SeeMagazin 2020

storyboard.de

Die Besonderheiten des Fünfseenlandes sammeln wir einmal jährlich mit schönen Bildern und Geschichten in unserem SeeMagazin. Dafür treffen wir interessante Menschen, die mit Begeisterung bei der Sache sind und ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Das Motto der Ausgabe 2020: „Menschen, Missionen, Meisterwerke“ – denn es sind neben der einzigartigen Natur vor allem die Menschen, die die Region einzigartig machen.

Jahresausgabe 2020 | №16

€ 7,50

für

Einheimische

& Gäste

Hans Sigl

Der beliebte Schauspieler

und „Bergdoktor“ im

SeeGespräch

Paradies für

Entdecker

Hier können Sie herrlich

entspannen!

Einfach

glücklich

am See

Ein Heft voller Inspiration,

Zuversicht & Menschen mit guten Ideen


Inhalt

40

Gut fürs Gemüt:

Walliser

Schwarznasenschafe

22

Eins mit dem Wasser: Klippenspringerin Iris

Schmidbauer wagte ihre ersten Sprünge in Utting

SeeLeben

SeeMensch SeeHaus SeeKultur

12

Volle Kraft voraus

Die Ruderer Tom Tewes und

Kaspar Virnekäs haben

große Ziele – und eine enorme

Trainingsdisziplin

22

In Höchstform

Iris Schmidbauer gilt als beste

deutsche Klippenspringerin. Wo

ihre Karriere begann? In Utting!

56

Gegen die Plastikflut

Das Start-up Ecofario filtert

Mikroplastik kostengünstig

aus Seen und Flüssen

60

Jeder Fisch zählt

Wie steht es um den Fischbestand

im Starnberger See?

Ein Forscher erzählt

64

Bedien dich, Biene!

So können Sie helfen, die

Artenvielfalt zu erhalten

32

Kurz mal Pause

von der Welt

Schauspieler und „Bergdoktor“

Hans Sigl über kraftvolle Orte,

Arschbomben und den

besten Platz am Ammersee

40

„Mäh“-Spaß am Leben

Nikolas Fricke züchtet

Walliser Schwarznasenschafe

– mit einer Begeisterung, die

ansteckend ist

48

Bereit für den eigenen

Bio-Hof

Eine junge Bäuerin übernimmt

die Öko-Landwirtschaft der

Eltern. Wie sie die Arbeit wuppt,

zeigt ein Besuch in Farchach

54

Seefrauengarn

Einmal „Starni“, immer „Starni“

– der Starnberger See ist eine

Wohltat für die (Städter-)Seele

68

Die zwei

Baumeister-Brüder

Mit dem Umbau eines alten

Stadels erhalten Anderl

und Karl-Michael Friedinger

ein Stück Heimat

74

Verwunschen,

verlassen, versteckt

Sie glauben, das Fünfseenland

gut zu kennen? Werfen

Sie einen Blick hinter diese –

filmreifen – Kulissen!

84

Ein Garten

mit Charakter

An diesem kleinen

Paradies hat die ganze

Familie Freude

132

Nah am Wasser

gebaut

Diese Bootshütten sind

einfach bezaubernd

90

25 Orte, an denen

man herrlich

„runterkommt“

Lassen Sie sich inspirieren:

Insider verraten ihre schönsten

Rückzugsmöglichkeiten

96

SeeTipps: Bücher

Lektüre für die Hängematte und

den nächsten Ausflug

98

Herr der Säulen:

Bernd Zimmer

Die Welt unter einem Dach:

wie der Künstler in Polling

ein einzigartes Projekt

verwirklicht

108

Mit Leidenschaft

bei der Sache

Wirklich beeindruckend,

was diese Menschen auf die

Beine stellen

Aufgrund der Corona-Pandemie können Termine und Veranstaltungen, die wir im Heft

nennen, kurzfristig verschoben werden. Wir empfehlen Ihnen daher, sich auf der Website

der Veranstalter oder im Internet nochmals zu informieren. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

4


7


SeeLeben

Spiegelndes Wasser, in Nebel gehüllte Ufer:

Wer früh aufsteht, genießt an den

Osterseen ein magisches Farbenspiel

9


SeeLeben

Vollkommene Stille: Mit etwas Glück

hat man den Starnberger See

zur „goldenen Stunde“ ganz für sich allein

10


SeeLeben

Das Seeufer rauf und

wieder runter: In einer

Trainingseinheit rudern

Tom Tewes und Kaspar

Virnekäs durchschnittlich

16 bis 18 Kilometer.

Sie brauchen dafür

etwa 90 Minuten

12


VOLLE KRAFT

VORAUS

Respekt! Tom Tewes und Kaspar Virnekäs haben

sich in ihrer Altersklasse an die Weltspitze gerudert.

Mit Begeisterung, Gelassenheit und Training,

Training, Training. Ein Besuch am Starnberger See

TEXT

FOTOS

MARLENE IRAUSEK

JAN GREUNE


16


SeeLeben

Ein eingespieltes Team: Die beiden Freunde kennen sich seit der 5. Klasse. Tom Tewes (l.)

studiert mittlerweile Physik und Kaspar Virnekäs (r.) Biologie in München

»Um alles geben zu können,

finde ich es wichtig, sich

hohe Ziele zu setzen – auch

wenn man sie vielleicht

nicht immer ganz erreicht«

Tom Tewes

gemeinsam. Im Sommer 2015 wird aus ihrer Schülerruder-

Mitgliedschaft beim Münchener Ruder-Club von 1880 e. V.

(MRC) schließlich eine richtige. Nun sitzen sie mindestens

fünfmal die Woche im Ruderboot. Die Schule bereitete beiden

keine große Mühe, dennoch geht viel Freizeit für den

Sport drauf, für andere Hobbys bleibt kaum Raum. „Wir hatten

richtig Glück, dass wir uns gefunden haben und einen

passenden Trainer dazu“, wissen beide. Armin Hörtreiter betreut

Tewes und Virnekäs, seitdem sie aktiv im Verein sind,

und bereitet die jungen Sportler mit Erfahrung und Humor

auf die Wettkämpfe vor. Ein wichtiger Punkt, denn nur wenn

das Training auch Spaß macht, „läuft’s“. Dass sie nah beieinander

wohnen – Tewes in Stockdorf und Virnekäs in Gauting –,

ist dabei sicher von Vorteil. Sie trainieren viel gemeinsam,

sind perfekt aufeinander abgestimmt: „Vertrauen spielt bei

uns keine Rolle mehr. Wir sind schon so lange zusammen im

Boot, da überlegt man nicht mehr, ob der andere das Gleiche

macht, sondern er macht es einfach.“ Der Trainer korrigiert

allenfalls noch Feinheiten. Er begleitet die 16 bis 18 Kilometer

Trainingseinheit übrigens im Motorboot. Circa eineinhalb

Stunden brauchen die Jungs dafür.

Seit Herbst studieren beide in München: Virnekäs Biologie

und Tewes Physik. Um den Studienalltag und die intensiven

Wettkampfvorbereitungen unter einen Hut zu bringen,

bedarf es guter Organisation. Und Sonderregelungen.

17


SeeLeben

Dank ihres Nationalkaderstatus steht den Nachwuchstalenten

der Olympiastützpunkt Bayern beratend zur Seite. Wer

im U-23-Bereich in der Nationalmannschaft fahren möchte,

muss jedoch Opfer bringen und bei Freizeit und Uni-Partys

zurückstecken. „Das macht jetzt keiner wie im Juniorbereich,

weil er sagt, dass es viel Spaß macht, sondern weil

bestimmte Ziele im Vordergrund stehen“, so Virnekäs.

Ziele haben die jungen Männer definitiv. Sie möchten

sich wieder für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Dafür

trainiert das Erfolgsduo – auch den Winter über – täglich,

oft zwei Einheiten pro Tag. Nur am Montag ist „Ruhetag“,

mit einem weniger anstrengenden Trainingsplan. Zum

MRC gehören auch zwei Bootshallen an der Olympiastrecke

von 1972 in Oberschleißheim, in denen Tewes und Virnekäs

trainieren: „Im Leistungszentrum fährt man zwei Kilometer

runter und hoch, bis man seine Trainingseinheit erreicht

hat.“ Ganz anders sei natürlich die Trainingsstrecke

am Starnberger See: „Die Bergkulisse macht schon etwas

aus, auch wenn man beim Rudern nicht unbedingt darauf

achtet.“ Ein weiterer Wunsch der beiden ist die Teilnahme

an Olympia. Am liebsten schon 2024. Sie bleiben realistisch.

Schon allein wegen des Trainingsausfalls während

der Corona-Krise. Die beiden trainieren erst mal viel zu

Hause auf dem Ruder ergometer und dem Rennrad und

konzentrieren sich darauf, dass die WM – wenn nicht dieses

Jahr, dann nächstes – gut läuft und sie das Studium nebenbei

nicht aus den Augen verlieren. Was sie beide auszeichnet?

„Durchhaltevermögen.“ Und ihr Rat an andere Nachwuchstalente:

„Sich hohe Ziele setzen“, so Tewes. „Jeden

kleinen Erfolg als Motivation nutzen“, ergänzt Virnekäs.

Am wichtigsten finden beide: „Freunde suchen im Sport.“

Ein guter Plan!

Die beiden Sportler gehören zum Münchener Ruder-Club von 1880 e. V. (MRC), einem der ältesten Rudervereine Bayerns.

Er ist im alten Bootshaus in Starnberg ansässig und feiert dieses Jahr sein 140-jähriges Bestehen

20


SeeLeben

Nichts

geht über

das GEFÜHL,

ganz oben

zu stehen

Iris Schmidbauer, Deutschlands beste und erfolgreichste Klippen springerin,

kommt aus dem Fünfseenland. Wo alles begann?

Im Uttinger Strandbad, zehn Meter über dem Wasser

TEXT

FOTOS

MARLENE IRAUSEK

JAN GREUNE

Auf dem Zehn-Meter-Turm des

Strandbads in Utting liegt einem

der Ammersee zu Füßen. Was man

bei diesem Anblick nicht ahnt, ist

die Außentemperatur: Sie lag am

Tag der Aufnahmen im niedrigen

zweistelligen Bereich – das machte

Iris Schmidbauer aber nichts aus

22


SeeLeben

Iris Schmidbauer beginnt 2013 mit dem Wasserspringen – aus Spaß an der Freud. Dass sie einmal von

20 bis 22 Meter hohen Klippen springen würde, hätte sie sich damals nicht träumen lassen

Das „Wasser fängt mich auf“, treffender

könnte Iris Schmidbauer nicht beschreiben,

was ihr das Springen gibt. Mittlerweile sogar aus

22 Metern Höhe. Es erfordert Mut – und einen durchtrainierten

Körper. Das Eintauchen mit bis zu 85 Stundenkilometern

verzeiht keine Fehler. Klar empfinde sie auch Angst:

Schmidbauer arbeitet oft mehr als ein Jahr an einem neuen

Sprung. Die Sprünge bauen aufeinander auf und es dauert

lange, bis eine neue Bewegungsabfolge verinnerlicht ist. „Ich

stehe nicht da oben und denke: Das probier ich jetzt aus“, erklärt

die 25-Jährige. „Ich bereite mich intensiv darauf vor.“

Das bedeutet: vormittags eine halbe Stunde Trockentraining

und eineinhalb Stunden Wassertraining, am Nachmittag

noch mal eineinhalb Stunden Land- und eineinhalb Stunden

Wassertraining. An sechs Tagen in der Woche. Plus:

dreimal die Woche Gewichtheben. Den Sprung selbst übt die

Sportlerin in zwei Abschnitten vom Zehn-Meter-Brett. Wie

lange so ein Sprung dauert? Zwei Sekunden. Und doch:

„Wenn ich auf der Klippe stehe, den Felsen unter den Füßen

spüre, bevor ich ins schäumende Meer springe, macht mich

das glücklich.“

Dass die Pählerin heute so weit oben steht, war keineswegs

geplant. Gemeinsam mit ihrem Bruder beginnt sie

2013 mit dem Wasserspringen, es ist anfangs ein rein freizeitsportlicher

Spaß. Als Schmidbauer aber in einem

»Auf jeden Sprung

bereite ich mich intensiv vor.

Oft über ein Jahr lang«

Iris Schmidbauer

24


SeeLeben

»Meine Eltern stehen

hinter mir – auch wenn

ihnen mein Sport eine Spur

zu ausgefallen ist«

Iris Schmidbauer

Cliff Diving verbindet die Akrobatik des Turmspringens

mit den Anforderungen, die die Natur an den

Sportler stellt. Das erfordert Mut und viel Training

Münchner Schwimmbad auf Cliff-Diving-Athlet Alain Kohl

aus Luxemburg trifft, wird ihre Begeisterung fürs Klippenspringen

geweckt. Es verbindet die Akrobatik des Turmspringens

mit den Anforderungen, die die Umgebung an die

Athleten stellt – das fasziniert die Naturliebhaberin sofort.

Kohl empfiehlt der ambitionierten Springerin Trainingscamps

in Tirol, wo sie die Basics des Extremsports lernt. 2014

folgt der erste Cliff-Diving-Wettkampf in Ponte Brolla in der

Schweiz. „Ich war mir nicht sicher, ob ich mich traue, aus

mehr als zehn Metern Höhe zu springen“, erinnert sie sich.

Damals schafft Schmidbauer drei Sprünge aus 15 Metern

und somit die erfolgreiche Teilnahme am Wettkampf. Beim

Turnier lernt sie auch Klippenspringer Aidan Heslop kennen.

Bei einem Besuch seiner Familie in Großbritannien

darf sie im ortsansässigen Verein mittrainieren. „Der Coach

meinte, dass sich das nicht viele Frauen trauen und ich es

schaffen könnte, professionell einzusteigen.“ Dieses Ziel vor

Augen, beginnt die damals 19-Jährige ein Studium an der

University of Plymouth und intensiviert ihr Training. 2016

kommt der erste Erfolg: die Teilnahme am World Cup, bei

dem sie Neunte wird. Ihre Highlights 2019? Ein 5. Platz im

World Cup und Platz 4 beim Red-Bull-Cliff-Diving-Bewerb

im Libanon. Das Podium verpasst sie dort nur um 0,1 Punkte.

In der Gesamtwertung der Red Bull World Series sichert

sie sich außerdem den achten Rang und somit einen Platz

als „Red Bull Permanent Diver“. Damit darf sie bei allen

Stationen der nächsten World Series an den Start gehen.

Nach dem Trubel der Wettkampfsaison 2019 gönnt sie

sich Heimaturlaub. Bergsteigen und Wiesn-Besuch inklusive.

Ihr Lieblingssee? Natürlich der Ammersee. Am Sprungturm

in Utting war Schmidbauer schon früher gern und ist

es heute noch. Hier absolvierte sie ihre ersten Sprünge. Die

wenigen Tage im Jahr, die sie zu Hause in Fischen verbringt,

trifft man Schmidbauer sonst noch am Steg in Aidenried

oder auf dem Fahrrad, bei einer Tour um den See. Wie die

Eltern damit umgehen, dass die Tochter von Felsvorsprüngen

auf der ganzen Welt springt? „Ich glaube, es wäre

27


»Das Klippenspringen

ist als Sportart noch relativ

neu und es gibt weltweit

nur wenige Frauen,

die sich das trauen«

Iris Schmidbauer

ihnen lieber, wenn ich einen bodenständigeren Sport ausüben

würde. Tischtennis zum Beispiel.“ Aber natürlich steht

die Familie hinter ihr. Wenn nötig, unterstützen die Großeltern

auch finanziell. Sponsoren hat die Klippenspringerin

nämlich bislang noch nicht. Bei den größeren Wettkämpfen

werden die Reisekosten bezahlt, und es gibt auch Preisgelder

– für den Sieg beim World Cup sind es 10.000 US-Dollar.

Dafür gehen die hinteren Plätze aber leer aus. „Da macht

dann nur Gewinnen Spaß“, so Schmidbauer. Des Geldes wegen

würde sie den Sport nicht ausüben. Da Cliff Diving noch

nicht als olympische Disziplin gilt, erhalten die Athleten

keine Unterstützung von der Sportförderung oder dem

Schwimmverband. Bei Großveranstaltungen wie der Weltmeisterschaft

ist Schmidbauer auf sich gestellt: „Ich habe

kein Team mit Trainer oder Physiotherapeut hinter mir. Die

High-Diving-Familie lässt mich aber nicht allein: Bei der

WM haben mich der Trainer von Kanada und die Physiotherapeutin

aus Mexiko einfach mitbetreut.“ Die Sportlerin ist

gut organisiert und vernetzt. Sie hört sich um, fragt Vereine

und Trainer an und darf mittlerweile an verschiedenen

Standorten in Deutschland trainieren. Auch am Olympiastützpunkt

Dresden. Dort trainiert sie zusammen mit Tina

Punzel, Deutschlands bester Wasserspringerin. Was die

Technik betrifft, kann sie sich da einiges abschauen. Wenn

sie auf einer Klippe steht, muss sie dennoch selbst wissen,

was sich umsetzen lässt. Inspiration und Support findet sie

außerdem bei Kolleginnen und Kollegen: „Ich finde es bewundernswert,

wie Lysanne Richard aus Kanada alles unter

einen Hut bringt. Sie ist Mama von drei Kindern und immer

noch eine der weltbesten Springerinnen, obwohl sie aufgrund

einer Verletzung nur noch wenig trainieren kann.

Auch sie hilft mir, die nächsten Schritte zu gehen.“ Seit vergangenem

Oktober ist Schmidbauer in Neuseeland. Neben

Erkundungstouren trainiert sie dort mit einem Verein in

Auckland und tüftelt an neuen Sprüngen. Einen Handstandsprung

würde sie gerne beherrschen. Wie lange sie bleibt,

darauf will sie sich nicht festlegen. Ihr Visum gilt für ein

Jahr. Der Start der Wettbewerbssaison hat sich ohnehin verschoben,

die Red Bull Cliff Diving Series für diesen Sommer

wurde abgesagt. So oder so: Es bleibt spannend!

Die 25-Jährige ist in ihrem Element: „Wasser fängt mich auf.“ Die Eltern, eine Ingenieurin und ein Techniker, hätten

sie lieber in einem bodenständigeren Hobby gesehen, aber Iris Schmidbauer zog es zum Extremsport

28


SeeLeben

buy local

29

www.reitberger-optik.com

Perchastr. 3a in Berg/ Starnberger See


Hand in Hand für Ihre Gesundheit: Herr Prof. Dr. med. Mike Notohamiprodjo und Frau PD Dr. med. Martina Meier-Meitinger

AUSSERGEWÖHNLICHE KOOPERATION FÜR DIE RADIOLOGISCHE VERSORGUNG IM FÜNFSEENLAND

Zwei Praxen – ein Ziel

U

nter einem Dach bestens versorgt – das trifft nun

mehr denn je auf die Patienten im Fünfseenland

zu. Seit drei Jahren bereits betreut DIE RADIOLOGIE den

Starnberger Raum mit exzellenter Diagnostik mittels Magnetresonanz-

(MRT) und Computertomographie (CT). Jetzt

hat in denselben Räumlichkeiten auch das Radiologische

Zentrum München (RZM) eine hochmoderne Praxis für

Mammadiagnostik eröffnet. Hand in Hand arbeiten die beiden

renommierten Münchner Praxen künftig für die

Gesundheit der Patienten. Auf dem Gesundheitsmarkt

auf jeden Fall eine bemerkenswerte

Kooperation – zum Wohle der Patienten!

DIE RADIOLOGIE

Sehr viel positive Resonanz von Patienten

erfährt das umfassende Versorgungskonzept,

das DIE RADIOLOGIE – der

radiologische Praxisverbund mit 14 Standorten

im Mü nchner Raum – seit 2017 auch in

Starnberg anbietet. „Wir arbeiten hier mit einem

erfahrenen Team aus hochqualifizierten Ärzten.

Zudem haben wir ein großes Experten-Netzwerk im

Rücken, das jede nur erdenkliche Facette der Radiologie

abdeckt“, erklärt Prof. Dr. med. Mike Notohamiprodjo, der

den bei Patienten und Mitarbeitern auch wegen seines

ansprechenden Ambientes gleichermaßen beliebten Standort

leitet. Durch den Einsatz modernster Technik und das Knowhow

der bestens geschulten Mitarbeiter ist die gesamte Bandbreite

der MRT-Diagnostik möglich. Selbst komplexere Untersuchungen,

wie die des Herzens oder Ganzkörperscans, sind

optimal umzusetzen. Außergewöhnlich ist zudem der zunehmende

Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) bei der Befundung

als optimale Ergänzung zu der Erfahrung des Mediziners:

„So können mit dem menschlichen Auge gar nicht

wahrnehmbare Veränderungen trotzdem nachgewiesen

werden“, erläutert Prof. djo. Parallel zum MRT erweitert der Compu-

Notohamiprotertomograph

das radiologische Spektrum,

wobei die Patienten hier dank des hochmodernen

Gerätes nur äußerst geringer

Strahlenexposition ausgesetzt sind.

Radiologisches Zentrum München

Sein bereits bestehendes, umfangreiches

Angebot in der Mammadiagnostik erweitert das

Radiologische Zentrum München (RZM) in Percha

nun auch für alle Patientinnen im Fünfseenland. Mit

digitaler, dosissparender Mammographie und Tomosynthese

sowie hochauflösender Mammasonographie ist die neue

Praxis in der Berger Straße 8 auf dem modernsten Stand der


Anzeige

»Individuelle Diagnostik

ist mehr als nur medizinische

Versorgung. Wir orientieren

uns an den Bedürfnissen

unserer Patienten«

Prof. Dr. med. Mike Notohamiprodjo

Technik. Doch nicht nur darauf, sondern auch auf ein

erfahrenes, hochqualifiziertes Ärzte- und MTA-Team können

sich die Patienten verlassen. „Das RZM betreut unter anderem

auch die gesamte Region vom Münchner Westen bis hin nach

Garmisch im Rahmen des deutschen Mammographie-

Screening-Programms“, berichtet Dr. med. Tanja Schneider.

In der Stammpraxis in München-Pasing und in der Nymphenburger

Straße betreibt das RZM schon seit vielen Jahren

moderne Abteilungen für Mammadiagnostik, bietet dort aber

auch alle sonstigen bildgebenden Verfahren sowie Methoden

zur Gewebeentnahme unter sonographischer, mammographischer

und MR-tomographischer Kontrolle an. Davon profitieren

nun auch die Patientinnen in Percha: „Über unser

digitales Bildarchiv erfolgt stets eine Doppelbefundung durch

einen zweiten, für die Mammographie ausgebildeten Radiologen“,

erklärt PD Dr. med. Martina Meier-Meitinger.

»Wichtig ist uns, dass die Frauen gern

zu uns zur Brustdiagnostik kommen.

Deshalb haben wir einen Ort geschaffen,

an dem sie sich verstanden, gut

betreut und wohl fühlen«

PD. Dr. med. Martina Meier-Meitinger

Freundliches Personal – Ambiente zum Wohlfühlen

Beiden Praxen ist die menschliche Komponente besonders

wichtig. Dazu gehören eine zeitnahe Terminvergabe,

verlängerte Öffnungszeiten sowie eine angenehme Atmosphäre

mit einfühlsamer Betreuung. Die Patienten erleben

bei ihrem gesamten Praxisbesuch ein freundliches, kompetentes

Team in einem ansprechenden Umfeld. Als beratende

Partner auf Augenhöhe sehen sich beide Praxen: „Wir möchten

die Fragen der Patienten vertrauenswürdig beantworten

und so für mehr Klarheit hinsichtlich ihrer Diagnose sorgen“,

verdeutlicht Prof. Notohamiprodjo von DIE RADIOLOGIE.

Dies unterstreicht auch PD Dr. Meier-Meitinger vom RZM:

„Besonders wichtig sind uns ein verständnisvoller Umgang

und hohe Qualität in der Diagnostik!“

Dr. med. Tanja Schneider

an der Patientenanmeldung des RZM

RADIOLOGISCHE PRAXEN

Berger Str. 8–10 | 82319 Starnberg

RZM Mammo Zentrum

T 089 896 00 00 | www.rzm.de

DIE RADIOLOGIE Starnberg

T 08151 65 06 60 | www.die-radiologie-starnberg.de


SeeMensch

Ein Pendler zwischen zwei

Landschaften: Von Juni bis

Dezember dreht der Schauspieler

am Wilden Kaiser In

Österreich. Am Wochenende

freut er sich auf die Weite

des Ammersees

32


Kurz

mal Pause

von

der Welt

Die meisten Menschen kennen Hans Sigl als

„Bergdoktor“ in Tirol. Im wahren Leben

wohnt der Schauspieler in der Nähe des

Ammersees. Was ihn hierher verschlagen hat?

Dreimal dürfen Sie raten!

INTERVIEW

FOTOS

SANDRA DJAJADISASTRA

SUSANNE SIGL

Die Stimme erkennt man sofort:

Kernig klingt sie und zugleich besonnen.

Es ist der 31. März, und in Bayern herrscht wegen des

Corona-Virus Ausnahmezustand. Keine Chance, Hans

Sigl persönlich zu treffen, natürlich nicht. Ob man das Interview

per Skype führen könne, fragt man die Agentin.

„Lieber telefonisch“, antwortet sie, „er ruft Sie an.“

Mehr als die Hälfte des Jahres verbringt Sigl in Ellmau,

am Fuße des Wilden Kaisers: Hier wird der „Bergdoktor“

gedreht, die Rolle, die ihn berühmt gemacht hat. Der

gebürtige Österreicher fühlt sich dort wohl, mindestens

genauso liebt er jedoch den Ammersee. Hier lebt der

50-Jährige mit seiner Frau Susanne. Als die beiden ein

Paar wurden, brachte sie drei Kinder mit in die Beziehung,

Sigl einen Sohn: Alle vier sind heute erwachsen, zwischen

18 und 23 Jahre alt. Sigl gilt als Familienmensch – dazu

zählt auch, dass er nicht viel von seinen Lieben nach

außen dringen lässt. Passagen über allzu Persönliches

streicht er freundlich, aber bestimmt aus dem Interview

raus. Was uns jedoch freut: Susanne Sigl ist Fotografin.

Die Por träts, die Sie hier sehen, hat sie gemacht.


SeeMensch

Angesichts der seltsamen Zeit, in der wir uns gerade

befinden: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Danke der Nachfrage. Uns geht es gut, wir kommen mit

der Situation gut klar. Das liegt auch daran, dass mich der

Lockdown in der freien Zeit erwischt. Die Dreharbeiten

zum „Bergdoktor“ beginnen im Juni. Wir müssen abwarten,

wie es dann in Tirol aussieht, und mit Verzögerungen

rechnen. Die Autoren sitzen auf jeden Fall jetzt – ganz nach

Plan – an den Drehbüchern.

Seit 13 Jahren spielen Sie die Hauptrolle in der ZDF-

Serie „Der Bergdoktor“: Der Anteil der Zuschauer liegt

bei beachtlichen sieben Millionen. Wie erklären Sie

sich diesen Quotenerfolg?

Sicher zählt der viel zitierte Lagerfeuer-Gedanke: Die

ganze Familie versammelt sich, um fernzusehen – wie

früher an Samstagabenden bei „Wetten, dass..?“. Die neuen

Folgen „Bergdoktor“ werden immer am Anfang des

Jahres ausgestrahlt: Die Leute lassen uns seit 2008 in ihr

Wohnzimmer und haben sich an die Familie Gruber gewöhnt.

Hinzu kommt der Wunsch nach Ablenkung: Eskapismus,

im Moment ein großes Wort. Man flüchtet sich in

eine TV-Folge. Ich merke das auch an mir, jetzt, wo wir zu

Hause bleiben müssen: Ich schaue mehr Serien als sonst

und binde mich emotional an die Figuren. Das tun die

Leute bei meiner Rolle auch. Der Arzt ist eine archetypische

Figur. Wie der Richter, der Anwalt, der Pfarrer: ein

Weltenretter.

Die Kulisse ist auch nicht zu verachten.

Die Bodenständigkeit und die Ursprünglichkeit des

Wilden Kaisers haben mich von Anfang an gefesselt. Ich

fühle mich in der Region sehr wohl, sie ist meine zweite

Heimat geworden. Immer wieder, sei es Sommer oder Winter,

entdecke ich neue Ecken und Plätze. Es ist uns in der

Zwischenzeit auch gelungen, den Heimatfilm neu aufzulegen

und neu zu interpretieren. Hohe emotionale Konflikte

und sehr spezielle medizinische Fälle. Eben genauso komplex

wie der Berg ... der Wilde Kaiser.

Sie sind – nach einem abgebrochenen Lehramtsstudium

– in Innsbruck auf die Schauspielschule gegangen

und haben viele Jahr am Tiroler Landestheater

gearbeitet. Später sind Sie zur Shakespeare Company

nach Bremen gewechselt und in dieser Zeit fürs Fernsehen

entdeckt worden. Wann haben Sie zum ersten

Mal den Wunsch verspürt, Schauspieler zu werden?

Das war weniger ein klar umrissener Wunsch als vielmehr

eine Richtung, in die es mich trieb. Ich habe schon auf

dem Gymnasium immer in die Theatergruppe gewollt, aber

entweder war sie bereits voll oder kam mangels Anmeldungen

nicht zustande. Am Ende des Schuljahrs hieß es aber immer:

Wer moderiert den Abschlussball? Und man hat mich

genommen. Ich habe dort das Prinzip Stand-up und Comedy

für mich entdeckt – dass ich gerne auf der Bühne stehe. Ich

habe früher Radio moderiert, auch viele Modenschauen. Irgendwann

hat es mich gepackt, in Rollen zu schlüpfen. Diese

zwei Seelen schlagen immer noch in meiner Brust: Kabarett

und Schauspielerei.

Man sieht Sie nicht nur im Fernsehen, Sie treten auch

auf kleinen Bühnen auf, unter anderem lesen Sie mit

Musikbegleitung Klassiker der deutschen Literatur.

Eine Vorstellung mit Gedichten und Liedern der Romantik,

die für März in Ingelheim angesetzt war, ist in den

Juli gerutscht. Im Juni ist die Lesung „Die Bekenntnisse

des Hochstaplers Felix Krull“ in Bad Homburg geplant.

Mal schauen, wie sich die Lage entwickelt. Ich hoffe für alle

Künstler, dass die Menschen große Lust haben, all die verschobenen

Veranstaltungen im Herbst zu besuchen.

Was lesen Sie gerade privat?

Ich habe mir für die nächsten Wochen vorgenommen,

klassische Autoren zu lesen: Arthur Schnitzler, Tolstoi,

Mark Twain. Hier liegen jetzt dicke Gesamtausgaben.

Gibt es ein Buch, das Sie besonders gerne empfehlen?

„Der Ursprung der Welt“ von Ulrich Tukur. Ein Roman,

der mich sehr beglückt hat.

Sie schauen sich jede Folge zu Hause an, wenn sie im

Fernsehen ausgestrahlt wird.

Richtig. Und zwar immer im Stehen.

Was hat Sie eigentlich an den Ammersee verschlagen?

Die Liebe. Als ich Susanne kennenlernte, wohnte sie

bereits am Ammersee.

Das müssen Sie erklären.

Jede Folge ist 88 Minuten lang, aber wir drehen deutlich

mehr, weil der Regisseur Schnittmaterial braucht. Er kann

mit dem Schnitt den Film und dessen Tempo verändern. Für

mich ist interessant zu sehen: Warum wurde eine Szene

rausgeschnitten, warum folgt diese auf jene, welche Musik

wurde draufgelegt, welches „Color Grading“ hat der Kameramann

gewählt? Das ist wie mit einem Foto auf dem Smartphone,

das Sie durch bestimmte Einstellungen farblich verändern.

Auch nach 13 Jahren ist es spannend für mich, „live“

dabei zu sein – Viertel nach acht, der Vorhang geht auf: Es ist

ein bisschen wie im Theater, wie eine Premiere.

Sie sind seit zwölf Jahren verheiratet. Was macht Ihre

Frau und Sie zu einem guten Paar?

Oh, das wird eine lange Liste ... Aufmerksamkeit.

Achtsamkeit. Zuhören. Kompromissbereitschaft. Spontaneität

und Humor. Bereit sein für Veränderungen.

Über Privates reden Sie nicht gerne.

Ich mag das lieber kurz halten, damit nicht später

Zitate, aus dem Zusammenhang gerissen, in der Klatschpresse

auftauchen. Meine Frau und ich haben immer

drauf geachtet, dass wir Paarzeit hatten, das war unser

großes Glück. Kennen Sie die 2-2-2-Regel? Alle zwei

34


Hans Sigl ist ein Vielleser, beinahe wäre ein Lehrer aus ihm geworden: Er studierte erst ein Semester „Jus“ (Jura) in

Innsbruck, später Englisch, Psychologie und Philosophie im Lehramt. Dann zog es ihn zur Schauspielschule

Wochen soll man ein gemeinsames Abendessen haben,

alle zwei Monate eine gemeinsame Aktion, alle zwei Jahre

eine große Reise unternehmen. Lustigerweise haben wir

das tatsächlich so gehandhabt. Es macht etwas aus, wenn

man den Luxus hat, Zeit als Paar verbringen zu können.

Anfang 2019 haben Sie beschlossen, gesünder zu leben,

Ihre Ernährung umgestellt und spürbar Kilos verloren.

Was war der Auslöser? Der nahende 50. Geburtstag?

Ich hatte mir für eine Rolle in „Flucht durchs Höllental“

ein paar Kilo draufgepackt. Die mussten wieder runter.

Der Geburtstag spielte da keine Rolle.

»Was meine Frau

und mich zu einem

guten Paar macht?

Achtsamkeit. Humor.

Spontaneität«

Hans Sigl

Sie haben die Unterstützung eines Ernährungscoaches

in Anspruch genommen.

Das schien mir das Klügste. Ernährung ist ein komplexes

Thema, es gibt so viele verschiedene Schulen und Methoden,

Gewicht zu verlieren. Bei manchen Methoden verliert

man zu Beginn nur Wasser und Muskeln. Da muss

man aufpassen, wie man vorgeht. Deshalb wollte ich den

Weg mit einem Ernährungsberater gehen.

Sie golfen gern. Was hat Sie dazu gebracht? Die hohe

Golfplatzdichte im Fünfseenland?

Eigentlich bin ich durch Zufall zum Golfen gekommen.

Anfang der 2000er-Jahre, beim Dreh der „SOKO

Kitzbühel“ , hat mir der Kollege Heinz Marecek nach einem

stressigen Tag ein 7er-Eisen in die Hand gedrückt mit

den Worten: „Geh ein paar Bälle schlagen. Da entspannst

dich.“ So war es auch.

35


SeeMensch

Golf zur Entspannung?

Es hilft mir runterzukommen. Wenn wir den „Bergdoktor“

drehen und gegen 18 oder 19 Uhr fertig sind, ist noch

Zeit für neun Loch, zumindest bis Ende August. Golf ist eine

wunderbare Sportart, die mit 18 Loch, wenn man sie also

intensiv betreibt, auch fordernd ist: körperlich und mental.

Deswegen spiele ich es gern.

Was ist mit Wassersport?

Stand-up-Paddling! Mache ich mit großer Leidenschaft.

Sobald es geht, stehe ich auf dem Brett und genieße

den Ammersee.

Wenn Sie die Wahl hätten: eher Berg oder See?

Das Tolle an meinem „Set-up“ ist, dass ich beides habe.

Sieben Monate bin ich am Wilden Kaiser, am Wochenende

am See. Diese Kombination entspricht sehr meinem Wesen.

Was verbinden Sie mit beiden Landschaften?

Wenn ich über den Ammersee blicke, empfinde ich

eine wohltuende Weite, eine kraftvolle Ruhe. Mein Kopf

wird frei. Diese Ruhe und Kraft gibt mir aber auch der

Berg. Allerdings gepaart mit einem irren Ausblick, wenn

man mal auf den Berg steigt.

Könnten Sie in der Stadt leben?

Auf gar keinen Fall.

Gemeinsam mit Pablo Hagemeyer, dem medizinischen

Fachberater des „Bergdoktor“, haben Sie eine Meditationsreihe

entwickelt. Wann haben Sie das Meditieren

für sich entdeckt?

Anfang der 90er-Jahre. Ein großartiger Lehrer hat

uns Schauspielschüler mit geführten Meditationen und

Fantasiereisen „abgeholt“. Er hatte eine eindringlich schöne

Stimme und sich die Mühe gemacht, die Meditationen

für uns auf Kassetten aufzunehmen. Jahre später erzählte

mir Pablo, der im Hauptberuf ja Psychiater ist, von den geführten

Reisen, die er in Gruppen mit seinen Klienten

macht. Wir haben beschlossen, etwas Gemeinsames zu

machen. Er hat die Reisen geschrieben, ich habe sie produziert

und gesprochen – mittlerweile sind elf CDs in der

Der Schauspieler gibt auch Lesungen und tritt mit „Mischabenden“ auf, die Titel tragen wie „Auf einmal war ich Arzt“ oder „Das

Leben ist kein Placebo“. Als „Bergdoktor“ bleibt er uns noch eine Weile erhalten: Der Vertrag für die 15. Staffel ist unterschrieben

36


SeeMensch

»Ich bin ein Naturmensch.

Ein Leben in

der Stadt käme für

mich nicht infrage«

Hans Sigl

Hörfreund-Reihe erschienen. Man kann derzeit eine Folge

umsonst downloaden. Das wird sehr gut angenommen.

Die Leute haben ein großes Bedürfnis, mal etwas anderes

zu hören als den Newsticker.

Auf Ihrem Instagram-Account gibt es einen Post, in

dem Sie gut gelaunt eine Tüte Pflanzenzwiebeln in die

Kamera halten. Werkeln Sie gern im Garten?

Ich bin ein Naturmensch. Aber ich bin kein ambitionierter

Hobbygärtner, der Hochbeete kultiviert oder

südjapanischen Bambus züchtet. Ich finde es schön, wenn

ich Blumenzwiebeln in die Ecke unseres Gartens schmeiße

und da später was rauskommt.

Fotos: Susanne Sigl, ZDF/Roland Defrancesco, TVB Wilder Kaiser/Jessica Kassner, SZ Photo/Robert Haas

Ebenfalls auf Instagram stellen Sie Ihren Followern

mit einem Foto vom Uttinger Strandbad-Turm die

Frage: „Welcher Sprungtyp sind Sie: Einer, Dreier,

Fünfer, Zehner? Kerze, Salto, Arschbombe?“ Was ist

mit Ihnen?

Der anderhalbfache Salto geht auf dem Ein-Meter- und

Drei-Meter-Sprungbrett, die Arschbombe noch auf dem

Fünfer. Auf dem Zehner bin ich allerdings schon ein bisschen

ein Schisser, da mache ich nur die Kerze. Einen anderthalbfachen

Salto auf dem Einer muss ich jedes Jahr gemacht

haben! Auch wenn ich auf den Rücken klatsche

oder mir einen Bauchfleck hole: Der muss sein, sonst habe

ich das Gefühl, ich habe etwas verloren.

Wenn man Sie in Talkshows oder in Radiointerviews

erlebt, fällt auf, wie höflich Sie sind: Sie bedanken sich

jedes Mal ausdrücklich für die Einladung.

Das finden Sie auffällig?

Im Vergleich zu anderen Prominenten schon.

Na gut, wenn Sie es so sehen. Ich kann das nicht beurteilen

... Für mich ist es ganz selbstverständlich, sich für

eine Einladung zu bedanken. Ich bedanke mich gleich

noch mal für die Einladung zu diesem Interview. (lacht)

Eine Frage noch: Was ist Ihr Lieblingsplatz am See?

Es ist toll, den Ammersee mit dem Rad zu umrunden

und immer wieder kleine, ruhige Stellen zu entdecken.

Seit zwei Jahren ist mein Lieblingsplatz allerdings AUF

dem See: Auf dem SUP paddeln und die Stille genießen –

das ist, glaube ich, das Schönste.

OBEN: Immer an der Seite des „Bergdoktors“: ein Mercedes

200 von 1979. MITTE: Regelmäßig finden am Wilden Kaiser

„Bergdoktor“-Fantage oder -Festivals statt, bei denen ein

Großteil der Crew auftritt, z. B. diesen Herbst. UNTEN: Mit der

Fotografin Susanne Sigl ist Hans Sigl seit 12 Jahren verheiratet

37


SeeTipps

NEU VERLIEBT

2, 3 & 11

STARNBERG

Der Starnberger See hat viele Seiten, die

wir kennen und von Herzen mögen.

Lust, die vertraute Umgebung aus einem

neuen Blickwinkel zu betrachten?

Hier sind elf Tipps

1 FAIRE MODE

Sebastian Listl und Simon Mössnang aus Tutzing

unterstützen mit ihrem Label „Drunken Sailors“

nicht nur soziale Projekte. Sie erweitern auch die

modische Vielfalt am Starnberger See. Die Shirts,

Hoodies und Badehosen werden unter fairen

Arbeits- und Produktionsbedingungen in Deutschland

und Istanbul hergestellt.

PÖCKING

FELDAFING

4 & 5

BERG

www.drunken-sailors.com

2 WAU, WIE SCHÖN!

Ein Highlight für Hunde und ihre Besitzer

ist das kürzlich im Herzen Starnbergs

eröffnete Geschäft Dog Styler. Auf

der großen Ladenfläche warten Futter,

Halsbänder, Näpfe, Pflegeprodukte und

sogar ein kleines Café für den Austausch

mit anderen Hundefreunden.

www.dogstyler.de

1 & 7

TUTZING

AMMERLAND

10

MÜNSING

3 WALD UND WILDNIS

Die Wildnisschule Waapiti in Starnberg bringt

Menschen, egal, welchen Alters, die Natur näher.

Zu den Angeboten zählen Seminare, in denen man

zum Beispiel ein Naturhandwerk wie Weidenflechten

oder Gerben ausprobieren kann, sowie Sommercamps,

in denen Kinder am Lagerfeuer kochen,

Spuren lesen und noch so einiges mehr lernen.

www.waapiti.com

4 ZU GAST BEIM GAST

Der „Rösttruck“ von Wiener’s kommt als mobile

Kaffeebar auch in Ihren Garten – inklusive Kaiserschmarren

und Marillenstrudel. Die Kaffeebohnen

werden übrigens regional und frisch in Starnberg

geröstet.

www.wieners.de

9

WEILHEIM

SEEHEIM

AMBACH

BERNRIED

6 8

SEESHAUPT

Text: Marlene Irausek, Line Kipp; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

38


SeeTipps

5 GESPRÄCHSSTOFF

„Gespräche über Wandlung“ führt Tanja Valerien-Glowacz

im gleichnamigen Podcast. Damit tritt die Modedesignerin

in die Fußstapfen ihres Vaters, Sportreporter

Harry Valerien, und liefert spannende Unterhaltungen

mit Frauen und Männern zwischen 50 und 100, u. a. mit

Desirée Nosbusch, Judith Milberg und Patricia Riekel.

Reinhören lohnt sich!!

gespraecheueberwandlung.podigee.io

6 ECHT URIG

Eine gemütliche Jausenstation ist das „Stüberl am See“

in Seeshaupt. Der kleine Selbstbedienungs-Imbiss

direkt am Wasser serviert bayerische und kroatische

Spezialitäten. Wirt Ante Ledic kümmert sich seit

vergangenen Sommer um das Wohl der Gäste.

7 UNIKATE AUS HOLZ

In der Schreinerei „Artpiece“ in Tutzing werden einzigartige

Möbelstücke nachhaltig geschreinert – zum

Beispiel aus Schwemmholz, das aus dem Starnberger

See stammt. Wer möchte, kann sich unter Anleitung im

Workshop „Bau dir DEIN eigenes Möbelstück“ selbst

ein Unikat zaubern – auch als absoluter Anfänger.

www. artpiece.de

8 LAMASTÉ AM SEE

Sonnengruß, mal anders: Mit Rio Lamas geht es in kleinen

Gruppen erst mal für eine Lamawanderung in die

Natur. An einem malerischen Naturweiher gibt es dann

eine Yoga-Stunde, während die Tiere grasen. Klingt

nach einem herrlich entspannten Tag!

www.rio-lamas.com

9 PLASTIKFREI EINKAUFEN

Der erste Unverpackt-Laden in Weilheim hat seine

Türen geöffnet für alle, die nachhaltig einkaufen

und auch ihrer Gesundheit etwas Gutes tun wollen.

Im „Alge Bistro“ gibt es dazu noch ein veganes

Speisenangebot, ganz ohne Zusatzstoffe und

Geschmacksverstärker.

www.alge.de/unverpackt-weilheim/

10 ZENTRAL KÖSTLICH

Alexandra Biehler und Ralph Behrens eröffnen

ganz neu in Münsing das Lokal „Central Speisenhandlung“.

Zum Start im Mai bieten sie gemeinsam

mit Kochbuch-Autorin Barbara Bonisolli haltbare

Speisen im Glas an (und liefern bis vor die Tür!).

Später wird es auch Ausstellungen, Lesungen und

kleine Konzerte geben.

central-speisenhandlung.de

11 PERSPEKTIVENWECHSEL

Aus der Vogelperspektive haben Sie Ihr Zuhause

sicher noch nicht gesehen! Die Ballonfahrten am

Starnberger See ermöglichen herrliche Aussichten

von oben. Bei gutem Wetter wird ganzjährig gestartet.

www.starnbergersee-ballonfahrten.de

39


SeeMensch

Die Schafherde von Nikolas

Fricke verbringt den Winter in

München, den Sommer am

Starnberger See. Weidewechsel

sind wichtig, um Parasiten zu

vermeiden, die über das Grasen

in die Tiere gelangen können

40


»Das

Unvorhersehbare

ist die Regel«

Nikolas Fricke aus Pöcking züchtet Walliser Schwarznasenschafe. Mit großer

Begeisterung und großem Einsatz, kein Tag ist wie der andere. Ein Gespräch über Tiere

auf dem Dach, verpasste Theaterabende und Geburten vor Publikum

INTERVIEW

FOTOS

SANDRA DJAJADISASTRA

ELINA GATHOF


SeeMensch

Vor der Schur noch in voller

Montur: Mindestens zweimal

im Jahr müssen Walliser

Schwarznasenschafe, deren

Wolle eher rau ist, geschoren

werden. Für ein Schaf der Größenordnung

auf der rechten

Seite oben braucht Nikolas

Fricke zehn Minuten

D

ie Tiere sind kein bisschen scheu,

ganz im Gegenteil. Neugierig stupst

ein Schaf unsere Fotografin an, als fordere es ein paar

Streicheleinheiten ein. „Darf ich vorstellen: Das ist unser

Hauptbock“, sagt Nikolas Fricke, 37. Der Züchter der

Wal liser Schwarznasenschafe hat uns eingeladen, ihn

zu besuchen, wenn eine Schafschur ansteht. Ein sonniger

Sonntag Anfang März, auch seine Frau und seine beiden

Kinder, vier und neun Jahre alt, sind dabei: Der Winterstall

der Herde liegt – ganz idyllisch und versteckt – in

den Münchner Isarauen. Im Mai bringt Fricke die Schafe

dann ins Sommerquartier: auf eine Weide in Pöcking am

Starnberger See, wo er aufgewachsen ist.

Es ist auffällig, wie zutraulich Ihre Tiere sind. Meistens

laufen Schafe weg, wenn man sich ihnen nähert. Ihre

hingegen kommen auf uns zugelaufen.

Walliser Schwarznasenschafe wurden auf diese Eigenschaft

hin gezüchtet, um sie im Schweizer Gebirge, wo sie

herstammen, besser kontrollieren zu können. Ich habe

drei Instrumente zur Verfügung, um sie zu lenken: meine

Stimme, den Futtereimer und das Hingehen und Eintreiben.

Letzteres funktioniert am schlechtesten. Mit der

Stimme kann ich jedoch wahnsinnig viel bewirken. Ich

rufe sie nie ohne triftigen Grund. Sie wissen also, wenn ich

rufe, passiert etwas Interessantes, deshalb kommen sie auf

jeden Fall. Es gibt Rassen mit enorm ausgeprägtem Fluchtinstinkt,

die immer den weitestmöglichen Abstand zu dir

suchen. Von diesen Schafen hat man meiner Meinung

nach weniger als von Walliser Schwarznasen. Man hat die

gleiche Arbeit, sie danken es dir nur nicht, weil sie dich

schlichtweg nicht mögen. Meine Schafe mögen mich,

glaub ich, sehr.

Auf Ihrer Website heißt es, Schwarznasen sind „Schafe

fürs Herz“. Wie meinen Sie das?

Meine Frau schimpft mich immer wegen des „Slogans“,

sie findet ihn platt. Aber er trifft es. Diese Schafe sind

gutmütig, verzeihend, ruhig. Sie haben mich vom ersten

Moment an in ihren Bann gezogen.

Wo haben Sie sie entdeckt?

Bei einem Krippenspiel. Walliser Schwarznasen sind

sehr sonderbare, besondere Wesen, sie strahlen eine souveräne

Ruhe aus. In der Hochphase meiner Doktorarbeit, als

ich wahnsinnig viel Zeit im Sitzen verbringen musste,

brauchte ich einen Ausgleich. Etwas, das meinem Gemüt

guttut und mir genügend Bewegung gestattet. Hinzu kam,

dass unsere beiden Kinder immer vehementer ein Haustier

forderten. Am wichtigsten war für uns, das Tier artgerecht

zu halten. Eine Katze in der Wohnung? Nein. Ein Hund bedeutet

zu viel Aufwand. Ein Hamster stirbt. Vögel im Käfig?

Bloß nicht. Diese Liste ist lang, und Schafe sind die optimale

Lösung! (lacht)

Seit 2016 züchten Sie Walliser Schwarznasen. Bei aller

Leidenschaft: Es ist ein sehr aufwendiges Hobby.

In der Größenordnung, in der wir mittlerweile unsere

Schafzucht betreiben, ist das Unvorhersehbare im Prinzip

die Regel. Es ist grundsätzlich schon viel Arbeit, Zäune zu

ziehen, auszumisten, zu füttern und Papierkram zu erledigen.

Hinzu kommt aber auch: der Anruf der Polizei, dass

die Schafe auf der Bundesstraße stehen, während ich mich

gerade am Roten Meer nach einem fantastischen Schnorchelgang

abtrockne. Eine Geburt ausgerechnet an dem einen

Freitagabend nach Monaten, an dem man mal wieder

allein mit seiner Frau ins Theater gehen wollte. Das

42


SeeMensch

Schwarznasenschafe haben ein starkes Bedürfnis nach Zusammenhalt. In der Herde herrscht aber auch eine klare Hierarchie: „Das Leitschaf ist

die unangefochtene Chefin“, so der Züchter. Und ihm eine große Hilfe: „Ich brauche keinen Hütehund, weil wir uns in- und auswendig kennen“

umgekippte 1000-Liter-Wasserfass und niemand in der

Nähe, der mir helfen kann. Das Klingeln der Alarmanlage

während des Abendessens, weil ein Fußballspieler eines

bekannten Vereins in den Stall eingebrochen ist ... Ich habe

gelernt, schnelle Lösungen für Probleme zu finden – und

eine Frau, die bewundernswerterweise alles mitträgt.

Sie haben an der TU München Landwirtschaft studiert

und sind Beauftragter für Nachhaltigkeit und Forschung

im Münchner Werksviertel-Mitte. Sie leiten ein

Team, das sich um Schwarznasenschafe auf dem Dach

eines Bürogebäudes, eine 2500 m2 große Stadtalm,

kümmert. Vom Riesenrad aus kann man die Schafe

sehen – ist es den Tieren dort nicht zu laut?

Es werden Schafe entlang von Zugstrecken, Autobahnen

und neben Baustellen gehalten – das scheint auch wunderbar

zu funktionieren. Schafe fressen acht Stunden, schlafen

acht Stunden und wiederkäuen acht Stunden, sie haben

auch etliche ruhige Stunden in der Nacht zur Verfügung.

Ich würde es merken, wenn es den Tieren unwohl wäre.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Das Werksviertel-Mitte hat einen Schäfer fürs Dach gesucht.

Ich wollte mir die Dachfläche und die Schafhaltung

eigentlich nur anschauen. Am Ende des Tages war ich der

Nachhaltigkeitsmanager des gesamten Areals. Eine Aufgabe,

die ich wahnsinnig gerne mache und die mich sehr

erfüllt. Kein Tag gleicht dem anderen, die Anforderungen

könnten vielfältiger nicht sein und die Schafe sind sogar

während der Arbeit immer bei mir. Wir halten auf dem

Dach vier Muttertiere und einen Widder.

Sie übertragen auf Facebook Livestreams von Ihren

Aktivitäten als Züchter. Sie erklären zum Beispiel,

was bei einem Klauenschnitt zu beachten ist.

Wie ist die Resonanz?

Ich hatte schon Geburten mit fast 10.000 Followern aus

der ganzen Welt! Diese digitale Landwirtschaft schließt die

Kluft zwischen Lebensmittelerzeugern und Konsumenten

ein Stück weit. Ich möchte den Menschen die Schönheit

landwirtschaftlichen Handelns nahebringen und ich möchte

ein unverklärtes Bild nach außen tragen. Es ist ein Traum

zu tun, was ich mache. Jede Witterung, jede Tages- und

Nachtzeit hat ihren Reiz. Es gibt aber auch schwierige Stunden

und immer neue Herausforderungen. Gerade die Liveübertragungen

machen mir Spaß, man kann direkt mit den

Menschen interagieren. Ich bräuchte nur noch jemanden,

der alles filmt, weil mir oft die Hand beim Arbeiten fehlt, mit

der ich das Handy halte.

WALLISER SCHWARZNASENSCHAFE

∙ IHRE HERKUNFT

Sie wurden ursprünglich gezüchtet, um die Hochlagen

im Schweizer Wallis landwirtschaftlich nutzen zu können.

Sie sind robust, genügsam und haben sehr gute Klettereigenschaften.

Außerdem sind sie standorttreu, suchen

also nicht immer das Weite, wenn man ihnen begegnet,

was besonders für die alpine Haltung ein großer Vorteil ist.

∙ IHR NACHWUCHS

Schwarznasenschafe haben einen asaisonalen Brunstzyklus:

Sie können zu jeder Jahreszeit trächtig werden.

Und: Zweimal im Jahr können Mutterschafe lammen.

∙ IHRE WOHLFÜHLTEMPERATUR

Von +7 Grad bis –21 Grad fühlen sich Walliser Schwarznasen

am wohlsten. Heißt im Umkehrschluss, dass ihre

Lieblingsjahreszeit der Winter ist.

Mehr Infos auf www.walliserschwarznasenschafe.com

44


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LUG, GERETSRIED UND MÜNCHEN

SommerSonne

Wer sehnt ihn nicht herbei – den Sommer im 5-Seen

Land? Mit seinen satten Farben inspiriert er uns

immer wieder aufs Neue, macht Lust auf Planungen

im ganz persönlichen Refugium. Schattenoasen geben Raum

für Musestunden im Garten und auf der Terrasse. Wo eventuell

Bäume ihren Dienst nicht anbieten können, ist innovative Technik

und hochwertiges Design in Sachen Sonnenschutz gefragt.

Seit über 60 Jahren beschäftigt sich die Firma Lug mit den

vielfältigsten Themen im Bereich Terrassenbeschattung oder

Rollladen und Jalousien. Der familiengeführte Meisterbetrieb

vertreibt beispielsweise die stilvollen Sonnensegel von C4sun

exklusiv in Bayern und kann damit seinen Kunden eine ganz

besondere High End Lösung bieten. Mit gezielter Beratung als auch

Umsetzung gelingt die perfekte, individuelle Wohlfühlatmosphäre

unterm Sommerdach.

info@lugkg.de

www.lugkg.de

Lug GmbH & Co. KG

Jeschkenstraße 29

82538 Geretsried

Tel. 08171.5190

Franziskanerstraße 14

81669 München

Tel. 089.4177 63 53

GmbH

GmbH

GmbH


Ein Bauernhof ist einer der

schönsten „Spielplätze",

die man sich für Kinder

vorstellen kann, findet Julia

Galloth. Schon als Fünfjährige

hat sie auf dem Hof

ihrer Eltern mitgeholfen

48


SeeMensch

Zwischen Gemüse

und grüner Politik

Der denkmal geschützte Pflegerhof in Farchach ist ein Bio-Bauernhof,

wie ihn sich Städter wünschen: mit blauen Fensterläden, Heiligen figuren

und einem beachtlichen Misthaufen. Jungbäuerin Julia Galloth hat

ihren Traumberuf gefunden – und eine Mission

TEXT

FOTOS

KARIN LOCHNER

PETER VON FELBERT

Sechs Uhr am Morgen, der Geruch von

frischem Gras liegt in der Luft. Die

Milchkühe Lia, Blume, Milli, Biene und Tinka recken ihre

Köpfe, als sie vertrautes Klappern hören. Jungbäuerin

Julia Galloth, 30, eine schlanke Frau mit langen braunen

Haaren und spitzbübischem Lächeln, kommt mit dem

Melkgeschirr in den Stall. So beginnt jeder ihrer Arbeitstage:

Sie wischt die Zitzen der Euter mit Holzwolle sauber;

die knetende Berührung setzt Oxytocin frei, auch bekannt

als „Kuschelhormon“. Es verstärkt die Bindung zwischen

zwei Lebewesen. Plop, plop, plop, plop, die Zitzenbecher

werden angesteckt, mit Gummischläuchen die Milch angesaugt.

Bei Milchkuh Blume ist Julia nach fünf Minuten

fertig, bei Nachbarin Milli „dauert das Melken mindestens

eine Viertelstunde“. Die Damen sind echte Persönlichkeiten:

„Gelassen oder temperamentvoll – wie bei uns Menschen.

Manche trödeln, manche mögen es flott.“ Galloths

Hände arbeiten mit fließenden Bewegungen, in einem immer

gleichen Rhythmus, einer vertrauten Choreografie.

Sie streichelt Milli, klopft Biene den Hals und geht weiter

zur nächsten Milchkuh, Tinka.

49


SeeMensch

AUSMISTEN, MELKEN, KÄLBCHEN FÜTTERN: ALLE

VIERBEINER WOLLEN VERSORGT SEIN

Nach dem Melken trotten die Damen auf die Weide. So

wie jeden Tag, wenn das Gras mindestens sieben Zentimeter

Wuchshöhe hat. Galloth reibt sich die Hände. Morgens,

auch jetzt um halb neun, ist es mitunter noch frisch. Aber

die Sonne lugt schon hinter den Bergen hervor. Galloth

gönnt sich ihren ersten Kaffee in der geräumigen Küche,

wo das Holzfeuer im Herd knistert. Sie setzt sich auf die

Eckbank, die Platz für zehn Leute bietet und auf der bereits

fünf Generationen Galloths gesessen haben: So lange betreibt

die Familie schon Landwirtschaft. Galloths Urgroßvater

hat die Möbel und die museumsreife Wandvertäfelung

vor hundert Jahren einst für seine Großfamilie angeschafft.

Julia Galloth ist auf dem Pflegerhof in Farchach aufgewachsen.

Farchach ist ein Ortsteil von Berg, der sich hinter

den Hügeln östlich des Starnberger Sees versteckt. Seit sie

laufen kann, hilft sie auf dem Hof im 500-Seelen-Dorf mit.

Auch ihre jüngeren Schwestern Hannah, Amrei, Stilla und

Christina haben den bäuerlichen Alltag von klein auf erlebt.

„Wir waren eigentlich immer draußen – frei, glücklich,

unbeschwert“, sagt sie und schmunzelt. „Wir fünf

Schwestern hatten den aufregendsten Spielplatz, den wir

uns wünschen konnten. Mitten in der Natur.“

Heute leitet Julia Galloth den Pflegerhof, aber ihre

Eltern arbeiten noch fleißig mit: Vater Toni etwa im Ackerbau.

Mutter Ulli hilft im Stall und beim Produzieren für die

Direktvermarktung. Sie backt Brot, presst Öl aus eigenen

Sonnenblumenkernen, kocht Marmelade, Aufstrich, Saft

und Sirup ein.

Knapp die Hälfte der Arbeitszeit investiert Galloth in die

Tiere, 30 Prozent in Feldarbeit, den Rest in Bürokram

2017 ÜBERNIMMT GALLOTH DEN BETRIEB DER

ELTERN. OBWOHL SIE ETWAS ANDERES VORHATTE

Dabei denkt Galloth nach ihrem Abitur am Montessori-Gymnasium

Biberkor erst einmal nicht daran, den

elterlichen Hof zu übernehmen. Sie weiß damals schon:

„Studieren und das viele Sitzen sind nichts für mich.“

Galloth macht erst einmal eine Ausbildung als Baumschulgärtnerin

in Icking. Als sie die 2013 beendet, arbeitet

sie als Angestellte im Landschaftsbau. Doch auch zu Hause

packt sie immer mehr mit an. Das weckt ihr Interesse am

bäuerlichen Betrieb – und daran, als Selbstständige ihr

eigener Herr zu sein.

Es ist Mutter Ulli, die ihr die Ausbildung zur Landwirtschaftsmeisterin

in der Weilheimer Öko-Fachschule vorschlägt.

Obwohl Galloth anfangs nicht gerade begeistert

ist, schon wieder für Prüfungen lernen zu müssen, entscheidet

sie sich dafür und schließt die Meisterprüfung als

Jahrgangsbeste ab. 2017 ist sie fertig, im selben Jahr übernimmt

sie den elterlichen Betrieb, zu dem 15 Hektar Ackerfläche

für Getreide, Ölfrüchte, Kartoffeln und Klee gehören.

Dazu kommen noch 12 Hektar Grünland für den

Weidebetrieb und zum Heumachen sowie 14 Hektar Wald.

Mit wippendem Pferdeschwanz stapft die Bio-Bäuerin

über den Hof und zeigt ihr Reich: „Kühe, die sich wohlfühlen,

sind seltener krank und geben auch mehr Milch.“

Öko-Landwirtschaft sei immer ein Geben und ein Nehmen.

Sie präzisiert: „Jeder Schädling besitzt einen natürlichen

Feind. Marienkäfer fressen Blattläuse, Singvögel

Raupen. Anstatt chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel

einzusetzen, erfolgt die Schädlingsbekämpfung in

der ökologischen Landwirtschaft von der Natur selbst.“ Als

sich Galloths Eltern vor gut 30 Jahren dem Bio-Anbauverband

Demeter anschlossen, gab es zwar schon einen Bio-

Bauern im Dorf. Insgesamt war die Öko-Landwirtschaft

aber ziemliches Neuland. Heute gibt es in Farchach vier

Demeterbauern, einen Bio-Hofladen und eine Bio-Käserei.

DER HOF LEBT VON STAMMKUNDEN. UND DIE LIEBEN

VOR ALLEM DIE KARTOFFELN

Der Pflegerhof ist ein Mischbetrieb. Galloth hält 13

Milchkühe, einen Zuchtstier und eine wechselnde Zahl von

Kälbchen, die auf dem Hof geboren werden und zur Nachzucht

heranwachsen. Die Familie baut darüber hinaus

Beeren, Dinkel und Kartoffeln an. Letztere lassen sich besonders

gut direkt vermarkten. Drei Kartoffelsorten haben

die Galloths an gepflanzt: Laura, vorwiegend festkochend,

mit roter Schale. Linda, längliche, festkochende Knollen,

die wegen ihres cremig-buttrigen Aromas sehr beliebt

sind. Und Bettina: eine seltene, mehlige Sorte, „die es nur

noch bei uns gibt, weil kein Saatgut mehr produziert wird“.

Laufkundschaft oder durchfahrende Touristen gibt es auf

dem Pflegerhof kaum, die Galloths leben von Stammkunden

– seit über einem Vierteljahrhundert. Dabei gibt es

nicht einmal feste Öffnungszeiten. Aber die Kunden wis-

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SeeMensch

Einen Hof zu bewirtschaften, bedeutet nicht nur, Bäuerin zu sein, sondern auch Unternehmerin. Julia Galloth muss

auf dem Laufenden bleiben: über neue Technologien und wechselnde EU-Vorschriften

sen, wann sie die Familie antreffen: täglich um 17 Uhr zur

Tea Time. Bevor es wieder in den Stall geht, trinken nämlich

alle Familienmitglieder gemeinsam Tee.

Auch das Fleisch ihrer Tiere vertreiben die Galloths

direkt. Schlachten lässt die Familie in einer kleinen Metzgerei

in Jasberg im Wolfratshauser Hinterland, seitdem

Hausschlachtungen von der EU verboten wurden. Vater

Toni ist aber bei jeder Schlachtung dabei. Die Tiere sind

dadurch in ihren letzten Minuten entspannter, was sich in

der Qualität des Fleischs zeigt. Nach zwei Wochen Abhängezeit

wird das Fleisch in Pakete zu fünf und zehn Kilo

verpackt und auf Vorbestellung verkauft.

EINMAL IM JAHR GEHT ES IN DEN URLAUB. UND

ABENDS UM HALB ACHT IST SCHLUSS

Im Winter arbeitet Julia Galloth viel im Stall, im Sommer

draußen auf den Feldern. Knapp die Hälfte ihrer Arbeitszeit

nehmen die Tiere in Anspruch, gut ein Drittel die

Feldarbeit. Der Rest sind Bürotätigkeiten. „Abends um halb

acht ist aber Schluss!“ Das ist Galloth wichtig. Genauso:

„Sonntag mache ich, wenn irgendwie möglich, frei – bis auf

die Stallarbeit.“ Regelmäßig trifft sie sich mit Freundinnen,

wobei ihr Freundeskreis eher „burschenlastig“ sei, wie sie

sagt. Einmal im Jahr geht es gemeinsam mit ihrem Freund,

einem Zimmerer, in den Urlaub. Auch unterm Jahr gönnen

sich die beiden regelmäßige kurze Auszeiten. Dafür spricht

sich Julia Galloth mit ihren Eltern ab. Sie sind für sie Vorbilder:

„Meine Eltern sind ruhig und ausgeglichen. Sie haben

ein unglaubliches Durchhaltevermögen und lassen sich

gleichzeitig für neue Ideen begeistern. Sie sind eine große

Unterstützung.“

Julia Galloth hat viel von den Eltern übernommen, aber

einiges macht sie anders. Muss sie auch. Denn die Gegebenheiten

– die Verbraucher, die Politik – haben sich geändert:

„Es geht nicht nur darum, dass man melken geht und den

Tieren etwas zu fressen gibt. Man muss auch schauen, dass

es ihnen gut geht. Dafür muss ich einen Haufen Auflagen –

wie die Düngeverordnung – erfüllen. Ständig gibt es neue

Bestimmungen. Das war in der Generation meiner

Eltern noch nicht so. Und ich muss meine Buchhaltung im

Griff haben! Ich bin schließlich Unternehmerin.“ Um noch

effizienter zu wirtschaften, plant Julia Galloth einen großen

Umbau: Sie will weg vom traditionellen Anbindestall hin

zum Laufstall. Keine Frage: Julia muss ihr Wissen ständig

auf dem neuesten Stand halten – über den Boden, die Pflanzen

und die Technologie, die in der Milchproduktion zum

Einsatz kommt. Vor allem aber auch bezüglich der oft wechselnden

EU-Vorschriften, die alle Bauern betreffen, egal,

ob biologisch oder konventionell gewirtschaftet wird.

51


SeeMensch

JULIA GALLOTH UND IHR VATER ENGAGIEREN SICH

POLITISCH: IM BERGER GEMEINDERAT SASSEN SIE

NEBENEINANDER – FÜR VERSCHIEDENE PARTEIEN

Als Bio-Landwirtin setzt Galloth keine mineralischen

Düngemittel ein, da sie langfristig den Boden auslaugen.

Sie setzt auf organischen, hofeigenen Dünger, um die Bodenfruchtbarkeit

zu fördern. Es gehe um so viel mehr, sagt Galloth:

nicht nur um gesundes Essen für den Einzelnen, sondern

auch um eine gesunde Umwelt für die Nachkommen.

Erde mit einer sehr hohen Anzahl an lebenden Mikroorganismen

verhindert Erosion und Auswaschungen. Ein Boden,

der ökologisch bewirtschaftet wird, speichert im Durchschnitt

28 Prozent mehr Kohlenstoff. Bio-Landwirtschaft ist

daher ein Beitrag zum Schutz des Klimas, erklärt Galloth.

13 Milchkühe, einen Zuchtstier und Kälbchen gibt es auf dem

Pflegerhof – jedes Tier soll sich hier wohlfühlen

Deshalb bewirtschaften die Galloths ihre Äcker in

mehrjähriger Fruchtfolge. Um der Erde Stickstoff zuzuführen,

werden dem Boden sogar Ruhepausen von bis zu vier

Jahren gegönnt, in denen nur Klee wächst, der dann als

Viehfutter genutzt wird. Julia Galloth betont, dass nicht nur

die Bauern die aktuellen Umwelt- und Klimaprobleme

lösen können. Um etwas auf mehreren Ebenen und für alle

zum Positiven zu verändern, müssen auch die Verbraucher

reagieren. „Wir alle sollten bereit sein, für das, was wir

essen, mehr und fair zu bezahlen!“

Die Europäische Union gibt jährlich etwa 58 Milliarden

Euro für Agrarsubventionen aus, rund 6,2 Milliarden

davon fließen nach Deutschland. Die Gelder werden nach

einem komplizierten System verteilt, das Landwirte

zwingt, viel Büroarbeit zu leisten. Julia Galloth empfindet

etliches davon als unsinnig, als praxis- und realitätsfern,

sie sieht politischen Handlungsbedarf. Direkt neben ihrem

Vater saß Julia Galloth daher von 2014 bis 2020 im Berger

Gemeinderat. Sie für die Grünen, ihr Vater schon seit vier

Wahlperioden für die SPD. Kurios: Beide waren zwar für

die genannten Parteien aufgestellt, aber parteilos. Im März

trat sie jedoch nicht mehr zur Wahl an.

DIE FAMILIE SCHAFFT NEUE LEBENSRÄUME:

MIT BLUMENWIESEN, MISCHWALD, NISTKÄSTEN

Mehr Rücksichtnahme in der Natur: Dazu könne jeder

Einzelne schon beim Spazierengehen beitragen, indem er

auf den Wegen bleibt, erklärt die Bio-Bäuerin. Sie betont:

„Bei uns ist alles Landschaftsschutzgebiet. Das wird oft

ignoriert. Selbst im Frühsommer, wenn Hasen, Rehe und

Bodenbrüter ihre Jungen in der Wiese verstecken.“ Von

Hundehaltern wünscht sich Galloth, dass sie ihre Vierbeiner

nicht überall herumstromern lassen: „Gern sagen die

Leute: Mein Hund jagt ja nicht! Doch die Wildtiere geraten

unter enormen Stress, wenn ein Hund ihren Weg kreuzt.“

Außerdem wünscht sich die Familie von Spaziergängern,

dass sie ihrenMüll mit nach Hause nehmen und in

die eigene Tonne schmeißen. Das klinge jetzt sehr banal,

entschuldigt sich Julia Galloth und fügt hinzu: „Man

glaubt gar nicht, was auf unseren Wiesen an Hundekotbeuteln,

Taschentüchern, Plastiktüten und Flaschen herumliegt.

Dosen im Heu können für Kühe den Tod bedeuten.

Die scharfkantigen Schnipsel, die der Mähdrescher

hinterlässt, schneiden der Kuh Schlund und Pansen auf.

Das Gleiche gilt für Scherben.“

Eine intakte Natur ist den Galloths sehr wichtig. Sie

schaffen Lebensräume für Vögel und Insekten – mit ihrem

Mischwald, ihren Blumenwiesen, dem Streuobstgarten,

den Nist- und Fledermauskästen. Julia Galloth liebt ihr

selbstbestimmtes Arbeiten und die Möglichkeit, etwas für

die Natur zu tun. Außerdem gebe es kaum einen Beruf, der

so abwechslungsreich ist wie der der Bio-Bäuerin: „Wir

versorgen die Bevölkerung mit gesunden, hochwertigen

Lebensmitteln und betreiben aktiven Umweltschutz. Und

sind viel an der frischen Luft.“ Es ist – ein Traum!

52


SeeMensch


SEEFRAUENGARN

Der Starni

– mein Heilmittel fürs Leben

Wahnsinn, was ein Ort mit uns machen kann: Der Starnberger See schenkt der

aufgewühlten (Stadt-)Seele augenblicklich Ruhe. Schon die Anfahrt ist Meditation!

Er ist eines der München-Klischees

schlechthin: der Starnberger See. Gerne

in Verbindung gebracht mit Segelschuhen, Polohemdchen

und einem Glaserl Moët. All das gibt es am Starni, und das darf

auch gerne so bleiben. Was viele aber nicht auf dem Schirm

haben: Münchens bekanntestes Seepferdchen im Stall kann

auch leere Badeufer, alternative Biergärten und stinknormale

Starnberger. Der See hat mehr zu bieten als Privatstege,

schicke Restaurants und Gelfrisuren.

Und vor allem mehr als die

S-Bahn-Station „Starnberg“.

Wer einmal seinen Lieblingsspot

am Lieblingssee gefunden hat,

der fährt nicht nur immer wieder

genau da hin, sondern verrät

ihn im besten Fall auch nicht weiter.

Und so steige ich, sobald ich

weiß, dass das Wetter gut wird,

in den Zug Richtung Weilheim

und bin in einer halben Stunde

am hübschesten Postkartenausblick

überhaupt. Schneller, als ich

am Flughafen bin. Fast genauso

schnell sitzt man auch am Ammersee,

Pilsensee, Wörthsee und dem Weßlinger See. Das

sagt wahrscheinlich schon alles über München, Bayern und

die Prioritäten hier: schneller am heimischen See mit Bergblick

als draußen in der Welt sein.

Allein die Fahrt zum Starnberger See ist tiefe Meditation für

mich. Vom wuseligen Hauptbahnhof im Zug, der mit jeder

Station leerer wird, steige ich aus und bin gefühlt im Wald.

Zumindest Wald für Stadtkinder. Ich laufe runter zum Wasser,

im Sommer bin ich möglichst früh da, manchmal noch allein,

springe in den kalten See, der ganz still daliegt. Tauche meinen

Kopf unter und höre gar nichts mehr von der Welt. Über

den Tag füllt sich das Ufer, aber der Blick bleibt unverändert

gut: leichte Wellen, glasklares Wasser, ein weißes Segelboot

wie aus dem Bilderbuch und dahinter die Berge. Dieser Ausblick

wird nie alt. Dieser Ausblick lässt Münchner bleiben. Ich

könnte gar nicht wegziehen, selbst wenn ich wollen würde.

Und dieser Ausblick steht mittlerweile

auch auf meinem Nachtkästchen.

Kein Scheiß. Nach

Sonnenuntergängen hier fahre

ich zurück nach München und

bin in einer Stimmung, die nur

die Natur und insbesondere dieser

Ort mit mir machen kann.

Langsamer, gelassener, glücklicher.

Kein einziger Gedanke, ein

leerer Kopf. Aufgetankt. Bereit.

Nicht abgelenkt, sondern total da

und gleichzeitig entspannt und

müde. Aber auf diese gute Art,

wie man sie auch als Kind hatte

nach einem Tag am See.

Ganz egal also, wie lange die Fahrt dauert, was das Ticket kostet,

dass dieser Ort vielleicht keine wirklich bequemen Annehmlichkeiten

bietet – er ist jeden Besuch wert. Und ich werde immer

und immer wieder kommen. Mit meinen Freunden, mit

meinen Eltern, ganz allein. Mit einer Zeitung, mit Musik im Ohr.

Mit gar nichts. Und gucken, bis ich ganz schrecklich alt bin. Ich

werde dasitzen und mich heilen lassen vom Starnberger See.

Denn davon werde ich niemals genug bekommen.

Anja Schauberger arbeitet als freie Autorin u. a. für

das Online-Magazin „Mit Vergnügen“, wo dieser Text

ebenfalls erschienen ist. Sie ist großer See- und

Bayern-Fan: Ihre schönsten Entdeckungen findet man

auf dem Instagram-Account @weltreisedurchbayern

Fotos: Jan Greune; Julian Mittelstädt

54


Advertorial

LA VILLA AM STARNBERGER SEE

Schützen und bewahren

Anmutig thront LA VILLA am Westufer des Starnberger Sees. Das herrschaftliche

Gebäude mit seinem markanten, eckigen Turm ist unverwechselbarer

Blickfang und Wahrzeichen zugleich. Bekannt ist LA VILLA für rauschende

Hochzeiten, feierliche Geburtstage, geschäftliche Tagungen und als romantisches

Idyll für Verliebte. Dafür sorgt nicht zuletzt das historische Gondelbötchen „Betty“,

das für Verlobungs- und Picknickfahrten auf dem Starnberger See gebucht werden

kann – Champagner und köstliche Schmankerl inklusive.

Mit dem diesjährigen Jubiläum blickt das Tagungs- und Hochzeitshotel aber

nicht nur auf 30 erfolgreiche Jahre zurück, sondern auch voller Vorfreude in die

Zukunft. Frischen Wind bringt unter anderem der Generationenwechsel in der

Geschäftsführung. Getreu dem Motto „Qualität, Herzlichkeit und Nachhaltigkeit“

ist auch für die neue Chefin Katja Lindo jedes Projekt eine Herzensangelegenheit –

sei es der hoteleigene Kräutergarten, Solarstrom vom Dach oder die Zusammenarbeit

mit dem oberbayerischen Bienen-Guru Arno Bruder. Kein Wunder also, dass

LA VILLA-Küchenchef Christoph Gessner seine Gäste auch kulinarisch verwöhnt:

Köstlicher Honig aus Eigenanbau, Bio-zertifizierte Weine aus Europa und hochwertige

regionale Produkte unterstreichen das Hotelkonzept genauso wie die neue nachhaltig

produzierte Hotelkosmetik aus der Region. Natürlich nachhaltige Veränderungen

ebnen den Weg für die nächsten 30 Jahre und bewahren gleichzeitig die

ursprüngliche Seele und den zauberhaften Charme von LA VILLA.

LA VILLA am Starnberger See

Tagungen – Festlichkeiten – Hotel

Ferdinand-von-Miller-Straße 39–41

82343 Niederpöcking

Tel. 08151 770 60

info@lavilla.de

www.lavilla.de


SeeLeben

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56


SeeLeben

GROSS

REINE

MACHEN

Plastik zerstört die Meere und wird in

Form von Mikroplastik auch zur

Gefahr für heimische Gewässer. Mit

einer neuen Technologie möchte

Sebastian Porkert selbst feinste Rückstände

aus dem Abwasser filtern und

der Verunreinigung ein Ende setzen

TEXT

FOTOS

ANNA KAROLINA STOCK

JANINA LASZLO

Sowohl im Starnberger See als auch im

Ammersee wurden kleine Plastikpartikel

bereits nachgewiesen. „Mikroplastik gelangt tonnenweise

in unser Abwasser, etwa durch Peeling-Kosmetik, Putz- und

Waschmittel, Reifenabrieb sowie Kunstfasern aus Synthetikkleidung.

Die Partikel sind so klein, dass sie sogar durch

die Filter von Kläranlagen schlüpfen und in unsere Gewässer

gelangen können“, erklärt Sebastian Porkert, Geschäftsführer

des Münchner Umwelt-Start-ups ECOFARIO. Zudem

wirken Mikroplastikpartikel wie Magnete auf Schadstoffe,

Toxine, Medikamentenrückstände und Krankheitserreger.

„Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass

alle globalen Ökosysteme durch Mikroplastik und die ihm

anhaftenden Giftstoffe verschmutzt sind“, berichtet der promovierte

Ingenieur vom Ammersee. Sogar in den entlegensten

tibetischen Hochlandseen und den ewigen Eiswüsten

der Antarktis fand man Mikroplastik.

Über das Abwasser gelangen die Plastikrückstände

schließlich auch in die menschliche Nahrungskette: zum

Beispiel, weil Kleinstlebewesen wie Bachflohkrebse die

Plastikpartikel fälschlicherweise als Nahrung identifizieren

und sie so in die Nahrungskette einspeisen. Wird belastetes

Wasser zum Bewässern von Gemüse oder zum Tränken von

Vieh verwendet, landen die Mikropartikel über kurz oder

lang ebenfalls auf unseren Tellern. „Man geht davon aus,

dass die über die Nahrung aufgenommenen Teilchen an den

Organismus abgegeben werden und sich im Gewebe festsetzen

können“, so Porkert. Diese Erkenntnis sei zwar noch

sehr jung , fest stehe aber, dass zumindest die an den Mikropartikeln

mitgeführten Stoffe einen negativen Effekt auf die

Gesundheit haben können.

57

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SeeLeben

„Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und möchte

meinen Kindern und künftigen Generationen intakte

und mikroplastikfreie Ökosysteme hinterlassen“, sagt der

35-Jährige. Dass selbst der sonst so idyllisch und sauber

wirkende Ammersee vor seiner Haustür verunreinigt ist,

ließ ihm folglich keine Ruhe – und beschäftigte ihn, bis

ihm eines Nachts eine Lösung einfiel. Durch seinen beruflichen

Hintergrund in der Papierindustrie war Porkert bereits

mit den Prozessen der Abwasseraufbereitung vertraut

und erfand eine Technologie, mit der sich Mikroplastikpartikel

fast komplett aus dem Abwasser filtern lassen.

Porkerts Kampfansage gegen Mikroplastik war nicht

nur die Geburtsstunde einer neuen Geschäftsidee, sondern

auch die der Firma ECOFARIO. Der Name setzt sich aus

„Eco“ für Ökosystem und „Fario“, dem wissenschaftlichen

Namen der Bachforelle (Salmo trutta fario), zusammen.

„Diese Forellenart ist einer der wichtigsten Indikatoren für

sehr hohe Wasserqualität und somit der perfekte Namenspatron

für unser Unternehmen“, erklärt Porkert.

Zentraler Kern der ECOFARIO-Erfindung ist der

„High-G-Separator“. Dieser relativ unscheinbare Trichter,

in den das belastete Abwasser von oben eingespeist wird,

nutzt das Hydrozyklon-Prinzip. Das heißt: Ein sehr starker

und schneller Wasserwirbel wirkt wie eine Zentrifuge auf

die im Wasser enthaltenen Schmutzpartikel. Teilchen, die

schwerer sind als Wasser, werden nach außen geschleudert

und leichtere Teilchen in das Zentrum des Wirbels gedrückt.

Durch die trichterartige Form des High-G-Separators

bewegt sich das Wasser spiralförmig nach unten. Hat

es das untere Viertel erreicht, wird der mit Mikroplastik

belastete Teil vom sauberen Hauptstrom getrennt.

Da es sich um ein rein physikalisches Filtrationssystem

handelt, das sich die Gravitationskraft zunutze macht, gehen

Porkert und seine Mitgründer davon aus, dass es neben

den bisher unfilterbaren Mikroplastikteilchen auch die

kleinsten Spurenstoffe beseitigen und dadurch die Restbelastung

im geklärten Wasser signifikant reduzieren kann.

„Kommt der High-G-Separator als vierte und letzte Reinigungsstufe

in Kläranlagen zum Einsatz, können rund 95

Prozent der verbleibenden Schmutzpartikel, die in der konventionellen

Abwasserreinigung durchrutschen, beseitigt

werden“, präzisiert Porkert.

Die ECOFARIO-Anlagen sind simpel und ohne anfällige

bewegliche Teile ausgestattet. Das reduziere nicht nur die

initiale Investition, sondern auch die laufenden Betriebsund

Instandhaltungskosten erheblich. Gleichzeitig sei die

Technologie nicht nur für Kläranlagen geeignet, sondern

könne überall zum Einsatz kommen, wo heterogene Gemische

in ihre Einzelbestandteile getrennt werden sollen:

in Autowaschanlagen oder beim Trennen von Öl und Meerwasser

nach einem Schiffsunglück.

„So weit, dass wir die Weltmeere von Ölteppichen befreien

können, sind wir noch nicht, aber wir haben definitiv Großes

vor“, versichert Porkert. Nach unzähligen Tests und Prototypversuchen

in Miniaturgröße wird momentan die erste industrielle

Pilotanlage gefertigt. „Wenn alles glattläuft, möchten

wir die mobile Anlage noch in diesem Sommer in Kläranlagen

und Industriebetrieben testen.“ Auf Basis der daraus

resultierenden Ergebnisse werden im Anschluss die ersten

Kundenanlagen geplant und vermarktet. „Schritt für Schritt

nähern wir uns unserem Ziel: Gewässer wie den Ammersee

endgültig von Mikroplastik und Co. zu befreien.“

Das ECOFARIO-Team um Sebastian Porkert (2.v.r.) hat ein kostengünstiges

Verfahren entwickelt, Mikroplastik aus Flüssen und Seen zu filtern

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Advertorial

MARINA RESORT BERNRIED

Strandgut für die Seele

Ankommen, den Alltag abstreifen und genau das tun,

worauf man Lust hat: an einem schönen Platz am

Seeufer sitzen, die Stille auf sich wirken lassen, seinen

Gedanken nachhängen. Die malerische Umgebung zu Fuß

oder mit dem Fahrrad erkunden, in den Starnberger See

springen, eine Runde mit dem Stan-up-Paddle-Board drehen,

sich auf der Liegewiese die Sonne ins Gesicht scheinen

lassen oder bei einem guten Essen auf der Terrasse des

Marina Seerestaurants den Ausblick genießen. Wer dem

gewohnten Wohnumfeld, Homeoffice oder Büro einige Tage

den Rücken kehren möchte, findet auf halbem Weg zwischen

der Großstadt München und der faszinierenden Bergwelt der

Alpen seinen Rückzugsort. Das Marina Resort in Bernried ist

ein stadtnahes Kurzurlaubsparadies, das Gästen großzügige

Weite im Einklang mit der Natur bietet. An Komfort, Service

und der richtigen Portion Luxus fehlt es trotzdem nicht. Die

90 geräumigen Zimmer sind verteilt auf sechs verschiedene

Häuser. Jedes Zimmer ist eine kleine Residenz am See.

Störenden Lärm auf überlangen Hotelfluren oder Warten

am überfüllten Aufzug kennt man hier nicht. Wenn die Tage

kürzer werden, bietet der Wellnessbereich mit Pool und

Sauna alle Annehmlichkeiten für ein ausgiebiges Wohlfühlprogramm.

Bei Massagen, Körperbehandlungen, Bädern

und Personal Trainings dreht sich alles um Entspannung.

Ob Yoga, Nordic Walking, Aquafitness oder Ernährungsberatung,

geschulte Therapeuten geben ihre Erfahrung in

Kursen oder auf Wunsch in einem individuell abgestimmten

Programm weiter. Für neue Inspiration und Weiterbildungsmöglichkeiten

sorgen die unmittelbaren Nachbarn des

Marina Resorts: das Buchheim Museum der Phantasie mit

wechselnden Ausstellungen und das Kloster Bernried.

Marina Bernried

Am Yachthafen 1–15

82347 Bernried am Starnberger See

Tel. 08158 93 20

info@marina-bernried.de

www.marina-bernried.de

59

59


SeeLeben

Jeder

Fisch zählt

Wie viele Fischarten leben - noch - im

Starnberger See? Welche kommen besonders

häufig vor? Um welche müssen wir uns sorgen?

Dies prüft eine Forschergruppe um den

Biologen Michael Schubert vom Starnberger

Institut für Fischerei

INTERVIEW

ALISSA SELGE

Foto: iStock/Lucen64; Illustration: Lia-Charleen Royla

60


SeeLeben

Die Laube ernährt sich

von Anfluginsekten und

hält sich deshalb dicht

unter der Wasseroberfläche

auf

Diplombiologe Dr. Michael Schubert

hat als stellvertretender Leiter des

Instituts für Fischerei der Bayerischen Landesanstalt

für Landwirtschaft einen etwas anderen Arbeitsalltag.

Klar, die meisten Tage beginnen wie bei vielen anderen

auch: mit dem ersten Kaffee im Büro, E-Mails und Besprechungen.

An anderen Tagen steht er dagegen auch

mal acht Stunden auf einem Boot und prüft mit einem

Echolot, wie viele Fische sich pro Hektar See gerade unter

ihm tummeln. Aktuell arbeitet er mit seinem Team am

„Interregprojekt Alpine Space Eco-Alps Water“. Bei dem

drei Jahre andauernden Projekt wird der Fischbestand

im Starnberger See erfasst.

Flussbarsche kommen

derzeit gemeinsam mit

der Renke und der

Laube am häufigsten

im Starnberger See vor

Aufgrund ihrer Bedeutung

für die Berufsfischerei

ist die Renke eine der

wichtigsten Fischarten

im Starnberger See

Ihr Team zählt nicht nur, wie viele Fische im See leben,

Sie untersuchen auch, ob Sie mit neuen Fangpraktiken

das gleiche Fischartenspektrum nachweisen können

wie mit konventionellen Fangmethoden. Wie geht man

bei Letzteren vor?

Zum einen gibt es die klassische Netzfischerei, zum

anderen das sogenannte Elektrofischen. Man fischt mit

Strom am Ufer entlang und im Wasser baut sich ein

Stromfeld auf, das die Fische anzieht wie ein Magnet.

Anschließend kann man sie lebend abkeschern. Dann

gibt es auch noch die Hydroakustik: Man fährt kreuz und

quer über den See, ein Schallkegel strahlt nach unten

und zeichnet das Fischecho auf, und so können wir sie

zählen. Das mit der Netz- und Elektrofischerei erfasste

Fischarteninventar vergleichen wir mit den Ergebnissen

einer neuen, innovativen Methode mit dem Namen Environmental-DNA-Analyse,

bei der Wasserproben auf

ihre DNA untersucht werden. Wir wollen wissen: Kann

man mit wenig Aufwand das Arteninventar im Reagenzglas

nachweisen?

Wie steht es um den Fischbestand des Starnberger Sees?

Wir konnten vergangenes Jahr 26 Fischarten nachweisen.

Außer der Elritze scheint keine Fischart ausgestorben

oder verschollen zu sein, das ist ein tolles Ergebnis. Was

mir aber Sorgen macht, ist das zurückgehende Wachstum

der Renken – der wirtschaftlich wichtigsten Fischart.

Woran könnte der Rückgang liegen?

Der Starnberger See ist sehr nährstoffarm, das Verhältnis

zwischen Stickstoff und Phosphor ist gestört. Neuere

Untersuchungen der Ludwig-Maximilians-Universität

München (LMU) zeigen, dass sich dies negativ auf die

Menge und Qualität des Zooplanktons und damit auf die

Nahrungsgrundlage der Renken auswirkt. Probleme können

auch veränderte Temperatur- und Sauerstoffverhältnisse

infolge des voranschreitenden Klimawandels

bereiten. Aufgrund seiner großen Tiefe und langen Wassererneuerungszeit

von 21 Jahren ist der Starnberger See

in dieser Hinsicht besonders empfindlich.

Fotos: LfL Institut für Fischerei Starnberg, iStock/jpa1999, LfL Institut für Fischerei Starnberg (2), iStock/Lukas Kastner, iStock/Creative Nature

62


SeeLeben

»Mein Herz hängt an der

Seeforelle: Ihre Vermehrung

ist leider beeinträchtigt«

Dr. Michael Schubert

Die Seeforelle lebt hauptsächlich

in tiefen Alpen- und

Voralpenseen. Zum Laichen

zieht sie in Zuflüsse

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?

Ich habe mein ganzes Leben direkt an der Würm gewohnt

und war schon als Kind ein begeisterter Angler. Fische

haben mich schon immer wahnsinnig interessiert.

Deswegen habe ich Biologie studiert, und die Stelle beim

Institut für Fischerei war mein persönlicher Sechser im

Lotto. Neben gelegentlichen Forschungsprojekten wie dem

bereits erwähnten zählen Untersuchungen zu Wachstum

und Bestandsentwicklung der Renken in den bayerischen

Seen, das Fließgewässer-Fischmonitoring und die Ausund

Weiterbildung zu unseren Daueraufgaben.

Im Fünfseenland gibt es die

Mairenke nur im Starnberger

See. Obwohl der Name es

vermuten lässt, ist sie nicht

verwandt mit der Renke

Haben Sie einen Lieblingsfisch?

Mein Herz hängt an der Seeforelle. Ihre natürliche Vermehrung

ist stark beeinträchtigt, da der Zugang zu den

Laichgewässern häufig durch Querbauwerke versperrt ist.

Von der Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Seezuflüsse

würden auch andere Fischarten wie z. B. die Mairenke

profitieren. Die Renke liegt mir aber genauso am

Herzen, weil sie für den Berufsstand der Fischer so wichtig

ist. Die Berufsfischerei am Starnberger See ist ein großes

Kulturgut und eine wunderbare Tradition, die ich für sehr

schützenswert halte.

Diese Arten wurden am häufigsten

im Starnberger See nachgewiesen

∙ Renke

Die Renke ist die klassische Brotfischart der Berufsfischer

an den bayerischen Seen und so auch am Starnberger See.

Die Exemplare, die gefangen und verkauft werden, wiegen

jedoch nur noch um die 200 Gramm, noch vor ein paar

Jahren lag der Wert bei durchschnittlich 250 Gramm.

∙ Laube

Die silbrig-glänzende Laube kommt in großen Schwärmen

vor und wird auch Ukelei, Ablette oder Zwiebelfisch genannt.

∙ Flussbarsch

Dieser Süßwasserfisch gilt als äußerst anpassungsfähige Art,

die sich gut vermehrt und z. B. am Bodensee ein sehr beliebter

Speisefisch ist.

Die Elritze konnte aktuell

nicht mehr im Starnberger

See nachgewiesen werden

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BLÜHPATENSCHAFTEN

Biene, bedien

dich bitte!

Jeder kann sich im Fünfseenland aktiv

am Schutz der Umwelt und der

Artenvielfalt beteiligen – zum Beispiel

mit einer besonderen Patenschaft

GUT KERSCHLACH IN PÄHL

Sehr idyllisch zwischen Ammersee und Starnberger See

liegt das Bio Hofgut Kerschlach, einst Kloster der Benediktinerinnen.

Auf den Äckern werden breite Streifen Wildblumen

gesät, um Insekten neuen Lebensraum zu schenken.

Wer hier Blühpate werden möchte, zahlt für einen Quadratmeter

einen Euro pro Jahr. Die Flächen sind zwischen 25

und 500 Quadratmeter groß und frei zugänglich. Man kann

die „Insektenhotels“ also jederzeit besuchen. Was man unbedingt

auch tun sollte, denn die Fülle an Blumen, Formen

und Farben ist berauschend schön.

www.gut-kerschlach.com/bluehpatenschaft

Bienen, Hummeln, Schmetterlinge,

Käfer & Co. sind unersetzlich in unserer

Natur. Als Blütenbestäuber sorgen sie für biologische

Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. Doch es wird immer

schwieriger für die Insekten, Nahrung zu finden, da

es auf Feldern, Wiesen, öffentlichen Flächen und in Gärten

immer weniger blüht. Umso wichtiger ist es daher,

neuen Lebensraum für sie zu schaffen. Im Fünfseenland

finden sich mehrere Projekte, die genau dies ermöglichen.

Sei es durch das Umwandeln landwirtschaftlicher Äcker

in Blühflächen, sei es durch die Pflanzung von Bäumen

oder die Pflege von Bienenstöcken. Und das Beste: Jeder

kann mitmachen und einen kleinen Beitrag zum Umweltund

Naturschutz leisten. Das funktioniert ganz einfach

mit einer Patenschaft. Übrigens auch eine hübsche (und

nachhaltige!) Geschenkidee.

FAMILIE BEHL IN DIESSEN

Familie Behl betreibt ihre Landwirtschaft bereits in

fünfter Generation. Einen Teil der Fläche hat sie mit heimischen

Pflanzenarten in Blühwiesen umgewandelt. Das

heißt, der Acker wird auf natürlichem Weg bewirtschaftet.

Die Blühpatenschaft kostet jährlich 50 Cent pro Quadratmeter.

Man vereinbart vorher die Größe der Fläche und

kann die Patenschaft jährlich kündigen.

www.blueh-patenschaft-diessen.de

FAMILIE KOBÖCK IN GAUTING

Auch im Münchner Umland können Artenvielfalt und der

Erhalt von blühenden Insektenweiden unterstützt werden.

Der familiär geführte landwirtschaftliche Betrieb der

Familie Koböck in der Gemeinde Gauting stellt mehrere

Hektar Land für Blühpatenschaften zur Verfügung. Eine

Patenschaft für 25 Quadratmeter kann für 38 Euro abgeschlossen

werden und besteht bis November 2021.

www.bluehpatenschaft-muenchen.de

Fotos: Gut Kerschlach, iStock/Prostock-Studio; Illustration: Lia-Charleen Royla

64


SeeLeben

BAUMPATENSCHAFTEN

MEIN APFELBAUM AM AMMERSEE

Beim Perger Hofladen am Ammersee besteht die Möglichkeit,

Obstbaumpate zu werden, Kostenpunkt: 50 Euro. Man

erhält ein individuelles Baumzertifikat, kann ein Jahr lang

beobachten, wie sich die Früchte entwickeln, und diese

natürlich auch ernten. Die Bäume werden vom Perger

Hofladen gepflegt und kultiviert. Durch die Patenschaft

bekommt man einen Einblick in einen ökologischen Obstgarten

und dessen Bedeutung für die Natur.

www.mein-apfelbaum.com

BIENENVOLK-

PATENSCHAFT

GUT DIETLHOFEN

Bienen sind außergewöhnliche Insekten mit einer faszinierenden

Lebensweise – leider aber vom Aussterben

bedroht. Deshalb müssen sie ganz besonders geschützt

werden. Beim Gut Dietlhofen kann man eine Bienenvolk-Patenschaft

abschließen, um ihre Erhaltung zu

fördern. Das Bienenvolk wird von einem Bio-Imker fachgerecht

nach biologischen Aspekten betreut. Als Pate hat

man die Möglichkeit, diesen Prozess das ganze Jahr über

zu begleiten. Die Kosten dafür liegen im ersten Jahr bei

100 Euro. Jedes weitere Jahr kostet 75 Euro. Außerdem

gibt es nicht nur eine Urkunde über den Bienenstock, die

Bienenkasten-Nummer und den Standort, sondern auch

ein 500-Gramm-Glas Honig. Einmal im Jahr findet ein

Abholtag im Rahmen des Herbstmarktes auf Gut Dietlhofen

statt. Teil des charmanten Programms: Honigschleudern

und eine Bienenführung mit Einblicken in

das Bienenleben.

www.gut-dietlhofen.de/patenschaften/

bienenvolkpatenschaft

land hotelklostermaier

unser Frühstück

durchgängig

warme Küche

Mo.-Sa. 11.30 -21.30h

Sonn- / Feiertags

11.30 -21.00h

unser Mittagessen

Landhotel Klostermaier mit Restaurant

Mittenwalder Strasse 9

82057 Icking

Deutschland

Tel. +49(0) 8178 86787/0

Fax. +49(0) 8178 86787/77

info@landhotel-klostermaier.de

www.landhotel-klostermaier.de

die kultur erleben

unser Abendessen

Frisch &

regional

Viele Lebensmittel

sind aus unserer

Region.

im klostermaier Essen gehen


SeeTipps

OH, DU SCHÖNER

AMMERSEE!

Sportbegeisterte, Familienausflügler und

Kulturliebhaber haben gleichermaßen an ihm

Freude. Was See und Umgebung so beliebt

macht? Kleine Entdeckungen wie diese

7

SCHONDORF

2

UTTING

BREITBRUNN

4

HERRSCHING

2 RAUM ZUM ENTFALTEN

Ulrike Peters, Illustratorin und staatlich anerkannte Erzieherin,

bietet in Finning einen Ort, an dem man seiner künstlerischen

Ader freien Lauf lassen kann. Neben Workshops für Erwachsene

gibt es auch ein Ferienprogramm für Kinder: Von Acrylmalkursen

über Porzellanmalen bis zu Specksteinkursen ist für

jeden etwas dabei.

www.stundenblumen.de

3 KRAFTSPENDER

Klaus Wenderoth hat mithilfe von Ingwerdirektsaft seine

Schmerzen in den Griff bekommen – seitdem stellen die

„Ingwerianer“ das Produkt im Familienbetrieb in Denklingen

her. Der kaltgepresste Direktsaft kann zum Mixen und

Kochen verwendet werden. Leckergesund!

www.ingwerianer.de

1 KULTURTREFF

Die Buchhandlug CoLibri ist Anlaufstelle für alle

Bücherwürmer, die auf der Suche nach einem

Schmöker für den Tag am See sind. In ihrem Laden

am Bahnhof in Dießen bieten Anton Gruber und

Ulrike Kreutzer ein großes Sortiment und geben

gern persönliche Empfehlungen ab.

3

DENKLINGEN

www.colibri-diessen.de

6

1, 5 & 9

DIESSEN

4 NACHHALTIG GENIESSEN

Hendrik Reimers aus Herrsching gründete 2016

sein Unternehmen „Fairafric“. Heute beliefert er 78

Länder mit sieben verschiedenen Schokoladesorten,

die bei einem Produktionspartner in Ghana unter

fairen Bedingungen hergestellt werden. Mit jedem

Kauf einer köstlichen Tafel Schokolade unterstützen

Naschkatzen also auch noch einen guten Zweck.

www.fairafric.com

5 UNHEIMLICH GUT

Die heile Idylle gerät am Ammersee regelmäßig aus den

Fugen. Aber natürlich nur in den Romanen von Inga

Persson. Die Autorin veröffentlichte mit „Nacht über

dem Ammersee“ gerade ihren dritten Krimi aus dem

Fünfseenland. Wer erleben will, wo sie ihre Inspiration

sammelt, sollte der „Schatzbergalm“ in St. Georgen

einen Besuch abstatten – hier ist Persson Wirtin.

www.schatzbergalm.de

8

PÄHL

Text: Line Kipp, Anna-Lena Wolfarth; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

66


SeeTipps

6 GARTENLIEBE

Würzige Kräuter und duftende Blüten sind

Christine Stedeles Leidenschaft. Die ausgebildete

Gartenbäuerin und Gästeführerin kennt schöne

Plätze und Kraftorte und gibt gerne ihr Wissen

weiter, zum Beispiel bei Wildkräuterführungen

im Schacky-Park.

www.herbalicca.de

7 SEE TO GO

Dass der Ammersee ein echtes Schmuckstück ist,

finden die Unternehmer hinter SchEE: In ihrem

Online-Shop verkaufen sie wunderschöne Halsund

Armketten sowie Ohrstecker in Ammersee-Form.

Auch bei den Hoodies von Ammersoul

kann man Andenken an den Lieblingssee immer

bei sich tragen.

8 WILDROMANTISCHE TOUR

Ein echtes Naturspektakel versteckt sich in Pähl. Durch

einen verwunschenen Wald führt der Weg immer tiefer in die

Pähler Schlucht. Die Belohnung am Ende der zweistündigen

Wanderung? Der Blick auf den 16 Meter hohen Wasserfall!

9 BIER „AB HOF“

Nachdem das Craft Bräu vor zwei Jahren seinen Betrieb

einstellen wollte, haben die Bewohner von Dießen sich zusammengetan

und eine Genossenschaft gegründet. Jeden

Dienstag und Donnerstag ab 18 Uhr gibt es in der Mühlstraße

12 in Dießen frisch gebrautes Bier. Ob traditionell Helles,

Indian Pale Ale oder Dunkles – beim Craft Bräu ist alles

handgemacht!

www.craft-braeu.com

www.schee-ammersee.de

www.ammersoul.com

GA Macht Happy

YOGA-KURSE

TAGES-RETREATS

EVENT-LOCATION

Für ein bisschen Ommm am See.

In Berg am Starnberger See.

Kursplan & Anmeldung unter www.yogamachthappy.de

Jetzt mit Code make-me-happy 10 € sparen!

Mach Yoga. Be happy! Sag hello@yogamachthappy.de


SeeHaus

BRÜDERLICH &

MEISTERHAFT

Sie führen eine Zimmerei, errichten Bootsstege, bauen

Häuser. Und wandeln nun in Polling mit viel Liebe zum Detail

einen ehemaligen Stadel zum modernen Wohngebäude um. Ein Treffen

mit Anderl und Karl-Michael Friedinger aus Starnberg

TEXT

FOTOS

MARTIN FRAAS

MICHELA MOROSINI

68


OBEN: Die Pläne für den

Umbau machen die Friedingers

als gelernte Bautechniker

alle selbst

UNTEN: Die tragenden

Balken des ehemaligen

Stadels werden in den

neuen Aufbau integriert

W

enn zwei Brüder zusammenhalten

und ihre Kräfte vereinen, können

sie Großes leisten. Das schlagkräftige Klitschko-Brüderpaar

fällt einem da sofort ein. Auch die Huberbuam aus

dem Berchtesgadener Land, die es als Extremkletterer zu

Ruhm gebracht haben. Nun, über solche Vergleiche können

Anderl Friedinger und sein Bruder Karl-Michael nur

schmunzeln. Viel zu bodenständig und bescheiden sind

die beiden, als dass sie sich auch nur ansatzweise in einer

Reihe mit Berühmtheiten sehen möchten.

Obgleich sie das im Fünfseenland inzwischen schon

ein bisschen sind. Denn zum einen stammen am Ammersee,

Starnberger See und auch Wörthsee einige der

meistfotografierten Bauwerke von ihnen: Bootsstege. Zum

anderen haben sie sich als Bauherren außergewöhnlicher

Häuser und einer innovativen Gewerbehalle in Andechs

einen Namen gemacht. Und, nicht zu vergessen, sie führen

auch noch die familieneigene Zimmerei in Starnberg weiter,

in dritter Generation – mit Erfolg.

Wir treffen die „Friedingerbuam“ in Polling, einer

3500-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Weilheim-

Schongau. Ein Stück Oberbayern, wie es idyllischer kaum

sein könnte. Seit zwei Jahren arbeiten Anderl und Karl-

Michael hier an ihrem bisher größten und aufwendigsten

Projekt. Sie haben ein Grundstück des Geländes der Alten

Ziegelei gekauft. Darauf stand ein denkmalgeschützter

Stadel. Den galt es, in ein Wohnobjekt umzubauen.

„Schon die Ausschreibung war eine echte Herausforderung“,

erzählt Anderl, „denn alle Arbeiten sollten im Bestand

erfolgen, was nahezu unmöglich war.“ Also machte

er den Vorschlag, den 120 Jahre alten Stadel komplett zu

demontieren, einen neuen Baukern zu errichten und diesen

dann mit den alten Balken des Stadels zu verkleiden.

„Als Zimmerer haben wir jahrzehntelange Erfahrung

im Umgang mit alten Hölzern“, sagt Karl-Michael. Die

überzeugte letztlich auch den Verkäufer und die Denkmalschutzbehörde.

Die Brüder bekamen mit ihrer Idee der


SeeHaus

Wie sein Bruder ist auch Karl-Michael (l.) ein Multitalent. Es gibt kaum eine Arbeit am Bau, die er nicht eigenhändig übernimmt.

Anderl montiert die Treppe aus Stahl, das aufwendigste Bauteil

Demontage den Zuschlag für den Umbau und setzten sich

gegen zwei große Bauträger durch.

„Und das ist gut so“, möchte man automatisch ergänzen.

Denn bei Anderl und Karl-Michael, beide sind außer

Zimmermeister auch noch gelernte Bautechniker, ist das

Projekt in besten Händen. Ihnen geht es nicht vorrangig

um schnellen Profit. „Wir möchten ein Stück Heimat erhalten“,

sagt Anderl. Und wer mit ihm plaudert, merkt

schnell, dass das keine Floskel ist.

„Wir haben zum Beispiel die Dachziegel Stück für

Stück runtergenommen“, so Anderl, „haben sie gereinigt,

jetzt werden sie gelagert.“ Er holt mit schnellen Schritten

ein paar der Ziegel. „Schau, wie unterschiedlich die sind,

mal heller, mal dunkler, je nach der Konsistenz des verwendeten

Tons.“ Ja, er freue sich bereits auf den Moment,

wenn die Ziegel wieder aufs Dach kommen. „Diese Unregelmäßigkeit,

die ist doch einfach wunderbar, das hast du

heute nicht mehr, das ist das Zeichen echter Handarbeit.“

Seine Begeisterung ist ansteckend. Anderl, mit 59 Jahren

der jüngere der Brüder, ist ein Temperamentsbündel.

Er kann gut erzählen. Mit seiner athletischen Figur, dem

gebräunten Teint und dem offenen Wesen könnte man ihn

sich auch gut als Sportlehrer vorstellen. Sport macht er auch

wirklich gerne, ganz besonders liebt Anderl das Segeln. Vor

15 Jahren war er einmal sogar über ein Jahr auf dem Boot

unterwegs: „Ich machte eine Atlantiküberquerung und segelte

bis in die Karibik. Das bleibt für immer unvergesslich.“

Karl-Michael ist ein Jahr älter als sein Bruder und

strahlt eine angenehme Ruhe aus. Man ist geneigt, ihn als

den philosophischen Teil des Duos zu sehen. Gerne denkt

der Vater dreier Kinder über den Alltag hinaus, er sieht die

Dinge ganzheitlich. So ist ihm wichtig, dass die fünf Wohneinheiten,

die hier entstehen, nach der Fertigstellung zu

familienfreundlichen Preisen vermietet werden. Und das,

obwohl die Einnahmen aus dem Objekt den Brüdern

irgendwann einmal zur Altersversorgung dienen sollen.

Mit Anderl verbindet Karl-Michael die Liebe zum Detail.

„Alle Fenster und Balkontüren sind aus hochwertigem

Lärchenholz“, erklärt er. „Wer daran spart, der spart an

der falschen Stelle.“ Das Thema Nachhaltigkeit steht

70


»Puristische Sichtbetonflächen

bieten im Innenraum

einen spannenden Kontrast

zu den warmen Hölzern«

Anderl Friedinger


SeeHaus

bei der gesamten Ausstattung im Mittelpunkt. „Es gibt über

die Grundfläche des ehemaligen Stadels hinaus keine Flächenversiegelung.“

Auch an die Sichtachsen und Einbindung

ins Ensemble haben die Brüder gedacht: „Die Fenster

an der Frontseite haben Sprossen und greifen damit die

Optik der alten Ziegelei im Hintergrund auf.“

Dass die beiden auch am Festland bauen, ist in ihrem

gemeinsamen Berufsleben eine relativ neue Entwicklung.

Denn einen Namen gemacht haben sie sich als Spezialisten

für den Bau von Bootsstegen. Und damit folgten sie

einer Tradition. „Auch unser Vater und Opa waren schon

im Wasserbau tätig“, erzählt Anderl. „Im Handwerk geht's

von jeher nur mit Spezialisierung. Wir haben ein Floß und

Rammgeräte, die für den Stegbau unumgänglich sind. Und

dazu das über Jahrzehnte erworbene Wissen, wie Holz auf

Wasser reagiert.“

Über dieses Kerngeschäft hinaus sind Anderl und

Karl-Michael aber immer offen für Neues. „An der Gewerbehalle

in Andechs Rothenfeld reizte uns besonders die

Dachkonstruktion, die wir selbst geplant haben“, erklärt

Karl-Michael. „Wir wollten darauf so viel Photovoltaik wie

möglich unterbringen. Und damit auch ein Zeichen setzen.“

»Im Umgang mit

Hölzern aller Art haben

wir große Erfahrung«

Karl-Michael Friedinger

Das ist ihnen gelungen. Ebenso das Kunststück,

35 Jahre lang ohne großen Streit oder gar Zerwürfnis extrem

eng zusammenzuarbeiten. Als Ehepaar hätten sie die

Silberhochzeit längst hinter sich und wären inzwischen

bei der „Leinwandhochzeit“ angelangt. „Ich seh meinen

Bruder wirklich öfter und länger als meine Frau“, sagt

Karl-Michael und lacht. Was aber nicht heißt, dass sich

die beiden in ihrer Freizeit aus dem Weg gehen würden.

Im Gegenteil: Sie haben in Starnberg zusammen einen

Hobie Cat. Wann immer sie Zeit finden, segeln sie gemeinsam

auf dem See. Zwei Männer in einem Boot, das ist ihr

Lebens- und Erfolgsmotto. Oder vielmehr: zwei Brüder in

einem Boot.

Mehr als 100 Meter misst der beliebte und charakteristische Holzbadesteg in Percha-Kempfenhausen.

Die Brüder Anderl (l.) und Karl-Michael Friedinger haben ihn vor etwas mehr als zehn Jahren neu gebaut


Kanzlei am Starnberger See

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73


SeeHaus

SCHAU,

WIE SCHÖN ES

HIER IST!

Verwunschen, verlassen, versteckt: An diesen Orten herrscht

eine einzigartige Atmosphäre. Das macht sie für Filmproduktionen

interessant, aber nicht nur. Ein Blick hinter die Kulissen

FOTOS

AMELIE TEGTMEYER

74


SeeHaus

BAYERISCHER YACHT-CLUB: glücklich diejenigen, die im Bayerischen Yacht-Club Mitglied sind.

Auf das weitläufige Vereinsgelände kommt man nämlich nur mit Zahlencode. Architektonisch

gesehen, streift man hier durch die verschiedenen Epochen des Landkreises, einige der Gebäude

zählen zu den ältesten in Starnberg. Berühmt ist die nach dem höfischen Prunkschiff benannte

Bucentaur-Bootshalle, die seit 1803 über den See wacht. Aber auch das 1925 errichtete, turmartige

Start-Haus mit seinen roten Fensterläden ist einfach bezaubernd. Entworfen hat es Hugo Kustermann,

Gründer des Yacht-Clubs – und auf dem Gemälde oben zu bewundern. Er war übrigens 1899

der erste Bayer, der mit seinem Segelschiff bei der Kieler Woche startete – und zwar erfolgreich!

75


SeeHaus

SEEBAD STARNBERG: Im Sommer zum Schwimmen an den See – die Idee ist ja irgendwie

naheliegend. Aber warum nicht auch mal in die Sauna – vor allem, wenn sie so spektakulär nah am

Wasser liegt wie im Seebad Starnberg? Die Anlage am nördlichen Ufer des Starnberger Sees wurde

2018 nach zweieinhalb Jahren Sanierung wiedereröffnet und hat nun das Flair eines modernen

Wellnesshotels. Viel Holz, viel Licht, natürliche Farben. Im Ruheraum der Saunalandschaft haben

Gäste einen Logenblick auf den See und die Alpen in allen Schattierungen. Selbst in den Saunen

gibt es Glaswände, damit man die Landschaft genießen kann. Schon allein, um das zu sehen,

lohnt sich ein Besuch – und zwar zu jeder Jahreszeit.

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SeeHaus

BUCHHEIM MUSEUM Kunst, Architektur, Natur: Das Buchheim Museum in Bernried beflügelt die

Fantasie. Mal ganz abgesehen von der berühmten Expressionistensammlung, die Lothar-Günther

Buchheim hier aufgebaut hat, diversen „Nebensammlungen“ und Sonderausstellungen: Das

Gebäude selbst ist ein architektonisches Juwel – mit vielen kleinen Außenterrassen, bunten Wänden,

großen Glasflächen sowie ungewöhnlichen Raumaufteilungen. Das Highlight ist zweifellos der

13 Meter über dem See schwebende Steg: stattliche 50 Meter lang. Er wird übrigens gerne für freie

Trauungen genutzt. Bei schönem Wetter reicht der Blick bis zur Alpenkette, und zu Füßen liegt der

weitläufige Park mit altem Baumbestand, Skulpturen und Pagoden. Ja, das lieben wir!

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SeeHaus

GUT HARTSCHIMMEL Ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch: Gut Hartschimmel erreicht man auf

dem Weg von Andechs nach Fischen. Links geht es ein Stück durch den Wald, bis Sie am Ende des

Weges auf dieses Idyll treffen. Hier lebt Familie von Schönberg und betreibt die Bio-Landwirtschaft

bereits in fünfter Generation. Was sofort auffällt, ist das charmante Nebeneinander von Alt

und Neu: Das Anwesen ist bis in den letzten Winkel liebevoll dekoriert – man kann sich kaum sattsehen.

Kein Wunder, dass Hochzeiten und andere große Feste gerne hier gefeiert werden. Es gibt

Obstbaumwiesen, einen zauberhaften Staudengarten, eine große Galloway-Rinderherde,

Pferde und Esel, Ziegen, Katzen und Hühner. Ach ja, Urlaub machen können Sie hier auch: Das

kleine romantische Holzhaus mit Veranda (Foto oben) wird an Feriengäste vermietet.

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SeeHaus

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SeeHaus

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SeeHaus

ASKLEPIOS KLINIKEN So faszinierend wie furchteinflößend: Am Waldrand von Gauting liegt ein

riesiger Gebäudekomplex fast völlig verlassen da, seit mehr als 20 Jahren. Trotzdem war

Hollywood bereits hier. Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Gallenberger drehte in der

ehemaligen Asklepios Klinik den Kinofilm „Colonia Dignidad“: Das Politdrama mit dem britischen

Star Emma Watson und dem deutschen Schauspieler Daniel Brühl in den Hauptrollen erzählt von

der Gefangenschaft in der berüchtigten Sekte Colonia Dignidad. Die alten Krankenzimmer, die verwaisten

Flure, das leere Hallenschwimmbad – ja, das hat Gänsehautpotenzial. Und doch: Die Architektur

ist von morbider und geradezu symmetrischer Schönheit.

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SeeHaus

DIE WÖRTHSEE-ALM Es würde einen nicht wundern, wenn Pippi Langstrumpf um die Ecke tanzen

würde. Die Wörthsee-Alm ist eine Kneipe Kunterbunt – mit pinkfarbenen Lampions, Sonnenschirmen

und Surfbrettern, die schon einige Wellen hinter sich haben. Laisser-faire auf Bayerisch:

Gemütlich soll’s sein, aber bitte mit einer Prise Anarchie! Die Alm liegt in Schlagenhofen in der

Nähe des Wörthsees, recht abgelegen auf einer Anhöhe. Geführt wird sie von Mato Piechoto,

dem Fischsemmel-König der Herrschinger Seepromenade. Sagenhaft salopp geht es hier zu. Oder

um es mit den Worten von Pippi Langstrumpf auszudrücken: „Faul sein ist wunderschön, und dann

muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“

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SeeHaus

FILMREIFE GEGEND

Die traumhafte Landschaft des Fünfseenlands bietet schöne Bilder, keine Frage.

Aber auch weniger herausgeputzte Orte haben das Potenzial zur Kulisse,

wie die gwt-Regionalmanagerinnen Daniela Tewes und Alexandra Högner verraten

INTERVIEW

SANDRA DJAJADISASTRA

Fotos: Amelie Tegtmeyer aus dem Studio Jan Roeder in Krailling; www.janroeder.de

Unter dem Dach der Gesellschaft für

Wirtschafts- und Tourismusentwicklung

im Landkreis Starnberg (gwt Starnberg) arbeitet das

Regionalmanagement an der Gestaltung des Lebens- und

Wirtschaftsraums. Mithilfe finanzieller Unterstützung

durch das Bayerische Wirtschaftsministerium können die

Regionalmanagerinnen Daniela Tewes und Alexandra

Högner derzeit zwei Projekte umsetzen: Förderung der regionalen

Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Aufbau einer

Datenbank mit Orten und Gebäuden, die sich als Filmlocations

für Kino-, TV- oder Werbedrehs eignen.

Welchen Vorteil hat die Region von dieser Datenbank?

Alexandra Högner: Wenn Filmleute hier drehen, brauchen

sie Catering, gehen in Restaurants, übernachten in

Hotels – das bedeutet Wertschöpfung für regionale Betriebe.

In der Datenbank werden zudem die hier ansässigen

Dienstleister in Sachen Film gelistet: Kameraleute, Cutter,

etc., die so Aufträge bekommen können.

Kann jeder die Datenbank einsehen?

Daniela Tewes: Ja. Wir haben rund 800 großartige Location-Fotos

gemacht, quasi ein „Bilderbuch der Region“,

in dem man auf www.film-starnbergammersee.de blättern

kann. Später soll es noch eine Publikation geben. Auf

der Webseite wollen wir auch über Filme informieren, die

hier bereits produziert wurden. Wer kennt das nicht: Man

sitzt vorm Fernseher oder im Kino und erkennt Orte aus

der Nachbarschaft oder Umgebung. Da freut man sich. Wer

weiß, dass zum Beispiel der Hollywoodfilm „Snowden“ unter

anderem in der Evangelischen Akademie Tutzing gedreht

wurde?

Kann man sein Haus als Drehort anbieten?

Alexandra Högner: Na klar. Wir freuen uns über Vorschläge

jeglicher Art, ob Baumhaus, Partykeller oder Tante-Emma-Laden.

Ein Bekannter von mir suchte für sein

Musikvideo eine ungewöhnliche Location. Wir haben die

alte, verlassene Brennerei in Pentenried empfohlen. Er war

begeistert von der Hilfsbereitschaft des Besitzers und der

ganzen Ortschaft. Das Filmteam konnte sogar noch spontan

im Stadel des Nachbarn ein paar Szenen drehen.

Was erwartet mich, wenn ein Filmteam anrückt?

Alexandra Högner: Kommt auf die Anfrage an. Manchmal

dreht ein Filmteam mehrere Wochen in einem Gebäude

für Innen- und Außenaufnahmen. Das ist aufwendig,

wird aber finanziell entsprechend honoriert. Oft braucht es

auch nur eine Kiesauffahrt, auf der ein Auto vorfährt und

Leute aussteigen. Das ist schnell erledigt. Man hat bei jeder

Anfrage Zeit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.

Welche Location mögen Sie besonders?

Daniela Tewes: Den Fitnessraum des Hotels „Kaiserin

Elisabeth“ in Feldafing: Er war der Reitstall, in dem Sisi ihre

Pferde untergebracht hat. Hier herrscht eine besondere Atmosphäre,

da kann man Geschichte wirklich spüren.

Daniela Tewes (l.) arbeitet bei der Regionalagentur gwt

als Projektleitung Kultur- und Kreativwirtschaft,

Alexandra Högner als Projektleitung Film

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SeeHaus

EIN GARTEN MIT

CHARAKTER

Markante Linienführung bei der Architektur und Terrassengestaltung: Der Übergang von den Wohnräumen

zum Garten ist fließend. Mehrere Ebenen schaffen auch draußen unterschiedliche „Räume“

Wie verbindet man die Architektur eines modernen Familienhauses

mit der sie umgebenden Landschaft? Gartengestalterin

Christiane von Burkersroda wählte für diesen Garten am Starnberger

See regionaltypische Materialien sowie eine ruhige Grundstruktur

mit Stauden, Gräsern und Solitärpflanzungen. Das Ergebnis ist harmonisch,

entspannt und besonders zugleich

TEXT

FOTOS

KONSTANZE NEUBAUER

SABRINA ROTHE

Holz und Natursteinboden

wechseln sich ab:

Der Essplatz ist hell und

einladend – und öffnet

den Blick zur Landschaft

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Mit zunehmender Entfernung vom Haus werden die Linien weicher und gehen in die Landschaft über.

Ein Staudenbeet (u. a. mit Flammenblumen und Katzenminze) trennt den Pool vom Essbereich

Im Sommer kommt sie ganz nah an den

Zaun, um sich im Schatten der mächtigen

Buchen und Ahornbäume auszuruhen: eine

kleine Herde Fleckvieh. Zur großen Freude der Kinder im

angrenzenden Garten. Die alten Bäume, Teil einer Baumhecke,

welche die Grenze zwischen Garten und Wiese

markiert, stellen die ideale Verbindung zur Voralpenlandschaft

hier am Westufer des Starnberger Sees dar. In

diese weiche, hügelige Landschaft passt das neu errichtete

Einfamilienhaus (Beer Bembé Dellinger Architekten)

mit Satteldach und vorvergrauter Fassade aus Lärchenholz

– eine für die Region typische Bauweise, jedoch mit

zeitgemäßer Interpretation.

Christiane von Burkersroda griff für ihre Gestaltung

den Stil des Hauses auf und entwarf dazu auf einer Fläche

von 750 Quadratmetern einen passenden Familiengarten.

„Die Raumgestaltung mit ihrer Offenheit im Innern wird

im Garten weitergeführt, die Linienführung ist am Wohnhaus

ausgerichtet. Mit zunehmender Entfernung vom Haus

werden die Linien und die Topografie weicher und gehen in

die Landschaft über“, erklärt die Münchner Gartengestalterin

ihr Konzept. Dafür musste zunächst die Topografie neu

modelliert werden, da das Haus tiefer ins Gelände platziert

worden war. Behutsam wurden sodann die Baumveteranen

aufgeastet, um den Blick über die Weide hinunter zum See

und weiter in die Berge freizugeben.

Damit Haus und Garten zusammenpassen, hat sich die

Gartendesignerin in puncto Materialwahl an der Gebäudefassade

orientiert. Zur Bemusterung der Terrassendielen

(aus Ipé-Hartholz), der Pflastersteine (Basalt), Terrassenplatten

(Travertin) und Mauersteine (Muschelkalk) führte

sie daher immer eine Fassadenlatte mit sich. Schönes

Detail an der Holzterrasse: Das Fugenbild der Fassade

wurde so exakt aufgenommen, dass auf je zwei Fassadenlatten

genau eine Terrassendiele trifft.

Die Pflanzen schaffen mit den linearen Strukturen eine

natürliche Atmosphäre. Staudenbeete in kühlen Farben

strukturieren den hinteren Bereich und trennen die Gartenräume,

ohne scharf abzugrenzen. Katzenminze (Nepeta

x faassenii 'Walkers Low'), Roter Sonnenhut (Echinacea

purpurea 'Magnus Superior'), Kugeldistel (Echinops ritro

'Veitch's Blue') und Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum

'Diana') beleben die Flächen mit ihren intensiven Blütenfarben

und bieten Nahrung für Insekten – ein Aspekt, der

bei Gartenliebhabern immer stärker in den Fokus rückt. An

der großen Terrasse sorgt ein mehrstämmiger Zierapfel

86


Advertorial

BIOHOTEL SCHLOSSGUT OBERAMBACH/OBERBAYERN

Urlaub und „Green Meetings“ dahoam

Laue Grillabende, hervorragend

essen mit Bio­

Produkten aus der nahen Umgebung

und „Green Meetings“ mit

Alpen­ und Seeblick: Warum in die

Ferne fliegen, wenn das klimaneutrale

Schlossgut Oberambach

so nah ist? Der herrschaftliche

Landsitz oberhalb des Starnberger

Sees ist das passende Ziel für alle,

die den Sommer naturnah und in

Ruhe genießen möchten. Die Philosophie,

stets achtsam und wertschätzend

mit der Umwelt umzugehen,

ist für Gäste im gesamten

Hotel spürbar.

„Farm to Table.“ So lautet das

Motto im Schlossgut Oberambach.

Dabei handelt es sich nicht nur

um ein Versprechen, sondern um

gelebte Achtsamkeit und Wertschätzung

gegenüber den in der

Küche verarbeiteten Produkten.

„Bio“ ist seit über 20 Jahren

selbstverständlich. Seit Anfang

2019 zollt man darüber hinaus

den örtlichen Bauern, Metzgern

und Fischern Respekt. Das

Gemüse stammt zum großen

Teil vom eigenen Feld. Natürlich

entsprechen Saatgut und Kultivierung

den Bestimmungen von

Demeter e. V. und erfüllen damit

die Bedingungen für biodynamische Qualität.

So schmeckt der Sommer. Immer donnerstags bis

Oktober lädt das Schlossgut Oberambach zum Hof­Barbecue

in seine historische Remise ein. Vor dieser Kulisse

serviert das Küchenteam regionale Fleisch­ sowie

Schlossgut Oberambach

Oberambach 1, 82541 Münsing

Tel. 08177 93 23

info@schlossgut.de

www.schlossgut.de

vegetarische und vegane Gerichte

aus dem Smoker. Dazu wird

Münchner Bio­Bier vom Haderner

Bräu gezapft. Die Zutaten für das

Vorspeisen­ und Beilagen­Buffet

sind rein biologisch und stammen

größtenteils vom eigenen Gemüsefeld.

Ruhe vor dem Biergartentrubel

finden Hotel gäste im Schlossgarten.

Auf einer Schwingliege

genießen sie beim Sundowner den

Sonnenuntergang über dem

Starnberger See.

Denkfabrik für Dreamteams.

Alle, die sich kreativ und produktiv

entfalten möchten, können das im

Schlossgut Oberambach tun. Zu

jedem der fünf teilweise neu

gestalteten, unterschiedlich großen

Tagungsräume für zwei bis 80

Personen gehört ein separater

Bereich im weitläufigen Schlossgarten.

Die „Green Meetings“ sind

also im doppelten Sinn „grün“,

denn das Biohotel ist klimaneutral.

In den Pausen werden leichte,

gesunde Snacks serviert. Eine große

Auswahl an Incentives, die zum

großen Teil in der umliegenden

Natur stattfinden, rundet das

Tagungsangebot ab.

2


SeeHaus

Der Vorgarten wurde mit

immergrünem, bodendeckendem

Ziergras und einem

Solitärgehölz zurückhaltend

gestaltet, damit er nicht

von der Architektur ablenkt

»Ziel war ein allmählicher

Übergang vom Haus in

die Landschaft, der ohne

Brüche oder harte

Abgrenzung auskommt«

Christiane von Burkersroda

(Malus 'Red Sentinel') für Raumstruktur und schafft einen

weichen Übergang zum höheren Baumbestand.

Im schattigeren Bereich am Pool hat Christiane von

Burkersroda mit kontrastreichen Farben gearbeitet: Das

helle Laub des Japanischen Goldahorns (Acer shirasawanum

'Aureum') leuchtet vor dem Dunkelgrün der Hecke besonders

strahlend. Unterpflanzt ist dieser attraktive Solitär

mit Weißrand-Funkien (Hosta Hybride 'Francee'), Japangras

(Hakonechloa macra) und Frauenmantel (Alchemilla

mollis). Zu Füßen der alten Baumveteranen in Richtung

Kuhweide wachsen Japan-Seggen (Carex foliosissima 'Icedance')

im Verein mit Wildastern (Aster ageratoides), die

gut mit dem Wurzeldruck und der Trockenheit unter den

Bäumen klarkommen. Das wirkt natürlich und leitet weich

in die Wiesenlandschaft dahinter über. So ist ein Familiengarten

mit Vorbildcharakter entstanden, der durch seine

Natürlichkeit und freundliche Atmosphäre besticht.

GRÜN, GRÜNER, GÄRTEN DES JAHRES:

Das schwebende Holzdeck besteht aus Ipé-

Hartholz. Auf natürliche Materialien wurde

bei der Gestaltung großer Wert gelegt

Lust auf noch mehr Inspiration?

Diesen Garten und 49 weitere der

schönsten Privatgärten in Deutschland

kann man in dem Bildband

„Gärten des Jahres“ (Callwey Verlag,

59,95 Euro) entdecken. Er zeigt die

beeindruckende Vielfalt, mit der

Landschaftsarchitekten, Gartengestalter,

Garten- und Landschaftsbauer

Gärten in kleine Paradiese verwandeln.

88


Advertorial

KFO 5 SEEN – KIEFERORTHOPÄDIE STARNBERG

„Danke, dass ich

wieder lächeln kann!“

Eine erfolgreiche Zahnkorrektur sorgt für ein schönes

Lächeln. Und gerade Zähne sind gesunde Zähne. Sie

können besser gepflegt werden und tragen zur Allgemeingesundheit

bei. Fehlstellungen sind nicht selten der Grund für

Probleme im Kiefergelenk und können sich auf den gesamten

Körper auswirken. Dr. Schamiem Stumpfe absolvierte ihre

Facharztausbildung unter anderem am renommierten King’s

College in London. In ihrer neu eröffneten Praxis in Percha

verbindet sie klassische Kieferorthopädie mit ehrlicher,

kompetenter, persönlicher Beratung und innovativen Technologien:

Vom digitalen Röntgen über den abdruckfreien

Intraoralscan bis hin zum 3D-Druck von Modellen ist ihre

freundliche Praxis ganz auf moderne Kieferorthopädie ausgerichtet.

Feste Zahnspangen von innen oder transparente

Zahnschienen ermöglichen eine nahezu unsichtbare Zahnkorrektur

– das ist nicht nur für Erwachsene, sondern auch

für Jugendliche ein unschlagbares Argument.

KFO 5 Seen

Kieferorthopädie Starnberg

Kreuzstraße 22, 82319 Starnberg

Tel. 08151 750 34 07 www.kfo5seen.de

Mo, Di, Do, Fr 08–18 Uhr, Mi 08–20 Uhr, Sa 10–14 Uhr

Alle gesetzlichen und privaten Kassen


SeeKultur

25

Lieblingsorte, um

herrlich zu entspannen

Schöne Plätze gibt es im Fünfseenland natürlich zuhauf. Aber wo

geht man hin, wenn man die Stille sucht? Entschleunigen möchte?

Einfach runterkommen? Wir haben Insider gefragt!

ILLUSTRATIONEN

LIA-CHARLEEN ROYLA

N o 2

N o 1

EINE STUNDE VOR SONNENUN-

TERGANG VERSAMMELN SICH IN

HERRSCHING IMMER MEHR LEUTE

AM DAMPFER STEG. AM KIOSK GIBT

ES APEROL SPRITZZ, MAN UNTER-

HÄLT SICH, TRIFFT FREUNDE UND

BEKANNTE, UND ALLE ERFREUEN

SICH AM LEBEN, JUNG UND ALT,

GROSS UND KLEIN.

Günter Göggelmann ist der Chorleiter des Ammersee Shanty Chors,

der im „Seestüberl“ in Herrsching traditionelle Seemannslieder probt

– auf Englisch, Plattdeutsch und sogar Bairisch.

Meine Familie und ich packen gern den

Brotzeitkorb und fahren mit dem Rad in

unseren Lieblingsbiergarten: das „Seehaus

Schreyegg“ in Stegen. Während

sich unsere Tochter im Ammersee abkühlt,

genießen meine Frau und ich im

Schatten der Kastanien die Ruhe und

den Blick auf den See, die Wassersportler,

die Dampfer und die Alpenkette.

Ex-Bundesligaprofi Jimmy Hartwig lebt in Inning am Ammersee.

Für sein Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung erhielt

er 2019 die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste.

N o 3

Den Blick von der Votivkapelle mit dem

Gedenkkreuz über den Starnberger See

schweifen lassen, kurz die Augen

schließen und das Plätschern des Wassers

hören ist immer ein schöner und

beruhigender Moment.

Klaus Götzl ist stellvertretender Geschäftsführer der

Regionalagentur gwt Starnberg, die sich unter anderem um die

Tourismusentwicklung kümmert. www.starnbergammersee.de

90


SeeKultur

N o 6

Die Kirche St. Johann Baptist in Holzhausen bei Münsing

ist einer der schönsten Orte in Bayern. Ein grüner Hügel

mit Rundumsicht, ein weißes Kirchlein mit barockem

Zwiebelturm, dahinter die schneeweiß-graue Zugspitze –

und unten glitzert hellblau der Starnberger See. Wenn man

eine Weile auf der Bank vor der Friedhofsmauer sitzt, spürt

man die besondere Aura dieses Platzes. Der Wind weht das

Bimmeln von Kuhglocken den Hügel herauf. Im Hintergrund

knarren die Stämme uralter Eichen und Kastanien.

Ich bin viele Male mit dem Rennrad zum Kirchhügel

gefahren – um eine Pause an diesem Kraftort einzulegen.

Titus Arnu schreibt für die „Süddeutsche Zeitung“, „Geo“ und

„Natur“. Der Autor mehrerer Bücher („Tsum, eine Himalaya-

Expedition in das Tal des Glücks“, Rowohlt) lebt in Schäftlarn.

N o 7

N o 4

DEN STARNBERGER SEE FÜR SICH ALLEIN

HABEN? DA HEISST ES, GANZ FRÜH AUFZUSTEHEN,

EINEN STEG (ZUM BEISPIEL DEN AM UNDOSA)

AUFZUSUCHEN UND DEN SONNENAUFGANG MIT

EINER THERMOSKANNE TEE ODER KAFFEE ZU BE-

GRÜSSEN. DAS AUFSTEHEN KOSTET EIN BISSCHEN

ÜBERWINDUNG, ABER MAN WIRD BELOHNT!

Die Künstlerin Annette Girke wurde mit dem Kunstpreis der Stadt

Starnberg ausgezeichnet und arbeitet seit Februar 2020 im historischen

Atelier der Paul Thiem Villa.

N o 5

Oberhalb von Berg am Starnberger

See führt eine uralte Lindenallee

nach Aufkirchen, die sich regelmäßig

in einen „Planetenweg“ verwandelt.

Am Wegrand versteckt eine

Granitstele die „Erde“ als kleine verchromte

Kugel, und etwa 50 Meter

oder Millionen Lichtjahre entfernt

grüßt von einer gleichen Säule die

„Sonne“, ebenfalls verchromt, aber so

groß wie fünf Fußbälle.

Der Literaturwissenschaftler Dr. Dirk Heißerer bietet literarische

Spaziergänge an. Der nächste in der Landschaft von Oskar Maria

Graf ist für Samstag, 18. Juli 2020, geplant. www.lit-spaz.de.

Am Haarsee gibt es nicht viel – ein Bootshaus,

eine Villa, Wiesen, zwei Badeplätze,

fast vom Schilf verborgen –, und das

Wasser ist kühl und erfrischend. Ich lege

mich im Sommer unter die Birken am

Ufer, genieße die wärmende Sonne des

Nachmittags und höre nur dem Summen

der Insekten oder dem Zirpen der Zikaden

zu. Von der Schnellstraße zwischen

Weilheim und Seeshaupt weist nicht

einmal ein Straßenschild zu diesem Ort.

So soll es bleiben.

Matthias Helwig ist künstlerischer Leiter und Geschäftsführer

des Fünfseenfestivals, eines der renommiertesten Filmfestivals

Süddeutschlands. www.fsff.de

N o 8

Adnan radelt gerne um den See und legt

dabei eine kleine Pause bei seiner Lieblingssitzbank

ein: Sie steht zwischen Herrsching

und Buch auf einer kleinen Anhöhe.

Der Blick auf den See und ans andere Ufer

ist ein Moment des „stillen Glücks“. Ich liebe

es, in der Natur zu spazieren. Mein Lieblingsweg

führt von Stegen Richtung Buch

am Wasser entlang. Durch den lichten Wald

direkt am Wasser hat er etwas Geborgenes.

Franziska Maral und ihr Mann, der Schauspieler Adnan Maral,

haben sich vor elf Jahren in ein Bauernhaus in der Nähe des Ammersees

verliebt – und wohnen seitdem mit ihren drei Kindern dort.

91


SeeKultur

N o 9

Mit meinem Hund spaziere ich

am liebsten um den Frechensee

in Seeshaupt durch die schönen

Wälder bis zur „Schlossgaststätte

Hohenberg“. Herrlich!

Eva Corsten präsentiert in ihrem LUPACO Conceptstore in Seeshaupt

nicht nur hübsche Stücke zum Dekorieren und Freuen, sondern auch

Outdoor-Mode für Groß und Klein. www.lupaco.de

N o 10

Der Weg rund um den Mesnerbichl

in Erling ist herrlich

ruhig und unberührt.

Zum Seele-baumeln-Lassen!

Die amtierende Bayerische Milchkönigin Beatrice Scheitz aus Erling

kann nach Feierabend am besten in der Natur abschalten.

N o 11

WENN MAN EINE TASSE KAFFEE IM GARTEN DER

SCHONDORFER „SEEPOST“ TRINKT UND AN DER

HELLEN TUFFSTEINMAUER VON ST. JAKOBUS

SITZT, FÜHLT MAN SICH WIE IN FRANKREICH,

DIE KLEINE ROMANISCHE KIRCHE ZÄHLT ZU DEN

ÄLTESTEN IN SÜDBAYERN UND LIEGT DIREKT AM

UFER DES AMMERSEES.

Monika (Grundschullehrerin) und Tom Zwiessler (Programmdirektor

eines Fernsehsenders) leben in Windach.

N o 12

Der Pelletweg in Kempfenhausen ist nicht etwa ein

Weg, sondern eine enge Schlucht. Sobald im Frühjahr die

Wassertemperatur meine Schmerzgrenze von 18 Grad

überschreitet, gehe ich den grünen Tunnel hinunter, bis

sich der See in seiner ganzen Schönheit präsentiert – lange

vor acht Uhr, bevor die anderen Badegäste kommen. Ich

schwimme im See nach Süden, Richtung Alpen. Beim Blick

aus dem Wasser auf das gewaltige Gebirgsgemälde am

Horizont fühle ich eine tiefe Entspannung, und mir wird

die Einmaligkeit des Ereignisses bewusst: ein unbezahlbarer

Augenblick, der den ganzen Tag anhält.

Anton Hunger ist Publizist und Autor, lebt in Kempfenhausen und hat

sein Büro in Percha. Mehr über sein zwölftes Buch „Die Ikonen des Kobiaschwili“

erfahren Sie in unseren Buchtipps.

N o 13

WANN IMMER ICH EINE DOSIS „SEE“

TANKEN MÖCHTE, MACHE ICH EI-

NEN SPAZIERGANG NACH STEGEN.

NACH EINEM ABSTECHER ZUR

EISMACHEREI GEHT ES AN DER

SEEPROMENADE ENTLANG. DER

INNINGER BADESTEG IST DER

PERFEKTE ORT, UM DIE LETZTE

EISKUGEL UND DEN WUNDER-

SCHÖNEN SEEBLICK ZU GENIESSEN.

Die Foodbloggerin und Autorin Birgit Fazis lebt am Ammersee.

In ihrem Buch „Zeit statt Zeug“ inspiriert sie die Leser, Klarheit

zu schaffen und sich den wirklich wichtigen Dingen

im Leben zuzuwenden.

92


SeeKultur

N o 17

N o 14

DIE NATUR IST FÜR MICH REINSTE SEELEN-

NAHRUNG. EIN ABEND AM LAGERFEUER IN

BEGLEITUNG LIEBER MENSCHEN IST BESONDERS

HERRLICH AN MEINEM LIEBLINGSORT: DEN

KLEINEN STEINUFER-BUCHTEN IN STEGEN, LINKS

VOM NORDENDE DES AMMERSEES.

Regisseurin, Autorin und Fotografin Felicitas Darschin liebt es, die

Natur im Starnberger Raum zu Pferd oder im Wasser zu erkunden.

N o 15

Im Sommer sind die Ufer des verwunschenen

Buchsees mit Seerosen übersät, er sieht aus

wie ein Bild von Monet. Auf den Wiesen kann

man wunderbar picknicken und die Bade saison

dort starten. Am besten an einem heißen

Sommertag ganz in der Früh oder als Abkühler

am Abend.

Regine Kiefer gründete mit ihrer Kollegin Stefanie Rückerl das

Start-up Albert & Clara für handgeröstete Mischungen und Toppings

aus Buchweizen und Saaten. www.albertundclara.com

N o 16

Der Anbau von Kräutern ist nicht nur ein Beitrag zum

Umweltschutz, sondern auch schön entspannend. Gemeinsames

Garteln fördert den Zusammenhalt! Mit dem

PARAdiesserl in Dießen und in den Gemeinschaftsgärten

in Utting bin ich mit anderen Hobby-Gärtnern am Ammersee

bereits aktiv. Auch im Herrschinger Neubau-Quartier

LAGOM wird es gemeinschaftliche Kräuterbeete geben, in

denen die Bewohner zusammen Rosmarin, Thymian oder

Minze anbauen können.

Julia Wald kümmert sich als Marketing-Managerin um die Öffentlichkeitsarbeit

des Neubau-Quartiers LAGOM. www.lagom-see.de

Einer meiner Lieblingsplätze ist die Villa Rustica bei

Leutstetten. Schon nach wenigen hundert Metern

führt der Weg über einen Holzsteg ins Leutstettener

Moor. Spätestens mit dem Betreten dieses Stegs tritt

die Entschleunigung ein: Der Schritt verändert sich,

ebenso die Haltung und Wahrnehmung der Umgebung.

Funktioniert zu jeder Tages- und Jahreszeit!

Journalistin Ute Pröttel zog vor 25 Jahren nach Berg und bekam statt

Brot und Salz Oskar Maria Grafs „Das Leben meiner Mutter“ geschenkt.

Sie setzt sich für mehr Frauen in der Kommunalpolitik ein.

N o 18

Morgens gehe ich noch vor der Arbeit

am Starnberger See joggen. Zum

Abkühlen geht es danach in den See

– ja, auch im Winter. Ein paar Züge

schwimmen, durchatmen – gerade,

wenn der See ganz kalt ist, ein grandioses

Gefühl! Und dann mit frischem

Kopf und leichtem Herzen ab zum

Bäumepflanzen und Weltretten.

Lisa Kohn arbeitet im Tutzinger Büro von „Plant for the Planet“. Ihre

Liebe zur Natur zeigt sich nicht nur in der Arbeit, denn auch in ihrer

Freizeit genießt sie die wunderschöne Natur am Starnberger See.

N o 19

ICH BIN SCHON ALS JUGENDLICHER INS KUBA

(KULTUR AM BAHNHOF) GEGANGEN. HEUTE

IST ES DER SCHONDORFER TREFFPUNKT FÜR

ALLE GENERATIONEN, EIN „CHARAKTER“-

ORT IM SHABBY-CHIC BZW. IN SPERRMÜLL-

ARCHITEKTUR, MANCHMAL MIT LIVEMUSIK.

VÖLLIG EGAL, OB DU 18 JAHRE ALT BIST ODER 58:

HIER FEIERN UND ENTSCHLEUNIGEN ALLE

IM NULLKOMMANIX.

Der Architektur-Fotograf Hans Engels (www.hans-engels.de)

lebt zwar in München, aber er ist in Schondorf aufgewachsen

– und in jeder freien Minute am Ammersee.

93


SeeKultur

N o 20

Wenn ich zur Ruhe kommen will,

mache ich mich auf den Weg über den

Höhenberg nach Grünsink, durch

den Wald, vorbei an Blumenwiesen.

An der Wallfahrtskirche genieße ich

die Stille an der Kapelle.

Carola Petrone führt mit ihrem Mann Domenico den Bio-Dorfgasthof

„Il Plonner“ in Oberpfaffenhofen am Weßlinger See.

N o 21

Mein Lieblingsort ist die Löwenbucht in Allmannshausen,

zu jeder Jahreszeit. Im Sommer frühmorgens mit dem

„Brett“ unter dem Arm, wenn der See noch ruht. Respektvoll

das Naturschauspiel beobachtend, wenn Stürme das

Wasser aufpeitschen und sich die Wellen geräuschvoll an

den Ufermauern brechen. Und das erste Picknick neben

den Löwen im Frühling, fasziniert von den Farben des Sonnenuntergangs,

ist ein ganz besonders schöner Moment.

Die Tanzpädagogin und Choreografin Kitty Bothe-Hufnagel lebt in

Berg und leitet seit 2007 neues tanzen, eine Schule für zeitgenössischen

Tanz und Ballett in Starnberg.

N o 22

Meine Joggingrunde um den Maisinger

See ist abwechslungsreich: Entlang der

Pferdekoppel in Richtung See blitzen bei

guter Sicht die Alpen hervor. Erst in Jägersbrunn

geht es den letzten Kilometer auf

Asphalt zurück nach Maising und von dort

nach Hause. Die 12 Kilometer sind ein

Genuss - zu jeder Tages- und Jahreszeit.

Martina Neubauer ist Stadt- und Kreisrätin in Starnberg. In Starnberg

geboren und aufgewachsen, fühlt sie sich ihrer Heimat sehr verbunden

und engagiert sich für ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft.

N o 23

VON DER MARIA-DANK-KAPELLE ZWISCHEN

OBERAMBACH UND DEGERNDORF HAT MAN

EINEN TRAUMHAFTEN BLICK AUF DEN SEE UND

TUTZING. ICH BIN JEDES MAL DANKBAR, DASS ICH

IN EINER SOLCHEN LANDSCHAFT WOHNEN DARF.

Armin Heil ist Geschäftsführer der Ambulanten Krankenpflege Tutzing

e.V., die im nächsten Jahr auf 100 Jahre Bestehen zurückblicken darf.

N o 24

IN DER MARKTHALLE IN DIESSEN TRIFFT SICH

JEDEN SAMSTAG JUNG UND ALT. AM MARKT-

STAND DER BOHNE 37 GIBT ES TOLLEN KAFFEE,

BEI ULLAS VITAMINREICH EINEN GEPRESSTEN

VITAMINSCHUB. VERABREDEN TUT SICH

HIER KEINER – MAN TRIFFT SICH – UND GANZ

SICHER IST’S DANN WIEDER EIN HERRLICHER

SAMSTAGVORMITTAG.

Kieran Smolka ist wassersüchtig –und jeden Tag am, im oder auf

dem See. Fehlt der Wind beim Segeln, geht’s mit dem SUP aufs Wasser.

N o 25

Zwischen Breitbrunn und

Herrsching gibt es direkt am Seeufer

einen Spazierpfad. Wenn man

Breitbrunn hinter sich gelassen

hat, kommt eine lauschige Bucht

mit einem Mini-Steg, an dem man

bei einem Glas Wein und etwas

Käse und Oliven den Sonnenuntergang

genießen kann. An windstillen,

wolkenlosen Tagen ein Traum!

Journalistin Maren Martell kommt ursprünglich aus Norddeutschland

und lebt mit ihrer Familie, vier Islandpferden, zwei Hunden

und zwei Katzen seit nun fast 15 Jahren im Norden des Ammersees.

94


Anzeige

GLASMACHER

SCHULBERATUNG

Den See

getauscht

Verena Sebald, eine

Schülerin der 11. Klasse

aus Allmannshausen, war

für drei Monate Gastschülerin

an der Monmouth School for Girls in Groß britannien, einem

Internat für etwa 350 Schülerinnen. Im Dezember 2019 ist sie

zurückgekehrt und berichtet hier von ihren Erfahrungen.

Wie hast du dich auf deinen Start an der Monmouth School

for Girls vorbereitet? Wurdest du dort nett empfangen? Tatsächlich

habe ich mich nicht vorbereitet, sondern meinen Aufenthalt

einfach auf mich zukommen lassen. Als ich ankam, wurde

ich gleich sehr herzlich empfangen. Deswegen habe ich

mich direkt total wohlgefühlt. Nur die Verständigung war am

Anfang natürlich noch etwas schwer, aber die anderen Mädchen

waren alle sehr geduldig und hilfsbereit.

Wie warst du dort untergebracht und wer waren deine

Ansprechpartner vor Ort? Ich habe im Internat geschlafen

und hatte dort ein eigenes Schlaf- und Badezimmer und einen

Schreibtisch, an dem ich meine Hausaufgaben erledigen

konnte. Wenn ich ein Problem hatte oder Hilfe gebraucht

habe, konnte ich jederzeit zu meinen „Hauseltern“ gehen. Zusammen

haben wir immer eine Lösung gefunden.

Zu Hause ruderst du für den Münchener Ruder-Club von

1880 auf dem Starnberger See. Konntest du in Monmouth

auch rudern? Ja, ich hatte die Möglichkeit, dort zu rudern!

Das war einer der Gründe, warum ich mich mithilfe der Beratung

von Glasmacher Schulberatung für genau dieses

Internat entschieden habe.

Was war das schönste Erlebnis während deiner drei Monate

in Monmouth? Kurz vor Weihnachten gab es eine große

Halloweenparty. Alle waren verkleidet und die Stimmung

war ausgelassen – auch, weil es nicht mehr weit bis zu den

Ferien war. Das war auf jeden Fall mein Highlight!

Natürlich sprichst du jetzt fließend Englisch. Was hast

du in der Zeit am Internat noch alles gelernt? Es hat mich

beeindruckt, wie höflich und hilfsbereit die Waliser sind.

Davon habe ich viel für mich mitgenommen. Besonders

positiv in Erinnerung geblieben ist mir außerdem der Kunstunterricht,

in dem ich wahnsinnig viel gelernt habe und an

den ich gern zurückdenke.

ERFOLGREICHE

SCHULZEIT

Glückliche Kinder sind unsere Mission.

Wir kennen über 200 Internate in England

persönlich und finden gemeinsam mit

Ihnen und Ihrem Kind die richtige Schule

für den Auslandsaufenthalt.

Englisch lernen

+ Lieblingss port

+ eine Prise Hogwarts

= Ferienkurs in England

Im Sommer öffnen viele britische

Internate übrigens ihre Türen für

Sprachkurse für 12- bis 17-jährige

Schüler. Vormittags findet in kleinen

Gruppen Englischunterricht statt, gefolgt

von Sport, Spiel und spannenden

Ausflügen am Nachmittag.

Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gern.

Theresa und Barbara Glasmacher

Tel: 089 - 384 054 - 0

www.glasmacher.de


SeeKultur

Lesegenuss

VOM FEINSTEN

Für alle, die in fremde Welten abtauchen

oder einfach auf andere Gedanken

kommen möchten: Diese Bücher liefern

packenden Lektürestoff

GANZ SCHÖN

BRISANT

In diesem Politthriller geht es um

nichts Geringeres als die Verstrickung

von orthodoxer Kirche, georgischer

Mafia und Taliban. Erzählt wird aus

der Perspektive des Reporters Tom

Schollemer: Sogar die Drohungen der

Mafiosi halten ihn nicht von seinen

Recherchen ab – bis sich die Lage zuspitzt.

Der Kempfenhausener Autor

Anton Hunger lässt seine eigenen journalistischen

Erfahrungen in den Krimiplot

einfließen. Absolut fesselnd!

Klöpfer, Narr Verlag

ENTDECKUNGSTOUR

IM FÜNFSEENLAND

Sie brauchen Ideen fürs nächste

Familienwochenende oder wollen

Neues sehen? Von der Radtour bis

zum Kulturerlebnis ist hier für alle

ein passendes Ausflugsziel dabei. Mit

detaillierten Karten und vielen nützlichen

Infos steht dem Urlaub vor der

Haustüre nichts mehr im Weg. Die

65 spannenden Tagesausflüge führen

All-time-Favorites und

echte Geheimtipps.

J. Berg Verlag

TIPP

WAS

WIRKLICH ZÄHLT

Den Menschen hinter der Musik

besser kennenlernen, das ermöglicht

Peter Maffays Buch „Hier und

Jetzt“. Ausgehend von der Geschichte

des Bio-Hofs Gut Dietlhofen bei

Weilheim, dem Zentrum der Peter

Maffay Stiftung, bietet es einen authentischen

Einblick in seine persönlichen

Erlebnisse, aber auch seine

Gedanken. Peter Maffay erzählt

von der Rückkehr zu den Dingen,

die wirklich wichtig sind, und vom

Entkommen aus dem Alltagsstress.

Ein Buch, das nicht nur Maffay-Fans

zum Nachdenken anregt.

Bastei Lübbe Verlag

AUF DEM SOFA

DURCH EUROPA

Eineinhalb Jahre lang hat der

Schriftsteller und ehemalige Verleger

Michael Krüger aus Allmannshausen

an allen Orten, die er bereiste,

Gedichte geschrieben. Sein lyrisches

Tagebuch „Mein Europa“ ist der sehr

persönliche Bericht eines überzeugten

Europäers. Ein Sommerurlaub

von der ruhigen Peripherie bis in

den Trubel der Großstädte, den man

hautnah miterleben kann– ohne dabei

vom Sofa aufzustehen.

Haymon Verlag

Fotos: PR; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

96


Advertorial

SEEHOTEL LEONI

Einfach ankommen

Heiraten auf einer Wiese direkt am Wasser. Feiern

vor traumhafter Sonnenuntergangskulisse – auf

der Terrasse unter freiem Himmel oder vom Glasdach des

lichtdurchfluteten Wintergartens geschützt. Tanzen bis

spät in die Nacht im hauseigenen Club. Und am nächsten

Morgen mit Blick auf den See aufwachen, nach einem ausgiebigen

Frühstück im Spa entspannen: So könnte Ihre

perfekte Hochzeit im Seehotel Leoni aussehen.

Es ist die exklusive Uferlage auf der Sonnenseite des

Starnberger Sees, die Leoni für jeden Anlass zur perfekten

Location macht. Ob Sie sich auf den schönsten Tag Ihres

Lebens freuen, einen Geburtstag oder ein Jubiläum mit bis

zu hundert Gästen feiern wollen oder eine Tagung planen:

Hier sind Ihre besonderen Wünsche vom ersten Moment

an in den allerbesten Händen, persönliche Vorschläge

vom Küchenchef für Menü oder Buffet gehören ebenso zu

den individuellen Serviceleistungen des Hauses wie maßgeschneiderte

Pauschalen. Gastlichkeit hat in Leoni eine

große Tradition – lassen Sie sich einfach verwöhnen!

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Bahnhofstr. 40 | 82340 Feldafing

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SeeKultur

Bernd Zimmer vor einem Modell der „STOA 169“: Künstler aus allen Kontinenten der Welt wurden eingeladen, je eine Säule zu gestalten.

80 davon, so die Planung, werden noch in diesem Jahr aufgestellt. Am Ende werden alle Säulen ein gemeinsames Dach tragen und alle

Künstler zusammen ein Kunstwerk inmitten der Natur schaffen

98


SeeKultur

BERND

ZIMMER

OFFEN

FÜR ALLE(S)

Auf einer Wiese bei Polling verwirklicht

der Künstler eine Idee, die ihn seit

30 Jahren umtreibt. Es ist ein Projekt von

magischer Schönheit – und Größe

TEXT

KATJA SEBALD

Foto: Erwin Rittenschober für STOA 169

Bis vor Kurzem war der Maler Bernd

Zimmer vor allem in der internationalen

Kunstwelt bekannt – jetzt kennt ihn auch rund um seinen

Wohnort Polling wirklich jeder. „Grüß Gott, Herr Zimmer,

wir wollten Ihre Säulen anschauen, aber man sieht ja noch

gar nichts“, ruft gleich die erste Spaziergängerin an diesem

milden Februarmorgen am Ufer der Ammer. Auch die beiden

grimmig dreinschauenden Männer in Gummistiefeln erkennen

ihn, aber sie erwidern seinen Gruß nicht und stapfen weiter

in Richtung Baustelle. Dem eiligen Radler mit Helm und

Funktionskleidung ist es offenbar peinlich, dass er bei seiner

Inspektionsrunde ausgerechnet den prominenten Bauherrn

trifft. Die Mitarbeiter der Baufirma aber freuen sich. Bernd

Zimmer fragt, wie sie vorankommen. Nur noch ein paar

Wochen, dann wird man keine Erdhaufen und keine Baggerspuren

mehr sehen. Und noch ein paar Wochen, dann werden

die ersten Säulen aufgestellt.

Bernd Zimmer setzt mit der „STOA 169“ eine Idee um, die

eigentlich unmöglich erscheint: Er baut eine Halle der Kunst

mitten in der Natur. „Stoa“ ist das griechische Wort für Säulenhalle,

es bezeichnet aber auch eines der wirkungsmächtigsten

philosophischen Lehrgebäude der Antike. 169 Künstler

aus allen Kontinenten der Welt wurden eingeladen, je eine

Säule zu gestalten. 80 davon werden noch in diesem Jahr aufgestellt.

Am Ende werden alle Säulen ein gemeinsames Dach

tragen: Zimmer spricht von einem „Gemeinschaftsbild“ oder

gar von einem „Wald der Künste“.

Seit fast dreißig Jahren verfolgt Bernd Zimmer diese Idee.

Als er 1990 zum ersten Mal durch Südindien reiste, sah er die

eindrucksvollen Säulenvorhallen der hinduistischen Tempel.

Auch dort hat jede Säule eine individuelle Ausformung und

erzählt eine in Stein gemeißelte Geschichte. Seither träum-

99


SeeKultur

In den 80er-Jahren macht der Maler Bernd

Zimmer von Berlin aus Furore, heute lebt

und malt er im beschaulichen Oberbayern

te er von einer Halle mit 1000 Säulen, einem „Archiv der

zeitgenössischen Kunst“, das nicht nur verschiedene künstlerische

Vorgehensweisen und kulturelle Auffassungen an

einem Ort vereinen würde, sondern auch ein Zeichen für eine

weltweite friedliche Koexistenz der Menschen und für die

Achtung vor der Natur sein könnte. Nachdem er 2016 mit seiner

Frau Nina zum zweiten Mal zu den Hindu-Heiligtümern

Indiens gereist war, beschloss er, nicht weiter zu träumen,

sondern seine Idee in die Tat umzusetzen. Die ursprüngliche

„Wahnsinnszahl“ von 1000 Säulen reduzierte er zunächst auf

realistischere 169 und dann aus konzeptionellen Gründen

noch einmal auf 121. Er gründete eine Stiftung und suchte

nach dem richtigen Standort.

Schließlich konnte er südlich von Polling eine rund

35.000 Quadratmeter große Wiese kaufen, die in einem

Halbrund von einer verlandeten Flussschleife der Ammer

umschlossen wird. Diesen abgeschiedenen Ort erreicht man

nur zu Fuß: entweder vom Parkplatz am ehemaligen Bahnhof

Polling über einen Feldweg oder von der nahe gelegenen

Roßlaichbrücke, die an der Verbindungsstraße zwischen

Weilheim und Peißenberg über die Ammer führt, auf einem

Spazierweg am Flussufer. Egal, aus welcher Richtung man

kommt, der Blick auf die Säulenhalle eröffnet sich erst im

letzten Augenblick, wenn man auf die weite Wiesenfläche

tritt. „Es war mir wichtig, dass an diesem Ort die Einzigartigkeit

der Natur gleichzeitig mit der Kunst wahrgenommen

werden kann“, sagt Bernd Zimmer.

Und so nahm er Hürde um Hürde: 2017 erteilte das zuständige

Landratsamt Weilheim die Baugenehmigung für

eine rund fünfzig mal fünfzig Meter große Halle, auch der

Pollinger Gemeinderat sprach sich einstimmig für das Projekt

aus. Der Kulturfonds des Freistaats Bayern bewilligte

»An diesem Ort

soll die Einzigartigkeit

der Natur und Kunst

wahrgenommen werden«

Bernd Zimmer

100


SeeKultur

Fotos: Atelier Bernd Zimmer, Bernd Zimmer, Max von Eicken

Seit 1984 lebt und arbeitet Bernd Zimmer in Polling. Das 35.000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem die Säulenhalle stehen

wird, liegt südwestlich des Orts nahe der Amper. Nur fünf Prozent der Fläche werden bebaut – ohne den Grund zu versiegeln

101


SeeKultur

einen Zuschuss von knapp einer halben Million Euro, Sponsoren

aus der Wirtschaft kamen dazu. Zusammen mit einer

hochkarätig besetzten Fachjury wählte Zimmer nun die

Künstler aus, jeder Kontinent sollte mindestens einmal vertreten

sein. Umgehend kamen die ersten Zusagen und schon

bald die ersten Entwürfe in Polling an. Jeder teilnehmende

Künstler gestaltet eine der 3,90 Meter hohen Säulen mit

einem Durchmesser von höchstens 91 Zentimetern. Material,

Form und Technik sind dem Künstler überlassen, lediglich

statische Vorgaben müssen eingehalten werden. Die Kosten

für die Produktion der Säulen sollen von Paten getragen werden.

Die Liste der beteiligten Künstler liest sich wie das „Who’s

who“ der zeitgenössischen Kunst. Nicht wenige von ihnen treten

selbst als Stifter auf .

Der hochbetagte Daniel Spoerri wird eine Säule für Polling

gestalten – er hat als Erster seine Zusage geschickt, kaum

hatte er das Einladungsschreiben erhalten. Hannsjörg Voth

und Ulrich Rückriem haben ebenfalls zugesagt. Aus Österreich

wird ein „Gurkerl“ von Erwin Wurm kommen, auch

Brigitte Kowanz und Wolfgang Flatz sind vertreten. Mimmo

Paladino und Enzo Cucchi sind die großen Namen aus Italien.

Aus Australien ist Fiona Hall ebenso dabei wie Margaret

Baragurra. Magdalena Jetelová, Katharina Sieverding und

Karin Kneffel stehen auf der Liste, auch Tony Cragg, Liam

Gillick und Sean Scully. Die meisten Teilnehmer kommen

aus Europa, aber es sind auch Künstler aus Indien, aus Polynesien,

aus Kirgisistan, China, Japan, Kamerun, Nigeria und

Ghana eingeladen. Einige Säulen sind bereits in Polling eingetroffen,

andere werden nach den Plänen der Künstler in

oberbayerischen Handwerksbetrieben angefertigt. Und manche

haben noch eine spannende Reise vor sich: So soll etwa

die Säule aus Hiva Oa an den fünf Hauptinseln der Marquesas

Station machen und dort rituell verabschiedet werden. Auch

Bernd Zimmer wird eine Säule gestalten, sie soll jedoch im

Hintergrund stehen. Auf keinen Fall wolle er sich selbst ein

Denkmal errichten, betont er. Vielmehr verkörpere die „STOA

169“ alles, was er denke. Die Säulenhalle ist für ihn „ein Statement

der Bildenden Kunst, eine Insel des freien Diskurses“. Es

handle sich keineswegs nur um ein künstlerisches, sondern

auch um ein politisches Projekt: „Künstler – die ja die individualistischsten

Wesen überhaupt sein können – bilden mit

ihren individuellen Beiträgen ein Beispiel für die weltweite

menschliche Gemeinschaft und Solidarität. Hier sind sie

Stellvertreter der unterschiedlichen Kulturen.“

Bernd Zimmer wurde 1948 in Planegg bei München geboren,

er wuchs in Starnberg auf. Zu Beginn der 80er-Jahre

Man kann den Bau der Säulenhalle,

der im Herbst 2019 begann,

auf www.stoa169.com verfolgen.

Aufgrund der offenen Bauweise

müssen die Säulen wetterfest sein

Foto: Erwin Rittenschober für STOA 169

102


»Die Säulenhalle ist ein

Statement der Bildenden

Kunst, eine Insel

des freien Diskurses«

Bernd Zimmer

gehörte er zu den Malern, die von Westberlin aus als „Neue

Wilde“ Furore machten. Aus den Anfängen der legendären

Galerie am Moritzplatz heraus entwickelte er ein Werk, mit

dem er sich bis heute weltweit behaupten kann. Zahlreiche

Reisen führten Bernd Zimmer bis in die entlegensten Gegenden

der Welt. Seit Mitte der 1980er-Jahre lebt er in Polling bei

Weilheim, seine beiden Kinder sind dort aufgewachsen. Sein

Atelier befindet sich ganz in der Nähe in Oberhausen. Dass

ihn ausgerechnet aus seinem Heimatdorf ein so scharfer

Gegenwind treffen würde, damit hatte er nicht gerechnet.

Kaum waren die Pläne für die Säulenhalle bekannt geworden,

formierte sich in Polling Widerstand: Er kam von

Landwirten und vonseiten der Gruppe „Freunde der Natur“.

Die einen befürchteten Zusammenstöße mit Kunstpilgern,

die anderen Völkerwanderungen oder gar Autoverkehr zur

Säulenhalle. Vor allem aber wurde moniert, dass man nicht

im Vorfeld gefragt worden war. Es kam zu Protestkundgebungen

und Diskussionsrunden, Zimmer wurde persönlich angegriffen.

Obwohl mittlerweile alle Bedenken ausgeräumt werden

konnten, gab es noch keinen offiziellen Friedensschluss

– Schmähtafeln stehen immer noch am Rand des Areals.

Zimmer ist sich sicher, dass sich der Eingriff in die Natur

in vertretbaren Grenzen hält. Nur gut fünf Prozent der Gesamtfläche

werden überhaupt bebaut. Die Bodenplatte und

das Dach sind so konstruiert, dass Regenwasser ablaufen

kann und keine versiegelte Fläche entsteht. Die Wiesenflächen

um die Kunsthalle hat er an einen Biobauern verpachtet.

Anstelle der früher intensiv landwirtschaftlich genutzten

Fläche wird jetzt eine artenreiche Blühwiese als Lebensraum

für Bienen und andere Insekten entstehen, an ihren Rändern

sollen einheimische Bäume und Sträucher wachsen. Die Halle

selbst soll zu jeder Tages- und Nachtzeit frei zugänglich und

explizit Teil der Natur sein. Sie wird also nicht nur Kunstinteressierten,

Ausflüglern und Wanderern, sondern auch Vögeln

und anderen Wildtieren offenstehen. Aus der Luft wird man

sie kaum wahrnehmen, sie bekommt ein begrüntes Dach. Am

Ende, so der Traum des Künstlers, wird ein Ort entstehen, an

dem sich Kunst und Natur in Harmonie begegnen.


SeeKultur

DIE WELT UNTER EINEM DACH

Internationale Gemeinschaft: In der Säulenhalle „STOA 169“ soll jeder Kontinent

mindestens einmal vertreten sein. Die Liste der Künstlerinnen und Künstler liest sich

wie das „Who’s who“ der Gegenwartskunst. Hier sind elf Beispiele

1DANIEL SPOERRI

Daniel Spoerri ist eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten

des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich

Tänzer, wurde der Schweizer mit rumänischen Wurzeln

in den 60er-Jahren mit seinen „Fallenbildern“

weltweit bekannt. Er war Mitbegründer des Nouveau

Réalisme und gilt als Erfinder der Eat Art. In den Achtzigern

unterrichtete der berühmte Objektkünstler an

der Münchner Akademie und hinterließ auch dort mit

seinen opulenten Banketten bleibenden Eindruck.

Heute lebt der 90-Jährige in Wien.

2

HANNSJÖRG

VOTH

Der 1940 in Bad

Harzburg geborene

Hannsjörg Voth

begann nach einer

Ausbildung als Gebrauchsgrafiker

seine

künstlerische Arbeit

mit Siebdrucken und

Malerei. Ab Mitte

der 1970er-Jahre

machte er von München

aus mit seinen

Land-Art-Projekten

Furore, bevor er sich

für beinahe ein Vierteljahrhundert

in die

marokkanische Wüste

zurückzog: Seine

Bauskulpturen „Himmelstreppe“,„Goldene

Spirale“ und „Stadt

des Orion“ sind so

konzipiert, dass sie

früher oder später der

Vergänglichkeit anheimfallen.

TONY CRAGG 3

Tony Cragg, 71, lebt seit

Langem in Wuppertal,

wo er u. a. 2008 den

„Skulpturenpark Waldfrieden“

eröffnete. Der

gebürtige Liverpooler,

der am Royal College of

Art in London studierte,

ist einer der bedeutendsten

Bildhauer der Welt.

Für seine Skulpturen,

die sich durch ihre wellige,

figurative Struktur

auszeichnen und an

wirbelnde Derwische

erinnern, verarbeitet er

auch unkonventionelle

Materialien wie Glasfaser

und Kunststoff.

Cragg erhielt unter anderem

1988 den Turner

Prize der Tate Gallery

und 2017 den Lifetime

Achievement in Contemporary

Sculpture Award.

ERWIN WURM

Der Österreicher Erwin Wurm, Jahrgang 1954, gilt als als einer

der erfolgreichsten Gegenwartskünstler. Seit mehr als zwei Jahrzehnten

arbeitet er an einem vielschichtigen Werk, das neben den

berühmten Gurken-Installationen auch Aktionen, Videos, Fotos,

Zeichnungen und Bücher umfasst. Bekannt ist er vor allem für seine

Handlungsanweisungen zu „One Minute Sculptures“ und seine

„Fat“-Skulpturen, die kleinbürgerliche Statussymbole wie Autos

oder Einfamilienhäuser in einem „verfetteten“ Zustand zeigen.

5SANTIAGO SIERRA

Der 54-jährige Santiago

Sierra studierte an der

Universität Complutense

in Madrid (er wuchs in der

spanischen Metropole auch

auf), an der Hochschule für

Bildende Künste in Hamburg

bei B.J. Blume und in

Mexiko-Stadt. Mit seinen

oftmals provozierenden

Aktionen klagt der international

agierende Konzeptkünstler

soziale und

politische Missstände wie

die Ausbeutung von Arbeitern

an. Er benutzt und

verändert Strategien, die die

minimalistische, konzeptuelle

und performative Kunst

der 60er- und 70er-Jahre

charakterisieren.

4

6

ZHAO ZHAO

Bekannt wurde der chinesische

Künstler Zhao Zhao

durch seine Skulpturen, Gemälde

und Installationen, in

denen er sich mit der Macht

des individuellen, freien Willens

einerseits und der Dynamik

der staatlichen Kontrolle

andererseits auseinandersetzt.

Die provozierende, multidisziplinäre

künstlerische Praxis

des 38-Jährigen sorgte in den

vergangenen Jahren für internationale

Aufmerksamkeit.

2019 gewann er den Thirteenth

AAC Artist of the

Year Award. Zhao Zhao lebt

heute in Peking.

7REBECCA HORN

Rebecca Horn stammt aus dem südhessischen Michelstadt. Sie

lebte von 1972 bis 1981 in New York, lehrte am California Art Institute

in San Diego und an der Hochschule der Künste in Berlin.

Heute gilt die 76-Jährige international als eine der profiliertesten

deutschen Künstlerinnen. Ihre Arbeit bewegt sich oftmals im

Grenzbereich verschiedener künstlerischer Disziplinen und umfasst

Installationen, Performances, skulpturale Raum-Installationen,

kinetische Objekte, poetische Texte, Film und Zeichnung.

104


SeeKultur

8

SIGRÚN ÓLAFSDÓTTIR

Die 1963 in Reykjavík geborene Sigrún Ólafsdóttir

studierte Bildhauerei in Reykjavík und an der Hochschule

der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken,

wo sie auch heute noch lebt. Neben Malerei und

Zeichnung entstehen extrem großformatige Skulpturen

und Objekte aus Stahl, Holz, Aluminium,

aber auch aus Gummi und Latex. Geschwungene

Formen und emporsteigende, schwebende Bänder

erscheinen gleichsam als Zeichnungen im Raum

und vermitteln eine überraschende Leichtigkeit.

9FIONA HALL

Die Fotografin und Objektkünstlerin Fiona Hall

machte den Klimawandel lange vor den verheerenden

Waldbränden in Australien zum Thema ihrer

Arbeit. 2015 vertrat die Künstlerin, die 1953 in Sydney

geboren wurde und an der National Art School

in Sydney studierte, ihr Heimatland bei der Biennale

in Venedig. Ihr Werk ist in den Sammlungen

aller großen australischen Staatsmuseen präsent.

Sie lebt in Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien.

10

A. LAURIE PALMER

A. Laurie Palmer ist

sowohl Künstlerin als

auch Schriftstellerin

und beschäftigt sich in

ihren Arbeiten mit den

Eingriffen des Menschen

in die Natur, mit

lokalen und globalen

Zusammenhängen, mit

den Folgen von Privatisierung

und Globalisierung.

Ihre Auseinandersetzung

mit sozialer und

ökologischer Gerechtigkeit

wird in Texten,

Skulpturen, Installationen

und forschungsbasierten

Projekten

sichtbar. Palmer, die

1958 in New York geboren

wurde, lebt in Santa

Cruz in Kalifornien.

11

MAGDALENA JETELOVÁ

Die 1946 geborene Magdalena

Jetelová studierte an der Kunstakademie

in Prag und der Accademia

di Brera in Mailand. Die Tschechin

ist bekannt für ihre monumentalen

Holzskulpturen. Durch installative

Einbauten, Spiegelungen und Projektionen

verändert sie Räume. Mittels

Lasertechnik durchschneidet sie

menschenleere Landschaften mit

Lichtstrahlen oder projiziert großflächig

Zitate in die Natur. Sie lebt in

München, Düsseldorf und Prag.

Work in progress: Auf www.stoa169.com

können Sie Entwürfe der Künstler sehen

sowie sich über den Stand der Bauarbeiten

informieren. Es ist auch möglich, eine

Patenschaft für eine Säule zu übernehmen.

Die „STOA 169“ ist bewusst so konzipiert,

dass sie durch Spenden, Zustiftung

und Unterstützung „von vielen Schultern

getragen werden soll“.

Beschützen ist unsere Leidenschaft.

Geschäftsstelle

Mooseder Versicherungsvermittlungs KG

Team Starnberg

Bahnhofplatz 8 · 82319 Starnberg

Telefon 08151 8206

Team München-Solln

Wolfratshauser Straße 191 · 81479 München-Solln

Telefon 089 45206840

info@mooseder.vkb.de · www.mooseder.vkb.de

105


SeeTipps

KLEIN UND FEIN

Auch die drei Seen nordöstlich des Ammersees

sind unbedingt einen Besuch wert. Unsere

Empfehlungen für einen Ausflug an den

Pilsen-, Wörth- oder Weßlinger See

1 & 6

STEINEBACH

WÖRTHSEE

2 & 3

WESSLING

1 RUDERSPASS

Im Strandbad Raabe in Steinebach am Wörthsee

können Besucher für zehn Euro die Stunde Ruderboote

leihen und das malerische Ufer vom Wasser

aus betrachten. Zur Auswahl stehen auch Kajaks,

Elektro- und Tretboote sowie Stand-up-Paddle-

Boards.

4

5

PILSENSEE

www.strandbadraabe.de

2 LANDLIEBE

Für Familien, die dem Trubel der Stadt entkommen

wollen: Auf dem Bauernhof der Familie Ostermair

gibt es hübsche Ferienwohnungen und viel Platz für

die Kleinen – nur zehn Minuten zu Fuß vom Weßlinger

See entfernt. Außerdem ist der Hof Heimat

vieler tierischer Bewohner: Hühner, Ziegen,

Rinder, Alpakas.

www.ferienhof-gruensink.de

5 FAS(S)T ZU SCHÖN

Schon mal in einem Fass geschlafen? Sie lesen richtig: Auf

dem Campingplatz am Pilsensee kann man in XXL-Schlaffässern

aus unbehandeltem Holz zu viert übernachten – sogar

im Winter (mit Bettheizung!). Und das Beste: Sie haben hier

eine prima Sicht auf den Sonnenuntergang.

www.camping-pilsensee.de

3 LAUFLUST

Der Weßlinger See ist perfekt für kleine und große

Spaziergänge, z.B. eine Tour rund um den See ins

„Tal der Träume“ bis nach Ettenhofen oder über den

Höhenberg – die höchste Erhebung in der Gemeinde

– zur Wallfahrtskapelle Maria Hilf in Grünsink.

Auch schön: von Hochstadt am See vorbei nach

Andechs wandern.

4 GENUSS-HIGHLIGHT

In der „Feinkochwerk-Eatery“ in Seefeld-Hechendorf

speist man im besonderen Ambiente: Seit März

2019 betreibt Ines Czaya das schicke Restaurant und

Tagescafé in der alten Bahnhofshalle. Im Sommer

kann man das „Pilsenseefrühstück“ oder „Zarzuela“,

den Fischeintopf mit Ammerseer Saibling, auf der

Terrasse genießen.

www.feinkochwerk-eatery.de

6 EIN HAUCH VON VENEDIG

Wer romantisch übers Wasser gondeln möchte, bekommt

auf dem Wörthsee das ganze Programm: in einer original

venezianischen Gondel plus italienische Opern- oder

Schlagermusik während der Fahrt. Eine Stunde mit vier

Personen kostet 110 Euro.

www.gondel-woerthsee.de

Text: Line Kipp; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

106


Advertorial

IL PLONNER

Aus dem italienischbayerischen

Küchenhimmel

Frisch. Bio. Aus der Heimat – das ist der Leitgedanke

von Carola und Domenico Petrone, den Inhabern

des Dorf-Gasthofs IL PLONNER. Im Jahr 2011 hat das Ehepaar

das traditionsreiche Gasthaus in Oberpfaffenhofen

übernommen. Hier verbindet es seine frische, hausgemachte

Bio-Küche mit italienischer Gastfreundschaft und bayerischer

Geselligkeit.

Die Speisekarte ist übersichtlich und saisonal ausgerichtet,

die Gerichte sind bodenständig und werden frisch

mit hochwertigen Bio-Zutaten aus der Region gekocht. Eine

offene Küche gewährt jedem Gast Einblick ins Kochgeschehen.

Zum IL PLONNER gehört auch ein gemütliches

Bio-Hotel – das Erste seiner Art im Landkreis Starnberg.

Die neun ausschließlich mit Naturmaterialien eingerichteten

und mit Matratzen des renommierten Öko-Einrichters

„Grüne Erde“ ausgestatteten Zimmer haben Künstler aus

der Gemeinde Weßling mitgestaltet.

Der Gasthof verfügt außerdem über einen hellen und

liebevoll gestalteten Tagungsraum, der sich für ein konzentriertes

Arbeiten und Meetings anbietet – egal, ob vor Ort

oder virtuell. Ein Abendessen, mit Herz zubereitet und einer

Prise Italien, und eine Übernachtung im Bio-Hotel runden

den produktiven Arbeitstag ab.

Ein respektvoller Umgang mit Lebensmitteln, Fair-

Trade- Produkte und nachhaltiges Wirtschaften, unter anderem

mit Öko-Strom, gehören zum Selbstverständnis des klimaneutralen

Bio-Betriebs. Passend zu dieser Philosophie,

können selbstverständlich auch alle Veranstaltungen mit

und im IL PLONNER klimaneutral durchgeführt werden.

Carola und Domenico sind Gastwirte aus Leidenschaft.

Das engagierte Paar mit deutsch-italienischen Wurzeln

wurde bereits für seinen hohen Standard an Qualität und

Service ausgezeichnet. Sie wollen eine auf Gesundheit und

Nachhaltigkeit ausgerichtete Esskultur fördern: Frisch. Bio.

Nicht nur aus der Heimat, sondern auch für die Heimat.

Fotos: flohagena.com

IL PLONNER – der Dorf-Gasthof

Carola & Domenico Petrone GbR

Gautinger Straße 52

82234 Oberpfaffenhofen

Telefon: +49 (0)8153 91 61 27

Fax: +49 (0)8153 90 70 56

E-Mail: info@ilplonner.de

www.ilplonner.de


SeeKultur

MIT LEIDENSCHAFT

BEI DER SACHE

Foto: NIla Thiel

108


SeeKultur

Nicht nur die Landschaft macht den

Charakter einer Region aus. Es sind vor

allem die Menschen, die das Leben

nachhaltig prägen. Mit unterschiedlichen

Missionen, Ideen und Träumen

Der

Vespa-Virtuose

TEXT

STEFANIE LINDNER

Ihre alte Vespa bockt? Braucht eine Schönheitskur?

Ob Vollrestauration oder Inspektion: Wer

seinen Retro-Liebling auf Vordermann bringen möchte, ist

bei Andreas Pospiech von der RIALTO-GARAGE in Raisting

genau richtig. Der 58-Jährige nimmt ausschließlich

Oldtimer an, also Fahrzeuge mit Baujahr 1989 oder älter.

„Moderne Roller mache ich überhaupt nicht. Da verirrt sich

zwar ab und zu mal einer hierher, aber … ungern.“

Bereits im Alter von zwölf Jahren fing Pospiech mit

dem Schrauben an – hauptsächlich an Mopeds, die er zusammen

mit seinem Vater aus alten Schuppen zog. Auch

als er als Art-Direktor in einer Werbeagentur und später bei

einem großen Münchner Verlag arbeitete, ließen die Zweiräder

den gelernten Polsterer-Meister nicht los. 2007 machte

Pospiech eine alte Tankstelle in Dießen zu seinem neuen

Arbeitsplatz. Zunächst nahm er nur Sattlerei-Aufträge an.

Allerdings standen in der Werkstatt ein paar seiner Motorräder

und Roller herum. „Dann kam ein Kunde nach dem

anderen und brachte mir seine Vespa zum Reparieren.“

So wurden die italienischen Oldtimer Pospiechs Hauptgeschäft,

2012 eröffnete er die heutige RIALTO-GARAGE.

Zu seiner Kundschaft zählen Rentner genauso wie Jugendliche:

„Da ist quer durch die Bank wirklich alles dabei.“

Obwohl der Motorroller-Fachmann sich mit Vespas

und Lambrettas auf klassische Benziner spezialisiert hat,

steht er E-Mobilität offen gegenüber. Unter anderem tüftelte

er bereits an einer Schwinge für einen Radnabenmotor,

mit dem sich alte Vespas zu Elektroflitzern umbauen

lassen. Gemeinsam mit seinem Freund Axel Weber entwickelte

er außerdem ein Fahrrad mit Holzrahmen und

gründete 2015 „Woodpecker Bikes“. Die beiden stellen auch

Holz-Bikes mit E-Antrieb zusammen: „Das ist so ein bisschen

meine neue Liebe. In die Fahrrad-Richtung könnte es

sich bei mir weiterentwickeln.“

Von alten Mopeds wird Pospiech sich aber wohl nie

trennen. „Mein Lieblingsstück ist eine spanische Motovespa

Baujahr 1957. Und dann habe ich noch eine wahnsinnig

schöne Gran Turismo von 1967.“ Fast täglich ist

er auf zwei Rädern unterwegs. Für Spritztouren sei das

Fünfseenland prädestiniert – aber auch in Richtung Allgäu

zieht es ihn: „Da ist man gleich auf tollen kleinen

Sträßchen unterwegs“, schwärmt er. Selbst im Urlaub hat

der Schaltroller-Fan meist eine Vespa dabei. Die RIALTO-

GARAGE wird es sicher noch lange geben. „Ich weiß nicht,

ob ich je in Rente gehen werde. Einfach aufhören und

nichts mehr tun, das kann ich mir nicht vorstellen.“

109


Im Juli 2019 wurde die Familie Bucher (Markus Bucher ist der

2.v.l.) mit dem Bayerischen Engagiert-Preis ausgezeichnet

Die Ehrenamt-Familie

INTERVIEW

ALISSA SELGE

Bei Familie Bucher dreht sich alles

um das Wasser – fast die gesamte

Familie engagiert sich bei der Starnberger Wasserwacht.

Markus Bucher, Vorsitzender der Ortsgruppe, über das

Ehrenamt und die Liebe zum See.

Seit wann engagiert sich Ihre Familie bei der Starnberger

Wasserwacht?

Mein Vater war der Erste in unserer Familie, der eingetreten

ist: 1968. Er hat dann so geschwärmt, dass wenig

später sein Bruder und mittlerweile fast die gesamte

Familie Mitglied wurde.

Was sind die Aufgaben der Wasserwacht?

Unsere Aufgaben variieren je nach Jahreszeit. Im

Sommer sind es vor allem die Rettung und Erstversorgung

von Wassersportlern, im Winter retten wir im Eis eingebrochene

Personen. Aber auch der Umweltschutz, Bergung,

Vermisstensuche und die Schwimmausbildung

gehören dazu.

Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung

geblieben?

Ein spannender Einsatz war der während des Hochwassers

in Eschenlohe im Jahr 2005. Damals wurden wir

mit einem Großraumhubschrauber der Bundeswehr direkt

in das Ortzentrum geflogen. Unser Boot haben wir mithilfe

einiger Feuerwehrleute gerade so schräg in den Hubschrauber

bekommen.

Es steckt viel Arbeit im Ehrenamt. Wie lässt sich das

mit Beruf und Familienleben verbinden?

Ohne die familiäre Unterstützung gar nicht. Mir

macht es meine Großfamilie um einiges einfacher, da

ich mich zu 100 Prozent auf sie verlassen kann. Zudem

agieren wir in der Ortsgruppe sehr familienbetont: Jeder

darf Frau und Kinder zum Wachdienst mitnehmen.

Könnten Sie sich ein Leben ohne den Starnberger See

vorstellen?

Nein, ich glaube, dann würde ich eingehen. Dafür

liebe ich den Wassersport viel zu sehr.

Verraten Sie uns noch Ihren Lieblingsplatz?

Das ist einfach: die Wachstation der Wasserwacht in

Starnberg – die ist schließlich mein zweites Zuhause.

Foto: Sammy Minkoff

110


SeeKultur

Rosemarie Scheitler-Vielhuber (hier neben

Schauspieler Fritz Wepper) kann

einiges über Karl Valentin erzählen

Die Humor-Erbin

TEXT

ANNA KAROLINA STOCK

Foto: Süddeutsche Zeitung Photo/Robert Haas

Mit schrägen Pointen und absurder

Persiflage begeistert Karl Valentin

auch nach seinem Tod. Seine Urenkelin lebt noch immer in

dem Haus in Planegg, das der Münchner Komiker 1941 bezog.

Bis heute kommen Fans bei Rundgängen durch die Räumlichkeiten

und literarischen Darbietungen auf ihre Kosten.

Tragisch, brillant, humorvoll und tiefgründig – so war

der noch Jahrzehnte nach seinem Tod berühmte Komiker

und Schauspieler Karl Valentin. Mit Aussagen wie „Es

ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem“ schuf er

lustige, verdrehte sowie nachdenkliche Weisheiten, die bis

heute bekannt sind. Als „lebende Karikatur“ schlüpfte er in

immer neue Rollen. Trotz seiner facettenreichen Bühnenpersönlichkeiten

sah er sich selbst als einfachen Volkssänger,

der seine Zuschauer unterhalten und zum Lachen

bringen wollte.

Ihren Urgroßvater hat Rosemarie Scheitler-Vielhuber

nicht kennengelernt. Er starb lange bevor sie geboren wurde.

Doch von ihrer Mutter Anneliese Kühn und ihrer Großmutter

weiß sie einiges über ihn und seinen Humor: „Karl

Valentin war sehr hintersinnig und seine Komik oft tragisch,

geprägt durch die Absurditäten des Alltags und der

zwischenmenschlichen Beziehungen.“ Neben seiner sozialkritischen,

avantgardistischen Seite war Karl Valentin

aber auch Asthmatiker und Hypochonder, ein Exzentriker,

der große Veränderungen und technische Entwicklungen

verabscheute. Jedoch nicht, wenn es um seine Kunst ging.

Hier nutzte er Innovationen sofort. 1912 richtete er sich ein

Filmstudio ein. Seine Stummfilme wurden experimentell

und surreal.

Das Wohnhaus in Planegg, das der Künstler samt

Familie Anfang des Zweiten Weltkriegs bezog, nachdem

die Münchner Stadtwohnung am Mariannenplatz durch

einen Bombenangriff zerstört worden war, ist bis heute in

Familienbesitz. Urenkelin Rosemarie Scheitler-Vielhuber

lebt dort mit ihrem Mann und den beiden Söhnen. Einige

Wohnräume erinnern immer noch an Karl Valentin –

dank Fotografien, persönlicher Gegenstände und selbst

gedrechselter Werke. Auch seine ehemalige Schreinerwerkstatt

existiert noch. Fans des Humoristen sind willkommen,

die Räumlichkeiten bei einer Führung zu besichtigen

– interessante Anekdoten inklusive. „Viele ältere

Besucher kennen meinen Urgroßvater noch aus Filmen

oder dem Radio“, berichtet Scheitler-Vielhuber. „So auch

der legendäre Richard Süßmeier.“ Der ehemalige Festwirt

des Armbrustschützenzelts und Sprecher der Wiesn-Wirte

sei seit seiner Kindheit ein großer Fan gewesen und habe

Karl Valentin sogar noch persönlich kennengelernt. Doch

auch die jüngere Generation interessiere sich immer häufiger

für seine Kunst. Viele seien verwundert, dass seine

Werke auch heute noch auf der ganzen Welt aufgeführt

werden.

Obwohl kein Familienmitglied offiziell in seine Fußstapfen

getreten ist, hat der Münchner Komiker Spuren

hinterlassen: Zusammen mit Dr. Windlfend, der seit über

20 Jahren leidenschaftlich als Karl Valentin auftritt, steht

Scheitler-Vielhuber auf der Bühne und rezitiert die Monologe,

Dialoge und Couplets ihres Urgroßvaters. „Er war ein

großartiger Künstler, der Weltruhm erlangt hat. Umso

wichtiger ist es, dass sein Ansehen nicht in Vergessenheit

gerät“, erklärt sie. Die literarischen Aufführungen helfen,

seine Kunst lebendig und greifbar zu machen. Außerdem

bereiten sie unglaublich viel Spaß – ganz nach dem Motto:

„Ich will ja nur, dass d’Leit lacha.“

111


SeeKultur

Die Festival-Freunde

TEXT

MARLENE IRAUSEK

Unser Traum? Ein eigenes Grundstück,

wo wir das ganze Jahr über

Veranstaltungen organisieren können. Vom Open-Air-

Kino bis hin zu allem Möglichen“, erzählt Wilef

Papageorgiou. Er ist 28 und wohnt in einem hübschen

Holzhäuschen in einer Kommune in Perchting. Der Halbgrieche

hat eine Ausbildung zum Kinderpfleger und studiert

soziale Arbeit an der KSH in München. Ansonsten

legt er leidenschaftlich gerne Musik auf. Am liebsten mit

der ganzen Gruppe des von ihm und Freunden gegründeten

gemeinnützigen Vereins Feta Records. Alles, was die

jungen Kreativen mit ihren Open-Air-Veranstaltungen

„verdienen“, wird sofort in neue Kunstprojekte oder in die

nächste Festival-Planung gesteckt. „Ich weiß nicht, wie

man es nennen soll, was wir machen: Alternative Kunst

mit Festival-Charakter vielleicht?“ Genau das wollen sie

in der Region etablieren. „Es gab keine Fläche oder Plattform

in Starnberg, weder einen Club noch ein Kulturhaus,

wo unsere Generation mal feiern oder etwas künstlerisch

umsetzen konnte.“ So startete er mit Freunden sein eigenes

Ding. Peu à peu wurden die Veranstaltungen größer

und professioneller. „Irgendwann war uns klar, dass wir

einen Verein gründen müssen, um alles noch besser organisiert

zu bekommen.“ Aktuell zählt Feta Records zehn

Mitglieder und vier Vorstandsvorsitzende: Frederik Mair

aka Freezler, Moritz Cappel aka M. Punctum, Simon

Erdmann aka Simon Dremon und Wilef selbst tüfteln

das ganze Jahr über an ihrem Projekt.

Als Architekt kümmert sich Moritz um Bühnenstatiken

und Pläne, die beim Ordnungsamt eingereicht werden

müssen. Simon ist Baumpfleger und sein Thema: Wie lässt

sich Naturschutz bei den Festivals einbringen? Designer

Frederik hat die Homepage entworfen, gestaltet Festivalbändchen

und vieles mehr. „Außerdem haben wir einen

Gärtner und einen Schreiner im Team. Meine Schwester

Ioana steht uns als Barchefin zur Seite. Sie betreibt zu-

Fotos: Magdalena Menzinger, Johanna Schlüter, Magdalena Menzinger (3)

112


SeeKultur

sammen mit ihrem Freund die ,Boston Bar‘ in Starnberg.“

Bei den Veranstaltungen unterstützen zusätzlich Freunde

und Bekannte – beim Aufbau, an der Bar und wo immer

Hilfe benötigt wird. Mit dem FETA MORGANA Festival

2018 organisierte die Truppe ihr bislang größtes Event:

1200 Leuten feierten mit Bands, DJs, Künstlern und Artisten

zweieinhalb Tage auf einem Grundstück in Landstetten.

Anfangs trafen die Vorhaben auf Skepsis. „Verständlich.

Da kommt eine Gruppe daher und möchte im Wald

ein Festival machen, wo es laut wird und Müll gibt.“ Aber

Vorurteile wichen der Begeisterung: Inzwischen genießen

sie einen guten Ruf.

In der Natur künstlerisch aktiv werden und sie dabei

sauber zu halten, ist kein Widerspruch. Dafür setzt sich

Feta Records ein. Dieses Jahr hätte es beinahe mit einem

festen Standort geklappt. Die Pläne liegen wegen Corona

vorerst auf Eis. Es heißt abwarten, wie Veranstaltungen

künftig möglich sind. Langweilig wird es trotzdem nicht:

„Wir schreiben an einer Zeitung, die beim nächsten Festival

verteilt werden soll.“ Wem es bis dahin zu lange dauert,

der kann sich mit den monatlichen FETACAST DJ-Sets

auf fetarecords.de bei Tanzlaune halten.

Die Crew um Wilef Papageorgiou (l.) und Frederik Mair (r.) liebt Feta, elektronische

Musik und Tanzen unter freiem Himmel. Dass die Mischung auch

bei anderen gut ankommt, zeigt ihr FETA MORGANA Festival in Starnberg

DENTCOAT

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113

Die molekulare Dentcoat-Technologie ermöglicht es erstmals,

den Zahnschmelz nachhaltig zu schützen und zu reparieren.

Der Dentcoat-SiO2-Komplex lagert sich in der Zahnstruktur

an und umschließt den Zahn. Dieser Schutzmantel verringert

Schmerzempfindlichkeit, Karies, Plaque und Entzündungen an

Zahn und Implantat. Ergänzende nachhaltige Pflegeprodukte

komplettieren die Behandlung. Das Ergebnis lässt sich nicht

nur fühlen, sondern auch sehen. Wir beraten Sie gerne!


SeeKultur

Das Baum-Paar

TEXT

ANNA-LENA WOLFARTH

Unsere Erde braucht Hilfe: Dass der

Klimawandel nicht zu leugnen ist,

zeigt sich auch in unseren Breitengraden. Marcus Schaft

und Nadine Patheiger aus Herrsching haben es sich daher

zum Ziel gesetzt, den Klimawandel nicht nur aufzuhalten,

sondern ihn umzukehren. Wie das gehen soll? Indem mit

einem wachsenden Baumbestand der CO2- und damit der

Temperaturanstieg gestoppt oder sogar verringert wird.

„Alle sind sich einig, dass die Treibhausgas-Emissionen

reduziert werden müssen. Aber keiner denkt daran, dass

die Natur die Restemissionen neutralisieren muss. Nur

wenn die Leistungsfähigkeit unserer Wälder erhalten

bleibt, können die Klimaschutzstrategien erfolgreich

sein“, erklären Schaft und Patheiger. Und hier setzt „Treevolution“

an. Die Idee ihres Unternehmens: den Baumbestand

für die Eigentümer, wie beispielsweise Gemeinden,

sicherer und wirtschaftlich attraktiver zu machen.

Schaft arbeitet seit Jahren als Baumsachverständiger

und bewertet Gehölze, Wälder und Grünflächen. Er fand

es absurd, dass ein Baum je nach Bewertungsmethode in

seinem Wert zwischen einem und einigen tausend Euro

schwanken kann. Seine Idee: ein einheitliches Kontrollund

Bewertungssystem für Gehölzbestände. Bereits vor elf

Jahren hat Schaft seine Methode erarbeitet, seit der Einführung

der CO2-Bepreisung wird diese auch wirtschaftlich

genutzt. Denn für Kommunen ist wichtig: Je mehr Bäume

CO2 absorbieren, desto besser fällt die CO2-Bilanz einer

Gemeinde aus und desto weniger CO2-Abgaben muss sie

künftig zahlen.

Damit der Baumbestand auch wirklich für die Bilanzierung

herangezogen werden kann, hat Treevolution die

moderne Form eines Baumverzeichnisses bzw. -katasters

entwickelt. Die erfassten Daten – beispielsweise Standort,

Baumart, Habitus und Zustand – werden in einem Online-

System verwaltet und für den Klimaschutz eingesetzt. „Mit

der Kohlenstoffbewirtschaftung von lebenden Gehölzen

und Wäldern wollen wir für aktive, wirtschaftlich getriebene

Klimaregeneration sorgen und die Welt nachhaltig

positiv verändern“, erklärt Marcus Schaft, der übrigens

auch am Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung

mitgearbeitet hat. Auch für ihre Wahlheimat Herrsching

haben Schaft und Patheiger mit Treevolution bereits ein

Baumkataster angelegt. „Das ist die perfekte Symbiose:

Wir werden unterstützt und können gleichzeitig Herrsching

in eine Vorreiterrolle für den aktiven Klimaschutz bringen“,

freut sich Nadine Patheiger.

Nicht nur beruflich, sondern auch privat ist Klimaschutz

ein wichtiges Thema für die Familie. Aktuell zieht

sie sogar selbst Setzlinge am Ammersee – für ein eigenes

kleines Klimaschutzprojekt.

Foto: Stefan A. Schuhbauer v. Jena

114


Advertorial

FTR IN STYLE

Erlebnisse, die bewegen

Es begann mit einer Reise zu einem internationalen

Segelevent. Eine Gruppe Segelbegeisterter wollte

zum Austragungsort in Spanien reisen und einfach dabei

sein. Reiseprofi Heike Kohlhaas organisierte ein Top-Programm

für sie, rund um Regatta, Boote, Segler und Stadt.

Die Gruppe war begeistert!

Was genau machte den Unterschied? Zunächst teilt Heike

Kohlhaas die Begeisterung fürs Segeln und kannte damit

die Wünsche ihrer Kunden genau. Über die Abläufe einer

internationalen Regatta wusste sie Bescheid. Und sie schaffte

es mit ihren Kontakten vor Ort, Erlebnisse möglich zu

machen, die sonst unmöglich gewesen wären.

Die Idee war geboren, aus der Leidenschaft für Sport und

Reisen, den profunden Kenntnissen der Reisebranche und

zahlreichen wertvollen Kontakten in der ganzen Welt ein

neues, exklusives Label für individuelles Reisen zu gestalten:

FTR in style. Inzwischen hat Heike Kohlhaas ein Team aus

ebenso leidenschaftlichen Mitarbeitern am Start. Und es sind

viele spannende Angebote in Afrika, Südamerika und Europa

hinzugekommen. Immer mit dem Anspruch, nicht auf ausgetretenen

Pfaden unterwegs zu sein und Luxus ganz neu zu

definieren: das Besondere, das Unvergessliche zu erleben.

Die Webseite gibt einen ersten Einblick in die Möglichkeiten,

und mit dem neuen Reiseplaner-Tool kann man schon mal

träumen, bevor man die FTR-Profis kontaktiert.

FTR in style

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FTR in style ist der Veranstalter der

Starnberger Reise AG.

Reisen, gestaltet nach Ihren persönlichen

Vorstellungen, mit der Expertise unserer

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SeeGenuss

WAHNSINN,

hier wächst ja WEIN!

Auf diese Idee muss man erst mal kommen:

im Fünfseenland Reben für einen Sauvignac anbauen.

Winzer und Tausendsassa Uli Ernst über

Bedingungen und Hoffnungen

INTERVIEW

ALISSA SELGE

Sonne, blauer Himmel und ein Boden mit hohem

Kalziumgehalt: Hier fühlen sich die Reben der

fruchtig-frischen Weißweinsorte Sauvignac wohl

116


SeeGenuss

Foto: Uli Ernst

117


SeeGenuss

L

angweilig wird es dem gelernten Landwirt

Uli Ernst sicher nicht so schnell:

Zusammen mit seiner Frau Corinne betreibt er einen

Bio-Bauernhof, ein Erlebnis-Labyrinth, einen Design-

Hochseilgarten und eine Jungtieraufzucht von Rindern.

Sie kümmern sich außerdem um die zwei gemeinsamen

Kinder, verkaufen Bio-Eier aus mobilen Hühnerställen,

Schnittblumen und Bio-Sonnenblumenöl. Uli Ernst gibt

als Dozent zudem Unternehmertrainings für Landwirte

im deutschsprachigen Raum und in Afrika. Dort kümmert

er sich ehrenamtlich auch um arbeits- und landlose Agrarstudentinnen,

die zu Imkerinnen ausgebildet werden.

In seiner Freizeit besucht er Bildhauercamps in Italien,

turnt und übt zwei weitere Ehrenämter aus. Haben wir was

vergessen? Ja, man könnte sagen, Uli Ernst liebt die Vielseitigkeit.

Jetzt kommt noch eine weitere verrückte Leidenschaft

hinzu: der Weinanbau.

Wein anbauen am Ammersee – das ist ziemlich

ungewöhnlich. Wie kam es dazu?

Wein ist für mich ein sehr exklusives Produkt, hinter

dem viel Leidenschaft und Tradition stecken. Die Hingabe

vieler Winzerkollegen hat mich schon immer fasziniert.

Und dann kommt noch ein Stück Familiengeschichte

dazu: Wir blicken auf über 400 Jahre landwirtschaftliche

Familientradition am Ammerseewestufer zurück und vermutlich

haben genau hier die Römer schon vor 2000 Jahren

Wein angebaut. Außerdem stammt meine Frau aus einer

Familie, die ebenfalls Wein angebaut hat. Den Traum

hatte ich also schon lange. Aber das hier am Ammersee in

die Wege zu leiten, war gar nicht so einfach.

»In einem guten Wein

stecken die Liebe

und Leidenschaft der

Winzer und die

Geschichte der Region«

Uli Ernst

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NOW

ONLINE

Foto: Anne Kaiser


SeeGenuss

Foto: SZ Photo/Franz Xaver Fuchs; Illustration: Lia-Charleen Royla

Mit welchen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen?

Zuallererst: mit der Bürokratie! Weinanbau war bisher

nur in angestammten Weinbaugebieten wie der Pfalz, Rheinhessen

oder Franken erlaubt. Erst vor einigen Jahren hat sich

das EU-Recht gelockert, und wir konnten 2015 einen Antrag

auf ein Weinanbaurecht einreichen. Für die Genehmigung

der Sorte, die wir uns ausgesucht hatten, kam von der

Landesgenehmigungsstelle lange eine Ablehnung. Dann gibt

es natürlich auch noch die Launen der Natur, die uns

herausfordern. Vergangenes Jahr hat es so stark gehagelt,

dass uns der Schaden an den Reben um ein Jahr zurückgeworfen

hat. Wir möchten den Wein außerdem biologisch

anbauen, also ohne synthetische Pflanzenschutzmittel.

Deswegen müssen wir besonders aufpassen, damit die

Reben widerstandsfähig und gesund bleiben.

Welche Sorte ist es denn geworden?

Ein Sauvignac – das ist eine Kreuzung aus einem Sauvignon

Blanc, einem Weißburgunder, und einer wilden Sorte,

die zum Glück sehr pilzresistent ist. Wenn alles klappt,

kommt am Ende ein frischer, fruchtiger Weißwein heraus.

Was stehen für Schritte an, bis wir eine fertige Flasche

Wein in den Händen halten können?

2018 haben wir auf 9000 Quadratmetern mehrere

tausend Reben gepflanzt. Derzeit sind wir noch dabei, die

Hauptstämme der Reben zu gesunden und kräftigen Pflanzen

zu ziehen. Dazu gehören das Zurückschneiden jeder

einzelnen Pflanze und Unkrautjäten am Wurzelstock.

Ohne Pflanzenschutzmittel, also mit einer Hacke und per

Hand. Wir hoffen, im Oktober 2021 die ersten Trauben

ernten zu können.

Der fertige Wein soll bio sein – deswegen werden die jungen

Weinreben nicht mit Pflanzenschutzmittel behandelt.

Unkraut wird mit der Hacke gejätet, die Trauben nächstes

Jahr per Hand geerntet

Born to be

a guads Brot!

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Tel: 08177 - 281

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SeeGenuss

„Es ist ein Experiment“: Landwirt Uli Ernst setzt seinen langjährigen Traum in die Tat um und pflanzt 2018 mehrere tausend

Weinreben in Utting am Ammersee. Bis es so weit kommen konnte, war es ein langer Weg, der sich allerdings bis jetzt gelohnt hat:

Im Frühling 2022 kann er voraussichtlich die erste Flasche in den Händen halten

Wie geht es dann weiter?

Die Ernte fahre ich zu meinen beiden Partnern Martin

Fischborn und Henrik Schweder – zwei Vollblutwinzer, mit

denen ich auch eng befreundet bin – nach Rheinhessen und

in die Pfalz für die Kellerarbeit. Die Trauben werden gepresst,

gären, werden gefiltert und in Flaschen gefüllt ... das

klingt jetzt simpel, ist aber eine richtige Kunst, vor der ich

großen Respekt habe. Wenn alles gut läuft, kann ich im

Frühjahr 2022 unseren ersten Wein probieren.

Spielt das Klima am Ammersee denn mit?

Die Vegetationsperiode zwischen dem letzten und

dem ersten Frost ist bei uns kürzer und die übliche hohe

Niederschlagsmenge wird eine große Herausforderung

sein. Ansonsten eignet sich das Fünfseenland in einigen

Bereichen tatsächlich gut für den Weinanbau. Zum einen,

weil der Boden einen hohen Kalziumanteil hat – dieses

Element setzt nämlich andere Mineralien in der Erde frei.

Und dann sind wir hier auch mit vielen Sonnenstunden

gesegnet. Der Föhn schenkt uns im Alpenvorland jedes

Jahr etwa zusätzliche 15 Sonnentage.

Wie hat Ihr Umfeld auf die Idee reagiert?

Ich habe mit meiner Familie und meinem großartigen

Team schon immer einen ganz eigenen Weg eingeschlagen.

Für ungewöhnliche und kreative Ideen sind wir quasi schon

berüchtigt, auch über das Projekt Weinanbau am Ammersee

wird sicherlich geredet. Aber ich denke mir immer: Wenn

sich die Menschen am Westufer nicht mehr darüber wundern,

was wir hier anstellen, haben wir etwas falsch gemacht.

Was zeichnet für Sie einen guten Wein aus?

Natürlich der Geschmack – ich persönlich bin ein Fan

von fruchtig-frischen Weißweinen. Aber in einem guten

Wein steckt noch so viel mehr: die Liebe und Leidenschaft

der Familie, die den Wein produziert, die Geschichte der

Region und die Erde, in der die Reben gewachsen sind.

Was schätzen Sie am Fünfseenland ganz besonders?

Der Ammersee ist meine Heimat. Hier habe ich meine

Wurzeln und hier spüre ich eine wahnsinnige Verbundenheit

– zur Schönheit der Region und zu den Geschichten

der Menschen, die hier leben.

Foto: SZ Photo/Franz Xaver Fuchs

120


HAUS

AM SEE

MODERNES WOHNEN

AM AMMERSEE

Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser

Wohnflächen ca. 137 - 215 m²

Idyllische Lage 100 Meter vom See

3 Minuten zur S-Bahn Herrsching

Fertigstellung ab September 2020

Beratung per Telefon & Videochat

Musterhaus ab Ende Mai. Jetzt Termin sichern!

Virtuelle Tour auf

www.bauwerk.de/lagom

Beratung und provisionsfreier Verkauf

Tel: +49 (0)89 21 76 83 09


SeeGenuss

122


SeeGenuss

COFFEE FAIBLE

Das nennen wir eine rasante Erfindung: Manfred Buchner

verwandelt alte Zweiradmotoren in Espressomaschinen. Jede ist

ein Unikat mit Seele – so wie der Schrauber selbst

TEXT

FOTOS

ANNA KAROLINA STOCK

NILA THIEL

Behutsam dosiert

Manfred Buchner

das Espressopulver, das er zuvor mit einer

Kaffeemühle feingemahlen hat. Die richtige

Menge sei äußerst wichtig, damit der

Cappuccino am Ende gut schmeckt. Um

ihn herum allerlei Einzelteile von zerlegten

Motorrädern, Kanister und Werkzeug,

an der Wand eine Weltkarte, Merkzettel

und Postkarten. Der Biker mit

markantem Vollbart steht in seiner

Werkstatt in Possenhofen und macht

Kaffee – an einer ziemlich abgefahrenen

Maschine. „Mein neuestes Werk: die

VespPresso“, stellt Buchner stolz vor: eine

analoge Handhebelmaschine, die der

Schrauber erst kürzlich aus einem alten

Vespa-Motor zusammengebaut hat. Im

Vergaser, wo sonst Benzin und Luft zu einem explosiven Gemisch

aufbereitet werden, gibt es bei der „VespPresso“ verchromte

Armaturen und eine hochwertige Brühgruppe.

Espresso aus einem ehemaligen Vespamotor – auf die Idee

muss man erst mal kommen.

Als Buchner im Laden eines Bekannten aushilfsweise als

Reparateur für Kaffeemaschinen einsprang, musste er

– wie so oft – feststellen, dass heutzutage Maschinen hergestellt

werden, die von außen toll aussehen, innen jedoch

aus Kunststoff und Elektromüll bestehen. „Geht ein Teil kaputt,

ist Neukaufen günstiger als Reparieren. Das ist doch

Wahnsinn“, entrüstet sich der 55-Jährige. Um es besser zu

machen, entschied er sich, eine Espressomaschine „mit Seele“

zu bauen, und kombinierte dafür das Beste aus seinen

zwei Welten: Motoren und Kaffee. Zum Einsatz kommen nur

erstklassige Komponenten, die er zur Not selbst herstellt.

Buchner ist ein Perfektionist, er selbst sagt „Customizer“,

der ausschließlich Maßanfertigungen von Qualität baut.

Seine Ein-Mann-Firma heißt nicht umsonst

„Da Vincie Motors“ – inspiriert

von seinem großen italienischen Vorbild.

„Leonardo war ein genialer Erfinder

und Künstler, der nie nur halbe

Sachen machte“, schwärmt er. Buchner

verwandelt normalerweise Motorräder

in individuelle Kunstwerke. „Jeder

Kunde bekommt ein Bike, das in Größe

und Ausstattung wie ein Maßanzug

auf ihn abgestimmt ist“, schildert er.

Die sogenannten Custom-Motorräder

verschafften ihm im Laufe der Jahre

einen Namen in der Motorradszene,

weit über Starnbergs Grenzen hinaus.

Seit einem Jahr tüftelt der Ur-Münchner

auch an Espressomaschinen.

Die „VespPresso“ ist sein zweites Modell.

Der ursprüngliche Prototyp basierte auf einem amerikanischen

V2-Motor von Harley-Davidson, der aufgrund seiner

Form auch „Knucklehead“ (dt. Knöchelkopf) genannt wird.

Für Liebhaber gilt das Modell noch heute als der Harley-Klassiker

schlechthin. „Die Zylinderköpfe sind prädestiniert für

das Warmwasserventil“, erklärt Buchner. Mehr als ein Jahr

feilte er an seinem ersten Modell. Das Ergebnis: die sogenannte

Motormaschine inklusive Motorrad-Scheinwerfer

und Schauglas ins Innere. Doch Knucklehead-Motoren seien

schwer zu finden und kosten selbst in kaputtem Zustand

um 10.000 Euro. „Als mir eine alte Vespa in die Finger kam,

sah ich die Gunst der Stunde und habe umgesattelt“, erzählt

Buchner. Das Innenleben seiner Erfindung ändere sich dadurch

nicht. Nur das Gehäuse sehe mit einem Vespa-Motor

anders aus. „In jedem Fall passt der italienische Flitzer deutlich

besser zum Espresso als der uramerikanische Retrochic

der Harley- Davidson“, lacht der Biker – und nimmt den letzten

Schluck seines VespPressos.

123


SeeGenuss

Heiß oder

mit Eis?

Ein Tag am See macht schnell mal durstig.

Und auch hungrig. Wo es die leckerste Limo,

den besten Steckerlfisch und das kühlste Bier gibt?

Wir hätten da ein paar Anlaufstellen ...

PROTOKOLL

ILLUSTRATIONEN

MARLENE IRAUSEK

LIA-CHARLEEN ROYLA

Seekiosk Dießen

WO Dießen am Ammersee, Seeanlagen

In das traditionelle Büdchen mit Souvenirs, Brühkaffee,

Wurstsemmeln und Süßigkeiten zog mit Christine Gottschalk

2013 auch eine neue Kaffeekultur ein. Espresso, Cappuccino

und Co. bereitet sie mit Siebträgermaschine und Pascucci-Kaffee

aus Norditalien zu. Ein „neuer“ Treffpunkt

war geschaffen. 2014 war damit aber erst mal Schluss: Der

Kiosk brannte aus. Das hielt Gottschalk nicht davon ab, ihre

Kaffeebar beizubehalten. In Containern, die sie im Frühling

auf- und am Ende der Saison wieder abbauen ließ, bewirtete

sie ihre Gäste weiter.

Seit vergangenem Jahr hat sie als Pächterin des modernen

Neubaus der Gemeinde wieder einen festen Standplatz und

jetzt auch einen richtigen Ausschank. Ihr Kerngeschäft sind

weiterhin Kaffee und Kuchen, Süßigkeiten und erfrischende

Getränke, etwa die hausgemachte Ingwer-Zitronen-Essenz

von der Ulla aus Dießen, die je nach Wetterlage heiß oder mit

Eis serviert wird. Beliebt sind aber auch die immer frischen

Brezen mit Butter oder Schnittlauch. Wurstwaren und Leberkäs

kommen von der Metzgerei Rieß in Dießen. „Wir versuchen,

regional zu beziehen und vor Ort zu bleiben.“ Das

gilt auch fürs Eis: „Das ist vom Lidl, einem Bauernhof in der

Nähe von Fürstenfeldbruck. Das Eis wird am Hof aus eigener

Milch hergestellt. Der Familienbetrieb beliefert uns jetzt zusätzlich

zum klassischen Steckerleis.“ Das Angebot reicht

von Buttermilcheis bis Mango-Joghurt.

„Dießen ist ein bisschen ein Künstlerdorf, am Nachmittag

kommen viele Freigeister und Künstler zu einer Runde

Backgammon oder Schach zusammen. Es gibt auch eine

Boule-Bahn.“ Abends ist das Treffen zum Aperitivo angesagt.

Man sitzt sehr schön unter den Kastanien beim Kiosk,

mit Blick über den Platz und den Dampfer, wie er einfährt.

„Dadurch, dass Dießen etwas abseits liegt, ist es hier ein

bisschen anders als sonst am See. Irgendwie stiller.“ Der

Kiosk direkt in den Seeanlagen ist nur zu Fuß oder mit dem

Rad erreichbar. „Man hat hier eine bezaubernde Abend- und

auch Morgenstimmung. Das ist der einzige Platz in Dießen,

wo man wirklich am See sitzen kann. Von hier schaut man

direkt auf das gegenüberliegende Andechs.“

Fotos: Marco Maurer (2), Korbinian Dosch (1), PR (3); Illustrationen: Lia-Charleen Royla

124


SeeGenuss

Steg 1 Herrsching

Camping Ambach

am See

WO Münsing am Starnberger See, Am Schwaiblbach 3

WO Herrsching am Ammersee, Strandbad Seewinkel,

Keramikstraße 1

Der Steg 1 in Possenhofen hat nun auch eine Zweigstelle in

Herrsching: Anfang des Jahres hat Cathrin Dierks den ehemaligen

Seewinkel übernommen und flottgemacht. Fußläufig

von der S-Bahn-Station Herrsching erreichbar, lädt

das öffentliche Strandbad mit Kiosk und zwei Badestegen

zum Verweilen ein. „In Possenhofen hab ich die Morgensonne

und in Herrsching den Sonnenuntergang. Und der ist

unfassbar schön. Wir haben es hier viel länger hell und viel

länger warm.“

Ihr Traum? Das Gelände soll der Marktplatz von Herrsching

werden. Ein Treffpunkt für Jung und Alt. Für Familien, für

Sportler, für jede Generation. Für alle soll was geboten sein.

So gibt es ein Volleyballfeld mit gelegentlichen Turnieren für

die Jugend und eine überdachte Sandkiste für die Kleinen.

„Direkt am Wasser sind Sitzgelegenheiten, hier kann man

sich morgens als Frühschwimmer mit Kaffee und Zeitung

hinsetzen und den See genießen.“ Für das leibliche Wohl

sorgt das Steg-1-Team mit richtig gutem Flammkuchen,

Steckerlfisch und Biolimonaden – selbst gemacht oder von

Dierks Lieblingsfirma Proviant aus Berlin. Zum Glas Sprizz

reicht man Cicchetti, kleine italienische Appetithäppchen

mit Baccalà-Creme oder Parmaschinken. Ein Besuch lohnt

sich übrigens auch später im Jahr: Dann soll auch Germknödel

auf der Speisekarte stehen.

Legendär war Betreiber Hansi, der den Kiosk mit kleinem

Supermarkt am Campingplatz in Ambach über 20 Jahre

führte. „Es muss dort wirklich alles gegeben haben. Immer

wieder wird von einem Springbrunnen vor dem Laden mit

gekühlten Melonenscheiben erzählt. An solche Geschichten

müssen wir erst noch herankommen!“, berichtet Sandra

Dürr. Zusammen mit ihrem Mann Henning hat sie den Betrieb

2019 übernommen und dem Kiosk einen neuen Look

verpasst. Jetzt herrschen mit viel Holz und aufgeschüttetem

Sand noch mehr Gemütlichkeit und Strandfeeling am See.

Schon in München hat das Paar mit dem Kiosk „Fräulein

Grüneis“ ein ehemaliges Toilettenhäuschen am Eisbach

erfolgreich zum Leben erweckt.

Der Hingucker am Starnberger See? Zwei aufgeschnittene

Wohnwagen. Sie bieten nicht nur Schutz vor Sonne und Regen:

„Da drinnen hat man den besten Überblick. Und unten

am See dann den schönsten Ausblick.“ Auch das Sortiment

bietet Abwechslung: Neben Augustiner gibt es Biere von

Tilmans aus München. Bei den

Gerichten setzen die Dürrs auf

neu interpretierte Klassiker mit

regionalen und ökologische Zutaten.

Wenn es also wieder mal

heißt „Eins geht noch!“, gleich

eine Fisch- oder Bioschweinebratensemmel

mit Kren dazubestellen

und den Sonnenuntergang

bewundern – der ist hier am

Ostufer nämlich spektakulär!

125


SeeGenuss

WELCOME BACK,

IHR VÖGEL!

Birdwatching wird immer beliebter: Am Starnberger See gibt es mehr als

30 verschiedene Wasservogelarten zu entdecken, und jede Jahreszeit

hat ihre Spezialisten. Einige kommen von ganz weit her, sogar aus Sibirien

TEXT ANDREA GEHROLD

Foto: Andrea Gehrold

126


Still ruht der See – kein

Mensch weit und breit. In

der Roseninselbucht im

Starnberger See suchen

Wasservögel jetzt ungestört

nach Futter


SeeGenuss

Oben l.: Flussseeschwalben erkennt man am schwarzen Oberkopf und roten Schnabel. Auch die Beine sind

rot gefärbt. Oben r.: Mahlzeit! Haubentaucher transportieren (und füttern) ihre Küken anfangs auf dem

Rücken. Unten l.: Prachttaucher sind ab Oktober bis Mitte April regelmäßig am Starnberger See zu beobachten.

Unten r.: Das Kolbenentenmännchen hat eine auffällige Kopffärbung und einen karminroten Schnabel.

Bei den Weibchen ist das Gefieder schlichter (hauptsächlich braun), dafür sind sie besser getarnt

Fotos: Thomas Hafen, Ursula Wiegand, Christian Haass, Werner Borok

128


SeeGenuss

Der Starnberger See ist eines der wichtigsten

Rast- und Überwinterungsgebiete

für Wasservögel im Voralpenland. Er ist als NATURA-

2000-Vogelschutzgebiet ausgewiesen und zählt zum weltweiten

Ramsar-Netzwerk international bedeutender Feuchtgebiete.

Wegen seiner Größe (57 km²) und Tiefe (bis 127 m)

friert der See fast nie zu und bietet alljährlich über 20.000

Wasservögeln einen Rückzugsort. Deren Herkunftsorte

erstrecken sich von Nord- und Osteuropa bis nach Russland.

Wie Ringfunde zeigen, stammen unsere überwinternden

Tafelenten teilweise aus Brutgebieten östlich des Urals.

Reiherenten kommen sogar aus Sibirien zu uns.

Die Vögel legen also enorme Strecken zurück, bevor sie

sich den Herausforderungen des Winters stellen. Durch ihre

Herkunft aus relativ menschenleeren Gebieten, aber auch

durch die Wasservogeljagd sind sie extrem störungsempfindlich.

Nähern sich Menschen, flüchten sie. Gerade im Winter

ist das problematisch, denn die Vögel verbrauchen beim Aufund

Herumfliegen wertvolle Energiereserven, die sie eigentlich

benötigen, um die kalte, nahrungsarme Jahreszeit zu

überstehen. Besonders kritisch sind Störungen, wenn sie in

den flacheren Bereichen des Sees stattfinden – also dort, wo

die Nahrungsgründe der Wasservögel liegen. Nur wenige Spezialisten

wie Prachttaucher und Kormoran jagen Fische im

Freiwasser. Enten fressen dagegen Wasserpflanzen oder Muscheln

und können diese Nahrung nur in den Flachwasserzonen

erreichen. Insgesamt bevölkern über 30 verschiedene

Wasservogelarten den Starnberger See. Doch das Phänomen

Vogelzug sorgt für ein ständiges Kommen und Gehen im

Verlauf der Jahreszeiten.

Publikumsmagnet im Winter: der Prachttaucher

Im Winter treffen einige echte Nordlichter am Starnberger

See ein, darunter Schellenten, Bergenten und Samtenten

sowie Stern- und Prachttaucher. Prachttaucher sind

große (fast gänsegroße!) Seetaucher und brüten an den

Seen der Taiga und Tundra in Skandinavien, im Baltikum

und im nördlichen Russland. Den Winter verbringen sie in

der Regel an den Meeresküsten. Doch einige Prachttaucher

überwintern jedes Jahr am Starnberger See: Über hundert

können es sein. Da sie im europäischen Binnenland nur

sehr selten zu beobachten sind, werden sie hier zum Publikumsmagneten

für Vogelbeobachter. Etwas Geduld sollte

man jedoch mitbringen, denn die hochspezialisierten Taucher

halten sich meist fernab des Ufers auf und jagen in

tieferem Wasser nach Fischen. Bei den Tauchgängen können

sie über eine Minute unter Wasser bleiben und weite

Strecken zurücklegen. Allzu leicht verliert man sie dann

aus den Augen. In der Südbucht des Starnberger Sees hat

man aber von Oktober bis März gute Chancen auf eine

Sichtung. Als Beobachtungsplätze bieten sich zum Beispiel

das Ambacher Erholungsgelände, der Seeshaupter

Dampfersteg oder der Bernrieder Park an.

»Es herrscht im

Lauf eines Jahres

ein ständiges

Kommen und Gehen«

Andrea Gehrold

Flirt im Frühling: der Haubentaucher

Im Frühling ziehen die meisten Wasservögel zurück

in ihre Brutgebiete. Bei uns herrscht im Sommerhalbjahr

einfach zu viel Trubel, und es gibt nur wenige dichte Schilfbereiche

mit geschützten Brutmöglichkeiten. Nur einzelne

Arten wie Blässralle, Stockente, Höckerschwan oder

Kanadagans machen da eine Ausnahme. Auch bei den

Haubentauchern suchen sich einige Paare ein ruhiges

Plätzchen und balzen dort ausgiebig: Im März ist das zum

Beispiel in Percha/Kempfenhausen gut zu beobachten.

Dabei schwimmen die Partner aufeinander zu, zeigen das

ritualisierte Kopfschütteln und präsentieren Nistmaterial

als Brautgeschenk. Anschließend wird am Schilfrand ein

Schwimmnest aus Algen und Pflanzenmaterial gebaut.

Sind die Jungen erfolgreich geschlüpft, erkennt man sie an

ihrem schwarz-weiß gestreiften Gefieder. Gerade kleine

Küken werden oft auf dem Rücken der Eltern transportiert

– es ist für sie der mit Abstand wärmste und sicherste Platz.

Zu Anfang werden sie dort auch gefüttert, denn das Jagen

von Fischen bedarf einiger Übung und gelingt den jungen

Haubentauchern erst nach mehreren Wochen.

Seltener Gast im Sommer: die Flussseeschwalbe

Flussseeschwalben sind im Sommer am See zu beobachten,

im Idealfall schon von April an bis September. Die

Art war einst in Bayern weit verbreitet, wäre aber in den

80er-Jahren fast ausgestorben. Denn durch Flussbegradigungen

und Staustufen waren ihre natürlichen Brutplätze

(Kiesinseln in Wildflüssen) nach und nach verschwunden.

Nur durch künstliche Nistflöße ist es damals gelungen,

diese Brutvogelart in Bayern zu erhalten. Mittlerweile ist

die Flussseeschwalbe zwar immer noch selten, doch es

gibt wieder einige Hundert Paare im Freistaat.

Eine der Floß-Kolonien liegt in der Bucht von St. Heinrich

im Starnberger See. Dieser Bereich ist als Schutzgebiet

ausgewiesen und darf nicht befahren werden. Hier ziehen

Flussseeschwalben im Sommer ihre Jungen groß. Auf

ihren Nahrungsflügen legen sie teils mehrere Kilometer

zurück. Die Fischchen für die Küken werden quer im

Schnabel getragen und jedes Mal einzeln zum Brutplatz

129


Durch einen verantwortungsvollen

Umgang mit unseren Gewässern bleibt

Raum für Mensch und Natur.

Jeder kann einen Teil dazu beitragen!

∙ Freiwillig verzichten

Am Starnberger See und Ammersee sollte man sich an

den freiwilligen Befahrungsverzicht im Winterhalbjahr

halten, er gilt von November bis März. Denn nur durch

eine allgemeine Rücksichtnahme bleiben die großen

Voralpenseen langfristig als Rückzugsorte für rastende

und überwinternde Zugvögel erhalten.

Wie andere Wildtiere brauchen Wasservögel (hier: Reiherenten)

im Winter vor allem Ruhe. Beim Auffliegen verbrauchen sie

lebenswichtige Energiereserven

∙ Winterruhe respektieren

Am Starnberger See sollte man in jedem Fall konsequent

die Winterruhezonen für Wasservögel (November–März)

meiden. Sie liegen an der Roseninsel (Feldafing bis Garatshausen),

im Karpfenwinkel, in der Nordbucht (nördl.

Niederpöcking bzw. Berg), am Ostufer (nördl./südl. Ammerland)

und in der Südbucht (ab Südende Bernrieder

Park bzw. südlichem Ambacher Erholungsgelände).

∙ Weiträumig umfahren

Vogelansammlungen sollten immer mit größtmöglichem

Abstand (mehr als 300 Meter) umfahren werden, um die

sensiblen Zugvögel nicht aufzuschrecken.

gebracht. Ab Ende August machen sie sich wieder auf den

Weg nach Süden. Sie zählen zu den Langstreckenziehern

und überwintern vor den Meeresküsten Westafrikas. Da

sie über 20 Jahre alt werden können, legen sie im Lauf

ihres Lebens viele Zehntausende Kilometer zurück. Den

Winter verbringen Männchen und Weibchen allerdings

getrennt. Erst im Frühjahr kehren sie in ihre angestammte

Brutkolonie zurück und treffen dort auf ihren Partner, dem

sie ein Leben lang treu bleiben.

Völlerei im Herbst: die Kolbenente

Das Hauptverbreitungsgebiet der farbenprächtigen

und exotisch anmutenden Kolbenente liegt in Westeuropa

(Iberische Halbinsel, Frankreich). Erst seit etwa hundert

Jahren brütet sie in Deutschland. Auch am Starnberger

See gibt es mittlerweile einzelne Brutpaare. Doch erst im

Herbst, von September bis November, steigen die Kolbenentenzahlen

deutlich an. Dann treffen über tausend

Durchzügler ein. Sie rasten hier, fressen sich noch mal

richtig satt und ziehen weiter, etwa an den Bodensee.

Hier wie dort ist die Zunahme der Kolbenente vor allem

auf die verbesserte Wasserqualität und den dadurch begünstigten

Aufwuchs von Armleuchteralgen zurückzuführen.

Diese Wasserpflanzen sind die Leibspeise der Kolbenente.

Zudem liefern sie die Nahrungsgrundlage für

zahlreiche andere rastende Wasservögel, die den aufgewachsenen

Algenrasen im Winterhalbjahr buchstäblich

abweiden. Während sich Kolbenenten jedoch rein

vegetarisch ernähren, sind andere Entenarten weniger

wählerisch. Bei ihnen bilden bzw. ergänzen Muscheln,

Krebs tiere und Insekten den Speiseplan.

∙ Abstand halten

Auch bei Schilfgebieten heißt es: Abstand halten, und

zwar mehr als 100 Meter, denn in den Schilf- und Verlandungsbereichen

befinden sich die Fortpflanzungsstätten

von Fischen und Vögeln.

∙ Vorab informieren

Teilweise sind Schutzgebiete ganzjährig für den Wassersport

gesperrt, teilweise gelten räumliche oder saisonale

Einschränkungen. Erkundigen Sie sich am besten vorab

über frei zugängliche Einstiegsstellen und Befahrungsregeln.

Eine Übersicht über die Befahrungsregeln bietet

der Bayerische Kanuverband: www.kanu-bayern.de

∙ Die Nacht Nacht sein lassen

Bei Nacht sollte nach Möglichkeit Ruhe auf den Gewässern

einkehren: Die Tiere (und vermutlich auch Mitmenschen)

werden es danken. Einige Wasservögel suchen

sogar nur nachts ihre Nahrungsgründe auf, um so den

Störungen während des Tages zu entgehen.

Dr. Andrea Gehrold ist Ornithologin und seit 2014 als Gebietsbetreuerin

am Starnberger See aktiv. Die Gebietsbetreuer betreuen

besonders wertvolle Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten und

vermitteln das Wissen über diese Schätze in zahlreichen Veranstaltungen:

z. B. Exkursionen, Workshops, Vorträgen. Schwerpunkt

der Arbeit Gehrolds ist der Schutz der Wasservögel. Infos sowie

weitere Vogel-Porträts finden Sie auf www.starnberg.lbv.de

Fotos: Andrea Gehrold (1), PR

130


SeeGenuss

GUCKST DU?

Um Vögel zu beobachten, braucht man eigentlich nur ein gutes Fernglas.

Es macht natürlich trotzdem Spaß, weitere hübsche Begleiter einzupacken

2

5

3

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1

6

7

TIPP

8

9

DAS FERNGLAS

sollte mindestens eine

achtfache Vergrößerung und

einen Objektivdurchmesser

von 40 Millimetern haben. Die

Lichtstärke eines Glases sollte

3,5 (Objektivdurchmesser/

Vergrößerung) nicht unterschreiten,

damit auch bei

bedecktem Himmel ein

Beobachten der Vögel möglich

ist. Gute Ferngläser bekommt

man bereits ab 150 Euro.

10

1. Gefütterter Gummistiefel mit faltbarem Neoprenschaft von Tretorn, ca. 100 Euro. 2. Thermobecher hält Getränke bis zu sieben Stunden

kalt oder warm. Von Stanley über www.globetrotter.de, ca. 37 Euro. 3. Vogelführer-App Zeichnungen, Vogelstimmen und Verbreitungskarten

helfen, auf dem iPhone oder iPad eine Vogelart schnell zu bestimmen, von Kosmos, 14,99 Euro. 4. Notizbuch Wo, wann und bei welchem

Wetter hat man bestimmte Vögel gesichtet? Von junique.de, 14,99 Euro. 5. Campingstuhl für alle, die es sich gern gemütlich machen. Von

Lafuma über www.globetrotter.de, ca. 100 Euro. 6. Hüfttasche für Handy, Sonnenbrille und Co. von Fjällräven, 49,95 Euro. 7. Fernglas für

Fortgeschrittene: „CL Companion“ von Swarovski, ca. 1160 Euro. 8. Decke aus reiner Merinowolle, ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit.

Von Mufflon, ca. 180 Euro. 9. Mückenschutz im Sommer: „Stichfrei“ von Ballistol, ca. 7 Euro. 10. Vogelführer von Lars Svensson gilt mit der

Beschreibung von 900 Vogelarten als Referenzwerk: ausführlich und lehrreich, Kosmos, 29,99 Euro

131


NAH

AM WASSER

GEBAUT

Geht es Ihnen auch so?

Beim Anblick von Bootshütten wird das

Gemüt heiter-gelassen. Und, ja (seien wir ruhig

sentimental): auch ein bisschen glückselig

FOTOS

NILA THIEL

132


SeeHaus

EINE SEEFAHRT, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön – wie

wahr! Auf einer dreistündigen Bootstour auf dem Starnberger See

entdeckte die Fotografin Nila Thiel eine hübsche Hütte nach der

anderen. Ob Alm-Anmutung, nordisches Blockhütten-Flair oder

romantisches Pfahlhäuschen: Das Westufer, wo diese Aufnahmen

entstanden, bietet reichlich Abwechslung: „Ich war wirklich baff“,

erzählt Thiel, „so eine Dichte an individuellen Bootshäuschen

habe ich bislang an keinem anderen bayerischen See gesehen.“

Falls Sie ebenfalls eine tolle Bootshütte fotografiert haben, schicken

Sie das Motiv gerne an kontakt@seemagazin.de. Wir stellen eine

Best-of-Auswahl auf unserer Instagram-Seite zusammen.

133


Contributors

Die Menschen

hinter den

Geschichten

Am SeeMagazin arbeiten auch viele

freie Autoren, Fotografen und unsere

junge Illustratorin mit, die sich

bestens in der Region auskennen.

Hier sind ihre Best-of-Tipps!

JAN GREUNE

LIA-CHARLEEN

ROYLA

Lia-Charleen Royla, die am Starnberger

See aufgewachsen ist,

macht das SeeMagazin mit ihren

Illustrationen noch liebenswerter.

Sie war schon bei unserer Ausgabe

2019 dabei – da sie vor einem

Jahr mit einem Van durchs australische

Outback reiste, arbeitete

sie vom Klappstuhl aus. Das ging

diesmal leichter: Sie studiert

derzeit Design in Münster.

Ein Lieblingsplatz am See

Auf jeden Fall der Dampfersteg am „Schlosshotel“ in Berg,

von dem man so gut in den See springen und die volle

Sonne genießen kann.

Jan Greune hat als Fotograf in der Reise- und Reportagefotografie

begonnen und arbeitet heute hauptsächlich

in den Bereichen Unternehmen, Lifestyle

und Sport. Der Mensch steht dabei immer im Mittelpunkt.

An den Starnberger See hat es den gebürtigen

Münchner eher zufällig verschlagen. Er lebt mit seiner

Frau, drei Kindern, Hund und Pferd in Münsing.

Nach mehr als 20 Jahren am Ostufer kann er sich

keinen besseren Ort mehr vorstellen. Für uns fotografierte

er die „Action“-Strecken ab Seite 12 und 22

– und das Cover dieser Ausgabe!

Ein Lieblingsplatz am See

Das Ostufer des Starnberger Sees bei Buchscharn.

Mein Tipp für Besucher

Beim Hoffischer Sebald in Ammerland eine

Fischsemmel essen: auf einer Bierbank im tollen

Brotzeitgarten!

KATJA SEBALD

Katja Sebald ist Kunsthistorikerin,

Kuratorin, Autorin, Journalistin

und schreibt seit vielen Jahren

über das Fünfseenland, u. a. für

die „Süddeutsche Zeitung“. Für das

SeeMagazin traf sie den Künstler

Bernd Zimmer. Ab S. 98.

Mein Tipp für Einheimische

Der Hofladen von Hanna und Simon Mair auf dem Assenhauser

Hof in Farchach ist ein Ort, an dem die Zeit ein

bisschen langsamer läuft als anderswo.

Mein Tipp für Besucher

Der Schlossgarten in Starnberg: ein Renaissancegarten

nach italienischem Vorbild. Von dem kleinen

Aussichtsplatz auf der Mauer schaut man auf die Dächer

Starnbergs über den ganzen See.

LESE-

TIPP

„Sehnsucht Starnberger See

– Villen und ihre berühmten

Bewohner im Porträt“ (Allitera)

heißt das neue Buch von

Katja Sebald. Es erscheint im

Herbst 2020

Fotos: Privat (5); Allitera Verlag, Callwey; Illustration: Lia-Charleen Royla; Collage: Jane Schneider-Hohendorf

134


Contributors

KARIN LOCHNER &

PETER VON FELBERT

ZUM TEAM ...

... gehören immer auch Leser

und Leserinnen. Etwa Jane

Schneider-Hohendorf, die uns

mit ihrer Collage erfreute!

Ein Lieblingsplatz am See

Ich liebe es, im Sommer mit dem Radl zum See zu

fahren, möglichst früh am Morgen, wenn der Steg am

„Kleinen Seehaus“ noch leer ist. Die Weite, der Blick auf

den See und die Berge – wundervoll.

Karin Lochner, 55, veröffentlichte im Alter von 18 Jahren

ihren ersten Artikel im „Penzberger Merkur“, der

Lokalzeitung ihres Geburtsorts. Seither schreibt sie

über Reisen, Essen und Brauchtum. Für ihre Reportagen

wurde sie bereits mehrfach preisgekrönt. Peter von

Felbert, 53, fotografiert alles, was lebendig ist. Die Liste

der Magazine, für die er bereits gearbeitet hat, ist beeindruckend.

Ebenso die Ausstellungsorte im In- und

Ausland. Karin und Peter porträtierten fürs SeeMagazin

eine junge Bio-Bäuerin: ab Seite 48.

Ein Lieblingsplatz am See

Die Iffeldorfer „Seemadames“: Das ist ein kleiner

charmanter Kiosk in der Nähe der Osterseen.

Unser Tipp für Einheimische

Haus Buchenried in Leoni. Die Seminareinrichtung

gehört der Münchner Volkshochschule. An einem Kurs

teilzunehmen ist unschlagbar günstig, da das Haus

bezuschusst wird. Etlichen Einheimischen ist gar nicht

bewusst, dass auch sie dort Kurse belegen können.

Unser Tipp für Besucher

Besonders am späten Nachmittag: der Kiosk „Bar &

Kitchen“ in St. Heinrich. Das Lebensgefühl: chillig. Die

sommerlich-frischen Gerichte: köstlich. Am Wochenende

gibt es manchmal Live-Musik und der seichte

Sandstrand ist ideal für Familien mit kleinen Kindern.

Aus alten SeeMagazin-

Ausgaben gestaltete

Jane Schneider-Hohendorf

diese hübsche

Collage: „Das SeeMagazin

hat immer besonders

schöne Bilder. Da

lag es nahe, Collagen

mit Bildern aus dem

Heft zu basteln – das ist

sehr entspannend und

mein Dankeschön für

die großartige Arbeit.“

NILA THIEL

Die freie Fotografin lebt in Schondorf

und arbeitet u.a. für die „Süddeutsche

Zeitung“. Kein Fleck

im Fünfseenland, den sie nicht

kennt. Einer ihrer Favoriten: der

Kiosk „Wasserberghaeusl“ am

Weßlinger See. Und natürlich eine

Bootshütten-Tour: ab Seite 132.

LESE-

TIPP

Karin Lochner und Peter von

Felbert veröffentlichen

gemeinsam Bücher, zuletzt ist

„Zu Gast in Bayern“ (Callwey

Verlag) erschienen: mit 30 Porträts

spannender Menschen, die

bayerische Traditionen ganz

smart im Heute leben.

Mein Tipp für Einheimische

Das im Stil der 50er-Jahre renovierte Kino-Kurtheater in

Tutzing: ein wunderbares Kinoerlebnis mit Kinogong,

Bühnenmusik, weichen Samtsesseln und viel Beinfreiheit.

Mein Tipp für Besucher

Eine Wanderung von Starnberg über die Maisinger

Schlucht bis nach Andechs. Es gibt eine Menge zu entdecken,

zum Beispiel den wunderschön gelegenen Biergarten

am Maisinger See.

135


Impressum

SeeMagazin, Jahresausgabe 2020

KONTAKT ZUM SEEMAGAZIN

Tel. 08151 959974, Fax 08151 959973

kontakt@seemagazin.de, www.seemagazin.de

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HERAUSGEBERIN,

VERANTW. PROJEKTLEITUNG

Sabine Schönmann

Tel. 08151 959974, schoenmann@seemagazin.de

LEITUNG MARKETING & SALES

Elke Ross

Tel. 08151 970600, ross@seemagazin.de

LEITUNG REDAKTION

UND VERANTWORTLICH

für den redaktionellen Inhalt

Sandra Djajadisastra, djajadisastra@storyboard.de

DESIGN & LAYOUT

Nina Breindl (Art Direction), Angelina Nedorost

Nicole Royla (Beratung Art Direction)

royla@strand-gut.com, www.strand-gut.com

REDAKTION

Marlene Irausek, Line Kipp, Sarah Krammer,

Stefanie Lindner, Alissa Selge (Managing und Text

Editor), Anna Karolina Stock, Anna-Lena Wolfarth

BILDREDAKTION

Elina Gathof (Leitung), Jasmin Rozencwajg

SCHLUSSREDAKTION

Lektorat Süd, Gisela Haberer-Faye/

Marion Riecke, www.lektorat-sued.de

OFFICE SEEMAGAZIN

Heidi Hacker

hacker@seemagazin.de

FREIE MITARBEITER DIESER AUSGABE

AUTOREN

Martin Fraas, Andrea Gehrold, Karin Lochner,

Anja Schauberger, Katja Sebald

FOTOGRAFEN

Peter von Felbert, Elina Gathof, Jan Greune,

Luana Freitag, Michela Morosini, Susanne Sigl,

Amelie Tegtmeyer, Nila Thiel

ILLUSTRATORIN

Lia-Charleen Royla

BILDBEARBEITUNG UND HERSTELLUNG

Claudia Homer, Alexander Weißenböck

(magazine services gbr)

DRUCK

F&W Druck- und Mediencenter GmbH

www.the-art-of-print.com

Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung

der Redaktion.

Für unverlangt eingesandte Bilder, Manuskripte,

Waren keine Haftung. Nachdruck, Aufnahmen in

Online-Dienste und Internet, Vervielfältigung auf

Datenträger nur nach schriftlicher Zustimmung

des Verlages.

DAS SEEMAGAZIN WIRD

HERAUSGEGEBEN VON

storyboard GmbH

Wiltrudenstraße 5, 80805 München,

Tel. 089 901097610, Fax 089 901097668,

info@storyboard.de

Geschäftsführer: Dr. Markus Schönmann

Amtsgericht: München, HRB 192756, Sitz der

Gesellschaft: München

PAPIER

Das Papier dieser Ausgabe stammt aus nachhaltig,

ökologisch und sozial verantwortungsbewusst

bewirtschafteten Wäldern.

SEEMAGAZIN BESTELLEN

Das SeeMagazin 2020 ist bereits die 16. Ausgabe. Wer eine Ausgabe verpasst hat, kann sie zum Sonderpreis von 3 Euro

pro Heft bestellen. Die gesammelte Kollektion gibt es für 35 Euro. Jeweils zzgl. Versandkosten. Übrigens auch ein wunderbares

Geschenk, ob für Einheimische oder Gäste.

Mit dem Druck unseres Magazins unterstützen wir das Gold Standard Klimaschutzprojekt „Godawari Power und

Ispat Limited (GPIL)“ der Klimaschutzagentur Fokus Zukunft. Die Aktion ermöglicht den Betrieb einer Biomasseanlage

in Siltara, Raipur, Indien, und damit eine bessere Stromversorgung der Bevölkerung aus nicht fossilen

Brennstoffen. Als erneuerbare Energiequelle werden dort biogene Reststoffe auf Basis von Reishülsen verwendet.

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