05.09.2019 Aufrufe

Printmagazin TECHNIK und WISSEN - Ausgabe 003

"Technik und Wissen" // www.technik-und-wissen.ch // berichtet in moderner Form für Fachleute aus der Industrie. Die Themen reichen vom 3D-Druck, neuen Materialien über Robotik, Montage und Zulieferindustrie bis hin zu Konstruktions- und den ganzen Digitalisierungsthemen. Schwerpunkt Ausgabe 003: Wireless Automation & Additive Manufacturing

"Technik und Wissen" // www.technik-und-wissen.ch // berichtet in moderner Form für Fachleute aus der Industrie. Die Themen reichen vom 3D-Druck, neuen Materialien über Robotik, Montage und Zulieferindustrie bis hin zu Konstruktions- und den ganzen Digitalisierungsthemen.

Schwerpunkt Ausgabe 003: Wireless Automation & Additive Manufacturing

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3 2019<br />

DIE CROSSMEDIALE PLATTFORM FÜR<br />

AUTOMATION UND FERTIGUNG<br />

CHF 15<br />

<strong>TECHNIK</strong>-UND-<strong>WISSEN</strong>.CH


Viel Erfolg für<br />

Boije Widrig bei<br />

den WorldSkills !<br />

Boije Widrig vertritt die Schweiz an den Berufsweltmeisterschaften<br />

«WorldSkills 2019» im russischen Kasan. In der Vorbereitung setzt<br />

er auf die WAGO Reihenklemme TOPJOB® S mit Hebel für einen<br />

schnellen <strong>und</strong> werkzeuglosen Leiteranschluss.<br />

www.wago.com/topjob-s/ch


EDITORIAL<br />

EINE DIMENSION<br />

GRÖSSER DENKEN<br />

Orientierten sich bisherige Mobilfunkstandards<br />

an den Bedürfnissen des Consumer-Marktes,<br />

rücken die Spezifikationen<br />

von 5G erstmals die Bedürfnisse der<br />

Industrie in den Fokus. Dass Latenzen im Millisek<strong>und</strong>enbereich<br />

<strong>und</strong> Upload-Geschwindigkeiten, die<br />

um Faktor zehn höher als im Glasfasernetz sind,<br />

deren Vertreter schon jetzt breit Strahlen lassen, ist<br />

nur zu verständlich. Erübrigen doch diese Werte,<br />

zumindest in der Theorie, in vielen Anwendungen<br />

das Kabel. Allerdings warnt Dr.-Ing. Christian Bauer<br />

vom Maschinenbauer Firma Trumpf davor, genau<br />

das zu tun. Wieso, erfahren Sie im Interview ab<br />

Seite 30. Er rät wie Matthias Jungen von der Swisscom<br />

(ab Seite 20) vielmehr zum überlegten Experimentieren.<br />

Und das geschieht bereits in der Praxis,<br />

wie ein Besuch bei der SBB (ab Seite 24) zeigt. Intelligente<br />

Stoffbezüge sind dabei nur ein Feld, in dem<br />

sich das Staatsunternehmen versucht.<br />

Dass 5G die Zukunft ist, zeigt auch das Gespräch<br />

mit Haluk Menderes von Eplan. Im Interview (ab<br />

Seite 6) schildert der Geschäftsführer, der von sich<br />

sagt, dass er in der Welt zu Hause ist, welche Bedeutung<br />

der am Start stehende Mobilfunkstandard<br />

in den strategischen Überlegungen des Softwareanbieters<br />

hat. Und so viel sei an dieser Stelle verraten:<br />

Sie geht weit über die Ansteuerung von Verdrahtungsrobotern<br />

hinaus.<br />

Markus Back, Chefredaktor Print<br />

Das additive Manufacturing zählt noch<br />

nicht zu den etablierten Fertigungsverfahren.<br />

Der 3D-Druck muss sich sogar<br />

noch einen gewissen Argwohn gefallen<br />

lassen, diesen treuen Begleiter disruptiver Technologien.<br />

Nicht ausgereift genug, schwierige Prozesssicherheit<br />

beim Seriendruck, eingeschränkt<br />

bei der Materialwahl. Die Liste lässt sich beliebig<br />

erweitern.<br />

Die Kritiker haben nicht einmal unrecht. Aber<br />

manch einem würde es besser stehen, die ersten<br />

Schritte zu wagen <strong>und</strong> vor allem additiv denken zu<br />

lernen. Denn in den additiven Verfahren schlummert<br />

ein Potenzial, das jede Firma gewinnbringend<br />

einsetzen kann – auch wenn die Technologie nicht<br />

einfach zu beherrschen ist.<br />

Aber manchmal liegt dies auch daran, dass man<br />

falsche Vorstellungen hat vom Einstieg. Denn alleine<br />

mit dem Kauf eines industrietauglichen 3D-Druckers<br />

ist es nicht getan. Unser Schwerpunkt zum<br />

Thema «3D-Druck» zeigt, dass es besser ist, gleich<br />

in den Dimensionen einer Abteilung zu denken –<br />

oder das riesige Knowhow der Dienstleister in Anspruch<br />

zu nehmen..<br />

Eugen Albisser, Chefredaktor Online<br />

#<strong>003</strong> 3


RUBRIKTITEL<br />

IMPRESSUM<br />

Das crossmediale Fachmagazin für<br />

Automation <strong>und</strong> Fertigungstechnik<br />

www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Leser-Service / Abonnement<br />

1 Jahr, CHF 75.– inkl. MwSt.<br />

T. +41 41 464 60 48<br />

abo@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch/abo<br />

Die nächste <strong>Ausgabe</strong><br />

von Technik <strong>und</strong><br />

Wissen erscheint<br />

am 30. August 2019<br />

Chefredaktion<br />

Eugen Albisser, Chefredaktor Online<br />

eugen.albisser@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Markus Back, Chefredaktor Print<br />

markus.back@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Redaktion<br />

Luca Meister<br />

redaktion@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Redaktionsadresse<br />

Redaktion Technik <strong>und</strong> Wissen<br />

Innovationsdorf Bern, Wylerringstrasse 36<br />

3014 Bern<br />

Leitung Werbemarkt<br />

Thorsten Krüger<br />

Tel. +41 41 464 60 47<br />

thorsten.krueger@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Konzept & Layout<br />

Medienart AG, Aurorastrasse 27, 5000 Aarau<br />

Martin Kurzbein (Art Director)<br />

Stefanie Schildknecht-Lipp (Layout)<br />

info@medienart.ch<br />

Druck<br />

Ib-Print AG, Seetalstrasse, CH-5703 Seon<br />

belser@ib-print.ch, www.ib-print.ch<br />

Herausgeber<br />

Technik <strong>und</strong> Wissen GmbH<br />

Wylerringstrasse 36, 3014 Bern<br />

Tel. +41 41 464 60 46<br />

www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Geschäftsführung<br />

Eugen Albisser (Vorsitz, Chefredaktion Online)<br />

Markus Back (Chefredaktion Print)<br />

Valentin Kälin (Kaufmännische Leitung)<br />

Jürg Rykart (Strategische Partnerschaften)<br />

Erscheinungsweise<br />

5 × jährlich, 1. Jahrgang<br />

Auflage<br />

9000 Exemplare<br />

Eine Publikation in Zusammenarbeit mit<br />

Alle Urheber- <strong>und</strong> Verlagsrechte an dieser<br />

Publikation oder Teilen davon sind vorbehalten.<br />

Jede Verwendung oder Verwertung<br />

bedarf der schriftlichen Zustimmung der<br />

Herausgeber. Der Inhalt dieses Heftes wurde<br />

sorgfältig geprüft. Dennoch übernimmt der<br />

Herausgeber keine Haftung für seine Richtigkeit.<br />

Die rechtlichen Bestimmungen für<br />

die Schaltung von Werbung entnehmen Sie<br />

den «Allgemeinen Geschäftsbedingungen»<br />

unter www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

4 #<strong>003</strong>


CHF 15<br />

INHALT<br />

06<br />

Auf einen Kaffee bei<br />

Haluk Menderes, GF bei Eplan<br />

20<br />

«Zeit ist reif zum<br />

Experimentieren»<br />

40<br />

Aufbau einer eigenen<br />

3D-Druck-Abteilung<br />

60<br />

Maschinenintegrierte<br />

Abrichttechnologie<br />

«Wollen in den nächsten Jahren<br />

in jedem Land einen Marktanteil<br />

von mindestens 50 Prozent<br />

zu erreichen.»<br />

Swisscom <strong>und</strong> 5G:<br />

Matthias Jungen beantwortet<br />

die wichtigsten Fragen<br />

zum neuen Mobilfunkstandard.<br />

Wer ins Additive Manufacturing<br />

einsteigt, sollte bedenken,<br />

dass es viel mehr als einen<br />

3D-Drucker braucht.<br />

Mit WireDress steht endlich eine<br />

vollständige, maschinenintegrierte<br />

Abrichttechnologie für metallgeb<strong>und</strong>ene<br />

Schleifscheiben bereit.<br />

03 Editiorial<br />

04 Impressum<br />

Schwerpunkt «Wireless<br />

Automation / 5G»<br />

Schwerpunkt «Additive<br />

Manufacturing»<br />

06 Auf einen Kaffee bei<br />

Haluk Menderes, GF bei Eplan<br />

12 Blickpunkt Forschung<br />

14 In der Pipeline<br />

15 Sauber bleiben<br />

16 Lasst uns funken<br />

20 Swisscom: «Die Zeit ist reif<br />

zum Experimentieren»<br />

24 SBB: Wireless Automation<br />

kommt zum Zug<br />

30 Trumpf: «5G reduziert Komplexität<br />

von Anwendungen»<br />

34 Sigmatek: Sicheres Bedienen<br />

<strong>und</strong> Beobachten<br />

40 Aufbau einer 3D-Druck-<br />

Abteilung<br />

46 Technologien durchs<br />

«Valley of Death» bringen<br />

49 Rasend schnell zum<br />

ersten Spritzgussteil –<br />

dank 3D-Druck<br />

50 3D-Druck-Dienstleister:<br />

Wer bietet was?<br />

54 Personalisierte Medikamente<br />

aus dem 3D-Drucker<br />

#<strong>003</strong> 2019 Wireless Automation / 5G | Additive Manufacturing | Zulieferindustrie<br />

3 2019<br />

<strong>TECHNIK</strong>-UND-<strong>WISSEN</strong>.CH<br />

DIE CROSSMEDIALE PLATTFORM FÜR<br />

AUTOMATION UND FERTIGUNG<br />

36 Technisches Englisch:<br />

Drive technology without<br />

control cabinets<br />

37 News in Zahlen<br />

38 Kurznachrichten<br />

56 Kurznachrichten<br />

60 Maschinenintegrierte<br />

Abrichttechnologie<br />

für metallgeb<strong>und</strong>ene<br />

Schleifscheiben<br />

62 Fertigungstipp #<strong>003</strong>:<br />

Cobot Rock / oh Yeah!<br />

63 Produkte<br />

Titelbild<br />

Wie 5G die Welt verändert<br />

Gestaltung: Verena Snurer<br />

#<strong>003</strong> 5


6 #<strong>003</strong>


AUF EINEN KAFFEE BEI HALUK MENDERES<br />

«ICH BIN<br />

IN DER WELT<br />

ZU HAUSE»<br />

Geschäftsführer Haluk Menderes verantwortet den globalen<br />

Expansionskurs des Engineering-Lösungsanbieters Eplan.<br />

Dass dieser nichts mit Kaffeesatzlesen zu tun hat, sondern mit<br />

K<strong>und</strong>enorientierung, erzählt er während einer Tasse Kaffee.<br />

Von Markus Back (Text) <strong>und</strong> Ruben Sprich (Fotos)<br />

Herr Menderes, Ihr Name lässt auf spanische oder<br />

türkische Vorfahren schliessen. Erzählen Sie ein wenig<br />

von Ihren Wurzeln?<br />

Ich komme ursprünglich aus der Türkei, wo ich geboren<br />

bin <strong>und</strong> bis zum Abschluss meines Abiturs gelebt habe.<br />

Mein Vater war Ingenieur <strong>und</strong> meine Mutter Ärztin. Ich<br />

habe mich schliesslich für die Laufbahn meines Vaters<br />

entschieden, weshalb ich 1979 nach Deutschland zum<br />

Studieren gekommen bin. Nach meinem Studium blieb<br />

ich hier <strong>und</strong> wohne heute in München, bin aber in der<br />

Welt zu Hause.<br />

Welche Fachrichtung haben Sie studiert?<br />

Ich habe Luft- <strong>und</strong> Raumfahrttechnik studiert. Nach dem<br />

Studium arbeitete ich einige Jahre als Entwicklungsingenieur<br />

<strong>und</strong> wechselte dann ins Software- <strong>und</strong> Servicebusiness,<br />

wo ich für eine amerikanische Firma in Deutschland<br />

die Niederlassung gründete <strong>und</strong> diese aufbaute.<br />

Welche Rolle spielt das Kaffeetrinken in der türkischen<br />

Kultur?<br />

Zu meiner Zeit wurde in der Türkei morgens meistens<br />

noch Tee getrunken. Kaffeetrinken hatte dagegen etwas<br />

mit Gemütlichkeit zu tun, beispielsweise nach einem<br />

guten Essen oder in guter Gesellschaft. Und weil der Kaffee<br />

bei uns einen Satz hat, konnte man aus diesem auch<br />

die Zukunft herauslesen. Dieser Brauch hat sich übrigens<br />

bis heute gehalten.<br />

Und was haben Sie aus Ihrem Kaffeesatz herausgelesen?<br />

Ich selbst konnte das nicht. Man hat seine Tasse jemanden<br />

gegeben, der darin Erfahrung hatte <strong>und</strong> der dann sagte,<br />

du bekommst das oder jenes! Viele dieser Vorhersagen<br />

basierten allerdings auf dem Motto «Wer es glaubt, wird<br />

selig!»<br />

Demnach hat Ihnen das Ingenieur-Studium in Deutschland<br />

niemand aus Ihrem Kaffeesatz vorhergesagt?<br />

Nein. Das war eine Entscheidung von mir, die nichts<br />

mit Hokuspokus zu tun hatte.<br />

Der Vorname «Haluk» steht für gutmütig, verträglich,<br />

ruhig. Wie weit ist es mit diesen Eigenschaften her,<br />

wenn Sie morgens keinen Kaffee bekommen?<br />

Erstaunlicherweise treffen diese Eigenschaften tatsächlich<br />

auf mich zu! Gut, ich bin nicht immer ruhig, aber das<br />

hat dann nichts mit fehlendem Kaffee zu tun. Zumal ich<br />

morgens viel lieber Tomatensaft als Kaffee trinke.<br />

Das interessiert mich jetzt aber! Was führt denn dazu,<br />

dass Sie unruhig werden?<br />

Meistens meine drei Söhne, einer ist dreizehn <strong>und</strong><br />

zwei sind zwölf Jahre alt. Während der Arbeit bin ich<br />

in aller Regel sehr ruhig. ››<br />

#<strong>003</strong> 7


Vermutlich schlägt bei Ihren Söhnen<br />

das südländische Temperament durch …<br />

Das ist sehr gut möglich. Eine spanische<br />

Mutter <strong>und</strong> ein türkischer Vater kann<br />

schon eine explosive Mischung ergeben.<br />

Echt besser!<br />

„ Alles aus einer Hand “<br />

System-Lösungen für Kabel <strong>und</strong><br />

Schaltschrank von Murrplastik.<br />

Murrplastik gehört seit 1963 zu den Pionieren wenn es um<br />

professionelles Kabelmanagement <strong>und</strong> Hightech-Produkte<br />

aus Kunststoff geht. Wir bieten Lösungen zu individuellen<br />

Herausforderungen in den Bereichen Energiekette, Kabelschutz,<br />

Kabelführung, Kennzeichnung <strong>und</strong> Energiezuführung.<br />

Entwicklungsingenieure stellen für verschiedenste Anwendungsbereiche<br />

innovative Universallösungen sowie k<strong>und</strong>enspezifische<br />

Adaptionen bereit. „Made by Murrplastik“ steht<br />

für wirtschaftliche Einsätze, für mehr Langlebigkeit, höhere<br />

Robustheit <strong>und</strong> einfache Montage.<br />

Mit weit über 200 Patenten <strong>und</strong> einem internationalen<br />

Vertriebsnetz sind wir einer der weltweit führenden<br />

Systemanbieter: „R<strong>und</strong> ums Thema Kabel.“<br />

Sie sind Geschäftsführer bei Eplan.<br />

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?<br />

Der ist sehr unterschiedlich, da ich<br />

80 Prozent meiner Zeit ausserhalb<br />

von Deutschland verbringe. Dort ist es<br />

meistens so, dass ich K<strong>und</strong>en oder<br />

Interessenten oder auch unsere eigenen<br />

Niederlassungen besuche. Wenn ich<br />

in Deutschland bin <strong>und</strong> es keine internen<br />

Meetings gibt, fange ich morgens bereits<br />

sehr zeitig an. Noch zu Hause arbeite<br />

ich die E-Mails aus den USA <strong>und</strong> Asien<br />

ab, unterwegs spreche ich meistens<br />

mit asiatischen Kollegen, dann erledige<br />

ich administrative Dinge. Abends,<br />

wenn ich heimfahre, unterhalte ich mich<br />

dann mit den Kollegen in den USA<br />

<strong>und</strong> Südamerika.<br />

Und über welche Zukunftsthemen<br />

sprechen Sie dabei mit Ihren Arbeitskollegen?<br />

Die Cloud ist natürlich ein ganz grosses<br />

Thema. Daneben versuchen wir die Prozessketten<br />

unserer K<strong>und</strong>en abzubilden<br />

<strong>und</strong> unsere Lösungen <strong>und</strong> unsere Arbeitsweise<br />

auf deren Bedürfnisse abzustimmen.<br />

Wenn das nicht gelingt, laufen wir<br />

nämlich Gefahr, zu scheitern. Dafür gibt<br />

es einige mahnende Beispiele, etwa einen<br />

ehemaligen grossen Computerhersteller<br />

aus den USA oder einen ehemals führenden<br />

Hersteller von Mobiltelefonen aus<br />

Kabelschutz<br />

Energieketten<br />

Kabelführung<br />

STEGO<br />

Produktprogramm<br />

Kennzeichnung<br />

Energiezuführung<br />

Leitungen<br />

«In Zukunft<br />

wollen wir unsere<br />

Testverfahren<br />

komplett<br />

automatisieren.»<br />

Murrplastik AG • Ratihard 40 • 8253 Willisdorf<br />

Tel.: +41 52 646 06 46 • Fax: +41 52 646 06 40<br />

www.murrplastik.ch<br />

Haluk Menderes über die Datenmigration<br />

in das Eplan-Data-Portal<br />

Folgen Sie uns:


AUF EINEN KAFFEE BEI HALUK MENDERES<br />

dem Norden. Die haben es nicht hinbekommen, die K<strong>und</strong>enbedürfnisse<br />

<strong>und</strong> -prozesse zu befriedigen. Wir beherrschen<br />

heute unseren Markt wie diese Firmen früher den ihren.<br />

Unser Ziel ist es aber, uns so zu verändern, dass disruptive<br />

Technologien von uns selbst kommen. Daran arbeiten<br />

wir <strong>und</strong> dafür stocken wir auch weiterhin unsere Ressourcen<br />

auf – sowohl mit Blick auf die heute weltweit besten<br />

Lösungen als auch auf die Technologien der Zukunft.<br />

Das Eplan Data Portal ist ein Beispiel, das auf die Bedürfnisse<br />

der K<strong>und</strong>en zugeschnitten ist. Im Mai wurde<br />

dieses nun um knapp 13000 Datensätze erweitert, r<strong>und</strong><br />

15 000 weitere wurden aktualisiert. Welcher Aufwand<br />

steckt hinter diesen Zahlen?<br />

Diese Datensätze haben wir innerhalb von zwei Wochen<br />

implementiert. Wenn es einfache kaufmännische Daten<br />

sind, braucht es dafür nur einige Sek<strong>und</strong>en. Bei 3D-Daten<br />

für den Schaltschrankbau kann die Überprüfung mitunter<br />

jedoch bis zu einer St<strong>und</strong>e dauern. In Zukunft wollen<br />

wir diese Testverfahren jedoch komplett automatisieren.<br />

Wenn Sie 28000 Datensätze in zwei Wochen komplett<br />

überprüft haben, klingt das für mich schon jetzt<br />

nach einem hochautomatisierten Prozess …<br />

Die Updates sind ganz einfach, da die Daten ja bereits<br />

vorliegen <strong>und</strong> daher automatisch überprüft werden<br />

können. Komplexere Daten, beispielsweise für die Fertigung,<br />

können wir hingegen nur bis zu einem gewissen<br />

Punkt automatisiert überprüfen. Wenn Sie zum Beispiel<br />

einen Schaltplan mit falschen Datensätzen herstellen,<br />

hält sich der Schaden in Grenzen. Legen sie aufgr<strong>und</strong><br />

falscher Daten allerdings eine Produktion lahm, haben<br />

wir ein echtes Problem! Daher überprüfen wir bislang<br />

alle Daten für die Produktionssteuerung einzeln.<br />

Welche Voraussetzungen muss ein Hersteller mitbringen,<br />

um mit seinen Daten in Ihrem Portal vertreten<br />

sein zu dürfen?<br />

Einzige Voraussetzung ist bislang die Anlieferung der<br />

Daten im Eplan-Format. In Zukunft werden wir aber<br />

vorschreiben, welche Eigenschaften diese Daten mitbringen<br />

müssen, um von uns aufgenommen zu werden.<br />

Dies machen wir aber nicht etwa, um die Hersteller zu<br />

ärgern, sondern aus reinem Eigenschutz. Wenn Datensätze<br />

unvollständig sind, beschweren sich die Anwender<br />

nämlich bei uns <strong>und</strong> nicht etwa bei der Firma, von der<br />

wir sie erhalten haben.<br />

Einer der Schwerpunkte dieser <strong>Ausgabe</strong> ist «Wireless<br />

Automation/5G». Auf den ersten Blick ein Thema,<br />

das Sie nicht betrifft. Wie sieht es beim zweiten Blick aus?<br />

Wireless Automation/5G ist für uns ein grosses Thema,<br />

da sich damit beispielsweise auch Verdrahtungsroboter<br />

steuern lassen. Für unsere zukünftigen Cloud-Technologien<br />

#<strong>003</strong> 9


AUF EINEN KAFFEE BEI HALUK MENDERES<br />

ist das ebenfalls ein interessantes Thema. Wir betreiben<br />

zum Beispiel gemeinsamen mit der südkoreanischen<br />

Regierung <strong>und</strong> Siemens ein Innovationszentrum in Korea,<br />

in dem bereits viele Anwendungen über 5G laufen. Wenn<br />

wir diese Zukunftsthemen verschlafen <strong>und</strong> bei diesen<br />

nicht mit dabei sind, wird es uns eines Tages wie den<br />

vorhin genannten Unternehmen ergehen.<br />

Im Frühjahr haben Sie eine weltweite, 16-stündige virtuelle<br />

Messe veranstaltet. Welcher Gedanke steckt dahinter<br />

<strong>und</strong> wie viele Besucher hatten Sie?<br />

An dieser hatten wir etwas mehr als 1500 Teilnehmer, im<br />

Schnitt waren 600 Besucher an unseren virtuellen Ständen.<br />

Die Verteilung der Besucher war sehr interessant, insbesondere<br />

der ausländischen. Auf dieser Messe konnten wir<br />

auch Dinge vorstellen, die wir nicht überall zeigen können.<br />

Der ROI dieser Veranstaltung war sehr gut.<br />

Heisst das, Sie werden eines Tages der Hannover Messe<br />

fern bleiben?<br />

Nein. Diese ist unsere Image-Messe «Nummer Eins»,<br />

bei der wir das Management unserer K<strong>und</strong>en treffen. Wir<br />

werden auch weiterhin zur SPS gehen, da zu dieser die<br />

Entscheider kommen, sowie zu speziellen Messen in den<br />

USA oder auch in der Schweiz. Wir müssen dort präsent<br />

sein, weil es unser Publikum auch ist. Die virtuellen<br />

Messen sind eine Ergänzung, zum Beispiel auch für<br />

diejenigen, die wir mit den herkömmlichen Messeformaten<br />

nicht erreichen können.<br />

Welche Gemeinsamkeiten gibt es bei den virtuellen<br />

im Vergleich zu den herkömmlichen Messen <strong>und</strong> was<br />

sind aus Ihre Sicht die gravierendsten Unterschiede?<br />

Auf einer virtuellen Messe können Sie die Dinge zwar<br />

sehen, aber nicht fühlen. Doch einigen Besuchern ist<br />

gerade das wichtig. Diese wollen auch mit jemanden<br />

von Angesicht zu Angesicht sprechen. Auf der virtuellen<br />

Messe werden sie zwar auch an der Informationstheke<br />

empfangen, aber eben nicht mit Handschlag <strong>und</strong> einer<br />

Einladung zum Kaffee. Und ich weiss nicht, ob die Einladung<br />

zu einem virtuellen Kaffee oder einem virtuellen<br />

Bier bei unseren langjährigen Besuchern wirklich<br />

Begeisterung auslösen würde.<br />

Eplan ist auch auf der Akademika in Nürnberg oder<br />

an der Berufsorientierungsbörse Langenfeld: Geeignete<br />

Bewerber scheinen nicht gerade Schlange zu stehen,<br />

oder interpretiere ich das falsch?<br />

Sie interpretieren das leider richtig. Bewerber stehen<br />

mittlerweile nirgendwo mehr Schlange. Wir hatten letztes<br />

Jahr weltweit 170 Positionen ausgeschrieben <strong>und</strong> konnten<br />

davon nur r<strong>und</strong> 100 besetzen. In Deutschland suchen wir<br />

«Ich weiss nicht, ob<br />

die Einladung zu<br />

einem virtuellen Kaffee<br />

bei den Besuchern<br />

Begeis terung auslöst.»<br />

Haluk Menderes darüber, wieso es<br />

neben der virtuellen weiterhin auch die<br />

klassische Messe braucht<br />

10 #<strong>003</strong>


Haluk Menderes<br />

Jahrgang 1960, studierte Luft- <strong>und</strong><br />

Raumfahrttechnik an der technischen<br />

Universität in München <strong>und</strong> startete seine<br />

berufl iche Laufbahn bei MBB <strong>und</strong> IABG<br />

(German Aerospace Industry). Weitere<br />

Stationen waren MSC.Software <strong>und</strong><br />

MARC Analysis Research Corporation,<br />

in denen er als Geschäftsführer Europa<br />

<strong>und</strong> als Corporate Vice President<br />

verantwortlich war. Im Jahre 2006 wurde<br />

Haluk Menderes zum Executive Vice<br />

President Sales <strong>und</strong> Marketing bei der<br />

international tätigen ESI-Group berufen.<br />

Seit 01. Juli 2011 ist er Geschäftsführer<br />

bei Eplan Software & Service.<br />

Sein Ziel: Die Marktführerschaft des<br />

Unternehmens international auszubauen.<br />

Entwickler <strong>und</strong> stellen die meisten<br />

der Bewerber auch ein. Aber es kommen<br />

einfach zu wenig.<br />

Welche Eigenschaften sollte man<br />

denn mitbringen, um bei Ihnen arbeiten<br />

zu können?<br />

Eine gute Ausbildung, Offenheit <strong>und</strong><br />

gegebenenfalls die Bereitschaft, umzuziehen.<br />

Wenn wir jemanden für unseren<br />

Vertrieb in München suchen <strong>und</strong> der<br />

Kandidat in Hamburg wohnt, können<br />

wir diesen nicht von dort aus arbeiten<br />

lassen. Wenn wir dagegen einen Software-Entwickler<br />

suchen, ist sein Wohnort<br />

nebensächlich.<br />

Lassen Sie uns ein wenig Werbung<br />

machen. Wieso sollte man für Eplan<br />

arbeiten?<br />

Wir wachsen in allen Märkten <strong>und</strong> sind in<br />

vielen bereits Marktführer. Unser Ziel<br />

ist es, in den nächsten Jahren in jedem<br />

Land einen Marktanteil von mindestens<br />

50 Prozent zu erreichen. Wenn sich<br />

jemand für uns entscheidet, kommt er zu<br />

einem Gewinner-Team, in dem dennoch<br />

jeder Einzelne zählt. Und ganz nebenbei,<br />

macht es sehr viel Spass, bei uns zu<br />

arbeiten.<br />

Wireless<br />

Multitouch<br />

Bedienfreiheit neu definiert<br />

WIreless Datenübertragung<br />

Das lange Kabel fällt weg – Sie verfügen über<br />

maximale Bedienfreiheit direkt vor Ort<br />

MultItouch sorgt für koMfort<br />

Das moderne Bedienpanel ist mit einem 10,1 Zoll<br />

projiziert-kapazitiven Touchscreen sowie<br />

EDGE2-Technology Prozessor ausgestattet<br />

<strong>und</strong> spricht OPC UA<br />

safety-funktIonen über Wlan<br />

Aktiv-leuchtender Not-Halt-Taster, Schlüsselschalter<br />

<strong>und</strong> Zustimmtaster sind integriert<br />

EPLAN Software & Service GmbH & Co. KG<br />

www.eplan.ch<br />

www.eplan-efficient-engineering.com<br />

www.sigmatek-automation.ch


KURZ & KNAPP<br />

BLICKPUNKT<br />

FORSCHUNG<br />

University of Cambridge, England<br />

Das allerkleinste Pixel<br />

Ein wirklich winziges Pixel – eine Million Mal<br />

kleiner als bei Smartphones – entwickelten<br />

Forscher der Universität von Cambridge.<br />

Grossartig daran: Die Pixel brauchen keine<br />

konstante Energie, um die eingestellte Farbe<br />

zu behalten, daher können auch riesige <strong>und</strong><br />

sogar flexible Displays hergestellt werden.<br />

MIT, USA<br />

Wenn der Roboter auf den Bizeps schaut<br />

Beim Teamwork stellt man sich auf einen Partner ein –<br />

zum Beispiel wenn man zusammen etwas tragen will.<br />

Das gelingt Robotern noch nicht sehr gut. Nun haben<br />

Forscher des MIT kürzlich gezeigt, dass dies durch<br />

Überwachung der Muskelbewegungen geht. Das System<br />

funktioniert durch Anbringen von Sensoren auf dem<br />

Bizeps <strong>und</strong> Trizeps eines Benutzers. Der Algorithmus<br />

verarbeitet dann die Bizepsaktivität, um abzuschätzen,<br />

wie sich der Arm der Person bewegt, so dass der Roboter<br />

ihn grob nachahmen kann.<br />

EPFL, Schweiz<br />

Turbulenz-Phänomen gelöst<br />

Ein bemerkenswertes <strong>und</strong> bisher<br />

ungelöstes Phänomen in der<br />

Strömungsmechanik sind Turbulenzen<br />

in Flüssigkeiten, die über ein<br />

ungeordnetes Chaos plötzlich zu einer<br />

perfekten Gradlinigkeit übergehen<br />

<strong>und</strong> ein stark strukturiertes Muster<br />

aufweisen. An der EPFL haben<br />

Tobias Schneider <strong>und</strong> sein Team den<br />

Mechanismus identifiziert, der dieses<br />

Phänomen erklärt. Ihre Ergebnisse<br />

wurden im Nature Communications<br />

veröffentlicht.<br />

12 #<strong>003</strong>


Fraunhofer, Fraunhofer, Deutschland Deutschland<br />

Erfolgreiche Erfolgreiche Fraunhofer-Gesellschaft<br />

Die Die Fraunhofer-Gesellschaft setzte auch setzte im auch Jahr im Jahr<br />

2018 ihren 2018 erfolgreichen ihren erfolgreichen Kurs fort. Kurs Das fort. Finanzvolumevolumen<br />

stieg stieg 12 Prozent um 12 zum Prozent Vorjahr zum <strong>und</strong> Vorjahr <strong>und</strong><br />

Das Finanz-<br />

erreichte erreichte mit 2,6 Milliarden mit 2,6 Milliarden Euro einen Euro Rekordwert. einen Rekordwert.<br />

Im Fokus Im stand Fokus mit stand der Fortführung mit der Fortführung der Agenda der Agenda<br />

Fraunhofer Fraunhofer 2022 die 2022 weitere die Etablierung weitere Etablierung effizienter effizienter<br />

Forschungs- Forschungs- <strong>und</strong> Transferstrukturen.<br />

<strong>und</strong> Transferstrukturen.<br />

Max-Planck-Institut, Max-Planck-Institut, Deutschland Deutschland<br />

Supraleiter Supraleiter unter Druck unter Druck<br />

Wenn Wissenschaftler Wenn Wissenschaftler Supraleitung Supraleitung<br />

bei Raumtemperaturen bei Raumtemperaturen entdecken entdecken<br />

würden, würden, könnten könnten enorme Strommengen<br />

eingespart gen eingespart werden. werden. Denn Supra-<br />

Denn Supra-<br />

enorme Strommenleiter<br />

transportieren leiter transportieren Strom ohne Strom ohne<br />

Verluste. Verluste. Ein Team Ein des Team Max-Planck- des Max-Planck-<br />

Instituts Instituts für Chemie für in Chemie Mainz in ist Mainz ist<br />

diesem Ziel diesem einen Ziel Schritt einen nähergekommenkommen.<br />

Die Forscher Die Forscher um Mikhail um Mikhail<br />

Schritt näherge-<br />

Eremets Eremets synthetisierten synthetisierten Lanthanhydrid,<br />

das hydrid, unter das sehr unter hohem sehr Druck hohem Druck<br />

Lanthan-<br />

bei minus bei 23 minus Grad Celsius 23 Grad seinen Celsius seinen<br />

elektrischen elektrischen Widerstand Widerstand verliert. verliert.<br />

Bislang lag Bislang der Rekord lag der für Rekord die Hoch-<br />

für die Hochtemperatursupraleitung<br />

bei minus bei minus<br />

70 Grad Celsius. 70 Grad Celsius.<br />

SNF, Schweiz SNF, Schweiz<br />

Gewagte Gewagte Ideen gesucht Ideen gesucht<br />

Der Schweizerische Der Schweizerische Nationalfonds Nationalfonds<br />

(SNF) schliesst (SNF) schliesst eine Lücke eine Lücke seiner in seiner<br />

Forschungsförderung: Mit dem Mit neuen dem neuen<br />

Instrument Instrument Spark richtet Spark er richtet den Fokus er den Fokus<br />

auf vielversprechende auf vielversprechende oder gewagte oder gewagte<br />

Ideen, die Ideen, sonst die durchs sonst Raster durchs fallen Raster fallen<br />

würden. würden. «Bei unserem «Bei unserem neuen Instrument<br />

Spark ment ist Spark es explizit ist es erwünscht,<br />

explizit erwünscht,<br />

neuen Instru-<br />

dass die dass Forschenden die Forschenden Risiken eingehen»,<br />

sagt gehen», Matthias sagt Matthias Egger, Präsident Egger, Präsident<br />

Risiken ein-<br />

des Nationalen des Nationalen Forschungsrats Forschungsrats des des<br />

SNF. «Scheitern SNF. «Scheitern ist daher ist von daher Anfang von Anfang<br />

an eine Option. an eine Das Option. bedeutet: Das bedeutet:<br />

Auch nicht Auch eindeutige nicht eindeutige oder negative oder negative<br />

Ergebnisse Ergebnisse liefern Erkenntnisgewinn.»<br />

liefern Erkenntnisgewinn.»<br />

ZHAW, Schweiz ZHAW, Schweiz<br />

Selbstversorgende Sensoren Sensoren spüren spüren<br />

Wasserlecks Wasserlecks auf auf<br />

Ein Team Ein von Team Ingenieuren von Ingenieuren der ZHAW der <strong>und</strong> ZHAW der Eawag <strong>und</strong> der Eawag<br />

hat eine hat eine Smart-Sensor-Lösung für die Überwachung für die Überwachung von von<br />

Trinkwasserleitungen entwickelt. entwickelt. Das System Das überträgt System überträgt<br />

die Daten die drahtlos Daten drahtlos <strong>und</strong> gewinnt <strong>und</strong> gewinnt Energie hauptsächlich<br />

Energie hauptsächlich<br />

aus aus Temperaturunterschieden in der Betriebsumgebung.<br />

in der Betriebsumgebung.<br />

«Energy «Energy Harvesting Harvesting durch durch Temperaturunterschiede ist zwar ist zwar<br />

weniger weniger effizient effizient als Solarenergie, als Solarenergie, aber dafür aber fast dafür überall fast überall<br />

einsetzbar», einsetzbar», erklärt Projektleiter erklärt Projektleiter Marcel Meli Marcel vom Meli ZHAW- vom ZHAW-<br />

Institute Institute of Embedded of Embedded Systems. Systems.<br />

Mehr Infos Mehr Infos<br />

zu allen zu allen<br />

Forschungsthemethemen<br />

Forschungs-<br />

online unter online unter<br />

TuWprint+ TuWprint+<br />

#<strong>003</strong> 13


KURZ & KNAPP<br />

IN DER PIPELINE<br />

Bestückte Klemmleisten automatisch<br />

beschriften<br />

Firma: Weidmüller<br />

Technologie: vollautomatische Beschriftung<br />

Vorteil: Zeitersparnis von bis zu 90 %<br />

Verfügbar: ab Ende 2019<br />

Engineering-Prozesse müssen immer schneller, präziser<br />

<strong>und</strong> wirtschaftlicher erfolgen, ein durchgängiger Wertschöpfungsprozess<br />

ist dazu unabdingbar. Weidmüller hat da<br />

mit der automatischen Klemmleistenbestückung bereits einen<br />

ersten Schritt gemacht vor einem Jahr, nun folgt der<br />

zweite mit dem «Klippon Automated RailLaser»-System,<br />

welches die vollautomatische Beschriftung von bestückten<br />

Klemmenleisten erlaubt.<br />

Die Gr<strong>und</strong>lage für den durchgängigen Wertschöpfungsprozess<br />

bildet die intelligente Software «Weidmüller Configurator»<br />

(WMC); sie erzeugt den digitalen Zwilling der Klemmleiste.<br />

Aus diesen Daten generieren sich die einzelnen<br />

Beschriftungsebenen; die erzeugten Daten werden direkt an<br />

das Beschriftungssystem gesendet. Der Bediener muss zuvor<br />

lediglich die bestückte Klemmenleiste einlegen, die<br />

dann entsprechend via Laser dauerhaft beschriftet wird. Der<br />

«Klippon Automated RailLaser» überprüft zuerst die eingelegte<br />

Tragschiene <strong>und</strong> führt anschliessend einen Abgleich<br />

vom digitalen <strong>und</strong> realen Modell durch. Anschliessend erfolgt<br />

die direkte Beschriftung der Reihenklemmen, die zuvor<br />

mit Markierern bestückt wurden.<br />

Dabei spielt die Farbe der verwendeten Markierer keine Rolle.<br />

Neben weiss <strong>und</strong> gelb lassen sich auch zahlreiche andersfarbige<br />

Markierer vollautomatisch bedrucken. Durch diese<br />

Möglichkeit können die branchenspezifischen Farbanforderungen<br />

<strong>und</strong> die individuellen Farbschemata der K<strong>und</strong>en einfach<br />

realisiert werden. Spezialmarkierer sind nicht erforderlich,<br />

denn sämtliche Kunststoffmarkierer von Weidmüller<br />

eignen sich für die vollautomatische Beschriftung.<br />

Diese vollautomatische Beschriftung von bestückten Klemmenleisten<br />

ermöglicht eine Zeitersparnis von bis zu 90 %.<br />

Der Verkaufsstart ist für Ende 2019 geplant. In der Serienlösung<br />

lassen sich bestückte Tragschienen mit einer Länge<br />

von 100 bis 1200 mm beschriften. www.weidmueller.ch<br />

Flexibel zugreifen<br />

Firma: OnRobot<br />

Technologie: End-of-Arm-Tooling<br />

Vorteil: breiteres Spektrum an Greifern <strong>und</strong> Sensoren<br />

Verfügbar: laufende Neuentwicklungen<br />

OnRobot hat sich auf die Fahnen geschrieben, kollaboratives<br />

End-of-Arm-Tooling für alle Belange der industriellen Automation<br />

anzubieten. Dieses muss vor allem eins sein: flexibel.<br />

Denn in Zeiten von Losgrösse 1 ändern sich die Produktionsanforderungen<br />

stetig. Daher arbeitet das Unternehmen intensiv<br />

daran, die Kompatibilität der Tools mit den Roboterarmen<br />

verschiedener Hersteller zu erhöhen. Dies erlaubt Anwendern,<br />

aus einem breiteren Spektrum an Greifern <strong>und</strong> Sensoren<br />

zu wählen, <strong>und</strong> eröffnet neue Kombinationsmöglichkeiten.<br />

Momentan sind die Tools von OnRobot unter anderem<br />

mit Robotern von Universal Robots, Kawasaki, Kuka, Fanuc<br />

<strong>und</strong> Yaskawa einsetzbar. Diese Liste will das dänische Unternehmen<br />

nun laufend erweitern, um Anwendern kollaborative<br />

Robotik noch zugänglicher zu machen. www.onrobot.com<br />

Am Puls der Maschine<br />

Firma: Chiron<br />

Technologie: Maintenance-Software «ConditionLine»<br />

Vorteil: höhere Maschinenverfügbarkeit<br />

Verfügbar: ab sofort<br />

Zunehmend wichtiger wird es, permanent Kenntnis über<br />

den aktuellen Maschinenzustand zu haben, denn der stetig<br />

steigende Produktivitätsdruck erfordert eine maximale Maschinenverfügbarkeit.<br />

Systeme, die Daten über den Maschinenzustand<br />

erfassen, verdichten <strong>und</strong> diese dem K<strong>und</strong>en zur<br />

Verfügung stellen, sind deshalb ein Schwerpunkt der aktuellen<br />

Entwicklungsaktivitäten der Chiron Group. Mit Hilfe<br />

von ConditionLine lassen sich Wartungsarbeiten <strong>und</strong> Reparaturen<br />

zustandsbasiert planen. Die Lösung erkennt <strong>und</strong><br />

meldet Verschleisserscheinungen <strong>und</strong> untypisches Betriebsverhalten<br />

frühzeitig. So lassen sich kostspielige Produktionsausfälle<br />

vermeiden, bevor sie entstehen. Dabei erfolgt<br />

das Erfassen, Aggregieren <strong>und</strong> Verarbeiten aller Daten<br />

unmittelbar auf der Maschine.<br />

www.chiron.com<br />

14 #<strong>003</strong>


NACHGEFRAGT<br />

SAUBER<br />

BLEIBEN<br />

CO 2 aus umweltschädlichen Verbrennungsprozessen<br />

von Industriebetrieben herausfiltern, das hört sich<br />

gut an. Der Industriegasehersteller Messer Schweiz AG<br />

macht genau dies mit einer eigenen Technologie.<br />

Es ist eine Tatsache: Wir stossen zu viel CO 2 aus.<br />

Allein die 30 Schweizer Kehrrichtverbrennungsanlagen<br />

(KVA) produzieren jährlich r<strong>und</strong> 1,85 Millionen<br />

Tonnen, was r<strong>und</strong> 7 Prozent des gesamtschweizerischen<br />

Ausstosses ausmacht. Angenommen, man bestückte<br />

diese KVA mit CO 2 -Rückgewinnungsanlagen, die eine Ausbeute<br />

von r<strong>und</strong> 90 Prozent erreichen, entspräche dies etwa<br />

1,6 Millionen Tonnen nicht ausgestossenes CO 2 . Würde ein<br />

Bruchteil davon realisiert, wären die Klimaziele von alt B<strong>und</strong>esrätin<br />

Doris Leuthard (200 000 Tonnen von 2014 bis 2020)<br />

bei weitem übertroffen.<br />

Verschiedene Firmen versuchen mit neuen Technologien<br />

dieses CO 2 zu recyclen. Eine davon ist der Industriegasehersteller<br />

Messer Schweiz AG, ein Unternehmen der Messer<br />

Gruppe, die bereits jährlich h<strong>und</strong>erttausende Tonnen CO 2<br />

mit einer eigens entwickelten Technologie aus umweltschädlichen<br />

Verbrennungsprozessen von Industriebetrieben<br />

herausfiltert. Doch welche Industriefirmen sollten<br />

über den Einsatz einer solchen Rückgewinnungsanlage<br />

nachdenken? Wir haben beim CEO der Messer Schweiz AG,<br />

Dr. Hans Michael Kellner, nachgefragt.<br />

Herr Dr. Kellner, können Sie die Funktionsweise ihrer<br />

eigens entwickelten Technologie erklären?<br />

Die gr<strong>und</strong>legende Technik ist nicht neu. Das CO 2 wird aus<br />

dem Rauchgas oder einem CO 2 -haltigen Gas rausgewaschen.<br />

Das in der Waschflüssigkeit aufgenommene CO 2 wird in<br />

einem nächsten Schritt abgetrennt. Die Besonderheit<br />

der neuen Anlagen ist die Fähigkeit, einer variierenden<br />

Eintrittskonzentration nachzufahren. Und genau das<br />

wird bei Verbrennungsprozessen benötigt.<br />

Wo stehen in der Schweiz ihre Anlagen bereits im Einsatz?<br />

In der Schweiz haben wir eine Anlage im Thurgau in<br />

Betrieb. Jährlich können wir dort bis zu 2200 Tonnen<br />

CO 2 recyceln; ein grosser Teil des Gases geht in die Produktionsanlage<br />

des Unternehmens. Der Rest wird von der<br />

Messer Schweiz AG an K<strong>und</strong>en weiterverkauft. Weitere<br />

Interview mit:<br />

Dr. Hans Michael Keller,<br />

CEO Messer Schweiz AG<br />

Anlagen mit deutlich grösserer Leistung sind in Planung<br />

beziehungsweise werden in Kürze realisiert.<br />

Wie kann das recycelte CO 2 sonst noch wiederverwendet<br />

werden?<br />

Es gibt zahlreiche Anwendungen dafür. Der Bedarf an CO 2 in<br />

der Industrie steigt jährlich sehr stark an. Die Einsatzbereiche<br />

gehen von vorbeugendem Brandschutz, Getränkeindustrie,<br />

Schweisstechnik, Isoliertechnik, Metallurgie, Chemie<br />

bis zur Neutralisation von laugischen Abwässern. Bei vielen<br />

Anwendungen wird das CO 2 geb<strong>und</strong>en oder umgewandelt.<br />

Das bedeutet, es verschwindet aus der Atmosphäre.<br />

Für welche Industriefirmen lohnt es sich, eine solche<br />

Anlage zu installieren?<br />

Alle Unternehmen, die grössere Mengen an CO 2 für ihre<br />

Prozesse benötigen, für die ein Ausfall der CO 2 -Versorgung<br />

kritisch ist <strong>und</strong> ausreichend Wärme zur Verfügung<br />

haben, dürfte mit dieser Technologie deutliche Vorteile<br />

bekommen, einschliesslich wirtschaftliche.<br />

Wie viel CO 2 kann eine solche Anlage recyclen?<br />

Die Anlagen können massgeschneidert dem Bedarf<br />

angepasst werden. In China gibt es eine Messer-Anlage<br />

für 150 000 t/a recyceltes CO 2 . In Belgien sind es schon<br />

knapp 120 000 t/a an einem Standort. (eal)<br />

Messer Schweiz AG | www.messer.ch<br />

#<strong>003</strong> 15


WIRELESS AUTOMATION / 5G<br />

LASST UNS<br />

FUNKEN<br />

Der Mobilfunkstandard 5G steht am Start. Anlass genug, sich nochmals<br />

eingehender mit der drahtlosen Automation zu befassen.<br />

Von Markus Back<br />

Welchen gemeinsamen Nenner haben die<br />

Städte <strong>und</strong> Gemeinden Basel, Ecublens,<br />

Vernier <strong>und</strong> Felsberg? Ein kleiner Tipp<br />

gefällig? Sie verfügen bereits über das,<br />

was bis Jahresende schweizweit verfügbar sein soll –<br />

ein funktionierendes 5G-Netz. Da dieses Reaktionszeiten<br />

im Millisek<strong>und</strong>enbereich <strong>und</strong> Geschwindigkeiten<br />

von bis zu 10 Gbit/s bieten soll, rückt «Wireless Automation»<br />

in vielen Entwicklungsabteilungen plötzlich wieder<br />

auf die Agenden. Zu Recht? Technik <strong>und</strong> Wissen befragte<br />

zu dem Thema vier Experten verschiedener<br />

Anbieter von Automationslösungen.<br />

Gründe für Wireless Automation<br />

Wer die drahtlose Automation auf seine Agenda nimmt,<br />

sollte sich zunächst einmal fragen, wann diese überhaupt<br />

Sinn macht? Und hierfür gibt es die verschiedensten<br />

Gründe, wie die Expertenumfrage zeigt. «Wireless<br />

Automation macht bei rotierenden oder temporären<br />

Anlageteilen Sinn», sagt beispielsweise Rüdiger Settelmeyer<br />

von Endress+Hauser <strong>und</strong> ergänzt: «Weitere Anwendungen<br />

sind mobile Anlagenteile mit wechselnden<br />

Einsatzorten innerhalb eines Produktionswerks oder<br />

Bereiche, in denen die Verkabelung <strong>und</strong> die Integration<br />

ins Leitsystem sehr aufwendig <strong>und</strong> teuer sind.»<br />

Als ein weiteres Beispiel nennt Beat Meili grössere<br />

Maschinen <strong>und</strong> Anlagen, bei denen mit Hilfe eines mobilen<br />

Bediengerätes ein sicherer Einrichtbetrieb gefahren<br />

<strong>und</strong> der Bediener direkt vor Ort gewisse Parameter<br />

verändern muss. «Hierdurch entfallen lange Kabelverbindungen,<br />

die umständlich im Handling, anfällig für<br />

mechanische Schäden <strong>und</strong> zugleich auch Stolperfallen<br />

16 #<strong>003</strong>


sind», so der Geschäftsführer von Sigmatek<br />

Schweiz.<br />

Einen pragmatischen Ansatz empfiehlt<br />

Florian Fre<strong>und</strong> von Arrow Electronics<br />

<strong>und</strong> rückt hierbei die Frage des<br />

Vorteils in den Vordergr<strong>und</strong>. «Eine Wireless-Lösung<br />

macht dann Sinn, wen<br />

sie gegenüber einer klassischen Verdrahtung<br />

Kosten spart», so der Director<br />

Engineering DACH. Ein Kriterium<br />

hierfür kann beispielsweise die Anzahl<br />

der Teilnehmer beziehungsweise<br />

die der Sensorpunkte sein. Als weitere<br />

Argumente pro Wireless nennt Marek<br />

Machacek von Digi International Predictive<br />

Maintenance sowie die Überwachung<br />

<strong>und</strong> Steuerung grosser Datenmengen.<br />

Typische Anfängerfehler<br />

Nachdem Für <strong>und</strong> Wider behandelt<br />

sind, gilt es der Frage nachzugehen,<br />

welches die typischen Anfängerfehler<br />

beim Einstieg in «Wireless Automation»<br />

sind? «Zu denken, man montiert<br />

irgendwo eine Basisstation <strong>und</strong> alles<br />

wird schon irgendwie funktionieren»,<br />

sagt Beat Meili. Dass es eben nicht<br />

irgendwie funktioniert, begründet er<br />

mit der Technologie, die anfälliger<br />

für Störungen von aussen ist. Als Beispiele<br />

für solche nennt er die Anzahl<br />

anderer Funkteilnehmer, bauliche<br />

Begebenheiten sowie starke EMV-Belastungen.<br />

Daher empfiehlt Rüdiger<br />

Settelmeyer unbedingt eine Vorort-Begehung,<br />

bevor das System ausgelegt<br />

wird. Diese erfordert möglicherweise<br />

sogar Testmessungen, um die Übertragungssicherheit,<br />

die Reichweite <strong>und</strong><br />

eben vorhandene Störeinflüsse zu verifizieren.<br />

Ein besonderes Augenmerk widmet<br />

Marek Machacek von Digi bei dieser<br />

Frage der eingesetzten Technik.<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich rät er zum Einsatz etablierter<br />

Standards wie GSM, LTE, Wifi<br />

«Wireless Automation macht bei<br />

rotierenden oder temporären<br />

Anlagenteilen Sinn.»<br />

Rüdiger Settelmeyer, Endress+Hauser<br />

Gründe gegen Wireless Automation<br />

5G verspricht schnelle Reaktionszeiten<br />

<strong>und</strong> hohe Geschwindigkeiten.<br />

Doch sind diese Parameter in einer<br />

Applikation entscheidend, gibt Florian<br />

Fre<strong>und</strong> der klassischen Verdrahtung<br />

mit Ethernet den Vorzug. Zumal diese<br />

in aller Regel eine bessere Verfügbarkeit<br />

garantiert <strong>und</strong> weniger störanfällig<br />

ist. «In Bereichen mit hoher elektromagnetischer<br />

Strahlung ist eine<br />

klassische verdrahtete Lösung ebenfalls<br />

vorzuziehen», ergänzt er.<br />

Drahtgeb<strong>und</strong>ene Lösungen sind für<br />

Rüdiger Settelmeyer bei ortsgeb<strong>und</strong>enen<br />

Anlagen erste Wahl, da Kabel- beziehungsweise<br />

Verbindungsunterbrüche<br />

sofort erkannt werden können.<br />

«Zudem ist die Signalübertragung<br />

meist sehr schnell <strong>und</strong> zuverlässig<br />

<strong>und</strong> das Signal ist weniger anfällig für<br />

Störeinflüsse von aussen», so der Vertriebsingenieur<br />

von Endress+Hauser.<br />

oder Bluetooth. «Die Interoperabilität<br />

<strong>und</strong> die Lebensdauer der Systeme ist<br />

so am besten gewährleistet», sagt der<br />

Director Cellular Sales EMEA <strong>und</strong><br />

schränkt ein: «Trotzdem kann es<br />

sinnvoll sein, Zigbee oder andere<br />

Funkstandards zu nutzen.» Als typische<br />

Anfängerfehler nennt Florian<br />

Fre<strong>und</strong> von Arrow Electronics die<br />

Auswahl der Topologie, der Funktechnik<br />

wie Frequenzband <strong>und</strong> Modulation<br />

sowie die Software. Oftmals würden<br />

auch die Kosten für Zulassung<br />

<strong>und</strong> Lizenzen falsch eingeschätzt. ››<br />

#<strong>003</strong> 17


Nachrüstung auf Wireless<br />

Wie komplex die Thematik «Umstellung<br />

von Bestandsanlagen auf Wireless»<br />

ist, erschliesst sich aus den Antworten<br />

auf diese Frage. «Das hängt von<br />

der jeweiligen Applikation ab», so Marek<br />

Machacek <strong>und</strong> verdeutlich dies an<br />

einem Beispiel: «Eine Aluminiumgiesserei<br />

hat vollkommen andere Anforderungen<br />

als eine Wurstfabrik, obwohl<br />

beide Male die Temperaturen die relevanten<br />

Parameter sind.» Im einen Fall<br />

seien sie sehr hoch <strong>und</strong> es gebe störende<br />

Magnetfelder, im anderen seien sie<br />

sehr tief. Eine Universalantwort bleibt<br />

auch Florian Fre<strong>und</strong> schuldig. Jede<br />

Anwendung müsse genau betrachtet<br />

werden, bevor dann eine individuelle<br />

Lösung erarbeitet werden könne.<br />

In eine ähnliche Richtung geht die<br />

Aussage von Beat Meili. «Je nach Aufgabe<br />

ist dies relativ einfach realisierbar<br />

oder eben auch nicht», so der Geschäftsführer<br />

von Sigmatek Schweiz.<br />

Brauche es schnelle <strong>und</strong> sichere Pro-<br />

zesssignale, sei bei einer Funkdatenübertragung<br />

höchste Vorsicht geboten.<br />

Handele es sich bei der Applikation<br />

hingegen lediglich um den Ersatz<br />

eines kabelgeb<strong>und</strong>enen, portablen<br />

Handbediengeräts, sei dies relativ<br />

einfach umsetzbar. Zur Acht rät auch<br />

Rüdiger Settelmeyer <strong>und</strong> empfiehlt vorab<br />

eine Risiko-Analyse, um allen Beteiligten<br />

die Vor- <strong>und</strong> Nachteile einer solchen<br />

Umstellung zu verdeutlichen.<br />

Unterhalt <strong>und</strong> Instandhaltung<br />

drahtloser Netzwerke<br />

Wireless Automation beschränkt sich<br />

nicht zwangsweise auf die Anwendung<br />

innerhalb eines gut zugäng lichen<br />

Gebäudes. Sensoren eines solchen<br />

drahtlosen Netzwerkes können auch<br />

weit abgesetzt sein, so dass die Spannungsversorgung<br />

der integrierten Systeme<br />

ein wichtiger <strong>und</strong> mög licherweise<br />

sogar entscheidender Aspekt ist. Daher<br />

ist es für Beat Meili wichtig, dass<br />

sämtliche Systemkomponenten ent-<br />

Die drahtlose Parametrierung von Sensoren<br />

<strong>und</strong> Messgeräten ist eine Anwendung von<br />

Wireless Automation. Bilder: Endress+Hauser<br />

18 #<strong>003</strong>


WIRELESS AUTOMATION / 5G<br />

sprechende Diagnosemittel für den<br />

Ladezustand bereitstellen. Nur so liessen<br />

sich Versorgungsengpässe frühzeitig<br />

erkennen <strong>und</strong> entsprechende<br />

Massnahmen einleiten.<br />

Die Sicherheit führt Marek Machacek<br />

bei den Themen Unterhalt <strong>und</strong> Instandhaltung<br />

als weiteren Punkt an.<br />

«Diese umfasst sowohl Angriffe auf<br />

Infrastruktur als auch die Betriebssicherheit,<br />

die durch regelmässige<br />

Software Updates gewährleistet sein<br />

muss», so der Director Cellular Sales<br />

EMEA bei Digi International.<br />

Zum red<strong>und</strong>anten Ansatz rät Rüdiger<br />

Settelmeyer von Endress+Hauser beim<br />

Thema Spannungsversorgung. «Die<br />

Komponenten eines drahtlosen Netzwerks<br />

sollten hier verschiedene Möglichkeiten<br />

bieten, wie Solar-, Netz- oder<br />

Batteriebetrieb», so der Vertriebsingenieur.<br />

Darüber hinaus empfiehlt Florian<br />

Fre<strong>und</strong> die Einberechnung eines<br />

genügend grossen Puffers, um auf der<br />

sicheren Seite zu sein.<br />

«Vor allem Anwendungen<br />

mit geringen Latenzen<br />

profitieren von 5G.»<br />

Schutz vor äusseren Bedrohungen<br />

Kurz <strong>und</strong> knapp fällt Rüdiger Settelmeyers<br />

Antwort auf die Frage aus,<br />

zu welchen Massnahmen er rät, um<br />

drahtlose Netzwerke vor äusseren<br />

Bedrohungen zu schützen: «Diese bieten<br />

verschiedene Sicherheitsmechanismen,<br />

die während der Inbetriebnahme<br />

aktiviert werden sollten.<br />

WirelessHART beispielsweise arbeitet<br />

mit drei Mechanismen zur Verschlüsselung,<br />

Authentifikation <strong>und</strong> Integritätsprüfung.»<br />

Neben dem Schutz der Funkverbindung<br />

vor EMV-Einwirkungen nennt<br />

Beat Meili entsprechende Security-Massnahmen.<br />

Zu diesen zählt er<br />

zum Beispiel eine VPN-Verbindung in<br />

Kombination mit einer SSL-Verschlüsselung<br />

oder im Bereich der Safety-Daten-Übermittelung<br />

das Black-Channel-Prinzip.<br />

Die Entwicklung geeigneter Schutzmassnahmen<br />

ist für Florian Fre<strong>und</strong><br />

ein Prozess, der von Projektbeginn an<br />

zu berücksichtigen ist. Dabei sei das<br />

Zusammenspiel von Soft- <strong>und</strong> Hardware<br />

wichtiger denn je. Als Gr<strong>und</strong>voraussetzung<br />

für ein sicheres System<br />

nennt er die Möglichkeit, dieses jederzeit<br />

«over the air» auf den neuesten<br />

Stand bringen <strong>und</strong> Schwächen <strong>und</strong><br />

Lücken beseitigen zu können. Marek<br />

Machacek von Digi ergänzt diese Ausführungen<br />

mit dem Hinweis, für unternehmenskritische<br />

Anwendungen zusätzlich<br />

red<strong>und</strong>ante Systeme <strong>und</strong><br />

Fallback-Szenarien zu entwickeln.<br />

Florian Fre<strong>und</strong>, Arrow Electronics<br />

warten? «Insbesondere Anwendungen<br />

mit geringen Latenzen werden von 5G<br />

profitieren», sagt Florian Fre<strong>und</strong>. Aber<br />

auch von der Möglichkeit, eigene Netze<br />

aufzubauen, verspricht er sich interessante<br />

Projekte. Das ist auch ein<br />

Punkt, den Rüdiger Settelmeyer hervorhebt.<br />

Dies sei insbesondere für<br />

Echtzeitübertragungen oder für Servicedienstleistungen,<br />

wie beispielsweise<br />

Augmented Reality, sinnvoll.<br />

«Wenn es darum geht, innerhalb kürzester<br />

Zeit möglichst grosse Datenmengen<br />

zu übertragen <strong>und</strong>/oder sehr<br />

schnelle Reaktionszeiten zu erzielen,<br />

so wird die 5G-Technologie dem Anwender<br />

einen höheren Nutzen bringen»,<br />

ist Beat Meili überzeugt. Ein<br />

Beispiel dafür sei die Koordination<br />

fahrerloser Transportfahrzeuge, welche<br />

aufgr<strong>und</strong> des Layouts in Produktions-<br />

oder Logistikhallen auf eine<br />

grosse Menge an Zustandsinformationen<br />

angewiesen seien. Als eine weitere<br />

Anwendung nennt er die schnelle<br />

Übertragung grösserer Datenmengen<br />

in Visualisierungs- oder Steuerungsapplikationen.<br />

Arrow Electronics | www.arrow.com<br />

Digi International | www.digi.com<br />

Endress+Hauser (Schweiz) AG<br />

www.endress.com<br />

Sigmatek Schweiz AG<br />

www.sigmatek-automation.ch<br />

Entwicklungsaufschub für 5G<br />

Macht es für gewisse Anwendungen<br />

Sinn, bis zur Einführung von 5G zu<br />

#<strong>003</strong> 19


RUBRIKTITEL<br />

Im Gespräch mit Matthias Jungen von Swisscom<br />

«DIE ZEIT IST REIF ZUM<br />

EXPERIMENTIEREN»<br />

Der Wirtschaftswissenschaftler Matthias Jungen ist bei der Swisscom<br />

Produktmanager für 5G mit Fokus auf Geschäftsk<strong>und</strong>en. Seine Hauptaufgabe<br />

ist es, gemeinsam mit hiesigen Unternehmen herauszufinden, wie sie den<br />

neuen Mobilfunkstandard in ihrem Umfeld gewinnbringend einsetzen können.<br />

20 #<strong>003</strong>


WIRELESS AUTOMATION / 5G<br />

Von Markus Back (Text) <strong>und</strong> Susanne Seiler (Fotos)<br />

5G soll bis zum Jahresende schweizweit zur Verfügung<br />

stehen. Wieso braucht es diesen neuen Mobilfunkstandard<br />

überhaupt?<br />

Mit der Digitalisierung tun sich zahlreiche neue Anwendungen<br />

auf, wie zum Beispiel Augmented Reality oder<br />

Campus-Netzwerke für Unternehmen. Basis für alle diese<br />

Anwendungen ist die Vernetzung, für die es die beste,<br />

die sicherste <strong>und</strong> die stabilste Verbindung braucht. Und<br />

das ist zurzeit 5G.<br />

Während Sie nahezu schon Vollzug vermelden,<br />

wird in anderen Ländern noch heftig über 5G diskutiert.<br />

Wie ist dieser zeitliche Vorsprung zu erklären?<br />

Dieser beruht auf zwei Umständen. Zunächst einmal hat<br />

der B<strong>und</strong>esrat schon zeitig erkannt, wie wichtig 5G für<br />

den Wirtschaftsstandort Schweiz ist <strong>und</strong> dementsprechend<br />

früh die nötigen Prozesse in die Wege geleitet. Bei den<br />

5G-Frequenzauktionen ging es ihm auch nicht darum, die<br />

Zahlungsbereitschaft der Telekommunikationsunternehmen<br />

voll abzuschöpfen, sondern diese zielte darauf ab,<br />

möglichst schnell ein 5G-Netz aufzubauen. Der zweite<br />

Punkt ist, dass die Swisscom schon früh auf dieses Thema<br />

mit ihren Technologierpartnern aufgesprungen ist <strong>und</strong><br />

so bereits 2017 erste 5G-Anwendungen zeigen konnte.<br />

Wie sicher wird denn das Schweizer 5G-Netz sein?<br />

Generell führen wir regelmässige Sicherheitsüberprüfungen<br />

durch. Bei allen diesen Tests konnten wir bisher<br />

keinerlei Anzeichen dafür finden, dass unser Netz nicht<br />

sicher sein sollte. Wobei auch hier gilt, wie bei allen<br />

technischen Anwendungen, eine h<strong>und</strong>ertprozentige<br />

Sicherheit gibt es nicht.<br />

Was sind die Herausforderungen beim Aufbau des<br />

5G-Netzes speziell hier in der Schweiz?<br />

Unsere Topographie begünstigt sicher nicht einen superschnellen<br />

Aufbau. Aber eine fast grössere Herausforderung<br />

sind unsere strengen Mobilfunkgrenzwerte. Diese sind<br />

um ein Vielfaches höher als im benachbarten Ausland <strong>und</strong><br />

verzögern gerade in städtischen Gebieten den Aufbau<br />

des 5G-Netzes, da wir mehr Antennenstandorte benötigen.<br />

Lässt sich an einer Zahl festmachen, wie viele Antennen<br />

mehr es beispielsweise im Vergleich zu 4G brauchen wird?<br />

Das wäre etwas zu verkürzt, hier einen wirklich aussagekräftigen<br />

Vergleich machen zu wollen, da verschiedene<br />

Faktoren mithineinspielen. Wir planen dieses Jahr aber<br />

r<strong>und</strong> 300 Um- <strong>und</strong> Neubauten von Antennen.<br />

Was geschieht mit der bisherigen Mobilfunk-Infrastruktur<br />

nach Einführung von 5G? Braucht es diese weiterhin oder<br />

wird diese zurückgebaut?<br />

Aktuell sind bei uns 2G, 3G, 4G <strong>und</strong> 5G im Einsatz. Im 2020<br />

schalten wir 2G ab, begleiten aber Anwender, deren Applikationen<br />

auf 2G laufen dabei. Von dieser Abschaltung<br />

sind zumeist Machine-to-Machine-Anbindungen betroffen.<br />

Da wir mit den betroffenen Unternehmen aber bereits<br />

seit längerem zusammenarbeiten, wird diese Abschaltung<br />

geregelt ablaufen.<br />

In Deutschland ging die Einführung jedes Mobilfunkstandards<br />

bisher mit heftigen Diskussionen über die ges<strong>und</strong>heitlichen<br />

Gefahren durch die Strahlenbelastung einher.<br />

Hier in der Schweiz scheint man diesbezüglich gelassener<br />

zu sein. Wie ist das zu erklären?<br />

Es ist leider nicht ganz so, auch hier in der Schweiz gibt<br />

es diese Diskussionen. Diese gehen soweit, dass einzelne<br />

Politiker sogar eine Verschiebung der 5G-Einführung<br />

verlangen. Was uns in diesem Kontext auffällt, sind die<br />

bewusst gestreuten Falschinformationen, welche die Bevölkerung<br />

verängstigen. Ein Beispiel ist etwa die Behauptung,<br />

5G würde ein Vogelsterben verursachen. ››<br />

5G in der Schweiz<br />

Geschwindigkeit<br />

Mit 5G sind zunächst bis zu 2 Gbit/s, später sogar bis 10 Gbit/s<br />

möglich. Das ist zwei bis zehn Mal schneller als aktuelle<br />

Up- <strong>und</strong> Downloadgeschwindigkeiten auf dem Glasfasernetz.<br />

Reaktionszeit<br />

Mit 5G sinkt die Reaktionszeit von heute 25 bis 35 Millisek<strong>und</strong>en<br />

auf einige wenige Millisek<strong>und</strong>en<br />

Kapazität<br />

Mit 5G können viel mehr Geräte gleichzeitig Daten übertragen.<br />

Das ist wichtig, da heute innerhalb eines Tages so viele<br />

Daten übertragen werden wie vor fünf Jahren in einer Woche.<br />

Effi zienz<br />

Mit 5G wird das Netz nachhaltiger, da es nur noch 0,2 Watt<br />

für die Übertragung eines Megabytes Daten benötigt.<br />

Mit 2G sind es 5400 Watt.<br />

#<strong>003</strong> 21


«Unser Bandbreitenbedarf hat<br />

in den vergangenen zehn Jahren<br />

um 9900 Prozent zugenommen.»<br />

Matthias Jungen, Swisscom<br />

Inwieweit haben Sie die Forschung in diese Diskussionen<br />

mit einbezogen, um auf der sicheren Seite zu sein?<br />

Wir stützen uns auf die aktuelle wissenschaftliche Datenbasis,<br />

arbeiten aber auch mit Partneruniversitäten eng<br />

zusammen. So unterstützen wir beispielsweise die von<br />

Professor Thomas Dürrenberger geleitete Forschungsstiftung<br />

«Strom <strong>und</strong> Mobilkommunikation» an der ETH Zürich.<br />

Diese operiert unabhängig <strong>und</strong> entscheidet selbständig,<br />

woran geforscht wird. Generell lässt sich sagen, dass das<br />

Thema «Mobilfunk» sehr gut erforscht ist <strong>und</strong> bislang kein<br />

wissenschaftlicher Beleg erbracht werden konnte, dass<br />

es bei Einhaltung der Grenzwerte eine Kausalität zwischen<br />

Mobilfunk <strong>und</strong> ges<strong>und</strong>heitlichen Beeinträchtigungen gibt.<br />

Die Swisscom wirbt damit, dass 5G neue Chancen eröffnet.<br />

Inwiefern profitiert der gewöhnliche Konsument vom<br />

neuen Mobilfunk-Standard?<br />

Dieser profitiert beispielsweise von einer höheren Kapazität<br />

<strong>und</strong> Geschwindigkeit, die es für einen Echtzeitzugang<br />

auf Cloud-Gaming-Plattformen braucht. Ich kann mir aber<br />

auch sehr gut vorstellen, dass in Smartphones zukünftig<br />

360-Grad-Kameras verbaut sein oder diese sogar Hologramme<br />

projizieren werden. Dafür braucht es Bandbreite, ebenso<br />

wie für Augmented Reality, welches aus meiner Sicht<br />

in unserem Leben eine wichtige Rolle einnehmen wird.<br />

Sie haben die Bandbreite angesprochen. Wie hat sich diese<br />

in den vergangenen Jahren entwickelt?<br />

Erst jetzt hat Swisscom dazu eine neue Zahl veröffentlicht.<br />

Gemäss dieser nahm der Bandbreitenbedarf hier in der<br />

Schweiz in den vergangenen zehn Jahren um 9900 Prozent<br />

zu. Diese Zunahme zeigt, dass wir Technologien benötigen,<br />

welche diese Datenmengen auch verarbeiten können.<br />

Wenn der Datenverbrauch so zunimmt, wird es nicht lange<br />

dauern, bis 5G an seine Grenzen stossen wird. Arbeiten Sie<br />

im Hintergr<strong>und</strong> bereits an 6G?<br />

Nun sollten wir zunächst einmal 5G etablieren, bevor wir uns<br />

über den nächsten Schritt Gedanken machen. Irgendwann<br />

wird aber sicherlich eine Nachfolge-Technologie kommen,<br />

allerdings wird das ein fliessender Übergang sein. Wenn wir<br />

jetzt 5G einführen, wird sich dieses mit der Zeit schrittweise<br />

weiter verbessern <strong>und</strong> immer mehr an Kapazitäten bereitstellen.<br />

So wie das übrigens auch bei 4G der Fall war.<br />

22 #<strong>003</strong>


WIRELESS AUTOMATION / 5G<br />

Welche Möglichkeiten eröffnen sich für die hiesige<br />

Wirtschaft? Wird 5G am Ende zum Standortvorteil?<br />

Die Digitalisierung vernetzt nicht nur Dinge <strong>und</strong> Menschen,<br />

sondern sogar ganze Wertschöpfungsketten. Interessierte<br />

Unternehmen können spätestens ab dem Jahresende<br />

schweizweit erste 5G-Anwendungen testen, während in<br />

vielen Ländern noch nicht einmal mit dem Netzaufbau<br />

begonnen wurde. Das ist einmalig <strong>und</strong> auf jeden Fall ein<br />

Wettbewerbsvorteil für die Schweiz.<br />

Bezüglich Latenzzeiten <strong>und</strong> Zuverlässigkeit bringt 5G,<br />

zumindest in der Theorie, alle Voraussetzungen zur<br />

Steuerung von Werkzeugmaschinen mit. Was empfehlen Sie<br />

Herstellern, die 5G in ihre Maschinen integrieren wollen?<br />

5G bietet das technische Potenzial, Maschinen auf eine<br />

sehr flexible, aber dennoch sehr zuverlässige <strong>und</strong> qualitativ<br />

hochstehende Art zu vernetzen. Daher ist die Zeit jetzt<br />

reif zum Experimentieren, wie Maschinen mit 5G beispielsweise<br />

einfacher oder auch sicherer gemacht werden<br />

können. 5G bietet aber auch das Potenzial, neue Geschäftsmodelle<br />

zu erschliessen.<br />

Inwieweit unterstützt die Swisscom beim Design-In von 5G<br />

oder vielleicht sogar bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle?<br />

Die Vernetzung von Dingen ist unsere Kernkompetenz. Egal,<br />

ob es sich dabei um Dinge handelt, die irgendwo da draussen<br />

sind, oder Maschinen, die in einer Firma stehen. Wir<br />

vernetzen aber nicht nur, wir helfen die Daten abzugreifen,<br />

zu übersetzen, auszuwerten <strong>und</strong> in Umsysteme einzuspeisen,<br />

um dann intelligente Prozesse umsetzen zu können.<br />

Woher wissen Sie, welche Daten für den Maschinenbauer<br />

relevant sind?<br />

Das sind immer kollaborative Projekte. Der Maschinenbauer<br />

weiss ganz genau, wie er seine Maschinen auszulegen<br />

hat, damit diese dem Käufer beziehungsweise Anwender<br />

einen wirtschaftlichen Nutzen bringen. Wir hingegen<br />

verfügen über das Meta-Wissen, wie die erzeugten Daten<br />

sicher abgegriffen <strong>und</strong> ausgewertet werden können.<br />

Wir haben sehr viel über die Chancen von 5G gesprochen.<br />

Daher zum Schluss die abschliessende Frage, welche<br />

Risiken sehen Sie?<br />

Es braucht einen reflektierten Umgang mit neuen<br />

Technologien, sodass sie zum Wohle aller eingesetzt<br />

werden können. Im Falle jedes Einzelnen als Privatanwender<br />

braucht es unter Umständen aber auch etwas<br />

Selbstdisziplin – also sowas wie eine digitale Etikette.<br />

Ich persönlich lasse beispielsweise das Smartphone zu<br />

Hause, wenn ich mit meiner Partnerin essen gehe. Für<br />

Unternehmen bietet 5G aber auch sehr viele Chancen. Die<br />

Technologie hat das Potenzial, Geschäftsprozesse effizienter<br />

zu gestalten <strong>und</strong> Neues zu ermöglichen. Das Risiko<br />

besteht für Unternehmen aus meiner Sicht eher darin, dass<br />

sich ein Unternehmen diese neuen Chancen entgehen<br />

lässt, während die Mitbewerber sie nutzen.<br />

Swisscom | www.swisscom.ch<br />

#<strong>003</strong> 23


WIRELESS AUTOMATION / 5G<br />

WIRELESS AUTOMATION<br />

KOMMT ZUM ZUG<br />

Der Maschinenbau setzt schon seit längerer Zeit auf die drahtlose<br />

Kommunikation. Aber auch in anderen Branchen ist diese inzwischen<br />

fest etabliert. Ohne Wireless Automation, sagt Christian Vogt,<br />

Leiter Technik Architektur bei der SBB Telecom, wäre der Bahnverkehr<br />

in seiner heutigen Form nicht mehr möglich.<br />

Von Markus Back<br />

24 #<strong>003</strong>


PERSONENVERKEHR<br />

Gespräch mit:<br />

Christian Vogt, Leiter<br />

Technik Architektur<br />

bei der SBB Telecom<br />

Ab kommenden Dezember<br />

verbindet der Giruno von<br />

Stadler fahrplanmässig das<br />

Tessin mit der Deutschschweiz.<br />

Richtig Ampere aus der<br />

Oberleitung ziehen wird der Hochgeschwindigkeitszug<br />

im Gotthardbasistunnel,<br />

wo er mit bis zu 250 Sachen<br />

unterwegs sein wird. «Bei diesem<br />

Tempo ist es unmöglich, mit dem Auge<br />

Signale am Streckenrand zu erfassen»,<br />

sagt Christian Vogt. Damit dem Lokführer<br />

dennoch keine wichtigen Informationen<br />

entgehen, behilft sich die<br />

SBB eines simplen, aber effektiven<br />

Tricks. Im Gleisbett verbaute Balisen<br />

übertragen passiv über 12 MHz angeregt<br />

<strong>und</strong> moduliert alle relevanten Mitteilungen<br />

wie Höchstgeschwindigkeit,<br />

Signale <strong>und</strong> genauen Streckenstandort<br />

an den Kontrollrechner im Zugskopf<br />

(ECTS Level 1). Dies garantiert,<br />

dass alle relevanten Informationen sicher<br />

im Führerstand ankommen. Bei<br />

ETCS Level 2 wird in bestimmten Streckenabschnitten<br />

der Zug sogar durchgehend<br />

über Mobilfunk GSM-R mit Informationen<br />

versorgt.<br />

Dieses Verfahren der Informationsübertragung<br />

macht durchaus Sinn. Der<br />

sichere Blick auf Signale am Streckenrand<br />

lässt nämlich schon sehr viel früher<br />

als bei der Höchstgeschwindigkeit<br />

des Girunos nach. Bereits ab 160 St<strong>und</strong>enkilometern<br />

tut sich das menschliche<br />

Auge äusserst schwer damit, Hinweise<br />

neben der Strecke eindeutig zu<br />

identifizieren.<br />

Damit den Lokführern selbst bei Höchstgeschwindigkeit<br />

nichts entgeht, übertragen<br />

im Gleisbett verbaute Balisen alle<br />

relevanten Mitteilungen an den Kontrollrechner<br />

im Zugskopf. Bild: ©SBB CFF FFS<br />

Dynamische Fahrgastlenkung<br />

mit intelligenten Stoffbezügen<br />

Wo werden die verkehrenden Personen<br />

bei der SBB bislang mit Wireless Automation<br />

konfrontiert? «Im Moment kann<br />

man Bahnfahren, ohne darauf angewiesen<br />

zu sein», sagt Christian Vogt.<br />

Allerdings könnte sich das viel schneller<br />

als erwartet ändern – <strong>und</strong> das zum<br />

Vorteil des Reisenden. Die dynamische<br />

Fahrgastlenkung ist ein Thema, das<br />

beispielsweise auf der Agenda der SBB<br />

steht. Diese könnte es Zusteigenden<br />

eines Tages ersparen, sich vollbepackt<br />

auf der Suche nach einem freien Platz<br />

von Abteil zu Abteil zu quälen.<br />

«Wir haben schon heute relative gute<br />

Daten über die Zugauslastung», so<br />

Christian Vogt. Diese Daten sollen zukünftig<br />

mit Informationen von Drucksensoren<br />

in den Sitzen oder Signalen<br />

intelligenter Stoffbezüge kombiniert<br />

<strong>und</strong> dem am Bahnsteig Wartenden per<br />

App übermittelt werden. So kann sich<br />

dieser bereits vor der Einfahrt des Zugs<br />

in Position bringen <strong>und</strong> exakt durch die<br />

Türe zusteigen, welche dem freien Sitzplatz<br />

am nächsten ist. Ein anderes Thema,<br />

mit dem die SBB experimentiert,<br />

sind Beacons, die mit Hilfe einer App<br />

die Orientierung im Zug erleichtern sollen.<br />

Ob diese Feldversuche aber auch<br />

das Potenzial haben, zum Einsatz zu<br />

kommen, hängt von deren Technologie<br />

ab. Nur wenn diese extrem verlässlich<br />

<strong>und</strong> robust ist, ist sie dem Bahn-Alltag<br />

auch gewachsen.<br />

Schneller unterwegs<br />

mit Beacon-Technologie<br />

Im deutschen ICE ist Internet über<br />

WLAN Standard – wobei die Geschwindigkeit<br />

beim Surfen an ein Wettrennen<br />

zwischen Fabio Faultier <strong>und</strong> Siegfried<br />

Schildkröte erinnert. «Der Fahrgastverkehr<br />

im Zug muss über gekoppelte<br />

Uplink-Verbindungen an einen Mobilfunkprovider<br />

übergeben werden. Dort,<br />

wo diese Abdeckung schlecht ist,<br />

bringt auch das WLAN im Zug wenig»,<br />

kann sich Christian Vogt als eine mögliche<br />

Ursache für das atemberaubende<br />

Internet-Erlebnis zwischen Kassel <strong>und</strong><br />

Worms vorstellen.<br />

Daher arbeitet die SBB bereits seit<br />

Jahren gemeinsam mit den Mobilfunkanbietern<br />

an einer guten Abdeckung<br />

entlang der Schienen. Und diese<br />

Arbeit bringt permanent neue<br />

Früchte hervor. Den neuesten Clou<br />

dieser Kooperation erleben Reisende<br />

seit Juni dieses Jahres in 44 Intercity-Neigezügen,<br />

die mehrheitlich zwischen<br />

Zürich <strong>und</strong> Genf, St. Gallen <strong>und</strong><br />

Lausanne sowie zwischen Basel <strong>und</strong><br />

Biel verkehren. An Stelle von WLAN<br />

können diese den mobilen Datenverkehr<br />

auf ihrem Endgerät direkt per Beacon-Technologie<br />

über ihren Mobilfunkprovider<br />

freischalten. ››<br />

«Intelligente Stoffbezüge<br />

könnten eines Tages dabei<br />

helfen, am Bahnsteig Wartende<br />

per App die Türe zu zeigen,<br />

welche dem nächsten freien<br />

Sitzplatz am nächsten ist.»<br />

#<strong>003</strong> 25


WIRELESS AUTOMATION / 5G<br />

FAULHABER BXT<br />

Leistung in<br />

neuen<br />

Dimensionen<br />

GÜTERVERKEHR<br />

Der Rangierbahnhof Limmattal unmittelbar neben der A1 in<br />

Spreitenbach ist für eine Leistung von 300 Waggons in der St<strong>und</strong>e<br />

ausgelegt. Bei maximaler Auslastung rollt alle 12 Sek<strong>und</strong>en<br />

ein Waggon den Ablaufberg hinab, wonach Schnellläuferweichen<br />

ihn auf eines der 65 Gleise der Richtungsgruppe lenken.<br />

Damit der Güterwagen aber auch wirklich im Rheinhafen Basel<br />

<strong>und</strong> nicht etwa versehentlich im Zementwerk Wildegg ankommt,<br />

braucht es ausgeklügelte Technik. RFID ist dabei die<br />

Gr<strong>und</strong>lage für die Digitalisierung der Bahnlogistik, um Wagen zu<br />

identifizieren <strong>und</strong> ihre Position zu bestimmen.<br />

In Partnerschaft mit dem LoRA-WAN-Netz der Swisscom werden<br />

auch Versuche mit aktiven Sensoren an den Containern<br />

unternommen, welche die Geoposition, die Temperatur sowie<br />

Erschütterungen erfassen <strong>und</strong> senden. Damit können die Container<br />

auch nach der Übergabe an K<strong>und</strong>en verfolgt <strong>und</strong> deren<br />

sachgemässe Handhabung kontrolliert werden. Gleiches gilt<br />

auch für die Einhaltung der Kühlkette.<br />

FAULHABER Bürstenlose<br />

DC-Flachmotoren Baureihe BXT<br />

■ 14-Pol Aussenläufer-Motoren mit sehr<br />

hohen Dauerdrehmomenten von bis zu<br />

134 mNm <strong>und</strong> Leistungen bis 100 W<br />

■ Extrem kurze Bauform mit Längen von<br />

nur 14, 16 bzw. 21 mm, bei entsprechenden<br />

Durchmessern von 22, 32 bzw. 42 mm<br />

■ Innovative Wicklungstechnik<br />

■ Verfügbar mit <strong>und</strong> ohne Gehäuse<br />

www.faulhaber.com/p/bxt/de<br />

NEU<br />

«Die Verfügbarkeit von<br />

Wireless-Technologien<br />

ist ein Aspekt, den es zu<br />

berücksichtigen gilt.<br />

Die Wahrscheinlichkeit, dass<br />

diese unterbrochen wird,<br />

ist relativ gross.»<br />

Herausforderung – Wireless-Technologien sinnvoll kombinieren<br />

Die Möglichkeiten der drahtlosen Automation beschäftigen<br />

Christian Vogt immer wieder. «Jede dieser Technologien hat Eigenschaften,<br />

die sie für eine bestimmte Anwendung prädestinieren»,<br />

erzählt er. Die Herausforderung sei es, die richtigen<br />

Technologien sinnvoll zu kombinieren. Was er damit meint, verdeutlicht<br />

er am Beispiel des Rangierbahnhofs Limmattal, der<br />

sich über eine Fläche von 1 Million Quadratmetern erstreckt.<br />

«Wenn man das komplette Gleisfeld mit WLAN abdecken wollte,<br />

bräuchte es tausende von Zugangspunkten», so Christian Vogt.<br />

Neben der Reichweite sind die Störfestigkeit, die Bandbreite<br />

<strong>und</strong> die Verfügbarkeit der eingesetzten Technologie Aspekte, die<br />

es zu berücksichtigen gilt. Vor allem Letztere erfordert ein genaues<br />

Planen, wo was wann wie eingesetzt werden kann! «Die<br />

Wahrscheinlichkeit, dass die Verfügbarkeit unterbrochen wird,<br />

ist relativ gross», weiss der Leiter Technik Architektur aus langjähriger<br />

Erfahrung. Daher sind alle kritischen Wireless-Anwendungen<br />

fail safe ausgeführt. «Es kann also nichts passieren», so<br />

Christian Vogt <strong>und</strong> fügt an: «Im schlimmsten Falle stehen allerdings<br />

die Züge, was sich unmittelbar auf den geregelten Bahnverkehr<br />

auswirkt.» ››<br />

WE CREATE MOTION


Im Rangierverkehr sorgt<br />

Wireless Automation<br />

für reibungslose Abläufe.<br />

Bild: ©SBB CFF FFS<br />

RUBRIKTITEL<br />

#<strong>003</strong> 27


«Wenn alle Züge zur gleichen Zeit anfahren,<br />

ist das eine grosse Herausforderung<br />

für die Stabilität <strong>und</strong> den Spitzenbedarf<br />

des Stromnetzes. Wireless Automation<br />

hilft dabei, diese Stromspitzen zu brechen.»<br />

INFRASTRUKTUR<br />

Die UIC, die Union Internationale des<br />

Chemins de fer, befasste sich bei ihrem<br />

letzten Kongress Mitte Mai in Paris<br />

intensiv mit dem Thema 5G. Der<br />

neue Mobilfunkstand soll Herz des Future<br />

Railway Mobile Communication<br />

System (FRMCS) sein <strong>und</strong> das auf 2G<br />

basierende Global System for Mobile<br />

Communications – Railway (GSM-R)<br />

ablösen. «Das gestattet Quantensprünge<br />

<strong>und</strong> es wird vieles automatisiert<br />

werden, was heute noch halbautomatisiert<br />

ist», glaubt Christian Vogt. Als<br />

ein Beispiel nennt er vollautomatisierte<br />

Warnanlagen an Baustellen im<br />

Gleisfeld: «Wir wissen, wo der Zug ist<br />

<strong>und</strong> wir wissen genau, wann er kommt.<br />

5G wird genutzt, um die Warnanlage<br />

zu triggern.»<br />

Eine bessere Ausnutzung des vorhandenen<br />

Netzes ist ein weiterer<br />

Punkt, den 5G ermöglichen soll. Bisher<br />

sind die Infrastruktur-Abschnitte der<br />

SBB in Blöcke unterteilt, in denen erst<br />

ein Zug hineinfahren darf, wenn der<br />

vorherige diesen wieder verlassen hat.<br />

Da der Bahnverkehr aber immer dichter<br />

<strong>und</strong> die Geschwindigkeiten immer<br />

höher werden, bedarf es zukünftig<br />

variabler Blöcke beziehungsweise Abschnitte,<br />

in denen sich auch mehrere<br />

Fahrzeuge befinden können. Da 5G<br />

eine Echtzeitkommunikation gestattet,<br />

lässt sich der vorhandene Raum<br />

sehr viel besser nutzen als bisher, da<br />

die Züge automatisch anfahren, beschleunigen,<br />

bremsen <strong>und</strong> stoppen.<br />

Für die Lokführer bedeutet dies aber<br />

keineswegs die Bedeutungslosigkeit,<br />

28 #<strong>003</strong>


Damit der Taktfahrplan das<br />

Schweizer Stromnetz nicht zum<br />

Kollabieren bringt, fährt die<br />

SBB koordiniert übers komplette<br />

Streckennetz Wireless alle nicht<br />

zwingend benötigten Verbraucher<br />

herunter. Bild: ©SBB CFF FFS<br />

MECCAL I BOYD A A VID K UNZ E<br />

sondern eine andere Tätigkeit als bisher.<br />

Als Supervisionsstelle sind sie mit<br />

FRMCS die allerletzte Instanz, welche<br />

die verbaute Technik kontrolliert. Diese<br />

Aspekte werden von SmartRail 4.0<br />

bei der SBB vorangetrieben.<br />

Wireless Automation stabilisiert<br />

Stromnetz<br />

Wäre der Bahnverkehr in seiner heutigen<br />

Form ohne Wireless Automation<br />

so noch möglich? «Auf gar keinen<br />

Fall», ist Christian Vogt überzeugt. Die<br />

winzigen Helfer, verbaut in Gleisbetten,<br />

Containern oder Lokomotiven, erlauben<br />

überhaupt erst den effizienten<br />

<strong>und</strong> reibungslosen Betrieb, für den die<br />

SBB nicht nur in der Schweiz, sondern<br />

weltweit so geschätzt wird.<br />

Wireless Automation hilft sogar, das<br />

Schweizer Stromnetz stabil zu halten.<br />

Und das kommt so: Durch den Taktfahrplan<br />

erreichen sehr viele der Züge<br />

kurz vor der vollen St<strong>und</strong>e die Bahnhöfe<br />

<strong>und</strong> verlassen diese kurz nach<br />

dieser wieder. «Wenn nun alle Züge zur<br />

gleichen Zeit wieder anfahren, ist das<br />

eine grosse Herausforderung für die<br />

Stabilität <strong>und</strong> den Spitzenbedarf des<br />

Stromnetzes», so Christian Vogt. Um<br />

diese Spitzen zu brechen, fahren sämtliche<br />

Züge alle nicht wirklich zwingend<br />

benötigten Verbraucher herunter<br />

– im Winter beispielsweise die Heizungen,<br />

die sehr viel Strom ziehen.<br />

«Wenn diese für drei Minuten abgestellt<br />

sind, merkt das keiner», sagt<br />

Christian Vogt <strong>und</strong> schliesst: «Das<br />

ist eine Wireless-Automation-Anwendung,<br />

die über das komplette Streckennetz<br />

koordiniert ist <strong>und</strong> enorm<br />

viel bringt.»<br />

SBB AG | www.sbb.ch


RUBRIKTITEL<br />

«5G REDUZIERT<br />

KOMPLEXITÄT VON<br />

ANWENDUNGEN»<br />

Obwohl die flächendeckende Einführung von 5G in Europa noch einige Zeit<br />

dauern dürfte, ist der neue Mobilfunkstandard bereits in vielen Entwicklungsabteilungen<br />

gegenwärtig. Im Gespräch mit Dr.-Ing. Christian Bauer von der Firma Trumpf.<br />

30 #<strong>003</strong>


Von Markus Back (Text) <strong>und</strong> Susanne Seiler (Fotos)<br />

Sie sprachen Anfang Juli bei der VDI-Fachkonferenz<br />

in Baden-Baden über «5G in der industriellen Fertigung –<br />

(Un)Sinn?». Was war die Kernbotschaft Ihres Referats?<br />

Wie sich die Komplexität von Anwendungen mit 5G<br />

reduzieren lässt. Derzeit basiert jede Anwendung, sei es<br />

der Datentransfer vom Sensor bis in die Cloud oder<br />

aber die weltweite Vernetzung von Maschinen, auf sehr<br />

spezifischen Lösungen. 5G bietet das Potenzial, diese<br />

zu kon solidieren <strong>und</strong> damit die Komplexität zu reduzieren.<br />

Dazu ist aber jede einzelne Lösung zu hinterfragen, da<br />

sonst die Enttäuschung gross sein wird. Ich sehe nämlich<br />

die Gefahr, dass auch versucht werden wird, 5G in<br />

Anwendungen einzusetzen, für die er nicht geeignet ist.<br />

Damit wären wir beim Unsinn. Wo macht 5G aus Ihrer<br />

Sicht keinen Sinn?<br />

Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es beispielsweise absoluter<br />

Unsinn, jedes Kabel durch 5G ersetzen zu wollen. Gerade<br />

bei sicherheitsrelevanten Anforderungen, bei denen die<br />

Zerti fizierbarkeit <strong>und</strong> Überprüfbarkeit der Personensicherheit<br />

gegeben sein<br />

muss, bietet das Kabel<br />

«Es wäre absoluter<br />

Unsinn, jedes<br />

einzelne Kabel<br />

durch 5G ersetzen<br />

zu wollen.»<br />

bei den Übertragungszeiten<br />

sowie der<br />

Auslegung der<br />

Red<strong>und</strong>anz zumindest<br />

zum jetzigen Zeitpunkt<br />

gewisse<br />

Vorteile.<br />

Ein Argument von<br />

5G ist, dass dieses<br />

erst die flexible<br />

Produktion ermöglicht.<br />

Nun fahren<br />

aber in sämtlichen Zukunftsszenarien die Werkstücke zu<br />

den Maschinen <strong>und</strong> nicht umgekehrt. Wieso sollte man sich<br />

als Maschinenbauer dennoch mit diesem Thema befassen?<br />

Weil sich mit 5G beispielsweise neue Funktionen leichter<br />

in bestehende Maschinen integrieren lassen. Weitere<br />

Themen sind eine flexiblere Anbindung von Maschinen<br />

oder die konstruktive Aufhebung stark beanspruchter<br />

Bereiche, beispielsweise die Beseitigung stark beanspruchter<br />

Kabel, die brechen könnten. Mit dem Standard lassen<br />

sich aber auch die Grenzen der Intra-/Extralogistik<br />

überwinden <strong>und</strong> so eine lückenlose Verfolgung von<br />

Produkten relativ einfach umsetzen.<br />

Dr.-Ing. Christian Bauer<br />

In der Schweiz soll bis Jahresende 5G flächendeckend<br />

zur Verfügung stehen, in Deutschland beginnt der Ausbau<br />

des 5G-Netzes erst ab 2020. Global betrachtet dürften<br />

diese zeitlichen Unterschiede bei der 5G-Einführung<br />

kein einmaliges Phänomen sein. Inwieweit sollte das bei<br />

der Entwicklung neuer Maschinen beachtet werden?<br />

Die bisherigen Mobilfunkstandards orientierten sich am<br />

Consumermarkt, in dem die Produktlebenszeit bei maximal<br />

zwei Jahren liegt. Im Werkzeugmaschinenmarkt sind<br />

die Maschinen hingegen 15 bis 20 Jahre im Einsatz. Daher<br />

müssen Maschinenbauer längerfristig planen <strong>und</strong> sicher-<br />

#<strong>003</strong> 31


«Für die Maschinenkommunikation<br />

ist der Upstream das<br />

entscheidende Kriterium.»<br />

Dr.-Ing. Christian Bauer<br />

stellen, dass die Technologie auch noch in zehn bis<br />

15 Jahren funktioniert beziehungsweise ihre Maschinen<br />

so modular bauen, dass sich neue Technologien einfach<br />

integrieren lassen. Und das betrifft jetzt nicht nur 5G,<br />

sondern alle Digitalisierungstechnologien. In Zukunft<br />

geht es nicht mehr um die einzelne Maschine, sondern<br />

darum, wie sich diese dynamisch in eine bestehende<br />

Struktur einbinden lässt. Nur so wird nämlich der Wandel<br />

von der klassischen hin zur autonomen Fabrik gelingen.<br />

Was bedeutet das für das Engineering?<br />

Soft- <strong>und</strong> Hardware sind deutlich früher zusammenzubringen<br />

als bisher. Darüber hinaus muss sich das Engineering<br />

Gedanken machen, welche Daten zu erfassen sind oder<br />

welche vielleicht noch nicht jetzt, aber vielleicht in der<br />

Zukunft Sinn machen werden. Auch die Skalierbarkeit ist<br />

unheimlich wichtig, weshalb die Arbeit in interdisziplinären<br />

Teams deutlich zunehmen wird.<br />

Woher wissen Sie bei Trumpf, welche Daten in Zukunft<br />

Sinn machen werden? Holen Sie hierfür Fachhochschulen<br />

<strong>und</strong> Universitäten mit an Bord?<br />

Das ist genau die Kernaufgabe der Abteilung «Basistechnologie-Entwicklungen»,<br />

der ich angehöre. Wir sind neun<br />

Leute <strong>und</strong> befassen uns mit drei Themenfeldern. Das<br />

erste Thema ist das Technologie-Scouting, weshalb ich<br />

mich zum Beispiel intensiv mit 5G befasse. Der zweite<br />

Schwerpunkt ist die Gremiumsarbeit, beispielsweise in<br />

der «Plattform Industrie 4.0» oder der im vergangenen<br />

Jahr gegründeten «5G Alliance for Connected Industries<br />

and Automation», um aktiv an neuen Standards mit zu<br />

arbeiten. Dritter Aspekt unserer Arbeit sind Forschungskoope<br />

rationen, sei es in einschlägigen Förderprogrammen<br />

oder bilateral, wie mit dem Fraunhofer IPA. Ziel ist unter<br />

anderem den Praxisnutzen aktueller Forschung zu gewährleisten<br />

<strong>und</strong> Empfehlungen geben zu können, welche Daten<br />

in Zukunft Sinn machen werden.<br />

In der Theorie ist 5G mit Latenzzeiten von 1 ms <strong>und</strong> einer<br />

Zuverlässigkeit von 99,9999 Prozent bei der Datenübertragung<br />

dazu geeignet, Werkzeugmaschinen zu steuern.<br />

Welche weiteren Eigenschaften braucht es darüber hinaus?<br />

Zunächst einmal ist es wichtig zu prüfen, wie diese Werte<br />

in der Realität aussehen. Theoretische Werte auf dem<br />

32 #<strong>003</strong>


WIRELESS AUTOMATION / 5G<br />

Papier sind das eine, das andere ist die Wirklichkeit. Wie<br />

sehen diese Werte aus, wenn der Brückenkran durch die<br />

Halle fährt <strong>und</strong> das transportierte Blech zu Reflektionen<br />

führt? Aber selbst wenn die genannten Werte in der Praxis<br />

erreicht werden, sind weitere Punkte für die Integration<br />

entscheidend. Als Beispiele nenne ich hier Safety <strong>und</strong><br />

Security oder den Determinismus, dass man weiss, wie der<br />

Datentransport funktioniert. Wichtig ist auch die Bandbreite.<br />

Allerdings ist für die Maschinenkommunikation<br />

nicht wie im Consumerbereich der Downstream, sondern<br />

vielmehr der Upstream das entscheidende Kriterium.<br />

Das sind doch einige Punkte, die Sie da genannt haben.<br />

Würden Sie sich denn schon trauen, Ihre Maschinen über<br />

5G zu steuern?<br />

Gegenfrage, welche Ansprüche haben Sie an die Genauigkeit?<br />

Sicherheitskritische Funktionen würde ich zum<br />

jetzigen Zeitpunkt nicht über 5G steuern, schlicht deshalb,<br />

weil es noch nicht ausspezifiziert ist. Derzeit sind noch<br />

immer nicht alle für die Industrie relevanten Themen<br />

abgedeckt.<br />

Für Unternehmen sollen bestimmte Frequenzbänder<br />

freigehalten werden, damit diese beispielsweise hochsicherheitskritische<br />

Anwendungen nicht übers allgemeine<br />

Mobilfunk-Netz laufen lassen müssen. Damit wäre<br />

sicherheitstechnisch ja alles getan, oder?<br />

Ein ganz klares «Nein»! Sie erhalten zwar ein lizenziertes<br />

Frequenzband <strong>und</strong> haben damit die Rechtssicherheit, dass<br />

dieses kein anderer benutzen darf, aber das ist noch lange<br />

keine technische Sicherheit. Um diese zu gewährleisten,<br />

müsste die gesamte Data-Security mit dazukommen, wie<br />

beispielsweise die Verschlüsselung der Daten. Für die<br />

Personensicherheit braucht es darüber hinaus die Zuverlässigkeit<br />

bei den Latenzen sowie der Datenübertragung.<br />

Der Einstieg in «Wireless Automation/5G» ist mit einem<br />

gewissen Initialaufwand verb<strong>und</strong>en. Können diesen<br />

bestehende Entwicklungsabteilungen überhaupt stemmen<br />

oder bedarf es zusätzlicher Investitionen?<br />

Diese zusätzlichen Investitionen braucht es auf jeden Fall,<br />

selbst wenn es nur darum geht, den Mitarbeitern die<br />

Freiheit zu geben, sich in die Thematik einzuarbeiten.<br />

Die Herausforderungen sind hierbei der interne Wissensaufbau,<br />

um überhaupt f<strong>und</strong>ierte Entscheidungen treffen<br />

zu können, <strong>und</strong> die Suche nach externen Partnern, die<br />

in diesem Bereich über eine entsprechende Expertise<br />

verfügen. Meiner Meinung nach wäre es ein Fehler, diese<br />

komplett selbst aufzubauen zu wollen, da diese, wenn überhaupt,<br />

nur mit sehr grossen Investitionen zu erlangen ist.<br />

Welche persönliche Empfehlung geben Sie Unternehmen,<br />

die ins Thema «Wireless Automation/5G» einsteigen<br />

wollen?<br />

Sie sollten ähnlich wie wir bei Trumpf vorgehen. Zunächst<br />

sollten sie Wissen aufbauen, um f<strong>und</strong>ierte Entscheidungen<br />

treffen zu können, danach geeignete Partner suchen <strong>und</strong><br />

nicht zwingend alles auf 5G umstellen wollen. Sie sollten<br />

genau prüfen, wo es einen Mehrwert bietet, dort anfangen,<br />

lernen <strong>und</strong> schliesslich skalieren. Also nicht gleich von<br />

null auf h<strong>und</strong>ert, sondern schrittweise mit einer guten<br />

Strategie das Thema angehen.<br />

Erfahren Sie unter www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch,<br />

was Dr.-Ing. Christian Bauer bezüglich Datensicherheit<br />

bei «Wireless Automation/5G» rät.<br />

Trumpf GmbH & Co. KG | www.trumpf.com<br />

Dr.-Ing. Christian Bauer<br />

Der 39-Jährige promovierte am Karlsruher Institut für Technologie<br />

(KIT) über humanoide Robotik, bevor er 2012 zu Trumpf<br />

wechselte. Dort befasste er sich zunächst mit der nutzbringenden<br />

Anwendung von OPC UA im Maschinenbau, war danach<br />

für einzelne Forschungsprojekte in der Smart Service Welt<br />

verantwortlich <strong>und</strong> leitete zudem ein gemeinsames Teilprojekt<br />

mit dem Fraunhofer IPA, bei dem es um die selbststeuernde<br />

Produktion ging. Als Mitglied der Abteilung «Basistechnologie-<br />

Entwicklungen» bei Trumpf befasst er sich aktuell unter<br />

anderem mit dem Einsatz von 5G im Maschinenbau. Hier<br />

repräsentiert er Trumpf in der «5G Alliance for Connected<br />

Industries and Automation – 5G-ACIA» <strong>und</strong> ist dort auch<br />

gewähltes Mitglied im Board. In seiner Freizeit steht seine<br />

Familie an erster Stelle, für die er, wenn es seine Zeit zulässt,<br />

sehr gerne kocht.<br />

#<strong>003</strong> 33


SICHERES BEDIENEN<br />

UND BEOBACHTEN<br />

Mit Drahtlos-Technologien können moderne Automatisierungskonzepte<br />

sinnvoll <strong>und</strong> kostengünstig realisiert werden.<br />

Das WLAN-Panel HGW 1033-3 von Sigmatek ist eine mobile <strong>und</strong> zugleich<br />

sichere Lösung zum Bedienen <strong>und</strong> Beobachten von Maschinen.<br />

Smart Factories verlangen flexible<br />

Maschinen- <strong>und</strong> Bedienkonzepte.<br />

Flexibilität ist<br />

auch in der Maschinenbedienung<br />

gefragt. Mit dem WLAN-Panel<br />

HGW 1033-3 kann sich der Bediener im<br />

Maschinen- <strong>und</strong> Anlagenumfeld frei<br />

bewegen, ohne auf die Kabellänge<br />

Rücksicht nehmen zu müssen. Dank<br />

integrierter Safetyfunktionen ist er<br />

dabei trotzdem sicher unterwegs<br />

<strong>und</strong> hat die Visualisierung immer<br />

griffbereit. Dies erleichtert beispielsweise<br />

die Inbetriebnahme weitläufIger<br />

Maschinen. Das 10,1-Zoll-Multitouch-<br />

Glasdisplay gestattet hierbei eine intuitive<br />

Bedienung mit Mehrfinger-<br />

Gesten. Der Maschinenbediener hat<br />

die Informationen <strong>und</strong> Daten dabei in<br />

übersichtlicher Form auf der mobilen<br />

<strong>und</strong> drahtlosen Bedienoberfläche immer<br />

im Blick. Für fast blindes Bedienen<br />

im Einrichtebetrieb kann das<br />

HGW 1033-3 optional mit Drehgebern<br />

ausgestattet werden.<br />

Ein WLAN-Panel für verschiedene<br />

Aufgaben<br />

Passend zum mobilen Bedienpanel<br />

wurde die Basisstation BWH 001 ent-<br />

wickelt. Beide Einheiten sind mit einem<br />

Dualcore-Edge2-Prozessor ausgestattet<br />

<strong>und</strong> unterstützen die OPC-<br />

UA-Kommunikation. Die Basisstation<br />

dient als Gateway mit Docking- <strong>und</strong><br />

Ladefunktion. Neben dem Wireless-Link<br />

zum HGW 1033-3 stehen<br />

zwei Ethernet-Schnittstellen zur flexiblen<br />

Einbindung ins System zur<br />

Verfügung. Wenn der Bediener das<br />

mobile Panel gerade nicht benötigt,<br />

kann er es in die Basisstation einhängen.<br />

Eine intelligente Schaltung startet<br />

den Ladevorgang automatisch. Die<br />

Laufzeit des HGW 1033-3 beträgt in vol-<br />

Das WLAN-Panel HGW 1033-3<br />

mit Safety-Funktionen bietet<br />

grosse Bewegungsfreiheit<br />

r<strong>und</strong> um die Maschine. Bilder:<br />

Sigmatek<br />

34 #<strong>003</strong>


WIRELESS-PANEL<br />

lem Betrieb bis zu<br />

zwei St<strong>und</strong>en. Das Wireless-Panel<br />

kann für<br />

mehrere Maschinen zugleich<br />

genutzt werden. Wo bisher<br />

für jede Einzelmaschine in einer verketteten<br />

Produktionsanlage ein teures,<br />

fest installiertes Bedienterminal<br />

notwendig war, kann der Techniker<br />

über das mobile Panel auf Maschinen<br />

zugreifen. Dabei wird es mit dem entsprechenden<br />

Anlagenteil gekoppelt<br />

<strong>und</strong> ermöglicht anschliessend die sichere<br />

Bedienung der Maschine. Die<br />

Kopplung erfolgt mittels optischem<br />

Feedback <strong>und</strong> auf der integrierten<br />

7-Segmentanzeige ist eindeutig ersichtlich,<br />

mit welchem Maschinenbeziehungsweise<br />

Anlagenteil das Panel<br />

gerade verb<strong>und</strong>en ist.<br />

Safety-Signale über WLAN<br />

Das HGW 1033-3 verfügt über TÜV-zertifizierte<br />

Sicherheitsfunktionen wie<br />

Not-Halt, Schlüsselschalter <strong>und</strong> Zustimmtaster.<br />

Ein aktiv-leuchtender<br />

Not-Halt zeigt dem Bediener, dass die<br />

Sicherheitselemente korrekt ins System<br />

eingeb<strong>und</strong>en sind. Basierend auf<br />

dem Black-Channel-Prinzip werden<br />

die sicherheitsgerichteten Signale<br />

über WLAN zur Safety-Steuerung der<br />

Maschine oder Anlage übertragen.<br />

Entscheidend beim Einsatz von drahtlos<br />

kommunizierenden Geräten sind<br />

die Verfügbarkeit <strong>und</strong> der Datendurchsatz<br />

des Funknetzwerks. Das HGW<br />

1033-3 arbeitet mit red<strong>und</strong>anter Datenübertragung<br />

auf separaten 2,4-GHz<strong>und</strong><br />

5-GHz-Frequenzbändern. Ein zusätzliches<br />

Feature ist die zertifizierte<br />

Funktion Optional Switch. Diese ermöglicht<br />

es, Sicherheitseinrichtungen<br />

in der Safety-Applikation passwortgeschützt<br />

über das HMI aktiv oder inaktiv<br />

zu schalten. Auch die Registrierung<br />

mobiler Einheiten wird dynamisch in<br />

der Applikation abgewickelt.<br />

Sigmatek | www.sigmatek.ch<br />

TuWprint+<br />

Lesen Sie das<br />

ergänzende Interview<br />

mit Beat Meili,<br />

Geschäftsführer Sigmatek<br />

Schweiz, auf<br />

www.technik-<strong>und</strong>wissen.ch<br />

Optionale Drehgeber am HGW 1033<br />

ermöglichen ein fast blindes<br />

Bedienen von Maschinen <strong>und</strong><br />

Anlagen im Einrichtebetrieb.<br />

S-DIAS-Safety-System<br />

Wireless Safety wird künftig vermehrt im Umfeld von Industrie-4.0-Anwendungen zum Einsatz<br />

kommen. Als Sicherheitssteuerung ist bei Automatisierungslösungen von Sigmatek das modulare<br />

S-DIAS-Safety-System im Einsatz, das den sicherheitsgerichteten Datenaustausch über den<br />

Systembus, Ethernet TCP/IP-Netzwerke <strong>und</strong> auch drahtlos über WLAN ermöglicht. Mit S-DIAS<br />

kann wireless Safety platzsparend <strong>und</strong> gleichzeitig kostengünstig umgesetzt werden. Eine<br />

Kombination aus Standard-CPU, Safety Controller <strong>und</strong> Safety I/O ergibt eine schlanke Sicherheitslösung<br />

für die Hutschiene. Für die Funkübertragung werden gängige WLAN-Access-Points<br />

eingesetzt. Somit lässt sich WLAN auch nutzen, um Teile von Gesamtanlagen, wie beispielsweise<br />

fahrerlose Transportfahrzeuge, nahtlos in übergreifende Sicherheitskonzepte einzubinden.<br />

Mit dem S-DIAS-System lässt sich wireless Safety flexibel, platzsparend <strong>und</strong> kostengünstig<br />

umsetzen. Für die Funkübertragung werden gängige WLAN-Access-Points eingesetzt.<br />

#<strong>003</strong> 35


TECHNISCHES RUBRIKTITEL ENGLISCH<br />

BRUSH IT UP!<br />

Schaltschranklose Antriebstechnik durch<br />

konsequente Dezentralisierung<br />

Reduzierte sich der Anschluss der AMP8000-<br />

Antriebe an den Schaltschrank mit den Koppelmodulen<br />

bisher schon auf nur eine Leitung,<br />

entfällt diese beim Einsatz des Versorgungs moduls<br />

AMP8620 komplett.<br />

Durch den damit entfallenden Schaltschrank<br />

werden der Stellflächenbedarf <strong>und</strong> der Verkabelungsaufwand<br />

für die gesamte Maschine nochmals<br />

reduziert.<br />

Zudem entstehen keine Aufwendungen für<br />

die ansonsten erforderliche Schaltschrankklimatisierung.<br />

Das AMP8620-Modul wird direkt an das<br />

Versorgungsnetz angeschlossen.<br />

Es enthält alle hierfür benötigten Schaltungs teile<br />

wie Netzfilter, Gleichrichter <strong>und</strong> Lade schaltung<br />

für die integrierten Zwischenkreiskondensatoren.<br />

An das Versorgungsmodul lassen sich wahl weise<br />

weitere Verteilermodule oder dezentrale Servoantriebe<br />

AMP8000 anschliessen.<br />

Es verfügt über zwei EtherCAT-P-Ausgänge, über<br />

die entweder EtherCAT-P-Module versorgt oder<br />

zum Systemausbau benötigte weitere Versorgungsmodule<br />

kontaktiert werden können.<br />

Das im Versorgungsmodul integrierte sichere<br />

24-V-Netzteil sorgt dafür, dass die Logik-<br />

Spannungsversorgung das zulässige Niveau<br />

nicht überschreitet.<br />

Drive technology without control cabinets<br />

through consistent decentralisation<br />

While previously with the coupling modules, the<br />

requirements for connecting distributed AMP8000<br />

drives to the control cabinet were already reduced to<br />

just one cable, they can now be completely eliminated<br />

when the AMP8620 supply module is used.<br />

Eliminating the need for a control cabinet further<br />

reduces the floor space and cabling requirements<br />

for the entire machine.<br />

The air conditioning resources, which would<br />

otherwise be necessary for control cabinet cooling,<br />

can also be eliminated.<br />

The AMP8620 module is directly connected<br />

to the mains supply.<br />

It contains all circuitry components required<br />

for that purpose, such as mains filters, rectifiers<br />

and charging circuits for the integrated DC link<br />

capacitors.<br />

The supply module enables optional connection<br />

of additional distribution modules or distributed<br />

AMP8000 Servo Drives.<br />

It is equipped with two EtherCAT P outputs, through<br />

which either EtherCAT P modules can be supplied<br />

or else additional supply modules can be connected<br />

that may be required for system expansion.<br />

The safe 24 V power supply unit integrated in<br />

the supply module ensures that the logic power<br />

supply does not exceed the permissible level.<br />

Wie würden Sie den Text übersetzen? Versuchen Sie es<br />

einfach, Satz für Satz. Der deutsche Text in dieser «Brush it<br />

up»-Rubrik wie auch die englische Übersetzung stammen<br />

von einer Pressemitteilung der Firma Beckhoff. Bild: Beckhoff<br />

36 #<strong>003</strong>


RUBRIKTITEL<br />

NEWS IN<br />

ZAHLEN<br />

Zahlen sagen mehr als 1000 Worte. Darum kurz <strong>und</strong> knapp die wichtigsten Nachrichten<br />

in Ziffern: vom abgeschobenen Urkilogramm bis zu den aufstrebenden ETHZ-Start-ups.<br />

237 900<br />

TONNEN<br />

Die Schweizer Aluminiumindustrie steigerte 2018<br />

die Gesamtproduktion um 3,3 % auf 237 900 Tonnen.<br />

3<br />

MAL IN FOLGE<br />

ABB ist zum dritten Mal<br />

in Folge als beliebteste Arbeit -<br />

geberin für Ingenieurstudierende<br />

ausgezeichnet worden.<br />

34 027<br />

BESUCHER<br />

6<br />

ETHZ-JUNG-<br />

UNTERNEHMEN<br />

Die W.A. de Vigier Stiftung prämierte<br />

dieses Jahr 10 Start-ups. 6 davon gingen<br />

an Jungunternehmen der ETHZ.<br />

Das ist die offizielle Besucherzahl der beiden<br />

Messen Prodex/Swisstech. Ein Erfolg in der<br />

doch sehr angespannten Schweizer Messelandschaft. 60<br />

1<br />

KILOGRAMM<br />

Das Urkilogramm in Paris<br />

ist nun im Ruhestand.<br />

Neu ergibt sich der exakte<br />

Wert von 1 Kilogramm<br />

aus dem planckschen<br />

Wirkungsquantum.<br />

250<br />

NANOMETER<br />

Nochmals ETHZ: Dort wurde ein 3D-Druck-Verfahren<br />

entwickelt mit einer Auflösung von 250 Nanometern bei<br />

einer Druckgeschwindigkeit von 10 Voxeln pro Sek<strong>und</strong>e.<br />

PROZENT<br />

Swissmem-Mitglieder haben seit 1990 ihren<br />

CO 2 -Ausstoss um ganze 60 % reduziert.<br />

112<br />

ARBEITSPLÄTZE<br />

Maxon Motor fasst Fuss in<br />

Massachusetts <strong>und</strong> baut dort eine<br />

neue Produktionsstätte, wo bis<br />

2021 insgesamt 112 Arbeitsplätze<br />

geplant sind.<br />

#<strong>003</strong> 37


Kurznachrichten<br />

Hightech-Start-up startet durch<br />

Vor vier Jahren wurde die ReseaTech GmbH gegründet,<br />

welche Messgeräte für kleinste Flüssigkeitsmengen<br />

herstellt. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Finanzierungsr<strong>und</strong>e<br />

kann das Spin-off der Berner Fachhochschule<br />

nun seine Technologie weiter vorantreiben.<br />

CEO Simon Zumbrunnen (links) <strong>und</strong> CTO Philipp Haslebacher<br />

der ReseaTech GmbH.<br />

Im Mai 2015 haben Simon Zumbrunnen <strong>und</strong> Philipp<br />

Haslebacher, zwei Absolventen der Berner Fachhochschule<br />

BFH, das Hightech Start-up ReseaTech gegründet.<br />

Das Jungunternehmen mit Sitz in Burgdorf stellt<br />

Messgeräte für Flüssigkeitsmengen im Mikroliterbereich<br />

her, die insbesondere von Herstellern der Biotechnologieoder<br />

Medizintechnik-Branche benötigt werden. Im Mai<br />

2019, r<strong>und</strong> vier Jahre nach der Gründung, hat ReseaTech<br />

nun erfolgreich eine Finanzierungsr<strong>und</strong>e mit privaten<br />

Investoren durchgeführt. Mit dem Investitionskapital kann<br />

das Jungunternehmen seine Technologie weiter vorantreiben<br />

<strong>und</strong> seinen K<strong>und</strong>enstamm in der Schweiz <strong>und</strong> dem<br />

nahegelegenen Ausland aufbauen. Beispielsweise soll sich<br />

der Dosiersensor «Pulsed Flow Sensor» auf dem Markt<br />

etablieren. «Dieser Dosiersensor ist der schnellste seiner<br />

Klasse <strong>und</strong> kann Flüssigkeitstropfen von Nano-bis Mikroliter<br />

sehr präzise erkennen», sagt Zumbrunnen. «Das<br />

System kommt zum Beispiel in biotechnologischen<br />

Prozessen, in der Halbleiterindustrie oder in Abfüllanlagen<br />

von Flüssigprodukten zum Einsatz», führt der 34-jährige<br />

Jungunternehmer weiter aus.<br />

www.reseatech.ch<br />

SWISS INDUSTRY 4.0 CONFERENCE<br />

Inspiration finden oder gar einen Award gewinnen?<br />

Wer praxisnahe Inputs sucht, um<br />

Digitalisierungsprojekte voranzutreiben,<br />

sollte die Swiss Industry 4.0<br />

Conference besuchen. Auch die<br />

Teilnahme am Award könnte sich<br />

lohnen.<br />

Die Digitalisierung <strong>und</strong><br />

ihre Themen sind aus der<br />

Industrie nicht mehr weg -<br />

zudenken. Täglich erscheinen<br />

neue Produkte <strong>und</strong> Dienstleistungen,<br />

die künstliche Intelligenz<br />

integriert haben, IoT-Technologien<br />

vereinen, das Plattformdenken<br />

fördern oder die mittels disruptiver<br />

Geschäftsmodelle neue Wege in<br />

der Vermarktung gehen. Es ist eine<br />

aufregende Zeit für Industrieunternehmen.<br />

Aber es ist auch eine Zeit, in<br />

der praxisnahe Inputs gesuchter sind<br />

als jemals zuvor. Und hier spielt die<br />

Swiss Industry 4.0 Conference für die<br />

Schweizer Industrie eine bedeutende<br />

Rolle. Denn an der Praxisveranstaltung<br />

zum Thema Digitalisierung <strong>und</strong><br />

Digitale Transformation treffen sich<br />

jährlich mehr als 300 Führungskräfte,<br />

die mit ihren Unternehmen Chancen<br />

der Industrie 4.0 nutzen wollen <strong>und</strong><br />

den Austausch mit Experten <strong>und</strong><br />

weiteren Praxisvertretern suchen.<br />

Dieses Jahr findet die Swiss Industry<br />

4.0 Conference am 19. September<br />

von 13 bis 19 Uhr im Kongresszentrum<br />

Trafo in Baden statt. Das Highlight<br />

wird auch dieses Jahr die Vergabe des<br />

mit 10 000 Franken dotierten Swiss<br />

Industry 4.0 Award sein. Mit der<br />

Vergabe des Awards wird jährlich ein<br />

Unternehmen, eine Organisation oder<br />

ein Projekt ausgezeichnet, das in der<br />

praktischen Umsetzung der Digitalisierungskonzepte<br />

der sogenannten<br />

Industrie 4.0 einen bemerkenswerten<br />

Beitrag für die Entwicklung der<br />

automatisierten Wirtschaft in der<br />

Schweiz leistet.<br />

www.industry40.ch/award<br />

38 #<strong>003</strong>


TuWprint+<br />

Lesen Sie das<br />

Interview mit<br />

Boije Widrig unter<br />

www-technik-<strong>und</strong>wissen.ch<br />

ZITAT DES MONATS<br />

«Wenn ich das Beste<br />

gegeben habe, kann<br />

ich ja nicht von mir<br />

selbst enttäuscht sein.»<br />

Boije Widrig, WorldSkills-Teilnehmer Kazan<br />

Boije Widrig aus Chur ist<br />

einer von 42 jungen<br />

Berufsleuten, welche<br />

die Schweiz bei den<br />

WorldSkills Competitions vom<br />

22. bis 27. August 2019 im russischen<br />

Kazan vertreten werden.<br />

Der 20-Jährige, der in der Kategorie<br />

«18 – Elektroinstallateure»<br />

auf Medaillenjagd gehen<br />

wird, hat sich bei diesen einen<br />

Platz auf den vorderen Rängen<br />

zum Ziel gesetzt. Sollte dieses<br />

ehrgeizige Vorhaben trotz monatelanger<br />

Vorbereitung nicht<br />

gelingen, bricht für den sympathischen<br />

Graubündner keine<br />

Welt zusammen – sofern er<br />

während des mehrtägigen Vergleichs<br />

sein Bestmögliches gegeben<br />

hat.<br />

Bild: Susanne Seiler<br />

ZUSAMMENARBEIT AUF AUGENHÖHE.<br />

Mensch <strong>und</strong> Roboter rücken enger zusammen. Dabei spielen Sensoren von SICK eine entscheidende Rolle. Egal ob<br />

Robot Vision, Safe Robotics, End-of-Arm Tooling oder Position Feedback – SICK-Sensoren befähigen den Roboter zu<br />

präziserer Wahrnehmung. Und ermöglichen damit Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Wir finden das intelligent.<br />

www.sick.ch/robotik


RUBRIKTITEL<br />

AUFBAU<br />

EINER 3D-DRUCK-<br />

ABTEILUNG<br />

Irgendwann kommt eine Zeit für fast jedes Industrieunternehmen,<br />

um sich mit der additiven Fertigung zu befassen. Eines sollte man hierbei bedenken:<br />

Einen 3D-Drucker in die Produktion zu stellen, reicht nicht.<br />

Und darum steht über allem die Frage: Selber drucken oder extern herstellen lassen?<br />

40 #<strong>003</strong>


ADDITIVE MANUFACTURING<br />

Von Eugen Albisser (Text) <strong>und</strong><br />

Ruben Sprich (Fotos)<br />

Wer eine ausgewogene<br />

<strong>und</strong> schön gezogene<br />

Wachstumskurve sehen<br />

möchte, der kann sich<br />

die globale Marktentwicklung der additiven<br />

Fertigung im Industriesektor<br />

bis ins Jahr 2027 im Smartech-Report<br />

«2019 Additive Manufacturing Market<br />

Outlook and Summary of Opportunities»<br />

anschauen. Das Diagramm zeigt<br />

einen stetigen Anstieg, nicht unbändig,<br />

wie man sich das teils erhoffte,<br />

aber im 2018 um 18 Prozent zulegend<br />

<strong>und</strong> dann immer so weiter.<br />

Ab in die 3D-gedruckte Grossserie<br />

Mit 9,3 Milliarden Dollar Umsatz rechnen<br />

die Analysten von «Smartech Publishing»<br />

im 2018 <strong>und</strong> im 2027 werden<br />

es mehr als 40 Milliarden sein – das<br />

Zeitalter des industriellen 3D-Drucks<br />

hat also offiziell begonnen. Die Wahrscheinlichkeit,<br />

dass dieser Zuwachs an<br />

additiver Fertigungsleistung verstreut<br />

stattfinden wird, ist hoch. Überdurchschnittlich<br />

viel investieren werden<br />

zwar weiterhin jene Firmen, die bereits<br />

von der Technologie profitieren. Aber<br />

auch Tausende von KMU, die noch mit<br />

traditionellen Fertigungstechnologien<br />

unterwegs sind, werden sich innerhalb<br />

der nächsten Jahre mit dem Additive<br />

Manufacturing (AM) befassen. Denn<br />

längst sind die neusten Druckergenerationen<br />

soweit, dass auch mittlere Serien<br />

kein Problem mehr darstellen <strong>und</strong><br />

teilweise gelingt bereits der Sprung zu<br />

mittelgrossen Serien. Es ist nur noch<br />

eine Frage der Zeit, bis auch 100 000<br />

Stück so schnell <strong>und</strong> kostengünstig<br />

gedruckt werden können wie mit<br />

nicht-additiven Verfahren.<br />

Dass der Einstieg ins Additive<br />

Manufacturing aber nicht einfach ist,<br />

erkennt man bereits daran, wie verwirrend<br />

es ist, sich einen Überblick<br />

zu verschaffen über die industriell<br />

bedeutsamen additiven Verfahrensfamilien.<br />

Da gibt es zum Beispiel<br />

die Polymerisation mit der Laser-<br />

Stereo lithographie, den Polymerdruck,<br />

das Selektive Lasersintern, das Selektive<br />

Laserschmelzen, das Elektronenstrahlschmelzen,<br />

das Schicht-Laminat-Verfahren<br />

oder überhaupt das<br />

3D-Drucken. Dazu gesellen sich die<br />

von den Herstellern daraus entwickelten<br />

Verfahren <strong>und</strong> Bezeichnungen <strong>und</strong><br />

schon ist eine gewisse Konfusion da.<br />

Ein 3D-Drucker reicht noch nicht<br />

Doch eines ist gewiss: Jeder Hersteller<br />

von 3D-Druckern, Händler <strong>und</strong><br />

Dienstleister in der Branche wird anhand<br />

der herzustellenden Produkte<br />

<strong>und</strong> der möglichen Losgrösse wissen,<br />

welche Technologie am besten eingesetzt<br />

werden muss. «Es geschieht oft,<br />

dass K<strong>und</strong>en mit einem subtraktiv gefertigten<br />

Bauteil kommen <strong>und</strong> fragen:<br />

‹Kann ich das 3D-Drucken <strong>und</strong> wie<br />

teuer wird es dann?›», sagt Roberto<br />

Liberato, Geschäftsführer der Firma<br />

Alphacam Swiss GmbH, welche die<br />

Drucker des Herstellers Stratasys in<br />

der Schweiz verkaufen. Das sei ein guter<br />

Anfang, findet Liberato. Man habe<br />

sich dann zumindest damit befasst,<br />

dass ein Bauteil mittels additiver Fertigung<br />

hergestellt werden könnte,<br />

vielleicht kostengünstiger, im besten<br />

Fall konstruktiv anders.<br />

Schnell aber tauchen andere grosse<br />

Fragen auf: Sollen wir es selber drucken?<br />

Ist es mit der Investition in<br />

einen 3D-Drucker getan? Oder soll man<br />

die Bauteile extern fertigen lassen?<br />

Überhöhte Erwartungen sind schlecht<br />

für alle Beteiligten <strong>und</strong> deshalb gehen<br />

die Meinungen bei Dienstleistern<br />

wie auch Herstellern nicht weit auseinander:<br />

«Es ist tatsächlich nicht so,<br />

dass man einen 3D-Drucker kauft, die<br />

vorhandenen CAD-Daten einliest <strong>und</strong><br />

aus dem Drucker kommt das fertige<br />

Teil», sagt Roberto Liberato. Und<br />

auch Ralf Schindel, Geschäfts führer<br />

des 3D-Druckpioniers <strong>und</strong> Dienstleistungsunternehmen<br />

Prodartis weiss:<br />

«Um eine professionelle additive<br />

Fertigung zu erreichen, muss man so<br />

viel Aufbauarbeit reinstecken, dass<br />

man nicht davon reden sollte, einen<br />

3D-Drucker zu kaufen, sondern eine<br />

3D-Druck-Abteilung aufzubauen.» ››<br />

#<strong>003</strong> 41


Oben links: Roberto Liberato, Alphacam:<br />

«Material zum Kilopreis von 20 Franken<br />

hat auch eine 20-Franken-Qualität.»<br />

Doppelt hält besser: Zwei Mitarbeiter, zwei 3D-Drucker<br />

Nicht eine Maschine kaufen, sondern eine Abteilung aufbauen.<br />

Diesen Satz sollte man sich merken! Denn er gibt<br />

eine Reise vor, auf die man sich einlassen sollte. Und eine<br />

solche Abteilung besteht nicht nur aus einer Maschine <strong>und</strong><br />

einem Mitarbeiter, der diese neben seiner anderweitigen<br />

Arbeit – zum Beispiel als Konstrukteur – noch bedient. «Ich<br />

würde empfehlen, mindestens zwei Mitarbeiter auszubilden.<br />

Einer soll die Hauptverantwortung tragen. Ein Gr<strong>und</strong><br />

dafür: So kann die gefertigte <strong>und</strong> gelieferte Qualität eher<br />

konstant gehalten werden», sagt Ralf Schindel.<br />

Was oft auch nicht einberechnet wird, so Schindel, seien<br />

mögliche Produktionsunterbrüche wegen Maschinenproblemen<br />

oder Wartungseinsätzen. Um eine konstant gute<br />

Produktionssicherheit zu gewährleisten, sei schnell einmal<br />

die Investition in eine zweite Maschine zu überlegen – auch<br />

wenn der Support durch die Maschinenhersteller <strong>und</strong> deren<br />

Partner stimme. Roberto Liberato würde nicht ganz so weit<br />

gehen. «Die Wartung sind bei unseren Stratasys-Maschinen<br />

nicht sehr umfangreich», sagt er. «Ausserdem dürfen Firmen,<br />

Oben rechts: Ralf Schindel, Prodartis:<br />

«Um eine professionelle additive Fertigung<br />

zu erreichen, muss man so viel Aufbauarbeit<br />

reinstecken, dass man nicht davon reden<br />

sollte, einen 3D-Drucker zu kaufen, sondern<br />

eine 3D-Druck-Abteilung aufzubauen.»<br />

Unten links: Oliver Steiner, Steiner Werkzeugmaschinen:<br />

«Das fehlende additive<br />

Denken stellt sicherlich das grösste<br />

Hindernis dar, um erfolgreich Bauteile<br />

herzustellen mittels AM.»<br />

Unten rechts: Martin Affolter, SGSolution:<br />

«Gute Einstiegslösungen sind wichtig.<br />

Denn wenn die ersten Resultate schlecht<br />

sind, dann kommt irgendwann der Frust.»<br />

42 #<strong>003</strong>


ADDITIVE MANUFACTURING<br />

die einen Ausfall wegen Wartungsarbeiten<br />

oder eines Defekts hätten, auf<br />

die Maschinen im Alphacam-Firmensitz<br />

in Winterthur zurückgreifen <strong>und</strong><br />

dort ihre Bauteile produzieren.» Dieses<br />

externe Produzieren in einer Übergangszeit<br />

kann eine Hilfe sein, aber hat<br />

unter Umständen den Nachteil, dass<br />

eine andere Qualität erreicht wird.<br />

Die unterschätzten Materialkosten …<br />

Was überrascht die meisten Einsteiger<br />

weiter? Die meisten angefragten Hersteller,<br />

Händler <strong>und</strong> Dienstleister<br />

nannten die Materialkosten. Dass die<br />

Materialvielfalt noch viel Potenzial<br />

nach oben hat, ist inzwischen bekannt.<br />

Aber die Kosten sind immer<br />

wieder ein Thema. «Da gibt es dann<br />

schon solche, die aus Spargründen<br />

Material aus Asien einkaufen», sagt Liberato.<br />

Aber Material zum Kilopreis<br />

von 20 Franken habe dann eben auch<br />

eine 20-Franken-Qualität, meint er.<br />

Und für Martin Affolter, Geschäftsführer<br />

der SGSolution AG <strong>und</strong> Vertriebspartner<br />

von HPs 3D-Druckern, ist klar:<br />

«Es ist wohl der falsche Ansatz in Kilogramm<br />

zu rechnen», meint er. Er<br />

macht seinen K<strong>und</strong>en eine Vollkostenrechnung,<br />

wo am Ende nicht der<br />

Kilopreis steht, sondern der Preis für<br />

das Bauteil, indem Faktoren wie<br />

Druckzeit, Amortisation <strong>und</strong> Materialkosten<br />

einberechnet sind. «Dann ist<br />

vom höheren Materialpreis meist keine<br />

Rede mehr», meint Affolter.<br />

Bücher zum Thema<br />

Additive Fertigungsverfahren <strong>und</strong> 3D-Drucken<br />

… <strong>und</strong> wie man sie senken kann<br />

Die Materialkosten machen im Schnitt<br />

etwa 10 bis 20 Prozent eines Bauteils<br />

aus. Um diese Kosten zu senken, lohnt<br />

sich, das eigene Produktportfolio auf<br />

3D-Druckbarkeit zu prüfen. «Dort finden<br />

sich meist andere Produkte, die<br />

ebenfalls mit additiven Verfahren <strong>und</strong><br />

mit demselben Material hergestellt<br />

werden könnten. Je mehr solche Produkte,<br />

umso effizienter kann das zur<br />

Verfügung stehende Maschinenvolumen<br />

genutzt <strong>und</strong> Festkosten können<br />

gespart werden», erklärt Ralf Schindel.<br />

«Dazu kommt, dass beim Dienstleister<br />

viele Baujobs von vielen diversen K<strong>und</strong>en<br />

zusammenkommen <strong>und</strong> deshalb<br />

der Materialbedarf hoch ist. Natürlich<br />

bestimmt auch in der AM-Branche der<br />

Materialdurchsatz den Preis. Die Lieferanten<br />

bieten mengenabhängig abgestufte<br />

Preise an «<strong>und</strong> so kann ein hoher<br />

Bedarf die Materialkosten senken.»<br />

Gerade beim Material gibt es auch<br />

grobe Enttäuschungen bei Firmen, die<br />

in den 3D-Druck einsteigen wollen –<br />

<strong>und</strong> speziell dann, wenn sie zuvor einen<br />

günstigen Hobbydrucker im Hause<br />

hatten, mit dem man zwischendurch<br />

einen Prototyp druckte. «Dann staunen<br />

sie, dass man mit einem Drucker<br />

für unter fünftausend Franken jederzeit<br />

die Spule wechseln <strong>und</strong> ein anderes<br />

Material einsetzen kann, aber bei<br />

einem Industriedrucker für eine halbe<br />

Million Franken geht das nicht», sagt<br />

Martin Affolter.<br />

Das additive Denken ist entscheidend<br />

Das wahrscheinlich grösste Hindernis<br />

beim Aufbau einer eigenen<br />

3D-Druck-Abteilung ist das fehlende<br />

Know-how. Obwohl über die ganze<br />

Prozesskette auch Softwarelösungen<br />

Es gibt Bücher, die geben einen derart umfassenden Einblick in eine Technologie,<br />

dass man sie auch dann noch aufbewahren wird, wenn die Technologie<br />

bereits neue Ergebnisse erzielt hat. Und das ist beim 3D-Druck sicherlich<br />

schnell der Fall. Dennoch ist das Buch von Andreas Gebhardt mit dem simplen<br />

Titel «Additive Fertigungsverfahren» ein Nachschlagewerk, das man sich<br />

anschaffen sollte, um einen Überblick zu bekommen über die einzelnen<br />

Verfahrensfamilien <strong>und</strong> die Anwendungen. Im Buch werden auch die Fragen<br />

der Wirtschaftlichkeit erörtert <strong>und</strong> aus strategischer <strong>und</strong> operativer Sicht<br />

diskutiert.<br />

Autor: Andreas Gebhardt<br />

Titel: Additive Fertigungsverfahren<br />

Verlag: Hanser Fachverlag<br />

Wie finde ich den richtigen 3D-Drucker?<br />

Der Alphacam-Mitarbeiter Martin Folie ist Autor dieser kleinen, aber nützlichen<br />

Anleitung für eine einfache, schnelle, günstige <strong>und</strong> effi ziente Suche nach<br />

einem geeigneten 3D-Drucker.<br />

Autor: Martin Folie<br />

Titel: Wie fi nde ich den richtigen 3D-Drucker?<br />

Verlag: Epubli<br />

#<strong>003</strong> 43


ADDITIVE MANUFACTURING<br />

zur Verfügung stehen, die den Einstieg<br />

erleichtern, muss man generell<br />

von einem vollkommen neuen Denken<br />

ausgehen. «Wir müssen zwar<br />

längst nicht mehr erklären, wie<br />

3D-Druck funktioniert», sagt Oliver<br />

Steiner, Geschäftsführer der Steiner<br />

Werkzeugmaschinen AG <strong>und</strong> autorisierter<br />

Händler von 3D-Systems-Druckern,<br />

«aber das fehlende additive<br />

Denken stellt sicherlich das grösste<br />

Hindernis dar, um erfolgreich Bauteile<br />

herzustellen mittels AM.» Denn<br />

erst die Einbindung der «Complexity<br />

for free»-Formel in die Konstruktion<br />

macht den Einsatz eines 3D-Druckers<br />

zu einem Instrument, dass einer Firma<br />

gar einen Marktvorsprung erlauben<br />

kann bei der Produktgestaltung.<br />

Einsteigen <strong>und</strong> sich hocharbeiten<br />

Vielleicht sollte man klein einsteigen<br />

<strong>und</strong> so das fehlende Know-how ansammeln?<br />

«Wir haben kostengünstige<br />

Einsteigermodelle für den industriellen<br />

3D-Druck, die bereits hervorragende<br />

Produkte drucken», erklärt Oliver<br />

Steiner. «Steht dann eine Maschine in<br />

der Firma, zeigt sich tatsächlich sehr<br />

schnell, dass Mitarbeiter sich vermehrt<br />

mit dem 3D-Druck befassen <strong>und</strong><br />

dadurch das additive Denken erlernen.»<br />

Dasselbe hat auch Martin Affolter<br />

immer wieder erfahren. Aber er rät,<br />

nicht zu tief einzusteigen <strong>und</strong> den Mitarbeitern<br />

zum Üben nur einen semiprofessionellen<br />

Drucker hinzustellen:<br />

«Wenn die ersten Resultate schlecht<br />

sind, dann kommt irgendwann der<br />

Frust.» Der SGSolution-Chef hat in seinem<br />

HP-Portfolio ebenfalls solche<br />

«Einsteigermodelle», um den Nutzen<br />

der additiven Verfahren zu erfahren,<br />

auch wenn die Ausnutzung noch nicht<br />

sehr hoch ist. Ausserdem hat er ein<br />

spezielles Angebot im Köcher: «HP<br />

unterstützt den Umstieg auf einen anderen<br />

3D-Drucker auch in finanzieller<br />

Hinsicht <strong>und</strong> kann Maschinen auch<br />

wieder zurücknehmen.»<br />

Maschinen um Maschinen kommen<br />

hinzu<br />

Dennoch bleibt wohl auch beim langsamen<br />

Herantasten ein Manko bezüglich<br />

des Know-hows <strong>und</strong> des additiven<br />

Denkens. Letzteres wird zwar von Seiten<br />

der Hochschulen aktiv angegangen<br />

<strong>und</strong> auch Hersteller wie HP führen<br />

spezielle Ausbildungsprogramme ein,<br />

um das additive Denken zu fördern.<br />

Dennoch sind bei diesem wichtigen<br />

Punkt die externen Dienstleister wie<br />

Prodartis den meisten Einsteigerfirmen<br />

weit voraus. Das ist mitunter ein<br />

Gr<strong>und</strong>, warum die ersten Schritte in<br />

die professionelle additive Fertigung<br />

oft über Dienstleisterfirmen erfolgen:<br />

Ihr Know-how <strong>und</strong> ihre Erfahrung sind<br />

unbezahlbar.<br />

Doch es gibt noch einen weiteren<br />

Punkt, der beim Aufbau einer<br />

3D-Druck-Abteilung von Beginn weg<br />

einberechnet werden muss: Maschinen<br />

zur Nachbearbeitung von 3D-gedruckten<br />

Teilen. Um Pulver <strong>und</strong> Stützstrukturen<br />

zu entfernen, eine höhere<br />

Oberflächenqualität zu erreichen,<br />

Kanten zu verr<strong>und</strong>en, engere Toleranzen<br />

einzuhalten, Verzug auszugleichen<br />

– dazu braucht es möglicherweise<br />

weitere Investitionen fürs Strahlen,<br />

Trowalisieren, Fräsen, Drehen, Schleifen,<br />

Polieren, Wärmebehandlung <strong>und</strong><br />

so weiter. Wer die Maschinenauswahl<br />

bei einer aufs Post-Processing spezialisierten<br />

Firma wie Rösler sieht (www.<br />

am-postprocess.com), der bekommt<br />

eine Ahnung, dass da einiges zusammenkommen<br />

kann, wer den professionellen<br />

Einstieg in die additive Fertigung<br />

plant.<br />

«Beste Botschafter für das Additive<br />

Manufacturing»<br />

Aus all den genannten Gründen sollte<br />

man tatsächlich nicht vom Kauf<br />

eines 3D-Druckers reden, sondern<br />

das Bild vom Aufbau einer eigenen<br />

3D-Druck-Abteilung vor Augen halten,<br />

um einerseits das Beste aus den neuen<br />

Fertigungsverfahren herauszuholen,<br />

anderseits um sich gegen Enttäuschung<br />

zu schützen. Die Herausforderung<br />

anzunehmen, dürfte sich aber<br />

lohnen. Denn die additiven Verfahren<br />

werden in Zukunft eine immer wichtigere<br />

Rolle spielen. Wem der Aufbau für<br />

den Anfang zu viel ist, der kann auf einen<br />

externen Dienstleister zurückgreifen.<br />

«Eine Firma wie Prodartis, die unter<br />

anderem auch mit unseren<br />

HP-Druckern drucken, sind für uns unbezahlbar»,<br />

sagt denn auch Martin Affolter.<br />

«Sie liefern derart hohe Qualität,<br />

dass sie die besten Botschafter sind für<br />

die additiven Verfahren <strong>und</strong> schliesslich<br />

auch für unsere 3D-Drucker.»<br />

Umgekehrt berät Prodartis-Geschäftsführer<br />

Ralf Schindel seine<br />

eigenen K<strong>und</strong>en, wenn sie den Punkt<br />

erreichen, um sich «selbstständig»<br />

machen zu können. «Ab einem gewissen<br />

Volumen macht es durchaus Sinn,<br />

eine solche Abteilung mit einer ersten<br />

Technologie bei sich aufzubauen<br />

<strong>und</strong> sich selber vertieft mit der Materie<br />

auseinanderzusetzen», meint er.<br />

«Denn wer sich einmal damit auseinandersetzt,<br />

wird plötzlich sehen, dass<br />

eine grosse Anzahl an Produkten additiv<br />

gefertigt werden können – auch<br />

mit anderen Technologien – <strong>und</strong> dann<br />

kommen sie hoffentlich wieder zu uns,<br />

um dort den Anfang zu machen bis sie<br />

wieder eine kritische Losgrösse erreicht<br />

haben.»<br />

www.alphacam.ch<br />

www.am-postprocess.com<br />

www.prodartis.ch<br />

www.steiner3d.ch<br />

www.sgsolution.ch<br />

Weitere Auskunft zum Thema<br />

Sie überlegen sich, ob der 3D-Druck etwas für Ihre Firma<br />

ist? Die im Artikel Auskunft gebenden Firmen beraten sie<br />

mit viel Know-how, auch wenn einige geb<strong>und</strong>en sind an ihre<br />

eigenen Verfahren <strong>und</strong> Technologien. Auch der Weg über<br />

einen der auf S. 50 aufgelisteten Dienstleister ist eine Alternative,<br />

um in die Technologie hineinzusehen <strong>und</strong> einen ersten Austausch<br />

auf professioneller Ebene zu haben.<br />

44 #<strong>003</strong>


Besuchen Sie<br />

uns auf der<br />

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ADDITIVE MANUFACTURING<br />

TECHNOLOGIEN DURCHS<br />

«VALLEY OF DEATH» BRINGEN<br />

In der Schweiz soll die AM-TTC Alliance mehrere Technologietransferzentren<br />

aufbauen. Darunter auch solche, die sich mit der additiven Fertigung befassen.<br />

Ein Gespräch mit Lars Sommerhäuser, Geschäftsführer des Dachverbands<br />

AM-TTC Alliance <strong>und</strong> gleichzeitig Programm-Manager des «Strategischen<br />

Fokusbereich Advanced Manufacturing» des ETH Bereichs an der Empa.<br />

Von Eugen Albisser (Text) <strong>und</strong> Ruben Sprich (Fotos)<br />

Im «Valley of Death» bleiben noch immer zu viele Forschungsresultate<br />

stecken, die den Sprung in die industrielle<br />

Produktion nie schaffen. Und wenn man bedenkt,<br />

dass die hiesigen Hochschulen <strong>und</strong> Forschungseinrichtungen<br />

international regelmässig Spitzenpositionen erreichen,<br />

dann kann man sich ausrechnen: Es hätte sicher ein<br />

paar Perlen darunter, von der die Schweizer Industrie profitieren<br />

könnte.<br />

Darum sollen nun Technologietransferzentren entstehen,<br />

welche Ideen aus der Forschung mit Anlagen zum Hochskalieren<br />

neuer Herstellungstechnologien industrietauglich<br />

machen. Sie nennen sich «Advanced Manufacturing Technology<br />

Transfer Centers» (kurz AM-TTC) <strong>und</strong> werden vom<br />

eigens dafür gegründeten Dachverband AM-TTC Alliance<br />

koordiniert. Auch der 3D-Druck spielt in einigen der Technologietransferzentren<br />

eine wichtige Rolle. Lars Sommerhäuser,<br />

Geschäftsführer des Dachverbands, gibt Ein- <strong>und</strong><br />

Ausblicke zu dieser Initiative.<br />

Herr Sommerhäuser, wir sitzen für dieses Interview in<br />

Bern im Restaurant des Hotels Bellevue; gleich daneben<br />

steht das B<strong>und</strong>eshaus. Sind Sie öfters hier an diesem<br />

politisch relevanten Ort oder ist ihre Arbeit für den Dachverband<br />

AM-TTC Alliance nicht derart politisch?<br />

Ich war ehrlich gesagt noch nie hier im Hotel Bellevue.<br />

Meine Arbeit ist nicht sehr politisch, ich muss auch nicht<br />

lobbyieren. Doch habe ich im Rahmen meiner Arbeit<br />

auch mit Politikern zu tun, mehr aber noch mit Kantonsvertretern<br />

oder mit Leuten vom B<strong>und</strong>, denn schlussendlich<br />

handelt es sich bei den Zentren um «Public-Private<br />

Partnerships», die auch von der öffentlichen Hand gefördert<br />

werden sollen.<br />

Können Sie kurz erklären, was der Sinn dieser<br />

Technologietransferzentren ist?<br />

Technologietransferzentren bauen Pilotproduktionsanlagen<br />

für neue Herstellungstechnologien auf <strong>und</strong><br />

betreiben sie. Die Infrastruktur kann anschliessend von<br />

allen genutzt werden. In den Zentren soll gezeigt werden,<br />

dass neue Technologien nicht nur im Labor funktionieren,<br />

sondern auch in der Produktion. Das Ziel ist letztendlich,<br />

den Innovationsstandort Schweiz weiterzubringen <strong>und</strong><br />

Arbeitsplätze in der Industrie zu schaffen.<br />

Wie weit sind sie bereits?<br />

Wir haben nun die ersten zwei Phasen hinter uns. In der<br />

ersten haben zwölf Konsortien ihre Skizzen <strong>und</strong> Absichtserklärungen<br />

abgegeben – das war Ende 2018. Die zweite<br />

Phase war die Eingabe des Vollantrags, welche noch neun<br />

der zwölf Konsortien abgegeben haben. Nun werden diese<br />

neun Zentren durch die AM-TTC Alliance begutachtet <strong>und</strong><br />

einige werden auswählt, die bereits in der Pilotphase<br />

2019/20 gefördert werden. Zudem geben wir als AM-TTC<br />

Alliance dem B<strong>und</strong> eine Empfehlung ab, welche Zentren<br />

in der Phase 2021 bis 2024 gefördert werden sollten (bis<br />

zum Redaktionsschluss war die Evaluation noch nicht<br />

abgeschlossen). Ende 2019 sollen die ersten Zentren ihren<br />

Betrieb aufnehmen.<br />

Unter den Zentren gibt es das «Swiss m4m Center», das sich<br />

mit dem 3D-Druck befasst. Was genau steht dort im Fokus?<br />

In diesem Zentrum stehen am Anfang 3D-gedruckte<br />

medizinische Implantate aus Metall im Fokus. Wir wollen<br />

dort zeigen, dass es mit der 3D-Drucktechnologie möglich<br />

ist, patientenspezifische <strong>und</strong> innovative Implantate auch in<br />

kleinen Stückzahlen schnell, kostengünstig <strong>und</strong> zuverlässig<br />

herzustellen. Dabei muss man alle Schritte von der<br />

Röntgenaufnahme über das Design <strong>und</strong> die Herstellung des<br />

Implantats bis zur Operation <strong>und</strong> der Regeneration des<br />

Patienten berücksichtigen. Das Kernstück des Zentrums<br />

wird eine Pilotlinie für die Herstellung medizinischer<br />

Implantate sein. Eine solche Linie beinhaltet neben dem<br />

3D-Druck auch vor- <strong>und</strong> nachgelagerte Prozesse, zum<br />

Beispiel die spanende Nachbearbeitung der 3D-gedruckten<br />

Implantate. Die Hersteller von 3D-Druckern sind dabei<br />

natürlich wichtige Partner für das Zentrum <strong>und</strong> wir hoffen,<br />

46 #<strong>003</strong>


«In den Zentren soll gezeigt<br />

werden, dass neue Technologien<br />

nicht nur im Labor funktionieren,<br />

sondern auch in der Produktion.»<br />

Lars Sommerhäuser<br />

dass nicht nur einer, sondern viele der 3D-Druckerhersteller<br />

mitmachen werden.<br />

Was ist die grosse Herausforderung beim Aufbau einer<br />

solchen Linie zur Herstellung von Implantaten aus dem<br />

3D-Drucker?<br />

Eine Herausforderung ist die Validierung der gesamten<br />

Produktionslinie <strong>und</strong> Prozesskette. Sie muss in der Lage<br />

sein, zuverlässig wiederholbar Implantate herzustellen,<br />

ohne dass Risiken darin sind, die man nicht vertreten<br />

könnte. Das ist sicher für das Zentrum für Implantate einer<br />

der wesentlichen Punkte, dass man Prozesssicherheit<br />

erlangt <strong>und</strong> die Risiken minimiert. Dafür muss man jede<br />

einzelne Anlage <strong>und</strong> jeden Prozessschritt validieren. Wir<br />

wollen eine Prozesskette in einem Qualitätsmanagementsystem<br />

aufbauen, das nach der ISO-Norm 13485 zertifiziert<br />

ist. Zudem hat das Zentrum auch klinische Partner wie<br />

zum Beispiel das Inselspital in Bern <strong>und</strong> die Uniklinik in<br />

Zürich. Sie liefern dem Zentrum Informationen, wie die<br />

Implantate aussehen müssen <strong>und</strong> was die klinischen<br />

Anforderungen sind, um Patienten bestmöglich mit einem<br />

Implantat zu versorgen.<br />

Wird das Zentrum auf der grünen Wiese aufgebaut?<br />

Bei diesem «Swiss m4m Center» haben wir gesehen, dass<br />

es nur funktionieren kann, wenn es in einem Umfeld steht,<br />

wo schon viel Know-how <strong>und</strong> Infrastruktur vorhanden<br />

ist. Insofern ist das Zentrum angesiedelt bei einem<br />

Medtech-Unternehmen aus Bettlach, der Firma 41medical.<br />

Das Unternehmen hat bereits sehr viel Kompetenz in<br />

der Entwicklung <strong>und</strong> Fertigung von Implantaten. Zudem<br />

existiert dort bereits ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem<br />

sowie eine grosse Lieferantenbasis.<br />

Und wer hat die Leitung bei einem solchen Projekt?<br />

Die Leitung des Swiss m4m Centers wird ein sehr erfahrener<br />

Mitarbeiter aus dem Medtech-Bereich übernehmen.<br />

Dafür braucht es eine sehr integrative Persönlichkeit,<br />

weil das Zentrum mit vielen unterschiedlichen Partnern<br />

<strong>und</strong> K<strong>und</strong>en – oft interdisziplinären Teams – zusammenarbeiten<br />

muss. In einem Zentrum werden aber nicht<br />

h<strong>und</strong>erte von Mitarbeitern angestellt sein, sondern in<br />

solchen Zentren arbeiten in der Regel kleine Teams<br />

von anfänglich vielleicht fünf oder zehn Mitarbeitern.<br />

Der 3D-Druck ist momentan bei vielen Unternehmen<br />

ein grosses Thema. Wo sehen Sie die Stärken <strong>und</strong><br />

Schwächen der Schweizer Unternehmen im 3D-Druck?<br />

Wir haben sicher eine Situation gehabt, als sich in der<br />

Schweiz nicht sehr viele Firmen mit der additiven Fertigung<br />

beschäftigt haben. Das hat sich in den letzten Jahren<br />

verändert. Es gibt mittlerweile einige Initiativen, um<br />

Schweizer Firmen diese Technologien näherzubringen.<br />

Zum einen gibt es innerhalb des Industrieverbands<br />

#<strong>003</strong> 47


ADDITIVE MANUFACTURING<br />

TuWprint+<br />

Ein weiterer Teil des<br />

Interviews, in dem es vor allem<br />

um die Bedeutung der Zentren<br />

geht, deren Aufbau <strong>und</strong> wie KMU<br />

davon profitieren können, finden<br />

sie in unserem Onlinemagazin<br />

www.technik-<strong>und</strong>wissen.ch<br />

Swissmem eine Fachgruppe für additive Fertigung, die<br />

Swiss Additive Manufacturing Group (SAMG). Zum anderen<br />

haben wir innerhalb der Schweizer Akademie der technischen<br />

Wissenschaften (SATW) einen Forschungsverb<strong>und</strong><br />

Advanced Manufacturing gegründet. Darin gibt es eine<br />

Expertengruppe «Additive Manufacturing», wo sich alle<br />

Forschungseinrichtungen zusammengetan haben, die auf<br />

diesem Gebiet tätig sind. Und es gibt eine dritte Initiative,<br />

die in den letzten Jahren in der Schweiz aufgebaut wurde,<br />

das AM-Network. Das ist ein nationales thematisches<br />

Netzwerk gefördert von Innosuisse, das den Transfer von<br />

Forschung in die Industrie sicherstellen soll. Wenn wir<br />

spezifisch nach Firmen fragen, muss man sagen, dass der<br />

3D-Druck momentan vor allem dort eingesetzt wird, wo<br />

pro Kilogramm Gewicht ein relativ hoher Preis erzielt wird,<br />

wie beispielsweise in der Medizintechnik oder in der Luft<strong>und</strong><br />

Raumfahrt.<br />

In welchen Bereichen wird der 3D-Druck künftig<br />

vermehrt eingesetzt werden?<br />

Man spricht zwar über den Einsatz in der Grossserie,<br />

beispielsweise in der Automobilindustrie. Wenn aber<br />

tausende oder gar h<strong>und</strong>erttausende von gleichen Teilen<br />

hergestellt werden müssen, sind oft andere Fertigungsverfahren<br />

wie beispielsweise das Spritzgiessen günstiger<br />

als der 3D-Druck. Wo allerdings noch viel Potenzial für<br />

den 3D-Druck drinsteckt, ist im Bereich der Ersatzteile.<br />

Hier bietet der 3D-Druck grosse Vorteile: Bei Bedarf erzeugt<br />

man ein einziges Teil, ohne Lagerung, eventuell sogar<br />

dezentral. Und es braucht keine oftmals teuren teilespezifischen<br />

Werkzeuge oder Formen, sondern man kann mit<br />

einem Drucker alle Geometrien herstellen.<br />

Spielt der 3D-Druck auch bei anderen Zentren eine Rolle?<br />

Ja, es sind noch andere Zentren geplant, die sich mit<br />

3D-Druck beschäftigen. Es gibt ein Zentrum, das sich mit<br />

der HIP-Technologie (HIP = Heiss-Isostatisches Pressen)<br />

beschäftigt. Das hat zwar nur indirekt mit 3D-Druck zu tun,<br />

denn es geht bei der Technologie um eine Nachbehandlung<br />

von metallischen oder keramischen Teilen. Gerade<br />

3D-gedruckte Teile haben häufig unmittelbar nach dem<br />

Drucken noch nicht die idealen Materialeigenschaften<br />

<strong>und</strong> Mikrostrukturen. Mit Temperaturen bis 2000 °C <strong>und</strong><br />

einem Druck bis 2000 bar werden die Mikrostrukturen<br />

<strong>und</strong> damit zum Beispiel die Ermüdungsfestigkeit von<br />

gedruckten Teilen erheblich verbessert.<br />

Dann gibt es noch das Micro-Manufacturing Science and<br />

Engineering Center (M2C) in Neuenburg. In diesem Zentrum<br />

geht es um hochpräzisen 3D-, aber auch 2D-Druck.<br />

Denn auch der 2D-Druck, ist ja ein additives Verfahren<br />

<strong>und</strong> für die gedruckte Elektronik ein Thema.<br />

Haben Sie das Gefühl, die additiven Verfahren werden<br />

in der Schweiz noch zu wenig angewendet?<br />

Es ist sicherlich so, dass es eine neue Technologie ist, die<br />

komplexer ist, als viele sich das vorstellen. Die Komplexität<br />

kommt auch dadurch, dass die Materialeigenschaften im<br />

selben Moment wie die Geometrie entstehen. Ich denke,<br />

wir müssen speziell für die kleinen <strong>und</strong> mittleren Unternehmen<br />

die Zugänglichkeit <strong>und</strong> die Angst davor reduzieren.<br />

Einen grossen Fokus verdient die Ausbildung, damit<br />

sich das additive Denken durchsetzen kann. Auch macht<br />

es keinen Sinn, dass eine Firma alle Erfahrungen mit dieser<br />

neuen Technologie allein sammeln muss. Hier können<br />

die Zentren helfen, aber natürlich auch die Hersteller von<br />

3D-Druckern <strong>und</strong> die Druckdienstleister. Das ist übrigens<br />

ein guter <strong>und</strong> gangbarer Weg, über einen dieser Dienstleister<br />

einzusteigen <strong>und</strong> die Technologie erst dann selbst ins<br />

Haus zu nehmen, wenn das Produktionsvolumen steigt <strong>und</strong><br />

eine gewisse Erfahrung vorliegt.<br />

AM-TTC | www.am-ttc.ch<br />

48 #<strong>003</strong>


ADDITIVE MANUFACTURING<br />

RASEND SCHNELL ZUM<br />

ERSTEN SPRITZGUSSTEIL –<br />

DANK 3D-DRUCK<br />

3D-Druck oder Spritzguss? Die Firma Injex kombiniert lieber gleich beides.<br />

Sie setzt in der Produktion auf Spritzguss <strong>und</strong> im Werkzeugbau auf 3D-Druck.<br />

Das Ergebnis: Ihre K<strong>und</strong>en erhalten innerhalb kurzer Zeit seriennahe<br />

Prototypenteile in einer Kleinstserie <strong>und</strong> dies zu günstigen Konditionen.<br />

Von Eugen Albisser<br />

Der 3D-Druck hat sich vom Rapid<br />

Prototyping gelöst <strong>und</strong><br />

sich aufgemacht, den Spritzguss<br />

abzulösen. Dass der<br />

Spritzguss aber den umgekehrten Weg<br />

gehen könnte, das zeigt die Zürcher<br />

Firma Injex. Das Jungunternehmen<br />

setzt additive Verfahren ein, um<br />

schnell <strong>und</strong> günstig Spritzgussteile in<br />

Kleinserie herzustellen. Das Motto der<br />

Firma lautet daher selbstbewusst: «Injection<br />

Molding Overnight». Ganz genau:<br />

overnight! Oder zumindest in 24<br />

St<strong>und</strong>en. Jedenfalls schneller als man<br />

es für möglich hielt.<br />

Schnell zum seriennahen Prototyp<br />

Hinter der Idee stecken zwei ehemalige<br />

ETHZ-Studenten, die nach dem<br />

Master in einer Prototypenwerkstatt<br />

der Hochschule arbeiteten <strong>und</strong> frustrierend<br />

fanden, dass im 3D-Druck die<br />

Materialauswahl so limitiert war.<br />

«Ausserdem war das Herstellen von<br />

Prototypen mittels additiver Verfahren<br />

zwar interessant, aber ich merkte<br />

schnell, dass die Herausforderung anderswo<br />

lag», sagt Mitgründer Oliver<br />

Schlatter, der bei Injex für das Business<br />

Development zuständig ist. «Sie<br />

besteht nämlich darin, einen seriennahen<br />

Prototyp herzustellen, den man<br />

testen <strong>und</strong> verbessern kann.» Direkt in<br />

den konventionellen Spritzguss einzusteigen<br />

ist aber normalerweise extrem<br />

kostspielig, denn der Bau eines<br />

Spritzgusswerkzeugs dauert Wochen<br />

<strong>und</strong> die Maschinen sind für Grossserien<br />

ausgelegt <strong>und</strong> damit für Kleinserien<br />

viel zu teuer.<br />

Ein 3D-Drucker, eine Handhebelpresse,<br />

ein Zylinder <strong>und</strong> los ging’s<br />

Schlatter <strong>und</strong> sein Mitgründer Tobias<br />

Ammann begannen also, Produktionswege<br />

auszutüfteln, mit denen schnell<br />

ein erstes Spritzgussteil produziert<br />

werden kann. Sie fingen einfach an:<br />

Mit einem 3D-Drucker aus dem unteren<br />

Preissegment wurden die ersten<br />

Werkzeuge gedruckt; dazu kam eine<br />

Handhebelpresse <strong>und</strong> ein Zylinder.<br />

«Diesen heizten wir auf, füllten Kunststoff<br />

ein <strong>und</strong> pressten diesen in die auf<br />

dem 3D-Drucker hergestellte Form»,<br />

erklärt Schlatter. «Die ersten Ergebnisse<br />

waren erstaunlich gut, sodass wir<br />

davon ausgehen konnten, auf dem<br />

richtigen Weg zu sein.»<br />

Inzwischen stehen in der Firma in<br />

der Binzmühlestrasse industrietaugliche<br />

3D-Drucker <strong>und</strong> drei Spritzgussmaschinen,<br />

die derart weiterentwickelt<br />

wurden, dass sie agil eingesetzt<br />

werden können. «Allzu tiefe Einblicke<br />

in die technischen Details bei den eigens<br />

entworfenen Spritzgussmaschinen<br />

<strong>und</strong> bei den modifizierten 3D-Druckern<br />

wollen wir lieber nicht geben.<br />

Denn das alles ist verb<strong>und</strong>en mit viel<br />

eigenem Know-how <strong>und</strong> da geben wir<br />

uns noch geheimniskrämerisch»,<br />

lacht Oliver Schlatter.<br />

Auch die Kosten überzeugen<br />

Momentan konzentriert sich das<br />

Start-up auf die Herstellung kleinerer<br />

Teile mit einem Schussgewicht von<br />

0,001 g bis 10 g. Die Materialauswahl<br />

ist beachtlich: alle Thermoplaste (von<br />

PP bis PEEK), dazu Silikone <strong>und</strong> Elastomere.<br />

Und mithilfe des Pulverspritzgussverfahrens<br />

können auch Metalle<br />

<strong>und</strong> Keramiken verarbeitet werden.<br />

Das Jungunternehmen musste nicht<br />

lange warten, bis jemand den Service in<br />

Anspruch nahm. Und es war nicht irgendein<br />

anderes Start-up, sondern ein<br />

grosser Hörgerätehersteller. Er brauchte<br />

Silikonteile zu Testzwecken – doch<br />

ein kostengünstiges <strong>und</strong> schnelles<br />

Verfahren gab es bisher nicht. Normalerweise<br />

liessen sie sich diese Teile in<br />

Asien herstellen. Vier bis sechs Wochen<br />

Wartezeit waren aber die Norm.<br />

Bei Injex ging alles ruckzuck: Zwei, drei<br />

Tage <strong>und</strong> schon waren die Teile fertig.<br />

Inzwischen bauen die Jungunternehmer<br />

weitere Spritzgussmaschinen,<br />

weil die Aufträge zugenommen haben.<br />

Überzeugt sind die K<strong>und</strong>en wohl nicht<br />

nur von der kurzen Herstellungszeit,<br />

sondern auch von den Kosten. Sie sind<br />

verglichen mit dem konventionellen<br />

Spritzguss ziemlich tief: R<strong>und</strong> 1000<br />

Franken kostet das Werkzeug <strong>und</strong> pro<br />

Bauteil kommen nochmals zwischen 5<br />

<strong>und</strong> 50 Franken dazu.<br />

Injex | www.injex.ch<br />

Oliver Schlatter,<br />

Mitgründer der Firma<br />

Injex <strong>und</strong> verantwortlich<br />

für das<br />

Business Development<br />

beim Start-up.<br />

Bild: Ruben Sprich<br />

#<strong>003</strong> 49


3D-DRUCK-DIENSTEISTER<br />

WER BIETET WAS?<br />

In der Schweiz haben sich einige Dienstleister etabliert, die den industriellen<br />

3D-Druck <strong>und</strong> damit auch die Serienproduktion beherrschen. Die meisten<br />

bieten ein hervorragendes Engineering an, <strong>und</strong> begleiten die K<strong>und</strong>en von einer<br />

«initialen Problemstellung bis zum einbaufertigen Serienbauteil». Dabei<br />

werden unterschiedliche Maschinen <strong>und</strong> Technologien/Verfahren eingesetzt.<br />

Burgdorf Burgdorf / Biel / Biel<br />

Wo liegt Wo das liegt spezielle das spezielle Knowhow Knowhow<br />

Ihrer Firma? Ihrer Firma?<br />

Berner Berner Fachhochschule Fachhochschule<br />

Das Institute Das Institute for Applied for Laser, Applied Laser,<br />

Photonics Photonics and Surface and Technologies<br />

Surface Technologies<br />

Welche Maschinen Welche Maschinen stehen bei stehen Ihnen bei Ihnen ALPS der ALPS Berner der Fach Berner hochschule Fach hochschule<br />

im Einsatz? im Einsatz?<br />

bietet Forschung bietet Forschung <strong>und</strong> Entwicklung <strong>und</strong> Entwicklung<br />

• SLM Solutions • SLM Solutions Group: SLM Group: 125, SLM 125, im Bereich im Prozessführung Bereich Prozessführung <strong>und</strong> <strong>und</strong><br />

SLM 280, SLM280 280, SLM280 2.0 (In Zusammenarbeimenarbeit<br />

mit dem mit Switzerland dem Switzerland LDMD an, LDMD sowie an, im sowie Bereich im Nach-<br />

Bereich Nach-<br />

2.0 (In Zusam-<br />

Qualitätssicherung Qualitätssicherung für SLM <strong>und</strong> für SLM <strong>und</strong><br />

Innovation Innovation Park Biel) Park Biel) bearbeitung bearbeitung mittels Oberflächen-<br />

mittels Oberflächen-<br />

• BFH, Burgdorf: • BFH, Burgdorf: LDMD-Versuchsstand<br />

(BFH-Eigenbau), stand (BFH-Eigenbau), Modernisier-<br />

Modernisier-<br />

Hot Isostatic Hot Isostatic Pressing Pressing (HIP). Die (HIP). Die<br />

LDMD-Versuchs-<br />

<strong>und</strong> Wärmebehandlung <strong>und</strong> Wärmebehandlung oder oder<br />

te SLM-Maschine te SLM-Maschine Phenix Systems Phenix Systems Forschung Forschung der BFH der zeichnet BFH zeichnet<br />

PM250 PM250<br />

sich durch sich hohe durch Methoden- hohe Methoden- <strong>und</strong> <strong>und</strong><br />

Fachkompetenzen Fachkompetenzen sowie Zugang sowie Zugang<br />

Welche(s) Welche(s) Verfahren Verfahren setzen Sie setzen ein? Sie ein?<br />

zu zu Schlüsseltechnologien aus. aus.<br />

Nur Metallpulver: Nur Metallpulver: SLM, LDMD SLM, LDMD<br />

Bieten Sie Bieten auch Sie Nachbearbeitung auch Nachbearbeitung an? an?<br />

Welche Materialien Welche Materialien können Sie können Sie<br />

Oberflächenbehandlung, Wärmebehandlungbehandlung,<br />

Hot Isostatic Hot Isostatic Pressing Pressing<br />

Wärme-<br />

verarbeiten? verarbeiten?<br />

Alle gängigen Alle gängigen Metallpulver: Metallpulver: AI-Basislegierungenlegierungen,<br />

Ni-Basis Ni-Basis legierungen, legierungen,<br />

AI-Basis-<br />

HIP (in Zusammenarbeit HIP (in Zusammenarbeit mit dem mit SIP dem SIP<br />

Biel/Bienne) Biel/Bienne)<br />

Ti-Basislegierungen, Ti-Basislegierungen, Co-Basislegierungen,<br />

Fe-Basislegierungen,<br />

Fe-Basislegierungen, Engineering: Engineering: Ja Ja<br />

Co-Basislegie-<br />

CU-Basislegierung CU-Basislegierung CuSn10. Elementare<br />

Metallpulver tare Metallpulver wie Aluminium- wie Aluminium-<br />

www.bfh.ch/ti/de/forschung/<br />

CuSn10. Elemen-<br />

www.alps.bfh.ch www.alps.bfh.ch<br />

oder Nickel-Pulver oder Nickel-Pulver für das Rapid für das Rapid<br />

forschungsbereiche/<br />

forschungsbereiche/<br />

Metal Alloying Metal Alloying mittels LDMD mittels LDMD<br />

additive-manufacturing/<br />

50 #<strong>003</strong>


ADDITIVE MANUFACTURING<br />

Hinwil Hinwil<br />

Wo liegt Wo das liegt spezielle das spezielle Knowhow<br />

Ihrer how Firma? Ihrer Firma?<br />

Know-<br />

Ecoparts Ecoparts<br />

Wir bieten Wir eine bieten AM-Fertigung<br />

eine AM-Fertigung<br />

von Einzel- von bis Einzel- Serienbauteilen<br />

bis Serienbauteilen<br />

Welche Maschinen Welche Maschinen stehen stehen inklusive inklusive deren Nachbearbeitung.<br />

Ein tung. spezifisches Ein spezifisches AM- AMderen<br />

Nachbearbei-<br />

bei Ihnen bei im Ihnen Einsatz? im Einsatz?<br />

2 × EOS M270, 2 × EOS 1 × M270, EOS M280, 1 × EOS M280, Qualitäts Qualitäts managemen-System<br />

managemen-System<br />

5 × EOS M290 5 × EOS M290<br />

sorgt für sorgt maximale für maximale Prozessqualitätqualität.<br />

Ausserdem Ausserdem sind sind<br />

Prozess-<br />

Welche(s) Welche(s) Verfahren Verfahren setzen setzen<br />

wir der grösste wir der Schweizer grösste Schweizer<br />

Sie ein? Sie ein?<br />

AM-Metall-Dienstleister mit mit<br />

SLM SLM<br />

Produktionsvolumen Produktionsvolumen für für<br />

Welche Materialien Welche Materialien können können industri elle industri Klein- elle <strong>und</strong> Klein- Grossaufträgeaufträge.<br />

<strong>und</strong> Gross-<br />

Sie verarbeiten? Sie verarbeiten?<br />

CobaldChrome CobaldChrome MP1, Invar MP1, Invar<br />

Bieten Sie Bieten auch Sie Nachbearbeitung<br />

an? tung an?<br />

auch Nachbearbei-<br />

1.3912, Maraging 1.3912, Maraging Steel MS1 Steel MS1<br />

1.2709, NickelAlloy 1.2709, NickelAlloy IN718/ IN718/<br />

Fräsen, Drehen, Fräsen, Schleifen, Drehen, Schleifen,<br />

2.4668, NickelAlloy 2.4668, NickelAlloy HX/ HX/<br />

Härten, Trowalisieren,<br />

Härten, Trowalisieren,<br />

UNS 06002, UNS Stainless 06002, Stainless Steel Steel<br />

Senkerodieren. Senkerodieren.<br />

316L/1.4404, 316L/1.4404, Stainless Stainless Steel GP Steel GP<br />

1/1.4542/17-4PH, 1/1.4542/17-4PH, Stainless Stainless Steel Steel Engineering: Engineering: Ja. Ja.<br />

CX / Corrax, CX / Titanium Corrax, Titanium Ti6AlV4, Ti6AlV4,<br />

www.ecoparts.ch www.ecoparts.ch<br />

Aluminium Aluminium AlSi10Mg AlSi10Mg<br />

Altstätten Altstätten SG SG<br />

Wo liegt Wo das liegt spezielle das spezielle Knowhow Knowhow<br />

Ihrer Firma? Ihrer Firma?<br />

Admantec Admantec<br />

Wir begleiten Wir begleiten unsere K<strong>und</strong>en unsere von K<strong>und</strong>en von<br />

der initialen der initialen Problemstellung Problemstellung bis bis<br />

Welche Maschinen Welche Maschinen stehen bei stehen bei zum einbaufertigen zum einbaufertigen Serienbauteil Serienbauteil<br />

Ihnen im Ihnen Einsatz? im Einsatz?<br />

<strong>und</strong> sind <strong>und</strong> damit sind zentraler damit zentraler Ansprechpartner<br />

für partner alle AM-Belange für alle AM-Belange der der<br />

Ansprech-<br />

Trumpf Maschinen: Trumpf Maschinen: TruPrint1000 TruPrint1000<br />

(intern) <strong>und</strong> (intern) TruPrint3000 <strong>und</strong> TruPrint3000 Produktplanung, Produktplanung, -entwicklung -entwicklung bis bis<br />

(bei Produktionspartner)<br />

(bei Produktionspartner) hin zur Serienfertigung. hin zur Serienfertigung. Produzierende<br />

Firmen, rende welche Firmen, die welche Potentiale die Potentiale<br />

Produzie-<br />

Welche(s) Welche(s) Verfahren Verfahren setzen Sie setzen ein? Sie ein?<br />

der additiven der additiven Fertigung Fertigung nutzen nutzen<br />

LMF-Verfahren LMF-Verfahren von Trumpf von (SLM) Trumpf (SLM)<br />

möchten, möchten, sollten zu sollten uns kommen. zu uns kommen.<br />

– Wir bieten – Wir aber bieten alle aber relevanten alle relevanten<br />

Durch das Durch synergetische das synergetische Zusammenwirkemenwirken<br />

des Produktkenntnisse<br />

des Produktkenntnisse<br />

Zusam-<br />

Verfahren Verfahren für Kunststoff, für Kunststoff, Metalle Metalle<br />

<strong>und</strong> Keramik <strong>und</strong> Keramik an. an.<br />

des K<strong>und</strong>en des K<strong>und</strong>en unserem <strong>und</strong> unserem AM- AM-<br />

Welche Materialien Welche Materialien können Sie können Sie Knowhow Knowhow entstehen entstehen so überlegene so überlegene<br />

verarbeiten? verarbeiten?<br />

technische technische Lösungen. Lösungen.<br />

Der Fokus Der liegt Fokus auf liegt den Metallen: auf den Metallen:<br />

Bieten Sie Bieten auch Sie Nachbearbeitung<br />

auch Nachbearbeitung<br />

Edelstahl Edelstahl (1.4404, 1.4542), (1.4404, Werkzeugstahzeugstahl<br />

(1.2709), Aluminium<br />

(1.2709), Aluminium<br />

1.4542), Werk-<br />

an? an?<br />

Mechanische Mechanische Nachbearbeitung Nachbearbeitung<br />

(AlSi10Mg, (AlSi10Mg, AlSi8), Bronze AlSi8), (CuSn8), Bronze (CuSn8),<br />

mit modernsten mit modernsten CNC-Technik, CNC-Technik,<br />

Titan (Ti6Al4V), Titan (Ti6Al4V), Kupfer (CuNi2), Kupfer (CuNi2),<br />

alle relevanten alle relevanten Verfahren Verfahren für das für das<br />

KobaldChrom KobaldChrom (CoCr). Weitere (CoCr). Legierungen<br />

sind rungen auf sind Anfrage auf Anfrage möglich. möglich.<br />

Weitere Legie-<br />

Oberflächen-Finishing, thermische thermische<br />

Nachbehandlungen<br />

Nachbehandlungen<br />

Engineering: Engineering: Ja Ja<br />

www.admantec.com<br />

www.admantec.com<br />

Verfahren Verfahren<br />

<strong>und</strong> ihre <strong>und</strong> ihre<br />

Abkürzungen<br />

FDM Fused FDM Deposition Fused Deposition<br />

Modeling Modeling<br />

LDMD Laser LDMD Direct Laser Metal Direct Metal<br />

Deposition Deposition<br />

MJF<br />

MJM<br />

MJP<br />

SLA<br />

SLM<br />

SLS<br />

Multi MJF Jet Fusion Multi Jet Fusion<br />

Multijet-Modeling<br />

MJM Multijet-Modeling<br />

Multi MJP Jet Printing Multi Jet Printing<br />

Stereolithografi SLA Stereolithografi e e<br />

Selektives SLM Selektives<br />

Laserschmelzen Laserschmelzen<br />

Selektives SLS Selektives<br />

Lasersintern Lasersintern<br />

#<strong>003</strong> 51


Gontenschwil<br />

Müri Prototech AG<br />

Welche Maschinen stehen bei Ihnen im Einsatz?<br />

3D-Systems: Viper Si, iPro 8000, ProX 6100,<br />

sPro 60HD-HS, Vanguard HS, ProJet MJP 2500 Plus<br />

Welche(s) Verfahren setzen Sie ein?<br />

STL, SLS, MJP<br />

Welche Materialien können Sie verarbeiten?<br />

Accura Xtreme, Accura ClearVue, Accura 25,<br />

DSM 12120 HT, Duraform PA, Duraform HST,<br />

Duraform Flex, VisiJet M2R-GRY<br />

Wo liegt das spezielle Knowhow Ihrer Firma?<br />

Müri Prototech bietet r<strong>und</strong> um Prototypen <strong>und</strong><br />

Kleinserien die ganze Vielfalt der Fertigung. Bereits<br />

seit 1998 profitieren unsere K<strong>und</strong>en von additiven<br />

Fertigungstechniken. Wir begleiten sie von der<br />

ersten Idee bis zur Fertigung. Die Kombinationen<br />

unterschiedlicher Fertigungstechnologien gehören<br />

zu unseren Hauptkompetenzen, zum Beispiel<br />

3D-Druck mit masshaltigem CNC-Finish oder in<br />

Ergänzung mit Vakuum- <strong>und</strong> Niederdruckgussteilen.<br />

Am Ende unserer Fertigung steht das manuelle<br />

Finish mit Qualitäts- <strong>und</strong> Funktionskontrolle.<br />

Bieten Sie auch Nachbearbeitung an?<br />

Von Standardfinish bis zur Veredelung der Oberflächen.<br />

Bei additiven Teilen gehören unter anderem<br />

sand-/glasperlstrahlen, schleifen, einfärben oder<br />

in verschiedensten Qualitäten lackieren, bis zur<br />

Veredelung in Chrom, zum Angebot.<br />

Engineering: Ja<br />

www.mueri-prototech.ch<br />

Nidau<br />

ProtoShape<br />

Welche Maschinen<br />

stehen bei Ihnen im<br />

Einsatz?<br />

SLM Solutions SLM280<br />

Twin Laser,<br />

SLM Solutions SLM280,<br />

SLM Solutions SLM250,<br />

SLM Solutions SLM125<br />

Welche(s) Verfahren<br />

setzen Sie ein?<br />

SLM<br />

Welche Materialien<br />

können Sie verarbeiten?<br />

AlSi10Mg, Ti6Al4V Gd.23,<br />

Inconel IN718,<br />

Auf Anfrage: C22, HastX,<br />

HS230, CoCr, 316L,<br />

17-4 PH, 1.2709,<br />

CuSn10, MarM247,<br />

IN738 <strong>und</strong> weitere<br />

Wo liegt das spezielle<br />

Knowhow Ihrer Firma?<br />

Fokussierung auf<br />

qualifizierte Materialien<br />

(Referenzen: für Alu:<br />

Boeing, für Titan:<br />

confidential medtech<br />

Firma, für IN718: ABB).<br />

Wir haben ein grosses<br />

Prozess-Knowhow, da<br />

wir seit über sieben<br />

Jahren am Markt sind<br />

<strong>und</strong> sind ISO9001:2015<br />

zertifiziert.<br />

Bieten Sie auch<br />

Nachbearbeitung an?<br />

3D Scan zur Qualitätssicherung,<br />

Metallographische<br />

Analyse,<br />

Oberflächenbearbeitung<br />

(Strahlen, Trowal,<br />

Coating, Elox), Wärmebehandlungen<br />

<strong>und</strong> HIP,<br />

Fräsen, Drehen, EDM.<br />

Engineering: Ja<br />

www.protoshape.ch<br />

Appenzell<br />

Prodartis<br />

Welche Maschinen<br />

stehen bei Ihnen im<br />

Einsatz?<br />

• 2 × SLS EOS<br />

• 2 × SLS 3D Systems<br />

• 2 × MJF HP<br />

Welche(s) Verfahren<br />

setzen Sie ein?<br />

SLS, MJF<br />

Welche Materialien<br />

können Sie verarbeiten?<br />

Vor allem Polyamide:<br />

PA12 (PA-HF, PA-G,<br />

PA-FR: JAR 25, PA MJF,<br />

Carbon verstärktes<br />

PA12), aber auch TPU<br />

z. B. TPU 80 sowie PP<br />

u. a.)<br />

Wo liegt das spezielle<br />

Knowhow Ihrer Firma?<br />

Unsere expliziten<br />

Stärken sind:<br />

Additive Serienfertigung<br />

bis mehrere 10 000 Stk.<br />

in konstant hoher,<br />

spritzgussnaher Qualität<br />

/ enge Beratung zu<br />

Themen wie Funktionsintegration,<br />

Kosteneinsparung<br />

oder die<br />

Unterstützung im<br />

Spannungsfeld AM oder<br />

Spritzguss / Engineering<br />

/ Rapid Prototyping /<br />

Teilmontage / Trainings<strong>und</strong><br />

firmenspezifische<br />

Schulung<br />

Bieten Sie auch<br />

Nachbearbeitung an?<br />

Glasstrahlen, Gleitschleifen/Trowalisieren,<br />

Färben, Lackieren<br />

<strong>und</strong> Beschichten,<br />

Teilmontage, mechanische<br />

Endbearbeitung.<br />

Engineering: Ja<br />

www.prodartis.ch<br />

52 #<strong>003</strong>


ADDITIVE MANUFACTURING<br />

Dornbirn (A) Dornbirn (A)<br />

Wo liegt Wo das liegt spezielle das spezielle<br />

Knowhow Knowhow Ihrer Firma? Ihrer Firma?<br />

1zu1 Prototypen 1zu1 Prototypen & &<br />

Wir begleiten Wir begleiten unsere unsere<br />

Co KGCo KG<br />

K<strong>und</strong>en vom K<strong>und</strong>en ersten vom ersten<br />

Prototyp Prototyp bis zum Serienteil.<br />

Unsere teil. Aufgabe Unsere Aufgabe ist ist<br />

bis zum Serien-<br />

Welche Maschinen Welche Maschinen stehen stehen<br />

bei Ihnen bei im Ihnen Einsatz? im Einsatz?<br />

dabei, gemeinsam dabei, gemeinsam mit mit<br />

• EOS: Formiga • EOS: Formiga P100, P100,<br />

unseren unseren K<strong>und</strong>en das K<strong>und</strong>en das<br />

Formiga Formiga P110, Formiga P110, Formiga<br />

perfekte perfekte Herstellungsverfahreverfahren<br />

mit dem mit dem<br />

Herstellungs-<br />

P110 Velocis, P110 P396, Velocis, P500 P396, P500<br />

• 3D Systems: • 3D Systems: Viper iPro, Viper iPro,<br />

optimalsten optimalsten Kosten-Nutzen-Verhältnizen-Verhältnis<br />

für den für den<br />

Kosten-Nut-<br />

Viper Si2, Viper PorJet Si2, 6000, PorJet 6000,<br />

SLA 3500, SLA ProX800 3500, ProX800<br />

jeweiligen jeweiligen Entwicklungsschritt<br />

anzubieten schritt anzubieten <strong>und</strong> <strong>und</strong><br />

Entwicklungs-<br />

• HP: Jet • Fusion HP: Jet 3D Fusion 4200 3D 4200<br />

• Stratasys: • Stratasys: Dimension Dimension<br />

umzusetzen. umzusetzen. Wir sind Wir sind<br />

Elite, Objet Elite, Eden Objet 350V Eden 350V<br />

die Querdenker, die Querdenker, die für jede die für jede<br />

• Voxeljet: • Voxeljet: VX500 VX500<br />

die optimalste die optimalste Lösung Lösung<br />

bieten im bieten Vakuumguss, im Vakuumguss,<br />

Welche(s) Welche(s) Verfahren Verfahren Spritzguss Spritzguss <strong>und</strong> 3D-Druck. <strong>und</strong> 3D-Druck.<br />

setzen Sie setzen ein? Sie ein?<br />

SLS (inkl. SLS Gummi), (inkl. Gummi),<br />

Bieten Sie Bieten auch Sie Nachbearbeitunbearbeitung<br />

an? an?<br />

Voxeljet-Technologie<br />

auch Nach-<br />

MJF, SLA, MJF, FDM, SLA, MJM, FDM, MJM,<br />

Lackieren, Lackieren, Spritzkitten, Spritzkitten,<br />

Strukturieren, Strukturieren, Infiltrieren, Infiltrieren,<br />

Welche Materialien Welche Materialien können können Polieren, Polieren, Trowalisieren, Trowalisieren,<br />

Sie verarbeiten? Sie verarbeiten? Bedrucken, Bedrucken, Laserbeschriften,<br />

Bedampfen/Metalliten,<br />

Bedampfen/Metalli-<br />

Laserbeschrif-<br />

PMMA, Objet PMMA, Vero Objet Blue, Vero Blue,<br />

Thermoplast, Thermoplast, DSM Somos DSM Somos sieren, Heissfolienprägung,<br />

sieren, Heissfolienprägung,<br />

PerFORM, PerFORM, DSM Somos DSM Somos Heissdruck Heissdruck imprägnieren imprägnieren<br />

ProtoTherm12120, ProtoTherm12120, DSM DSM<br />

WaterClear WaterClear Ultra 10122, Ultra 10122,<br />

Engineering: Engineering: Nein Nein<br />

Accura 25, Accura 25, Xtreme, Accura Xtreme, www.1zu1.eu www.1zu1.eu<br />

PA12, neoprenartiger<br />

PA12, neoprenartiger<br />

Gummiwerkstoff, Gummiwerkstoff, PP, PP,<br />

PA3200-GF, PA3200-GF, 2200 PA 2200<br />

St. GallenSt. Gallen<br />

Wo liegt Wo das liegt spezielle das spezielle Knowhow Knowhow Ihrer Firma? Ihrer Firma?<br />

Wir beraten Wir K<strong>und</strong>en beraten bei K<strong>und</strong>en Projekten bei Projekten <strong>und</strong> wählen <strong>und</strong> wählen<br />

IRPD IRPD<br />

das passende das passende Material Material <strong>und</strong> Verfahren <strong>und</strong> Verfahren für Ihre für Ihre<br />

Bedürfnisse Bedürfnisse aus. Hier aus. betrachten Hier betrachten wir die komplette wir die komplette<br />

Welche Maschinen Welche Maschinen stehen bei stehen Ihnen bei im Ihnen Einsatz? im Einsatz? Prozesskette. Prozesskette. Das über Das die über Jahre die aufgebaute Jahre aufgebaute Knowhow<br />

geben how wir geben in unseren wir in unseren «Think Additive»-Work-<br />

«Think Additive»-Work-<br />

Know-<br />

• ConceptLaser • ConceptLaser M1 M2 M1 M2<br />

• Multistrahl • Multistrahl SLM Anlage SLM mit Anlage Baufeld mit 400 Baufeld mm 400 mm shops an shops unsere an K<strong>und</strong>en unsere weiter. K<strong>und</strong>en Nach weiter. der Nach Bauteilherstellunherstellung<br />

wird dem wird K<strong>und</strong>en dem ein K<strong>und</strong>en fixfertiges ein fixfertiges Bauteil Bauteil<br />

der Bauteil-<br />

auf 330 mm auf 330 mm<br />

• EOS P395, • EOS EOS P395, P760EOS P760<br />

übergeben. übergeben. Weiter arbeiten Weiter arbeiten wir stetig wir an stetig den bestehenden<br />

Prozessen henden Prozessen im Bereich im SLM Bereich <strong>und</strong> SLM SLS <strong>und</strong> SLS <strong>und</strong><br />

an den beste-<br />

• 4 × 3D System • 4 × 3D Sinterstation System Sinterstation 2500 mit 2500 mit<br />

unterschiedlichen unterschiedlichen Upgrades Upgrades<br />

stecken viel stecken Energie viel in Energie die Prozessentwicklung, in die Prozessentwicklung, um um<br />

unseren unseren K<strong>und</strong>en zu K<strong>und</strong>en jedem zu Zeitpunkt jedem Zeitpunkt qualitativ qualitativ<br />

Welche(s) Welche(s) Verfahren Verfahren setzen Sie setzen ein? Sie ein?<br />

hochwertige hochwertige Bauteile Bauteile zu liefern. zu liefern.<br />

Wir bieten Wir alle bieten gängigen alle gängigen 3D-Druckverfahren 3D-Druckverfahren an. an.<br />

Kernkompetenz Kernkompetenz <strong>und</strong> Fokus <strong>und</strong> liegen Fokus bei liegen SLS <strong>und</strong> bei SLS SLM. <strong>und</strong> SLM. Bieten Sie Bieten auch Sie Nachbearbeitung auch Nachbearbeitung an? an?<br />

Lackieren, Lackieren, einfärben, einfärben, Assemblierung Assemblierung von Bauteilen, von Bauteilen,<br />

Welche Materialien Welche Materialien können Sie können verarbeiten? Sie verarbeiten?<br />

mechanische mechanische Nacharbeit. Nacharbeit. Weiter Nacharbeiten Weiter Nacharbeiten auf auf<br />

Kunststoff: Kunststoff: PA12, DF PA12, HST, DF Flex, HST, DF reines Flex, Poly reines propylen, Poly propylen,<br />

Anfrage. Anfrage.<br />

Duroplaste, Duroplaste, Sondermaterialien Sondermaterialien auf Anfrage auf Anfrage<br />

Metall: Edelstähle, Metall: Edelstähle, Warmarbeitsstähle, Warmarbeitsstähle, Ti-Legierungen,<br />

Al-Legierungen, gen, Al-Legierungen, NI-Legierungen, NI-Legierungen, CoCr-Legierun-<br />

CoCr-Legierun-<br />

Ti-Legierun-<br />

Engineering: Engineering: Ja Ja<br />

www.irpd.ch www.irpd.ch<br />

gen, Zn-Legierungen, gen, Zn-Legierungen, Sondermaterialien Sondermaterialien auf Anfrage auf Anfrage<br />

#<strong>003</strong> 53


Unbegrenzte Möglichkeiten:<br />

Ob zweischichtig,<br />

mit Loch oder komplexer<br />

Struktur: FabRx produziert<br />

in den verschiedensten<br />

Formen.<br />

PERSONALISIERTE<br />

MEDIKAMENTE AUS DEM<br />

3D-DRUCKER<br />

FabRx ist die weltweit erste Forschungsgruppe, die das selektive Lasersintern<br />

für die Herstellung von Medikamenten einsetzt. Dank der pionierhaften Arbeit<br />

des Spin-outs der University College London werden Medikamente in Zukunft<br />

3D-gedruckt. Im Einsatz: Ein 3D-Drucker aus der Schweiz.<br />

Firmenbeitrag<br />

Im Universitätsquartier in London.<br />

Der aus Italien stammende Apotheker<br />

Fabrizio Fina erwartet uns<br />

im weissen Laborkittel <strong>und</strong> führt<br />

uns in ein sauber aufgeräumtes<br />

Forschungslabor, das mit diversen<br />

3D-Druckern ausgestattet ist: Eingesetzt<br />

wird selektives Lasersintern<br />

(SLS), «Semi-solid»-Extrusionsverfahren<br />

(SSE), Stereolithografie (SLA) <strong>und</strong><br />

Fused Deposition Modeling (FDM) respektive<br />

Fused Filament Fabrication<br />

(FFF). Der in Pharmazeutik promovierende<br />

Fina arbeitet in Kooperation mit<br />

der Forschungsgruppe FabRx an der<br />

Entwicklung von «Printlets», den<br />

3D-gedruckten Tabletten der Zukunft.<br />

Neues Forschungsfeld dank SLS<br />

Im Labor füllt Fabrizio Fina das Pulvermaterial<br />

in den Bauraum eines<br />

SLS-Druckers (Sintratec Kit) <strong>und</strong> startet<br />

Sintratec Central, die Benutzersoftware.<br />

Wir sind erstaunt, wie<br />

schnell er drei Printlets, bestehend<br />

aus einer Mischung pharmazeutischer<br />

Polymeren, einem Wirk- (Paracetamol)<br />

<strong>und</strong> einem Farbstoff, gedruckt<br />

hat. In 20 Minuten drucke er 20<br />

Tabletten, erwähnt er nebenbei <strong>und</strong><br />

beginnt zu erzählen: «Die SLS-Technologie<br />

birgt ein riesiges Potenzial. In<br />

nur zwei Jahren haben wir damit aussergewöhnliche<br />

Resultate erzielt.»<br />

Vor zwei Jahren haben die ersten mit<br />

SLS gedruckten Printlets mit nur pharmazeutischen<br />

Komponenten gezeigt,<br />

dass die integrierten Wirkstoffe sich<br />

während des Sinterprozesses nicht<br />

zersetzten – wie zuvor fälschlicherweise<br />

angenommen. Nach dem Lasersintern<br />

blieben die Wirkstoffe sogar zu<br />

100 Prozent erhalten. Damit wurde ein<br />

Meilenstein erreicht. Fina erinnert<br />

sich: «Wir waren überrascht <strong>und</strong> realisierten,<br />

dass wir auf Basis dieser Erkenntnis<br />

viele andere Wirkstoffe evaluieren<br />

<strong>und</strong> dank der Präzision des<br />

Lasers innovative Formen drucken<br />

könnten.»<br />

Lasersintern von Medikamenten<br />

Fabrizio Fina hat soeben einen neuen<br />

Druckjob mit 400 mm/s, einer relativ<br />

54 #<strong>003</strong>


ADDITIVE MANUFACTURING<br />

hohen Lasergeschwindigkeit, gestartet,<br />

mit dem Ziel, schnell zersetzende<br />

Tabletten zu drucken. Während des<br />

Sinterprozesses verbinden sich die<br />

Pulverpartikel an ihren Oberflächen.<br />

«Necking» bezeichnet man diese Art<br />

von Verbindung, die poröse Strukturen<br />

generiert. Anders als bei traditionellen<br />

Herstellungsverfahren, bei denen Tabletten<br />

durch herkömmliche Pulverpressung<br />

hergestellt werden, erfordert<br />

SLS keine Kompression. Aufgr<strong>und</strong> der<br />

porösen Struktur kann Wasser leicht<br />

in das Printlet eindringen <strong>und</strong> die Pulverpartikelverbindungen<br />

innerhalb<br />

von Sek<strong>und</strong>en auflösen.<br />

«Wir streben das Gegenteil von klassischen<br />

3D-Druck-Anwendungen im<br />

Engineering-Bereich an, wo Robustheit<br />

gefragt ist. Wir machen Medikamente<br />

<strong>und</strong> möchten, dass unsere<br />

Materialien brechen oder sich zersetzen<br />

– im Magen-Darm-Trakt oder im<br />

M<strong>und</strong> mit einem Schluck Wasser», erklärt<br />

Fina. Solche Eigenschaften sind<br />

im Pharmabereich höchst erwünscht.<br />

Konventionelle Tabletten brauchen<br />

normalerweise zwischen 30 <strong>und</strong> 60<br />

Sek<strong>und</strong>en, um sich zu zersetzen. SLS<br />

ermöglicht schnellere Zersetzungszeiten<br />

<strong>und</strong> steht hier im Vorteil gegenüber<br />

traditionellen Herstellverfahren.<br />

Forschungsspielraum dank offener<br />

Parameter<br />

Grossen Forschungsspielraum verleihen<br />

den Akademikern die offenen Parameter<br />

des Sintratec Kit. Fabrizio<br />

Fina erklärt: «Durch das präzise Verändern<br />

der Druckparameter <strong>und</strong>/oder<br />

der Zusammensetzung der Pulvermischung<br />

können wir die Zersetzungsdauer<br />

der Tablette je nach Bedarf personalisieren.»<br />

Diese könne zwischen<br />

ein paar Sek<strong>und</strong>en <strong>und</strong> 24 St<strong>und</strong>en<br />

oder im Spezialfall bis zu mehreren<br />

Tagen liegen.<br />

Um die Auflösungsdauer weiter zu<br />

reduzieren, entwickelte Fina Printlets<br />

mit Gitterstrukturen. Aufgr<strong>und</strong> ihrer<br />

grossen Gesamtoberfläche zersetzen<br />

sich die Printlets mit Gyroid-Struktur<br />

(ein Gittertyp) viel schneller als<br />

jene mit zylindrischer Form. Solche<br />

komplexen Strukturen wären mit<br />

herkömmlichen Produktionstechnologien<br />

unmöglich herstellbar. Und<br />

unter den SLS-Druckern eignet sich<br />

das Sintratec Kit für Anwendungen im<br />

Labor insbesondere durch seine Auslegung:<br />

«Ein SLS-Drucker mit starkem<br />

Laser könnte Wirkstoffe abbauen <strong>und</strong><br />

ein grosser Bauraum wäre für uns ungünstig<br />

in puncto Materialaufbereitung<br />

<strong>und</strong> -handling.»<br />

Tabletten sintern bei Raumtemperatur<br />

Um eine thermische Zersetzung der<br />

Materialien zu vermeiden, muss die<br />

Prozesstemperatur so niedrig wie<br />

möglich sein. Eine Besonderheit des<br />

Sintratec-Kit liegt in dessen Möglichkeit,<br />

bei Raumtemperatur zu arbeiten.<br />

FabRx hat mehrere Polymere evaluiert,<br />

die das Sintern unter diesen gewünschten<br />

Bedingungen ermöglichen.<br />

Diese Prämisse hat in der Praxis<br />

einen angenehmen Nebeneffekt: Zum<br />

Beispiel ist die Aufwärmzeit des<br />

3D-Druckers kurz oder gar nicht vorhanden,<br />

<strong>und</strong> die 3D-Druckobjekte können<br />

– ohne Abkühlzeit – sofort entpulvert<br />

werden.<br />

Polypillen mit mehreren Wirkstoffen<br />

Nach dem Lunch begibt sich Professor<br />

Simon Gaisford, Head of Pharmaceutics<br />

am University College London <strong>und</strong><br />

Mitgründer von FabRx, ins Labor <strong>und</strong><br />

erklärt seine Vision über die Sintratec-Technologie:<br />

«Das selektive Lasersintern<br />

kreiert ein grosses Potenzial in<br />

der Pharmaindustrie. Damit können<br />

Fabrizio Fina: «SLS wird künftig in<br />

der Pharmaindustrie eine wichtige<br />

Rolle einnehmen.» Bilder: Sintratec<br />

Tabletten ohne Bindemittel (wie sie<br />

das Binder-Jetting-Verfahren einsetzt)<br />

hergestellt werden.»<br />

Das sei ein wichtiger Vorteil, da diese<br />

Bindemittel mit den Wirkstoffen thermisch<br />

reagieren könnten. Insbesondere<br />

bei sogenannten Polypillen, also Tabletten<br />

mit mehreren Wirkstoffen,<br />

bietet die SLS-Technologie signifikante<br />

Vorteile. Zum Beispiel ist es für Patienten<br />

bequemer, eine Polypille pro<br />

Tag einzunehmen statt mehrerer Einzeltabletten.<br />

Professor Gaisford spricht einen weiteren<br />

Punkt an: «Aus wirtschaftlichen<br />

Gründen schenkt die Pharmaindustrie<br />

der Produktion von Medikamenten für<br />

kleine Patientengruppen weniger Aufmerksamkeit.»<br />

Mit individualisierten 3D-Druckverfahren<br />

werden personalisierte Medikamente<br />

für wenig erforschte oder<br />

seltene Krankheiten, für kleine Patientengruppen<br />

oder für Kinder <strong>und</strong> ältere<br />

Menschen nun viel einfacher herstellbar.<br />

Für diese Zielgruppen können<br />

Wirkstoffe gemäss Behandlungsvorschriften<br />

exakt dosiert werden. Dies<br />

würde das Problem von den in den<br />

Apotheken nicht erhältlichen Zwischendosierungen<br />

lösen.<br />

Sintratec | www.sintratec.com<br />

#<strong>003</strong> 55


Kurznachrichten<br />

Matlab Expo 2019<br />

<strong>und</strong> das grosse<br />

Potenzial der KI<br />

Künstliche Intelligenz (KI)<br />

ist längst aus der Industrie<br />

nicht mehr wegzudenken<br />

<strong>und</strong> wird auch in Zukunft<br />

eine branchenübergreifende Schlüsseltechnologie<br />

bleiben. Auf der<br />

Matlab Expo 2019 in Bern stand<br />

deshalb dieses Thema im Zentrum:<br />

Wie Matlab & Simulink Ingenieuren<br />

<strong>und</strong> Wissenschaftlern helfen kann,<br />

KI in ihre Arbeit zu integrieren. Dabei<br />

zeigt sich aber auch immer wieder,<br />

wie viel Potenzial sich da noch bietet.<br />

Die Konferenz gab auch Einblicke,<br />

warum KI-Projekte immer wieder<br />

scheitern – <strong>und</strong> wie man es erfolgreicher<br />

gestalten kann.<br />

TuWprint+<br />

Grosse Multimediastory<br />

zu KI, Machining<br />

Learing <strong>und</strong> zur Matlab-<br />

Konferenz unter<br />

www-technik-<strong>und</strong>wissen.ch<br />

Bild: Ruben Sprich<br />

CST gewinnt wichtige<br />

Aktionäre<br />

Die Cargo sous terrain AG (CST)<br />

hat vor dem Hintergr<strong>und</strong> der<br />

gestarteten Vernehm lassung<br />

die Wichtigkeit ihrer Zukunftslösung<br />

für die Schweiz unterstrichen.<br />

Mit über 50 Aktionären aus zahlreichen<br />

Branchen vertritt CST einen breiten<br />

Querschnitt aus der schweizerischen<br />

Wirtschaft. An ihrer Generalversammlung<br />

hat sie mit der Credit Suisse <strong>und</strong><br />

der Basellandschaft lichen Kantonalbank<br />

zwei weitere Aktionäre aus dem<br />

Finanzsektor begrüssen können,<br />

welche die Finan zierung des Milliardenprojekts<br />

sicherstellen helfen.<br />

Cargo sous terrain AG<br />

www.cargosousterrain.ch<br />

56 #<strong>003</strong>


FIRMENNEWS<br />

Endress+Hauser investiert in Sensortechnologie<br />

Die zur Endress+Hauser-<br />

Gruppe gehörende Innovative<br />

Sensor Technology<br />

IST AG ist weiterhin auf<br />

Wachstumskurs. Der Sensorspezialist<br />

hat einen Erweiterungsbau im ostschweizerischen<br />

Ebnet-Kappel<br />

eingeweiht. Das Werk wurde für<br />

fast 15 Millionen Euro ausgebaut <strong>und</strong><br />

bietet nun die doppelte Nutzfläche.<br />

Mirko Lehmann, CEO der Innovative<br />

Sensor Technology IST AG, Matthias<br />

Altendorf, CEO der Endress+Hauser<br />

Gruppe, sowie Klaus Endress, Verwaltungsratspräsident<br />

bei Endress+Hauser,<br />

begrüssten gemeinsam zahlreiche<br />

K<strong>und</strong>en, Partner, Vertreter des öffentlichen<br />

Lebens sowie Mitarbeitende.<br />

«Die steigende Nachfrage nach innovativen<br />

Sensoren sowie das damit<br />

verb<strong>und</strong>ene starke Wachstum der<br />

Innovative Sensor Technology IST AG<br />

haben den Anbau notwendig gemacht.<br />

Wir sind uns sicher, den damit<br />

notwendigen Platz für noch mehr<br />

Innovation geschaffen zu haben»,<br />

sagte Matthias Altendorf, CEO<br />

der Endress+Hauser Gruppe anlässlich<br />

der Feierlichkeiten.<br />

Das über 13500 Quadratmeter grosse<br />

Werk bietet eine Produktionsfläche<br />

von r<strong>und</strong> 3700 Quadratmetern, r<strong>und</strong><br />

1500 davon sind Reinraum. Zudem<br />

wurden die Bürobereiche sowie<br />

die Kantine vergrössert. Notwendig<br />

machten die Erweiterung die steigenden<br />

Anforderungen in der Produktion<br />

sowie der wachsende Platzbedarf.<br />

Seit dem Umzug nach Ebnat-Kappel<br />

im Jahr 2012 hat sich die Mitar -<br />

bei terzahl der Innovative Sensor<br />

Techno logy IST AG von 100 auf<br />

knapp 200 Mitarbeitende am Standort<br />

verdoppelt. Diese konnten<br />

nach eineinhalb Jahren Bauzeit<br />

das Gebäude Anfang 2019 beziehen.<br />

Endress+Hauser AG<br />

www.endress.com<br />

Mirko Lehmann (CEO IST AG),<br />

Peter Anderegg (CFO IST AG),<br />

Christian Spoerlé (Gemeindepräsident<br />

Ebnat-Kappel),<br />

Matthias Altendorf (CEO<br />

E+H-Gruppe), Klaus Endress<br />

(Verwaltungsratspräsident<br />

E+H-Gruppe), Bruno Damann<br />

(Regierungsrat Kanton<br />

St. Gallen), Philipp Buchs<br />

(Architekt) <strong>und</strong> Jörn Lützen<br />

(COO IST AG) eröffnen den<br />

Erweiterungsbau der IST AG<br />

in Ebnet-Kappel.<br />

Bild: Endress+Hauser<br />

#<strong>003</strong> 57


FIRMENNEWS<br />

Philip Harting AUMA-Vorstandsvorsitzender<br />

Der Vorstandsvorsitzende<br />

der Harting-Technologiegruppe,<br />

Philip Harting, ist<br />

zum neuen Vorstandsvorsitzenden<br />

des AUMA (Ausstellungs<strong>und</strong><br />

Messe-Ausschuss der Deutschen<br />

Wirtschaft) gewählt worden. Damit<br />

steht das langjährige AUMA-Vorstandsmitglied<br />

für die nächsten drei<br />

Jahre an der Spitze des Verbandes.<br />

Philip Harting übernahm im Oktober<br />

2015 den Vorstandsvorsitz der<br />

Technologiegruppe von seinem Vater<br />

Dietmar Harting, nachdem er seit<br />

2008 als Vorstand für den Bereich<br />

Connectivity & Networks verantwortlich<br />

war. Seit Juni 2008 ist<br />

Philip Harting AUMA-Vorstandsmitglied.<br />

«Harting ist seit Anbeginn<br />

der Hannover Messe 1947 Aussteller<br />

dort. Deshalb weiss ich, welche<br />

Bedeutung Messen auch in Zeiten<br />

der Digitalisierung für die langfristige<br />

K<strong>und</strong>enbeziehung haben. Messen<br />

sind das Medium im Marketing»,<br />

sagt Philip Harting.<br />

Der Verband der deutschen Messewirtschaft<br />

besteht aus 74 Mitgliedern:<br />

38 Verbände aus den Bereichen<br />

Wirtschaft <strong>und</strong> Dienstleistung <strong>und</strong><br />

36 Messegesellschaften. Der AUMA<br />

vertritt in Deutschland die Interessen<br />

der Aussteller, Veranstalter <strong>und</strong><br />

Besucher von Messen. Er gilt aufgr<strong>und</strong><br />

seines Gründungsjahres<br />

1907 als einer der ältesten deutschen<br />

Verbände der Dienstleistungswirtschaft.<br />

Neben seiner Mitgliedschaft<br />

im Weltmesseverband UFI arbeitet<br />

der AUMA in Deutschland in<br />

zahlreichen Gremien der Aussenwirtschaft<br />

mit.<br />

Harting AG | www.harting.ch<br />

Bild: Harting<br />

Onrobot drängt in den Süden<br />

Das dänische Robotik-Unternehmen<br />

Onrobot hat sein<br />

erstes Büro in Deutschland<br />

eröffnet. Mit der Niederlassung<br />

im nordrhein-westfälischen<br />

Soest baut der neue General Manager<br />

Björn Milsch die Präsenz von Onrobot<br />

in den Märkten DACH <strong>und</strong> Benelux<br />

weiter aus.<br />

In keinem anderen europäischen<br />

Land sind laut International Federation<br />

of Robotics (IFR) mehr Industrieroboter<br />

im Einsatz – höher ist<br />

die Zahl lediglich in Südkorea <strong>und</strong><br />

Singapur. Mit der ersten Niederlassung<br />

in Deutschland wollen die Dänen<br />

näher an den K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> Partnern<br />

im deutschsprachigen Raum sein.<br />

Bis Ende des Jahres sollen neun<br />

Onrobot-Mitarbeiter im Soester Büro<br />

arbeiten. Ein technischer Raum bietet<br />

dort Platz für Schulungen sowie den<br />

Austausch mit K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> Partnern,<br />

ein Showroom zeigt Produkte <strong>und</strong><br />

Applikationen. Vor allem die günstige<br />

Verkehrsanbindung, auch in die<br />

Benelux-Länder, gab den Ausschlag<br />

zur Standortwahl. Zudem sind viele<br />

internationale Industrieunternehmen<br />

in Soest <strong>und</strong> Umgebung ansässig.<br />

Onrobot AS | www.onrobot.com<br />

Bei der Eröffnung des ersten<br />

deutschen Büros war der<br />

preisgekrönte Gecko-Greifer<br />

zu sehen, der auf der Hannover<br />

Messe mit dem Robotics<br />

Award ausgezeichnet worden<br />

ist. Bild: Onrobot<br />

58 #<strong>003</strong>


Mapal-Gruppe wächst weiter<br />

Ein Wachstum von knapp<br />

fünf Prozent verzeichnet die<br />

international agierende<br />

Mapal-Gruppe für 2018. Der<br />

konsolidierte Gruppenumsatz stieg<br />

von 610 auf 640 Millionen Euro. Neben<br />

dem Umsatz nahm auch die Zahl<br />

der Beschäftigten zu. Der Präzisionswerkzeughersteller<br />

beschäftigt<br />

mittlerweile über 5500 Mitarbeiter<br />

weltweit, davon mehr als 3600<br />

in Deutschland.<br />

Mapal hat seine Stellung in allen<br />

wichtigen Regionen gefestigt <strong>und</strong><br />

weiter ausgebaut. Um das zu erreichen,<br />

wurde im vergangenen Jahr<br />

in die Standorte investiert. In Asien<br />

wurde unter anderem ein Joint<br />

Venture in Vietnam gegründet <strong>und</strong><br />

die Mehrheit an Adico, einem Hersteller<br />

von PKD- <strong>und</strong> PcBN-Schneidstoffen,<br />

übernommen.<br />

Auf dem amerikanischen Kontinent<br />

wird die Präsenz ebenfalls ausgebaut.<br />

So wurde der Standort in Fountain<br />

Inn, South Carolina, erweitert. Erst<br />

im Februar 2019 wurde zudem ein<br />

komplett neues Werk in Mexiko<br />

eröffnet. In Deutschland wird momentan<br />

durch eine neue Produktionshalle<br />

die Kapazität des Kompetenzzentrums<br />

für Vollhartmetallwerkzeuge<br />

in Altenstadt erhöht.<br />

Ein Schwerpunkt liegt weiterhin<br />

auf der Digitalisierung <strong>und</strong> damit<br />

auf der Mapal-Tochter c-Com. Deren<br />

Fokus hat sich erweitert, um insbesondere<br />

kleineren Unternehmen<br />

einen einfacheren Einstieg in<br />

die digitale Welt zu ermöglichen.<br />

Mapal KG | www.mapal.com<br />

Dr. Jochen Kress, Geschäftsführender<br />

Gesellschafter Mapal Dr. Kress KG.<br />

Bild: Mapal<br />

Precision<br />

EVOLUTIONär für höchste Präzision<br />

Schnell <strong>und</strong> präzise wie ein Chamäleon.<br />

Baumer Laser-Lichtschranken <strong>und</strong> -Lichttaster erkennen Objekte zielsicher <strong>und</strong> blitzschnell – genau wie die Zunge<br />

eines Chamäleons. Varianten mit 0,1 mm kleinem Laserpunkt erkennen kleinste oder auch perforierte Objekte.<br />

Kurze Ansprechzeiten < 0,1 ms ermöglichen die präzise Steuerung schneller Prozesse.<br />

Erfahren Sie mehr:<br />

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SCHLEIF<strong>TECHNIK</strong><br />

DIE MASCHINENINTEGRIERTE<br />

ABRICHTTECHNOLOGIE<br />

FÜR METALLGEBUNDENE<br />

SCHLEIFSCHEIBEN<br />

Es gibt sperrige Überschriften. «Die maschinenintegrierte Abrichttechnologie<br />

für metallgeb<strong>und</strong>ene Schleifscheiben» gehört in diese Kategorie.<br />

Doch die Technologie selbst ist alles andere als sperrig.<br />

Von Eugen Albisser<br />

Das Grinding Symposium ist<br />

ein Erlebnis für 1500 Besucher<br />

aus aller Welt. Sie kommen<br />

ins Berner Oberland<br />

nach Thun <strong>und</strong> sehen <strong>und</strong> erleben dort<br />

die Technologien <strong>und</strong> die Trends aus<br />

der Sparte, in der die United Grinding<br />

Group zu Hause ist: Schleifen, Erodieren,<br />

Lasern <strong>und</strong> die Kombinationsbearbeitung.<br />

Das ist nicht wenig <strong>und</strong> die<br />

United Grinding Group lässt es bei<br />

solch einem Besucheraufmarsch auch<br />

nicht fehlen an gehaltvollen Fachvorträgen,<br />

Europapremieren <strong>und</strong> sogar<br />

Weltneuheiten.<br />

Die Zukunftstechnologie, die bereits<br />

da ist<br />

Zum ersten Mal an einem Grinding<br />

Symposium konnte man auch hinter<br />

die Kulissen schauen der Produktentwicklung<br />

der Gruppe. Erstmals war<br />

2019 nämlich das FutureLab Teil des<br />

Symposiums. «Wir stellen Zukunftstechnologien<br />

vor, um darüber mit unseren<br />

K<strong>und</strong>en ins Gespräch zu kommen<br />

<strong>und</strong> noch mehr über ihre individuellen<br />

Erwartungen <strong>und</strong> Anforderungen zu<br />

erfahren», erklärt CTO Christoph Plüss.<br />

Eine der dort ausgestellten Technologien<br />

gehörte aber eher zur Kategorie<br />

Zukunftstechnologie, die schneller gekommen<br />

sind, als die Zukunft. Sie ist<br />

bereits im Einsatz <strong>und</strong> doch lohnte es<br />

sich, diese Technologie genauer anzuschauen<br />

<strong>und</strong> zu staunen.<br />

Scheiben nur eingeschränkt in der<br />

Anlage abrichtbar<br />

Beim Schleifen harter Bauteile aus<br />

Hartmetall oder Keramik zum Bei-<br />

Das WireDress-System ist nun viel kompakter <strong>und</strong><br />

sitzt direkt hinter dem Werkstückspindelstock, ist<br />

somit flexibler einsetzbar <strong>und</strong> zudem leistungsfähiger<br />

als sein Vorgängermodell. Bild: Eugen Albisser<br />

60 #<strong>003</strong>


spiel setzt man gerne metallgeb<strong>und</strong>ene<br />

Schleifscheiben ein; also Scheiben<br />

aus einer gesinterten metallischen<br />

Matrix mit eingebetteten Diamanten.<br />

Die Vorteile solcher Scheiben ist ihre<br />

Langlebigkeit, sie sind formstabiler,<br />

die Schleifwärme wird besser abgeleitet,<br />

die Schnittigkeit <strong>und</strong> die Zerspanungsleistung<br />

sind hoch.<br />

Das ist die glänzende Seite der<br />

Medaille. Die nicht so glänzende Seite:<br />

Die Scheiben lassen sich nur sehr<br />

eingeschränkt in der Anlage selber<br />

abrichten. Eigentlich ist eine EDM-<br />

Abrichtung nötig, um eine hohe<br />

Schnittigkeit zu erreichen. Die aber<br />

gibt es ohne Einschränkungen nur<br />

ausserhalb der Anlage. Man hat also<br />

viel Nebenzeiten, um die Schleifscheibe<br />

zu schärfen, weil sie runtergenommen<br />

werden muss.<br />

Additives Denken half weiter<br />

Was tun? Selbstverständlich müsste<br />

man eine Abrichteinheit mit dem<br />

Funktionsprinzip der Drahtelektroerosion<br />

in die Schleifanlage bringen. Und<br />

am besten wär’s, die Schleifscheiben<br />

könnten bei voller Arbeitsgeschwindigkeit<br />

profiliert <strong>und</strong> geschärft werden.<br />

In den Köpfen der Studer-Entwickler<br />

war dies möglich mit der Wire-<br />

Dress-Technologie. Sie existierte bereits,<br />

allerdings gab es da ein Platzproblem,<br />

um das volle Potenzial auszuschöpfen.<br />

Man konnte zum Beispiel<br />

nicht die volle Spitzenweite nutzen. Es<br />

schien unmöglich, alle Funktionen in<br />

den zur Verfügung stehenden Raum<br />

einzupassen. Doch dann kam eine<br />

neue Denkweise ins Spiel, die die lang<br />

ersehnte Lösung brachte. Die zur United<br />

Grinding Group gehörende IRPD befasst<br />

sich mit den additiven Verfahren<br />

<strong>und</strong> ihr Zauberspruch heisst «Think<br />

Additive».<br />

Spart massiv Nebenzeiten<br />

Von da an kann man es kurz machen:<br />

Dank additivem Denken <strong>und</strong> dem<br />

3D-Druck entstand ein kompaktes<br />

Studer-WireDress-System, das Schleifscheiben<br />

bei voller Arbeitsgeschwindigkeit<br />

in der Anlage profiliert <strong>und</strong><br />

schärft. Die neu entwickelte elektroerosiv-integrierte<br />

Abrichttechnologie<br />

spart nicht nur massiv Nebenzeiten,<br />

sie ermöglicht Sinter-Metallbindungen<br />

mit der höchsten Präzision in der<br />

Schleifmaschine bei voller Arbeitsgeschwindigkeit<br />

abzurichten. WireDress<br />

ist als Abrichter-Option auf den Studer<br />

R<strong>und</strong>schleifmaschinen S22 <strong>und</strong> S41<br />

verfügbar.<br />

United Grinding | www.grinding.ch<br />

Sie wollen erfahren,<br />

wie der «Think Additive»-<br />

Prozess aussah, der<br />

zum neuen Design<br />

führte? Auf der AMX<br />

wurde ein Vortrag festgehalten<br />

zum Thema<br />

<strong>und</strong> der Entwicklung<br />

des Studer-WireDress-<br />

Systems.<br />

Leistungsmerkmale<br />

von<br />

WireDress<br />

Höhere Produktivität<br />

• Mindestens + 30 % Schleifl eistung<br />

• Längere Abrichtintervalle<br />

• Höchster Kornfreistand<br />

> max. Schnittigkeit<br />

• Abrichten in der Schleifmaschine<br />

> höhere OEE<br />

• Geringe Abrichtwerkzeugkosten<br />

Hohe Präzision<br />

• Kein Verschleiss am Abrichtwerkzeug<br />

• Abrichter schwenkbar<br />

• 20 % schneller Metallbindung<br />

abrichten<br />

• Höchste Profi lpräzision im<br />

μm-Bereich erreichbar<br />

• Am Werkstück R innen 0.2 mm<br />

R aussen 0.05 erreichbar<br />

Einfache Bedienung<br />

• Volle Spitzenweite nutzbar<br />

• Voll integriert in StuderWIN<br />

Maschinensteuerung<br />

• Reguläres Schleiföl einsetzbar<br />

• Schneller Drahtspulenwechsel<br />

ohne neu Erfassen<br />

* Quelle: www.studer.com<br />

Kann ich meine Linearführung einfach<br />

smart machen?<br />

Besuchen Sie uns: EMO, Hannover<br />

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Austauschlager<br />

austauschen<br />

Linearführung smart gemacht<br />

In Gleitfolien integriertes Leitermaterial misst, wann das<br />

Element getauscht werden muss. Gleitelemente einfach ohne<br />

Demontage des ganzen Systems direkt auf der Welle wechseln. igus.ch/drylinsmart<br />

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ROBOTIK<br />

COBOT ROCK /<br />

OH YEAH!<br />

Ein «Daft Punk»-Song heisst «Robot Rock / oh Yeah». Nicht<br />

dass Roboter out sind, aber momentan sind es die Cobots,<br />

die rocken. Diese kollaborativen Roboter sind eine interessante<br />

Option für KMU mit kleinen <strong>und</strong> mittleren Serien.<br />

Von Eugen Albisser<br />

Was wurde in den letzten<br />

Jahren nicht alles geschrieben<br />

über die<br />

kollaborativen Roboter!<br />

Und man konnte sicher sein, irgendwann<br />

tauchte das Wort «Kollege» auf:<br />

der Kollege Roboter! Als ob ein Mitarbeiter<br />

aus Fleisch <strong>und</strong> Blut dem so genannten<br />

Cobot zum Feierabendbier<br />

einladen oder ihm vom Wochenende<br />

erzählen würde. Haha!<br />

Aber die unzähligen Artikel über<br />

Panda, Baxter, Sawyer, UR3e, Yumi,<br />

TX2-40, Eva, Speedy, CR4iA <strong>und</strong> wie sie<br />

alle heissen, deuten darauf hin, dass<br />

sich ein Paradigmenwechsel ereignet<br />

hat. Klar, dieses «Kollaborative» ist ein<br />

Wechsel <strong>und</strong> einer, mit dem man sich<br />

zuerst auseinandersetzen muss. Bisher<br />

waren die Roboter ja aus Sicherheitsgründen<br />

hinter Gitter. Jetzt stand<br />

man neben ihnen <strong>und</strong> wenn man sie<br />

berührt, stoppen sie sofort die Arbeit.<br />

Netter Kollege!<br />

Keine Zeile Code<br />

Die Cobots haben aber in der Automation<br />

in mehrfacher Weise einen Paradigmenwechsel<br />

hervorgerufen. Denn<br />

sie sind nicht nur flexibel einsetzbar,<br />

schnell von einer Werkzeugmaschine<br />

zur anderen<br />

gebracht, sie sind<br />

auch wahnsinnig schnell<br />

programmiert – wobei das<br />

Wort «programmieren» falsch<br />

ist. Es gibt meist keine Zeile Code<br />

mehr zum Eintippen. Die Mitarbeiter<br />

erlernen das «Teachen» innert kürzester<br />

Zeit.<br />

Das führt zu einer nicht unwesentlichen<br />

Observation eines FHNW-Professors,<br />

der in einem Interview sagte:<br />

«Häufig beobachten wir bei Industriepartnern,<br />

dass sie einen kollaborativen<br />

Roboter kaufen, ihn jedoch getrennt<br />

von den Mitarbeitern einsetzen.<br />

Der Gr<strong>und</strong>, warum sie trotzdem keinen<br />

Industrieroboter nutzen, ist häufig,<br />

dass der Cobot einfacher zu programmieren<br />

ist.»<br />

FERTIGUNGS-<br />

TIPP<br />

#<strong>003</strong><br />

Wo braucht es eine dritte Hand?<br />

So ist ein kollaborativer Roboter eine<br />

äusserst fre<strong>und</strong>liche Investition gerade<br />

für KMU, die kleinere Serien produzieren.<br />

Sie verlieren kaum Zeit, um<br />

einen Cobot aufzustellen <strong>und</strong> einzuweisen<br />

<strong>und</strong> haben so immer einen<br />

«Ersatzmitarbeiter» zur Hand. Der<br />

Tipp: Nehmen Sie einzelne Arbeitsplätze<br />

unter die Lupe <strong>und</strong><br />

schauen Sie, wo sich der<br />

Einsatz lohnen könnte.<br />

Vielleicht zeigt sich tatsächlich:<br />

Da wäre eine dritte Hand<br />

hilfreich oder eine bisher unflexible<br />

Automation wäre produktiver, wenn<br />

ein kollaborativer Roboter die Arbeit<br />

verrichten würde.<br />

Auch für unter 5000 Euro erhältlich<br />

Ein weiterer Punkt macht das Ganze<br />

noch interessanter: Es gibt Cobots in<br />

allen Preisvarianten. Igus bietet den<br />

Robolink sogar als modularen Baukasten<br />

für unter 5000 Euro an. Auch<br />

Eva von Automata kostet ähnlich wenig.<br />

Die Auswahl ist inzwischen riesig<br />

<strong>und</strong> jeder findet etwas für seine<br />

Bedürfnisse.<br />

Brauchen Sie eine erste Cobot-<br />

Übersicht? Hier finden Sie eine:<br />

http://bit.ly/2XmlGZw<br />

62 #<strong>003</strong>


Produkte<br />

Simulation für unterwegs<br />

Comsol Client für Android erweitert die Möglichkeiten<br />

von Application Builder <strong>und</strong> Comsol Server, indem es<br />

dem Nutzer alle Simulationsanwendungen auch unterwegs<br />

zugänglich macht, ohne auf die Fähigkeiten der<br />

Geräte hardware beschränkt zu sein. Damit steht auch<br />

mobilen Technikern <strong>und</strong> Vertriebsleuten die Leistung von<br />

Comsol Multiphysics jederzeit direkt auf ihrem Androidgerät<br />

zur Verfügung <strong>und</strong> sie können ihre R&D-Aufgaben<br />

zu ihrem jeweiligen Arbeitsplatz oder auch zu einem Vertriebsgespräch<br />

mitnehmen. Die Simulationen laufen<br />

auf remoten Servern, so dass keine Einschränkung durch<br />

die eigene Hardwareleistung besteht.<br />

COMSOL Multiphysics GmbH | www.comsol.ch<br />

Industrie-Router mit Firewall<br />

Der Tosibox Lock 150 dient als Endpunkt für sichere Fernverbindungen.<br />

Mit ihm verb<strong>und</strong>ene IoT-Geräte sind übers Internet <strong>und</strong><br />

die meisten LAN- <strong>und</strong> WAN-Netzwerke mittels verschlüsselter<br />

VPN-Verbindung sicher zugänglich. Der Router ist NAT- <strong>und</strong> Firewall-fre<strong>und</strong>lich<br />

<strong>und</strong> hat einen VPN-Durchsatz von bis zu 10 Mb/s<br />

<strong>und</strong> End-to-End-Verschlüsselung zwischen Tosibox-Geräten. Des<br />

Weiteren sind bis zu zehn gleichzeitige VPN-Verbindungen möglich.<br />

Die Tosibox-Lösung besteht aus modularen Komponenten,<br />

die unbegrenzte Erweiterbarkeit <strong>und</strong> Flexibilität bieten <strong>und</strong> miteinander<br />

kompatibel sind. Das System funktioniert in internen<br />

sowie in externen Netzwerken.<br />

HY-LINE | www.hy-line.de/tosibox/lock150<br />

Intelligentes Gleitlager<br />

Das Smart Iglidur Gleitlager warnt frühzeitig vor einem Ausfall, so dass sich<br />

Wartung, Reparatur <strong>und</strong> Austausch vorab planen lassen. Der Gr<strong>und</strong>körper<br />

besteht aus einem innenliegenden, k<strong>und</strong>enindividuellen <strong>und</strong> schmiermittelfreien<br />

Iglidur-Werkstoff sowie einer äusseren, harten polymeren Schale, die<br />

das Lager schützt. Um den Verschleiss zu messen, kommt zwischen diesen zwei<br />

Komponenten ein Sensor zum Einsatz. Die von ihm gemessenen Daten lassen<br />

sich auf eine Kontrolllampe senden, um über den Verschleiss des Gleitlagers<br />

zu informieren, oder auf eine Abschaltautomatik. Für High-End-Anwendungen<br />

können die Daten direkt an eine Steuerung geschickt werden, die diese über<br />

das Kommunikationsmodul Icom an ein k<strong>und</strong>enindividuelles Webinterface zur<br />

Instandhaltung weiterleitet <strong>und</strong> auswertet.<br />

Igus Schweiz GmbH | www.igus.ch<br />

#<strong>003</strong> 63


PRODUKTE<br />

Messadapter für<br />

Fluke DSX Cableanalyzer<br />

Funkmodule für schnellen IoT-Einstieg<br />

Herzstück der Sharky-Module, die mit einem 2,4-GHz-HF-<br />

Transceiver ausgestattet sind, ist die STM32WB55-MCU<br />

von STMicroelectronics. Darüber integrieren diese Bluetooth<br />

5 einschliesslich BLE, Thread <strong>und</strong> ZigBee-Stacks.<br />

Die duale Architektur des ARM-Cortex-M-Kerns ermöglicht<br />

über den 64-MHz-Cortex-M4F-Kern eine sichere Anwendungsperformance<br />

in Echtzeit, während das Funk-Subsystem<br />

<strong>und</strong> die Sicherheitsaufgaben gleichzeitig auf dem parallel<br />

integrierten <strong>und</strong> vollkommen unabhängigen Cortex-M0+<br />

verwaltet werden. Die Module sind 16 × 27,25 mm gross<br />

<strong>und</strong> die SharkyPro-Varianten haben die Masse 14,6 × 23 mm<br />

beziehungsweise 14,6 × 14,6 mm.<br />

Der Ix Industrial ist eine Ethernet-Schnitt stelle<br />

für extreme Umgebungsbedingungen, nach IEC<br />

61076-3-124 genormt <strong>und</strong> 70 Prozent kleiner als<br />

ein vergleichbarer, 8-poliger RJ45-Modularstecker.<br />

Mit dem Adapter lässt sich die DSX-Serie von<br />

Fluke in Verkabelungssystemen, in denen der<br />

Ix-Industrial-Steckverbinder verbaut ist, zu Überprüfungszwecken<br />

vor der Inbetriebnahme <strong>und</strong><br />

zur Fehlersuche einsetzen. Der miniaturisierte<br />

Steckverbinder unterstützt Übertragungsraten von<br />

bis zu 10 Gbit/s, wenn er mit Cat. 6A- oder Klasse<br />

EA-Verkabelungssystemen verwendet wird. Seine<br />

robuste Bauart sorgt für eine hohe Haltekraft<br />

auf der Leiterplatte, eine Lebensdauer von bis zu<br />

5000 Steckzyklen <strong>und</strong> eine hohe Abschirmung<br />

gegen elektromagnetische Störungen.<br />

Harting AG | www.harting.ch<br />

Arrow Electronics | www.arrow.com<br />

Kompaktsteuerung mit integriertem Switch<br />

Mit einer Breite von 37,5 mm inklusive Netzteil ist die X20CP0420-<br />

Steuerung extrem kompakt. Sie erreicht Zykluszeiten bis 4 ms<br />

<strong>und</strong> verfügt über 128 MB RAM <strong>und</strong> 256 MB internen Flash-Speicher.<br />

In der Standardausführung bietet sie Ethernet, USB <strong>und</strong><br />

RS232, optional ist eine weitere CAN-Schnittstelle verfügbar.<br />

Zudem ist die Kompaktsteuerung wartungsfrei, da kein Lüfter <strong>und</strong><br />

keine Batterie verwendet werden. Die X20-I/O-Module können<br />

direkt an die Steuerung gesteckt werden <strong>und</strong> fügen sich nahtlos<br />

an. Trotz der geringen Breite ist die Stromversorgung der<br />

Steuerung <strong>und</strong> der I/O-Module Bestandteil der Zentraleinheit.<br />

Zusätzliche Netzteilmodule sind nicht erforderlich.<br />

B&R Industrie-Automation AG | www.br-automation.com<br />

64 #<strong>003</strong>


Schmaler Schutz für 3-Leiter-Anwendungen<br />

Phoenix Contact ergänzt seine schmalen Überspannungsschutzgeräte<br />

für die MSR-Technik Termitrab complete mit einer massgeschneiderten<br />

Lösung für impedanzsensible Messkreise mit mehr als zwei Signaladern.<br />

Somit stehen ab sofort schmale Schutzgeräte für 3-Leiter-Anwendungen<br />

in 6 mm Baubreite zur Verfügung. Die Produkte gliedern sich nahtlos<br />

ins Portfolio der Produktfamilie Termitrab complete ein. Sie bieten ebenfalls<br />

Vorteile wie die Steckbarkeit <strong>und</strong> die optionale optische Fernmeldung.<br />

Auch für eigensichere Bereiche steht mit einem neuen, steckbaren<br />

Produkt eine Lösung zur Verfügung: Die Überspannungschutzgeräte<br />

TTC-6P-3 unterscheiden sich zu den HF-Varianten durch einen deutlich<br />

höheren Bemessungsstrom von 5 A.<br />

Phoenix Contact AG | www.phoenixcontact.ch<br />

Baukasten für manuelle Werkstückdirektspannung<br />

Die manuell betätigte Baureihe Vero-S WDM-5X für die Werkstückdirektspannung<br />

erlaubt mithilfe von Basis- <strong>und</strong> Aufbaumodulen eine definierte Spannsituation,<br />

eine zuverlässige Simulation sowie eine kollisionsfreie, hocheffiziente<br />

Zerspanung von fünf Seiten. Die Betätigung der Spannmodule erfolgt medienfrei<br />

<strong>und</strong> unabhängig von der Maschinenperipherie im Handumdrehen über<br />

Sechskantschlüssel. Über flexible Befestigungssysteme lassen sie sich mit fast<br />

allen Maschinentischtypen kombinieren. Zentrale Elemente der Baureihe sind<br />

Basismodule in den Bauhöhen 75, 125, 150 <strong>und</strong> 175 mm, die mit Aufbaumodulen<br />

in Bauhöhe 75, 100 <strong>und</strong> 125 mm kombiniert werden. Zudem umfasst das Programm<br />

eine Vielfalt an Spannbolzenvarianten, die sich passend zur Grösse <strong>und</strong><br />

Form des jeweiligen Werkstücks integrieren lassen. Über Höheneinstelladapter<br />

lassen sich auch Freiformflächen schnell <strong>und</strong> einfach spannen.<br />

Schunk Intec AG | www.schunk.com<br />

MASCHINENAUTOMATISIERUNG<br />

Smart Automation<br />

for a smart factory<br />

.................................................................................................<br />

www.imhof-sew.ch


PRODUKTE<br />

Miniatursensoren mit IO-Link-Schnittstelle<br />

Die O200-Reflexionslichtschranken mit Hintergr<strong>und</strong>ausblendung<br />

bieten Fremdlichtsicherheit ohne Geschwindigkeitsverlust.<br />

Dank erhöhter Funktionsreserven erreichen sie eine Reichweite<br />

von 120 mm auch auf dunkelste <strong>und</strong> glänzende Objekte. O200-<br />

Varianten mit V-Optik verfügen über einen fokussierten, zum<br />

Empfänger hin abgewinkelten Lichtstrahl mit nur 1,2 mm Durchmesser.<br />

So können nebst kleinsten Objekten auch glänzende<br />

oder transparente Objekte erfasst werden. Für extrem kompakte<br />

Maschinendesigns stellen die O200-Smartreflect-Lichtschranken<br />

die optimale Lösung dar. Sie bieten die Zuverlässigkeit einer<br />

Lichtschranke aber ohne die Notwendigkeit eines Reflektors<br />

oder separaten Empfängers - <strong>und</strong> das bei einer Reichweite von<br />

bis zu 180 mm. Für grössere Distanzen bietet das Portfolio<br />

Reflexionslichtschranken bis 4 m <strong>und</strong> Einweg-Lichtschranken<br />

mit bis zu 6 m Reichweite.<br />

Baumer Electric AG | www.baumer.com<br />

Daten kosteneffizient erfassen<br />

<strong>und</strong> drahtlos übertragen<br />

Gewindeformer für grosse Losgrössen<br />

Der TC410 Advance mit TiN-Beschichtung ist universell einsetzbar<br />

für Gr<strong>und</strong>- <strong>und</strong> Durchgangsgewinde (metrisch,<br />

metrisch fein, UNC/UNF <strong>und</strong> G), alle formbaren Materialien<br />

der ISO-Werkstoffgruppen P, M, N sowie für ISO K <strong>und</strong> S<br />

in der Nebenanwendung. Neben den generellen Vorteilen<br />

von Gewindeformern wie spanlose Bearbeitung führt<br />

Walter für die neuen Werkzeuge vor allem Wirtschaftlichkeitsvorteile<br />

ins Feld. Ausschlaggebend dafür sind die<br />

Geometrie <strong>und</strong> eine spezielle Nachbehandlung: Neuartige<br />

Formkanten verkürzen die Eingriffszeit im Material. Dies<br />

reduziert die Reibung <strong>und</strong> damit die Wärmeentwicklung,<br />

was den Verschleiss verringert <strong>und</strong> die Werkzeugstandzeit<br />

erhöht. Die nachbehandelte, extrem glatte Werkzeugober -<br />

fläche verkleinert das Drehmoment <strong>und</strong> erhöht dadurch die<br />

Standzeit zusätzlich. Walter bietet den TC410 Advance in<br />

zwei Varianten an: ohne Schmiernuten – <strong>und</strong> mit Schmiernuten<br />

für tiefere Gewinde bis 3,5 × DN.<br />

Dank Multisensortechnologie erfasst der SCD<br />

mehrere Daten simultan <strong>und</strong> überträgt sie<br />

drahtlos zur sofortigen Schwachstellenanalyse<br />

an eine App. Das Anwendungsfeld erstreckt<br />

sich dabei von der Maschineninbetriebnahme<br />

über die Produktionsphase bis hin zum Servicefall<br />

<strong>und</strong> reicht von der Schock- <strong>und</strong> Stromerkennung<br />

über die Aufzeichnung von Vibrationsprofilen<br />

oder langsamen Temperatur verläufen<br />

bis hin zum Erkennen oder temporären Aufzeichnen<br />

eines Warnlampenstatus. Mit dem<br />

SCD lassen sich Daten schnell <strong>und</strong> ohne<br />

Programmieraufwand erfassen, visualisieren<br />

<strong>und</strong> speichern. Sofort nach seiner Aktivierung<br />

liefert der Sensor Messwerte für Temperatur,<br />

Beschleunigung, Magnetfeld/Strom <strong>und</strong> Licht<br />

– bei Bedarf auch mit hochfrequenter Datenerfassung.<br />

Zur weitergehenden Auswertung<br />

<strong>und</strong> Dokumentation lassen sich die Messwerte<br />

in Excel exportieren.<br />

Bosch Rexroth Schweiz AG<br />

www.boschrexroth.ch<br />

Walter AG | www.walter-tools.com<br />

66 #<strong>003</strong>


Erweiterung der Stahlfrässorten<br />

Die 2018 eingeführten Frässorten GC4330 <strong>und</strong> GC4340 ermöglichen<br />

dank speziellem Hartmetallsubstrat, der Inveio-Beschichtung <strong>und</strong><br />

einer verbesserten Technologie zur Nachbehandlung eine wesentlich<br />

höhere Werkzeugstandzeit <strong>und</strong> eine verbesserte Prozesssicherheit.<br />

GC4330 ist eine Sorte mittlerer Härte für die Schrupp- <strong>und</strong> Vorschlichtbearbeitung<br />

beim Planfräsen, die robuste GC4340 die bevorzugte Sorte für<br />

das Schruppen beim Eck- <strong>und</strong> Nutenfräsen. Beide Sorten sind ab sofort<br />

auch für den Plan- <strong>und</strong> Profilfräser CoroMill 300, den vielseitigen Planfräser<br />

CoroMill 245, den Heavy-Duty-Planfräser CoroMill 360, den Hochvorschubfräser<br />

CoroMill 419 sowie als LPMH-PM Wendeschneidplatten für Tauchfräser erhältlich.<br />

GC4330 kann ausserdem mit dem prozesssicheren Planfräser CoroMill 365 eingesezt<br />

werden, GC4340 mit dem Kugelschaftfräser CoroMill 216, dem CoroMill 415,<br />

einem Hochvorschubfräser mit kleinem Durchmesser <strong>und</strong> dem CoroMill QD Fräser<br />

für prozesssicheres Nutenfräsen <strong>und</strong> Abtrennen.<br />

Sandvik AG, Coromant | www.sandvik.coromant.com<br />

Steuerung <strong>und</strong> Multitouchpanel in einem Gerät<br />

Das Power Panel C50 vereint die Vorteile einer leistungsstarken Steuerung<br />

<strong>und</strong> eines modernen projiziert-kapazitiven Touchscreens in einem Gerät.<br />

Das Panel verfügt über einen eigenständigen Prozessor für die Visualisierung<br />

<strong>und</strong> kann bei Temperaturen von -20 bis 60° C ohne Lüfter eingesetzt werden.<br />

Der Touchscreen reagiert selbst bei der Bedienung mit dicken Lederhandschuhen<br />

präzise <strong>und</strong> zuverlässig. Das C50 ist in vier Grössen von 7,0 bis<br />

15,6 Zoll im Widescreen-Format erhältlich. An Schnittstellen bietet es unter<br />

anderem Powerlink, Ethernet <strong>und</strong> USB. Zudem können I/O, Achsen <strong>und</strong><br />

Safetykomponenten direkt angeschlossen werden.<br />

B&R Industrie-Automation AG | www.br-automation.com<br />

Roboter-Schnellwechselsystem für<br />

Handlinggewichte bis 50 kg<br />

Das pneumatisch gesteuerte Roboter-Schnellwechselsystem SWS-046 ermöglicht<br />

einen prozesssicheren Wechsel unterschiedlichster Greif systeme <strong>und</strong><br />

Werkzeuge am Frontend. Mit seinen vier Anbauflächen für Optionsmodule<br />

bietet es jede Menge Möglichkeiten, um den jeweils angekoppelten Effektor<br />

pneumatisch, hydraulisch oder elektrisch zu versorgen. Das Anschraubbild<br />

des SWS-046 entspricht roboterseitig ISO 9409-1-100-6-M8. Zudem ist eine<br />

optionale Zentrierb<strong>und</strong>platte mit ISO-Flanschbild erhältlich, mit der das Modul<br />

ohne zusätzliche Adapterplatte an den meisten Robotern eingesetzt werden<br />

kann. Bei einem Not-Stopp oder plötzlichen Energieausfall gewährleistet das<br />

Verriegelungssystem mit seiner Selbsthemmung eine prozessstabile Verbindung<br />

zwischen Schnellwechselkopf <strong>und</strong> -adapter. Die maximal zulässige<br />

Momentenbelastung liegt bei 678 Nm (Mx, My) beziehungsweise 882 Nm (Mz).<br />

Schunk Intec AG | www.schunk.com<br />

#<strong>003</strong> 67


Hochgeschwindigkeitsweiche Absolute Gestaltungsfreiheit Shuttlewechsel im Betrieb<br />

ACOPOStrak<br />

Höchste Effektivität in der Produktion<br />

www.br-automation.com/ACOPOStrak<br />

ROI<br />

OEE<br />

TTM<br />

Antriebstechnik für die adaptive Maschine.<br />

Flexibler. Schneller. Produktiver.

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