Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.077

E_1939_Zeitung_Nr.077

II Automobil-Revue —

II Automobil-Revue — N° 77 t) der Kopfarbeiter darf nicht die körperlichen Den Rest muss die Wissenschaft besorgen Bewegungen vergessen. Der Handarbeiter mit vorbeugenden Massnahmen gegen die tükdarf nicht fibersehen, dass für ihn auch die laschen Krankheiten. Und dann wird eben geistige Arbeit erforderlich ist teder 150 Jahre alt... Ewiges Leben, Jungbrunnen der Menschheit, überwundenes Alter ... längst haben wir diese Dinge ganz still und leise in den Märchenschrank gelegt. Aber jetzt kommt ein russischer Professor, der nach 35jährigen Experimenten die Behauptung aufstellt, wir könnten bequem und ohne Pillen und Apparat 150 Jahre alt werden. Wie — werden wir gleich sehen. Ein einfacher Rückschluss. Als Professor Alexander A. Bogomoletz vor 35 Jahren als junger Biologe in dem Experimental-Institut für Biologie und Pathologie in Kiew zu arbeiten begann, stand ihm immer wieder eine Berechnung vor Augen, die ihm als Student aufgegangen war: In der Tierwelt oder fast in der gesamten Tierwelt war es so, dass die Tiere fünf- bis sechsmal solange lebten, wie die Periode von der Geburt bis zur vollendeten Mannbarkeit zum Ausgewachsensein dauerte. Rechnet man nun aus, dass der Mensch in der Regel erst mit 25 Jahren diesen Punkt erreicht hat, müsste dieses Säugetier Mensch also auch bis zum 120. oder 150. Lebensjahr durchhalten können. Alles was vorher eintrat und einen Zerfall verursachte, war Krankheit oder Vergiftung oder die Folgeerscheinung eines der beiden genannten Vorgänge: Ergo: man musste versuchen, von dem Menschen Krankheiten und Verfallserscheinungen fernzuhalten, um zu dem genannten Altersresultat zu kommen. Nachfrage bei denen, die es erlebten. Schliesslich gab es Menschen, die über die Grenze von 100 Jahren hinausgekommen waren, wenn vielleicht auch in manchen Fällen durch Rechenfehler ein Jahrzehnt von den zugedichteten 150 Jahren abschreibbar war. Ein schönes Material über uralte Leute hatte die Geschichte der Medizin gesammelt. Angefangen bei Thomas Parr, der 6 Könige bestimmt und 9 Könige wahrscheinlich überlebt hatte, als er 152 Jahre alt wurde, bis zu den uralten Männern in Abkasia, von denen einige nachweisbar über 120 Jahre alt wurden — trug man nun Beobachtungen und Lehren zusammen. Man schickte vor 2 Jahren sogar eine Expedition nach Sukhumi, um dort innerhalb von Zürich Empfehlenswerte Unterhaltungsstätten Stadttheater Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Theaterkasse Tel. 2 69 22 und 4 67 00, 10—12.30 und 15.30—19 Uhr Kuoni Tel. 3 36 13, 8—18.30 Uhr. Di. abend 10. Okt. Geschlossen. Mi. abend 11. Okt. Cavalleria rusticana, Oper von Mascagni; Der Bajazzo, Oper von R. Leoncavallo (A-Ab. 3). DO. abend 12. Okt. Volksvorstellung : Katja, die Tänzerin, Fr abend 13 Okt Tosca, Oper von G. Puccini (A- Ab. 3). 19^ Uhr: Die Sa. nachm. 14. Okt. Försterchristi, So. nachm. 15. Okt. Operette von Georg Jarno. 15^ ühr: Cavalleria rusticana/ Der Bajazzo. SO. abend 15. Okt. 19^ Uhr: Katja. die Tänzerin, Operette von Jean Gilbert. Militär in Uniform bezahlt auf allen Plätzen die Hälfte. Schauspielhaus Abends 8 * U1 F. S r tag nachm. 3% Uhr. Abendkasse ab 18 Uhr (21111) Di. abend 10. Okt. 20 Uhr: Weh dem, der lügt! Mi. abend 11. Okt.- 20 Uhr: Komödie der Irrungen. DO. abend 12. Okt. 2° F hr: Premiere: Die Nacht wird kommen ..., ein Stück von Emlyn Williams. Tan Militär auf allen Plätzen halbe Preise. Anitra Hawelska, Zürich, Seefeldstr. 4, Tel 2 67 48 Grosse, komfortable Räume. — Privatstunden und Kurse. — Tanz- und Ciubabende. 10 Tagen 35 Personen zu ermitteln, die 105 bis 138 Jahre alt waren und teilweise über ein ausgezeichnetes Gedächtnis verfügten. Einige von ihnen waren noch frisch und fröhlich genug, um auf Bäume zu klettern und den Mitgliedern der Expedition Kunststücke vorzumachen. Das »Weshalb» — im Hintergrund. Wodurch aber wurde der Mensch daran gehindert, immer und in allen Fällen mindestens 100 Jahre alt zu werden? Die Ursachen waren rasch gefunden: Unterernährung, Ueberfütterung, Aussetzen in kalter Luft und zu grosser Hitze, Leben in überfüllten und schlechten Wohnungen oder Mangel an Bewegung durch Bequemlichkeit und zu grosse Sorglosigkeit. Das Altern wurde als komplexe Erscheinung entlarvt. Jeder Tag baute die Gewebe mehr und mehr ab. Man konnte teilweise natürlich Verbesserungen erzielen — z. B. durch Drüsenüberpflanzungen, durch Blutübertragungen. Aber generell wurde damit nicht geholfen. Ausserdem: es kam nicht auf die Verjüngung der schon Alten an, sondern darauf, den Vorgang des Alterns für die Jungen zu verlangsamen. Dafür gab es nur ein Rezept: «Arbeit». Die gesamten Funktionen des Körpers mussten in Tätigkeit gesetzt werden und in Tätigkeit bleiben. Doch eben dabei mussten die Ueberspannungen verhütet werden. Man durfte sich nicht überessen und nicht überarbeiten, Die Ruhe musste die Arbeit frühzeitig ablösen, nicht erst als Erholung von einer grossen Erschöpfung. Sonst wurde man eben krank und alt. Die Richtlinien für die Welt. Fasst man also die Resultate zusammen, die Prof. A. A. Bogomoletz in Kiew in seinem Institut erzielte, dann ergeben sich folgende Lehrsätze: a) immer 7 bis 8 Stunden schlafen, und zwar gut schlafen; b) niemals zuviel essen, nie übertrinken, nie übermässig rauchen; c) alle Ueberspannung in der Tagesarbeit vermeiden; d) richtig atmen; e) den Tag enden und beginnen mit einer gründlichen Körperbewegung und mit einer häufig wiederholten Massage; Ihr Bureau Ihr Herrenzimmer und die Kombi-Möbel können Sie am vorteilhaftesten beziehen beim Spezialisten A. ERNST, Möbelfabrik HOLZIKEN (Aargau) Bitte, beachten Sie meine Reklame im neuen Postcheck-Buch! [ochenzeitsehrift nde Romane. Dazu Kreuzwort rätsei, Kurzgeschichten, Film- und Mddeseite. An ii Auflösung des Kreuzworträtsels. Waagrecht: 1. Eva. 3. Samaden. 8. Ravenna. 14. Cham. 15. Rasen. 17. Saum. 18. Holm. 19. Este. 20. Mime. 21. Teüe. 24. Leer. 25. Soprane. 27. Edikt. 30. Inn. 31. Logik. 34. Ade. 35. Erek. 37. Gier. 39. Aal. 41. Lager. 42. Eggen. 43. Abo. 45. Eber. 47. Knie. 48. Uri. SO. Asyle. 51. Ora. 53. Elise. 54. Rasuren. 57. Teer. 61. Damen. 62. Meer. 65. Arbe. 66. Agra. 67. Ries. 68. Marie. 71. Lodi. 72. Dentist. 73. Traenen. 74. Ego. Senkrecht: 1. Ena. 2. Are. 3. Schmied. 4. Ahoi. 5. Malm. 6. Amme. 7. Erato. 9. Anden. 10. Esel. 11. Nase. 12. Nute. 13. Amerika. 16. Stirn. 22. Epik. 23. Lang. 25. Streber. 26. Elegien. 28. Delos. 29. Kegel. 32. Orgel. 33. Janus. 34. Ära. 36. Ere. 38. Yen. 40. Lei. 44. Bastard. 46. Rosa. 47. Kare. 49. Refrain. 52. Rumor. 55. Adams. 56. Enger. 58. Erie. 59. Eben. 60. Rest. 62. Male. 63. Egon. 64. Erde. 69. Ate. 70. Ito. Unrergleichl. Lage. Einzigartige Terrasse. Grosse Säle. Fischfilet und Backfische. Lebende Forellen. Grill. Der ideale Ort für Kenner. Bankette. Das ganze Jahr geöffnet. Tel. 8 2055. Munition für Jagd, Sport und Vertei Löwenstr. 42, Zürich 1 Gr. Spezial-Geschäft der Schweiz. Beste Referenzen. (.Jubiläumskatalog Nr. 59 von 200 Seiten mit 1200 Abbildungen). Der punktierte Wortkasten Die Silben: bun - bürg - da - dl - dow - ga - gan - ger - hek -i-i-ka-la- lauen - luchs - ne ni - om - sei - stad - tu - wei - y sind buchstabenweise derart in die Figur einzusetzen, dass sich Wörter nachstehender Bedeutung ergeben: 1. Thüringische Stadt bei Gera. 2. Ortschaft in Westfalen. 3. Katzenartiges Raubtier. 4. Zwiebelgewächs. 5. Südschwedische Hafenstadt. 6. Grosser Strom Frankreichs. 7. Ortschaft in der Tschechoslowakei. 8. Kolonne in franz. Westafrika. 9. Eigentümlichkeit, bes. Mundart eines Volke*. 10. Kolonie in franz. Aequatorialafrika. 11. Vulkan auf Südwestisland. 12. Russ. sozialistischer Nationalökonom. Sind die Wörter richtig gefunden, so ergeben die . Buchstaben in den punktierten Feldern fortlaufend waagrecht gelesen ein Sprichwort und die Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen eine amerikanische Automobilmarke. Die richtige Lösung zählt 3 Punkte. Die Denkaufgabe vom Tunnel. Um in den Speisewagen zu gelangen, begibt sich 1 m/s durchschritten hat, wird es wieder hell um ein Reisender im Zuge nach vom. Eben als er von ihn. Die Wagen sind 30 m lang und der Zug fährt einem Wagen in den andern übertritt, gewahrt er, mit 25 m/s. Wie lang ist der Tunnel? dass der Wagen in einen Tunnel einfährt. Nachdem n. _,_ fc4 ,_. ,*„,„„ -,- H , „ «..„v, er 6 Wagen mit einer mittlern Geschwindigkeit von weiss, herrlich schäumend, 1. Auswahl 1938, die Flasche (Glas inbegriffen) zu Fr. 1.40. franko Abfahrtstation. Reklamekistchen, 12 Flaschen Fr. 20.-, franko, Verpackung inbegriffen. E.Derron&Fils. propriet. MOtier-Vully. Tel. 4.51 Die nchb 3 e Einsendetermin: 17. Oktober 1939 Lösung zahlt 3 Punkte. Richtige Lösungen des Kreuzworträtsels. 5 Funkte. A. Bachofen, Glarus; E. Benz, Jun., Goldach; M. Bertschmann, Basel; Frl. M. Bossert, Lenzburg; C. Burgener, Rorschach ; Frl. M. Epple, St. Gallen; Frau C. Fravi, Rapperswil; Frau Dr. Gräflin, Walzenhausen ; K. Keusen, Biel; G. Laepple. Basel; J. Leimer, Bettlach ; Frau E. Markoff, Buchs ; Frau Marti, Ölten; Frl. M. Ruf, Winterthur ; Frau E.Steinbömer, Schaan; F. Wenger, Bern; Frl. E. Winteler! Glarus; R. Zerr, Basel. Benzin-Rationierungl Aber Hansli hilft seinem Papa aus der Klemme. •— Wenn Bern, dann Casino Bellerive b. Genf Wirth au Lac „La Reserve" WAFFEN W. Glaser 5 ZZZZ 3ZIHIII * • • 5 • • 6 • • 7 . 6 ~. r to • • t1 u • • •__. 1 GARAGE ] Vin du Vully Erhältlich in allen Apotheken 10er Packung Fr. 4.50 - 4er Packung Fr. 2.—. Qratls-Prospekt diskret durch EROVAQ A.Q.; Zürich 25, Bachtobeistrasse 59. Lesen Sie die aufklärende Broschüre von Dr. R. Engler. Zu beziehen gegen Einsendung von Fp.1.20 In Briefmarken oder auf Postscheck Vlll/1819 EROVAQ A. Q. VOS FILS pourront continuer paisiblement leurs 6tudes ä LA CHATAIGNERAIE Ecole nouvelle sur Coppet(Waadt). Corps enseignant au complet. Demandez le prospectus-programme. Land -Erziehungsheim.

N° 77 — DIENSTAG, 10. OKTOBER 1939 AUTOMOBIL-REVUE IM< Unser politischer Kurzbe rieht: Schlechter Frieden Wenn heute die ganze Welt das Tun und ^assen der Türkei und seines in Moskau weilenden Aussenministers mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt und zu deuten versucht, so geschieht dies nicht etwa wegen der Bedeutung ihres Heeres oder des Produktionsapparates, sondern- einzig, weil sie die Hüterin des Seeweges ist, der das Schwarze Meer mit dem Mittelmeer verbindet und Europa von Asien trennt. Dieser Seeweg besteht eigentlich aus drei verschiedenen Teilen: im Osten aus dem schmalen Bosporus, an deren rechter 'Uferseite die alte byzantinische Kaiserstadt Konstantinopel (jetzt Istambul) liegt, in der Mitte dem Marmarameer und im Westen den Dardanellen, die nördlich durch die Halbinsel Gallipoli und südlich durch das asiatische Vorland Biga begrenzt werden. Von allen Mit dem Fall Warschaus ist der Krieg im Osten zu Ende gegangen. Die deutsche Armee hat ihre ursprüngliche Aulgabe gelöst, Danzig, der Korridor und Oberschlesien sind ins Reich heimgekehrt. Und so rufen denn die deutschen Diplomaten die Frage über die Grenze: « Was wollt ihr eigentlich noch ? Was ihr im Osten verhindern wolltet, ist geschehen, nicht mehr abzuändern. Also Schluss mit dem Krieg 1» Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Einmischung Russlands die Sache um die Zukunft Polens ausserordentlich verschlechtert hat, und zwar deshalb, weil die Wiedererrichtung des polnischen Staates in seiner /früheren Gestalt nicht nur die Bezwingung des Deutschen Reiches, sondern auch das Hinauswerfen der Russen aus Weissrussland und aus der Ukraine notwendig macht. Ein Ding, an das man schon jetzt nicht, geschweige denn nach einem langen Krieg, denken will. Um diesen Punkt aus der Diskussion auszuschalten, sieht man als Ersatz für die an Russland gefallenen Landstriche entsprechend grosse Gebiete Deutschlands vor, um Polen seine frühere Grosse ohne einen zusätzlichen russischen Feldzug sichern zu können. Gewiss, es ist ein verfrühtes Unterfangen, heute Über Friedensverträge zu schreiben. Nicht verfrüht, vielleicht sogar eher zu spät aber ist es, daran zu erinnern, dass Friedensverträge die Herde für neuen Unfrieden sein können. In diesem Zusammenhang sind einige Hinweise auf Aeusserungen englischer und französischer Persönlichkeiten, die den polnischen Korridor schon lange als den Ausgangspunkt eines kommenden Krieges bezeichnet haben, nicht ganz unangebracht. So sagte der englischen Zeitungsmagnat Lord Rothermere : « Die Teilung Deutschlands in zwei ungleiche Teile, um Polen einen Zugang zur Ostsee zu gewähren, ist der grösste Fehler der Friedenskonferenz gewesen. Der SMüssdstetlun#en dec lüeitpoCUik: Die Dardanellen dreien sind die Dardanellen die wichtigsten, weil sie mit den, besonders auf der Nordseite stark zerklüfteten Ufern, die besten Voraussetzungen für Verteidigungszwecke bieten. Für die Länder, die an das Schwarze Meer anstossen — Russland, Rumänien und Bulgarien — ist die Frage der Oeffnung und Schliessung dieser Wasserstrasse von schicksalshafter Bedeutung. Nicht umsonst bemühen sie sich mit allen, der jeweiligen Konstellation angepassten diplomatischen Mitteln, die Beherrscherin für die eigenen Zwecke zu gewinnen. Der europäische Wetterwinkel, als welcher der Balkan angesprochen wird, ist in seinem südöstlichen Zipfel seit jeher einer der umstrittensten Punkte gewesen. Hier und auf der asiatischen Gegenseite befand sich der Schauplatz der trojanischen Kriege, hier hat der Perserfürst Xerxes das Wasser auspeitschen lassen, weil es die Schiffsbrücke nicht tragen wollte, die ihm den Vormarsch nach Griechenland ermöglichen musste, hier ist die Entscheidung im peloponnesischen Krieg zwischen Athen und Sparta gefallen, welche der letztern die Vorherrschaft in Griechenland sicherte, hier haben Alexander der Grosse und Friedrich Barbarossa ihren Vormarsch auf asiatischen Boden getragen und hier hat die Türkei ihren Einbruch in Europa begonnen. Venezianer, Russen, Engländer, Franzosen, Griechen und andere Völker haben ihre Söhne um diese Vorherrschaft bluten sehen, lange bevor daraus durch die Reibungen zwischen Russland und Oesterreich um die Vorherrschaft im Balkan und zwischen Deutschland und England um diejenige zur See aus der Meerenge ein Streitobjekt geworden ist, das nicht wenig Veranlassung zum Ausbruch der 1914er Katastrophe bot. Welchen Ehtffass die Dardanellen auf die Werfepolitik und ihre Jetzt« Konsequenz, die Korridor ist für die Deutschen eine Provokation und für die Polen eine Gefahr. > Und der bekannte französische Publizist Wladimir d'Ormesson war überzeugt davon, dass «das einzige Problem, das die Befriedung und die Einigkeit hindert, der Danziger Korridor ist. » Auch Churchill, der heute an der Spitze der englischen Kriegsmarine steht, äusserte sich vor einigen Jahren im englischen Parlament wie folgt: « Es wäre sicherer, wenn Fragen, wie sie der Danziger Korridor darstellt, mit allen seinen kritischen Schwierigkeiten kaltblütig und in einer ruhigen Atmosphäre gelöst würden, solange noch die Siegerstaaten eine genügende Macht in dieser Hinsicht besässen und bevor noch zwei starke Mächte entstünden... sonst könnten die Ehre und das Recht dazu zwängen, dass man uns entgegensteht und uns gegen unsern eigenen Willen und bessere Vernunft in einen Krieg hineinzieht, welcher wegen der ungerechten und schwierigen Lage, die Europa eben zerreisst und zur Aufrüstung Anlass gibt, notgedrungen entstehen muss. > Auch vom französischen Marschall Foch Hegt eine interessante Prophezeiung vor. Derselbe stand kurz vor seinem Tode mit Gästen vor einer Europakarte, zeigte mit der Pfeife auf den polnischen Korridor und sagte : « Dort, meine Herren, liegt die Wurzel zu einem neuen Krieg. > Wahrscheinlich kommen die Worte «mir graut nicht vor dem Krieg, aber vor dem Frieden», nicht ganz von ungefähr. Kriegsführung ausüben, ist jedoch nie deutlicher zutage getreten als in den Jahren 1914 bis 1916. In den ersten Tagen des Konflikts war es Deutschland gelungen, die Türkei zum Abschluss eines Bündnisses zu bewegen, dessen erste Auswirkung sich darin zeigte, dass zwei deutsche Kriegsschiffe, die « Gaben » und die « Breslau > im Hafen von Konstantinopel Aufnahme und Schutz suchten und fanden. Doch auch die Westmächte hatten ein ungeheures Interesse daran, nach Gutfinden in das Schwarze Meer einfahren zu können, weil sich bei ihrem Verbündeten und Mitkämpfer Russland bereits in den ersten Kriegsmonaten ein fühlbarer Mangel an Offizieren, Gewehren und Artilleriemunition gezeigt hatte und die Belieferung als dringend notwendig erschien. Da die Türkei nicht gewillt war, den Durchgang freizugeben, kam es Mitte November zur Kriegserklärung. Noch war sich das Osmanische Reich der Bedeutung der Meerenge für die gesamte Kriegsentwicklung nicht im vollen Umfang bewusst, trotzdem es seit zwei Jahren den Ausbau der Befestigungen unter der Leitung des deutschen Generals Liman von Sanders nach Kräften gefördert hatte. Im nördlichen Balkan kämpften die Serben und Rumänen gegen die vorrückenden Deutschen und Oesterreicher, wodurch die Verbindung zwischen den beiden Zentralmächten und der Türkei wenigstens vorerst unterbrochen blieb. Eine West-Ostverbindung zwischen zwischen Russland und den Alliierten durch die Dardanellen hätte für deren Kriegsfü'hrung den grossen Vorteil gehabt, das erstere instand zu setzen, die gegnerische Balkanfront aus der Flanke anzufallen und vielleicht aufzurollen. Aus diesen Ueberlegungen heraus entschlossen sich die vereinigten französischenglischen Streitkräfte Mitte März 1916 zu einer Flottenaktion mit dem Zweck, den Durchgang zu erzwingen und ihre Trappen an Land zu setzen. Der Vorstoss misslaag. Obschon die Türken ihn vorausgesehen haben, überraschte er doch durch die Höhe des Einsatzes und gab ihnen Klarheit darüber, wie sehr dem Feind die Erreichung seines Ziels am Herzen lag. Die Zeit, die die Alliierten nun benötigten, um aus Aegypten Verstärkungen heranzuziehen, genügte den Beherrschern der Dardanellen, auch ihrerseits die notwendigen Vorsorgen zu treffen. Als gegen Ende April ein Landungsversuch auf grösserer Basis unternommen wurde, bei dem die Engländer vornehmlich die Besetzung der Halbinsel Galliipoli, die Franzosen diejenige des asiatischen Vorlandes übernommen hatten, war die Verteidigung bereits zu stark ausgebaut, als dass nennenswerte Resultate zu erzielen gewesen wären. Weitere, an Umfang und Intensität immer stärker werdende Attacken im Verlauf der Monate Juli und August waren ebensowenig von Erfolg begleitet. Unterdessen hatte sich weiter nördlich die serbische Tragödie vollzogen. Die Armee war geschlagen, ihr Durchbruch nach Saloniki, wo sich ein französisches Expeditionskorps um die Herstellung einer Verbindung bemühte, vereitelt. Für die Deutschen und Oesterreicher stand die Bahn nach Konstantinopel offen. Widerwillig und nur nach langen Erwägungen entschloss sich die britische Heeresleitung, den Versuch, der gewaltige Opfer an Menschenleben und Material gefordert hatte, abzubrechen. — Damit war aber auch die Unmöglichkeit zugegeben, den Russen Entsatz und materielle Unterstützung bringen zu können, die sie instand gestellt hätten, durch einen vermehrten Druck von Osten her die kriegerischen Aktionen der Alliierten zu unterstützen. Wenn der Krieg im ganzen mehr als vier Jahre gedauert hat, so ist dies weitgehend auf die hermetische Abschliessung der Dardanellen zurückzuführen. Damit ist eigentlich auch die Bedeutung dieser Seeverbindung bereits skizziert: Sie entscheidet weitgehend über den praktischen Wert der militärischen Bündnisse, an welchen AnstÖsser an das Schwarze Meer beteiligt sind. So kann die Dardanellenfrage beispielsweise für Rumänien zur Schicksalswende werden. Stellt sich die Türkei auf die Seite der Westmächte, so haben diese die Möglichkeit, das Land gegen eventuelle territoriale Ansprüche des russischen Bären zu schützen und die Schwarzmeer-Interessen dieses letzteren zu bedrohen. Revisionswünsche der Bulgaren in bezug auf die Dobrudscha wären dann wohl kaum mehr zu befürchten. Schliesst dagegen die Türkei die Meerenge, so gibt sie dadurch Russland das freie Verfügungsrecht über die anderen Schwarzmeerstaaten in die Hand. Greift Russland aktiv in die Ereignisse ein, so bedeutet die Stellungnahme der Türkei nichts anderes als die Entscheidung darüber, ob die russische Schwarzmeerflotte hinter dem Bosporus konsigniert bleibt. Macht das erstere jedoch rechtsumkehrt, so sind die Westmächte die Nutzniesser, weil sie damit nicht nur die Möglichkeit haben, das so begehrte Oel und den Weizen nach ihren Häfen zu verschiffen, sondern auch die russische Kriegsindustrie für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Dabei sehen wir ganz von der Rolle ab, die Italien zu spielen in der Lage ist, wenn es seine gegenwärtige Haltung aufgeben sollte. Denn es sitzt mit seinen gut ausgebauten Festungen und Flottenstützpunkten im Dodekanes dem türkischen Beherrscher der Dardanellen unangenehm dicht auf dem Nacken. Die politische Lage ist zu verworren, als dass sie irgendwelche Prognosen erlauben würde. Welche Richtungen die einzelnen Völker in der nächsten Zukunft auch einschlagen mögen, spielt keine Rolle für die Tatsache, dass die Dardanellen auch im heutigen Kampf um die politische und wirtschaftliche Machtstellung eine ganz gewaltige Bedeutung hat und damit der Türkei die Möglichkeit gibt, den Lauf der Dinge entscheidend zu beeinflussen. ' 0