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Naturfreundejugend grenzenlos solidarisch

Beschlossen auf der 11. Bundeskonferenz der Naturfreundejugend Deutschlands vom 28. bis 30.04.2017 in Weimar.

Beschlossen auf der 11. Bundeskonferenz der Naturfreundejugend Deutschlands vom 28. bis 30.04.2017 in Weimar.

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Naturfreundejugend

grenzenlos solidarisch

Das gute Leben für alle!

Grenzen, das war für uns als junge Menschen in Deutschland lange etwas, das weitgehend zu

verblassen schien. Viele von uns kennen keine D-Mark mehr oder erlebten als kleine Kinder ihre

Abschaffung und die Einführung einer länderübergreifenden Währung. Durch das Schengen-Abkommen

waren Grenzen in Europa für uns kaum noch mit Schlagbäumen und Absperrzäunen

verbunden. Selbstverständlich schien uns jungen Menschen immer, dass die europäischen Länder

in einer Union vereint sind und dass diese Zusammenarbeit in der Zukunft enger werden würde.

Die politische Lage hat sich inzwischen verändert: Nach einem kurzen Sommer der Migration

wurden Grenzkontrollen in vielen Ländern wiedereingeführt. Zwischen verschiedenen Ländern

wurden Zäune hochgezogen, die Überquerung der Balkan-Route wurde durch Grenzschließungen

für Schutzsuchende fast unmöglich gemacht. Monatelang saßen und sitzen Menschen in

unwürdigen Zuständen vor den Grenzen fest – bis sie in staatliche Lager gezwungen wurden und

Menschen, die nach dem 20.03.2016 in Griechenland ankamen, unter der ständig drohenden

Deportation in die Türkei gefangen gehalten wurden. Vom Sommer 2015 bis heute ist uns wieder

grausam klar geworden, was Grenzen bedeuten können. Auch die Rechtspopulist*innen sind mit

ihren neualten Ideen von Mauern auf dem Vormarsch. Schockierend deutlich wurde dies nach

dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA mit dem geplanten Mauerbau zu Mexiko und dem

Einreiseverbot für viele Muslim*innen.

Als Naturfreund*innen und als junge Menschen – als Demokrat*innen, Internationalist*innen und

Sozialist*innen – glauben und kämpfen wir für die Überwindung gesellschaftlicher und nationaler

Grenzen. Denn das gute Leben ist für alle da: Unabhängig von all den Grenzen, in die die

heutige Gesellschaft uns presst!

Die solidarische Gesellschaft

Grenzen werden nicht nur zwischen Staaten gebildet, sondern auch zwischen oben und unten.

Besonders deutlich wird das im Bildungssystem, wo wir immer noch nach unserer familiären

Herkunft abgeurteilt werden: Durch die in vielen Ländern noch gängige Einteilung in ein

dreigliedriges Schulsystem werden Gesellschaftsschichten meist zementiert. Spätestens im

Beschlossen auf der 11. Bundeskonferenz

der Naturfreundejugend Deutschlands

vom 28. bis 30.04.2017 in Weimar


Alter von zehn Jahren wird Kindern so ziemlich deutlich mitgeteilt, wo sie später im Leben stehen

werden! Kinder und Jugendliche fangen oft schon nach wenigen Jahren unterschiedlicher

Schularten an, sich von den jeweils anderen Schüler*innen zu entfremden und abzugrenzen.

Auch bei gleicher Leistung bekommen als migrantisch gelesene Kinder oft schlechtere Noten

und Schulempfehlungen. Kinder, die nicht in das Schema F der deutschen Schule passen, werden

oft alleine gelassen. Inklusion auch von Kindern mit Behinderungen wird immer noch nicht

gut umgesetzt. Auch das Geld ist nicht annähernd gerecht verteilt: Manche Kinder bekommen

all ihre Wünsche erfüllt, andere können sich nicht die gewünschten Klamotten kaufen oder es

reicht nicht für den Sommerurlaub; die Kinderarmut wächst weiter. All das muss sich ändern!

Mit Bildung wird der Grundstein für die Gesellschaft von morgen gesetzt. Hier setzen wir uns für

eine gerechte und mitbestimmte Schule ein, denn Kinder und Jugendliche können klar formulieren,

was sie brauchen. In unseren Kindergruppen, Freizeiten und Ferienlagern versuchen wir

alle mitzunehmen: Unabhängig von Herkunft und Hautfarbe, sozialer Schicht, körperlicher und

psychischer Beeinträchtigung oder sexueller Orientierung. Hier üben wir Demokratie und Mitbestimmung,

genauso wie Solidarität und aufeinander Aufpassen. Nicht alles davon gelingt immer,

aber Ziel und Weg sind für uns klar: Grenzen zwischen unterschiedlichen Kindern, unterschiedlichen

Jugendlichen aufzuheben. Für eine solidarische Gesellschaft, in der alle gleichermaßen vom

gesellschaftlichen Wohlstand profitieren.

Die vielfältige Gesellschaft

Frei von Grenzen zu sein, das bedeutet auch: Leben zu können, wie es sich richtig anfühlt! Selbst

zu entscheiden, wie ich mich kleiden möchte; wie ich aussehen möchte; wie ich mich verhalten

möchte. Wen jemand mag oder wie junge Menschen ihre Beziehungen zueinander leben, geht

andere eben nichts an. Doch reaktionäre Bewegungen versuchen wieder stärker das Recht auf

sexuelle Selbstbestimmung einzuschränken: Sei es die „Demo für alle“ in Stuttgart, die Schüler*innen

das Recht auf Lernen über Sexualität nehmen will, oder der jährliche „Marsch für

das Leben“, der die Zeit wieder zurückdrehen und Frauen* das Recht über ihren eigenen Körper

nehmen will. Hier gilt es klar zu sagen: Stopp, das ist nicht unsere Vorstellung vom guten Leben!

Jede*r von uns darf lieben wie er*sie es will! Auch hier haben wir als junge Naturfreund*innen

die Chance, auf unseren eigenen Freizeiten ein klares Statement zu setzen – gegen Sexismus,

Homophobie und Hass.

Doch auch der gesellschaftliche Rassismus hat weiter zugenommen: Angriffe auf Geflüchtete

und ihre Unterkünfte sind in vielen Teilen Deutschlands traurige Normalität. Diskriminierungen

gegenüber People of Colour gehören zum Alltag. Einige Naturfreundehäuser haben Geflüchtete

aufgenommen, einige Naturfreundejugend-Gruppen ihre Angebote geöffnet und gleich neue ge-


schaffen. In Bündnissen wie „Aufstehen gegen Rassismus“ und lokalen Antifa-Netzwerken sind

wir oft aktiv. Mit internationalen Jugendreisen und gemeinsamen Treffen mit Naturfreund*innen

aus anderen Ländern wollen wir nationaler Borniertheit konkret etwas entgegensetzen. Auf dem

Kindergipfel 2016 beschäftigten wir uns mit unseren Stereotypen über Afrika. Wir sagen: No

racism, nowhere!

Die offene Gesellschaft

Jetzt, da Rechtspopulist*innen oft den Diskurs bestimmen und die Welt unsicherer geworden

zu sein scheint, schreien viele nach geschlossenen Grenzen. Wir aber wollen nicht in diese Welt

zurück! Die Europäische Union muss eine Union der Menschen werden und nicht wie bisher eine

der Wirtschaft. Sie muss demokratischer und sozialer – umfassend transformiert –, aber nicht

abgeschafft werden. Die Möglichkeiten, Freundschaften in anderen Ländern zu schließen, umzuziehen

und andere Sprachen zu erlernen, gehören zu unserer Generation. Dies muss allen ermöglicht

werden: Durch offene Grenzen, Fördermöglichkeiten und internationale Austausche. Zurück

zum Nationalstaat wollen wir ganz sicher nicht. Unsere Freund*innen aus afrikanischen Ländern

oder dem Nahen Osten brauchen unsere Solidarität. Wie wir suchen sie nach dem guten Leben,

doch die neoliberale Wirtschaftspolitik und die oft postkoloniale Entwicklungspolitik helfen

ihnen nicht. Kriege, Diktaturen und Armut kennzeichnen das Leben vieler junger Menschen. Wir

sagen deshalb: Jede*r Schutzsuchende muss die Chance bekommen, hierherzukommen! Und klar

ist auch, dass jedes europäische Land die Pflicht hat Menschen aufzunehmen.

Die Attacken auf ein gemeinsames Europa, auf soziale Gerechtigkeit und freiheitliche Demokratie

sind in vollem Gange. Für Naturfreund*innen ist es daher Zeit, sich zu positionieren: In unserem

Umgang miteinander, in unseren Freizeiten und Bildungsveranstaltungen, in unseren Bündnissen

und Demonstrationen. Es gilt: Solidarität ist grenzenlos! Mauern haben keine Zukunft!

Das gute Leben ist für alle!

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