Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.099

E_1928_Zeitung_Nr.099

BUNTE CHRONIK AUS ALLER

BUNTE CHRONIK AUS ALLER WELT . . . That's America! Das Steuerbureau teilt mit, dass im Jahre 1927 in den Vereinigten Staaten 283 Personen Einkommen von über einer Million Dollars versteuert haben. Es ist dies die höchste je erreichte Zahl. Die grösste Glocke der Welt Die «tiefe O-GIocke, übrigens die grösste, die jemals in England gegossen wurde, und die einen Bestandteil des für die New Riverside Drive-Kirche in New York geplanten Glockenspieles bilden soll, wird als die grösste abgestimmte Glocke der Welt bezeichnet. Sie wiegt nicht weniger als 25 Tonnen, der Glockenklöppel 1 Tonne. in allen modernen Pelzarten und erstklassiger Ausführung bei kulanten Preisen. Einige Beispiele: Electric-Canin von Fr. 350.— an Taupe-Canin von Fr. 550.— an Nutriette von Fr. 600.— an Fohlen von Fr. 650.-— an Murmel von Fr. 1000.— an Nerzmurmel von Fr. 1200.— an Mindelmurmel von Fr. 1200.— an Agneau rase von Fr. 925.— an Lammfell von Fr. 600.— an Persianerfüssl von Fr. 1200.— an Ganz Persianer von Fr. 2000— an Electric Bisam von Fr. 2200.— an Nutria von Fr. 2800.— an Sommerhermelin von Fr. 3000.— an Ech Feh von Fr. 3500.— an Ferner Automobil-Lederjacken u. •Mäntel, Herren-Mäntel mit Pelzfutter in jeder gewünschten Ausführung, auch nach Mass. Empfehle Ihnen vor dem Pelzeinkauf einen unverbindlichen Besuch meines grossen Lagers. Mit fachmännischem Rat stehe Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. RESTAURANT CAFE FRITZ :: ZÜRICH 8 FRÖHLICHSTR. 37 / DUFOURSTR. Spezi alitäten: Wildpret rGüggeli / Qualitätsweine / Sep. Speiseraom Tea-ßoöm / Zivile Prä se. Telephon Limmat 3856- Bahnhofstrasse 51 Gegründet 1863 Telephon Selnau 55.97 EIGENE, MODERN EINGERICHTETE KÜRSCHNEREI Tag und Nacht geöffnet. ist ist selir mer zurück.» Hierdurch lässt sich genau feststellen, wie oft in Abwesenheit des Wohnngsinhabers angerufen wurde und wer animmer ein zuverlässiges, unschädliches Mittel, um Kopfweh, Migräne und Nervenschmerzen zu bekämpfen. Ein einziger Versuch wird , »Sie überzeugen. Schachtel Fr. 2.50. — ' In allen Apotheken oder direkt durch die Apotheke Richter & Co., Kreuzungen 5. Nächste Garage: TALSTRASSE 11 SCHANZENHOF Direkt neben der neu projektierten Effektenbörse Herbstspezialitäten: Wild etc., Ponlets, Forellen. Erstklassige Butterküche. Minelli, Mitglied des T. C. S. Ein Meter Milch gefällig? Milch dürfte demnächst auch nach Metern verkauft werden, wenn die Milchverkäufer ein neues Verfahren, das von einem Molkereibesitzer in Kopenhagen erfunden worden ist, benutzen werden. Seine Maschine rollt getrocknete Milch in Bogen, ähnlich wie Seidenpapier, und in dieser Form soll sich das Milcherxeugnis mehrere Jahr© ohne Veränderung der Qualität halten. Amtliche Bügelfalten. Ein© besondere Kleiderverordnung hat die englische Polizei eingeführt, die grossen Wert darauf legt, dass ihre Beamten schneidig angezogen sind. Die Stadt Sheffield hat nämlich auf der Hauptpolizeiwache eine JF'i'itaB Bucht. MAX HANKY, ZÜRICH SPEZIALHAUS FÜR FEINE PELZE Paradeplatz Zürich Hotel FALKEN, Küsnacht (Zeh.) 9""L* Beabsichtigen Sie die Neu - Eröffnung eines Detail -Verkaufsgeschäftes gleich welcher Branche/ Dann interessieren -Sie sich sicherlich auch für eine zuverlässige Verkaufskontrolle. Diese würden Ihnen Maeders Kassen-Blocks gewährleisten: die Verkaufskontrolle, die sich in Hunderten von Geschäften bewährt hat, teils Bchon seit über 25 Jahren. Verlangen Sie daher unverbindliche Vorschläge und Offerten von A. Maeder Söhne Blocksfabrik Licntensteis. AUTOMOBIL-REVUE 1928 N° 98 Dampfbüffelei eingerichtet, und jeder Sheffielder Polizist kann seine Uniform dahin bringen, wenn die Hosen ihre Falten verlieren oder die Aermel heraufrutschen. Die Arbeit wird kostenlos ausgeführt. Eine neue Insel. Dem amerikanischen Observatorium in Apia ist von mehreren Schiffen Mitteilung zugegangen, dass zwischen den Tonga- und Fidschi-Inseln, auf 17,25° südlicher Breite und 176,9° westlicher Länge durch ein unterseeisches Erdbeben grosse Aschenmengen an die Meeresoberfläche getrieben worden sind. Di© Massen haben bereits feste Form angenommen. Die letzte Messung der neugeschaffenen Insel ergab eine Tiefe von 15 bis 25 Metern. Mit 108 Jahren — eine Nacht durchtanzt. In Vancouver wurde kürzlich der hundertachte Geburtstag des Sattlers Quick gefeiert. Quick" hatte anlässlich seines Festtages alle Hundertjährigen Männer der Stadt und der Umgebung zu einem Bankett eingeladen. Acht Männer folgten der Einladung. Der älteste von ihnen zählte 115 Jahre, der nächstälteste 110 Jahre. Die sechs andern waren jünger als der Jubilar. Nach dem Bankett machte die Gesellschaft der Hundertjährigen eine Fahrt durch die Stadt und abends wurde das Fest durch einen Ball in einem der grössten Säle von Vancouver beschlossen, Das hundertachtjährige Geburtstagskind unterhielt sich bis spät in die Nacht und liess, so lange er im Saal anwesend war, nicht einen Tanz aus. Die erste Volkszählung in China. Die neue chinesische Regierung in Nanking beabsichtigt, eine Volkszählung des ganzen Reiches der Mitte mit einem einzigen Stichtag, für den der 10. Tag nach Frühlingsanfang des nächsten Jahres in Aussicht genommen ist, durchzuführen. Obgleich China seit den ältesten Zeiten ausserordentlich durchgebildete statistische Methoden besitzt, sind Volkszählungen bisher stets nur in einzelnen Bezirken und höchstens zugleich in einer Provinz vorgenommen worden. Man war daher bis jetzt auf Schätzungen angewiesen, die zwischen 400 u. 600 Millionen Chinesen differierten. Die neue Regierung versichert, dass man längstens am 15. Dezember nicht mehr zu schätzen haben werde : dann werde man genau wissen, wieviel Einwohner von ihr regiert werden. Der Doppelgänger des neuen Präsidenten. Der 'amerikanische Arzt Dr. William Benner aus Ohio hat das Pech, dem. neugewählten Präsidenten der amerikanischen Union, Hoover, aufs Haar ähnlich zu sehen. Dr. Benner ist unglücklich, dass Hoover gewählt wurde, denn jetzt ist sein Leben ein Martyrium. Nirgends kann er sich blicken lassen, ohne gefeiert zu werden. Eines Tages, erzählt eine amerikanische Zeitung, hielt der unterlegene Gegner Hoovers, AI Smith, eine Propagandarede in Ohio. Plötzlich blieb er stekken, erbleichte, verlor den Faden seiner Rede und konnte nicht weitersprechen. Das Publikum war über die unzusammenhängende Rede des sonst sehr schlagfertigen Smiths äusserst entrüstet. Die Erklärung war aber bald sehr einfach. In der ersten Reihe sass Dr. Benner. AI Smith glaubte, seinen Gegner, Hoover, vor sich zu sehen. Die Besänftigung des Meeres. Mit dem Kokosnusstage wird in Indien die Küstenschiffahrt und die Fischerei eröffnet. An diesem Tage ziehen Tausende und Abertausende zur Küste hinab, um Kokosnüsse in die See zu werfen, wobei sie den uralten Spruch wiederholen: «Seid besänftigt, o Wellen!» Es ist der Glaube der orthodoxen Hindus, das durch dieses sich alljährlich wiederholende Opfer die Götter des Meeres besänftigt und veranlasst werden,, die Fahrzeuge der Opfernden in ihren besonderen Schutz zu nehmen. Der Ursprung dieses Festes ist dunkel und reicht bis in die fernsten Vergangenheiten der indischen Geschichte zurück. Es ist aber besonders den Mahrattenfürsten zuzuschreiben, dass sie dieses Fest mit besonderem Pomp begangen, eine Ueberlieferung, die sich in den feierlichen Festzeremonien in Kokan und den.alten Mahrattenländern bis auf den heutigen Tag erhalten und diesen Tag zu einem allgemeinen Volksfeste ausgestaltet hat. Die Technik ersetzt das Individuum. Der Londoner Ingenieur King hat einen Apparat erfunden, der an das Telephon angeschlossen werden kann und automatisch den Hörer abnimmt, wenn niemand in der betreffenden Wohnng anwesend ist, und Antwort gibt. Dies geschieht nach einem Bericht in der « Umschau» so, dass beim Klingeln des Telephons nach dem Abnehmen des Hörers eine Grammophonplatte zu laufen beginnt, die folgende Worte, übermittelt: «Automat spricht. Personen sind nicht zu Hause. Lassen Sie Ihren Namen und Ihre Telephonnum- gerufen hat. Wird der Apparat mit einem besonders konstruierten Thermometer verbunden, so kann er als automatischer Feuermelder dienen, indem er beim Ansteigen der Hitze über ein bestimmtes Mass das Amt anruft und sagt: « Der Automat spricht Bei Nummer soundsoviel ist Feuer ausgebrochen.». Der Apparat ist gegenwärtig auf der internationalen Ausstellung für Erfindungen in Lou* .don ausgestellt. Die Berufsehre der Einbrecher. «Ich bin ein Einbrecher von Klasse und verstehe mehr als Sie ! » erklärte dieser Tage höchst entrüstet der als Fassadenkletterer bekannte Duncan Mc Dongall, der in Glasgow vor dem Richter stand. Man hatte ihn beschuldigt, in einen Perdestall eingedrungen zu sein und dort kupfer- und silberbeschlagene Pferdegeschirre entwendet zu haben, aber diese Behauptung kränkte den Spezialisten in seiner Berufsehre. «Kein Einbrecher von Rang wird sich zu solcher Spielerei hergeben, » erklärte er, «das ist blutiger Dilettantismus ! Ich habe jetzt mehr als 30 Einbrüche hinter mir und insgesamt 18 Jahre Gefängnis; vorige Woche bin ich erst herausgekommen, aber nie habe ich solche Schundarbeit geliefert. Wenn Sie es denn durchaus wissen wollen,» so fuhr der in Hitze geratene Einbruchskünstler fort, «ich bin in das Schlafzimmer des Fuhrwerkunternehmers ein-» gestiegen und habe ihm Uhr, Kette und Brieftasche unter dem Kopfkissen weggenommen. Das ist saubere Arbeit, sowas brächten Sie nicht fertig — aber das andere — pah !.. • * Vergebens zupfte der Anwalt den allzu Rede-^ lustigen am Aermel. Weiterer Zwangsaufent-» halt von 18 Monaten war die Folge der gekränkten Rechtfertigung. Der Mann, der zu seiner eigenen Beerdigung; kam. Chaskil Roter und Abram Mongard, zwei gute Freunde, waren aus ihrer Vaterstadt Logow, Kreis Opatow, nach Berlin gekonn men. Wie es manchmal bei gemeinschaftlichen Geschäften ergeht, kam es zwischen den beiden zum Streit. Mongard, der keine Papiere bei sich hatte und « schwarz » über die Grenze gekommen war, nahm seinem Freund die Papiere fort und reiste unter dessen Namen nach Warschau. Vor vierzehn Tagen erkrankte Mongard daselbst, logierte sich, immer unter dem Namen seines ehemaligen' Freundes, im jüdischen Krankenhaus ein, musste operiert werden und starb. Das Krankenhaus benachrichtigte die Angehörigen des in den Papieren bezeichneten Chaskil Roter von dessen Tode. Vergangenen Montag sollte die Beerdigung in Warschau stattfinden. Vollzähig waren die Angehörigen auf dem Fried-

— 192R AUTOMOBIL-REVUE IM SCHÖNEN LAND TIROL. Unser «Grauchen» ist ein Auto und wir sefcen ihm aus lauter Zärtlichkeit diesen Kosenamen; denn mit der Sicherheit eines zuverlässigen Kameraden führt es uns hinaus in die weite Welt, nach Süd, Nord, Ost oder West. Es kommt auch aus einem guten Stall, wenn auch Serienkarosserie, so doch prima Stammbaum. Dieses Mal hatte es uns an die Gestade der blauen Adria geführt, und nachdem wir uns dort in Sonne und Meer reichlich gebadet hatten, ging es über die Dolomiten, Brenner und Arlberg heimwärts. Grauchen wurde aus dem Stall geholt und mit einer Ladung handlicher-Lederkoffern, die unsere Kleider, Zahnbürsten und was sonst noch nötig ist, enthielt, bepackt, die Mannschaft, die zugleich als Pfadfinder, Dolmetscher etc. funktionierte, bestieg Grauehen, unser Steuermann setzte sich ans Rad, und fort giflg's auf breiter Autostrasse über Rimini und Forll Ravenna entgegen. Rechts und links der Strasse schauten da und dort durch Parkgitter die Sommersitze' italienischer Granden wie verträumte Märchen aus dem Grün der alten Parkbäume hervor. Ueberall dasselbe Bild, gut angepflanzte Felder, arbeitende, frohe Menschen, lachende Sonne, blauer Himmel und — keine Autofallen. Die Strassen in der Romagnola und im Veneto waren durchweg breit und gut gepflegt, zum Teil links und rechts mit schattigen Bäumen bepflanzt Kein Wunder, dass Grauchen sein Bestes gab und die Stimmung der Mannschaft mit der sonnigen Umgebung wetteiferte. Abwechslungsreiche Bilder entroHten sich unserem Auge. Bald waren es die zackigen Felskuppen der Dolomiten, die uns in Enthusiasmus versetzte, bald berichteten wieder die einsamen Soldatenfriedhöfe rechts und links der Strasse von Kämpfen und einsamem Verbluten. . Allmählich aber weitete sich das Tal und die fruchtbaren Gelände des Südtirols erfreuten wieder das Auge, während die Berge ringsum bedeuteten, dass wir immer mehr dem Norden entgegenfuhren. Grauchen nahm Berg- und Talstrassen mit Würde und Selbstsicherheit. Doch als wir so gegen die Passhöhe des Brenners hinaufkamen, fing es an zu erlahmen. Seine Rasse, mit der es uns immer imponiert hatte, war dahin, so wie ein müdes Tierchen kroch es weiter. Die Mannschaft, schien das weiter f noch•£ar nicht sp :als ungehörig, zu .empfinden, den- Steuermann aber überkam gelindes Grauen. Verstopfte Benzinleitung, verdrehte Dtjsen — Zündungsdefekt — selbst ein erfahrener Steuermann neigt leicht dazu, sich mit dem Allerschlimmsten zu erschrecken. Zum Glück fuhr Grauchen, wenn auch sehr langsam, unentwegt weiter, und da zudem die Passhöhe erreicht war, so fing es unserem Steuermann an, leichter zu werden. Die Passformalitäten machten keine weitern Schwierigkeiten, und als wir auf österreichischer Seite den nicht gerade bescheidenen Strassenzioll entrichtet hatten, wurde der Schlagbaum, der die Strasse versperrte, zurückgezogen und wir durften unbehelligt einziehen ins schöne Land Tirol. Grauchen schien sich nach dieser Ruhepause auch wieder erholt zu haben und trug uns mit seiner gewohnten Sicherhett das Tal hinunter. Unser Steuermann atmete erleichtert auf; denn die Bremsen funktionierten einwandfrei und das viele Bergsteigen glaubten wir nun Gott sei Dank hinter uns zu haben. Nach Innsbruck kam die erste Autopanne. Grauchen hatte plötzlich einen Plattfuss. Flugs wurde das Rad gewechselt und hernach ging's Landeck entgegen, wo wir nächtigen wollten. Doch der Mensch denkt, das Auto aber —. Die Strasse war längst nicht mehr so breit und gutgepflegt wie in Italien und zum Teil im Südtirol. Sie wurde immer schmäler, kurvig, bergauf, bergab, holperig und ungepflegt. Bergwärts lahmte Grauchen wieder ganz bedenklich und zum Ueberfluss bemerkten wir einen recht eigentümlichen Geruch, wie von angebranntem Leder im Wagen. Weit und breit kein Dorf, kein menschliches Wesen. Unser Steuermann kletterte aus dem Wagen, hob die Motorhaube auf, schraubte die Kerzen heraus, setzte den Motor wieder in Funktion, er lief ruhig wie immer. Es Hess sich einfach nichts finden. Auf einmal, — wir rechneten eben aus, dass wir bis Landeck noch 18 km hätten, blieb Grauchen nach einigen Metern plötzlich stehen. Der Motor arbeitete zwar wie sonst, doch der Wagen wollte einfach nicht vorwärts. Jetzt merkten wir, aha die Kupplung! Wir stiegen aus und betrachteten unseren Reisekameraden, der uns nun so kurzerhand im Stiche Hess. Da, wie aus dem Erdboden gewachsen, erschienen zwei Eingeborne in Lederhosen, das Pfeifchen im Mund und glotzten uns an. »Schiebens den Wagen doch r'über.» Jetzt erst sahen wir, dass weiter seitwärts ein grösseres Bauerngehöft war, zu dem unsere bei- "den Zuschauer wohl gehörten. Wir fragten sie, ob in der Nähe ein Bahnhof oder sonst die Möglichkeit sei, zu telephonieren. Sie verneinten. Wenn jetzt kein Auto kommt, so haben wir zum Schluss unserer glänzenden Fahrt noch das Vergnügen, im Auto zu nächtigen. Wir warteten und warteten, doch nirgends Hessen sich so verheissungsvolle Lichter blicken. Unser Steuermann und eine Abteilung unserer Mannschaft gingen nun dem Hause zu und wollten etwas Milch und Brot kaufen; denn unsere Rationen waren aufgezehrt. Ein menschenähnliches Wesen bedeutete ihm, man hätte keine «Automilch». Nun bat man, ob die zwei weiblichen GUeder unserer Mannschaft in der Wohnstube nächtigen dürften. Das Ansuchen wurde wegen Platzmangel abgewiesen. Dabei hätten sich in der Stube etliche Paare im Walzer drehen können und Stühle gab es auch um den Tisch herum. Menschenfreundlichkeit, du holdes Blümerl gedeihst scheint's auch nicht überall im Tirolerland. Nun machten wir es uns, so gut es ging im Wagen bequem und dachten an nichts anderes mehr, als ans Schlafen; müde genug waren wir. Wenn nur nicht dieser eck- Hge Geruch im Wagen gewesen wäre, so dass wir die Fenster nicht schliessen konnten und die Nacht war, gegenüber der Wärme, die wir von Mittel-Italien gewohnt waren, reichlich kühl. Plötzlich, es war noch keine Stunde vergangen, leuchtete der Horizont auf. Ein Auto! Vor Freude wurden alle wieder wach. Nach kurzer Zeit stehen die Lichter dicht vor uns. Ein Bierlastwagen! Der Chauffeur war bereit, uns angeseilt mitzuschleppen. Leider fuhr er nicht nach Landeck, so dass wir wieder nach Imst zurückkehren mussten, woher wir kamen. Doch wir waren heilfroh, wenigstens vom Fleck zu kommen. Um Mitternacht langten wir vor dem Gasthof zur Post im Imst an. Doch bittere Enttäuschung! Das Gasthaus war im Umbau begriffen und kein Zimmer zu bekommen. Die Wirtin gab uns nun den Hausknecht mit und so zogen wir in mitternächtlicher Stunde durch die Gassen Imsts ein Nachtquartier suchend. Plötzlich ertönte von der Höhe eines Hauses herab eine Stimme, die uns die vier so ersehnten Lager verhiess. Grauchen schöben wir erst in einen Schopf, deckten ihn mit Tüchern gut zu, gaben ihm zum Abschied einen freundschaftlichen Klaps und marschierten dann unserem Nachtquartier entgegen. •.".In.einem, urcnlgen tirolerhaüs kamen wir über eine steile, dunkle Treppe auf einen langen Gang aus Steinfliesen. Erstaunt sahen wir, dass auf ihm grosse Haufen Schwalbenkot lagen. Verwundert fragten wir unseren Führer, der uns mit einer Kerze voranleuchtete, warum man hierzulande diese Dinger an einem Samstag nicht entferne? Doch ganz entsetzt sagte er uns: «Das tut man nicht, das bringt doch Glück!» Nun schauten wir die Dinger schon von einem anderen Gesichtswinkel an, nahmen grosse Schritte darüber und hofften im Stillen, sie möchten nun auch uns Glück bringen zum morgigen Start. (Trotz dem grossen Schritt!) Am anderen Tag, einem Sonntag morgen, telephonierten wir einer Auto-Reparaturwerkstätte nach Landeck. Wir hatten vorerst in Imst schon beim einzigen Mechaniker, den es dort gab, unser Glück versucht und ihn gebeten, er möchte uns einige Blechstücklein beim Kuppelleder einschieben, damit das ganze wieder anpacke. Doch er erklärte, keine Zeit zu haben, da er für eine Sitzung ein Protokoll abfassen müsse. «Wartemer also geduldigl» Nach reichlich zwei Stunden, während welchen wir bereits halb Imst als Gaffer um unser Auto versammelt hatten und Grauchen sich ordentlich schämte, dass es nicht auf und davon entfliehen konnte, sauste etwas auf einem Motorrad daher. Es war unser Helfer in der Not. Flugs klemmte er uns etliche Blechlein zwischen das Kuppelleder und meinte dann, wir sollen jetzt nur langsam voran fahren, er komme dann nach. Erst wollte er natürlich noch eine Stärkung nehmen. Anfangs fuhr Grauchen frisch drauflos, doch als die Strasse ziemlich lang steil aufwärts ging, stand es plötzlich wieder still. Nun musste der gute Mann wohl oder übel doch auf seinen Imbis verzichten und mit uns fahren. Erst klemmte er noch mehr Blechlein zwischen das Kuppelleder und fuhr uns dann in ganz langsamem Tempo bis Landeck. Noch nie hat uns eine Strasse so lange gedünkt, wie diese und der Sinn für die Schönheiten des Landes Tirol ging bei der Mannschaft ganz verloren. Da.es Sonntag war, wurde Grauchen in Landeck in die Garage gestellt, und wir hatten das Vergnügen, so in nächster Nähe der Schweizergrenze noch einmal unfreiwillig festzusitzen. Wir fügten uns ins Unvermeidliche, schauten uns den Ort die kreuz und quer an, machten einen Aufstieg aufs Schloss und hatten am Abend noch die erfreuliche Ueberraschung, plötzlich auf einer Bergwiese, deren Hintergrund zackige Felsen waren, die sich wie riesige Kulissen vom Blauschwarz des nächtlichen Himmels abhoben, ein mächtig beleuchtetes weisses Kreuz im roten Feld zu sehen. «Unser Schweizerwappen», riefen wir hellerfreut. Auf unser Nachfragen erfuhren wir, dass heute, es war der 1. August, die Schweizerkolonie in Landeck ihren Nationaltag so begehe. Am Montag morgen ging's dann gemütlich an die Reparatur. 6 Uhr Abends wurde es, bis das neue Kuppelleder ersetzt und alles wieder Trinkt alkoholfreie Trauben- u. Obstweine Hostettler & Co., Bern r EUGEN KELLER töafinfiofstrasse 16 7 IIDirH zusammengeschraubt war. Nicht mehr als zwei neue Leder mussten geschnitten werden, da sie immer zu kurz abgeschnitten waren und mit dem Strecken und Ziehen ging viel Zeit verloren. Als Grauchen endlich wieder startbereit war und man den Motor probierte, klopften die Kolben fürchterlich. Der Mechaniker orakelte: «Mit dem Wagen kommen Sie keine 100 Meter weit.» Nun, unser Steuermann war anderer Meinung. Er behauptete, Grauchen habe zu kalt gehabt, daher das Klopfen. Wir alle hatten Landeck und die ganze Tirolergemütlichkeit so satt, dass wir uns kurzerhand entschlossen, noch um 6 Uhr abends über den Arlberg zu fahren. Allerdings nahmen wir den Mechaniker bis Stuben mit. Unser Steuermann hatte recht behalten. Das Klopfen gab während des Fahrens nach, Grauchen fuhr ruhig seine Strasse. Immer mehr ging es in die Höhe, immer mehr in die Berge hinein. Ueber grüne Wiesen sprangen die neugierigen Kühe, um Grauchen zu begrüssen. Auf breiter, guter Strasse ging es hinauf zur Passhöhe, mitten in einen dichten Nebel hinein. Von den Bergen keine Spur. Nur langsam fuhren wir abwärts, knapp 2 Meter nebelfreie Bahn vor uns. Weiter unten' teilten sich die Nebelschleier allmählich, um dann ganz zu verschwinden. Im Tale angelangt, konnten wir nun mit unseren guten Lichtern sicher vorwärts fahren und um 11 Uhr nachts Feldkirch erreichen. Wir stärkten unsere müden Lebensgeister an einem appetitlichen Abendessen und, als die aufmerksame Wirtin uns noch eine Schweizer-Zeitung auf den Tisch legte, fühlten wir schon Heimatluft uns umwehen. Am anderen Morgen früh fuhren wir heimwärts. Grauchen musste wohl auch fühlen, dass es dem Stalle zuging. Mit der alten Zuverlässigkeit führte es uns unserer Heimat entgegen. F. Helbling. mit einem Agrophon-Retlexlautspreoher ist eine Radioanlage ohne Aussenantenne und ohne Batterien zum direkten Anschluss ans Liohtnetz. Diese Anlage befriedigt die grössten Ansprüche und ist für Grammophonverstärkung eingerichtet. Lassen Sie sich diesen Apparat vorführen. Prospekt Nr. 99 gefl. verlangen. VERTRETUNG FÜR DIE SCHWEIZ: >-.._ Zürich, Limmatquai 34 - „Rudolf Mossehaus" richtigen Mantel für ins Auto Aendern, Modernisieren, Auffärben prompt. Sorgfältige Bedienung. 'nseriert im „Aiitler-Feierabend" amÄbend Die Abendtoilette der Dame entzückt diesen Winter durch eine refche Umgestaltung. Unsere neuen Modell« bereiten viel Freude — viel Freude auch die vorteilhaften Preise. Besuchen Sie uns! SEIDEN-SPINNER BAHNHOFSTRASSE 52 KS 5 A. GROSSAUER, Windisch El. Artikel en gros. Telephon 283. liefert Ihnen den Telephon Hottingen 10.29. .. Hundedressur Jeder Art, sowie Ab« gendnnen von Untrten Teder Art übernimmt Ed.Fritsctii, neuhaosen Heirat wünschen viele vennöftliche Damen, rtiebe Aasländerinnen, riete Etnhelratuneen. Herren a. ohne Vermögen. Aaskonft sofort Slabrey, Berlin 113. Stol- 48