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LE-4-2023

LOGISTIK express Ausgabe 4/2023 Diese vierte LOGISTIK express Ausgabe steht ganz im Zeichen von E-Commerce Logistik, da uns das Thema aufgrund der rasant fortschreitenden Technologisierung und insbesondere der KI (Künstliche Intelligenz) die kommenden Jahre intensiv begleiten wird. Ganz dem Motto: "Gehe mit der Zeit oder du gehst mit der Zeit". In diesem Sinne viel Freude mit der umfangreichen und spannenden LOGISTIK express Ausgabe 4/2023. Rezession – ein Schreckgespenst, oder doch nicht? // Bodenverbrauchs-Studie: Handel Flächeninanspruchnahme // Besucherrekord beim Tag des Handels & Österreichischer Handelspreis // Österreichisches EinkaufsForum 2023 des BMÖ // Deutscher Logistik-Kongress // Österreichische Paketbranche braucht bessere Rahmenbedingung // Paketlogistik & Retourenmanagement // ECOMLOG23-24 // eCommerce Logistik-Day 2023 – irgendwie geht’s immer weiter // Die Logistik aus Vertriebssicht – best practice der Otto Group // Wo stehen wir in fünf Jahren? Eine Podiumsdiskussion // E-Commerce versprüht großen Optimismus // Post-Paketgeschäft wird weiter wachsen // AutoStore gibt der Post Systemlogistik einen Wachstumsschub // Logistik der UNITO Gruppe am Sprung in eine neue Epoche // Resilienz in der Lieferkette // Dekarbonisierung der Transportlogistik // Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe im Straßengüterverkehr // Klimawandel als Chance für den Wirtschaftsstandort Österreich // KNAPP Industry Solutions - Magna Spiegelsysteme // Dematic - Schmidt Gruppe // Fast-Fashion-Brand in der Kritik // Weltpostverein beschließt “Grünes Paket” // Europäische Komitee für die Normung der Postdienste (CEN/T331) // Halbzeitbilanz fällt aus Sicht der Logistikwirtschaft sehr ernüchternd aus // Neuer Service der WK Wien bringt Güterverkehr auf die Schiene // Innofreight investiert viel Geld in neue Waggons & Container // Koralmbahn - BLAU GEMACHT // Leistungsstark vom Süden her aufrollen // Wachstum in Osteuropa unter Druck // Südostasien als Produktionsbasis zunehmend attraktiv // Deutschland steigt ab!

LOGISTIK express Ausgabe 4/2023

Diese vierte LOGISTIK express Ausgabe steht ganz im Zeichen von E-Commerce Logistik, da uns das Thema aufgrund der rasant fortschreitenden Technologisierung und insbesondere der KI (Künstliche Intelligenz) die kommenden Jahre intensiv begleiten wird. Ganz dem Motto: "Gehe mit der Zeit oder du gehst mit der Zeit". In diesem Sinne viel Freude mit der umfangreichen und spannenden LOGISTIK express Ausgabe 4/2023.

Rezession – ein Schreckgespenst, oder doch nicht? // Bodenverbrauchs-Studie: Handel Flächeninanspruchnahme // Besucherrekord beim Tag des Handels & Österreichischer Handelspreis // Österreichisches EinkaufsForum 2023 des BMÖ // Deutscher Logistik-Kongress // Österreichische Paketbranche braucht bessere Rahmenbedingung // Paketlogistik & Retourenmanagement // ECOMLOG23-24 // eCommerce Logistik-Day 2023 – irgendwie geht’s immer weiter // Die Logistik aus Vertriebssicht – best practice der Otto Group // Wo stehen wir in fünf Jahren? Eine Podiumsdiskussion // E-Commerce versprüht großen Optimismus // Post-Paketgeschäft wird weiter wachsen // AutoStore gibt der Post Systemlogistik einen Wachstumsschub // Logistik der UNITO Gruppe am Sprung in eine neue Epoche // Resilienz in der Lieferkette // Dekarbonisierung der Transportlogistik // Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe im Straßengüterverkehr // Klimawandel als Chance für den Wirtschaftsstandort Österreich // KNAPP Industry Solutions - Magna Spiegelsysteme // Dematic - Schmidt Gruppe // Fast-Fashion-Brand in der Kritik // Weltpostverein beschließt “Grünes Paket” // Europäische Komitee für die Normung der Postdienste (CEN/T331) // Halbzeitbilanz fällt aus Sicht der Logistikwirtschaft sehr ernüchternd aus // Neuer Service der WK Wien bringt Güterverkehr auf die Schiene // Innofreight investiert viel Geld in neue Waggons & Container // Koralmbahn - BLAU GEMACHT // Leistungsstark vom Süden her aufrollen // Wachstum in Osteuropa unter Druck // Südostasien als Produktionsbasis zunehmend attraktiv // Deutschland steigt ab!

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AUSGABE 4/<strong>2023</strong><br />

#ECOMLOG23<br />

Der 8. eCommerce Logistik-Day <strong>2023</strong> war<br />

thematisch umfangreich und ein großer<br />

Erfolg und wird 2024 am 7.10. stattfinden.<br />

LOGISTIK EXPRESS INFORMIERT


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S2<br />

SPECIAL BLOGTOUR<br />

https://www.logistik-express.com/blogtour/


INHALT / EDITORIAL / IMPRESSUM<br />

03 Inhalt / Editorial / Impressum<br />

04 Rezession – ein Schreckgespenst, oder doch nicht?<br />

06 Bodenverbrauchs-Studie: Handel Flächeninanspruchnahme<br />

12 Handel ist größter Arbeitgeber des Landes. Österreichs Handel in Zahlen<br />

16 Besucherrekord beim Tag des Handels & Österreichischer Handelspreis<br />

20 Österreichisches EinkaufsForum <strong>2023</strong> des BMÖ<br />

22 Deutscher Logistik-Kongress<br />

26 Österreichische Paketbranche braucht bessere Rahmenbedingung<br />

28 Paketlogistik & Retourenmanagement<br />

30 ECOMLOG23/24<br />

32 eCommerce Logistik-Day <strong>2023</strong> – irgendwie geht’s immer weiter<br />

36 Die Logistik aus Vertriebssicht – best practice der Otto Group<br />

42 Wo stehen wir in fünf Jahren? Eine Podiumsdiskussion<br />

45 E-Commerce versprüht großen Optimismus<br />

46 Post-Paketgeschäft wird weiter wachsen<br />

48 AutoStore gibt der Post Systemlogistik einen Wachstumsschub<br />

50 Logistik der UNITO Gruppe am Sprung in eine neue Epoche<br />

52 Resilienz in der Lieferkette<br />

53 Dekarbonisierung der Transportlogistik<br />

54 Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe im Straßengüterverkehr<br />

56 Klimawandel als Chance für den Wirtschaftsstandort Österreich<br />

58 KNAPP Industry Solutions - Magna Spiegelsysteme<br />

62 Dematic - Schmidt Gruppe<br />

66 Fast-Fashion-Brand in der Kritik<br />

68 Weltpostverein beschließt “Grünes Paket”<br />

70 Europäische Komitee für die Normung der Postdienste (CEN/T331)<br />

72 Halbzeitbilanz fällt aus Sicht der Logistikwirtschaft sehr ernüchternd aus<br />

74 Neuer Service der WK Wien bringt Güterverkehr auf die Schiene<br />

76 Innofreight investiert viel Geld in neue Waggons & Container<br />

78 Koralmbahn - BLAU GEMACHT<br />

84 Leistungsstark vom Süden her aufrollen<br />

86 Wachstum in Osteuropa unter Druck<br />

88 Südostasien als Produktionsbasis zunehmend attraktiv<br />

92 Deutschland steigt ab!<br />

Print on Demand Service: https://www.blurb.de/user/LOGEXP<br />

INHALT<br />

4/<strong>2023</strong><br />

Sehr geehrte Leser!<br />

Regierungen und diverse Landesorganisationen<br />

sollten primär bestrebt<br />

sein, zum Wohle der Bürger<br />

ihres Landes zu handeln und den<br />

Wirtschaftsraum zu fördern sowie<br />

die Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten,<br />

als auch potenzielle Konfliktherde<br />

frühzeitig erkennen.<br />

Wir sind besorgt über die aktuellen<br />

Ereignisse auf dieser Welt. Es gibt<br />

aber ebenso positive Ereignisse,<br />

Entwicklungen, Herausforderungen,<br />

für die sich die Mühe lohnt. Es ist<br />

wichtig, dass diese Bemühungen<br />

weitergeführt werden. Um eines<br />

Tages doch noch in einer vernünftigeren<br />

Welt zu leben, ist es essenziell,<br />

das Bildungsbewusstsein für unsere<br />

Jugend anzuheben.<br />

Diese vierte LOGISTIK express Ausgabe<br />

steht ganz im Zeichen von<br />

E-Commerce Logistik, da uns<br />

das Thema aufgrund der rasant<br />

fortschreitenden Technologisierung<br />

und insbesondere der KI (Künstliche<br />

Intelligenz) die kommenden Jahre<br />

intensiv begleiten wird. Ganz dem<br />

Motto: "Gehe mit der Zeit oder du<br />

gehst mit der Zeit". In diesem Sinne<br />

viel Freude mit der umfangreichen<br />

und spannenden LOGISTIK express<br />

Ausgabe 4/<strong>2023</strong>.<br />

IMPRESSUM<br />

Markus Jaklitsch, Medieninhaber<br />

LOGISTIK express / MJR MEDIA WORLD<br />

Hameaustraße 44, 1190 Wien<br />

+43 676 7035206<br />

info@logistik-express.at<br />

www.logistik-express.com<br />

Redaktion: Angelika Gabor,<br />

Dirk Ruppik, Peter Nestler, Peter<br />

Hackl, Peter Baumgartner<br />

Film & Fotos: istockphoto.com<br />

hexabear.com / buchundregie.at


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S4<br />

KOMMENTAR<br />

Rezession – ein<br />

Schreckgespenst,<br />

oder doch nicht?<br />

Nur wenige von uns haben die große Wirtschaftskrise<br />

1929 bewusst miterlebt, trotzdem<br />

lösen die Worte „Rezession“ und „Depression“<br />

sofort Ängste aus. Aktuell befindet sich<br />

Österreich inmitten einer Rezession – aber ist<br />

das wirklich so schlimm?<br />

REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

Rezession bedeutet per Definition,<br />

dass die Wirtschaft eines Landes (gemessen<br />

am BIP) über einen längeren<br />

Zeitraum hinweg schrumpft. Dieser<br />

Abschwung bedeutet, dass weniger Waren<br />

verkauft und konsumiert werden, wodurch<br />

Firmen weniger Mitarbeiter benötigen. Befragt<br />

man Handels- und Industriekonzerne, wo derzeit<br />

ihre größten Herausforderungen liegen,<br />

dann landet „Arbeitskräftemangel“ zu 100%<br />

in den Top 3. Wenn weniger Waren produziert<br />

und transportiert werden, sinken die Emissionen<br />

(nicht nur CO2) und der Ressourcenverbrau.<br />

Ein Sinken der Nachfrage bedeutet im Normalfall<br />

auch, dass Preise (und Zinsen) gesenkt<br />

werden. Wird nicht überall (zurecht) über die<br />

Teuerung gelästert? Gut, die EZB hat die Zinsen<br />

gerade erst mehrfach angehoben und<br />

wird sie jetzt wohl kaum wieder absenken,<br />

auch wenn die Investitionsbereitschaft deutlich<br />

nachgelassen hat. Aber nimmt man die<br />

anderen Faktoren her, ist eine Rezession doch<br />

eigentlich das Beste, was uns gerade passieren<br />

konnte, oder nicht?<br />

Gut, ganz so einfach ist es dann leider doch<br />

nicht. Zwar hat schon der Ökonom Andreas<br />

Irmen treffend festgestellt, dass auf einem Planeten<br />

endlicher Größe nichts unendlich groß<br />

werden kann, auch die Wirtschaft nicht (Programme<br />

wie Mondlandung und Marsprojekte<br />

lassen wir jetzt mal außen vor, durch die wird<br />

die Erde auch nicht größer und bis auf fremden<br />

Planeten Ressourcen abgebaut werden,<br />

wird noch einiges an Wasser die Donau hinunter<br />

rinnen), dennoch ist in der globalisierten<br />

Wirtschaftsstruktur, in der wir in Europa, aber<br />

auch anderen Teilen der Welt leben, ein gewisses<br />

Maß an Wachstum nötig, um einen<br />

funktionierenden Staat aufrecht zu erhalten.<br />

Ein anhaltender Rückgang von Konsum und<br />

Investitionen führt zu höheren Arbeitslosenquoten,<br />

das wiederum zu weniger Steuereinnahmen<br />

bei gleichzeitig höheren Ausgaben<br />

für Sozialleistungen, die über teure Kredite<br />

finanziert werden – über kurz oder lang wäre<br />

der Staat überschuldet und ein Konkurs droht.<br />

Also brauchen wir Wachstum zwingend, um<br />

unseren Lebensstandard zu halten? Denn realistisch<br />

betrachtet werden die wenigsten<br />

bereit sein, tiefere Einschnitte in ihre Lebensweise<br />

hinzunehmen, um die Umwelt zu retten


(was ungeheuer kurzsichtig ist, denn aktuell<br />

haben wir nur diesen Planeten). Beschäftigt<br />

man sich etwas näher mit der Materie, dann<br />

erkennt man übrigens schnell, dass es „DAS<br />

WACHSTUM“ als 100%ig eindeutiges Konzept<br />

im wirtschaftlichen Zusammenhang gar<br />

nicht gibt. Schon von A-Growth, De-Growth,<br />

Green Growth oder der vorsorgeorientierten<br />

Postwachstumsposition gehört? Green<br />

Growth – also grünes Wachstum – setzt darauf,<br />

ökologische Nachhaltigkeitsziele und<br />

Wachstumsziele gleichzeitig zu erreichen,<br />

indem eine Entkoppelung von Emissionen<br />

und Ressourcenverbrauch vom Wirtschaftswachstum<br />

stattfindet. Dieses Konzept wurde<br />

ab 2012 von OECD und Weltbank propagiert,<br />

gilt aber aus aktueller Sicht betrachtet als gescheitert,<br />

denn die Wahrscheinlichkeit, dass<br />

die selbst gesetzten Reduktionsziele bei Treibhausgas-Emissionen,<br />

Flächenverbrauch und<br />

Ressourcen erreicht werden, geht gegen Null.<br />

De-Growth bezieht sich auf ein absichtliches<br />

Absenken des Produktionsvolumens und somit<br />

des BIP, da die angekündigte Effizienz-Revolution<br />

bislang ausgeblieben ist und wohl auch<br />

nicht kommen wird. Der Staat müsste aufhören,<br />

Wachstum künstlich zu stützen und auf<br />

Suffizienzpolitik umsteigen. Aus meiner Sicht<br />

wird sich keine der in der Regierung befindlichen<br />

Parteien daran die Finger verbrennen<br />

wollen. Besser zu unserer Mentalität passend<br />

wäre da schon A-Growth: das A steht für agnostisch,<br />

wachstumsneutral oder mit anderen<br />

Worten „egal“. In diesem Konzept wird<br />

Wachstum weder gefördert noch verhindert,<br />

es ist also nicht vorherzusehen, ob das BIP steigen<br />

oder fallen wird – man akzeptiert einfach,<br />

was kommt.<br />

Anfang Oktober veröffentlichte das WIFO,<br />

das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung,<br />

seine neueste Konjunkturprognose<br />

für <strong>2023</strong> und 2024. Der Inhalt wird wenige<br />

überraschen: der weltweite Warenhandel ist<br />

nun das dritte Quartal in Folge geschrumpft,<br />

die globale Industrieproduktion zurückgegangen.<br />

Auch in Österreich ist die Wertschöpfung<br />

geschrumpft, wir befinden uns dank<br />

hoher Energiepreise, starker Zinssteigerungen<br />

und gedämpfter Kaufkraft in einer Rezession:<br />

das reale BIP geht vermutlich um 0,8 Prozent<br />

zurück (das scheint wenig, entspricht aber<br />

stolzen 3,582 Milliarden Euro!). Besonders leidtragend<br />

ist die Bauwirtschaft, die starken Leitzinserhöhungen<br />

haben zu einem massiven<br />

Investitionsstopp im Wohnbau geführt. Da nun<br />

aber die in der Coronakrisenzeit aufgebauten<br />

Lagerbestände nun langsam verbraucht sind<br />

und auch die Energiepreise sich wieder halbwegs<br />

normalisiert haben, rechnet das WIFO für<br />

steigende Nachfrage (insbesondere durch privaten<br />

Konsum) und damit wieder vermehrte<br />

Produktion ab 2024. Die Erwartung: ein Anstieg<br />

des realen BIPs um 1,2 Prozent und eine<br />

Konjunkturerholung – ausgenommen im Bauwesen,<br />

da sehen die Prognosen düster aus.<br />

Spannend im Hinblick auf den Arbeitsmarkt ist<br />

die Beobachtung, dass etliche Unternehmen<br />

trotz Rückgangs ihre Arbeitskräfte behalten.<br />

Als „Labour Hoarding“ bekannt, vermeidet<br />

dieser Kniff den möglichen teuren und langwierigen<br />

Prozess, bei besserer Auftragslage<br />

neue Mitarbeiter finden zu müssen. Lesson<br />

learned! Denn noch immer ist es eine der aktuellsten<br />

und größten Herausforderungen der<br />

Unternehmen, geeignetes Personal zu finden.<br />

Es hapert aber nicht etwa nur an der Bezahlung<br />

– die optimale Work-Life-Balance ist so<br />

wichtig geworden, dass Vollzeitstellen oftmals<br />

nur mit Mühe besetzt werden können.<br />

Zusätzlicher Knackpunkt ist die Qualität der<br />

Bewerber: neben mangelnder fachlicher<br />

Qualifikation oder unrealistischen Vorstellungen<br />

sind Sprachkenntnisse ein Problem<br />

– beziehungsweise deren Fehlen. Daher verwundern<br />

die kürzlich von Statistik Austria veröffentlichten<br />

Zahlen über Schulkinder, die zu<br />

Hause nicht Deutsch sprechen, wenig – in<br />

Wiener Mittelschulen sind es sogar 77 Prozent,<br />

die Deutsch nicht als Umgangssprache wählen,<br />

also andere Sprachen bevorzugen (oder<br />

daheim anders nicht verstanden werden?).<br />

Die Studie zeigt auch, dass von den rund 10.000<br />

außerordentlichen Schülern in Deutsch-Förderklassen<br />

stolze 60 Prozent in Österreich geboren<br />

sind und 80 Prozent zumindest 2 Jahre<br />

den Kindergarten besucht haben. Trotzdem<br />

reichen die Sprachkenntnisse nicht aus, dem<br />

Unterricht zu folgen. Wer also nur den leisesten<br />

Zweifel daran hatte, dass sich in Österreich<br />

Parallel-Gesellschaften entwickelt haben – die<br />

Zahlen sprechen leider für sich. (RED)<br />

ANGELIKA GABOR<br />

REDAKTION<br />

LOGISTIK EXPRESS


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S6<br />

EINZELHANDEL<br />

Bodenverbrauchs-<br />

Studie: Österreichischer<br />

Handel steht für nur<br />

0,6% der Flächeninanspruchnahme<br />

Eine neue Studie von Standort+Markt im<br />

Auftrag von Handelsverband (HV) und<br />

Austrian Council of Shopping Places (ACSP):<br />

Der Lebensmittelhandel ist für lediglich 0,5%<br />

der versiegelten Flächen Österreichs verantwortlich,<br />

Shoppingcenter für 0,3%.<br />

BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />

Vor dem Hintergrund der Klimakrise<br />

erlangt das Thema Bodenverbrauch<br />

endlich auch in der öffentlichen<br />

Diskussion jene Bedeutung,<br />

die es schon lange verdient. Aber: Statt konstruktiv<br />

über Lösungen zu diskutieren, werden<br />

"Flächen-Sünder" gesucht und derzeit – entgegen<br />

allen wissenschaftlichen Fakten – primär<br />

im Bereich des Einzelhandels bzw. der Shoppingcenter<br />

"identifiziert". Eine neue Studie von<br />

Standort + Markt zeichnet nun ein deutlich<br />

differenzierteres Bild.<br />

Christoph Andexlinger<br />

Hannes Lindner<br />

Rainer Will<br />

"Über Geschmack kann man diskutieren, über<br />

Fakten nicht. Der Handel ist mit 0,6 Prozent<br />

der gesamten Flächeninanspruchnahme in<br />

Österreich nicht der Treiber des Bodenverbrauchs,<br />

sondern eine Randerscheinung. Für<br />

die bisherige Flächeninanspruchnahme sind<br />

schwerpunktmäßig der Wohnbau mit 45,4<br />

Prozent, Verkehrsflächen mit 36,0 Prozent und<br />

handelsfremde Betriebsflächen mit 10,9 Prozent<br />

hauptverantwortlich. Dennoch sichert<br />

der Handel in allen Regionen die Nahversorgung<br />

und belebt Gemeinden", fasst Handelsverband-Geschäftsführer<br />

Rainer Will die<br />

wichtigsten Ergebnisse der brandneuen Studie<br />

zusammen, die er mit Christoph Andexlinger,<br />

Obmann des Austrian Council of Shopping<br />

Places (ACSP), präsentierte und die der Handelsverband<br />

und das ACSP gemeinsam in<br />

Auftrag gegeben haben.


"Die neue Studie von Standort+Markt zeigt,<br />

dass nur drei Promille der versiegelten Fläche in<br />

Österreich auf Shoppingcenter entfallen. Wer<br />

davon ableitet, dass unsere Branche der Treiber<br />

der Flächenversiegelung sei, liegt offensichtlich<br />

falsch und verkennt die Fakten. In den<br />

vergangenen drei Jahren kam zudem praktisch<br />

kaum ein Quadratmeter Flächenversiegelung<br />

durch Shoppingcenter neu hinzu", sagt<br />

Christoph Andexlinger. Gemessen am Wachstum<br />

anderer Sektoren entwickelt sich der Anteil<br />

des Handels am Flächenverbrauch sogar<br />

unterdurchschnittlich – mit weiter rückläufiger<br />

Tendenz.<br />

Bundesweite Bodenstrategie ausständig<br />

Pro Jahr werden in Österreich im Schnitt 41<br />

km2 an Boden in Anspruch genommen, das<br />

entspricht in etwa einem Bodenverbrauch<br />

von 11,3 ha pro Tag. Etwa die Hälfte dieser<br />

Fläche wird auch versiegelt – also mit einer<br />

wasser- und luftundurchlässigen Schicht verdeckt,<br />

wodurch das Bodenleben abstirbt.<br />

Gemäß Regierungsprogramm 2020 – 2024 soll<br />

die Flächeninanspruchnahme bis 2030 auf 2,5<br />

ha pro Tag bzw. 9 km² pro Jahr sinken. Eine<br />

verbindliche Strategie, wie dieses Ziel erreicht<br />

werden soll, steht seitens der Regierung noch<br />

aus. Laut dem Umweltbundesamt setzt sich die<br />

Flächeninanspruchnahme wie nachstehend<br />

zusammen:<br />

• Wohnbau: 21,1 km2/Jahr<br />

• Betriebsflächen (Industrie, Logistik,<br />

Gewerbe, Handel): 11,0 km2/Jahr<br />

• Straßenbau: 4,4 km2/Jahr<br />

Bei den amtlich erfassten Daten wird innerhalb<br />

der Kategorie Betriebsflächen nicht genauer<br />

nach Branchen (Industrie, Logistik, Gewerbe,<br />

Handel) unterschieden. Warum daher ausgerechnet<br />

immer wieder der Handel – und hier<br />

insbesondere der Lebensmittelhandel sowie<br />

die Shoppingcenter-Branche – in der öffentlichen<br />

Diskussion als hauptverantwortlicher<br />

Treiber des Bodenverbrauchs verantwortlich<br />

gemacht wird, war bisher anhand der dünnen<br />

Faktenlage nicht objektiv nachvollziehbar.<br />

Genau in diese Lücke stößt nun die neue Studie<br />

vor und deckt ein völlig anderes Bild auf.<br />

Handel nur für 5,2% der Betriebsflächen verantwortlich<br />

Von den 83.883 km2 Gesamtfläche, die Österreich<br />

umfasst, sind aufgrund der Topographie<br />

lediglich 32.540 km2 zur Besiedelung geeignet<br />

– der sogenannte Dauersiedlungsraum.<br />

Davon sind – Stand heute – 2.411 km2 auch<br />

tatsächlich versiegelt. Zum Vergleich: 36.105<br />

km2 entfallen auf Wälder, 23.846 km2 auf<br />

Äcker, Wiesen oder Weiden. Auf Betriebsflächen<br />

der unterschiedlichsten Branchen<br />

entfallen 683 km2. Auch hier ist aufgrund<br />

der Struktur der amtlichen Statistiken keine


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S8<br />

weitere Unterscheidung nach Wirtschaftszweigen<br />

möglich. Dies leistet nun erstmals die<br />

neue Studie von Standort + Markt.<br />

Zentrale Ergebnisse:<br />

• Der gesamte österreichische Einzelhandel<br />

hält derzeit bei einer Verkaufsfläche von<br />

13,2 km2.<br />

• Bezogen auf die gesamten in Anspruch genommenen<br />

Flächen nutzt der Einzelhandel<br />

derzeit 35,7 km2. In dieser Zahl sind neben<br />

den Verkaufsflächen auch Parkplätze sowie<br />

Lagerflächen inkludiert. Das entspricht<br />

nur 5,2% der gesamten Betriebsflächen des<br />

Landes bzw. lediglich 0,6% am gesamten<br />

Bodenverbrauch. Zum Vergleich: 45,4%<br />

entfallen auf den Wohnbau, 36% auf Verkehrsflächen,<br />

11% auf handelsfremde Betriebsflächen.<br />

Lebensmittelhandel für lediglich 0,8% der jährlichen<br />

Neuversiegelung verantwortlich<br />

Mit einem Umsatz von rund 26,1 Mrd. Euro<br />

(2022) bzw. einem Anteil von fast einem Drittel<br />

(32%) am gesamten Einzelhandelsumsatz<br />

nimmt der Lebensmittelhandel eine besonders<br />

prominente Rolle ein. Gemessen an der<br />

Flächeninanspruchnahme (14,4 km²) liegt der<br />

Kurzfristbedarf (Lebensmittelhandel und Drogerien)<br />

bei 40% der Flächeninanspruchnahme<br />

des gesamten Einzelhandels (35,7 km²).<br />

Laut Studie betrug die Neuflächenversiegelung<br />

im Lebensmittelhandel im Schnitt der letzten<br />

drei Jahre 0,19 km2 p.a.. Bei einer zuletzt<br />

neu versiegelten Fläche von 24 km² entspricht<br />

der Anteil des Lebensmittelhandels einem Wert<br />

von höchstens 0,79% an der gesamten jährlichen<br />

Neuversiegelung sowie einem Anstieg<br />

der bereits vom Lebensmittelhandel belegten<br />

Flächen um ca. 1,6% jährlich. Damit sichert die<br />

Branche die Versorgung unserer wachsenden<br />

Bevölkerung. Denn auch die Wohnbevölkerung<br />

Österreichs wuchs von 2022 auf <strong>2023</strong> um<br />

1,4 Prozent.<br />

Nur 0,19% der neu versiegelten Fläche entfällt<br />

auf Shoppingcenter<br />

Näher beleuchtet wird in der Studie auch<br />

die Shoppingcenter-Branche. Österreichweit<br />

gibt es laut Standort + Markt derzeit 245<br />

Shoppingcenter (Shopping Malls, Retail Parks,<br />

Outlet Center und Sonderformen) mit einer<br />

Grundstücksfläche von insgesamt 8,0 km2.<br />

Von dieser Fläche sind 89,4% versiegelt, wobei<br />

von der versiegelten Fläche je etwa die Hälfte<br />

auf das Gebäude selbst, die andere Hälfte auf<br />

Park- und Verkehrsflächen entfällt. Damit haben<br />

die Shoppingcenter in Österreich bis dato<br />

mit einer gesamten versiegelten Fläche von<br />

7,2 km² lediglich 0,3% Anteil an der Gesamtflächenversiegelung<br />

von Österreich (derzeit<br />

2.411 km²). "In Bezug auf die Betriebsflächen<br />

halten die Shoppingcenter in Österreich einen


Flächenanteil von 1,18 Prozent. Der Anteil an<br />

der bisherigen Flächeninanspruchnahme insgesamt<br />

fällt mit 0,14 Prozent besonders niedrig<br />

aus", bestätigt Christoph Andexlinger.<br />

Da Standort+Markt bereits seit Jahrzehnten<br />

die Daten aller Shoppingcenter Österreichs<br />

lückenlos erhebt, kann hier auch Auskunft<br />

über die zeitliche Entwicklung gegeben werden.<br />

Nach einem Höhepunkt der Flächenexpansion<br />

rund um die Jahrtausendwende<br />

kam es bereits vor rund zehn Jahren zu einem<br />

deutlichen Rückgang des Flächenzuwachses.<br />

In den Jahren 2013 bis <strong>2023</strong> wuchs die durch<br />

Shoppingcenter versiegelte Fläche im Schnitt<br />

um 0,04 km2 p. a.. Der Anteil der Shoppingcenter<br />

an der jährlichen neu versiegelten<br />

Fläche liegt somit durchschnittlich bei nur<br />

0,19% pro Jahr, bzw. in den vergangenen drei<br />

Jahren bei annähernd null Prozent.<br />

Bundesländervergleich: Das Burgenland ist<br />

am meisten verbaut<br />

Regional sind die Trends bei der Bodenversiegelung<br />

sehr unterschiedlich. Mit Abstand negativer<br />

Spitzenreiter ist das Burgenland. Hier<br />

sind pro Einwohner und über alle Nutzungsarten<br />

hinweg bereits 500 m2 versiegelt. Mit<br />

großem Abstand folgt Niederösterreich (402,8<br />

m2) vor Kärnten (365,5 m2). Aufgrund der<br />

hohen Bevölkerungsdichte und entsprechend<br />

dichter Bauweise am wenigsten versiegelte<br />

Fläche pro Kopf weist Wien mit 55,5 m2 auf.<br />

Aber auch in Vorarlberg (177,6 m2) und Tirol<br />

(222,0 m2) geht man vergleichsweise sparsam<br />

mit dem Boden um.<br />

Eines ist jedoch allen Bundesländern gemein:<br />

Der Anteil des Einzelhandels an der versiegelten<br />

Fläche liegt immer im äußerst niedrigen<br />

einstelligen Prozentbereich, bei Shoppingcentern<br />

sogar bei unter einem Prozent.<br />

"Jeder Quadratmeter in Österreich ist bestmöglich<br />

zu nutzen. Polemik hat bei diesem<br />

wichtigen Thema keinen Platz. Standort+Markt<br />

kann mit seiner analytischen Vorgehensweise<br />

garantieren, dass für jeden Standort in Österreich<br />

die bestmögliche Nutzung unter Wahrung<br />

von Ökonomie und Ökologie herausgefiltert<br />

werden kann. Dazu ist es aber erforderlich,<br />

dass sich Politik wie auch Gesellschaft dem<br />

Thema objektiv öffnen. Nur so können Anreize<br />

geschaffen werden, dass zukünftig mit Fläche<br />

bestmöglich und gewissenhaft umgegangen<br />

wird", ist Studienautor Hannes Lindner von<br />

Standort+Markt überzeugt.<br />

Photovoltaik, <strong>LE</strong>D-Beleuchtung, begrünte Dächer:<br />

Handel & Retail-Immobilien sind Vorreiter<br />

"Die Handelsimmobilienbranche beschäftigt<br />

sich seit Jahrzehnten mit nachhaltiger Nutzung<br />

und dem energieeffizienten Betrieb von Malls.<br />

Es gibt zahlreiche beispielhafte Maßnahmen,


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S10<br />

welche die Shoppingcenter-Branche seit Jahren<br />

umsetzt und weiterentwickelt – von großflächigen<br />

Photovoltaikanlagen, kluger Nutzung<br />

von natürlichen Ressourcen, stromsparender<br />

<strong>LE</strong>D-Umrüstung über die hochtechnologisch<br />

intelligente Klimatisierung bis hin<br />

zur verdichteten Bauweise oder begrünten<br />

Dachflächen", stellt Christoph Andexlinger für<br />

die Branche fest.<br />

"Sowohl der heimische Lebensmittelhandel als<br />

auch der Non-Food-Handel setzen immer stärker<br />

auf nachhaltige, innovative Filialkonzepte.<br />

Dazu zählen etwa mehrgeschoßige Metropolfilialen<br />

mit geringem Flächenverbrauch in<br />

dicht verbauten Arealen, die Nachverdichtung<br />

von Geschäften mit großvolumigem<br />

Wohnbau oder auch Parkplätze mit Photovoltaik-Überdachung<br />

und E-Ladestationen", sagt<br />

Rainer Will.<br />

Empfehlung an die Bundesregierung: Einbezug<br />

in Bodenstrategie und Modernisierung der<br />

Raumordnung(en)<br />

Die große Herausforderung? Das Korsett der<br />

Raumordnung ist ein Vierteljahrhundert alt<br />

und Regelungen wie die Verkaufsflächenbeschränkung<br />

verhindern immer häufiger,<br />

dass Geschäftsbauten für den <strong>LE</strong>H überhaupt<br />

noch errichtet oder an die Erfordernisse der<br />

heutigen Zeit angepasst werden können. In<br />

zahlreichen Gemeinden in Tirol, Kärnten oder<br />

Niederösterreich werden dadurch de facto<br />

alle geeigneten Standorte rechtlich ausgeschlossen.<br />

Gewonnen ist damit jedoch nichts.<br />

Handelsbetriebe siedeln sich ungeachtet der<br />

Wünsche einer Raumordnung dann nicht im<br />

Ortszentrum an, wenn dies aus unterschiedlichen<br />

Gründen schlichtweg keinen Sinn macht.<br />

Handelsverband und ACSP fordern einen unbedingten<br />

Einbezug der Ergebnisse der Studie<br />

in die Bodenstrategie der Bundesregierung,<br />

da die neue Faktenlage die Basis für das politische<br />

Handeln sein muss. Der Föderalismus mit<br />

neun unterschiedlichen Raumordnungen ist<br />

in vielen Fällen ein Wettbewerbshindernis. Die<br />

Landesgesetzgeber verfolgen gleichartige<br />

Ziele, insbesondere die Erhaltung der Ortszentren<br />

und die Sicherung der Nahversorgung,<br />

jedoch mit teils erheblich divergierenden Konzepten.<br />

Der Handelsverband und das ACSP<br />

empfehlen daher eine maßvolle Reform, welche<br />

mit einer grundsätzlichen Einigung der<br />

Bundesländer auf zeitgemäße Standards und<br />

einheitliche Definitionen ihren Ausgang finden<br />

könnte.<br />

(RED)


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LOGISTIK EXPRESS<br />

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LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S12<br />

EINZELHANDEL<br />

Handel ist größter<br />

Arbeitgeber des<br />

Landes. Österreichs<br />

Handel in Zahlen: Erste<br />

Prognose für <strong>2023</strong><br />

Neue HV-Studie: Haushaltsausgaben im Einzelhandel<br />

liegen heuer bei 78,8 Mrd. Euro<br />

(real -3,9%). eCommerce verliert massiv.<br />

GASTKOMMENTAR : RAINER WILL<br />

Der österreichische Handel ist mit<br />

709.000 Beschäftigten laut Statistik<br />

Austria der größte Arbeitgeber<br />

des Landes und mit 93.200 Unternehmen<br />

der Wirtschaftszweig mit den meisten<br />

Unternehmen. Dennoch steckt die Branche<br />

in einer ihrer größten Krisenphasen aufgrund<br />

von rückläufigen Umsätzen und explodierenden<br />

Kosten. Auf welche Handelssparten und<br />

Produktgruppen sich die Privatausgaben im<br />

stationären Einzelhandel sowie im Onlinehandel<br />

2022 verteilt haben und welche Auswirkungen<br />

die Teuerung sowie die Energiekrise<br />

auf das Konsumverhalten haben, untersucht<br />

die brandneue Studie „Österreichs Handel in<br />

Zahlen“ vom Beraternetzwerk KREUTZER FISCHER<br />

& PARTNER für den Handelsverband. Darüber<br />

hinaus liefert der Report die erste Jahresprognose<br />

für das Gesamtjahr <strong>2023</strong>.<br />

Minus 0,3%: Wirtschaftliches Comeback<br />

2022 nicht geglückt<br />

Wie die detaillierten Zahlen von KREUTZER<br />

FISCHER & PARTNER zeigen, ist dem Handel<br />

das erhoffte Comeback im Jahr 2022 nicht<br />

geglückt. Im Vergleich zu dem noch von den<br />

Corona-Lockdowns durchzogenen Jahr 2021<br />

stiegen die einzelhandelsrelevanten Ausgaben<br />

der privaten Haushalte (ohne Kfz) im<br />

Vorjahr um insgesamt 7,3% (nominell) auf 75,1<br />

Mrd. Euro (2021: 70,0 Mrd. Euro). Real blieb die<br />

Nachfrage damit aber um -0,3% unter dem Niveau<br />

des Vergleichszeitraums.<br />

Im Teuerungsjahr 2022 sahen sich viele Österreicher<br />

wegen der hohen Strompreise und Mietkosten<br />

dazu gezwungen, bei den Einkäufen zu<br />

sparen. Pandemiebedingte Nachholeffekte<br />

haben sich leider als Strohfeuer herausgestellt.<br />

Von einer Rückkehr zum Konsumverhalten wie<br />

vor Corona 2019 kann aufgrund der veränderten<br />

Kaufgewohnheiten hin zu Dienstleistungen<br />

sowie angesichts einer schmelzenden Kaufkraft<br />

keine Rede sein. Zwar konnten im Vorjahr<br />

insbesondere Branchen wie der Bekleidungsund<br />

der Schuhhandel (+19,9%) von Nachholeffekten<br />

profitieren, doch auch diese blieben<br />

unter den Umsatzniveaus der Jahre vor 2019.


Rainer Will - Geschäftsführer<br />

Handelsverband Österreichs<br />

Exorbitante Ausgabenverschiebung<br />

zu Urlaub und Freizeit<br />

Eine Ausnahme stellt der Sportartikelhandel<br />

dar, der 2022 die Verluste von 2020 und 2021<br />

aufholen bzw. mit einem Wachstum von +34%<br />

auch das Vorkrisenniveau übertreffen konnte.<br />

„Hauptverantwortlich dafür ist der wieder angesprungene<br />

Tourismus. Das zeigt ein Blick auf<br />

die Details. So ist der Verleih von Sportgeräten<br />

mit +89% am weitaus stärksten gewachsen.<br />

Auch hier zeigt sich der Trend weg vom Warenkauf<br />

hin zu Dienstleistungen“, gibt Studienautor<br />

Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von<br />

KREUTZER FISCHER & PARTNER, Auskunft.<br />

Generell ist eine deutliche Verschiebung der<br />

Konsumausgaben in Richtung Urlaub und Freizeit<br />

zu bemerken. Laut den aktuellen Daten<br />

sind die Ausgaben in diesem Bereich im Jahr<br />

2022 um +45,5% gewachsen. Eine Entwicklung,<br />

die sich heuer fortsetzen wird: Für <strong>2023</strong><br />

prognostiziert Kreutzer ein weiteres Wachstum<br />

um +23%.<br />

Prognose <strong>2023</strong>: Einbruch bei den<br />

Handelsausgaben (- 3,9%)<br />

Der durch die multiplen Herausforderungen<br />

der letzten Jahre geschwächte Einzelhandel<br />

befindet sich auch im zweiten Jahr der Teuerungskrise<br />

weiter auf dem Rückzug. Für nahezu<br />

alle Warengruppen geht die Studie in ihrer<br />

Prognose für das Gesamtjahr <strong>2023</strong> von real<br />

rückläufigen Ausgaben aus:<br />

* Nahrungs- und Genussmittel: -2,6%<br />

* Gesundheit und Körperpflege: +0,9%<br />

* Modeartikel: +1,4%<br />

* Einrichtung/Hausrat: -11,7%<br />

* Elektrogeräte/IT: -7,8%<br />

* Sportartikel: -1,6%<br />

* Bücher/Zeitschriften: -11,2%<br />

* Haus & Garten: -11,5%<br />

* -9,3 %: Onlinehandel verliert erneut massiv<br />

Insgesamt schrumpft die Nachfrage im Einzelhandel<br />

heuer signifikant um –3,9 Prozent. In<br />

manchen Handelssparten geht die Prognose<br />

sogar von einem inflationsbereinigten Rückgang<br />

von mehr als zehn Prozent aus. Auch der<br />

eCommerce wird <strong>2023</strong> erneut deutlich verlieren,<br />

wir erwarten ein Minus von 9,3 Prozent.


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S14<br />

„Selbst im Modehandel, der zwar ausgehend<br />

von einem katastrophalen Niveau immerhin<br />

etwas zulegen konnte, bleiben die Umsätze<br />

weiterhin klar unter jenen der Vor-Corona-Zeit.<br />

Das alles bei gleichzeitig stark gestiegenen<br />

Kosten für Energie, Personal und Logistik“,<br />

sagt Harald Gutschi, UNITO/OTTO Group Geschäftsführer<br />

sowie Vizepräsident des Handelsverbandes<br />

und Leiter der Plattform „eCommerce,<br />

Marktplätze & Versandhandel“.<br />

Wohin fließt das Geld, wenn nicht in den Handel?<br />

Neben Urlaub und Freizeit streicht Studienautor<br />

Andreas Kreutzer einen weiteren Bereich<br />

hervor: „Die Wohnkosten, die bereits im<br />

Vorjahr um 16 Prozent gestiegen sind, legen<br />

heuer noch einmal um mehr als neun Prozent<br />

zu. Allein in diesem Bereich sind die Ausgaben<br />

der Österreicher somit innerhalb von zwei Jahren<br />

um 6 Mrd. Euro gestiegen.<br />

Handel vor existenziellen Herausforderungen –<br />

Regierung muss gegensteuern!<br />

Die neuesten Zahlen von KFP bestätigen<br />

die dramatische Lage, auf die der Handelsverband<br />

schon seit Monaten hinweist. Das<br />

belegten auch die Ergebnisse der jüngsten<br />

HV-Händlerbefragung:<br />

* 27% der Händler haben noch immer nicht<br />

alle Corona-Entschädigungen erhalten<br />

* 5% betroffen von COFAG Rückforderungen<br />

* 51% kämpfen mit Personalmangel<br />

* 52% können sich keine verstärkten Investitionen<br />

leisten, obwohl diese notwendig wären<br />

„Die allgemeine wirtschaftliche Lage ist zurzeit<br />

herausfordernd und der Handel ist besonders<br />

stark von der negativen Konsumstimmung<br />

betroffen. Jeder zweite Handelsbetrieb kann<br />

sich in dieser schwierigen Marktlage keine verstärkten<br />

Investitionen in Digitalisierung, Ladenbau,<br />

Klimaschutz oder Marketing leisten, obwohl<br />

diese als notwendig erachtet werden“,<br />

bestätigt Harald Gutschi.<br />

Man sieht, dass unsere Händler ihren Beitrag<br />

geleistet haben, um den Preisauftrieb der Inflation<br />

für jede Geldbörse abzufedern – auch<br />

auf Kosten der eigenen Marge. Die Zahl der<br />

Insolvenzen ist im ersten Halbjahr bereits um<br />

zehn Prozent gestiegen, die Schließungen<br />

nehmen ebenso breitflächig zu. Viele Händler<br />

stehen bereits mit dem Rücken zur Wand.<br />

Die Bundesregierung ist aufgefordert, mit gezielten<br />

wirtschaftspolitischen Stabilisierungsmaßnahmen<br />

gegenzusteuern. Der zugesagte<br />

Energiekostenzuschuss 2 ist bis heute ausständig.<br />

Es braucht mehr Strukturreformen und<br />

weniger Verhandlungen über Symbolthemen,<br />

denn es stehen tausende bis vor kurzem vitale<br />

Geschäfte vor der Schließung.<br />

HARALD GUTSCHI<br />

Handelsverband empfiehlt Soforthilfe<br />

Der Handelsverband begrüßt die jüngste Ankündigung<br />

von Bundeskanzler Nehammer, bis<br />

2030 rund 4,5 Mrd. Euro in die Elementarbildung<br />

zu investieren. Damit kommt die Bundesregierung<br />

einer langjährigen Kernforderung des<br />

Handelsverbandes nach, der mit dem Bundeskanzler,<br />

zahlreichen Minister und Landeshauptleuten<br />

persönliche Gespräche dazu geführt<br />

hat. Die zusätzlichen 4,5 Mrd. Euro werden<br />

sich als rentable Zukunftsinvestition erweisen.


Auch die Abschaffung der Kalten Progression<br />

bewertet der HV positiv, insb. dass die ersten<br />

vier Steuerstufen mit dem variablen Drittel der<br />

kalten Progression zusätzlich angehoben, der<br />

Alleinverdiener- und Unterhaltsabsetzbetrag<br />

zu 100 Prozent an die Inflation angepasst und<br />

auch der Kindermehrbetrag deutlich erhöht<br />

wird. Diese Maßnahmen allein werden jedoch<br />

nicht reichen, um einen wirtschaftlichen Flächenbrand<br />

zu verhindern. Der Handelsverband<br />

empfiehlt daher folgende vier Soforthilfe-<br />

Maßnahmen:<br />

FORDERUNG I: Arbeitsmarktreform Jetzt! Mehr<br />

Netto vom Brutto, damit sich Leistung wieder<br />

lohnt. Substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten;<br />

Schritte zur Angleichung des faktischen<br />

an das gesetzliche Pensionsantrittsalter;<br />

gänzliche Abschaffung der Beitragspflicht zur<br />

Pensionsversicherung ab dem Regel-Pensionsalter;<br />

FORDERUNG II: Rasche Auszahlung sämtlicher<br />

offener Corona-Entschädigungen durch die<br />

COFAG, um heimische Händler zu stabilisieren<br />

FORDERUNG III: Steuerliche Gleichstellung von<br />

Fremd- und Eigenkapital, um mehr Krisenfestigkeit<br />

in der Wirtschaft sicherzustellen<br />

FORDERUNG-IV: Sofortige Abschaffung der<br />

Mietvertragsgebühr, um die Nahversorgung<br />

und Ortskerne zu erhalten<br />

Über die Studie "Österreichs Handel in Zahlen"<br />

"Österreichs Handel in Zahlen" ist eine exklusiv für den Handelsverband erstellte Auskopplung der Studie "Private Haushaltsausgaben<br />

in Österreich", die vom Beraternetzwerk KREUTZER FISCHER & PARTNER erstellt wurde und für den freien Verkauf<br />

bestimmt ist. Der Report bietet das präziseste Bild der Handelslandschaft und der Konsumentenausgaben in Österreich für<br />

die Jahre 2016 bis <strong>2023</strong> und geht tief in die einzelnen Produktgruppen hinein. Insgesamt wurden 66 Produktgruppen und 14<br />

einzelhandelsrelevante Kategorien definiert. Als Datenquellen diente das BRANCHENRADAR-Studienprogramm des Jahres<br />

<strong>2023</strong> sowie andere öffentlich zugängliche Marktstatistiken und Erhebungen, u.a. von Statistik Austria. Alle ausgewiesenen<br />

Beträge beziehen sich ausschließlich auf die Ausgaben bzw. Investitionen privater Haushalte. Die Werte verstehen sich<br />

brutto, also inklusive etwaiger gesetzlicher Mehrwertsteuer. Die Studie ist auf www.handelsverband.at erhältlich.


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S16<br />

TAG DES HANDELS<br />

Besucherrekord beim<br />

Tag des Handels &<br />

Österreichischer<br />

Handelspreis für<br />

Katharina Schneider<br />

Teuerung, Klimakrise, Tierwohl, Plant-Based<br />

und weitere Trends im Lebensmittelsektor<br />

waren die zentralen Themen beim Gipfeltreffen<br />

in Gmunden.<br />

BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />

Bei der 19. Ausgabe des Tag des Handels,<br />

der am 5. und 6. Oktober <strong>2023</strong><br />

im Toscana Congress Gmunden stattfand,<br />

wurde mit mehr als 400 Teilnehmer:innen<br />

- darunter die wichtigsten CEOs aus<br />

der Welt des Handels - ein neuer Besucherrekord<br />

aufgestellt. Das 2-tägige Branchenhighlight,<br />

das erneut in Kooperation mit der<br />

Fachzeitschrift REGAL über die Bühne ging,<br />

war erneut ein Riesenerfolg.<br />

"Unsere Branche ist im Wandel wie nie zuvor.<br />

Wenn der Handel stirbt, sterben die Städte"<br />

- mit diesen Worten eröffnete Handelsverband-Präsident<br />

Stephan Mayer-Heinisch den<br />

diesjährigen Kongress. Der Hintergrund? Rund<br />

ein Drittel der heimischen Händler sieht sich<br />

angesichts rückläufiger Umsätze und steigender<br />

Kostenbelastungen gezwungen, zumindest<br />

über Personalkürzungen nachzudenken.<br />

"Der österreichische Handel ist mittlerweile mit<br />

709.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber<br />

des Landes und mit 93.200 Unternehmen der<br />

Wirtschaftszweig mit den meisten Unternehmen.<br />

Dennoch steckt unsere Branche in einer<br />

ihrer herausforderndsten Phasen", bestätigte<br />

Rainer Will. Der Geschäftsführer des Handelsverbandes<br />

ging aber auch auf die ambivalente<br />

Rolle von Politik und Medien in der aktuellen<br />

Lage ein. "Egal ob Lebensmittelverschwendung<br />

oder zuletzt der Bodenverbrauch - wer<br />

wird medial ständig als Sündenbock hingestellt?<br />

Der Handel. Dabei sind wir lediglich für<br />

7% der Lebensmittelabfälle und für 0,6% des<br />

Flächenverbrauchs in Österreich verantwortlich.<br />

Die tatsächlichen Treiber Wohnbau und<br />

Verkehrsflächen werden hingegen meist ignoriert.<br />

Über Geschmack kann man diskutieren,<br />

über Fakten nicht!", so der bundesweite Sprecher<br />

des Handels.<br />

RAINER WILL & INA BAUER<br />

Weiter ging die Veranstaltung mit einer feierlichen<br />

Begrüßung durch REGAL-Geschäftsführer<br />

Roland Pirker und Stephan Krapf, Bürgermeister<br />

von Gmunden, der in seiner Rede<br />

auch das Thema Leerstand und Ortskernbelebung<br />

ansprach. Moderiert wurde das Event<br />

von der wunderbaren Angelika Pehab.


STEPHAN MAYER-HEINISCH<br />

Digitalisierung, Klimaschutz, Teuerung, Bodenverbrauch<br />

& Künstliche Intelligenz<br />

Das Programm des Tag des Handels hatte es<br />

in sich: Nicht nur wurde über das (Konsum-)<br />

Verhalten der Menschen in einer Welt multipler<br />

Krisen gesprochen, sondern auch über<br />

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung, neue<br />

Ernährungstrends und die Bekämpfung des<br />

Klimawandels. Nick Sohnemann und Beate<br />

Rosenthal (Roland Berger) gaben in ihren Keynotes<br />

inspirierende Ausblicke in die Zukunft<br />

des Handels, die von den beiden Megatrends<br />

Digitalisierung und Nachhaltigkeit geprägt<br />

sein wird - Stichwort Circular Enonomy.<br />

Hannes Lindner (Standort+Markt) & Christoph<br />

Andexlinger, Obmann des Austrian Council of<br />

Shopping Places (ACSP), stellten gemeinsam<br />

mit Rainer Will ihre neue Studie zum Bodenverbrauch<br />

in Österreich vor. Die Kernaussage?<br />

"Pro Jahr werden in Österreich im Schnitt 41<br />

km2 an Boden in Anspruch genommen, das<br />

entspricht in etwa einem Bodenverbrauch<br />

von 11,3 ha pro Tag. Der Handel ist mit 0,6%<br />

der gesamten Flächeninanspruchnahme<br />

nicht der Treiber des Bodenverbrauchs, sondern<br />

eine Randerscheinung. Für die Flächeninanspruchnahme<br />

sind schwerpunktmäßig der<br />

Wohnbau mit 45,4%, Verkehrsflächen mit 36%<br />

und handelsfremde Betriebsflächen mit 10,9%<br />

verantwortlich", so die drei Sprecher unisono.<br />

Landwirtschaftsminister Totschnig verspricht<br />

Einsatz für Energiekostenzuschuss 2<br />

Nachmittags gab es spannende Podiumsrunden<br />

mit Expert:innen aus Handel, Landwirtschaft<br />

und Industrie, sowie die beliebte<br />

Startup Session mit neuen und innovativen<br />

Lösungen für den Retail-Bereich. Beim Startup<br />

Zapping mit dabei waren heuer Kawea, Revo<br />

Foods und MartyMedia. Markus Kuntke, REWE<br />

Head of Trend- and Innovationmanagement,<br />

fungierte als Schirmherr und Moderator. Landwirtschaftsminister<br />

Norbert Totschnig widmete<br />

seinen Vortrag der Wertschätzung hochwertiger<br />

Lebensmittel in Österreich und der Zusammenarbeit<br />

zwischen Landwirtschaft und<br />

Lebensmitteleinzelhandel.<br />

Katharina Schneider mit Österreichischem<br />

Handelspreis <strong>2023</strong> ausgezeichnet<br />

Der österreichische Handelspreis wird jedes<br />

Jahr für herausragende Leistungen im heimischen<br />

Handel vergeben. Beim Tag des Handels<br />

<strong>2023</strong> wurde eine echte Handelsikone<br />

ausgezeichnet: Katharina Schneider. Die feierliche<br />

Übergabe des wichtigsten heimischen<br />

Handelspreises an die Handelsmanagerin,<br />

Startup-Investorin, Keynote-Speakerin und<br />

Autorin fand unter Beisein des oberösterreichischen<br />

Landeshauptmanns Thomas Stelzer<br />

statt, der in seiner Festrede u.a. die Relevanz<br />

des oberösterreichischen Handels hervorhob.<br />

GERALD KÜHBERGER<br />

PRESSESPRECHER<br />

HANDELSVERBAND


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S18<br />

INA BAUER<br />

KATHARINA SCHNEIDER<br />

RAINER WILL<br />

Katharina Schneider wiederum baute vor<br />

mehr als 20 Jahren ihr erstes Startup auf,<br />

jede Menge weitere Investments und erfolgreiche<br />

Exits sollten folgen. Unter anderem<br />

transformierte sie MediaShop in ein international<br />

erfolgreiches und renommiertes Omnichannel-Unternehmen.<br />

Als Investorin der<br />

Startup-Show "2 Minuten 2 Millionen" wurde<br />

Schneider einem Millionenpublikum bekannt.<br />

Sie unterstützt zahlreiche Gründer:innen mit<br />

Cash-Investments und Knowhow bei der Entwicklung<br />

innovativer Produkte und Geschäftsmodelle<br />

sowie beim Aufbau professioneller<br />

Vertriebsnetze. Zwei Jahre lang fungierte sie<br />

auch als Präsidialrätin des Handelsverbandes<br />

sowie als Leiterin des HV-Ressorts "Omnichannel,<br />

Innovation & Startups". Dank ihres unermüdlichen<br />

Einsatzes, ihrer Leidenschaft und<br />

Kompetenz konnte die Startup-Community<br />

des Handelsverbandes auf eine neue Stufe<br />

gehoben werden. Die Laudatio hielt Ina Bauer,<br />

Geschäftsführerin von MediaShop, Präsidialrätin<br />

des Handelsverbandes und langjährige<br />

Weggefährtin von Katharina Schneider.<br />

Gerald Hackl mit Österreichischem<br />

Industriepreis <strong>2023</strong> ausgezeichnet<br />

Eine weitere hochkarätige Auszeichnung,<br />

den "Großen Preis der Industrie", erhielt Gerald<br />

Hackl. Der gebürtige Oberösterreicher hat<br />

mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Lebensmittelbranche<br />

vorzuweisen. Bis 2004 war er in der<br />

Backwaren- und in der Molkereibranche tätig,<br />

2005 übernahm Gerald Hackl die Geschäftsführung<br />

der efko-Gruppe. Anfang 2013 wechselte<br />

er als Vorstandsvorsitzender zur Vivatis<br />

Holding, die hochkarätige Marken wie Maresi,<br />

Wojnar's, Inzersdorfer und KnabberNossi vereint.<br />

Glückwunsch zu diesem renommierten<br />

Branchen-Award! Die Laudatio übernahm<br />

REGAL-Geschäftsführer Roland Pirker.<br />

Top-Speaker machten den<br />

Tag des Handels <strong>2023</strong> zum Highlight<br />

Viele weitere hochkarätige Speaker wie<br />

Manuel Hofer (Transgourmet), Johannes Holzleitner<br />

(Interspar), Alexander Kiennast (Handelshaus<br />

Kiennast), Ilan Molcho (Neni Gruppe),<br />

Maimuna Mosser (Ikea Österreich), Martina<br />

Dutzler(MPreis), Marcel Haraszti (Rewe), Markus


Kaser (Spar), Christina Mutenthaler-Sipek<br />

(AMA), Günter Thumser (Markenartikelverband),<br />

Alessandro Wolf (Lidl Österreich),<br />

Michael Gerling (EHI), Birgit Reichetseder (Hofer),<br />

Nadina Ruedl (Die Pflanzerei), Felix Hnat<br />

(Vegane Gesellschaft Österreichs), Mario<br />

Günther Rauch (jö Bonusclub), Katrin Lamberger<br />

(Salesforce), Dawid Czerkies und Oliver<br />

Olschewski (beide Offerista), Wolfgang<br />

Grausenburger (Österreichische Post), Christian<br />

Abl (Reclay), Monika Fiala (EWP Recycling),<br />

Anja Fredriksson (Ofi), Andreas Haider<br />

(Unimarkt), Harald Hauke (ARA), Stephan<br />

Kaar (Forum Wellpappe), Markus Kibgies<br />

(Loopos), Klaus Reisinger (Climate Partner),<br />

Ronald Lausch (Smatrics), Stephan Kalteis<br />

(SES), Marco Schuhmacher (Moris Design),<br />

Matthias Ernst (Instore Solutions), Leonhard<br />

Helbich-Poschacher (PBH Holding), Tom Hörmann<br />

(Polestar) und viele mehr präsentierten<br />

innovative Best-Practice-Beispiele und die<br />

besten Nachhaltigkeitsstrategien. Im Rahmen<br />

der Abendgala wartete ein weiteres Highlight<br />

auf das Publikum: Der Kabarettist Christoph<br />

Fritz begeisterte die Gäste mit einem humorvollen<br />

Comedy-Programm, nahm sowohl die<br />

Teilnehmer:innen als auch die Politik auf den<br />

Arm und sorgte damit für lautes Gelächter.<br />

"Wir bedanken uns herzlich bei mehr als 400<br />

Teilnehmerinnen und Teilnehmern, aber auch<br />

bei unseren langjährigen Partnern. Es ist schön<br />

zu sehen, wie sich der Tag des Handels zu einem<br />

der wichtigsten Branchenevents des<br />

Landes entwickelt hat. Die CEO-Dichte war<br />

dieses Jahr so hoch wie nie zuvor, darauf bin<br />

ich besonders stolz", sagt Handelsverband-<br />

Geschäftsführer Rainer Will zum Abschluss.<br />

Unter den Teilnehmer:innen befanden sich<br />

auch: Andrea Heumann (Thalia), Norbert<br />

Scheele (C&A), Karin Saey (Dorotheum), Xavier<br />

Plotitza (Metro), Martin Kowatsch (Das Futterhaus),<br />

Simon Lindenthaler (Lidl Österreich),<br />

Hartwig Kirner (Fairtrade), Roman Koch (Heinemann),<br />

David Mölk (MPreis), Martin Unger<br />

(EY), Johann Költringer (VÖM), Polona Globocnik<br />

(Landwirtschaftskammer), Franz Schopf<br />

(Österreichische Post), Markus Lukas (GGÖ),<br />

Vinzenz Kastner (PwC), Karl Auer (ÖBOG),<br />

Michael Wurzer (ZAG), Markus Marek (Kelly's),<br />

Alexandra Gruber (Tafel Österreichs), uvm.<br />

(RED)<br />

Manuel Hofer<br />

Joahannes Holzleitner<br />

Michaela Schellner<br />

.Maimuna Mosse<br />

Ilan Molcho<br />

Alexander Kiennast


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S20<br />

EINKAUFSFORUM<br />

Österreichisches<br />

EinkaufsForum <strong>2023</strong><br />

des BMÖ<br />

Einkäufer-Expertengipfel in Wien: KI versus<br />

Mensch? Lösungsansatz: Formel „3M“ –<br />

Mensch mit Maschine.<br />

REDAKTION: SABINE URSEL<br />

Multidimensionale Krise, Disruption,<br />

volatile Lieferketten und Preise,<br />

Risikomanagement, strenge Anforderungen<br />

in Sachen Nachhaltigkeit<br />

und Compliance sowie der Faktor<br />

Veränderung: Rund 100 europäische Experten<br />

aus Einkauf, Logistik, Supply Chain Management<br />

und Wissenschaft diskutierten vom 5. bis<br />

6. Oktober <strong>2023</strong> in Wien auf dem „Österreichischen<br />

EinkaufsForum“ des BMÖ – Bundesverband<br />

Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik<br />

in Österreich, welche Lösungen der Einkauf zur<br />

Versorgung, Wertsteigerung und Kostensenkung<br />

im globalen Umfeld der Unternehmen<br />

beitragen kann.<br />

In welch diffiziler Lage der Einkauf seine komplexen<br />

Prozessketten zu dirigieren hat, skizzierte<br />

Dr. Stephan Schulmeister. „Wir befinden<br />

uns in einer multidimensionalen Krise“, so der<br />

Ökonom und Uni-Lektor (vormals Österreichisches<br />

Institut für Wirtschaftsforschung,<br />

WIFO). Als Hauptprobleme nannte er u. a.<br />

Erderhitzung, Verlagerung des Profitstrebens<br />

von der Real- zur Finanzwirtschaft, Inflation<br />

und eine Zinspolitik, die nicht spezifisch<br />

Inflation bekämpfe, „wohl aber die Realwirtschaft“.<br />

Schulmeisters Gesamtdiagnose:<br />

„Es kommt zum Verlust der sozialen, ökologischen<br />

und politischen Nachhaltigkeit.“<br />

Der Weg zurück zu den Stärken des österreichischen<br />

Gesellschaftssystems werde durch<br />

wachsende Polarisierung und politischen<br />

Ertrag für die ‚Polarisierer‘ immer unwahrscheinlicher.<br />

Österreichs Wirtschaft werde<br />

Schulmeisters Prognose zufolge „bestenfalls im<br />

europäischen Trend wachsen“. Der Ökonom<br />

regte an, Preissteigerungen durch Gründung<br />

einer ‚Agentur für Markttransparenz‘ (AMT) zu<br />

begegnen.<br />

Zwei weitere Schwerpunkte des BMÖ-Einkaufs-<br />

Forums bildeten die erfolgskritischen Faktoren<br />

„Veränderung“ und „Künstliche Intelligenz“.<br />

„Einkauf wird zunehmend auch zum Taktgeber<br />

der Veränderung im Unternehmen“,<br />

bekräftigte BMÖ-Präsident Stefan L. Braun.<br />

„Wir müssen KI lieben lernen, denn sie hilft uns<br />

dabei, wesentliche Information belastbar zusammenzuführen<br />

und unsere Wertbeiträge<br />

ebenso wie unser Image radikal zu steigern“,<br />

so der Chief Procurement Officer der ÖBB-Holding<br />

AG. Heinz Pechek (geschäftsführender


BMÖ-Vorstand) unterstrich, dass KI geeignete<br />

Entscheidungsvorlagen generieren könne,<br />

eine Reihe von Faktoren aber auch in Zukunft<br />

emotional entschieden würden. „Der Mensch<br />

wird weiterhin die Schnittstellen intern und extern<br />

steuern – freilich mit Hilfe adäquater digitaler<br />

Hilfsmittel.“<br />

Prof. Horst Bischof (Rektor der TU Graz) verwies<br />

auf globale Vorreiter: „Während die USA<br />

in Sachen Systeme und China bei Daten dominieren,<br />

sucht Europa noch seine Rolle. Die<br />

darf aber keinesfalls in Regulierung bestehen.“<br />

Untersuchungen zeigten, dass Menschen derzeit<br />

noch kein rechtes Vertrauen in KI hätten.<br />

Aber überall dort, wo genügend Daten vorhanden<br />

seien, dominiere heute schon die Maschine.<br />

Bischof propagierte für die Zukunft die<br />

Formel „3M“ – Mensch mit Maschine.“<br />

Prof. DDDr. Waldemar Hummer (Universität<br />

Innsbruck) beschrieb die von Vielen unterschätzte<br />

Komplexität des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes.<br />

Die Medien seien nicht<br />

in der Lage, die Probleme der Regelungen zu<br />

erfassen und somit seien auch Leser bzw. Unternehmen<br />

oft nicht richtig informiert. „Viele<br />

deutsche Unternehmen waren nicht gut auf<br />

das Gesetz vorbereitet. Dort hat man aber<br />

schon festgestellt, dass man als Lieferant<br />

auch ohne ausdrückliche Verpflichtung von<br />

Kunden nach entsprechenden Maßnahmen<br />

gefragt wird, wenn man im Geschäft bleiben<br />

will“, betonte Hummer. Österreichische Unternehmen<br />

seien folglich gut beraten, sich auf<br />

Kommendes einzustellen, auch wenn sie in der<br />

ersten Welle noch nicht betroffen seien. In diesem<br />

Zusammenhang verwies Hummer auf das<br />

‚Lieferkettengesetz Volksbegehren‘ vom April<br />

<strong>2023</strong> in Österreich, das in der Öffentlichkeit bisher<br />

kaum Widerhall gefunden habe.<br />

Prof. Dr. Helmut Zsifkovits (Montanuniversität<br />

Leoben) bezog sich als Jury-Vorsitzender des<br />

„Austrian Supply Excellence & Digital Procurement<br />

Award“ (ASEA) auf die großen Herausforderungen,<br />

vor denen der Einkauf stehe,<br />

aber auch auf die Chancen, die es zeitnah<br />

zu nutzen gelte. Der BMÖ begebe sich dafür<br />

jedes Jahr auf die Suche nach Unternehmen,<br />

die im Einkauf Besonders geleistet hätten und<br />

damit einen Wertbeitrag zur Existenzsicherung<br />

schafften: „Dafür zeichnen wir Projekte aus,<br />

von denen andere Organisationen und Verantwortliche<br />

lernen können“, erklärte Zsifkovits.<br />

(RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S22<br />

#DLK23<br />

Deutscher Logistik-<br />

Kongress<br />

Der Deutsche Logistik-Kongress ist die Netzwerkveranstaltung<br />

zu Logistik und Supply<br />

Chain Management. Hier treffen sich Entscheider<br />

und andere Logistikbegeisterte aus Industrie,<br />

Handel, Dienstleistung und Wissenschaft.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Think Networks - lautet das Motto des 40.<br />

Deutschen Logistik-Kongresses vom 18.-<br />

20. Oktober in Berlin. Drei Tage lang treffen<br />

sich die Fach- und Führungskräfte<br />

aus dem Wirtschaftsbereich Logistik, also aus<br />

Industrie, Handel und Logistikdienstleistung<br />

zum Netzwerken und zum fachlichen Austausch.<br />

Reale und digitale Netze sind wichtig,<br />

weil sie Transparenz und Agilität ermöglichen<br />

– innerhalb von Unternehmen und in der gesamten<br />

Lieferkette. Alle Beteiligten haben die<br />

gleichen Herausforderungen zu meistern –<br />

Dekarbonisierung und die Energiewende, Digitalisierung<br />

und KI, Fachkräftemangel und Human<br />

Resources, Resilienz in den Lieferketten.<br />

Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach der<br />

Zukunftsfähigkeit des Standortes Europa ein<br />

Thema, das alle Menschen in der Wirtschaft<br />

bewegt. Themen u.a.:


Warum ist die Logistik so wichtig?<br />

Im weltweiten Vergleich erhöhen hocheffiziente<br />

Logistikstrukturen die internationale<br />

Wettbewerbsfähigkeit der deutschen<br />

Industrie und des Außenhandels.<br />

Sie sorgen dafür, dass es sich für die Unternehmen<br />

weiterhin lohnt, in Deutschland<br />

zu produzieren und die Waren<br />

von hier aus in alle Welt zu exportieren.<br />

Logistik- und Transportunternehmen<br />

sind unter anderem im Bereich Spedition,<br />

Transport, Lagerei, Umschlag und<br />

Verpackung tätig und bilden zusammen<br />

den drittgrößten deutschen Wirtschaftszweig.<br />

Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V.<br />

ist ein 1978 gegründeter gemeinnütziger<br />

Verein mit Sitz in Bremen. Mit fast<br />

11.300 Mitgliedern aus den Führungsebenen<br />

von Industrie, Handel, Dienstleistung<br />

und Wissenschaft sieht sich die BVL<br />

als Kompetenznetzwerk der Logistik.<br />

Die Basis des Vereins sind 38 Regionalgruppen,<br />

die ganz Deutschland, die<br />

Regionen Peking, Singapur, Shanghai,<br />

Hefei, Luxemburg, Kattowitz, São Paulo,<br />

Moskau, Istanbul sowie Teile der USA abdecken<br />

und jährlich rund 300 Veranstaltungen<br />

durchführen. In 25 der Gruppen<br />

gibt es zusätzlich Studentische Regionalgruppen.<br />

Die Mitgliederversammlung<br />

wählt den Vorstand. Infio: www.bvl.de<br />

•-Triple Transformation: Digitalisierung,<br />

Nachhaltigkeit und Resilienz als neue Leitlinien<br />

zukunftsfähiger Wertschöpfungsketten<br />

– Präsentation der Ergebnisse der neuen<br />

Trends und Strategien-Studie der BVL<br />

•-Cybersicherheit in Supply Chains – Secida-<br />

Geschäftsführer Alpha Barry präsentiert die<br />

Ergebnisse einer Studie im Auftrag der BVL<br />

•-Ausblick auf den Kongress 2024: Neuer<br />

Name, neuer Ort, neues Konzept…<br />

Wie zukunftsfähig ist der Standort Deutschland<br />

und Europa?<br />

Deutschland rutscht im Logistik-Ranking von<br />

Gold auf Bronze, Industrieunternehmen drohen<br />

mit Abwanderung, der desolate Zustand<br />

der Infrastruktur ist Dauerthema: Viele reden<br />

den Standort schlecht, aber wie kann es gemeinsam<br />

besser werden? Beim Eröffnungs-Panel<br />

des Kongresses sprechen der BVL-Vorstandsvorsitzende<br />

Prof. Dr.-Ing. Thomas<br />

Wimmer, Ilse Henne, CTO und Vorstandsmitglied<br />

bei thyssenkrupp Materials Services sowie<br />

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel, geschäftsführender<br />

Institutsleiter des Fraunhofer<br />

IML in Dortmund, über den Standort Deutschland,<br />

den Nutzen von Kollaboration für die<br />

Lieferketten sowie den Aufbruch in ein neues<br />

Zeitalter mit künstlicher Intelligenz. Während<br />

beim Kongressauftakt die Zukunft des Standortes<br />

Deutschland im Fokus steht, dreht sich<br />

das Abschlussplenum um die Zukunftsfähigkeit<br />

und Wohlstandssicherung in Europa. Vernetztes<br />

Denken, miteinander arbeiten in Wissenschaft,<br />

Wirtschaft, Politik und Gesellschaft –<br />

Wie gestalten wir unsere Zukunft gemeinsam?


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S24<br />

Die Energiewende aktiv gestalten<br />

Gleich zwei Fachsequenzen beschäftigen<br />

sich mit der Frage, wie die Energiewende in<br />

Deutschland und Europa bewältigt werden<br />

kann. Steigende Kosten, übermäßige Regulierung<br />

und die Notwendigkeit eines nachhaltigen<br />

Wirtschaftssystems wirken sich stark auf<br />

den europäischen Chemie- und Pharmasektor<br />

aus. Die industrielle Wettbewerbsfähigkeit<br />

steht auf dem Spiel. Welche Ansätze gibt es,<br />

um dieser Herausforderung gerecht zu werden?<br />

Darüber diskutieren am Donnerstag unter<br />

anderem Ralf Busche (BASF), Dr. Andreas<br />

Brockmeyer (Infraserv Logistics), Hanno Brümmer<br />

(Covestro Deutschland), Prof. Dr.-Ing.<br />

Przemyslaw Komarnicki (Fraunhofer IFF),<br />

Dr.-Ing. Frank Jenner (Ernst & Young) sowie<br />

Thomas Panzer (Bayer AG).<br />

THOMAS WIMMER<br />

Welche Standortfaktoren entscheiden über<br />

Zukunftsfähigkeit und Wohlstandssicherung in<br />

Europa? Die Teilnehmenden des Abschlusspanels<br />

gelten als Zukunftsmacher – in der Wertschöpfung,<br />

im internationalen Geschäft und<br />

im Politik-Business. Sie sprechen über Voraussetzungen<br />

für Zukunftsfähigkeit, Investitionen<br />

und Innovationen sowie Wertschätzung in der<br />

Kommunikation und im persönlichen Umgang<br />

– was ist, wird oder bleibt wichtig? Zu den Panelisten<br />

zählen Moritz Döbler Chefredakteur<br />

der Rheinische Post, Patrick Burghardt, Head<br />

of People & Organizational Development bei<br />

Daimler Trucks and Busses, VDMA-Präsident<br />

Karl Haeusgen, Sarah Ryglewski MdB, Staatsministerin<br />

beim Bundeskanzler sowie Frank<br />

Vorrath, Vice President Supply Chain Services<br />

bei Danfoss Climate Solutions.<br />

Die neuen Entwicklungen und Fortschritte bei<br />

der Energieeffizienz von Logistikstandorten<br />

stehen im Fokus einer zweiten Sequenz am<br />

Freitag. Die Potenziale für die Energieerzeugung<br />

und -einsparung an Logistikstandorten<br />

sind enorm. Die Initiative „Power of Logistics“,<br />

die als Teil des BVL Themenkreises Logistikimmobilien<br />

ins Leben gerufen wurde, hat diese<br />

Potenziale identifiziert und arbeitet daran, die<br />

Realisierung an möglichst vielen Standorten<br />

voranzutreiben. Es diskutieren unter anderem<br />

Kuno Neumeier (Logivest Gruppe und Sprecher<br />

des BVL Themenkreises Logistikimmobilien),<br />

Francisco Bähr (Four Parx / Logix Initiative Logistikimmobilien),<br />

Richard Schneider (fabrikon)<br />

sowie Volker Rügheimer (Volkswagen Group<br />

After Sales).<br />

Mehr zum Deutschen Logistik-Preis:<br />

www.bvl.de/dlp<br />

Mehr zum Wissenschaftspreis Logistik:<br />

www.bvl.de/wpl<br />

DLK Programm <strong>2023</strong>:<br />

https://bit.ly/3LUiX57<br />

DLK Teaser <strong>2023</strong>:<br />

https://youtu.be/pDAhV8LToDY


Gestaltung und Zukunft von Arbeit In der Arbeitswelt<br />

sollte der Mensch im Mittelpunkt<br />

stehen, ebenso wie bei der Frage, wie Arbeit<br />

heute und in Zukunft gestaltet werden sollte.<br />

Unter dem Motto „Vitamin BVL“ greift die BVL<br />

das Thema auf und verknüpft es mit den drei<br />

Bereichen Logistik, Supply Chain-Management<br />

und IT – drei untrennbar verwobene<br />

Bereiche, die schon immer ihren Platz im Programm<br />

des Deutschen Logistik-Kongresses<br />

gefunden haben. Am ersten Kongresstag drehen<br />

sich die Podiumsdiskussion am Nachmittag<br />

und die anschließende Fachsequenz um<br />

Human Resources, die schließlich viel mehr als<br />

Arbeitskraft sind. Am Donnerstagmorgen<br />

laden die Ladies in Logistics im Rahmen des<br />

Business Breakfast zu einem Gespräch zum<br />

Thema Karriere. Der Standortfaktor Personal ist<br />

auch Bestandteil des Abschlussplenums.<br />

Deutscher Logistik & Wissenschaftspreis Logistik<br />

Die Verleihung des „Oskars der Logistik“ zählt<br />

zu den Highlights des Deutschen LogistikKongresses,<br />

sie wird am Mittwochabend im Kongresshotel<br />

Intercontinental stattfinden. Die<br />

Jury mit ihrer Vorsitzenden Dr. Ursula Weidenfeld<br />

zeichnet vorbildliche Konzepte aus, die<br />

trotz aller Widrigkeiten der zurückliegenden<br />

Monate entwickelt und implementiert worden<br />

sind – besonders innovative und nachhaltige<br />

Lösungen werden mit diesem Preis ausgezeichnet,<br />

um sie zu fördern und zur Nachahmung<br />

anzuregen. Vier Unternehmen stehen<br />

mit innovativen Projekten im Finale des Deutschen<br />

Logistik-Preises. Die Finalisten des Wissenschaftspreises<br />

Logistik <strong>2023</strong> präsentieren<br />

am Mittwochnachmittag ihre Arbeiten in kurzen<br />

Pitches, bevor die Jury direkt vor Ort den<br />

Preisträger ermittelt. (RED)<br />

KONZENTRIEREN SIE SICH AUF DAS WESENTLICHE.<br />

MIT LOGISTIK-OUTSOURCING VON LOGSERV.<br />

Wir verbinden, was zusammen gehört. Wirtschaftliche<br />

Abläufe und effiziente Transporte sind heute wichtiger<br />

denn je. Als Full-Service-Spezialist für industrielle Logistik<br />

sind Ihre Herausforderungen bei uns bestens aufgehoben.<br />

Kontrakt- und Projektlogistik<br />

Zolldienstleistungen<br />

Eisenbahn-Sicherungstechnik und -Bautechnik<br />

Instandhaltung Lokomotiven und Waggons<br />

Werkstätten Schwer- und Sonderfahrzeuge<br />

Fuhrparkmanagement<br />

Werksinterne Logistik<br />

Verkehrsakademie<br />

Private Eisenbahntraktion via CargoServ<br />

Logistik Service GmbH, Lunzer Straße 41, A-4031 Linz<br />

Tel: +43-732-6598-2000, E-Mail: office@logserv.at<br />

www.logserv.at<br />

Logistik in Bewegung.


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S26<br />

ECOMMMERCE LOGISTIK<br />

Österreichische<br />

Paketbranche<br />

braucht bessere<br />

Rahmenbedingung<br />

Der Zentralverband Spedition & Logistik ist<br />

eine Interessensvertretung auf freiwilliger<br />

Basis für Spediteure und Logistik-Dienstleister<br />

mit Speditionskonzession und fordert die Aufnahme<br />

von Paketzustellern in die Mangelberuf-Liste<br />

sowie ein Gütesiegel für Kleintransporteure<br />

und Investitionen in die Ladeinfrastruktur.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Der Jahresbericht 2022 der Rundfunk<br />

und Telekom Regulierungs-GmbH<br />

(RTR) zeigte nach den enormen Paket-Mengenzuwächsen<br />

während<br />

der Corona-Pandemie auch für das vergangene<br />

Jahr ein Plus: 2022 wurden 355,3 Mio. Pakete<br />

in Österreich befördert, was im Vergleich<br />

zu 2021 immer noch einen Zuwachs von 4,7 %<br />

bedeutet. Für Oliver Wagner, Geschäftsführer<br />

des Zentralverbands Spedition & Logistik, zeigt<br />

dies die enorme Bedeutung der Branche: „Um<br />

auch in Zukunft das Wirtschaftswachstum zu unterstützen<br />

und für den anhaltend boomenden<br />

Online-Handel sowie das B2B-Geschäft noch<br />

besser gerüstet zu sein, müssen einige Rahmenbedingungen<br />

verbessert werden. Steigende<br />

Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit,<br />

Teuerung, Mangel an urbanen Logistikflächen<br />

sowie fehlende Fachkräfte und fehlendes Zustellpersonal<br />

stellen die Speditions- und Logistikunternehmen<br />

vor größte Herausforderungen.“<br />

Wagner weiter: „Im Interesse von Bevölkerung,<br />

Mitarbeiter und betroffenen Unternehmen<br />

appellieren wir an die Politik, jetzt die richtigen<br />

Weichen für die Wettbewerbsfähigkeit<br />

der Paketlogistik zu stellen. Wir sprechen hier<br />

von etablierten und erfolgreichen heimischen<br />

Unternehmen. Als Rückgrat der Wirtschaft und<br />

in hohem Maß wertschöpfender Sektor haben<br />

sie diese Wertschätzung mehr als verdient.“


Dem Mitarbeitermangel entgegentreten<br />

Um die Attraktivität der Branche am Arbeitsmarkt<br />

zu heben und die Nachwuchs-Findung<br />

zu erleichtern, bedürfe es geeigneter Maßnahmen,<br />

heißt es weiter. Zunächst sollten die<br />

Transportpartner, die in der Zustellung mit den<br />

Paketdienstleistern zusammenarbeiten, selbst<br />

vermehrt ihre offenen Stellen an das AMS melden.<br />

In Folge sie die Aufnahme von Paketzustellern<br />

in die Liste der Mangelberufe angesichts<br />

der Personalengpässe ein Gebot der<br />

Stunde. Im Sinne der Maximierung von Qualität,<br />

Transparenz und Nachhaltigkeit in der<br />

Speditions- und Logistikbranche, tritt Wagner<br />

für eine bundesweite Zertifizierungs-Offensive<br />

ein: „Möglichst viele Kleintransporteure sollen<br />

die Anforderungen eines österreichweit gültigen<br />

Gütesiegels als Qualitätszeichen führen<br />

können. Erste Ansätze dazu gibt es bereits.<br />

Damit könnte vielen ungerechtfertigten Bedenken<br />

in der medialen Öffentlichkeit entgegengetreten<br />

werden und die Attraktivität<br />

der Branche gehoben werden. Großteils nicht<br />

gerechtfertigten Vorwürfen – z. B. in punkto<br />

Nichtleistung von Sozialversicherungsabgaben<br />

– wäre damit jede Grundlage entzogen.“<br />

Weitere Herausforderungen<br />

Auch bei den weiteren Herausforderungen<br />

der Branche wie Kostendruck, nachhaltige<br />

Zustellung und den laufend steigenden<br />

Anforderungen der Empfänger nach<br />

Flexibilität und Transparenz bei der Zustellung<br />

sieht Wagner Handlungsbedarf: „Die<br />

Logistikunternehmen tun alles in ihrer Kraft<br />

stehende, um die flächendeckende Versorgung<br />

im Paketgeschäft sicherzustellen.<br />

Impulse der Politik – etwa bei der Ladeinfrastruktur<br />

– sind jedoch herzlich willkommen.<br />

Ein gutes Miteinander von Wirtschaft und Politik<br />

und gemeinsame Weichenstellungen für die<br />

Zukunft sind unerlässlich, um das weiterhin zu<br />

erwartende Wachstum zu stemmen. Wir freuen<br />

uns auf konstruktive Gespräche und rasche<br />

Lösung der drängenden Herausforderungen“,<br />

so Wagner abschließend. (RED)<br />

SICHER<br />

ANKOMMEN.<br />

Der Sicherheitsgurt wird im Fall<br />

eines Unfalls zum Lebensretter.<br />

Denn schon ab 30 km/h können<br />

die Folgen eines Aufpralls tödlich<br />

sein. Durch einen Handgriff kommen<br />

nicht nur Transportgüter<br />

sicher ans Ziel, sondern vor allem<br />

die Fahrerinnen und Fahrer – denn<br />

sie sind die wertvollste Fracht.<br />

ANGURTEN<br />

RETTET <strong>LE</strong>BEN!<br />

Weitere Infos auf:<br />

asfinag.at<br />

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LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S28<br />

#ECOMLOG23<br />

Paketlogistik &<br />

Retourenmanagement<br />

Der globale Handel und E-Commerce bleiben<br />

trotz Krisen ein Wachstumstreiber. Eine<br />

funktionierende Logistik ist dabei unerlässlich.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

um die Anforderungen des Online-Handels<br />

zu erfüllen. Das Hauptziel der E-Commerce-<br />

Logistik besteht darin, die Kundenzufriedenheit<br />

zu maximieren, indem Lieferungen pünktlich,<br />

fehlerfrei und effektiv abgewickelt werden.<br />

ECOMLOG23 BlogTour HADOLT<br />

Rolf Hadolt, Geschäftsführer der HADOLT<br />

Gruppe, erinnert sich, dass die Entwicklung<br />

zum KEP-Dienstleister eigentlich Zufall war:<br />

„Damals haben wir noch nicht gewusst,<br />

dass dieser Bereich einmal zweistellige Zuwachsraten<br />

verzeichnen würde. Heute sind<br />

wir gut etabliert, haben unsere IT gut ausgebaut<br />

– sogar mit eigener Softwareabteilung<br />

– und viel in Automatisierung investiert.“ Die<br />

größten Herausforderungen für ein österr.<br />

Unternehmen dieser Größe sind seiner Meinung<br />

nach die Perfektionierung von Track &<br />

Tracing, um die Sequenzen zu verkürzen, sowie<br />

die ständige Weiterentwicklung. „Es gibt<br />

neue Softwareprodukte am Markt, die wir für<br />

uns implementieren. Das Wichtigste ist aber<br />

die entsprechende Automatisierung“, so Hadolt.<br />

Die Sendungen werden täglich bei den<br />

Kunden abgeholt und weltweit versendet.<br />

ROLF HADOLT<br />

E-Commerce-Logistik bezieht sich<br />

auf die Logistikprozesse und -aktivitäten,<br />

die mit dem elektronischen<br />

Handel verbunden sind. Sie umfasst<br />

die Organisation, den Transport, die<br />

Lagerung und die Zustellung von Waren für<br />

Online-Shops und E-Commerce-Unternehmen.<br />

Die E-Commerce-Logistik spielt eine<br />

entscheidende Rolle bei der Erfüllung von<br />

Bestellungen, der Verwaltung von Lagerbeständen,<br />

der Verfolgung von Lieferungen<br />

und der Gewährleistung einer effizienten und<br />

rechtzeitigen Lieferung an die Kunden. Sie ist<br />

eng mit technologiebasierten Lösungen wie<br />

Lagerverwaltungssystemen, Tracking-Tools<br />

und automatisierten Prozessen verbunden,<br />

„Der Retourenanteil ist sehr hoch, liegt teilweise<br />

über 50 Prozent“, erklärt Hadolt. Daher<br />

ist ein optimales Retourenmanagement unumgänglich.<br />

„Die Challenge liegt nicht im<br />

Versand zum Kunden, sondern in der Retoure<br />

zurück zum Onlinehändler, hier können Probleme<br />

auftauchen“, verrät Hadolt. Die Digitalisierung<br />

spielt hier eine wesentliche Rolle,<br />

etwa um Unterschiede beim Versandgewicht<br />

zum Retourengewicht zu erfassen. Die Automatisierungsrate<br />

liegt über 90 Prozent, insbesondere<br />

kleine Sendungen werden vom<br />

System erfasst. Große und sperrige Sendungen<br />

– wie beispielsweise Staubsauger – müssen<br />

manuell erfasst und gehandelt werden.<br />

„Bei einer Bestellung im Onlinehandel weiß<br />

der Kunde üblicherweise nicht, woher die<br />

Sendung kommt. Einen Anhaltspunkt liefert<br />

die Laufzeit – längere Laufzeit heißt längerer<br />

Weg.“ Oftmals ist der Kunde nicht glücklich,<br />

wenn er sieht, woher sein Paket kommt – aber<br />

im Endeffekt zähle für viele der Preis. Für Hadolt<br />

ist klar, wie sich die stark gestiegenen Retourenmengen<br />

– früher lagen sie bei rund 25


Prozent, jetzt sind sie doppelt so hoch<br />

– reduzieren ließen: „Würde das Retournieren<br />

etwas kosten, wären es nicht so<br />

viele. Durch den hohen Preisdruck sind<br />

wir stets gefordert, in Digitalisierung und<br />

Automatisierung auf dem neuesten<br />

Stand zu bleiben und möglichst wenig<br />

Personal einzusetzen, um größere Mengen<br />

zu handeln.“<br />

"Die Bedeutung einer effektiven Logistik<br />

für den Handel und E-Commerce kann<br />

nicht genug betont werden", bekundet<br />

Markus Jaklitsch, Geschäftsführer<br />

von LOGISTIK express. ."Wir unterstützen<br />

Kunden bei der Kundmachung von<br />

Unternehmensnews und bieten maßgeschneiderte<br />

Dienstleistungen für<br />

Ihre crossmediale Kommunikation an."<br />

LOGISTIK express, ein führendes Fachmedium<br />

von Intralogistik- und Transportlogistiklösungen<br />

für Handel & Industrie,<br />

informiert täglich, fachlich - sachlichaktuell.<br />

(RED)<br />

Durch die aktuelle wirtschaftliche Situation<br />

ist es für Hadolt aktuell wieder etwas<br />

einfacher, qualifiziertes Personal zu<br />

bekommen – das war die letzten Jahre<br />

nicht so. Durch die hohe Inflation und<br />

die gestiegenen Kosten (Anhebung<br />

des Kollektivlohns um 7 %, Reduktion<br />

der Normalarbeitszeit auf 38,5 Wochenstunden<br />

und Teuerungsprämien im Jahr<br />

<strong>2023</strong>) versucht Hadolt jedoch, den Personalbedarf<br />

möglichst gering zu halten<br />

und höhere Sendungsvolumen durch<br />

Automation zu bewältigen. Gerade asiatische<br />

Onlinehändler sind interessiert<br />

an einer konsolidierten Lieferung nach<br />

Europa – eines der Spezialgebiete des<br />

Unternehmens. „Durch bessere Abläufe<br />

wird der Transport günstiger, weshalb<br />

der E-Commerce in den kommenden<br />

Jahren noch internationaler sein wird“,<br />

ist Hadolt überzeugt. Aktuell kommen<br />

konsolidierte Sendungen via Flugzeug<br />

oder Container nach Europa. Er rechnet<br />

damit, dass mit einem Steigen der<br />

Frachtraten diese Mengen wieder zurückgehen<br />

werden – ein klarer Beweis<br />

dafür, dass die Versandkosten eine wesentliche<br />

Rolle spielen.<br />

Mehrwert in<br />

jedem Schritt.<br />

Ihr Value Chain<br />

Tech Partner<br />

knapp.com<br />

Dank Photovoltaikanlage auf dem<br />

Dach ist das Betriebsgebäude in Graz<br />

energieautark, der Fuhrpark wurde auf<br />

Mild-Hybrid umgestellt. „Wir fahren nicht<br />

nur die letzte Meile zum Kunden mit<br />

neuer Technologie, sondern die gesamte<br />

Strecke. So haben wir 15-20 Prozent<br />

weniger CO2-Ausstoß, um unseren Fußabdruck<br />

kleiner zu machen“, verkündet<br />

Hadolt. Durch den Einsatz von KI rechnet<br />

er damit, dass sich in den kommenden<br />

Jahren noch viele Prozesse vereinfachen<br />

und beschleunigen lassen. .<br />

KNAPP AG<br />

Günter-Knapp-Straße 5-7<br />

8075 Hart bei Graz<br />

Tel: +43 5 04952 0


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S30<br />

Die nachhaltige<br />

E-Commerce-<br />

Logistik ist und bleibt<br />

ein zentrales und<br />

herausforderndes,<br />

spannendes<br />

Themenfeld – trotz<br />

geopolitischer Krisen


#ECOMLOG23<br />

Der 8. eCommerce<br />

Logistik-Day <strong>2023</strong> war<br />

thematisch umfangreich<br />

und ein großer Erfolg und<br />

wird 2024 am 7.10. in Wien<br />

stattfinden.


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S32<br />

#ECOMLOG23<br />

eCommerce Logistik-<br />

Day <strong>2023</strong> – irgendwie<br />

geht’s immer weiter<br />

Erstmals nach stetem Wachstum gab es ein<br />

Minus im Distanzhandel, die Prognosen sind<br />

mau. Auf dem 8. eCommerce Logistik Tag<br />

wurden Strategien präsentiert, wie den aktuellen<br />

Herausforderungen – Mitarbeitermangel<br />

und Nachhaltigkeitsforderungen beispielsweise<br />

– erfolgreich begegnet werden<br />

kann.<br />

REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

Das Line-up der Veranstaltung, die<br />

im Trompetensaal im Haus der Österreichischen<br />

Post am Rochusmarkt<br />

stattfand, konnte sich durchaus<br />

sehen lassen: Peter Umundum, Vorstand<br />

der Post AG, Rainer Will, Geschäftsführer des<br />

Handelsverbands Österreichs, Harald Gutschi,<br />

Geschäftsführer der OTTO UNITO-Gruppe,<br />

Siegfried Zwing, Geschäftsführer von redPILOT<br />

(KNAPP-Gruppe), Wolfgang Einer, Executice<br />

Vice President Logistics Solutions der Österreichischen<br />

Post AG, Norbert Benesch, Territory<br />

Account Manager Österreich bei PROGLOVE<br />

und Marco Zahler, Sales bei der Körber Supply<br />

Chain Logistics GmbH (KOERBER-Gruppe) gaben<br />

sich vor Ort die Ehre, zudem gab es noch<br />

Video-Zuspielungen mit Roman Stiftner, Präsident<br />

der BVL Österreich sowie Oliver Wagner,<br />

Geschäftsführer des Zentralverbands Spedition<br />

& Logistik sowie eine aufschlussreiche Podiumsdiskussion<br />

unter der Leitung von Peter<br />

Nestler, Herausgeber des Umwelt Journals &<br />

Redakteur bei LOGISTIK express. Von aktuellen<br />

Lageberichten über Tendenzen und Prognosen<br />

bis hin zu speziellen Lösungsansätzen und<br />

Technologieszenarien in der Logistik war für<br />

jeden der zahlreichen Fachbesucher etwas<br />

dabei. Das traf auch auf das zuerst süße, dann<br />

pikante Buffet zu, an dem man sich zwischendurch<br />

und im Anschluss an die Veranstaltung<br />

beim Networking gütlich tun konnte.<br />

E-Commerce: Zenit überschritten?<br />

Peter Umundum, Vorstandsmitglied der Österreichischen<br />

Post AG, ist für die Division Paket<br />

& Logistik zuständig und kennt sich daher bestens<br />

aus, wenn es um Versand geht. Nach<br />

einem Rückgang des Paketvolumens von<br />

30.4.2022 bis 30.4.<strong>2023</strong> auf 433 Millionen im<br />

Vergleich zu den 453 Millionen Sendungen im<br />

Jahr davor, gab es im Verlauf dieses Jahres in<br />

allen Geschäftsregionen wieder Zuwächse,<br />

insbesondere im CEE-Raum (19% Plus). Doch<br />

woher kommt dieses Plus? „Das Chinageschäft<br />

ist ein großer Treiber, die Waren kommen<br />

über Südost-Europa. Unsere drei größten<br />

Kunden sind Amazon, die Deutsche Post und<br />

an dritter Stelle folgt schon Alibaba.“ Umundum<br />

geht davon aus, dass der e-Commerce<br />

den Zenit noch lange nicht überschritten hat,


und die Gründe dafür liegen für Ihn klar auf<br />

der Hand: „Die Convenience ist beim Onlinehandel<br />

deutlich größer als beim stationären<br />

Handel, zudem ergeben sich wesentlich<br />

einfachere Preisvergleichsmöglichkeiten.<br />

Im Gegensatz zu früheren Annahmen weiß<br />

man heute, dass der Onlinekauf hinsichtlich<br />

Logistik sogar nachhaltiger ist, als der stationäre<br />

Handel – bedingt durch die Konsolidierungsmöglichkeiten<br />

im Transport und der Zustellung.<br />

Zu guter Letzt ist der Handel an die<br />

gesamte Wirtschaftsentwicklung gekoppelt,<br />

und da gehe ich von einer Verbesserung<br />

aus.“ Das Vertrauen in die positive Entwicklung<br />

des Paketgeschäfts führt dazu, dass zusätzlich<br />

zu den schon erfolgten Bauten noch<br />

weitere hohe Investitionen geplant sind – insbesondere<br />

der Ausbau der Logistikzentren.<br />

Erst Ende September ging das neue Logistikzentrum<br />

in Wien in Betrieb, in dem ein 3-Sorter-Hybridsystem<br />

zum Einsatz kommt. „In der<br />

neuen Anlage ist eine vollautomatische Entladung<br />

in Betrieb“, freut sich Umundum. Doch<br />

wo viel Licht, da auch Schatten: das Briefgeschäft,<br />

ursprünglich stärkstes Steckenpferd der<br />

Post, schrumpft, und das wird aller Voraussicht<br />

nach auch so bleiben.<br />

Mit 1 Million Abstellgenehmigungen, 680 Versandstationen<br />

und 70.000 Empfangsboxen ist<br />

es kein Wunder, dass die Erstzustellquote im<br />

Paketbereich konstante 93,9 Prozent beträgt<br />

– Zahlen, von denen andere Paketdienstleister<br />

nur träumen können. Trotzdem gibt es Überlegungen,<br />

diese Quoten noch weiter zu verbessern,<br />

beispielsweise durch digitale Schlösser,<br />

die dem Zusteller einmaligen Zutritt in den<br />

Eingangs- oder Wohnbereich des Adressaten<br />

gewähren. „Wir arbeiten daran, 2.000 Telefonhäuschen<br />

in Ballungsräumen als Poststationen<br />

umzufunktionieren, wobei die Notruffunktion<br />

selbstverständlich erhalten bleibt“, erklärt Umundum.<br />

Auch im Bereich Nachhaltigkeit tut


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S34<br />

ANGELIKA GABOR<br />

REDAKTION<br />

LOGISTIK EXPRESS<br />

sich einiges, wie etwa das seit wenigen Monaten<br />

verfüg bare „Post Loop“-Service. „Die<br />

Verpackung wird mit Pfand gekauft, nach<br />

Gebrauch gefaltet und zurückgesendet. Sie<br />

wird dann gereinigt und kommissioniert und<br />

bis zu dreißig Mal verwendet“, verrät Umundum.<br />

Generell setzt die Post viele Initiativen zur<br />

Nachhaltigkeit, so ist beispielsweise seit Beginn<br />

der Messung der CO2 Emissionen im Jahr 2009<br />

der Ausstoß gesunken, obwohl die Mengen im<br />

selben Zeitraum um 70 Prozent gestiegen sind.<br />

Grund dafür ist eine Vielfalt an Maßnahmen,<br />

allen voran die Umstellung des Fuhrparks auf<br />

Elektromobilität. Umundum: „Unser Ziel ist es,<br />

bis 2040 die „Net Zero“ zu erreichen. Schon<br />

heute erfolgt die Zustellung in Graz zu 100<br />

Prozent grün, in Innsbruck, Salzburg und Wien<br />

sind wir in der Umsetzungsphase.“ Neben den<br />

reinen Elektrofahrzeugen testet die Post auch<br />

Alternativen, wie LNG-LKW im Schwerlastverkehr,<br />

deren Kauf jedoch nicht weiter verfolgt<br />

wird. Aktuell im Test: 3 HVO100-Fahrzeuge (HVO,<br />

Hydrotreated Vegetable Oils, synthetischer<br />

Diesel Anm.): „Das funktioniert im Testbetrieb<br />

wirklich gut, die CO2-Einsparung liegt bei 70-<br />

80 % bei etwa 7-10 % Mehrkosten im Vergleich<br />

zu regulärem Diesel. Aber auf der Langstrecke<br />

wird sich unserer Meinung nach Wasserstoff<br />

durchsetzen – entsprechende Fahrzeuge<br />

haben wir schon bestellt.“<br />

Retail in Österreich. Die Großwetterlage<br />

Seit mehr als 100 Jahren ist der Handelsverband<br />

als Interessensvertretung österreichischer<br />

Handelsunternehmen aktiv – egal, ob<br />

stationärer Handel, oder seit einigen Jahren<br />

der e-Commerce. Die letzten Monate zeigen<br />

keine rosige Bilanz, wie Handelsverbands-Geschäftsführer<br />

Rainer Will resümiert: „Alle Sparten<br />

sind rückläufig, lediglich Mode und Körperpflege<br />

weisen geringe Zuwächse aus.<br />

Wir verzeichneten 10 Prozent mehr Insolvenzen<br />

bei den Handelsunternehmen. Es kam im<br />

ersten Halbjahr <strong>2023</strong> bereits zu 6.400 Standortschließungen<br />

und nur 15 Prozent der Händler<br />

erwarten für das laufende Geschäftsjahr einen<br />

Gewinn.“ Wie die aktuellen Ergebnisse der<br />

Händlerbefragung zeigen, plant mehr als die<br />

Hälfte einen Investitionsstopp und knapp ein<br />

Drittel muss aus Kostengründen Personal abbauen<br />

– eigentlich paradox, bedenkt man, dass<br />

oft verzweifelt Mitarbeiter benötigt werden.<br />

Die aktuelle Teuerung bewirkt zudem eine<br />

größere Zurückhaltung beim Expansionsverhalten.<br />

Doch die Inflation ist nicht das einzige<br />

Problem, das die Unternehmen plagt: „Rund<br />

30 Prozent der Händler warten noch immer<br />

auf die Auszahlung der Unterstützung durch<br />

die COFAG! Zudem hat Österreich neben<br />

Belgien und Deutschland die höchsten Lohnnebenkosten<br />

in Europa“, so Will. Das führt<br />

dazu, dass man bei einer Anhebung von 20<br />

auf 30 Wochenstunden Arbeitszeit zwar um 50<br />

Prozent mehr Stunden arbeitet, aber nur rund<br />

ein Drittel mehr Lohn ausbezahlt bekommt –<br />

nicht unbedingt ein Anreiz. „Ich hoffe, es gibt<br />

im kommenden Jahr einen echten Reallohnzuwachs<br />

– davon würde auch unsere Branche<br />

profitieren.“<br />

Der Handel befindet sich inmitten einer Technologie-Revolution,<br />

bereits heute nutzen Kunden<br />

bevorzugt das Handy für Online-Shopping.<br />

„Binnen zwei Jahren ist die Anzahl der<br />

Webshops von 9.000 auf 12.000 angewachsen,<br />

rund 8 Prozent der Händler nutzen aktuell<br />

Künstliche Intelligenz -aber ein Viertel möchte<br />

noch in diesem Jahr in eine KI investieren “, erklärt<br />

Will. Der Shopping Index <strong>2023</strong> zeigt, dass<br />

die Kluft zwischen dem Angebot des Handels<br />

und den Wünschen der Kunden nach wie vor zu<br />

groß ist: „Viele Kunden würden sich wünschen,<br />

online die Filialverfügbarkeit gezeigt zu bekommen.<br />

Die Daten dazu müssen aufgrund der<br />

Inventur und des Warenmanagementsystems<br />

theoretisch bei jedem vorhanden sein, trotzdem<br />

wird diese Funktion kaum angeboten.“<br />

Doch auch andere Wünsche bleiben Großteils<br />

unerfüllt, wie die Studie zeigt: während 82<br />

Prozent der Kunden einen konkreten Zustelltag<br />

einer Bestellung wissen wollen, bieten das<br />

lediglich 13 Prozent an. Und während 38 Prozent<br />

der Kunden eine Same Day Delivery bevorzugen,<br />

ist diese Option nur bei 5 Prozent<br />

der Händler möglich. Eine WhatsApp-Kontaktaufnahme<br />

wünschen sich 30 Prozent, angeboten<br />

wird es von 9 Prozent. Bedenkt man,<br />

dass laut HV-Konsumbarometer stolze 97 Prozent<br />

der Bevölkerung die Teuerung spüren und<br />

dadurch ihr Einkaufsverhalten entsprechend<br />

anpassen, wäre es umso wichtiger, diesen<br />

Wünschen entsprechend zu begegnen, um<br />

das Einkaufserlebnis zu verbessern.


Generell zeigt sich ein Aufholbedarf der Konsumenten<br />

in gewissen Bereichen, weiß Will:<br />

„Die Wareneinkäufe sind zurückgegangen,<br />

insbesondere bei Büchern und Möbeln. Dafür<br />

sind die Ausgaben für Reisen, Freizeit und Essen<br />

gestiegen.“ Ein unübersehbarer Trend: vegane<br />

Produkte. „Wir gehen davon aus, dass bis<br />

zum Jahr 2030 400 Milliarden Euro jährlich für<br />

vegane Lebensmittel ausgegeben werden.“<br />

Natürlich hat der Handelsverband auch entsprechende<br />

Vorschläge an die Politik, wie die<br />

Situation sich verbessern ließe: Neben einem<br />

Händlerfokus bei der Ausgestaltung des EKZ II<br />

(Energiekostenzuschuss, Anm.) und einer sofortigen<br />

Auszahlung der fehlenden Corona-<br />

Entschädigungen empfiehlt der Handelsverband<br />

eine steuerliche Gleichstellung von<br />

Fremd- und Eigenkapital, eine rasche Arbeitsmarktreform<br />

und die Abschaffung der Mietvertragsgebühr.<br />

Auch ein flächendeckender<br />

Ausbau der Kinderbetreuung würde den Handelsangestellten<br />

stark zu Gute kommen. Eine<br />

Lösung für den Fachkräftemangel wäre eine<br />

Ausweitung der Zuverdienstgrenzen für Pensionisten.<br />

(RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S36<br />

#ECOMLOG23<br />

Die Logistik aus<br />

Vertriebssicht –<br />

best practice der<br />

Otto Group<br />

Als ehemaliger Kataloghändler umfasst die<br />

Otto-Gruppe heute mehr als 120 Unternehmen<br />

in über 30 Ländern. Als Geschäftsführer<br />

der Otto Unito-Gruppe ist Harald Gutschi<br />

für rund 41.000 Mitarbeiter verantwortlich.<br />

Grund genug, sich genau mit Trends und Optimierungsmöglichkeiten<br />

zu beschäftigen.<br />

REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

Pro Jahr wickelt die Unito Logistik 4 Millionen<br />

Sendungen und 1,5 Millionen<br />

Retouren ab. Trotz all dieser Transportdienstleistungen<br />

kommt die Gruppe<br />

ihrem Ziel, bis 2030 komplett klimaneutral zu<br />

sein, immer näher. Teil des Gesamtkonzepts<br />

sind neben der Nutzung recycelbarer Verpackung<br />

Kooperationen mit Wildplastic (verwertet<br />

Kunststoff-Müll weiter) und Traceless (erforscht<br />

Plastik-Alternativen).<br />

Nach extrem erfolgreichen Covid-Jahren mit<br />

höchsten Wachstumsraten (insbesondere bei<br />

Garten, Möbeln, Büchern und Dekoration)<br />

ging der Umsatz im Jahr 2022 um 8 Prozent zurück,<br />

allerdings rechnet Gutschi für 2024 wieder<br />

mit einem deutlichen Plus. Auch Gutschi<br />

nimmt eine Änderung bei der Ausgabenstruktur<br />

der Kunden wahr: „Die Menschen geben<br />

die Hälfte ihrer Konsumausgaben für Urlaub<br />

und Freizeit aus. Bei der Mode sehen wir, dass<br />

mehr Basics gekauft werden, die man länger<br />

tragen kann. So sind unsere Bestseller im Bereich<br />

Living derzeit Legosteine, Handtücher,<br />

Töpfe und Bettwäsche. Doch auch Matratzen<br />

sind ein Verkaufshit, da sie online viel billiger<br />

sind, als im stationären Handel – allerdings<br />

auch schwer zu versenden.“ Otto ist der Marktführer<br />

im Bereich der Weißware und zeichnet<br />

sich dadurch aus, dass bei der Lieferung der<br />

Waren auch die entsprechenden Fachkräfte<br />

– Installateure, Elektriker oder Tischler – mitkommen,<br />

um den sachgerechten Auf- und<br />

Einbau samt Anschluss zu gewährleisten. Premiummöbel<br />

werden sogar von Mitarbeitern<br />

mit Handschuhen geliefert, um das Material<br />

zu schonen.<br />

Basis für das Versandgeschäft sind natürlich<br />

gut ausgebaute Logistikstandorte – aktuell<br />

wird in Polen ein zusätzlicher Logistik-Hub errichtet.<br />

Gutschi: „Dr. Otto wollte eigentlich<br />

einen Standort in der DACH-Region, aber es<br />

ist unmöglich, ausreichend Personal zu finden.<br />

Polen hingegen erlaubt auch die Sonntagsarbeit,<br />

das macht es leichter.“ Im Sinne der<br />

Nachhaltigkeit betreibt die Unternehmensgruppe<br />

auch eigene Retourenfabriken-Standorte,<br />

wo die zurückgesendeten Waren sortiert<br />

und aufbereitet werden. Die Retouren glie-


dern sich in zwei Hälften: die eine Hälfte wird<br />

tatsächlich zurückgeschickt, und die andere<br />

Hälfte wird wegen Zahlungsschwierigkeiten<br />

zurückgeholt – Tendenz steigend. „Man merkt,<br />

dass die Zahlungsmoral direkt nach den Urlaubsmonaten<br />

schlechter ist, auch im stationären<br />

Handel wird dann mehr gestohlen“,<br />

meint Gutschi.<br />

Die wachsende Beliebtheit von Plattformen<br />

wie Temu und Shein sieht Gutschi mit Sorge<br />

– nicht nur wegen der Konkurrenz: „Bei der<br />

Produktion der Waren in China kommen Chemikalien<br />

zum Einsatz, die in Europa nicht mehr<br />

erlaubt sind. Der Transport erfolgt per Flugzeug,<br />

das ist natürlich überhaupt nicht nachhaltig.<br />

Leider ist das mehr und mehr Kunden<br />

egal.“ Wenig Sorge hingegen bereitet ihm<br />

der anstehende nächste Technologiesprung,<br />

entsprechend des Zyklus 6 nach Kondradieff,<br />

vom Onlinehändler zum KI-Händler: „Maschinen<br />

machen die Preise automatisch, und automatische<br />

Dispositionssysteme erlauben 20<br />

Prozent weniger Lagerstand bei gleichzeitig<br />

1-2 Prozent mehr Verfügbarkeit. Dabei werden<br />

auch Faktoren wie das Wetter einbezogen,<br />

um Absatzzahlen zu prognostizieren, das<br />

schafft ein Mensch allein nicht.“<br />

Durch den Preisverfall bei Modellen, Speicherplatz<br />

und Cloudlösungen sieht Gutschi einen<br />

großen Schritt nach vorne, was die Entwicklung<br />

betrifft. Da in manchen Gegenden einfach<br />

zu wenige Mitarbeiter fürs Lager zu bekommen<br />

sind, setzt die Otto Gruppe zukünftig<br />

auf die Roboter Spot® und Stretch von Boston<br />

Dynamics, wie eine im September verkündete<br />

strategische Partnerschaft besagt. In den<br />

nächsten zwei Jahren sollen diese Roboter die<br />

Logistikabläufe in mehr als 20 Logistikzentren,<br />

angefangen bei Hermes Fulfilment, automatisieren<br />

helfen. Dabei bewegt sich der hundeähnliche<br />

Spot® zur Sicherheit und proaktiven<br />

Wartungserkennung durchs Lager, während<br />

Stretch selbständig Frachten entlädt. Gutschi<br />

geht davon aus, dass in spätestens 5 bis<br />

10 Jahren Roboter Funktionen in unserem Alltag<br />

übernehmen werden.<br />

ANGELIKA GABOR<br />

REDAKTION<br />

LOGISTIK EXPRESS


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S38<br />

Navigate to Operational Excellence –<br />

Wie betreibt man ein Logistiksystem zu<br />

jeder Betriebsstunde am Optimum?“<br />

Siegfried Zwing, Geschäftsführer von redPILOT,<br />

sieht drei aktuelle Hauptprobleme<br />

beim Betrieb von Logistikstandorten:<br />

„Erstens weiß man nicht, welche Aufträge am<br />

nächsten Tag ankommen – weder die Menge,<br />

noch die Struktur, und die Art der Verpackung<br />

wirkt sich auf das nötige Handling aus.<br />

Zweitens werden die Systeme immer komplexer,<br />

etwas was das Volumen anbelangt. Das<br />

dritte und vielleicht größte Problem ist die<br />

Unverfügbarkeit von Lagermitarbeitern.“ Um<br />

sich diesen Herausforderungen erfolgreich<br />

zu stellen, wurde quasi ein „Navi für Lagerleiter“<br />

geschaffen – die redPILOT App, die bei<br />

der Nutzung des Standortes unterstützt. Das<br />

System verfügt über die drei Bereiche Planner,<br />

Optimizer und Improver. Die Automatisierte<br />

Planung (Planner) prognostiziert Mengen<br />

und plant dementsprechend den Ressourceneinsatz.<br />

Optimizer gibt Handlungsempfehlungen<br />

im laufenden täglichen Betrieb<br />

anhand der tatsächlichen Auftragslage<br />

ab, damit die Ressourcen optimal eingesetzt<br />

werden. Improver schließlich beschreibt<br />

das maschinelle Lernen, wobei Betriebsdaten<br />

genutzt werden, um zukünftige Planungen<br />

und Empfehlungen zu verbessern.<br />

Mit Hilfe der Team-App können Mitarbeiter<br />

ideal eingesetzt werden, aber auch gegenseitig<br />

Schichten tauschen oder Urlaube planen.<br />

Zwing: „Die Automation ist die probate<br />

Lösung für Personalmangel. So haben wir beispielsweise<br />

für EDEKA einen vollautomatischen<br />

Standort im Lebensmittelbereich umgesetzt,<br />

in dem trotzdem noch 1.200 Mitarbeiter beschäftigt<br />

sind.“


Automatisierung der E-Commerce Abwicklung<br />

Es ist hinreichend bekannt, dass die Post bei<br />

der Umsetzung von Omnichannel-Modellen<br />

unterstützt. „Das umfasst auch den Support<br />

auf 1st und 2nd Level“, betont Wolfgang Einer,<br />

Executice Vice President Logistics Solutions<br />

der Post AG. Egal ob Lagerung, Fulfilment,<br />

Verpackung, Zustellung oder Retoure und<br />

Aufbereitung, die Post bietet sämtliche nötigen<br />

Serviceleistungen an. Eine leistungsfähige<br />

Autostore-Lösung mit 29.000 Behälterstellplätzen<br />

und 35 Robotern ist dabei eine große Hilfe.<br />

„Im Jahr 2021 trat DM an uns heran und fragte,<br />

was passieren würde, wenn es in den<br />

nächsten Jahren 400 bis 500 Prozent Wachstum<br />

gäbe. Schon damals arbeiteten wir zu<br />

Spitzenzeiten im 3-Schicht-Betrieb, solch eine<br />

Leistungssteigerung wäre unmöglich gewesen.“<br />

Nach eingehender Prüfung verschiedener<br />

Optionen fiel die Wahl zugunsten der<br />

Autostore-Lösung. „Das System ist skalierbar<br />

und zukunftssicher. Die bei der Auslagerung<br />

eingesetzten Saug-Greif-Roboter sind so sensibel,<br />

dass sie sogar einen einzelnen Kajal<br />

picken können“, berichtet Einer. Trotz dieser<br />

Innovationen ist er davon überzeugt, dass der<br />

Mensch im Lager auch in Zukunft immer nötig<br />

sein wird, zumindest, um alles zu überwachen.<br />

Und wie sieht es mit KI aus? „Die momentan<br />

erhältlichen KI-Applikationen sind nur der Anfang.<br />

Wer nicht daran arbeitet, wird in Zukunft<br />

nicht erfolgreich handlungsfähig sein“, ist<br />

Wolfgang Einer überzeugt.<br />

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Scan me


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S40<br />

Produktivitätssteigerung durch erhöhte Geschwindigkeit<br />

und Genauigkeit beim Scanprozess<br />

Zeit ist Geld, das gilt insbesondere in der Logistik.<br />

Norbert Benesch, Territory Account Manager<br />

Österreich von PROGLOVE präsentierte<br />

eine Lösung, um die Produktivität im Lager<br />

durch besseres Scannen massiv zu steigern.<br />

Ursprünglich als StartUp bei BMW gestartet,<br />

beschäftigt das Unternehmen heute 400 Mitarbeiter,<br />

die den Menschen in den Mittelpunkt<br />

ihrer Innovationen stellen. Der von PROGLOVE<br />

entwickelte Scanner ist besonders leicht und<br />

klein und daher für den Mitarbeiter weniger<br />

belastend – aber keinesfalls weniger leistungsfähig.<br />

„Kunden haben uns erzählt, dass sie<br />

durch den Einsatz unserer Scanner Produktivitätszuwächse<br />

von 20 Prozent bei gleichzeitig<br />

33 Prozent weniger Fehlern feststellen konnten.<br />

Zudem haben Sicherheit und Gesundheit<br />

der Mitarbeiter bei dieser repetitiven Arbeit<br />

zugenommen“, so Benesch stolz. Bei einem<br />

Kunden im Fulfilment/Wareneingangsbereich<br />

konnten 27 Prozent mehr Pakete pro Stunde<br />

abgewickelt werden, bei einem Kunden im<br />

Automobilbereich konnten 1.600 Stunden<br />

Montagezeit eingespart werden.<br />

– akustisch, haptisch und via audio, sind einfach<br />

zu bedienen, scannen überaus genau<br />

auch aus schwierigen Winkeln und glänzen<br />

durch jederzeit verfügbare Daten zu jedem<br />

einzelnen Gerät.“ PROGLOVE hat aktuell fünf<br />

verschiedene Modelle im Sortiment, abhängig<br />

von Bereich, Distanz und Einsatzgebiet, wobei<br />

für jeden Kunden eine maßgeschneiderte<br />

Lösung entwickelt wird. Die hauseigene Software<br />

INSIGHT gibt es in drei Varianten, für mobile<br />

Arbeitskräfte gibt es die eigene Software<br />

INSIGHT Mobile. „Der ROI liegt bei unseren Lösungen<br />

bei etwa 6 Monaten“, erklärt Benesch.<br />

Die Zufriedenheit der Mitarbeiter zahlt sich jedenfalls<br />

immer aus.<br />

Der Scanner ist so klein und praktisch, dass<br />

er bequem in Wearables getragen werden<br />

kann, oder auch an einem Reel am Gürtel.<br />

Benesch: „Die Scanner bieten 100 Prozent<br />

Beweglichkeit, eine mobile Mitarbeiterführung


Touchless Hub<br />

Vor etwas mehr als einem Jahr schloss Körber<br />

die Übernahme des globalen Post- und Paketgeschäfts<br />

von Siemens Logistics ab. Die Bündelung<br />

der Kompetenzen führt zu Entwicklungen,<br />

die der Realisierung einer „Lights<br />

Out Facility“ näherkommen lassen. „Allerdings<br />

denke ich nicht, dass sich diese Idee<br />

mittelfristig umsetzten lässt“, meint Marco<br />

Zahler, Salesexperte der Körber Supply Chain<br />

Logistics GmbH. Auch bei Körber steht die<br />

Lösung des Arbeitskräftemangel-Problems<br />

auf der Tagesordnung. Doch ist eine Anlage<br />

komplett ohne Menschen machbar?<br />

„Es stehen schon heute diverse Technologien<br />

zur Automatisierung zur Verfügung, allerdings<br />

gestaltet sich das beispielsweise bei der Beund<br />

Entladung heterogener Artikel durchaus<br />

als schwierig“. Mit teilautomatisierten<br />

Lösungen werden Mengen von bis zu 3.000<br />

Paketen pro Stunde erreicht. Das Herzstück<br />

der von ihm präsentierten Anlage ist die Vereinzelung<br />

vor dem Scan in Richtung Sorter.<br />

„Das Vision-System beurteilt die Pakete und<br />

schleust unpassende Sendungen automatisch<br />

aus – beispielsweise, weil sie zu groß und<br />

zu schwer sind oder schlicht die falsche Form<br />

haben“, erklärt Zahler. Dabei lernt das System<br />

selbst immer weiter und verbessert die Erkennung.<br />

Der in der Anlage eingesetzte Saugroboter<br />

handelt bis zu 2.200 Pakete bis maximal<br />

5 kg Pro Stunde. „Aufgrund der Gewichtsbegrenzung<br />

eignet er sich vor allem für das das<br />

Kleinteilehandling“, berichtet Zahler. (RED)<br />

Was erwartet<br />

den europäischen<br />

Lebensmittelhandel?<br />

Produktion, Groß- und Einzelhandel<br />

zukunftssicher machen<br />

Aktuelle Trends und Herausforderungen der<br />

Branche und welche Lösungen Automatisierung<br />

bietet. Besuchen Sie unseren Hybrid Event am<br />

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LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S42<br />

#ECOMLOG23<br />

Wo stehen wir in<br />

fünf Jahren? Eine<br />

Podiumsdiskussion<br />

Unter der Moderation von Peter Nestler stellten<br />

sich Peter Umundum (Österreichische<br />

Post AG), Harald Gutschi (OTTO UNITO-<br />

Gruppe), Siegfried Zwing (redPILOT),<br />

Wolfgang Kubesch (BVL Österreich) und<br />

Joachim Horvath (Österreichische Verkehrszeitung)<br />

interessanten Fragen darüber,<br />

wohin die Reise geht.<br />

REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

Wenig überraschend geht Harald<br />

Gutschi davon aus, dass e-Commerce<br />

weiter wachsen wird: „In<br />

China beträgt der Anteil schon<br />

50 Prozent, und in diese Richtung geht es<br />

auch bei uns. Social Media und Live-Shopping<br />

haben einen enormen Anteil am Geschäft.<br />

Darüber hinaus denke ich, dass es zukünftig<br />

weniger Teilzeitangestellte geben wird.“<br />

Stattdessen rechnet<br />

er mit einer Art Flatrate-Modell,<br />

was<br />

aus seiner Sicht zu einer<br />

transparenteren<br />

Gesellschaft führen<br />

würde. „Mittelmäßige<br />

Unternehmen<br />

werden verschwinden.<br />

Das Geschäftsmodell<br />

Europa muss sich ändern, es wird viele<br />

Umbrüche geben.“ Denn der Spruch „America<br />

innovates, China duplicates and Europa<br />

regulates“ könnte uns sonst noch zum Verhängnis<br />

werden.


Peter Umundum beschäftigt die brennende<br />

Frage, wer zukünftig Partner und wer Konkurrent<br />

sein wird. „Automatisierung und autonomes<br />

Fahren werden die Branche verändern.<br />

Das internationale<br />

Geschäft wird noch<br />

viel wichtiger, denn<br />

China wird weiter<br />

lernen. Schon jetzt<br />

haben chinesische<br />

Unternehmen ihr<br />

Fulfilment in Europa<br />

verbessert, jetzt arbeiten<br />

sie stark an<br />

der Qualität.“<br />

Um als Logistiker weiter erfolgreich zu sein,<br />

muss man schneller und besser sein, Convenience<br />

und Nachhaltigkeit gleichzeitig bieten.<br />

Aktuell gibt es aus seiner Sicht drei Transformationsprozesse,<br />

die teilweise schon begonnen<br />

haben: eine zunehmende Höherqualifikation,<br />

mehr Automatisierung und der Einsatz von<br />

KI sowie die Notwendigkeit gezielter Zuwanderung,<br />

um den Arbeitskräftemangel auszugleichen.<br />

In puncto Migration schließt er sich<br />

Peter Umundums Meinung an: „Wir brauchen<br />

gezielte Migration, aber aktuell fehlt dazu die<br />

Struktur. Wir haben keine Willkommenskultur<br />

und langfristig lassen sich globale Player von<br />

unserem Charme allein nicht beeindrucken.“<br />

Für Siegfrid Zwing steht fest, dass Flexibilität die<br />

wichtigste Eigenschaft sein wird. „Die Kombination<br />

aus Mensch und Maschine ist die größte<br />

Herausforderung, deshalb ist es so wichtig,<br />

die technische Ausbildung zu fördern“, meint<br />

er. Gegen die Personalnot könnte helfen, Ressorts<br />

zu teilen.<br />

„Die Unternehmenskultur<br />

spielt eine immer<br />

wichtigere Rolle<br />

und kann im Rennen<br />

um Mitarbeiter den<br />

Vor-<br />

entscheidenden<br />

teil bringen.“<br />

„In 10 Jahren wird es nichts Gedrucktes mehr<br />

geben“, malt Horvath ein düsteres Bild für die<br />

Druckerei-Branche. Hinsichtlich der Logistik<br />

sieht er die End-to-End-Logistik deutlich auf<br />

dem Vormarsch. „Bei Reedereien ist Europa


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S44<br />

sehr stark, aber die<br />

Speditionen müssen<br />

aufpassen. So will<br />

beispielsweise MSC<br />

der größte Bahnlogistiker<br />

werden.<br />

Reine Carrier haben<br />

bald komplett ausgedient“,<br />

ist er überzeugt.<br />

„Im Bereich<br />

Personal wird die größere Herausforderung<br />

sein, die Leute nicht nur zu finden, sondern sie<br />

auch zu halten. Heutzutage wollen Mitarbeiter<br />

Dinge sofort haben und erreichen, aber<br />

das geht oft nicht.“<br />

Deutliche Trends<br />

sind für Wolfgang<br />

Kubesch die Themen<br />

Convenience<br />

und Preisvergleichbarkeit.<br />

„Schon heute<br />

sind viele Produkte<br />

„online only“ verfügbar,<br />

hier liegt großes<br />

Potential für eCommerce.<br />

Die nächsten fünf Jahre werden nicht<br />

nur spannend, sondern auch voller Spannung<br />

sein“, spielt er auf die politische Entwicklung in<br />

den unterschiedlichen Regionen der Welt an.<br />

Die Unterschiede im gesellschaftlichen Gefüge<br />

aufstrebender Länder wirken sich zudem<br />

negativ auf die Stellung Europas aus.<br />

„Wir müssen und nur die Lieferketten ansehen.<br />

Wenn ein chinesisches Elektrofahrzeug bei<br />

Tests gleich abschneidet wie ein deutsches<br />

Elektrofahrzeug, aber zum halben Preis und<br />

dafür gleich verfügbar ist – für welches Fahrzeug<br />

wird man sich da entscheiden?“ „Wer auf<br />

Rohstoffe nicht zugreifen kann, hat das Nachsehen.<br />

Das Problem ist der Umweltaspekt.“<br />

„Europa hat die Entwicklung verschlafen. Es<br />

herrscht Scheinheiligkeit, wir haben Rohstoffe,<br />

aber bauen sie nicht ab. Die Politik diskutiert<br />

alle möglichen Themen, aber löst keine wichtigen<br />

Probleme. Trotzdem denke ich, dass<br />

auf Dauer die Demokratie dem chinesischen<br />

Modell überlegen ist. „Es wird auch nicht kommuniziert,<br />

was nötig ist. Eine Verlagerung von<br />

der Straße auf die Schiene klingt toll, aber dass<br />

dafür ein Tunnel nötig ist, wird nicht erwähnt.<br />

Es herrscht ein starker Replacementeffekt:<br />

egal, wo es stinkt, nur nicht hier“, ärgert sich<br />

Kubesch. (RED)


#ECOMLOG23<br />

E-Commerce<br />

versprüht<br />

großen<br />

Optimismus<br />

KOMMENTAR: PETER NEST<strong>LE</strong>R<br />

E-Commerce versprüht großen Optimismus<br />

Das Teilnehmerfeld beim 8. eCommerce<br />

Logistik Day <strong>2023</strong> in Wien war beachtlich.<br />

Anwesend waren hochkarätige Persönlichkeiten,<br />

darunter Peter Umundum, Vorstand<br />

der Post AG, Rainer Will, Geschäftsführer des<br />

Handelsverbands Österreichs, Harald Gutschi,<br />

Geschäftsführer der OTTO UNITO-Gruppe,<br />

Siegfried Zwing, Geschäftsführer von redPILOT<br />

(KNAPP-Gruppe), Wolfgang Einer, Executive<br />

Vice President Logistics Solutions der Österreichischen<br />

Post AG, Norbert Benesch, Territory<br />

Account Manager Österreich bei PROGLOVE,<br />

und Marco Zahler, Sales bei der Körber Supply<br />

Chain Logistics GmbH (KOERBER-Gruppe).<br />

Außerdem wurden Video-Zuspielungen mit<br />

Roman Stiftner, Präsident der BVL Österreich,<br />

sowie Oliver Wagner, Geschäftsführer des<br />

Zentralverbands Spedition & Logistik gezeigt.<br />

Den Abschluss bildete eine informative Podiumsdiskussion<br />

unter meiner Leitung.<br />

Der eCommerce Logistik Day ist also wieder<br />

in der gewohnten Kraft aufgetreten. Aber<br />

wie können die Schlussfolgerungen aus den<br />

Themen der Referenten sein? Peter Umundum,<br />

Vorstandsmitglied der Österreichischen<br />

Post AG und Verantwortlicher für die Division<br />

Paket & Logistik, sprach über die Entwicklungen<br />

im Versandgeschäft. Er sprach von Diversifizierung<br />

des Geschäftes – die Österreichische<br />

Post ist ja in CEE und in der Türkei stark. Und<br />

Umundum betonte, dass er davon überzeugt<br />

ist, dass der E-Commerce sein Wachstumspotenzial<br />

noch lange nicht ausgeschöpft hat.<br />

Und da sprechen wir etwas an, das lange<br />

Zeit für den stationären Handel gegolten hat:<br />

Die Bequemlichkeit und der Service. Bei beidem<br />

braucht sich der Onlinehandel heute<br />

nicht mehr verstecken, denn mit einer Reihe<br />

von Bezahlmöglichkeiten, günstigen Finanzierungsvarianten,<br />

reibungslosem Versand und<br />

wohl auch mit der oft gescholtenen Möglichkeit,<br />

Produkte zurückzugeben, selbst wenn sie<br />

bloß nicht gefallen, ist in den gegenwärtig<br />

schnellen Zeiten ein großer Vorteil entstanden:<br />

die Zeit, die heute niemand mehr zu haben<br />

glaubt.<br />

Dazu kommt aber auch die sehr hohe Zuverlässigkeit<br />

in der Versandlogistik, das haben<br />

alle Redner mehr oder weniger hervorgestrichen.<br />

Wer heute bei einem renommierten<br />

Anbieter bestellt, erhält mit nahezu 100-prozentiger<br />

Wahrscheinlichkeit seine Ware rasch<br />

und vollständig. Die Branche hat nicht nur<br />

viel gelernt, sie hat im Hintergrund auch sehr<br />

viel investiert. Und mit Zugpferden wie Amazon,<br />

Zalando und der Otto-Unito Group (beispielhaft<br />

genannt) wurden auch Meilensteine<br />

beim technisch Möglichen gesetzt. Dazu kommen<br />

heute zuverlässige und routinierte Partner<br />

im Fullfillment aber auch in der Logistikkette<br />

an anderen Stellen – vom Scannen, Labelling,<br />

Verpacken, Transportieren bis hin zu ausgeklügelter<br />

Software für noch mehr Effizienz. Es<br />

stimmt eben die ganze Kette. Gerade das<br />

macht den Onlineeinkauf für Kunden heutzutage<br />

so schön.<br />

Am eCommerce Logistik Day war jedenfalls<br />

große Zuversicht zu spüren, dass weiterhin mit<br />

einem starken Onlinehandel zu rechnen ist, der<br />

auch noch weiter zulegen wird können. Ich<br />

bedanke mich fürs Mitreden, fürs Zuhören und<br />

ich freue mich auf den 9. eCommerce Logistik<br />

Day Anfang Oktober. Details folgen in Bälde.


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S46<br />

#ECOMLOG23<br />

Post-Paketgeschäft<br />

wird weiter wachsen<br />

Im ersten Halbjahr <strong>2023</strong> hat das beförderte<br />

Aufkommen um 9 Prozent zugelegt; ein<br />

chinesisches Unternehmen ist bereits der<br />

drittgrößte Kunde.<br />

REDAKTION: JOACHIM HORVATH<br />

#ECOMLOG23 - Wie geht es weiter<br />

mit dem E-Commerce in Österreich?<br />

Damit beschäftigten sich zu<br />

Wochenbeginn hochrangige Experten<br />

auf dem 8. E-Commerce Logistik Day.<br />

Gastgeber des Forums waren der Handelsverband<br />

und die Zeitschrift „Logistik Express“.<br />

DI Peter Umundum, Vorstand der Österreichischen<br />

Post AG, rechnet mit einem weiteren<br />

Wachstum des E-Commerce. Die Logistik<br />

dahinter sei nachhaltiger und es gebe eine<br />

höhere Convenience. Deshalb werde man<br />

weiter investieren, sagte er mit dem Hinweis<br />

auf den vor einer Woche eröffneten Zubau<br />

im Paketlogistikzentrum in Wien Inzersdorf. Die<br />

Österreichische Post hat 2022 am Heimmarkt<br />

181 Mio. Pakete bewegt. Im ersten Halbjahr<br />

<strong>2023</strong> ist das Aufkommen im Vergleich zum<br />

Vorjahr um 9 Prozent gestiegen. Peter Umundum<br />

berichtete in diesem Zusammenhang von<br />

einer starken Zunahme der Sendungen aus<br />

China.<br />

In Zukunft wird die Post Standorte von A1-Telefonzellen<br />

nutzen und Innovationen einführen.<br />

Dazu zählen die automatisierte Entladung,<br />

wiederverwendbare Verpackungen und das<br />

automatisierte Fulfillment. Grüne Antriebsszenarien<br />

könnten die Emissionen im Online-Handel<br />

um 60 Prozent reduzieren, ergibt eine Studie<br />

des Umweltbundesamtes. Für die letzte<br />

Meile schafft die Post seit zwei Jahren nur<br />

mehr E-Fahrzeuge an. Derzeit sind das rund<br />

4.000 Einheiten, Tendenz steigend. Im Bereich<br />

der Transportlogistik befinden sich drei HVN<br />

100 Lkw im Testbetrieb. „Wir sind der Meinung,<br />

dass sich auf der Langstrecke der Einsatz von<br />

Wasserstoff-Lkw durchsetzen wird“, lautet die<br />

Einschätzung von Peter Umundum.


#disruptretail<br />

Hier anmelden:<br />

european-startup.at<br />

EUROPEAN<br />

RETAIL<br />

TARTUP<br />

GHT<br />

19. OKTOBER<br />

<strong>2023</strong><br />

JO&JOE<br />

IKEA WESTBAHNHOF<br />

WIEN


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S48<br />

#ECOMLOG23<br />

AutoStore gibt der Post<br />

Systemlogistik einen<br />

Wachstumsschub<br />

Der Fulfillment-Spezialist im Konzern Österreichische<br />

Post AG hat ein skalierbares<br />

Geschäftsmodell entwickelt.<br />

REDAKTION: JOACHIM HORVATH<br />

#ECOMLOG23 - Die Österreichische<br />

Post ist auf dem Weg zum Nr.<br />

1 Logistiker für den E-Commerce.<br />

„Wir bieten Unternehmen wie dem<br />

dm-Konzern, Kastner & Öhler oder Lufthansa<br />

Gesamtlösungen für den Omnichannel-<br />

Handel“, berichtete Wolfgang Einer, Vice President<br />

Logistics Solutions bei der Österreichischen<br />

Post, am 8. E-Commerce Logistik-Day.<br />

Dazu hat die Post Systemlogistik unter anderem<br />

in eine AutoStore-Anlage mit mehr als<br />

30.000 Behälterplätzen am Standort Enzersdorf<br />

an der Fischa (NÖ) investiert. Das ermöglicht<br />

Warehousing in höchster Geschwindigkeit und<br />

mit schnellen Reaktionszeiten. „Zehn Roboter<br />

verbrauchen so viel Strom wie ein Staubsauger“,<br />

so Wolfgang Einer.<br />

Auslöser für die Einführung von AutoStore war<br />

die Ankündigung von dm drogerie-markt,<br />

dass der Online-Handel des Unternehmens<br />

in den nächsten Jahren um 300-400 Prozent<br />

wächst. „Dabei haben wir schon zu diesem<br />

Zeitpunkt im 3-Schicht-Betrieb gearbeitet.<br />

Jetzt können wir wieder rasch auf die Schwankungen<br />

im E-Commerce reagieren“, erläuterte<br />

Wolfgang Einer. Die Künstliche Intelligenz<br />

werde die Logistik in den nächsten 20 Jahren<br />

begleiten. Wer das verschlafe, riskiere<br />

den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, ist<br />

man bei der Post Systemlogistik überzeugt.<br />

(RED)


#futureofretail<br />

Der Kongress<br />

für Retail<br />

Technology<br />

1<br />

1<br />

LIVE-TRACKING<br />

THIRTY FIVE,<br />

WIEN<br />

9. NOVEMBER<br />

023


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S50<br />

#ECOMLOG23<br />

Logistik der UNITO<br />

Gruppe am Sprung in<br />

eine neue Epoche<br />

Mit dem Einsatz von autonom agierenden<br />

Robotern zur Be- und Entladung von Lkw und<br />

Containern startet die Umsetzung.<br />

REDAKTION: JOACHIM HORVATH<br />

#ECOMLOG23 - „Ich bringe ihnen<br />

ein paar Themen aus der Logistik<br />

nahe, die aus unserer Sicht<br />

wichtig sind.“ So eröffnete Harald<br />

Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der<br />

Unito Gruppe, seinen Beitrag beim 8. E-Commerce<br />

Logistik-Day in Wien. Das Unternehmen<br />

der Otto Gruppe war einmal eine Art „Amt für<br />

den Versandhandel“ und hat als einer von<br />

wenigen Anbietern die Transformation zum<br />

E-Commerce-Player geschafft. Nach 2022 sei<br />

auch <strong>2023</strong> für den Online-Handel schwierig.<br />

Er glaube aber, dass sich der Markt im nächsten<br />

Jahr erholen werde, sagte Harald Gutschi.<br />

Man rechne wieder mit deutlichem Umsatzwachstum,<br />

„denn vertraute Marken geben<br />

auch Sicherheit“.<br />

Unito verschickt ein großes Sortiment an Textilien.<br />

Die sind logistisch verhältnismäßig einfach<br />

abwickelbar. Beim Living Segment mit<br />

Spielwaren und Möbeln hingegen wird die<br />

Sache schon anspruchsvoller. Bei den Technik-Produkten<br />

müsse man gegebenenfalls<br />

eine Waschmaschine zu einem Empfänger im<br />

Stubaital bringen und installieren. Das sei dann<br />

schon sehr kompliziert. Jedoch werde sich<br />

der Marktanteil des Online-Handels in diesem<br />

Segment in den nächsten Jahren von derzeit<br />

30 Prozent auf 70-80 Prozent erhöhen, schätzt<br />

Harald Gutschi.<br />

Die Unito Logistik bewegt 4 Mio. Sendungen<br />

und 1,5 Mio. Retouren jährlich. Damit verbunden<br />

sind massive Investitionen in den Ausbau<br />

der Konzernlogistik. So errichtet Herms Fulfillment<br />

im polnischen Ilowa ein neues Großlager.<br />

„Wir wollen wir die gesamte Logistikkette von<br />

Asien bis zu den Warenempfängen klimaneutral<br />

erbringen. Das ist eine Mega-Herausforderung“,<br />

erläuterte Harald Gutschi. Die recycelbaren<br />

Verpackungen des Online-Händlers<br />

bestehen zu 95 Prozent aus wiederverwertbaren<br />

Materialien. Die nächsten 20 Jahre werden<br />

bei der Unito Gruppe von der Transformation<br />

vom Online-Händler zum erfolgreichen<br />

KI-Anwender geprägt sein. Durch den Einsatz<br />

der Robotik kann das Unternehmen den Lagerbestand<br />

um mindestens 10 Prozent reduzieren<br />

und die Effizienz in der Logistik erheblich<br />

steigern. (RED)


SICHERN SIE SICH IHREN INFORMATIONSVORSPRUNG<br />

LOGISTIK EXPRESS INFORMIERT<br />

https://www.logistik-express.com/blogtour/


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S52<br />

Resilienz in der Lieferkette. Supply Chain Management<br />

Als Präsident der BVL Österreich und gleichzeitig<br />

auch des European Shippers' Council<br />

ist Roman Stiftner bestens mit den Herausforderungen<br />

in den Lieferketten vertraut. „Die<br />

EU ist aufgrund der Globalisierung sehr stark<br />

von anderen Regionen abhängig, insbesondere<br />

im Bereich der Rohstoffe. Insbesondere<br />

China und Russland sind als Lieferländer problematisch<br />

und der Ruf nach Diversifizierung<br />

wird laut, ebenso das Bestreben, Rohstoffabbau<br />

und Industrie zurück nach Europa zu<br />

holen. Doch nimmt man als Beispiel die Batterien-Herstellung,<br />

sieht man, dass nicht nur<br />

Rohstoffe, sondern auch Aufbereitungsmöglichkeiten<br />

fehlen.“ Im Bereich der Forschung<br />

würde zwar viel investiert, doch wäre es dringend<br />

nötig, die Unternehmen mehr einzubinden<br />

und gleichzeitig die Projektabwicklung<br />

zu entbürokratisieren. „Wir können nicht alles<br />

selbst herstellen, aber es wäre wichtig, die<br />

Lieferketten zu Diversifizieren.<br />

#ECOMLOG23<br />

Resilienz in der<br />

Lieferkette<br />

Mag. Roman Stiftner, Präsident der BVL Österreich,<br />

Geschäftsführer der Fachverbände<br />

Bergbau-Stahl und NE-Metalle in der Wirtschaftskammer<br />

Österreich (WKÖ) und Präsident<br />

des European Shippers' Council (ESC)<br />

spricht übers Thema Resilienz in der Lieferkette.<br />

https://youtu.be/DVeUVEXc0qM<br />

Mercosur- und Brics-Staaten rittern seit Jahren<br />

um Partnerschaften, ein Abschluss der Verträge<br />

würde enorme Vorteile für Österreich bringen“,<br />

ist Stiftner überzeugt. Er plädiert auch<br />

dafür, sich als EU mehr in Nordafrika zu engagieren,<br />

auch um die Migration zu steuern.<br />

Gleichzeitig sorgt er sich, dass die Ökologisierung<br />

Europas mit einer De-Industrialisierung<br />

einherging. „Natürlich ist die Transformation<br />

in Richtung CO2-frei nötig, aber es hilft wenig,<br />

wenn es nur zu einer Verlagerung und dann<br />

zu einem Import der zuvor ausgelagerten Produkte<br />

kommt. Denn Nachhaltigkeit heißt mehr<br />

als nur Umweltschutz, es geht auch um sozialen<br />

Wohlstand.“<br />

Für Unverständnis sorgt der Umstand, dass<br />

die Energiepreise in Österreich weitaus stärker<br />

gestiegen sind als in anderen Teilen der<br />

Welt (Vgl. USA 15%, China fast gar nicht),<br />

worunter insbesondere die Industrie massiv<br />

leidet – ebenso wie unter der Inflation. „Wir<br />

benötigen eine ebenso kostengünstige wie<br />

zuverlässige Energieeinfrastruktur, und notfalls<br />

muss die Politik für einen Ausgleich sorgen.“<br />

(RED)


Dekarbonisierung der Transportlogistik<br />

Der Geschäftsführer des Zentralverbands Spedition<br />

& Logistik, Oliver Wagner, kennt den<br />

Ruf der Politik nach mehr Gütertransport auf<br />

der Schiene. Der Haken: „Schon jetzt gibt es<br />

Kapazitätsengpässe, das zeigt sich auch im<br />

Personenverkehr. Obwohl der Anteil des Warentransports<br />

auf der Schiene kürzlich nachgelassen<br />

hat, sind wir noch auf Platz drei in Europa<br />

mit einem Modalsplitanteil von 30 Prozent –<br />

mit der heutigen Infrastruktur wären schon 40<br />

Prozent Anteil unmöglich zu bewerkstelligen.“<br />

Die Dekarbonisierung des Schwerverkehrs ist<br />

vor allem ein gewaltiger Kostenfaktor, mindestens<br />

50.000 LKW in Österreich müssten umgerüstet<br />

werden. Darum sieht Wagner das endlich<br />

angelaufene ENIN Förderprogramm positiv<br />

– wenn auch mit zwei Wermutstropfen: „Die<br />

Dotierung ist zu gering, 150 Millionen sind bei<br />

weitem nicht genug. Und die eFuels sind in dem<br />

Programm nicht inkludiert. Dabei wird es verschiedene<br />

Lösungen geben, denn Elektro-LKW<br />

haben noch massive Probleme hinsichtlich<br />

Reichweite, Batteriegewicht und Ladedauer.<br />

Ein herkömmlicher Diesel-LKW kann theoretisch<br />

24/7 fahren, wenn man den Lenker austauscht.<br />

Damit kann der Elektro-LKW nicht<br />

mithalten.“ Wasserstoff-LKW hingegen wären<br />

durchaus eine Alternative, da sie ein ähnliches<br />

Gewicht und Reichweite aufweisen wie<br />

Diesel-LKW, aber: „Momentan sind sie noch<br />

extrem teuer, und zudem fehlt die Tankstellen-Infrastruktur.“<br />

Da Transporte nicht (ewig)<br />

an der Grenze Halt machen, fordert Wagner<br />

eine zumindest innerhalb Europas einheitliche,<br />

gemeinsame Lösung – bei der Infrastruktur,<br />

aber etwa auch hinsichtlich der Maut.<br />

„Die Branche hat großes Interesse an der Umsetzung<br />

und rascher Dekarbonisierung, aber<br />

derzeit fehlen noch die ultimative Technologie,<br />

Geld und eine verbindliche politische<br />

Roadmap“ Von der aktuellen Legislaturperiode<br />

ist Wagner enttäuscht, er hatte sich insbesondere<br />

mehr Zusammenspiel über Ressorts<br />

hinweg erwartet, und auch ein bundesweiter<br />

Flächenwidmungsplan lässt auf sich warten.<br />

(RED)<br />

#ECOMLOG23<br />

Dekarbonisierung der<br />

Transportlogistik<br />

Mag. Oliver Wagner Geschäftsführer des<br />

Zentralverbandes für Spedition & Logistik<br />

spricht sehr ausführlich über das Thema<br />

Dekarbonisierung der Transportlogistik und<br />

fordert von Politik und Wirtschaft mehr<br />

Unterstützung für die Branche.<br />

https://youtu.be/exy8fEV3Y0k


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S54<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Runder Tisch<br />

unterstreicht den<br />

Einsatz erneuerbarer<br />

Kraftstoffe im<br />

Straßengüterverkehr<br />

Die CO2-Flottenregulierung schwerer Nutzfahrzeuge<br />

beschäftigt weiterhin die europäischen<br />

Gesetzgeber.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Vertreter der eFuel Alliance, des französischen<br />

Verbands für Straßentransporte (FNTR), des<br />

LKW-Herstellers Iveco-Group sowie des Herstellers<br />

erneuerbarer Kraftstoffe, Repsol, machten<br />

dabei auf die Notwendigkeit CO2-neutraler,<br />

klimafreundlicher Kraftstoffe und die Einführung<br />

eines Kohlenstoff-Korrektur-Faktors aufmerksam.<br />

Bislang orientiert sich die EU am sogenannten<br />

„Tailpipe“-Ansatz. Für den klimapolitischen<br />

Wert eines Fahrzeugs entscheiden immer die<br />

Emissionen, die am Auspuff entstehen, ungeachtet<br />

dessen, wie das Fahrzeug betankt<br />

wurde. So zählt ein batterieelektrischer Truck<br />

immer als Nullemissions-Fahrzeug, auch wenn<br />

dieser mit fossilem Strom fährt. Gleichzeitig<br />

gilt ein mit CO2-neutralen, klimafreundlichen<br />

Kraftstoffen betanktes Fahrzeug trotzdem immer<br />

als klimaschädlich, obwohl es am Auspuff<br />

nur CO2-Emissionen verursacht, die beim Produktionsprozess<br />

von eFuels der Atmosphäre<br />

entnommen wurden. Mit der Definition von<br />

Fahrzeugen mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren<br />

als Null-Emissionsfahrzeugen ist die KOM<br />

einen Schritt in die richtige Richtung gegangen<br />

aber leider auf halbem Wege stehen geblieben.<br />

RALF DIEMER<br />

Nach dem im Februar veröffentlichten<br />

Kommissionsvorschlag und<br />

einer Verschärfung der Emissionsreduktionsziele,<br />

diskutierten heute<br />

Vertreter der Industrie mit Mitgliedern des<br />

Europäischen Parlaments über den All-Electric-Ansatz<br />

der Kommission. Organisatoren des<br />

Events waren die Abgeordneten Jens Gieseke<br />

(EPP) sowie Pietro Fiocchi (ECR). Die Zukunft<br />

schwerer Nutzfahrzeuge sowie die der Logistikbranche<br />

waren Mittelpunkt der Diskussionen.<br />

Hersteller von schweren Nutzfahrzeugen sowie<br />

die Logistikbranche betonen, dass es neben<br />

der Elektromobilität auch andere Wege<br />

gibt, die Klimaziele zu erreichen. Dr. Gerrit<br />

Marx, CEO der Iveco Gruppe, kommentiert:<br />

"Die Strategie der Iveco-Gruppe ist es, technologieneutral<br />

vorzugehen und die gesamte<br />

Antriebspalette anzubieten. Dadurch haben<br />

unsere Kunden die Möglichkeit, für ihren<br />

Standort und ihre Infrastruktur die beste Lösung<br />

zu wählen. Entsprechend den spezifischen<br />

Bedürfnissen können wir so die passende<br />

Technologie anbieten, seien es Biokraftstoffe,<br />

batterieelektrische Antriebe oder Wasserstoff.<br />

Die CO2-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge<br />

ist eine der wichtigsten Voraussetzungen<br />

auf dem Weg zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors.<br />

Eben deshalb ist es von zentraler<br />

Bedeutung ist, dass die entscheidende Rolle<br />

von Biokraftstoffen darin anerkannt wird."<br />

„80 % der Transportunternehmen sind kleinund<br />

mittelständische Unternehmen mit geringen<br />

Margen. Planungs- und Investitions-


sicherheiten sind insbesondere für diese<br />

Unternehmen grundlegend. Wir unterstützen<br />

die Dekarbonisierungsziele der EU im Transportsektor,<br />

doch fordern eine faire Umsetzung,<br />

die mehr als eine Lösungsoption zulassen. Es ist<br />

von entscheidender Bedeutung, einen technologieneutralen<br />

Ansatz beizubehalten und<br />

einen ‚Well-to-Wheel‘-Ansatz zu verfolgen, der<br />

unmittelbarere Möglichkeiten zur Dekarbonisierung<br />

bietet. Mit kohlenstoffarmen flüssigen<br />

Brennstoffen oder Biogas können wir bereits<br />

heute 60 % bis 90 % des CO2 einsparen“, so<br />

Isabelle Maître, Delegierte der Fédération Nationale<br />

des Transports Routiers (FNTR) in Brüssel.<br />

FNTR repräsentiert die Interessen von mehr als<br />

5300 Unternehmen und rund 250.000 Jobs in<br />

Frankreich.<br />

73 % aller auf dem Landweg beförderten<br />

Güter werden in der EU mittels Straßengüterverkehr<br />

transportiert. Mehr als 60 % legen<br />

dabei Entfernungen zwischen 500 und 1000<br />

Kilometern zurück. Neben der abrupten Antriebsumstellung<br />

stehen besonders Speditionen<br />

und Logistiker neben dem Erreichen<br />

der Klimaziele weiterer Herausforderungen<br />

gegenüber, die die Resilienz der Branche gefährden.<br />

Während die Notwendigkeit erneuerbarer<br />

Kraftstoffe im Luftfahrtsektor als alternativlos<br />

wahrgenommen wird, ignorieren die europäischen<br />

Gesetzgeber die Skaleneffekte und<br />

Synergiepotenziale, die eine Anwendung von<br />

eFuels im Straßenverkehr heben würden. Mit<br />

einer breiten Anwendung klimafreundlicher<br />

Kraftstoffe, werden entlang der Wertschöpfungskette<br />

Planungs- und Investitionssicherheiten<br />

geschafft, meint Juan Abascal Herrero,<br />

Executive Managing Director of Industrial<br />

Transformation and Circular Economy – Member<br />

of the Executive Committee at Repsol:<br />

Während die Notwendigkeit erneuerbarer<br />

Kraftstoffe im Luftverkehr als alternativlos angesehen<br />

wird, ignorieren die europäischen<br />

Gesetzgeber die Skaleneffekte und Synergiepotenziale,<br />

die ein Einsatz von eFuels im<br />

Straßenverkehr heben würden. Mit einer breiten<br />

Anwendung von CO2-neutralen Kraftstoffen<br />

werden entlang der Wertschöpfungskette<br />

Planungs- und Investitionssicherheit. Juan<br />

Abascal Herrero, Executive Managing Director<br />

of Industrial Transformation and Circular<br />

Economy - Member of the Executive Committee<br />

bei Repsol, kommentiert: "CO2-neutrale<br />

Kraftstoffe tragen effizient zur Dekarbonisierung<br />

des Verkehrs bei. Europa muss seine technologischen<br />

und industriellen Stärken schützen,<br />

um die Energiewende voranzutreiben<br />

und die Beschäftigung sowie Wettbewerbsfähigkeit<br />

zu erhalten. Die Rolle CO2-neutraler<br />

Kraftstoffe in den CO2-Standards des Straßenverkehrs<br />

anzuerkennen, ermöglicht erforderliche<br />

Investitionen und verbessert die Effizienz<br />

wie Wirtschaftlichkeit der SAF-Produktion. Der<br />

Kraftstoffmarkt des Straßenverkehrs ist ideal,<br />

um die Technologieentwicklung und Mengenskalierung<br />

zu unterstützen. Im Jahr <strong>2023</strong><br />

ist Repsol einer der Hauptproduzenten von<br />

CO2-neutralen Kraftstoffen in Europa, und wir<br />

tragen dazu bei, diese über eine dedizierte<br />

Lieferkette an unseren Tankstellen verfügbar<br />

zu machen. Dekarbonisierung gelingt nicht<br />

nur mittels Elektrifizierung, sie muss auch nachhaltig,<br />

sicher und erschwinglich sein."<br />

“Wir drohen die Notwendigkeit und Rolle<br />

schwerer Nutzfahrzeuge sowie des gesamten<br />

Logistiksektors zu untergraben. All-Electric für<br />

den Straßengüterverkehr ist nicht nur aus klimatechnischer<br />

Sicht fatal, sondern bringt das<br />

Fundament unserer wirtschaftlichen Resilienz<br />

ins Wanken“, mahnt Dr. Monika Griefahn, Vorsitzende<br />

der eFuel Alliance. „Die Revision der<br />

CO2-Flottenregulierung für schwere Nutzfahrzeuge<br />

gibt uns die Gelegenheit, Realismus in<br />

die Regulierung einfließen zu lassen und pragmatische<br />

sowie bezahlbare Lösungen vorzulegen.<br />

Eine ausschließliche Betrachtung der<br />

CO2-Emissionen am Auspuff zeichnet ein falsches<br />

Bild von Klimaschutz.“<br />

Über die Einführung eines CCF beraten derweil<br />

die verantwortlichen Ausschüsse. Während<br />

der Verkehrsausschuss erst kürzlich die<br />

Anrechnung erneuerbarer Kraftstoffe unterstütze,<br />

wird im Industrieausschuss eine pessimistischere<br />

Haltung erwartet. Bereits Anfang<br />

des Jahres haben sich in einem gemeinsamen<br />

Brief rund 120 Unterzeichner aus Wirtschaft<br />

und mehr als 90 Wissenschaftler an politische<br />

Entscheidungsträger der Europäischen Union<br />

gewandt um die Einführung eines CCF<br />

zu unterstützen. Link: https://bit.ly/3tp0DdL<br />

(RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S56<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Klimawandel als<br />

Chance für den<br />

Wirtschaftsstandort<br />

Österreich<br />

Experten fordern technologieneutrale<br />

Innovationspfade in der Energiewende.<br />

Um Österreichs Wirtschaft zu stärken, muss<br />

Industrie-, Technologie- und Klimapolitik gemeinsam<br />

gedacht werden. BEITRAG: REDAKTION<br />

Die eFuel Alliance Österreich hat im<br />

Rahmen des 3. Energy Transition<br />

Innovation Talks hochkarätige Vertreter:innen<br />

aus Wissenschaft und<br />

Praxis zum öffentlichen Diskurs über innovative<br />

Lösungsansätzen für eine standortverträgliche<br />

Transformation eingeladen. Dabei waren sich<br />

die anwesenden Expert:innen in wesentlichen<br />

Punkten einig:<br />

1.-Eine einseitige Betrachtungsweise schadet<br />

dem Wirtschaftsstandort Österreich.<br />

2.-Schrumpft unsere Volkswirtschaft infolge<br />

gesetzlicher Einschränkungen, hätte dies weitreichend<br />

negative Folgen für unser aller Wohlstand<br />

und würde zu einer Kürzung von Ausgaben<br />

für Bildung, Pflege usw. führen.<br />

3.-Um Österreichs Wirtschaft zu stärken, ist es<br />

daher notwendig, Industrie-, Technologie- und<br />

Klimapolitik gemeinsam zu denken.<br />

4.-Technologieoffenheit ist der Schlüssel für<br />

eine sozialverträgliche Energiewende.<br />

5.-Der Klimawandel kann eine Chance für die<br />

österreichische Wirtschaft sein, wenn innovative<br />

Patente in klimafreundlichen Technologien<br />

die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen<br />

langfristig stärken.<br />

Jürgen Roth, Präsident der eFuel Alliance Österreich,<br />

warnt vor innovationsfeindlichen Rahmenbedingungen:<br />

„Wir werden die Energiewende<br />

nicht schaffen, wenn wir nur auf einen<br />

einzigen Energieträger setzen. Was es braucht,<br />

sind Technologieoffenheit und Energievielfalt.<br />

Nur dann können wir das Innovationspotenzial<br />

der österreichischen Wirtschaft heben. Bei den<br />

eFuels-Technologien gehören österreichische<br />

Unternehmen zu den besten der Welt. Verbote<br />

kappen ganze Technologiestränge und<br />

wären daher ein falsches Signal für den Wirtschaftsstandort<br />

Österreich.“<br />

Auf die Fragen Welche Rolle hat die Politik,<br />

welche die Wirtschaft, wie wird Innovation am<br />

besten beflügelt? hat Prof. Dr. Monika Köppl<br />

-Turyna, Direktorin Eco Austria, eine klare<br />

Antwort: „Neben der Bedeutung grüner Produkte<br />

im Exportportfolio sind insbesondere Patente<br />

in klimafreundlichen Technologien ein<br />

wesentlicher Indikator für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit<br />

einer Ökonomie. Österreich<br />

hat hier eine gute Ausgangsposition: Pro Million<br />

Einwohner wurden in Österreich zwischen 2015<br />

und 2019 jährlich durchschnittlich 55,8 Patente<br />

in grünen Technologien angemeldet. Das ist<br />

mehr als in fast allen anderen EU-Ländern.“ Was


die Effizienz von eFuels betrifft, sollte der Fokus<br />

vor allem auf der dynamischen Effizienz dieser<br />

Technologie liegen: „Die technologische<br />

Effizienz ist nicht ausschlaggebend. Wir brauchen<br />

technologieneutrale Innovationspfade,<br />

die Innovation auch über die Jahre zulassen.“<br />

Ihre Handlungsempfehlungen für eine standortgerechte<br />

Klimawende lauten daher: Die<br />

Politik sollte über Preisinstrumente steuern<br />

und nicht über Verbote. Außerdem sind regulatorische<br />

Unsicherheiten abzubauen, das<br />

Energiemarktdesign zu verbessern und die<br />

Infrastruktur für den Energietransport um- und<br />

auszubauen.<br />

Mag. Jürgen Roth, Dr. Volkmar Pflug, Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna, Dr. Stephan Schwarzer<br />

Jürgen Streitner, Leiter der Abteilung für Umwelt-<br />

und Energiepolitik der Wirtschaftskammer<br />

Österreich (WKÖ), sieht in der Energiewende<br />

ein Megaprojekt, das gemanagt<br />

werden muss. Um die Herausforderung zu<br />

bewältigen, braucht es eine vorausschauende<br />

Herangehensweise und eine Orientierung<br />

an dem energiepolitischen Zieldreieck,<br />

um Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit<br />

und Wettbewerbsfähigkeit unter einen Hut zu<br />

bringen. Europa stehe im Wettbewerb um die<br />

besten Instrumente um grüne Investitionen zu<br />

unterstützen, insbesondere mit den USA. Um in<br />

Zukunft ein lukrativer Standort für Investitionen<br />

zu bleiben, brauchen wir marktwirtschaftliche,<br />

unbürokratische und technologieoffene<br />

Instrumente und pragmatische Zugänge.<br />

Ziel müsse es sein, klimaneutrale Energie zu<br />

wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung zu<br />

stellen. Eine breite Diversifikation der Energieimporte<br />

würde Europas Wirtschaft in Zukunft<br />

resilienter machen. Wichtige Fragen, die von<br />

der Politik zu klären sind, lauten: Wer trägt die<br />

langfristig hohen Energieinfrastrukturkosten für<br />

den notwendigen Netzausbau? Und wie geht<br />

Europa mit der drohenden Abhängigkeit von<br />

China um?<br />

Siemens Energy arbeitet bereits intensiv an<br />

praxisnahen Lösungen für die Klimawende.<br />

Volkmar Pflug, Vice President FoA Power-to-X:<br />

„Wenn wir die Klimawende ernst nehmen,<br />

führt kein Weg an CO2-neutralen eFuels vorbei.<br />

In der Schifffahrt gibt es bereits einen klaren<br />

Trend zu eMethanol als Energieträger.“<br />

Auch, was die Kosten synthetischer Kraftstoffe<br />

betrifft, ist Pflug optimistisch: „Studien aus den<br />

USA zeigen, dass man beim Preis für eKerosin<br />

auf eine Größenordnung kommt, die bei den<br />

heutigen Kerosinpreisen liegt.“ Attraktive neue<br />

Geschäftsfelder ergeben sich für Siemens<br />

Energy auch rund um den weltweiten Handel<br />

von grüner Energie.<br />

Stephan Schwarzer, Geschäftsführer der eFuel<br />

Alliance Österreich: „Volkswirtschaftliches<br />

Wachstum und effizienter Klimaschutz sind<br />

kein Widerspruch, sondern müssen vielmehr<br />

gemeinsam und ganzheitlich gedacht werden.<br />

Es gibt innovative Lösungsansätzen, die<br />

beides vereinen – aber die Politik muss sich um<br />

eines bemühen: notwendige Entwicklungen<br />

beschleunigen. Es gibt weder ein ‚zu früh‘, um<br />

eFuels zu boosten, noch gibt es ein zu ‚spät‘.<br />

Technologieoffenheit ist dabei der Schlüssel<br />

für eine sozialverträgliche Energiewende.<br />

Technologieverbote machen die Wende teurer<br />

und langsamer.“ (RED)<br />

Experten fordern technologieneutrale<br />

Innovationspfade<br />

in der Energiewende.<br />

Um Österreichs Wirtschaft zu<br />

stärken, müssen<br />

Industrie-, Technologie- und<br />

Klimapolitik gemeinsam<br />

gedacht werden. V.l.r.<br />

Dr. Stephan Schwarzer,<br />

Dr. Volkmar Pflug,<br />

Dr. Alexander Peschl,<br />

Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna,<br />

Mag. Jürgen Streitner


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S58<br />

KNAPP Industry Solutions<br />

Multifunktionale Shuttle-Anlage und autonome<br />

mobile Roboter von KNAPP optimieren die Versorgung<br />

der Produktion und Assemblierung.<br />

Magna Spiegelsysteme<br />

Magna ist einer der größten Automobilzulieferbetriebe<br />

weltweit und fertigt am Standort Assamstadt<br />

in Deutschland Außenspiegel. Um dem Wandel in<br />

der Logistik gerecht zu werden und flexibel mit einer<br />

hohen Wertschöpfungstiefe agieren zu können, setzt<br />

Magna auf eine Automatisierungslösung von KNAPP.<br />

Teil des neuen Systems ist eine multifunktionale Shuttle-Anlage<br />

in Kombination mit autonomen mobilen<br />

Robotern, die die Produktion und Assemblierung<br />

just-in-time und just-in-sequence versorgen.<br />

KNAPP Industry Solutions<br />

KNAPP Industry Solutions ist der Spezialist für maßgeschneiderte<br />

Lösungen für die Industrie-, Produktions-<br />

und Distributionslogistik sowie für autonome<br />

mobile Roboter innerhalb der KNAPP-Gruppe.<br />

Der Standort Dobl mit dem KNAPP-Campus ist dabei<br />

das Zentrum der Entwicklung und Realisierung<br />

von Lösungen aus diesen Bereichen. Als Value<br />

Chain Tech Partner unterstützt KNAPP namhafte<br />

Produktionsbetriebe wie Terberg, Pankl Racing,<br />

Würth, Siemens, VW und Getriebebau Nord bei<br />

ihrer Wertschöpfung.<br />

Video & QR Code<br />

https://www.youtube.com/<br />

watch?v=APBO0OUirak


Mission & Vision<br />

Mit automatisierten und digitalen Lösungen Mehrwert<br />

entlang Ihrer Lieferkette schaffen. Bei KNAPP<br />

folgen wir keinen Trends. Wir starten sie. Ganz gleich,<br />

ob Ihr Ziel Kundenorientierung oder Lieferkettenagilität<br />

ist, eine moderne, digitale Wertschöpfungskette<br />

kann Sie dorthin bringen. Unsere branchenführenden<br />

Automatisierungslösungen decken die gesamte Lieferkette<br />

ab – von der Produktion über den Vertrieb, die<br />

Auffüllung im Geschäft und die Lieferung auf der letzten<br />

Meile bis hin zum Kundenerlebnis.<br />

Herausforderung<br />

Der zunehmende globale Wettbewerb und<br />

die Analyse der internen Prozesse haben<br />

gezeigt, dass im Bereich der Logistik und<br />

Supply Chain bei Magna Handlungsbedarf<br />

bestand. Es wurde eine Lösung gesucht, die<br />

eine höhere Flexibilität erlaubt sowie auch<br />

die Wertschöpfungstiefe am Standort erhöht.<br />

Für die Umsetzung dieser Anforderungen<br />

entschied sich Magna für eine Lösung<br />

von KNAPP.<br />

Wir konnten die<br />

Wertschöpfungstiefe<br />

erhöhen, die<br />

Flexibilität verbessern<br />

und damit<br />

einen Mehrwert<br />

für unseren<br />

Kunden bieten.<br />

Andreas Buhl<br />

Geschäftsführer bei<br />

Magna Spiegelsysteme<br />

GmbH<br />

Lösungsanforderung<br />

• Sequenzierte Versorgung der<br />

Assemblierungsarbeitsplätze<br />

• Versorgung der Produktionslinien mit Leergut<br />

und Abtransport der gefertigten Teile<br />

• Schnittstelle zum ERP-System von Magna<br />

• Personenfreie innerbetriebliche Transporte<br />

je nach Bedarf<br />

• Nutzung von mehreren Bestandsgebäuden<br />

ohne bauliche Maßnahmen<br />

• Schnelle Verfügbarkeit der Teile zur<br />

Umsetzung der JiT/JiS-Strategie<br />

• Ausreichend Lagerdichte und Erweiterbarkeit<br />

des Systems für zukünftiges Wachstum<br />

Mit den Open Shuttles<br />

schaffen wir es, die Versorgung<br />

der Produktionslinien<br />

sicherzustellen und<br />

das OSR Shuttle Lager<br />

personenfrei zu bedienen.<br />

Anita Kopinja<br />

Stellvertretende<br />

Geschäftsführerin bei<br />

Magna Spiegelsysteme<br />

GmbH


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S60<br />

Die Lösung im Überblick<br />

Das neue Kleinteilelager, OSR Shuttle Evo, mit zwei Gassen für eine dreifachtiefe Lagerung hat Platz<br />

für bis zu 20.300 Stellplätze. Sechs Open Shuttles sind direkt an das Kleinteilelager angebunden, versorgen<br />

die dezentralen Produktionsarbeitsplätze mit Leerbehältern und liefern gefertigte Teile retour an<br />

das OSR Shuttle Evo. Die Streamline Fördertechnik verbindet den Wareneingang, das Shuttlelager und<br />

die Assemblierung mit den Pick-it-Easy Arbeitsplätzen. Weiters dient sie zur Übergabe an die Open<br />

Shuttles. Die KNAPP Softwarelösung KiSoft One mit Web-Service Schnittstelle zum Magna Host System<br />

sorgt im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf. Mit KiSoft SCADA werden alle Anlagenbereiche<br />

übersichtlich visualisiert.<br />

Auf einen Blick<br />

Magna Spiegelsysteme GmbH<br />

Ort: Assamstadt, Deutschland<br />

Anwendung: automatisches<br />

Kleinteilelager zur Versorgung<br />

von multifunktionalen<br />

Assemblierungsarbeitsplätzen<br />

sowie einer Produktionsanbindung<br />

mit AMR<br />

System: OSR Shuttle Evo+ bestehend<br />

aus einem OSR Shuttle<br />

Evo mit dreifach-tiefer Lagerung<br />

(2 Gassen, 62 Evo Shuttles, 2<br />

Doubledeck Liftsysteme) und 6<br />

Open Shuttles für je zwei Behälter<br />

(600*400)<br />

Leistung: 1.100 DS/h<br />

Stellplätze: 20.300 für Behälter<br />

600*400*300 mm<br />

Arbeitsplätze: 4 Multifunktionale<br />

Pick-it-Easy Flex Arbeitsplätze<br />

1. Einfachheit Flexibilität<br />

Durch die neue Lösung, einer Kombination<br />

aus Kleinteilelager und autonomen mobilen<br />

Robotern, konnten Prozesse einfacher und<br />

effizienter gestaltet werden. Die Reaktionszeit<br />

in Bezug auf Kundenanforderungen hat<br />

sich verkürzt. Die multifunktionalen Pick-it-<br />

Easy Arbeitsplätze können je nach Auslastung<br />

für die Wareneinlagerung oder die<br />

Assemblierung genutzt werden.<br />

2. Erweiterbarkeit<br />

Das OSR Shuttle Evo ist so konzipiert, dass<br />

zukünftiges Wachstum möglich ist. Das<br />

Lager kann um weitere Stellplätze und<br />

Arbeitsplätze erweitert werden. Auch die<br />

Anbindung weiterer Produktionslinien durch<br />

die Open Shuttles ist leicht möglich.<br />

3. Wirtschaftlichkeit<br />

Durch die neue Lösung ist es Magna möglich<br />

selbst just-in-time und just-in-sequence an<br />

die Endkunden zu liefern und ist nicht mehr<br />

auf externe Dienstleister angewiesen. Durch<br />

die Halbierung der Bestände und die flexible<br />

und effiziente Abwicklung der Aufträge<br />

konnte die Wertschöpfungstiefe am Standort<br />

wesentlich erhöht werden.


Wareneingang<br />

Vor der Einlagerung in das OSR<br />

Shuttle Evo werden die auftragsbezogen<br />

lackierten Spiegelaußenteile<br />

am multifunktionalen<br />

Pick-it-Easy Arbeitsplatz angedient.<br />

Im Decanting-Prozess werden die<br />

Spiegelaußenteile von den Mitarbeitern<br />

kontrolliert, über Barcodes<br />

identifiziert und mit einem Leertablar<br />

verheiratet. Leertablare werden<br />

dem Arbeitsplatz automatisiert<br />

zugeführt. Dank der easyUse-Benutzeroberfläche<br />

und dem ergonomisch<br />

und intuitiv bedienbaren<br />

Arbeitsplatz fällt die Arbeit den Mitarbeitern<br />

besonders leicht. Über<br />

die Fördertechnik fahren die Tablare<br />

dann in das OSR Shuttle Evo.<br />

Versorgung dezentraler<br />

Produktionsarbeitsplätze<br />

Die Produktionslinien für die<br />

Außenspiegel befinden sich in der<br />

Nebenhalle. Werden hier Leerbehälter<br />

benötigt oder sind Fertigteile<br />

abzuholen, wird ein Transportauftrag<br />

im System generiert.<br />

Diese Transportaufträge werden<br />

von 6 autonomen mobilen Robotern<br />

übernommen. Die Open<br />

Shuttles können zwei Behälter zeitgleich<br />

transportieren und verbinden<br />

das OSR Shuttle Evo mit den<br />

dezentralen Produktionslinien. Dabei<br />

navigieren sie autonom und<br />

personensicher durch die Umgebung<br />

und übergeben Behälter auf<br />

Fördertechnikstiche.<br />

1. Leerbehältertransport<br />

zur Produktionslinie<br />

Werden an der Linie Leerbehälter<br />

benötigt, erfolgt nach Auftragsstart<br />

die Auslagerung der Behälter aus<br />

dem OSR Shuttle Evo. Ein Open<br />

Shuttle fährt zum Fördertechnikstich<br />

des automatischen Kleinteilelagers,<br />

nimmt die Behälter auf und<br />

bringt sie zur Produktionslinie. Dort<br />

übergibt das Open Shuttle an die<br />

Übergabestationen.<br />

2. Abtransport von gefertigten Teilen<br />

Werden an der Linie Leerbehälter<br />

benötigt, erfolgt nach Auftragsstart<br />

die Auslagerung der Behälter aus<br />

dem OSR Shuttle Evo. Ein Open<br />

Shuttle fährt zum Fördertechnikstich<br />

des automatischen Kleinteilelagers,<br />

nimmt die Behälter auf<br />

und bringt sie zur Produktions-linie.<br />

Dort übergibt das Open Shuttle<br />

an die Übergabestationen.<br />

OSR Shuttle Evo<br />

Außenspiegel und lackierte Teile<br />

sowie Leerbehälter lagern zentral<br />

im OSR Shuttle Evo und werden<br />

ausgelagert, wenn diese in der<br />

Produktion oder in der Assemblierung<br />

benötigt werden. Das<br />

OSR Shuttle Evo besteht aus zwei<br />

Gassen und 31 Ebenen. Durch die<br />

dynamische bis zur dreifach-tiefen<br />

Lagerung ergibt sich eine Lagerkapazität<br />

von 20.300 Stellplätzen bei<br />

600*400 mm Behältern. Das System<br />

beinhaltet zwei Shuttles pro<br />

Ebene, welche für die Ein- und<br />

Auslagerung verantwortlich sind.<br />

Just-in-time & just-in-sequence<br />

Assemblierung<br />

An den direkt am OSR Shuttle Evo<br />

angebundenen multifunktionalen<br />

Pick-it-Easy Arbeitsplätzen<br />

erfolgt die Assemblierung der<br />

Außenspiegel. Dafür werden die<br />

benötigten Teile just-in-time und<br />

just-in-sequence an den Quellbuchten<br />

der Arbeitsplätze zur Verfügung<br />

gestellt.<br />

Das einfach zu bedienende System<br />

unterstützt die Mitarbeiter:innen<br />

beim Zusammenbau der Außenspiegel.<br />

Die gefertigten Spiegel<br />

werden daraufhin in der richtigen<br />

Reihenfolge auf einer Palette<br />

verpackt, damit diese dem<br />

OEM (Original Equipment Manufacturer)<br />

sequenziert und zur rechten<br />

Zeit an der Montagelinie<br />

bereitgestellt werden können.<br />

Haben Sie Interesse die Anlage zu besichtigen? eMail: kin.sales@knapp.com<br />

Das Open Shuttle übernimmt Leerbehälter<br />

direkt vom OSR Shuttle Evo<br />

und bringt sie in die Nebenhalle.<br />

Die Leerbehälter werden an der<br />

Übergabestation bei den Produktionsarbeitsplätzen<br />

abgegeben.<br />

Das Open Shuttle nimmt gefertigte<br />

Aufträge von den Produktionslinien<br />

mit und übergibt diese an das OSR<br />

Shuttle Evo zur Einlagerung.<br />

Alle Spiegelteile und Leerbehälter<br />

lagern zentral im OSR Shuttle Evo und<br />

werden ausgelagert, wenn diese in<br />

der Produktion oder bei der Assemblierung<br />

benötigt werden.<br />

Die Assemblierung der Außenspiegel<br />

erfolgt direkt am Pick-it-Easy<br />

Arbeitsplatz. Das System führt die Mitarbeiter<br />

durch den Prozess.


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S62<br />

Dematic<br />

Mit einem Multishuttle®-System mit fast 6.000 mehrfach-tiefen Stellplätze und<br />

einer speziellen Behälter-Fördertechnik verbindet der französische Küchenhersteller<br />

Schmidt Groupe am Standort Lièpvre im Elsass das Lager mit dem Kommissionierbereich<br />

vollautomatisch. Dadurch wird der gesamte Materialfluss auf eine<br />

komplett neue Basis gestellt.<br />

Schmidt Groupe<br />

Dematic<br />

Die Schmidt Groupe hat sich als einer der internationalen<br />

Marktführer in der Möbelfertigung und<br />

im -vertrieb einen Namen gemacht, insbesondere<br />

durch ihre individuell gestalteten Küchen. Am<br />

Standort in Lièpvre im Elsass werden verschiedene<br />

Komponenten wie Beschläge, Seitenwände, Türen<br />

und Griffe gelagert und kundenspezifisch zusammengestellt.<br />

Die Schmidt Groupe ist ein führender<br />

Akteur in der Küchen- und Möbelbranche, der<br />

sich durch seine hohe Qualität, innovative Designs<br />

und maßgeschneiderte Lösungen auszeichnet.<br />

Das Unternehmen wurde 1934 von Hubert Schmidt<br />

in Türkismühle (Saarland) gegründet und zog<br />

1959 ins Elsass, wo in Lièpvre im Val d‘Argent der<br />

neue Hauptstandort eröffnet wurde. Die Produkte<br />

werden unter den Marken Schmidt und Cuisinella<br />

vermarket.<br />

Dematic entwickelt, baut und unterstützt intelligente<br />

automatisierte Lösungen. Mit Forschungsund<br />

Entwicklungszentren, Produktionsstätten und<br />

Servicestandorten mit über 11.000 Mitarbeitern<br />

in mehr als 35 Ländern hat das globale Dematic-Netzwerk<br />

zu rund 8.000 Kundeninstallationen<br />

für einige der führenden Markenunternehmen<br />

weltweit beigetragen. Dematic mit Sitz in Atlanta,<br />

Georgia (USA), ist ein Unternehmen der KION<br />

Group, einem weltweit führenden Anbieter von<br />

Flurförderzeugen und Supply-Chain-Lösungen.<br />

Video QR Code<br />

http://bit.ly/3rMFKJ6


Mission & Vision<br />

Prozessverbesserungen, Materialflussautomatisierung sowie leistungsoptimierende Software bilden die<br />

Bestandteile jeder Lösung. Um die ideale Systemkonfiguration zu entwickeln, nutzt Dematic einen Industrial-Engineering-Ansatz,<br />

der auf operative Exzellenz ausgerichtet ist. Das Ergebnis sind intralogistische Systemlösungen:<br />

1. Produktivität, Durchsatz, Bestands- und Auftragsgenauigkeit, Ergonomie, Sicherheit, Sichtbarkeit, Einblicke und<br />

Gewinne steigern. 2. Platzbedarf, Betriebskosten, Bearbeitungszeit, Transaktionen und Fehlerpotenzial reduzieren.<br />

3. Optimieren Material- und Informationsfluss, Prozesse, Betriebsmanagement und Aktivitäten. Dematic widmet<br />

sich der Verbesserung der Logistikergebnisse. Dafür garantieren wir eine erfolgreiche Systemleistung.<br />

Herausforderung<br />

In den letzten Jahren hat das Unternehmen<br />

ein beeindruckendes Wachstum<br />

verzeichnen können. Die eingeschränkten<br />

Wachstumsmöglichkeiten<br />

innerhalb der Produktionsstätte veranlassten<br />

Schmidt Groupe zunächst über<br />

die Optimierung der manuellen Prozesse<br />

nachzudenken. Erst bei einem gemeinsamen<br />

Ortstermin mit Dematic wurde<br />

die Idee einer Automatisierung des<br />

Materialflusses geboren. Dabei sollte mit<br />

der gleichen Anzahl Mitarbeitern die<br />

Aufträge künftig effizienter abgearbeitet<br />

werden, was eine Umkehrung der<br />

Kommissionierprozesse auf das Ware-zur-<br />

Person Prinzip nötig machte.<br />

Lösungsanforderung<br />

„Mit dem Dematic Multishuttle lassen sich<br />

Geschwindigkeit, Lagerdichte, Genauigkeit<br />

und Verfügbarkeit innerhalb des<br />

Kommissionierungslagers signifikant erhöhen.<br />

Darüber hinaus ermöglicht das<br />

Gesamtsystem hohe Durchsatzraten<br />

sowie eine fehlerlose Kommissionierung und<br />

garantiert uns damit eine effiziente und zuverlässige<br />

Auftragsabwicklung.“<br />

Boris Herrmann<br />

Process Manager, Schmidt Groupe S.A.S.


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S64<br />

Die Lösung im Überblick<br />

In Zusammenarbeit mit Dematic in Deutschland wurde eine platzsparende Lagerlösung entwickelt,<br />

die nahtlos in das bestehende Gebäude integriert werden konnte. Diese Lösung umfasst ein Multishuttle-System<br />

zur mehrfachtiefen Lagerung auf 5.760 Stellplätzen sowie eine Behälterfördertechnik.<br />

Innerhalb des Multishuttle-Systems übernehmen zwölf Shuttlefahrzeuge die Auftragssequenzbildung.<br />

Die Fördertechnik transportiert die angeforderten Artikel zu den verschiedenen Arbeitsstationen.<br />

Dadurch ermöglicht die Intralogistik-Lösung eine vollständige Automatisierung der zuvor manuellen Einund<br />

Auslagerung sowie Kommissionierung der Waren und des gesamten Materialflusses.<br />

Auf einen Blick<br />

Die Schmidt Groupe ist ein<br />

führender Akteur in der<br />

Küchen- und Möbelbranche,<br />

der sich durch seine hohe<br />

Qualität, innovative Designs<br />

und maßgeschneiderte<br />

Lösungen auszeichnet.<br />

Das Unternehmen wurde 1934<br />

von Hubert Schmidt in<br />

Türkismühle (Saarland)<br />

gegründet und zog 1959 ins<br />

Elsass, wo in Lièpvre im Val<br />

d‘Argent der neue Hauptstandort<br />

eröffnet wurde.<br />

Die Produkte werden unter<br />

den Marken Schmidt und<br />

Cuisinella vermarket.<br />

1. Kundennutzen<br />

• Effizienzsteigerung der Kommissionierprozesse<br />

um mindestens 20 %.<br />

• Verfügbarkeit der Anlage bei 98 %.<br />

• Ware-zur-Person Prozesse erlauben<br />

eine schnellere Auftragsabwicklung<br />

bei gleichzeitig höherer Genauigkeit.<br />

• Platzsparende Installation innerhalb<br />

eines bestehendes Gebäudes<br />

• Raum für zukünftiges Wachstum.<br />

Technische Daten<br />

• Dematic Multishuttle mit 12 Ebenen,<br />

5760 Stellplätzen und 12 Static Shuttles<br />

• 4 Arbeitsplätze für den Wareneingang<br />

• 6 Pick-by-Light Arbeitsplätze für die<br />

Kleineteilekommissionierung<br />

• 1 Pick-by-Light Sonder-Arbeitsplatz<br />

• 2 Packplätze im Warenaugang<br />

• Dematic MCS Fördertechnik<br />

• Dematic Warehouse Management System


Prozessablauf Kommissionierung<br />

Die Zusammenstellung der<br />

Aufträge beginnt zunächst an<br />

den Kleinteile-Arbeitsplätzen, wo<br />

die Mitarbeiter mithilfe eines Pickto-Light-Systems<br />

Kartons individuell<br />

mit den angeforderten Artikeln<br />

bestücken.<br />

Je nach Volumen der Artikel<br />

werden diese optimiert an drei<br />

verschiedene Arbeitsplätze angeliefert,<br />

damit die Mitarbeiter immer<br />

mit ähnlich großen Auftragsvolumina<br />

arbeiten können. Dabei<br />

werden zuerst die Schrauben<br />

kommissioniert, dann die A-Klasse<br />

Artikel und schließlich alle weiteren<br />

Artikel. Anschließend werden die<br />

Kartons mit speziellen Rollen- und<br />

Gurtförderern zu den nachfolgenden<br />

Stationen transportiert. Wenn<br />

größere Artikel zu einem Auftrag<br />

hinzugefügt werden müssen, wird<br />

der Kleinteilekarton auf ein Tablar<br />

geladen und im Dematic Multishuttle-Lager<br />

eingelagert oder<br />

zwischengepuffert.<br />

Die Shuttle-Lösung bietet auf zwölf<br />

Ebenen Platz für 5.760 Stellplätze.<br />

Zwölf Multishuttles übernehmen<br />

die automatische Auftragssequenzbildung<br />

sowie die Ein-, Um- und<br />

Auslagerung innerhalb des Shuttle-<br />

Systems.<br />

Die gefüllten Behälter und Tablare<br />

werden über die Fördertechnik<br />

zu den weiteren Arbeitsstationen<br />

transportiert. Dabei überwacht<br />

eine Durchlaufwaage das Gewicht.<br />

Sobald der Auftrag komplettiert<br />

ist, werden die sequenzierten<br />

Behälter überprüft, die Kartons verschlossen<br />

und mit Versandetiketten<br />

versehen. Dabei bietet das Shuttlesystem<br />

ausreichend Ressourcen<br />

für zukünftiges Wachstum. Für die<br />

Verwaltung der Shuttle-Lösung hat<br />

Dematic zusätzlich ein Warehouse<br />

Management System (WMS) installiert,<br />

das Bestände und Aufträge<br />

nach ABC-Zugehörigkeit verwaltet.<br />

Zur Überwachung der technischen<br />

Vorgänge wurde das Prozessvisualisierungssystem<br />

WinCC von<br />

Siemens in die Lösung integriert.<br />

Dieses System ermöglicht einen<br />

einfachen und übersichtlichen<br />

Informationsfluss aller anfallenden<br />

Daten und fungiert als Benutzerschnittstelle.<br />

Dadurch haben die<br />

Benutzer jederzeit Zugriff auf den<br />

aktuellen Betriebsstatus und können<br />

diese Daten nutzen, um Optimierungsmaßnahmen<br />

zur Verbesserung<br />

der Leistung abzuleiten.<br />

Kundennutzen<br />

„Mit dem Dematic Multishuttle<br />

lassen sich Geschwindigkeit, Lagerdichte,<br />

Genauigkeit und Verfügbarkeit<br />

innerhalb des Kommissionierungslagers<br />

signifikant<br />

erhöhen“, freut sich Boris Herrmann,<br />

Process Manager bei der<br />

Schmidt Groupe. Darüber hinaus<br />

ermögliche das Gesamtsystem<br />

hohe Durchsatzraten sowie<br />

eine fehlerlose Kommissionierung.<br />

„Das alles garantiert uns somit<br />

eine effiziente und zuverlässige<br />

Auftragsabwicklung“, so Boris Hermann<br />

weiter. Eingehende Waren<br />

werden zunächst an den Einlagerplätzen<br />

im System vereinnahmt, in<br />

Standardbehälter umgefüllt und im<br />

Multishuttle gelagert.<br />

Insgesamt stieg die Effizienz der<br />

Kommissionierprozesse um mindestens<br />

20 %. Die Automatisierung<br />

erlaubt eine Verfügbarkeit der<br />

Anlage von über 98 %. Entsprechend<br />

positiv fällt das Resümee der<br />

Schmidt Groupe aus. Boris Herrmann<br />

fasst zusammen: „Unsere<br />

Ziele in Bezug auf Durchsatz und<br />

Liefergenauigkeit wurden mehr als<br />

erfüllt.“


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S66<br />

ECOMMERCE LOGISTIK<br />

Fast-Fashion-Brand<br />

in der Kritik<br />

Zweifelhafter Umgang mit Retouren –<br />

Experte gibt Einblicke, was regelmäßig mit<br />

Retouren geschieht und welche Änderungen<br />

nötig sind.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Das Mode & Versandunternehmen<br />

Shein sorgte unlängst für negative<br />

Schlagzeilen: Durch GPS-Tracker<br />

kam heraus, dass Retouren des Onlinehändlers<br />

absurd lange auf die Reise gehen,<br />

bevor sie wieder an ihrem Ursprungsort ankommen.<br />

"Das Ganze zeigt uns, dass wir nicht nur<br />

unsere Modekonsumgewohnheiten überdenken<br />

müssen, sondern das gesamte System,<br />

das dahintersteckt", meint Konstantinos Vasiadis.<br />

Als Geschäftsführer der Elvinci.de GmbH<br />

handelt er mit Retouren und Überbeständen<br />

und weiß daher ganz genau, wie sinnvolle<br />

Strategien im Umgang mit Retouren aussehen.<br />

In diesem Artikel verrät er, wie das Retourengeschäft<br />

derzeit aussieht und welche Maßnahmen<br />

stattdessen ergriffen werden sollten.<br />

Wie sieht der aktuelle Umgang<br />

mit Retouren aus?<br />

Retouren sind eine Begleiterscheinung des<br />

Versandhandels. Vor allem seit dem Boom<br />

von Online-Shops nehmen sie immer weiter<br />

zu. Dabei offenbaren sich teilweise zweifelhafte<br />

Vorgehensweisen in der Abwicklung der<br />

Retouren. Allen voran gehen dabei die meist<br />

langen Transportwege. Schließlich werden<br />

Retouren nicht selten um die halbe Welt geschickt.<br />

Gerade im Hinblick auf Themen wie<br />

Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist dies höchst<br />

fragwürdig. Denn der Transport über diese<br />

weiten Strecken, ganz gleich, ob per Lkw,<br />

Schiff oder Flugzeug, verursacht Unmengen<br />

an Emissionen – was die Umwelt nachweislich<br />

negativ belastet. Doch nicht nur die Umwelt<br />

leidet, auch die Ressourcen der Unternehmen.<br />

Schließlich übernehmen diese nicht nur die<br />

Kosten für den Rückversand, sondern müssen<br />

auch für Verpackungsmaterial sowie Transport-<br />

und Personalkosten aufkommen. Die<br />

Wiederaufbereitung von Waren bindet dabei<br />

zusätzliche Ressourcen.


Welche Strategien im Umgang mit Retouren<br />

sind zukunftsfähig?<br />

Eines steht damit unweigerlich fest: Im Umgang<br />

mit Retouren muss sich etwas ändern.<br />

Dazu gilt es sowohl die Rücksendeprozesse zu<br />

optimieren als auch im Hinblick auf das Thema<br />

Nachhaltigkeit aufzuholen. Schließlich gilt:<br />

Je nachhaltiger das Retouren-Konzept eines<br />

Unternehmens ist, desto geringer ist die Umweltbelastung.<br />

Spezielle Technologien können<br />

helfen, Retouren automatisch zu identifizieren<br />

und zu sortieren, was eine effiziente Verarbeitung<br />

ermöglicht und Transportemissionen reduziert.<br />

Gleichzeitig gilt es im Thema Recycling<br />

und Wiederverkauf tätig zu werden, um unnötige<br />

Verschwendungen zu vermeiden.<br />

Um auch die Gesellschaft für das Thema Retouren<br />

und die damit einhergehenden Auswirkungen<br />

zu sensibilisieren, ist es nötig, die Lieferkette<br />

transparent zu gestalten. Sehen Käufer,<br />

welche Wege ihre Produkte zurücklegen müssen,<br />

wirkt sich das sowohl auf das Konsumverhalten<br />

als auch auf das Retourengeschäft positiv<br />

aus. Um von vornherein Rücksendungen<br />

zu minimieren, ist es an den Unternehmen,<br />

passgenaue Produktbeschreibungen sowie<br />

Größenangaben und Bilder bereitzustellen,<br />

das reduziert Mehrfachbestellungen zum Testen<br />

und sorgt allgemein für weniger Fehlkäufe.<br />

Konstantinos Vasiadis und Elvinci<br />

Unternehmen aus der Produktion und dem<br />

Handel profitieren von der guten Wirtschaftslage<br />

in Deutschland. Doch Überproduktion,<br />

Rücksendungen oder Ähnliches binden Ressourcen<br />

und verursachen unnötige Kosten.<br />

Konstantinos Vasiadis ist Geschäftsführer von<br />

Elvinci. Er und sein Team haben sich darauf<br />

spezialisiert, diese Problematik ökonomisch<br />

und nach dem Maximalprinzip zu lösen.<br />

(RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S68<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Weltpostverein<br />

beschließt<br />

“Grünes Paket”<br />

Der 4. außerordentliche Weltpostkongress<br />

in Riad hat ein historisches “Grünes Paket”<br />

beschlossen, einschließlich freiwilliger Klimaschutzziele<br />

für den Sektor. 85% Reduktion der<br />

CO2 und Treibhausgasemissionen bis 2050.<br />

REDAKTION: FLORIAN SEIKEL<br />

Als Mitglied des Consultative Committees<br />

der UPU war der logsitc-natives<br />

e.V. mit einer Delegation beim<br />

außerordentlichen Kongress des<br />

Weltpostverbandes in Saudi Arabien. Hier wurde<br />

ein „Grünes Paket“ beschlossen, welches<br />

u.a. einen freiwilligen, abgestuften Ansatz<br />

zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen<br />

im Postsektor festlegt, der auf dem Entwicklungsstand<br />

der nationalen Postgesellschaften<br />

weltweit basiert, Emissionen zu messen und<br />

gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Die Mitgliedsstaaten<br />

des Weltpostvereins der ersten<br />

Stufe (Industriestaaten) reduzieren danach<br />

deren Emissionen bis 2030 um 30 %, wobei alle<br />

Mitgliedsstaaten (aller drei Stufen) auf eine<br />

gemeinsame Reduzierung aller Emissionen um<br />

85 % bis 2050 hinarbeiten.<br />

Laut einem umfassenden Bericht von Intep,<br />

Zürich, basierend auf gemessenen Emissionen<br />

aus 2021 als Basisjahr, ist eine Reduzierung der<br />

Emissionen im Postsektor vertreten durch den<br />

Weltpostverein (einer Sonderorganisation der


Vereinten Nationen) im *Bereich 1 und im<br />

**Bereich 2 bis 2030 um 30% verglichen mit<br />

2021 machbar. Dies kann von benannten<br />

nationalen Postbetreibern durch vertretbare,<br />

aber gezielte Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen<br />

(Fahrzeuge, Gebäude, digitale<br />

Infrastruktur, Last-Mile-Konsolidierung) und, soweit<br />

möglich, durch den Kauf von Strom aus<br />

erneuerbaren Energien erreicht werden.<br />

Darüber hinaus ist auch eine Reduzierung der<br />

weltweiten Bereich 1 und Bereich 2 Emissionen<br />

der im Weltpostverein vertreten nationalen<br />

Postbetreiber um 85% bis 2050, basierend auf<br />

dem Basisjahr 2021, erreichbar. Aufbauend<br />

auf den Energieeffizienz- und Einkaufsmaßnahmen,<br />

die zur Erreichung des Ziels für 2030<br />

erforderlich sind, kann das Ziel für 2050 durch<br />

umfangreichere Infrastrukturinvestitionen erreicht<br />

werden, die häufig erhebliche Vorlaufzeiten<br />

und Finanzierungsvolumina erfordern.<br />

an interessierte Gruppen, dass der Postsektor<br />

transformative Klimaschutzmaßnahmen unterstützen<br />

möchte. Die logistic-natives wurde<br />

zum „Rapporteur“ der neuen Arbeitsgruppe<br />

„Sustainability“ des Consultative Committees<br />

der UPU gewählt und können daher maßgeblich<br />

die Entwicklungen vorantreiben. Wer<br />

weitere Informationen hierzu erhalten möchte<br />

oder wer aktiv an der Gestaltung teilnehmen<br />

möchte, kontaktiert bitte Florian Seikel (Managing<br />

Director logistic-natives e.V., florian.seikel@logistic-natives.com).<br />

*Bereich 1: Direkte Emissionen aus Treibstoff,<br />

der von Postfahrzeugen oder zum Heizen und<br />

Kühlen von Postgebäuden verwendet wird.<br />

**Bereich 2: Indirekte Emissionen aus Stromoder<br />

Heiz- und Kühldienstleistungen, die von<br />

Postbetreibern gekauft werden. (RED)<br />

Zu diesen Umsetzungsmaßnahmen gehören<br />

die Elektrifizierung eines großen Teils der Fahrzeugflotten,<br />

eine groß angelegte Renovierung<br />

von Postgebäuden und erhebliche Direktinvestitionen<br />

in die lokale Erzeugung erneuerbarer<br />

Energien durch nationale Postgesellschaften.<br />

Einrichtung einer speziellen Klimafazilität<br />

Zusätzlich zu den Reduktionszielen legt das auf<br />

dem 4. außerordentlichen Weltpostkongress in<br />

Riad in der ersten Oktoberwoche verabschiedete<br />

Paket einen Rahmen für stärkere Klimaschutzmaßnahmen<br />

innerhalb des Postsektors<br />

fest, der sich auf Eindämmung, Anpassung<br />

und Klimafinanzierung konzentriert und durch<br />

eine spezielle Klimafazilität unterstützt wird.<br />

Diese Fazilität wird in Abhängigkeit von freiwilligen<br />

Beiträgen eingerichtet. Die Vereinigten<br />

Arabischen Emirate und Deutschland sagten<br />

im Plenum eine teilweise finanzielle Unterstützung<br />

zu.<br />

Die Verabschiedung des „Grünen Pakets“<br />

des Weltpostvereins bietet den nationalen<br />

Postgesellschaften und den 192 Mitgliedsstaaten<br />

auch einen Mechanismus, um ihre<br />

grünen Verpflichtungen und Ambitionen<br />

durch die Unterzeichnung der „Postal Climate<br />

Transparency Action-Erklärung“ sichtbarer<br />

zu machen. Zusammengenommen senden<br />

diese Erklärungen eine einheitliche Botschaft


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S70<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Europäisches Komitee<br />

für die Normung der<br />

Postdienste (CEN/T331)<br />

erarbeitet neue<br />

digitale Poststandards<br />

Die Arbeit an insgesamt 12 neuen Mandaten<br />

der Europäischen Kommission für die<br />

Normung der Postdienste hat mit deren Zuweisung<br />

an die zuständigen Arbeitsgremien<br />

begonnen. REDAKTION: WALTER TREZEK<br />

Normiert wird die Harmonisierung<br />

von Sendungsverfolgungsereignissen<br />

(Track & Trace); die sichere<br />

und kontaktlose Zustellung von<br />

Postsendungen; die Definition einer Methodik<br />

zur Berechnung und Berichterstattung<br />

der Umweltauswirkungen (Treibhausgasemissionen<br />

und Luftschadstoffemissionen) in<br />

der Brief- und Paketzustellung, Ende-zu-Ende<br />

von der Einsammlung und Annahme der<br />

Sendungen, bis zur endgültigen Zustellungsstelle,<br />

im Einklang mit anerkannten Umweltstandards<br />

im Fracht- und Transportwesen.<br />

Der digitale Ende-zu-Ende Vorabdatenaustausch<br />

zu Postsendungen (Briefe, Päckchen,<br />

Paketen und Expresssendungen) wird harmonisiert.<br />

Dies umfasst:<br />

WALTER TREZEK<br />

• Digitalisierung von Posttransportdokumenten:<br />

Bei seiner Arbeit an diesem Normungsinhalt<br />

muss CEN die Konformität mit der Verordnung<br />

(EU) 2020/1056 des Europäischen<br />

Parlaments und des Rates (s.g. eFTI VO) berücksichtigen<br />

und dabei auf dem gemeinsamen<br />

europäischen multi-modalen Transportdatenmodell<br />

aufbauen.


• Digitale Identifizierung von Postbetreibern:<br />

Bei seiner Arbeit an diesem Normungsinhalt<br />

berücksichtigt CEN gegebenenfalls die Konformität<br />

mit der Verordnung (EU) 2020/1056<br />

des Europäischen Parlaments und des Rates<br />

(s.g. eFTI VO) und stimmt sich mit dem Weltpostverein<br />

ab, um die Einrichtung einer geeigneten<br />

Ausgabeinfrastruktur sicherzustellen.<br />

• Digitalisierung postalischer Informationen.<br />

CEN soll bestehende europäische Normen<br />

identifizieren und überprüfen, die sich mit der<br />

Digitalisierung von Postinformationen auf Sendungsebene<br />

befassen, die sich aus der Digitalisierung<br />

der End-to-End-Postzustellkette ergeben.<br />

• Digitale Postdienste: CEN/TC331 überprüft<br />

die bestehenden europäischen Normungsinhalte<br />

im Bereich sicherer elektronischer<br />

Postdienste, um sie gegebenenfalls an die<br />

Verordnung (EU) 910/2014 (s.g. eIDAS VO)<br />

anzupassen, und berücksichtigt dabei die<br />

entsprechenden entwickelten oder in der<br />

Entwicklung befindlichen Normen zur „elektronischen<br />

Identifizierung und Vertrauensdiensten“<br />

des fortlaufenden Plans der Kommission<br />

für die IKT-Normung von 2022. CEN koordiniert<br />

seine Arbeit an diesen Normungsergebnissen<br />

mit dem Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen<br />

(ETSI). Elektronische Dokumente,<br />

die für Vorabdatenübermittlungen zu<br />

Postsendungen verwendet werden, müssen<br />

vorab auf sichere und authentifizierte Weise<br />

zwischen Beteiligten, einschließlich Behörden,<br />

ausgetauscht werden. Darüber hinaus wird<br />

die Zusammenarbeit zwischen europäischer<br />

(CEN, ETSI) und internationaler Normung (ISO)<br />

in den Bereichen „Verpackung“ und „nachhaltige,<br />

intelligente urbane Zustellung“ intensiviert<br />

und ausgebaut. Um schließlich die<br />

Harmonisierungsbemühungen im Bereich der<br />

nachhaltigen Postzustellung widerzuspiegeln,<br />

soll innerhalb von CEN/TC331 eine neue Arbeitsgruppe<br />

eingerichtet werden. Hier wird<br />

sich intensiv diesem Bereich gewidmet.<br />

Die logistic-natives sind aktiv dabei. Wer Teil<br />

des internationalen Netzwerks der logistic-natives<br />

werden möchte und wer die Branche<br />

aktiv gestalten möchte, kontaktiert bitte Managing<br />

Director Florian Seikel (florian.seikel@<br />

logistic-natives.com).<br />

(RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S72<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Halbzeitbilanz fällt aus<br />

Sicht der mittelständischen<br />

Transport- und<br />

Logistikwirtschaft sehr<br />

ernüchternd aus<br />

Am 5. Oktober hat der Bundesverband Güterkraftverkehr<br />

Logistik und Entsorgung (BGL)<br />

e.V. seine ordentliche Mitgliederversammlung<br />

durchgeführt, die im Rahmen des gemeinsamen<br />

zweitägigen Branchendialogs<br />

„Netzwerk der Logistik“ von BGL, KRAVAG<br />

und SVG stattfand.<br />

BEITRAG: PI/REDAKTION<br />

• Sandra Herbst, Herbst-Transporte GmbH,<br />

Spedition und Logistik, Bamberg - Vizepräsidentin<br />

Landesverband Bayerischer Transportund<br />

Logistikunternehmen (LBT) e.V.<br />

Damit kann der BGL-Aufsichtsrat seine erfolgreiche<br />

Arbeit weiterführen. Wie auch die<br />

offizielle Pressekonferenz von BGL-Aufsichtsrat<br />

und Vorstandssprecher zeigte, bewegen<br />

die Branche zur Halbzeit der sogenannten<br />

Fortschrittskoalition aktuell besonders folgende<br />

Themen:<br />

Verdopplung der Lkw-Maut (Drittes Gesetz zur<br />

Änderung mautrechtlicher Vorschriften)<br />

Es ist zumindest ein Teilerfolg, dass das Mautgesetz<br />

nicht – wie ursprünglich vorgesehen<br />

– ohne weitere Diskussion im Eiltempo durch<br />

Bundestag und Bundesrat gepeitscht wurde.<br />

Denn die Ver-dopplung der Lkw-Maut ist aktuell<br />

nichts anderes als ein sinnloser Inflationstreiber<br />

inmitten der Wirtschaftskrise, der zu<br />

einer Belastungsprobe vor allem für die kleinen<br />

mittelständischen Transportunternehmen wird.<br />

Im Zentrum dieses Branchendialogs stand<br />

die Halbzeitbilanz der Ampel-Koalition,<br />

die – ganz im Lichte der aktuellen Beratungen<br />

zur Verdopplung der Lkw-Maut – aus<br />

Sicht der Logistikbranche sehr ernüchternd<br />

ausfällt. BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk<br />

Engelhardt: „Aus Sicht des mittelständischen<br />

Transportgewerbes bleibt die selbsternannte<br />

Fortschrittskoalition weit hinter den Erwartungen<br />

zurück. Besonders das Grün geführte<br />

Wirtschaftsministerium hat erkennbar wenig<br />

für den Fortschritt im Mittel-stand getan.“<br />

Um den Zusammenhalt und das gute Miteinander<br />

in der Branche weiter zu stärken, wurden<br />

bei der BGL-Mitgliederversammlung<br />

zwei Mitglieder neu in den Aufsichtsrat des<br />

BGL gewählt:<br />

Die Branche erwartet daher, dass in den aktuellen<br />

Verhandlungen der Koalitionspartner<br />

ihre berechtigten Einwände doch noch<br />

berücksichtigt werden. Dabei sind vier Punkte<br />

aus Sicht des BGL zentral:<br />

1) Verschiebung der Maut-Erhöhung um einen<br />

Monat auf den 1.1.2024, besser noch auf 2025,<br />

damit bestehende Verträge nicht belastet<br />

werden.<br />

2) Wort halten und die im Koalitionsvertrag<br />

zugesagte Vermeidung einer doppelten<br />

CO2-Anlastung bei Kraftstoff und Maut im Gesetzgebungsverfahren<br />

regeln.<br />

3)-Mautharmonisierungsprogramm & Förderprogramme<br />

für klimafreundlichen Straßengüterverkehr<br />

aufstocken.<br />

• Reinhold Fisel, Geschäftsführer Fisel GmbH<br />

& Co. KG Recycling + Transporte, Dillingen -<br />

Präsident Landesverband Bayerischer Transport-<br />

und Logistikunternehmen (LBT) e.V.<br />

4) Verwendung der Mautmehreinnahmen<br />

für den Finanzierungskreislauf Straße, bessere<br />

Förderung für den Ausbau der Ladeinfrastruktur<br />

für E-Lkw.


Foto – von links: Klaus Akkermann (BGL-Aufsichtsrat), Prof. Dr. Dirk Engelhardt (BGLVorstandssprecher), Thomas Heinbokel<br />

(Stellvertretender Vorsitzender BGL-Aufsichtsrat), Horst Kottmeyer (Vorsitzender BGL-Aufsichtsrat), Sandra Herbst (BGL-Aufsichtsrätin)<br />

und Reinhold Fisel (BGL-Aufsichtsrat).<br />

–<br />

<br />

Die Forderungen des BGL können via Link Drittstaaten. Und wir brauchen bessere Kontrollen<br />

für einen fairen Wettbewerb, damit<br />

<br />

dem Positionspapier entnommen werden:<br />

<br />

https://bit.ly/46HypcF<br />

Fälle wie die der streikenden Lkw-Fahrer in<br />

<br />

Gräfen-hausen nicht mehr die Spitze eines Eisbergs<br />

sind, sondern die absolute Ausnahme.<br />

<br />

Einen wesentlichen Anteil an der fortgesetzten<br />

Diskussion des Gesetzesentwurfs hat auch<br />

die vom BGL im August gestartete Kampagne<br />

„#mauteverest“. Die Kampagne läuft mit breiter<br />

Unterstützung der Transportunternehmen<br />

auf Hochtouren, mit viel positivem Feedback<br />

von Medien, Politik und aus der Branche.<br />

Die Transportbranche hat es in wenigen<br />

Wochen geschafft, das Budget für die Kampagne<br />

„#mauteverest“ auf über eine Viertelmillion<br />

Euro anwachsen zu lassen – Tendenz<br />

steigend! Dieses Engagement bildet den<br />

großen Zusammenhalt der Unternehmen ab<br />

und zeigt, dass die Branche für ihre gesellschaftliche<br />

Relevanz verstanden und gesehen<br />

werden will.<br />

Klimaschutz<br />

Um die Antriebswende erfolgreich und zügig<br />

umzusetzen, brauchen die Betreiber der Lkw-<br />

Flotten eine stärkere Unterstützung durch die<br />

Bundesregierung. Denn die klimafreundliche<br />

Transformation des Straßengüterverkehrs kann<br />

nur gelingen, wenn die politischen Rahmenbedingungen<br />

stimmen. Dazu brauchen wir<br />

eine Verstetigung der Fördermittel für die Anschaffung<br />

von E-Lkw und H2-Lkw, den Aufbau<br />

einer flächendeckenden E-Ladestruktur im<br />

Deutschlandtempo mit ausreichenden Lkw-<br />

Stellplätzen und wir brauchen Planungssicherheit<br />

für den Einsatz des Lang-Lkw Typ 1.<br />

<br />

<br />

Fahrer- und Fachkräftemangel<br />

Zur Behebung des sich unverändert verschärfenden<br />

Fahrermangels muss die Bundesregierung<br />

endlich den Mut für pragmatische<br />

Lösungen und eine echte Bürokratiewende<br />

haben. Wir brauchen dringend Erleichterungen<br />

im Fahrerlaubnisrecht und im Berufskraftfahrerqualifikationsrecht.<br />

Wir brauchen eine<br />

erleichterte Zuwanderung von Fahrern aus<br />

„Wir würden es im Übrigen sehr begrüßen,<br />

wenn die Politik künftig nur mit Forderungen<br />

an die Branche an die Öffentlichkeit tritt,<br />

die wir auch erfüllen können. Der Güterkraftverkehr<br />

will Teil der Klimawende sein,<br />

braucht aber die dafür nötigen Rahmenbedingungen<br />

und Planungssicherheit.“ – so BGL-<br />

Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt.<br />

(RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S74<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Neuer Service der<br />

WK Wien bringt Güterverkehr<br />

auf die Schiene<br />

Beim Intermodal-Coaching wird mit Unternehmen<br />

ein Konzept erstellt, wie sie ihren<br />

Straßengüterverkehr klimafreundlich mit<br />

der Schiene kombinieren können.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Die erfahrenen Fachleute aus der Logistik- und<br />

Transportbranche erarbeiten unter anderem<br />

Routen und führen Vor-Ort-Besichtigungen<br />

durch. Dabei wird auch auf individuelle Details<br />

wie Gefäßarten, Menge oder Frequenz<br />

eingegangen sowie ein Kosten-Nutzen-Vergleich<br />

erstellt.<br />

Zahlreiche Vorteile und Chancen<br />

„Lkws verteilen Waren von Umschlagterminals<br />

in der Region, anstatt tagelang quer durch<br />

Europa unterwegs zu sein. Das spart einerseits<br />

CO²-Emissionen und reduziert zeitraubende<br />

Staus, andrerseits werden Lkw-Fahrer entlastet“,<br />

führt Sertic aus. Denn ihnen bleibt<br />

mehr Zeit für das Familienleben, was die Attraktivität<br />

des Berufes erhöht. Das wiederum<br />

macht es Unternehmen leichter, in Zeiten des<br />

Fachkräftemangels neue Lkw-Fahrer zu finden.<br />

Gerade klein- und mittelständische Unternehmen<br />

profitieren bei der Kombination<br />

aus Straße und Schiene: „Sie können dank intermodalem<br />

Verkehr ihren Vor- und Nachlauf<br />

effizienter gestalten.“<br />

Davor Sertic (li.),<br />

WKW-Spartenobmann<br />

Transport und Verkehr<br />

und Stefan Ehrlich-Adám,<br />

WKW-Spartenobmann<br />

Industrie, vor dem<br />

Helrom-Verladesystem am<br />

Hafen Wien.<br />

Verladesystem Helrom- „Ein Zug<br />

kann bis zu 52 Lkw ersetzen“,<br />

erklärt Davor Sertic, Spartenobmann<br />

Transport und Verkehr der<br />

Wirtschaftskammer Wien. Aus diesem Grund<br />

hilft die Wirtschaftskammer Wien nun<br />

Unternehmen dabei, in den sogenannten<br />

intermodalen Verkehr einzusteigen. Beim Intermodal-Coaching<br />

entschlüsseln Experten<br />

der WK Wien gemeinsam mit Unternehmen<br />

deren Potenziale für kombinierten Verkehr<br />

und erstellen ein konkretes Konzept.<br />

Wichtig für die Industrie<br />

Die Kombination von Straße und Schiene ist<br />

auch für die Industrie ein immer wichtigeres<br />

Konzept: „Bei den großen Mengen an Gütern,<br />

die Industriebetriebe herstellen, ist intermodaler<br />

Verkehr ein wichtiges Mittel, um Klimaschutz<br />

und wirtschaftlichen Erfolg zu vereinen“, sagt<br />

Stefan Ehrlich-Adám, Spartenobmann Industrie<br />

in der WK Wien. „Damit leistet auch die Industrie<br />

einen wichtigen Beitrag zur Reduktion<br />

von CO²-Emissionen. Am Hafen Wien etwa ist<br />

dies mit dem Verladesystem von Helrom bereits<br />

gelebte Wirklichkeit.“


Europäisches Bahnsystem vereinheitlichen<br />

„Wir müssen unsere Emissionen senken, wenn<br />

wir die Klimaziele erreichen wollen. Emissionsfreie<br />

Antriebe für die Straße sind aber gerade<br />

im Fernverkehr noch nicht so weit. Also müssen<br />

wir Alternativen finden, die jeder nutzen<br />

kann“, sagt Spartenobmann Sertic. Der<br />

Schienenanteil im Güterverkehr liegt in Österreich<br />

bei rund 31 Prozent. „Den wollen wir in<br />

den nächsten Jahren erhöhen und setzen uns<br />

daher in der Wirtschaftskammer Wien auch<br />

auf europäischer Ebene für ein einheitliches,<br />

effizienteres und moderneres Bahnsystem ein.“<br />

Helrom Verladesystem: https://youtu.be/U-rAsFoBrbo<br />

Das Intermodal-Coaching richtet sich an alle<br />

Wiener Unternehmen der Sparten Industrie<br />

sowie Transport und Verkehr. Der Startschuss<br />

erfolgt am 1. November. (RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S76<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Innofreight investiert<br />

viel Geld in neue<br />

Waggons & Container<br />

Das steierische Eisenbahnlogistikunternehmen<br />

Innofreight expandiert nach Spanien<br />

und Portugal und beschafft weitere Waggons<br />

und Container. Das sind die Highlights<br />

aus einem Unternehmen, das vor 21 Jahren<br />

gegründet wurde und heute zu den großen<br />

Playern in der europäischen Eisenbahnlogistik<br />

mit Fokus intermodalen Verkehr zählt.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Innofreight mit Sitz in Bruck an der Mur<br />

hat sich mit der Entwicklung und dem<br />

Bau von Spezialwaggons und -container<br />

einen Namen gemacht und damit in<br />

Europa eine Vorreiterrolle übernommen, was<br />

die klare Trennung von Waggon und Lademittel<br />

betrifft. Verschiedene Container auf<br />

einen standardisierten Waggon zu setzen<br />

und damit höchstmögliche Flexibilität beim<br />

Bahntransport zu schaffen ist das erfolgreiche<br />

Konzept. 25.000 Container für unterschiedliche<br />

Transportgüter und 5.000 Waggons<br />

hat Innofreight derzeit europaweit im<br />

Einsatz, alle Kapazitäten sind gut ausgelastet<br />

und in diesem Jahr wird mit 140 Mitarbeitern<br />

ein Umsatz von 200 Mio. Euro erwartet, prognostiziert<br />

Peter Wanek-Pusset, Geschäftsführer<br />

und Eigentümer des Unternehmens.<br />

„Mit unserem Equipment werden jährlich 30<br />

Mio. Tonnen Güter im intermodalen Verkehr<br />

transportiert, so wird die Umwelt entlastet und<br />

wir leisten einen Beitrag zum Umweltschutz“.<br />

Dennoch stimmt dem Innofreight-Eigentümer<br />

die aktuelle Entwicklung bei Europas Bahngesellschaften,<br />

speziell bei den großen nachdenklich,<br />

weil diese seiner Einschätzung sehr<br />

stark auf den Ausbau der Infrastruktur und<br />

den Personenverkehr setzen und dabei den<br />

Güterverkehr vernachlässigen. Wanek-Pusset:<br />

„Ich habe den Eindruck, dass es keinen klar<br />

erkennbaren politischen Willen gibt die Bahnen<br />

im Bereich Güterverkehr zu unterstützen“,<br />

dabei hätten diese gerade in diesem Segment<br />

einen gewaltigen Nachholbedarf.<br />

Die Fuhrparks vieler Bahnen sind überaltert<br />

und sichtbare Investitionen in deren Erneuerung<br />

sind kaum auszumachen. Wie es<br />

scheint, ist es den Bahnen möglicherweise<br />

sogar recht, wenn bei den Wagenparks die<br />

Privatisierung voranschreitet. Das sei keine<br />

Kritik, sondern als Beobachtung aufgrund der<br />

aktuellen Entwicklung zu sehen. Wenn sich der<br />

Modal-Split zugunsten der Schiene verändern<br />

soll und mehr Güter auf die Schiene kommen<br />

sollen, dann sollte die Politik auch bereit sein,<br />

mit öffentlichem Fördergeld die Erneuerung<br />

der veralteten Wagenparks der Bahnen zu unterstützen.


Für Innofreight tun sich vor dem Hintergrund<br />

dieser Entwicklung interessante Entwicklungschancen<br />

auf. Aktuell nimmt Innofreight 150<br />

Mio. Euro in die Hand, um weitere 1.700 der im<br />

eigenen Haus entwickelte InnoWaggons sowie<br />

weitere 4.000 Spezialcontainer zu beschaffen.<br />

Gleichzeitig wird die Expansion in Richtung<br />

Spanien und Portugal vorangetrieben, zumal<br />

die Perspektiven Richtung Osteuropa ob des<br />

Ukraine-Krieges und der Russland-Sanktionen<br />

eher trübe sind. Innofreight ist längst nicht<br />

mehr nur Entwickler und Produzent von Waggons<br />

und Container, sondern hat sich zu einem<br />

Full-Service-Logistik-Provider entwickelt.<br />

Wanek-Pusset: „Wir können alles machen,<br />

was unsere Kunden wünschen“. Alles außer<br />

Traktionsleistungen, wie er präzisierend<br />

ergänzt. So ist Innofreight seit April dieses Jahres<br />

mit der schweizerischen Reederei MSC<br />

im Geschäft, die in Hinterland-Verkehren<br />

Innofreight-Equipment nutzt, das ist eine Premiere<br />

und macht die Leute in Bruck an der<br />

Mur stolz. Bei den Hinterland-Verkehren könnte<br />

es in Zukunft sinnvoll sein, gemischte Züge<br />

zu führen, also in einem Zugverband sowohl<br />

maritime Container als auch Einzelwagen mit<br />

konventioneller Ladung mitzunehmen. Damit<br />

würde man die Effizienz des intermodalen<br />

Verkehrs erhöhen, ist Wanek-Pusset überzeugt.<br />

Im Hamburger Hafen sieht man heute<br />

schon jede Menge Innofreight Waggons, an<br />

die 2.000 sind es etwa, die von dort Rohstoffe<br />

aus dem Hafen in das europäische Hinterland<br />

bringen. „Wir sind ein integriertes Unternehmen<br />

mit insgesamt 40 verschiedenen<br />

Firmen im Verbund, die mir und meiner<br />

Familie gehören“, betont Wanek-Pusset.<br />

Innovation wird seit Beginn großgeschrieben<br />

und so werden jährlich drei bis vier Prozent in<br />

Forschung und Entwicklung investiert. Was dabei<br />

herauskommt sind beispielsweise drei neue<br />

Containertypen wie der DryTainer, CemTainer<br />

oder das WireStanchion-System, für den Transport<br />

von feuchtigkeitsempfindlichen Gütern,<br />

Zement und gestapelten Drahtrollenbündeln.<br />

Rückblickend auf die bisherige Firmenentwicklung<br />

zieht Wanek-Pusset eine positive<br />

Bilanz: „Das Trennen von Waggons und Lademittel<br />

ist unsere Entwicklung, da sind wir<br />

Pioniere und jetzt Marktführer und wollen das<br />

auch bleiben.“<br />

(RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S78<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Koralmbahn -<br />

BLAU GEMACHT<br />

Vor 170 Jahren dampfte erstmals eine<br />

Lokomotive über den Semmering. Eine technische<br />

Meisterleistung, die man zunächst<br />

nicht für möglich gehalten hätte. Aber<br />

getrieben von seiner Liebe zur Steiermark<br />

motivierte Erzherzog Johann seine Genietruppe<br />

zur Meisterleistung. Es entstand eine<br />

geschichtsträchtige Bahninfrastruktur, von<br />

der heute noch Schulbücher berichten. Was<br />

wird man in 170 Jahren von der nun errichteten<br />

Koralmbahn in den Geschichtsbüchern<br />

lesen? REDAKTION: PETER BAUMGARTNER<br />

Jedenfalls wird kein Schulkind jemals erfahren,<br />

welcher Ingenieur die Koralmbahn<br />

mit dem 33 Kilometer langen<br />

Tunnel erbaut hat. Der „Ritter“ von der<br />

Koralmbahn ist – im Gegensatz zum Ritter von<br />

Ghega, namenlos. Dafür wissen in Österreich<br />

alle Menschen, die Koralmbahn ist „Blau gemacht“.<br />

Der ehemalige Landeshauptmann<br />

von Kärnten, Jörg Haider, war die Triebfeder<br />

des „Jahrtausendprojektes“ (LH Peter Kaiser).<br />

Zumindest wirbt die FPÖ unwidersprochen<br />

mit dieser Zuschreibung und verweist damit<br />

einen (Peter) Kaiser in die Rolle eines unwichtigen<br />

Verwalters freiheitlicher Leistung. Die<br />

Koralmbahn wird also als „Parteibahn“ in die<br />

Geschichte eingehen. Auch deshalb, weil<br />

kaum um ein Bahnprojekt jemals so viel gestritten<br />

und gerangelt wurde. Dabei hätte die<br />

Koralmbahn es durchaus verdient, ebenfalls<br />

einen Stockerlplatz in der Geschichte österreichischer<br />

Ingenieurskunst zu erlangen. Zwar<br />

sind die technischen Möglichkeiten heutzutage<br />

ungleich besser, als zu Ghegas Zeiten,<br />

aber monumental, ja fast monströs, ist die Koralmbahn<br />

allemal.<br />

Die Koralmbahn ist ein wichtiger Teil des österreichischen<br />

Abschnitts des Baltisch-Adriatischen Korridors. Sie soll im<br />

Jahr <strong>2023</strong> voll befahrbar sein. © ÖBB


Bild: FPÖ-Kärnten<br />

Monströs sind jedenfalls auch die Kosten für<br />

die Errichtung der Koralmbahn – besonders<br />

dann, wenn man das Gesamtprojekt Südbahn<br />

NEU mit dem Semmering Basistunnel<br />

betrachtet, der im Schatten der Ghega Bahn<br />

entsteht. Anderseits spielt die Kostenfrage<br />

für die Verkehrsinfrastruktur in Österreich und<br />

erst recht in der EU, keine wesentliche Rolle<br />

– mal abgesehen von den vernachlässigten<br />

Lärmschutzkosten. Nach dem Motto „koste<br />

es was es wolle“, wird da auf Teufel komm<br />

raus gegraben und betoniert, als gäbe es<br />

kein Morgen.<br />

Dabei war man um Argumente nie verlegen.<br />

Ging es zu Ghegas Zeiten noch darum,<br />

elementare Verkehrswege für den Personenverkehr<br />

zu schaffen, stand bald der Handel<br />

und später der grenzenlos, freie Handel<br />

im Vordergrund. Das Argument der „Militärischen<br />

Mobilität“ ist zwar auch schon alt in<br />

der Infrastrukturplanung, aber kostenmäßig<br />

ist es heute ein richtig fetter Brocken, der da<br />

auf dem öffentlichen Budget lastet. Aber<br />

das soll die Gesellschaft nicht unnötig belasten.<br />

Deshalb liegt der öffentliche Fokus jetzt<br />

zunehmend auf der Bedeutung hinsichtlich Klimawandel<br />

und Verkehrswende. Eine maximal<br />

ausgebaute Verkehrsinfrastruktur – insbesondere<br />

Schieneninfrastruktur, ist gut für das Klima. Da<br />

darf man nicht knausrig sein. Da werden Superlativen<br />

(„Stern des Südens“) strapaziert, um zu<br />

erklären, warum wir uns heute für alle Ewigkeit<br />

verschulden müssen. Dabei ist der „Erfolg“ keineswegs<br />

garantiert. Insbesondere in Kärnten ist<br />

schon mal ein Stern vom Himmel gefallen…<br />

Der LKW-Verkehr profitiert von der asymmetrischen<br />

Wirkung der europäischen Bahnpolitik<br />

und der Schieneninfrastruktur Förderung.<br />

Obwohl die Schieneninfrastrukturerrichtung<br />

seit Jahren förmlich im Geld schwimmt, ist die<br />

Transportverlagerung von der Straße auf die<br />

Schiene, überschaubar. Der 8. Bericht über die<br />

Entwicklung des europäischen Schienenverkehrsmarktes<br />

vom 13. 9. <strong>2023</strong> bestätigt, „Das<br />

Tempo des Fortschritts steht allerdings nicht in<br />

einem angemessenen Verhältnis zum Handlungsbedarf<br />

in Bezug auf den Klimawandel<br />

und zum erwarteten Beitrag des Schienenverkehrs<br />

zur Dekarbonisierung des Verkehrs.“


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S80<br />

Der Europäische Rechnungshof pflichtet dem<br />

im letzten Bericht bei: „Die EU ist noch weit davon<br />

entfernt, den Güterverkehr von der Straße<br />

zu holen.“ Obwohl, allein die EU-Förderung<br />

für Intermodalität hat zwischen 2014-2020 die<br />

Milliarden-Grenze längst überschritten. Eine<br />

dieser „tollen“ Initiativen zu Intermodalität ist<br />

der Wunsch des Klimaministeriums, dass Mülltransporte<br />

ab 300 Km auf die Bahn verlagert<br />

werden müssen. Geht`s euch brausen, sagt<br />

die Wirtschaft. Das ist Planwirtschaft. Machen<br />

wir nicht. Überdies ist die Regelung weder<br />

durchdacht noch kontrollierbar.<br />

Seit Erzherzog Johann hat sich in der Infrastrukturplanung<br />

nicht geändert, dass persönliche<br />

Präferenzen der Machthaber und Entscheidungsträger<br />

eine wesentliche Rolle spielen.<br />

Geändert hat sich nur, dass es heute im Gegensatz<br />

zum Monarchie wesentlich mehr<br />

Machthaber und demnach mehr persönliche<br />

Befindlichkeiten gibt. Und das macht die Sache<br />

für den EU-Bürger so richtig teuer. Denn es<br />

genügt nicht, wenn ein Landeskaiser beispielsweise<br />

die Koralmbahn für sein Land reklamiert.<br />

Der Nachbar-Kaiser will das auch und der Kaiser<br />

auf der anderen Seite des Zaunes ebenfalls.<br />

Die ÖBB wollte die Koralmbahn ursprünglich<br />

nicht bauen. Noch 2006 haben Experten dort<br />

ausgerechnet, dass das Projekt nicht sinnvoll<br />

ist. Dennoch hat sich der blaue Kaiser durchgesetzt<br />

und der rote Kaiser findet das heute<br />

auch OK. (Fremdes) Geld ist also immer<br />

da, wo der Wille herrscht, es auszugeben.<br />

Nur bei den Bahntoten ist es anders. Niemand<br />

will Tote oder Verletzte an Bahnübergängen.<br />

Dennoch reicht das Geld Jahr für Jahr nicht,<br />

um die gefährlichsten Eisenbahnkreuzungen<br />

endlich zu beseitigen. 2022 gab es in Österreich<br />

bei 53 Unfällen 59 Verletzte und 17 Tote<br />

(Statistik Austria). Die überwiegende Zahl an<br />

Bahnübergängen ohne Schrankenanlage.<br />

Der Rat hat sich im Dezember 2022 auf ein<br />

Verhandlungsmandat für den Entwurf einer<br />

Verordnung über die Leitlinien der EU für den<br />

Aufbau eines Transeuropäischen Verkehrsnetzes<br />

(TEN-V) geeinigt. Es blieb ihm auch gar<br />

nichts anderes übrig. Das „Kernnetz“ sollte bis<br />

2030 fertiggestellt sein, das neu hinzugekommene<br />

„erweiterte Kernnetz“ bis 2040 und das<br />

„Gesamtnetz“ bis 2050. Was dann passiert,<br />

daran wage ich nicht zu denken. Schon in weniger<br />

als 30 Jahren soll Schluss sein mit betonieren?<br />

Aber nein! Ganz im Gegenteil. Schon<br />

melden sich erste Kaiser-Sprecher zu Wort die<br />

behaupten, wir müssen erheblich mehr investieren,<br />

weil das „Gesamtnetz“ ja nur für „langsame“<br />

Züge geeignet ist.<br />

Die Baltisch-Adriatische Verkehrsachse<br />

verbindet die Ostsee mit<br />

dem Mittelmeer. © ÖBB


Europäisches Metropolen-Netz,<br />

© Deutsche Bahn AG


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S82<br />

Wir brauchen aber „High-Speed-Züge“ im<br />

Kampf gegen den Klimawandel. Dazu müssen<br />

europaweit 21.000 Kilometer Schienennetz<br />

ausgebaut werden. Also kein Licht am Ende<br />

des Tunnels. 2019/20 waren die Jahre der<br />

COVID-19-Pandemie. Das war nicht nur für die<br />

Menschen, sondern auch für die Logistik eine<br />

besondere Herausforderung. 2021 war das<br />

„Europäische Jahr der Schiene“. Da nahm das<br />

„Geschäft“ wieder Fahrt auf. 2022, das Jahr<br />

des Kriegsausbruches in der Ukraine, stellte<br />

teilweise die Prioritäten in der Logistik um. <strong>2023</strong><br />

ist das „Europäische Jahr der Kompetenzen“.<br />

Die Verkehrskompetenzen sollen dabei einen<br />

Schwerpunkt bilden und zeigen, wie intelligent<br />

der Verkehr bereits ist. Das ist auch dringend<br />

notwendig, denn laut Statistik Austria lag die<br />

durchschnittliche Auslastung auf dem österreichischen<br />

Schienenverkehrsnetz bei 73 Prozent.<br />

Mehr als 100.000 Leerwagenkilometer schmälern<br />

den Erfolg einer wertvollen Infrastruktur.<br />

Dafür wachsen die Grundstückspreise entlang<br />

der Infrastruktur in den Himmel.<br />

Neben der Koralmbahn klagt ein Bürgermeister,<br />

haben Grundstücksspekulanten den<br />

Quadratmeterpreis schon um 50 Prozent in<br />

die Höhe getrieben. Dabei fährt noch gar<br />

kein Zug und wie gut die neue Schieneninfrastruktur<br />

ausgelastet sein wird, weiß niemand.<br />

Parallel, jenseits der österreichischen Grenze<br />

fährt nämlich METRANS bereits mit einem konkurrenzfähigen<br />

Angebot.<br />

Die METRANS-Gruppe als HHLA-Tochterunternehmen<br />

stellt hochfrequente Bahnverbindungen mit Seehäfen<br />

an der Nordsee und der Adria her. Neuerdings auch<br />

zwischen Rijeka-Belgrad-Budapest. Quelle: METRANS


„Immer-mehr und nie-Genug!“<br />

(Bernhard Ungericht)<br />

Unabhängig davon, ob die Koralmbahn in<br />

Verbindung mit der neuen Südbahn erfolgreich<br />

sein wird oder nicht, zeichnen sich bereits<br />

die negativen Folgen des Projektes ab.<br />

Abgesehen von den enormen Umweltschäden<br />

durch den Bau der Schieneninfrastruktur,<br />

die erst durch den Erfolg einer maßgeblichen<br />

Transportverlagerung gerechtfertigt<br />

werden müssten, lasten weitere Bodenversiegelungen<br />

durch Logistikimmobilien und<br />

hohe Grundstückskosten schwer in der Negativbilanz.<br />

Außerdem klagen regionale<br />

Stimmen entlang der alten Ghega-Strecke,<br />

dass die UNESCO-Bahn mangels Nutzung<br />

zur Museumsbahn verkommen könnte. Betroffen<br />

davon ist in erster Linie der ohnehin<br />

unzureichende ÖPNRV im ländlichen Raum.<br />

Ganz real scheinen diese Befürchtungen bei<br />

den Bürgermeistern entlang der alten Südbahn<br />

in Mittelkärnten zu sein. Sie haben bereits<br />

eine Petition im Parlament eingebracht.<br />

Die Forderungen der „Zukunft Mittelkärnten“<br />

sind klar: Erhalt und deutliche Aufwertung<br />

der bestehenden Streckenführung und<br />

keine Benachteiligung der regionalen Bevölkerung<br />

durch den Neubau. Ein Austrocknen<br />

regionaler Infrastruktur durch Megaprojekte<br />

kann man auch am Beispiel der Nebenbahnen<br />

studieren. Die Görtschitztal-Bahn zum<br />

Beispiel wurde zwar aufwändig gebaut und<br />

sie wird auch emsig erhalten – aber nicht<br />

genützt. Die örtliche Industrie wurde sogar<br />

behördlich zur Nutzung der Schiene verdonnert<br />

– aber ohne Erfolg. Jetzt sagt das „Klimaministerium“<br />

– vielleicht später. Vielleicht<br />

braucht es der Markt 2028. Man wird sehen.<br />

Aber es geht noch absurder. Die Wachauer<br />

Bahn wurde teilweise sogar demontiert und<br />

die Bahngründe so verscherbelt, dass eine<br />

durchgehende Bahnnutzung nicht mehr möglich<br />

ist. Die Schienen vor dem Schotterwerk<br />

liegen praktisch bracht und die Grünen freuen<br />

sich über die super tolle Idee einer Güterseilbahn<br />

über die Donau als Schienenersatz.<br />

Der Slogan der Wirtschaft zur Bewerbung der<br />

Koralmbahn lautet „ Area Süd, Mehr Menschen.<br />

Mehr Märkte. Mehr Miteinander.“ Es ist<br />

schwer, solche dümmlichen Werbesprüche zu<br />

kommentieren, ohne juristisch relevante Tatbestände<br />

zu setzen. Prof. Bernhard Ungericht<br />

schreibt in seinem Buch (Immer-mehr und<br />

Nie-genug!) von der Maßlosigkeit und wenn<br />

man sich verirrt hat, ist es gut an jenen Ort zurückzukehren,<br />

wo man falsch abgebogen ist.<br />

Aber das wird in der Gesellschaft nicht passieren.<br />

Zu stark sind wir in unserem Ego verhaftet.<br />

Insofern ist der High-Speed-Zug, der mit 300<br />

Sachen durch den Acker rauscht eine gute<br />

Metapher – mit Hochgeschwindigkeit an die<br />

Wand. Doch halt! Ein Ass haben wir noch im<br />

Ärmel. Die Binnenschifffahrt. Oh, wie schön!<br />

Bei der letzten EU-Ratssitzung Ende 2022 wurde<br />

erkannt (200 Jahre nach der professionellen<br />

Implementierung), die Binnenschifffahrt<br />

ist ein nachhaltiger und weniger überlasteter<br />

Verkehrsträger, der bei den Bemühungen<br />

der Union um die Dekarbonisierung des Verkehrssystems<br />

eine zentrale Rolle übernehmen<br />

kann. Allein, genützt wird die Binnenschifffahrt<br />

noch wesentlich weniger als die Bahn. Genau<br />

genommen fährt sie im Modal Split seit Jahrzehnten<br />

unter, oder knapp über der Wahrnehmungsgrenze.(PB)<br />

PETER BAUMGARTNER<br />

REDAKTION<br />

LOGISTIK EXPRESS


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S84<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Leistungsstark vom<br />

Süden her aufrollen<br />

Die oberen Adriahäfen Triest, Rijeka, Koper<br />

und Venedig werden immer stärker von<br />

österreichischen Verladern präferiert,<br />

wenn es darum geht Exporte und Importe<br />

nach oder aus Übersee abzufertigen. Es<br />

sind aber nicht mehr nur die Adria-Häfen,<br />

sondern auch jene in Piräus, La Spezia oder<br />

Genua, die mit ihrem umfangreichen Leistungsportfolio<br />

die Verlader im Hinterland<br />

umwerben. BEITRAG: REDAKTION<br />

Beim diesjährigen Südhafenforum<br />

des Vereins Netzwerk Logistik (VNL)<br />

in den Räumlichkeiten des Cargo<br />

Center Graz (CCG) in Werndorf bei<br />

Graz ging es um die vorhin genannten Häfen<br />

und deren Drehscheibenfunktion in globalen<br />

Transportketten von und nach Österreich bzw.<br />

in die Nachbarländer. Das vierte Forum war<br />

gut besucht und es gab Informationen aus<br />

erster Hand etwa aus dem Hafen Piräus, wo<br />

der chinesische Reeder Cosco kräftig Flagge<br />

zeigt oder von der Lidl-eigenen Reederei<br />

Tailwind Shipping Lines, die seit Juli des Vorjahres<br />

im Container-Geschäft auf Hochsee<br />

mitmischt und für Ladung von Dritten wirbt.<br />

Christian Steindl, Vorstand im VNL-Vorstand<br />

Süd, betonte in seinem Eröffnungsstatement<br />

zwar die nach wie vor wichtige Rolle der<br />

Nordhäfen, doch die Südhäfen holen immer<br />

mehr auf und stehen im stärker werdenden<br />

Wettbewerb mit Hamburg, Rotterdam,<br />

Antwerpen und Co. Hamburg ist zwar noch<br />

immer der wichtigste Container-Exporthafen<br />

für österreichische Verlader mit einem<br />

Containeraufkommen von rund 330.000 TEU.<br />

Doch Koper mit seiner einer Million Container-<br />

Umschlag im vergangenen Jahr und einem<br />

Österreich-Containerumschlag von 227.000<br />

TEU liegt auf Rang zwei gleich hinter Hamburg.<br />

Die Reeder nehmen die Adria-Häfen immer<br />

stärker ihre Fahrpläne auf und Andreas Stepan,<br />

Vorsitzender des Verbandes österreichischer<br />

Schifffahrtsagenten (VÖSA) und zugleich Manager<br />

der französischen Reederei CMA CGM<br />

in Österreich sieht dabei nicht nur Triest, Koper,<br />

Rijeka, Piräus und Venedig, sondern auch die<br />

Mittelmeerhäfen La Spezia und Genua als interessanter<br />

werdende Hubs selbst für österreichische<br />

Verlader. Die steigende Bedeutung erklärt<br />

der Reedereimann mit der Leistungsfähigkeit<br />

der Häfen und der steigenden Zahl von Direktanläufen<br />

seitens der Reeder. Zahlen belegen,<br />

dass Koper beim Gesamtumschlag der wichtigste<br />

Hafen für Österreichs Außenhandel ist.<br />

Knapp mehr als sieben Mio. t österreichische<br />

Ladung wurden 2022 dort umgeschlagen.<br />

Täglich verkehren zwischen Koper und Österreich<br />

30 Frachtzüge. Koper hat neben Österreich<br />

auch die östlichen Nachbarländer als<br />

attraktive Hinterland-Märkte. Triest ebenfalls<br />

aber mit noch stärkerer Ausstrahlung in den<br />

südbayerischen Raum. Venedig hat den<br />

Nachteil, dass der Hafen nautisch für Frachtschiffe<br />

nur am Tag erreichbar ist und der geplante<br />

Off-shore-Containerterminal draußen<br />

vor dem Hafen darf eher unter Ambition als<br />

denn als real umsetzbares Projekt gesehen<br />

werden, so Stepans Einschätzung.<br />

Das Seefrachtgeschäft hat sich in den letzten<br />

Jahren massiv verändert, von 15 auf neun<br />

große Reeder-Allianzen hat sich der Markt<br />

reduziert, wobei drei davon den globalen<br />

Seefrachtmarkt dominieren und Maersk mit<br />

725 Schiffen, MSC mit 698 und CMA CGM mit<br />

588 den Ton angeben. Jede Menge Order<br />

für neue Schiffe stehen in den Büchern der<br />

Schiffsbauer, „ob die passende Ladung zum<br />

größeren Schiffsangebot auch kommt ist freilich<br />

die Frage“, so Stepan.<br />

Die Reeder erledigen ihren Job längst nicht<br />

mehr nur bis zur Kaikante, sondern „spielen<br />

auch Spediteur“ und engagieren sich mit<br />

Selbsteintritt bis in die Hinterlandmärkte. Fazit:<br />

Die Reeder forcieren Direktgeschäfte mit ihren<br />

Kunden. Die Transportkette vom Hafen zu<br />

Hinterlandterminals wollen die Reeder selbst<br />

in der Hand haben, beim Vor- und Nachlauf


Hafen Koper (Quelle: Luka Koper)<br />

„dürfen“ die echten Spediteure zum Zug kommen.<br />

Eine Entwicklung, die in der Speditionsbranche<br />

selbstredend gar nicht gut ankommt.<br />

Die Südhäfen punkten mit der schnelleren Erreichbarkeit<br />

etwa im Asien-Europa-Trade. Das<br />

sieht auch die chinesische Reederei Cosco so.<br />

Den Hafen in der Stadt Athen bezeichnet Karl<br />

Seitz, Niederlassungsleiter der Reederei Cosco<br />

in Österreich als „unseren Hafen“, wo Cosco<br />

kräftig Flagge zeigt. Cosco ist dort als Reeder,<br />

als Terminal-, Hafen- und Logistik-Fazilitäten-<br />

Betreiber tätig und Ocean Rail Logistics organisiert<br />

die Abwicklung der Hinterlandverkehre<br />

in praktisch alle südosteuropäische Länder.<br />

Sechs Dienste bietet Cosco aktuell von<br />

und nach Piräus an, von wo aus Fracht in<br />

zahlreiche Länder rund um das Mittelmeer<br />

„nach jedem Dorf gefeedert wird“, wie Seitz<br />

es formulierte und ergänzend anmerkte:<br />

„Wir fahren derzeit 17 Züge pro Woche ab und<br />

nach Piräus“. Dabei forciert die Reederei long<br />

Haulage-Verkehre, weil man sich als Gesamtlogistik-Anbieter<br />

versteht.<br />

Mit Tailwind Shipping Lines ist im Juli des Vorjahres<br />

eine neue Reederei auf dem Markt<br />

aufgetaucht. Dahinter verbirgt sich der<br />

Diskonter Lidl, der „nicht länger so viel Geld<br />

für die Seefracht ausgeben wollte“ und daher<br />

selbst Reeder wurde, wie Alexander<br />

Prahl, Manager von Tailwind erklärte. Lidl ist<br />

100-Prozent Eigentümer der Reederei und<br />

transportiert derzeit mit acht 5.000 TEU-Schiffen<br />

seine Ladung aus Fernost nach Europa.<br />

Prahl: „Mit der eigenen Ladung sind wir zu<br />

80 bis 90 Prozent ausgelastet, die restlichen<br />

Kapazitäten vermarkten wir Dritten und<br />

die sind bei uns willkommen“. In China laufen<br />

die Schiffe Qingdao, Taicang, Ningbo<br />

und Da Chan Bay an, in Europa sind es die<br />

Häfen Koper, Barcelona und Rotterdam.<br />

„Wir sind simpel“, sagte Prahl, und meint den<br />

einfachen Zugang zum Buchungssystem bei<br />

Tailwind für Dritte, die ihre Container im „Panda<br />

Express Service“ oder „Tiger Express Service“<br />

auf die Schiffe verladen können. Ersterer<br />

ist ein Dienst von den genannten chinesischen<br />

Häfen und letzterer einer aus Bangladesch<br />

nach Europa. Externe Verlader können ihre<br />

Waren in die Tailwind-eigenen 7.500 20- und<br />

45-Fußcontainer und 300 Reeder-Container<br />

verladen. Die gute Auslastung gibt es primär<br />

im Verkehr von Asien nach Europa, retour<br />

befinden sich auf den Schiffen primär leere<br />

Container und daher sucht man bei externen<br />

Verladern Exportfracht, die künftig der bisherige<br />

CCG-Geschäftsführer Christian Steindl<br />

in Europa akquirieren soll. Prahl: „Herr Steindl<br />

wird uns künftig unterstützen“, was praktisch<br />

seit Anfang Oktober der Fall sein wird, weil<br />

Steindl als bisheriger CCG-Geschäftsführer zu<br />

Lidl gewechselt hat. (RED)


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S86<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Wachstum in<br />

Osteuropa unter Druck<br />

Rezession, Eurozonen-Schwäche, hohe Zinsen<br />

und Ukraine-Krieg belasten die Wirtschaft. Ist<br />

Südosteuropa der Lichtblick für Österreichs<br />

Wirtschaft? TEXT: PI / REDAKTION<br />

Trotz ihrer bisherigen Resilienz gegenüber<br />

den ökonomischen Folgen von Russlands<br />

Krieg gegen die Ukraine geraten<br />

die Volkswirtschaften Mittel-, Ost- und<br />

Südosteuropas zunehmend unter Druck. Das<br />

zeigt die neue Herbstprognose des Wiener Instituts<br />

für Internationale Wirtschaftsvergleiche<br />

(wiiw) für 23 Länder der Region. „Die Rezession<br />

in Deutschland, ein sich eintrübendes internationales<br />

Umfeld, die anhaltend hohe Inflation,<br />

die Straffung der Geldpolitik und zu geringe<br />

fiskalpolitische Maßnahmen belasten die Konjunktur“,<br />

sagt Branimir Jovanović, Ökonom am<br />

wiiw und Hauptautor der Herbstprognose.<br />

vorsprung der Ostmitteleuropäer gegenüber<br />

Westeuropa dürfte damit in vielen Ländern zumindest<br />

für den Moment dahin sein“, konstatiert<br />

Jovanović. Markant besser sieht es in den<br />

südosteuropäischen EU-Mitgliedern Rumänien<br />

(2,5%) und Kroatien (2,5%) aus, wo die Mittelzuflüsse<br />

aus dem Corona-Wiederaufbaufonds<br />

NextGenerationEU das Wachstum stützen.<br />

Die sechs Staaten am Westbalkan dürften im<br />

Schnitt um 2,1% wachsen, die Türkei um 3,2%.<br />

Die kriegsgeplagte Ukraine sollte mit 3,6%<br />

Wachstum heuer zu einer leichten Erholung<br />

ansetzen, Aggressor Russland dank boomender<br />

Rüstungsindustrie um 2,3% expandieren.<br />

Nach einem bereits schwachen 1. Quartal<br />

rutschte das Wachstum in einigen wichtigen<br />

Ländern der Region im 2. Quartal ins Minus. So<br />

schrumpften etwa Polen, Tschechien und Ungarn<br />

zur Jahresmitte. „Angesichts einer möglichen<br />

Rezession in der gesamten Eurozone<br />

könnte diese negative Dynamik an Fahrt gewinnen,<br />

vor allem in den mit der schwächelnden<br />

deutschen Industrie stark verflochtenen<br />

Visegrád-Staaten“, so Jovanović.<br />

Für das Gesamtjahr <strong>2023</strong> prognostiziert das<br />

wiiw den EU-Mitgliedern in der Region ein<br />

Wachstum von durchschnittlich 0,6% und damit<br />

ähnlich wenig wie der Eurozone (0,5%). Gegenüber<br />

dem Sommer ist das eine Halbierung<br />

der Prognose. „Der traditionelle Wachstums-<br />

Besserung ist für die EU-Mitglieder in der Region<br />

2024 in Sicht. Im kommenden Jahr prognostiziert<br />

das wiiw für sie ein durchschnittliches<br />

Wachstum von 2,5%, ausgehend von einem<br />

niedrigen Niveau und unterstützt von teilweise<br />

hohen Überweisungen aus dem EU-Corona-Wiederaufbaufonds.<br />

Die Abwärtsrisiken<br />

bleiben allerdings erheblich: „Ein schärferer<br />

Abschwung in der Eurozone, hartnäckig hohe<br />

Inflationsraten, eine militärische Eskalation in<br />

der Ukraine oder ein eskalierender Handelskrieg<br />

zwischen der EU und China könnten die<br />

Erholung im nächsten Jahr gefährden“, meint<br />

Jovanović. Mittelfristig steht somit auch die<br />

Möglichkeit eines Stagflations-Szenarios im<br />

Raum, bei dem die Region bei hoher Inflation<br />

nur wenig oder kaum wachsen würde.


Ukraine setzt zu leichter Erholung an<br />

Die Wirtschaft der Ukraine hat die russische<br />

Invasion besser verkraftet als zunächst angenommen.<br />

Für <strong>2023</strong> erhöht das wiiw daher seine<br />

Wachstumsprognose auf 3,6% des BIP. Trotz<br />

der russischen Schwarzmeerblockade und<br />

dem Bombardement von Getreidespeichern<br />

und Verladehäfen an der Donau nach dem<br />

Ende des Getreideabkommens stiegen die Exporte<br />

landwirtschaftlicher Produkte von Juli bis<br />

August um 16%. Aber die Risiken nehmen zu.<br />

„Das Importverbot für ukrainisches Getreide<br />

durch Polen und Ungarn ist ein ernstes Zeichen<br />

für die zunehmende Spaltung der EU in Bezug<br />

auf weitere Ukraine-Hilfen“, sagt Olga Pindyuk,<br />

Ukraine-Expertin des wiiw. „Angesichts der hohen<br />

Kriegskosten, die <strong>2023</strong> für ein Budgetdefizit<br />

von 27% des BIP sorgen, wäre jede Kürzung<br />

der westlichen Hilfsgelder für die Ukraine verheerend“,<br />

warnt Pindyuk.<br />

Russland: Primitivisierung trotz Rüstungsboom<br />

Trotz der aktuellen Rubelschwäche und der<br />

westlichen Sanktionen dürfte Russlands Wirtschaft<br />

heuer um 2,3% wachsen. „Die enorme<br />

Erhöhung der Militärausgaben befeuert einen<br />

Rüstungsboom, der gemeinsam mit stark steigenden<br />

Reallöhnen aufgrund des akuten Arbeitskräftemangels<br />

die Konjunktur nach oben<br />

zieht“, analysiert Vasily Astrov, Russland-Experte<br />

des wiiw. Die Auslastung der Produktionskapazitäten<br />

bewegt sich auf einem Allzeithoch,<br />

die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief. Die<br />

russische Zentralbank befürchtet im Lichte<br />

der auftretenden Engpässe bereits eine<br />

Überhitzung der Wirtschaft, welche die Inflation<br />

in Kombination mit dem schwächeren<br />

Rubel anheizen könnte. Dennoch leiden einige<br />

Sektoren, die von den westlichen Sanktionen<br />

betroffen sind. Die russische Militärproduktion<br />

konnten sie bisher aber nicht im erhofften<br />

Ausmaß treffen.<br />

„Russland beschafft sich alle für seine Rüstungsindustrie<br />

notwendigen Hightech-Bauteile<br />

aus dem Westen mittlerweile über Drittstaaten“,<br />

sagt Astrov. Die teilweise sehr aufwendige<br />

Umgehung der Sanktionen reicht aber<br />

nicht, um auch die restliche Wirtschaft ausreichend<br />

mit westlicher Hochtechnologie zu<br />

versorgen. „Das wird zu einer Primitivisierung<br />

der russischen Wirtschaft führen. Gemeinsam<br />

mit der immer stärkeren Abhängigkeit von<br />

steigenden Rüstungsausgaben dürfte das<br />

auch die Wachstumsaussichten mittelfristig<br />

stark begrenzen“, so Astrov. Das aus den hohen<br />

Kosten für den Krieg resultierende Budgetdefizit<br />

von heuer 2,5% des BIP erscheint Astrov<br />

aber tragbar: „Putin wird seinen Angriffskrieg<br />

leider noch länger finanzieren können.“<br />

Trotz hartnäckiger Inflation steigen in weiten<br />

Teilen der Region die Reallöhne<br />

Auch wenn die Inflation in praktisch allen beobachteten<br />

Ländern ihren Zenit überschritten<br />

hat, dürfte sie noch für absehbare Zeit hoch<br />

bleiben. Haupttreiber der Teuerung sind die<br />

steigenden Lebensmittelpreise, die auch zu<br />

immer größeren sozialen Verwerfungen führen.<br />

Allerdings übersteigt die Kerninflation (ohne<br />

Lebensmittel und Energie) mittlerweile die<br />

Gesamtinflation in den meisten Staaten der<br />

Region. Während die Unternehmensgewinne<br />

auf historischen Höchstständen notieren,<br />

ziehen auch die Reallöhne zum ersten Mal seit<br />

längerer Zeit wieder an. Sollten die Unternehmen<br />

darauf mit weiteren Preissteigerungen reagieren,<br />

könnte das zu einer Verstetigung der<br />

Inflation führen.<br />

Südosteuropa als Lichtblick für Österreichs<br />

Wirtschaft<br />

Angesichts eines Wachstums an oder unter<br />

der Nulllinie dürften Polen, Tschechien und Ungarn<br />

heuer keine Impulse für Österreichs Wirtschaft<br />

liefern. Die ansonsten so dynamischen<br />

Visegrád-Staaten fallen daher mit Ausnahme<br />

der leicht wachsenden Slowakei (0,8%) als<br />

Stütze für die heimische Konjunktur vorerst aus,<br />

auch wenn sie 2024 auf den Wachstumspfad<br />

zurückkehren dürften.<br />

Mehr Dynamik ist für Österreichs Wirtschaft hingegen<br />

in Südosteuropa zu erwarten. Vor allem<br />

Rumänien (2,5%), Kroatien (2,5%) und die Türkei<br />

(3,2%) wachsen im regionalen Vergleich<br />

stark. Auch am Westbalkan läuft es etwa in<br />

Montenegro (4,5%), Albanien (3,5%) oder<br />

Bosnien-Herzegowina (1,7%) vergleichsweise<br />

gut. „Trotz der insgesamt schwierigen Situation<br />

stützen die engen wirtschaftlichen Beziehungen<br />

Österreichs zu diesen Ländern die heimische<br />

Konjunktur und mildern so die aktuelle<br />

Wachstumsflaute“, resümiert Jovanović.<br />

Quelle: https://www.wiiw.ac.at/


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S88<br />

TRANSPORTLOGISTIK<br />

Werkbank der Welt<br />

verlängert sich.<br />

Südostasien als<br />

Produktionsbasis<br />

zunehmend attraktiv<br />

Es gibt zunehmend gute Gründe für Unternehmen<br />

ihre Produktion oder auch Verwaltung<br />

in die ASEAN-Staaten zu verlegen.<br />

Einerseits motivieren der Trend zur Lieferketten-Diversifizierung<br />

und der Handelstreit zwischen<br />

den USA und China zu diesem Schritt,<br />

anderseits bieten die ASEAN-Staaten viele<br />

Standortvorteile wie ein geringeres Lohnniveau<br />

und eine gute Infrastruktur. Besonders<br />

der Einstieg in Singapur kann sich lohnen,<br />

der durch verschiedenste Programme<br />

sogar gefördert wird.<br />

REDAKTION: DIRK RUPPIK<br />

DIRK RUPPIK<br />

Südostasien (SOA) positioniert sich zunehmend<br />

als Alternative zum Produktionsstandort<br />

China und als Zentrum für<br />

globale Wertschöpfungsketten. Ein Beleg<br />

dafür ist, dass immer mehr Firmen Ihre Produktion<br />

vom Land der Mitte nach Südostasien<br />

verlegen. Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts<br />

Gartner in 2020 will ein Drittel der befragten<br />

Unternehmen bis Ende <strong>2023</strong> zumindest<br />

einen Teil seiner Produktion aus China abziehen.<br />

Beispiele sind Firmen wie Stanley Black &<br />

Decker, Dell, HP, Haspro, Samsung, Puma und<br />

Kia Motors. Samsung hat bereits seine Smartphone-Produktion<br />

in 2019 in Huizhou, China<br />

geschlossen. Zudem stellte das koreanische<br />

Unternehmen seine Computer-Produktion<br />

in 2022 in Suzhou ein. Als Hauptgrund wurde<br />

der sich verschärfende Handelskrieg zwischen<br />

China und den USA angegeben. Allerdings<br />

hat das Tech-Unternehmen in den letzten Jahre<br />

bereits einen erheblichen Teil seiner Produktion<br />

nach Vietnam verlagert und mehrere Produktionsstätten<br />

eröffnet, darunter eine in der<br />

Provinz Bac Ninh und eine in der Provinz Thai<br />

Nguyen. Dort werden verschiedene elektro-


nische Produkte wie Smartphones, Fernseher<br />

und andere elektronische Geräte hergestellt.<br />

Laut Samsung waren besonders die günstigeren<br />

Arbeitskosten, das Potenzial an gut ausgebildeten<br />

Fachkräften und die guten Wirtschaftsbedingungen<br />

dafür entscheidend. Das<br />

Investment des Elektronikindustrie-Giganten<br />

in Vietnam beläuft sich mittlerweile auf mehr<br />

als 20 Milliarden US-Dollar (rund 19 Milliarden<br />

Euro).<br />

Auch der deutsche Sportartikelhersteller Puma<br />

fertigt immer mehr seiner Produkte in Bangladesch,<br />

Kambodscha, Indonesien und Vietnam.<br />

Ein Grund dafür sind die von den USA<br />

für chinesische Produkte verhängten Importzölle.<br />

China und die USA haben sich gegenseitig<br />

im Handelskrieg seit 2018 mit Strafzöllen<br />

überzogen. Die USA verhängt z. B. Importzölle<br />

von zusätzlich 25 Prozent auf verschiedene<br />

Produkte chinesischen Ursprungs als Ausgleich<br />

für Verstöße gegen geistige Eigentumsrechte<br />

und erzwungenem Technologietransfer. Rund<br />

40 Prozent aller Puma-Sportschuhe werden<br />

mittlerweile in Vietnam gefertigt. Auch andere<br />

Sportartikelhersteller wie Nike schwören zunehmend<br />

auf Vietnam. Über 50 Prozent aller<br />

Produkte des Unternehmens werden bereits<br />

in der sozialistischen Republik gefertigt. Nike<br />

schätzt vor allem die gut ausgebildeten Arbeitnehmer<br />

und die Arbeitsmoral der Vietnamesen.<br />

Malaysia mausert sich zunehmend zum Computerchip-Hub<br />

in SOA. Der US-amerikanische<br />

Chip-Hersteller Intel investiert sieben Milliarden<br />

US-Dollar (6,65 Milliarden Euro) in eine Chip-Fabrik<br />

in Kulim, Kedah. Die Fabrik soll in 2024 eröffnet<br />

werden und dabei helfen, den weltweiten<br />

Mangel an Computerchips auszugleichen.<br />

In unmittelbarer Nachbarschaft baut Infinion<br />

eine Fabrik für Leistungshalbleiter im Wert von<br />

1,61 Milliarden Euro, die im dritten Quartal 2024<br />

eröffnet werden soll. Die Malaysia Investment<br />

Development Authority (MIDA) will das südostasiatische<br />

Land zu einem Bedeutenden Produzenten<br />

für Halbleiter innerhalb der globalen<br />

Wertschöpfungsketten etablieren. Die USA<br />

und ihre Verbündeten wollen unbedingt die<br />

Entwicklung der chinesischen Halbleiter- und


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S90<br />

Computerchip-Industrie behindern und alternative<br />

Fertigungsstädten in anderen Ländern<br />

und den USA aufbauen. Die Biden-Regierung<br />

hat neue Regeln im Namen der nationalen<br />

Sicherheit erlassen, die US-amerikanische Firmen<br />

an weiteren Investments in die Computerchip-Fertigung<br />

in China hindern soll (3).<br />

Gute Gründe für Unternehmen nach SOA zu<br />

wechseln<br />

Neben dem US-Handelskrieg und den Auswirkungen<br />

der Corona-Pandemie mit der<br />

Notwendigkeit der Diversifizierung von Lieferketten,<br />

existieren viele andere Gründe für Unternehmen<br />

ihre Produktion von China in die<br />

ASEAN-Staaten (Brunei, Kambodscha, Indonesien,<br />

Laos, Malaysia, Myanmar, die Philippinen,<br />

Singapur, Thailand und Vietnam) zu verlagern.<br />

In den letzten Jahren sind die Lohnkosten in<br />

China stark gestiegen (2) während sie in den<br />

meisten ASEAN-Staaten noch niedrig liegen.<br />

Die Vorteile der südostasiatischen Staaten sind<br />

insbesondere die Nähe zu China und anderen<br />

wichtigen Märkten wie Indien und Australien.<br />

Zudem wurden viele Freihandelsabkommen<br />

u. a. mit China, Japan, Korea, Australien<br />

und innerhalb der ASEAN-Staaten (ASEAN<br />

Freihandelsabkommen (AFTA)) geschlossen.<br />

Das ASEAN-China-Freihandelsabkommen (3)<br />

fördert seit 1. Januar 2010 den Handel zwischen<br />

ASEAN und China und hat zu einer enormen<br />

Steigerung des Handelsvolumens geführt. Viele<br />

ASEAN-Länder haben in den letzten Jahren<br />

erhebliche Investitionen in ihre Infrastruktur getätigt,<br />

um die Handels- und Logistikverbindungen<br />

zu verbessern. Dies umfasst den Ausbau<br />

von Häfen, Flughäfen, Straßen- und Schienennetzen<br />

sowie die Entwicklung von Sonderwirtschaftszonen.<br />

Die ASEAN-Staaten sind natürlich<br />

nicht homogen in ihrer Wirtschaftsleistung<br />

und den genannten Faktoren. Daher sollten<br />

Unternehmen sich genau mit dem jeweiligen<br />

Land und den Standortfaktoren beschäftigen.<br />

Die Freihandelsabkommen haben große Auswirkungen<br />

auch für deutsche Unternehmen,<br />

da nur Firmen, die eine lokale Wertschöpfung<br />

von 40 Prozent erzielen von der vereinbarten<br />

Reduktion der Einfuhrzölle profitieren. Einerseits<br />

wurden die Beschaffungskosten für Rohstoffe<br />

und Vormaterialien aus China für Produktionsaktivitäten<br />

in ASEAN gesenkt und anderseits<br />

können in den ASEAN hergestellte Waren seit<br />

2010 günstiger nach China exportiert werden.<br />

Singapur ist wichtigster Exportmarkt und Regionalstandort<br />

in den ASEAN<br />

Singapur gilt traditionell als Einstiegsland für<br />

deutsche Unternehmen in Südostasien. Im<br />

Stadtstaat waren in 2022 laut GTAI rund 2000<br />

deutsche Unternehmen registriert. Die Löwenstadt<br />

wird häufig als Sprungbrett für den umliegenden<br />

südostasiatischen Markt, Australien<br />

und Neuseeland genutzt. Einige Firmen steuern<br />

von Singapur aus auch ihre Geschäfte in Südasien,<br />

dem Mittleren Osten oder sogar weltweit<br />

(4). Laut dem Geschäftsführer der Auslandshandelskammer<br />

Singapur Dr. Tim Philippi lohnt<br />

sich eine Niederlassung in Singapur besonders,<br />

wenn man nicht nur ein Land in den ASE-<br />

AN im Auge hat, sondern die ganze Region.<br />

Deutsche und österreichische Unternehmen<br />

können via Singapur in neue Infrastrukturprojekte<br />

im ASEAN-Raum einsteigen. Dabei existieren<br />

verschiedenste Möglichkeiten für die<br />

Finanzierung. Mit Hilfe der Konnektivitätsinitiative<br />

Global Gateway will die EU Schwellen- und<br />

Entwicklungsländern helfen, ihre Infrastruktur<br />

nachhaltig auszubauen. Weiterhin existieren<br />

im Stadtstaat viele Holdings die Projekte von<br />

Betreiberfirmen in den ASEAN finanzieren. Im<br />

Februar 2022 wurde die South East Asia Manufacturing<br />

Alliance des The Singapore Economic<br />

Development Board (EDB) and Enterprise<br />

Singapore (ESG) gestartet. Durch die Initiative<br />

sollen ausländische Unternehmen ihre Fertigung<br />

in Industrieparks etablieren, die Singapur<br />

in verschiedenen südostasiatischen Staaten<br />

betreibt. Dadurch erhalten auch deutsche<br />

und österreichische Firmen die Möglichkeit<br />

eine Produktionsstelle in SOA zu unterhalten.<br />

Durch die South East Asia Manufacturing Alliance<br />

erhalten interessierte Unternehmen eine<br />

stärkere Rechtssicherheit und Transparenz sowie<br />

eine langjährige Expertise und Vernetzung<br />

mit ASEAN-Staaten.<br />

Literatur<br />

1) U.S. Issues Final Rules to Keep Chip Funds<br />

Out of China, Ana Swanson, 22.09.<strong>2023</strong>, New<br />

York Times<br />

2) China Monatliches Einkommen, CEIC DATA<br />

3) China-ASEAN – Attraktive Perspektiven, Mathias<br />

Müller, Rödl & Partner<br />

4) Hub Singapur: Deutsche Spezialtechnik für<br />

Südostasien, Marcus Hernig, 10.03.2022 Germany<br />

Trade & Invest (GTAI)


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LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S92<br />

WIRTSCHAFT POLITIK<br />

Deutschland steigt ab!<br />

Deutschland - ein Land im Niedergang.<br />

Man kann es nicht länger schönreden oder<br />

ignorieren. Egal ob Außenpolitik, Wachstum,<br />

Wirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit oder<br />

Investitionen - überall haben wir den Rückwärtsgang<br />

eingelegt und verlieren den Anschluß.<br />

BEITRAG: MARC FRIEDRICH<br />

Es ist nicht übertrieben, wenn man die<br />

Situation als besorgniserregend beschreibt.<br />

Repräsentativ für den Gesamtzustand<br />

des Landes steht auch<br />

der deutsche Sport: egal ob Leichtathletik<br />

oder Fußball - überall sind wir nicht mehr Spitze.<br />

Dasselbe droht auch „Made in Germany“:<br />

Deutschland droht abzusteigen. Nein, Deutschland<br />

steigt schon ab! Im internationalen Ranking<br />

der Wettbewerbsfähigkeit stürzt Deutschland<br />

um sieben Plätze auf Rang 22 zurück.<br />

Die politischen Fehlentscheidungen der letzten<br />

Jahre machen sich nun immer mehr bemerkbar.<br />

Auf der einen Seite ist die langsame<br />

Bürokratie eine Investitionsbremse für Firmen<br />

und Gründer, auf der anderen Seite die mangelnde<br />

Planungssicherheit und hohen Abgaben<br />

und Steuern. Immer mehr Unternehmen<br />

und auch Bürger verlassen das Land. Und zu<br />

guter Letzt krönt eine schlechte Demographie<br />

und der Fachkräftemangel den Abstieg.<br />

Adieu, 1. Liga!<br />

Die politischen Fehlentscheidungen, erst der<br />

Merkel Ära und nun der Ampelregierung, machen<br />

sich nun peu à peu bemerkbar. Selbst<br />

Außenministerin Baerbock muss sich eingestehen:<br />

Die Sanktionen gegen Russland wirken<br />

nicht wie erhofft - wenn dann nur gegen uns<br />

selbst, denn Russland wächst dieses Jahr um<br />

1,5% während Deutschland in der Rezession ist<br />

und um 0,3% schrumpft.<br />

MARC FRIEDRICH<br />

Durch den weltweit höchsten Strompreis<br />

sind viele Industriezweige in Deutschland<br />

nicht mehr wettbewerbsfähig. Immer mehr<br />

qualifizierte Arbeitskräfte und Unternehmen<br />

zieht es auf der Suche nach einer planbareren<br />

und glücklicheren Zukunft in andere<br />

Länder. Ausländische Investoren bleiben in<br />

diesem unsicheren Terrain fern oder können<br />

nur mit Milliarden Steuersubventionen<br />

angelockt werden wie z.B. Intel und TSMC.<br />

Das dieses technisch ausgebauten Erfolges<br />

teuer erkauft würde, wird schulterzuckend<br />

hingenommen. Aber eine Million Euro (Intel)<br />

oder gar die 2,5 Millionen Euro pro Arbeitsplatz<br />

bei TSMC sind sicherlich kein Schnapper.<br />

Parallel steigt die Insolvenzquote auf ein Siebenjahreshoch.<br />

Die Gründe: die gestiegenen<br />

Zinsen lassen nun die Zombies umkippen und<br />

die Unternehmen sind u.a. wegen den hohen


Energiepreisen nicht mehr wettbewerbsfähig.<br />

Schlagzeilen wie „Schock in Uhingen: Auto–<br />

Zulieferer Allgaier ist bankrott“ oder „Insolvenzen:<br />

Erst die Weck–Gläser, jetzt der Römertopf“<br />

dürfte niemanden mehr überraschen.<br />

uns geht es doch vergleichsweise gut. Doch<br />

weit gefehlt!<br />

Der Wohlstand Deutschlands den wir nicht<br />

mehren, sondern von ihm zehren, wurde in der<br />

Zeit des Wirtschaftswunders hart erarbeitet und<br />

wird nun innerhalb weniger Jahre durch eine<br />

undurchdachte Politik verbraten. Nach einem<br />

Ranking des Lausanner Research–Instituts fällt<br />

Deutschland im internationalen Vergleich<br />

um sieben Plätze ab und kommt nur noch<br />

auf den 22. Rang. Zweitklassigkeit. Vor uns<br />

liegen unter anderem natürlich die Schweiz,<br />

die skandinavischen Länder und Irland.<br />

Alles Nationen die vor allem durch niedrigere<br />

Steuern, eine bessere Infrastruktur und erfolgreichere<br />

Digitalisierung die Nase vorn haben.<br />

Für die Bewertung wurden des Weiteren<br />

die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des<br />

Landes und die Effizienz des Staates verglichen.<br />

Als Gründe für den Abstieg werden<br />

zum Beispiel zu hohen Strompreisen und<br />

eine starke Inflation genannt. Erstaunlich ist<br />

auch, dass Deutschlands Haltung – immer<br />

auf die Außenwirkung und die Vermittlung<br />

des eigenen Weltbilds, mittels moralischer<br />

Zeigefinger, bedacht – scheinbar im Ausland<br />

nicht besonders großen Anklang findet.<br />

In der Kategorie „Werte und Haltungen“<br />

bedeutet das nur noch Platz 44. Dieser<br />

Abstieg Deutschlands lässt sich auch<br />

an den Baugenehmigungen ablesen.<br />

–31,9% im Vergleich zum Vorjahresmonat.<br />

Überraschen dürfte das nicht. Durch die hohe<br />

Inflation und steigenden Bauzinsen wird das<br />

Eigenheim für viele Bürger unbezahlbar. Das<br />

spiegelt sich auch in den Statistiken wider. Zumindest<br />

bei den Steuern bleibt Deutschland<br />

aber erstklassig. Bereits 2021 schrieb das Handelsblatt,<br />

in Bezugnahme auf eine OECD–Studie:<br />

„In keinem anderen Land müssen Arbeitnehmer<br />

so hohe Steuern und Abgaben zahlen<br />

wie in der Bundesrepublik. Und anders als oft<br />

behauptet werden auch Familien kräftig zur<br />

Kasse gebeten.“<br />

Dieses dürfte wohl einer der Hauptgründe sein,<br />

warum vor allem Fachkräfte aus Deutschland<br />

auswandern. Das bestätigt ein Artikel des<br />

MDR, in welchem eine Studie des BiB angeführt<br />

wird. Hier heißt es: „Aber wer sind die<br />

Menschen, die Deutschland verlassen? In der<br />

Mehrheit gehen hoch qualifizierte Fachkräfte:<br />

Fast drei Viertel von ihnen haben ein Studium<br />

abgeschlossen.“<br />

Es beginnt eine Negativspirale, denn je weniger<br />

Fachkräfte es in einem Land gibt, desto<br />

unattraktiver ist der Wirtschaftsstandort auch<br />

für ausländische Unternehmen. In der Folge<br />

fehlen dem Land Steuereinnahmen um in die<br />

Infrastruktur zu investieren. Man könnte diese<br />

Ereigniskette noch viel detaillierter fortsetzen.<br />

Aber es zeigt sich schon jetzt, dass die Investitionen<br />

in die deutsche Wirtschaft massiv<br />

zurückgehen. Wir sehen eine „schleichende<br />

Investitionsflucht“: 2022 flossen 132 Milliarden<br />

US-Dollar mehr Direktinvestitionen ab, als in<br />

Deutschland investiert wurden. Unter 46 Staaten<br />

war das der stärkste Abfluss. Das geht aus<br />

einer Studie des arbeitgebernahen Instituts<br />

der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.


LOGISTIK express 4/<strong>2023</strong> | S94<br />

Marc Friedrich ist<br />

SPIEGEL Bestsellerautor,<br />

Finanzexperte, gefragter<br />

Redner, Vordenker, Freigeist<br />

und Honorarberater.<br />

Mehr Informationen:<br />

www.friedrich-partner.de<br />

www.marc-friedrich.de<br />

Twitter und Instagram:<br />

Fakt ist: Sinkende Wettbewerbsfähigkeit,<br />

schrumpfende Produktivität, immer weniger<br />

Investitionen in den Standort Deutschland,<br />

was zu steigenden Arbeitslosenzahlen und<br />

sinkenden Steuereinnahmen führt und insgesamt<br />

zu einem Wohlstandsverlust. Eine fatale<br />

Abwärtsspirale mit gigantischen Kollateralschäden<br />

für unser Sozial- und Rentensystem.<br />

Lösungsvorschläge für den Wiederaufstieg in<br />

die 1. Liga - Baustellen sind viele.<br />

Ein Hauptproblem ist die Energie. Wir sollten<br />

die Energiewende auf den Prüfstand stellen<br />

und ggf. stoppen/verschieben, um damit<br />

die Unsicherheit zu nehmen. Acht Atomkraftwerke<br />

könnten zeitnah wieder ans Netz angeschlossen<br />

werden und so emissionsfreien<br />

und sicher, planbaren Strom erzeugen.<br />

Das sollte schnellstens umgesetzt werden.<br />

Wir könnten uns wieder autark machen und<br />

für den Übergang die Kohle- und Gasförderung<br />

reaktivieren. Selbst Öl haben wir in der<br />

Nordsee und in Norddeutschland. Parallel<br />

brauchen wir eine bessere Familien- und Kinderpolitik<br />

sowie Bildung, um die negative Demographie<br />

zu stoppen. Hierfür benötigt es 2,1<br />

Kinder pro Familie.<br />

Zudem braucht es eine gezielte Einwanderung<br />

und wir müssen die Bürokratie massiv abbauen<br />

und gründerfreundlicher werden. Apropos<br />

Abbau: Auch die Staatsquote muss abgebaut<br />

werden und endlich einen schlanken digitalen<br />

Staat implementieren. Auch Steuersenkungen<br />

würde der Standort Deutschland sowohl<br />

für Fachkräfte, als auch für Unternehmen<br />

wieder attraktiver machen. So bliebe den arbeitenden<br />

Bürgern am Ende des Monats mehr<br />

Geld für Konsum oder eigene Investitionen.<br />

Und auch Unternehmen könnten dann mehr<br />

Investitionen in Digitalisierung und in die Ausbildung<br />

von Fachkräften stecken. Eine Mammutaufgabe<br />

ist auch eine Steuerreform.<br />

Hier fordere ich schon lange, dass wir alle 39<br />

Steuern abschaffen und lediglich eine höhere<br />

Mehrwertsteuer einführen, so dass wir unsere<br />

Steuererklärung jedesmal kostenlos abgeben,<br />

wenn wir bezahlen. Der nette Nebeneffekt:<br />

Wir würden nicht nur Steuerberater und<br />

Papier sparen sondern auch Finanzbeamte.<br />

Die Frage ist: Sind wir bereit neue Wege zu beschreiten<br />

und am alten zu rütteln? Die Vergangenheit<br />

zeigt leider, dass es immer erst schlimmer<br />

werden muss, bevor man am Status Quo<br />

was ändert.<br />

Aber Fakt ist: Nur wenn wir jetzt tatsächlich<br />

einen radikalen Paradigmenwechsel<br />

einläuten kann Deutschland prosperieren<br />

und wieder in die erste Liga aufsteigen. lich<br />

eine höhere Mehrwertsteuer einführen, so<br />

dass wir unsere Steuererklärung jedesmal<br />

kostenlos abgeben, wenn wir bezahlen.<br />

Der nette Nebeneffekt: Wir würden nicht nur<br />

Steuerberater und Papier sparen sondern<br />

auch Finanzbeamte.<br />

Die Frage ist: Sind wir bereit neue Wege zu<br />

beschreiten und am alten zu rütteln? Die Vergangenheit<br />

zeigt leider, dass es immer erst<br />

schlimmer werden muss, bevor man am Status<br />

Quo was ändert. Aber Fakt ist: Nur wenn wir<br />

jetzt tatsächlich einen radikalen Paradigmenwechsel<br />

einläuten kann Deutschland prosperieren<br />

und wieder in die erste Liga aufsteigen.<br />

(RED)


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