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E_1940_Zeitung_Nr.039

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Kopfklärung in der

Kopfklärung in der Frage der Ersatztreibstoffe. Die Auffassung des offiziellen Organs des ACS Unter dem Titel «Die heikle Frage der Ersatztreibstoffe> behandelt die September-Nummer des offiziellen Organs des Automobil-Clubs der Schweiz «Auto» das Benzin-Ersatz-Problem. Der ausführlich dokumentierte Artikel kommt zu nachstehenden Schlussfolgerungen: 1. Es gibt keine Patentlösung, mit der die gegenwärtige Benzinknappheit in verhältnismässig kurzer Zeit beseitigt werden könnte. Selbst wenn gewaltige Summen investiert würden, Hessen eich die 10 000 bis 12 000 Tonnen, die wir monatlich zusätzlich brauchten, um die Rationierung zu beseitigen, nicht gewinnen. Es kann sich somit von vornherein nur darum handeln, eine verhältnismässig kleine Zahl von Fahrzeugen auf Ersatztreibstoffe umzustellen, um so wenigstens einen minimalen Verkehr auf alle Fälle zu sichern und die 'bereits eingelagerten und noch eingeführten Treibstoffe zu «strecken». 2. Dabei sind es bei den meisten der in Betracht kommenden Ersatztreibstoffe keineswegs technische Schwierigkeiten, die eine Umstellung in grossem Rahmen verunmöglichen; sondern die Hemmnisse liegen vorwiegend auf wirtschaftlichem Gebiet, und zwar sowohl in der Rohstoffbeschaffung als auch in der Bereitstellung der für die Grossproduktion erforderlichen umfangreichen und kostspieligen Anlagen, die nur in jähre- und jahrzehntelangem Betrieb amortisiert werden könnten. 3. Die Diskussion über das gesamte Ersatzproblem wird dadurch erschwert, dass von den Behörden bisher nicht bekanntgegeben wurde, welche Ausgangsstoffe für die Ersatztreibstoffproduktion verfügbar sind, und welche Mengen für jeden einzelnen dieser Stoffe bereitgestellt werden können. Die nächste und dringendste Etappe in der Behandlung des Ersatztreibstoff-Problems muss deshalb die Aufstellung eines genau durchstudierten und verbindlichen «Rohstoffplanes» seitens der Behörden sein. 4. Daran hat sich die Planung für Auswahl und Umbau der umzustellenden Fahrzeuge, für die Herstellung der Generatoren, für die Fabrikation der Treibstoffe usw. anzuschliessen. In Verbindung damit ist die steuerliche Behandlung der Ersatztreibstoffe und der umzustellenden Fahrzeuge verbindlich festzulegen. 5. Auf alle Fälle aber sollte die jetzige Periode der Unklarheit und der Zersplitterung baldigst zu Ende gehen; denn es geht nicht an, dass die Automobilisten bedeutende Beträge für die Anschaffung von Generatoren, für den Umbau der Motoren usw investieren, ohne die Gewähr zu besitzen, dass sie den benötigten Ersatztreibstoff zu vernünftigen Bedingungen auch wirklich dauernd erhalten. Wenn die genannten Bedingungen nicht erfüllt sind, so drohen die mit besten Absichten eingeleiteten Bestrebungen zur Lösung des Treibstoffproblems letzten Endes volkswirtschaftlichen Schaden anzurichten. Das Problem der Ersatztreibstoffe im Urteil des « Motorlastwagen ». In seiner letzten Nummer (17) zitiert der « Moforlastwagen », das offiziell« Organ der Aspa, eine in unserem Blatte erschienene Betrachtung zu den Methoden, womit heute die Werbetrommel für die Ersatzbrennstoffe gerührt wird, um anschliessend daran in einem eigenen Kommentar den Stand der Dinge zu beleuchten. Die technischen Probleme und die Versorgungsmöglichkeiten mit den erforderlichen Ersatzbrennstoffen — heisst es da — liegen nicht so einfach, wie man allgemein aus den Anpreisungen der Oeffentlichkeit schliessen könnte. Entweder fehle es an den Rohstoffen oder dann an den Fabrikationsmöglichkeiten, die erst geschaffen werden müssten und nicht von heute auf morgen zur Verfügung stehen. Auch die Frage der Beschaffung ausreichender Mengen getrockneten Holzes für die Holzvergaser, um dem propagierten Bau von Holzgaswagen zu genügen, sei absolut nicht restlos geklärt. Was wir für diesen Zweck — und zwar in grossen Quantitäten — benötigen, das sei Buchenholz, denn Tannenholz eigne sich dazu nicht. Und ähnlich verhalte es sich auch mit dem Azetylenbetrieb. Davon abgesehen setzen sich viele der gegenwärtigen Erfinder über die physikalischen und thermischen Eigenschaften der angepriesenen Produkte leichtfertig hinweg, weil sie entweder nicht durch Sachkenntnis getrübt seien oder weil sie unter allen Umständen ein Geschäft machen wollen. Der Katzenjammer komme dann später, wenn so und so viele hereingefallen seien. Erfrischende Offenheit spricht sodann aus einem in der gleichen Nummer des «Motorlastwagen» erschienenen Kommentar zur Konferenz vom 23. August, die sich mit verschiedenen Fragen der Ersatzbrennstoffe befasste. « Solche Lehrstumlen », bemerkt das erwähnte Blatt dazu, « sind sehr zu begrüssen, um übertriebene, nicht realisierbare Erwartungen auf ihr richtiges Mass zurückzuführen... Es will viel heissen, wenn an der Konferenz beschlossen wurde, über den Gang der Verhandlungen nichts an die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Man kann füglich zwischen den Zeilen lesen! » Nat.-Rat Grimm über die Fragen der Ersatztreibstoffe und der Durchgangsstrassen. Im Schosse der Sektion Bern des Schweiz. Ingenieur- und Architektenvereins sprach am vergangenen Freitag Regierungsrat Grimm über das Thema « Grundlagen der Arbeitsbeschaffung ». Wenn er sich die Schwierigkeiten, welche einem auf lange Sicht berechneten Arbeitsprogramm entgegenstehen, auch nicht verhehlte, so bejahte er doch die Notwendigkeit einer neuen Arbeitsbeschaffungsaktion, in deren Rahmen u. a. auch der systematische Ausbau der Durchgangsstrassen gehöre, währenddem allerdings « schöne Autobahnen» für unsere Verhältnisse ausser Betracht fallen. Dagegen müssen wir den systematischen Ausbau der Durchgangsstrassen in Angriff nehmen, wofür — wie es auch die an anderer Stelle dieser Nummer wiedergegebene Eingabe der Via Vita fordert — der Bund gewisse Normalien wird aufstellen müssen. In seinen Darlegungen ging der Chef der Sektion für Kraft und Wärme auch auf das Problem der Ersatztreibstoffe ein, wobei er feststellte, dass es ein Irrtum! sei, zu glauben, wir könnten hier uneingeschränkt aus dem Vollen schöpfen. Dass auch auf diesem Gebiete gewisse Grenzen bestehen, hätten bereits die Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Holzvorräte für die geplante Umstellung von 1000 Lastwagen auf Holzgasbetrieb offenbart. Benzinversorgung und Ersatztreibstoffragen vor dem Nationalrat Die Behandlung des bundesrätlichen Geschäftsberichts hat in der Vormittagssitzung des Nationalrates vom 17. September von mehreren Seiten Attacken gegen die Art und Weise de r Treibstoffversorgung und der Förderung des Ersatztreibstoffproblems ausgelöst. Ganz unerwartet kam diese Kritik nicht, wenigstens für jene nicht, die das Stimmungsbarometer während der letzten Wochen verfolgten und konsultierten. Umgekehrt gab die Aufrollung der beiden Fragen dem neuen Chef des Volkswirtschaftsdepartements, Bundesrat Stampfli, Gelegenheit, die Dinge an ihren richtigen Platz zu stellen und gewisse irrige Auffassungen zu korrigieren. So rügte beim Abschnitt « Volkswirtschaftsdepartement » der Berner Jungbauer Müller, dass die Brennstoffversorgung ungenügend vorbereitet und geordnet worden sei. Dabei kriegte auch die ETH eins ab mit der Bemerkung, sie sei bei der Erforschung der synthetischen Brennstoffe nicht mit der gebotenen Initiative vorgegangen. Ins gleiche Hörn stiess- der Neuenburger Sozialist Perret, der den Behörden vermehrte Aufmerksamkeit für die Versorgung mit Ersatztreibstoffen nahelegte und verlangte, dass jeglicher Spekulation ein Riegel geschoben werde. Bundesrat Stampfli erklärte, es sei leicht, zu behaupten, dass unsere Versorgung mit Brennstoffen ungenügend sei und dass bei der Anlage von Reserven der notwendige Weitblick vermisst werde. Es sei einfacher, solche Behauptungen aufzustellen als Vorräte zu schaffen. Niemand könne sagen, dass wir vor dem Krieg in der Lage gewesen wären, unseren Bedarf zum voraus auf ein oder zwei Jahre zu decken. Wir hätten die erforderlichen Mengen vom Ausland nicht erhalten. Infolge des Krieges seien wichtige Bezugsländer ausgefallen. Bei der Beurteilung der Frage der Ersatzstoffe als Mittel zur Streckung unserer Reserven an flüssigen Treibstoffen müsse man sich in Erinnerung rufen, dass die Alkohohregie vor dem Kriege bereit gewesen sei, die Frage zu prüfen und bezügliche Vorschläge auszuarbeiten, doch hätten sich die Automobilisten dagegen gewehrt. Heute seien sie es, welche den Sprit als Streckungsmittel verlangen, aber die Alkoholverwaltung verfüge nicht mehr über die nötigen Mengen (wobei immerhin die Feststellung am Platz ist, dass sich die Automobilisten weniger aus technischen Gründen gegen die Spritbeimischung auflehnten, als vielmehr weil eie für die Zumutung kein Verständnis aufbrachten, dass die Folgen der Misswirtschaft des damaligen Alkoholdirektors auf ihren Rücken abgewälzt und der Schnapsschwemme auf ihre Kosten ein Ende gesetzt würde. Red.) Seit einiger Zeit schon habe sich die Kriegswirtschaft der Umstellung von Fahrzeugen auf den Holzgasbetrieb angenommen. 300 Wagen seien bereits umgebaut und man fasse den Umbau weiterer 1000 ins Auge, doch erheben eich dabei Schwierigkeiten, weil es unserer Industrie an der notwendigen Erfahrung und an den Einrichtungen fehle. Das Holz müsse sorgfältig ausgesucht werden, denn es sei für diesen Zweck nur in a;bsolut trockenem Zustand verwertbar. W a 1 d e r (unabh., Zürich) fand .die Zahl von 300 auf Holzgas umgebauten Fahrzeugen bescheiden. Andere Länder, namentlich Schweden und Italien, seien in dieser Hinsicht erheblich weiter voran. Es gelte aber, sich die katastrophale Lage des Autogewerbes und die Sicherung der Schlagkraft unserer Armee vor Augen zu halten, der ernste Gefahren drohen, sofern die Bemsineinfuhr auf dem Niveau der letzten beiden Monate verbleiben sollte. Wenn die Umstellung auf Holzgas nicht Tascher fortschreite, so liege der Grund dafür in den ungenügenden Vergünstigungen, die nur einen schwachen Ansporn zum Uebergang auf diese Betriebsart bilden. Allerdings belaste er manche Halter ganz erheblich, koste doch die Umstellung eines Lastwagens rund 3000 Fr. Nehme man an, dass der Krieg z. B. in einem Jahr beendet sei, dann erwachsen jenen, die sich zum Umbau entschlossen haben, fühlbare Nachteile. Indessen könnten ihnen sehr wohl Erleichterungen in dem Sinne zugestanden werden, dass man sie für die nächsten drei Jahre von der Verkehrssteuer befreie, was vielleicht 500 Fr. pro Interessenten ausmache. Darin läge immerhin eine gewisse Entschädigung. Wohl falle die Erhebung der Verkehrssteuern in die Finanzhoheit der Kantone, aber unter den gegenwärtigen Umständen besitze der Bundesrat gewiss die Kompetenz, eine Massnahme im erwähnten Sinn zu treffen, gehe es doch um die Gesatntinteressen des Landes. Im übrigen brauche man sich auch wegen der Beschaffung des Holzes keine Sorgen zu machen. Wenn gesagt worden sei, dass wir nicht über jene Mengen verfügen, die eine sofortige Umstellung rechtfertigen, so treffe das nicht zu, denn nach den Erklärungen der Spezialisten auf dem Gebiete des Holzmarktes besitzen wir die Möglichkeit, das nötige Holz aufzubringen. Automobihstische Tagesprobleme im Spiegel des Parfaments Die Forderungen des Autogewerbes finden ihren Niederschlag im Parlament Das Postulat Müller im Nationalrat. Am 23. September hat Nationalrat Müller (Aarberg), entsprechend seiner an der Tagung des schweizerischen Autogewerbes gegebenen Zusage, im Nationalrat folgendes Postulat eingereicht: «Angesichts der ausgesprochenen Notlage im Autogewerbe ersuchen die Unterzeichneten den Bundesrat, zu prüfen, ob und welche Massnahmen zur Erhaltung dieses wichtigen Berufszweiges getroffen werden könnten und ob dabei nicht im besondern in Aussicht zu nehmen seien: 1. Schaffung einer Zentralstelle zum Studium und zur sofortigen Auswertung der Frage der Ersatztreibstoffe; 2. Vermeidung aller unnötigen Erschwerungen und Verteuerung dieser Ersatztreibstoffe, vor allem Fallenlassen des Zollzuschlages für Methylalkohol; 3. Förderung des Umbaues der Automobile auf Ersatztreibstoffe; 4. Planmässige Arbeitszuteilung an die Betriebe des Autogewerbes durch Armee, Bund, Kantone und Gemeinden; 5. Beschränkung der Benzinverkaufsstellen auf die Betriebe des eigentlichen Autogewerbes und Schliessung derjenigen Verteilungsstellen, die nicht unmittelbar der Existenzgrundlage des betreffenden Betriebes dienen; 6. Einstellung der Vergnügungsfahrten mit Postautomobilen; 7. Verbot der Eröffnung und Erweiterung von Garage-Betrieben; 8. Anpassung der Verkaufsmargen für das Benzin an die veränderten Verhältnisse; 9. Einreihung der Aussenseiter in die Benzinmarktordnung; 10. Unterstützung der Sanierungsbestrebungen im Autogewerbe durch Verbindlicherklärung der vom Verbände vorzuschlagenden Massnahmen; 11. Anhandnahme rechtlicher Schutzmassnahmen durch Revision der bundesrätlichen Verordnung vom 17. Oktober 1939 über die Zwangsvollstreckung zur Verhütung des Zusammenbruches zahlreicher Betriebe des Autogewerbes; 12. Aufnahme von Verhandlungen mit den Kantonen für eine zweckmässige Gestaltung der Motorfahrzeugsteuern, der Versicherungsprämien und der Gebrauchsmöglichkeiten der Händlerschilde.» Mitunterzeichner: von Almen, Bühler, Bürki, Feldmann, Gafner, Gattiker, Gfeller-Oppligen, Hofer, Keller-Aarau, Künzi, Leuenberger, Maag, Meili-Zürich, Meyer-Luz., Muheim, Müller-Amriswil, Rossi, Ruoss, Schirmer-St. Gall., Schirmer-Baden, Schmid- Zürich, Sigerist, Trümpy, Vonmoos, Wartmann. Eine Motion Gafner zur beschleunigten Lösung des Ersatztreibstoff-Problems. Am 24. September haben Nationalrat Gafner und 36 Mitunterzeichner folgende Motion eingereicht: « Durch die in den letzten Monaten stark reduzierte Zuteilung an flüssigen Treibstoffen sind zahlreiche Erwerbstätige in Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie in ihrer Berufsausübung stark behindert worden. Schätzungsweise sind 34000 Motorfahrzeuge von der verschärften Rationierung betroffen. Das Autogewerbe, das ungefähr 50 000 Personen beschäftigt, steht unmittelbar vor einer schweren Krise, die sich auch auf weitere Branchen der AutomoWlwirtschaft auszudehnen droht. Im Hinblick darauf, dass die schwierige Lage des Motorfahrzeugverkehrs zur Hauptsache auf den AUTOMOBIL-TJEVUR DIENSTAG, 24. SEPTEMEER 1940 — N° 39 Rückgang der Benzininiporte zurückzuführen ist, drängt sich eine beschleunigte Lösung des Problems der Ersatzstoffe auf. Im Unterschied zu den bisherigen Bestrebungen, die diese Frage stets nur unter einem begrenzten Gesichtskreis betrachteten, wird der Bundesrat ersucht, ein umfassendes Sofortprogramm für die Beschaffung von Ersatztreibmitteln auszuarbeiten. Als Ersatzkraftstoffe, die in der Schweiz ganz oder teilweise hergestellt werden können, kommen insbesondere in Frage: a) Feste Ersatztreibstoffe: iHolz (speziell Buchenholz), Holzkohle, Holzkohlenbriketts und Ligninbriketts, sowie Karbid für den Generatorenbetrieb. i>) Flüssige Ersatztreibstofife: Herstellung synthetischer Brennstoffe aus Karbid, Gewinnung von Alkohol-Ketongemischen aus der Holzverzuckerung, Alkohol, sofern solcher durch Steigerung der Produktion, durch vermehrte Importe oder aus den bestehenden Lagern freigegeben werden kann und Erzeugung von Brenn- und Treibstoffen aus rotierenden Hochdruck-Autoklaven. c) Gasförmige Ersatztreibstoffe: Azetylen-Dissous. d) Der elektrische Antrieb vermittels Akkumulatoren, besonders im Stadtrayon und im erweiterten Nahverkehr. Um die bisher von den Behörden in dieser Sache unternommenen Anstrengungen zu koordinieren, ist es wichtig, mit dem Studium der Ersätztreibstoffe eine zentrale Instanz zu betrauen. Im weiteren sind die erforderlichen Kredite bereitzustellen, damit noch einzelne technische Fragen auf wissenschaftlicher Basis abgeklärt werden können Und ein Postulat Duttweiler zur Förderung der Ersatzstoff-Industrie. Ebenfalls mit der Sicherung der Ersatzstoffe beschäftigt sich das Postulat Duttweiler vom 24. September: « Der Bundesrat wird eingeladen, die Frage zu prüfen und Bericht darüber zu erstatten, welche Massnahmen zu treffen seien zur Förderung einer zu schaffenden, umfassenden privaten Ersatzstoffindustrie. Das Land ist vom Bezug wichtigster Rohstoffe, wie Baumwolle, Wolle, Gummi usw. abgeschnitten; bei Andauern dieses Zustandes droht Warenmangel und bei den verarbeitenden Industrien Massenarbeitslosigkeit. » Eine sozialdemokratische « Benzin-Interpellation ». Der Schaff hauser Bringolf und 28 weitere Sozialdemokraten haben im Nationalrat folgende .Interpellation eingereicht: « 1. Hat der Bundesrat und besonders der Vorsteher des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements Kenntnis von den Gerüchten, Behauptungen und Anschuldigungen, welche gegen die zuständigen Stellen des Amtes für Kriegswirtschaft wegen der ungenügenden Versorgung mit Benzin erhoben werden? 2. Ist dem Bundesrat und besonders dem Vorsteher des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements die grosse und berechtigte Unruhe und Sorge um die Existenz im Autogewerbe bekannt? 3. Ist der Bundesrat bereit, dem Nationalrat sofort und klar Aufschluss zu erteilen über die Organisation der Benzinversorgung des Landes bis zum 5. September 1939, über die Praxis, wie sie seither gilt und über die weitere Entwicklung? » Die Interpellation wird unterstützt von: Brawand, Briner, Dellberg, Fenk, Flisch, Frei, Furrer Gloor - Aärau, Hauser, Herzog, Huber, Hg, Kägi Killer, Kohler, Leuenberger, Meierhans, Moser, Müller-Biel, Oprecht, Robert, Roth-Arbon, Schmid- Oberentfelden, Schmid-Solothurn, Spühler, Weber- Bern, Weber-Kempten, Zeli. Auch die Unabhängigen interpellieren den Bundesrat Am 18. September hat Nationalrat Walder (unabh.) eine Interpellation eingereicht, die wie folgt lautet: 1. Sind dem Bundesrat die Gründe bekannt, aus welchen die Versorgung des Landes mit Benzin und andern flüssigen Brennstoffen sich viel schlechter gestaltet hat als hinsichtlich anderer Importgüter? 2. Ist der Bundesrat bereit, darüber Auskunft zu geben, wer für die heutige Situation die Verantwortung trägt, und was gedenkt er zu tun, um künfig ähnliche Fehler zu verhindern? Die Interpellation wird unterstützt von Büchi, Duttweiler, Gfeller-Basel, Maag, Meili-Zürich, Moos, Muschg, Pfändler, Schnyder, Stäubli. Schweigsame Behörden Fortsetzuno von Seite 1. Wenn sie, oder genauer ausgedrückt, ihre Organisationen, sich unverzüglich ans Werk gemacht und in ihren Eingaben an den Bundesrat die Wege vorgezeichnet haben, um eine weitere kritische Zuspitzung der Dinge im Rahmen des Möglichen zu vermeiden, dann handelte es sich dabei nicht um Vorschläge, denen der sacro egoismo zu Gevatter gestanden hätte. Zugegeben, sie zielen auf die Erhaltung des Automobilverkehrs ab.. Das jedoch heisst letzten Endes nichts anderes, als dass sie sich in den Dienst der Arbeitsbeschaffung stellen. Und «Arbeit, koste es, was es wolle», hat der Bundespräsident am 26. Juni dem Volk versprochen. Bedürfte es darüber hinaus noch eines Beweises für die Rechtfertigung der Auffassung, dass gerade unter diesem Blickwinkel betrachtet, eine Beantwortung der verschiedenen Eingaben fällig, ja überfällig sei, dann erbringt ihn der von niemand anderem als Bundesrat Celio (in seinem der «A.-R.> gewährten Interview) geprägte Satz, die Voraussicht verlange, dass der Bundesrat die Vorbereitungen für einen ausreichenden Automobilverkehr treffe und die Interessen der Automobilindustrie, sowie jener Kreise berücksichtige und fördere, welche vom Motorfahrzeug leben. Ja — «Vorbereitungen für einen ausreichenden Automobilverkehr». Wo bleiben sie? Das Mindeste, was man in dieser Hinsicht sollte erwarten dürfen, wäre immerhin, dass sich der Bundesrat nach nahezu zweimonatiger «Erdauerung» entschliesse, auf die Vorstellungen der Verbände hin endlich zu erklären, wie es um die Prüfung ihrer Propositionen stehe. Das gebietet staatspolitische Klugheit um so eindringlicher, als das Vertrauen der Automobilisten in die Behörden angesichts der Wendung, welche die Dinge in der Treibstoffrationierung genommen, ohnehin gelitten hat. Dass aber eine weitere Ignorierung ihrer Wünsche, Anregungen und Begehren, ein Verharren der Behörden in ihrer bisherigen Indifferenz den Strassenverkehrsorganisationen gegenüber alles andere als dazu angetan wäre, dem aufkeimenden Vertrauensschwund entgegenzusteuern und die Ungehaltenheit zu beschwichtigen, liegt auf der Hand. Bestimmt geht der .Landesregierung der Sinn für die Wirklichkeit nicht ab. Wie aber erklärt sich, so gesehen, die Politik der langen Bank, die sie gegenüber den Motorfahrzeughaltern praktiziert? Man gerät in Versuchung anzunehmen, es fehle weniger am Können als am Wollen. In diesem Falle allerdings würde ein unlösbarer Widerspruch zwischen den Worten und den Taten des Bundesrates klaffen. Es geht nicht an, Solidarität zu predigen, an das Vertrauen zu appellieren und dabei einzelne Schichten von Bürgern in dieser Art und Weise vor den Kopf zu stossen, es geht nicht an, von innerer Wiedergeburt zu reden und zu proklamieren, dass jeder von uns den alten Menschen ablegen müsse, den Worten aber keine entsprechenden Taten folgen zu lassen. Eine kleine Anfrage Vallotton zum gleichen Thema! Wir sind nicht die einzigen, bei denen die Schweigsamkeit der Behörden Beunruhigung erzeugt. Die Via Vita wird sich ebenfalls mit der Frage befassen, wie sie zum Sprechen zu bringen seien. Und schliesslich findet dieses Bestreben seinen Ausdruck auch in der kleinen Anfrage, welche Nationalrat Vallotton am letzten Montag in der Volkskammer eingereicht hat und die wie folgt lautet: Das Automobilgewerbe, das in der Schweiz mehr als 50 000 Personen beschäftigt, geht dem Ruin entgegen. Der Bundesrat ist über diese Lage unterrichtet und hat zweifellos die erforderlichen Massnahmen ins Auge gefasst. Ist er bereit, diese Massnahmen binnen kürzester Zeit in der Presse darzulegen?

N° 39 — DIENSTAG, 24. SEPTEMBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE }iuto und skus um die Neuregelung der bernischen Verkehrssteuern Nächsten Freitag: Konferenz des kantonalen Polizeidirektors mit den Verkehrsverbänden. Wie in der letzten Nummer der tA.-R.» gemeldet, hatte die Polizeidirektion des Kantons Bern auf die Eingabe hin, welche die A.C.S. und T.C.S.- Sektion im August dem Regierungsrat unterbreitet und worin sie für die Dauer der Treibstoffrationierung die Steuererhebung nach Massgabe des Benzinverbrauchs vorgeschlagen, eine Konferenz mit den Strassenverkehre-Organisationen ins Auge gefasst, um die Angelegenheit mit ihnen zu erörtern. Allerdings wurde dabei die Geduld der Automobilisten auf eine etwas harte Probe gestellt, denn bis zur letzten Woche warteten sie vergeblich auf die Festsetzung des Sitzungstermins. Dieser Tage nun ist, wie wir erfahren, die Einladung endlich ergangen: am kommenden Freitag, den 27. September, werden sich die Vertreter der Strassenverkehrsverbände mit Regierungsrat Seematter an den Konferenztisch setzen. In den Kreisen der bernisehen Automobilisten sieht man der Aussprache hoffnungsvoll entgegen, denn eine Abklärung über die Frage der Einführung- der Benzinsteuer ist im Hinblick auf den 6. Oktober, da das Volk zur Abstimmung über das Gesetz betreffend die Strassenpolizei und die Motorfahrzeugbesteuerung schreiten wird, dringend erwünscht. Von der Stellungnahme der Regierung zu den Forderungen von A.C.S. und T.C.S. hängt selbstredend auch jene der Motorfahrzeugbesitzer zur Gesetzesvorlage ab, wobei matt an die Erklärungen erinnern darf, welche Bundesrat Celio Anfang August der «Automobil-Revue> gegenüber abgab. Danach hat die Landesregierung ein Programm in petto, das u. a. «verhindern soll, dass die Kantone während der gegenwärtigen schwierigen Zeiten die vor dem Krieg geltenden Steueransätze noch erhöhen, wie es für den Kanton Bern zutrifft». Teilweise Steuerrückvergütungen Im Kanton Neuenbure. Nach einer Mitteilung der zuständigen neuenburgischen Behörden steht den Haltern von Motorfahrzeugen, welche in den Kategorien C und D eingeteilt sind und die vom 1. September an keinen Treibstoff mehr zugeteilt erhalten, der Anspruch auf eine teilweise Steuerrückvergütung zu, sofern sie ihre Nummernschilder und die Verkehrsbewilligung hinterlegen. Ein Entscheid über das Ausmass der Rückvergütungen erfolgt jedoch erst auf Ende des Jahres. Baselstadt gewährt monatliche Berechnung der Steuerrückerstattung für die Kategorien C und D. Rund 2O0O Fahrzeuge werden in der Stadt Basel von der Streichung der Treibstoffzuteilung an die Kategorien G und D betroffen. Sind die für deren Betrieb eventuell angelegten Reserven verbraucht, dann bleibt dem Halter, sofern er sich nicht für die Umstellung auf Ersatztreibstoffe entscheidet, lediglich noch die Stillegung übrig. Angesichts dieser Sachlage, bei der Motorfahrzeuge durch eidgenössische Bestimmungen lahmgelegt werden, erachtet es der Basler Regierungsrat als ein Gebot der Gerechtigkeit, dass der Staat durch Rückvergütung der vorausbezahlten Steuern auf seinen Steueranspruch verzichte. Dabei soll die Rückerstattung in dem Sinn erfolgen, dass für jeden Kalendermonat ein Zwölftel des Jahressteuerbetrages zurückbezahlt wird. Im Interesse der Arbeitsbeschaffung für das Autogewerbe hat die Regierung ausserdem den Entschluss gefasst, von den mit Ersatzstoffen betriebenen Fahrzeugen an Stelle der gesetzlichen Steuer eine nach Fahrzeug- Kategorien variierende jährliche Verkehrsgebühr zu erheben. Gestützt auf ihre Vollmachten hat die Regierung die hier erwähnten Massnahmen bereits getroffen und bringt sie nun dem Grossen Rat offiziell zur Kenntnis. Zur Herabsetzung der Verkehrssteuern im Kanton Thurgau. rWie an dieser Stelle bereits gemeldet, hat der thurgauische Regierungsrat am 14. August den Beschluss gefasst, die Motorfahrzeugsteuern für die Dauer der Treibstoffrationierung zu ermässigen. In einer Botschaft an den Grossen Rat gibt er nun eine Begründung dieser Massnahme, wobei er ausführt, dass die Benzinrationierung eine Lage herbeigeführt habe, der sich alle Kantone anpassen müssten. Auch der Thurgau könne sich dieser Pflicht nicht entziehen. Zwei Methoden kennzeichnen in der Hauptsache die Vorkehrungen der Kantone zur Anpassung ihrer Steuern an die außerordentlichen Verhältnisse: die Einführung der Benzinsteuer einerseits und die Reduktion der Steueransätze für die Zeit der Rationierung anderseits, wobei eine Abstufung nach Massgabe der Dringlichkeitskategorien erfolge. Um eine erhebliche Mehrbelastung der Automobilkontrolle zu vermeiden, habe der Thurgau den letzterwähnten Weg eingeschlagen. Danach müsse der Kanton an etwa 2000 Personenwagenbesitzer Rückvergütungen im AusfHTass von 10—60% gewähren, womit man die Vermeidung allzu zahlreicher Stillegungen und eines allzu grossen Einnahmenausfalls für den Kanton zu erreichen hoffe. Weil indessen seit der im August vorgenommenen Steuerherabsetzung die Treibstoffeuteilung bereits eine weitere Kürzung erfahren habe, verlangt nun die Regierung vom Parlament Vollmachten, um hinsichtlich der Regelung der Steuerfrage allfälligen künftigen Aenderungen der Lage folgen können, ohne einen umständlichen Apparat in Bewegung zu setzen. Bekanntmachung an die Motorfahrzeugbesitzer des Kantons St. Gallen. Die st. gallische Zentralstelle für Motortriebstoffe teilt mit : Im Interesse einer geregelten Zustellung der Rationierungsscheine für Motorfahrzeuge werden diejenigen Halter von Personenwagen, Lieferwagen und Motorräder, welche die Rationierungsscheine künftighin durch die Post zugestellt zu erhalten wünschen, hiedurch ersucht, ihre Legitimationskarten unverzüglich, spätestens aber bis 24. September a. c. bei unserer Amtsstelle zu deponieren. Die Zustellung der Rationierungsscheine erfolgt sodann auf Grund dieser Neuordnung automatisch jeweils auf Beginn einer neuen Periode. Die Porto- Verrechnung findet der Einfachheit halber auf Jahresende statt. Die Besitzer von Lastwagen und Industrietraktoren, die sich dieser Regelung anschliessen wollen, haben uns, in Ermangelung einer Legitimationskarte, erstmals den Fahrzeugausweis zur Vormerknahme einzusenden. Die Zusatzgesuche sind nach wie vor auf dem vorgeschriebenen Formular von Fall zu Fall einzureichen. Zusatzkarten für Personenwagen, Lieferwagen und Motorräder werden nicht vor dem 10. eines jeden Monats ausgegeben. Zusatzgesuche für diese Moforfahrzeugkatcgorien, die nach dem 15. eines Monats eingereicht werden, können nicht mehr berücksichtigt werden. Hinsichtlich der Zusatzgesuche für Lastwagen und Industrietraktoren tritt keine Acnderung ein. St. Gallen, den 10. September 1940. Treibstoff-Ersafzwirtsciiaff in Frankreich Aus dem unbesetzten Frankreich schreibt man uns: Bekanntlich hat der Mangel an Benzin, Benzol und Schweröl die Regierung Petain schon gleich nach dem Waffenstillstand gezwungen, den privaten Autoverkehr auf ein Minimum zu beschränken. Last- wie Personenwagen sind in Frankreich ab 15. September nur noch für militärische und lebenswichtige zivile Zwecke zugelassen, währenddem Privatwagen schon jetzt praktisch von Stadtund Landsirassen verschwunden sind. Um die Umstellung auf Ersatztreibstoffe zu för- Pafls im Zeichen der Benzinnot: Velo-Taxi gefällig? In normalen Zeiten ist der Klein-Taxi der Beherrscher der Pariser Strassen und Boulevards. Aber jetzt sind diese kleinen, beweglichen und immer ungeduldig hupenden Vehikel aus dem Strassenbild der französischen Metropole verschwunden. Das neueste Verkehrsmittel ist jetzt der Velo-Taxi, der, genau wie in besseren Tagen die Klein-Automobile, bereitsteht. Hervorragende Strassenhaltung und Fahrsicherheit Grösste Bequemlichkeit und hohe Spitzengeschwindigkeit Sparsamkeit im Betrieb Unabhängige Vorderradabfederung, Lockheed-Qeldruckbremsen Motor in V-Form mit bemerkenswerter Leistungskurve Benzinverbrauch nur 6 bis 7 Liter auf 100 Kilometer der ideale Ersatzwagen Möglichkeiten und Grenzen. Der ideale Ersatzwagen Wer seine Benzinration durch die Anschaffung eines sparsamen zweiten Wagens zu strecken gedenkt, braucht keineswegs auf die Annehmlichkeiten zu verzichten, um derentwillen er bis heute dem hochpferdigen Fahrzeug den Vorzug gegeben hat. Im LANCIA-ARDEA findet er das Modell mit allen, jenen Eigenschaften, welche die LANCIA-Erzeugnisse zu Prototypen des Qualitätswagens gemacht haben: eine grosse Zahl technischer Vorzüge, wie: ARDEA Die Automobil-Revue stellte am 7.Mai fest: Unsere Brennstoffverbrauchs - Prüfung lieferte ganz erstaunlich günstige Resultate: 4,8 Lit./lOO km bei 30 km/Std. 5,8 Lit./lOO km bei 50 kmlStd. Verlangen Sie alle weiteren Auskünfte bei den Lancia-Vertretungen: C. DIETHELM, Plalzgarage AMRISW1L LAVAGO A.-G., Badenerstrasse 330 ZÜRICH E. EPPER, Horwerstrasse 81 LUZERN MONTREUX-TRANSPORTS, A.-G., 106, Grand'Rue R. FROH LICHER& Co., Hauptbahnhof SOLOTHURN MONTREUX H. GRÜNENFELDER, Adlergasse 10 ST. GALLEN M. MUELHAUPT, Steinenring 49 BASEL LANCIA-AUTOMOBILES, Länggaßstrasse 95 BERN E. NUSSBAUMER, S. A., Garage des Trois Rois LANCIA-AUTOMOBILES, 1-3, Avenue de la Gare LE LOCLE et CHAUX-DE-FONDS LAUSANNE A. STUCKY, 1, Avenue du Midi FRIBOURG General-Vertretung für die Schweiz: W.RAMSEIER, 12-14, rue Jean-Jaquet, GENF dem, gewähren die einschränkenden Dekrete jedem nicht mit Benzin oder Benzingemisch betriebenen Fahrzeug auch in Zukunft grundsätzlich das Recht zu unbeschränktem Verkehr. Somit schien vom Inkrafttreten der neuen Bestimmung an die Umstellung möglichst vieler Fahrzeuge auf Ersatztreibstoffe für die französische Wirtschaft das Gegebene, um eo mehr, als die Zuteilung rationierten Treibstoffs nur nach Massgabe der durch die Intendanturen beschlagnahmten Bestände an Schweröl und Benzin erfolgen und also eines Tages, falla überseeische oder koloniale Zufuhren praktisch versagen kann. ausbleiben, Die technisch-organisatorischen Schwierigkeiten, die sich der dringend notwendigen und daher in beschleunigtem Tempo durchzuführenden Umstellung des motorischen Strassenverkehrs auf die neuen Möglichkeiten entgegenstellen, wurzeln in Frankreich vor allem in der Tatsache, dass die Trennung des nationalen Territoriums in ein verkehrstechnisch und industriell noch freies Gebiet und eine unter fremder Militärkontrolle stehende, ja teilweise noch in die Kriegshandlungen einbezogene «besetzte Zone» jede generelle Organisierung einer Ersatztreibstoffwirtschaft schwer, wenn nicht unmöglich machen. Der Verbreiterung der Erzeugungsbasen sowohl für Treibgase (Leuchtgas, Butan, Propan usw.) als auch für Holzkohle sind aue den gleichen Gründen Grenzen gesetzt, und die Errichtung Ton Verteilungsstellen für marktgängige Ersatzstoffe, die eine der unerlässlichen Vorbedingungen für eine sofortige und unbeschränkte Aufnahme eines Strassen-Güterverkehrs bildet, ist wohl auch aus Mangel an geschultem Personal und technischen Hilfsmitteln zur Zeit noch nicht möglich. Die Streckung flüssigen Treibstoffs mit Alkohol (der jetzt aus einer reichlichen Traubenernte gesteigert produziert werden soll) oder mit einer der anderen vielfach in Presse und Rundfunk angepriesenen synthetischen Substanzen, z. B. der vielgerühmten « Essence de Savoie », würde den Bedarf an Benzin zwar um 50% verringern, aber den Verbrauch dieses Importgutes keineswegs entbehrlich machen. Dass die Benzol- ebenso wie die Koksproduktion in Frankreich nicht genügt, um den eigenen Bedarf zu decken, darf ala bekannt vorausgesetzt werden. Anthrazit, das an sich, dank seines hohen Kohlenstoffgehaltes, ate Brennstoff für Gasmotoren in Frage kommt, findet sich nur vereinzelt in einigen Departementen des Südens und Südostens und fällt fürs erste als allgemein ver» wendbarer Grundstoff ausser Betracht. Auch synthetisches Benzin kann Frankreich, das bisher 40 %> seines Steinkohlenbedarfs einführen musste, nicht in nennenswertem Umfang produzieren. Die Einrichtung von Leucht- und anderen Gasdepots zu veikehrs wirtschaftliehen Zwecken ist zwar, ebenso wie die Umstellung von Autobus-und Lastwagenverkehr auf elektrischen Betrieb (Trolleybus und Aku-Wagen), lokal möglich, aber generell — ohne grosszügigen Ausbau des Elektrizitätsnetzes und ohne eine wesentliche Verbreiterung der Produktionsbasis für Fahrzeuge dieser Art — kaum durchführbar. Als Notmassnahme provisorischer Art bleibt also, praktisch genommen, auch für Frankreich nur die Umstellung seines Motorfahrzeugwesens auf Holzgas- oder Holzkohlengasantrieb. als billigster und relativ leichtester Ausweg aus den derzeitigen Schwierigkeiten. Das Schlagwort « Gazogene» wurde denn auch von der Presse mit einer nicht immer durch Sachkenntnis getrübten Begeisterung aufgenommen, doch zeigte sich alsbald, dass auch hier leider nur mit Wasser gekocht, will sagen: nur mit dem Treibstoff gefahrea werden kann, der sofort und überall greifbar ist. Nach einem jahrelang systematisch betriebenen Raubbau am französischen Wald und angesichts des Fehlens jeder technischen Basis (Kohlenbrennerei) ist die Beschaffung von Holzkohle fürs erste noch schwierig, um so mehr, als auch die nötigen Transportmittel fehlen, um die an Ort und Stelle gebrannte Kohle oder das verkleinerte Trockenholz für Holzgasantrieb zu den Verteilungsstellen und damit in den Verkehr zu bringen. Auch die alsbald in Angriff genommene industrielle Herstellung transportabler Kohlenmeiler für Selbsterzeuger vermag keine Abhilfe zu schaffen, so lange nicht eine regelmässige Verteilung des Holzes, zum mindesten im gesamten unbesetzten Gebiet, gewährleistet werden kann. Eine forcierte Umstellung der vorhandenen und eine unbeschränkte Fabrikation neuer Fahrzeuge mit Holzkohlenantrieb würde daher automatisch einen Mangel an Betriebsstoffen nach sich ziehen und also das Problem der Wiederingangsetzung des motorischen Verkehrs nur komplizieren. Deswegen haben die Behörden die Umstellung und Neuerstellung vorläufig auf bestimmte Kategorien von Lastwagen sowie auf landwirtschaftliche Traktoren beschränkt. In diesem Rahmen beginnt nun die handwerklich-individuelle und industriell-serienmässige Herstellung von Holzgas-Automobilen und von Holzkohlegas-Apparaturen, so z. B. bei den Dewoitine- Flugzeugwerken in Toulouse, welche die Erzeugung dreier verschiedener Apparaturen-Typen für Holzkohlen-Antrieb sowie eines neuen 1,8-Tonnen-Gasgenerator-Lastwagens zu intensivieren versuchen. Die Erfahrungen, die man im Laufe der letzten vier Wochen in Frankreich mit Holzkohilenantriob gesammelt, genügen natürlich nicht, um sich ein a'bschliessendes Urteil über die Durchführbarkeit des Umstellungsprogramms zu bilden. Die überaW gemachten Beobachtungen — Leistungsausfall von 20—25 °/o im Vergleich zum Benzin, Notwendigkeit der Auffüllung von Betriebsstoff bei Fahrten über 100 km, umständlliche und schmutzige Arbeit des Zerkleinerns nicht betriebsfertig gelieferter Holzkohle, Ausbildung von Spezialführern für Gasgeneratorwagen — finden sich jetzt schon bestätigt. Die ästhetischenjijängel der neuen Systeme halten naturgemäss viele Besitzer schnittiger, an sich umbaufähiger, starker Personenwagen davon ab, Gasgeneratoren einbauen zu lassen. Rein psychologisch ist diese Unlust in einem Lande, in dem das Auto auf dem besten Wege war, Gemeingut des gesamten Volkes zu werden und in dem beinahe jedes Haus einer Provinzstadt seine eigene Garage besitzt, durchaus verständlich. Viele Autobesitzer ziehen es vor, ihre Wagen diesen Winter über stillzuliegen, anstatt die Investierung von Kapital und Arbeit zu riskieren, die notwendigerweise in dem Augenblick ihren Sinn verliert, da die französische Oel- oder Benzineinfuhr aus Uefcersee oder aus dem nahen Osten wieder einsetzt. Zahlreiche Besitzer bieten auch ihre Wagen zum Verkauf an und es verlautet, dass die deutschen Militärbehörden im besetzten Gebiet bereitwillig alle grossen Fahrzeuge abnehmen, deren sich die Eigentümer, aus (Mangel en Treibstoff, zu entledigen •wünschen.