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E_1938_Zeitung_Nr.017

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AUTOMOBIL-REVÖE

AUTOMOBIL-REVÖE DIENOTAG, 22. FEBRUAR 133§ 17 Internationale Automobil-Ausstellung in Berlin Ein D.K.W.-Mei6terklasße-Wagen der Auto-Union im Schnitt-Modell Das durchsichtige Auto, ein Opelwagen. Schaittmodell eines Mercedes-Wagens. Sohnittmodell deö 2,5 1 Adler. 50-FS-Hanomag-Dieäel-Iläupe. Eine Sensation der Berliner Autoschau, der gläserne Motor. Da seine sämtlichen Wände aus Glas bestehe» und andereeits so hergestellt sind, dass der Motor ohne weiteres durch einen Elektromotor in Umdrehung versetzt werden kann, verschafft dieses Glasmodell einen unerreicht klaren Einblick in Aufbau und Wirkungsweise des Verbrennungsmotors.

„Antomobil-Revoi" — II. Blatt. Rr. 17 BERN, Dienstag, 22. Februar 1938 «Das Schwergewicht der englischen Automobil-Produktion hat sich nach wiederholtem Hin- und Herschwanken der Waagschale erst in diesem Jahre zugunsten des 7 PS verschoben. » Mit diesen Worten charakterisiert unser Londoner Berichterstatter in Nr. 84 der «Automobil-Revue» die jüngste Entwicklungsphase auf dem Inselreich, wobei er als Automobilfachmann in erster Linie an die technische Seite der Frage denkt. Daneben hat sie aber auch noch eine wirtschaftliche, die ebenso wichtig ist. Wenn die englische Automobilindustrie auf der ganzen Welt den Ruf ausserordentlicher Zuverlässigkeit geniesst, so verdankt sie ihn zu einem guten Teil jenen kleinsten ihrer Erzeugnisse, die unter der Bezeichnung «Seven» und «Eight» zu Hunderttausenden in allen Teilen der Welt gefahren werden. Man muss ihr darum das Vertrauen schenken, dass sie eine solche Absatzmöglichkeit nicht ohne triftige Gründe vernachlässigt. Wer, wie sie, den Markt gerade in jener Wagenklasse während Jahren souverän beherrscht hat, gibt einen solchen Braten nicht einfach deswegen aus der Hand, weil sie auf einmal Lust nach grösseren Wagen spürt. Nicht ernst genommen werden darf auch der Einwand, der Mangel an fortschrittlichen, besonders für den Kleinwagen geeigneten Konstruktionsideen hätte den Verzicht veranlasst. Der englische Konstrukteur ist, wie übrigens das ganze Volk, konservativ und führt meistens erst dann grundlegende Aenderungen ein, wenn sie sich in andern Ländern bewährt haben. Seine Baby-Wagen haben sich übrigens nie dank der Fortschrittlichkeit der Konstruktion durchgesetzt, sondern vor allem wegen der guten Werkmannsarbeit und der Eignung des Materials. Nachdem in den letzten Jahren der kontinentale Automobilbau eine grosse Zahl Mein lieber Sohn! « Nach den Anstrengungen und Widerwärtigkeiten des Salonbetriebs bedeuten ein paar Bündner Sonnentage doppelten Genuss...» Während ich Deine Karte beantworte, schwmgst Du ohne Zweifel Deine Latten mit dem ganzen Temperament Deiner Generation um Tannen und Buckel und über Gräben und Bodenwellen. Im Geiste sehe ich, wie Deine Augen leuchten, wenn Du die verschiedenen Hindernisse stilgerecht hinter Dich gebracht hast und im Bödeli auf das nächste Züglein wartest, um so •chnell wie möglich wieder oben zur Abfahrt bereitzustehen. Du kennst mich zur Genüge als Freund allen Sports, der einen vollen Einsatz der körperlichen und geistigen Kräfte erfordert. Du weisst, wie ich selbst — trotz des von Neuerungen eingeführt und gründlich erprobt hat, wäre die Möglichkeit ohne weiteres vorhanden gewesen, die geeignetsten Lösungen wenigstens in ihren Grundzügen auch im englischen Kleinwagen aufzunehmen und diesen wieder konkurrenzfähig zu machen. Da dies nicht geschah, wird auch die Annahme illu*- sorisch, dass technische Rücksichten eine bedeutende Rolle gespielt hätten. Die einzig plausible Erklärung ist die: Der Wagen bis zu 5 PS findet Im britischen Markt nicht mehr genügend Interesse, um eine Neukonstruktion und die damit verbundenen Betriebsumstellungen zu rechtfertigen. Die Richtigkeit dieser Behauptung wird auch durch die — scheinbar widersprechende — Tatsache bekräftigt, dass ausländische Hersteller von Kleinwagen ihre Importe während der letzten Monate relativ stark zu vermehren vermochten. Wir betonen «relativ», denn auch diese Einfuhrkontingente schiebung der Verkehrszulassungen gegen die grösseren Wagen hin nicht verhindern. Der englische Automobilist ist seiner alten Liebe untreu geworden und wendet sich einem stärkeren Wagen zu. Auch für diese Wandlung kommen technische Rücksichten nicht in Betracht, sondern können ihre Begründung nur im Wirtschaftlichen finden. In dieser Richtung lassen sich nun zwei Faktoren feststellen, die eine Sinnesänderung veranlasst haben können: V)et — JwUsdvätl dtt 3*dutik odee Obettzittpotitik des. ^Bundes — Uäqt die VecatUuwiUutg. an dec Ahwcuidetung. zum kleuwaluHÜqeH. IDaqett? 9Ciee die AtUiv&u! itutoliändlei* oft seinen Sohn 11. Die englische Regierung hat im Laufe von zwei Jahren die Steuern um ca. 25% gesenkt. 12. Die englische Wirtschaftskurve zeigte während der letzten Zeit eine ausgesprochene Hochkon j unktur. Die Zusammenhänge lassen sich ohne weiteres erklären: Der Automobilist steckt die Ersparnisse, die ihm die Steuerermässigung bereits angefangenen fünften Lebensjahrzehnts — bei jeder passenden Gelegenheit Gelenkpfannen und Beinmuskeln auf ihre Elastizität erprobe. Du wirst mir darum glauben, dass meine Einwände, die ich nun machen möchte, nicht etwa einer philisterhaften Enge des Hirns und des Herzens entspringen, um so mehr als sie den Sportbetrieb als solchen gar nicht berühren. Wenn Ihr Euch an einem Sonnentag — wie ihn nur die Berge in ihrer Klarheit und Erhabenheit zu bescheren wissen — auf die Bretter stellt, dann sucht Ihr Euch die kompliziertesten Höger und gerissensten Abfahrten aus. Der Slalom muss natürlich kitzlig abgesteckt sein mit Schneisen auf abfallenden Bodenwellen und versetzten Toren an der steilsten Steile des Hanges; alles nur um Eure Gewandtheit auf die Probe und unter Beweis zu stellen. Je mehr Einsatz und Hingabe der Skilauf von Euch verlangt, desto lieber ist er Euch — und desto mehr fühlt Ihr Euch als wahre Sportleute, die sich des Sportgeistes im besten Sinne des Wortes rühmen dürfen. Warum aber pflegt Ihr diesen Geist, auf den Ihr mit Recht stolz seid, nicht auch im bringt, nicht in den Strumpf, sondern leistet sich dafür mehr Fahrkomfort. Die Hochkonjunktur ihrerseits, die dem Individuum erhöhte Einnahmen verschafft, favorisiert den «Zug nach oben» ebenfalls. Was lehren diese Tatsachen uns? 1. Die Automobilisten ziehen im allgemeinen den stärkeren Wagen vor, sofern nicht finanzielle Rücksichten sie daran hindern. 2. Der Staat hat es in der Hand, eine automatische Verstärkung des Wagenparks zu erzielen, indem er die Automobilhaltung finanziell erleichtert, oder, was aufs gleiche herauskommt, weniger erschwert. Die Unterhaltung drehte sich um allerlei Probleme des Geldverdienerts. Selbstverständlich, wie sollten Geschäftsleute, auch bei ungezwungenem Beisammensein, aufs «Fachsimpeln» verzichten können! «Wo holst du eigentlich deine neuen Ideen immer her?» wandte sich Meier (mit i) an Meyer (mit y), welch letzterer seiner Geschäftstüchtigkeit wegen weit über seinen Berufskreis hinaus bekannt war. «Nun gut, ich will dir's verraten», antwortete konnten die Ver-Meyer (mit y). «Seit langem halte ich jede Woche eine «Stunde der Besinnlichkeit» ab. Nach dem Nachtessen setze ich mich gemütlich in den Fauteuil, zünde eine Zigarre an und überlege mir in aller Ruhe, wie ich dies und das in meinem Betrieb noch verbessern konnte.» Meier (mit i): «Aber, mir scheint, dass du dich schon tagsüber genügend mit geschäftlichen Problemen herumschlägst und eine solche einzige Mehrstunde nicht viel Neues einbringen sollte?» «Das stimmt nun nicht», lächelte Meyer, «was ich mir da durch den Kopf gehen lasse, sind Fragen, die du in der Hast des Alltags unmöglich gründlich erwägen kannst, oder die sogar oft vollständig vergessen werden. Ich will dir ein Beispiel nennen, dann verstehst du mich vielleicht besser: Wie du weisst, haben wir in unserem Betrieb eine grössere Schreinerei. Die Installation stammt aus einer Zeit, wo noch nicht mit dem hintersten Fünfer gerechnet werden musste. Sämtliche Transmissionen waren an einem einzigen Dynamo angehängt, weshalb selbst dann das Ganze in Betrieb gesetzt werden musste, wenn auch nur ein kleines Loch zu bohren war. Heute kann jede Maschine separat angelassen werden, und wir ersparen soviel, dass die gesamte Neuanlage innert zwei Jahren durch die Stromersparnis amortisiert ist.» Meier gibt zu: «An deinem Posten hast du mit deinem System gewiss Erfolg,- was würdest du aber tun als Leiter einer Garage, deren Betrieb viel einfacher und eintöniger ist?» Alltag? Warum setzt Ihr nicht denselben Eifer darein, auch dort die unzähligen Hindernisse und Widerwärtigkeiten mit demselben Elan zu tiberwinden, der Euch im Sport so sympathisch macht? Warum betrachtet Ihr den Alltag mit seinen noch viel zahlreicheren Buckeln und Wassergräben nicht auch als einen raffinierten Slalom, den Ihr mit derselben Stilsicherheit und Behendigkeit meistern solltet wie die durch zwanzig oder dreissig Flaggentore eingerahmte Piste? Deine Karte spricht von doppeltem Genuss nach den Widerwärtigkeiten des Salons. Sie erwähnt — leider — nichts von Erholung oder Sammlung neuer Kräfte. Sie zeigt mir — um offen zu reden —, dass Deine Fahrten in die Winterwelt nichts anderes sind als Fluchtversuche vor dem Unangenehmen und Schwierigen, mit dem Deine Tagesaufgabe gespickt ist. Sie beweist mir, dass Du wohl Freude hast am persönlichen Einsatz, solange Du Art und Mass selbst wählen kannst; dass Du ihn aber noch nicht hinüberzunehmen vermagst in den allzuoft als grau verschrienen Alltag. Das ist schade, sehr schade. Es ist schade einmal um des Sportes Unsere lieben Gegner, die den Fragekpmplex in seinen Einzelheiten so viel besser kennen als wir, werden diese Erscheinungen natürlich mit der Ausrede vom Zufall erledigen. Gut, wir beweisen weiter. In unserer Ausgabe vom 12. März letzten Jahres veröffentlichten wir ein Diagramm, das u. ä. die Entwicklung des Hubraumes der amerikanischen Wagen darstellt. Mit den Werten pro 1927 als Grundlage nimmt der Zylinderinhalt bis 1931 ständig zu, macht für die Modelle 1932 einen Sturz von rund 15%, steigt dann allmählich wieder an und hält sich — trotz den inzwischen erfolgten technischen Verbesserungen — höher, als er früher je war. Die „Stunde der Besinnlichkeit" (Schluss Seite 10.) «So, eintönig nennst du das?» wundert sich Meyer, «im Gegenteil, da gibt's einen ganzen Haufen Probleme zu wälzen. Soll ich dir ein paar aus dem Handgelenk schütteln? Ist das Ersatzteillager rationell organisiert, d. h. ist es reichhaltig, ohne dass überflüssig Geld investiert wird ? Wie bringe ich jene Kunden zum Zahlen, die seit längerer Zeit rückständig sind, trotzdem sie über die notwendigen Barmittel verfügen? Bin ich sicher, dass sämtliche Arbeitsstunden meines Personals richtig weiterverrechnet werden? Welche Automobilisten aus meinem Einzugsgebiet gehören noch nicht zu meinen Kunden, und wie könnte ich sie meinem Unternehmen zuführen? Die siehst, es gibt überall mehr als genügend Denkstoff für den, der ihn wirklich finden will. Dazu bietet diese Methode nicht nur einen bedeutenden finanziellen Vorteil, sondern auch noch den, dass du deinen Betrieb viel besser kennen lernst.» Meier schwieg und dachte offensichtlich nach. Hat Meyer (mit y) recht? Wer unter unsern Lesern macht einen Versuch mit dieser «Stunde der Besinnlichkeit»? £itte $undqzu&e: JAce !BudihaUuiiq. Siehe Seite 10. 1ÜU schuxeisst mtm dicke. ^Bleche? Siehe Seite 10. £ohnt es sich? Siehe Seite 10. lüiuke fic die Weck&tatt Siehe Seite 11. willen. Da hat sich die Jugend in einem jahrzehntelangen Kampf herausgedrängt aus einer konventionellen und verkalkten Lebensauffassung, die den ungeheuren Vorrat an jugendlicher Spannkraft nicht auszuwerten und weiterzuentwickeln verstand und vermag es nun nicht, den Sport zu dem zu machen, was er sein könnte: zu einer Quelle neuer Kraft, die unser Erwerbsleben so viel angenehmer und so viel fairer gestalten könnte. Dann aber ist es vor allem deswegen schade, weil Ihr Euch selbst des Besten beraubt, was er Euch zu bieten vermag: Befriedigung in der Arbeit des Alltags. Es braucht doch so wenig dazu: Einen kleinen Teil der freiwilligen Hingabe, die Ihr im Sport so selbstverständlich aufzubringen versteht; etwas Sportgeist, der Euch hilft, mit all den Unannehmlichkeiten nicht um des Lohnes, sondern um des Einsatzes und der Leistung willen fertig zu werden. Ein Wollen an Stelle des Sollen und Müssen, eigener Antrieb, der den ganzen Unterschied ausmacht zwischen einem positiven, optimistischen «Selberschieben» und dem verärgerten und schwächlichen « Geschobenwerden ». Vielleicht lächelst Du beim Lesen diese« ß