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E_1935_Zeitung_Nr.100

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i AUTOMOBIL-REVUE

i AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 13. DEZEMBER 1935 — N° 100 Luftfahrt Die selbsttätige Steuerung von Flugzeugen. Schluss aus Nr. 99. Verwindung: Die Verwindung wird durch einen Kreisel, der auf der Grundplatte des Trägheitsrahmens sitzt, betätigt. Dieser Kreisel — ebenfalls mit einem Präzessionsfreiheitsgrad — rotiert um eine Achse parallel zur Querachse des Flugzeuges. Seine Präzessionsachse steht senkrecht im Flugzeug und wird durch eine Feder gehalten. Dreht sich das Flugzeug infolge einer seitlichen Böe um die Längsachse, so präzediert der Kreisel und gibt — ebenso wie der Kreisel des Trägheitsrahmens — nach der Seite Kontakt, die die entsprechende Qegenverwindung hervorruft. Auf dem Verwindungskreisel ist ein Gewicht exzentrisch angeordnet, das bei Querbesehleunigungen, also beim Absacken des Flugzeuges über einen Flügel, eine Präzession des Kreisels wie bei einer. Drehung um die Längsachse bewirkt. Damit wird das Flugzeug durch Verwindung in. die notwendige Schutzkurve gelegt. Seitensteuer: Als Bezugsinstrument des Seitensteuers dient ein Lagenanzeiger. Dieser hat einen Kreisel mit horizontaler, querliegender Achse und in der Vertikalachse des Flugzeuges liegender Präzessionsachse, auf die ein Gewicht wirkt. Macht das Flugzeug eine Drehung, so unterliegt das Gewicht der Zentrifugalbeschleunigung der Drehung, so dass der Kreisel präzediert. Entspricht die Kreiselpräzession der Winkelgeschwindigkeit, der Flugzeugdrehung, so mächt wohl der Kreisel eine Präzessionsbewegung im Raum, nicht aber gegen das Flugzeug. Dieses übernimmt die Präzessionsarbeit, so dass die Kreiselpräzession im Raum ohne Reibung erfolgt. Vergrössern wir die Schwergewichtslage, so wird der Einfluss der Zentrifugalbeschleunigung auf das Gewicht überwiegen und die Kreiselpräzession wird der Flugzeugdrehung vorauseilen. Diese Vorauseilung kann nach Wahl des Uebergewichtes beliebig gross sein und durch Kontaktgabe zur Steuerung des Seitensteuermotors benutzt werden. Motorkupplung: Ist der Trägheitsrahmen das Gehirn des automatischen Piloten, so sind die Motorkuppelungen die Hände, die die einzelnen Steuer betätigen. In die Kuppelungen sind eingebaut: a) Ein Untersetzungsgetriebe, das die Geschwindigkeit des Motors im Verhältnis von 1000 :1 reduziert, b) eine Wirbelstrombremse,' die die Motordrekzahl weitgehend zu regulieren gestattet, c);eine Magnetkupplung sowie als Sicherheitseinrichtung eine Rutschkupplüng und ausserdem d) eine Membrankupplung, die das Getriebe in der einen oder anderen Richtung auf die Arbeitswelle schaltet. Zum Antrieb wird ein Drehstrommotor, der dauernd mit ca. 2500 Umdrehungen läuft, verwendet. Auf der Achse des' Motors sitzt eine Wirbelströmbremse, die — voll erregt — die Umdrehungszahl des Motors auf etwa 200 Umdrehungen herabdrosselt. Die Erregung der Wifbelstrombremse wird von zwei Seiten aus geregelt. Einmal kann! der Flugzeugführer mit einem Widerstand die Motordrehungen Und damit die Geschwbidigkeit der' Steuerausschläge entsprechend der Wetterlage einstellen. Zweitens regeln d«e Kreisel selbsttätig je nach der Grosse ihrer Ausschläge auf den Kontaktbahnen die drei Intensitätsstufen der Wirbelstrombremse. Das Getriebe ist aus Schnecken, Schneckenrad und Zahnrädern zusammengesetzt und unterteilt durcji eine Rutschkupplung. Die Untersetzung der Motordrehzahl beträgt etwa 1000 : 1. Das Drehmoment wird durch die Uebersetzung entsprechend vergrössert. Um dem Flugzeugführer jederzeit die Möglichkeit zu geben, auch bei arbeitender, selbsttätiger Steuerung willkürlich mit der Hand zu steuern — etwa bei einem Ausweichmanöver — ist vor der Schnecke eine Rutschkupplüng eingeschaltet, die durch ein Moment von etwa 8 mkg auf den Steuerknüppel überwunden werden kann. Die Magnetkupplung dient zum vollständigen Abschalten der Motorkupplung und wird durch einen Schalter auf dem Steuerknüppel betätigt. Sie ist ebenso wie die Rutschkupplung vor der Schnecke eingebaut. Die Bedienung des automatischen Piloten nach dem System Boykow geschieht folgendermassen: Unmittelbar nach dem Start schaltet der Flugzeugführer mit einem Drehschalter den Erregerstrom ein. Die Kreisel sind in zirka 30 Seltunden auf normaler Tourenzahl und damit ist die Anlage steuerbereit. Der Geschwindigkeitsanzeiger wird" — falls es nicht vor dem Start geschehen sein sollte —, auf die gewünschte Gleitgeschwindigkeit eingestellt. Der Flugzeugführer kann jetzt durch den zweiten Schalter auf seinem Steuerknüppel den Gleichstrom für die Steueranlage schliessen und dann dias Steuer loslassen. Am sofort einsetzenden Arbeiten des* SfeueVktiüp- Trägheitsrahmen der automatischen Flugzeugsteuerung von oben gesehen. Zwei durch ein Gestänge miteinander verbundene, gegenläufige Kreisel bilden das «Hirn» des Apparates. pels sieht er, dass die Anlage in Ordnung ist. Will er eingreifen, so kann er jederzeit das Steuer unter Ueberwindung der Steuermaschine legen oder, wenn er Zeit genug hat, den Gleichstrom für die Magnete unterbrechen und damit die Kupplung abschalten. Will er längere Zeit den automatischen Piloten ausschalten, so legt er zweckmässig auch den Hauptschalter auf « Aus », so dass dann die Kreisel ebenfalls zum Stehen kommen. — Der eben beschriebene automatische Pilot steuert das Flugzeug auf geradem Kurs. In einer ihm aufgezwungenen Kurve würde er nicht immer richtig wirken. Das geht schon den Schalter wieder zurücklegt und damit das Flugzeug automatisch in die gerade. Lage bringt. im Gegensatz zur deutschen Focke-Wulf-Ente an aus der Ueberlegung hervor, dass in der der Rumpfspitze — dahinter das dreieckige Höhen- ; Kurve das Höhensteuer folgerichtig gezogen leitwerk. Weiter folgt die tief gelagerte Haupttragfläche, über der sich der Führersitz und das Seiten- werden muss. Hier teilen sich nämlich Höhenund Seitensteuer in ihre Aufgabe. Bei 90 Grad leitwerk befinden. Durch die eigenartige Flächenform gleicht die Maschine stark dem Flugbild einer Neigung wird das Höhensteuer ganz zum Seitensteuer, und dieses übernimmt die Tätigkeit sowie die Fähigkeit, fallschirmartig niederzugehen. Ente. Sie wies im Windkanal grosse Stabilität auf, des Höhensteuers. Bei Neigungen unter Claude hofft, diese Maschine als Volkpflugzeug, ge^ 90 Grad richtet sich diese Verteilung nach dem Sinus des Neigungswinkels. Wenn also eine Einrichtung getroffen worden ist, die diese Verteilung nach Richtung der Kurve und Neigung des Flugzeuges vornimmt, so wird auch die Kurve richtig geflogen. Dazu dient dann der Kurvenschalter des Systems Boykow, der drei Kurvenarten nach jeder Seite — eine flache, mittlere und steile Kurve — schaltet und das Flugzeug so lange die. eingestellte Kurve fliegen lässt, bis der Pilot f^luj&no'i zen Der bisher längste Ueberseeflug, der vom c China Clipper» über den Pazifik ausgeführt wurde und von dessen glücklicher Beendigung Wir schon berichtet haben, wird bereits von einem Unternehmen ähnlichen Formats abgelöst. Diesmal ist es das' sechsmotorige französische Wasserflugzeug « Lieutenant de Vaisseau Paris», das am vergangenen Sonntag, den 8. Dezember, vom Flughafen Biscarosse in Südwestfrankreich zu seinem geplanten Raid nach den Antillen gestartet ist An Bord befinden sich bekannte Flugfachleute und Mechaniker der Air France, die schon verschiedentlich die Kursflugzeuge dieser Gesellschaft über den Südatlantik gesteuert haben, wie Bonnot, Jozan, Cassellari, Emont, Duruthy, Le Morvan und Dessandie. Die erste Etappe, die nach Dakar führte und 4250 km lang ist, wurde in 24 St. 42 Min. zurückgelegt, was einen Stundendurchschnitt von 167 km gleichkommt Es sei jedoch erwähnt, dass der « Lieutenant de Vaisseau Paris » spielend über 250 km in der Stunde zurücklegen kann. Beim Flug Biscarosse-Dakar handelte es sich mehr um einen praktischen Langstrecken-Versuchsflug, bevor die Ueberquerüng des Südatlantiks in Angriff genommen wird. Auf dem ersten Wegstück wurden 22 000 Liter Brennstoff mitgeführt. Mit dieser ungeheuer schweren Ladung startete das Riesenflugzeug in 57 Sekunden einwandfrei. Es wird wahrscheinlich am Freitag oder Samstag den Flug nach dem Nordostzipfel Brasiliens antreten und von dort die Hauptstadt der Insel Martinique, Fort-de-France, anfliegen. Im Windkanal des « Service Technique » hat ein vom französischen Konstrukteur Claude entworfenes Modell eines Kleinflugzeugs beachtenswerte Ergebnisse gezeitigt. Der Rumpf des Apparates, welch letzterer auf nur 4,20 m Länge, 7 m Spannweite und 12 m 2 Fläche berechnet ist, ruht auf drei Rädern und erinnert, seitlich gesehen, sehr an den kleinen Hanomag-Wagen. Die Zugschraube befindet sich wissermassen als «Ente des kleinen Mannes» einführen zu können. Fy. Der Rekord des russischen Piloten Kokinakl, der im November mit einem Landflugzeug auf eine Höhe von 14,575 m stieg und somit den seinerzeit vom Italiener Donati aufgestellten Welthöhenrekord von 14.433 m unterbot, konnte von den Instanzen der Föderation Aeronautique Internationale nicht homologiert werden, da erstens die U.R.S.S. noch nicht Mitglied der F.A.I. ist und anderseits die Resrlemente vorschreiben, dass die Mehrleistung mindestens 200 Meter betragen muss, was in vorliegendem Fall also nicht erreicht worden ist JAEGGI + WÜTHRICH DIESE NEUEN SAUTO- LAMPEN |Was Pickel und Steigeisen dem Berg« i steigeram exponierten Hanasind mit derZicKzatKanordnung demAuto mobilisren auf seiner Fahrt durch Eis uSchnee - UNION A.G.BIEL HETTENFABRIK GENERALVERTRETER : HENRI BACHMANN Biel.spitalstrasse 12-tyrei.48.4-2 Genf.rue üeFribourg3,Tel. 25 343 Zürich, Löwenstr.31 Tel. 58.824 DieacntenUNiON-SchneeKerrensindinai: !en Garagen und Fachgeschäften erhältlich. • Verlangen Sie dberausc/rücklichOr/g/' nai-Union-Scfineeketren. m iprn IHR KADMIUMGELBES SELECTIVA-GLAS. 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N° 100 — FREITAG. 13. DEZEMBER 1935 AUTOMOBIL-REVUE F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Fortsetzung von Seite 1. sie streifen, Gesicht, Brust, Hände und die nackten Knie mit brennenden Blasen. Ameisen kneifen empfindlich, Grasblutegel versuchen, sich an unsern blossen Körperteilen festzusaugen. Zeitweilig treten wir unversehens auf einen dicht überwucherten, vermoderten Baumriesen, versinken unter aufstiebenden Wolken von Miasmen bis an die Hüften und erwarten in fatalistischer Ruhe den Biss einer giftigen Schlange, die wir vielleicht in ihrem Nest aufstörten. Erst wenn wir zwei fluchend wieder herauskletterten, krebsen die Indianer, auf deren Rücken das Gepäck in Tornisterform hängt, mit ihren dürren Armen im morschen Holze herum. Und schmatzend stecken sie die gefundenen, sich quälvoll krümmenden, daumendicken, fahlen Maden in den Mund oder in die kleinen Binsentaschen, die an ihren Hüften baumeln. Streckenweise ist die Luft des Sertao trokkeii und stechend wie in der Wüste. Es scheint dann, als ob man durch eine heisse, unsichtbare Mauer in einen unsichtbaren Flammenkessel bricht, ihn durchtaumelt und dann durch einen neuen, unsichtbaren Wall in ein ebenso heisses, uns aber feucht und triefend umklammerndes Treibhaus tritt. Grosse, bunte Pilze wachsen da in abenteuerlicher) Formen und Grossen. Merkwürdige Blumen, mit Stacheln oder wolligen Haaren bedeckt, stehen in dichten Haufen. Farnrispen voti vier Meter Länge, an denen oft faustdicke, ekelhafte, pelzbekleidete Vogelspinnen hocken, umgeben uns. Auch erblicken wir gigantische Baumstrünke, eng bekleidet von purpurnem Efeu. Und auf diesem roten Untergrund haften Hunderte walnussgrosser, metallgrüner Fliegen; t»üt halb angezogenen Schwingen, gespreizten meinen und langen schwarzen Saugrüsseln. Aber es sind keine Insekten, o nein! sondern Orchideen. Plötzlich rasseln und dröhnen Trommeln durchs Sertao! «Well, jetzt ist's aus, gleich fliegen Pfeile!» ruft Henderson und nimmt das Gewehr handlich. Wie kindhaft lächerlich und doch gleichzeitig heimlich drohend sich dieses hölzerne Klappern anhört! Und langsam ist der Rhythmus, beinahe im Dreivierteltakt. Tres hebt die Hand,' flüstert hörbar: «Senhor, es bedeutet Freundschaft, und wir werden eingeladen, von-unsern Stammesbrüdern!» Während ich mich noch wundere, wie dieser Indianer das alles aus dem monotonen Trommeln heraushört, und ich auf einmal jetzt erst bemerke, dass er und seine Genossen ja das flache Gesicht der Caripunhas haben, schweigt das harte Dröhnen im Urwalde. Lautlos, braunen Schatten gleich, schlüpfen Gestalten aus dem Dunkel der sich verneigenden Riesenfarne, und über ein Dutzend Indianer umringen uns. Sie sind völlig nackt, unter Mittelgrösse und mager, haben Binsentaschen an den Hüften, in denen, wie ich weiss, die sorgfältig in grüne Blätter verpackten Giftpfeile stecken. In der Rechten tragen sie das ihre Köpfe überragende Blasrohr, in der Linken., eine kurze Keule aus glänzendem Holze. Ünhörbäre und tückische Waffen! Aber die flachen Gesichter unter den Ponyhaaren sind in freundliche Falten gelegt, von den breiten Lippen zischen und gurgeln Worte. Dos übersetzt einsilbig: «Coronel Naimez tot, Kautschuksklaven frei und dankbar!» «Was wurde aus Juan und den andern?» erkundigte ich mich. Wieder plappern und zischen die Indianer unter sich, und Dos sagt dann: «Die Köpfe von Numez und Juan sind in den Hütten der Caripunhas. Die andern entflohen, alles ist verbrannt!» Henderson wendet sich an mich:'«Beim Donner, ich bin doch froh, dass wir die drei Kerle ziemlich anständig behandelten, sonst würden unsere Köpfe den beiden andern bald Gesellschaft leisten. Uebrigens, sicher sind wir nicht, diese Roten sind so launisch und wetterwendisch wie Babys, schätze ich!» Wir folgen den Caripunhas, die schnatternd voranhüpfen. Leises Rauschen zu beiden Seiten sowie hinter uns verrät, dass noch mehr Indianer in der Runde verborgen mit uns Schritt halten. Zeitweilig schwanken und zittern die hohen zwanzig Schritt entfernten Farnwedel. Greller Sonnenschein fliesst uns plötzlich entgegen, hüllt uns in heisse, trockene Wogen, und als meine aus dem grünen Dämmerlichte kommenden Augen wieder unterscheiden können, sind wir auf einer kleinen Lichtung, wo Gras niedrig und fettglänzend spriesst. Hinter uns, rechts und links ragt das lianenbehangene Sertao. würdig hoch. In ihrem Innern schwebt blauer Rauch nach oben, zerteilt sich zwischen den vielen Hängematten, die nebeneinander und zu vieren, fünfen übereinander bis unters Dach hinauf baumeln. Etwa drei Dutzend Männer, klein und nackt, freundlich grinsend, und ebenso viele Frauen, kleine gelbbraune, ältere und jüngere, blicken aus, scheuen Augen uns entgegen, drängen sich im Vordergrund. Kinder spielen, krabbeln im Grase herum wie braune Riesenkäfer. Sitzen mit weit aufgerissenen Augen da, brüllen und schreien plötzlich aus Leibeskräften und verbergen ihre komischen •Gesichter. Unter dem Dach der kleinen Hütte hockt vor dem auf Holzkohlen stehenden Topfe ein verrunzeltes, scheussliches Wesen, ich weiss nicht, ob Mann, Affe oder Weib, rührt mit einem Stabe in dem Gefäss herum und funkelt uns aus winzigen Pupillen an. Der Zauberer bei der Pfeilgif tbereitung! Dahinter breitet sich der seidigblaue, von einzelnen braunen Schilfbüscheln bekleckste Spiegel einer Lagune aus. Abgeschlossen vom Horizont durch die dunkle Wand des drohenden Sertao. Die Caripunhas lachten laut, hüpften'uns mit allen Zeichen von Freundschaft entgegen, aber gleichzeitig rasselten Trommeln, flache Kürbisinstrumente, von zähnefletschenden Männern mit Stöcken bearbeitet. Ein Gefühl von lauernd verborgener Gefahr, gleichzeitig wilder Trotz und Kampfesmut erwachen in mir. Es sind die Trommeln. Trommeln, Trommeln! Ueberall bei den primitiven Völkern, unter denen ich weilte, in allen Erdteilen, finden sich diese scheinbar eintönigen Instrumente. Und nicht nur zufällig haben zivilisierte Heeresmächte ebenfalls Trommeln. Heeresmacht — Zivilisation, wie seltsam sich doch diese zwei Worte gegenüberstehen. Trommeln überall in der Welt. Und dieses barbarische Urinstrument peitscht die niedern Instinkte der Menschen, selbst der höchstkultivierten, zu heller verzehrender Flamme an. Trommeln! Wo Trommeln sind, da ist auch Krieg! Hunde zahne. Der vierte Tag unseres Aufenthaltes bei den Caripunhas neigt sich dem Ende entgegen. Es ist ein sonderbares Dorf, und merkwürdige Menschen bewohnen es. Manche Affenrasse mag mehr Stammesgefühl haben als diese Leute. Denn sie hausen nur deshalb in vielköpfigen Sippen beieinander, weil das für den einzelnen grössere Sicherheit,,gewährt. Sonst, kümmert sich kei- Vor uns erheben sich zwei Hütten, die eigentlich nur aus Stützpfeilern und Dach bestehen. Die eine ist winzig, die andere merkner uin den Nächsten. Ein Oberhaupt oder den Kaziken gibt es nicht, jeder, tut, was er will, keiner fragt den andern. Hat die eine Familie gerade zu essen, weil der Mann einen Affen mit dem tückischen Blasrohr erlegte, so hungert vielleicht der Nachbar mit Weib und Kind, weil er entweder Unglück auf der Jagd hatte oder zu faul war, ins Sertao auf die Suche nach Fleisch und Früchten zu schleichen. Speer, Pfeil und Bogen, die Angel, womit sie die in der Lagune wimmelnden Fische fangen könnten, denn selbst der Piranha ist fett und sehr schmackhaft!, kennen sie nicht. • Das Blasrohr mit dem schwachen, meuchelnden Miniaturpfeil, den der Mund eines sechsjährigen Knaben auf seinen tödlichen Flug schicken kann, ist die Waffe, die ihnen Nahrung verschafft, und die sie verteidigt. Sie beten das Feuer an, das sie sehr geschickt mit dem Holzquirl in einem mit Feuerschwammfasern gefüllten Loch im hohlen Baum erzeugen. Es ist ihr guter Gott! Böse Wesen birgt die Nacht, in ihr -wimmelt es von geheimnisvollen Schatten und Kräften. Und wenn Urumuha, der elektrische Sturm, mit Blitz und Donner durchs Sertao rast, verbergen die Caripunhas ihre Gesichter dn den Hängematten. Merkwürdig, die feuchte, dornige, von feindlichen Tieren wimmelnde Natur hat diesen Menschen den ersten Pfad, der zur Zivilisation führt, gewiesen: Häuser zu bauen, so einfach sie auch sein mögen, und Betten in Form von Hängematten zu flechten. Sie braten das Fleisch aiuf glühenden Kohlen, rösten Bananen, Paranüsse und Maniokwurzeln, essen sie aber ebenso gern roh. Salz kennen sie nicht. Kerbtiere und gewisse En-< gerlinge sind Leckerbissen. In erster Linie dient das Feuer dazu, Pfeilgift zu bereiten, die nackten Glieder in den feuchten Nächten zu wärmen, und mit dichtem Qualm die gierigen Moskitos zu verjagen. Einige Männer und Frauen tragen schmale* Bastgürtel um die Lenden, aber nicht aus Schamgefühl, das sie überhaupt nicht kennen, sondern zum Schutz vor Verletzungen im dornigen Gestrüpp. Aber seltsam, bei diesen auf so niedriger Stufe stehenden Menschen ist es Brauch, dass man Ehebruch, der häufig vorkommt, bestraft. Die Schuldigen werden an einen Baum am Ufer des Wassers gebunden, und das Weitere besorgen die Krokodile. (Fortsetzung folgt.) die beste Schweizer-Schneekette fdr alle Pneuabmessungen : • • stets sofort lieferbar Single Shell BRUN&Cie. f Kettenfabrik, NEBIKON(Luzern) Telegramm: BRUN NEBIKON. Telephon Nr. 85.112J Gegründet 1872 Man merkt 's an seinem kühlen Blick Ihn fängt man nicht mit einem Trick, Er prüft genau und was er wählt, Wie Single Shell, zum Besten zählt Geschäftsinhaber Industrielle 99 Treue Kunden zählen heute doppelt! Wahren Sie sich daher Ihre besten Kunden und sichern Sie sich neue Verbindungen. Ein Geschenk von bleibendem Wert ist das anerkannt schönste Bildwerk über die Schweiz: CabereWs Schiveizerbilder" Band I und 11, in feinster Leinwand gebunden, bilden abwechslungsreiche Sammlungen von 288 ganzseitigen Tiefdruck- und 16 farbigen Kunstblättern. Bedeutende Preiaermtissigung. Verlangen Sie bei grösserem Bedarf SpezialOfferte. 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