„Wir haben einen Termin mit Frau W., denn sie kann hier den Kaffee am allerbesten

servieren.“

Nachwort: Ob der Kandidat von Beginn an richtig verstanden hat, dass ich die

Personalleiterin war und folglich einen maßgeblichen Einfluss auf die Personalauswahl

hatte, kann ich bis heute nicht beantworten. Ich glaube, für ihn war

es einfach undenkbar, dass eine Frau eine solche Position innehaben kann. Ich

habe ihm jedenfalls mit Genuss bei einer Tasse Kaffee abgesagt.

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Die fotogenen Mandeln

anonym, Anlagen- und Maschinenbau, rund 1.500 MitarbeiterInnen

Unter den zahlreichen hochanständigen MitarbeiterInnen, für die man im Personalbereich mitverantwortlich

ist, findet sich leider ab und an auch ein schwarzes Schaf wenn man den modernen HR-Legenden

Glauben schenkt, die so zu fortgeschrittener, feuchtfröhlicher Stunde bei den einschlägigen Fachveranstaltungen

hinter vorgehaltener Hand gemunkelt werden. Vom Kollegen einer Kollegin, der wiederum

jemanden kennt, hört man sogar, es solle Angestellte geben, die Krankmeldungen mehr als unverbindliche

Empfehlungen betrachten denn als penibel ausjudizierte Eckpfeiler des Arbeitsrechts, über die andere

Menschen ganze Dissertationen verfassen. Gerade kürzlich hatte ich wieder eine schaurige Geschichte

über eine Mitarbeiterin erzählt bekommen, deren ungebrochene Loyalität zu einem Fischhändler mit

dubiosen Qualitätsstandards ihr während der Sommermonate just an jedem Freitag eine üble Lebensmittelvergiftung

bescherte die sich bei ihr allerdings am darauffolgenden Montag nicht in leidender Blässe,

sondern in gesunder, nach Kokos duftender Bräune niedergeschlagen hatte.

Daran musste ich denken, als ich eines Morgens den Anruf eines Mitarbeiters erhielt, der sich genau zu

einem Zeitpunkt krankmelden wollte, als wir seine Schlüsselkompetenz besonders dringend gebraucht

hätten. Das Arbeitsaufkommen hatte sich in den letzten Wochen von hoch auf hoch_v17_final_letzte-

Steigerung_jetzaberwirklich_meinGottesgehtnichtmehr_wirschaffendasirgendwie_tschakka gesteigert,

und so klang ich unter Umständen nicht ganz so mitfühlend wie sonst.

Meine etwas unterkühlte Reaktion rief bei meinem Gesprächspartner offenbar die letzten verbliebenen

Kampfgeister auf den Plan, denn er setzte an, mir seine Krankengeschichte bis ins kleinste Detail zu schildern.

Bis heute weiß ich nicht, ob er mich wirklich von seiner Aufrichtigkeit überzeugen oder einfach für

mein eisiges Verhalten bestrafen wollte.

Ausführlich und in schillernden Farben bekam ich also die Infektion seiner vollkommen unter Eiter stehenden

Mandeln geschildert: Dick angeschwollen wie zwei pralle Pflaumen berührten sie beinahe das

Gaumenzäpfchen, knallrot gefärbt, und überhaupt sähen sie bei näherer Betrachtung aus wie bereits

abgestorben … Mir war bei der sehr detailreichen und bildhaften Ausführung am frühen Morgen schon

leicht schlecht geworden und ich wollte den armen Mann dringend in seinem krächzenden Redeschwall

bremsen. Daran war jedoch nicht mehr zu denken, er hatte sich richtig in Fahrt geredet. Und dann kam der

Clou: Er war so felsenfest davon überzeugt, dass seine Mandelinfektion einzigartig und noch nie dagewe-

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sen war vergleichbar maximal noch mit der Entdeckung des Penicillins , dass er es sich nicht nehmen

lassen wollte, mir ein Foto des „Gustostücks“ zu schicken. Das würde auch gar keine Umstände machen,

schließlich hätte er das Bild zuvor bereits an die Kollegen in der Abteilung gesendet, allesamt sehr hart im

Nehmen, und bei diesen damit lautstarke und nicht immer jugendfreie Ekelbekundungen hervorgerufen.

Das Foto wäre auch keinesfalls verwackelt, man könnte jedes pelzige Detail bestens erkennen.

Mich packte die blanke Panik und ich sorgte mich ernsthaft um mein kürzlich verzehrtes Frühstück und

meine Büroeinrichtung. Mein Gesprächspartner wollte sich jedoch nach wie vor um nichts in der Welt

davon abhalten lassen, mich mit seinem einmaligen Bild zu beglücken, ich höre ihn im Hintergrund sogar

schon tippen. Erst als ich, flach atmend, mit meinem äußerst sensiblen Magen argumentierte, ließ er die

Sache auf sich beruhen , wofür ich ihm bis heute unendlich dankbar bin.

Aber immerhin ist der Mitarbeiter mittlerweile wieder wohlauf und hat beschlossen, sich die Mandeln

schleunigst entfernen zu lassen, um einer eventuell nochmalig auftretenden Entzündung vorzubeugen.

Von „Luschen” und „Job-Hoppern”

anonym, Chemieindustrie, 5.485 MitarbeiterInnen

Glücklicherweise sind sie sehr selten, aber ab und zu gibt es sie doch: diese Positionen, die sich nicht und

nicht besetzen lassen wollen. Der Recruiting-Prozess zieht sich hin wie Strudelteig, der zu lange in der

warmen Küche gelegen hat. Und anders als beim Backen, wo man wenigstens ein bisschen von der vorbereiteten

Füllung naschen kann, ist die Zeit bis zur Besetzung für alle Beteiligten einfach nur unerfreulich,

mühsam und frustrierend. Im speziellen Fall trafen zwar laufend Bewerbungen ein, von denen allerdings

keine einzige auch nur im Entferntesten dem kommunizierten Anforderungsprofil entsprach. Ganz so, als

ob es „da draußen“ einfach gar keine geeigneten KandidatInnen mehr gäbe.

Mit entsprechend überschaubarer Laune sichtete ich eines Morgens erneut den Posteingang und sah mich

mit einer weiteren Bewerbung konfrontiert, bei der ich mich doch fragen musste, in welchem Status geistiger

Umnachtung sie abgeschickt worden war. Um dem zuständigen Manager der die Stellenbesetzung

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Zusätzlich zu seinem offenherzigen Hemd, das bis zum Bauchnabel aufgeknöpft

war, versuchte er meine Kollegin und mich durchwegs frech anzuflirten.

in Auftrag gegeben hatte ein für alle Mal zu beweisen, welche „Luschen“ und „Job-Hopper“ sich auf

die Stelle bewarben, wollte ich ihm dieses Dossier zur Ansicht schicken. Immerhin hatte er mir mehr als

einmal und mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass der Erfolg seiner Abteilung momentan allein

auf meinen Schultern lastete.

Ich kann nur sagen: Es ist keine gute Idee, mit Frust im Bauch eine solche Aktion zu starten. Denn leider

ging das Mail, in dem sich meine geballte aufgestaute Wut entlud, nicht an den entsprechenden Manager,

sondern auf direktem Weg an den Bewerber. Ich hatte nämlich auf „Antworten“ statt auf „Weiterleiten“

gedrückt.

Am liebsten wäre ich ohne weiteren Umweg im Erdboden versunken. Egal wie unpassend seine Bewerbung

für die Stelle auch war und egal wie viele Rechtschreibfehler den ersten Satz seines Anschreibens

zierten das hatte kein Kandidat verdient. Ich gestehe: Ein paar Minuten hysterischen Hyperventilierens

gestand ich mir zu, bevor ich mir über die Lösung meiner selbstverschuldeten Misere den Kopf zerbrach.

Nachdem ich zwei Kolleginnen, die wegen des Krachs besorgt herbeigeeilt waren, wild gestikulierend wieder

in ihre Büros geschickt hatte, rief ich mich selbst streng zur Ordnung. Hastig verfasste ich ein entsprechendes

Entschuldigungsschreiben an den betreffenden Bewerber und hätte es auch nur fast an den für

das ursprüngliche Mail vorgesehenen Manager gesendet ...

Gott sei Dank hat der Bewerber letztlich von jeglicher Aktion oder Beschwerde abgesehen und einfach gar

nicht mehr reagiert. Aber wie Sie sich sicher vorstellen können, war ich von da an ganz besonders vorsichtig

beim Versenden von E-Mails.

Der Callboy

Manuela Vorwerk, Chemie, rund 450 MitarbeiterInnen

Wir waren auf der Suche nach neuen MitarbeiterInnen für den IT-Bereich und hatten einige Vorstellungstermine.

Nachdem das Eintreffen eines Bewerbers angekündigt worden war, machte ich mich auf den

Weg in Richtung Empfang, um den Kandidaten abzuholen. Bereits im Flur, kurz vor der Empfangshalle,

sah ich, wie ein junger Mann ganz lässig an der Bank lehnte und alle Mitarbeiterinnen, die vorbeigingen,

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unverschämt anzwinkerte. Spontan fiel mir der Schauspieler Jürgen Vogel in dem Film Keinohrhasen ein,

der in den ersten Szenen mit gebleicht-blondem Haar und einem übertrieben weißen Blendamed-Lächeln

komplett künstlich und vor allem cool und lasch herumhängt. Neben diesem jungen Selbstdarsteller würde

sogar Jürgen Vogel vor Neid erblassen, da bin ich mir sicher.

Ich holte den Kandidaten zum Gespräch ab. Er begrüßte mich, wie erwartet, besonders lässig mit „Halloo,

servas, wie geht’s“ und zwinkerte mir herausfordernd zu. Leicht belustigt starteten meine Kollegin und ich

das Bewerbungsgespräch und bemühten uns redlich, eine professionelle Linie beizubehalten. Glauben Sie

mir, das fiel uns angesichts der äußeren Erscheinung nicht wirklich leicht! Der Bewerber, ein mit Sicherheit

viel Zeit in sein Hobby investierender Freund künstlicher Sonnenbestrahlung, gewährte

uns sehr tiefe Einblicke in sein Dekolleté, das er, wie könnte es anders sein, mit

einem kessen Goldkettchen schmückte. Zusätzlich zu seinem offenherzigen

Hemd, das bis zum Bauchnabel aufgeknöpft war, versuchte er meine Kollegin

und mich durchwegs frech anzuflirten. Insgeheim zog ich die nicht sonderlich

abwegige Möglichkeit in Betracht, dass er die Stelle mit der eines

Bademeisters am Strand von Malibu verwechselt hatte, und musste

schmunzeln. Ehrlich interessiert fragte ich ihn, warum er sich denn bei

uns beworben hätte und was für ihn an der Stelle so reizvoll wäre. Seine

Antwort war, sagen wir einmal, passend: Das AMS (Arbeitsmarktservice)

würde ihn schicken und im Inserat stünde ja, dass wir jemanden

suchten, der auch reisebereit wäre. Er reiste sehr gerne, und deswegen

interessierte er sich auch für den Job.

Tja, da fehlten uns dann doch kurz die Worte, denn mit dieser

Antwort hätten wir wirklich nicht gerechnet.

Alles in allem war es ein unheimlich lustiges Gespräch, was ich

mir selbstverständlich nicht anmerken lassen durfte. Nachdem wir

jedoch nicht im Callboy-Segment arbeiten, hat er die Stelle nicht

bekommen. Im Nachhinein kann ich über diese Geschichte immer

noch herzhaft lachen vor allem, wenn gerade einmal wieder

Keinohrhasen im Fernsehen läuft.

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Ein hilfreiches Mädel

anonym, Sanitär- und Heizungsgroßhandel, rund 740 MitarbeiterInnen

Es war ein brütend heißer Sommertag: Die wenigen, von einer Marketing-Promotion übriggebliebenen

Werbefächer hatten sich bereits in den frühen Morgenstunden die Early Birds im Kollegenkreis gesichert,

der Eiswürfelspender in der Küche streckte im Minutentakt wegen Überhitzung die Patschen und die Gespräche

drehten sich durchwegs um erfrischende Pools, kühle Meeresbrisen und schattige Gastgärten in

der Hoffnung, der Hitzewelle so wenigstens im Ansatz Herr zu werden.

Just an diesem Tag hatte ich einen Ersttermin mit einem Herrn von einer Personalleasingfirma eingetaktet.

Bis zur geplanten Besprechung war noch etwas Zeit und ich gerade im Haus unterwegs, als mir unsere

Empfangsdame mit einem Kopfnicken signalisierte, dass mein Gesprächspartner bereits wartete. Noch

bevor ich ihn begrüßen und mich vorstellen konnte, rief er mir von Weitem zu: „Du Mädel, ich habe in ein

paar Minuten einen Termin bei eurer Personalchefin, bring mir doch noch schnell von eurem Getränkeautomaten

ein Bier“. Mit diesen Worten drückte er mir das Geld in die Hand und verschwand auf die Toilette.

Mich ließ er einfach stehen zunächst verdutzt, dann kopfschüttelnd und schließlich mit einem schallenden

Lachen.

Mit meiner Kollegin am Empfang als Komplizin beschloss ich, die Scharade noch etwas länger aufrechtzu-

erhalten. Ich holte also das Bier für ihn und ein Cola für mich, ging mit meinem allerschönsten Begrüßungslächeln

auf ihn zu und lud ihn ein, die Getränke doch miteinander zu trinken. Dann stellte ich mich vor.

Noch nie sah ich jemanden so rasch erröten und das lag ganz bestimmt nicht an den hochsommerlichen

Temperaturen. Stammelnd entschuldigte er sich. Man konnte ihm ansehen, dass er am liebsten auf

direktem Weg im Erdboden versunken wäre. Das „Mädel“ fand ich dabei gar nicht schlimm. So oft kommt

es schließlich nicht vor, dass man mit Mitte 30 so bezeichnet wird. Nur das Bier vor einem Geschäftstermin

war in meinen Augen weniger passend egal, wie heiß es ist und wie sehr man sich auch wünscht,

im Gastgarten statt im Büro zu sitzen.

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Der gestrandete Meeresbiologe

Burkhard Hanke, Unternehmensberatung, rund 1.000 MitarbeiterInnen

UnternehmensberaterInnen haften oft Klischees und Vorurteile an. So seien die VertreterInnen dieser

Branche oft penible, ausschließlich im Anzug anzutreffende PragmatikerInnen, die maximal in der

Mittagspause Zeit für Humor am Arbeitsplatz finden. Diese Stereotypen sind zwar nicht immer wahr,

manchmal wäre ein kleiner Image-Wandel dennoch nicht schlecht. Dass Consulting-Firmen aber jemals

für Surf-Events in Australien Sponsoring betreiben werden, ist nach der folgenden Geschichte eher unwahrscheinlich.

Job-Messen sind für die teilnehmenden Arbeitgeber und PersonalistInnen meistens anstrengende Veranstaltungen

mit vielen BesucherInnen. Zwar findet sich unter all den Sandkörnern manchmal ein Diamant,

meist werden aber doch nur die immer gleichen Fragen gestellt, und bald macht sich Langeweile

breit. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist man für jede Abwechslung dankbar. Unser Roll-up, auf dem ein

Kugelfisch abgebildet ist, der gegen aufgeblasenes Gehabe werben soll, erweist sich bei den BesucherInnen

zumindest als zwischenzeitlicher Blickfang. Als sich dann eines Tages bei einer derartigen Messe die

Menschenmassen teilten, um einem interessierten Kandidaten den Weg frei zu machen, wussten wir, dass

es mit der Langeweile vorbei war.

Zu unserem Stand kam ein großgewachsener Mann mit langen, ungepflegten Haaren. Durch die zerrissenen

Jeans und sein barfüßiges Auftreten wirkte er wie eine Mischung aus einem australischen Surfer und

dem Klischee jedes Umweltaktivisten. Ich war mir nicht sicher, ob er noch Begleiter für seinen Lagerfeuer-Abend

am Strand suchte oder mir ein Abo für den Schutz des Regenwaldes verkaufen wollte, da

sprudelte es auch schon aus ihm heraus:

Blubb

Blubb

„Ich bin Meeresbiologe! Auf Ihrem Roll-up befindet sich ein Kugelfisch. Somit bin ich bereit, für Sie und

Ihr Unternehmen in See zu stechen!“

Nach ein paar Sekunden der Verwunderung begann ich im Umfeld die versteckten Kameras zu suchen, die

sich sicherlich hier irgendwo befinden müssten. Da ich aber kein Spielverderber sein wollte, begann ich

ihm zu erklären, dass wir momentan genauso wenig MeeresbiologInnen suchten wie Coca-Cola Polarbären-ForscherInnen.

Sein überraschter Ausdruck verriet mir, dass er den Witz nicht verstanden hatte, und

so trennten sich unsere Wege wieder recht rasch.

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Ein selbsternannter Sprachpolizist, der es zustande brachte, mindestens sieben

gravierende Patzer in ebenso viele Zeilen Text einzubauen, war einfach zu skurril.

Entlarvt von der Schbrachbolitsei

anonym, Energie, rund 1.100 MitarbeiterInnen

Ich oute mich gleich vorweg: Ich bin ein kleiner Monk, was Grammatik und Rechtschreibung betrifft. Oder

ein mittelgroßer. Okay, ein ausgewachsener Monk. Im Familien- und Freundeskreis wird über diese Schrulle

mittlerweile liebevoll hinweggesehen, kaum einer nennt mich noch „Grammar-Nazi“ und man stellt

auch nur mehr ab und zu scherzhaft infrage, ob mein „Lehrer-Gen“ nicht doch einem Schäfer(sprech-)

stündchen meiner Mutter mit meinem feisten Deutschprofessor entspringen könnte. Auch im beruflichen

Umfeld blieb meine ausgeprägte Affinität zur deutschen Sprache freilich nicht lange unentdeckt, obwohl

ich mich redlich bemühte, betont nonchalant über wüste Rechtschreibfehler in Geburtstagsgrußkarten

hinwegzusehen und in Meetings nicht laufend Fall-Korrekturen bei meinen VorrednerInnen vorzunehmen.

Nach dem anfänglichen vorprogrammierten Spott der Kollegenschaft landen mittlerweile alle wichtigen

Projekte zum finalen grammatikalischen Sanctus auf meinem Tisch nachdem sie das Argusauge unserer

externen Lektorin passiert haben, wohlgemerkt.

Es versteht sich dementsprechend von selbst, dass ich vor dem Go-Live unseres HR-Portals dem Herzensprojekt

unserer Abteilung, das meine KollegInnen und mich in den vergangenen Monaten mehr als einmal

an den Rand des Wahnsinns (und einer Gefängnisstrafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und Sachbeschädigung)

geführt hatte mehrmals jede einzelne der über tausend Feldbezeichnungen prüfte.

Umso verwunderter war ich, als mir ein Kollege eines Tages eine E-Mail mit dem verstörenden Betreff

„Deutsche Sprache im HR-Portal“ weiterleitete. Ich atmete also einmal tief durch und klickte auf Öffnen.

Die Nachricht lautete:

Hallo Herr F.,

ist mit zufällig aufgefallen im neuen HR Portal Die Wörter Beginnuhrzeit

und Endeuhrzeit entsprechen nicht der deutschen Sprache.

Leider fällt das Niemanden mehr bei Unternehmen XY auf.

Wenn möglich bitte ändern

Mit freundlichen Grüßen

Mitarbeiter K.

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Ich fühlte mich wie in einem schlechten Film: Ein selbsternannter Sprachpolizist, der es zustande brachte,

mindestens sieben gravierende Patzer in ebenso viele Zeilen Text einzubauen, war einfach zu skurril.

Das wäre ja ganz so, als würde eine Führungskraft mit doch deutlich mehr als einem Damenspitzerl die

versammelte Belegschaft für den Genuss eines gepflegten Glases Sekt nach einem erfolgreichen Projektabschluss

zur Rede stellen! Was so selbstverständlich nie vorgekommen ist …

Inhaltlich hatte der Kollege jedenfalls recht, das musste ich

ihm zähneknirschend zugestehen offenbar hatte mich das

System überstimmt und eigenständig den Zusatz „-uhrzeit“

nach „Beginn“ und „Ende“ eingefügt. Ich verfasste also eine

überfreundliche Replik, in der ich ihm für seinen wertvollen

Hinweis dankte. Seine ursprüngliche Nachricht beließ ich

dabei in dem Mail für meinen Seelenfrieden geringfügig

wie folgt modifiziert:

Hallo Herr F.,

Folgendes ist mit mir zufällig aufgefallen im neuen HR-Portal

Die die Wörter Beginnuhrzeit

und Endeuhrzeit entsprechen nicht der deutschen Sprache.

Leider fällt das Niemanden niemandem mehr bei Unternehmen

XY auf.

Wenn möglich, bitte ändern. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Mitarbeiter K.

Schtob!

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„Eins, zwei oder drei letzte Chance, vorbei und ob ihr wirklich

richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht“.

Die hochdeutsche Sprache und das Gespür dafür, wie man auf andere

Menschen wirkt, sind generell keine Stärken so mancher WienerInnen, aber

diese Kandidatin hätte selbst Mundl die Show gestohlen.

Das Gespräch war geprägt von urigen Geschichten und der Dialekt

so schlimm, dass ein Simultandolmetscher nützlich gewesen wäre.

„Ich bemühe mich immer, nicht auf die Kunden loszuschlagen, das können sie mir glauben.

Aber ich kann mich einfach nicht beherrschen, wenn jemand besonders lästig ist.“


EinE Echte Wienerin

im „Magic Theatre”


Die mächtige Deutsche Dogge setzte sich seelenruhig unter den

Schreibtisch der neuen Kollegin und ließ mal lautstark einen fahren.

Das niedliche Hündchen

anonym, IT/Software, 55 MitarbeiterInnen

Wir waren auf der Suche nach einer neuen Content Managerin bzw. einem neuen Content

Manager. Obwohl es viele BewerberInnen für den Job gab, genügte keine

von ihnen unseren Ansprüchen. Zuletzt erschien doch noch eine junge

Dame, die voll und ganz unserer Vorstellung entsprach. Nach Abschluss

des Bewerbungsgesprächs meinte die Kandidatin, dass es wohl kaum

Probleme gäbe, wenn sie auch ihr liebes Hündchen mit ins Büro

brächte, denn sie hätte gesehen, dass sich hier ja ohnehin einige

Vierbeiner tummelten.

Dazu sei gesagt, dass unser Chef ein begeisterter Hundenarr ist und

den Angestellten erlaubt, ihre Hunde in die Firma mitzubringen. Allerdings

vorausgesetzt, sie sind niedlich, gut erzogen, raufen, bellen und

beißen nicht. Somit gehörten damals zwei Zwergpudel, ein Dackel, ein

Pekinese und ein Golden Retriever zur Belegschaft.

Da wir sehr froh waren, eine ideale Bewerberin gefunden zu haben, boten

wir ihr den Job an, ohne weitere Fragen bezüglich ihres Hündchens

zu stellen. Alles schien in bester Ordnung, bis die neue Content Managerin

an ihrem ersten Arbeitstag erschien.

In ihrer Begleitung befand sich eine riesengroße ausgewachsene Deutsche

Dogge, deren Dimension eher einem Fohlen entsprach als einem Hund. Der

Anblick allein war schon furchteinflößend, und als beide das Großraumbüro

betraten, herrschte Totenstille. Alle Angestellten, allen voran die HundebesitzerInnen,

verharrten in einer Art Schockstarre und warteten gespannt

darauf, wie sich das Riesentier nun verhalten würde. Im Raum war es so leise,

dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Selbst die bereits heimischen

Hunde schienen sich ihr Hecheln zu verkneifen.

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Eine sehr wackere Arbeitskollegin fasste sich ein Herz, nahm allen Mut zusammen und führte die neue

Kollegin zu ihrem Arbeitsplatz. Noch immer war es im Raum mucksmäuschenstill.

Die mächtige Deutsche Dogge schlenderte gemütlich hinter ihrem Frauchen den Gang entlang, würdigte

weder die KollegInnen noch die anwesenden Hunde eines Blickes, setzte sich seelenruhig unter den

Schreibtisch der neuen Kollegin und ließ einmal lautstark einen fahren.

Das gesamte Team brach in schallendes Gelächter aus. Damit war der Bann gebrochen und wir näherten

uns, zwar noch etwas zaghaft, dem Riesentier, das sich als äußerst friedfertig und zutraulich entpuppte.

Alle schlossen es sofort ins Herz, und heute ist die Dogge mit den nicht zu überhörenden Verdauungsproblemen

der Liebling der ganzen Belegschaft.

Ungewollte Gehaltskürzung

anonym, Sanitär- und Heizungsgroßhandel, rund 740 MitarbeiterInnen

Im Großhandel geht es zu Jahresbeginn immer hoch her. Verstehen Sie mich nicht falsch: Nicht dass wir

sonst in unseren Büros Däumchen drehen und in Ermangelung alternativer Beschäftigung die umhersurrenden

müden Fliegen zählen würden. Weit gefehlt! Aber im Januar ganz besonders in diesem betreffenden

Januar sollten unsere Tage bestenfalls 48 Stunden haben. Wenn nicht sogar 72.

Unser jährliches Armageddon direkt nach der weihnachtlichen Gemütlichkeit ist natürlich keine Entschuldigung

für meinen peinlichen Fauxpas, aber ich glaube, Sie können mir meinen ungefähren Gemütszustand

nach zehn Marathontagen nachfühlen.

Nun möchte ich Sie auch gar nicht länger auf die Folter spannen: Ich habe doch tatsächlich einem

Mitarbeiter gleich um einige hundert Euro zu wenig ausgezahlt und diesen Irrtum auch erst viel zu

spät bemerkt. Als ich ihn dann entdeckte, konnte ich es im ersten Moment gar nicht fassen. Wie erstarrt

fixierte ich den Bildschirm, in der Hoffnung, meine Augen würden mich täuschen. Doch nichts passierte.

Die falsche Auszahlung wollte sich partout nicht von selbst korrigieren.

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Es gibt wenige Anrufe in meiner beruflichen Laufbahn, die mich mehr Überwindung gekostet haben.

Letztlich musste es aber sein: Ich fasste mir ein Herz und rief den betreffenden Mitarbeiter an, um

meinen Fehler zu beichten ganz nach dem Motto: Augen zu und durch. Innerlich rechnete ich mit dem

Schlimmsten. Schreien, Zetern, eine Meldung beim Chef alles war denkbar.

Und dann begann mein Gesprächspartner herzlich zu lachen. „Ach, das kann schon mal passieren, es

trifft ja wirklich keinen Armen“, konterte er. Mir fiel ein ganzes Felsengebirge vom Herzen und ich war

ausnahmsweise froh, dass sich eine Telefonleitung zwischen uns befand. Denn wäre er in diesem Moment

vor mir gestanden ich hätte ihn wohl spontan vor Erleichterung umarmt.

Familienstand: verliebt

Mag. Michaela Lackinger, Bauindustrie

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit in einem wunderschönen Land, da trug es sich zu, dass im

Königsschloss eine begehrte Stelle im Assistenzbereich zu besetzen war …

Warum ich diese Geschichte wie ein Märchen beginne obwohl es sich bei der Ausschreibung um ein

großes Unternehmen aus der Bauindustrie, also eine wirklich sehr technische Branche, handelte? Lesen

Sie selbst:

Nachdem ich eine entsprechende Anzeige für die betreffende Assistenzstelle lanciert hatte, erhielt ich

erwartungsgemäß rasch zahlreiche Bewerbungen. Einige Lebensläufe passten gut ins gesuchte Profil,

viele gar nicht, bei einzelnen fragte ich mich, ob den KandidatInnen wohl ein Irrtum bei der Auswahl der

gewünschten Position unterlaufen war kurz: Soweit lief alles ganz normal.

Doch dann sah ich mich plötzlich einem Traum in Rosa gegenüber: Eine 18-jährige Interessentin hatte mir

einen wunderschön gestalteten Lebenslauf klassisch ergänzt durch ein Anschreiben geschickt. Abgesehen

von der Zusammenstellung des Bewerbungsdossiers war ihre Bewerbung jedoch alles andere als

gewöhnlich. Die Unterlagen waren durchwegs in perfekt aufeinander abgestimmten und wohl nuancierten

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Rosaschattierungen gehalten. Darüber hinaus war

jede Seite mit fein geschwungenen, romantischen

Verzierungen versehen. Doch auch der Inhalt fiel

aus dem Rahmen: Als Familienstand war nicht

wie ich es mir in ihrem Alter eigentlich erwartet

hätte „ledig“ angegeben. Die junge Frau

definierte ihren Status vielmehr als „verliebt“.

Womit sich dann auch die Farbwahl und

die gesamte Gestaltung der Bewerbung

erklärt hätten.

Auch wenn es mir leidtat: Ich musste

dieser Bewerberin eine Absage erteilen.

Ich konnte einfach nicht sicher

sein, welche Auswirkungen es auf

ihren Gemütszustand und damit

auf ihre Leistungen beziehungsweise

auf ihr Verhalten hätte,

wenn sich ihr Beziehungsstatus

in „nicht mehr verliebt“

oder im schlimmsten Fall

„mit gebrochenem Herzen“

veränderte.

Ich wünsche ihr jedenfalls,

sie möge bis

ans Ende ihrer Tage

glücklich leben und

immer verliebt sein.

Ende

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Der Clou war nämlich, dass alle Muster mit erotischen Sujets versehen waren.

„Na gnädige Frau, sind Sie jetzt schockiert?“

Ein erotisches Vorstellungsgespräch

anonym, Sanitär- und Heizungsgroßhandel, rund 740 MitarbeiterInnen

Auf der Suche nach Verstärkung für unser Grafikteam freuten wir uns besonders über die Bewerbung

eines vielversprechenden, versierten Grafikers, den wir direkt zum Interview einluden.

Wie immer holte ich unseren Gast beim Empfang ab. Doch anstatt, wie sonst üblich, die Stiegen gemeinsam

und plaudernd hinaufzusteigen, schoss der Mann die Treppe hoch, blieb stehen, schaute hektisch

nach links und rechts und rief: „Und wohin jetzt?“. Noch immer wild um sich blickend, folgte mir der Herr

in unseren Besprechungsraum. Ich war doch sehr verwundert. Immerhin waren wir nicht auf Safari und

ein bevorstehender Angriff durch wilde Tiere war eher unwahrscheinlich.

Bereits während der Begrüßungs- und Vorstellungsrunde packte der Bewerber dann allerlei Schächtelchen

und Muster aus seinem geräumigen Aktenkoffer und sah mich dabei immer wieder herausfordernd

an. Der Clou war nämlich, dass alle Muster mit erotischen Sujets versehen waren. Plötzlich unterbrach er

sich selbst und fragte provokant: „Na gnädige Frau, sind Sie jetzt schockiert?“

Innerlich musste ich schmunzeln, nach außen blieb ich selbstverständlich ganz gelassen. Mit meinem

professionellsten Pokerface konterte ich: „Ich nehme doch an, dass es sich bei Ihren Mustern um grafische

Arbeiten aus Ihren vorangehenden Dienstverhältnissen handelt schließlich sind wir ja auch alle erwachsen,

nicht?“

Damit hatte der Herr ganz offensichtlich nicht gerechnet, denn er atmete zunächst einmal tief durch, um

sich zu sammeln. In Folge erklärte er mir nach wie vor aufgebracht, aber immerhin stets oberhalb der

Gürtellinie , dass er bis dato immer die Funktion des Art Director bekleidet hätte. Nun war er vom AMS

dazu gezwungen worden, sich als einfacher Grafiker zu bewerben. Er wollte uns wirklich nicht zu nahe

treten, aber es läge doch auf der Hand, dass das weit unter seiner Würde wäre.

Das konnte ich, mit einem inneren Lächeln, durchaus nachvollziehen, und mit den besten Wünschen

für seine Zukunft brachen wir das Gespräch an dieser Stelle ab. Ich hoffe sehr, dass er mittlerweile eine

adäquate Herausforderung für sich gefunden hat und danke ihm bis heute, dass er mir nicht, wie andere

BewerberInnen, seine Arbeitsproben im Büro lassen wollte.

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Big Boss is watching you

Sophie M., Kosmetikherstellung, rund 580 MitarbeiterInnen

Es ist schon einige Jährchen her, dass ich in einer internationalen Kosmetikfirma für die PR zuständig war.

Eines Tages bekamen wir einen neuen Firmenchef, der zackig und lautstark das Ruder in die Hand nahm.

Zugegeben, es hatte sich ein gewisser Schlendrian in der Firma eingeschlichen, was ihn wohl dazu veranlasste,

hart durchzugreifen. Noch bevor er die einzelnen MitarbeiterInnen kennengelernt hatte, eilte er von

einer Abteilung in die andere, um zu kontrollieren, ob auch wirklich fleißig gearbeitet wurde.

FaulenzerInnen hatten es schwer bei ihm. Wenn er nämlich einen Mitarbeiter beim Nichtstun ertappte,

brüllte er gleich ohrenbetäubend los. Offenbar war der neue Boss gemäß seiner Veranlagung ein hochgradiger

Choleriker. Daran mussten wir uns wohl noch gewöhnen.

Gerade damals gab es in unserer Abteilung höllisch viel zu tun und wir schufteten wie die Wilden. Jede/r

gab sein Bestes, denn das gesamte Team fürchtete die Zornesausbrüche des „Neuen“. Wir gönnten uns

nicht einmal mehr eine Mittagspause, sondern bestellten unser Essen ins Büro. Meistens war es nur eine

Pizza, die wir zwischen Planung und Umsetzung der Projekte schnell in uns hineinstopften.

Es ergab sich, dass der junge Mann vom Pizza-Service gerade lässig an der Türe lehnte und auf sein Geld

wartete, als der Chef hereinkam und ihn in gewohnter Weise anbrüllte:

„Was stehen Sie da so herum, haben Sie nichts zu tun?“

Der Bote war so verschreckt, dass er sogar darauf vergaß, zu kassieren, und sich schleunigst verdrückte.

Als er weg war, wollte der Chef von mir wissen, welche Tätigkeit denn der faule Kerl, der hier so träge herumlungerte,

in unserer Abteilung ausübte. Ich konnte mir ein breites Grinsen nicht verkneifen und sagte:

„Der hat uns eben die Pizza gebracht.“ Erstaunlicherweise kam kein Ton von den Lippen unseres sonst so

hitzköpfigen Chefs. Er schaute mich nur sekundenlang starr an und brach dann plötzlich in donnerndes

Gelächter aus. Da die gesamte Abteilung mit ihm zu lachen begann, glätteten sich allmählich die Wogen

und er bekam zunehmens Vertrauen in unseren Fleiß und unser Engagement.

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Geschichten aus dem Assessment-Center

Toni Kronke, Teach For Austria

Ein Assessment-Center ist für alle Beteiligten ein anstrengender Prozess. Man versucht daher als RecruiterIn,

Abwechslung und neue Methoden einzubringen. Besonders beliebt sind dabei Rollenspiele. Teach For

Austria setzt dieses Instrument verstärkt im Assessment-Center für das Fellow-Programm ein. Hier werden

vielversprechende HochschulabsolventInnen und Young Professionals rekrutiert und zum Assessment

eingeladen. Zu den verschiedenen Übungen, bei denen die Kompetenzen und Fähigkeiten der BewerberInnen

eingeschätzt werden, gehört die sogenannte „Lehrprobe“, die sich bei uns zu einem wirklich beliebten

Werkzeug entwickelt hat: Die BewerberInnen bekommen ein Thema, das sie zu Hause vorbereiten können.

Für den Auftritt haben sie dann sieben Minuten Zeit, um das vorgegebene Gebiet in einem Rollenspiel

überzeugend darzustellen. Der Kandidat ist für diesen Zeitraum der Lehrer und alle anderen BewerberInnen,

inklusive des gesamten Recruiting-Teams, sind seine SchülerInnen.

Die KandidatInnen sind immer mit Begeisterung bei der Sache, und auch für das Recruiting-Team ist die

Lehrprobe ein wichtiger Indikator. Innerhalb dieser sieben Minuten kann das Auswahl-Team bereits sehr

aussagekräftige Beobachtungen machen und Kompetenzen messen. Jedenfalls haben wir meistens viel

Spaß bei unserem „Magic Theatre“, denn es ergeben sich immer wieder überraschende und komische

Situationen.

Der Fahrrad-Lehrer

Ein Bewerber wählte das Thema „Mechanik“ für seine Rolle als Lehrer aus. Wie alle, hatte auch er die Möglichkeit,

seine siebenminütige Präsentation zu Hause vorzubereiten. Am nächsten Tag erschien er, tadellos

im Anzug, mit einem Fahrrad auf der Schulter, zum Termin.

Was dann folgte, war für uns alle ein Riesenspaß. Denn der junge Mann hatte den Mut, sich ausgerechnet

die Hauptverantwortliche des Assessment-Centers für seine Vorführung auszusuchen. Mit den Worten

„Komm bitte nach vorne und fang einmal an, in die Pedale zu treten!“ gab er die erste Arbeitsanweisung.

Dazu sei gesagt, dass wir uns während der Lehrprobe duzen, um das Rollenspiel „Lehrer und Schüler“

glaubhafter zu machen.

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„Eins, zwei oder drei letzte Chance, vorbei und ob ihr

wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht.“

Die Leiterin des Assessment-Centers musste sich also auf das Fahrrad setzen und sieben Minuten lang

strampeln mal langsamer, mal schneller. Das war wirklich sehr anstrengend für die Kollegin, zumal ihr

Outfit für diese sportliche Aktivität eher unpassend war und sie mit ihrem engen Business-Kostümchen

zu kämpfen hatte. Aber sie bewahrte Haltung und ließ sich nichts anmerken. Unser Bewerber erklärte

währenddessen geschäftig die Mechanik des Fahrrades, auf dem unsere AC-Leiterin schwitzend und

keuchend ihre Runden drehte.

Die Ärmste musste ganz schön arbeiten, während sich das gesamte Team in Selbstbeherrschung übte

einige unterdrückte Gluckser ließen sich trotzdem nicht vermeiden. Verstehen Sie das bitte nicht falsch,

die Kollegin ist überaus beliebt, aber die Situation war wirklich zu komisch.

Der Kandidat wurde schließlich für seinen Mut und seine Gelassenheit mit einer Einladung zum

Fellow-Programm belohnt.

Wenn das Licht angeht

Sie erinnern sich sicher an die Kindersendung mit dem berühmten „Eins, zwei oder drei letzte Chance,

vorbei und ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht“. Hier mussten Kinder immer aus

drei möglichen Antworten die richtige finden und sich für das entsprechende, auf dem Boden markierte

Feld entscheiden. Das Feld mit der korrekten Antwort wurde dann hell erleuchtet, und wer richtig stand,

bekam einen Ball. Wer die meisten Bälle gesammelt hatte, wurde Sieger. Genau nach diesem Prinzip hat

uns einmal ein Kandidat massiv herausgefordert.

In seiner Rolle als Lehrer stellte er uns „SchülerInnen“ drei Fragen aus den diversen Wissensgebieten. Für

die korrekte Antwort wurde uns eine Belohnung in Aussicht gestellt. Wir alle waren mit Begeisterung dabei

und bemühten uns sehr, die zutreffende Antwort zu finden. Sie werden es nicht glauben, aber diesem

jungen Mann ist es gelungen, sogar uns alte Hasen so zu motivieren, dass wir uns wie die kleinen Kinder

für das Spiel begeisterten und uns über die richtigen Antworten riesig freuen konnten. Er hat es geschafft,

dass zahllose Menschen in Anzügen und Business-Kostümen durch den Raum sprangen, um ja rechtzeitig

auf dem richtigen Feld zu stehen, wenn das Licht anging.

Er ist ebenfalls ins Fellow-Programm aufgenommen worden und jetzt bereits seit einigen Jahren Teil des

Organisationsteams.

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Achtung, fertig, Feuer!

Man kann nicht vorsichtig genug sein, denn es ist immer wieder überraschend, auf welch kreative Ideen

KandidatInnen manchmal kommen. Im vergangenen Jahr hat eine Kandidatin das Thema „Wärmelehre“

wörtlich genommen und wollte uns mittels eines Experiments die Kraft der Wärme vorführen. Bei diesem

Versuch ging es darum, ein Ei in eine Flasche zu versenken praktisch wurde es jedenfalls sehr warm.

Bei ihrem Experiment erhitzte die Kandidatin das Innere der Flasche, indem sie ein überdimensionales

Streichholz hineinwarf. Das Ei wurde in die Flasche gezogen und es entwickelten sich Rauchschwaden,

die bis zur Decke hinaufstiegen. Das Auswahlteam kam mächtig ins Schwitzen, und eine Recruiterin riss

nervös das Fenster auf. Die Kandidatin ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und beendete souverän

ihr Experiment. Wir hatten schon die Befürchtung, dass der Feueralarm ausgelöst würde. Das wäre einer

Katastrophe gleichgekommen, denn unser Büro ist nicht nur mit Rauchmeldern ausgestattet, sondern

verfügt zudem über eine recht sensible Sprinkleranlage. Das bedeutet, dass im Fall einer starken Rauchentwicklung

es muss nicht einmal ein offenes Feuer sein 300 Liter Wasser aus den Düsen schießen.

Wir hatten Glück, dass wir dieses Mal nicht nass wurden, aber es war knapp.

Seither schreiben wir in unsere Einladungen zum Assessment-Center explizit hinein, dass es nicht erlaubt

ist, während der Präsentation mit offenem Feuer zu hantieren.

Eine echte Wienerin geht manchmal unter

anonym, Papierindustrie, rund 150 MitarbeiterInnen

Menschen, die nicht aus Ostösterreich kommen (besonders Deutsche), haben oft ein etwas verklärtes Bild

von „echten“ WienerInnen. Sie stellen sich den Wiener/die Wienerin sehr gemütlich (um nicht zu sagen

faul), aber vor allem herzlich und sympathisch vor. Als jemand, der tatsächlich in Wien aufgewachsen ist,

weiß man, dass die Tourismusbranche sich viel Mühe gegeben hat, solche Lügen zu verbreiten. Am besten

wird die Wiener Seele von „Mundl“ in der Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ dargestellt eine

Fernsehproduktion, die für WienerInnen das Alltagsleben abbildet, von allen anderen Menschen aber eher

als groteskes Psychodrama gesehen wird.

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Ein wahrer Mundl würde am Arbeitsplatz also nicht gerade zu einer positiven und motivierenden

Atmosphäre beitragen. Dass Menschen dieser Art bei einem Bewerbungsgespräch keinen sonderlich

guten Eindruck machen, ist daher anzunehmen.

Selbst bei einem Industrie-Unternehmen, das nun wirklich nicht von allen MitarbeiterInnen verlangt,

top gestylt und ein rhetorisches Genie zu sein, wird ein Mindestmaß an wertschätzendem Umgang mit

anderen Menschen vorausgesetzt. Dennoch tauchen manchmal BewerberInnen auf, die den Alltag einer

Recruiterin ordentlich durcheinanderbringen.

Eines Tages erschien eine Kandidatin zum Bewerbungsgespräch, deren Ausdrucksweise und Artikulation

darauf schließen ließen, dass sie wohl noch nie die Grenzen ihres Heimatbezirks verlassen hatte. Die

hochdeutsche Sprache und das Gespür dafür, wie man auf andere Menschen wirkt, sind generell keine

Stärken der WienerInnen, aber diese Kandidatin hätte selbst Mundl die Show gestohlen. Das Gespräch

war geprägt von urigen Geschichten und der Dialekt so schlimm, dass ein Simultandolmetscher nützlich

gewesen wäre.

Um das Gesamtbild abzurunden, wäre statt eines Glases Wasser wohl eine Dose Ottakringer Bier das

passendere Getränk gewesen. Es war sehr schnell klar, dass sie nicht in ein Team passen würde, in dem

niemand ihre Sprache sprach. Obwohl also schon sicher war, dass sie hier keine Anstellung finden würde,

kam die Frage auf, warum sie ihren letzten Arbeitgeber verlassen hätte. Die Antwort darauf sagte mehr

über sie aus als das gesamte Gespräch davor:

„Jo, des hot mit mein Chef ned funktioniert, er hot gsogt, i hob an bladn Oasch in meiner Leggins.“

Der Bewerbungskrimi

Barbara Yiangou, Personaldienstleistung, rund 1.300 Mitarbeiter

An und für sich kann ich von mir behaupten, über eine sehr gute Menschenkenntnis zu verfügen.

Irren ist jedoch menschlich, wie folgende Geschichte beweist.

Ein Telekommunikationsanbieter hatte mich beauftragt, eine/n Shop-MitarbeiterIn zu rekrutieren.

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Dazu muss man sagen, dass es sich dabei nicht um eine klassische Einzelhandelsposition handelte, bei

der man nur an der Kassa sitzt, sondern um aktiven Verkauf, Beratung, Kundenbetreuung und natürlich

auch um Reklamations- und Beschwerdemanagement.

Bereits der erste Bewerber war mir überaus sympathisch, und ich war davon überzeugt, den Richtigen für

die besagte Position gefunden zu haben. Beim Telefonscreening war er sehr begeistert sowie im persönlichen

Gespräch überaus bemüht und überzeugend. Er betonte mehrmals, wie gut er mit KundInnen

umgehen könnte, wie kommunikativ, belastbar und stressresistent er wäre.

Als ich gegen Ende des Bewerbungsgesprächs die Rahmenbedingungen wie Gehalt, Arbeitszeiten etc.

mit ihm durchging, kamen wir auch zur Frage, ob es bei ihm zeitliche Einschränkungen gäbe. Die Antwort

lautete: Ja, jeden Dienstag und Donnerstag müsste er spätestens um 18:00 Uhr den Shop verlassen. Mein

erster Gedanke war, dass er eine Abendschule besuchte, und ich war hin und weg vor Begeisterung über

so viel Ehrgeiz. Als ich genauer nachfragte, erwiderte er: „Naja, da habe ich immer meine Therapie.“

Wird vermutlich eine Physiotherapie sein, dachte ich.

Was dann weiter folgte, war allerdings überraschend. Mit herzerfrischender Offenheit erzählte der Bewerber,

dass ihn ein Richter dazu verdonnert hätte, zweimal in der Woche zur Aggressionsbewältigungstherapie

gehen zu müssen. Er wäre zwar ein gutmütiger Mensch, schlüge jedoch gerne mal zu, wenn er zu sehr

gereizt würde. Meine anfängliche Begeisterung schmolz dahin wie Schnee im Frühling.

Wie konnte er sich nur um eine Stelle mit laufendem Kundenkontakt bewerben? Der Kundenkontakt erfordert

einerseits Geduld, andererseits Vermittlungsgeschick und bringt mit Sicherheit genervte, herausfordernde

und oftmals auch anstrengende KundInnen mit sich.

Mein Gegenüber jedoch hatte sichtlich nicht die geringsten Bedenken. Seelenruhig gab er von sich: „Ich

bemühe mich immer, nicht auf die KundInnen loszuschlagen, das können sie mir glauben. Aber ich kann

mich einfach nicht beherrschen, wenn jemand besonders lästig ist.“

Ich hatte Visionen von wilden Prügeleien im Shop, von Polizeisirenen und flüchtenden KundInnen.

Fieberhaft begann ich zu überlegen, wie ich diesen Kandidaten loswerden könne, ohne ihn zu reizen.

Wider Erwarten verabschiedete er sich ohne weitere Komplikationen.

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Er erklärte spitzbübisch lächelnd, dass er kein Problem

damit hätte, künftig auch in Frauenkleidern zu erscheinen.

Mutter Courage und ihre MitarbeiterInnen

anonym, Energie, rund 1.100 MitarbeiterInnen

Mutter zu sein und Kinder zu haben kann nicht nur eine große persönliche Bereicherung sein, manchmal

lernt man auf diesem Weg auch die nötigen Soft Skills für den Berufsalltag. Den Sorgen und Ängsten der

MitarbeiterInnen muss eine Personalleiterin genauso entgegenkommen wie eine Mutter den Ängsten

ihrer Kinder: mit Empathie und Konfliktlösungsstärke. Die Ängste der KollegInnen sind dabei manchmal

mindestens so irrational und unbegründet wie die des Nachwuchses.

Wenn ich von meiner Sekretärin aus einer Strategiekonferenz geholt werde, weil ein Mitglied des Betriebsrats

in meinem Büro steht, gehe ich grundsätzlich vom Schlimmsten aus. In diesem Fall bekräftigte mich

außerdem noch die bitterlich weinende Mitarbeiterin in meiner Annahme. War sie Opfer von Mobbing

geworden? Oder sexueller Belästigung? War in ihrer Familie eine Tragödie passiert? Die Mitarbeiterin aus

der Poststelle stand jedenfalls kurz vor dem Nervenzusammenbruch und verbrauchte ein Taschentuch

nach dem anderen. Als ich sie mithilfe von Kaffee und beruhigenden Worten zur Ruhe gebracht hatte,

konnte ich sie schließlich fragen, was denn geschehen wäre. In diesem Moment rechnete ich mit allen

möglichen Antworten und war auf das Schlimmste gefasst. Nur nicht darauf:

„Ich habe Angst. So große Angst. Vor Ebola!“

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Auch wenn die Ebola-Epidemie zu dieser Zeit in den Medien allgegenwärtig war, verschlug es mir doch für

einige Sekunden die Sprache. „Wenn jetzt Post aus Afrika kommt?“, fuhr sie fort.

Ich unterdrückte die Frage, wie oft sie denn überhaupt Post aus Afrika erhielte, und besann mich darauf, ihr

die Angst zu nehmen. Ein Kind, das Angst hat, zu fragen, wie oft es denn überhaupt schon von einem Hund

gebissen worden sei, führt schließlich auch nicht zum Ziel. Es ist besser, man führt das Kind langsam an

den Hund heran und zeigt ihm, dass er ganz harmlos ist.

In diesem Sinne versuchte ich der Mitarbeiterin zu erklären, dass Erreger auf Briefpapier nie lang genug

überleben könnten. Das half allerdings auch nicht. Das Kind steht direkt vor dem Hund und hat Angst, ihn

anzugreifen. Erst als die leitende Sicherheitsfachkraft mit Einmal-Mundschutz, Einmal-Handschuhen und

einer Flasche Desinfektionsspray ausgerüstet ins Büro kam, fühlte sich die Kollegin wieder sicher.

Schlussendlich war die Betriebsrätin glücklich darüber, wie MitarbeiterInnen hier betreut werden, die

Kollegin war erleichtert, gegen Ebola gewappnet zu sein, und ich konnte zufrieden zu meiner Strategie-

konferenz zurückkehren. Der nächste Hund würde dem Kind keine Angst mehr einjagen.

Damen unter sich

anonym, Bekleidungsindustrie, rund 580 MitarbeiterInnen

Seit einigen Jahren bin ich in einem Unternehmen tätig, das Damenmoden designt und herstellt. Hier

habe ich die Erfahrung gemacht, dass es in der Modebranche ein wenig anders zugeht als in anderen

Wirtschaftssparten. Unser durchwegs weibliches Personal ist salopper, lockerer und vielleicht auch ein

wenig ausgeflippter als anderswo. Aber genau wie in anderen Branchen geht das Recruiting Hand in Hand

mit einigen Herausforderungen, wie mir wieder einmal folgende Begebenheit bewies.

Unsere langjährige Administrationsleitung war in Pension gegangen und wir suchten einen passenden

Ersatz für sie. Sie war eine so ruhige Frohnatur, ein Urgestein im Unternehmen und sozusagen die Mutter

aller Angestellten. Es liegt auf der Hand, dass wir aufgrund der Beschaffenheit unseres Teams und der

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Rolle der Vorgängerin gerne eine weibliche Mitarbeiterin gehabt hätten, aber wie es das Schicksal so will,

waren primär männliche Bewerbungsschreiben passend.

Wir hatten also unsere Vorauswahl getroffen und bestellten einige der Herren zum mündlichen Bewerbungsgespräch.

Als unsere langgediente Administrationsdame, eine überzeugte Feministin, die Männerschar

in Empfang nahm, war sie nicht sonderlich erfreut und hatte auch keine Skrupel, ihren Unmut

zu zeigen. Sie kündigte den jeweiligen Aspiranten mit säuerlichem Gesicht und deutlich abweisender

Stimme an. Als ich ihr daraufhin nahelegte, doch etwas freundlicher zu sein, um die armen Männer nicht

gleich zu verschrecken, setzte sie beim nächsten Bewerber ihr liebenswürdigstes Lächeln auf und verkündete

lautstark: „Schon wieder keine Dame.“

Der vorstellige Herr war sichtlich nicht auf den Kopf gefallen und durchschaute sofort den Hintersinn

dieser Ankündigung. Er war zwar etwas verwundert, nahm es jedoch mit Humor und erklärte spitzbübisch

lächelnd, dass er kein Problem damit hätte, künftig auch in Frauenkleidern zu erscheinen.

Er hätte noch einige sehr hübsche Designerkleider in seinem Kasten.

Es wurde mäuschenstill, und die unausgesprochene Frage stand deutlich im Raum: „Wieso Frauenkleider,

kann es sein, dass dieser smarte Herr privat Damenroben trägt?“ Als Mann von Welt und Frauenversteher

erkannte er jedoch sofort, was in unseren Köpfen vor sich ging und dass er gewaltig missverstanden wurde.

Indem er seinen ganzen Charme spielen ließ und uns bezaubernd anlächelte, fügte er schnell hinzu,

dass er die Kleider, die ihm seine geschiedene Frau hinterlassen hatte, normalerweise nicht trüge, aber uns

zuliebe eine Ausnahme machen würde.

Wir waren von seinem Humor und der lockeren Art, die er in einer sichtlich angespannten Situation bewies,

so begeistert, dass wir ihn in die engere Bewerberauswahl nahmen. Und siehe da, bis dato arbeitet

er in unserer frauendominierten Buchhaltungsabteilung, und alle Kolleginnen liegen ihm zu Füßen.

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39


Jeden Tag über eine Stunde vom 23. in den 22. Bezirk fahren zu müssen das ist doch

menschenunwürdig, habe ich auf der Website von Human Rights Watch nachgelesen!

No, damn it! I fell for it!

Wir haben Büros ohne Fenster, are u kidding?

Umgehend wurde unser sonst so seriöses Besprechungszimmer zumindest

in olfaktorischer Hinsicht in ein Altwiener Beisl verwandelt.

„Ich verspreche Ihnen, wenn ich den Job bekomme,

bringe ich jede Woche einen Kuchen mit.“


Kugelblitz streift

Überraschungsei


Das ist doch menschenunwürdig, habe ich auf der

Website von Human Rights Watch nachgelesen!

Gewerbliche Heimatliebe

Daniela Schmid, Eckes-Granini Austria GmbH

Blindbewerbungen sind ein bisschen wie Überraschungseier. Man weiß nie, ob eine langweilige Figur oder

etwas Spannendes zum selbst Zusammenbauen enthalten ist. Solche Initiativen sind in unserem Alltag

aber auch nichts Ungewöhnliches und können durchaus positive Überraschungen bringen. Einige der besten

MitarbeiterInnen haben so schon eine Chance in einem Unternehmen erhalten. Die Erfahrung zeigt

also, man sollte immer offen für alles sein.

Als uns wieder einmal eine Initaitivbewerbung erreichte, war ich entsprechend neugierig und hatte natürlich

insgeheim die Hoffnung, dass uns damit vielleicht ein Rohdiamant ins Haus flatterte. Doch leider

holte mich gleich auf den ersten Blick die Realität ein: Es war nämlich eine handgeschriebene Bewerbung.

Was zwar per se noch nichts über den Inhalt sagt, aber im 21. Jahrhundert wirklich mehr als ungewöhnlich

und gar nicht mehr State of the Art ist. Doch man weiß ja nie. Es könnte sich trotzdem um die zukünftige

Verkaufsmaschine oder eine überdurchschnittlich gute Produktmanagerin handeln.

Das Anschreiben war kurz und knapp, und der Bewerber, ein 37-jähriger Mann, bot sich für allerlei Positionen

an. Von der Bürokraft bis zum Staplerfahrer würde er alles können und auch alles machen. Aha, ein

Multitalent also. Die zweite Seite war dann aber doch eine Überraschung. Mir fielen nicht, wie erwartet,

Zeugnisse oder detailliertere Bewerbungsunterlagen in die Hand. Nein, ein weiterer Brief, ebenfalls in

der typischen Schülerhandschrift gehalten, mit einem Loblied auf das Gewerbegebiet in Zwettl, lag der

Bewerbung bei. Eine akribische Auflistung, wie viele Einwohner Zwettl zählte und welche renommierten

Unternehmen sich nicht schon dort angesiedelt hätten.

Aber damit nicht genug. Auch in Langenlois gäbe es ein tolles Gewerbegebiet, das schon zahlreiche

Firmen nützten. Alles in allem war diese Hymne auf das Gewerbegebiet mehr als doppelt so ausführlich

wie die eigentliche Bewerbung. Ich bekam den Eindruck, dieser Herr hätte gerne gehabt, dass wir unseren

Firmenstandort mehr in seine Nähe verlagerten. Denn er stammte aus dem Bezirk Krems und da sind

Zwettl oder Langenlois entschieden näher.

Unnötig zu bemerken, dass wir diesen Bewerber zu keinem Interview eingeladen haben. Wer weiß, was er

uns erst in einem persönlichen Gespräch hätte verkaufen wollen.

42


Wohnadresse Möbelhaus

Barbara Yiangou, Personaldienstleistung, rund 1.300 Mitarbeiter

Manche Menschen fangen als frühe Vögel stets den Wurm während bei anderen zu solch unchristlicher

Stunde einfach der Wurm drin ist. Das ist nicht zuletzt durch regelmäßige Studien zu Nachteulen, Lerchen,

Dodos und wie sie alle heißen sogar hinlänglich wissenschaftlich belegt. Auch in der beruflichen Praxis

haben wir sicher alle mindestens einen dieser Kollegen, der vor der ersten lebensnotwendigen

Kaffeeinjektion einer tickenden Zeitbombe gleicht und unter keinen, wirklich keinen

Umständen direkt angesehen werden darf die sagenumwobene Medusa wäre

alles andere als erfreut über die harte Konkurrenz. Apropos Sagen: Im Fall unseres

morgenmuffeligen Kollegen erzählt man sich, es hätte einmal eine besonders

unbekümmerte Mitarbeiterin die Waghalsigkeit besessen, den Betreffenden

am Weg zur Kaffeemaschine mit einem verbalen Anliegen zu konfrontieren.

Sie ward nie mehr gesehen.

Schnarrrch!

Um nicht als reißerische Schlagzeile in einer journalistisch fragwürdigen Gratis-Tageszeitung

zu enden, benötigen prädestinierte Nachteulen im Unternehmensalltag

also praktikable Bewältigungsstrategien: Von bis mittags gleitenden

Arbeitszeiten bis hin zu Power-Naps auf der Toilette ist alles dabei. Vermutlich

wurden auch Coffee-to-go-Becher genau aus diesem Grund erfunden. Einem findigen

Bewerber ist es allerdings gelungen, mich als erfahrene Personalmanagerin

mit einer noch nie dagewesenen Taktik zu überraschen:

Er wurde für eine Position im Einzelhandel vorstellig, und ich stellte ihm die obligate Frage, warum er

sich gerade für diese Stelle interessierte. Die im Lebenslauf angeführte Stärke „Ehrlichkeit“ musste ich daraufhin

nicht mehr hinterfragen, denn der junge Mann antwortete rundheraus, der Standort käme ihm so

gelegen. Ich habe offenbar recht verdattert ausgesehen, denn er setzte sofort nach: „Bei meinem letzten

Arbeitgeber war das die reinste Katastrophe, wissen Sie. Stellen Sie sich vor, ich musste jeden Tag über eine

Stunde vom 23. in den 22. Bezirk fahren und das in aller Herrgottsfrüh! Das ist doch menschenunwürdig,

habe ich auf der Website von Human Rights Watch nachgelesen! Zum Glück habe ich schnell einen Weg

gefunden, wie ich meine Frühdienste zumindest halbwegs angenehm gestalten konnte ...“

43


Daraufhin lachte er verschmitzt und begann zu erzählen mit jedem Satz wurden meine Augen größer

vor Staunen:

Er war in einem bekannten Möbelhaus tätig gewesen, das um sieben Uhr seine Türen öffnete. Kalkulierte

man die Stunde Wegzeit ein, hätte er also um 5.45 Uhr allerspätestens das Haus verlassen müssen ein

Ding der Unmöglichkeit für einen Langschläfer aus Leidenschaft wie ihn! Eines Abends startete er daher

einen tollkühnen Feldversuch: Als alle anderen VerkäuferInnen bereits in den wohlverdienten Feierabend

gegangen waren, verschanzte er sich im Möbelhaus und verbrachte die Nacht dort.

In der Früh schlüpfte er klammheimlich auf die Kundentoilette, absolvierte dort seine Katzenwäsche

und war danach als erster am Arbeitsplatz, jeden Tag. Bei den KollegInnen hätte ihn das nicht besonders

beliebt gemacht, feixte er, aber seine heilige Nachtruhe wäre ihm das allemal wert gewesen.

Offenbar wurde ihm erst in diesem Moment bewusst, dass er sich mit seiner leutseligen Offenheit für die

aktuelle Position eventuell keinen Gefallen getan hatte, denn er versicherte rasch, dass er keineswegs die

Absicht hätte, seine ungewöhnliche Schlafpolitik bei uns zu wiederholen.

Nichtsdestotrotz blieb bei mir ein leiser Zweifel zurück, ob er nicht doch eines Tages unseren Shop zu einem

Biwak umfunktionieren würde, und so musste ich seine Bewerbung höflich, aber bestimmt ablehnen. Ich

möchte mir nicht vorstellen, wie einer unserer Kunden reagieren würde, wenn er plötzlich statt der neuesten

Smartphones einen selig schlummernden, leise schnarchenden Verkäufer im Regal entdeckte …

der Aprilscherz

Recruiting-Team einer Wirtschaftskanzlei in Frankfurt, rund 950 MitarbeiterInnen in Deutschland

Man sollte niemals die Kreativität in einer Recruitment-Abteilung unterschätzen. Wir sind durchaus für

den einen oder anderen Scherz zu haben und spielen manchmal sogar selbst kleine Streiche. Ganz besonders

gut gelungen ist uns das im April 2015, wie man an den doch sehr unterschiedlichen Reaktionen

sehen kann. Wir hatten jedenfalls viel Spaß.

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Mail versendet von Recruitment am 1.4.15

Liebe alle,

wir sind derzeit in der Planung für die Belegung des neuen Bürogebäudes.

Wir haben noch einige wenige Einzelbüros (teilweise jedoch ohne Fenster) zu

belegen. Gerne können Sie sich bei uns für ein solches Büro anmelden. Da

es von den Einzelbüros nur noch wenige gibt, werden diese nach dem Prinzip

„first come, first served“ vergeben.

Für MitarbeiterInnen, die hervorragende Leistungen zeigen, wird es möglich

sein, bevorzugt ins Auswahlverfahren zu kommen. Die Entscheidung über die

tatsächliche Vergabe der Büros trifft das Management nach Abschluss des

Geschäftsjahres.

Für weitere Informationen können Sie sich gerne unter den folgenden Durchwahlen

melden:

- 347 (allgemeine Informationen zum Verteilungsverfahren)

- 341 (Büros mit Fenster - nur begrenzt verfügbar!)

- 384 (Büros ohne Fenster)

Beste Grüße

Ihr Recruitment Team

Die Antworten:

(E-Mail nach vorangegangenem Telefonat, wie die Bewerbung eingereicht werden soll)

Liebe xxx,

wie eben besprochen mein aktueller CV mit Foto für die „Bewerbung“ um ein

Einzelbüro mit Fenster.

Viele Grüße

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No, damn it! I fell for it!

Wir haben Büros ohne Fenster, are u kidding?

(E-Mail von einem Frankfurter Mitarbeiter, der gerade auf einem Mandat im Münchner Büro arbeitete, an

seinen Frankfurter Teamkollegen)

Sollen wir uns hierfür auch anmelden oder regelt unser Partner das für unser

ganzes Team?

Gruß

Liebe Frau xxx,

wir melden uns gerne für ein Büro ohne Fenster.

Als Real-Estate-Abteilung nehmen wir dann den Umbau selbst in die Hand.

Beste Grüße aus dem Fachbereich 50 (Real Estate)

Dear xxx,

please consider me in the lottery for a single office with a window if possible.

Sincerely

10 Minuten später, gleicher Mitarbeiter:

No, damn it! I fell for it! :)

Sincerely

Wir haben Büros ohne Fenster, are u kidding?

20 Minuten später, gleiche Mitarbeiterin:

OMG; es ist 1. April ;)

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Hallo Frau xxx,

ich würde möglichst um ein Einzelbüro mit Fenster bitten.

Herzlichen Dank und viele Grüße

Liebe xxx,

bedeutet das, dass es im neuen Gebäude standardmäßig 2-Personen-Büros

gibt?

In dem Fall bewerbe ich mich auch für ein Einzelbüro (egal ob mit oder ohne

Fenster).

Beste Grüße

xxx

Liebe xxx,

ich würde mich gerne für ein Einzelbüro, allerdings nur mit Fenster, bewerben.

Liebe Grüße

E-Mail an den Operations Manager:

xxx, warum so ein Schnellschuss? Damit senden wir nur seltsame Botschaften.

Ich dachte, wir wollten in Ruhe die nächsten Coms-Schritte planen.

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Eine Bewerbung wie aus dem Schulheft

anonym, Einzelhandel, rund 4.000 MitarbeiterInnen

Wenn man bei einer großen Einzelhandelskette im Recruiting tätig ist, bekommt man immer wieder allerhand

„interessante“ Bewerbungen auf den Tisch. So ging es auch mir, als ich noch in dieser Branche tätig

war. Nie vergessen werde ich jedoch eine ganz besonders kreative Bewerbung für eine geringfügige Stelle,

die alle anderen in den Schatten stellte.

Die gesamte Bewerbung bestand aus einem einzelnen Zettel, der aus einem Schulheft herausgerissen war.

Das war eindeutig am Korrekturrand an der Seite erkennbar. Und ja, das Blatt war einfach herausgerissen

worden der linke Rand war noch ganz ausgefranst. Es fehlte nur, dass der

Deutschlehrer mit Rotstift die (definitiv vorhandenen) grammatikalischen

und stilistischen Fehler angezeichnet und mit Kommentaren im Korrekturbereich

versehen hatte. Oder war das etwa meine Aufgabe in diesem

Szenario?

Wie dem auch sei. Überraschend war jedenfalls nicht nur die Form des

Schreibens, auch der Inhalt war, naja, gelinde gesagt, sehr ehrlich. Zu

lesen stand da nämlich, dass die Bewerberin ganz dringend Arbeit

suchte, weil sie und ihr Mann gerade ein Haus bauten und für die

Finanzierung dieses Vorhabens ein weiteres Einkommen benötigten.

Allerdings wollte sie explizit nur eine geringfügige Stelle annehmen

das betonte sie besonders. Grund dafür waren allerdings keine Kinder

oder andere familiäre Verpflichtungen. Nein, sie würde andernfalls

schlicht ihren Anspruch auf Notstandshilfe verlieren.

Wie man sich vorstellen kann, kam diese Dame um Haaresbreite

nicht in die engere Auswahl. Und auch ich bin meiner Berufswahl

treu geblieben und habe nicht ins Lehrfach gewechselt. Wobei es

mir beileibe keine großen Schwierigkeiten bereitet hätte, diese

„Hausaufgabe“ zu benoten.

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das hochprozentige Interview

Manuela Vorwerk, Chemie, rund 450 MitarbeiterInnen

Eine Zeitlang waren wir intensiv auf der Suche nach Fachkräften für den Tiefbau. Gemeinsam mit einem

Kollegen hatte ich zahllose Bewerbungen geprüft und schließlich auch Vorstellungsgespräche geführt.

Eines Tages, kurz bevor wieder ein Bewerber zu uns kam, plauderten wir über den vergangenen Tag. Mein

Kollege erzählte, dass er nach der Arbeit noch mit der Abteilung unterwegs war. Es schien ein sehr lustiger

Abend gewesen zu sein, der wie es sich manchmal netterweise ergibt, wenn man eigentlich vorhat, zeitiger

zuhause zu sein eben etwas länger dauerte. Und so wurde ausgelassen das Afterwork gefeiert und

das eine oder andere Gläschen auch über den Durst getrunken. Nun gut, beschwingt durch den netten

Plausch warteten wir gut gelaunt auf unseren Kandidaten.

Als der Bewerber kam, gingen wir ins Besprechungszimmer und, oh wie peinlich, es breitete sich ein

wirklich intensiver Alkoholgeruch im Raum aus. Umgehend wurde unser sonst so seriöses Besprechungszimmer

zumindest in olfaktorischer Hinsicht in ein Altwiener Beisl verwandelt. Wir führten das Gespräch

natürlich gewohnt professionell weiter, aber ich konnte an nichts Anderes denken, als daran, wie peinlich

es doch war, dass der Kollege, der am Vortag unterwegs gewesen war, immer noch eine Alkoholfahne

hatte. Aber was soll’s, da musste ich jetzt durch. Wir führten also das Gespräch bei möglichst flacher

Atmung zu Ende, der Bewerber ging und ... das verräterische Aroma mit ihm.

OMG!

Daraufhin wurde die Situation für mich klar und ich sagte zu meinem Kollegen: „Also, ich hatte den

Eindruck, dass der Bewerber nach Alkohol roch.“ Auch der Kollege meinte, dass ihm die Fahne schon

aufgefallen wäre. Geplagt von meinem schlechten Gewissen aufgrund der Fehleinschätzung meinerseits

musste ich ihm dann doch gestehen: „Ich hatte ja eigentlich zuerst geglaubt, dass das du warst.“

Darauf haben wir wirklich herzhaft gelacht. Denn natürlich war es der Bewerber gewesen, der mir zwar

gar nicht angetrunken vorkam, aber dennoch stark nach Alkohol roch, und nicht mein sehr geschätzter

Kollege.

Gegen weitere Afterwork-Abende ist also zum Glück nichts einzuwenden.

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Wir standen nun zu viert ratlos um die im Stuhl verkeilte

Managerin herum und überlegten, wie wir sie befreien könnten.

Eine runde Sache

anonym, Dienstleistung, rund 280 MitarbeiterInnen

Kugelblitz so war der in einem mittelständischen Dienstleistungsunternehmen kolportierte Spitzname

einer für ihre aufbrausende Art bekannten Abteilungsleiterin mittleren Alters. Die Dame zeichnete

sich durch ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, ihre streitbare Art und durch ein überdurchschnittliches

Lebendgewicht aus. Eine Kombination, der niemand gerne ins Gehege kam.

Eines Tages, ich war damals noch ganz junger Personalleiter, konfrontierte mich die Dame mit einer

Gehaltsthematik, die nicht zu ihrer Zufriedenheit gelöst worden war. Im Grunde eine Kleinigkeit, die zu

einem Staatsdrama aufgebauscht wurde. Als gelernter Dienstleister gab ich klein bei, um die Situation zu

deeskalieren, und bat die Leiterin der Personaladministration im Büro nebenan um eine sachliche Klärung.

Ich ging in mein Büro zurück und war froh, der geballten Aggression entkommen zu sein. Einige Minuten

später kam die Leiterin der Personaladministration zu mir und bat mich aufgeregt um Hilfe. Ich dachte in

dem Moment, dass der Konflikt letzten Endes doch eskaliert wäre, doch die Kollegin gab mir zu verstehen,

dass es sich um eine wirklich peinliche Situation handelte, die ich mir ansehen sollte.

Ich wechselte in den Nebenraum, wo sich mir ein skurriler Anblick bot: Zwei meiner Kollegen versuchten,

die Abteilungsleiterin aus einem Bürostuhl mit Armlehnen zu befreien, einer zog an den Händen, einer

am Stuhl. Was war passiert? Die füllige Dame hatte sich bei der hitzigen Debatte mit Schwung in einen

Bürostuhl mit Seitenlehnen fallen lassen. Als sie sich nach der Diskussion endlich beruhigt hatte und

erheben wollte, steckte sie im Stuhl fest.

Wir standen nun zu viert ratlos um die im Stuhl verkeilte Managerin herum und überlegten, wie wir sie

befreien könnten. Um Dynamik in die Situation zu bringen, entschuldigte ich mich bei der Dame und bat

um Verständnis, dass ich sie als Mann nun an einer sensiblen Körperstelle anfassen müsste, was wortlos

mit einem zustimmenden Nicken quittiert wurde. Ich versuchte, die zwischen den Lehnen verzwickten

Körperfüllungen zu manövrieren, während zwei Kollegen an den Sesselbeinen und eine Kollegin an den

Händen des Opfers zogen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, aber letztendlich waren wir gemeinsam

erfolgreich. Die Dame flutschte förmlich aus dem Bürostuhl, streckte sich im Bewusstsein ihrer wiedergewonnenen

Freiheit durch, strich ihr Kleid zurecht und entschwand wortlos, als ob nichts geschehen wäre.

50


Wir zurückgelassenen Helfer sahen uns an, und wie auf Kommando begannen wir vier gleichzeitig loszulachen.

Ein Lachen, das mehr befreienden als spottenden Charakter hatte.

Es kam übrigens nach dieser Begebenheit auch nicht mehr vor, dass sich die Abteilungsleiterin je wieder

in der HR-Abteilung beschwerte.

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Die Angeberin

Denise Büttner, IT & Engineering, rund 850 MitarbeiterInnen

Auf einer Messe an der Uni in Frankfurt kam eine Bewerberin auf mich zu und wollte sich über unser

Unternehmen informieren. Sie war sehr interessiert und fragte mich auch, mit welcher Software wir

denn arbeiten würden. Die Frage freute mich sehr, denn endlich schien ich eine tatsächlich in IT versierte

Bewerberin gefunden zu haben, die die geeigneten Fragen stellte. So hoffte ich auf einen interessanten,

fachlichen Austausch.

Selbstverständlich nutzen wir als IT-Entwickler unsere eigene Software wir haben ja vollstes Vertrauen

in unsere Produkte , also erklärte ich der jungen Dame: „Wir arbeiten mit baseTop.“ Daraufhin antwortete

die Bewerberin voller Überzeugung und Enthusiasmus: „Oh, mit baseTop. Ja, diese Software kenne

ich nur zu gut, damit habe ich bereits drei Jahre lang intensiv gearbeitet.“ Spannend, dachte ich! Denn da

ausschließlich unser Unternehmen diese Software nutzt und die Dame noch nie bei uns beschäftigt war,

war das schier unmöglich.

Plötzlich sah ich förmlich ein Engelchen links und ein Teufelchen rechts an meiner Schulter aufpoppen.

Sollte ich die Bewerberin aufklären? Ach nö, dachte ich, nach stundenlanger Steherei auf der Messe wäre

auch mir einmal etwas Spaß gegönnt. Und so konnte ich es mir nicht verkneifen und befragte die junge

Dame nach einigen Funktionen von baseTop. Überraschenderweise verstummte die bisher so redselige

Bewerberin plötzlich. Ihre Verlegenheit war wohl Strafe genug für ihre Prahlerei. Der erhoffte fachliche

Austausch fand danach sehr zu meinem Bedauern nicht mehr statt.

Tausche eineN Korb voll Kuchen gegen Job

anonym, Sanitär- und Heizungsgroßhandel, rund 740 MitarbeiterInnen

Das Sekretariat der Geschäftsleitung sollte dringend neu besetzt werden. Für diese sensible Position durfte

ich zahlreiche Sondierungsgespräche führen, aus denen mir zwei amüsante Begebenheiten in Erinnerung

geblieben sind.

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Eine Dame erschien in bunten Flip-Flops, im floral gemusterten Sommerkleidchen und mit einem

überdimensionalen Einkaufskorb zum Termin. In dem Korb befand sich offensichtlich nur ihre Geldbörse

das hatten wir, getrieben von kindlicher Neugier, sogleich verstohlen verifiziert.

Nach dem Gespräch spähten wir der Bewerberin

neugierig aus dem Fenster nach: Vielleicht war sie ja zu

Fuß unterwegs und hatte geplant, auf dem Nachhauseweg

in das nahe gelegene Lebensmittelgeschäft zum

Einkaufen zu gehen? Doch nein, direkt vor dem Haus

stieg sie in ihr dort geparktes Auto. Mich würde bis heute

interessieren, welche Bewandtnis es tatsächlich mit dem

großen Korb beim Vorstellungsgespräch hatte.

Eine andere Bewerberin hatte ihrer ursprünglichen

Bewerbungsmappe keine Dienstzeugnisse beigefügt

und brachte diese nun direkt zum Gespräch mit. Für

uns handelte es sich im Prinzip um reine Formsache,

beim raschen Abgleich mit ihrem Lebenslauf stutzten

wir jedoch: Die Tätigkeiten aus den beiden Dokumenten

stimmten so

gar nicht überein.

Auf den zweiten, detaillierteren Blick mussten wir leider

feststellen, dass die sympathische Dame ihre bisherigen

Leistungen nicht etwa bescheiden heruntergespielt

hatte, sondern leider nicht einmal die erforderlichen

Grundqualifikationen für die Stelle besaß.

Behutsam darauf angesprochen, seufzte sie tief und

erklärte uns: „Ach, ich möchte schon so lange Sekretärin

werden. Ich verspreche Ihnen, wenn ich den Job bekomme,

bringe ich jede Woche einen Kuchen mit.“

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„Für diese Position strebe ich ein Jahresbruttoeinkommen von 34 * 10 3 an.“

Die groSSe Überraschung im Sommerkleidchen

anonym, Papierindustrie, rund 320 MitarbeiterInnen

In unserem Unternehmen ging es turbulent zu, denn die alten Firmeninhaber hatten sich zur Ruhe

gesetzt und eine Neuübernahme stand ins Haus. Zwar hatten wir die neue Eigentümerin noch nicht

kennengelernt, aber es hieß, dass eine Enkelin die Nachfolge antreten sollte. Natürlich waren wir alle sehr

gespannt darauf, wie sich die „Neue“ machen würde.

Einen kleinen Vorgeschmack hatten wir ja bereits bekommen, als wir beauftragt wurden, zusätzliches

Personal zu rekrutieren. Das Briefing kam per E-Mail und war überaus höflich und freundlich formuliert,

stellte jedoch eine enorme Herausforderung für uns dar: Die neuen MitarbeiterInnen sollten nicht nur

Erfahrung mit SAP haben, sondern auch noch hochqualifiziert und dynamisch sein. Dementsprechend

war die Auswahl nicht sehr groß. Bewerbungsschreiben trudelten zwar massenweise ein, aber es gab

kaum KandidatInnen, die den gestellten Anforderungen wirklich entsprachen. Also wollten wir uns erst

einmal persönlich ein Bild der BewerberInnen machen und luden jene zu einem Vorstellungsgespräch ein,

die den Anforderungen am ehesten entsprachen.

An diesem Sommernachmittag war es unglaublich heiß und ein Termin jagte den anderen. Als wir bereits

unzählige Bewerbungsgespräche hinter uns gebracht hatten, fiel auch noch die Klimaanlage aus und

wir waren der Erschöpfung nahe. Endlich hatten wir den letzten Kandidaten verabschiedet und wollten

gerade Schluss machen, da erschien, wie aus heiterem Himmel, eine bezaubernde junge Dame im luftigen

Sommerkleidchen, frisch wie der junge Frühling, in unserem Büro und ließ sich unbekümmert auf dem

Sofa nieder. Ohne sich vorzustellen, begann sie wie ein Wasserfall zu plaudern, erzählte von ihrem Hund,

ihrer neuen Wohnung, ihren Hobbys und ihrer Familiensituation. Sie war einfach nicht zu bremsen.

Ihre Dreistigkeit war auf gewisse Weise faszinierend, und so hörten wir ihr eine Zeitlang zu, ehe ich sie mit

der Frage unterbrach, wie denn ihr Name wäre und für welche Position sie sich denn vorstelle, ich könnte

hier keine Bewerbungsunterlagen mehr finden. „Das wundert mich nicht, ich habe mich auch nicht

beworben, denn ich habe bereits einen Job. Ich bin die neue Firmeninhaberin“, kam es gelassen von ihren

bezaubernden Lippen.

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Höhere Mathematik

Sabrina Pint, Personalberatung, rund 10 MitarbeiterInnen

IT-Positionen zu besetzen ist eine Herausforderung, keine Frage. Aber Herausforderungen sind mein

Spezialgebiet. Insofern freue ich mich immer, wenn es gilt, einen „Tekkie“ zu recruiten und war eigentlich

auch stets der Meinung, über das dazu nötige, angemessen fundierte technisch-mathematische Wissen

zu verfügen.

In einem verregneten Frühjahr vor ein paar Jahren sollte ich eindrucksvoll eines Besseren belehrt werden:

Für eine herausfordernde IT-Position hatte ich eine Stellenausschreibung nach allen Regeln der Kunst

gestaltet IT-ExpertInnen sind schließlich eine recht gefragte Spezies und wie immer auch um die Gehaltsvorstellung

der Interessierten gebeten. Nicht selten war es mir in der Vergangenheit passiert, meine

Wunschkandidatin vor dem geistigen Auge schon auf der Weihnachtsfeier tanzen zu sehen, nur um beim

ersten Gespräch festzustellen, dass ihre finanziellen Vorstellungen und meine Möglichkeiten freundlich

ausgedrückt Lichtjahre trennten.

Offenbar hatte ich mit meiner Ausschreibung voll ins Schwarze getroffen, denn bereits am ersten Tag waren

zahlreiche Bewerbungen eingetrudelt. Gespannt klickte ich mich durch die Lebensläufe und Anschreiben,

um mir einen Überblick zu verschaffen nur um kurz darauf bei einer der Bewerbungen hängenzubleiben.

Hatte ich mich verlesen? War dem Kandidaten ein Tippfehler unterlaufen? Ich vergewisserte mich nochmals.

Nein, da stand tatsächlich: „Für diese Position strebe ich ein Jahresbruttoeinkommen von 34*10 3 an.“

Verstohlen blickte ich mir über die Schulter: Stand irgendwo mein Mathematiklehrer aus der Schule und

lachte sich ins Fäustchen? Aber es war dem Kandidaten wohl wirklich ernst. Und ich kam somit nicht

umhin, in den Tiefen meines Gehirns nach meinen verschollenen Kenntnissen der Schulmathematik zu

forschen. Denn meine KollegInnen um Rat zu fragen, ließ mein Stolz selbstverständlich nicht zu.

Nach mühsamem Hin und Her, drei Rippen Schokolade und einem zerbrochenen Taschenrechner (ich

hatte ihn aus Frust offenbar etwas zu fest gegen die Wand geworfen) errechnete ich schließlich ein

gewünschtes Jahresbruttoeinkommen von 34.000 Euro. Nicht ganz ohne Stolz, muss ich zugeben. Zwar

passte das Profil des Kandidaten letztlich doch nicht optimal zur ausgeschriebenen Stelle aber jedes Mal,

wenn ich nun einen Taschenrechner zur Hand nehme, muss ich mit einem Schmunzeln an ihn denken.

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„Es würde mich interessieren, ob Ihre Oberweite echt ist. Darf ich mal greifen?“

Fragte ich mich doch, wie die potenziellen KollegInnen auf

eine „Beurlaubung wegen Haftstrafe“ reagiert hätten.

Nachdem er statt Arbeitslosengeld nun Notstand beziehen musste, benötigte er

dringend Geld und hatte daher den Entschluss gefasst, irgendeine Arbeit anzunehmen.

Er lehnte sich zurück, betrachtete stolz seine doch von übermäßigem Bierkonsum

gekennzeichnete Wampe und legte seine Füße auf meinen Schreibtisch.


in abenteuerlichen High heels

zur Partnervermittlung


… bevor ich noch empört reagieren konnte, schossen ihre

beiden Hände nach vor und grapschten nach meinem Busen.

Eine Grapsch -Affäre

Barbara Yiangou, Personaldienstleistung, rund 1.300 Mitarbeiter

Bei einem Bewerbungsgespräch müssen KandidatInnen zwar ihren gesamten beruflichen Werdegang

offenlegen, aber private, vor allem intime Angelegenheiten gehören nicht dazu.

Das sah eine Bewerberin, die sich bei mir für eine Stelle im gehobenen Assistenzbereich vorstellte, sichtlich

anders. Ihr Auftreten war sehr souverän und sie machte einen überaus kompetenten Eindruck. Auch

hatte sie einen sehr stabilen Lebenslauf inklusive Vorgeschichte bei einem traditionellen Versicherungsunternehmen.

Das Bewerbungsgespräch verlief bestens, die Gesprächsatmosphäre war höchst angenehm und entspannt.

Ich war sehr beeindruckt von dem gesamten Erscheinungsbild der jungen Dame. Was mich dazu

veranlasste, ihr ein nettes Kompliment zu ihrer Professionalität zu machen. Es kann sein, dass sie das völlig

missverstand, denn sie wurde daraufhin sehr privat, um nicht zu sagen aufdringlich.

Als ich mich zum Abschluss des Bewerbungsgesprächs erkundigte, ob sie noch Fragen hätte, geschah

etwas völlig Unerwartetes: „Es würde mich interessieren, ob Ihre Oberweite echt ist. Darf ich mal greifen?“,

kam es nonchalant von den Lippen der „seriösen“ Bewerberin, und bevor ich noch empört reagieren konnte,

schossen ihre beiden Hände nach vor und grapschten nach meinem Busen. Ich erstarrte vor Schreck.

Nachdem ich mich etwas gefangen hatte, äußerte ich meinen Unmut und gab ihr deutlich zu verstehen,

dass solche Intimitäten im Rahmen eines Bewerbungsgespräches viel zu weit gehen würden. „Ist doch

nichts dabei, wir sind ja unter uns Frauen “, meinte sie seelenruhig, „ich möchte nämlich auch meine

Brüste operieren lassen und bin auf der Suche nach einem guten Schönheitschirurgen. Bei Ihnen hat einer

offenbar gute Arbeit geleistet, denn ihr Busen sieht ja recht nett aus.“

Das sollte wohl ein Kompliment sein. Ich widerstand dem Impuls, ihr zu erklären, dass ich meine Oberweite

keineswegs einem Schönheitschirurgen zu verdanken hätte. Stattdessen erklärte ich der Dame

entschieden, dass dieses Gespräch für mich beendet wäre. Daraufhin verließ sie zutiefst beleidigt mein

Büro.

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Faxereien

Ing. Erich Rathgeb, Automotive/KFZ-Produktion, rund 15.000 MitarbeiterInnen

Die Geschichte spielte sich vor vielen Jahren ab, als ich noch als junger Ingenieur in der Kalkulation tätig

war. Ich sollte für meinen Vorgesetzten, der in Brasilien auf einer wichtigen Preiskonferenz war, Kalkulationen

für unsere Produkte erstellen. Eine mühselige Arbeit, die enorm viel Zeit in Anspruch nahm und mit

entsprechender Akribie erledigt werden musste. Immerhin hing sowohl der Verkaufserfolg als auch in

weiterer Folge das wirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens von genau diesen Kalkulationen ab.

Ich muss kurz erwähnen, dass sich diese Geschichte in einem Zeitalter zutrug, in dem wir armen Arbeitstiere

uns weder der Schnelligkeit von E-Mails noch der unendlichen Weiten des Internets bedienen konnten

und der Informationstransfer primär per Post abgewickelt wurde. Für die damaligen vorsintflutlichen

Verhältnisse arbeiteten wir bereits auf dem höchsten Stand der Technik und versendeten Unterlagen

und Kalkulationen via Fax in die große weite Welt.

Aber kommen wir zur Geschichte zurück: Meine Aufgabe war es also, diese enorm wichtigen Kalkulationen

per Fax nach Brasilien zu schicken. Natürlich gingen immer nur ein oder zwei Seiten auf einmal

durch und ich musste jedes Mal bei der Sekretärin vor Ort anrufen und mir bestätigen lassen, dass die

Seiten auch tatsächlich angekommen waren. Nach zwei nervenzerreißenden und schweißtreibenden

Stunden waren schlussendlich tatsächlich alle zehn(!) Seiten durch und der Erhalt von der Sekretärin

bestätigt.

Als eine Woche später mein Chef erneut in Amt und Würden war, ließ ich es mir selbstverständlich nicht

nehmen, ihn zu fragen, wie es denn in Brasilien gelaufen wäre und vor allem, ob meine mühselig übermittelte

Kalkulation hilfreich gewesen wären. Er sah mich mit gequältem Gesichtsausdruck an und erklärte

mir, dass leider keine einzige Seite lesbar bei ihm angekommen war und er vor Ort selbst die Kalkulation

erneut berechnen musste. Hauptsache, ich hatte mich hier zwei Stunden mit Fax, Sekretärin und Co

gequält …

Seit diesem Erlebnis habe ich jedenfalls eine klare Regel: Man muss Menschen nicht nur fragen, ob sie

Dinge erhalten haben, sondern ob diese auch verstanden worden oder in meinem Fall: lesbar sind!

59


60


Bewerbung mit Bewährung

anonym, Industrie, rund 500 MitarbeiterInnen

Für PersonalistInnen ist es ein alter Hut, mit dem sich aber jede und jeder früher oder später auseinandersetzen

muss: MitarbeiterInnen-Empfehlungen.

Diese Empfehlungen gehören neben Vorstellungsgesprächen und Onboarding-Prozessen beinahe schon

zum täglich Brot eines Recruiters. Sie können aber sowohl Fluch als auch Segen sein. Wenn jemand versucht,

einer Person aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis einen Job zu verschaffen, kann es passieren,

dass die vermittelte Person gar nicht genau weiß, was im späteren Beruf auf sie zukommt. Häufig

passen die Qualifikationen auch nicht ideal zu der Stelle. Wenn allerdings ein Bürgermeister aus der

Region eine Empfehlung ausspricht, erhält eine Bewerbung besondere Bedeutung.

Vor einiger Zeit erhielten wir genau so eine Empfehlung. In vollstem Vertrauen auf den Bürgermeister gaben

wir dem Bewerber eine Chance und luden ihn zum Bewerbungsgespräch ein. Der Kandidat verkaufte

sich gut, und gleichwohl er nicht die ideale Besetzung für die offene Stelle war, ergab sich zumindest ein

interessantes Gespräch. Auf unsere übliche letzte Frage, ob es noch etwas gäbe, das er uns erzählen wollte,

offenbarte uns der Bewerber beiläufig, dass er noch eine Haftstrafe zu verbüßen hätte.

Während ich noch in Schockstarre verweilte und zu überlegen versuchte, wie ich mit diesem doch eher

ungewöhnlichen Problem umgehen sollte, war das Gespräch auch schon wieder beendet, und der Kandidat

ließ mich sprachlos zurück. Auch wenn recht bald klar war, dass wir den Herrn nicht weiter für die

Stelle in Betracht ziehen würden, fragte ich mich doch, wie die potenziellen KollegInnen auf eine

„Beurlaubung wegen Haftstrafe“ reagiert hätten.

Als ich dem Kandidaten schließlich wenige Tage später telefonisch absagen wollte, antwortete er mir nur

kurz, dass sich die Bewerbung erledigt hätte, da er gerade verhaftet würde, und legte mit einem kurzen

„Servus“ auf. Böse Zungen könnten behaupten, er wäre in seinem letzten Gespräch mit uns „kurz angebunden“

gewesen.

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Wissen Sie, dass laut Wikipedia der Hofrat mit HR abgekürzt wird?

Blue Color Leaderchip

Jörg Buckmann, Master of Frechmut, buckmanngewinnt.ch

Eigentlich wollte ich in dieser Glosse über den Humor im HR a bisserl über den Titelwahn unserer östlichen

Nachbarn, sprich unserer lieben Österreicherinnen und Österreicher, herziehen. Frau Magistra, Herr

Hofrat, habe die Ehre. Wissen Sie, dass laut Wikipedia der Hofrat mit HR abgekürzt wird? Allein das wäre

ja schon ein Fundus für jede Menge lustiger Assoziationen. Ich verlasse jedoch lieber den eher heiklen

Themenpfad und wende mich einem anderen Thema zu: dem eigentlichen HR.

Ich liebe unsere deutsche Sprache. Sehr sogar. Das hat, um ganz ehrlich zu sein, nicht nur mit der

Tatsache zu tun, dass ich sie wirklich schön finde, sondern ist auch ein wenig dem Umstand geschuldet,

dass es um mein Englisch nicht so gut bestellt ist. Und meine kurze Anekdote vom Englischen und dem

Fakt, dass manche dieses gerne einstreuen, um damit ein weltmännisches Gebaren zu dokumentieren.

Oder ganz einfach, um damit anzugeben (womit wir fast schon wieder beim Ausgangspunkt der

„Titel“-Thematik wären). Oder auch, um vermeintlich anzugeben. Denn der Schuss kann sehr wohl auch

nach hinten losgehen, wie der Volksmund so wunderbar treffend formuliert. Meine Anekdote handelt also

vom Englischen und von einer gewissen Schadenfreude. Einer übrigens ganz speziellen Humorform, die

gerade im HR nicht selten anzutreffen ist. Und die kleine G‘schicht handelt gewissermaßen vom edlen

Gegenteil der Schadenfreude, der altbewährten Selbstironie. Ich will darauf hinaus, dass man das mit dem

Englischprahlen besser sein lassen sollte. Ich erinnere mich nämlich an einen Mitarbeiter, durchaus talentiert

und auf jeden Fall auf- und zielstrebend, der in einem Projektpapier von nötiger Leaderchip schrieb.

Dachte ich zuerst noch an einen Schreibfehler, so war mir nach der dritten Wiederholung des Wortes klar,

dass es sich nicht um einen Irrtum handelte. Im Übrigen spreche ich hier auch nicht von einer frühen

Form der Digitalisierung, in welcher Führungskräften ein entsprechender Chip unter die Haut (oder unter

die Zunge oder das Ohrläppchen, wer weiß das schon) operiert hätte werden sollen. Übrigens: … das „hätte

werden sollen“ das ist deutsche Sprache in Reinkultur, I love it!

Also, mein Mitarbeiter schrieb frisch-fröhlich vom Leaderchip, und ich konnte mir ein Grinsen und eine

süffisante Korrektur, natürlich mit Rotstift, nicht verkneifen. Aber da ist ja auch noch die Sache mit dem

über-sich-selbst-lachen-Können. Diese ganz besondere Form von Humor glänzt in unseren Gefilden (sprich

Personalistenamtsstuben, oder wie man das in Austria auch immer nennt) noch immer großflächig durch

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Abwesenheit, scheint mir. Ich also lachte bei gerade jener Leaderchip-Episode auch über mein eigenes

Malheur, das mir in jüngeren Jahren passiert war. Auch damals hatte ich ein Papier zur Stellungnahme auf

meinem Pult. Und korrigierte den Schreibenden kopfschüttelnd, der von „Blue Collar“-Mitarbeitenden

schrieb. „Collar“, dachte ich mir, „Farbe“ schreibt man „Color“, du Depp. Das weiß doch jedes Kind und

setzte den Rotstift an …

Über das, was dann folgte, hülle ich den Mantel des Schweigens.

Küss die Hand.

Eine Komödie in drei Akten

Mag. Andrea König, BA, kingandstars.com

Wenige Dinge sind anstrengender, als einen neuen Job zu suchen. Meistens ist dies mit unzähligen

Bewerbungen, vielen Gesprächen und noch mehr Absagen verbunden. Selbst gut qualifizierte BewerberInnen

haben es immer schwerer, rasch eine neue Anstellung zu finden. Aus Sicht der KandidatInnen wäre

aber nichts schöner, als ohne irgendwelche Hürden in den neuen Job einzusteigen. Wer würde nicht gerne

sämtliche Aufnahmetests überspringen und direkt mit dem Onboarding Day beginnen?

In unserem firmeneigenen Bildungszentrum finden nicht nur regelmäßig interne Schulungen statt, auch

die Assessment-Center für BewerberInnen werden dort durchgeführt. Wenn gleichzeitig die neuesten

MitarbeiterInnen einen Welcome Day im selben Haus begehen, treffen Nervosität und Freude auf kleinem

Raum aufeinander. Auf der einen Seite jene, die sich erst beweisen müssen und angespannt auf ihre Prüfung

warten, auf der anderen Seite die, die voller Vorfreude in ihren neuen Job starten. Die Erwartungen

an den bevorstehenden Tag könnten also unterschiedlicher nicht sein.

An besagtem Tag suchte eine Gruppe von BewerberInnen, die für das Assessment-Center angemeldet

waren, den Portier auf, um nach dem Weg zu fragen. Die Nervosität vor der anstehenden Aufgabe war

den KandidatInnen wohl nicht gerade ins Gesicht geschrieben, denn der Portier schickte sie direkt zum

Onboarding Day der neuen MitarbeiterInnen.

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Nach kürzester Zeit machte sich bei den BewerberInnen jedoch Skepsis breit, nachdem sie nichts ahnend

zu einer Veranstaltung kamen, bei der sie als neue KollegInnen begrüßt wurden. Der Weg führte sie also

rasch wieder zurück zum Portier. Dieser dürfte vom gleichzeitig stattfindenden Assessment-Center nichts

gewusst haben und versicherte der Gruppe, dass sie bei der vorigen Veranstaltung schon richtig wären.

Die Situation glich immer mehr einer französischen Komödie aus den 70er-Jahren. Da der Portier aber

kein Louis de Funès war und die Szene in einer Pointe enden ließ, begaben sich die KandidatInnen erneut

zurück zum Onboarding Day und lernten dort drei Stunden lang ihren vermeintlichen neuen Arbeitgeber

kennen. Im Film würde sich de Funès längst vor den Bildschirmen der Sicherheitskameras totlachen.

Da es sich aber doch um ein Drama des echten Lebens handelte und das erwartete Assessment-Center

ausblieb, ließen die BewerberInnen schließlich nicht mehr locker. Die Situation klärte sich schlussendlich,

und die KandidatInnen bekamen natürlich eine zweite Chance für den Aufnahmetest. Sollte jedoch einer

der Bewerber den Test bestehen, dürften ihm beim Onboarding Day zumindest keine Überraschungen mehr

erwarten.

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Das verkannte Genie

anonym, IT, rund 890 MitarbeiterInnen

Unsere Abteilung für „Forschung und Entwicklung“ ist immer

auf der Suche nach brillanten Köpfen, die in Themen der neuen

Technologien versiert sind und über ein Skillset verfügen, das

sich zwischen sehr speziellen Programmiersprachen und Softwareentwicklungen

bewegt.

Eines Tages wurde mir vom Empfang eine Bewerberin gemeldet.

Da ich gerade sehr beschäftigt war, achtete ich nicht auf den

Namen. In diesem Augenblick stolzierte eine junge Frau auf

abenteuerlichen High Heels in mein Büro. Das Outfit dieser

Dame verschlug mir beinahe die Sprache. Nicht nur, dass ihr

Make-up in allen Farben leuchtete, trug sie einen Minirock, der

nur das Allernötigste bedeckte, und zeigte ein Dekolleté, das sogar

mich alten Hasen in Verlegenheit brachte den männlichen

Kollegen blieb bei ihrem Anblick ohnehin der Mund offen.

Obwohl ich die Erfahrung gemacht habe, dass gerade in der

IT-Branche die genialsten Geister oft völlig verrückt in Erscheinung

treten, bin ich immer noch etwas konsterniert, wenn diese

Leute bei einem Bewerbungsgespräch so ausgeflippt auftreten.

Als die Bewerberin ihren Namen nannte und ich diesen auf den

mir vorliegenden Bewerbungsunterlagen vorfand, verschlug es

mir vollends die Sprache. Die Dame war ein echter Kapazunder

mit IT-Skills und Arbeitserfahrungen, die mich schon beim ersten

Durchlesen ihres Bewerbungsschreibens stark beeindruckt

hatten. Von der Uni weg wurde sie in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen

großer Konzerne geholt.

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Da soll noch einmal jemand sagen, Personalvermittlung

hätte nichts mit Partnervermittlung zu tun.

Ihre Zeugnisse waren voll des Lobes. Keine der bisherigen BewerberInnen konnte ihr nur annähernd das

Wasser reichen.

Ich engagierte sie vom Fleck weg, und heute ist sie das Zugpferd in ihrer Abteilung. Zwar hat unser Genie

ihre äußere Erscheinung nicht ganz den Gepflogenheiten des Unternehmens angepasst mittlerweile ist

ihr Haar blau gefärbt , aber ihr Dekolleté ist züchtig verhüllt und ihre Röcke sind so lang, dass sie bei den

männlichen Kollegen keine Schnappatmung mehr verursachen.

Der Rohr-Kuchen

Manuela Vorwerk, Chemie, rund 450 MitarbeiterInnen

In unserer Firma ist es Usus, dass im Zuge des Bewerbungszyklus beim Zweitgespräch eine zusätzliche

Aufgabe gestellt wird. Diese passt gewiss auch stets zur gesuchten Funktion.

Als wir neue, junge Mitarbeitende für die Innendiensttätigkeit zur Betreuung unserer Technik-Produkte

suchten, war das selbstverständlich nicht anders. In diesem konkreten Fall sollten die BewerberInnen eine

Präsentation über das Nahwärmerohrsystem eines unserer Produkte erstellen. Die Aufgabe dabei war,

das Produkt einerseits darzustellen und andererseits natürlich auch zu erklären.

Die BewerberInnen machten das allesamt sehr gut. Einer jedoch stach eindeutig aus der Menge hervor.

Der Kandidat hatte seine Präsentation sehr beeindruckend mit Flipchart und PowerPoint gestaltet alles

überaus professionell. Das absolute Highlight war, dass er mit seiner Freundin am Vortag einen Kuchen in

Form dieses speziellen Rohres gebacken hatte. Das war eine total überraschende und über alles Übliche

hinausgehende Idee, die uns wahrlich den Tag versüßt hat!

Keine Frage, dass wir diesen jungen Mann für unser Team haben wollten natürlich nicht nur wegen der

Hoffnung auf eine gelegentliche Kuchenlieferung.

Wir freuen uns sehr, dass das Bäckertalent auch heute noch bei uns ist.

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Märchenhaft

Mag. Andrea Zeilinger, Personalauswahl & Entwicklung, www.zeilinger-personalberatung.at

Hand aufs Herz, wer freut sich nicht, wenn man mal wieder den perfekten Kandidaten für genau die

richtige Position gefunden hat und dabei Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn so richtig glücklich gemacht

hat? Die Vermittlung eines geeigneten Kandidaten für eine ganz bestimmte Stelle ist eben manchmal

mit der Arbeit einer Partnervermittlung zu vergleichen. Da fragt man auf beiden

Seiten die Erwartungen ab, um dann zu prüfen, ob und wie gut die

Eigenschaften, Wünsche und Anforderungen miteinander

harmonieren. Selbstverständlich muss

man auch bei beruflichen Aspekten darauf

achten, dass bei zu viel Harmonie schnell

Langeweile aufkommen kann. Es sollte also

die perfekte Mischung sein.

Hat man es geschafft, die passenden zwei zusammenzuführen,

sind alle Beteiligten glücklich

und starten in ein gemeinsames berufliches Leben.

Wie weit dieses Glück jedoch gehen kann, war

mir bis zu einem gewissen Auftrag nicht bekannt.

Vor meiner Selbstständigkeit in Wien war ich in

meiner Heimatstadt Linz bei einer renommierten

Personalberatung als Beraterin tätig. Eines schönen

Tages landete ein spannender Suchauftrag auf meinem

Schreibtisch. Der Verwaltungsdirektor eines großen Kulturbetriebes

in Linz suchte eine Marketingassistentin als

Stabsstelle. Beim ausführlichen Briefing-Gespräch für die

Suche schilderte er mir seine Anforderungen, Wünsche und

Erwartungen so anschaulich, dass sich die perfekte Kandidatin

fast schon vor meinem inneren Auge materialisierte.

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Das Profil war dann auch tatsächlich so präzise, dass wir schon nach einer kurzen und knackigen Suche

seine Traumkandidatin gefunden hatten.

So weit, so erfolgreich und erfreulich. Jahre später erfuhr ich dann bei einem lustigen Abendessen bei

Freunden des Bruders des besagten Direktors, dass die beiden sogar privat ein Paar geworden waren.

Sie hatten so gut harmoniert, dass sie sich verliebten, zusammenzogen und sogar heirateten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute glücklich und zufrieden zusammen.

Da soll noch einmal jemand sagen, Personalvermittlung hätte nichts mit Partnervermittlung zu tun ;-)

Darf ich bitten?

Magdalena Schöberl, willhaben

Jeder möchte den besten Eindruck machen, wenn er in einem neuen Unternehmen anfängt. Mir ist es

allerdings gelungen, noch vor meinem Arbeitsbeginn gleich einen peinlichen Lapsus zu begehen.

Es war Vorweihnachtszeit und die Firmenfeiern waren voll im Gange. Auch die Firma, bei der ich am

1. Januar des kommenden Jahres zu arbeiten anfangen sollte, lud ihre Angestellten zu einem kulinarischen

Weihnachtsessen in ein tolles Restaurant ein. Obwohl ich noch nicht mal dort beschäftigt war, durfte ich

dabei sein.

Wie das bei Weihnachtsfeiern nun einmal so ist, wird vor der eigentlichen Festivität die eine oder andere

Ansprache gehalten. So auch hier. Einige, mir natürlich vollkommen unbekannte Menschen erzählten in

launigen Worten vom vergangenen Jahr und von den Plänen und Zielen für das kommende. Nach den

Reden wurde das Festmahl serviert. Es schmeckte köstlich, alle waren guter Laune und ich unterhielt mich

prächtig mit meinen zukünftigen KollegInnen. Als die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte, wurden die

Tische weggeräumt und man begann zu tanzen. Leider saß ich etwas abseits, und so wurde ich von

niemandem zum Tanz aufgefordert.

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Ich schaute dem Treiben zwar eine Zeit lang zu, da

das Tanzen aber meine große Leidenschaft ist, hielt

es mich nicht länger an meinem Platz. Ich reihte

mich in eine Gruppe von Mädels ein und wir

drehten ausgelassen einige Runden durch den

Saal. Als uns langsam die Luft ausging und wir

durstig wurden, gingen wir ans Buffet, um uns

mit einem Gläschen Sekt zu stärken.

Da sprach mich eine der Frauen an und erkundigte

sich, wie es mir denn hier gefiele und ob ich schon alle

neuen Kolleginnen und Kollegen kennengelernt hätte.

Wir plauderten so dahin, und wie das bei einem Smalltalk

oft so ist, vergaß ich völlig darauf, mich vorzustellen.

Nachdem wir uns einige Zeit angeregt unterhalten hatten, wollte meine Gesprächspartnerin wissen,

wann ich denn in der Firma anfangen würde. Nachdem ich geantwortet hatte, stellte ich völlig ungezwungen

die Gegenfrage: „Und was machst du eigentlich?“ Da nannte sie ihren Namen und ich fiel aus

allen Wolken, denn es war die Geschäftsführerin, meine neue Arbeitgeberin. Da fiel es mir wie Schuppen

von den Augen: Na klar! Sie hatte ja auch eine der Reden zu Beginn des Abends gehalten. Ich Schaf! Am

liebsten hätte ich mich unter dem nächsten Tisch verkrochen. Nie hätte ich erwartet, dass jemand in ihrer

Position so ungezwungen mit uns Mädels tanzen würde.

Sofort entschuldigte ich mich bei ihr, aber sie nahm es locker und amüsierte sich köstlich über meine

Verlegenheit. Ich tröstete mich damit, dass sie ja nicht so genau wusste, wer ich war. Doch da irrte ich. Sie

wusste ganz genau, wer ich war, in welcher Abteilung ich arbeiten würde, und erklärte mir, dass sie sich

meinen Namen so gut gemerkt hätte, weil ihre Nichte ebenfalls Magdalena hieße.

Tatsächlich hatte mein Tänzchen mit der Geschäftsführerin auch keinerlei negative Nachwirkungen.

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Er lehnte sich zurück, betrachtete stolz seine doch von übermäßigem Bierkonsum

gekennzeichnete Wampe und legte seine Füße auf meinen Schreibtisch.

Ein rachsüchtiger Bewerber

anonym, Dienstleistung, rund 100 MitarbeiterInnen

Unser Customer Care Call-Center wurde erweitert und wir waren auf der Suche nach geeigneten Leuten,

die über die nötige Sprachgewandtheit, Kontaktfähigkeit, Gelassenheit, Diplomatie und vor allem über

Konfliktlösungsfähigkeiten verfügen.

Nachdem es für diese Jobs keine definierte Ausbildung gibt, da die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten

meist betriebsintern vermittelt werden, melden sich erfahrungsgemäß vorwiegend StudentInnen,

WiedereinsteigerInnen, Arbeitssuchende aus den verschiedensten Berufssparten, Job-HopperInnen oder

AllrounderInnen, die meist aus dem Stehgreif zaubern. Also waren wir bei den Vorstellungsgesprächen auf

einiges gefasst.

Als ich ins Büro kam, warteten bereits BewerberInnen aller Couleurs beim Empfang. Mit der Hoffnung,

dass doch die oder der Richtige dabei sein könnte, begann ich mit den Vorstellungsgesprächen. Die KandidatInnen

waren durchwegs motiviert, kamen jedoch für den Job nicht in Frage.

Den krönenden Abschluss bildete ein ganz wilder Herr mit ungepflegter Löwenmähne und struppigem

Rauschebart. Außerdem verbreitete der gute Mann keinen sehr angenehmen Körpergeruch.

Als ich mich nach seinen Arbeitszeugnissen erkundigte, antwortete er mit breitem Grinsen, dass er so

etwas nicht besäße und bisher auch nicht gebraucht hätte. Aber nachdem er statt Arbeitslosengeld nun

Notstandshilfe beziehen musste, benötigte er dringend Geld und hatte daher den Entschluss gefasst,

irgendeine Arbeit anzunehmen.

Was er denn gelernt hätte und was er denn so könnte, fragte ich, mehr aus Neugier denn aus ernsthaftem

Interesse. „Hern Sie, für den Job muas ma nua guat reden kenna, und des konn i“, meinte er überheblich

und machte es sich eindeutig bequemer. Er lehnte sich zurück, betrachtete stolz seine doch von übermäßigem

Bierkonsum gekennzeichnete Wampe und legte seine Füße auf meinen Schreibtisch.

Das ging dann doch zu weit und ich beendete das Bewerbungsgespräch mit dem höflichen Hinweis, seine

Füße von meinem Tisch zu entfernen.

70


Das bösartige Funkeln in seinen Augen verriet nichts Gutes. Mit den Worten „Des werns no berein“ verzog

er sich und knallte die Türe hinter sich zu. Ich atmete einmal tief durch und ging weiter meiner Arbeit

nach.

Nach einiger Zeit begann es durchdringend zu heulen offensichtlich war der Feueralarm ausgelöst

worden. Wie wir es bei unzähligen Brandübungen gelernt hatten, verhielten wir uns ruhig und begaben

uns diszipliniert zur Ausgangstüre am Ende des Ganges.

Blitzartig schoss es mir durch den Kopf „Des werns no berein“ und ich wusste, was da gespielt wurde.

Der rachsüchtige Bewerber hatte den Feueralarm aktiviert da war ich mir sicher.

Roarrrrr!!

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Ich sah die Aufgaben schon im Internet in sämtlichen Bewerberforen kursieren

und mich als Lachnummer der gesamten Abteilung.

„Na hören Sie mal, seien Sie nicht so kleinlich, die zusätzlichen

200 Euro in der Stunde werden Ihnen ja wohl nicht wehtun!“

„Ich habe vom Vorabend noch so viel Restalkohol im Blut,

ich wäre eine Gefahr für die Verkehrssicherheit!“

„Du Mädel, Bald waren ich habe wir in mit ein unserem paar Minuten deeskalierenden einen Termin Latein bei am eurer Ende Personalchefin, und es blieb

bring uns mir nichts doch noch anderes schnell übrig, von als eurem der Getränkeautomaten Frau mit dem Sicherheitsdienst ein Bier.“ zu drohen.


Busserl -Attacke auf

militanten Glimmstängel-Gegner


Ich sah die Aufgaben schon im Internet in sämtlichen Bewerberforen

kursieren und mich als Lachnummer der gesamten Abteilung.

Kandidat 007

anonym, Industrie, 5.485 MitarbeiterInnen

Als es galt, unser langgedientes Einzel-Assessment-Center zu optimieren, wurde mir die ehrenvolle Aufgabe

zuteil, neue Rollenspiele zu entwickeln. Nun kann man ja nicht gerade behaupten, dass sich die TeilnehmerInnen

grundsätzlich um Rollenspiele besonders reißen würden. Umso höhere Ansprüche richtete ich

an mich selbst: Meine Aufgabenstellungen sollten anders sein! In akribischer Kleinarbeit erdachte ich also

zwei innovative Szenarien, in die all mein Herzblut geflossen war. Gespannt wartete ich auf den Tag, als

die beiden neuen Rollenspiele endlich in der Praxis Anwendung finden sollten.

Als der erste Bewerber in unserem neuen Einzel-Assessment-Center auf Herz und Nieren getestet wurde

und seine persönlichen wie fachlichen Kompetenzen auf dem Prüfstand standen, kamen auch meine

beiden ausgeklügelten Aufgaben zum Einsatz. Mit angehaltenem Atem beobachtete ich, wie sich der Bewerber

auf die Rollenspiele vorbereitete und sie schließlich vortrug. Alles lief glatt und wie Sie sich sicher

vorstellen können, fiel mir mehr als nur ein Stein vom Herzen.

Wie es Assessment-Center so an sich haben, war am Ende des Tages nicht nur der Bewerber völlig verausgabt,

sondern auch ich. Nachdem der Anwärter das übliche Feedback zu seinen Leistungen und einige

organisatorische Hinweise wohl mehr peripher entgegengenommen hatte, machte er sich auf den

hart erkämpften und wohlverdienten Heimweg.

Ich hatte nur noch den Testraum aufzuräumen, dann konnte ich es ihm gleichtun voller Vorfreude auf

die Euphorie, die sich sicherlich einstellen würde, sobald ich daheim auf der Couch den erfolgreichen Tag

genüsslich Revue passieren ließ. Doch plötzlich fühlte ich mich wie vom Blitz getroffen: Die beiden neuen

Aufgaben waren weg und meine Hochstimmung selbstverständlich mit ihnen. Offenbar hatte der

Bewerber die Angaben zu seinen Unterlagen gesteckt. Panik stieg in mir auf. Ich sah die Aufgaben schon

im Internet in sämtlichen Bewerberforen kursieren und mich als Lachnummer der gesamten Abteilung.

Sofort griff ich zum Telefon, um den Bewerber anzurufen, aber vergeblich. Er saß ja im Auto und hatte 400

Kilometer Heimweg vor sich (damals waren Freisprecheinrichtungen noch nicht so alltäglich wie heute).

Nach einer gefühlten Ewigkeit tatsächlich waren es vielleicht 15 Minuten rief er mich endlich zurück. Er

hatte anhalten müssen, weil er in unserem riesigen Industriepark die Ausfahrt nicht fand.

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Nachdem ich ihm die missliche Sachlage erklärt hatte, drehte er freundlicherweise sofort um er war so

lange im Kreis gefahren, dass er zum Zeitpunkt unseres Gesprächs gerade einmal ums Eck unseres Büros

parkte.

Bei unserem erneuten Aufeinandertreffen muss ich wohl immer noch recht aufgelöst gewirkt haben

schließlich versicherte er mir mehrmals nachdrücklich, dass meine Rollenspiel-Angaben wesentlich besser

gewesen waren als die Beschilderung in unserem Industriepark.

Etikettenschwindel

Ing. Erich Rathgeb, Automotive/KFZ-Produktion, rund 15.000 MitarbeiterInnen

Ich möchte heute nicht darüber sprechen, wie lange mein Einstieg ins Berufsleben als

Ingenieur bereits zurückliegt darüber breiten wir den wohlwollenden Mantel des

Schweigens.

Nur so viel: Zum damaligen Zeitpunkt lagen die heutzutage so

genüsslich medial ausgeschlachteten Rosenkriege zwischen

militanten Glimmstängel-GegnerInnen und erbitterten VerfechterInnen

des regelmäßigen Nikotinstoßes noch in weiter Ferne.

GastronomInnen mussten sich nicht die Haare raufen über die aktuell

bereitzustellenden Zonen für Raucher / Nichtraucher /

Gelegenheitsraucher / „Ich-muss-erst-meine-Mami-fragen“-

Raucher und es bestand auch keinerlei Notwendigkeit, die

entsprechende Gesetzeslage wöchentlich zu adaptieren.

Vielmehr stand es an der Tagesordnung, dass selbst in Büros

nicht nur die Köpfe rauchten, sondern dazu noch mehr oder

weniger aromatische Nikotinschwaden durch die Gänge

waberten.

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Auch mein damaliger Chef, ein Connaisseur wie er im Buche steht, rauchte mit glühender Passion und

zwar nicht Zigaretten, sondern Pfeife. Seine handgefertigte Pfeife aus glänzendem Olivenholz stopfte er

mit einem ganz wunderbar duftenden Tabak. Dieses sehr spezielle Aroma hatte es mir so angetan, dass

ich unbedingt wissen wollte, um welche Marke es sich handelte. Nichts leichter als das, könnte man meinen

wäre ich nur aufgrund meiner jungen Jahre nicht viel zu schüchtern gewesen, ihn rundheraus nach

dem Hersteller zu fragen.

Eines Tages ergab sich allerdings die glückliche Fügung, dass mein Vorgesetzter seine Tabakdose bei einer

Besprechung prominent auf seinem Schreibtisch liegen hatte und kurz aus dem Zimmer gerufen wurde.

Eilig schnappte ich mir die Schatulle und notierte mir den Markennamen.

Am Abend kam ich freudestrahlend nach Hause und berichtete meiner Frau von meinem Coup. Sie drängte

mich, den guten Tabak doch gleich zu probieren, und voller Vorfreude stopfte ich mir mein Pfeifchen.

Doch dann die Enttäuschung: Der Tabak schmeckte und roch nach … nichts! Ich war fassungslos. Hatte

sich der Trafikant etwa geirrt und mir fälschlicherweise eine andere Sorte verkauft? Eingehend vergewisserte

ich mich, dass der Name auf meinem Notizzettel mit jenem auf der Dose übereinstimmte. Man

konnte dem gewissenhaften Händler wirklich keinen Vorwurf machen und ich hatte somit auch kein

Ventil für meinen Unmut.

Ein paar Tage später nahm ich meinen Mut zusammen, fasste mir ein Herz und erzählte meinen Chef,

dass ich mir denselben Tabak wie er gekauft hätte, davon aber sehr enttäuscht wäre. Anstatt es mir übel

zu nehmen, dass ich Jungspund es wagte, seinen erlesenen Geschmack in Frage zu stellen, lachte er schallend.

Er fände den Tabak aus der Dose auch wirklich grässlich, erklärte er nur die Schatulle hätte es ihm

angetan, weil sie so praktisch wäre.

An diese Möglichkeit hätte ich nun im Leben nicht gedacht! Zwar war ich einigermaßen erleichtert über

die einfache Erklärung des Mysteriums, andererseits würde es wohl noch ein wenig dauern, bis ich mir

wieder so teuren Tabak leisten könnte.

Keine Woche später erlebte ich eine der schönsten Gesten meiner beruflichen Laufbahn: Mit den besten

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Wünschen meines Chefs wurde mir ein Päckchen mit 100 Gramm des begehrten Tabaks überreicht das

ich „zu Ehren“ meines Vorgesetzten selbstverständlich direkt in meine unlängst erstandene Dose füllte.

Auch wenn ich den Tabak auch später noch ab und zu rauchte so ausgezeichnet wie damals hat er mir

nie wieder geschmeckt.

Elterliche Pflichten

anonym, Chemieindustrie, 5.485 MitarbeiterInnen

Das Gute an einer Schwangerschaft ist außer dem Offensichtlichen natürlich dass man in der Regel

ausreichend Zeit hat, um die Ankunft des neuen Erdenbürgers minutiös zu planen und vorzubereiten

(ganz anders als es dann nach der Geburt zugeht). Auch im Büro bleibt neben regem Informationsaustausch

mit Bereits-Eltern und blumigen Entzückensbekundungen von Vielleicht-Bald-Eltern üblicherweise

genügend Spielraum, um die Übergabe aller Agenden zu organisieren. So hatte auch ich das für meine

eigene Karenzzeit vorgehabt.

Die Projektverantwortliche bei unserem Personaldienstleister war richtiggehend konsterniert, als wir

bereits Monate vor Beginn meines Mutterschutzes eine Vertretung zu engagieren gedachten. Mit einem

Augenzwinkern fragte sie mich sogar, wie sie nun so ganz ohne eigentlich schon verstrichene Deadline

zur Höchstform in der Bewerberauswahl auflaufen sollte. Um die bestmögliche Kandidatin zu gewinnen,

legten wir die Latte sogar nochmals höher und stellten der interimistischen Kollegin nach der einjährigen

Vertretungszeit eine Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit einer Vollzeitstelle in Aussicht.

Ich selbst konnte nach der Elternzeit ja nur noch in Teilzeit arbeiten.

Mit immer dickerem Bauch und meinem letzten Arbeitstag als Stichtermin vor Augen hatte ich die Einarbeitung

sehr intensiv gestaltet. Alles lief wunderbar bis zu dem Zeitpunkt, als zwei Wochen vor meinem

letzten Arbeitstag die Dame aus heiterem Himmel bei der Zeitarbeitsfirma kündigte. Wie mir unsere

Betreuerin fassungslos mitteilte, hatte sie die Kündigung nicht einmal selbst vorgenommen: Ihr Vater

hatte das Kündigungsschreiben morgens direkt bei ihnen am Empfang abgegeben. Offenbar war ihr eine

77


„Na hören Sie mal, seien Sie nicht so kleinlich, die zusätzlichen

200 Euro in der Stunde werden Ihnen ja wohl nicht wehtun!“

Doktorandenstelle an einer Universität zugesagt worden, um die sie sich schon die längste Zeit bemüht

hatte.

Kurz darauf ich hatte mich gerade so von meinem Schock erholt sollte ich mit unserer Betreuerin, was

Verwunderung anbelangt, im selben Boot sitzen. Denn anstatt mich rundheraus über ihre Kündigung zu

informieren, stand meine vermeintliche Vertretung zur verabredeten Zeit mit Stift und Papier im Türrahmen,

um mit der Aufgabenübergabe weiterzumachen. Vermutlich hatte ihr Vater einfach noch nicht die

Zeit gefunden, das Informationsschreiben für mich abzugeben …

Das hat die kaltblütige junge Dame aber natürlich nicht davor bewahrt, nach einer kurzen Aussprache

sofort ihre Habseligkeiten zu packen und eskortiert von unserer gesamten Abteilung umgehend das

Gebäude verlassen zu dürfen.

Für meine neue Kollegin, die wir auf die Schnelle über die Zeitarbeitsfirma doch noch finden konnten, war der

Einstieg hart. Sie wurde aufgrund der nicht mehr vorhandenen Zeit so richtig „ins kalte Wasser gestoßen“.

Umso mehr freut es mich, dass sie die Herausforderung bravourös gemeistert hat und wir seit vier Jahren

mehr als erfolgreich zusammenarbeiten sie in Vollzeit, ich in Teilzeit.

Interview im Spiegelkabinett

Burkhard Hanke, Unternehmensberatung, rund 1.000 MitarbeiterInnen

Beim Recruiting erlebt man die seltsamsten Situationen. Zu sagen, dass alle immer angenehm, lustig oder

erfreulich sind, wäre eine maßlose Übertreibung. Aber folgendes Ereignis war einfach nur verwirrend.

In der Vorauswahl waren uns zwei junge Männer mit gleichem Familiennamen als überaus kompetent

aufgefallen und wir luden sie zu einem Vorstellungsgespräch ein. Die Empfangsdame kündigte die Herren

zwar getrennt an immerhin hatten sie unterschiedliche Vornamen , aber sie betraten zu zweit mein

Büro.

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Als die Bewerber erschienen, war ich einigermaßen verblüfft, denn sie glichen

einander wie ein Ei dem anderen. Auch ihre Kleidung stimmte bis ins kleinste

Detail überein. Von der Krawatte bis zu den Schuhen war nicht der geringste

Unterschied zu bemerken. Es war, als stünde man vor einem Mann und seinem

Spiegelbild. Als wir die Unterhaltung begannen, konnte ich auch ihre Stimmen

nicht unterscheiden. Obwohl mir selbstverständlich klar war, dass ich es mit

eineiigen Zwillingen zu tun hatte, erforderte die Situation einiges an Konzentration,

um nicht vollends durcheinander zu geraten.

Wie sich dann im weiteren Verlauf des Bewerbungsgesprächs zeigte, agierten

beide sehr eloquent, kompetent und professionell. Sie boten alles, was einen

Recruiter zu Begeisterungsstürmen hinreißen konnte. Es war die reine Freude,

was dieses Doppelpack alles einbrachte. Offensichtlich hatten sie ihre „Einheit“

zu einer höchst erfolgreichen Marke gemacht.

Da wir aber nur eine Stelle zu besetzen hatten, kam auch nur einer der beiden in

Frage. Es fiel mir nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen. Daher überließ ich es

dem Zwillingspaar, zu entscheiden, wer von beiden nun den Job bekommen sollte.

Zu meinem großen Erstaunen war das für das Duo nicht akzeptabel. Wie aus einem

Munde kamen die Worte, einem griechischen Chor gleich: „Wir haben bisher

alles gemeinsam gemacht: jeden Job in derselben Firma, zusammen das Studium

gemeistert, die Schule abgeschlossen. Es gab bisher nichts, das wir nicht gemeinsam

getan hätten. Warum soll das im Consulting nicht möglich sein?“

Hmmmmm, lassen Sie mich kurz überlegen … „Also, Herr Vorstand, ich muss

Ihnen leider zusätzlich zu Herrn Alexander Zwilling auch Herrn Matthias

Zwilling verrechnen, da sie immer gemeinsam beraten. Das müssen Sie schon

verstehen ...“ „Ah nein, das tun Sie nicht?“ „Na hören Sie mal, seien Sie nicht

so kleinlich, die zusätzlichen 200 Euro in der Stunde werden Ihnen ja wohl nicht

wehtun!“ :-D

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Unmut kommt vor dem Fall

anonym, Personaldienstleistung, rund 290 MitarbeiterInnen

Wir legen großen Wert auf eine positive Candidate Experience und bringen unsere Wertschätzung BewerberInnen

gegenüber auch dadurch zum Ausdruck, dass wir uns innerhalb von maximal drei bis vier Tagen

nach Bewerbungseingang bei ihnen melden. Das war auch bei dem Protagonisten dieser Geschichte nicht

anders: Nach Durchsicht seiner Kandidatur war er mir bereits recht passend für die ausgeschriebene Position

erschienen, was sich im Telefoninterview noch bestätigte.

Daher lud ich ihn direkt zum persönlichen Vorstellungsgespräch ein. Aufgrund meines Urlaubs ergab es

sich allerdings, dass ich das Interview nicht selbst führen konnte, sondern den Kandidaten vertrauensvoll

in die Hände des Gebietsleiters und des Niederlassungsleiters übergeben musste. Ich hatte schon zahlreiche

Gespräche gemeinsam mit den Kollegen geführt und war sicher, mich auf ihre Einschätzung verlassen

zu können.

Als ich nach einer Woche wunderbar erholt wieder ins Büro kam, waren wiederum meine beiden Kollegen

auf Urlaub, und so hatte ich leider keine Chance, vorab ihr Feedback zu diesem Bewerber einzuholen. Damit

der arme Mann aber nicht zu lange auf eine Rückmeldung von uns warten musste, rief ich ihn bestens

gelaunt gleich am Vormittag an und erklärte ihm offen und ehrlich die Situation mit den sich überschneidenden

Abwesenheiten. Außerdem bat ich ihn um sein Feedback zum Termin. Wohlgemerkt: Wie gesagt

liegen uns zeitnahe Bewerberkommunikation und kurze Entscheidungswege sehr am Herzen, sodass seit

seinem Gespräch gerade einmal eine Woche vergangen war.

Unter diesem Gesichtspunkt fiel ich noch unsanfter aus allen Wolken, als mir plötzlich die ausgesprochen

harsche Kritik des Kandidaten wie ein eisiger Wind entgegenblies: Angefangen bei einer nicht zumutbaren

Wartezeit, die er allerdings nicht konkreter beziffern wollte, über nicht adäquate Fragen zu seinem

Werdegang bis hin zu einer allgemein suboptimalen Grundstimmung ließ er in zahlreichen Worten kein

einziges gutes Haar an dem Termin.

Ich habe vollstes Verständnis und bin es auch gewohnt, der Blitzableiter für KandidatInnen zu sein, die

von einer Absage enttäuscht sind, nachdem sie viel Hoffnung in eine Bewerbung gesteckt haben, und

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„Ich habe vom Vorabend noch so viel Restalkohol im Blut,

ich wäre eine Gefahr für die Verkehrssicherheit!“

ihrem Unmut nun Luft machen möchten. Das ist nur menschlich. Aber eine derart geballte Entladung

negativer Energie war selbst mir als erprobtem Blitzableiter noch nicht untergekommen.

Ich kontaktierte dementsprechend postwendend beide Kollegen direkt an ihren jeweiligen Urlaubsdomizilen,

um in Erfahrung zu bringen, was um Himmels willen bei diesem Interview so aus dem Ruder gelaufen

war. Da ich es normalerweise tunlichst vermeide, Kollegen in ihren wohlverdienten Ferien mit beruflichen

Banalitäten zu behelligen, war glücklicherweise beiden die Dringlichkeit der Lage sofort bewusst und sie

berichteten mir unabhängig voneinander, dass der Aspirant schlicht und einfach von den Qualifikationen

her nicht optimal entsprochen hätte. Sie hatten auch beide das Gespräch nicht als besonders nachhaltig

negativ empfunden.

Wir spekulierten also, dass der Kandidat vielleicht die nicht optimale fachliche Passung schon selbst

gespürt hatte und dementsprechend auf Angriff als beste Verteidigung setzte, und entschieden, ihm eine

Absage zu schicken.

Doch damit begann das Drama erst richtig: Der Herr forderte mich via E-Mail in einem freilich nicht ausgesucht

höflichen Umgangston auf, sämtliche seiner Daten umgehend zu löschen. Selbstverständlich

erfüllte ich ihm diesen Wunsch.

Es folgte eine weitere E-Mail, die sein blankes Unverständnis über die haltlose Absage ausdrückte. Bevor

ich noch deeskalierend reagieren konnte, schickte er abermals eine saftige Beschwerde darüber, wie

unprofessionell wir nicht wären und was uns eigentlich einfiele, ihn so lange warten zu lassen. Dazu

muss man sagen, dass der gesamte Prozess, vom ersten Kontakt bis zur Absage, ungeachtet der diversen

Urlaube, gerade mal zwei Wochen gedauert hatte. Im Sinne des Beschwerdemanagements wie aus dem

Lehrbuch entschloss ich mich, den Bewerber anzurufen, da E-Mail ganz offensichtlich nicht das richtige

Medium für sein Anliegen war. Mein Plan für das Gespräch war, Verständnis für seine Enttäuschung zum

Ausdruck zu bringen und ihn so zu beschwichtigen.

Allerdings musste ich rasch feststellen, dass sich mein Plan so gar nicht mit den Absichten meines Gesprächspartners

vereinbaren ließ. Freundlich ausgedrückt: Er wurde durchaus flegelhaft mir gegenüber

und forderte als Krönung zusätzlich noch die Bewerbungskosten ein. Im Sinne des Weltfriedens warf ich

meinen Stolz über Bord und leitete sogar umgehend die Überweisung in die Wege.

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Doch selbst das ging dem ungeduldigen Herrn nicht schnell genug vielmehr richtete er zwischenzeitlich

noch eine ausführliche Beschwerde an unseren Geschäftsführer: In schillernden Farben malte er ihm aus,

wie schlecht man ihn behandelt hätte, wie schleppend der Prozess verlaufen wäre und wie unprofessionell

wir alle agierten.

Dass ihn daraufhin sowohl der Gebietsleiter als auch unser vielbeschäftigter Geschäftsführer kontaktierten

und wir alle uns ihm gegenüber stets ausgesprochen zuvorkommend und verständnisvoll verhalten

hatten (was wirklich nicht immer einfach gewesen war), tangierte den Herrn nur äußert peripher. Er war

nicht zu besänftigen und gab sogar eine vernichtende Bewertung auf einer Job-Bewertungsplattform ab.

Vielleicht empfand er das als geeigneteres Medium für seinen Unmut als E-Mail oder Telefon, denn damit

hatte der Spuk schließlich ein Ende.

Ich frage mich bis heute, ob damals ein „Mystery-Jobber“ die Order bekommen hatte, uns auf Herz und

Nieren zu prüfen sollte jedenfalls unser Geschäftsführer den Test in Auftrag gegeben haben, dann

können wir uns wohl alle ein Beispiel an seinem perfekten Pokerface während des gesamten Cases

nehmen.

Gefahrengut -transport

Mag. Maria Theresia Wilhelm, Tourismus, rund 11 MitarbeiterInnen

Normalerweise freuen wir uns darüber, verantwortungsbewusste MitarbeiterInnen in unseren Reihen zu

haben. Gerade dieses Bewusstsein garantiert schließlich unseren Erfolg als Unternehmen. Wenn sich das

Verantwortungsbewusstsein allerdings freitags nach Dienstschluss in den Dornröschenschlaf verabschiedet

und erst Montagfrüh wieder erwacht, kann das problematische Folgen haben.

Als einer unserer Mitarbeiter während meiner Arbeitszeit in Südtirol nicht zum Dienst erschien und ich

ihn anrief, um zu fragen, wo er denn wäre, entgegnete er mir: „Ich kann heute nicht in die Arbeit kommen.

Ich habe vom Vorabend noch so viel Restalkohol im Blut, ich wäre eine Gefahr für die Verkehrssicherheit!“

83


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Alles, was Recht ist!

PHH Rechtsanwälte, Rechtsberatung, 76 MitarbeiterInnen

JuristInnen gelten in der Öffentlichkeit als große Vertrauenspersonen. Sie verkörpern nicht nur Gerechtigkeit

und Fairness, auch ihr Fachwissen scheint schier unerschöpflich zu sein. Wenn RechtsexpertInnen sich

allerdings in einem anderen Land mit völlig unterschiedlichen legislativen Voraussetzungen profilieren

wollen, kann das dazu führen, dass das positive Image schnell Schaden nimmt.

Vor einiger Zeit bewarb sich eine Dame, die in Innsbruck Jus studiert hatte, für ein Praktikum im Litigation-Bereich.

Ihr Lebenslauf war ansprechend, und auch im persönlichen Gespräch vermittelte sie erfolgreich

den Eindruck, dass sie wüsste, wovon sie sprach. Wir luden sie daher ein, das Praktikum bei uns zu

absolvieren. Die ersten Arbeitstage stimmten uns sehr positiv, sodass die Kollegin schon bald nach ihrem

Eintritt an Besprechungen mit KlientInnen teilnehmen durfte.

In einer dieser Besprechungen wurde sie schließlich zu fundamentalen Sachverhalten des österreichischen

Rechts befragt. Dass diese Informationen, die jede/r JuristIn normalerweise im ersten Studiensemester

lernt, nicht sofort aus ihr heraussprudelten, verwunderte uns und trübte etwas das gute Bild,

das wir bis jetzt von ihr hatten. Wie konnte jemand eine juristische Ausbildung vorweisen, ohne Ahnung

von den Grundlagen zu haben? Die Situation sollte sich schlussendlich im Nachgang der Besprechung

klären. Als wir wissen wollten, warum sie die Frage nicht beantworten konnte, antwortete sie lapidar:

„Das weiß ich nicht, das ist österreichisches Recht!“.

Nach einigen Sekunden der Sprachlosigkeit wollten die KollegInnen vermutlich bereits im Kalender

nachsehen, ob dort etwa „1. April“ stünde. Vielleicht würde die Praktikantin auch gleich in Gelächter

ausbrechen und allen offenbaren, dass sie parallel an einer Karriere als Kabarettistin feilte. Die Realität war

dann doch weit ernüchternder: Wie sich herausstellte, hatte sie zwar in Innsbruck studiert, allerdings nicht

österreichisches Recht, sondern italienisches. Auch wenn eine Karriere im hiesigen Prozessrecht somit

schwierig wird in Italien sind gute JuristInnen immer gefragt.

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Mit meinem puterroten Kopf und etwas eingezogenen Schultern

verließ ich auf schnellstem Wege das Büro.

Ein Küsschen in Ehren

Barbara Yiangou, Personaldienstleistung, rund 1.300 Mitarbeiter

Ich muss gestehen, dass auch mir einmal ein Fauxpas unterlaufen ist, der mir heute noch ein wenig im

Magen liegt.

Es war in der Osterwoche und wieder einmal Zeit für die Kunden-Kontaktpflege in Form von kleinen

Aufmerksamkeiten. In den diversen Büros häuften sich die Osternester, gefüllt mit bunt bemalten Eiern,

Schokohasen und -lämmern.

Man will ja seinen KundInnen wirklich Freude bereiten, und als Dienstleister sollte man sich da schon

etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Speziell natürlich, wenn es um Feiertage wie Weihnachten oder

Ostern geht. Da wir jedoch in einem eher konservativen Bereich tätig sind, dürfen die Aktionen nicht zu

kreativ oder ausgefallen sein. Unsere KundInnen schätzen eben das Beständige, Traditionelle.

Nach kurzem Überlegen kam ich zu dem Entschluss, dass Kulinarisches immer gut ankäme, und wählte

diesmal die bei uns so beliebte Osterpinze (eine traditionell österreichisch-slowenische Ostermehlspeise

aus Germ- bzw. Hefeteig).

Ich war also an einem schönen Frühlingstag unterwegs, um meine Osterpinzen zu verteilen. Selbstverständlich

ließ ich mir dabei nicht die Gelegenheit entgehen, wieder einmal ein paar persönliche Worte mit

meinen KundInnen zu wechseln.

Schmatz!

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Mein Besuch galt einem wirklich sehr traditionellen Unternehmen, dessen Einkaufsleiter ein überaus korrekter

und strenger Herr ist. Ich brachte ihm die Pinze, die ihm auch offensichtlich Freude machte, plauderte

ein wenig, merkte aber, dass er nicht viel Zeit hatte. Daher machte ich mich bald an die Verabschiedung.

Wir erhoben uns beide, gingen aufeinander zu, reichten uns die Hände und mein Gegenüber beugte sich

ganz leicht nach vorne. Wahrscheinlich wollte er einfach nur seinen Rücken entspannen, aber ich hatte

diese Geste völlig missinterpretiert und drückte dem verdutzten Mann links und rechts ein Küsschen auf

die Wange. Erst da wurde mir klar, dass ich einem unglaublichen Missverständnis aufgesessen war.

Schlagartig wurde ich zur roten Laterne. Ich glaube, das rote Leuchten konnte man noch vor dem Haus

sehen.

Mit meinem puterroten Kopf und etwas eingezogenen Schultern verließ ich auf schnellstem Wege das

Büro. So blitzschnell habe ich mich noch nie verdrückt. Der Eindruck ist jedoch geblieben, dass sich unser

Verhältnis nach dem „Busserl-Gate“ ein klein wenig entspannt hat und mir der respektable Einkaufsleiter

etwas wohlgesonnener ist als zuvor. Wenn wir einander die Hände reichen, erscheint sogar manchmal ein

leichtes Schmunzeln auf seinem sonst so ernsten Gesicht. Das heißt allerdings nicht, dass ich diese doch

etwas intime Freundschaftsbezeugung jemals wiederholen werde.

Als unsere Personaler sprinten lernten

Mag. Thomas Denkinger, LKW WALTER Internationale Transportorganisation AG

Wenn KandidatInnen sich mehrmals bei einem Unternehmen bewerben, ist das üblicherweise ein

Indikator für sehr großes Engagement und Interesse. Gelegentlich ist es aber auch ein Zeichen obsessiver

Beharrlichkeit. Über ersteres freuen sich Personalverantwortliche, über letzteres weniger. So auch im

Fall dieser Kandidatin, die sich regelmäßig wiederkehrend bei uns auf unterschiedliche vakante Stellen

beworben hatte. Ihre Qualifikationen passten zwar nie zum Anforderungsprofil, dennoch versuchte sie es

unermüdlich immer wieder und ließ sich durch keine Absage weder schriftlich noch mündlich beirren.

Irgendwann dürfte sie jedoch einen Punkt überschritten haben, der sie veranlasste, sich ohne jegliche

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Einladung oder Terminvereinbarung auf den Weg zu uns zu machen und unserer Unternehmenszentrale

einen Besuch abzustatten.

Bei uns angekommen, bat sie nicht etwa bei unserem Empfang, mit der HR-Abteilung Kontakt aufzunehmen,

was wohl in ihren Augen von mangelndem Durchsetzungsvermögen gezeugt hätte. Die Dame wartete

vielmehr, bis das Empfangspersonal abgelenkt war, und schlich sich dann unbemerkt ins Gebäude.

Nachdem sie scheinbar längere Zeit durch unsere Zentrale geirrt war, wurde sie von einem hilfsbereiten

Mitarbeiter entdeckt und angesprochen, ob man ihr denn helfen könnte. „Ja, ich suche die Personalabteilung.“

Nachsatz: „Ich habe dort einen Termin.“ Hilfsbereit und engagiert brachte der Kollege sie zu uns.

Endlich an ihrem Ziel angelangt, sorgte sie für Aufruhr unter den HR-KollegInnen, indem sie mitten in

der Personalabteilung stehend selbstsicher verkündete, zum Vorstellungsgespräch gekommen zu sein.

„Wer ist die Dame?“ „Haben wir heute noch einen Termin?“ „Hat der Empfang sie angekündigt? Wenn

nein, wie kommt sie in die Personalabteilung?“ Diese oder sehr ähnliche Gedanken gingen in diesem

Moment den MitarbeiterInnen der Personalabteilung durch den Kopf.

Spontan nahm sich eine Kollegin aus dem Bewerbermanagement, die für ihre äußerst sorgfältige und

präzise Arbeitsweise bekannt ist, die Zeit, mit der Bewerberin dies und alles weitere im Besprechungszimmer

zu klären. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass die Frau zwar nie einen Termin

vereinbart hatte, aber dennoch stur auf ein Interview hier und jetzt beharrte und gar nicht daran

denken wollte, das Gebäude, ohne ihr Gespräch bekommen zu haben, wieder zu verlassen. Scheinbar

war sie beseelt von der Idee, sich ihr persönliches Gespräch zu „ersitzen“.

Letztlich gab meine Kollegin entnervt auf und bat um Unterstützung der HR-Manager zur Klärung der

Situation. Rausschmeißer war ehrlich gestanden nie mein Traumberuf. Daher fühlte ich mich, gelinde

gesagt, etwas unwohl, als ich die beharrliche „Möchtegern-Vorstellerin“ damit konfrontierte, dass wir

ohne Termin und Vorbereitung kein seriöses Interview führen könnten und sie nun das Gebäude verlassen

müsste, sich aber natürlich gerne jederzeit wieder bewerben dürfe. Erneut ihre Verweigerung. Erneut das

Beharren auf ein Gespräch. Keine Einsicht, kein Einlenken ohne Interview ginge sie nicht. Punkt! Sitzstreik!

Am Ende meiner Eloquenz angelangt, bat auch ich bald um Verstärkung durch einen Senior-Personalisten.

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Aber auch zwei g’standene HRler erreichten nicht unbedingt ein Mehr an Einsicht oder Einlenken. Sie blieb

weiterhin stur im Besprechungszimmer sitzen und „wartete“ auf ihr Interview. Bald waren auch wir beide

mit unserem deeskalierenden Latein am Ende und es blieb uns nichts anderes übrig, als der Frau im

Schulterschluss, mit verschränkten Armen und so grimmiger Miene wie möglich mit dem Sicherheitsdienst

zu drohen.

Die Vorstellung, wild strampelnd aus dem Gebäude getragen zu werden, behagte ihr wohl nicht sonderlich,

denn sie zeigte sich einsichtig und begleitete uns in den Aufzug. Während der Fahrt nach unten

flammte ihr Kampfgeist aber doch noch einmal auf, denn in dem Moment, als sich die Aufzugstüren im

Parterre öffneten, sprang sie aus dem Lift, nahm „die Beine in die Hand“ und flitzte wie eine Olympionikin

quer durchs Foyer und wieder die gegenüberliegende Treppe hinauf Richtung Personalabteilung. Wir

beide, im ersten Moment völlig verdutzt, aber dann doch mit Zeitverzögerung hinterher. Der Kollege beim

Empfang völlig irritiert.

Bevor jedoch die Verfolgungsjagd durch unser Bürogebäude spektakulär in Fahrt kam, bemerkten wir offen

gesagt nicht unglücklich darüber , dass die Dame es sich Gott sei Dank anders überlegt hatte, zwischen

erstem und zweitem Treppenabsatz dann doch stehen blieb, sich von uns gnädig einfangen und zum Ausgang

eskortieren ließ. Wenig überraschend bewarb sich die Frau nach diesem Vorfall nie wieder bei uns.

Damit haben wir zwar keine weitere Mitarbeiterin gewonnen und waren weiter auf der Suche nach

„Mr. oder Mrs. Right“, ich wurde aber zukünftig immer wieder mal von unserem Empfang geneckt, ob ich

denn auch noch regelmäßig mein Lauftraining absolvierte, um unseren BewerberInnen gewachsen zu

sein. Wer den Schaden hat …

The End!

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CAREER Verlag

GPK. Weil es wichtig ist.

Der CAREER Verlag bietet seit bald 30 Jahren wichtige Orientierungshilfen für Menschen, die Karriere

machen, und für Arbeitgeber, die die Richtigen für sich gewinnen wollen. Ganz nach dem Verlagsmotto:

„Erfolgreich entscheiden“.

Im auf die Themenbereiche Karriere und Wirtschaft spezialisierten CAREER Verlag erscheinen sowohl

langjährige Eigenpublikationen wie der AKADEMIKERiNNEN-GUIDE, der MATURANTiNNEN-GUIDE

und die D-A-CH-weite Recruiting-Studie BEST RECRUITERS als auch zahlreiche Publikationen namhafter

externer Auftraggeber, wie beispielsweise Jubiläumsbände von höchster Qualität. Auf Basis unserer

fundierten Expertise im HR-Bereich unterstützen wir unsere KundInnen darüber hinaus mit individuell auf

ihren Bedarf zugeschnittenen Strategien zur Optimierung der Recruiting-Qualität.

Der Verlag bildet den Grundstein des GPK-Erfolges: Heute ist die GPK eine der führenden Kommunikationsagenturen

Österreichs und umfasst, neben dem Verlag, auch Advertising, Public Communication und

Event mit weiteren großen Leistungsbereichen. www.careerverlag.at

GPK Advertising & Public Communication widmet sich mit Leidenschaft und Können institutionellen

Themen und Anliegen. Wir vereinen dabei strategische Qualität mit kommunikativer Kompetenz und

innovativer Umsetzungskraft. Alles unter einem Dach.

Das gesamte Portfolio wird wegen der über Jahrzehnte aufgebauten Expertise im Public Sector besonders

gerne genutzt. Von der strategischen Beratung bis zum Full-Service wir erstellen maßgeschneiderte

Konzepte und begleiten von den ersten Schritten bis zur Implementierung.

Unsere Multidisziplinarität ist ein wirklich starkes Asset. Dabei verlieren wir nie unsere Identität und den

eigenen Anspruch aus dem Auge: Ein starkes Team, Diskretion sowie vertrauensvolle, langfristige und

erfolgreiche Kundenbeziehungen machen uns zu einem starken Partner. www.gpk.at/advertising

GPK Event zählt seit vielen Jahren zu den größten Eventagenturen des Landes. Die GPK-Eventprofis sind

below the line ExpertInnen, verstehen sich als KommunikationsberaterInnen und arbeiten nach strengen

und bewährten Qualitätsstandards dem GPK Q17-Standard. Wir verbinden Erfahrung mit Kreativität,

sowohl in der Konzeption als auch in der Umsetzung.

Unsere Events sind Events mit Passion. www.gpk.at/event

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Überblick der Publikationen

Der AKADEMIKER nnen -GUIDE von CAREER

Seit 28 Jahren erscheint Österreichs Karrierebibel im CAREER Verlag Österreichs

Entscheidungsratgeber für den jungen Arbeitsmarkt. Darin enthalten ist der CAREER

Monitor die jährliche Erhebung unter österreichischen Personalchefs. Sie bringt

Trends und Anforderungen für Karrieremacher auf den Punkt.

www.akademikerinnen-guide.at

Der MATURANT nnEN -GUIDE von CAREER

Alle angehenden österreichischen Maturantinnen und Maturanten erhalten den

zielgruppenadäquaten Bildungs- und Berufsratgeber für die bestmögliche

Vorbereitung auf die weitere Bildungs- und Berufslaufbahn.

www.maturantinnen-guide.at

Die BEST-RECRUITERS -Studie von CAREER

BEST RECRUITERS, die größte Recruiting-Studie im deutschsprachigen Raum,

untersucht jährlich die Recruiting-Qualität der Top-1.200-Arbeitgeber Österreichs,

Deutschlands und der Schweiz und zeichnet die besten Recruiter aus.

www.bestrecruiters.eu

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our

Human

Resources

2. Ausgabe!

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Wir haben noch lange nicht genug!

Weil es so schön war, steht die zweite Ausgabe von HUMOUR RESOURCES bereits in den Startlöchern: Wir

sind überzeugt, dass noch viele weitere verborgene Erlebnisschätze nur darauf warten, erzählt zu werden,

damit ihnen die Aufmerksamkeit zukommt, die ihnen auch gebührt.

Haben auch Sie besondere Geschichten erlebt und beim Lesen Lust bekommen, sie mit uns zu teilen?

Schicken Sie uns doch einen kurzen Abriss Ihrer Story an office@careerverlag.at wir sind unheimlich

neugierig!

Die Textlänge steht Ihnen frei und die Geschichte kann auf Wunsch anonymisiert erscheinen. Die besten

Storys werden in Zusammenarbeit mit der Redaktion ausgewählt und erscheinen in der 2. Ausgabe von

HUMOUR RESOURCES.

Als MitwirkendeR erhalten Sie selbstverständlich bei Erscheinen das gesamte Werk.

Wenn Sie Fragen haben oder Ihr Erlebnis einfach lieber persönlich zum Besten geben möchten ,

rufen Sie uns an. Wir freuen uns auf Sie und wünschen Ihnen bis dahin noch unterhaltsame Tage in

Ihrer Personalabteilung!

Herzlichst

Mag. Julia Hauska

Leitung CAREER Verlag

Kontakt: Gußhausstraße 14/2 | 1040 Wien | T +43 1 585 69 69-31 | E julia.hauska@gpk.at

gpk.at | careerverlag.at | humourresources.eu

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Dankeschön!

Aus den Tiefen unseres Zwerchfells danken wir all jenen, die uns an ihren skurrilsten

HR-Episoden teilhaben ließen:

• Mag. Rene Angermair, MA

• Jörg Buckmann

• Denise Büttner

• Mag. Thomas Denkinger

• Burkhard Hanke

• Mag. Andrea König, BA

• Toni Kronke

• Mag. Michaela Lackinger

• Sabrina Pint

• Ing. Erich Rathgeb

• Daniela Schmid

• Magdalena Schöberl

• Manuela Vorwerk

• Mag. Dagmar Wagner

• Mag. Maria Theresia Wilhelm

• Barbara Yiangou

• Mag. Andrea Zeilinger

• PHH Rechtsanwälte

… sowie den zahlreichen ErzählerInnen, die lieber anonym mitwirken wollten ;-)

Besonderer Dank gilt Dr. Klaus Niedl für seine wertvolle Idee und das Vertrauen in uns, die auf seine

Initiative gesammelten Geschichten gebührend zu würdigen.

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Impressum

Verlag, Produktion & Vertrieb

CAREER Verlag GPK Event- und Kommunikationsmanagement GmbH

careerverlag.at | gpk.at | humourresources.eu

Herausgeberin

Mag. Julia Hauska

Idee & Herausgeber

Dr. Klaus Niedl

Projektkoordination

Sophie Ehrgott, BA

Chefredaktion

Mag. Agnes Koller

Redaktion

Angela Eichler | Helga Eichler | Markus Gruber | Stefan Liebert, Bakk. | Birgit Schröfl, BSc

Art Direction

Christina Schier

Illustrationen

Susanne Habeler

Lektorat

Ernst Böck

Druck

Druckerei Schmidbauer, Oberwart

Danke für die Unterstützung:

GPK Advertising & Public Communication

GPK Event

NOVOMATIC AG

TALENTpro

Erste Auflage, Wien 2017

ISBN: 978-3-9504556-0-1

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HR -Verantwortliche enthüllen erstmals

ihre irrwitzigsten Geschichten

Wenn hauptberuflich verliebte Kandidatinnen auf Expats mit strengen Kammern

in der Dienstwohnung treffen, wenn Callboys zum Bewerbungsgespräch erscheinen

und wenn Sie morgens Captain Kirks Lebenslauf auf dem Schreibtisch vorfinden

dann dürfen Sie garantiert gerade in einer HR-Abteilung hinter die Kulissen schauen.

Das glauben Sie nicht? Überzeugen Sie sich selbst: Für HUMOUR RESOURCES plaudern

erstmals Personalverantwortliche aus Österreich, Deutschland und der Schweiz aus

ihrem sonst so gut gehüteten Nähkästchen.

Die Prämisse: Jede Geschichte ist so passiert und selbst erlebt.

Das Ergebnis: Die skurrilsten und unglaublichsten Geschichten der HR-Welt.

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