ST/A/R_06

geraldkofler

ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

ViennAfair

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00

Goria 17 - ST/A/R-Model

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

Nr. 06/2005 3,– Euro


2 ST/A/R

Buch I - GLORIA

Nr. 06/2005

EDITORIAL: HEIDULF GERNGROSS

ZEITUNG FÜR SEHER


Nr. 06/2005

Buch I - GLORIA

ST/A/R 3

in situ

Kunst der Gegenwart

Im Hier, im Jetzt, am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt.

Kunst als Speicher der Gegenwart. Metropole Wien als pulsierender Ort der Kunstproduktion

und Kunstpräsentation. ST/A/R als direkter Vermittler des Energiefeldes Wien, Österreich, Mitteleuropa.

Eine Expedition durch das Kunstgeschehen, Kulturgeschehen, Architekturgeschehen, Stadtleben.

Die 144 Seiten von ST/A/R 06 sind zu vergleichen mit einem Bilderrausch; ein Durchschreiten eines

räumlichen Gebildes, ein spezifischer Focus subjektiv wie objektiv, emotional wie sachlich auf das Kunstund

Kulturgeschehen: Die Geschichte der Galerie Ulysses - Prachensky, Rainer, Wotruba, Hollegha,

Lassnig, Gironcoli; ViennAfair – erste internationale Kunstmesse in Wien; Rosemarie Schwarzwälder

(Galerie Nächst St. Stephan) - „Wien verfügt heute über eine der lebendigsten Galerieszenen in

Europa“; Hans Schabus - ein Review auf seine architektonischen Interventionen im Kunsthaus Bregenz

(Hans Schabus ist der diesjährige Vertreter bei der Kunstbeinnale in Venedig); Interview mit Edelbert

Köb (Direktor des Mumok-Wien), Beispiele aus der Sammlung Costakis, Vorschau auf das Jahr des

Sammelns; russische Kunst aus erster Hand; Herbert Brandls Farbwelten als Berge und monumentale

Architekturfassade; Rainer Ganahl fährt mit seinem Fahrrad in Damaskus freihändig, bewaffnet mit der

Videokamera, gegen die Einbahn und bestätigt den Satz Heinz Reisingers: „Moderne Kunst ist, dass ich

lebe“; im Fieber des Gedenkjahres bringt ST/A/R Statements von direkt Betroffenen: ein russischer Offizier,

Oswald Wiener, Paul Kruntorad, ... Reflexionen über das Vergangene, Utopien für morgen.

Die Qualität des Neuen ist nicht nur der Ersatz des Alten, der alten Strukturen und Mechanismen;

das wirklich Neue hat sich den alten Strukturen entledigt und eröffnet einen neuen Raum mit neuen

Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Thomas Redl, 04/2005

„In einer Welt, die uns unentwegt und ungefragt Bilder auf die Netzhaut brennt, kommt es einer luxuriösen

Entspannung gleich, die Augen zu schließen und sich in die Dimension hinter den Bildern zu denken. Das

Obszöne - das kategorisch öffentliche und das Pornografische - das allzeit verfügbare, haben unsere Haltung

gegenüber den Bildern verändert. Sie sind nicht länger Teil unseres Wissens, unserer Welt, sondern Elemente eines

unendlichen Kaleidoskops medialer Beliebigkeiten. Das Weltbild der Postindustrie ist ein Medienbild, das letzte

Produkt, das noch lohnt, industriell gefertigt zu werden. Wir machen uns Abbilder, nicht in uns, sondern um uns,

machen sie zu Stellvertretern unseres Lebens, die uns zu ersetzen beginnen, indem sie die Erzählung, die ohne

Erinnerung nicht sein kann, überfl üssig machen. Ohne Unterlass zu sehen, bedeutet die Vorstellung, das

VER-ICON - das wahre Bild - zu verlieren.“

Johannes Domsich

Jedes Bild ist eine poetische Imagination

Installation, Malerei, Mensch, Urbanität, mehrfacher Offsetdruck, Thomas Redl, 2005

Jedes Wort ist ein Vorurteil, jedes Bild hingegen die Gelegenheit zu poetischer Imagination.“

Johannes Domsich


ALL

YOU

ST/A/R

NEED

IS ART

The International Art Fair

FOCUSED ON CEE

21-24|04|05

MessezentrumWienNeu

Messeplatz1, 1020 Wien

www.viennAfair.at

PREVIEW+VERNISSAGE 20|04|05

Öffnungszeiten: Do, Fr 12-19 Uhr, Sa 11-19 Uhr, So 11-18 Uhr


6 ST/A/R Buch I - GLORIA Nr. 06/2005

Gerngross

viennAfair makers

Meyer, Lang, Schwarzwälder, Mauroner, Handlbauer, Krinzinger, Senn, Hilger


Nr. 06/2005

Buch I - GLORIA

ST/A/R 7

Teilnehmende Galerien – viennAfair 2005

π

20.21 Galerie Edition

Kunsthandel

π Galerie 3

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

Galerie 422 Margund

Löss

acb Contemporary Art

Gallery

Galerie Altnöder

Galerie Appel

ARTCORE/Fabrice

Marcolini

Galerie & Edition

Artelier

artfinder - Galerie und

Kunsthandel

artmark Galerie

Galerie Catherine

Bastide

Galerie Benden &

Klimczak

Galerie Bleich-Rossi

Projektraum Viktor

Bucher

Buchmann Galerie

π Rudolf Budja Galerie /

Artmosphere

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

Galerie Carinthia

Charim Galerie

Chobot

Galerie Heike Curtze

Erika Deak Gallery

Display space for

contemporary art

Galería Distrito Cu4tro

DNA Die Neue

Aktionsgalerie

Galerie Robert Drees

Engholm Engelhorn

Galerie

Galerie Johannes Faber

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

Galeria la Fabrica

lukasfeichtner galerie

Galerie Frey

contemporary art

Galerie Six Friedrich

Lisa Ungar

Galeria Fúcares

Galeria Noua

Ernst Hilger

Galerie Hofstätter

Galerie Hohenlohe &

Kalb

Galerie Hollenbach

Heinz Holtmann

Galerie Julius Hummel

Galerie Grita Insam

Galerie Martin Janda

Galerie Bernard Jordan

Georg Kargl Fine Arts

Knoll Galéria Budapest

Knoll Galerie Wien

Christine König Galerie

Galerie Krinzinger

Galerie Krobath

Wimmer

Galerie kunstbuero

Galerie Lang Wien

layr:wuestenhagen

Le Guern Gallery

Galerie Lelong

Galerie Eugen Lendl

Galerie Lindner

Lisson Gallery

LUMAS Editionsgalerie

MAM Mario Mauroner

Galerie Christine Mayer

Galerie Menotti

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

π

Galerie Meyer Kainer

Galerie mezzanin

Andrew Mummery

Gallery

Galerie nächst St.

Stephan

Nusser & Baumgart

Contemporary

Galerija Gregor Podnar

Raster

Regina Gallery

Remont Gallery Belgrade

Galerie Thaddaeus

Ropac

Galerie Lisa Ruyter

Galerie Karin Sachs

Esther Schipper

Galerie Schmidt

Galerie Michael Schultz

Gabriele Senn galerie

Skuc Gallery

SPACE/Gallery Priestor

Spielhaus Morrison

Galerie

Galerie Steinek

Jiri Svestka Gallery

Galerie Elisabeth &

Klaus Thoman

Galleria Franco Toselli

Vintage Gallery

Galerie Judith Walker

Galerie ATC Weihergut

Galerie Welz

Wetterling Gallery

Galerie Barbara Wien

Wilkinson Gallery

Wyspa Institute of Art

Zvono Gallery


8 ST/A/R

Buch I - GLORIA

Nr. 06/2005

Inhaltsangabe

…und immer ins Theatercafe…

Buch 01 - Gloria,

Seite 1–8

Buch 02 -nächst St. Stephan,

Seite 9–16

Buch 03 - Russland,

Seite 17–24

Buch 04 - Die Ersten,

Seite 25–32

Buch 05 - Mumok,

Seite 33–40

Buch 06 - Ulysses I,

Seite 41–48

Buch 07 - Ulysses II,

Seite 49–56

Buch 08 - Giencke,

Seite 57–64

Buch 09 - Niederösterreich,

Seite 65–72

Buch 10 - Steiermark,

Seite 73–80

Buch 11 - Youngstars,

Seite 81–88

Buch 12 - Angelo,

Seite 89–96

Buch 13 - Aktuelle Kunst,

Seite 97–104

Buch 14 - Gönner,

Seite 105–112

Buch 15 - Herbert Brandl,

Seite 113–120

Gerngross füer den direkten kulturellen Diskurs

IMPRESSUM:

ST/A/R Printmedium Wien:

Europäische Zeitung für den direkten kulturellen Diskurs;

erscheint 1/4 jährlich; Nr. 06/2005; Erscheinungsort: Wien

Medieninhaber:

ST/A/R Verein für Städteplanung/Architektur/Religion

A-1060 Wien, Capistrangasse 2/8

Herausgeber: Heidulf Gerngross

Gesamtredaktion: Heidulf Gerngross, Thomas Redl

Redaktion: Heidulf Gerngross (Architektur, Kunst und ÜberLeben), Lukas & Lucas (junge Architekur),

Thomas Redl (Kunst und Architektur), Angelo Roventa (Architektur)

Artdirektion: Mathias Hentz

Druckvorbereitung: Michael Rosenkranz

Organisation: Michi Mair

Grafische Mitarbeit: Bernhard Garnitschnig, Lukas & Lucas

Korrespondenten: Valie Airport (Russland), Angelo Roventa (Rumänien)

Druck: Herold Druck und Verlags AG, Wien

Vertrieb: ST/A/R, Morawa

Aboservice: unter www.star-wien.at, starabo@morawa.com

Bezugspreis: 3,- Euro (inkl. Mwst.)

office@star-wien.at

ST/A/R dankt allen Beitragslieferanten, Mitarbeitern, Künstlern, Gönnern, Freunden und dem BKA.

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt dem Urheberrecht.

Buch 16 - Heidulf Gerngross,

Seite 121–128

Buch 17 - Biwi Sisyphos,

Seite 129–136

Buch 18, Gedenkjahr,

Seite 137–144

www.orte-noe.at

ORTE architekturnetzwerk niederösterreich - Krems/Stein


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch II - nächst St. Stephan ST/A/R 9

50 JAHRE GALERIE NÄCHST ST. STEPHAN

Monsignore Otto Mauer

Gründer der Galerie nächst St. Stephan

FOTO: HEIDULF GERNGROSS FOTO: HEIDULF GERNGROSS


10 ST/A/R

Buch II - nächst St. Stephan

Nr. 06/2005

ABBILDUNGEN

1

Dennis Loesch, False Portikus, Frieze Art Fair, London, 2004.

2

v. l. n. r. Dennis Loesch, Hank Schmidt in der Beek, Michael S.

Riedel, One and Three Chairs, Biennale für Zeitgenössische Kunst,

Moskau, 2005.

3

One and Three Chairs (Details), Biennale für Zeitgenössische Kunst,

Moskau, 2005.

4

SK N E ST SSE (ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVW

XYZ 1234567890), Unvollständiges Alphabet aus gefundene

Leuchtbuchstaben, Oskar-von-Miller Strasse 16, Frankfurt/ M., 2004.

4.1

5

6

1

7

11

JACKANORY3 Minuten

Oskar-von-Miller Strasse 16, Frankfurt/ M.

01.01.2005

Jackanory Jackanory Jackanory

Jackanory Jackanory Jackanory

Jackanory stories settle down and we’ll begin now we’re up to page

nineteen and it looks like the indians will win but just like life there’s a

good beginning but there is no middle so you may as well skip to the

end it’s the same old story and I’ve heard that story a thousand times

before read a book at bedtime to help you off to sleep I’ve found I get

the same effect from fixing on reality it’s just like life there’s a good

beginning but there’s no middle so you may as well skip to the end

it’s the same old story it’s the same old story and I’ve heard that story

a thousand times before sit amongst the bowler hats and make your

crossword last travel Intercity get nowhere twice as fast just like life

there’s a good beginning but there’s no middle so you may as well skip

to the end it’s the same old story it’s the same old story and I’ve heard

that story a thousand times before

Jackanory stories Jackanory stories Jackanory stories Jackanory

stories Jackanory stories Jackanory stories Jackanory stories

Jackanory stories Jackanory stories Jackanory stories Jackanory

stories Jackanory stories Jackanory stories Jackanory stories

Jackanory

Jackanory stories Jackanory stories Jackanory stories Jackanory

stories Jackanory stories Jackanory stories Jackanory stories

Jackanory stories Jackanory stories Jackanory stories Jackanory

stories Jackanory stories Jackanory stories Jackanory stories

Jackanory

2

3

8

9

12

13

16

17

18

6

Frieze Art Fair Catalogue (links) und Frieze Art Fair Catalogue 2,

Buchhandlung Walter König, Frankfurt/ M., 2004.

Frieze Art Fair Catalogue 2 ist erschienen bei Revolver–Archiv für

aktuelle Kunst, 2004. ISBN 3-865588-053-3. (www.revolverlag.de)

7

v. l. n. r. Denise Mawila, Michael S. Riedel, Katrin Leatag, Abbau

False Portikus, Frieze Art Fair, London, 2004.

8

One and Three Chairs

Vier Holzklappstühle und drei Texttafeln vor dem Hintergrund der

Abbildung aus dem Museum of Modern Art (New York, 1970), auf

der die Installation ‚One and Three Chairs’ von Joseph Kosuth zu

sehen ist. Grundlage der Textproduktion ist eine von den Stühlen aus

gemachte Raumbeschreibung im Lenin-Museum. Der abgedruckte

Text jedoch ist die Erinnerung der vier Beteiligten an diese Situation.

Veröffentlicht ist eine russische (Installation), sowie eine englische

Version (Plakat).

9

Michael S. Riedel (links), Hank Schmidt in der Beek.

‘Da sie in Tirol nicht viel hielt, beschloß Breton, ihren Aufenthalt

abzukürzen: die vier wollten nach Wien reisen, und die Eluards hatten

vor, später nach Köln zu fahren, um Max Ernst zu treffen...’ aus:

Revolution des Geistes, Hanser Verlag München, 1996.

10

Kasse Robert-Johnson, Art Cologne, Köln, 2004.

Die kaputte Kasse entstand anlässlich der Buchpräsentation

Johnson-Robert im Robert-Johnson (Offenbach).

Johnson-Robert ist erschienen bei Revolver–Archiv für aktuelle Kunst,

2004. ISBN 3-937577-34-3. (www.revolverlag.de)

11

Aufbau False Portikus, Frieze Art Fair, London, 2004.

12

Zweiseitige Uhr mit entgegen gesetzten Laufrichtungen und variablen

Laufgeschwindigkeiten, False Portikus, Frieze Art Fair, London, 2004.

13

Schaufensterpuppe (Heimo Zobernig) durch Michael S. Riedel

verdeckt, Museum der Moderne, Salzburg, 2005.

14

Schaufenster Galerie Dépendance während der Ausstellung Nichael

Z. Riebel, Brüssel, 2004.

15

Ausstellungswand für die kommende Installation Stephan Golowka,

Dennis Loesch, Marcus Hurttig, Michael Wink, Fabrice de Feo, Björn

Renner, Daniel Nikolau, Hank Schmidt in der Beek, Alexander Ebert,

Roman in der Stroth, Mateata Peirsegaele, Niklas Schechinger, Oliver

Drescher, Michael S. Riedel, Michael Korbun, Uygar, Jojo, Miri, F.,

Museum der Moderne, Salzburg, 2005.

16

Michael S. Riedel (links) und Dennis Loesch beim Aufkleben von

Silberfolie (silber, Jim Isermann) auf Silberfolie (schwarz-weiß, False

Portikus), Frieze Art Fair, London, 2004.

17

Aussenwand Messestand False Portikus mit aus Stoff rekonstruierten

Buchseiten des Frieze Art Fair Katalogs, Frieze Art Fair, London,

2004.

18

Zwei von drei aus dem Frieze Art Fair Katalog rekonstruierte

Buchseiten (Stoff), Oskar-von-Miller Strasse 16, Frankfurt/ M., 2004.

Variationen hiervon zeigt die Ausstellung am 22.04.2005 in der

Galerie Gabriele Senn, Wien. (www.galeriesenn.at)

19

Wollschal von Niklas Schechinger. Im Hintergrund ‘Hojagerparken 93’

(2003) von Sergej Jensen. Leipziger Str. 47, Berlin, 2005.

20

Rock und Rocksaum (unbekannt), London, 2004.

21

Austausch von Informationen aufgrund wechselnder Ausstellungen,

Museum der Moderne, Salzburg, 2005.

4

Lieber Michael Riedel,

die Käufer der Grundstücke haben die Abbruch/Baugenehmigung eingereicht. Das für die Neubebauung des Areals nötige Fällen der Bäume

muß bis Ende März erfolgen. Ich teile Ihnen dies vorsorglich mit, damit Sie die Umgebung der Bäume für die Fällarbeiten freihalten. Die Käufer

werden zum 1. Juli 2005 die Liegenschaft übernehmen. Jetzt tritt die in Ihrem Mietvertrag fixierte Vereinbarung in Kraft, demzufolge die Mieter

4.1 das Grundstück rechtzeitig räumen werden. Damit ist der vereinbarte Zeitraum von 3 Monaten gegeben, bis zu dessen Ablauf die Rämung

erfolgen muß. Können Sie mir eine aktuelle Liste mit den Namen der Mieter in Vorder- und Hinterhaus senden? Gruß C. Mohr

14

20

19

15

5

10

21

Frankfurt / M., 2005.

MICHAEL S. RIEDEL

RIEDEL

Senn

GABRIELE SENN galerie

Eröffnung: 22.04.2005 19.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 23.04.2005 - 18.06.2005

Schleifmühlgasse 1A A-1040 Wien T +43 1 585 2580 F +43 1 585 2606 galerie.senn@aon.at www.galeriesenn.at Öffnungszeiten Dienstag - Freitag 13.00 - 19.00 Uhr, Samstag 11.00 - 15.00 Uhr.


Nr. 06/2005

Buch II - nächst St. Stephan ST/A/R 11

hilger contemporary

Gegenwartskunst aus Mitteleuropa und Österreich.

Kunst mit Zukunft.

Renata Poljak, A View, Croatia, 2004

hilger contemporary

Dorotheergasse 5

A-1010 Wien

T +43-1-512 53 15

F +43-1-512 53 15-32

E contemporary@hilger.at

www.hilger.at

Besuchen sie unsere Ausstellung

07.04.05 – 07.05.05

Erik Binder, Mihael Milunovics, Renata Poljak

Erik Binder, Good luck, 2005,

lambdaprint, plexiglass

Milunovic

Mihael Milunovic

Variations 2001/05

126x180cm, Al 8,

lambdaprint on alucabon


Städteplanung / Architektur / Religion Buch II - nächst St. Stephan

ST/A/R 13

Jannis Kounellis, untitled (Kunstraum Innsbruck) 2003

Galerie Lelong, Zürich

viennAfair A0412

Galerie E. & K. Thoman, Innsbruck


Nr. 06/2005

Buch II - nächst St. Stephan ST/A/R 15

JAN FABRE

JOAN HERNÁNDEZ PIJUAN

DENNIS OPPENHEIM

FABRIZIO PLESSI

TONY CRAGG

JAUME PLENSA

DI - FR: 11-18h

SA: 11-16h

MARIO MAURONER CONTEMPORARY ART

VIENNA

Weihburggasse 26 - 1010 Wien

www.galerie-mam.com

office@galerie-mam.com

t. +43.1.904 2004

f. +43.1.904 2004 44


16 ST/A/R

Buch II - nächst St. Stephan

Nr. 06/2005

Alexander Wolff

Art Statement – Art Basel 2005

15.– 20. Juni 2005

galerie mezzanin

Maria Friberg

Anna Jermolaewa

Peter Kogler

Lisa Lapinski

Maik und Dirk Löbbert

Katrin Plavcak

Sturtevant

Catherine Sullivan

Santos R. Vasquez

Alexander Wolff

Christina Zurfluh

Karl Schweighofer Gasse 12, A-1070 Vienna

Tel +43.1.526 43 56 mezzanin@chello.at www.mezzaningallery.com

Di–Fr 12.00–18.00 Uhr, Sa 11.00–14.00 Uhr


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch III - Russland ST/A/R 17

MAK-NITE „Europa jetzt!“

Die Weihe der ST/A/R-Ausgabe

04 am 1. Mai 2004 von

Priester Arsenik, und die Taufe

von Barbiepuppe, Teddybär,

Handy, Fußball und Zeichenrolle

durch Performancemönch

Wladimir Jaremenko-Tolstoj

Fotos: Alexander Sobolev


18 ST/A/R

Buch III - Russland

Nr. 06/2005

Caro

Heidulf

Thomas

EUROPA IM MAI MACHT MEU

Eingeht ins Haus

Dass aus, geht das Werk

Von Hand hin zum Land

Über Stock Stein und Wand

Drahtlos das Band:

Ob blau

oder Stern

Ob Heu

oder Streu

Ob Nah

oder Fern

Ob treu

oder scheu -

„MEU“ ist der Mai

schlag los

gemacht

zu lüften das Haus

dass Düfte im Braus

erstrahlend gelacht

die Arbeit zur Pracht

E

Aufgezeichnet nach einem Telefongespräch mit

Ferdinand Schmatz am 24. 4. 2004

Rückblick ST/A/R 04 EU Fe


Nr. 06/2005

Buch III - Russland ST/A/R 19

EU

Der russische Performance-Mönch

tauft Handy, Barbie, Teddybär,

Fußball & Zeichenrolle

uropa Jetzt

st 1 Mai 2004 im MAK

Der russische Priester Arsenik weiht ST/A/R 05


Städteplanung / Architektur / Religion Buch III - Russland

ST/A/R

Hitler

beschäftigt die Russen

Der grosse russische Wespenmaler

Semenoff van Coke heiratet die

Wikingerprinzessin in St. Petersburg

Wespenarchiquant MAX on top

Van Coke und Van Kitty –

CHEMISCHE HOCHZEIT

In Winter 2004/05 heiratete der russische

Künstler Van Coke die norwegische

Künstlerin Van Kitty in St. Petersburg.

In der Sowjetunion sowie im Dritten Reich war Coca

Cola ein streng verbotenes Getränk. Kurz nach

der Perestrojka im Jahre 1992 sah der russische

Künstler Semenoff zum ersten Mal die Coca Cola-

Dose an einer Bar am Flußstrand der Newa in

St. Petersburg. Als er neugierieg die rote Dose

öffnete, bekam er plötzlich einen schmerzhaften

Wespenstich am Hodensack und erlebte eine

Offenbarung. Seitdem spielen Wespenmotive

eine wichtige Rolle in seinem Schaffen. Viele

Jahre später am Strand von Oslo traf er eine

colatrinkende langbeinige Blondine, in welche er

sich sofort verknallte. Nach der Heirat änderten die

beiden ihre Namen zu Van Coke und Van Kitty.

Foto: Dima Savin, Sergej Osipoff, Michail Acrest,

Wladimir Jaremenko-Tolstoj


22 ST/A/R

Buch III - Russland

Nr. 06/2005

micro – ALEXANDER – cosmos

Sobolev & Co

Russisches Haus,

Autor A. Sobolev,

ISBN-Nr. 5-8432-0063-9

Restaurator in Russland

Kreativer und Autor in

den USA

Akkreditierter

Korrespondent und

Fotograf in

Österreich,

Publikationen über

Österreich in

russischen Medien

reichen für mehrere

Bildbände.

Stets angespannt

Sophie Ksenia, Tochter, 4 Jahre alt, beobachtet und kopiert

die Eltern

Partnerin, Christa Wendl, Dolmetscherin für

Russisch und Englisch, im Wahnsinn zwischen

den Kulturen


Nr. 06/2005

Buch III - Russland ST/A/R 23

ALEXANDER SOBOLEV UNSER RUSSISCHER

ST/A/R-KORRESPONDENT UND FOTOGRAF

Das Buch „Traditionelle russische

Holzarchitektur“ von Alexander

Sobolev mit 95 Grafiken und

zahlreichen Fotos erschien 2003

in Russland. Für die deutsche

Neuauflage werden Sponsoren

gesucht.

Die Werke der traditionellen Holzarchitektur,

die ohne einen einzigen Nagel errichtet

und deren vielfältige Schnitzornamente zu

Beginn nur mit der Axt erarbeitet wurden,

waren stets ein bedeutender Teil der

russischen Kultur. Dennoch geht man bereits

seit mehr als einem Jahrhundert davon aus,

dass die Geheimnisse der alten Meister

der Holzarchitektur unwiederbringlich

verloren gegangen sind. Im Ausland

wiederum herrscht von Russland und den

Russen weithin die Vorstellung, sie seien

unbekümmert und nachlässig, stets nur auf

glückliche Zufälle hoffend. Dieses Buch soll

auf überzeugende Weise sowohl das eine als

auch das andere Klischee widerlegen.

In der vorliegenden Monografie wird der

Versuch unternommen, auf der Grundlage

der Erfahrungen der mittelständischen

Bauern, jener Kulaken, dank derer Europa

zu Beginn des 20. Jahrhunderts Geld in

russischen Wertpapieren anlegte, die man

fürchtete und die Lenin und Stalin daher zu

vernichten suchten, die russische Weltsicht

zum Ausdruck zu bringen.

Illustration: A. Bourikynew

Typisches Fenster

Russisches Wohnhaus, Jaroslawl

Illustrationen: A. Koptjakow

Schindlmaschine


24 ST/A/R

Buch III - Russland

Nr. 06/2005

Spiegelfeld Immobilien International meets Angewandte

Wettbewerb „Edition Europa 2005“

Marlene Hausegger und Johanna Grabner „Trachtenpärchen“

Kunst.

Mehr als zwei Dutzend Studenten der Grafik Design

Klasse Fons Hickmann haben 52 Arbeiten vorgelegt.

Projektleitung: Eva Wagner

Die Künstler. Die ausgewählten Arbeiten.

Anna Nora Szilit mit „Zeichnungen“, „Klingelschilder“.

Käthe Ivansich mit „ohne Titel“. Patrick Bonato mit

„Spaghetti“. Agnes Steiner mit „ohne Titel“. Paul Regl

mit „kyrillisches Alphabet“, „Europa Metro“ und „Schuhe“.

Kasimir Reimann mit „Europa konkret“. Martin Wunderer

mit „Herbstzeitlose“. Vedran Pilipovic mit „Taurus“.

Christoph Blocher mit „People“. Marlene Hausegger

und Johanna Grabner mit „Trachtenpärchen“.

Die Jury

Georg Spiegelfeld, Spiegelfeld Immobilien International

Dr. Christian Zillner, Chefredakteur, Schriftsteller, Maler

Architekt Dipl.-Ing. Heidulf Gerngross

Christian Spiegelfeld, Kommunikationsberater

Erfahrung und Kompetenz

Büroflächen, Betriebs-, Industrie- und Handelsimmobilien,

Anlageobjekte, land- und forstwirtschaftliche

Objekte, hochwertige Privatimmobilien.

Bulgarien, Kroatien, Österreich, Polen, Rumänien,

Serbien-Montenegro, Slowakei, Slowenien,

Tschechien, Ukraine, Ungarn.

Spiegelfeld Immobilien International

Stubenring 20, A-1010 Wien

www.spi.at, spi@spi.at, 01/513 23 13


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IV - DIE ERSTEN

ST/A/R 25

Foto: Heidulf Gerngross

aus dem Wochenzyklus kontakt

von Herbert Brandl 2005

ST/A/R auch im

erhältlich


26 ST/A/R

Buch IV - DIE ERSTEN

Nr. 06/2005

Bang & Olufsen Center,

Josefstädter Straße 42,

1080 Wien, Inh. W. Hopf,

Tel.: 408 20 58

Individuelle Betreuung


Nr. 06/2005

Buch IV - DIE ERSTEN ST/A/R 27

Tel.: +43 1 214 43 71-o

Fax: +43 1 214 43 71-16

office@fsglas.at

Czerninplatz 1

A-1020 Wien

ST/A/R advertising


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IV - DIE ERSTEN

ST/A/R 29

Fotos: Herbert Justnik


30 ST/A/R

Buch IV - DIE ERSTEN

Nr. 06/2005

9

10

14

22

15

18 19

23

11

16

23 Zeitgenossen

Siegrun Appelt /Penelope Messidi

Carola Dertnig

___fabrics interseason

Nikolaus Gansterer

Richard Hoeck /John Miller

Sabina Hörtner

Susi Jirkuff

Leopold Kessler

Ronald Kodritsch

Zenita Komad

Marko Lulic

Dorit Margreiter

Josh Müller

Muntean /Rosenblum

Flora Neuwirth

N.I.C.J.O.B.

Klaus Pobitzer

Constanze Ruhm

Markus Schinwald

Fabian Seiz

Misha Stroj

Rita Vitorelli

Jun Yang

13. Mai – 4. September 2005

Museumsplatz 1, im MQ , A-1070 Wien

Tägl. 10–19 Uhr, Do 10–22 Uhr, Mi geschlossen

Infoline: +43-1-521 89-33, www.KUNSTHALLEwien.at


Nr. 06/2005

Buch IV - DIE ERSTEN ST/A/R 31

Der goldene ST/A/R für Karin Frank

Foto: Heidulf Gerngross Foto: Heidulf Gerngross

Karin Frank im

roomnumberOne,

Wien, Weihburggasse 26 Schiele, 130 hoch, Holz bemalt, 2005


32 ST/A/R

Buch IV - DIE ERSTEN

ST/A/R auch im

Nr. 06/2005

erhältlich

Foto: Heidulf Gerngross Foto: Heidulf Gerngross

aus dem Wochenzyklus kontakt

von Herbert Brandl 2005


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V - MUMOK ST/A/R 33

Die Minimalanforderungen an ein Museum heute

Interview mit Edelbert Köb, Direktor des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien

Thomas Redl: Das laufende Jahr steht unter

dem Motto: DAS JAHR DES SAMMELNS. Diese

Thematik defi niert ja seit Beginn der Geschichte

des Museums ihre ureigene Aufgabe. Was

sind die Schwerpunkte in diesem JAHR DES

SAMMELNS?

Edelbert Köb: Grundsätzlich geht es darum, das

Interesse der Öffentlichkeit auf dieses Thema

des Museums zu richten, das immer wieder

untergeht. Heute wird in der Rezeption, vom

Publikum und auch von der Presse überhaupt

kein Unterschied mehr gemacht, ob es sich

um ein Museum oder eine Kunsthalle handelt.

Das Wesen des Museums ist eben seine

Sammlung. Museumsproblematik wird in der

Öffentlichkeit überhaupt nicht diskutiert, es gibt

„museologische Usancen“ oder „museologische

Prinzipien“; alte, traditionelle, die man natürlich

alle nicht akzeptieren muss. Museen sind

gewachsene Traditionen, und Museologie ist

eine Wissenschaft, deren Ergebnisse auch

immer wieder in Frage gestellt werden können.

Kunst ist ein lebendiger Organismus, ändert

sich auch ständig, und das Museum muss

darauf bis zu einem gewissen Grad reagieren. Es

befi ndet sich in einer Wechselwirkung, und das

Museum ist manchmal Täter und Opfer zugleich

und lebt in einem Spannungsfeld zwischen der

aktuellen Kunstproduktion und -entwicklung und

museologischen Prinzipien und Traditionen.

Ein zentrales Problem des Sammelns ist, dass

wir in Europa und dann auch in Amerika, im euroamerikanischen

Kulturkreis, lange in einer relativ

abgeschlossenen Kunstwelt gelebt haben, in

unserer Begriffl ichkeit der euro-amerikanischen

Kunst. Und wenn ich unsere Sammlung anschaue,

besteht die ganze klassische Moderne aus

europäischer Kunst, angefangen von Kupka

bis zum späten Giacometti oder Picasso, in die

60er Jahre hineingehend ist alles europäisch.

Dann kommt die amerikanische Kunst dazu,

weil sich dann das Wesentliche in Amerika

getan hat, in New York, von der Minimal Art

bis zur Konzeptkunst und der New York School

of Painting. Die Gewichte und geografischen

Zentren haben sich verschoben, es war dann

euro-amerikanisch, das haben wir in unserem

museologischen Denken sozusagen auch noch

geschafft. Und plötzlich gibt es noch Kunst in

Australien, Japan, China, auch zeitgenössische

Kunst, denn wir sind auch kolonialistisch tätig

gewesen und haben ja letztlich all diesen Ländern

unseren euro-amerikanischen Kunstbegriff

aufoktroyiert, oder sagen wir so, sie haben ihn

bis zu einem gewissen Grad angenommen. Es

gibt eben Weltkunst, es gibt die museale Tätigkeit

auch im Ausstellungswesen, und sie hat sich

im Austausch mit unserer euro-amerikanischen

Kunst über die ganze Welt entwickelt.

Der Sammlungshorizont hat sich nicht verdoppelt,

geografi sch wie medial, sondern verzehn- oder

verzwanzigfacht.

TR: Diese Öffnung ist, wie man sieht, eine

Entwicklung der letzten 10 Jahre, da kommt sehr

stark der Osten dazu, Moskau als Thema oder

die ganze östliche Kunst.

EK: Die war eigentlich immer dabei, nur durch

den Eisernen Vorhang abgeschnitten, zum Teil

abgetötet in ihren Entwicklungen und konnte

sich nicht weiterentwickeln. Zum Teil hat es eine

Parallelentwicklung gegeben, unter Ausschluss

einer Öffentlichkeit, und man hat diese Kunst eben

auch entdeckt, das ist als Felderweiterung noch

dazugekommen. Die gesamte osteuropäische

Kunst ist dazugekommen, die aber doch sehr

stark in der europäischen Tradition war. Die

Konzeptkunst z.B. hat es in den 60er Jahren auch

in Kroatien gegeben, nur hat man es nicht gewusst,

aber sie war schlicht und einfach beeinfl usst

vom europäischen, euro-amerikanischen

Kunstdenken, sie ist nicht „andere“ Kunst.

Es ist ungeheuer unübersichtlich und weit

geworden.

Die Museen müssen sich von der Idee

verabschieden - und da tun sie sich unglaublich

schwer -, dass sie enzyklopädisch sammeln, das

heißt, dass sie von allem etwas haben, und zwar

von allen Medien, geografisch von allem und von

allen Zeiten etwas. Diese Idee findet man in allen

Museen der klassischen Moderne, sogar in unserer

kleinen Sammlung. Da haben wir am Anfang den

österreichischen Expressionismus, dann den

deutschen Expressionismus, dann das Bauhaus,

die Konstruktivisten, die Surrealisten, Dadaisten

usw. Wir haben alle Ismen andeutungsweise, und

alle wichtigen Künstler von diesen Ismen haben

wir auch, zumindest mit einer Arbeit vertreten. Ich

sage immer, es gibt 2 Arten von Enzyklopädien -

die dicke, die kann auch sechzig Bände haben -

Meyers Konversationslexikon, und auch die Welt

von A-Z. Aber der Anspruch, auch des MUMOK,

war immer die Enzyklopädie.

TR: Es gibt ja den Auftrag, die Sammlung des

Wiener Aktionismus, die die umfassendste ist, zu

pflegen, im Haus zu zeigen und international zu

präsentieren. Ist das ein Anknüpfungspunkt, ein

Spezifikum, auf dem sich das Sammlungskonzept

aufbaut?

EK: Ja klar. Es ist eben so, dass man aus

ökonomischen Gründen nicht mehr alles

sammeln kann, aus Platzgründen etc., sodass

man sich fragen muss, welche objektiven

Kriterien man entwickeln kann für das, was

ich sammle, welche Strategie eine sinnvolle

ist. Sie kann nicht auf meinen Liebhabereien

beruhen, Museumsdirektoren haben heute

Dienstverträge von 5 Jahren. Museen sind heute

wissenschaftliche Anstalten, von denen man

annehmen können muss, dass es auch gewisse

objektive Grundlagen gibt, sonst sind wir nämlich

keine wissenschaftliche Anstalt. Es gilt, Kriterien

zu entwickeln für das, was ich tue, und zwar

konsensfähige Kriterien, wo ich zumindest mit

meinen wissenschaftlichen Mitarbeitern einen

Konsens finden muss, was grundsätzlich richtig

ist.

Und woher nehme ich die Kriterien? Die kann ich

erstens nur nehmen aus dem, was vorhanden

ist. Was ist da an Qualitäten, wie kann ich diese

verdichten, wie auf ihnen aufbauen etc.; also

die Analyse des Sammlungsbestandes, und das

zweite Kriterium ist, was an diesem Ort noch

geschieht, am Beispiel Wiens, Österreichs,

was sammeln die anderen, wo haben andere

Qualitäten und Schwerpunkte. Wir haben eine

gewisse Verpflichtung als staatliches Museum,

wir können nicht egoistisch denken.

Also ist es natürlich schlecht, wenn ein staatliches

Museum defensiv arbeiten muss, es wäre schön,

wenn wir offensiv arbeiten könnten, es ist aber

nicht so. Private Sammler haben ein Mehrfaches

Edelbert Köb

an Geld als staatliche Museen. Dazu kommt das

Problem, dass kein staatliches Museum, das gilt

für ganz Europa und auch für die ganze Welt, dass

nirgends die öffentliche Hand fähig ist, adäquate

Sammlungen zu entwickeln.

TR: Also gibt es einerseits ein Platzproblem,

andererseits dieses budgetäre Korsett,

das auferlegt ist, und dann gibt es, in den

österreichischen Medien immer wieder diskutiert,

die „Wiener Situation“.

EK: Nie im internationalen Vergleich, da würde

sich vieles klären.

TR: Es fi ndet immer ein Vergleich der Museen

statt, und es gibt eine Art nicht ausgesprochenen

Wettbewerbskampf.

EK: Eine dichte, ambitionierte Museumsszene,

wobei man immer Museums- und

Ausstellungswesen verwechselt. In Wien haben

wir eine imperiale Museumsstruktur, wir waren

einmal ein Imperium, wir haben große Museen,

vergleichbar mit dem Louvre in Paris, dem

British Museum in London. Wir haben das MAK,

die Schatzkammer, das Völkerkundemuseum,

wir haben eine berühmte grafi sche Sammlung,

wir haben grundsätzlich eine imperiale Struktur

wie in London, Paris oder Madrid. Nur sind wir

im Gegensatz zu diesen Ländern heute ein

Kleinstaat. Und jetzt ist es einsichtig, dass wir,

was die Moderne und die Gegenwartskunst

betrifft, einen Gang zurückschalten müssen, weil

wir kein Imperium mehr sind. Was die imperiale

Struktur betrifft, verstehe ich überhaupt nicht,

warum das überhaupt diskutiert werden muss.

Die imperiale Struktur gibt es in Paris, London,

Madrid, und nirgends gibt es ein Problem damit.

Wir sind ja eine Bundessammlung. Unsere

Konkurrenten sind nicht die grafi sche Sammlung,

sondern der Essl oder Liaunig, der ein neues

Haus baut; das ist der freie Markt. Aber sich

innerhalb eines Konzerns kaputtzumachen, sich

zu konkurrenzieren, ist völlig grotesk. Das wird

auch immer übersehen. Man sagt, wir haben jetzt

einen freien Markt, freien Wettbewerb. Wo gibt

es das in einem Bundeskonzern, bei geringen

Mitteln, bei Ressourcen, die für die Sammlung

Fortsetzung auf Seite 94 Ë


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI - Ulysses 1

ST/A/R 41


42 ST/A/R

Buch VI - Ulysses 1

Nr. 06/2005

JOHN SAILER

JOHN SAILER


Nr. 06/2005

Buch VI - Ulysses 1

ST/A/R 43

GABRIELE WIMMER

Fotos: Sepp Dreisinger

GABRIELE WIMMER


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI - Ulysses 1

ST/A/R 45

In den vergangenen 30 Jahren hat die Galerie Ulysses neben

regelmäßigen Ausstellungen der ständig betreuten Galeriekünstler

Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky, Arnulf Rainer,

Joannis Avramidis, Andreas Urteil, Walter Pichler, Maria Lassnig,

Bruno Gironcoli, Karl Prantl, Karel Appel unter anderem

Ausstellungen von den folgenden Künstlern veranstaltet.

Cy Twombly

Larry Rivers

Helen Frankenthaler

Lyonel Feininger

Serge Poliakoff

Roy Lichtenstein

Andy Warhol

Julio Gonzalez

Pierre Soulages

Eduardo Chillida

Auswahl von Einzelausstellungen bei Ulysses

Jackson Pollock

Anthony Caro

Stuart Davis

Alexej Jawlensky

Emilio Vedova

Wassily Kandinsky

Per Kirkeby

Hans Arp

Milton Avery

Markus Lüpertz

Sepp Dreissinger; Archiv Galerie Ulysses; Archiv John Sailer; Archive der Künstler; VBK Wien.

Robert Rauschenberg © VBK

Im Mai

Robert Rauschenberg


46 ST/A/R

Buch VI - Ulysses 1

Nr. 06/2005

Walter Pichler

Pichler


Nr. 06/2005

Buch VI - Ulysses 1 ST/A/R 47

Arnulf Rainer

Rainer


48 ST/A/R

Buch VI - Ulysses 1

Nr. 06/2005

KNOW!HOW

und hier trifft Kunst auf Handwerk.... *

APPEL

AVRAM

IDISBR

USFÖR

GGI-

RON-

COLI-

HOL-

LEG-

HAHOL

LEIN-

KAPPL-

KERN-

LASS-

NIG-

LICH-

TENST

E I N -

NITSC

HPICH-

LER-

POL-

LOCK-

PRA-

CHENS

KYRAI

NERUR

TEIL-

VEDO-

VAWO-

TRUBA

*

r

ah!

www.bilderrahmen.at

men.

vonderstangeundnachmass

seit 20 Jahren fertigen wir Rahmen für die Galerie Ulysses

Pass'Partout_Bilderrahmen_1060 Wien Hofmühlgasse 14 _Tel 01/586 7132_www.bilderrahmen.at


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VII - Ulysses 2 ST/A/R 49

Fritz Wotruba

Wotruba


50 ST/A/R

Buch VII - Ulysses 2

Nr. 06/2005

Andreas Urteil

Urteil

Wolfgang Hollegha


Nr. 06/2005

Buch VII - Ulysses 2 ST/A/R 51

Hollegha


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VII - Ulysses 2

ST/A/R 53

Markus Prachensky

Prachensky


54 ST/A/R

Buch VII - Ulysses 2

Nr. 06/2005

Maria Lassnig

Lassnig


Nr. 06/2005

Buch VII - Ulysses 2 ST/A/R 55

Bruno Gironcoli

Gironcoli


56 ST/A/R

Buch VII - Ulysses 2

Nr. 06/2005

Karl Prantl

Prantl


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VIII - Giencke & Co ST/A/R 57

VOLKER GIENCKE 1992


58 ST/A/R

Buch VIII - Giencke & Co

Nr. 06/2005


Nr. 06/2005

Buch VIII - Giencke & Co ST/A/R 59

Hotel Elisabeth in Ischgl


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VIII - Giencke & Co

ST/A/R 61

ST/A/R Architekt Giencke baut in Lettland


62 ST/A/R

Buch VIII - Giencke & Co

Nr. 06/2005


Nr. 06/2005

Buch VIII - Giencke & Co ST/A/R 63


64 ST/A/R

Buch VIII - Giencke & Co

Nr. 06/2005

G

i

e

n

c

k

e

2005


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IX - Niederösterreich ST/A/R 65

ST/A/R im Karikaturmuseum Krems.

Erich Sokol Großvater von Karl Sokol (16).


66 ST/A/R

Buch IX - Niederösterreich

Nr. 06/2005

Renoir in der Kunshalle Krems


Nr. 06/2005

Buch IX - Niederösterreich ST/A/R 67


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IX - Niederösterreich

ST/A/R 69

Landpartie zur kunst

im öffentlichen raum

niederösterreich

niederösterreich

Landpartie Weinviertel

Samstag, 16. April 2005

Landpartie Wachau

Samstag, 21. Mai 2005

Landpartie Baden und Umgebung

Samstag, 25. Juni 2005

Landpartie Waldviertel

Samstag, 17. September 2005

Paasdorf

Maria Hahnenkamp/Willi Frötscher

PRINZGAU/podgorschek

Andrea Sodomka/Martin Breindl

Ingeborg Strobl

Laa/Thaya

Leo Schatzl

Mitterretzbach

Max Pauly

Stronsdorf

Franz West

Krems Friedhof

Hans Kupelwieser

Clegg & Guttmann

Donau-Universität Krems

Dara Birnbaum

Peter Kogler/Marcus Geiger

Günter Wolfsberger

Stein

Per Kirkeby

Tony Cragg

Sepp Auer

Lois Weinberger

Baden

Brigitte Kowanz

Gutenbrunnerpark

Theresienfeld

Schuda/Schmeiser

eichinger oder knechtl

Hof/Leithaberge

the poor Boys Enterprise

Schrems

Ramsar-Zentrum

Waidhofen/Thaya

Franz X. Ölzant

Allentsteig

Ricarda Denzer

VALIE EXPORT

Rappottenstein

Ortrun Lanzner

Land-ST/A/R Gans von Horaz

Wenzersdorf

Isa Genzken

Spitz/Wachau

Ulrich Rückriem

Olafur Eliasson

Weitere Informationen unter www.publicart.at

T 0 27 42/ 9005 DW 13203

www.publicart.at


Landpartie Waldviertel RÖSTER

– Samstag, 17. September 2005

ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum zur Migrationsgeschichte Allentsteig

TÄUSCHUNGSMANÖVER

von Ricarda Denzer

in Zusammenarbeit mit Heike Bablick, Heinz Machat (heiKE/NZ) und Fatih Aydogdu


Nr. 06/2005

Buch IX - Niederösterreich ST/A/R 71

ST/A/R Geschenk, VICTOR VASARELY, DIE TÄUSCHUNG


72 ST/A/R

Buch IX - Niederösterreich

Nr. 06/2005

Kaercher


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch X - STEIERMARK ST/A/R 73

Graz jetzt schattenlos

Die grossartige Schattenskulptur von

Markus Wilfling wurde wieder abgebaut.

Die Kulturhauptstadt verliert ein Kunstwerk.

Markus Wilfling bei Galerie Eugen Lendl


74 ST/A/R

Buch X - STEIERMARK

Nr. 06/2005

Günter Brus Jörg Schlick, „In besseren Kreisen“, Katalog 2005, Hrsg. Galerie Bleich-Rossi

Jeremy Glogan

„Studio City“

Oil and Acrylic on canvas

152cm x 117cm

2005

Andreas Hofer,

Dark Horse, 1998,

Collage / Papier,

29,5 x 21 cm

PROGRAMM DER GALERIE BLEICH-ROSSI GRAZ ZU GAST BEI

CHRISTINE KÖNIG WIEN, 2005

JÖRG SCHLICK

pseudo-isochromatische Tafeln zur Prüfung des Farbsinnes (für Daniel Hafner)

19. Jänner bis 26. Februar 2005

viennAfair

21. – 24. April

ANDREAS HOFER

HANS-JÖRG MAYER

JÖRG SCHLICK

Stand Nr. A0202

Joseph Zehrer, Zeitungen, Acryllack auf

Zeitungspapier, 47 x 63 cm

GALERIE

BLEICH-ROSSI

JOSEPH ZEHRER

Freigestellt

3. März bis 16. April 2005

JEREMY GLOGAN

„Rudolf ?“

Eröffnung: Freitag, 22. April 2005, von 19 - 21 Uhr

Eröffnung gemeinsam mit den Galerien

Georg Kargl, Engholm Engelhorn, Gabriele Senn und Lisa Ruyter.

Brunch in der Schleifmühlgasse im Rahmen der viennAfair:

Samstag, 23. April 2005, von 10 - 12 Uhr

Ausstellungsdauer: 23. April – 11. Juni 2005

Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 13 - 19 Uhr

Samstag 11 - 15 Uhr und nach Vereinbarung

A-1040 WIEN, SCHLEIFMUEHLGASSE 1A, TEL. 0676/3569698, FAX 01/5857474-24

PROGRAMM DER G A L E R I E B L E I C H - R O S S I, G R A Z

2005

Künstler der Galerie

Siegfried Anzinger

Erwin Bohatsch

Günter Brus

Merlin Carpenter

Luis Claramunt

Ramesch Daha

Bernhard Fruehwirth

Ingeborg Gabriel

Jeremy Glogan

Martin Gostner

Dan Graham

Andreas Hofer

IRWIN

Martin Kippenberger

Michael Krebber

Hans Kupelwieser

Rudolf Leitner-Gründberg

Albert Oehlen

Markus Oehlen

Josephine Pryde

Sam Samore

Jörg Schlick

Hubert Schmalix

Hans Weigand

Manfred Willmann

Katharina Wulff

Joseph Zehrer

GÜNTER BRUS JÖRG SCHLICK

In besseren Kreisen

Buchpräsentation und Ausstellung

17. Februar bis 8. April 2005

aktuelle kunst in graz – Galerientage 2005

ANDREAS HOFER

Galassia che vai

Eröffnung: Samstag, 16. April 2005, ab 15 Uhr

Die Galerie ist am Samstag, dem 16. 4., von 11 - 20 Uhr

und am Sonntag, dem 17. 4., von 11 - 17 Uhr geöffnet.

Ausstellungsdauer: 16. April – 25. Mai 2005

RAMESCH DAHA

Eröffnung: Donnerstag, 2. Juni 2005, 18 Uhr

Ausstellungsdauer: 3. Juni bis Ende Juli 2005

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

HANS WEIGAND

steirischer herbst 2005

KALIN LINDENA

November – Dezember 2005

Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 15 - 19 Uhr

Samstag 11 - 14 Uhr und nach Vereinbarung

A-8010 GRAZ, BÜRGERGASSE 4/II, TEL. 0316/834587 , FAX 834588

galerie@bleich-rossi.at www.bleich-rossi.at

Jörg Schlick, pseudo-isochromatische Tafeln, o.T. , 60 x 60 cm, Mischtechnik, Acryl / Leinwand


Nr. 06/2005

Buch X - STEIERMARK ST/A/R 75

Agnes

Horaz

Ruth

ST/A/R Land

Horaz, Tel.: 033 26 52 917

Peppo

Nuri

Timmi

Wotan

Heidulf-Aurelio

AURELIO

Fanny


Städteplanung / Architektur / Religion Buch X - STEIERMARK

ST/A/R 77


78 ST/A/R

Buch X - STEIERMARK

Nr. 06/2005

INITIATOR* DER GRAZE R

BERNHARD HAFNER

MIT DER LEGENDÄREN AUSSTELLUNG ARCHEGRAMME

GRAZ 1966

Space, Time and Architecture? RAUMZEITARCHITEKTUR!

Ein langes Gedicht

Space, Time and Architecture ?

R A UM Z E I T A R C H I T E K T U R !

Mottos für architektonische Konzeptionen.

Mottos für künstlerische

Konzeptionen ?

Raum und Zeit als Elemente der Architektur, der

Kunst; Polaritäten –

Alternativen? Ein Beistrich oder kein Beistrich, das

ist hier die Frage.

R A U M u n d Z E I T als Einheit:

RAUMZEITARCHITEKTUR. Raumzeit als Wesen

des Architektonischen, des Künstlerischen. Leben -

Evolution. Der Prozeß des Werdens und Vergehens,

die Veränderung: die Kontinuität des Dynamischen.

„Eine unaufhörlich über die Fensterscheibe

wischende Regenmähne“.

Durch die RAUMZEITLICHKEIT wird Architektur eine

Konzeption des Erlebens und von Kunst. Durch ihre

RAUMZEITLICHE BENÜTZUNG wird sie Teil des

Lebens: EVOLUTIONSARCHITEKTUR.

Es besteht kein Zweifel, die Opposition habe

versagt,

sagt die Regierung, vor den Wahlen.

Es besteht kein Zweifel, die CIAM haben

versagt,

sage ich, jederzeit.

Space and Time SIND KEINE Polarität in der

ARCHITEKTUR.

Space and Time SIND KEINE Alternative in der ARCHITEKTUR

trotz dem ganzen Gefolge:

die Ville Radieuse, Broadacre City: jedem

Spießer seine Radieser. Die gegliederte

und aufgelockerte Stadt: jeder ‚Städter‘

ein kleiner Bauer mit Freizeitgärtchen,

Hühnervolk und einer Kuh.

Orginaltext aus dem Buch … Im Lotterbett

BERNHARD HAF

KONZEPTIONEN DES ORDNENS

Systeme, die nachprüfbar sind durch Bauen: wir, die

durch BENÜTZEN prüfen, heutigen Architekturkompost;

kontrollieren, da wir Ergebnisse sehen, Strukturen, die

beengen, Räume, in denen eine abgestandene Luft

nur graue Innereigehirne von CIAM Leptosomen am

Leben hält. Wo hat die ZEIT Platz im Gefüge der Stadt,

in der Stadt von Selbsternährern, wo die Veränderung?

Wo ist die GEMEINSCHAFT in der Architektur der

Stadt, in diesen olympischen Dörfern von Innsbruck,

Graz, Salzburg, Wien, Berlin, Lyon und Carcassonne?

Luggerdorf und Müllnertown.

RAUMZEIT ist ein Wesen der ARCHITEKTUR

dann werden

gegen

nicht endenwollenden Flüche verdummender Monochromie –

rouge et noir und kardinalsrot in Österreich -,

gegen Individuen nie kopulierender

Egogamie

Architekturen stehen,

des Miteinander, des Dialogs fähig,

neue Bekenntnisse, die bunt sein werden: rosa

(lila als Kompromiß),

synästhetisch: sie werden riechen, tast- und

hörbar sein, man wird sie sehen und der

steirische Bauer, von ihrem Schatten

getroffen, wird barhäuptig verweilen und

wissen: von wo der Schatten kommt,

dort ist die Stadt und nicht dort, wo die

grünweiße Tramway fährt.

*Augenzeuge Heidulf Gerngross


78 ST/A/R

Buch X - STEIERMARK

Nr. 06/2005

INITIATOR* DER GRAZE R

BERNHARD HAFNER

MIT DER LEGENDÄREN AUSSTELLUNG ARCHEGRAMME

GRAZ 1966

Space, Time and Architecture? RAUMZEITARCHITEKTUR!

Ein langes Gedicht

Space, Time and Architecture ?

R A UM Z E I T A R C H I T E K T U R !

Mottos für architektonische Konzeptionen.

Mottos für künstlerische

Konzeptionen ?

Raum und Zeit als Elemente der Architektur, der

Kunst; Polaritäten –

Alternativen? Ein Beistrich oder kein Beistrich, das

ist hier die Frage.

R A U M u n d Z E I T als Einheit:

RAUMZEITARCHITEKTUR. Raumzeit als Wesen

des Architektonischen, des Künstlerischen. Leben -

Evolution. Der Prozeß des Werdens und Vergehens,

die Veränderung: die Kontinuität des Dynamischen.

„Eine unaufhörlich über die Fensterscheibe

wischende Regenmähne“.

Durch die RAUMZEITLICHKEIT wird Architektur eine

Konzeption des Erlebens und von Kunst. Durch ihre

RAUMZEITLICHE BENÜTZUNG wird sie Teil des

Lebens: EVOLUTIONSARCHITEKTUR.

Es besteht kein Zweifel, die Opposition habe

versagt,

sagt die Regierung, vor den Wahlen.

Es besteht kein Zweifel, die CIAM haben

versagt,

sage ich, jederzeit.

Space and Time SIND KEINE Polarität in der

ARCHITEKTUR.

Space and Time SIND KEINE Alternative in der ARCHITEKTUR

trotz dem ganzen Gefolge:

die Ville Radieuse, Broadacre City: jedem

Spießer seine Radieser. Die gegliederte

und aufgelockerte Stadt: jeder ‚Städter‘

ein kleiner Bauer mit Freizeitgärtchen,

Hühnervolk und einer Kuh.

Orginaltext aus dem Buch … Im Lotterbett

BERNHARD HAF

KONZEPTIONEN DES ORDNENS

Systeme, die nachprüfbar sind durch Bauen: wir, die

durch BENÜTZEN prüfen, heutigen Architekturkompost;

kontrollieren, da wir Ergebnisse sehen, Strukturen, die

beengen, Räume, in denen eine abgestandene Luft

nur graue Innereigehirne von CIAM Leptosomen am

Leben hält. Wo hat die ZEIT Platz im Gefüge der Stadt,

in der Stadt von Selbsternährern, wo die Veränderung?

Wo ist die GEMEINSCHAFT in der Architektur der

Stadt, in diesen olympischen Dörfern von Innsbruck,

Graz, Salzburg, Wien, Berlin, Lyon und Carcassonne?

Luggerdorf und Müllnertown.

RAUMZEIT ist ein Wesen der ARCHITEKTUR

dann werden

gegen

nicht endenwollenden Flüche verdummender Monochromie –

rouge et noir und kardinalsrot in Österreich -,

gegen Individuen nie kopulierender

Egogamie

Architekturen stehen,

des Miteinander, des Dialogs fähig,

neue Bekenntnisse, die bunt sein werden: rosa

(lila als Kompromiß),

synästhetisch: sie werden riechen, tast- und

hörbar sein, man wird sie sehen und der

steirische Bauer, von ihrem Schatten

getroffen, wird barhäuptig verweilen und

wissen: von wo der Schatten kommt,

dort ist die Stadt und nicht dort, wo die

grünweiße Tramway fährt.

*Augenzeuge Heidulf Gerngross


Nr. 06/2005

Buch X - STEIERMARK ST/A/R 79

SCHULE

1966 !

NER

Dieses Buch über eine wichtige Zeit der Grazer

Architekturszene sucht einen Verleger!


80 ST/A/R

Buch X - STEIERMARK

Nr. 06/2005

Anfaenge der Raumfahrt


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V - MUMOK ST/A/R 89

Die Minimalanforderungen an ein Museum heute

Interview mit Edelbert Köb, Direktor des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien

Thomas Redl: Das laufende Jahr steht unter

dem Motto: DAS JAHR DES SAMMELNS. Diese

Thematik defi niert ja seit Beginn der Geschichte

des Museums ihre ureigene Aufgabe. Was

sind die Schwerpunkte in diesem JAHR DES

SAMMELNS?

Edelbert Köb: Grundsätzlich geht es darum, das

Interesse der Öffentlichkeit auf dieses Thema

des Museums zu richten, das immer wieder

untergeht. Heute wird in der Rezeption, vom

Publikum und auch von der Presse überhaupt

kein Unterschied mehr gemacht, ob es sich

um ein Museum oder eine Kunsthalle handelt.

Das Wesen des Museums ist eben seine

Sammlung. Museumsproblematik wird in der

Öffentlichkeit überhaupt nicht diskutiert, es gibt

„museologische Usancen“ oder „museologische

Prinzipien“; alte, traditionelle, die man natürlich

alle nicht akzeptieren muss. Museen sind

gewachsene Traditionen, und Museologie ist

eine Wissenschaft, deren Ergebnisse auch

immer wieder in Frage gestellt werden können.

Kunst ist ein lebendiger Organismus, ändert

sich auch ständig, und das Museum muss

darauf bis zu einem gewissen Grad reagieren. Es

befi ndet sich in einer Wechselwirkung, und das

Museum ist manchmal Täter und Opfer zugleich

und lebt in einem Spannungsfeld zwischen der

aktuellen Kunstproduktion und -entwicklung und

museologischen Prinzipien und Traditionen.

Ein zentrales Problem des Sammelns ist, dass

wir in Europa und dann auch in Amerika, im euroamerikanischen

Kulturkreis, lange in einer relativ

abgeschlossenen Kunstwelt gelebt haben, in

unserer Begriffl ichkeit der euro-amerikanischen

Kunst. Und wenn ich unsere Sammlung anschaue,

besteht die ganze klassische Moderne aus

europäischer Kunst, angefangen von Kupka

bis zum späten Giacometti oder Picasso, in die

60er Jahre hineingehend ist alles europäisch.

Dann kommt die amerikanische Kunst dazu,

weil sich dann das Wesentliche in Amerika

getan hat, in New York, von der Minimal Art

bis zur Konzeptkunst und der New York School

of Painting. Die Gewichte und geografischen

Zentren haben sich verschoben, es war dann

euro-amerikanisch, das haben wir in unserem

museologischen Denken sozusagen auch noch

geschafft. Und plötzlich gibt es noch Kunst in

Australien, Japan, China, auch zeitgenössische

Kunst, denn wir sind auch kolonialistisch tätig

gewesen und haben ja letztlich all diesen Ländern

unseren euro-amerikanischen Kunstbegriff

aufoktroyiert, oder sagen wir so, sie haben ihn

bis zu einem gewissen Grad angenommen. Es

gibt eben Weltkunst, es gibt die museale Tätigkeit

auch im Ausstellungswesen, und sie hat sich

im Austausch mit unserer euro-amerikanischen

Kunst über die ganze Welt entwickelt.

Der Sammlungshorizont hat sich nicht verdoppelt,

geografi sch wie medial, sondern verzehn- oder

verzwanzigfacht.

TR: Diese Öffnung ist, wie man sieht, eine

Entwicklung der letzten 10 Jahre, da kommt sehr

stark der Osten dazu, Moskau als Thema oder

die ganze östliche Kunst.

EK: Die war eigentlich immer dabei, nur durch

den Eisernen Vorhang abgeschnitten, zum Teil

abgetötet in ihren Entwicklungen und konnte

sich nicht weiterentwickeln. Zum Teil hat es eine

Parallelentwicklung gegeben, unter Ausschluss

einer Öffentlichkeit, und man hat diese Kunst eben

auch entdeckt, das ist als Felderweiterung noch

dazugekommen. Die gesamte osteuropäische

Kunst ist dazugekommen, die aber doch sehr

stark in der europäischen Tradition war. Die

Konzeptkunst z.B. hat es in den 60er Jahren auch

in Kroatien gegeben, nur hat man es nicht gewusst,

aber sie war schlicht und einfach beeinfl usst

vom europäischen, euro-amerikanischen

Kunstdenken, sie ist nicht „andere“ Kunst.

Es ist ungeheuer unübersichtlich und weit

geworden.

Die Museen müssen sich von der Idee

verabschieden - und da tun sie sich unglaublich

schwer -, dass sie enzyklopädisch sammeln, das

heißt, dass sie von allem etwas haben, und zwar

von allen Medien, geografisch von allem und von

allen Zeiten etwas. Diese Idee findet man in allen

Museen der klassischen Moderne, sogar in unserer

kleinen Sammlung. Da haben wir am Anfang den

österreichischen Expressionismus, dann den

deutschen Expressionismus, dann das Bauhaus,

die Konstruktivisten, die Surrealisten, Dadaisten

usw. Wir haben alle Ismen andeutungsweise, und

alle wichtigen Künstler von diesen Ismen haben

wir auch, zumindest mit einer Arbeit vertreten. Ich

sage immer, es gibt 2 Arten von Enzyklopädien -

die dicke, die kann auch sechzig Bände haben -

Meyers Konversationslexikon, und auch die Welt

von A-Z. Aber der Anspruch, auch des MUMOK,

war immer die Enzyklopädie.

TR: Es gibt ja den Auftrag, die Sammlung des

Wiener Aktionismus, die die umfassendste ist, zu

pflegen, im Haus zu zeigen und international zu

präsentieren. Ist das ein Anknüpfungspunkt, ein

Spezifikum, auf dem sich das Sammlungskonzept

aufbaut?

EK: Ja klar. Es ist eben so, dass man aus

ökonomischen Gründen nicht mehr alles

sammeln kann, aus Platzgründen etc., sodass

man sich fragen muss, welche objektiven

Kriterien man entwickeln kann für das, was

ich sammle, welche Strategie eine sinnvolle

ist. Sie kann nicht auf meinen Liebhabereien

beruhen, Museumsdirektoren haben heute

Dienstverträge von 5 Jahren. Museen sind heute

wissenschaftliche Anstalten, von denen man

annehmen können muss, dass es auch gewisse

objektive Grundlagen gibt, sonst sind wir nämlich

keine wissenschaftliche Anstalt. Es gilt, Kriterien

zu entwickeln für das, was ich tue, und zwar

konsensfähige Kriterien, wo ich zumindest mit

meinen wissenschaftlichen Mitarbeitern einen

Konsens finden muss, was grundsätzlich richtig

ist.

Und woher nehme ich die Kriterien? Die kann ich

erstens nur nehmen aus dem, was vorhanden

ist. Was ist da an Qualitäten, wie kann ich diese

verdichten, wie auf ihnen aufbauen etc.; also

die Analyse des Sammlungsbestandes, und das

zweite Kriterium ist, was an diesem Ort noch

geschieht, am Beispiel Wiens, Österreichs,

was sammeln die anderen, wo haben andere

Qualitäten und Schwerpunkte. Wir haben eine

gewisse Verpflichtung als staatliches Museum,

wir können nicht egoistisch denken.

Also ist es natürlich schlecht, wenn ein staatliches

Museum defensiv arbeiten muss, es wäre schön,

wenn wir offensiv arbeiten könnten, es ist aber

nicht so. Private Sammler haben ein Mehrfaches

Edelbert Köb

an Geld als staatliche Museen. Dazu kommt das

Problem, dass kein staatliches Museum, das gilt

für ganz Europa und auch für die ganze Welt, dass

nirgends die öffentliche Hand fähig ist, adäquate

Sammlungen zu entwickeln.

TR: Also gibt es einerseits ein Platzproblem,

andererseits dieses budgetäre Korsett,

das auferlegt ist, und dann gibt es, in den

österreichischen Medien immer wieder diskutiert,

die „Wiener Situation“.

EK: Nie im internationalen Vergleich, da würde

sich vieles klären.

TR: Es fi ndet immer ein Vergleich der Museen

statt, und es gibt eine Art nicht ausgesprochenen

Wettbewerbskampf.

EK: Eine dichte, ambitionierte Museumsszene,

wobei man immer Museums- und

Ausstellungswesen verwechselt. In Wien haben

wir eine imperiale Museumsstruktur, wir waren

einmal ein Imperium, wir haben große Museen,

vergleichbar mit dem Louvre in Paris, dem

British Museum in London. Wir haben das MAK,

die Schatzkammer, das Völkerkundemuseum,

wir haben eine berühmte grafi sche Sammlung,

wir haben grundsätzlich eine imperiale Struktur

wie in London, Paris oder Madrid. Nur sind wir

im Gegensatz zu diesen Ländern heute ein

Kleinstaat. Und jetzt ist es einsichtig, dass wir,

was die Moderne und die Gegenwartskunst

betrifft, einen Gang zurückschalten müssen, weil

wir kein Imperium mehr sind. Was die imperiale

Struktur betrifft, verstehe ich überhaupt nicht,

warum das überhaupt diskutiert werden muss.

Die imperiale Struktur gibt es in Paris, London,

Madrid, und nirgends gibt es ein Problem damit.

Wir sind ja eine Bundessammlung. Unsere

Konkurrenten sind nicht die grafi sche Sammlung,

sondern der Essl oder Liaunig, der ein neues

Haus baut; das ist der freie Markt. Aber sich

innerhalb eines Konzerns kaputtzumachen, sich

zu konkurrenzieren, ist völlig grotesk. Das wird

auch immer übersehen. Man sagt, wir haben jetzt

einen freien Markt, freien Wettbewerb. Wo gibt

es das in einem Bundeskonzern, bei geringen

Mitteln, bei Ressourcen, die für die Sammlung

Fortsetzung auf Seite 94 Ë


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XI - Youngstars YOUNG - ST/A/R 81

YOUNG -

- STAR

Meinhard Ropp C 2003

LUCAS

Redaktionsleitung/ Grafik: Lucas + Lukas - Look@US²

Die Aneignung der Architektur durch den Benutzer, oder plakativer formuliert, der MENSCH

UND DIE ARCHITEKTUR stehen diesmal im Mittelpunkt des Young-Star. Stattman zeigt mit

dem Fluc 2 ein Gebäude, das dem Leitsatz „Bedeutung entsteht erst im Gebrauch“ folgt.

Hoffenscher bringt ein Gebäude am Washington Square, NYC, einem Ort der Studentenund

Demokratiebewegung, das sich im Kontext der Masse vieler Personen sowohl einer

formalen Anpassung unterzieht, andererseits ein Signalturm der genannten Bewegung

ist. Holzinger zeigt im klugen Umgang mit Guckkastenbühnen einerseits deren Aufhebung

durch Verschiebung der zentralen Perpektive, andererseits die ad absurdum - Führung

mittels des Fluchtumwegeplans.

LUKAS

DU

ARCH + Robert Pretsch C 2005

Der zweite Teil zeigt ein Ausblick auf die Bartlett School of Architecture in London. An dieser

Stelle möchten wir Stefan Rutzinger als unseren London-Korrespondenten begrüßen.

„Vor der Fertigstellung“ ist Titel des dritten Teils, mit der bisher unter Verschluß gehaltenen

Arbeit „Tableau“ von Heri&Salli. Die Redaktion freut sich, das Projekt frisch aus dem

Büro als erstes publizieren zu dürfen.

Heri&Salli erhalten den Architekturförderungspreis des Landes Salzburg 2004.

Wir gratulieren!

Die Redaktion begrüßt, daß auch der Herr Architekt wieder bauen wird, diesmal im Süden

Wiens.

Die Redaktion unterstützte Podmirseg beim SpatenSTECHEN.

CORBU

ARCH + Robert Pretsch C 2005

Funktionell gesprochen, wird der Mensch zum Benutzer.

Abstrakt gesprochen, wird er zum Kind, das diese Welt

erst entdecken muß. - look@US²

Nur aus Wundern können neue Dinge entstehen, ganz

bestimmt nicht aus Analysen. - Louis I. Kahn

In dieser Ausgabe:

Robert Pretsch, Lucas Kulnig, Lukas Göbl, Stefan Rutzinger als London-Korrespondent,

Klaus Stattmann, Heri&Salli, Sophie Grell, Meinhard Ropp, Daniel Podmirseg, Heli Holleis,

Doris Steinacher, Gregor Holzinger, Nadja, Marc Hoffenscher, Wyn Gilley, David Head, Pablo

Gil, Peter Koch, und Theresia Frass-Knierzinger als Tänzerin in der Fußzeile von

Lucas + Lukas - look@US²

formlabor@aon.at

PODMIRSEG

ARCH + Robert Pretsch C 2005


82 ST/A/R Buch XI - Youngstars

Nr. 06/2005

THE REPRESENTER

MARC HOFFENSCHER Urban Project, 2004

The Representer is a building that organizes uneasiness and proves the changing in the city.

Der Representer-Tower am Washington Square in Manhattan ist der

zentrale Kern eines urbanen Projekts, das mittels Container, verteilt

innerhalb der Stadt, mittels eines vernetzten Informationssystems,

eines digitalen Archivs, und eines Speichers physischer Gegenstände

den Zustand einer demokratische Gesellschaft überprüft, visualisiert,

dokumentiert und archiviert. Die Struktur ist angewiesen auf sowohl

digitalen wie physischen Input der Bevölkerung. Der Washington

Squae vor der New Yorker Universität ist Ort vielfacher Demonstrationen

und Studentenbewegungen, und daher ein idealer Platz für den

Representer-Tower als Kernpunkt des Systems. Der Platz selbst wird

in eine bewegliche Platform verwandelt.

Hoffenscher:

“Public organisations can rent a container for their research in the

city. They are allowed to park the container on any carparking space

they want to and as long as they want. It can be used for research

and public work. The container is able to split itself into two parts -

the container and the informer. Both are able to function autonomous.

The container sends out video and sound signals and the informer

receives video and sound. This makes it possible to inform all the

people who are at the representer-tower!“

Marc Hoffenscher C 2004

Marc Hoffenscher C 2004


Nr. 06/2005 Buch XI - Youngstars

YOUNG - ST/A/R 83

FLUC 2

IM PRATERDURCHGANG VON KLAUS STATTMANN

“Erhöhung der Umständlichkeit, der Unentscheidbarkeit,

der Unbestimmtheit”.

Klaus Stattmann C 2005


Städteplanung / Architektur / Religion

YOUNG -

ST/A/R

LOOK @ BARTLETT, LONDON

luukaround

DAVID HEAD

BRUTALITY GARDEN

Project, 2004

David Head C 2004

CROSSBONES GRAVEYARD

Concealment/revelation

Wyn Gilley

CROSSBONES GRAVEYARD

Projekt 2004

Crossbones graveyard, a 17th century unmarked burial ground for prostitutes and the poor has

existed in limbo since its closure. The intervention touches ground as infrequently as possible,

rising to create an inverted graveyard („refl ecting“ the missing gravemarkers) created by

a metamorphic canopy of polycarbonate/glass conposite facets. Rising up through and above

the raised artifi cial ground is accomodation for an archive and library related to the site history

together with an archive, studios and gallery for Outsider artists. The proposal addresses

themes of concealed and(gradually) revealed identity, both in the pysical and social terms, creating

an addition to the public realm which confronts the occupant‘s appreciation of hierarchies.

Wyn Gilley C 2004

Heidulf Gerngross C 2005

SCHOOL OF SAMBA

BRUTALITY GARDEN

“Brutality Garden” captures the ambivalent nature of this project, fascinated with Brazil’s Edenic national mythology

and its modern industrialisation. The scheme proposes a transformation of a hillside and concourse in

Rio de Janeiro with a new Cultural Centre. The project addresses the humid climatic conditions and provides a

solution to the problems of rebar corrosion and oxide staining, which blight concrete buildings. The architecture

re-interprets the vernacular, ferro-concrete structures of Neimeyer’s 1950s and 60s Brazil and proposes the

use of fibreglass reinforcement which shoots out of the concrete structure and can be interwoven with natural

materials to create a dynamic, hybrid textile. Natural, vegetable allotments intertwine with artifi cial, geo-thermal

tubes, misting hoses, and fi breglass reinforcement conduits, irrigating the ‚living‘ surface and channelling

heavy, temporal, rainwater down the hillside to sea level. The Brutality Garden project uses composite architecture

to explore the associated aesthetic and tectonic values and rhythmic orientations of Tropicália today.

Pablo Gil

MEGASTRUCTURE SCHOOL OF SAMBA

Project, Rio de Janeiro 2004

A School of Samba is an institution that gathers around 4.000 people

in the preparation of the carnival that develop social, ideological

and economical links. Schools of samba are normally related to

favelas, which otherwise doesn’t have another clear representation

in the city. The aim of this megastructure, considering the previous

facts, is that architecture becomes a catalyst of social transformation

through the institutionalization of the liberating power of carnival.

Pablo Gil C 2003


86 ST/A/R Buch XI - Youngstars

Nr. 06/2005

Heri&Salli C 2005

HERI&SALLI

BÜRO TABLEAU

Bürogebäude, Oberpullendorf, 2004/05

BAUHERR: FOB FACE OF BUILDING – PLANNING STIMAKOVITS

SPITALSTRASSE 1, 7350 OBERPULLENDORF

„Die reine Repräsentation repräsentiert das Ende eines Unternehmens.“

lookUS² C 2005

Das Tableau

ACHTUNG P

Architektur ist eine räumliche Landschaft der Möglichkeiten. In diesem Sinne ist das Gebäude die

Landschaft, die Landschaft das Gebäude und das Gebäude das Grundstück …das Grundstück wird

zu einer Art künstlichen Deckung. Räumliche Lösungen und Zeitpunkte sind sequenzielle Ergebnisse,

die nie das Ende einer Entwicklung sind, so wie das Gebäude nicht das Ende einer möglichen Repräsentation

ist. Der tatsächliche Raum ist ein offenes Tableau. Die Grenzen des Gebäudes sind der

Horizont den wir begreifen.

DER HERR ARCHITEKT, Robert Pretsch, St/A/R - PREISTRÄGER 2004


Nr. 06/2005 Buch XI - Youngstars

YOUNG - ST/A/R 87

GEBÄUDE

Gebäude aus der Sammlung der St/A/R - Kuratorin Nadja

futundhonig

ODMIRSEG SPATENSTICHT BALD

NAME: C47

SPATENSTICH: 3.4.2005

SCHLÜSSELÜBERGABE: DEZEMBER 2005

ARCHITEKTUR: IL MONDO DI PARATUFELLO

HOLLEIS PODMIRSEG STEINACHER

BAUHERREN: ANDREAS & JANINA RIEMER OBER-

MÜLLER

HAUS GUTMANN

Einfamilienhaus im Süden Wiens, 2005


88 ST/A/R

Buch XI - Youngstars

BÜHNENBILD VON GREGOR HOLZINGER

Nr. 06/2005

GREGOR HOLZINGER

büehnenbild

Gregor Holzinger C 2003

HAMLET, PROJEKT FÜR DAS BURGTHEATER, WIEN

„Hatten sie ausgebift!“ [frei nach Lautsprecherdurchsage am

Fluchthafen Amsterdam Schipol]

Wegen mangelnder Umraumklärbarkeit kann ich nicht genau

sagen, wo ich mich befinde, ist es in einem Raum, oder in der

ihn umgebenden Wand, die aufgrund eines Planzeichenfehlers

den eigentlichen Raum einnimmt, befin-det sich der Raum mit mir

nicht in der planzeichentechnisch aufgedehnten Wand, wo hören

die Enden auf, was ist außerhalb der Blattumrahumung, wieviele

umeinander-geschachtelte Außen- und Innenräume gibt es noch,

ist dieser Raum mehr zum Hineingehen oder zum Hinausgehen

da? Ich habe hier einige überaus lange Ecken, sich ziehende Ecken

vor mir, auch wenn ich mir unter der Länge einer Ecke wenig vorstellen

kann, ebensowenig, wie welche die offenste ist. Wo soll ich

den Notausgang suchen, und warum ist dieses Notausgangsschild

da verkehrt herum angebracht, so daß der Pfeil nicht nach unten

auf die unter dem Schild befindliche Tür zeigt sondern in die Luft

oder gegen die Decke? Wieviele Wegweiser mit Aufschrift ‚One

Way‘ gibt es noch, und nicht einen, der ‚Alle Richtungen‘ weist. Mir

scheint, meine Fluchtwege sind allesamt ein Umweg. Es fehlt hier

ein Fluchtwegeplan, wie in öffentlichen Gebäuden Vorschrift, und

um ein solches handelt es sich hier doch. Das einzige was hier,

in diesem Theaterbau, zu finden ist, ist dieser Fluchtumwegeplan

hier, den ich mir auch denken hätte können, nicht wahr?

Gregor Holzinger C 2003

SOPHIE

Der Fluchtumwegeplan


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XII - Angelo ST/A/R 89


90 ST/A/R

Buch V - MUMOK

Nr. 06/2005

Iwan Kljun, Ohne Titel, undatiert, 35,1 x 35,2 cm,

Courtesy Staatliches Museum für Zeitgenössische Kunst Thessaloniki

Alexander Rodtschenko, Konstruktion auf weißem Hintergrund

(Roboter), 1929, 144 x 94,3 cm, (c) VBK Wien, 2005

DIE SAMMLUNG COSTAKIS

Licht und Farbe in der Russischen

Avantgarde 1910-1930

Der in Moskau lebende Grieche George Costakis

(1913 – 1990) war eine der bedeutendsten

Sammlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts,

der im Russland der Nachkriegszeit über Jahrzehnte

hin Werke russischer Avantgarde-Künstler erwarb.

Heute zählt die Sammlung Costakis mit Werken von

Kasimir Malewitsch, Wladimir Tatlin, Ljubow Popowa,

Olga Rosanova, El Lissitzky, Alexander Rodtschenko,

Iwan Kljun u.a. zu den wichtigsten internationalen

Kunstsammlungen. Unter dem Aspekt von Licht

und Farbe stellt das MUMOK in einer 300 Werke

umfassenden Präsentation die Sammlung Costakis

erstmals in Österreich vor.

Ausstellung bis 19. Juni 2005

Kasimir Malewitsch, Schwarzes Viereck, undatiert, 17 x 24 cm

Courtesy Staatliches Museum für Zeitgenössische Kunst Thessaloniki

Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig Wien,

Öffnungszeiten: Di bis So 10.00 – 18.00 Uhr,

Do 10.00 – 21.00 Uhr

George Costakis

In exemplarischer Weise veranschaulicht die Sammlung

Costakis die Entwicklung der russischen Moderne.

Beginnend mit einigen noch dem Symbolismus

verpfl ichteten Werken ist der Kubo-Futurismus der

Jahre nach 1910 mit Ljubow Popowa und Iwan Kljun

ein erster Schwerpunkt. Mit Exponaten von Wladimir

Tatlin oder Alexander Rodtschenko folgen prominente

Beispiele konstruktivistischer Tendenzen. Höhepunkte

sind Werke aus dem Suprematismus und besonders

von Kasimir Malewitsch, der diese Theorie der „reinen

Gegenstandslosigkeit“ entwickelte, indem er ein

schwarzes Quadrat auf weißen Grund setzte. Gezeigt

werden ebenso Theater- und Industriedesign wie Arbeiten,

die in Zusammenhang mit dem Moskauer Institut für

Künstlerische Kultur (INChUK) entstanden sind.

Wichtige Künstlerpersönlichkeiten wie El Lissitzky,

Alexander Rodtschenko, Varvara Stepanova, Iwan

Kudriashev und Kliment Redko sind mit ihren Werken

vertreten.


Nr. 06/2005

Buch V - MUMOK ST/A/R 91

Das Jahr des Sammelns – MUMOK

Sommer 2005 bis Sommer 2006

Das Sammeln von Kunst nach höchsten qualitativen Richtlinien und spezifi schen Konzepten ist die zentrale Aufgabe,

die Museen von anderen Ausstellungshäusern und Kunstinstitutionen unterscheidet. Sammlungen als lebendige und

wissenschaftlich erschlossene Archive der Geschichte begründen den Anspruch der Museen auf eine führende Rolle in

der Darstellung und Beurteilung der Gegenwartskunst. Das Museum als erstes und wichtigstes Kompetenzzentrum der

Kunst ist jedoch längst in Frage gestellt.

Das Museum zeigt neben der konsequenten Fortsetzung seiner eigenen Sammlungspräsentation unterschiedlich

strukturierte Privatsammlungen, um Vergleiche und Differenzierungen zwischen öffentlichen und privaten Sammlungen

ebenso zu ermöglichen wie zukünftige Perspektiven der Annäherung und der Kooperation aufzuzeigen. Eine eigene Schau

ist der Privatsammlung EVN gewidmet; eine weitere Präsentation stellt ein Herzstück des MUMOK vor, die Sammlung

Ludwig, und eine große Sammelausstellung ist dem Thema „Moderne und Gegenwartskunst in österreichischen

Privatsammlungen“ gewidmet. Das Jahr 2006 beginnt mit der Ausstellung der Kunstsammlung der „Ersten Bank Gruppe“.

Parallel dazu wird die Privatsammlung des bulgarischen Künstlers und Sammlers Plamen Dejanoff gezeigt.

„Meisterwerke aus der Sammlung Ludwig“

14. Juli 2005 – 18. September 2005

1977 wurde im Wiener Künstlerhaus die Ausstellung „Kunst um 1970“ gezeigt, eine

Auswahl aus der Sammlung des deutschen Industriellenehepaars Irene und Peter Ludwig.

In der Folge wurde vertraglich vereinbart, dass das Ehepaar Ludwig für vorerst fünf Jahre

mehr als 100 Werke der internationalen Gegenwartskunst leihweise zur Verfügung stellt.

Der Großteil dieser Arbeiten wurde später in die 1981 vom Ehepaar Ludwig und der

Republik Österreich gegründeten Österreichischen Ludwigstiftung eingebracht und somit

dauerhaft für Wien gesichert. Die Ausstellung erinnert an diese wichtige Initialzündung

für die weitere Entwicklung des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig.

„Nach Rokytnik – Die Sammlung der EVN“

03. Juli 2005 - 18. September 2005

Im Rahmen der Präsentation einer Reihe renommierter Privatsammlungen stellt das

Museum ausgewählte Arbeiten aus der EVN-Sammlung vor. Von professionellen

Juroren aus dem internationalen Kunstbetrieb ausgewählt, präsentiert diese seit 1995

bestehende Privatsammlung die aktuelle internationale Kunstentwicklung der letzten ca.

20 Jahre. Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf Arbeiten, die traditionelle Medien wie

Malerei und Skulptur neu denken und formulieren sowie auf Kunst, die Zivilisation und

Natur als energetische Ressourcen und prozessuale Themen vorstellen. Gezeigt werden

Arbeiten u.a. von Angela Bulloch, Maurizio Cattelan, Peter Doig, Marlene Dumas, Franz

Graf, Lois Weinberger und Gerwald Rockenschaub.

John de Andrea, Woman on Bed, 1974, Polyester und Fiberglas, mit Ölfarbe

bemalt, Lebensgröße, © John de Andrea, Museum moderner Kunst Stiftung

Ludwig Wien

„Nouveau Realisme“

21. Juli 2005 – 30. Jänner 2006

Der Nouveau Réalisme ist eine Bewegung um jene Künstler, die 1960 mit Pierre Restany

das Manifeste des Nouveaux Réalistes unterschrieben haben. Arman, Francois Dufrene,

Raymond Hains, Yves Klein, Martial Raysse, Daniel Spoerri, Jean Tinguely, Jacques

de la Villeglé, César, Mimmo Rotella, Niki de Saint-Phalle, Gérard Deschamps und

Christo schlossen sich formell zu einer Gruppe zusammen, die sich – im Gegensatz zum

abstrakten Expressionismus – um ein neues Verständnis von Realität bemühte.

César, Compression Mobil, 1960,

Gepresste Ölkanister der Marke Mobil,

61 x 40 x 35 cm, © VBK Wien, 2003,

Museum Moderner Kunst Stiftung

Ludwig Wien

Jitka Hanzlowá, Rokytnik,

1990-94, C-Print, 11 Teile

(davon 1 Teil), 28 x 19 cm,

Courtesy evn sammlung,

Maria Enzersdorf

„Entdecken und Besitzen –

Einblicke in österreichische Privatsammlungen“

07. Oktober 2005 – 27. November 2005

Mit der Ausstellung Entdecken und Besitzen stellt das MUMOK die Frage nach dem

Ist-Stand privater Sammlungsaktivitäten in diesem Lande und verweist auf die auch

hierorts zunehmende Bedeutung, die einer engagierten Sammlerschaft im Kunstbetrieb

zukommt.

Helmut Federle, Basics on

Composition/für Claude Debussy,

1993, Öl auf Leinwand

40 x 50 cm, © Helmut Federle,

Courtesy Sammlung Wojda Wien

„Kontakt – Die Sammlung der Erste Bank Gruppe“

9. März 2006 – 18. Juni 2006

Mit der Ausweitung ihrer ökonomischen Interessen in den zentral- und osteuropäischen

Bereich verfolgt die Erste Bank auch die Neukonzeption einer Kunstsammlung, die Werke

aus diesem Bereich beinhaltet. Dabei ist das Sammlungsprofi l auf innovative Positionen

innerhalb der Kunst der osteuropäischen Länder seit den 60er Jahren ausgerichtet.

Die Sammlung umfasst international relevante Werke, die unter der kommunistischen

Herrschaft dieser Länder keine öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung fi nden

konnten, die aber zeigen, welches avantgardistische Potenzial die inoffi zielle Kunst dieser

Länder beinhaltete. Die Erste Sammlung repräsentiert damit ein bislang vernachlässigtes

Kapitel internationaler Kunstentwicklung und leistet deren Intergration in den laufenden

Kunstdiskurs.

Julius Koller, Universelle Physkulturelle

Operation – Verteidigung (U.F.O.), 1970,

Fotografie, 23 x 17,3 cm, Courtesy Die

Kunstsammlung der Erste Bank Gruppe


Städteplanung / Architektur / Religion Buch V - MUMOK

ST/A/R 93

JOHN BALDESSARI - A Different Kind of Order

(Arbeiten 1962 – 1984) 4. März – 3. Juli 2005

Rainer Ganahl, Road to War – aktuelle Ausstellung MUMOK Factory

Freihändig am Fahrrad mit der Videokamera gegen die Einbahn im Nahen Osten

A Two-Dimensional Surface, 1967, Acryl auf Leinwand, Gerahmt 145,7 x 171,5 cm, Courtesy John Baldessari, Santa Monica, California

Mit seinen medienbezogenen Malereien, Fotoarbeiten,

Videoperformances, Filmen, Plakaten und Büchern zählt

der amerikanische Künstler John Baldessari (geb. 1931) seit

den 60er Jahren zu den bedeutendsten und vielseitigsten

Vertretern konzeptueller Kunst. Das MUMOK zeigt gemeinsam

mit dem Kunsthaus Graz eine Retrospektive, die erstmals

einen repräsentativen Überblick über Baldessaris bisheriges

Gesamtwerk gibt. Während im MUMOK das Schaffen vom

bahnbrechenden Frühwerk bis in die beginnenden 80er Jahre

zu sehen ist, werden in Graz die neueren, seit den 80er Jahren

entstandenen Arbeiten gezeigt.

Das Spektrum der rund 100 gezeigten Arbeiten reicht von

frühen abstrakten Malereien, Text- und Fototextmalereien, über

Videoperformances, Filme, Fotoserien, Werkskizzen und Bücher

bis zu raumbezogenen Fotoinstallationen der frühen 80er Jahre.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (deutsch/englisch) mit

Texten von John Baldessari, Marie Brugerolle, Winfried Pauleit,

Rainer Fuchs, Anne Rorimer und einem Interview von Matt

Mullican mit John Baldessari.

Rainer Ganahls Arbeit setzt sich zentral mit Sprache und deren

Verwendung in den aktuellen Medien auseinander. Die Sprache

wie die Bilder aktueller zeitgeschichtlicher Ereignisse werden in seinen

Werkserien verarbeitet. So sind die politischen und kriegerischen

Konfl ikte im Gefolge des Terroranschlages vom 11.9.2001 sowie deren

Darstellung in den Medien wesentliche Themen in den neuen Arbeiten.

Die Websites bekannter Nachrichtenagenturen werden in Form von

Malerei festgehalten und eingefroren; auf Keramiktafeln und Stickbildern

sind Medienschlagzeilen und Stellungnahmen von Betroffenen einander

gegenübergestellt. Unterschiedliche Informationssysteme, Kulturen und

Ideologien sind so in einem Dialog offener Widersprüche miteinander

verknüpft. Ganahl verleiht den Opfern der sogenannten Weltpolitik eine

eigene Stimme und defi niert durch seine Auseinandersetzung mit dem

Fremden einen möglichen Dialog des Verstehens.

Thomas Redl

Jacques Le Goff schreibt über die Arbeit von Historikern und der im

kolltektiven Gedächtnis sedimentierten Erinnerung:

„Zunächst, weil es mindestens zwei Geschichten gibt […]: diejenige der

kollektiven Erinnerung und diejenige der Historiker. Erstere erscheint

im Wesentlichen mythisch, verformt und anachronistisch. Aber sie

ist die gelebte, niemals endende Beziehung zwischen Gegenwart und

Vergangenheit. Es ist zu wünschen, dass die historische Information,

die die Fachhistoriker verfügbar machen und die die Schulen und – so

sollte es zumindest sein – die Massenmedien verbreiten, diese falsche

traditionelle Geschichte korrigiert. Geschichte soll die Erinnerung

erhellen und ihr helfen, ihre Fehler zu berichtigen.“

Jacques Le Goff, Geschichte und Gedächtnis, Berlin 1999, S. 149 f.

Aktuelle Ausstellung bis 5. Juni 2005, MUMOK Factory,

Kurator Rainer Fuchs, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien.

Chicken Memories, 1970, Farbpolaroids auf Papier, 1 Text, gerahmt je 16,5 x 12,7 cm,

Courtesy of the Artist and Marian Goodman Gallery, New York

John Baldessari

Geboren 1931 in National City, Kalifornien, lebt und arbeitet in Santa Monica, Kalifornien, John Baldessari besuchte das San Diego State College und setzte

anschließend seine Studien am Otis Art Institute (Los Angeles), am Chouinard Art Institute (Los Angeles) und an der University of California in Berkely fort.

Bis 1990 unterrichtete er am California Institute of the Arts in Valencia und ist derzeit Professor an der University of California, Los Angeles.

Zu seinen Studenten zählten u.a. Matt Mullican, Paul McCarthey und Mike Kelley. Baldessaris Werke wurden bislang in mehr als 120 internationalen

Einzelausstellungen und über 300 Gruppenausstellungen gezeigt. Darunter mehrfache Documenta- und Biennale-Teilnahmen.

Rainer Ganahl

Geboren in Bludenz; lebt und arbeitet in New York.

Studium der Philosophie und Geschichte; Studium bei Peter Weibel an der Hochschule für angewandte Kunst, Wien;

Kunstakademie Düsseldorf (Nam June Paik); Independent Study Program, Whitney Museum, New York. Zahlreiche

internationale Einzel- und Gruppenausstellungen; 1999 Teilnahme an der 48. Biennale in Venedig.


94 ST/A/R

Buch V - MUMOK

Nr. 06/2005

Ë Fortsetzung von Seite 89

nicht ausreichen und für die Zukunft schon gar

nicht, da kann nicht jeder machen, was er will.

Da müssen die Mittel konzentriert werden.

TR: Die Quotenfrage ist in den letzten 15

Jahren nie so populistisch diskutiert worden

wie jetzt; jetzt gibt es ein Gegeneinander der

Häuser, das sich in den Medien widerspiegelt.

Und bei diesem künstlichen Spiel des Rankings

und des Populismus, ‚stellt sich die Frage,

ob das einer konzentrierten Sammlungs- und

Ausstellungstätigkeit gut tut?

EK: Nein, absolut nicht. Wir müssen wieder die

Ausstellungstätigkeit von der Museumstätigkeit

trennen. Es hat ja früher auch das Prinzip gegeben,

dass die Ausstellungstätigkeit eines Museums mit

seiner Sammlung zusammenhängt; zum Beispiel

die Albertina, die hat keinen einzigen Mondrian,

den einzigen Mondrian in Wien hat unser Museum,

aber sie machen die Ausstellung, weil sie eben

Gegengeschäfte machen, mit tausenden von

attraktiven Sammlungs-Tauschgegenständen.

Also die Ausstellungstätigkeit hängt dort

überhaupt nicht zusammen mit dem Bestand

der Sammlung. Und die Argumentation, dass

man mit den Sammlungen nicht arbeiten kann,

ist natürlich absolut hanebüchen. Wenn die

Sammlungsgegenstände ständig in der Welt

herumgezeigt werden, dann kann ich sie im

eigenen Haus natürlich genauso zeigen. Natürlich

kann man mit den Sammlungen der Albertina ein

volles Programm machen, ohne ständig Schiele

zu zeigen.

TR: Um auf das Schwerpunktthema des

MUMOK 2005, 2006: DAS JAHR DES

SAMMELNS zurückzukommen. Der Fokus der

Ausstellungsreihe liegt also auf der Verbindung

von privaten und von der Wirtschaft entwickelten

Sammlungen, die in einem musealen Kontext

gezeigt werden; somit wird auch die gegenseitige

Kooperation unterstützt.

EK: Ich glaube, dass es grundsätzlich Kontakt

geben muss zwischen den Bürgern und dem

Museum. Ein Museum, mit dem Anspruch ein

nationales Museum zu sein für internationale

Kunst, ein Bundesmuseum, eine staatliche

Sammlung, sollte ein Anliegen des Bürgers

werden, wie in der Schweiz oder in Köln oder

wie in München die neue Pinakothek. 80% der

Objekte dieser Sammlungen sind Schenkungen

von Firmen und Privatleuten. Die Bürger der

Städte haben ihre Sammlungen aufgebaut, ihre

Museen.

In Köln sind 7 von 8 Museen private Stiftungen,

die in öffentlichen Besitz übergegangen sind.

Alles dort sind Schenkungen und Stiftungen,

und bei uns in Österreich gibt es das in diesem

Jahrhundert nicht.

TR: Gezeigt werden in der Ausstellungsreihe die

Sammlung der EVN, die Sammlung der Erste

Bank-Gruppe, die Sammlung Ludwig, Einblicke

in österreichische Privatsammlungen; damit

wird ein Querschnitt gegeben von wichtigen

österreichischen Unternehmen, die sammeln,

einerseits und andererseits von Privatpersonen,

die ihre Sammlungen zeigen.

EK: Es gibt ja viele Firmen, die Sammlungen

haben. Wir haben die genommen, die professionell

sind, mit Fachleuten gemacht werden, die ein

Konzept haben, das sind die EVN und die Erste

Bank-Sammlung. Und dann eben der Fokus auf

Privatsammlungen in diesem Land, wobei wir die

Sammler ausgelassen haben, die selber Häuser

besitzen und Präsentationsmöglichkeiten haben,

wie Essl, Leopold - der mit ungebrochenem

Elan weitersammelt, sehr bunt, sehr dicht und

sehr breit offensichtlich -, und auch Francesca

Habsburg ist eine österreichische Sammlerin,

die auch ihre eigenen Räume hat; oder Herrn

Liaunig, der sich gerade ein Museum baut, oder

Herr Haselsteiner (Strabag), der auch gewisse

Ambitionen hat und Gironcoli-Plastiken zeigt.

TR: Ich möchte auf ihre Biografie zurückkommen.

Sie waren ja über 10 Jahre Leiter der Secession

Wien, dann Leiter des Kunsthauses Bregenz. Ich

kann mich noch erinnern, als ich studiert habe,

bin ich in die Secession gepilgert und habe mir

dort Förg oder Kosuth angeschaut. Sie blicken

jetzt auf eine zwanzigjährige Tätigkeit in der

Kunstszene zurück, im aktuellen Diskussionsfeld

der zeitgenössischen Kunst. Wie sehen Sie jetzt

Ihre Weiterentwicklung, Ihre Position in Zukunft?

EK: Meine Position hat sich natürlich insofern

völlig geändert, als ich immer eine Kunsthalle

geleitet habe, und eine Kunsthalle eben nur

Ausstellungen macht und auch Sammlung

repräsentiert, aber keine Sammlung macht. Ich

habe auch versucht, die Häuser, die ich geleitet

habe, in einem Umfeld zu positionieren und zu

sehen, was passiert und was nicht, und wo ein

Betätigungsfeld oder eine Nische ist, die dieses

Haus ausfüllen könnte, wobei ich auch immer an

die Tradition des Hauses gedacht habe, wenn es

nicht ein neues Haus war, wie in Bregenz.

Jetzt bin ich in einem Museum, und ich bin

plötzlich ein ganz fanatischer, altmodischer

Museumsmensch geworden, weil ich sehe, dass

das Museum als Idee gefährdet ist und es kein

langfristiges Konzept mehr gibt. Wir brauchen

das Museum aber als Bildungseinrichtung,

als unabhängige Anstalt, weil wir sehen, wie

woanders Galerien und Privatsammler das

Ruder übernehmen. Ich fi nde, wir brauchen das

Museum als unabhängige moralische Anstalt, als

Kompetenzzentrum.

Wichtig sind eben Kompetenz, fokussiert auf die

Inhalte des Museums und Unabhängigkeit vom

Kunstmarkt.

Wir brauchen Museen im „traditionellen Sinn“,

obwohl wir wissen, dass höchstens 30% der

Menschen wegen der Sammlung ins Museum

gehen und 70% wegen der Sonderausstellungen.

Ich habe die Minimalerfordernisse für das

MUMOK in einem Konzept für die nächsten

10 Jahre definiert: ein Haus mit ca. 8.500 m2

Raumvolumen, das die klassische Moderne als

Bildungsauftrag immer zeigt, damit man die

Geschichte der Moderne, ihre Hauptlinien, ihre

Zusammenhänge verfolgen kann, die Kunst

zwischen 1955 und 1975, wo ansatzweise alles

Wesentliche passiert ist, was maßgeblich bis

heute ist. Das sollten wir immer zeigen können,

das ist unsere museologische Basisarbeit; die

andere ist, dass wir die Sammlung für die Zukunft

weiterentwickeln, damit wir einmal auch von

der heutigen Gegenwartskunst eine Sammlung

haben, die man in Zukunft als repräsentativ

zeigen kann.

GÜNTER BRUS - FOTOEDITION DER AKTIONEN 1964/65

„Dass sich noch heute ein dichter und überzeugender Eindruck davon gewinnen lässt, was man im Rückblick nach 40

Jahren als Initiation der „Körperkunst” bezeichnen kann, verdankt sich der filmischen und fotografischen Dokumentation

des Ereignisses: Ludwig Hoffenreich, Kurt Kren und Otto Mühl waren anwesend - und Siegfried Klein, dessen mit dem

Namen „Khasaq” gezeichnete Fotografien bisher nur in wenigen Beispielen bekannt waren. Günter Brus hat nun erstmals

eine Auswahl aus diesen Aufnahmen getroffen, die Julius Hummel in 4 Portfolios herausgibt: Der flimmernde Rausch, den

Krens Film uns bisher vermittelt hat, und den Ludwig Hoffenreichs quasi distanzierte Dokumente geradezu komplementär

ergänzten, gewinnt durch diese Bilder eine neue Dimension: Khasaq dokumentierte das Ereignis nicht, sondern lebte

sich hinein, wechselte die Distanz und den Blickpunkt, folgte mit dem Blick nicht nur dem Künstler selbst, sondern

wanderte mit ihm durch den Raum, folgte der geschleuderten Farbe, dem entfesselten Geschehen.”

Dr. Monika Faber, Albertina Wien, zu S. Kleins (Khasaq) Fotos der Aktion „Ana”, 1964

Herausgegeben von der „Galerie Hummel” und der „Sammlung Friedrichshof” entstehen Fotoeditionen der frühen Aktionen

von GÜNTER BRUS:

„Ana”, 1964; „Silber”, 1964; „Selbstverstümmelung”, 1965

Fotograf: Siegfried Klein (Khasaq)

Die erste der 4 Aktionen, „Ana”, 1964, erscheint in je vier Portfolios à 12 Fotos (Silbergelatineabzüge 39,5 x 30 cm

auf Museumskarton 60 x 50 cm) in einer Leinenkassette und einem Vorwort von Dr. Monika Faber, Albertina Wien.

Jedes Foto ist von Günter Brus signiert und autorisiert. Die Mappen erscheinen in einer Auflagenhöhe von je 35 Stück.

Galerie Julius Hummel · Bäckerstraße 14 · A-1010 Wien · Tel.: 512 12 96 · Fax: 512 12 964

Mail: galerie.hummel @ chello.at · Öffnungszeiten: Di-Fr 15-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr


Nr. 06/2005

Buch V

ST/A/R 95

Günter Brus

„Selbstverstümmelung”, 1965, Fotoedition 2004, Foto: Siegfried Klein (Khasaq), Schwarzweißfotografie auf

Silbergelatinepapier,39,5 x 30 cm (auf Karton 60 x 50 cm), Copyright Sammlung Friedrichshof / Galerie Hummel


96 ST/A/R Buch V - MUMOK

Nr. 06/2005

Thomas Redl, aus dem Buch S. Galgano, Tusche und Beize auf Buchseite, 1998

Palazzo nel Vento

Palazzo nel Vento

[…] Freiheit, dort, wo der Wind seine Paläste baut, wo der Geist sich beflügelt, in der Leichtigkeit der Wolkenmeere, in die Architektur des Himmels. […]

Thomas Redl, aus dem Textzyklus „Doch das genügt nicht“, San Galgano (Toskana), Mai 1997

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine