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E_1938_Zeitung_Nr.064

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8 AUTOMOBIL-REVUE

8 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 9. Äugnst 1938 nämlich meldet sich ein Korrespondent zum Wort, um den Bahnen den Spiegel ihrer kurzsichtigen, jeder Anpassung an die neuen Verhältnisse entbehrenden Tarifgestaltung vorzuhalten. Es sei auffallend, schreibt er, wieviele Gesellschaftswagen nach dem Engadin kommen. Man müsse sich deshalb nicht wundern, wenn die «Rhätische» verhältnismässig wenig Leute befördere. Nicht allein der Personen-, sondern auch der Güterverkehr wickle sich heute nach dem Engadin zum Teil mit Automobilen ab. Ea sei deshalb unbedingt an der Zeit, wenn die Bahn ihre Tarifpolitik revidiere, bevor sie damit zu spät komme. Dass die Frequenz bei einer Taxermässigung eine Steigerung erfahren würde, unterliege kaum einem Zweifel. Heute aber fahren zahlreiche Engadiner mit dem Pöstauto nach dem Tessin, um dort ihre Ferien zu verbringen, weil die Autotaxen nach Lugano nicht wesentlich höher seien als ein Retour-Billett nach Chur, geschweige denn nach dem Unterland. Nicht nur die Hotelerie, «ondern die ganze Talschaft leide zusehends unter diesem Druck. Solche Zustände aber müssten durch eine Ermässigung der Taxen korrigiert werden. Da also liegt der Has im Pfeffer! Es ist zwar für die Bahnen bequemer, dafür allerdings auch nicht gerade loyal, hinter dem Auto her « haltet den Dieb!» zu schreien und über « Verkehrsentzug » zu wimmern, anstatt die Schuld dort zu suchen, wo sie tatsächlich liegt: bei ihnen, den Bahnen selbst. TroIIeybusbetrleb auf der Linie StGallen- Speicher-Trogen ? Wie die ostschweizerische Presse zu berichten weiss, ist im Appenzellerland der Gedanke aufgetaucht, die Strassenbahn St. Gallen-Speieher-Trogen durch eine Trolleybuslinie zu ersetzen. Mit zur Entstehung dieser Idee mag dabei die Einführung der neuen Betriebsart bei der Rheintalischen Strassenbahn beigetragen haben. Bei dem unumgänglich nötigen Ausbau der Staatsstrasse hätte die Strassenbahngesellschaft auch beträchtliche Kosten für die Verlegung und Erneuerung der Bahngdeise zu gewärtigen, nachdem sie bereits für die kaum 1,5 km lange Strecke vom Schülerhaus bis Notkersegg einen Baubeitrag von 100.000 Fr. hatte aufbringen müssen. Daneben erhebt sich für sie auch die Frage der Erneuerung des seit 1903 im Betrieb stehenden Rollmaterials, die ungefähr auf eine halbe Million zu stehen käme. VOURBSTDK Wieder eine Stimme gegen die Beschimpfung deutscher Automobilisten in der Schweiz. Der am 3. August in Zürich zusammengetretene Ausschuss des Schweizerischen Fremdenverkehrsverbandes prüfte die Situation im deutsch-schweizerischen Reiseverkehr. Dabei kamen Klagen von deutscher Seite zur Sprache, die Fälle von Belästigungen und Beschimpfungen deutscher Automobilisten in der Schweiz betrafen. Es wurde als Pflicht der kantonalen Polizei- und Erziehungsbehörden bezeichnet, solche die traditionelle schweizerische Gastlichkeit in Verruf bringenden Vorkommnisse zu verhindern. Auch die schweizerische Presse hat aufklärend in diesem Sinne zu wirken. Erneut wurde auf den unbefriedigenden Besuch aus Italien hingewiesen, was um so Wer gelegentlich heute das Schweizerland durchfährt, muss leider feststehen, dass der Kanton Bern bezüglich Sttassenbau und -unterhalt wohl von allen Ständen am schlechtesten dasteht. Andere Kantone haben in den letzten Jahren grosse Anstrengungen gemacht, um durch Ausbau des Strassennetzes den Verkehr an sich zu ziehen. Nicht umsonst! Heute schon muss man feststellen, wie Tausende von Touristen, per Auto, Motorrad oder Velo, jene Gegenden aufsuchen und bereisen, die über gute Strassen verfügen. Für den Kanton Bern ist dieser Zustand auf die Dauer unhaltbar. Wo liegt nun der Grund ? Zunächst sei durchaus anerkannt, dass der Kanton Bern für den Strassenbau effektiv viel ausgibt. Bei einem im Verleich mit andern Kantonen sehr grossen Strassen- und Wegnetz — rund 3000 km —, st dies aber doch zu wenig. Nun sind aber die ordentlichen Mittel für den Strassenbau n den letzten Jahren ständig gekürzt worden. Dies war entschieden ein Fehler. Dazu kommt, dass der Kanton einzelne Strassenzüge schon vor" vielen Jahren auf Hartbelag ausgebaut hat; zu einer Zeit also, da der Verkehr noch lange nicht die heutigen Anforderungen an den Strassenbau stellte und die Technik des Strassenbaues noch in den Kinderschuhen steckte. Diese Strassen sind heute nun wohl staubfrei, aber ihre Breite und Anlage genügt den modernen Anforderungen in keiner Weise. Es sei nur an zwei Beisiele erinnert: die alte Bern - Zürich-, sowie die Bern - Thun- Strasse. Diese Strassenzüge sind vielerorts sehr unübersichtlich, auch viel zu schmal und weisen gelegentlich eine derart starke Wölbung auf, dass der Verkehr öfters direkt gefährdet ist. Speziell im Winter sind diese Strassenzüg© schon manchem Automobilisten und Motorradfahrer zum Verhängnis geworden; aber auch der Fuhrwerk- und Pferdeverkehr ist dadurch stark gefährdet. Allerdings ist zu bemerken, dass doch diese Strassen ausgebaut werden, wie beispielsweise zur Zeit bei Kiesen. mehr ins Gewicht rait, als die Ausreise der Schweizer nach Italien auch diesen Sommer wieder äusserst stark ist. Ein vermehrter Gegenseitigkeitsverkehr mit Italien erweist sich angesichts der uneinheitlichen Saisonentwicklung in der Schweiz als unerlässlich und die Ergreifung diesbezüglcher Schritte durch unsere Bundesbehörden als das Gebot der Stunde. Vom Ausbau der Lukmanierroute. Am Lukmanier sind gegenwärtig auf einer Strecke von • 800 m Verbesserungsarbeiten im Gang, wobei auf einer Länge von 60 m eine künstliche Galerie angelegt werden soll 170 Mann finden gegenwä/tig dort Beschäftigung, doch umfasst das Projekt noch andere wichtige Arbeiten, so dass der dortigen Bevölkerung noch für mehrere Jahre eine Verdienstmöglichkeit gesichert bleibt. Völkerbund und Strassenprobleme. Die Verkehrs- und Transitkommission des Völkerbundes hat jüngst beschlossen, einen ständigen Delegierten in das internationale Komitee für die transkontinentale Strasse London-Istambul zu entsenden. Auf die Initiative der AIT hin haben die Touring-Clubs der von dieser künftigen Hauptschlagader des Verkehrs berührten Staaten vor drei Jahren, gemeinsam mit den Behörden der betreffenden Länder eine ständige Kommission ins Leben gerufen, deren Aufgabe darin besteht, den Bau dieser internationalen Durchgangssfrasse soweit als möglich zu fördern und zu beschleunigen. Der Kommission gehören übrigens neben dem Delegierten des Völkerbundes auch je ein Vertreter der AIT und des Roten Kreuzes an. &ux dem S#B5i««:«)m le Wir mieten einen Wagen zu Ferienzwecken. In der «Kleinen Revue» von Nr. 52 ist das Mietwagenproblem, vom Standpunkte des Vermieters gesehen, eingehend behandelt. Ich möchte hiermit ein besonderes Kapitel besprechen, den «Mietwagen als Ferienkameraden», dem nach meiner Ansicht eine grosse Zukunft gehört Vor einem Monat unternahmen unser vier Personen eine Ferienfahrt nach Korsika mit dem Mietwagen einer Garage. Der Mietvertrag, den mein Freund als Selbstfahrer abschloss, lief für zehn Tage und lautete auf einen Opel Olympia Cabriolet, Modell 1937, der uns auch in ökonomischer Hinsicht nicht au unterschätzende Vorteile bot Die Reiseroute mit einer Gesamtlänge von 2800 km führte von Genf nach Nizza: auf Korsika Der Kanton Bern hat schlechte Strassen Viel weniger verständlich ist hingegen die Tätsache, dass sich selbst Strassen neueren Datums heute schon in teilweise ganz erbärmlichem Zustande befinden. Freilich, in einem Maybach spürt man von diesen Löchern nicht viel, wer aber per Velo oder namentlich per Motorrad seiner Arbeit nachgehen muss, der wird die Ansicht des Schreibenden teilen, wonach es im bernischen Strassennetz Stellen gibt, die zum Himmel schreien und die man, wenn immer möglich auf weitem Umweg flieht. Da hebt meist ein Rütteln und Rasseln und Schlagen an, dass die Maschine aus den Fugen zu gehen droht. Die « Zwiegespräche >, die in solchen Momenten in Gedanken mit dem kantonalen Baudirektor geführt werden, sind jeweils wenig schmeichelhaft! Sicher spielt hierbei der sohlechte Untergrund eine Rolle. Allein, es fehlt auch gelegentlich an der zweckmässigen Anlage und am Unterhalt. Unverständlich ist auch, dass man bis jetzt im Kanton Bern den in andern Ständen gut eingeführten Betonstrassen direkt feindlich gegenüberstand. Nicht nur ist der Unterhalt solcher Strassen sehr gering, sie sind auch weniger glatt, speziell bei Regen, was dem Fahrzeugverkehr jeder Art zugute kommt. Zudem absorbieren sie, nicht wie die dunkeln Asphaltstrassen das Scheinwerferlicht und tragen damit ganz wesentlich zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei. Es ist höchste Zeit, dass der Kanton Bern unter dem Zepter des neuen Baudirektors alle Anstrengungen unternimmt, um sein Strassenwesen zu verbessern und mit der Zeit Schritt zu halten. Dazu wird nötig sein, dass vermehrte Mittel für den ordentlichen Strassenbau und -unterhalt bereitgestellt werden. Vermutlich dürfte es auch möglich sein, diese Mittel etwas produktiver anzuwenden. Hoffen wir, dass der neue Baudirektor einen frischen Wind in die ganze Sache bringe und diesen Fragen seine ganz besondere Aufmerksamkeit schenken werde. -r. Touristikbulletin des Ä.C.S. walenseestrasse. Wegen Bau- und Sprengarbeiten ist der lahrverkehr auf der Walenseestras«« zwischen Mühlehorn - Murg - Mols erschwert und zeitweise auch für kurze Dauer gesperrt. Sprengzeiten zwischen 9—10 und 16—16.30 Uhr, ausgenommen Samstag nachmittag und Sonntag, Gotthardstrasse, beim Urnerloch in Andermatt noch für ca. 8 Tage täglich von 22.00—24.00 Uhr und von 2.00—4.00 Uhr morgens infolge Sprengarbedten für allen Verkehr gesperrt. FurkapaQstrasse zwischen Sidelnbach und Furkapasshöhe infolge Bauarbeiten vorsichtig zu befahren; bei Sprengungen auch für kurze Dauer (max. % Stunde) für den Verkehr gesperrt Industriestrasse von der Hardturmstrasse in Zürich (Sportplatz) bis Gaswerk Schlieren noch ca. 14 Tage gesperrt. Umleitung über Badenerstrasee. Strasse Oetwil a. L.-Geroldswll. Wegen Belaugsarbeiten in Oetwil a. L. ist die rechtsufrige Limnjattalstrasse zwischen Oetwil und Geroldswil bis Mitte August für allen Fahrverkehr gesperrt. Umleitung nach Baden von Geroldewil über Dietikon, von Baden nach Zürich über Neuenhof-Dietikon. Zubringerdienst und Lokalverkehr nach Oetwil und Geroldswil ist auf eigene Gefahr gestattet Strasse Basel - Säckingen - Waldshut zwischen Riedmatt und Schwörstadt (Baden) für alle Fahrzeuge gänzlich gesperrt bis 14. August 1938. Wegen Bauarbeiten im Oberwallia ist die Strasse Brig-Gletsch Im Abschnitt Lax-Münster erschwert befahrfcar, vorsichtiges Passieren der Baustellen ist angezeigt. von He Rousse über Bastia - Corte - Porto Veochio- Bonifacio - Ajaccio - Calvi wiederum nach. Tle Rousse; dann von Nizza über die Route Napoleon nach Bern zurück. Von Nizza nach Ile Rousse und zurück wurde der Wagen auf demselben Schiff wie wir befördert. Wenn man bei einem Reisebüro rechtzeitig Platz dafür belegt, ist das Verladen eine einfache Sache. Da wir im Zelte schliefen und meist selber abkochen, beschränkten sich unsere Haushaltungsausgaben auf ein Minimum, besonders weil Prankreich gegenwärtig erstaunlich billig ist Nachstehende Abrechnung soll dem Leser beweisen, dass die Ferienreise in die weite Welt mit dem Mietauto keineswegs nur für den wohlhabenden Bürger erschwinglich ist, sondern dass sie sich auch der kleine Angestellte oder Gewerbetreibende — ganz besondere aber die heutige Jugend — leisten kann. Ausgaben: Wagenmiete Fr. 150.— Betriebsstoff (Benzin und Oel) Fr. 110.— Reparaturen * 5.—* Diverses (Mehrkilometer, Benzin unä Oel von der Garage) K 34.—« Ueberfahrt für Wagen » 59.—. Total Wagen Haushalt Ueberfahrt Total Ausgaben Strassensperren. Einnahmen: Während des Jahres in Form von Beiträgen a Fr. 1.— pro Person und pro Woche zurückgelegt Fr. 204.—* Feriengeld » 228.— Diverses » 33.—* Total Einnahmen Fr. 465.-- Und nun: Fr. 118.— bringt "wohl auch der kleinste Büroangestellte auf, wenn man bedenkt, dass bei Beginn der Ferien nar noch der Restbetrag von Fr. 57.— zusammengesteuert werden müsste. Beim System tein Franken pro Woche» wird sich, jeder, der es gewissenhaft durchführt, verwundern, wie wenig sich damit an seinem Budget ändert «Mit der Ansicht, zum Reisen brauche man Geld, hat es also, wenn ich an unsere Erfahrungen mit dem Mietwagen denke, nur noch sehr bedingt seine Richtigkeit. Hoffentlich ist es mir eelungen, auoh den Pessimisten und Skeptiker von der leichten Durchführbarkeit einer solchen Ferienreise zu überzeugen, damit ihn meine Ausführungen dazu ermuntern, im nächsten Sommer auch im selbstgelenkten Mietwagen fremde Länder und Mensohen zu erleben, Houserli. Das Schweizerische Bundesfeier-Komitee dankt allen denen, die zum guten Gelingen der vergangenen Aktion beigetragen und beigesteuert haben. Diese hat, so viel bis jetzt bekannt ist einen recht günstigen Verlauf genommen; die heimeligen, schlichten Abzeichen haben überall viel Anklang gefunden, wohl nicht zuletzt als Ausdruck der Verbundenheit des ganzen Volkes mit seinen Mitbürgern im Onsernonetal und den Schweizern in der Fremde. AkU: n«> de»*« **«» un 65.— » 42.—i Fr. 465.— nden DER SCHWEIZ (V.A.S.) SEKTION ZÜRICH. Dienstag, den 9. August 1938, findet punkt 20.30 Uhr im Restaurant «Franziskaner^ Niederdorfstr. 1, Zürich I, eine Verbandsversammlung statt „ Traktanden: 1. Appell; 2. Protokoll; 3. Mutationen; 4. Bericht des Kassiers; 5. Bericht über Theorielokal; 6. Beschlussfassung über Bussen; 7. Werbeaktion: 8. Prov. Wahl eines Protokollführers; 9. Wichtige Beschlüsse; 10. Diversa. Der Vorstand.

.Automobil-Revue" — Nr. 64 BERN, Dienstag, 9. August 1938 Trotzdem vor längerer Zeit die Benzinvertriebsgesellschaften einige hundert Tankstellen geschlossen und eingezogen haben, ist deren Zahl auch heute noch eher zu gross als zu klein. Zwar nicht für jene Automobilisten, deren Brennstoffmesser schon seit einigen Jahren den Dienst quittiert haben und die sich nun damit zufrieden geben mit der Begründung, es bestände doch an jeder Strassenecke Gelegenheit zum Tanken, wenn sie einmal mit leerem Benzinbehälter liegen blieben. Was nun nicht gerade auf offener Strecke der Fall zu sein brauchte. Das Problem, das uns beschäftigt, betrifft die Existenzgrundlage der Tankhalter und Tankstellenbesitzer, die eine angemessene Berufsausbildung als Automobilfachleute durchgemacht haben und denen ihre Beschäftigung, wie der Volksmund sagt « zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben > verschafft. Es gibt gegenwärtig Hunderte solcher Gewerbler, die nicht nur zu geringe Verdienstmöglichkeiten haben, sondern die sich bei objektiver Betrachtung der Lage auch für die Zukunft keine Verbesserung versprechen dürfen, weil dafür einfach keine Aussicht besteht. Der Benzinausschank hat mit so vielen Faktoren zu rechnen, über welche der einzelne machtlos ist, dass der Halter der Säule mehr oder weniger mit gebundenen Händen im Existenzkampf steht. (Wir denken dabei an die Konjunkturschwankungen im allgemeinen, sowie an diejenigen der Fremdenindustrie, an die Rückwirkungen der Benzinpolitik usw.) Die Situation wäre zwar noch ertragbar, wenn nicht der Betrieb einer Tankstelle eine gewisse Summe fester, unvermeidlicher Unkosten mit sich bringen würde, gleichgültig ob der Tagesumsatz 50 oder 2000 Liter beträgt. Diese Unkosten rekrutieren sich aus verschiedenen Posten, wie Kapital- und Hypothekarzinsen, Telephonmiete, Amortisation des Inventars, Unterhalt des Gebäudes usw. — Lässt sich bei gutem Geschäftsgang über diese Spesen hinaus ein angemessener Verdienst erzielen, so verwandelt sich derselbe gar bald in ein empfindliches Minus, wenn der Umsatz nur die Hälfte oder gar noch weniger erreicht. — Wie schon die Bezeichnung « feste Auslagen > Sin Autoliniullei» 14 Mein lieber Sohn! Um die Rentabilität der Tankstelle an seinen Sohn Das Unbehagen, das sich im Automobilhandel seit langen Jahren spürbar macht, hat seine Ursache ohne Zweifel in der immer schärfer werdenden Konkurrenz und der dadurch immer weiter schrumpfenden Verdienstmarge. So sehr ich in meinem eigenen Interesse und demjenigen meiner Kollegen wünschte, dass sich die Lage recht bald ändern mochte, so sehr bin ich überzeugt, dass dafür vorläufig keinerlei Aussicht besteht. Ich kann nicht anders, als immer wieder den Umstand betonen, dass der Automobilhandel während der letzten Jahrzehnte einen grundlegenden Wandel durchgemacht hat — seit jenen Zeiten, da der Käufer sich einen Wagen wie einen Massanzug auf Bestellung anfertigen Hess, eine sofortige Anzahlung von einigen tausend Franken als ein Ding der Selbstverständlichkeit erachtete und ruhig seine zwei, drei oder sechs Monate wartete, bis der sagt, können sie in keiner spürbaren Weise reduziert werden. Es gibt nur einen Ausweg: Die fehlenden Einkünfte auf irgendeine andere Weise zu ersetzen oder, m. a. W., die Organisation nach der grundlegenden Forderung der Betriebswirtschaft auf alle Fälle maximal auszunützen. Wir kennen zugegebenerweise keinen Tankwart, der bei einer täglichen Kundenzahl von 10—15 die ihm verbleibende Zeit auf das Lesen von Kriminalromanen oder das Daumendrehen beschränkt. Umgekehrt aber wissen wir von vielen, die noch nie den Versuch gemacht haben, die ihnen zur Verfügung stehende Zeit systematisch auszunützen. Es scheint uns deshalb nützlich, die Möglichkeiten einmal ans Tageslicht zu ziehen, d. h. zu untersuchen, ob und in welcher Weise ein solcher Tankhalter Der Jeder Garagist kennt ihn, wie er mit gebieterischem Getute ungeduldig freie Zufahrt verlangt, trotzdem er sieht, dass alles redlich bemüht ist, den Eingang freizugeben. Funktioniert der Motor nicht, wie es ihm im Sinn steht, so sollten Diagnose und Reparatur erledigt sein, bevor die Motorhaube richtig geöffnet ist. Und liegt er gar einmal in irgendeinem abgelegenen Winkel mit einer Panne fest, so rechnet er selbstverständlich damit, dass der Abschleppwagen pro Kilometer Entfernung höchstens eine Minute benötige, wobei die Zeit für die Vorbereitung statt dazu- noch abgezählt wird. Sicher hat sich Ihr verbindliches Lächeln ob solchen Kunden auch schon immer mehr in ein grimmiges Zähneknirschen verwandelt, je grösser der Abstand zwischen Ihrem Betrieb und der Heckansicht des wegfahrenden Wagens wurde... Sie haben sich masslos geärgert, weniger wegen der «Hetzerei» an sich. Fabrikant endlich das Fabriktor öffnete, um den Wagen herausrollen zu lassen. Man mache für diese Veränderungen nicht die Menschen oder die Kultur oder die Krise verantwortlich, denn diese Umschichtung liegt im Wesen unseres Wirtschaftslebens naturnotwendig verankert. Das Streben um den Platz an der Sonne zwingt den einzelnen wie die Gesamtheit, die eigene Arbeit im Interesse der Verbraucher ständig zu verbessern. So gut dabei die Fabrikationsmethoden immer weiter ausgebildet werden, so gut geschieht es mit dem Vertrieb, dessen Rationalisierung und Normalisierung sich für seine Träger notwendigerweise in verminderten Gewinnmöglichkeiten ausdrückt. Dazu kommt noch, dass mit der die Zeit zwischen der Bedienung der einzelnen Kunden zu seinem eigenen Vorteil besser verwenden könnte. Eines muss dabei allerdings gleich von Anfang an festgelegt werden: Die Nebenbeschäftigung darf nicht derart sein, dass sie die Kundenbedienung an der Säule in irgendeiner Weise beeinträchtigt — eine Einschränkung, die sich in der Praxis in verschiedener Hinsicht ^auswirkt: Der Tankwart muss die Möglichkeit haben, auf das erste Glockenzeichen des Kunden seine Arbeit im Stich zu lassen. Die Arbeit muss eine, wenn auch nur relative Sauberkeit der Hände und Kleider gewährleisten. Umgekehrt darf sie nicht nach jeder Bedienung ein Abseifen der Hände notwendig machen und dadurch einen in seiner Gesamtheit grösseren Zeitverlust verursachen. Kunde sondern weil Sie als freier Mann auf freiem Boden aus geschäftlichen Gründen genötigt sind, den ganzen Unmut widerspruchlos über sich ergehen zu lassen. Dabei klang vielleicht auch gar ein schriller Ton von Neid mit auf jene, denen das «so ungerechte Geschick» die Mittel und damit vermeintlich auch die Möglichkeit gegeben hat, nach Belieben auf die Mitmenschen zu pfeifen. Leider werden die nervösen Kunden von Jahr zu Jahr zahlreicher: Der Lebensrhythmus unserer Epoche hinterlässt seine Spuren auf dem menschlichen Nervensystem immer eindringlicher. Die Schwierigkeiten, mit denen sich jeder selbständig Erwerbende ohne Ausnahme herumzuschlagen hat, sind ebenfalls nicht dazu angetan, die Schwingungen der Nerven zu beruhigen. Die Nervosität ist eines der Kennzeichen unseres tempobewussten Zeitalters. Verbreiterung der Absatzmöglichkeiten der Tauschwagen eine immer grössere Rolle spielt. Es ist unter diesen Umständen begreiflich, dass zwecks Sicherstellung eines minimalen Verdienstes der Ruf nach Reglementierung des Handels schon seit langem laut geworden ist — leider bis heute ohne nennenswerten Erfolg. Im Gegenteil, dort wo, wie in den Vereinigten Staaten, im Rahmen der N. R. A. in dieser Hinsicht bereits eingehende Versuche gemacht wurden, haben sich die Unzulänglichkeiten einer zwangsweisen Regulierung als zu stark erwiesen. (Das Beispiel Deutschland kann für uns deswegen nicht ausschlaggebend sein, weil dort die allgemeinen Voraussetzungen wegen des stärkeren Eingriffs des Staates in das Erwerbsleben ganz andere sind.) Ich glaube auch nicht an die Wirksamkeit der sog. Gentlemens' Agreements. Ganz abgesehen davon, dass es nie gelingen dürfte, auch den letzten Aussenseiter zum Beitritt zu einem solchen Abkommen zu veranlassen, spielt die persönliche Einschätzung des einzelnen Falles eine entscheidende Rolle. Ein Verkäufer vermag nach formellem Recht vollständig im Rahmen der Vereinbarung zu handeln und daneben doch irgendein Hintertürchen zur Verfügung haben, durch das er sich Sondervorteile verschaffen kann. Meiner Ansicht nach hängt die Lösung des Problems einzig und allein vom Händler und vom Verkäufer und von deren Fähigkeiten ab. Der ganze Handel ist gegenwärtig unbedingt von der Preisfrage besessen; ist sie doch augenblicklich das A und das O, das alles Dominierende. Und das ist falsch. Wie ich Dir schon verschiedene Male dargelegt habe, gibt es auf der ganzen Welt keinen einzigen Menschen, der imstande wäre, den geldlichen Wert eines Wagens auf hundert oder zweihundert Franken genau zu bestimmen. Trotzdem nimmt es der Handel als gegeben und unabänderlich hin, wenn der Käufer einem Konkurrenzwagen den Vorzug gibt, nur weil er für einen alten eingetauschten Klapperkasten eine Hunderternote mehr Diese Einschränkungen beschneiden die Möglichkeiten einer nutzbringenden Nebenbeschäftigung allerdings in bedeutender Weise; trotzdem lassen sie noch einen weiten Spielraum für die individuelle Initiative offen. Welche Art Arbeit sich für den einzelnen Betrieb eignet, hängt nun aber von so vielen Umständen ab, dass es nicht möglich ist, eine allgemein gültige Liste zu erstellen. Nebst der beruflichen Ausbildung des Tankhalters spielen die örtlichen Verhältnisse, die Säulenfrequenz und die Einrichtung der Tankstelle eine Rolle. Wie vielfältig für den initiativen Fachmann die Möglichkeiten sind, mögen einige Beispiele zeigen: Dreharbeiten für die Industrie und das Handwerk, Heimarbeiten für die Waffen- und Munitionsfabrikation, Einregulierungsarbeiten für die verschiedensten Branchen, Reparaturen und Neuarbeiten für die Landwirtschaft usw. In schwachbesuchten Tankstellen wäre es sogar möglich, Schreibarbeiten zu übernehmen, wenn sich nämlich der Tankwart angewöhnt, für die Manipulation am Wagen sogenannte Schlüpf-Arbeitshandschuhe anzuziehen, die unter normalen Umständen seine Finger sauber genug halten, um ihm eine sofortige Wiederaufnahme seiner Beschäftigung zu ermöglichen. Auch die kleinste Tankstelle hat noch Möglichkeiten. Wichtig ist nur, sie ausfindig zu machen und sie dann mit der zur Verfügung stehenden Vollkraft auszunützen. Das Rezept hat schon manche, scheinbar verlorene Situation gerettet! Gibt aber nicht schon diese Feststellung zu denken? Ist es in manchen Fällen nicht grundfalsch, den Nervösen für seine aufpeitschende Einstellung verantwortlich zu machen, sich über sein Benehmen zu ärgern und sich wegen des Unvermögens einer Reaktion als unwürdiger Nachkomme des nackenreckenden Teils zu halten? — Unser Leben ist gottseidank weniger kompliziert als wir es nach unserer eigenen, oft übertriebenen Empfindlichkeit wahr haben wollen. Es ist gerade so einfach, wie wir es uns selbst machen. Der Nervöse ist meist ganz unbewusst das Opfer der auf ihn fallenden «Hiebe des Alltags», derer er sich aus igendeinem Grund nicht mehr zu erwehren fähig glaubt — sofern er seine Unruhe nicht gerade aus einer allgemein gehässigen Einstellung andern Menschen gegenüber bezieht. — Der bereits erwähnte Rhythmus zwingt ihn, sein ganzes Fühlen und Denken den Erfordernissen des Tages unterzuordnen und benachteiligt ihn in dem Sinne, dass er ausserhalb seiner eigenen Sphäre liegende Probleme aus seinem eigenen Gesichtswinkel betrachtet, der naturgemäss an Tiefenschärfe mangelt. Soll man sich wundern, wenn der Arzt sein vormittägliches Tournee einer gesprungenen Unterbrecherfeder wegen abstoppen muss und während der Reparatur mehr vergütet erhält. Das lässt sich doch nur dadurch erklären, dass der Kunde beim Abschluss seine Gedanken samt und sonders auf den Preis konzentriert hatte! Ist das aber nicht ein Zeichen, das zum Aufsehen mahnt, weil es zeigt, dass der Käufer weniger an das denkt, was der Wagen ihm bietet, als an das, was er im Gegenzug zu leisten hat? Ganz bestimmt hat es der Mittelsmann in einem solchen Fall nicht verstanden, dem Interessenten den Wagen so lieb und wert zu machen, dass die Preisfrage nicht mehr die alles überstrahlende Rolle spielte! Ich möchte damit dem Händler und Verkäufer nicht einfach die ganze Schuld am heutigen Stand der Dinge zuschieben. Ich weiss aus eigener Erfahrung nur allzugut, wie die Abnahmeverpflichtungen den Fabriken gegenüber vielfach schlaflose Nächte bereiten und wie die Aussicht auf regelmässige Service- und Reparaturarbeiten oft zum Nachgeben verleiten. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, dass vieles zu bessern wäre, wenn Händler und Verkäufer ihre eigentliche, schwierige Aufgabe gründlicher erfassen und ihre Unterhandlungstaktik systematisch weiterzubilden verständen. Das Problem ist keineswegs einfach, so wenig als der Beruf. Weshalb ich je länger je mehr glaube, dass sich wohl viele für unser Fach berufen fühlen, wenige aber auserwählt sind. Dein Vater. •tf