01.10.2023 Aufrufe

HIM Magazine No. 22

Morgenstund hat Gold im Mund?! Da wissen wir etwas Besseres, wie wäre es mit einer schönen Morgenlatte? Aber warum ist unsere morgendliche Erektion eigentlich so besonders? Und was lässt sich am besten damit anfangen? Wir klären dich auf! Im Exklusiv-Interview verrät uns dann Cockyboys-Superstar Greyson Myles, warum wir mit dem sexy Südstaaten-Boy ausreiten sollten – bei seinem Knackarsch können wir nicht widerstehen. Die ganze Welt der süßesten Jungs legt uns dann noch der junge Kanadier Kelvin zu unseren Füßen – bei diesen Zeichnungen hyperventilieren wir sofort! Dazu packen wir die lüsternen Kerle des Topfotografen Richard Kranzin und verraten euch, mit welchen Strategien eine Master & Slave Beziehung richtig erfolgreich wird. Außerdem zeigen wir euch, dass ein Coming-Out auch wunderbar sein kann und unser BDSM-Quiz räumt auf mit den Fetisch-Klischees. Zu guter Letzt nehmen wir dich mit auf einen kinky-kunstvollen Tripp nach London und sagen dir, wo du definitiv die heißesten Männer triffst! Also, eine Hand für die Morgenlatte, die andere für das HIM MAGAZINE im Oktober – versprochen?

Morgenstund hat Gold im Mund?! Da wissen wir etwas Besseres, wie wäre es mit einer schönen Morgenlatte? Aber warum ist unsere morgendliche Erektion eigentlich so besonders? Und was lässt sich am besten damit anfangen? Wir klären dich auf! Im Exklusiv-Interview verrät uns dann Cockyboys-Superstar Greyson Myles, warum wir mit dem sexy Südstaaten-Boy ausreiten sollten – bei seinem Knackarsch können wir nicht widerstehen. Die ganze Welt der süßesten Jungs legt uns dann noch der junge Kanadier Kelvin zu unseren Füßen – bei diesen Zeichnungen hyperventilieren wir sofort! Dazu packen wir die lüsternen Kerle des Topfotografen Richard Kranzin und verraten euch, mit welchen Strategien eine Master & Slave Beziehung richtig erfolgreich wird. Außerdem zeigen wir euch, dass ein Coming-Out auch wunderbar sein kann und unser BDSM-Quiz räumt auf mit den Fetisch-Klischees. Zu guter Letzt nehmen wir dich mit auf einen kinky-kunstvollen Tripp nach London und sagen dir, wo du definitiv die heißesten Männer triffst! Also, eine Hand für die Morgenlatte, die andere für das HIM MAGAZINE im Oktober – versprochen?

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OKT<br />

23<br />

Fetisch ∙ Lifestyle<br />

www.him-magazine.de<br />

Was macht die morgendliche Erektion so besonders?<br />

DIE MORGENLATTE<br />

Exklusiv-Interview mit Greyson Myles<br />

EIN ARSCH ZUM NÜSSE KNACKEN<br />

Die heißen Bilder des jungen Kanadiers Kelvin<br />

DIE WELT DER<br />

UNBEGRENZTEN<br />

FANTASIE<br />

Sechs Punkte für ein erfolgreiches Miteinander<br />

DAS GEHEIMNIS VON MASTER &<br />

SLAVE BEZIEHUNGEN


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Das ist drin.<br />

04<br />

DIE MORGENLATTE<br />

Was macht die morgendliche<br />

Erektion so besonders?<br />

10<br />

Die intimen<br />

Fotografien von<br />

Richard Kranzin<br />

16<br />

EIN ARSCH ZUM NÜSSE KNACKEN<br />

Exklusiv-Interview mit Greyson Myles<br />

24 26<br />

Das sexy Bdsm-<br />

Quiz<br />

Das Coming Out<br />

28<br />

DIE WELT DER UNBEGRENZTEN<br />

FANTASIE<br />

Die heißen Bilder des jungen Kanadiers<br />

Kelvin<br />

36<br />

DAS GEHEIMNIS VON MASTER &<br />

SLAVE BEZIEHUNGEN<br />

Sechs Punkte für ein erfolgreiches<br />

Miteinander<br />

48<br />

Zwerge, Jungfrauen<br />

und woke<br />

Retter<br />

50 52<br />

Comeback der<br />

Affenpocken?<br />

London im<br />

Herbst


Lifestyle<br />

4<br />

Wir alle kennen sie, wir alle<br />

lieben sie – unsere Morgenlatte.<br />

Kann der Start in den Tag<br />

besser ausfallen, als mit harter<br />

Männlichkeit, die einen früh<br />

morgens empfängt? Allerdings<br />

soll es gerüchteweise Männer<br />

geben, die nicht jeden Morgen<br />

direkt Sex im Sinn haben – wie<br />

gesagt, Gerüchte! Wir alle<br />

kennen allerdings auch den<br />

Versuch, mit steifem Schwanz<br />

morgens zu pinkeln, wenn die<br />

Blase ihren Tribut verlangt – und<br />

das zumeist dann irgendwie<br />

nicht wirklich toll funktioniert.<br />

Und obwohl wir viele unserer<br />

Tage mit eben jener Morgenlatte<br />

beginnen, ranken sich darum<br />

bis heute noch viele Mythen<br />

und Halbwahrheiten. Kann eine<br />

Morgenlatte vielleicht sogar<br />

gefährlich sein? Hat der Ständer<br />

früh morgens überhaupt etwas<br />

mit Lust und Sex zu tun? Und<br />

was finden einige Kerle so<br />

besonders anziehend an eben<br />

jenen Fahnenmasten, dass sie<br />

am besten jeden Tag sofort<br />

einfach nur unter die Bettdecke<br />

eines anderen Kerls krabbeln<br />

wollen?<br />

Zwischen Mythos, Lust und<br />

neuen Erkenntnissen<br />

DIE<br />

MORGEN<br />

LATTE


5<br />

Lifestyle<br />

Wie entsteht eine Morgenlatte?<br />

Eine volle Blase ist zuständig für unsere morgendliche Steifheit<br />

– oder? Wenn du das denkst, liegst du leider falsch. Entgegen<br />

aller Mythen und Halbwahrheiten hat eine Erektion am Morgen<br />

nichts mit einer vollen Blase zu tun, wie mehrere Studien der<br />

letzten Jahre offenbarten. Tatsächlich gibt es bis heute keine einhellige<br />

Meinung unter den Experten darüber, die Forscher sind<br />

sich uneins. Grundsätzlich passiert erst einmal folgendes: Blut<br />

fließt in deinen Penis und lässt ihn steif werden. Die derzeit favorisierte<br />

Annahme ist ein physiologischer Mechanismus während<br />

der Tiefschlafphase, auch REM- oder Traum-Phase genannt. In<br />

dieser Zeit kann es zu einer unwillkürlichen »Überaktivität« der<br />

Nerven kommen, sodass schlussendlich ein Ständer dabei rauskommt<br />

– noch dazu beschleunigen sich durch diese REM-Phase<br />

auch Puls und Atmung, dadurch wird dein bestes Teil überdies<br />

stärker durchblutet und intensiv mit Sauerstoff versorgt.<br />

Sicherlich hilft es allerdings außerdem dabei, wenn man im<br />

Traum gerade Sex mit einem heißen Kerl hat. Aber: Eine sexuelle<br />

Stimulation ist nicht zwingend nötig – und ebenso wenig kommt<br />

es normalerweise abseits der Pubertät (der berühmte »feuchte<br />

Traum«) zu einem Samenerguss. Spritzt du als erwachsener<br />

Mann im Traum ab, dann meist deswegen, weil dein letzter<br />

Cumshot schon eine Weile zurückliegt. Eine Erektion während<br />

unserer Traumphase ist dabei übrigens keine Seltenheit, im<br />

Durchschnitt haben wir Männer jede Nacht drei bis fünf davon<br />

– fällt eine dieser Erektionen in die Aufwachphase, kommt es<br />

zur berühmten Morgenlatte. Hello, good old friend!<br />

Ist eine Morgenlatte gefährlich?<br />

Nein! Ganz im Gegenteil sogar, eine Morgenlatte ist ein gutes<br />

Signal dafür, dass mit deinem Schwanz alles in Ordnung ist. Allerdings<br />

sollten Morgenlatten auch bald nach dem Aufwachen<br />

verschwinden – entweder durch Handanlegen deinerseits oder<br />

schlicht auch von ganz alleine. Gefährlich wird es nur, wenn<br />

die Versteifung ungewollt über eine längere Zeit anhält – das<br />

gilt natürlich auch für harte Schwänze tagsüber. Man spricht<br />

von einem Priapismus (Dauererektion). Das kann natürliche<br />

Ursachen haben, zumeist aber haben Kerle chemisch nachgeholfen,<br />

sei es nun durch Tabletten oder Injektionsspritzen, die<br />

den Schwanz unnatürlich lange steif bleiben lassen. Gleiches<br />

gilt beim Spiel mit Penispumpen. Bleibt unser Penis länger und<br />

»grundlos« hart, sollte man schnell einen Arzt beziehungsweise<br />

die <strong>No</strong>taufnahme aufsuchen, denn ein Dauerständer mag im<br />

ersten Moment zwar sexy klingen, führt aber am Ende dazu,<br />

dass Gewebe absterben kann – dann ist es schlimmstenfalls die<br />

letzte Erektion deines Lebens gewesen und das kann nun wirklich<br />

keiner wollen.<br />

Tote Hose am Morgen?<br />

»Wenn ich morgens keine Erektion habe, stimmt was nicht – ich<br />

bin krank, habe vielleicht Diabetes, leide unter einer erektilen<br />

Dysfunktion oder meine Libido ist gleich ganz im Arsch (was<br />

für ein schönes Wortspiel!).« Alle diese Gedanken sind zunächst<br />

einmal falsch. Natürlich kann das Ausbleiben einer Morgenlatte<br />

gerade über einen längeren Zeitraum ein Indiz dafür sein, dass<br />

irgendetwas nicht einwandfrei läuft und ja, das können sowohl<br />

körperliche gesundheitliche Gründe wie aber auch mentale<br />

Blockaden sein, ABER: Erst einmal bitte keine Panik. Oftmals<br />

reicht es bereits aus, dass unser Schlafzyklus einfach verschoben<br />

ist oder du anderweitig eine »nicht normale« Nacht hattest,<br />

beispielsweise, weil dir zu warm im Bett war und du nicht wie<br />

gewohnt in deinen Schlaf gefunden hast, und schon kann es<br />

passieren, dass das Aufwachen selten oder gar nicht in eine<br />

REM-Schlafphase hineinfällt – und damit eben auch die Erektion<br />

ausbleibt.<br />

Grundsätzlich kann eine Erektion am Morgen ein wunderbarer<br />

Gradmesser für deine Gesundheit sein – bleibt diese morgens<br />

stets aus, aber ansonsten tagsüber ist es für dich kein Problem,


Lifestyle<br />

6<br />

einen Ständer zu bekommen, könnten<br />

psychische Probleme vorliegen. Andersherum<br />

geht es auch, sprich, du leidest<br />

unter einer erektilen Dysfunktion, hast<br />

aber Morgenlatten, dann ist körperlich<br />

bei dir wahrscheinlich alles in Ordnung<br />

und die Fehlersuche beginnt auch hier im<br />

Kopf. Bleibt eine Erektion sowohl tagsüber<br />

wie nachts aus, sollte man tatsächlich<br />

einen Facharzt (Urologen) aufsuchen.<br />

Das Gute dabei: In den allermeisten Fällen<br />

lassen sich erektile Dysfunktionen behandeln.<br />

Aber wie gesagt: Hast du nicht jeden<br />

Morgen eine Latte, ist das noch gar kein<br />

Grund, gleich die Krise zu schieben – erst<br />

einmal entspannen.<br />

Morgenlatte? Bitte nicht!<br />

Es gibt Tage, da ist uns die Morgenlatte<br />

dann gar nicht willkommen, zumeist<br />

dann, wenn unser Schwanz entweder<br />

ein eigenständiges Leben lebt – und das<br />

tut er fast immer, Jungs –, oder wenn er<br />

früh morgens eben zu voller Pracht sich<br />

streckt und reckt, während wir nicht<br />

alleine sind. Ist an unserer Seite ein Kerl,<br />

dem das gefällt, kann es natürlich direkt<br />

weitergehen, immerhin ersetzt nichts<br />

den Wecker besser als eine Runde Sex<br />

am Morgen. Manchmal übernachten<br />

wir aber vielleicht bei (heterosexuellen)<br />

Freunden, sind als Jungs im Zeltlager oder<br />

anderweitig ist es dieses Mal nicht toll,<br />

jetzt seinen harten Kolben zu präsentieren.<br />

Leider lässt sich dagegen allerdings<br />

recht wenig machen, denn gesteuert wird<br />

unser bester Freund vom sogenannten<br />

vegetativen Nervensystem – wir können<br />

dieses zwar durch sexuelle Reize auslösen,<br />

können ihm allerdings nicht im Gegenzug<br />

sozusagen befehlen, Ruhe zu geben, wenn<br />

es uns gerade nicht passt. Aus unserer<br />

Jugend kennen wir das Phänomen,<br />

wenn wir beispielsweise während dem<br />

Schulunterricht plötzlich einen Ständer<br />

bekommen haben – das braucht wirklich<br />

niemand. Liegen wir im Bett, kann ein<br />

Stellungswechsel hilfreich sein, möglicherweise<br />

auch eine geistige Ablenkung<br />

mit einem anderen Thema. Einzwicken<br />

oder Wegdrücken ist zumeist keine clevere<br />

Idee, denn das kann je nach Fall wie ein<br />

Cockring kontraproduktiv wirken, sprich,<br />

das Blut bleibt jetzt erst recht im Schaft<br />

und dein Freund salutiert weiterhin vor<br />

dir – und allen möglichen Zuschauern.<br />

Die Morgenlatte als Game Changer?<br />

Unsere Morgenlatte kann dabei übrigens<br />

durchaus zu einem Game Changer für<br />

unsere Libido, unser Sexleben werden.<br />

Markus (38) aus Heidelberg erklärt uns<br />

das im <strong>HIM</strong>-Interview so: »Ich finde nichts<br />

geiler als eine Morgenlatte, das ist für<br />

mich einfach das Geilste und ich bin jeden<br />

Tag happy, wenn ich eine habe. Wenn du<br />

noch so halb im Traum versunken bist,<br />

dann deinen Schwanz anpackst und im<br />

Grunde sich Traumwelt, Fantasie und<br />

deine Libido vereinen, ist das schon etwas<br />

extrem Geiles. Tagsüber stimulieren wir<br />

uns natürlich auch gerne, denken an Sex<br />

mit anderen Jungs oder Kerlen, doch früh<br />

morgens ist alles noch ein wenig direkter,<br />

intensiver, ein Schwebezustand zwischen<br />

Realität und Fantasie.« Genau hier setzt<br />

unsere besondere Chance an, denn wenn<br />

wir es schaffen, diese kurze Zeit zwischen<br />

Traum und Realität zu verlängern<br />

und dabei mit unserer Lust und unserer<br />

Fantasie nach unseren Bedingungen<br />

mit Übung nach und nach immer besser<br />

spielen können, kann das unser Sexleben<br />

auch im restlichen Leben bereichern – es<br />

schafft Raum für mehr Vorstellungskraft,<br />

bereichert unsere Fantasie und die<br />

Möglichkeit, sich tief in unsere lustvollen<br />

Gedanken fallen lassen zu können; zudem<br />

kann uns das sogar ganz praktisch auf<br />

neue Ideen bringen, wie, wo und unter<br />

welchen Umständen wir das nächste Mal<br />

mit unserem Partner oder einem anderen<br />

»<br />

Als besonders empfinde ich meine<br />

Morgenlatte vor allem deswegen, weil<br />

das Gefühl so einzigartig ist. Ich wache<br />

auf und da ist der Moment, in dem ich<br />

sie das erste Mal spüre. Sie ist groß, hart<br />

und es fühlt sich wie ein wildes Tier an,<br />

das da unter meiner Bettdecke Spaß<br />

haben will – und zwar mit mir!<br />

Robin (<strong>22</strong>) aus Rostock


7<br />

Lifestyle<br />

Mann Sex haben wollen. Ein weiterer<br />

Pluspunkt ist unsere Fantasie selbst –<br />

während wir noch halb im Schlaf versunken<br />

sind, sind unsere zumeist negativen<br />

moralischen Benimm-Regeln noch<br />

nicht bei Besinnung, ergo können unsere<br />

lustvollen Gedanken frei und zügellos<br />

auf Wanderschaft gehen, alles ist erlaubt.<br />

Die Dinge, die wir uns sonst vielleicht aus<br />

Angst, Prägung oder Moralvorstellungen<br />

versagen, erlaubt sich unser Gehirn in<br />

diesem Moment frei auszuleben – das,<br />

zusammen mit einer Morgenlatte in der<br />

Hand, kann Grenzen sprengen, die – einmal<br />

überwunden – auch unser restliches<br />

Leben positiv verbessern können, weil<br />

wir lernen, mehr zu uns, unserer Sexualität<br />

oder vielleicht auch einfach mehr<br />

zu einem möglichen neuen Fetisch zu<br />

stehen.<br />

Das Biest unter der Bettdecke<br />

Ähnlich sieht das auch Robin (<strong>22</strong>) aus Rostock,<br />

der uns erklärte: »Für mich ist eine<br />

Morgenlatte immer etwas Besonderes. Ich<br />

bin jung und habe oft welche, trotzdem<br />

macht mich das jeden Morgen besonders<br />

an. Wenn ich nicht gerade einen wirklich<br />

wichtigen Termin habe, beginnt so jeder<br />

Tag erst einmal mit einer Wichsrunde bei<br />

mir. Besonders empfinde ich meine Morgenlatte<br />

aber vor allem deswegen, weil<br />

das Gefühl so einzigartig ist. Ich wache<br />

auf und da ist der Moment, in dem ich sie<br />

das erste Mal spüre. Sie ist groß, hart und<br />

es fühlt sich wie ein wildes Tier an, das<br />

da unter meiner Bettdecke Spaß haben<br />

will – und zwar mit mir. Und dabei bin ich<br />

es selbst. Oder anders gesagt, dieses wilde<br />

Tier lebt in mir, diese animalische Lust ist<br />

immer unterschwellig da, ein unfassbar<br />

intimes und geiles Gefühl. Frauen verpassen<br />

da echt was! Morgens im Bett fühlt<br />

sich alles realer an, jede Berührung, meine<br />

Vorhaut, der Geruch der Nacht zwischen<br />

meinen Fingern, wenn ich zuvor an der<br />

Eichel entlanggefahren bin. All das, was<br />

wir Zivilisation nennen, ist da noch nicht<br />

bei mir. Ich bin nur ein sexlüsternes,<br />

instinktgetriebenes Raubtier, ein Biest, ein<br />

geiler Boy, der ständig Lust hat – davon<br />

bekomme ich nicht genug. Ich fühle mich<br />

nie stärker mit mir selbst verbunden, wie<br />

morgens, wenn ich mit meiner Morgenlatte<br />

wichse und meinen ersten Orgasmus<br />

des Tages habe.«<br />

»<br />

Es ist unbeschreiblich, wenn die<br />

Kerle von einem Blowjob langsam<br />

wachwerden. Für eine Sekunde sind<br />

sie erstaunt, dann übernimmt sofort<br />

ihre Lust die Führung und sie lassen zu,<br />

dass ich ihren Schwanz immer tiefer in<br />

mich aufnehme und schießen mir dann<br />

zumeist eine echt große Ladung in den<br />

Rachen.<br />

Andreas (43) aus Dresden<br />

Sehnsuchtsobjekt Morgenlatte<br />

Doch auch für viele passive Kerle ist und<br />

bleibt die Morgenlatte ein Sehnsuchtsobjekt<br />

– weniger die eigne, als die eines<br />

anderen Mannes. »Ich bin meistens schon<br />

früh wach und gehe dann oft online,<br />

wenn die ersten Kerle in den Dating-Apps<br />

aufkreuzen und noch halb verschlafen<br />

mit steifem Schwanz nach einem anderen<br />

Mann suchen. Das ist meine Zeit. Ich<br />

liebe es, sie morgens zu besuchen, unter<br />

die Bettdecke zu kriechen und sie einfach<br />

gierig abzublasen. Zu dieser Tageszeit sind<br />

die Kerle am natürlichsten, ganz direkt.<br />

Versteht man das? Keine Klamotten, sie<br />

standen nicht zuvor ne halbe Stunde im<br />

Bad, sie tragen kein Businesshemd, nein,<br />

da sind nur sie, ihr Männergeruch und<br />

ihr harter Schwanz. Am besten ist es<br />

natürlich, wenn ich bei einem Kerl übernachte.<br />

Meistens wache ich zuerst auf,<br />

drehe mich zu ihm rüber und sehe dann<br />

schon das Rohr, das sich da abzeichnet.<br />

Dann kann ich nie lange an mich halten,<br />

ich schlüpfe zu ihm hinüber und beginne<br />

lüstern, seinen Kolben zu blasen. Es<br />

ist unbeschreiblich, wenn die Kerle von<br />

einem Blowjob langsam wachwerden.<br />

Für eine Sekunde sind sie erstaunt, dann<br />

übernimmt sofort ihre Lust die Führung,<br />

sie stöhnen laut auf, streckten sich dabei,<br />

lümmeln sich im Bett, lassen zu, dass ich<br />

ihren Schwanz immer tiefer in mich aufnehme<br />

und schießen mir dann zumeist<br />

eine echt große Ladung in den Rachen<br />

– da hat sich über die Nacht ne Menge<br />

aufgestaut. Jungs, ich sage es euch, es ist<br />

»<br />

Ich liebe es, meine Morgenlatte zu<br />

fotografieren und sie ein paar geilen<br />

Kerlen zu schicken, mit denen ich<br />

regelmäßig Sex habe. Ich schaffe es<br />

jedes Mal, die Jungs binnen kürzester<br />

Zeit horny as hell zu machen. Die<br />

laufen dann mit ihren harten Prügeln<br />

in ihren engen Arbeitshosen und<br />

fetten Beulen herum und allein die<br />

Vorstellung davon, bringt meine<br />

Morgenlatte fast zum Platzen. Ich weiß,<br />

die Boys werden den ganzen Tag mit<br />

einem Bild von meinem Schwanz im<br />

Kopf herumrennen.<br />

Michael (31) aus Tübingen


Lifestyle<br />

8<br />

zu schade, eine Morgenlatte einfach zu<br />

vergeuden«, so Andreas (43) aus Dresden<br />

im <strong>HIM</strong>-Interview. Ein Tipp hat Andreas<br />

noch für uns: Ohne Unterhose macht<br />

es gleich noch mehr Spaß und meistens<br />

baumelt alles bereits lüstern und winkt<br />

einen heran. Enge Jockstraps können<br />

dabei hingegen der vorschnelle Tod der<br />

Morgenlatte sein – und wer kann das<br />

schon wollen?<br />

Eine kreative Morgenlatte<br />

Die einen haben Sex mit der Morgenlatte,<br />

die anderen Spaß mit sich selbst – manche<br />

hingegen versuchen, möglichst schnell<br />

in den »Grundzustand« zurückzukehren,<br />

weil ein steifer Kumpel gerade nicht passt.<br />

Doch was lässt sich sonst vielleicht noch<br />

Kreatives abseits von Sex und Masturbation<br />

mit einem steifen Schwanz am Morgen<br />

anstellen? Zum einen gibt es da den Genießer,<br />

Kerle also, die so eine Morgenlatte<br />

einfach in den ersten Minuten des Tages<br />

lustvoll zelebrieren. Es geht dabei weniger<br />

um Sex direkt, sondern einfach um ein<br />

intensives Erleben des eigenen Körpers.<br />

Wer Lust darauf hat, kann das das<br />

nächste Mal einfach selbst ausprobieren.<br />

Wie fühlt sich dein Körper morgens an,<br />

wie dein Schwanz? Vielleicht steigert sich<br />

dein Lustgewinn sogar noch weiter, wenn<br />

du nicht am Morgen direkt Hand anlegst,<br />

sondern einfach in das Gefühl hineingleitest<br />

und deine »Erlösung« länger hinauszögerst.<br />

Zum anderen lässt sich mit einer Morgenlatte<br />

auch lustvoll mit einem Partner Spaß<br />

haben. Für devote Jungs ist es zumeist<br />

wunderbar, wenn sie morgens aufwachen<br />

und du sie dabei weckst, indem du<br />

mit deinem steifen Schwanz vor ihrem<br />

Gesicht herumwedelst oder sie direkt erst<br />

einmal in die Realität zurückholst, indem<br />

du leicht mit deinem harten Kolben auf<br />

Wange oder Mund klatschst. Für anale<br />

Liebhaber funktioniert das gleiche Spiel<br />

natürlich auch hintenrum, wenn du den<br />

Boys im Schlaf langsam deinen Prügel<br />

reinschiebst und sie davon genüsslich<br />

wachwerden und im Halbschlaf direkt<br />

mitgehen können. Ist dein Partner gerade<br />

nicht in der Nähe oder du hast keinen<br />

Kerl, der bei dir jeden Tag übernachtet,<br />

wie wäre es dann mit ein paar heißen<br />

Fotos? »Ich liebe es, meine Morgenlatte<br />

zu fotografieren und sie ein paar geilen<br />

Kerlen zu schicken, mit denen ich regelmäßig<br />

Sex habe. Es ist ein wenig wie die<br />

Vorfreude damals auf Weihnachten. Ein<br />

Hammer-Teaser, der deinen ganzen Körper<br />

erfasst und dich nicht mehr loslässt!<br />

Die anderen Kerle lieben es. Ich schaffe es<br />

jedes Mal, die Jungs binnen kürzester Zeit<br />

horny as hell zu machen. Die laufen dann<br />

mit ihren harten Prügeln in ihren engen<br />

Arbeitshosen und fetten Beulen herum<br />

und allein die Vorstellung davon, bringt<br />

meine Morgenlatte fast zum Platzen. Ich<br />

weiß, die Boys werden den ganzen Tag<br />

mit einem Bild von meinem Schwanz im<br />

Kopf herumrennen, sich vielleicht kurz<br />

in der Mittagspause im Klo abreagieren<br />

und dabei trotzdem horny as hell bleiben,<br />

so lange, bis sie mich das nächste Mal<br />

live wiedersehen. Dann fallen wir wie<br />

ausgehungerte Löwen übereinander her.<br />

Nichts heizt die Jungs mehr an, als Bilder<br />

von meiner Morgenlatte, vor allem eben<br />

dann, wenn sie diese nicht gleich vernaschen<br />

dürfen. Dieses Warten macht sie<br />

rasend – und in meinem Kopf explodieren<br />

die Hormone ebenso!«, so Michael (31) aus<br />

Tübingen. Besonders bemerkenswert ist<br />

dabei auch: Solche Morgenlatten haben<br />

auch auf Bildern einen besonderen Reiz,<br />

gerade im Schummerlicht eines Schlafzimmers<br />

können so sehr besondere<br />

Aufnahmen entstehen, die man dann<br />

nach Wunsch und Wahl an einen Mann<br />

verschicken kann. (ms)<br />

»<br />

Ich finde nichts geiler als eine<br />

Morgenlatte. Wenn du noch so halb<br />

im Traum versunken bist, dann deinen<br />

Schwanz anpackst und im Grunde sich<br />

Traumwelt, Fantasie und deine Libido<br />

vereinen, ist das schon etwas extrem<br />

Geiles.<br />

Markus (38) aus Heidelberg


Kunst | Kultur<br />

10


11<br />

Kunst | Kultur<br />

Der Herbst kommt mit großen Schritten und vertreibt die letzten<br />

warmen Sonnenstrahlen, die sich gerade noch vom September in<br />

den Oktober hinübergerettet haben. Doch das Gefühl des Sommers<br />

steckt noch tief in uns, mehr sogar, es flirrt wie ein Sommerhorizont<br />

vor unserem inneren Auge – jene Tage der Leichtigkeit, der Nacktheit<br />

und Unbekümmertheit, an denen wir draußen herumliefen, uns<br />

liebten und animalischen Sex in wilder Natur hatten. Wenn wir<br />

unsere Augen schließen, können wir für einen Moment erneut<br />

entfliehen, zurück in die Tage des Sommers.<br />

Die intimen Fotografien von<br />

Richard Kranzin<br />

DIE SCHÖNHEIT<br />

DER NATUR<br />

Der Berliner Fotograf Richard Kranzin<br />

hat für uns diese magische Zeit in<br />

schwarz-weißen Bildern eingefangen, die<br />

uns betören und uns einmal zum Voyeur<br />

machen, während er uns ein anderes Mal<br />

zum intimen Freund jener drei Jungs<br />

werden lässt, die der Berliner mit seiner<br />

Linse eingefangen hat. Zusammen mit<br />

drei Freunden hatte sich Kranzin auf<br />

eine Reise in die sommerlichen Wälder<br />

Brandenburgs begeben. Ein Waldsee, eine<br />

einsame Hütte, majestätische Bäume und<br />

die herbe Schönheit der eiszeitlich geprägten<br />

Landschaft bilden die Kulisse einer<br />

intimen und filmgleich erzählten Liebesgeschichte<br />

zwischen drei jungen Männern.<br />

Kranzin versteht das Kunstprojekt<br />

»The Three of Us« als ästhetischen Gegenentwurf<br />

zum hektischen Großstadtleben<br />

und feiert in zeitlosen Schwarz-Weiß-Bildern<br />

voller Romantik und Leichtigkeit die<br />

jugendliche Schönheit und die vielfältigen<br />

Formen der Liebe.<br />

Den Körper mit allen Sinnen erleben<br />

Und es gelingt ihm fabelhaft, denn wir<br />

verlieben uns sofort in diese sexy Jungs,<br />

deren Erotik aus ihrer Natürlichkeit gepaart<br />

mit der puren Lust nach Intimität<br />

erwachsen. Kranzin hat dafür eigens eine<br />

Geschichte ersponnen: »Raus aus Berlin,<br />

die Rucksäcke für ein Wochenende gepackt.<br />

Brandenburg empfängt Jakob und<br />

Malik mit offenen Armen. Keine Pläne,<br />

keine Verpflichtungen. Kein Lärm, keine<br />

Menschen. In der abgelegenen Natur<br />

erfahren Jakob und Malik sich und ihre<br />

Körper mit allen Sinnen neu. Am einsamen<br />

Waldsee begegnen sie Friedrich,<br />

der sie eine Weile beobachtet und dann<br />

zu ihnen herüberschwimmt. Viel muss<br />

nicht gesagt werden; alles ist ganz leicht<br />

und wie selbstverständlich. In Friedrichs<br />

Hütte verbringen die drei jungen Männer<br />

Tage voller Freude und Leidenschaft. Tage,<br />

an die sie sich für immer erinnern werden.«<br />

Geht da unsere Fantasie nicht sofort<br />

auf Wanderschaft?


Kunst | Kultur<br />

12<br />

»<br />

In Friedrichs Hütte verbringen die drei<br />

jungen Männer Tage voller Freude und<br />

Leidenschaft. Tage, an die sie sich für<br />

immer erinnern werden.<br />

Ein romantischer Träumer<br />

»<br />

Ich bin ein romantischer Träumer und<br />

drücke meine Gedanken lieber mit<br />

Bildern als mit Worten aus.<br />

Gegenüber dem <strong>HIM</strong> MAGAZINE erklärt<br />

Kranzin weiter: »Die Geschichte von<br />

Jakob, Malik und Friedrich ist eine Erfindung<br />

meiner Fantasie. Es war mein Verleger<br />

Björn, der drei meiner Freunde und<br />

mich zu sich nach Brandenburg einlud<br />

und mir die Möglichkeit bot, mich auf die<br />

Magie des Ortes einzulassen und mit meiner<br />

Kamera eine Geschichte zu erzählen.<br />

Vieles habe ich dabei tatsächlich inszeniert,<br />

vieles haben Artur, Ben und Tony –<br />

denn so lauten die echten Namen meiner<br />

Helden – von sich aus eingebracht oder es<br />

ist einfach passiert. Unsere Basis war Vertrauen,<br />

und die Anwesenheit der Kamera<br />

wurde auch in ganz intimen Momenten<br />

zur <strong>No</strong>rmalität. Ich bin ein romantischer<br />

Träumer und drücke meine Gedanken<br />

lieber mit Bildern als mit Worten aus. Oft<br />

denke ich in filmischen Sequenzen, die<br />

dem Wesen und der Schönheit meiner<br />

Modelle den verdienten Raum bieten. Ich<br />

tauche dabei in eine Verliebtheit ein und<br />

suche nach Wegen, den Moment einzufangen<br />

und diese Liebe in meinen Fotos<br />

lebendig werden zu lassen. Ich höre Vogelgezwitscher,<br />

sehe Sonnenflecken auf<br />

dem duftenden Waldboden und hoffe,<br />

dass meine Fotos all diese Eindrücke und<br />

die Gefühle, die sie in mir hervorrufen,<br />

erfahrbar machen. Die Vision einer Sommerliebe<br />

in der freien Natur – wie gerne<br />

würde ich hier im Buch auch noch das<br />

Rauschen der Bäume und die wärmende<br />

Sonne auf der Haut mitliefern.«


13 Kunst | Kultur<br />

Eines<br />

»<br />

Raus aus Berlin, die Rucksäcke für ein<br />

Wochenende gepackt. Keine Pläne,<br />

keine Verpflichtungen. Kein Lärm,<br />

keine Menschen. In der abgelegenen<br />

Natur erfahren drei junge Männer sich<br />

und ihre Körper mit allen Sinnen neu.<br />

können wir Kranzin sofort freudig bestätigen: es ist ihm<br />

gelungen – und es fehlt nicht viel und auch wir riechen diesen<br />

Sommer tatsächlich, spüren tun wir ihn auf alle Fälle tief in<br />

uns. Kranzin indes erklärt weiter: »Ich danke meinen Freunden<br />

Artur, Ben und Tony. Sich so intim und verletzlich zu zeigen ist<br />

unglaublich mutig und stark. Dieses Buch ist für Euch! Ich würde<br />

mich freuen, wenn alle, die dieses Buch zur Hand nehmen, durch<br />

meine Geschichte dazu angeregt werden, ihre eigene zu erzählen<br />

und die Schönheit der Natur, des Lebens und die Einzigartigkeit<br />

der Liebe zu feiern.« Kranzin (Jahrgang 1990) begeisterte uns<br />

bereits mit seinen ersten beiden Bildbänden »Boys in Nature«<br />

und »Nudes« – sein drittes Werk »The Three of Us« ist die bisherige<br />

Krönung seines Schaffens, ein Bildband, der es schafft, den<br />

Sommer als ein intimes Herzensgefühl tief in uns von neuem zu<br />

erwärmen. (jh)


Kunst | Kultur<br />

14<br />

»<br />

Ein ästhetischer Gegenentwurf zum hektischen<br />

Großstadtleben, der in zeitlosen Schwarz-Weiß-Bildern<br />

voller Romantik und Leichtigkeit die jugendliche Schönheit<br />

und die vielfältigen Formen der Liebe feiert.<br />

«The Three of Us”<br />

von Richard Kranzin<br />

Hardcover, 240 × 320 mm,<br />

160 Seiten<br />

Texte auf Deutsch und<br />

Englisch<br />

Mehr unter: salzgeber.de


Lifestyle<br />

16<br />

Exklusiv-Interview mit<br />

Greyson<br />

Myles


17 Lifestyle<br />

EIN ARSCH<br />

ZUM NÜSSE<br />

KNACKEN<br />

Greyson Myles hat nicht nur ein absolut einnehmendes Lächeln,<br />

dem wir nichts abschlagen können, sondern auch andere Körperteile<br />

scheinen direkt dazu einzuladen, tiefgehenden Kontakt mit<br />

Greyson aufzunehmen. Im persönlichen Gespräch verströmt der<br />

junge Kerl den sprichwörtlichen amerikanischen Südstaaten-<br />

Charme, der unsere Herzen höherschlagen lässt. Dazu kommt sein<br />

abenteuerlustiger Entdeckerwillen – mit ihm würden wir jederzeit<br />

Pferde stehlen und einen Ausritt in die wilde Natur seiner Heimat<br />

<strong>No</strong>rth Carolina machen. Obwohl, für einen Ausritt, wie wir ihn uns<br />

wünschen würden, brauchen wir gar keine Pferde, Greyson allein<br />

reicht dazu vollkommen aus.<br />

»<br />

Mein erster richtiger Kuss war mit<br />

einem Jungen, mit dem ich im ersten<br />

Jahr der High School zusammen war.<br />

Für mich war er die Bestätigung all<br />

meiner Gefühle, die ich tief in mir<br />

spürte. Als ich diesen Jungen küsste,<br />

wusste ich sofort und ohne Zweifel,<br />

dass ich schwul bin.<br />

Greyson, wie bist Du aufgewachsen und<br />

wie lebst Du aktuell?<br />

Ich bin in <strong>No</strong>rth Carolina aufgewachsen,<br />

in einer kleinen Stadt an der Küste, knapp<br />

30 Minuten vom Strand entfernt. Dort<br />

lebe ich auch jetzt noch. Ich bin 23 Jahre<br />

alt und derzeit Single, aber ich bin offen<br />

für eine Beziehung, wenn ich den richtigen<br />

Mann treffe.<br />

Wie verlief dein Coming-Out?<br />

Mein Coming-Out war untypisch im<br />

Vergleich zu den meisten Coming-Out-<br />

Geschichten, die ich gehört habe. Ich habe<br />

mich mit 14 Jahren in der Mittelschule<br />

geoutet; ich habe zwar auch etwas Mobbing<br />

erlebt, aber das war nicht wirklich<br />

schlimm. Ich hatte viele Freunde, die mich<br />

wirklich unterstützt haben, und meine<br />

Schule hat sich stets klar gegen Mobbing<br />

positioniert. Ich habe außerdem das große<br />

Glück, Eltern zu haben, die mich sehr lieben<br />

und unterstützen. Sie brauchten eine<br />

Weile, um sich daran zu gewöhnen und<br />

zu verstehen, was es bedeutet, schwul zu<br />

sein, aber sie haben mich trotzdem immer<br />

unterstützt. Insgesamt würde ich also sagen,<br />

dass mein Coming-Out eine positive<br />

Erfahrung war.<br />

Das ist wirklich toll und freut uns sehr.<br />

Wie waren deine berühmten »ersten<br />

Male«, also der erste Kuss oder das erste<br />

Mal, als dir jemand gesagt hat, dass Du<br />

den tollsten Arsch der Welt hast?<br />

Mein erster richtiger Kuss war mit einem<br />

Jungen, mit dem ich im ersten Jahr der<br />

High School zusammen war. Ich hatte<br />

schon vorher Mädchen geküsst, aber den<br />

Kuss mit diesem Jungen werde ich immer<br />

als meinen ersten richtigen Kuss betrachten.<br />

Für mich war er die Bestätigung all<br />

meiner Gefühle, die ich tief in mir spürte.<br />

Wenn ich hingegen zuvor ein Mädchen<br />

geküsst hatte, hatte ich mich immer nur<br />

Dinge gefragt wie »Mögen die das wirklich?«<br />

oder auch »Fühlt sich das echt gut<br />

an?«. Als ich dann diesen Jungen küsste,<br />

wusste ich sofort und ohne Zweifel, dass<br />

ich schwul bin. Ach, und das Kompliment<br />

»Du hast den tollsten Arsch der Welt«<br />

habe ich öfters gehört und zwar sowohl<br />

von Jungs wie auch von Mädchen.


Lifestyle<br />

18<br />

Du kommst aus <strong>No</strong>rth Carolina: Was ist<br />

typisch für die Jungs aus dem Süden?<br />

Was magst Du an ihnen oder was vielleicht<br />

auch nicht?<br />

Der typische Südstaaten-Junge kommt<br />

dort, wo ich lebe, in zwei Varianten<br />

vor. Der eine arbeitet stets im Freien, ist<br />

immer braungebrannt, fährt einen Truck<br />

und treibt irgendeine Art von Sport. Der<br />

andere ist eher schick, trägt Khaki-Shorts<br />

und Polo-Shirts und spielt Fußball oder<br />

Football. Was ich an ihnen konkret mag,<br />

kann ich gar nicht sagen. Ich war in sie oft<br />

verknallt und habe versucht, mich deswegen<br />

besser von ihnen fernzuhalten. In<br />

der High School habe ich lieber irgendwie<br />

mein eigenes Ding gemacht.<br />

Greyson, lass uns über Sex reden! Wann<br />

ist Sex wirklich gut für Dich?<br />

Sex ist für mich fast immer richtig gut. Ich<br />

würde sagen, am besten ist es, wenn es<br />

ein bisschen mehr als nur eine körperliche<br />

Verbindung gibt. Ich persönlich liebe<br />

es zu reiten, in dieser Position habe ich das<br />

Gefühl, dass ich die meiste Kontrolle habe<br />

und ich kann mich richtig austoben und<br />

genießen. Was konkrete Handlungen angeht,<br />

so liebe ich wirklich das Blasen. Das<br />

macht mich extrem an.<br />

In den Filmen bist Du zumeist der perfekte<br />

Bottom – stimmt das mit deinem<br />

Privatleben überein?<br />

Ich würde sagen, das ist meinem privaten<br />

Sexleben sehr ähnlich. Ich genieße es<br />

wirklich, unten zu sein, aber ich möchte<br />

das Spiel als Top nicht ganz zur Seite wischen.<br />

Es gibt einfach einige Männer, die<br />

zu schön dafür sind, um sie nicht ficken zu<br />

wollen. Ich würde mich daher nicht nur<br />

auf ein Sexleben als Bottom beschränken<br />

wollen, wenn es so viele wunderbare<br />

Dinge noch zum auszuprobieren und es<br />

dabei so viele wunderschöne Männer zu<br />

ficken gibt.<br />

Das können wir sehr gut nachvollziehen.<br />

Wie muss ein Schwanz sein, damit Du<br />

ihn toll findest? Und wann ist ein Top-<br />

Typ wirklich ein toller Liebhaber?<br />

»<br />

Ich liebe es zu reiten, in dieser Position<br />

habe ich das Gefühl, dass ich die meiste<br />

Kontrolle habe und ich kann mich<br />

richtig austoben und genießen.<br />

Ob ein Schwanz großartig ist, liegt in erster<br />

Linie daran, wie ein Kerl ihn benutzt.<br />

Ich weiß, das sagen viele Männer, aber es<br />

stimmt einfach wirklich. Am wichtigs-


19 Lifestyle<br />

»<br />

Kommunikation<br />

macht einen großen<br />

entscheidenden<br />

Unterschied, wenn<br />

es darum geht, ob<br />

jemand ein wirklich<br />

großartiger<br />

Liebhaber ist oder<br />

einfach nur fickt.<br />

ten ist, wie du deinen Schwanz benutzt,<br />

und nicht, wie groß er ist. Was die von<br />

mir persönlich bevorzugte Form angeht,<br />

würde ich sagen, eine durchschnittliche<br />

Dicke und Umfang mit einer leichten<br />

Aufwärtskurve sind perfekt für mich.<br />

Was einen Kerl für mich zudem zu einem<br />

richtig guten Liebhaber macht, ist, wenn<br />

er wirklich kommunikativ ist. Das heißt,<br />

er meldet sich zwischendurch und fragt,<br />

wie ich mich fühle, ob es mir gefällt, ob<br />

diese Position funktioniert und so weiter.<br />

Kommunikation macht einen großen entscheidenden<br />

Unterschied, wenn es darum<br />

geht, ob jemand ein wirklich großartiger<br />

Liebhaber ist oder einfach nur fickt.<br />

Da hast du recht! Ein so perfekter Arsch<br />

wie deiner verdient aber auch einfach einen<br />

perfekten Lover. Wie bekommt man<br />

so ein hinreißendes Hinterteil, Greyson?<br />

Und wann war Dir klar, dass Du damit<br />

viele Kerle um den Verstand bringen<br />

wirst? Oder, wie man in Deutschland<br />

sagt: Ein Arsch zum Nüsse knacken!<br />

Die Gene spielen eine große Rolle dabei,<br />

wie mein Hintern aussieht, aber ich tue<br />

alles, was ich kann, um meine Gene sozusagen<br />

bestmöglich dabei zu unterstützen,<br />

indem ich zum Beispiel im Fitnessstudio<br />

trainiere, gerade im Beckenboden- und<br />

Beinbereich. Ich wusste allerdings nicht<br />

immer, dass ich Männer mit meinen<br />

Arschbacken in den Wahnsinn treiben<br />

kann, aber als ich anfing, Sex zu haben,<br />

war das definitiv etwas, das ich dann sehr<br />

schnell herausgefunden habe.<br />

Wann ist ein Arsch wirklich perfekt –<br />

für Dich als Experte sozusagen?<br />

Ich denke, der perfekte Hintern ist nicht<br />

etwas, das ich wirklich definieren kann.<br />

Auch ich bin nicht jedermanns Sache und<br />

es gibt keine Einheitsgröße für alle. Ich<br />

weiß, dass ich einen sehr starken Sexualtrieb<br />

habe, und das kommt bei Männern<br />

sehr gut an. Ich gebe mir sehr viel Mühe,<br />

mein Aussehen zu pflegen und daran zu<br />

arbeiten, aber das Aussehen ist nur eine<br />

Facette von vielen.<br />

Gibt es für Dich dabei das perfekte Aussehen<br />

beziehungsweise den perfekten<br />

Mann? Wie muss er sein?<br />

Der perfekte Mann für mich hat kein bestimmtes<br />

Aussehen. Der perfekte Mann


Lifestyle<br />

20<br />

für mich ist jemand, der sich um sich<br />

selbst kümmert, das heißt, er trainiert,<br />

hat eine gute Hygiene und engagiert sich.<br />

Die Größe spielt für mich keine Rolle, die<br />

Männer können größer oder kleiner sein,<br />

aber ich tendiere zu größeren Kerlen.<br />

Qualitäten, die ich suche, sind ein Sinn<br />

für Humor gepaart mit Organisation,<br />

Kommunikation und Freundlichkeit.<br />

Freundlichkeit ist umsonst und ich werde<br />

mich immer an eine wirklich freundliche<br />

Person erinnern und nicht an ein<br />

hübsches Gesicht.<br />

Welchen Teil deines Körpers magst Du<br />

am meisten und welchen gar nicht?<br />

»<br />

Ich wusste nicht immer, dass ich Männer mit meinen<br />

Arschbacken in den Wahnsinn treiben kann, aber als ich<br />

anfing, Sex zu haben, war das definitiv etwas, das ich dann<br />

sehr schnell herausgefunden habe.<br />

Mein Verhältnis zu meinem Körper hat<br />

sich im Laufe der Jahre sehr verändert. Im<br />

Moment sind meine Beine wahrscheinlich<br />

meine Lieblingskörperteile. Ich habe<br />

viel Arbeit in sie gesteckt und ich liebe es,<br />

sie zu zeigen. Was ich am wenigsten mag,<br />

werde ich euch nicht verraten. Allerdings<br />

glaube ich, dass ich selbst die Teile an mir,<br />

die ich selbst am meisten kritisiere, immer<br />

noch liebe.<br />

Wie wichtig ist Sperma für Dich?<br />

Sperma ist für mich nicht wahnsinnig<br />

wichtig, trotzdem liebe ich Sperma sehr.<br />

Es ist definitiv eines meiner Lieblingsprodukte,<br />

wenn du so willst. Ich weiß, dass<br />

einige Kerle die Vorstellung nicht mögen,<br />

Sperma zu schlucken, aber ich schon. Ich<br />

denke, es ist richtig heiß und ich genieße<br />

es wirklich.<br />

Was war bisher der beste Sex deines<br />

Lebens?


21 Lifestyle<br />

Der beste Sex für mich bisher war eine<br />

sehr spontane Geschichte. Ich habe die<br />

ganze Sache initiiert, ich wollte ihn und<br />

ich war mir in dem Moment zu 95 Prozent<br />

sicher, dass er mich auch wollte. Wir<br />

sahen einen Film und ich sah ihn an und<br />

fragte spontan, ob er ficken wolle. Wir<br />

fingen an und fickten wie die Karnickel, es<br />

war sehr intim und ich fühlte mich sehr<br />

mit ihm verbunden und ich denke, das<br />

machte es so gut.<br />

Hast du sexuelle Fantasien, die Du gerne<br />

ausleben würdest?<br />

Ich glaube, ich habe ehrlich gesagt viele,<br />

wenn nicht sogar die allermeisten meiner<br />

sexuellen Fantasien bereits erlebt. Wenn<br />

überhaupt, dann habe ich Fantasien<br />

davon, gewisse Abenteuer zu wiederholen,<br />

weil ich sie so sehr genossen habe. Ich<br />

will nicht zu viel verraten, aber für eine<br />

Gruppe von Jungs der Bottom zu sein,<br />

ist definitiv etwas, das ich wieder tun<br />

möchte.<br />

Okay, wir sind sehr gespannt. Ich kann<br />

mir vorstellen, dass sich auch Daddys<br />

sehr schnell in Dich verknallen können,<br />

Du bist sozusagen das perfekte »Daddy-<br />

Material«. Und ich habe gehört, Du selbst<br />

findest Daddys auch richtig geil?<br />

Das Geile an einem Daddy ist für mich die<br />

Reife. Sie kennen sich mit Sex aus, weil sie<br />

mehr erlebt haben als ich. Ich habe immer<br />

das Gefühl, dass ich bei ihnen in wirklich<br />

guten Händen bin. Die Kommunikation<br />

ist da und ich weiß, dass man sich um<br />

mich kümmern wird und wir beide sehr<br />

zufrieden sein werden.<br />

Die letzten warmen Tage erwarten uns<br />

jetzt im Oktober – wie sieht es bei Dir mit<br />

Outdoor-Sex aus?<br />

Ich fühle mich sehr zu Sex im Freien<br />

hingezogen. Ich finde den Nervenkitzel,<br />

erwischt zu werden, wirklich heiß. Selbst<br />

wenn ich weiß, dass ich nicht erwischt<br />

werde, ist da immer dieser Hauch von<br />

»Was wäre wenn« und das macht die<br />

ganze Begegnung sehr heiß.<br />

Auf deinem rechten Arm haben wir ein<br />

Zitat aus der Bibel entdeckt. Dort heißt<br />

es: »Diejenigen, die auf den Herrn hoffen,<br />

werden ihre Kraft erneuern. Sie werden<br />

sich aufschwingen wie Adler« – bist Du<br />

ein gläubiger Mensch?<br />

Ich bin als Süd-Baptist aufgewachsen und<br />

dachte früher einmal, ich sei gläubig. Der<br />

Bibelvers auf meinem Arm, Jesaja 40:31,<br />

ist eine Hommage an meinen Großvater,<br />

der vor einigen Jahren verstorben ist.<br />

Eines Sommers haben meine Cousine,<br />

meine Schwester und ich uns alle Tattoos<br />

mit demselben Bibelvers stechen lassen,<br />

um ihn zu ehren. Es war sein Lieblingsbibelvers.<br />

Ich beziehe meine Kraft heute<br />

allerdings aus mir selbst. Ich trage die Verantwortung<br />

für alles Gute und Schlechte<br />

in meinem Leben. Der Glaube daran, dass<br />

ich selbst für mein Leben verantwortlich<br />

bin, gibt mir Kraft und Motivation.<br />

Wie interagierst Du mit der schwulen<br />

Gemeinschaft? Genießt Du es, unterwegs<br />

zu sein, oder geht Dir die Community<br />

manchmal auch auf die Nerven?<br />

»<br />

Das Geile an einem Daddy ist für mich<br />

die Reife. Sie kennen sich mit Sex aus,<br />

weil sie mehr erlebt haben als ich. Ich<br />

habe immer das Gefühl, dass ich bei<br />

ihnen in wirklich guten Händen bin.


Lifestyle<br />

<strong>22</strong><br />

Die schwule Community ist wie jede Gemeinschaft<br />

nicht perfekt, aber ich liebe<br />

sie. Sie wächst und verändert sich und<br />

lernt stetig dazu, so wie wir alle. Ich interagiere<br />

zwar ab und an mit der Community,<br />

aber nicht so sehr, wie ich es gerne<br />

hätte. Dort, wo ich wohne, gibt es keine<br />

größere Gay-Community, und ich bin so<br />

viel unterwegs, dass ich das Gefühl habe,<br />

nicht genug zu Hause zu sein, um wirklich<br />

dann auch noch an der Community<br />

teilzuhaben, die es hier gibt. Der Aspekt<br />

der schwulen Gemeinschaft, der mir auf<br />

die Nerven geht, ist wahrscheinlich die<br />

manchmal vorherrschende Vorstellung,<br />

dass es einen richtigen oder falschen Weg<br />

zum Schwulsein gibt. Die Community<br />

sollte jeden einschließen, und wenn wir<br />

daran festhalten wollen, dann müssen<br />

wir auch jeden in unserer LGBTQ-Familie<br />

einschließen.<br />

Du bist jetzt ein exklusives Model für<br />

Cockyboys. Wie kam es dazu?<br />

Cockyboys hat eine besondere Art, wirklich<br />

schönen Sex einzufangen. Ja, wir alle<br />

lieben das harte Ficken und Cockyboys<br />

zeigt das definitiv auch, aber sie offenbaren<br />

eben zudem die Schönheit von<br />

Männern, die mit anderen Männern<br />

zusammen sind. Das ist etwas, das ich<br />

wirklich liebe. Sex ist Sex, kann aber eben<br />

auch so viel mehr als das sein. Die beiden<br />

Masterminds hinter Cockyboys entfalten<br />

diese Schönheit zur Gänze.<br />

Was macht Du in deiner Freizeit gerne?<br />

In meiner Freizeit mache ich ehrlich<br />

gesagt ein bisschen von allem, ich gehe<br />

gerne an den Strand und lege mich in die<br />

Sonne, spiele stundenlang Videospiele<br />

und gehe am Wochenende mit Freunden<br />

etwas trinken.


23 Lifestyle<br />

Du weißt, das <strong>HIM</strong>-Team heißt Dich<br />

immer herzlich willkommen in Deutschland,<br />

wenn Du mal Lust hast, auch deutsche<br />

Jungs kennenzulernen.<br />

Ich war leider noch nie in Deutschland.<br />

Ich hatte vor, im Sommer 2020 zu<br />

kommen, aber wir alle wissen, was in<br />

dem Jahr passiert ist, sodass diese Pläne<br />

zunichte gemacht worden sind. Ich würde<br />

sehr gerne Deutschland besuchen und<br />

Europa als Ganzes erkunden. Ich denke,<br />

dass das Reisen eine der besten Möglichkeiten<br />

ist, um zu wachsen und sich über<br />

die Welt zu informieren. Hoffentlich bekommen<br />

die Jungs in Deutschland mich<br />

bald zu sehen.<br />

Hoffentlich! Dann wächst bei denen<br />

auch sehr schnell etwas, aber das ist<br />

wohl eine andere Geschichte. Hast Du<br />

sonst noch Pläne für die nächsten Jahre,<br />

abseits eines Besuchs in Deutschland?<br />

Keine konkreten Pläne für die nächsten<br />

Jahre. Hoffentlich mache ich auch in zehn<br />

Jahren noch etwas, das ich wirklich liebe.<br />

Kommen wir zu unserer schnellen<br />

Schlussrunde – was isst Du gerne?<br />

Ich esse gerne Sushi. Und hasse Sardinen.<br />

Der perfekte Tag für Dich?<br />

Ein perfekter Tag ist sonnig, mit niedriger<br />

Luftfeuchtigkeit und 25 Grad.<br />

Wovor hast Du richtig Angst?<br />

Jemandem nicht sagen zu können, dass<br />

ich ihn liebe.<br />

Welche lebende Person bewunderst Du<br />

am meisten?<br />

Ich bewundere die Drag-Queen Trixie<br />

Mattel. Ihr ganzer Werdegang, ihre<br />

Lebensgeschichte, ihre Arbeitsmoral und<br />

ihr Durchhaltevermögen sind wirklich<br />

inspirierend.<br />

Welches Talent würdest Du am liebsten<br />

haben?<br />

Ich würde gerne wahnsinnig gut Klavier<br />

spielen können.<br />

Was betrachtest Du als deine bisher<br />

größte Leistung?<br />

Meine größte Errungenschaft ist, dass<br />

ich meinen Leidenschaften gefolgt bin,<br />

auch wenn es mir anfangs beängstigend<br />

vorkam.<br />

Bleibst Du in <strong>No</strong>rth Carolina oder wo<br />

würdest Du gerne hinziehen?<br />

Ich würde gerne im Staat Washington<br />

leben.<br />

Und die wichtigste Frage zum Schluss:<br />

Hunde- oder Katzenliebhaber?<br />

Auf jeden Fall Hundeliebhaber. Ich bin<br />

leider allergisch gegen Katzen.<br />

Greyson, wir auch! Tausend Dank Dir für<br />

das Gespräch! (ms)<br />

»<br />

Ja, wir alle lieben das harte Ficken und<br />

Cockyboys zeigt das definitiv, aber sie<br />

offenbaren eben zudem die Schönheit<br />

von Männern, die mit anderen<br />

Männern zusammen sind. Sex ist Sex,<br />

kann aber eben auch so viel mehr als<br />

das sein.


Fetisch<br />

24<br />

Wahr oder doch falsch?<br />

Weißt du Bescheid?<br />

DAS SEXY<br />

BDSM-QUIZ<br />

Du weißt alles über Fetisch? Oder doch nicht? Dir begegnen immer<br />

wieder dumme Klischees und du weißt nicht, wie du darauf antworten<br />

sollst oder kannst? Dann lass uns loslegen: Sind diese zehn<br />

Aussagen über BDSM wahr oder doch falsch? Teste dein Wissen<br />

und stelle fest, wie sicher du in diesem spannenden Thema bist! Beantworte<br />

zunächst die Fragen hier und schau dann auf der anderen<br />

Seite, wie viele Antworten du richtig hattest.<br />

1<br />

5 8<br />

BDSM ist gewalttätig<br />

und missbräuchlich.<br />

6<br />

Man kann BDSM<br />

nie 100%ig sicher<br />

ausüben.<br />

Ähnlich wie die<br />

Regenbogenflagge<br />

gibt es auch für<br />

BDSM eine spezielle<br />

Flagge.<br />

2BDSM kann auch ohne<br />

sexuelle Handlungen<br />

erfolgen.<br />

3<br />

BDSM ist unmoralisch<br />

oder pervers.<br />

Studien haben gezeigt, dass Menschen,<br />

die BDSM praktizieren, besser<br />

gegen Stress, Angst und Depressionen<br />

gewappnet sein könnten.<br />

7<br />

BDSM-Praktiken<br />

sind relativ neu<br />

und wurden von<br />

Marquise de Sade<br />

erfunden.<br />

9<br />

BDSMler machen<br />

dies (vor allem),<br />

weil ihr Körper<br />

hierbei Endorphine<br />

ausschüttet.<br />

4<br />

BDSM-Praktizierende<br />

hatten in der Vergangenheit<br />

traumatische<br />

Erlebnisse.<br />

10<br />

Vanilla im BDSM-<br />

Kontext bedeutet<br />

»nicht-BDSM«.


25 Fetisch<br />

1<br />

2<br />

3<br />

BDSM ist gewalttätig und missbräuchlich.<br />

Natürlich falsch.<br />

BDSM beinhaltet konsensuelle<br />

Aktivitäten zwischen Erwachsenen.<br />

Der Unterschied zwischen<br />

BDSM und Missbrauch<br />

liegt im Einverständnis und der<br />

Kommunikation. Sicherheit und<br />

Einverständnis sind zentrale<br />

Prinzipien. Ohne diese wäre es<br />

eben kein BDSM, sondern Vergewaltigung<br />

oder Missbrauch.<br />

BDSM kann auch ohne sexuelle<br />

Handlungen erfolgen. Richtig!<br />

Obwohl BDSM oft mit Sexualität<br />

verbunden ist, sind viele Aktivitäten<br />

nicht sexueller Natur. Für<br />

manche ist es eine Art, Intimität<br />

zu erleben oder Rollenspiele zu<br />

spielen.<br />

BDSM ist unmoralisch oder<br />

pervers. Prinzipiell falsch, aber…<br />

Moralität ist subjektiv. Was für<br />

eine Person als »pervers« gilt,<br />

kann für eine andere als völlig<br />

normal gelten. Solange es zwischen<br />

einwilligenden Erwachsenen<br />

stattfindet und niemandem<br />

Schaden zugefügt wird, gibt es<br />

keinen objektiven Grund, es<br />

als unmoralisch zu betrachten.<br />

Andererseits mögen viele gerade<br />

die Vorstellung, dass etwas pervers<br />

und unmoralisch ist…<br />

6 10<br />

7<br />

Studien haben gezeigt, dass<br />

Menschen, die BDSM praktizieren,<br />

besser gegen Stress,<br />

Angst und Depressionen<br />

gewappnet sein könnten. Richtig.<br />

Man hat zwar die positiven<br />

Auswirkungen von BDSM<br />

noch nicht voll wissenschaftlich<br />

erfasst, aber viele Studien<br />

und Forschungsarbeiten kommen<br />

zu diesem Ergebnis. Dies<br />

könnte auf den intensiven<br />

emotionalen und physischen<br />

Ausdruck während der Praktiken<br />

zurückzuführen sein. Wir<br />

sind auf jeden Fall gespannt,<br />

welche Erkenntnisse man hier<br />

gewinnen wird und welche<br />

Praktiken und Spielarten hier<br />

besonders gesund sind. Ich<br />

freue mich schon auf den Tag,<br />

wenn man statt dem Psychiater<br />

100 Hiebe verschrieben<br />

bekommt ;)<br />

BDSM-Praktiken sind relativ<br />

neu und wurden von Marquise<br />

de Sade erfunden. Falsch.<br />

Historische Texte und Artefakte,<br />

wie z.B. Fresken aus<br />

Pompeji oder der Kamasutra,<br />

zeigen, dass Menschen seit<br />

Jahrtausenden Interesse an<br />

diesen Aktivitäten hatten und<br />

diese praktiziert haben.<br />

Vanilla im BDSM-Kontext bedeutet<br />

»nicht-BDSM«. Richtig. Innerhalb der<br />

BDSM-Gemeinschaft wird der Begriff<br />

»Vanilla« oft verwendet, um traditionelle<br />

oder Nicht-BDSM-Aktivitäten oder Beziehungen<br />

zu beschreiben. Ein anderes,<br />

vor allem im deutschsprachigen Raum<br />

verwendeter Begriff ist »stino« für »stink<br />

normal”.<br />

Na, wie viele hattest du richtig? Manchmal<br />

sind die Antworten gar nicht so<br />

einfach. Aber das ist auch gut so. Denn<br />

schließlich ist BDSM etwas sehr Individuelles<br />

und es gibt so viele Spielarten und<br />

Wege es zu praktizieren. (dm)<br />

4<br />

5<br />

BDSM-Praktizierende hatten in<br />

der Vergangenheit traumatische<br />

Erlebnisse. Falsch. Nicht jeder,<br />

der BDSM mag, hatte ein Trauma<br />

oder eine schwierige Kindheit.<br />

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube,<br />

dass diese Praktiken nur<br />

als Reaktion auf frühere Verletzungen<br />

ausgeübt werden.<br />

Man kann BDSM nie 100%ig sicher<br />

ausüben. Leider wahr, aber<br />

keine Sorgen: Mit der richtigen<br />

Ausbildung, Kommunikation<br />

und Sicherheitsvorkehrungen<br />

kann BDSM relativ sicher praktiziert<br />

werden, sodass ihr keine<br />

Bedenken haben müsst. Informiert<br />

euch, trefft Vorkehrungen<br />

für den <strong>No</strong>tfall und schaut euch<br />

euren Partner gut an. Passt alles,<br />

wünsche ich euch viel Spaß.<br />

8<br />

9<br />

Ähnlich der Regenbogenflagge<br />

gibt es auch für BDSM eine<br />

spezielle Flagge. Richtig, es gibt<br />

eine eigene BDSM-Flagge, die<br />

die Gemeinschaft repräsentiert.<br />

Sie besteht aus schwarz,<br />

blau, weiß und einem Herzen<br />

in der Mitte.<br />

BDSMler machen dies (vor allem), weil ihr<br />

Körper hierbei Endorphine ausschüttet.<br />

Falsch. Einige BDSM-Aktivitäten, insbesondere<br />

solche, die Schmerz involvieren, können<br />

zur Freisetzung von Endorphinen führen,<br />

was zu einem »High«-Gefühl ähnlich dem von<br />

Sportlern beschriebenen »Runner‘s High«<br />

führen kann. Ob dies aber bei allen oder gar<br />

vielen BDSM-Praktiken der Fall ist, ist wohl zu<br />

bezweifeln und vor allem ist dies bei weitem<br />

nicht der einzige Grund. Wie ist das bei dir?<br />

Autor Dan Apus Monoceros ist Coach für Nicht-<br />

Monogame-Beziehungen und Kinks, arbeitet als<br />

Bondage-Trainer und Rope-Artist und veranstaltet<br />

die Events des www.gay-BDSM.clubs


Lifestyle<br />

26<br />

Erfahrungen unserer <strong>HIM</strong>-Leser<br />

DAS COMING OUT<br />

In diesem Monat feiern wir einmal mehr den Coming-Out-Tag!<br />

Seit 1988 wird der Ehrentag jedes<br />

Jahr am zehnten Oktober zelebriert, um nicht geoutete<br />

homosexuelle Jugendliche und Erwachsene<br />

dazu zu ermutigen, offen zu ihrer Sexualität zu stehen.<br />

Zudem soll auch darauf hingewiesen werden,<br />

dass gerade für viele Jugendliche das Thema auch<br />

heute noch schwierig ist und eine große Hürde<br />

darstellt. Wir haben bei unseren Lesern nach ihren<br />

schönsten Coming-Out-Storys gefragt und präsentieren<br />

euch drei davon hier!<br />

»Ich habe mich zuerst bei meiner Großmutter geoutet, da war ich 16 Jahre alt. In den<br />

Sommerferien waren wir immer bei ihr auf ihrem Bauernhof in Brandenburg, mich<br />

begleitete mein ´bester Kumpel´ Christian, der natürlich eigentlich viel mehr war als<br />

das. Meine Großmutter hatte uns die letzten Tage immer sehr genau beobachtet. Eines<br />

nachmittags saß ich mit ihr alleine im Garten an ihrem Lieblingsplatz, einem weißen<br />

Tischchen mit zwei Stühlen, meine Eltern und Christian waren einkaufen gefahren.<br />

Die Grillen zirpten, es war ein warmer Augusttag wie aus dem Bilderbuch. Irgendwann<br />

begann ich, kaum hörbar herumzustottern, bis sie einfach meine Hand nahm und<br />

sagte: ´Das Leben ist zu kurz, um hetero zu sein!´ Sie zwinkerte mir zu und ich starrte sie<br />

verwundert einige Sekunden lang an, bevor ich ihr in die Arme fiel.«<br />

Klaus (44) aus Berlin


27 Lifestyle<br />

»Ich habe mich lange davor gedrückt, mich bei meiner Familie<br />

zu outen – rückblickend gab es keinen Grund dazu, denn meine<br />

Eltern waren stets sehr offen dem Thema gegenüber, aber einige<br />

Menschen aus unserer polnischen Verwandtschaft eher nicht.<br />

Ich hatte also Angst davor, auch meine Familie in Schwierigkeiten<br />

zu bringen. Das letzte Jahr vor meinem Outing muss furchtbar<br />

gewesen sein, ich war nur noch mies drauf, redete kaum<br />

noch. Mein älterer Bruder schenkte mir dann zum Geburtstag<br />

ein sehr cooles T-Shirt, das er mit dem Spruch bedrucken hatte<br />

lassen ´Happiness is my passion´. Ich dachte mir noch, er will<br />

mich damit verarschen, weil ich so gar nicht glücklich rumgelaufen<br />

war. Ich zog das Shirt trotzdem abends zur Familienfeier<br />

an. Irgendwann begannen die ersten Verwandten zu tuscheln.<br />

Mein Vater und meine Mutter lächelten vielsagend. Schlussendlich<br />

begriff ich, ich sollte mal die Rückseite des Shirts ansehen.<br />

Darauf stand geschrieben: ´You can’t say Happiness without saying<br />

Penis.´ Das war mein Outing vor allen, sozusagen. Später am<br />

Abend erzählten mir meine Eltern, dass sie mich immer unterstützen<br />

werden und wie wunderbar sie es fanden, die entsetzten<br />

Gesichter der konservativen Verwandtschaft zu sehen!«<br />

Daniel (33) aus Stuttgart<br />

»Bei mir war meine Schwester mein Lebensretter. Ich outete<br />

mich im Überschwang bei meiner Mutter, weil ich in einem<br />

unbedachten Moment für den jungen Justin Bieber schwärmte<br />

und sagte, wie sexy er doch wäre. Darauf machte es keinen Sinn<br />

mehr zu schweigen, also sagte ich: Mama, ich bin schwul! Sie<br />

meinte nur, vielleicht sei es nur eine Phase. Meine ältere Schwester,<br />

die bereits einen Freund hatte, polterte sofort zurück: ´Mama,<br />

ich glaube, hetero zu sein war meine Phase. Das geht ja heute so<br />

schnell mit diesen Phasen!´ Meine Mum hat dann verstanden,<br />

was sie da eigentlich Verletzendes gesagt hat und sich kurz<br />

darauf bei mir entschuldigt. Es folgten weitere Gespräche, doch<br />

meine Schwester hat wahrlich das Eis gebrochen. Tage später<br />

schenkte sie mir ein Buch mit Liebesgedichten, auf die erste Seite<br />

hatte sie ein Zitat von Tennessee Williams geschrieben: ´What is<br />

straight? A line can be straight, or a street, but the human heart,<br />

oh, no, it’s curved like a road through mountains.´ Bis heute ist<br />

sie meine beste Freundin!”<br />

Michael (25), München


Kunst | Kultur<br />

28<br />

Die heißen Bilder des<br />

jungen Malers Kelvin<br />

DIE WELT DER<br />

UNBEGRENZTEN<br />

FANTASIE<br />

Er ist 23 Jahre jung, ungeheuer kreativ und verzaubert<br />

uns mit sehr sinnlichen und erotischen<br />

Bildern, bei denen uns lustvoll das Wasser im<br />

Mund zusammenläuft. Die Rede ist von Kelvin aus<br />

Kanada. Er selbst muss seine Homosexualität noch<br />

im Geheimen ausleben, entführt uns aber in die<br />

grenzenlose Welt seiner Fantasie – und dort haben<br />

die schwulen Boys und Kerle wirklich verdammt<br />

viel Spaß miteinander.


29 Kunst | Kultur<br />

»<br />

Ich erinnere mich auch noch<br />

an das erste Mal, als ich einen<br />

nackten Mann malte; das war<br />

so aufregend und gleichzeitig so<br />

verboten, dass ich die Zeichnung<br />

sofort danach wieder zerriss<br />

und wegwarf.<br />

Kelvin, erzähle uns zu Beginn bitte ein<br />

wenig aus deinem Leben und wie du zur<br />

Malerei gekommen bist?<br />

Ich bin der Sohn eines Kanadiers und<br />

einer Brasilianerin, ich liebe Sport, ich<br />

arbeite in einem Familienmaklerbüro, ich<br />

hatte einige geheime Beziehungen, aber<br />

derzeit bin ich Single, meine Familie ist<br />

religiös und konservativ, niemand weiß,<br />

dass ich schwul bin und dass ich erotische<br />

künstlerische Werke anfertige. Es<br />

ist schwierig, ein Doppelleben zu führen,<br />

aber es ist derzeit notwendig wegen des<br />

Respekts und der Liebe, die ich für sie<br />

empfinde, auch wenn ich meine Begierden<br />

dafür opfern muss, aber ich weiß, dass<br />

es im Moment richtig ist, im Geheimen zu<br />

leben.<br />

Meine Kreationen sind in 3D, 2D und seit<br />

kurzem auch mit künstlicher Intelligenz<br />

durch neuronale Filter erstellt – das gab<br />

mir die Möglichkeit, meine Kreationen auf<br />

ein extrem hohes Niveau zu bringen. Ich<br />

liebe auch die Fotografie, Laufen, Fußball<br />

spielen und Bodybuilding. Ich habe schon<br />

als Kind gezeichnet, es war immer eine<br />

der Aktivitäten, die mir dabei half, mich<br />

zu fokussieren – und es war ein schöner<br />

Zeitvertreib. Ich habe gezeichnet und<br />

alle Figuren sogar anschließend ausgeschnitten<br />

und richtige Szenarien und eine<br />

ganze Geschichte um sie herum entstehen<br />

lassen. Ich erinnere mich auch noch an<br />

das erste Mal, als ich einen nackten Mann<br />

malte; das war so aufregend und gleichzeitig<br />

so verboten, dass ich die Zeichnung<br />

sofort danach wieder zerriss und wegwarf<br />

– niemand durfte sie schließlich sehen<br />

und finden. So wurde ich erwachsen,<br />

bis ich nach und nach auch andere Leute<br />

traf und zudem sichere Wege fand, zu<br />

zeichnen und meine künstlerischen Ideen<br />

auszudrücken. Als Kind und Jugendlicher<br />

habe ich nur auf Papier gezeichnet<br />

und mich dann schrittweise mit all den<br />

Programmen und Systemen vertraut<br />

gemacht, mit denen ich heute arbeite<br />

und die meine Werke auf ein völlig neues<br />

Level gebracht haben.


Kunst | Kultur<br />

30<br />

Deine Bilder sind sehr farbenfroh und<br />

Du scheinst dir auch viele Gedanken darüber<br />

zu machen, wo die Szenen spielen.<br />

Wie lange dauert die Arbeit für dich an<br />

einem Bild? Und woher nimmst du deine<br />

Ideen?<br />

Es hat mich anfangs schon viel Zeit gekostet,<br />

eine Kreation zu erstellen; bis ich es<br />

so hinbekomme, wie es mir gefällt, muss<br />

ich viele Arbeitsschritte machen und<br />

mehrfach wiederholen. Mit dem Aufkommen<br />

der neuen Technologien habe ich es<br />

geschafft, Prozesse, die sonst ein paar Tage<br />

dauerten, auf ein paar Stunden zu reduzieren.<br />

Aus diesem Grund sollte man als<br />

Künstler auch keine Angst vor Neuerungen<br />

haben, sondern sie als Unterstützung<br />

und Hilfsmittel für sein Schaffen ansehen<br />

und integrieren, um größere Ziele zu<br />

erreichen. Dadurch habe ich heute mehr<br />

Zeit, Dinge und Ideen zu entwickeln, auch<br />

okkulte Geschichten. Mit der Zeit habe<br />

ich auch eine Menge Material von anderen<br />

Künstlern, Models und Pornografie<br />

sammeln können, die mich inspiriert. Ich<br />

benutze sie, um neue Posen und Lichtverhältnisse<br />

für mich zu entdecken und diese<br />

Blickwinkel in meine Arbeit einfließen zu<br />

lassen, sie mit meinem Stil nachzubilden.<br />

Viele meiner Bilder können deswegen<br />

durchaus auch Neuinterpretationen von<br />

Werken sein, die ich selbst bemerkenswert<br />

finde.<br />

Wie malst du? Eher morgens oder<br />

abends? Und brauchst Du dazu Musik<br />

oder eher absolute Ruhe?<br />

Ich entwickle meine Bilder heute komplett<br />

digital, durchlaufe dabei verschiedene<br />

Prozesse, schaffe zuerst ein Referenzstück,<br />

beispielsweise eine bestimmte<br />

Pose, ein Model, ein Szenario oder eine<br />

Geschichte und bringe dann die einzelnen<br />

Entwürfe zusammen. Nach und nach setze<br />

ich dabei alles ein, was mir zur Verfügung<br />

steht, bis ich das Ergebnis habe, was<br />

mir gefällt. Ich zeichne dabei nur nachts,<br />

versteckt zu Hause, wenn alle bereits<br />

schlafen. Dazu höre ich gerne klassische<br />

Musik, hauptsächlich von meinem Lieblingskomponisten<br />

Mozart.<br />

In vielen Bildern zeigst Du uns das Liebesspiel<br />

zwischen zwei oder mehreren<br />

Boys. Was ist das Besondere für dich an<br />

der jungen Liebe zwischen zwei jungen<br />

Kerlen?<br />

Das Besondere daran ist die Demonstration<br />

der reinen und unschuldigen Liebe,<br />

die genau dadurch auch eine gewisse<br />

Sinnlichkeit erfährt.<br />

Deine Boys haben meistens sehr dicke<br />

Beulen – ein wichtiger Aspekt für dich<br />

beim Malen oder vielleicht sogar auch<br />

im realen Leben?<br />

Ich spiele gerne mit dieser Dualität von<br />

Reinheit und Unschuld in Bezug auf die<br />

Erotik; im wirklichen Leben bevorzuge<br />

ich dabei allerdings eher mittlere oder<br />

kleinere Größen in der Hose.<br />

»<br />

Liebe zwischen zwei jungen<br />

Kerlen? Das Besondere daran<br />

ist die Demonstration der<br />

reinen und unschuldigen Liebe,<br />

die genau dadurch auch eine<br />

gewisse Sinnlichkeit erfährt.


31 Kunst | Kultur<br />

»<br />

Viele Dinge, die ich tue oder<br />

zeichne, sind von meiner eigenen<br />

Fantasie inspiriert. Ich bin ein<br />

großer Bewunderer schöner<br />

Männer. Es ist ein utopischer<br />

Wunsch, eine Begierde, die<br />

einfach so in meinem Kopf<br />

entsteht.


Kunst | Kultur<br />

32<br />

Gut zu wissen! Auf deinen Bildern<br />

springen einem die großen Beulen deiner<br />

Kerle zu unserem Glück trotzdem direkt<br />

entgegen, man möchte am liebsten sofort<br />

einfach zupacken. Wo findet man solche<br />

Jungs im echten Leben?<br />

Oh, ich kann dir sagen, viele Dinge, die<br />

ich tue oder zeichne, sind von meiner<br />

eigenen Fantasie inspiriert. Ich bin ein<br />

großer Bewunderer schöner Männer, seien<br />

es Models, Schauspieler, anderweitige<br />

Charaktere; viele meiner Kreationen sind<br />

Neuauflagen von Fotos, Videos, Skulpturen,<br />

Büchern oder Zeitschriften, die ich<br />

irgendwo gesehen habe. Oder es ist eben<br />

ein utopischer Wunsch, eine Begierde, die<br />

einfach so in meinem Kopf entsteht.<br />

Also sind es alle Boys leider nur Fantasieprodukte?<br />

Sagen wir es so, ich mische immer das,<br />

was mir in meiner Fantasie gefällt, mit<br />

dem, was im wirklichen Leben existiert<br />

oder mir auch mal widerfährt. Ich habe<br />

auch schon Schauspieler oder Puppen,<br />

Männer aus Erwachsenenfilmen, Sänger<br />

oder meine Helden aus Serien als Inspiration<br />

benutzt.<br />

In anderen Bildern reist Du mit uns in<br />

die Antike oder ins Mittelalter. Was begeistert<br />

dich an dieser Epoche?<br />

Ich mag es wirklich, in die Vergangenheit<br />

zurückzugehen und mir Fantasieorte<br />

vorzustellen, in gewisser Weise als eine<br />

Art von Rückkehr in eine idealisierte oder<br />

amüsant verspielte Welt, vielleicht ist es<br />

einfach eine Projektion einer Utopie für<br />

mich.<br />

Deine Boys sind zumeist perfekt gebaut<br />

und wenig behaart. Was macht einen<br />

Mann für dich besonders erotisch? Und<br />

wie muss ein Boy sein, damit Du ihn anziehend<br />

findest?<br />

Ich mag natürliche Männer, gerne auch<br />

muskulös. Ich bewundere einfach die<br />

menschliche Form eines Körpers. Deswegen<br />

mache ich auch selbst jeden Tag Muskelübungen,<br />

um meinen Body in Form<br />

zu halten. Das ist wohl auch der Grund,<br />

warum viele meiner Boys unschuldige<br />

Gesichter, aber einen sehr männlichen<br />

Körper haben. Ich versuche auch gerne,<br />

da zu variieren, aber dieser spezielle Typ<br />

ist und bleibt wohl meine Vorliebe.


33 Kunst | Kultur<br />

»<br />

Ich mag natürliche Männer,<br />

gerne auch muskulös. Das ist<br />

wohl auch der Grund, warum<br />

viele meiner Boys unschuldige<br />

Gesichter, aber einen sehr<br />

männlichen Körper haben.<br />

Das kann ich sehr gut verstehen. Deine<br />

Jungs beherrschen auch besonders<br />

diesen verführerischen Blick, weswegen<br />

wir ihnen hemmungslos ausgeliefert<br />

sind. Wie wichtig ist für dich dieser »Killerblick«<br />

von jungen Kerlen?<br />

Der Blick ist die Seele der Schöpfung, und<br />

das ist für mich sehr wichtig, denn durch<br />

den Blick vermitteln die Jungs ihren Willen<br />

und ihr wahres Verlangen.<br />

Blumen und farbenfrohe Hintergründe<br />

spielen in deinen Bildern immer auch<br />

eine wichtige Rolle – warum legst Du so<br />

viel Wert auf diese Farbenpracht?<br />

Das ist einfach ziemlich wichtig für mich,<br />

denn ich versuche damit den inneren<br />

Wunsch nach Dingen aufzuzeigen, wie<br />

sie idealerweise sein könnten. In der<br />

realen Welt kann das Leben manchmal<br />

dunkel sein, besonders in Bezug auf<br />

Schwule, das kenne ich leider nur zu gut<br />

aus dem echten Leben.<br />

Tauchst Du dann auch gerne und oft in<br />

deine Fantasiewelten ab?<br />

Oh Ja! Ich denke die ganze Zeit über<br />

meine Jungs nach und darüber, was für<br />

neue spannende Abenteuer sie erleben<br />

könnten. Ich erschaffe im Geiste eine<br />

Geschichte für jeden von ihnen, damit<br />

sich all die Posen und Gefühle, die ich mit<br />

ihnen verbinde, real anfühlen und die<br />

Figuren mit Leben erfüllt werden.<br />

Tom of Finland hat einmal gesagt, ein<br />

Bild von ihm ist gut geworden, wenn<br />

er beim Malen eine Erektion davon<br />

bekommt. Kelvin, hast Du auch einen<br />

solchen Gradmesser?<br />

Tom ist mein Lieblingskünstler, ich schätze<br />

seine Pionierarbeit ungemein und finde<br />

seine Bilder bis heute sehr aufregend.<br />

Und ich freue mich sehr darüber, wenn<br />

auch bei meinen Bildern dieser gewisse<br />

Funken überspringt, bei mir wie auch<br />

bei den Leuten, die das auch zu schätzen<br />

wissen.


Kunst | Kultur<br />

34<br />

Immer wieder sind deine Boys auch<br />

mitten in der Natur – worin liegt für dich<br />

der besondere Reiz daran?<br />

Das ist der große Wunsch nach Freiheit<br />

und die Hoffnung, als normal und natürlich<br />

akzeptiert zu werden. Deshalb integriere<br />

ich meine Jungs in einer perfekten<br />

und harmonischen Weise in die Natur<br />

und zeige damit auch die Schönheit des<br />

Lebens auf.<br />

Bei einigen Jungs in deinen Bildern<br />

entdecken wir die Gesichtszüge von<br />

Schauspieler Tom Holland oder dem<br />

Sänger Justin Bieber. Was machen die<br />

beiden Jungs für dich so besonders, dass<br />

Du ihre Gesichtszüge in deinen Bildern<br />

verarbeitest?<br />

Ich schätze die Schönheit ihrer Gesichter<br />

sehr. Ich habe sogar einige Hot Toy Dolls<br />

Skulpturen im Maßstab 1 zu 6 hier, ihre<br />

Gesichter sowie der ganze Körper sind<br />

wirklich toll gemacht. Ich würde sagen,<br />

das beeinflusst meine Kreationen sicherlich<br />

ein gutes Stück weit mit.<br />

Das kann ich verstehen, wer würde<br />

nicht nervös werden, wenn Spiderman<br />

einem ständig zuschaut. Einigen deiner<br />

Jungs hast Du dann direkt auch gleich<br />

Flügel verpasst, sie werden damit fast<br />

zu himmlischen Wesen. Seit wann und<br />

warum bist Du so fasziniert vom Malen<br />

dieser überirdisch schönen Jungs?<br />

Das ging bei mir schon in der Kindheit<br />

und als Jugendlicher Hand in Hand, wie<br />

gesagt, habe ich sie immer sehr gerne auf<br />

Papier gezeichnet, dann ausgeschnitten,<br />

mit Buntstiften bemalt, habe mir Kleidung<br />

für sie erdacht und schließlich ganze<br />

Szenarien und Abenteuer für sie entworfen.<br />

Und ich mag einfach sehr gerne<br />

Fantasiegeschichten und mystische We-<br />

»<br />

Ich denke die ganze Zeit über<br />

meine Jungs nach und darüber,<br />

was für neue spannende<br />

Abenteuer sie erleben könnten.<br />

Ich erschaffe im Geiste eine<br />

Geschichte für jeden von ihnen.


35 Kunst | Kultur<br />

sen, weswegen ich immer wieder solche<br />

Figuren auch selbst zeichne.<br />

Hast Du denn Freunde, mit denen du<br />

dein Hobby teilen kannst?<br />

Nein, keiner von ihnen weiß von meinem<br />

geheimen Hobby, also muss ich es mit<br />

Freunden online und anonym teilen.<br />

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?<br />

Ich hoffe, dass ich in Zukunft in der Lage<br />

sein werde, die Freiheit zu haben, meine<br />

Bilder und Geschichten immer mehr zu<br />

spezialisieren und meine Boys mehr und<br />

mehr zu verbessern. Ich möchte gerne<br />

auch Animationstechniken lernen und<br />

in der Lage sein, einige von ihnen zum<br />

Leben zu erwecken. Derzeit bin ich noch<br />

ziemlich limitiert in meinen Möglichkeiten,<br />

was die spezielle Ausrüstung, Zeit,<br />

innovative Techniken und all das betrifft<br />

– aber ich hoffe, das ändert sich in der<br />

Zukunft.<br />

Wir drücken Dir die Daumen! Mit<br />

deinen Bildern blickst Du auch auf die<br />

Begierden von schwulen Männern. Was<br />

würdest Du Ihnen gerne abschließend<br />

sagen?<br />

Ihr könnt in einer Welt ohne Vorurteile<br />

leben, ihr könnt die Liebe in all ihrer<br />

Pracht und ohne Grenzen erforschen. Seit<br />

glücklich und lebt all eure unterdrückten<br />

Wünsche offen lustvoll zu eurem Vergnügen<br />

aus.<br />

Das wünschen wir Dir auch von Herzen!<br />

Kelvin, vielen Dank für das Gespräch.<br />

(ms)<br />

»<br />

Ihr könnt in einer Welt ohne<br />

Vorurteile leben, ihr könnt die<br />

Liebe in all ihrer Pracht und<br />

ohne Grenzen erforschen.<br />

X (Twitter) @ Kelvin_Arts_3D<br />

Instagram @kelvin-arts-collection<br />

ko-fi.com/kelvinartscollection


Fetisch<br />

36<br />

Sechs Punkte für ein erfolgreiches<br />

Miteinander als Fetisch-Liebhaber<br />

DAS GEHEIMNIS<br />

VON MASTER & SLAVE<br />

BEZIEHUNGEN<br />

Seit 2020 interviewe ich auf masterslavelifestyle.com<br />

reale Master und Sklaven<br />

und befrage sie darüber, wie sie ihr<br />

Leben leben. Um zu zeigen, dass diese<br />

Beziehungen nicht nur sexuelle Fantasien<br />

sind, sondern auch in der Realität<br />

erfolgreich gelebt werden: Viele der<br />

Menschen, die ich interviewt habe, leben<br />

seit über 15 Jahren in einer Master/<br />

Slave-Beziehung. Ihre Offenheit, ihre<br />

Geschichten zu erzählen, war außergewöhnlich<br />

und hat die wahre Realität<br />

der Master/Slave-Beziehung ans Licht<br />

gebracht. Indem sie ihre persönlichen<br />

Geschichten mit uns teilten, haben sie<br />

dazu beigetragen, uns zu zeigen, wie es<br />

ist, eine solche Beziehung zu leben und<br />

was nötig ist, um diese Beziehungen<br />

über Jahrzehnte hinweg erfolgreich zu<br />

gestalten. Bei den Interviews mit den<br />

einzelnen Mastern und Sklaven sind<br />

mir bestimmte Themen aufgefallen,<br />

die in jeder Beziehung vorkommen.<br />

Themen, die es diesen einzigartigen<br />

und langlebigen Beziehungen ermöglicht<br />

haben, zu gedeihen. Heute möchte<br />

ich diese Aspekte mit Euch teilen und<br />

vielleicht können sie dabei helfen, selbst<br />

auch eine erfolgreiche Master/Slave-<br />

Beziehung zu führen, die über Jahre<br />

hinweg Bestand haben kann.<br />

Legen wir los!


37 Fetisch<br />

Thema 1:<br />

Jede Master/Slave-Beziehung<br />

ist<br />

anders<br />

In Anna Karenina sagt Tolstoi: »Alle glücklichen<br />

Familien sind gleich; jede unglückliche<br />

Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.«<br />

Das Außergewöhnliche an den<br />

Menschen, die ich interviewt habe, ist,<br />

wie unterschiedlich alle ihre Beziehungen<br />

sind. In einer Master/Slave-Familie ist keine<br />

Familie wie die andere. Alle haben sich<br />

dafür entschieden, ihre Master/Slave-Beziehung<br />

anders und individuell zu leben.<br />

Jeder hat sich auf den Weg gemacht, um<br />

herauszufinden, was für ihn funktioniert.<br />

Es gibt keine Einheitsgröße für alle. Stattdessen<br />

muss sich jeder Mensch auf seine<br />

Reise begeben, Erfahrungen machen,<br />

nachdenken und herausfinden, was für<br />

ihn richtig ist.<br />

Es gab Beziehungen, in denen der Master<br />

und der Sklave in einem totalen Machtaustausch<br />

zusammenlebten, wobei der<br />

Sklave dem Master alle Entscheidungen<br />

überließ. In anderen teilten sich Master<br />

und Sklave die Entscheidungsgewalt ein<br />

wenig mehr. In wieder anderen lebten<br />

Herr und Sklave getrennt voneinander.<br />

Und dann gab es noch polyamore<br />

Familien mit mehreren Personen. Das<br />

bedeutet, dass wir alle danach suchen,<br />

die richtige Beziehung für uns zu finden.<br />

Wir müssen uns dabei aber nicht auf eine<br />

bestimmte Art und Weise festlegen, die<br />

wir vielleicht nicht mögen oder genießen<br />

können. Stattdessen finden wir das, was<br />

für uns richtig ist. Auch wenn jede Familie<br />

anders ist, so ist doch die Denkweise<br />

in allen Familien ähnlich. Die folgenden<br />

Themen befassen sich mit der Einstellung,<br />

die man braucht, um erfolgreich zu sein.<br />

Thema 2:<br />

Es ist eine Reise<br />

Viele Master und Sklaven sprachen über<br />

die Reise, auf der sie sich selbst entdeckten.<br />

Viele waren anfangs unsicher, wer<br />

sie waren und was sie mochten. Master<br />

fragten sich, ob sie ein Master waren oder<br />

nicht. Einige begannen als Sklaven und<br />

fragten sich, warum sie es hassten, Sklaven<br />

zu sein, bis sie merkten, dass sie ein<br />

Master waren. Andere kamen mit Vorurteilen,<br />

sodass sie dachten, sie könnten<br />

kein Master sein. Als Master Ghee zum<br />

Beispiel anfing, dachte er zunächst, dass<br />

er kein Master sein könne, weil er eine<br />

bestimmte Art von Spiel mochte.<br />

Das trifft auch auf viele Sklaven zu. Und<br />

eine Person brauchte eine längere Reise<br />

zu sich selbst, um zu erkennen, dass sie<br />

eher ein Switcher als ein reiner Master<br />

oder Sklave war, er wechselte gerne nach<br />

Lust und Laune. Viele meiner Gesprächspartner<br />

wussten anfangs nicht, wer sie<br />

waren oder hatten keine feste Vorstellung<br />

von ihrer Identität. Aber sie trafen die<br />

Entscheidung, Dinge zu erforschen und<br />

auszuprobieren. Erst durch ihre Erfahrungen<br />

lernten sie mehr über sich selbst,<br />

und durch die Reflexion begannen sie zu<br />

verstehen, wer sie tatsächlich waren.<br />

Es ist wichtig, durch Erfahrungen darüber<br />

nachzudenken, was wir wollen und wer<br />

wir sind, denn viele Menschen, die Master<br />

oder Sklave werden wollen, können<br />

nicht weiterkommen, weil sie sich nicht<br />

sicher sind. Nicht sicher, ob es das Richtige<br />

für sie ist. Nicht sicher, ob es ihnen Spaß<br />

machen wird. Oder sie wissen nicht, was<br />

ihnen gefällt oder nicht. Diese Unsicherheit<br />

hält die Menschen oft davon ab,<br />

weiterzumachen. Wenn sie aber stattdessen<br />

mit einer experimentellen Einstellung<br />

vorgehen – um Erfahrungen zu machen<br />

und daraus zu lernen – , können sie herausfinden,<br />

wer sie wirklich sind und was<br />

sie wirklich brauchen. Und dabei zudem<br />

verstehen, als was sie sich identifizieren<br />

und was sie für ihr persönliches Glück<br />

finden müssen.<br />

Es ist kein Zufall, dass mein Coaching<br />

mit Mastern und Sklaven oft auf diesem<br />

Konzept basiert und als massiver Beschleuniger<br />

für meine Klienten wirkt, um<br />

ihr authentisches Selbst als Master und<br />

Sklaven zu leben. Diese Reise des Experimentierens<br />

und Erforschens hilft auch<br />

dabei, mit falschen Vorstellungen aufzuräumen.<br />

Boi Craig sprach so zum Beispiel<br />

davon, dass er sich immer mehr als Boi<br />

definiert hat, da er dachte, ein Sklave zu<br />

sein, bedeute, hart und ohne Fürsorge<br />

oder Liebe behandelt zu werden. Aber als<br />

er den Interviews zuhörte, die ich bereits<br />

gemacht hatte, begann er zu verstehen,<br />

dass dies ein Missverständnis war. Nur<br />

wenn man den richtigen Master für sich<br />

gefunden hat, bezeichnet man sich auch<br />

gerne als Sklave.<br />

»Wir alle suchen danach, die<br />

richtige Beziehung für uns zu<br />

finden. Wir müssen uns dabei<br />

aber nicht auf eine bestimmte<br />

Art und Weise festlegen, die<br />

wir vielleicht nicht mögen oder<br />

genießen können. Stattdessen<br />

finden wir das, was für uns<br />

richtig ist.


Fetisch<br />

38<br />

Eine Reise mit Menschen<br />

Als Teil der Reise fanden viele der befragten<br />

Personen auch Mentoren, die sie<br />

unter ihre Fittiche nahmen, um ihnen bei<br />

der Erkundung zu helfen. Mentoren, die<br />

in der Gemeinschaft halfen. Menschen,<br />

die ihr Leben bereits erfolgreich gelebt<br />

haben, Coaches, Lesungen von maßgeblichen<br />

Personen und vieles mehr. Das ist<br />

also keine Reise, die man allein antreten<br />

muss. Ich habe eine Selbsthilfegruppe und<br />

eine Online-Community von Menschen,<br />

die sich gegenseitig helfen. Wir beantworten<br />

Fragen, unterstützen jeden, wenn<br />

er Schwierigkeiten hat, und feiern seine<br />

Erfolge. Neben Mentoren wurden von<br />

vielen Menschen auch gute Vorbilder genannt.<br />

Als Gemeinschaft können wir uns<br />

damit manchmal zunächst schwertun,<br />

denn was sind unsere Vorbilder? Pornos?<br />

In den kleinen Clips, die wir auf Twitter/X<br />

finden, nur für Fans?<br />

Es gibt eine große Kluft zwischen Fantasie<br />

und Realität. Deshalb ist es wichtig, gute,<br />

echte Menschen zu finden, die uns auf<br />

unserer Reise helfen. Das Anhören des<br />

Podcasts ist eine Möglichkeit, dies zu tun,<br />

aber auch die Suche nach Selbsthilfe- und<br />

Bildungsgruppen, in denen man gute<br />

Leute findet, mit denen man reden und<br />

Fragen stellen kann, ist hilfreich.<br />

Eine Reise, die nicht endet<br />

Viele Interviewpartner sprachen davon,<br />

dass die Reise als Master oder Sklave nie<br />

aufhört, dass sie immer tiefer geht, sich<br />

neue Fetische und neue Wege finden<br />

lassen, um die Kontrolle zu vertiefen.<br />

Master Jim erzählte, wie er und sein<br />

Sklave im Verlauf ihrer 18-jährigen Beziehung<br />

immer wieder neue Fetische für<br />

sich entdeckten. Thumper (von Denying<br />

Thumper) sprach darüber, wie die konsequente<br />

Keuschheit es ihm ermöglichte,<br />

viele andere Fetische zu entdecken, die<br />

ihm gefielen, und sich noch tiefer mit<br />

seiner Unterwerfung zu verbinden. Und<br />

Sir Tyger berichtet, wie sein Sklave immer<br />

sagte, er sei kein Masochist, bis sie eines<br />

Tages entdeckten, dass er einer war, und<br />

zwar ein großer. Die Reise der Entdeckung<br />

geht also stetig weiter. Selbst wenn man<br />

seinen Master oder Sklaven gefunden hat,<br />

geht man immer tiefer und findet dabei<br />

neue Dinge, die man genießen und entdecken<br />

kann.


39 Fetisch<br />

»Viele meiner Gesprächspartner<br />

wussten anfangs nicht, wer sie<br />

waren oder hatten keine feste<br />

Vorstellung von ihrer Identität.<br />

Aber sie trafen die Entscheidung,<br />

Dinge zu erforschen und<br />

auszuprobieren. Erst durch ihre<br />

Erfahrungen lernten sie mehr<br />

über sich selbst, und durch<br />

die Reflexion begannen sie zu<br />

verstehen, wer sie tatsächlich<br />

waren.<br />

Diese Reise gilt auch für viele der Beziehungen.<br />

Im Fall von Sir Tyger und seinem Sklaven begannen sie mit<br />

einem leichten Kontrollspiel, aber mit der Zeit entwickelten sie<br />

sich zu einer echten TPE-Beziehung, in der der Sklave seinem<br />

Master alle Entscheidungen überließ. Sir Tyger war überrascht,<br />

wie viel Spaß ihm das machte – anfangs dachte er noch, es sei zu<br />

viel Arbeit. Und auch der Sklave war überrascht, wie viel Freiheit<br />

und Freude er empfand, als er immer mehr Kontrolle abgab.<br />

Natürlich kann die Reise trotzdem auch enden. Einige der befragten<br />

Personen sprachen darüber. Davon, dass ein Master<br />

stirbt oder dass eine Beziehung ihr natürliches Ende findet, weil<br />

der Sklave aus ihr herausgewachsen ist. Doch neben der Trauer<br />

über das Ende gab es auch die Freude über die erlebte Beziehung<br />

und die Hoffnung auf die Zukunft. Ein Sklave erzählte, dass er<br />

seinen nächsten Herrn dann gefunden hat, als er es am wenigsten<br />

erwartet hätte – und so geht die Reise weiter, auch wenn<br />

etwas zu Ende geht.


Fetisch<br />

40<br />

Thema 3:<br />

Wachsen und sich<br />

verbessern<br />

Da die Beziehung zwischen Master und<br />

Sklave eine persönliche Reise ist, wurde in<br />

den Interviews auch erwähnt, wie wichtig<br />

es ist, ständig zu wachsen und sich zu<br />

verbessern. Manche Sklaven suchen sich<br />

oft einen Master, um ihren Problemen<br />

zu entkommen, während erfolgreiche<br />

Sklaven sich mit ihrem Mist auseinandersetzen<br />

und versuchen, sich zu verbessern.<br />

Und viele Master entscheiden sich oft<br />

dafür, Master zu werden, um sich nicht<br />

ändern oder ihre Fehler beheben zu müssen,<br />

und lassen ihre Unsicherheiten an<br />

einem Sklaven oder an ihrem Umfeld aus.<br />

Erfolgreiche Master sind indes Menschen,<br />

die auch an ihrem eigenen Mist arbeiten,<br />

sich verbessern und besser werden. Die<br />

Menschen, die in langfristigen Master/<br />

Slave-Beziehungen erfolgreich sind, sind<br />

immer auf der Suche nach Veränderung<br />

und Wachstum. Ein anderes Leben zu<br />

leben, ein Master oder Sklave zu sein,<br />

bedeutet, zu wachsen und sich selbst zu<br />

verstehen.<br />

Thema 4:<br />

Kommunikation,<br />

Kommunikation,<br />

Kommunikation<br />

Kommunikation ist eines der wichtigsten<br />

Themen, das in allen Interviews zur<br />

Sprache kam. Sie war bei allen Befragten<br />

Standard, unabhängig davon, wie wenig<br />

oder wie stark die Beziehungen kontrolliert<br />

waren oder ob es sich um einen<br />

totalen Machtaustausch rund um die Uhr<br />

oder in Teilzeit handelte.<br />

Warum war das so? In jeder Partnerschaft<br />

– sei es eine normale Vanilla-Beziehung<br />

oder eine Master/Slave-Beziehung<br />

– muss eine gesunde Verbindung eine<br />

gute Kommunikation aufweisen. Kommunikation<br />

hilft den Menschen, mit Konflikten<br />

umzugehen, zu verstehen, was der<br />

andere braucht, und eine funktionierende<br />

Beziehung aufzubauen. Auch Master/<br />

Slave-Beziehungen brauchen dies. Aber<br />

viele Menschen gehen davon aus, dass<br />

eine Master/Slave-Beziehung so nicht<br />

funktionieren muss. Ein Fehler. In jedem<br />

Gespräch mit jedem Master und Sklaven,<br />

das ich geführt habe, sagten sie alle, dass<br />

Kommunikation der Schlüssel ist. Und das<br />

ist der Grund, warum viele von ihnen in<br />

langjährigen Master/Slave-Beziehungen<br />

leben. Eine gute Kommunikation sorgt<br />

dafür, dass ihre Master/Slave-Beziehungen<br />

weiterbestehen. Und wie kann das<br />

konkret gelingen? Hier sind einige Vorschläge,<br />

die die von mir befragten Master<br />

und Sklaven für eine gute Kommunikation<br />

nutzen.<br />

Master/Slave-Verträge<br />

Master/Slave-Verträge werden oft zu<br />

Beginn einer Master/Slave-Beziehung<br />

verwendet, um die Rollen zwischen<br />

Master und Sklave zu definieren, und<br />

sie sind auch sehr erregend! Ein Master/<br />

Slave-Vertrag kann aber auch als Kommunikationshilfe<br />

verwendet werden. Ein<br />

Master/Slave-Paar nutzte einen Master/<br />

Slave-Vertrag, um die Beziehung anzupassen<br />

und zu verändern, um sicherzustellen,<br />

dass sie sich gegenseitig geben,<br />

was sie wollen. Sie verbrachten die letzten<br />

Monate eines Jahres damit, nachzudenken,<br />

zu reflektieren und zu diskutieren,<br />

bevor sie es schriftlich festhielten. Sie<br />

nutzten den Vertrag also nicht nur, um<br />

die Kontrolle zu erlangen, sondern auch,<br />

um sowohl den Master als auch den<br />

Sklaven dazu zu bringen, die jeweiligen<br />

Wünsche zu formulieren. Jedes Jahr erneuerten<br />

sie den Vertrag und überlegten,<br />

was sie brauchten und wie sich die Dinge<br />

verändert hatten, damit sie sich gegenseitig<br />

auch weiterhin geben konnten, was<br />

sie wollten.<br />

Zeit auf der Veranda<br />

Ein weiteres Beispiel war die Zeit auf der<br />

Veranda. Die Idee dahinter ist, auf die<br />

gedankliche Veranda zu gehen und aus<br />

der protokollarischen Beziehung auszusteigen,<br />

damit der Master und der Sklave<br />

ein ehrliches Gespräch führen können.<br />

Warum ist das wichtig? Wir alle haben<br />

Dinge, die uns ärgern können. Wir alle<br />

haben Ängste. Und wir alle haben Auslöser.<br />

Wenn man in der Lage ist, für ein<br />

ehrliches Gespräch aus dem Protokoll auszusteigen,<br />

kann man diese verbalisieren<br />

und rechtzeitig damit umgehen, anstatt<br />

zuzulassen, dass sie sich aufstauen oder<br />

ungesund sind und verdrängt werden.<br />

Dazu gehört auch, dass man sich nach<br />

einem anstrengenden Arbeitstag Luft<br />

»Es gibt eine große<br />

Kluft zwischen<br />

Fantasie und<br />

Realität. Deshalb<br />

ist es wichtig,<br />

gute, echte<br />

Menschen zu<br />

finden, die uns<br />

auf unserer Reise<br />

helfen.


41 Fetisch<br />

»Selbst wenn man seinen Master<br />

oder Sklaven gefunden hat, geht<br />

man immer tiefer und findet<br />

dabei neue Dinge, die man<br />

genießen und entdecken kann.<br />

machen kann, anstatt es zu verdrängen<br />

und mit niemandem darüber zu sprechen.<br />

Ein Aspekt dabei ist die Rückmeldung. Ein<br />

wichtiger Punkt – es gilt dabei sicherstellen,<br />

dass sowohl der Master als auch<br />

der Sklave sich gegenseitig Feedback<br />

geben können. Dass es in der Beziehung<br />

zwischen Herr und Sklave einen Platz für<br />

offene Diskussionen gibt.<br />

Thema 5:<br />

Die Bedürfnisse<br />

des jeweils anderen<br />

erfüllen<br />

Einer der Mythen in Master/Slave-Beziehungen<br />

ist, dass der Sklave keine Bedürfnisse<br />

hat. Ein guter Sklave stellt den<br />

Master immer an die erste Stelle. Zum Teil<br />

ist das sogar wahr. Gute Sklaven müssen<br />

oft dem Master dienen und ihn vor sich<br />

selbst stellen. Und es kann vorkommen,<br />

dass das Ego des Sklaven ihm dabei in die<br />

Quere kommt, und der Master muss dem<br />

Sklaven helfen, einen Teil seines Egos loszulassen,<br />

um ihm gut zu dienen.<br />

Das heißt aber nicht, dass der Sklave keine<br />

Bedürfnisse hat.<br />

Ein Fehler, den viele Master machen, ist,<br />

die Bedürfnisse des Sklaven zu ignorieren.<br />

Selbst wenn man alle menschlichen<br />

Bedürfnisse wegnimmt, hat ein reiner<br />

Sklave zumindest diese Bedürfnisse weiterhin<br />

(es können natürlich auch mehr<br />

sein): zu dienen, zu geben, helfen, Kontrolle,<br />

Struktur, Ziele, Richtung, ein Mann, auf<br />

den man sich konzentriert, Demütigung<br />

(weiter fortgeschritten), Entwürdigung<br />

(fortgeschrittener) und Gesundheit. Wenn<br />

der Master diese Bedürfnisse nicht erfüllt,<br />

kann der Sklave dann ein Sklave sein?<br />

Wenn der Master den Sklaven nicht kontrolliert,<br />

wenn der Master dem Sklaven<br />

keine Struktur gibt, wenn der Master<br />

dem Sklaven nicht erlaubt, ihm zu dienen,<br />

kann man dann die Beziehung überhaupt<br />

noch als Machtaustausch bezeichnen?<br />

Ein Sklave braucht bestimmte Dinge,<br />

um ein Sklave zu sein. Und diese Dinge<br />

müssen vorhanden sein, damit die Person<br />

weiterhin ein Sklave sein kann. Ohne<br />

diese Dinge kann der Sklave kein Sklave<br />

sein. Es ist nicht möglich, diese Denkweise


Fetisch<br />

42<br />

»Die Menschen, die in<br />

langfristigen Master/Slave-<br />

Beziehungen erfolgreich sind,<br />

sind immer auf der Suche nach<br />

Veränderung und Wachstum.<br />

Ein anderes Leben zu leben,<br />

ein Master oder Sklave zu sein,<br />

bedeutet, zu wachsen und sich<br />

selbst zu verstehen.<br />

Lust auf Phils Podcast? Klick Dich rein:<br />

masterslavelifestyle.com/podcast<br />

zu erreichen. Wenn ein Master aufgibt<br />

und beschließt, diese Bedürfnisse nicht<br />

zu erfüllen, hört die Beziehung auf, eine<br />

Master/Slave-Beziehung zu sein. Deshalb<br />

muss jeder Master die Grundbedürfnisse<br />

eines Sklaven erfüllen, und zwar konsequent<br />

und nachhaltig über einen längeren<br />

Zeitraum.<br />

Und leider gibt es viele Master/Slave-<br />

Beziehungen, in denen der Master alle<br />

Bedürfnisse des Sklaven ignoriert, solange<br />

er sein Abendessen bekommt. Und der<br />

Sklave findet sich in einer Beziehung<br />

wieder, in der er keine Freude empfindet<br />

und sich nicht einmal wie ein Sklave<br />

fühlt. Sklaven sind auch Menschen; viele<br />

Sklaven haben mehr als die bekannten<br />

rudimentären Grundbedürfnisse, die ich<br />

oben beschrieben habe. In allen Podcast-<br />

Interviews sprachen die Master darüber,<br />

dass sie diese Bedürfnisse verstehen und<br />

erfüllen müssen, damit die Master/Slave-<br />

Beziehung wirklich erfolgreich sein kann.<br />

Der Master entscheidet, wann die Bedürfnisse<br />

erfüllt sind, nicht der Sklave, aber<br />

die Bedürfnisse müssen erfüllt werden,<br />

damit die Beziehung gut funktioniert.<br />

Der Master muss also auch für diese Bedürfnisse<br />

verantwortlich sein. Wenn ein<br />

Master das nicht tut, wird er feststellen,<br />

dass der Sklave ihn verlässt. Ich kenne<br />

eine Geschichte, in der ein Master einen<br />

anderen fragte, warum seine Sklaven<br />

über 15 Jahre bei ihm geblieben waren,<br />

während er keinen Sklaven dazu bringen<br />

konnte, länger bei ihm zu bleiben. Die<br />

Antwort war, dass er den Sklaven gab,<br />

was sie brauchten. Der Herr, der die Frage<br />

ursprünglich gestellt hatte, wurde wütend<br />

und erklärte, warum er sich um die<br />

Bedürfnisse der Sklaven kümmern sollte.<br />

Trotz aller Beweise dafür, dass das Ignorieren<br />

der Bedürfnisse eines Sklaven dazu<br />

führte, dass er Sklaven verlor, weigerte er<br />

sich, die Bedürfnisse eines Sklaven zu berücksichtigen,<br />

und verlor weiterhin seine<br />

Sklaven.<br />

Das gilt im Umkehrschluss natürlich<br />

auch für Sklaven. Ein guter Sklave muss<br />

verstehen, was sein Herr will. Er darf<br />

nicht ignorieren oder egoistisch sein.<br />

Viele Master beklagen sich darüber, dass<br />

sie mit einem Sklaven sprechen und dann<br />

feststellen müssen, dass sie in der Fantasie<br />

des Sklaven nur ein Statist sind. Die<br />

Bedürfnisse und Wünsche des Masters<br />

werden dabei ignoriert. Alle von mir befragten<br />

Personen, sowohl Master als auch<br />

Sklaven, sagten, dass das Verstehen und<br />

Erfüllen der Bedürfnisse des anderen entscheidend<br />

sei – von Fürsorge und Liebe<br />

über die verschiedenen Fetische bis hin<br />

zur Ausgestaltung der Master/Slave-Beziehung.<br />

Thema 6: Jeder<br />

kann ein Master<br />

oder Sklave sein<br />

Es wurde auch deutlich, dass jeder ein<br />

Master oder Sklave sein kann. Wenn wir<br />

uns Pornos ansehen, sehen wir oft den<br />

Körpertyp eines muskulösen Adonis – so<br />

ist das Bildnis eines Masters, oder? Und<br />

wenn wir uns online engagieren, kann es<br />

passieren, dass wir von Leuten abgewiesen<br />

werden, weil wir nicht diesem perfekten<br />

Körpertyp entsprechen. Aber wenn<br />

wir tiefer in die Szene eintauchen und die<br />

Menschen sehen, die diesen Lebensstil<br />

wirklich ausfüllen und leben, dann gibt es<br />

Menschen jeden Alters, jeder ethnischen<br />

Zugehörigkeit, jeder Sexualität und jedes<br />

Körpertyps, wie es bei all den verschiedenen<br />

Menschen, die ich interviewt habe,<br />

der Fall war. In einer kürzlich erschienenen<br />

Folge sprach ich mit Sklave Charles,<br />

einem Mann, der sich mit 67 Jahren<br />

geoutet und seine Sklaverei akzeptiert<br />

hat. Er ist der lebende Beweis dafür, dass<br />

man nie zu alt ist. Doch die Vorurteile


43 Fetisch<br />

sind noch in vielen Köpfen präsent, erst<br />

kürzlich hat mich jemand gefragt, ob er<br />

mit seinen 40 Jahren zu alt sei, um sich<br />

jetzt dem Lebensstil anzuschließen. Ich<br />

denke, wenn wir Online-Apps benutzen,<br />

wollen viele Fantasten junges Fleisch und<br />

lehnen alles ab, was nicht perfekt ist –<br />

und deshalb spielen sie am Ende oftmals<br />

mit niemandem.<br />

In Wirklichkeit sind die wahren Master<br />

und Sklaven da draußen offener, was die<br />

Leute angeht, mit denen sie spielen. Es<br />

gibt nicht so viele von uns – weder Master<br />

noch Sklaven – und zu viel auf der Suche<br />

nach einem Partner zu filtern, würde<br />

bedeuten, dass wir gar nicht spielen. Viele<br />

der von mir befragten Personen mit Langzeitbeziehungen<br />

haben ihren Sklaven<br />

oder Master in ihren 40ern oder älter gefunden.<br />

Und im Fall des Sklaven Charles<br />

war er eben 67 Jahre alt.<br />

Hast Du Lust, ein Master oder Sklave<br />

sein?<br />

Dann nimm diese Lehren von Menschen,<br />

die diesen Lebensstil wirklich gelebt haben<br />

und leben, an und versuche sie bei dir<br />

selbst anzuwenden. Sei dir bewusst, dass<br />

jede Beziehung anders ist, aber um wirklich<br />

erfolgreich dabei zu sein, braucht es<br />

eine gemeinsame Grundeinstellung. Gehe<br />

auf deine eigene Reise – es ist völlig in<br />

Ordnung, wenn du noch nicht weißt, wohin<br />

du konkret willst. Finde stattdessen<br />

nach und nach heraus, wer du wirklich<br />

bist – und gehe von dort aus immer tiefer<br />

in dich. Wachse und verbessere dich<br />

ständig. Lerne, gut zu kommunizieren und<br />

versuche dich darin zu üben, die Bedürfnisse<br />

deines Gegenübers wahrzunehmen<br />

und zu erfüllen. Und mache dir klar: Jeder<br />

kann ein Master oder Sklave sein, befreie<br />

dich von deinen Klischeebildern im Kopf.<br />

Du spielst keinen Porno nach, du willst<br />

im echten Leben deinen Fetisch leben. So<br />

bewaffnet und mit etwas Glück kannst<br />

dann auch Du eine jahrzehntelange Master/Slave-Beziehung<br />

haben. Viel Spaß dir<br />

damit! (sp)<br />

Slave Phil ist ein BDSM-Coach und<br />

Ausbilder. Seine Reise als Sklave hat<br />

zu einer globalen Erkundung der Master/Slave-Szene<br />

geführt. Er diente<br />

Mastern von der Ostküste Australiens<br />

bis zur Westküste der USA und<br />

von Südafrika bis nach Finnland. Er<br />

schreibt Inhalte und veröffentlicht<br />

einen Podcast über Master/Slave-Beziehungen.<br />

Website und Podcast:<br />

masterslavelifestyle.com<br />

Kostenloses Buch:<br />

masterslavelifestyle.com/book<br />

Quiz:<br />

masterslavelifestyle.com/quiz/


Lifestyle 44<br />

HART, DRECKIG, SPRITZIG UND<br />

AUS ALLEN ROHREN FEUERND!<br />

SO WIE DU ES BRAUCHST!<br />

Nicht-binäres<br />

Verbot<br />

Das gehört verboten, da ist sich der australische<br />

Chefermittler Shane Patton sicher:<br />

Seit Wochen outen sich immer mehr<br />

männliche Polizeibeamte im Bundesstaat<br />

Victoria als nicht-binär – ein Klick online<br />

genügt, dann wird der Geschlechtswechsel<br />

in allen Dokumenten vollzogen,<br />

eine anderweitige Bestätigung braucht<br />

es nicht. Der Vorteil? Als nicht-binäre<br />

Person bekommen die Beamten wie ihre<br />

weiblichen Kollegen rund 800 Euro mehr<br />

Geld an Zuschüssen für Kleidung im Jahr.<br />

Patton tobt, fordert Konsequenzen und<br />

spricht vom Disziplinkodex. Allein, er ist<br />

und bleibt komplett machtlos, denn der<br />

Bundesstaat legte fest – wie in Deutschland<br />

geplant – , dass nur eine Person selbst<br />

über sein Geschlecht bestimmen kann,<br />

naturwissenschaftliche Belege brauche es<br />

nicht. Es ist also anzunehmen, dass es im<br />

australischen Bundesstaat Victoria bald<br />

nur noch weibliche und nicht-binäre Polizisten<br />

geben wird – und alle bekommen<br />

800 Euro mehr im Jahr.<br />

Porno-Verbot<br />

<strong>No</strong>ch einen Schritt weiter in puncto<br />

Verbote geht der US-Bundesstaat Texas<br />

– unter dem Deckmantel des Jugendschutzes<br />

wird hier seit wenigen Tagen ein<br />

neues Verifizierungsverfahren der Regierung<br />

bei jedem angewandt, der auf eine<br />

Pornowebseite klickt. Nebst einem Foto<br />

der ID-Card ist nun auch ein Gesichtsscan<br />

nötig, um harte Tatsachen sehen zu<br />

können. Dient das wirklich noch dem<br />

Jugendschutz? Im Fall von Texas möchte<br />

man leise zweifeln, denn der Bundesstaat<br />

versucht auch anderweitig seit zwei<br />

Jahren alles, um gegen die Gay-Community<br />

vorzugehen. Erst im Frühjahr wollte<br />

der Generalstaatsanwalt Paxton so Listen<br />

aller LGBTQ-Menschen anlegen lassen,<br />

das misslang allerdings. Jetzt also der Gesichtsscan?<br />

Dumm nur, wenn dann einige<br />

bekannte Moralverfechter plötzlich auch<br />

vor der Linse auftauchen, während sie<br />

auf einer Pornoseite nach ungezogenen<br />

nackten Jungs suchen. Pornhub hat jetzt<br />

mit anderen Hardcore-Anbietern Klage<br />

gegen Texas erhoben.<br />

Shopping-Verbot<br />

Spinnenalarm in einem Supermarkt im<br />

österreichischen Krems! Beim Auspacken<br />

der Ware entdeckte der Filialleiter vermutlich<br />

eine Bananenspinne. Ein Biss der<br />

rund dreizehn Zentimeter großen Spinne<br />

kann eine Dauerrektion hervorrufen.<br />

Bevor jetzt aber alle Schwulen Österreichs<br />

nach Krems fahren, sei noch gesagt – das<br />

Tierchen gehört zu den giftigsten Spinnen<br />

weltweit und enthält ein starkes Neurotoxin,<br />

das nebst steifen Schwänzen auch<br />

für einen Herzstillstand sorgen kann.<br />

Die Kombination kennen ältere schwule<br />

Herren auch anderweitig gut, wenn sie<br />

gleichzeitig zu Viagra und Blutdrucktabletten<br />

greifen. In Krems jedenfalls blieb<br />

der Supermarkt bis auf weiteres geschlossen,<br />

man fahndet noch nach dem illegalen<br />

Einwanderer aus Brasilien.


©Goodboy Picture Company – Erworben über iStock<br />

Die Interessenvertretung<br />

für schwule Männer<br />

Die neue Organisation von schwulen Männern für schwule Männer. Warum? Langjährige und verdiente<br />

Organisationen vertreten unserer Meinung nach die Belange von schwulen Männern unzureichend und<br />

die Welt des Regenbogens wandelt sich. Aus „Sex“ soll „Gender“ werden, aus LGBTs ist queer und aus<br />

CSD ist Pride geworden mit der Erwartungshaltung, dies still zu akzeptieren. Nicht alles ist in unserem<br />

Sinne und trifft auf uns zu. Unsere Ansichten, Bedürfnisse und Forderungen finden unzureichend Gehör<br />

und daher ist es Zeit für eine Organisation, die sich für schwule Männer (basierend auf der Grundlage<br />

des biologischen Geschlechts) einsetzt und vertritt. Du willst mehr erfahren, Mitglied werden oder<br />

einfach in den Austausch gehen? Dann melde Dich.<br />

Bild über Pixabay bezogen - lizenfrei<br />

Just Gay e.V. i.G. / c/o Kiezrunners Verlag i.G. / Initiator Florian Greller / Atterstraße 85c / 49090 Osnabrück<br />

Email: mail@kiezrunners.com / Mobil: +49 (0) 151 646 032 39 / www.kiezrunners.com/Just-Gay


Lifestyle 46<br />

präsentiert<br />

DEN GAY GUY DES MONATS<br />

Alter: 37<br />

Wo lebst du? Berlin<br />

Berufsbezeichnung:<br />

DJ/Veranstalter Der Eggert<br />

Instagram @dereggert<br />

soundcloud.com/dereggert<br />

Der Eggert<br />

Warum darf man deine Kunst/Arbeit<br />

keineswegs verpassen?<br />

Eine Party, ein Rave oder einfach nur zusammen<br />

Musik hören/machen kann mit<br />

dem richtigen Vibe etwas Verbindendes,<br />

manchmal sogar Rituelles an sich haben.<br />

Ich finde, dass ein Großteil der Events<br />

heutzutage sehr anonym ist. Mit Musik<br />

bist du aber nie allein, also was liegt näher,<br />

als sie zusammen zu zelebrieren?<br />

Dein bisher tollster Tag als Künstler?<br />

Ich finde es schwierig, da einen einzelnen<br />

Moment zu bezeichnen. Im Laufe der<br />

Jahre habe ich viel gesehen, erlebt und<br />

dabei viel gelernt. Am meisten in Erinnerung<br />

bleiben immer Momente, die ich mit<br />

meinen Freunden, meinem Team und vor<br />

allem mit der feiernden Crowd zu meinen<br />

Sets erlebt habe.<br />

Was liebst du an der Community?<br />

Dass die meisten auch nach so vielen Jahren<br />

immer noch die Kraft und Ausdauer<br />

haben, für unsere Rechte einzustehen.<br />

Unsere Community ist in den allermeisten<br />

Fällen sehr offenherzig und menschlich,<br />

das gefällt mir sehr.<br />

Was geht dir auf die Nerven an der<br />

Community?<br />

Leider ist vieles in der Community noch<br />

sehr von Vitamin B geprägt, was es oft<br />

schwierig macht für neue gute Künstler,<br />

Fuß zu fassen, außer eben man kennt<br />

jemanden der jemanden kennt… ihr wisst<br />

schon.<br />

Warum ist deine Arbeit so sexy, dass<br />

sie ins <strong>HIM</strong> <strong>Magazine</strong> passt?<br />

Techno ist die Musikrichtung, bei der ich<br />

mich am wohlsten fühle, und sie kann<br />

vieles sein, auch sexy. Und wenn man<br />

sich umschaut, sind Kinky People überall<br />

zu finden.<br />

Dein Geheimtipp aus deiner Stadt?<br />

Auf jeden Fall an jedem zweiten Samstag<br />

im Monat die Tri:ception im Void Club<br />

und dazu die Human Colours at KitKat-<br />

Club jeden ersten Donnerstag im Monat.<br />

Top or Bottom? Zum wem passt deine<br />

Kunst am besten?<br />

Musik kann den Takt für Vieles vorgeben<br />

und egal ob Top oder Bottom, damit kann<br />

Mensch eine Menge Spaß in vielerlei Hinsicht<br />

haben.<br />

Eine erotische Sünde, die Du nur<br />

jedem empfehlen kannst?<br />

Oh Sünden, das ist aber eine sehr diskrete<br />

Frage, haha, nein also, so divers wie unsere<br />

Community ist, so divers ist auch die<br />

erotische Seite davon. Wichtig finde ich<br />

bei allem immer respektvoll zu sein, egal<br />

ob zu zweit, zu dritt oder in einer Gruppe.<br />

Wie leicht bekommt man Kerle mit<br />

Hilfe deiner Arbeit ins Bett?<br />

Das ist immer davon abhängig, wie sehr<br />

man es darauf anlegt. Grundsätzlich bleibt<br />

während eines Sets eher weniger Zeit,<br />

sich auf einzelne Personen einzulassen,<br />

aber was davor und danach passiert, ist<br />

ganz davon abhängig, wie die Stimmung<br />

ist.<br />

Was müssen deine Fans unbedingt<br />

noch wissen?<br />

Ich mag Hemingway oder einen gut gemachten<br />

Gin Tonic und mit dem richtigen<br />

Drink lässt sich leicht ins Gespräch kommen<br />

und einiges erfahren.<br />

Du kennst jemanden, der für Dich auch<br />

eine ganz besondere Persönlichkeit aus<br />

der Gay-Community ist?<br />

Dann schreib´ uns! Wir freuen uns über<br />

deine Nachricht an<br />

redaktion@queeremedien.de


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WITH YOU,<br />

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Lifestyle 48<br />

ZWERGE,<br />

JUNGFRAUEN<br />

UND WOKE<br />

RETTER<br />

Die Hüter der einzig wahren Wahrheit haben wieder zugeschlagen<br />

und dieses Mal traf es mit aller Härte den Disney-Konzern. Begonnen<br />

hat die Story dabei eigentlich bereits vor über zwei Jahren, als<br />

der Mäusegigant ankündigte, eine Real-Neuverfilmung von »Schneewittchen<br />

und die sieben Zwerge« produzieren zu wollen. Ein Multi-Millionen-Dollar-Projekt<br />

und eines der gefragtesten Hollywood-<br />

Blockbuster gerade für kleinwüchsige Darsteller. Es dürfte wohl<br />

kaum einen so berühmten Filmstoff geben, der so vielfältige und<br />

unterschiedliche Charaktere für kleinwüchsige Schauspieler bereithält<br />

wie die Geschichte um die Königstochter und ihre sieben Zwerge<br />

aus der Feder der Gebrüder Grimm. Erstmals verfilmt im Jahr 1937<br />

zählt der Zeichentrickfilm bis heute zu den 100 besten US-Filmen<br />

aller Zeiten (American Film Institute).<br />

Damit ist es jetzt vorbei, denn kaum<br />

kündigte Disney auf der panischen Suche<br />

nach neuen Blockbustern die Neuverfilmung<br />

an, meldete sich der kleinwüchsige<br />

Darsteller Peter Dinklage zu Wort, seines<br />

Zeichens einer der Hauptcharaktere der<br />

Kultserie »Game of Thrones«. Darin spielt<br />

er einen Zwerg namens Tyrion Lannister,<br />

Sohn eines der mächtigsten Könige der<br />

gesamten Serie – eine unfassbar vielschichtige<br />

Rolle, die ihm international<br />

zu Ruhm verhalf und ihm nebst zahlreichen<br />

Auszeichnungen (vier Emmys, ein<br />

Golden Globe) auch eine internationale<br />

Karriere bescherte. Dinklage allerdings<br />

beschwerte sich, denn Disney würde<br />

mit der Neuauflage von Schneewittchen<br />

diese »verdammt rückständige Story über<br />

sieben Zwerge erzählen, die zusammen<br />

in einer Höhle leben.« Es hat nur den<br />

Bruchteil einer Millisekunde gedauert, bis


49<br />

Lifestyle<br />

sich die queere Community daraufhin des<br />

wunderbar diversen Themas annahm,<br />

denn was moralisch erlaubt oder verboten<br />

werden soll, weiß niemand besser als<br />

die Hohepriester*innen*en der queeren<br />

Woke-Bubble. Disney gelobte kurz darauf<br />

reumütig Besserung.<br />

Wir spulen vor – vor kurzem wurde nun<br />

der gesamte Hauptcast des Films bekannt,<br />

einige Set-Bilder gerieten ins Internet.<br />

Schneewittchen wird jetzt dargestellt von<br />

einer 20-jährigen Kolumbianerin (einstmals<br />

»weiß wie Schnee, rot wie Blut und<br />

schwarz wie Ebenholz«) und die sieben<br />

Zwerge gibt es nicht mehr. Konkret gesagt<br />

ist ein Zwerg übriggeblieben, doch<br />

er selbst darf sich nicht mehr Zwerg<br />

nennen. Allesamt sind es nun »magische<br />

Wesen«, zumeist hochgewachsen, darunter<br />

drei dunkelhäutige Darsteller sowie<br />

eine Person, die durchaus ein nicht-binärer<br />

Trans-Charakter sein könnte. Lassen<br />

wir uns überraschen, im nächsten Jahr<br />

kommt der Film in die Kinos und wird der<br />

dritte Disney-Megaflopp an den Kinokassen<br />

werden nach einer Arielle-Neuverfilmung<br />

mit einer dunkelhäutigen Meerjungfrau<br />

und einem computeranimierten<br />

Film über teils nicht-binäre Elementarteilchen.<br />

Man mag sich zwischendurch<br />

fragen, warum übergroße Märchenfiguren<br />

divers umgedichtet werden müssen,<br />

anstatt tatsächlich prominente dunkelhäutige<br />

Charaktere modern in Szene zu<br />

setzen. Erinnert sich noch jemand an<br />

Pocahontas zum Beispiel? Es gäbe mit<br />

Sicherheit viele andere Geschichten rund<br />

um starke schwarze Persönlichkeiten,<br />

man müsste nur wollen – doch darum<br />

geht es natürlich im Kern gar nicht. Es<br />

muss nur divers aussehen, nicht tatsächlich<br />

weltoffen sein. Vielleicht sollte man<br />

bei Disney mal augenzwinkernd nachfragen,<br />

ob es demnächst auch eine Neuverfilmung<br />

von Tarzan mit einem schwarzen<br />

Darsteller gibt, der dann wie im Originalbuch<br />

von Edgar Rice Burroughs mit<br />

Affen im Urwald lebt? Was dazu wohl die<br />

woken Moralwächter*innen* sagen?<br />

Zurück zu Schneewittchen: Die Sachlage<br />

wird auch deswegen immer absurder,<br />

weil sich inzwischen zahlreiche kleinwüchsige<br />

Hollywood-Schauspieler zu<br />

Wort gemeldet haben, die nun wiederum<br />

stinkwütend darüber sind, dass<br />

die berühmtesten Zwergen-Rollen der<br />

Geschichte jenseits vom »Hobbit« jetzt<br />

nicht mehr von Zwergen gespielt werden<br />

dürfen. Die woke Denkweise verteidigte<br />

vor kurzem trotzdem erneut der<br />

schwule Queer-Aktivist James Barr in<br />

der britischen Talkshow »Piers Morgan<br />

Uncensored«. Man muss viel geraucht,<br />

gezogen oder Hochprozentiges getrunken<br />

haben, um die Leitlinien der queeren<br />

Ideologie wirklich zu verstehen: Schwule<br />

Rollen dürfen nur noch von Schwulen gespielt<br />

werden, Trans-Rollen nur noch von<br />

Trans-Menschen, aber Zwergen-Rollen<br />

sollten keineswegs von Zwergen gespielt<br />

werden, denn das wäre ganz böse stereotyp.<br />

Wahrscheinlich sogar rassistisch.<br />

Zu Gast in der Sendung war auch der<br />

kleinwüchsige Schauspieler und Wrestler<br />

Dylan Postl, der sich über die Cancel<br />

Culture ärgerte – es sei unfair, dass die<br />

wenigen vielschichtigen Zwergen-Rollen<br />

in Hollywood nun ausgerechnet nicht<br />

von Zwergen dargestellt werden dürften<br />

– jeder kleinwüchsige Darsteller würde<br />

sich nach so einer Charakterdarstellung<br />

sehnen, anstatt ansonsten immerzu nur<br />

Elfen und Kobolde in oftmals billigen<br />

Fantasie- und Weihnachtsmärchen spielen<br />

zu müssen – wie das zu Beginn seiner<br />

Karriere übrigens auch Peter Dinklage<br />

mehrfach getan hatte.<br />

Gnädig erlaubte der queere Aktivist Barr<br />

dem Zwergen-Darsteller zwar seine<br />

Meinung, erklärte ihm aber zeitgleich,<br />

dass seine Aussagen im Grunde doch<br />

sehr zwergenfeindlich seien. Man mag<br />

darüber lächeln, bis man erkennt, dass<br />

die Denkweise immer weiter um sich<br />

greift – Minderheiten wird erklärt, wie<br />

sie zu fühlen und was sie zu sagen haben.<br />

Weicht ihre Meinung von der woken<br />

Maxime ab, werden sie verstoßen oder<br />

ihnen wird direkt erklärt, sie hätten gar<br />

nie richtig dazugehört. So fehlte nicht viel<br />

und Barr hätte Postl verdeutlicht, er sei<br />

gar kein richtiger Zwerg, immerhin ist ja<br />

inzwischen alles nur noch eine Frage der<br />

Selbstdefinition, oder? Wir kennen das<br />

Denkschema sehr gut aus der queeren<br />

Bubble.<br />

Die Daily Male fragte daraufhin, ob<br />

man den Film nicht lieber umbenennen<br />

sollte in »Schneewittchen und die sieben<br />

politisch korrekten Gefährten«? Das ist<br />

natürlich Quatsch. Korrekt müsste es<br />

lauten: »Schneewokechen*in und die<br />

sieben nicht-binären magischen People*in<br />

of Colour*in«. Alles andere ist rassistisch.<br />

Mindestens. Da muss jetzt nicht<br />

nur Schneewittchen, sondern wir alle<br />

in den sauren Apfel beißen und hoffen,<br />

dass das betäubende Gift schnell wirkt.<br />

Außerdem soll die Realverfilmung ein<br />

Musical werden, mit einer Kolumbianerin<br />

als Schneewittchen würde sich also ein<br />

heißer Salsa-Tanz sehr gut anbieten, bevor<br />

die Königstochter*in in den Schlaf fällt.<br />

Spannend wird auch die Frage, ob sie der<br />

Prinz überhaupt noch wachküssen wird<br />

dürfen, denn eigentlich ist das sexuell<br />

massiv übergriffig und es droht ein lebenslanges<br />

Trauma bei Schneewokechen.<br />

Auch die Frage, als was sich der Prinz<br />

selbst definiert, ist noch vollkommen<br />

offen. Und wieso sollte er Schneewittchen<br />

überhaupt küssen, kann er doch gar nicht<br />

wissen, ob sie tatsächlich eine junge Frau<br />

ist oder sich doch eher als nicht-binärer<br />

Fuchs definiert?<br />

Schlimm daran ist, dass auch die großen<br />

Player wie Disney den Wahnsinn weiter<br />

mitmachen, selbst wenn sie damit ein<br />

ums andere Mal wirtschaftlich gegen die<br />

Wand fahren. Im ebenso neuen Hollywoodfilm<br />

»Wonka« wird die Vorgeschichte<br />

zu »Charlie und die Schokoladenfabrik«<br />

erzählt, jene bekannte Story um den<br />

berühmten Schokoladenhersteller Willy<br />

Wonka und seinen kleinen Helfern,<br />

den Oompa Loompas, Angehörige eines<br />

fiktiven Pygmäenstammes, die zu den<br />

wichtigsten Figuren in der fiktiven<br />

Schokoladenwelt von Kinderbuch-<br />

Schriftsteller Roald Dahl gehören. Der<br />

junge Wonka (einstmals verkörpert von<br />

Johnny Depp) selbst wird dargestellt von<br />

Timothée Chalamet (»Call Me By Your<br />

Name«, »Dune«), in die Rolle des Oompa<br />

Loompas schlüpft dank bester CGI-Technik<br />

– Hugh Grant mit einer Körpergröße<br />

von 1.82 Metern. Die woken Moralwächter<br />

dürften beglückt sein, alles richtig gemacht,<br />

auch wenn erneut einem tatsächlich<br />

kleinwüchsigen Darsteller eine der<br />

wenigen interessanten und verfügbaren<br />

Jobs weggenommen wurde. Aber wenn<br />

kümmert es, solange das woke Gewissen<br />

beruhigt ist? Außerdem steht Weihnachten<br />

praktisch schon vor der Tür und Elfen<br />

sowie Kobolde werden immer gebraucht,<br />

oder? (mm)


Lifestyle 50<br />

Neue Fälle in Deutschland –<br />

wie groß ist die Gefahr?<br />

COMEBACK DER<br />

AFFENPOCKEN?<br />

Ein gutes halbes Jahr hat es in Deutschland keine neuen Fälle von<br />

Affenpocken (Mpox) gegeben, im August und September sind in<br />

Berlin die ersten neuen Fälle einer Mpox-Infektion verzeichnet<br />

worden – genau davor hatten unter anderem die Deutsche Aidshilfe<br />

(DAH) aber auch das Robert-Koch-Institut (RKI) seit Monaten<br />

immer wieder gewarnt. Erwartet uns jetzt also wie im letzten Jahr<br />

erneut eine Affenpocken-Welle?<br />

Als im Mai 20<strong>22</strong> Mpox zunächst in<br />

London ausbrach, verbreitete sich die<br />

Virus-Infektion binnen kürzester Zeit in<br />

der schwulen Community Europas – am<br />

stärksten betroffen waren neben Großbritannien<br />

unter anderem vor allem<br />

Deutschland und Spanien. In der Bundesrepublik<br />

wurden im vergangenen Jahr<br />

offiziell 3.700 Fälle registriert, Experten<br />

gehen davon aus, dass es eine hohe<br />

Anzahl von Erkrankungen gibt, die aus<br />

Scham oder Angst der Betroffenen gar<br />

nicht erst gemeldet worden sind. Weltweit<br />

kam es zu rund 90.000 Fällen, etwa<br />

150 Menschen meist mit geschwächtem<br />

Immunsystem, beispielsweise aufgrund<br />

von HIV, starben an den Folgen einer<br />

Mpox-Infektion. Gerade für Menschen<br />

mit HIV ist die Gefahr eines schweren<br />

bis lebensgefährlichen Verlaufs deutlich<br />

größer, wie im Frühjahr dieses Jahres<br />

eine britische Studie belegte. Die Sterblichkeitsrate<br />

liegt bei Menschen mit HIV<br />

mit niedrigen CD4-Zahlen (Diagnose<br />

AIDS) bei 15 Prozent, das Virus zeige<br />

»verheerende Auswirkungen«. Und<br />

weiter: »Die Daten sind für Menschen mit<br />

fortgeschrittenem HIV erschreckend. Es<br />

ist wirklich erschütternd!«, so Dr. Chloe<br />

Orkin, Expertin für Infektionskrankheiten<br />

an der Queen Mary Universität in<br />

London gegenüber NBC News. Nach Angaben<br />

der Weltgesundheitsorganisation<br />

WHO befeuerten vor allem auch mehrere<br />

sexpositive Events die Verbreitung der<br />

Affenpocken, weswegen die Organisation<br />

vor einem erneuten Ausbruch während<br />

der Festival- und Pride-Saison 2023 gewarnt<br />

hatte. Bis auf einzelne Fälle blieb<br />

Europa vom großen zweiten Ausbruch<br />

bisher glücklicherweise verschont.<br />

Grundsätzlich können die Affenpocken<br />

alle Menschen befallen, bei der Pandemie<br />

im vergangenen Jahr erkrankten aber<br />

fast ausschließlich schwule und bisexuelle<br />

Männer, die sich durch sexuelle Kontakte<br />

infiziert hatten (MSM). Ähnlich sieht<br />

auch das aktuelle Geschehen aus – bisher<br />

haben sich beinahe ausnahmslos alle<br />

Männer in Berlin bei sexuellen Kontakten<br />

mit dem Virus infiziert. Betroffen sind<br />

derzeit junge Homosexuelle im Alter von<br />

28 bis 35 Jahren. Die Deutsche Aidshilfe<br />

erklärte, das Virus sei »gekommen, um<br />

zu bleiben« und rief die Gay-Community<br />

dazu auf, falls noch nicht geschehen, sich<br />

dringend noch impfen zu lassen. Für den<br />

bestmöglichen Schutz ist eine zweifache<br />

Impfung im Abstand von mindestens vier<br />

Wochen nötig. Gerade für die schwule<br />

Szene in Berlin sei dies besonders ratsam,


51<br />

Lifestyle<br />

rund die Hälfe aller Fälle im Jahr 20<strong>22</strong> in<br />

Deutschland wurden in der Regenbogenhauptstadt<br />

registriert. Das Robert Koch-<br />

Institut erklärte vor wenigen Tagen im<br />

September dieses Jahres: »Trotz der über<br />

Monate hinweg in weiten Teilen der Welt<br />

ruhigen epidemiologischen Lage hat das<br />

RKI damit gerechnet, dass neue Fälle auch<br />

in Deutschland auftreten können. Auch<br />

ein begrenztes Ausbruchsgeschehen ist<br />

durchaus wieder möglich.«<br />

Die Krankheit ist dabei hoch infektiös<br />

und kann bereits durch gemeinsam gebrauchtes<br />

Sexspielzeug wie beispielsweise<br />

Dildos übertragen werden. In den meisten<br />

Fällen kommt es dann zu Bläschen auf<br />

der Haut, sehr oft im Genitalbereich; die<br />

betroffenen Stellen jucken und können<br />

oftmals massive Schmerzen verursachen.<br />

Mehr als jeder zehnte Betroffene musste<br />

im vergangenen Jahr aufgrund von zu<br />

großer Schmerzen im Krankenhaus behandelt<br />

werden. Ein Comeback der Affenpocken<br />

im Herbst dieses Jahres kann sich<br />

also wirklich niemand wünschen. Doch<br />

wie hoch ist die Gefahr wirklich? Das<br />

<strong>HIM</strong> MAGAZINE fragte nach bei Holger<br />

Wicht von der Deutschen Aidshilfe.<br />

Holger, nach einem guten halben Jahr<br />

Verschnaufpause sind jetzt erstmals<br />

in Deutschland wieder neue Fälle von<br />

Mpox aufgetreten. Befürchtet die DAH<br />

eine neue Welle von Affenpocken-Infektionen?<br />

Die neuen Fälle zeigen, dass es immer<br />

wieder zu Infektionen kommen kann.<br />

Auch neue Ausbrüche sind möglich, aber<br />

sehr wahrscheinlich nicht in dem Ausmaß,<br />

wie wir es letztes Jahr erlebt haben.<br />

Viele schwule Männer mit Mpox-Risiko<br />

sind mittlerweile geimpft oder waren<br />

schon infiziert – das verhindert Infektionen<br />

und schützt vor schweren Verläufen.<br />

Fast alle Personen, die sich bis heute<br />

gegen Mpox in Deutschland geimpft<br />

haben lassen, waren schwule Männer.<br />

Hat die Gay-Community hier vorbildlich<br />

reagiert oder gibt es Nachholbedarf?<br />

Die schwule Community war mit dem<br />

Mpox-Ausbruch herausgefordert und<br />

hat sehr kraftvoll reagiert. Schwule und<br />

bisexuelle Männern haben viel dazu<br />

beigetragen, dass der Ausbruch relativ<br />

schnell vorbei war. Viele Männer haben<br />

sich impfen lassen. Wir empfehlen<br />

bei wechselnden Partnern weiterhin<br />

die Impfung – sie ist einfach der beste<br />

Schutz vor Infektionen beziehungsweise<br />

schweren und schmerzhaften Verläufen<br />

der Erkrankung. Für diejenigen, die noch<br />

nicht geimpft sind, ist jetzt ein guter Zeitpunkt<br />

dafür: Impfstoff ist vorhanden, und<br />

sollten die Infektionszahlen irgendwann<br />

wieder hochgehen, besteht bis dahin<br />

Impfschutz. Wir empfehlen übrigens<br />

Männern, die Sex mit Männern haben,<br />

auch die Impfung gegen Hepatitis A und<br />

B. Am besten gleich zusammen erledigen.<br />

Nach Angaben des Landesamtes für<br />

Gesundheit in Berlin waren unter den<br />

neu Betroffenen auch einige Person, die<br />

vollständig oder teilweise gegen Mpox<br />

geimpft waren. Wie bewertest Du das?<br />

Wir haben immer gewusst und gesagt,<br />

dass die Impfung Mpox-Infektionen nicht<br />

völlig unmöglich macht. Viele Infektionen<br />

verhindert sie, in anderen Fällen schützt<br />

sie vor äußerst schmerzhaften und gefährlichen<br />

Verläufen. Das gilt weiterhin<br />

und ist sehr viel wert!<br />

Würdest Du sexuell aktiven schwulen<br />

und bisexuellen Männern daher raten,<br />

auch mit Impfung gewisse Schutzmaßnahmen<br />

zu ergreifen, beispielsweise<br />

Kondome? Mal gänzlich ausgenommen<br />

von der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit<br />

solcher Maßnahmen mit Blick auf Geschlechtskrankheiten<br />

im Generellen.<br />

Jeder Mensch kann und muss selbst entscheiden,<br />

was er zu seinem Schutz tun<br />

möchte und was er dafür gegebenenfalls<br />

in Kauf nimmt. Wir betrachten Mpox als<br />

eine neue sexuell übertragene Infektion,<br />

wobei es im Moment in Deutschland<br />

nur sehr wenige Infektionen gibt. Die<br />

Impfung hat eine hohe Schutzwirkung<br />

und ist bei wechselnden Partnern aus<br />

unserer Sicht empfehlenswert. Das Risiko<br />

einer Infektion mit schwerem Verlauf<br />

ist für Geimpfte zurzeit äußerst gering.<br />

Insbesondere Ungeimpfte können mit<br />

Kondomen prinzipiell die Wahrscheinlichkeit<br />

sehr schmerzhafter Symptome<br />

im Genital- und Analbereich verringern.<br />

Wer beide Maßnahmen kombinieren<br />

möchte – vielleicht auch mit Blick auf andere<br />

Geschlechtskrankheiten – kann das<br />

natürlich tun. Andere möchten vielleicht<br />

keine Kondome verwenden. Beides ist<br />

völlig legitim, eine Empfehlung sprechen<br />

wir nicht aus. Es ist aus unserer Sicht<br />

wichtig, auf die neuen Fälle nicht mit zu<br />

großer Sorge oder sogar mit moralischem<br />

Druck zu reagieren. Im Moment gibt es<br />

keine Anzeichen für einen neuen Ausbruch<br />

größeren Ausmaßes in Deutschland.<br />

Schwule Männer sollten sich von<br />

Mpox nicht den Spaß am Sex verderben<br />

lassen. Dazu besteht im Moment zum<br />

Glück auch kein Anlass!<br />

Holger, vielen Dank Dir fürs Gespräch!<br />

(ms)


Lifestyle 52<br />

Kultur und kinky in<br />

perfekter Symbiose!<br />

LONDON IM<br />

HERBST<br />

»London geht über alle Grenzen und Konventionen<br />

hinaus. Es enthält jeden Wunsch oder jedes Wort,<br />

das jemals gesprochen wurde, jede Handlung oder<br />

Geste, die jemals gemacht wurde, jede harsche<br />

oder edle Aussage, die jemals geäußert wurde. Es<br />

ist unbegrenzt. Es ist das unendliche London.« So<br />

hat der berühmte, schwule Londoner Stadthistoriker<br />

Peter Ackroyd London in wenigen Worten<br />

äußerst treffend beschrieben. Oder anders gesagt:<br />

Wie kann man einer Stadt entrinnen, die einen<br />

180-Meter-hohen Dildo als Wahrzeichen hat?<br />

Schon die Anreise nach London ist etwas<br />

Besonderes. Meine Empfehlung ist es, mit<br />

dem eigenen PKW anzureisen, und die<br />

Annäherung an das Ziel auf der Fähre zu<br />

genießen. Die Szene, der immer näherkommenden<br />

Kreidefelsen von Dover ist<br />

ein Bild, das man gesehen haben muss.<br />

Auf der »Insel« angekommen muss man<br />

sich nicht nur mit dem Fahren auf der<br />

linken Seite vertraut machen, auch die<br />

nicht so ganz auf metrisch umgestellten<br />

Angaben sind gewöhnungsbedürftig.<br />

Bier und Milch kauft man in Pints (ca.<br />

0,6l), Mineralwasser und Softdrinks in<br />

Liter, der Verbrauch eines Autos wird in<br />

Meilen pro Galone gemessen, doch Benzin<br />

kauft man an der Tankstelle in Liter. Die<br />

Geschwindigkeitsbegrenzungen sind in<br />

Meilen pro Stunde angegeben, Maße von<br />

Möbeln jedoch in cm.<br />

Die Fahrt mit dem Auto vom Hafen in<br />

Dover nach London führt durch eine<br />

landschaftlich reizvolle Gegend, vorbei an<br />

Canterbury, Rochester und Greenwich,<br />

um dann von Osten her nach London<br />

zu kommen. Hier empfehle ich das erste<br />

Park&Ride aufzusuchen, und das Auto<br />

dort stehen zu lassen. Die Preise für das<br />

Befahren der »Ultra Low Emission Zone«


53<br />

Lifestyle<br />

und die Parkgebühren in London sind<br />

bald höher, als man im Hotel für die Nächtigung<br />

zahlt. Außerdem ist der öffentliche<br />

Verkehr (vorwiegend mit Bus und »Tube«)<br />

einfach perfekt ausgebaut und schnell.<br />

Man braucht auch nicht extra Tickets<br />

kaufen, einfach beim Eingang und Ausgang<br />

die Kreditkarte hinhalten, und der<br />

Fahrpreis wird abgebucht. Bequemer geht<br />

es nicht.<br />

In London angekommen, ist man erst mal<br />

von der Größe beeindruckt. Alles wirkt in<br />

XXL. Es gibt nicht wirklich ein richtiges<br />

Stadtzentrum, aber unzählige Plätze, die<br />

von der Größe und dem Erscheinungsbild<br />

das Stadtzentrum sein könnten. Im<br />

Vertrauen gesagt, das— geodätische –<br />

Stadtzentrum in London ist am Piccadilly<br />

Circus, das Haus mit dem großen LED-Panel.<br />

Doch kommen wir mal zur Kultur:<br />

London beeindruckt mit einer Vielzahl<br />

an Museen, Galerien, Theatern, Sammlungen,<br />

Bibliotheken und vielem mehr.<br />

Staatliche Museen bieten meist freien<br />

Eintritt (mit Ausnahme von Sonderausstellungen),<br />

private hingegen verlangen<br />

oft hohe Eintrittsgelder.<br />

Für mich als gebürtigen Wiener war<br />

natürlich ein Besuch im Sigmund Freund<br />

Museum Pflicht. In der »Cottage«, nahe<br />

Swiss Cottage, liegt das Museum ziemlich<br />

versteckt. Es ist die Villa, in die Siegmund<br />

Freund, von den Nazis 1938 aus Wien<br />

vertrieben, gezogen ist, und in der er<br />

seinen Lebensabend 1939 verbrachte. Die<br />

von Fotos so vertraute Einrichtung aus<br />

seiner Wiener Wohnung in der Berggasse<br />

ist nahezu vollständig in seiner<br />

Villa in London zu sehen, inklusive der<br />

berühmten Couch, auf der die Patienten<br />

während der Sitzungen lagen. Besonders<br />

empfehlenswert ist der Audio-Guide,<br />

der die Geschichte der Familie Freud, der<br />

Villa und auch der Wohnung in Wien in<br />

Deutsch und Englisch vermittelt. Die Zeit,<br />

sich alles genau anzuhören, sollte man<br />

sich unbedingt nehmen.<br />

Ein weiteres, dem Touristen nicht so geläufiges<br />

Museum ist das Sir John Soane‘s<br />

Museum am Lincoln‘s Inn Fields. Sir John<br />

Soane war einer der berühmtesten britischen<br />

Architekten des späten 18. und frühen<br />

19. Jahrhunderts. Zu seinen Werken<br />

zählen so bekannte Gebäude wie die Bank<br />

of England oder die Gemäldegalerie von<br />

Dulwich College. Das Museum ist in dem<br />

von außen eher unscheinbar wirkendem<br />

Haus am Lincoln‘s Inn Fields mit einer<br />

Fassade aus Portland-Stein untergebracht.<br />

Dahinter verbirgt sich ein Kleinod im<br />

neo-klassizistischen Stil. Ein Museum mit<br />

einer Sammlung von ungefähr 30.000<br />

architektonischen Zeichnungen, architektonischen<br />

Exponaten und neoklassizistische<br />

Skulpturen.<br />

Vom dort sind es nur wenige Meter zum<br />

vermutlich größten und beeindruckendsten<br />

Museum in London, dem British<br />

Museum. Es zählt zu den größten und<br />

bedeutendsten kulturgeschichtlichen<br />

Museen der Welt und wurde bereits 1759<br />

eröffnet. Es beherbergt so bedeutende<br />

Kunstschätze wie die Elgin Marbles (das<br />

sind die Marmorfriese und Marmorstatuen<br />

vom Athener Parthenon), den<br />

Rosetta-Stein oder den Bart der Sphinx.<br />

Die Sammlung umfasst etwa acht Millionen<br />

Objekte. Wer sich hier einen groben<br />

Überblick verschaffen möchte, sollte zumindest<br />

einen ganzen Tag einplanen. Das<br />

Museum ist weitläufig und man entdeckt<br />

immer neue Räume. Besonders erwähnt<br />

sei noch der zur Jahrtausendwende überdachte,<br />

7.100 m² große Innenhof, welcher<br />

der größte, überdachte, öffentliche Platz<br />

Europas ist.<br />

Ein weiteres, sehenswertes Gebäude ist<br />

der Westmister-Palace, der Sitz des britischen<br />

Parlaments. Der älteste erhaltene<br />

Teil, ist die Westmister Hall aus 1097,<br />

sowie der Jewel Tower (andere Straßenseite,<br />

hinter der Westmister Abby) aus<br />

1365. Der bekannteste Teil des Palastes<br />

ist sicher der (seit 2012 offiziell »Elizabeth<br />

Tower« genannte) Uhrenturm mit der Glocke<br />

Big Ben. Bemerkenswert, doch nicht<br />

ganz so berühmt sind die Plenarsäle des<br />

»House of Commons« (in schlichtem Grün<br />

gehalten) und jener des »House of Lords«,<br />

in royalem Rot sowie die berühmte Lobby.


Lifestyle 54<br />

Doch zurück zur bildenden Kunst. Die<br />

nächste Location beherbergt die weltweit<br />

größte Sammlung von Kunstgewerbe und<br />

Design. Es handelt sich um das Victoria &<br />

Albert Museum (oft als V&A abgekürzt).<br />

Das Museum wurde 1852 mit einer<br />

Sammlung von Gipsabgüssen, Gravuren<br />

und einigen Exponaten der Weltausstellung<br />

1851 eröffnet. Besonders hinweisen<br />

möchte ich auf die Cafeteria, die bereits in<br />

der Planung als »refreshment rooms« gewidmet<br />

war. Damals ein absolutes <strong>No</strong>vum<br />

in der Planung eines Museums. Eine der<br />

eindrucksvollsten Sammlungen des V&A<br />

sind die Abgusshöfe mit Abgüssen der<br />

Trajanssäule in Rom (zweiteilig), des David<br />

von Michelangelo in Florenz und von<br />

hunderten weiteren Skulpturen, Friesen<br />

und Grabmälern. Abschließen möchte<br />

ich den kleinen kulturellen Spaziergang<br />

durch London mit einem Besuch in der<br />

Queen‘s Gallery, direkt im Buckingham<br />

Palace. Die Queen’s Gallery wurde 1962<br />

an Stelle einer, im zweiten Weltkrieg<br />

von einer deutschen Bombe zerstörten<br />

Kapelle aus 1843 eröffnet. Sie beherbergt<br />

eine wechselnde Ausstellung von<br />

Werken der Sammlung der Königsfamilie.<br />

Diese Sammlung wird durch den »Royal<br />

Collection Trust« treuhänderisch verwaltet.<br />

Es gäbe noch so viel zu sehen in<br />

London, und ich möchte diese Tour gerne<br />

2024 in einem zweiten Teil dieses Artikels<br />

fortsetzen.<br />

Doch zunächst setzen wir die Tour vor<br />

der Stadtgrenze im Westen fort: Unbedingt<br />

empfehlenswert ist es, sich einen<br />

Tag extra Zeit zu nehmen und das Schloss<br />

Windsor zu besuchen. Mit der »Great<br />

Western Railway« ist es von Paddington<br />

Station (nein, nicht 16 Uhr 50 ab<br />

Paddington) nur eine Station bis Slough<br />

(gesprochen: Slaauh«, von dort geht es<br />

am anderen Gleis weiter bis »Windsor<br />

and Eaton Central«). Das Schloss Windsor<br />

liegt erhaben auf einem Hügel, mitten in<br />

der Stadt, und beeindruckt allein schon<br />

durch die Größe. Es ist auch das größte,<br />

durchgehend bewohnte Schloss der Welt.<br />

Ob der König gerade anwesend ist, erkennt<br />

man übrigens an der königlichen<br />

Wappenstandarte auf dem Round Tower.<br />

Während seiner Abwesenheit weht dort<br />

der Union Jack. Beginnen sollte man<br />

mit der St. George’s Chapel am unteren<br />

Burghof. Sie ist nicht nur die Grabstätte<br />

vieler britischer Königinnen und Könige,<br />

sondern auch die Kapelle des Hosenbandordens.<br />

Man kann das Museumspersonal<br />

ansprechen und nach den Sitzplätzen von<br />

bekannten Mitgliedern des Hosenbandordens<br />

fragen. Sie werden diese dann<br />

gerne zeigen und erklären. Weiter geht<br />

es durch die Staatsgemächer im oberen<br />

Burghof (ganz nebenbei sollte man die<br />

Aussicht von der <strong>No</strong>rdterrasse auf Eaton<br />

hinunter genießen). Die Staatsgemächer<br />

werden heute von der königlichen Familie<br />

genutzt. Hier empfängt der Monarch<br />

offizielle Besuche von Staatsoberhäuptern.<br />

Der eindrucksvollste Raum ist der<br />

»Grand Reception Room«. Mit seinen<br />

Kronleuchtern und Vergoldungen diente<br />

er einst als Hauptballsaal des Schlosses.<br />

Erwähnenswert ist hier die große Malachit-Urne,<br />

die Königin Victoria 1839 von<br />

Zar Nikolaus I. geschenkt bekam. Sie ist<br />

das größte Exemplar außerhalb Russlands.<br />

Das Schloss ist von außergewöhnlicher<br />

Pracht. Man vergisst dabei völlig, dass hier<br />

1992 fast alles durch einen Brand zerstört<br />

wurde und in liebevoller Kleinarbeit teils<br />

originalgetreu, teils neu gestaltet wieder<br />

aufgebaut wurde.<br />

Genug der Kultur, widmen wir uns nun<br />

der schwulen Fetisch-Szene und kehren<br />

wir dazu nach London zurück: Das unumstrittene<br />

Zentrum der schwulen Szene<br />

in London ist die »Old Compton Street«<br />

in Soho, unweit des Piccadilly Circus (die<br />

Mitte Londons, wir erinnern uns). Hier<br />

reiht sich eine schwule Bar an die andere,


55<br />

Lifestyle<br />

Fetisch-Szene in London zu beobachten.<br />

Viele haben im Lockdown ihren Fetisch<br />

wiederentdeckt oder neue Fetische dazugewonnen.<br />

Zudem stieg die Sehnsucht<br />

nach Events, die über eine so lange Zeit<br />

verboten waren. So entwickelt sich gerade<br />

eine komplett neue Generation an Fetisch<br />

Clubs und »safe-sex spaces«.<br />

und auch die typischen Shops sind hier<br />

zu finden. Namen, die jeder in der Szene<br />

schon zumindest mal gehört hat, wie »Regulation«,<br />

»Prowler« und »Clonezone«, um<br />

nur einige zu nennen. Wenn man schon<br />

mal in der Gegend ist, ist ein Besuch des<br />

angesagtesten Second-Hand-Ladens in<br />

London Pflicht. Bei »Goldsmith Vintage«<br />

findet jeder sicher etwas Besonderes zum<br />

Einheitspreis. Man muss sich Zeit nehmen,<br />

sich durch die tausenden T-Shirts,<br />

Tank-Tops, Sport-Shorts und alles andere<br />

durchzugraben. Auch die Sortierung nach<br />

Farben und nicht nach Größen ist am<br />

Anfang etwas ungewohnt. Doch am Ende<br />

findet jeder sicher sein ganz spezielles Andenken<br />

an London.<br />

Die Londoner Club-Szene hat sich im Laufe<br />

der Zeit mehrmals gewandelt. So gab es<br />

die ersten Fetisch-Vereinigungen (inoffiziell)<br />

bereits im frühen 20.Jahrhundert.<br />

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden<br />

bereits »safe-sex-spaces« für homosexuelle<br />

Personen geschaffen und die Fetisch-<br />

Szene begann sich zu organisieren. Durch<br />

die gestiegenen Kosten für Miete und<br />

Lizenzgebühren mussten ab 2010 viele<br />

bekannte und alteingesessene Clubs und<br />

Bars in London schließen. Dazu blieben<br />

noch die Gäste aus, weil sich die Szene zunehmend<br />

auf »Apps« trifft. Sogar legendäre<br />

Clubs wie »The Coleherne«, »Cellar Bar«,<br />

»The Hoist« und »The Backstreet« mussten<br />

schließen. Als (positives) Ergebnis von CO-<br />

VID-19 ist jetzt eine Neuentdeckung der<br />

Der Club »The Underground Club«, unterhalb<br />

der berühmten LGBTQ-Bar »Central<br />

Station«, bietet für jeden Fetisch etwas.<br />

Das Angebot reicht von Leather Cruise<br />

über Collared bis hin zu den berühmten<br />

Gear-Bound Nächten. Es werden die<br />

Räume an verschiedene Veranstalter<br />

vermietet, sodass es jedes Wochenende<br />

viel Neues zu entdecken gibt und ein<br />

besonders abwechslungsreiches Programm<br />

entstanden ist. Alleine schon die<br />

Terrasse, auf der sich die Fetisch-Gäste des<br />

Underground mit den LGBTQ-Gästen der<br />

Bar Central Station vermischen und die<br />

einzigartigen Kellergewölbe sind einen<br />

Besuch wert.<br />

Der Club »MA1 Bunker« in Shoreditch ist<br />

eine Location, die es schon sehr lange gibt.<br />

Das Angebot reicht von »naked nights« bis<br />

hin zu Abenden mit strengem Dresscode.<br />

Es wird auch gerne und viel im Dämmerlicht<br />

der Playrooms gespielt. Hier gibt es<br />

jeden Tag der Woche ein Programm, nicht<br />

nur am Wochenende. Auch die legendären<br />

SM-Gays treffen sich hier jeden<br />

dritten Donnerstag im Monat. Und natürlich<br />

auch für Puppys und deren Liebhaber<br />

gibt es in London ein monatliches Treffen.<br />

Die Gruppe »Pup Out« trifft sich für Socials,<br />

Einführungen und für gemeinsame<br />

Ausflüge. Auf der Webseite findet man<br />

alle Events (siehe Infobox). Für Fans von<br />

Latex und Rubber bietet sich das »London<br />

Rubber Social« an. Es findet etwa viermal<br />

im Jahr statt und wird rechtzeitig auf der<br />

Webseite angekündigt. Darüber hinaus


Lifestyle 56<br />

gibt es informelle Treffen im »The London<br />

Hotel« in Southampton einmal im Monat.<br />

Details auch hier auf der Webseite.<br />

Doch auch fernab von Clubs haben sich<br />

Treffpunkte und Szenen in London entwickelt.<br />

London verfügt über das vermutlich<br />

belebteste und beliebteste Gay-Cruising-<br />

Gelände der Welt: Hampstead Heath. Das<br />

Cruising-Gebiet befindet sich hinter dem<br />

»Jack Straws Castle« unweit der Tube-Station<br />

»Hampstead«. Untertags ist das Gebiet<br />

ein »normaler« Park, in dem die Einheimischen<br />

mit ihren Hunden spazieren gehen.<br />

Nach Einbruch der Dunkelheit gehört der<br />

Park jedoch der schwulen Szene und die<br />

Anwohner meiden das Gebiet. Die Polizei<br />

weiß, was dort vor sich geht, hält sich<br />

aber raus, solange die Anwohner nicht<br />

übermäßig gestört werden.<br />

Die »Gay West Heath«, das ist der westliche<br />

Teil, ist, wie ein Großteil der Schwulenszene,<br />

sehr bunt gemischt: Anwälte<br />

treiben es mit Straßenhändlern, Multimillionäre<br />

mit Arbeitslosen und sogar<br />

Prominente mit anderen Prominenten.<br />

Der nur für Männer zugängliche Badeteich<br />

Hampstead Heath ist im Sommer<br />

bis hinein in den frühen warmen Herbst<br />

der angesagte Ort für Londoner Jungs<br />

zum Schwimmen und Herumtollen. Die<br />

Magie des »West Heath«, dieses hügelige,<br />

dichte, buschige und waldige Universum<br />

an einem lauen Abend kann man nicht<br />

beschreiben. Das muss man als schwuler<br />

Mann einfach mal erlebt haben. Der Male<br />

Only Schwimmteich »Highgate Bathing<br />

Ponds« befindet sich im östlichen Teil von<br />

Hampstead Heath. Die nächstgelegene<br />

U-Bahn- und Bahnstation hier ist Gospel<br />

Oak. Um den Teich zu erreichen, gibt<br />

es einen Umkleidebereich. Links davon<br />

befindet sich ein separater Bereich zum<br />

Nacktsonnenbaden. In der umzäunten<br />

Anlage ist Nacktheit unter den Stammgästen<br />

- den ernsthaften Schwimmern,<br />

Schachspielern, Gewichthebern, Lesern<br />

und Sonnenanbetern, für die dies eine Art<br />

Club ist - gang und gäbe. Auf den Sprungbrettern<br />

und im Wasser muss (leider)<br />

eine Badehose getragen werden. Und wer<br />

lieber in eine Gay-Sauna geht, dem sei<br />

noch die »Pleasuredrome« in Waterloo<br />

empfohlen. In den Bögen der Bahnstation<br />

»Waterloo East« ist die Sauna 24 Stunden<br />

geöffnet. Sie bietet eine große Sauna-Kabine,<br />

einen Whirlpool und ausreichend<br />

Platz zum Spielen. Tipp: Die Masseure<br />

sind besonders gut und manchmal wird<br />

man von ihnen sogar mit live gesungenen<br />

Schubert-Liedern verwöhnt.<br />

London bietet, wie schon in der Einleitung<br />

von Peter Ackroyd so treffend<br />

geschrieben, für jeden Geschmack etwas,<br />

und man wird nie alles gesehen haben<br />

können. Weder von der Kultur noch von<br />

der schwulen Szene. Dafür ist es einfach<br />

zu groß, zu vielseitig und zu schnell im<br />

Wandel. Alles Gründe für mich, 2024<br />

zurückzukehren, um für einen zweiten<br />

Teil dieses Artikels zu recherchieren. Ach,<br />

und zum Dildo – damit ist natürlich »30 St<br />

Mary Axe« gemeint, der berühmte Büroturm<br />

der Architekten Ken Shuttleworth<br />

und <strong>No</strong>rman Foster. Für schwule Jungs<br />

mag er der größte Dildo der Welt sein,<br />

den selbst Fist-Experten nicht erklimmen<br />

können. Die Londoner selbst bezeichnen<br />

ihn zumeist nur als »The Gherkin«, das<br />

Gewürzgürkchen. (ca)


57<br />

Lifestyle<br />

Siegmund Freund Museum<br />

20 Maresfield Gardens, London NW3 5SX –<br />

Jubilee oder Metropolitan Line bis «Finchley<br />

Road”, dann links in die «Finchley Road”,<br />

diese überqueren und gegenüber von Lidl die<br />

Treppen hinauf, rechts in die »Nutley Terrace«<br />

und gleich die erste rechts in »Marsfield<br />

Gardens«. www.freud.org.uk<br />

Sir John Soane‘s Museum<br />

13 Lincoln‘s Inn Fields, London WC2A 3BP –<br />

Piccadilly oder Central Line bis Holborn, dann<br />

Richtung Süden. www.soane.org<br />

British Museum<br />

Great Russell St, London WC1B 3DG. www.<br />

britishmuseum.org<br />

Westminster-Palace und Jewel Tower<br />

London SW1A 0AA – Circle, Jubilee oder<br />

District Line bis Westminster, dann nur über<br />

die Straße. www.parliament.uk/about/livingheritage/building/palace<br />

Victoria & Albert Museum<br />

Cromwell Rd, London SW7 2RL – Circle, District<br />

oder Piccadilly Line bis «South Kensington”<br />

und dann den Wegweisern folgen! www.<br />

vam.ac.uk<br />

Queen‘s Gallery<br />

Buckingham Palace, London SW1A 1AA – Jubilee,<br />

Piccadilly oder Victoria Line bis «Green<br />

Hill” und von dort durch den Green Park in<br />

Richtung Süden, vorbei am Buckingham Palace<br />

und dann links in die »Spur Road«. www.<br />

rct.uk/visit/the-queens-gallery-buckinghampalace<br />

Schloss Windsor mit St. George’s Chapel<br />

Windsor SL4 1NJ – Great Western Railway ab<br />

Paddington Station. www.rct.uk/visit/windsor-castle<br />

Old Compton Street<br />

Bakerloo oder Piccadilly Line bis »Piccadilly<br />

Circus”, dann die »Shaftesbury Ave” Richtung<br />

Osten und beim Sondheim Theatre links.<br />

Goldsmith Vintage<br />

121, 123 Charing Cross Rd, London W1D 4AS.<br />

www.goldsmithvintage.com<br />

The Underground Club<br />

37 Wharfdale Rd., London N1 9SD – Direkt<br />

Neben der Central Station, nicht zu verfehlen.<br />

undergroundclublondon.co.uk<br />

MA1 Bunker<br />

215-<strong>22</strong>1 City Road, London EC1V 1JN. bunkerbar.co.uk<br />

SM Gays<br />

https://smgays.org/<br />

Pup Out<br />

https://pup-out-london.puppypride.social/<br />

London Rubber Social<br />

www.rubbersocial.com<br />

The London Hotel<br />

2 Terminus Terrace, Southampton SO14 3DT<br />

Hampstead Heath<br />

<strong>No</strong>rthern Line bis »Hampstead”, dann die<br />

»Heath Street« Richtung <strong>No</strong>rden und beim<br />

»Jack Straws Castle« links.<br />

Pleasuredrome<br />

Arch, 124 Cornwall Rd, London SE1 8XE –<br />

Southeastern bis »Waterloo East”, die Sauna<br />

ist direkt unter den Bögen der Bahn. www.<br />

pleasuredrome.com<br />

Wir begrüßen unseren neuen Autor Clemens Altmann-Pfeiffer im <strong>HIM</strong><br />

MAGAZINE Team. Ganz direkt erreichst Du ihn hier:<br />

Twitter-X, Tumblr & Instagram @ClemensHieke<br />

Facebook @triathlet, Recon + Fetlife: t660


Kunst | Kultur 58<br />

DER <strong>HIM</strong> KULTURTIPP DES MONATS<br />

PRÄSENTIERT VON BOUYGERHL -<br />

DEM QUEEREN MUSIKARCHIV!<br />

EKSTASE FÜR<br />

DEINE OHREN!<br />

MARWIN<br />

BALSTERS<br />

Marwin Balsters ist ein Instant-Crush:<br />

lässiger Sound, unverkennbare Stimme<br />

und ein melancholisch-cuter Vibe. Der<br />

queere Musiker begeistert mit bittersüßen<br />

Songs über Liebe in modernen Zeiten, wo<br />

Zueinanderfinden schwieriger scheint als<br />

Auseinanderdriften, über das Erwachsenwerden<br />

und das Zurechtfinden, zwischen<br />

dem was war und sein wird.<br />

Privat mag er Lana del Rey, Dillon und<br />

James Blake sowie die Kunst von Emma<br />

Cline, Salvador Dalí oder Thierry Mugler:<br />

Alles, was versucht, Grenzen zu sprengen<br />

und neue Blickwinkel zu ermöglichen,<br />

findet seinen Weg in die Kunst von Marwin.<br />

Dabei ist ihm wichtig, immer auch<br />

ein gesellschaftliches Statement zu setzen:<br />

»Anders sein ist sicher schon ein wenig<br />

mehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen.<br />

Es gibt eine generelle Grund-<br />

akzeptanz, aber je mehr Sichtbarkeit man<br />

schafft, umso lauter werden auch die<br />

Stimmen dagegen. Deshalb ist es meiner<br />

Meinung nach noch ein weiter Weg.<br />

Gerade darum ist es mir umso wichtiger,<br />

den Menschen, die meine Musik hören, zu<br />

vermitteln, dass sie keinem <strong>No</strong>rmativ entsprechen<br />

müssen und trotzdem sie selbst<br />

sein können.«<br />

Anspieltipps: Zum einen die Debütsingle<br />

»Jetlag« mit wunderschön traurigen Beats,<br />

einem fragil pulsierendem Piano und<br />

Marwins unfassbar berührender Stimme.<br />

Zum anderen »5 Sekunden Vakuum«, ein<br />

clubby Poptrack, der heutiger nicht sein<br />

könnte. Der Newcomer präsentiert in<br />

beiden Fällen einen äußerst spannenden<br />

und auch neuen Sound fürs queere Musik-Deutschland.<br />

Einfach fantastisch!<br />

MARWIN BALSTERS<br />

Instagram: @marwinbalsters<br />

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Deinem Archiv für queere Musik.


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