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E_1940_Zeitung_Nr.006

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ff AUTOMOBIL-REVUE

ff AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 6. FEBRTMR 1940 — N° 6 Blaugestreifter Kragen Bn junger, eleganfer Mann, in einem hechtgrauen englischen Gabardinemantel, aus dessen schmalen Reversausschnitt der Kopf einer blassgrünen Krawatte hervorlugte, in der behandschuhten Rechten einen dunkelbraunen Borsalino haltend, betrat den kleinen Salon für «Englische Herrenartikel> an der Hauptstrasse. Es war die Zeit kurz nach der Mittagspause. Noch war der Laden leer. Aber die Bereitwilligkeit der drei jungen, entzückenden Verkäuferinnen war ausserordentlich. Man sah es ihren liebenswürdig-hellen Gesichtern an. Zudem versprach der artige, tadellos gekleidete junge Mann, dessen lockiges Haar tiefschwarz glänzte, einen kommerziell unbelasteten, angenehm-tändelnden Disput, kein Wunder also, dass jede der drei Grazien ihn bedienen wollte. Seine Heiligkeit, der Chef, war auch aus seinem dunklen, winzigen Gelass hervorgetreten, wo er sich soeben, nach moderner, sparsam-diskreter Lebensart, zwei Spiegeleier zu Gemüte geführt hatte. Er rieb die Hände, wischte sich rasch mit einem Tüchlein die Brotkrumen fort, wünschte dem jungen Mann einen «Guten Tag» und neigte den Specknacken. Aber dieser beachtete den Dicken kaum. Er hatte sich an die Zarteste, Blasseste unter den dreien, ein ungemein graziles Mädchen, mit dunklen Inderaugen, in einem grünen, enganliegenden Kleidchen gewandt, und wünschte mit wohlklingender Stimme «blaugestreifte Kragen», und zwar solo — «also ohne Hemd, Fräulein!», fügte er hinzu. Das Fräulein Hess vermerken, dass man weisse und hellgelbe, rohseidene in allen Formen und Grossen führe, «dagegen blaugestreifte Kragen?» und ihre Stimme sank ab, und danach liess sie, unter blassroten, feuchten, halbgeöffneten Lippen, in makelloser Schöne, ihre kleinen, weissen Perlzähne aufschimmern. Aber siehe da, der Dicke, zäh und sanft wie ein Luchs, war schon zur Stelle, er hatte natürlich den Wunsch des Herrn vernommen. Seine Speckgrübchen tanzten, der Nacken neigte sich: Der Herr möge sich einige Augenblicke gedulden, es sei zufällig ein Posten selten schöner, blaugestreifter Kragen zur Stelle, nur musste man sie aus dem hinteren Lagerraum herbeiholen. Der junge Mann indes beachtete den Dicken diesmal gar nicht. Er sah gebannt und wie mit einem Zauberschlage avs seiner legeren Haltung auffahrend, so dass er sich vor Verlegenheit über das gebändigte, schwarze Kopfhaar fahren musste, der sich Entfernenden nach. Dieser Gang, das nur gelind* andeutende, aber unnachahmlich reizvolle Wiegen der schmalen Hüfte, die zarten Fesseln — das alles schien ihm eine Offenbarung des Göttlichen hier, in dem kleinen unbedeutenden Salon für «Englische Herrenartikel» an der Hauptstrasse. Es hiess jetzt warten, qualvoll warten, er beschuldigte sich, nicht einen andern, x-beliebigen Gegenstand verlangt zu haben. Er lief einige Male auf und ab, sah sich nicht ohne Wohlgefallen in einem der schmalen, nickeleingefassten Spiegel, die überall aufgehängt waren und nahm dann die Runde wieder auf. Ein leichtes, fiebriges Brausen aber, das seltsam süss-schmerzlich sich umi Herz zusammenzog, hatte ihn verzaubert. Hellenische, lorbeerbestandene Steilhänge, Gesänge, ein Schubertsches Thema, der harsche Salzhauch des Meres, die kaum eingestandene, leise Freude über sein erstes Gedieht, das daheim in der Schublade lag, all diese Empfindungen und Erfahrungen einer jungen Seele hatten sich wie im Rausch zu einem grossen Gefühl vereinigt, das er der Schönheit dieser Erscheinung .angerufen glaubte. Die blaugestreiften Kragen mussten verhext seinl Die Erscheinung (das Wort Erscheinung hatte sich ihm wie ein Hauch auf die Lippen gesetzt) wiederholte sich nicht, und der junge Mann fragte sich einige Sekunden allen Ernstes, ob denn das Ganze von vorhin Wirklichkeit gewesen sei. Doch schon kam die Blasse zurück, der zarte, helle Kopf, mit den ungewöhnlich grossen Augen, machte eine Bewegung des leichten Bedauerns. Die Kragen waren von ihr nicht gefunden worden. Der Borsalino des jungen Mannes wurde gedrückt und herumgewirbelt. Vorbei war es mit der anfänglich tadellos-kühl-vornehmen Haltung. Seint schönheitdürstenden Augen verschlangen das Wesen vor sich, er glaubte unerhörte, phantastische Düfte mit der Nase aufzunehmen, er stotterte, versprach sich, er wünschte jetzt Leibwäsche anzusehen, aber schon war der unermüdlichäugende Dicke wieder zur Stelle. Dieses impertinente fette Wesen war jetzt böse, man sah es ihm an, es bestand kein Zweifel.. Seine Augenbrauen verkürzten sich, seine kleinen Augen wurden grün und dann trompetete es los; «Immer das gleiche mit Ihnen, Fräulein Gmürl Nie wissen Sie, wohin die Sachen kommen I Suchen Sie jetzt oben, auf dem dritten Regal, unter den Pyjamas!» Und dann wandte «r sich in alter Freundschaft und Liebenswürdigkeit wieder an den jungen Mann, man möge entschuldigen, eine neue Verkäuferin, sti noch nicht so eingearbeitet — «die Kragen aber werden Sie zu sehen bekommen, mein Herrl» Doch auch hier, et war zum Verzweifeln, trotz grösster Eifrigkeit Fräultin Gmürs, wurden sie nicht gefunden. Der Dicke entschuldigte sich erneut untertänigst, er lief da und dorthin, ruderte mit seinen kleinen fetten Armen und machte den ganzen Laden rebellisch, ja, er scheute sich nicht, nun auch die_ andern schmalgelenkigen Dienerinnen in die verwinkeltsten Ecken zu hetzen. Dem jungen Mann war es längst peinlich zu mute. Aber was konnte er machen? Die Maschine lief, und jetzt beschwörend Einhalt zu gebieten, es sei nicht nötig, weiterzusuchen, er benötige sowieso nur ein einziges Exemplar von Kragen, schien ihm taktlos. Es blieb nichts anderes übrig, auch das oberste Regal, hart unter der Decke, musste untersucht werden. Fräulein Gmür hatte zwar mit einem entzückenden Lächeln das letzte Trittbrettchen einer schmalen Leiter erklommen, die grossen schweren Kartons aber vermochten ihre schwachen Hände nicht zu bewegen. Hier nun winkte dem jungen Mann eine dringliche Aufgabe, geboren aus dem Rausch und Feuer dieser (wie es schien) für ihn entscheidenden Begegnung. Uralter Minnedienst war in alter Herrlichkeit auferstanden. Den beschwörenden Einwendungen des Dicken wehrte er mit einer energischen Handbewegung. Jetzt würde er handeln und zeigen, wie man einer unerkannten Göttin dient und schon hatte er die Leiter angestellt. Sie war zwar ausserordentlich schmal, die Grosse seiner Mission aber schien ihm Flügel zu verleihen, schon stand er oben, auf der letzten Sprosse, die nahen, verstaubten Kartons winkten, da sauste das Leiterchen, in einer dämonischen Tonfolge von Quietschlauten in einer schrägen Kurve ab, ein Ballen weisser Wäsche raste durch die Luft, die drei Grazien schrien auf, und schon sass der junge Mann, verdutzt und mit einem sehr erstaunten Ausdruck, auf der Erde. Er schüttelte einige Male den Kopf, als könne er es immer noch nicht begreifen, dass ausgerechnet ihm das passieren musste und sah kritisch abschätzend zum obersten Regal empor. Das mochten von hier unten gut vier Meter sein. Eine augenblickliche Stille folgte. Fräulein Gmür war alles Blut aus den Wangen getreten. Der junge Mann, jetzt ganz erwacht, verspürte plötzlich den Glutstrom eines rasenden Schmerzes, der ihm vom rechten Fuss ins Gehirn drang. Sein Gesicht verzerrte sich. Inzwischen waren einige Kunden eingetreten. Fräulein Gmür befand sich einen Augenblick allein mit dem offensichtlich Verunglückten. Ihr Gesicht schien ihm die Reinheit und Güte eines Engels zu haben — aber dann, es war für ihn der höchste Grad des Peinlichen in dieser verdammten Kragengeschichte, verliessen ihn die Sinne. Später hat er dies einfach nicht begreifen* können, dieser Kollaps schien ihm niederträchtig — ohnmächtig wurden doch nur alte Tanten! Was dann inzwischen geschah, dessen wurde sich der jung« Mann nicht bewusst. Der Dicke rief voller Angst (dass ausgerechnet so etwas in seinem Laden passieren musste!) nach einem Arzt, der dann einen Knöchelbruch mit leichter Blutung und ein« wahrscheinliche, leichtt Gehirnerschütterung feststellte, danach traf der Sanitätswagen ein, es gab einen Wirbel von Menschen vor dem eleganten kleinen Herrensalon an der Hauptstrasse — aber dann sank auch dieser kleine Vorfall in das ungeheure Strombett des Vergessenen. Gott, es ist beileibe alles nicht schlimm: der Knöchel ist zwar gebrochen, aber da kein Reber hinzutritt, ist der Bruch in vierzehn Tagen geheilt. Der junge Mann liegt in den weissen Kissen. Das Vorgefallene erscheint ihm unerhört nichtig jetzt — gemessen an «Ihr!» Und er erlebt beim Einbruch der Dämmerung, tausendmal «die-sich- Entfernende», das ist schon Musik, denkt er noch und schläft ein. Und einige Tage später steht sie wahrhaftig an seinem Bett. Ihre dunklen Inderaugen leuchten, und auf ihren blassroten Lippen wohnt ein Lächeln wie ein Vers vom ewigen Frühling. Sie sehen sich nur an, die beiden, und die Schwester, die soeben das Zimmer betritt, hat so etwas in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen! Sie sehen sich nur an, und Fräulein Gmür vergisst lange, dass sie in ihrem Arm weisse Nelken und ein Päckchen mit einem Dutzend blaugestreifter Kragen vom Chef trägt. Geheimnisse der indischen Köche Wenn sich ein Eu ropäer in Ostasien einen Koch zulegt, dann zieht er in der Regel erst mancherlei Erkundigungen über ihn ein. Vor allem will er wissen, ob der Koch abergläubisch ist. Dann aber auch, ob er sich auf den Gebrauch eines Toaströsters versteht. Diese beiden Momente sind wichtig aus folgenden Gründen: Wenn nämlich ein indischer Koch abergläubisch ist, dann beginnt er die Zubereitung eines Gerichtes über einem Feuer mit einer Pfanne, nicht ohne ruers in die Pfanne hineinzuspucken. Denn nur so glaub er die bösen Geister vertreiben zu können, die sich in der Pfanne häuslich niederlassen. Den Toaströster aber muss der Koch kennen, weil er sonst immer nur ein Stück Toast am Feuer röstet und die schon angewärmten zwischen den Zehen seiner Füsse ganz nahe an das Feuer hält, damit sie nicht abkühlen, während die anderen geröstet werden. Aber es kann auch vorkommen, dass ein indischer Koch z. B. Kartoffelkuchen in der Weise herstellt, dass er den Kartoffelbrei unter dem Arm in der Armhöhle rund formt und dann durch Oeffnen, d. h. Heben des Arms in die Pfanne knallen lässt. Nun sind diese Methoden nicht jedermanns Geschmack. Und deshalb sucht man nach den nötigen Empfehlungen, wenn man einen Koch in Ostasien auswählt. WFiTCFKTin innr Marschall Lyantey Auch der Kenner der innerpolitischen Verhältnisse in Frankreich ist immer wieder überrascht zu beobachten, mit welcher Selbstverständlichkeit führende Persönlichkeiten ihre Parteiinteressen zurückstellen, wenn es gilt, für das Wohl des Landes zu arbeiten. Männer, die nach Herkunft und Erziehung als Feinde des herrschenden Regimes gelten, dienen der Republik mit allen ihren Kräften. Ihr Dienst gilt dem Lande, nicht dem Regime. Marschall Lyautey hat für Frankreich eine Kolonie von grösstem Wert erobert, befriedet und zu einem modernen Staat ausgebaut: Marokko. Er entstammt einer Familie, deren Vorfahren väterlicherseits sich in den Armeen Napoleons I. ausgezeichnet hatten und deren mütterliche Vorfahren Legitimisten reinsten Wassers waren. In jungen Jahren hat auch Lyautey aus seinen legitimistischen Neigungen und seiner positiven Stellung zur katholischen Kirche kein Hehl gemacht. Das alles war kein Hindernis, um ihm eine glänzende Laufbahn im republikanischen Frankreich zu eröffnen. Als Kuriosum möge erwähnt werden, dass dieser glänzende und tapfere Soldat eine Kindheit durchmachte, die die Möglichkeit einer militärischen Karriere so gut wie ausschloss. Infolge eines Sturzes, der die Wirbelsäule beschädigtet war der zukünftige Marschall in den ersten Lebensjahren ans Bett gebunden. Bis zum 12. Jahre musste er ein Stahlkorsett tragen, um sich überhaupt bewegen zu können. Als der schwere körperliche Schaden geheilt war, betätigte sich der junge Lyautey leidenschaftlich auf sportlichem Gebiete, eine natürliche Reaktion auf die lange Gebundenheit. Mit neunzehn Jahren war er so weit her» gestellt, dass er (1873) in die Kriegsschule von Saint-Cy'r eintreten konnte. Das war zwei Jahre nach der schweren Niederlage seines Landes im Kriege von 1870/71. Er tritt in ein Kavallerie-Regiment ein und begibt sich nach Absolvierung seiner Dienst jähre nach Afrika, wo er auf einer Station in Süd-Algerien die militärischen Verhältnisse in den Kolonien kennenlernt. 1882 kehrt er mit dem Range eines Hauptmanns nach Frankreich zurück, mit dem Gefühl, dass seine Gesundheit den Strapazen des Kolonialdienstes nicht gewachsen ist. In diesen Jahren hat sich Lyautey stark für eine Bewegung interessiert, die damals von Albert de Mun propagiert wurde: den sozialen Katholizismus. Er verkehrt viel in Kreisen von Schriftstellern und Künstlern wie Graf d'Haussonville, de Vogüe, Brunetiere, Coppee, de Heredia, Henri de Regnier, Marcel Proust. Vogüe ist von einem Aufsatz des jungen Lyautey so begeistert, dass er ihn anonym in der Revue des Deux-Mondes abdruckt (als Offizier durfte Lyautey ohne Erlaubnis seines Regiments nichts veröffentlichen). Dieser Artikel behandelte die soziale Stellung des Offiziers im Heere und war für die damalige Zeit von erstaunlicher Kühnheit, Das Anonymat wurde nicht gewahrt. Die Armee, die zum grössten Teil konservativ dachte, stellte sich feindlich zu dem Verfasser ein. Sie betrachtete ihn als einen Sozialisten und Revolutionär. Damit kam Lyautey, der selbst streng konservativ war, in eine eigenartige Lage. Lob -erntete er nur von den Republikanern, die seine Ideen für höchst beachtenswert hielten. So gelangte Lyautey mehr oder weniger wider Willen in das republikanische Lager. 1893 finden wir ihn mit dem Range eines Majors bekleidet als Stabschef der 7. Kavallerie-Division in Me&ux und ein Jahr später als Stabschef des damaligen Obersten Gallieni — und späteren Verteidigers von Paris — in Tonkin, in Indo-China. Drei Jahre dauert dieser Aufenthalt in der Kolonie. Lyautey zeichnet sich bei den Kämpfen aus, folgt 1897 Gallieni in dessen Kommando nach Madagaskar, wo er an der Pazifikation dieser wertvollen französischen Kolonie grossen Anteil nimmt. Kurze Aufenthalte in Paris unterbrechen zeitweilig den Kolonialdienst. Während eines solchen Besuches ' in der Hauptstadt veröffentlicht Lyautey — wiederum in der Revue des Deux-Mondes — einen Artikel über die Aufgaben einer modernen Armee in den Kolonien. Er weist nach, dass der Soldat ebensosehr Siedler als Kämpfer sein müsse; er betont, dass mit der Eroberung einer Kolonie erst die eigentliche zivilisatorische Arbeit beginne, alles Grundsätze, die er später in grossem Stile in die Wirklichkeit umsetzte. Mit dem Range eines Obersten verlässt er 1902 Madagaskar, um das Kommando des 14. Husaren- Regiments zu übernehmen, Dieser Dienst erscheint ihm nach seinen Erlebnissen in den Kolonien so uninteressant, dass er sich entschliesst, nur noch das nächste Jahr abzuwarten, um endgültig seinen Abschied zu nehmen. Der Zufall führt eine vollkommene Wendung herbei. Marokko befindet sich in einem trostlosen Zustand. Ueberall herrscht Unordnung und Anarchie. Da lernt Lyautey bei einem Diner den Generalgouverneur von Algerien, Jonnart, kennen. Er setzt dem Gouverneur auf Grund seiner Erfahrungen seine kolonialen Theorien auseinander und findet bei ihm so viel Verständnis, dass kurze Zeit darauf seine Abkommandierung zur Division von Ain-Sefra erfolgt. Damit beginnt Lyauteys wunderbare Laufbahn in Nordafrika. Mit geringen Opfern gelingt ihm die Pazifikation der Gebiete an der algerischen Grenze. Er hat damit den Beweis erbracht, dass ein militärischer Befehlshaber durch geschickte Einsetzung seiner Machtmittel alles erreichen kann, wenn die Gewalt vernünftig angewandt wird. Er hat gezeigt, dass man mit den Mitteln der Ueberredung, durch Schonung und Milde noch mehr erreichen kann. Und dieser Grundsatz wird für den grossen Kolonisator in Zukunft der leitende sein. Von Algerien ist Lyautey wieder nach Frankreich zurückgekehrt. Die Regierung hat ihm das Kommando eines Armeekorps, desjenigen

N° 6 —' DIENSTAG, 6. FEBRUAR 1940 AUTOMOBIL-REVUE [fü von Rennes, übertragen. Aber die Lage in Marokko verschlimmert sich von neuem. Nun aber, nach dem Zwischenfall von Agadir (1911), hat Frankreich Müsse, sich energisch den marokkanischen Angelegenheiten zu widmen. Die Kriegsgefahr mit Deutschland ist einstweilen gebannt. Im Vertrag vom 4. November 1911 hat Deutschland gegen Erwerb von Gebieten im französischen Kongo Frankreich freie Hand in Marokko gegeben, Wenige Jahre vorher, 1907/08, war Sultan Abd-ul-Asis zugunsten seines Bruders Muley-Hafid zurückgetreten. Dieser gerät vollkommen in französische Abhängigkeit. 1912 wird Marokko durch Vertrag französisches Protektorat. Sultan Muley Hafid tritt zugunsten seines Bruders Muley Jussuf zurück. Einige Tage später revoltieren eingeborene Truppen, ermorden ihre weissen Offiziere und bedrohen den Sultan mit dem Tode. Die französische Regierung ernennt Lyautey zum Residenten von Marokko und überträgt ihm die Pazifikation des Landes. Dieser trifft in Fez in dem Augenblick ein, als die Stadt in Gefahr ist, von den Rebellen eingenommen und geplündert zu werden. Im Verein mit Oberst Gouraud entsetzt Lyautey die Stadt. Innerhalb von zwei Monaten sind Fez und grosse Teile Nordafrikas pazifiziert, der Sultan ein Freund des Residenten geworden. Es ist unmöglich, an dieser Stelle die militärische Durchdringung Marokkos in allen Phasen zu schildern. Durch den Weltkrieg unterbrochen, während Lyautey als Kriegsminister nach Frankreich zurückberufen worden war, wird sie nach dem Krieg mit allen Mitteln durchgeführt, Noch einmal gerät alles in Gefahr, als der Sultan des Rif, Abd-el- Krim, die französischen Stellungen eine nach der anderen aufrollt. Seine Niederlage befestigt für immer Frankreichs Stellung in Marokko. Es ist jedoch nicht die Eroberung dieser grossen Kolonie, die Lyautey seinen grossen Ruhm verschafft hat. Die muselmanische Welt verehrt in Lyautey den grossen Kolonisator. Was die meisten Eroberer nicht verstanden haben, das hat Lyautey erkannt. Er lässt den Eingeborenen Religion, Sitten und Gebräuche, er stört sie nicht in ihrem Eigenleben, aber er Marschall Lyautey im Kreise seiner Mitarbeiter. Die kriegführenden Länder und auch die Neutralen haben seit Ausbruch des Krieges ihre Waffenhandelskontrolle noch bedeutend verschärft. Und doch weiss man in den internationalen Kreisen, die sich für diese Dinge interessieren, dass die Hyänen schon wieder an der Arbeit sind und als «Händler des raschen Todes» — wie die Araber sie tauften — zusammenraffen, was sie finden können — an Waffen, an Munition, um diese Dinge bereit zu halten für den, der eines Tages oder morgen schon danach fragen könnte. Gesetze ohne Lücken — aber etwas für Kenner. Es ist schon so: die Waffenhandelsgesetze der Länder, in denen Waffen erzeugt werden, sind ohne Lücken. Es müsste alles ordnungsmässig zugehen. Aber wenn es dann «an der Zeit» ist, tauchen am oberen Amazonas, an der Nordwestgrenze Indiens, im afrikanischen Busch, in einem Rebellenlager in Amerika oder wo auch immer — Waffen berühmtester europäischer und amerikanischer Firmen auf. Das sind die Waffen, die sich durch alle Gesetzesmaschen durch Polizeisperren, durch Zollkontrollen, durch die Späherdienste den Weg hindurchzubahnen wussten. Woher sie kommen? Für den Kenner gibt es da eine Menge Quellen-, da wird zum Beispiel ein Depot liquidiert. Eine Waffe wird für überlebt gehalten, ein neues Maschinengewehr hat eine bessere Kühlung. Händler ersteigern die Ware. Und dann nimmt die ihren Weg. Oder die Waffen sind überzählig. Der berühmteste Waffenhändler Europas, der gerissene Basil Zaharoff, kaufte der türkischen Armee 200000 Gewehre gut wie alles in diesem Lande neu geschaffen werden muss, und er macht sich mit einer Energie, mit einem Elan ohnegleichen an die Arbeit. Der Besetzung des Landes folgt 'die Durchdringung, dann die Einordnung des Eingeborenen in die Verwaltungsmaschine der Regierung, Der primitive Handel muss belebt werden, und hierzu sind Häfen, Eisenbahnen, Strassen, Städte und Dörfer notwendig. Das von der Natur so reich ausgestattete und doch so arme Land muss lernen, die Naturschätze zu heben. Ein grossartiges Bewässerungssystem ist einzurichten, um dem Boden die Frucht abzuringen, die in der brennenden Sonne Afrikas verdorrt. Dieses Werk hat Lyautey zu Ende geführt. Er hat Marokko die modernsten Großstädte geschenkt, neben denen er die Siedlungen der Eingeborenen unberührt stehen Hess. Er hat die Kolonie mit den grössten Häfen versehen, die das Staunen der Welt hervorriefen. ab, für die man eines Tages keine Verwendung mehr hatte. Das war im ersten Balkan- Krieg. Als der zweite Balkankrieg ausbrach, verkaufte Zaharoff die gleichen Waffen frisch geölt wieder an die Türken — mit einem ungeheuren Aufschlag. Das war sein erstes, grosses und einfachstes Geschäft. litik bestimmt, die man in einem primitiven Lande zu befolgen hat, ist es notwendig, das Land und seine Menschen genau kennenzulernen. Die Gesetze, sagt Lyautey, lassen sich nicht einfach von einem Lande zum anderen verpflanzen. Von den bestehenden Gesetzen, die durch Traditionen den Eingeborenen in Fleisch und Blut übergegangen sind, müssen jene erhalten bleiben, die sich als gut erweisen. Man muss die religiöse Empfindlichkeit bis zum äussersten schonen, so wenig wie möglich in Sitten und Gebräuche eingreifen, möglichst nur dann, wenn sie für die Eingeborenen selbst verderblich sind. Die militärische Besetzung des Landes darf daher kaum fühlbar sein. Die Rolle des Soldaten muss sein, den Frieden vorzubereiten, um den Krieg zu verhindern. Wieviel Elend hätte man den Kolonien erspart, wenn überall diese Grundsätze massgebend gewesen wären, 1925 tritt Lyautey zurück. Aber noch ist für ihn die Zeit nicht gekommen, die Hände in den Schoss zu legen. In den Jahren 1927 bis 1931 organisiert er die grosse französische Kolonialausstellung. 1934 verliert Frankreich versucht, ihre materielle Lage zu bessern". Und Seine grösste Tat aber ist die Aufstellung dies ist nur möglich, wenn das Land einer einer Lehre von der Kolonisation, die auf jahrhundertealten Misswirtschaft entrissen lange Zeit hinaus für alle kolonisierenden Völwird. Lyautey ist sich darüber klar, dass so ker vorbildlich sein wird. Bevor man die Po- in seiner Person einen seiner grössten Söhne. Die Händler des raschen Todes Der Waffen Wege sind oft wundersam. Die Italiener verwendeten ein 1918 ihnen in die Hände gefallenes österreichisches Waffenlager, um mit den Maschinengewehren die Kolonialtruppen auszurüsten. Der Rest wurde verkauft. Und so kam es, dass im abessinischen Krieg die Italiener oft mit den gleichen Maschinengewehren beschossen wurden, die sie selbst verwendeten. Und in einem Fall beschossen sich Abessinier und Italiener mit den Maschinengewehren, die einst dem gleichen k. und k.-Regiment angehört hatten. Oft geht das Geschäft freilich auch anders vor sich: einer grossen Waffenfirma werden von einem Vertreter eines Landes alle möglichen Papiere mit Minister-Unterschriften und Siegeln präsentiert. Der Mann mit diesen Dokumenten ist offenbar wirklich beauftragt, Waffen zu kaufen. Er gibt die amtliche Adresse an — Kriegsamt da und da. So müssten die letzten Zweifel behoben sein, dass man es mit einem ganz richtigen und echten Waffeneinkäufer zu tun hat. Und es stimmt doch nicht. Denn hier setzt der Sägenmehltrick ein, wie man das im Waffengeschäft nennt: die Waffen werden in einem Depot scheinbar noch einmal rasch von dem Einkäufer kontrolliert vor der Verschiffung oder dem Abtransport. Und eines Tages erhält das Kriegsamt in so und so 100 Kisten mit «Maschinenteilen» — wie man die Waffen dezent nennt. Aber in den Kisten ist nur Sägemehl. Die richtigen Waffen wurden nämlich ausgepackt und anderswohin umgeleitet, wo man sie als «schwarze Waffen» hoch bezahlt. Die Lieferfirma erlitt meist keinen Schaden. Denn sie bekam bei Abnahme die Ware bezahlt. Es handelte sich ja für die Schieber nur darum, die Ware gut in die Hand zu bekommen. Beim Umpacken wurden dann die genau so schweren Kisten mit dem Mehl untergeschoben. Geschäfte — mit Dschungelgesetzen. Anders ist es natürlich, wenn eine Regierung daran interessiert ist, dass Händler einem bestimmten Land oder einer Gruppe in einem Land Waffen zuspielen. Da tut sich der Händler nicht ganz so schwer. Sonst ist mitunter sein Geschäft gefährlich und recht kompliziert. In der spanischen Nichtintervention wurden auf beiden Seiten und nach beiden Seiten Waffen geliefert. Dabei geht es nicht immer zart und zaghaft zu. Wer sich in den Waffendschungel begibt, der läuft Gefahr, darin umzukommen. Die Waffenkontrolleure waren vereidigt und mussten bei Todesstrafe richtig Auskunft geben, ob eine gelieferte Ware in Ordnung sei. Wenn man eines Tages den Spanier L. S. Galler "auf der Strasse von Rabassada nach Barcelona mit 30 Kugeln im Leib tot auffand, dann kam das dgher, dass er falsches Zeugnis abgegeben hatte in einer Waffenaffäre. Aber ehe man ihn zusammenschoss, zwang man ihn, einen Scheck auf sein ganzes Vermögen bei der Bank von Barcelona auszustellen. So hielten sich die Enttäuschten wenigstens einigermassen schadlos. Der rasche Tod hatte eigentlich nur einen Schakal aus dem Geschäftsreich des raschen Todes abgeholt. Das war alles. Und die Hyänen und Schakale gehen schon wieder um ... Zürich Empfehlenswerte Unterhaltungsstätten Neuveville Ecole superieure de Commerce Offizielle Handelsschule Kaufmännische Abteilung für Jünglinge und Töchter. Abteilung für Sprachen und Haushaltung für Töchter. Gründliche Erlernung der französischen Sprache. 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