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E_1940_Zeitung_Nr.051

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Vorkehrungen dazu

Vorkehrungen dazu getroffen haben. Was nichts anderes heisst, als dass diesen Unternehmungen die Möglichkeit eingeräumt werden muss, dem Brennholz-Syndikat beizutreten. Für jene Betriebe, die nicht selbst importieren wollen — also für die Mehrheit im Autogewerbe — wird eine Ordnung der Dinge angeregt, wobei Waggon-Bezüger die nämlichen Bedingungen erhalten wie die Industrie, während für die Abnehmer kleinerer Mengen der Preis zwischen Importeuren und Autogewerbeverband festzulegen wäre. Vollends als unumgängliche Notwendigkeit bezeichnet es die Eingabe, dass dem Autogewerbe der Verkauf von Holz und Holzkohle für Fahrzwecke reserviert bleibe, allein schon, um diesem Erwerbsstand einen Ersatz für den Verdienstausfall auf dem Benzin zu bieten, Die weiteren Fragen des Interpellanten, wer für die Benzinversorgung des Landes, für die Einkäufe im Ausland, für den Transport bis zur Grenze und die Verteilung im Innern verantwortlich sei, muss der Chef des Volkswirtschaftsdepartements « überhört» haben. Denn man vernahm lediglich, wer sich vor dem Krieg mit diesen Dingen befasst habe, ohne dass dabei das heikle Problem « Verantwortlichkeiten > auch nur gestreift, geschweige denn aufgerollt worden wäre. Dagegen breitete Bundesrat Stampfli seinen schützenden Schild über den Chef der Sektion für Kraft und Wärme, dem er das Zeugnis ausstellte, er habe seine Aufgaben rechtzeitig in Angriff genommen und seinen Pflichten genügt. Arbeit, koste es, was es wolle, hat der Bundespräsident vor einem halben Jahr dem Schweizervolk versprochen. Und was das Autogewerbe will, um sich vor dem drohenden Zusammenbruch zu retten, ist Arbeit. Keine Subventionenl Nie hat es sich bisher an die Futterkrippe der Allmutter Eidgenossenschaft gedrängt und auch heute will es versuchen, den Marasmus aus eigener Kraft und durch seiner Hände Werk abzuwenden. Daher der Ruf nach Arbeit. An rechtzeitigen Hinweisen auf Möglichkeiten dazu hat es nicht gefehlt. Allein es war damals diesen Ideen nicht beschieden, an den massgebenden Stellen Gehör zu finden. «Als der Krieg nahte und dann ausbrach, rückte man dem Problem der festen Treibstoffe mit einer zum Teil durch unsachliche Motive bedingten bedenklichen Langsamkeit zu Leibe», mit diesen Worten glossieren die «Basler Nachrichten« die Behandlung der uns beschäftigenden Fragen im Nationälrat, um, durchaus zutreffend beizufügen, ein gehöriger Stupf könne den Behörden nicht schaden. Jedoch: was hat der Stupf genützt? Gerade soviel, dass sich Bundesrat Stampfli bei der Beantwortung des Postulats Müller und der Motion Gafner veranlasst fühlte, Wasser in den Wein zu giessen mit der Erklärung, die Behörden müssen sich hinsichtlich der Arbeitsbeschaffung für das Autogewerbe eine gewisse Zurückhaltung auferlegen, weil auch andere Branchen der Wirtschaft infolge der Rohstoffknappheit in eine ähnliche Situation geraten könnten. Man verstehe zwar die Not im Autogewerbe, aber die Privatinitiative müsse sich die Flügel stutzen lassen, das war ungefähr der Rede Sinn. Also ein eiskalter Wasserstrahl auf alle Erwartungen, sofern solche etwa unvorsichtiger- Holz, Holzkohle oder Azetylen? Wir stehen erst am Anfang des neuen Motorantriebproblems. Die « Automobil-Revue » orientiert Sie über all das, was im Werden begriffen ist. Das Abonnement der « Automobil-Revue » war Ihnen nie nützlicher denn ietzt. dann aber auch, weil es unverständlich anmutete, wenn für diese Stoffe ein anderer Verteilungsapparat geschaffen würde. Darüber hinaus wäre überhaupt die nicht dem Autogewerbe angehörenden Kreisen (Spezereihandel, Wirte, Holzhandel etc.) von der Abgabe Von Holz und Holzkohle als Fahrzeug-Treibstoff fernzuhalten. Schliesslich trifft die Eingabe auch dort ins Schwarze, wo sie sich für eine sofortige Regelung dieser Fragen verwendet. Die Zeit drängt, und wenn bereits für die nächste Zeit die ersten Bewilligungen für Generatoren zu erwarten stehen, dann sollte bis dahin auch die Import- und Verkaufsfrage des Treibstoffs erledigt sein. Und zwar in einer Art, welche der 'bedenkenerregenden Situation des Autogewerbes billige Rücksicht trägt. Ist das alles? Fortsetzung von Seite 1. weise an die «Erledigung« der autogewerblichen Vorstösse im Nationalrat geknüpft worden sein sollten. Um so grössere Spannung schlägt angesichts dieser mehr oder weniger deutlichen Absage an die Wünsche und Anregungen nach weitergehender Arbeitsbeschaffung jenem scheinbar in Ausarbeitung begriffenen Plan einer Hilfsaktion für das Autogewerbe entgegen, wovon in der bundesrätlichen Antwort auf die Eingaben einer Reihe von Automobilverbänden die Rede ist. Es hätte viel zur Beruhigung und Erleichterung der gedrückten Stimmung in diesem Erwerbszweig beigetragen, wären die Absichten der Regierung bezüglich einer derartigen Hilfsaktion auch nur gestreift oder etwas näher beleuchtet worden. Gerade die Diskussion über die verschiedenen das Autogewerbe interessierenden Motionen usw. hätte dem Volkswirtschaftsminister dazu Gelegenheit jrebotfcn. Dass er sie nicht wahrnahm, lässt allerlei Deutungen zu und schwächt den unbefriedigenden Eindruck seiner Darlegungen nicht ab. Bringolf Interpelliert über die Organisation der Benzinversorgung und die Hilfe für das Autogewerbe. Als erstes unter den fünf « Benzingeschäften » gelangt die Interpellation Bringolf (Soz.) zur Behandlung, die folgenden Wortlaut trägt: 1. Hat der Bundesrat und besonders der Vorsteher des eidgenössischen Volkswirtschaftsdeparfements Kenntnis von den Gerüchten, Behauptungen und Anschuldigungen, welche gegen die zuständigen Stellen des Amtes für Kriegswirtschaft wegen der ungenügenden Versorgung mit Benzin erhoben werden? < 2. Ist dem Bundesrat und besonders dem Vorsteher des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements die grosse und berechtigte Unruhe und Sorge um die Existenz tm Aufogewerbe bekannt? 3. Ist der Bundesrat bereit, dem Nationalrat sofort und klar Aufschluss zu erfeilen über die Organisation der Benzinversorgung des Landes bis zum 5. September 1939, über die Praxis, wie sie seither gilt und über die weitere Entwicklung? Tn seiner Begründung legt der Interpellant dar, dass die Interpellation unmittelbar nach der Kundgebung des Autogewerbes in Bern eingereicht worden ist, wobei es zu heftigen Anklagen gegen die für unsere Landesversorgung mit Benzin verantwortlichen Stellen kam. Seither hat sich die Lage nicht gebessert: die durch die Interpellation aufgeworfenen Fragen bestehen somit noch in vollem Umfang zu Recht. Darüber soll nun einläeslich und klar Aufschluss erteilt werden. Man sprach von Sabotage, Versagen, ja sogar von Landesverrat. Wenn es auch nicht Aufgabe der Interpellation sein kann, Herrn Grimm zu verteidigen, so erhielt man doch den Eindruck, dass die Angriffe auch deshalb mit solcher Vehemenz erfolgt seien, weil an der Spitze der Sektion für Kraft und Wärme ein Sozialdemokrat steht. Diese Kreise haben deshalb ein entscheidendes Interesse an der Abklärung; der Tatsachen, vor allem daran, wer bis zum 15. September i939 die Verantwortung für die Landesversorgung mit Benzin trug. Warum waren Ende August 1939 die Vorräte in zahlreichen Tanks ungenügend? Ist es richtig, daes die grossen Trusts AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 17. DEZEMBER 1940 — N° 51 die Einfuhr im Sommer 1939 abgebremst haben und die Bestellungen der Garagisten nicht oder nur unzulänglich ausführten? Wer ist seit Kriegsausbruch verantwortlich für die Benzinversorgung 1 , wer für den Ankauf im Ausland, für den Transport bis zur Grenze und wer für die Verteilung im Lande selbst? Die gesamte Bevölkerung, besonders Garagisten und Automobilisten, haben einen Anspruch darauf, die Wahrheit .zu. erfahren. :Wie der Wortlaut der Interpellation zeigt, steht die sozialdemokratische Fraktion dem Schicksal des Autogewerbes keineswegs gleichgültig gegenüber. Angesichts der Verschärfung der Krise fragt man sich hier, was weiter geschehen eoll und was 6ich in Vorbereitung befinde. AUe Bestrebungen, welche darauf hinausgehen, das Autogewerbe zu erhalten und dessen Personal zu beschäftigen, verdienen unbedingtes Wohlwollen, denn man vergesse nicht, dass dieser Wirtschaftszweig unverschuldet in eine schwere Notlage geraten ist. Die Begründung der Interpellation Walder (unabh.), der den Bundesrat anfragt, ob er bereit sei darüber Auskunft zu geben, wer für die heutige Situation in der Landesversörgung mit Benzin und andern flüssigen Brennstoffen die Verantwortung trage und was er zu tun gedenke, um künftig ähnliche Fehler zu verhindern, unterblieb, weil, wie erinnerlich, die unabhängige Fraktion schon am Dienstag zum Zeichen des- Protestes aus dem Nationalratssaal ausgezogen war. Die Motion Meili über die Beschaffung flüssiger Treibstoffe. Am 2. Dezember hatte der Freisinnige Mein (Zürich) folgende Motion eingereicht: flüssig sein. Die Unterzeichneten ersuchen den Bundesrat, folgende Massnahmen durchzuführen: 1. Sofortige Erteilung der Konzessionen zur Herstellung von einheimischem Alkohol aus Sulfitlauge. Holzverzuckerung, Kalzium-Karbid. 2. Gleichzeitige Garantie des Bundes für die Abnahme der produzierten Alkoholmengen auch für ' die Zeit der Wiedereinfuhr der ausländischen Produktion zu einem «festgesetzten, durch den Inlandsmarkt bedingten Preis. 3. Vorschrift einer prozentualen Spritbeimischung zum Benzin. Wir hatten, so lest der Redner dar, bis heute keinen Anläse, grosse Vorräte anzulegen und mussten nicht sparen. Jetzt aber sehen wir uns der Frage gegenüber, wie wir die fehlenden Stoffe ersetzen oder strecken. Die Nachkriegezeit dürfte uns auf dem Gebiet der flüssigen Brennstoffe vor eine vollkommen veränderte Situation stellen, weshalb die Ueberleitung in die normale Wirtschaft erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringen wird. Landesversorgung mit flüssigen Ersatztreibstoffen und Hand in Hand damit Arbeitsbeschaffung, eo heisst das Doppelproblem, das sich erhebt und für dessen Lösung die Grundlage geschaffen werden muss. Dabei handelt ee eich nicht nur um eine Konsumlenkung, sondern auch um eine Produktionsförderung. Die Treibstoffe sollen in der Hauptsache flüssig sein, Volkswirtschaftlich befriedigt da's' Holzgas -zwar« h'icht ganz, eignet sich aber für die Verwendung gewisser Arten von Holz, wobei allerdings' die Metallknappheit diesem Vorhaben gewisse Grenzen setzt. " Alkohol aus der Holzverzuckerung, Sulfitlauge und Paraldehyd sind die Streck- und Ersatzstoffe, die uns heute beschäftigen. Der Redner entwirft sodann ein Bild der Möglichkeiten der Holzverwertung. Eine andere Treibstoffbasis bildet das Kalziumkarbid, das Ausgangsprodukt für Paraldehyd, dessen wirtschaftlicher Wert allerdings durch den Kohlenanteil bestimmt ißt. Der Ausbau neuer Industrien, wie ihn die Motion fordert, begegnet grossfcn Schwierigkeiten, besonders wenn man an die Risiken einer späteren Uebergangszeit denkt. Die Privatinitiative rnuss daher gesetzlich untermauert werden, der Bund hat für eine Reihe von Jahren eine Absatz- und Preisgarantie zu übernehmen. Unverkennbar kommt der Ersatztreibstoffwirtechaft auch für die 50000 im Autogcwerbe Tätigen Bedeutung zu. Wir müssen diesem Berufsstand helfen. Die geforderte Produktion von flüssigen Treibstoffen und Nebenerzeugnissen beansprucht nur 8 % des jährlich zur Verbrennung gelangenden Holzquantums. Um die spätere Normalwirtschaft nicht allzusehr zu belasten, müssten die Investionskosten in acht Jahren amortisiert sein, wobei der Bund allerdings einen Zollausfall erleidet. Zusammenfassend redet der Motionär der Anhandnahme eines grosszügigen Gesamtprogramms und der Erteilung ausserordpntlicher Kompetenzen an die zuständigen Behörden das Wort. Bundesrat Wetter: Ja, aber die Sache muss finanziell tragbar sein. Bundesrat Wetter weist darauf hin, dass die Motion Meili in den Gesamtrahmen der andern, die Lage der Benzinversorgung und des Autogowerbea betreffenden Motionen und Postulate usw. hineingehört. Wenn er sie trotzdem beantwortet, so deshalb, weil es sieh hier um die Herstellung von Alkohol handelt, der für die Beimischung zum Benzin in Frage kommt. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass der Alkohol von Attisholz ein Nebenprodukt der Zellulosefabrikation ist. Ohne Neubauten wird es nicht gelingen, wesentlich mehr herauszubekommen. Wir besitzen zwar noch eine zweite Fabrik, die Alkohol liefern könnte, nämlich Perlen, aber das Quantum ist vorläufig so gering, dass die Fabrikation sich nicht lohnt. In Kriegszeiten lässt es sich indessen verantworten, etwaa zu unternehmen, was man vorher nicht tat. Den Optimismus Herrn Meilis in bezug auf die Holzverzuckerung vermag Bundesrat Wetter nicht zu teilen. Immerhin : Die Konzession für das Graubündner Werk ist bewilligt und man unterhandelt heut© über die Konzessions - Bedingungen, wobei der Preis bisher die Hauptschwierigkeit verkörperte. Schon in den Vorkriegszeiten wäre es nicht möglich gewesen, auf diesem Wege Alkohol herzustellen, der punkto Preis als konkurrenzfähig hätte gelten dürfen. Beim Kalziumkarbid und beim Paraldehyd, wofür in den Lonzawerken Anlagen vorhanden sind, heisst es vor allem dem Umstand Reohnung tragen, dass es dazu viel Kohle braucht, bei der wir auf den Import angewiesen sind. Immerhin schweben auch hier Unterhandlungen. Vor einer Abnahme- und Preisgarantie schreckt der Bund nicht zurück, sofern sie fragbar ist. Grosse Anlagekosten lassen sich allerdings nicht umgehen, wenn man etwas forcieren muss. Bei dem vom Bund garantierten Preis muss die Industrie natürlich noch leiben können. Darüber hinaus gilt es, den Preis so festzusetzen, dass die Anlagen in kürzester Zeit amortisiert sind, denn nach dem Krieg tritt möglicherweise wieder die Freizügigkeit in der Rohstoffbeschaffung ein. Kommt ea dazu, so sind mit den teuer erzeugten Kriegsstoffen Schwierigkeiten zu gewärtigen. Die Notwendigkeit, eine möglichst kurze Uebergangszeit anzustreben, bedingt hohe Preise, und die müssen genau kalkuliert eein. Der Bundesrat ist bereit, die Anstrengungen von Herrn Meili in der Form eines Postulats entgegenzunehmen, womit sich Herr Meili einverstanden erklärt. Grünenfelder (kk.) müsste das Postulat bestreiten, sofern es die Absicht verfolgen sollte, die Alkoholverwalfung zu belasten. Der Redner beantragt daher eine Ergänzung, wonach die Massnahmen so zu gestalten seien, dass daraus für die Alkoholverwaltung keine finanziellen Nachteile entstehen. Meili entgegnet darauf, für die Holzverzuckerungsanlage in Graubünden sei eine Regelung getroffen, wonach Preisdifferenzen zuungunsten der Aikoholverwaltung durch den Bund übernommen würden. Mit der von Grünenfelder beantragten Ergänzung erklärt er sich einverstanden. Das Postulat bleibt in dieser Form unbestritten und ist damit angenommen. Bundesrat Stampfli über das Problem der Vorratshaltung an Benzin. — Die Sektion für Kraft und Wärme hat ihre Pflicht getan. Bundesrat Stampfli beantwortet die Interpellation Bringolf. In sachlicher Beziehung ist zu bemerken, dass die flüssigen Brennstoffe zu jenen Artikeln gehören, deren Sicherstellung für die Landesversorgung zuerst an die Hand genommen wurde. Schon 1937 begann Prof. Keller mit den Vorarbeiten dafür. Auf Weisung des früheren Chefs des Volkswirtschaftsdepartements wurde eins kleine Expertenkommission ernannt, welche zum Schluss gelangte, dass ein Vorrat für drei Monate in Aussicht genommen werden müsse. Indessen stellt die Lagerung von Benzin höhere Anforderungen als z. B. jene von Kohle. Kostspielige Einrichtungen sind dabei unerlässlich. Reichte der 1937 festgestellte Vorrat für einen Monat, so bedingte die Erhöhung auf einen Dreimonatsvorrat die Schaffung von Lagerräumlichkeiten. Nach Abklärung der damit zusammenhängenden Fragen, wurde vereinbart, dass jeder Importeur mindestens ein Viertel des Kontingents in Reserve halten müsse. Dieser Verpflichtung ist, wie der Redner ausdrücklich betont, nachgelebt worden. Darüber hinaus auferlegte man den Lagerhaltern die Pflicht, noch auf eigene Rechnung Tanks zu erstellen. Die hohen Lagerungskosten des Benzins bewirkten, dass man sich dabei « Ja.» Hans sagt: «Du, die Kleine schläft schon wieder. Bring sie 'rauf. » « Ja », antwortet Else. «Lies doch inzwischen den Brief da, der für dich gekommen ist. Ja... hinter dir, auf dem Tisch.» — Als Else Römer nach einer halben Stunde wieder auf die Terrasse herunterkommt, nimmt der Bruder die Hand von den Augen, die seltsam glänzen. Seine Stimme ist belegt: « Komm mal her, Else ... Setz dich zu mir. So. Lies diesen Brief... Er ist von unserem Vater. Und — sei ganz ruhig... Nimm alles hin, wie es ist. Und — sage dir, dass es vielleicht am besten ist so — für ihn ...» Und sie liest zugleich mit dem Bruder den Brief, den er schon kennt: Mein lieber Junge! Versuche es, mich zu verstehen. Ich weiss, Hans, woher 'alles kommt in mir, das, was Euch befremdete und die Leute, die mit mir arbeiteten. Ich verdanke, was ich von mir weiss, einem Arzt — dem grössten Seelenarzt wohl unserer Tage. Ich suchte ihn auf. Das ist schon lange her. Ich fragte ihn. Warum kann ich nicht lachen wie die anderen Menschen alle? ... Harmlos, fröhlich lachen mit den anderen?... Nie kann ich lachen... nie konnte ich's ... nicht als Schulkind... nicht in meiner jungen Ehe ... nur eine Zeitlang... als meine Kinder klein waren... da tobte und lachte ich mit ihnen am Strand... bis meine Frau mich ertappte... da hasste ich sie lange und konnte auch mit meinen Kindern nicht mehr lachen — warum ist das so mit mir? Der grosse Gelehrte, Hans, für den die Seele keine Geheimnisse hat, hielt mich stundenlang um Banne seiner Fragen... er holte Erinnerungen aus mir heraus, die tief vergraben lagen, die zurückführten bis in meine Kindheit. ; Und er fand die Stunde, die bestimmend wurde für die Tragik meines Lebens — — ich war vier Jahre alt und spielte im Wohnzimmer unter dem Tisch... Da kam meine Mutter herein... ihr Gesicht war anders als sonst... wie fremd, so dass ich Angst bekam. Sie legte irgend etwas in den Schrank und lachte. Es war so lustig, dass ich einstimmte in dieses Lachen, aber sie hörte nicht wieder auf zu lachen. Da weinte ich vor Angst und kroch hervor. Ich hing mjch an ihren Rock. Es hörte nicht auf. dieses schreckliche Lachen... ich schrie. Mein Vater stürzte herein und riss mich auf die Arme ... sie lachte noch immer, blau im Gesicht. Lachte... lachte! Bis fremde Männer in weissen Mänteln kamen und sie wegtrugen. Noch auf der Treppe lachte sie, auf der Strasse lachte sie. Als man sie in den Wagen hob, lachte sie... Nie mehr sah ich die Mutter. Der Arzt sagte: «Jene Stunde damals, da Sie vier Jahre alt waren, die hat Ihr Nervensystem so erschüttert, die hat Ihnen die Hemmung gegeben, dass Sie nie mehr lachen konnten! » Ob es eine Heilung für mich gäbe, f ra'gte ich den Arzt. Er riet mir, mich .frei zu lachen', mir ausserhalb meines mir verbundenen Kreises die Umgebung zu schaffen, wo mir dies möglich wäre. Mehr sagte er nicht. Und ich — ich wurde Clown. Ich legte meine ganze Kraft in den Willen, mich frei zu lachen. Ich glaubte, dass, wenn andere lachten, die ich nicht kannte, die mich nicht kannten, dass ich dann endlich würde lachen können mit ihnen. Froh, harmlos!... Ich glaubte es in jedem Jahr aufs neue. Es lachten Hunderte! Es lachten Tausende, weil ich's--feefahl! Es lachten Zehntausende um mich herum — ich konnte es nicht! Ich lachte nicht! Die Hemmung blieb, und dazu kam die Angst, die •immerwährende, mich Tag und Nacht quälende Angst, entdeckt und blossgestellt zu werden. Lasst mich nicht nach Hause schaffen — das ist mein letzter Wunsch. Der « Campo santo » in Genua ist einer der schönsten Friedhöfe der Welt und bietet auch einem Namenlosen die letzte Stätte. Gib Mutter den Brief, den ich Shr eben schrieb. Es wird sie beglücken über meinen Tod hinaus. Dein Vater. Else weint in den Armen ihres Bruders. «Der Brief an Mutter!» sagt Else, und neues Schluchzen erschüttert ihren Körper. «Ja —*, sagt Hans. Er nimmt den Brief, knipst sein Feuerzeug an und hält ihn über das Flämmchen. 1 « Nun sind wir allein, wir zwei... », sagt Else. « Nein, Else... das sind wir nicht... aber wir müssen warten — bis wieder Frühling wird! » Ende.

— DIENSTAG, 17. DEZEMBER 1940 AUTOMOBIL-REVUE mit einer geringen Vorratshaltung begnügte als bei andern Artikeln. Bei der Festsetzung der Lagermengen war Herr Grimm nicht beteiligt. Infolge der Kostspieligkeit verzögerte sich der Bau der Lagerräumlichkeiten und in diesem Augenblick fiel der Vorschlag Duttweiler für die Erstellung von Unterwassertanks. Da die Versuche damit keine eindeutige Abklärung brachten, konnte man die zusätzliche Lagerung nicht ausschliesslich auf der Basis von Unterwassertanks vornehmen. Inzwischen trat dann, nachdem kostbare Zeit bei den Experimenten mit Unterwassertanks verloren gegangen war, die -Errichtung einer unterirdischen Grosstankanlage in den Vordergrund. Noch Ende Oktober standen die Benzinvorräte um ca. 40% höher als im September 1939; vorübergehend erreichten sie mehrmals das doppelte. Der Rückgang beginnt mit dem Eintritt Italiens in den Krieg, doch haben sich in letzter Zeit die Zufuhrverhältnisse als Folge des Erdbebens in Rumänien und der politischen Entwicklung noch erheblich verschlechtert. Mit den Rationierungsmassnahmen hat sich die Sektion für Kraft und Wärme keine Popularität erringen können. Ihrer Pflicht ist sie jedoch nachgekommen. Wenn Herr Grimm seine Funktionen erst im September 1939 angetreten hat, so erklärt sich dies damit, dass Prof. Keller sich schon vorher mit der Angelegenheit beschäftigte und dass ein Wechsel aus sachlichen Gründen nicht notwendig erschien. Herr Grimm hat sich rechtzeitig um seine Aufgabe oekümmert und verdient für seine Tätigkeit Anerkennung, die ihm übrigens auch Herr Obrecht zollte. In diesem Zusammenhang verliest Bundesrat Stampfli einzelne Stellen aus einem aus unverdächtiger Quelle stammenden Brief, wonach Herr Grimm die Geschäfte seiner Sektion ausgezeichnet leite, unvoreingenommen an die Probleme herantrete und seine Entschliessungren mit einer Promptheit treffe, die in andern Zweigen der Staatswirtschaft manchen Wunsch offen lasse. Mit diesen Ausführungen betrachtet Bundesrat Stampfli die Interpellation Bringolf und die Motion Dr. "Walder als erledigt, wiewohl diese nicht begründet wurde. Bringolf ist von der Antwort nur teilweise befriedigt, weil sie eine Reihe von Fragen ausser Acht gelassen hat. Fest steht darnach aber auf jeden Fall, dass Herr Grimm für die Vorratshaltung eis zum 5. September 1939 keine Verantwortung trägt, ebensowenig wie für den Einkauf im Ausland und die Zufuhr seit jenem Datum. Wofür er einzustehen hat, das ist demnach lediglich die Verteilung im Lande selbst. Nat.-Rat Müller (Aarberg) begründet sein Postulat Hllfsmassnahmen für das Autogewerbe. Um den Wortlaut des Postulats zu wiederholen: Angesichts der ausgesprochenen Notlage Im Autogewerbe ersuchen die Unterzeichneten den Bundesrat zu prüfen, ob und welche Massnahmen zur Erhaltung dieses wichtigen Berufszweiges getroffen werden könnten und ob dabei nicht im besondern in Aussicht zu nehmen seien: 1. Schaffung einer Zentralstelle zum Studium und zur sofortigen Auswertung der Frage der Ersatztreibstoffe. E. Vermeidung aller unnötigen Erschwerungen und Verteuerung dieser Ersatztreibstoffe, vor allem Fallenlassen des Zollzuschlages fßr Methylalkohol. 3. Förderung des Umbaues der Automobile auf Ersatztreibstoffe. 4. Planmässige Arbeitszuteilung an die Betriebe des Autogewerbes durch Armee, Bund. Kantone und Gemeinden. 5. Beschränkung der Benzinverkaufsstellen auf die Betriebe des eigentlichen Autogewerbes und Schliessung derjenigen Verfeifungsstsllen, die nicht unmittelbar der Existenzgrundlage des betreffenden Betriebes dienen. 6. Einstellung der Vergnügungsfahrten mit Postautomobilen. 7. Verbot der Eröffnung und Erweiterung von Garage-Betrieben. 8. Anpassung der Verkaufsmargen für das Benzin an die veränderten Verhältnisse. 9. Einreihung der Aussenseiter in die Benzinmarfctordnung. 10. Unterstützung der Sanierungsbestrebungen im Autogewerbe durch Verbindlich-Erklärung der vom Verbände vorzuschlagenden Massnahmen. 11. Anhandnahme rechtlicher Schutzmassnahmen durch Revision der bundesrätlichen Verordnung vom 17. Oktober 1939 über die Zwangsvollstreckung zur Verhütung des Zusammenbruches zahlreicher Betriebe des Autogewerbes. 12. Aufnahme von Verhandlungen mit den Kantonen für eine zweckmässige Gestaltung der Motorfahrzeugsteuern, der Versicherungsprämien und der Gebrauchsmöglichkeiten der Händlerschilde. Mitunterzeichner: von Almen, Bühler, Bürki, Feldmann, Gafner, Gattiker, Gfeller - Oppligen. Hofer, Keflcr-Aarau, Künzl Leuenberger, Maag, Meili-Zürich, Meyer-Luzern, Muheim, Müller-Amriswil, Rossi, Ruoss, Schfrmer- St. Gallen, Schirmer-Baden, Schmid-Zürich, Siegrist, Trümpy, Vonmoos, Wartmann. Bisher hat sich, so führt Nationalrat Müller aue, das Autogewerbe ohne Staatskrücken durchgebracht. Wenn seine Existenzgrundlagen heute ins Wanken gekommen sind, so dass es bei ihm um Sein oder Nichtsein geht, dann liegt die Ursache davon in der fast gänzlichen Unterbindung der Benzinzufuhr. Nach Sündenböcken zu suchen, ist zwecklos. Vielleicht aber wäre die Situation nicht so gravierend, hätte man die Frage der Ersatztreibstoffbeschaffung rechtzeitig angepackt. Was das Postulat will, ist die Erörterung von Mitteln und Wegen, um einen Zusammenbruch dieses Berufsstandes zu vermeiden. Die Zentralstelle zum Studium der Ereatztreibstoffe ist inzwischen geschaffen worden, aber ihre Kompetenzen bedürfen einer Erweiterung, damit sie ihre Aufgabe erfüllen kann. Als unerlässlich erweist sich daneben auch die Bereitstellung der erforderlichen Kredite. Im weiteren (und hier spielt der Redner offenbar auf die Konzentrierung der Holzkohlenimporte in der Hand des Holzhandels an) muss der Vertrieb der Ersatztreibstoffe dem Autogewerbe vorbehalten bleiben; die Garagen sind dazu berufen und nicht andere Kreise. Die Privatinitiative soll sich, mit Unterstützung des Staates, entfalten können. Was den Umbau der Motorfahrzeuge auf Ersatztreibstoffe anbelangt, so hat der Bund mit ßeiner Bevorechussunßsaktion für 1000 Lastwagen einen Im Kampf gegen Feind und Sandstürme. Nicht nur gegen den Feind, die englischen Truppen, Flieger und die Marine müssen die italienischen Truppen im nahen Orient ankämpfen, sondern auch gegen die gewaltigen Sandstürme, welche besonders den leichten Tanks mächtig zusetzen und deren Operationsfähigkeit nicht unerheblich beeinträchtigen. Anfang gemacht, allein die Frage erscheint der Prüfung wert. ob nicht auch 1000 Traktoren und 1—2000 Personenwagen umgestellt werden sollten. Wir stehen erst am Anfang der Schwierigkeiten in der Benzinzufuhr. Auf die Tendenzen zur Konzentrierung der Umbauaufträge bei einigen wenigen Unternehmungen gilt es ein wachsames Auge zu haben; die Arbeiten sollten soweit als möglich auf alle verteilt werden, denn nur so kann das Gewerbe durchhalten. Wenn Baselstadt umgebauten Fahrzeugen eine Steuerbefreiung gewährt und nur noch eine minime Gebühr erhebt, dann verdient dieses Beispiel Nachahmung. Im übrigen erscheint eine planmässige Arbeitszuteilung an die Betriebe des Autogewerbes durch Armee, Kantone und Gemeinden als wünschenswert, wobei man auch die Kontrolle der Fahrzeuge auf ihre Marschbereitschaft organisieren sollte. Eine unbedingte Notwendigkeit verkörpert sodann die Einreihung von Aussenseitern in die Benzinmarktordnung, die Verbindlicherklärung der vom Verband vorzuschlagenden Massnahmen und die Ergreifung rechtlicher Schutzmassnahmen durch Revision der Zwangsvollstreckung«-Verordnung-. Wie wäre es übrigens, wenn zur Abklärung der einzelnen Punkte des Postulats die Verbände zur Mitarbeit herangezogen würden? Damit den Behörden Fachleute zur Seite. stünden Und endlich die Motion Gafner Wo bleibt das umfassende Sofortprogramm zur Lösung des Ersatztreibstoff Problems? , Den Schiusa im Reigen der parlamentarischen Aktionen, welche die Benzin- und Ersatztreihstofffrage aufrollten, machte die Motion Gafner: Durch die in den letzten Monaten stark reduzierte Zuteilung an flüssigen Treibstoffen sind zahlreiche Erwerbstätige in Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie in ihrer Berufsausübung stark behindert worden. Schätzungsweise sind 34 000 Motorfahrzeuge von der verschärften Rationierung betroffen. Das Autogewerbe, das ungefähr 50 000 Personen beschäftigt, steht unmittelbar vor einer schweren Krise, die sich auf weitere Branchen der Automobilwirtschaft auszudehnen droht. Im Hinblick darauf, dass die schwierige Lage des Motorfahrzeugverkehrs zur Hauptsache auf den Rückgang der Benzinimporte zurückzuführen ist, drängt sich eine beschleunigte Lösung des Problems der Ersatztreibstoffe auf. Im Unterschied zu den bisherigen Bestrebungen, die diese Frage stets nur unter einem begrenzten Gesichtskreis betrachteten, wird der Bundesrat ersucht, ein umfassendes Sofortprogramm für die Beschaffung von Ersatztreibmitteln auszuarbeiten. Als Ersatzkraftstoffe, die in der Schweiz ganz oder teilweise hergestellt werden können, kommen insbesondere in Frage: a) Feste Ersatztreibstoffe: Holz (speziell Buchejiholz), Holzkohle, Holzkohlenbriketts und Llgnlnbriketts, sowie Karbid für den Generatorenbetrieb. b) Flüssige Ersatztreibstoffe: Herstellung synthetischer Brennstoffe aus Karbid, Gewinnung von Aikohol-Kefongemischen aus der Holzverzuckerung, Alkohol, sofern solcher durch Steigerung der Produktion, durch vermehrte Importe oder aus den bestehenden Lagern freigegeben werden kann, und Erzeugung von Brenn- und Treibölen In rotierenden Hochdruckautoklaven; c) Gasförmige Ersatztreibstoffe: Azetylen-Dissous. d) Der elektrische Antrieb vermittelst Akkumula- ~ &rhn£»ekc*tf#in der gute Gleitschutz durch Eis und Schnee UNION AG. SCHNEEKETTENFABRIK BIEL Generalvertreter: Henri Bachmann Biel, Spitalstrasse 12 b, Telephon 48.42 Genf, Rue de Fribourg 3, Telephon 26.343 Zürich, Löwenstrasse 31, Telephon 58.824 Die ächten Union-Schneeketten sind in allen Garagen und Fachgeschäften erhältlich. Verlangen Sie aber ausdrücklich Oriainal-Union-Schneeketten mit der Armbrustplombe. JAOOI * WOTHRICM toren, besonders im Stadtrayon und erweiterten Nahveikehr. Um die bisher von den Behörden in dieser Sache unternommenen Anstrengungen zu koordinieren, ist es wichtig, mit dem Studium der Ersatztreibstoff rage eine zentrale Instanz zu betrauen. Im weitern sind die erforderlichen Kredite bereitzustellen, damit noch einzelne technische Fragen auf wissenschaftlicher Basis abgeklärt werden können. Seit der Einreichung der Motion am 24. September haben, wie Dr. Gafner erklärt, verschiedene Teillösungen ihre Verwirklichung gefunden, so der Umbau von Lastwagen auf Hokgas, die Gründung eines Bureaus für Ersatztreibstoffe, wozu sich noch die Verfügungen vom 17. Oktober über die Anmelde- und Bewilligungspflicht für Generatoren und über die Zentralisierung der Verteilung von flüssigen Ersatztreibstoffen gesellen. Indessen reichen die Befugnisse des « Bureaus > bei weitem nicht aus, eine Kompetenzerweiterung ist dringend nötig. Auch das Elektromobil als Fahrzeug für/ den Nahverkehr sollte im Sofortprogramm Aufnahme finden. Ein Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der Dinge zeigt, dass man die flüssigen und gasförmigen Ersatztreibstoffe bisher etwas 'vernachlässigt hat. Von, den Verfügungen vom 17 Oktober geht eine hemmende Wirkung aus; der Staat darf nicht nur mit Verboten operieren. Was bisher an Massnahmen getroffen wurde, blieb im Fragmentarischen stecken; von der ' Durchführung eines Gesamtprogramms, wozu auch ein Rohstoffplan und die Bereitstellung von Krediten für die wissenschaftliche Fortführung von Versuchen gehört, kann jedenfalls nicht gesprochen werden. Man hat die Schweiz. Gesellschaft zum Studium der- Motorbrennstoffe, die sehr wertvolle Arbeit leistet, völlig unzulänglich unterstütz. Auch Nationalrat Gafner legt den Akzent darauf, dass der Verkauf von Ersatztreibstoffen voi* allem dem Autogewerbe vorbehalten bleiben müsse. Bundesrat Stampfli Viel weitergehende Hilfe für das Autogewerbe nicht zu erwarten. — Rohstoffmangel verhindert die Durchführung eines umfassenden Ersatztreibstoff-Programms. beantwortet in der Donnerstagsitzung die Begehren, wie sie das Postulat Müller und die Motion Gafner formuliert haben. Das Postulat Müller kann der Bundesrat entgegennehmen, mit Ausnahme allerdings der Forderung nach Schaffung einer Treuhandgesellschaft für das Autogewerbe unter finanzieller Mitwirkung des Bundes, weil hier die Verhältnisse noch einer Abklärung bedürfen. Mit der Benzinnot musste der Autoverkehr in der Armee und bei der Post auf ein Minimum beschränkt werden; man darf sich also keinen grossen Hoffnungen hingeben, dass sie noch viel zur Arbeitsbeschaffung im Autogewerbe beitragen können. Der Einschränkung der Benzinverkaufsstellen sind gewisse Grenzen gezogen. Und für die Umstellung der Fahrzeuge auf Holzgas fällt nur ein kleiner Kreis Ton Garagen in Betracht, weil sie besondere Einrichtungen Toraussetzt. Mit einem Verbot der Errichtung neuer Garagen würde man offene Türen einrennen, denn es müsste einer schon nicht mehr ganz getrost sein, wenn er heute daran denken wollte. Auf den Verkaufsmargen für das Benzin ist eine gewisse Besserung für einzelne Kategorien eingetreten, doch weigert sich der Bundesrat nicht, bei nächster Gelegenheit zu einer weiteren Erhöhung Hand zu bieten. Schwierig gestaltet sich die Einordnung von Aussenseitern in die Benzinmarktordnung; eine rechtliche Möglichkeit dazu besteht nicht, solange die Beschlüsse des Autogewerbeverbandes nicht mit allgemeiner Verbindlichkeit ausgestattet sind. Das aber hängt mit den neuen Wirtschaftsartikeln zusammen, die nicht für eine einzelne Berufsgrappe eingeführt werden können. Ueber die Neugestaltung der Verkehrssteuern und der Gebühren für den Händlerschild sind die Verhandlungen zwischen dem Amt für Verkehr und den Kantonen so ziemlich am Ziel und es steht zu erwarten, dass die Grosszahl der Kantone weitgehendes Entgegenkommen zeigt. Auch die Versicherungsgesellschaften haben die Prämien reduziert und Rückvergütungen gewährt. Auf die Motion Gafner ist zu erwidern, dass die bisherigen Vorkehren auf dem Gebiet der Ersatztreibstoffe denn doch nicht derartiges Stückwerk waren, wie man es dargestellt hat. Es hat keinen Sinn, nach Ersatztreibstoffen zu suchen, welche auf Rohstoffen basieren, deren Beschaffung die gleichen Schwierigkeiten bietet wie das Benzin. Unzweckmässig wäre es auch, Rohstoffe zur Grundlage von Ersatztreibstoffen zu machen; deren wir für andere wirtschaftliche Zwecke ebenso bedürfen. Ausschalten müssen wir auch jene Ersatztreibstoffe, deren Herstellung Fabrikationsanlagen erheischt, die erst in 2—3 Jahren vollendet werden .können, wie z. B. für die Holzverzuckerung. Wir haben uns nun einmal in der Auswahl von Ersatztreibetoffen mit beschränkten Möglichkeiten abzufinden. Für uns kommen hauptsächlich in Frage: Holzgas. Die Umstellung befindet sich ja bereits im Gang. Zur Zeit stehen 285 Holzgaswagen im Verkehr, in Fabrikation sind 571, davon verkauf 260. Dazu Holzkohle und Holzkohlebriketts. Technisch ist auch dieses Problem gelöst, die wirtschaftlichen Belange freilich liegen etwas anders, denn wir stellen nur einen Sechstel unseres Bedarfs selbst her, währenddem der Rest eingeführt werden muss. Auch hier müssen wir uns also mit der Frage der Zulänglichkeit -der Rohstoffversorgung auseinandersetzen. Karbid und dessen Derivate. Unsere Abhängigkeit von der Kohlenversorgung zwingt uns, zu prüfen, ob wir die nötige Kohle für die Produktion einer in die Tausende gehenden Menge von Karbid und Paraldehyd beschaffen können. Gegenwärtig schweben mit den Lonza-Werken Unterhandlungen mit dem Ziel einer jährlichen Erzeugung von 10—12 000 t Paraldehyd. Zur Zeit stehen 100 Wagen mit Azetylenbetrieb in Verkehr, in Fabrikation begriffen sind 1087. Wagen mit Holzkohlevergaser zirkulieren über 200 und 1067 befinden sich im Bau. Resümierend lässt sich sagen, dass wir nach der Schaffung der Bureaus für Ersatztreibstoffe bereits an die Durchführung eines umfassenden Programms herangetreten sind, wenn es infolge des Rohstoffmangels auch nicht alle Ersatztreibstoffe berücksichtigen kann. Der Bundesrat ist bereit, die Motion Gafner als Postulat entgegenzunehmen, in dem Sinne, dass das, was sie verlangt, immerhin 6chon zum grossen Teil in die Wege geleitet ist. Damit erklärt sich Herr Gafner einverstanden. Die beiden Poetulate sind unbestritten und daher angenommen.