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EBOOK Josef Strauss

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JOSEF STRAUSS<br />

(1827–1870)<br />

SECHS LIEDER<br />

für eine Singstimme und Klavier<br />

Partitur und Kritischer Bericht<br />

I<br />

Herausgegeben von<br />

GÜNTER STUMMVOLL<br />

Zentrum für Angewandte Musikforschung,<br />

Universität für Weiterbildung Krems


Sechs Lieder für eine Singstimme und Klavier


<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong><br />

(1827–1870)<br />

Sechs Lieder für eine<br />

Singstimme und Klavier<br />

Partitur und Kritischer Bericht<br />

Herausgegeben von<br />

Günter Stummvoll<br />

(Zentrum für Angewandte Musikforschung,<br />

Universität für Weiterbildung Krems)


Diese Publikation entstand im Rahmen des Projekts<br />

„Die Lieder von <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870):<br />

Quellen, Überlieferung, Rezeption“ (Projektleitung: Günter Stummvoll)<br />

der Universität für Weiterbildung Krems,<br />

gefördert mit Mitteln der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich.<br />

Günter Stummvoll, Zentrum für Angewandte Musikforschung, Universität für Weiterbildung Krems (Hg.)<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870). Sechs Lieder für eine Singstimme und Klavier<br />

Partitur und Kritischer Bericht<br />

Wien, Hollitzer Verlag 2023<br />

Lektorat: Norbert Rubey<br />

(Wiener Institut für <strong>Strauss</strong>-Forschung)<br />

Lektorat Notenlayout: Ines Schüttengruber<br />

(Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)<br />

Englisch-Lektorat: Carl Philipp Hoffmann<br />

(Zentrum für Bildwissenschaften, Universität für Weiterbildung Krems)<br />

Coverbild: © Antonia Stangl<br />

Covergestaltung und Satz: Nikola Stevanović<br />

Hergestellt in der EU<br />

Alle Rechte vorbehalten<br />

© Hollitzer Verlag, 2023<br />

www.hollitzer.at<br />

ISBN 978-3-99094-142-3<br />

ISMN 979-0-50270-027-0


INHALT / CONTENTS<br />

Vorwort 9<br />

Die Liedtexte 10<br />

Preface 12<br />

Partitur 17<br />

Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände 17<br />

Der Bettler 18<br />

Elegie 21<br />

Meineid 27<br />

Der Todtengräber 34<br />

Nachtgebeth 47<br />

Kritischer Bericht 51


7<br />

Vorwort<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870): Sechs Lieder für eine Singstimme und Klavier<br />

Und rüstig gräbt er weiter dann,<br />

schlägt schnell den Spaten in die Scholle,<br />

als eilte er dem Tod voran,<br />

der für dies Grab sein Opfer wolle.<br />

Und wie er gräbt so emsig d’rauf,<br />

so lassen seine Kräfte ab.<br />

Es hören seine Schläge auf<br />

und sterbend sinkt er in das Grab.<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> – Der Todtengräber<br />

Anders als sein älterer Bruder Johann blieb <strong>Josef</strong><br />

<strong>Strauss</strong> in seinen rund 300 verlegten Werken der<br />

Instrumentalmusik stets treu: Walzer, Polkas,<br />

Märsche, Quadrillen wurden primär für symphonisches<br />

Orchester komponiert. Unter seinem<br />

Namen zirkulierende Arien, Couplets, wie auch<br />

eine ganze Operette enthalten lediglich das von<br />

ihm erdachte (instrumentale) Notenmaterial. Die<br />

wenigen Vokalwerke, bei denen von einer originären<br />

Autorenschaft ausgegangen werden kann,<br />

divergieren davon deutlich 1 : Überliefert sind<br />

sechs Lieder für Singstimme und Klavier, die sich<br />

so gar nicht ins Œuvre von <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> einreihen<br />

lassen. Fünf davon werden in autographer Form<br />

in der Wienbibliothek aufbewahrt: Elegie, Meineid,<br />

Der Todtengräber, Nachtgebeth 2 und Der Bettler 3 .<br />

Lediglich das sechste Lied, Wenn ein Kindlein faltet<br />

fromm die Hände, erschien 1866 im Oesterreichischen<br />

Volkskalender 4 . In diesen Versuchen, zur zeitgenössischen<br />

Kunstmusik beizutragen, zeigt der<br />

Komponist <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> seine ernste, aber auch<br />

schwermütige und religiöse Seite. 5<br />

1 Für eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem<br />

Liedgut von <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> siehe: Monika Fink/Günter<br />

Stummvoll: „Die Lieder von <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>“, in: Neues<br />

Leben 68 (2023/1), S. 88–96.<br />

2 Die Lieder sind im Konvolut überliefert. <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>:<br />

I. Elegie, II. Meineid, Der Todtengräber, Nachtgebeth, [Lieder<br />

für Klavier und Singstimme] Wienbibliothek im<br />

Rathaus, MHc-13227.<br />

3 <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>: Der Bettler, [Lied für Klavier und eine<br />

Singstimme] Wienbibliothek im Rathaus, MHc-14285.<br />

4 <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>: «Wenn ein Kindlein faltet fromm die<br />

Hände», in: Oesterreichischer Volkskalender 1866, S. 87–89,<br />

Österreichische Nationalbibliothek, 390093_B.1866.<br />

5 Als Vokalwerke listet Wolfgang Dörner in seinem<br />

Chronologisch-thematischen Werkverzeichnis darüber hin-<br />

Mangels Datierung lässt sich der Entstehungszeitraum<br />

der Lieder nur eingrenzen: Erstens sind<br />

sie auf <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’ eigenhändig geschriebener<br />

Liste unveröffentlichter Werke 6 zu finden. Spätere<br />

dort verzeichnete Werke entstanden um<br />

1865, was die Lieder zumindest in den Zeitraum<br />

davor rückt. Zweitens wird in diversen<br />

Biographien tradiert, dass sich <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> vor<br />

seiner aktiven Zeit als Komponist musikalisch<br />

hauptsächlich mit dem Klavier beschäftigt hat. 7<br />

Drittens könnte auch die stilistische Entwicklung<br />

Aufschluss geben: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> zeigt in<br />

seinen Liedern Harmonik mit Hang zur Dramatik,<br />

gewiss beeinflusst von der musikalischen<br />

Avantgarde seiner Zeit. Hie und da geraten seine<br />

Wendungen jedoch etwas abrupt und lassen die<br />

Eleganz späterer Werke vermissen, was sich in<br />

drastischen Dynamikwechseln und überraschend<br />

kontrastierenden Abschnitten zeigt. Gelegentlich<br />

wirken Rückungen und Modulationen<br />

regelrecht experimentell. Denkbar ist daher ein<br />

Zusammenhang mit <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’ Unterricht in<br />

aus noch An die Nacht, Tongemälde, eine Ode für Männerchor<br />

und Orchester sowie Das Blümchen von Proch,<br />

vermutlich ein Lied für Frauenstimme, auf. Beide<br />

Werke gelten als verschollen bzw. mit unbekanntem<br />

Aufbewahrungsort. Wolfgang Dörner: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>.<br />

Chronologisch-thematisches Werkverzeichnis, Wien/Köln/<br />

Weimar: Böhlau 2021, S. 447 u. 465.<br />

6 Dort wird unter Pkt. 1 „Der Bettler. [Otto] Prechtler“<br />

angeführt. Unter Pkt. 4 „Elegie (4 Lieder) f[ür] Ges[an]g<br />

& Cl[avier]“ angeführt. Vgl.: Aufstellung, der gesamten<br />

Manuscripte nicht edierter Compositionen von <strong>Josef</strong> Strauß,<br />

Wienbibliothek im Rathaus, H.I.N.-50102.<br />

7 Otto Brusatti/Isabella Sommer: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–<br />

1870). Delirien und Sphärenklänge, Wien: Holzhausen<br />

2003, S. 16 f.


8<br />

Tonsatz und Komposition, den er bis 1857 bei<br />

Franz Dolleschal, einem Wiener Musikschullehrer,<br />

absolvierte. Dolleschal stellte <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong><br />

am 16. März 1857 ein Prüfungszeugnis aus. 8<br />

Letztlich soll auf die Gestalt der Quellen hingewiesen<br />

werden: Die vier im Konvolut überlieferten<br />

Lieder sind auf schmuckem Notenpapier<br />

mit Zierrahmen geschrieben und befanden sich<br />

später im Besitz von <strong>Josef</strong>s Frau Caroline. Möglicherweise<br />

handelte es sich um ein Geschenk zur<br />

Hochzeit, die knapp drei Monate nach Vollendung<br />

der Tonsatz-Studien stattfand.<br />

Aufgrund der früheren Veröffentlichung des<br />

Textes zum Bettler und der sich von den restlichen<br />

Liedern unterscheidenden Gestalt wird<br />

für dieses Lied eine Entstehungszeit um 1850<br />

angenommen. Die vier anderen, handschriftlich<br />

überlieferten Lieder entstanden vermutlich Mitte<br />

der 1850er Jahre, wobei einiges auf das Jahr<br />

1857 hinweist. Wenn ein Kindlein faltet fromm die<br />

Hände wurde in einem Kalender für das Jahr<br />

1866 veröffentlicht und muss somit spätestens<br />

1865 entstanden sein.<br />

Zur Überlieferungsgeschichte: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’<br />

musikalischer Nachlass ging zum Großteil an<br />

seinen Bruder Eduard; als Nachlassverwalterin<br />

wirkte <strong>Josef</strong>s Witwe Caroline. 9 Die Manu skripte<br />

der Lieder können sich jedoch nicht in diesem<br />

Nachlass befunden haben: Erstens wären sie<br />

sonst 1907 – wie das restliche <strong>Strauss</strong>’sche Musikarchiv<br />

– ein Raub der Flammen geworden. 10<br />

Zweitens wäre es <strong>Josef</strong>s Tochter Karoline Anna,<br />

verh. Aigner, dann nicht möglich gewesen, die<br />

Lieder zu veräußern. Am 9. Juni 1910 verkaufte<br />

sie die fünf Lieder-Autographe unter Aufgabe<br />

aller Rechte für 120 Kronen an <strong>Josef</strong> Simon,<br />

dem Schwager von Adele <strong>Strauss</strong>. 11 Dessen musika-<br />

8 Ludwig Eisenberg: Johann <strong>Strauss</strong>. Ein Lebensbild, Leipzig:<br />

Breitkopf und Härtel 1894, S. 93.<br />

9 Übereinkommen zwischen Eduard u. Lina <strong>Strauss</strong>,<br />

Wien, 15. Sept. 1871, Wienbibliothek im Rathaus,<br />

H.I.N.-201903.<br />

10 Leigh Bailey: „Die Verbrennung des <strong>Strauss</strong>schen<br />

Notenarchivs“, in: Neues Leben 53 (2016/3), S. 48–54.<br />

11 Verkaufsvertrag über fünf Originalkompositionen von <strong>Josef</strong><br />

Strauß an <strong>Josef</strong> Simon [zwischen Lina Aigner und <strong>Josef</strong><br />

Simon] vom 9.6.[1910], Wienbibliothek im Rathaus,<br />

H.I.N.-201824.<br />

lischer Nachlass ging wiederum an die Wienbibliothek<br />

im Rathaus, wo die Autographe aufbewahrt<br />

werden.<br />

Für eine öffentliche Aufführung der Lieder zu<br />

Lebzeiten <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’ gibt es keine Belege.<br />

Aufgrund der Abnutzungserscheinungen der<br />

Quellen ist eine Verwendung im kleinen Kreis<br />

aber wahrscheinlich. Auch eine Orchesterfassung,<br />

die etwa die <strong>Strauss</strong>-Kapelle gespielt haben<br />

könnte, ist nicht belegt. Das ca. 1901 von Eduard<br />

<strong>Strauss</strong> verfasste „Concert-Repertoire“ enthält<br />

jedenfalls keine Hinweise. 12 In dieser Werkliste<br />

befinden sich neben den Kompositionen der<br />

<strong>Strauss</strong>-Familie eine Reihe von Liedern diverser<br />

Komponisten (in Bearbeitung für Orchester aber<br />

auch als Klavierauszug).<br />

In den vergangenen Jahrzehnten bemühen sich<br />

vor allem <strong>Strauss</strong>-Liebhaber*innen gelegentlich<br />

um öffentliche Darbietungen. 13 Nachtgebeth, Der<br />

Bettler und Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände<br />

wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts<br />

des Zentrums für Angewandte Musikforschung<br />

der Universität für Weiterbildung Krems zum<br />

150. Gedenkjahr von <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> im Jahr 2020<br />

erneut aufgenommen. 14 Nun können die Lieder<br />

in einer historisch-kritischen Edition wieder ihrem<br />

ursprünglichen Nutzen gerecht werden – im<br />

hausmusikalischen Rahmen oder vielleicht auch<br />

auf größerer Bühne.<br />

12 Concert-Repertoire der bestandenen Kapelle des Eduard<br />

<strong>Strauss</strong> kaiserl. und königl. Hofball-Musik-Director a. D.<br />

(in das Privatleben zurückgetreten im März 1901), Wien<br />

[1901], Wienbibliothek im Rathaus, A-108537.<br />

13 Verbrieft ist eine Aufführung im Rahmen eines Konzerts<br />

des Konservatoriums der Stadt Wien (heute: Musik<br />

und Kunst Privatuniversität) 1988. 2008 wurden alle sechs<br />

Lieder in Stockholm aufgeführt und auf CD gebannt.<br />

Siehe: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>: Lieder – Klavierwerke, CD, Svenska<br />

<strong>Strauss</strong>-Sällskapet 2012.<br />

14 Die Lieder sind auf YouTube frei zugänglich verfügbar:<br />

https://www.youtube.com/playlist?list=PLRGs-<br />

Ist386K-TTEecIjizZfzht6EdX9KQ, letzter Zugriff:<br />

06.07.2023.


9<br />

Liedtexte und ihre Dichter<br />

Die Texte zu <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’ Liedern stammen teils<br />

aus des Komponisten Feder (Elegie, Meineid, Der<br />

Todtengräber), teils von zeitgenössischen Dichtern.<br />

Nach <strong>Strauss</strong>’ autographen Angaben wurde<br />

das Nachtgebeth von Johann Nepomuk Vogl<br />

verfasst, während Der Bettler von Otto Prechtler<br />

stammt. Der Volkskalender nennt August Silberstein<br />

als Autor von Wenn ein Kindlein faltet fromm<br />

die Hände.<br />

Johann Nepomuk Vogl (1802–1866) war hauptberuflich<br />

in der Kanzlei der niederösterreichischen<br />

Stände tätig. 1841 wurde er Redakteur<br />

des Österreichischen Morgenblattes, gab Almanache,<br />

Taschenbücher und Kalender heraus (1845<br />

etwa den Oesterreichischen Volkskalender). Vogl<br />

veröffentlichte unzählige Dichtungen – überwiegend<br />

Balladen und poetische Erzählungen.<br />

Viele seiner Lieder wurden vertont. 15 Während<br />

Vogl zu den bekannteren Dichtern seiner Zeit<br />

zählte, ist die Urheberschaft am Liedtext nur<br />

in der handschriftlichen Nennung von <strong>Strauss</strong><br />

auf seinen Notenblättern festzumachen. In der<br />

Gesamtausgabe von Vogls lyrischem Schaffen ist<br />

das Nachtgebeth nicht auffindbar.<br />

Auch Otto Prechtler (1813–1881) war Beamter.<br />

1834 wurde er Franz Grillparzers Nachfolger<br />

in der Allgemeinen Hofkammer, 1856 Direktor<br />

des Hofkammerarchivs. Prechtler verfasste 38<br />

Opernlibretti, etliche Gedichtsammlungen und<br />

zahlreiche Dramen, die am Wiener Burgtheater<br />

aufgeführt wurden, außerdem schrieb er für die<br />

Wiener Zeitung. Auch wenn er als Bühnenautor<br />

heute kaum bekannt ist, zählte er zu den Berühmtheiten<br />

seiner Zeit. 16 Die als Liederkränzchen<br />

15 Irene Nawrocka: Art. „Vogl, Johann Nepomuk (1802–<br />

1866), Schriftsteller und Beamter“, in: Österreichisches<br />

Biographisches Lexikon, Verlag der Österreichischen Akademie<br />

der Wissenschaften 2018, DOI:10.1553/0x003a-<br />

0d5e, letzter Zugriff: 06.07.2023.<br />

16 Kurt Adel: Art. „Prechtler, Johann Otto (1813–1881),<br />

Schriftsteller und Beamter“, in: Österreichisches Biographisches<br />

Lexikon, Verlag der Österreichischen Akademie<br />

der Wissenschaften 1981, DOI:10.1553/0x00283a33,<br />

letzter Zugriff: 06.07.2023; außerdem: Hans Leo<br />

Mikoletzky: „Der Dichter und Archivar Otto Prechtler“,<br />

in: Der Archivar 26 (1973), S. 531 ff.<br />

bezeichnete Weinphilosophie wurde als Reihe in<br />

der Wiener allgemeine[n] Musik-Zeitung veröffentlicht,<br />

Der Bettler als dritte Nummer am 30. November<br />

1847. 17<br />

Zwischen August Silberstein (1827–1900) 18 und<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> gibt es mehrere Berührungspunkte:<br />

Silbersteins Novellensammlung, Dorfschwalben<br />

aus Österreich, erschienen 1862/63, inspirierte<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> zur Komposition seines gleichnamigen<br />

Walzers op. 164, den er auch „Dem Verfasser<br />

der gleichnamigen Novellen, Dr. August<br />

Silberstein“ 1864 widmete. 19 Zwei Jahre später<br />

erschien das Lied Wenn ein Kindlein faltet fromm die<br />

Hände auf einen Text von August Silberstein im<br />

Oesterreichischen Volkskalender, dessen leitender<br />

Redakteur Silberstein damals war. Silberstein<br />

hatte die Redaktion 1848 von Johann Nepomuk<br />

Vogl, dem Gründer der Publikation, übernommen.<br />

20 Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände<br />

erschien in Silbersteins Gedichtsammlung Mein<br />

Herz in Liedern. 21 Krems, August 2023<br />

Günter Stummvoll<br />

17 „Weinphilosophie. Liederkränzchen von Otto Prechtler,<br />

3. Der Bettler“, in: Wiener allgemeine Musik-Zeitung<br />

Nr. 143 vom 30. November 1847, S. 1.<br />

18 Elisabeth Lebensaft: Art. „Silberstein, August (1827–<br />

1900), Schriftsteller“, in: Österreichisches Biographisches<br />

Lexikon, Verlag der Österreichischen Akademie der<br />

Wissenschaften 2004, DOI:10.1553/0x00284a52, letzter<br />

Zugriff: 06.07.2023.<br />

19 Franz Mailer: Joseph Strauß, Genie wider Willen, Wien/<br />

München: Jugend und Volk 1977, S. 122.<br />

20 Lebensaft 2004, online.<br />

21 August Silberstein: Mein Herz in Liedern, Stuttgart:<br />

Karl Grüninger 1868.


10<br />

Die Liedtexte<br />

(Die Texte wurden behutsam an moderne Schreibweisen adaptiert.)<br />

Wenn ein Kindlein faltet<br />

fromm die Hände<br />

(August Silberstein)<br />

Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände<br />

und die Mutter lehrt ihm ein Gebet. Durch die<br />

Schöpfung bis zum fernsten Ende ein gar heilig<br />

süßes Schauern geht! Denn die Liebe zieht zur<br />

ew’gen Liebe und das Heil, es waltet Nacht und<br />

Tag. Ob gewährt, versagt das Flehen bliebe,<br />

Herz, sei still, wer weiß, was frommen mag!<br />

Der Bettler<br />

(Otto Prechtler)<br />

Geht vorüber! Geht zum Teufel! Denn am Weg<br />

hier ist mein Reich! Ich bin länger nicht im<br />

Zweifel. Wer da trank, ist allen gleich. Vielleicht<br />

noch d’rüber. Ich bin nichts! D’rum auch kein<br />

Schuft. Mich umkoset, mich mein Lieber, Gottes<br />

reine Frühlingsluft. Lässt man morgen mich verschmachten,<br />

fühl ich heut’ mein Schifflein flott.<br />

Kann die Welt so recht verachten! Armer Teufel<br />

und ein Gott.<br />

Elegie<br />

(<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>)<br />

Weinet und verhüllet euer Angesicht, denn ein<br />

Herz hat ausgeschlagen. Trauert alle, senkt eu’r<br />

gramerfüllt Gesicht und ergießt in Schmerz die<br />

Klagen. Ruft es nicht! Nein, ruft es nicht zurücke<br />

mehr. Wieder in den Weltenjammer schicket<br />

Schmerzenstränen ihm ins Sternenmeer. Freut<br />

euch, dass es dahin ging. Stilles Sehnen, stumme<br />

Schmerzen; nimmer ruhend, ewig nagend, ohne<br />

Hoffnung in dem Herzen, lieb- und freudlos! So,<br />

sein Wandel. Lieb- und freudlos. Bis des Lebens<br />

Quell versiegt. Harrte es im steten Bangen; gab,<br />

als ihm nicht Liebe blickte, sich dem Schöpfer<br />

selbst zurück. Ruhe sanft und still im Frieden.<br />

Banne schmerzliche Erinn’rung. Wenn dir hier<br />

kein Lohn beschieden, suche deinen Trost dort<br />

oben. Ruft es nicht! Nein, ruft es nicht zurücke<br />

mehr. Wieder in den Weltenjammer schicket<br />

Schmerzenstränen ihm ins Sternenmeer. Freut<br />

euch, dass es dahin ging. Durch das Leben ohne<br />

Liebe. Nur den Abgott stets verfolgend. Nicht<br />

mehr Herr dem Herzenstriebe. Kein Herz, das<br />

ihm Trost gebracht. Ruhe sanft und still im Grab.<br />

Meineid<br />

(<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>)<br />

Beim Herzen gelobet, mit Küssen besiegelt, mit<br />

Worten beteuert, mit Tränen beschwor’n, und<br />

wie der Himmel im Meere abspiegelt, so war ich<br />

zum himmlischen Dasein erkor’n. Ich liebte so<br />

innig, so treu und so wahr, ich hielt sie gefangen<br />

im blutenden Herzen, ich betete zu ihr. Mein<br />

Gott sie ja war. Ich stürzte mich gerne im Strome<br />

der Schmerzen. Der Mond, oft der stille Zeug’<br />

uns’res Glückes, verschwand vor der Sterne<br />

besäten Bogen. Mit ihm der Zauber, die Macht<br />

ihres Blickes, die Augen, die mir zugelächelt, die<br />

logen. Und treulos verlassen stand ich am Pfade,<br />

mit wunden Herzen, mit klaffenden Wunden<br />

belohnet, mit treulosem, schnöden Verrate, verfluchend,<br />

als sie nie geschworen die Stunde. Laut<br />

stöhnt’ ich die Klagen zum Himmel empor. Verdammt<br />

der Meineid, verflucht die Lüge. Kein<br />

Herz verdient Liebe mehr! Straft es mit Bann!<br />

Erstickt schon dies Gefühl in der Wiege. Beim<br />

Herzen gelobet mit Tränen beschwor’n, mit Tränen<br />

der Falschheit, der Lüge, des Scheins. Ach!<br />

Ein Herz in diesem Leben verloren und Liebe<br />

zurückgeben kann mir mehr wohl kein’s.


11<br />

Der Todtengräber<br />

(<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>)<br />

Nacht ist’s und Stille ringsumher. Der Mond<br />

blickt durch den Wolken Schlei’r, beleuchtet<br />

fahl das Totenmeer. Es heult der Wind durch das<br />

Gemäu’r. Da tritt nun aus dem Hintergrund der<br />

Totengräber; still und schweigend macht um die<br />

Gräber seine Rund’! Beim Heiland Kreuze sich<br />

verneigend und weiter schreitet er hinab bis zu<br />

des Totenackers Saum. Muss graben da ein frisches<br />

Grab. Dies liegt in seinem kühlen Raum.<br />

Und wie er gräbt, so lösen sich die Tränen von<br />

der bleichen Wang’. Blickt traurig summend hin<br />

vor sich; im Herzen wird ihm ängstlich bang.<br />

Da faltet zitternd er die Händ’, fällt auf die Knie<br />

und leise spricht er:<br />

„O Trost in dieses Herz mir send’, wenn von<br />

hier rufet mich der Richter. Ich bau’ der Toten<br />

Ruhestatt; ich schmücke die Erinn’rungssteine.<br />

Doch bin ich jenes Wandels satt. Ich will dies<br />

Grab. Es sei das meine. Aus den Palästen dahinein,<br />

aus ärmlich’ Hütten da hinab. Ob glücklich,<br />

reich, ob arm wir sei’n, uns deckt das gleiche<br />

Erdengrab. Und hast geliebt mit heißen Trieben,<br />

warst du zu Lieb’ und Treu’ erkor’n, so sieh’, was<br />

dir davon geblieben: Hast Leben, Lieb und Herz<br />

verloren. Hast du geschwelgt in prunken Sälen,<br />

an üpp’gen Tafeln dich genährt. Sieh! Musst dich<br />

mit dem Tod vermählen, der deine Leiden noch<br />

erschwert. Warst du im Leben nicht geliebet, hat<br />

Schmerz dich überall geleitet. Sieh, wenn man<br />

dich auch nie geliebet, den Trost dir ja der Tod<br />

bereitet. Hast du mit Armut dann gekämpfet und<br />

warst von allem bloß, so sieh, der Tod den Gram<br />

dir dämpft. Du teilst mit Andern gleiches Los.<br />

O Menschen sehet euer Ziel. Vergleicht damit<br />

die Lebensbahn. Der glücklich sein im Leben<br />

will, seh’ ob er auch so sterben kann.“<br />

Und rüstig gräbt er weiter dann, schlägt schnell<br />

den Spaten in die Scholle, als eilte er dem Tod<br />

voran, der für dies Grab sein Opfer wolle. Und<br />

wie er gräbt so emsig d’rauf, so lassen seine Kräfte<br />

ab. Es hören seine Schläge auf und sterbend<br />

sinkt er in das Grab.<br />

Nachtgebeth<br />

(Johann Nepumuk Vogl)<br />

Der du wandelst wo die Sterne zieh’n in ihrer<br />

ew’gen Pracht. Vater höre du mein Flehen. Hör’<br />

mich in der stillen Nacht. Nicht um Güter dieser<br />

Erde fleh’ ich, Herr, zu deinem Thron. Nicht<br />

nach Größe geht mein Trachten, nicht nach<br />

Gold, den nieder’n Lohn. Lass nicht mutlos mich<br />

verzagen, wenn mein Glückstern untergeht. Lass<br />

mich glauben. Lass mich hoffen, das, oh Herr, ist<br />

mein Gebet. Gib mir Kräfte auszuharren, Stärke,<br />

wenn der Sturm erwacht, und am Ende deinen<br />

Frieden in der langen, düster’n Nacht.


12


13<br />

Preface<br />

Unlike his older brother Johann, <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong><br />

always remained true to instrumental music in<br />

his approximately 300 published compositions:<br />

Waltzes, polkas, marches, quadrilles – they were<br />

all conceived for symphonic orchestra. Arias,<br />

couplets, as well as an entire operetta circulating<br />

under his name, use only the (instrumental) score<br />

<strong>Strauss</strong> devised. The few vocal works for which<br />

an original authorship can be assumed diverge<br />

considerably from this: Six lieder for voice<br />

and piano have survived which do not fit into<br />

the rest of <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’s oeuvre. Five of them<br />

are preserved in autograph form in the Vienna<br />

City Library 1 : Elegie, Meineid, Der Todtengräber,<br />

Nachtgebeth 2 and Der Bettler 3 . Only the sixth lied,<br />

Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände appeared<br />

in 1866 in the Oesterreichische Volkskalender 4 . In<br />

these attempts to contribute to contemporary<br />

art music, the composer <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> shows his<br />

serious but also melancholy and religious side. 5<br />

Since the manuscripts are not dated, no exact<br />

period of origin can be established. First, the<br />

lieder are mentioned in <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’s list of<br />

unpublished works 6 written in his own hand. In<br />

1 For a more detailed article on the Lieder of <strong>Josef</strong> Strass<br />

see: Monika Fink/Günter Stummvoll, “Die Lieder von<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>”, in Neues Neues Leben 68 (2023/1), p. 88–96.<br />

2 The lieder are conveyed in compilation. <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>:<br />

I. Elegie, II. Meineid, Der Todtengräber, Nachtgebeth, [Lieder<br />

für Klavier und Singstimme] Vienna City Library,<br />

MHc-13227.<br />

3 <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>: Der Bettler, [Lied für Klavier und eine<br />

Singstimme] Vienna City Library, MHc-14285.<br />

4 Austrian National Library, 390093-B.1866.<br />

5 In his Chronologisch-thematischen Werkverzeichnis the<br />

Author Wolfgang Dörner also categorizes An die<br />

Nacht, Tongemälde, an ode for male choir and orchestra,<br />

as well as Das Blümchen von Proch, probably a lied<br />

for female voice, as vocal works. Both works are lost<br />

or with unknown whereabouts. Wolfgang Dörner,<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>. Chronologisch-thematisches Werkverzeichnis,<br />

Wien/Köln/Weimar, Böhlau 2021, pp. 447, 465.<br />

6 See item 1 “Der Bettler. [Otto] Prechtler”. Item 4 “Elegie<br />

(4 Lieder) f[ür] Ges[an]g & Cl[avier]”. Further reading:<br />

Aufstellung, der gesamten Manuscripte nicht edierter<br />

addition to his vocal works this list also includes<br />

compositions that were written around 1865.<br />

Since the lieder are already mentioned there,<br />

they must have been written before. Secondly,<br />

it is repeatedly stated in various biographies that<br />

before his active time as a composer <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong><br />

was musically occupied mainly with the piano. 7<br />

Thirdly, the stylistic development: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong><br />

displays harmony with a penchant for drama in<br />

his lieder, certainly influenced by the musical<br />

avant-garde of his time. Here and there his turns<br />

are somewhat abrupt and lack the elegance of<br />

later works as evidenced by drastic changes in<br />

dynamics and surprisingly contrasting sections.<br />

His modulations seem rather experimental at<br />

some points. This might indicate a correlation to<br />

<strong>Josef</strong>’s lessons in composition, which he took in<br />

Franz Dolleschal’s music school in Vienna until<br />

1857. 8 Lastly, the ornamented paper on which<br />

the Vier Lieder are written could be meant as<br />

wedding gift for <strong>Josef</strong>’s wife Caroline, who later<br />

was the possessor of the manuscripts.<br />

As the poem to Der Bettler was published earlier,<br />

the years around 1850 are estimated as time of<br />

origin. The other four Lieder would have been<br />

composed later, whereby much evidence indicates<br />

1857 as the year of creation.<br />

Concerning the history of the lieders’ transmission:<br />

For the most part <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’s musical<br />

estate went to his brother Eduard. <strong>Josef</strong>’s widow<br />

Caroline acted as administrator of the estate. 9<br />

That the manuscripts of the lieder were not in<br />

this estate can be explained by two facts: First,<br />

they would have been lost to the flames in 1907<br />

Compositionen von <strong>Josef</strong> Strauß, Vienna City Library,<br />

H.I.N.-50102.<br />

7 Otto Brusatti/Isabella Sommer, <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–<br />

1870). Delirien und Sphärenklänge, Wien, Holzhausen<br />

2003, p. 16 f.<br />

8 Ludwig Eisenberg, Johann <strong>Strauss</strong>. Ein Lebensbild, Leipzig,<br />

Breitkopf und Härtel 1894, p. 93.<br />

9 Übereinkommen zwischen Eduard u. Lina <strong>Strauss</strong>, Wien,<br />

15. Sept. 1871, Vienna City Library, H.I.N.-201903.


14<br />

as was the rest of the <strong>Strauss</strong> music archive. 10<br />

Secondly, it would not have been possible for<br />

<strong>Josef</strong>’s daughter Karoline Anna, née Aigner, to<br />

sell the lieder. As on June 9 th 1910 she sold the<br />

five lieder autographs for 120 Kronen to Adele<br />

<strong>Strauss</strong>’ brother-in-law, <strong>Josef</strong> Simon, thereby relinquishing<br />

all rights. 11 Simon’s musical estate in<br />

turn went to the Vienna City Library where the<br />

autographs are kept today.<br />

There is no evidence of a public performance of<br />

the lieder during <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’s lifetime. However<br />

as suggested by wear and tear on the sources,<br />

a use in small circles is probable. There is also<br />

no evidence of an orchestral version which could<br />

have been played by the <strong>Strauss</strong> Orchestra. In<br />

any case the “Concert Repertoire” by Eduard<br />

<strong>Strauss</strong>, written around 1901, contains no such<br />

references. 12 In addition to the compositions<br />

of the <strong>Strauss</strong> family this list of works includes<br />

several lieder by various composers (in arrangements<br />

for orchestra but also as piano reductions).<br />

During the last decades, mostly <strong>Strauss</strong>-lovers<br />

sought to stage the songs publicly. 13 Nachtgebeth,<br />

Der Bettler and Wenn ein Kindlein faltet fromm die<br />

Hände were again recorded as part of a research<br />

project by the Center for Applied Music Research<br />

at the University of Continuing Education<br />

Krems for the 150th commemorative year of <strong>Josef</strong><br />

<strong>Strauss</strong> in 2020. 14 With this historical-critical<br />

edition, the lieder can once again do justice to<br />

10 Leigh Bailey, “Die Verbrennung des <strong>Strauss</strong>schen Notenarchivs”,<br />

in Neues Leben 53 (2016/3), pp. 48–54.<br />

11 Verkaufsvertrag über fünf Originalkompositionen von<br />

<strong>Josef</strong> Strauß an <strong>Josef</strong> Simon [of Lina Aigner and <strong>Josef</strong><br />

Simon], dated June 9 th [1910], Vienna City Library,<br />

H.I.N.-201824.<br />

12 Concert-Repertoire der bestandenen Kapelle des Eduard<br />

<strong>Strauss</strong> kaiserl. und königl. Hofball-Musik-Director a. D.<br />

(in das Privatleben zurückgetreten im März 1901), Vienna<br />

[1901], Vienna City Library, A-108537<br />

13 A first concert took place during a performance of the<br />

Konservatorium of the City of Vienna (now: Music and<br />

Arts University) in 1988. In 2008 all songs were recorded<br />

and performed in Stockholm. See: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>,<br />

Lieder – Klavierwerke, CD, Svenska <strong>Strauss</strong>-Sällskapet<br />

2012.<br />

14 The lieder are available on YouTube: https://www.<br />

youtube.com/playlist?list=PLRGsIst386K-TTEecIjizZfzht6EdX9KQ,07/06/2023.<br />

their original use – in a house-musical setting or<br />

perhaps on a larger stage.<br />

Lieder texts and their poets<br />

The texts to <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’ lieder are partly<br />

from the composer himself (Elegie, Meineid, Der<br />

Todten gräber) and partly from contemporary poets.<br />

According to <strong>Strauss</strong>’ autograph, Nachtgebeth<br />

was written by Johann Nepomuk Vogl, while<br />

Der Bettler is by Otto Prechtler. The Volkskalender<br />

names August Silberstein as the author of Wenn<br />

ein Kindlein foldtet fromm die Hände.<br />

Johann Nepomuk Vogl (1802–1866) worked in<br />

the chancellery of the Lower Austrian estates.<br />

In 1841 he became editor of the Österreichisches<br />

Morgenblatt and published almanacs, paperbacks<br />

and calendars (in 1845, for example, the Oesterreichischer<br />

Volkskalender). Vogl also published countless<br />

poems, mainly ballads and poetic tales. Many<br />

of his songs were set to music. 15 While Vogl is<br />

among the better-known poets of his time, the<br />

authorship of the lyrics can only be established<br />

from the handwritten mention by <strong>Strauss</strong> on his<br />

sheet music. The complete editions of the lyrical<br />

works of the author do not contain Nachtgebeth.<br />

Otto Prechtler (1813–1881) was also a civil<br />

servant. In 1834 he became Franz Grillparzer’s<br />

successor in the General Court Chamber and in<br />

1856 director of the Court Chamber Archives.<br />

Prechtler wrote 38 opera libretti, several collections<br />

of poetry and numerous dramas which<br />

were performed at the Vienna Burgtheater. He<br />

also wrote for the Wiener Zeitung. Even though<br />

he is barely known today as a playwright Prechtler<br />

was one of the celebrities of his time. 16 His<br />

15 Irene Nawrocka, Art. “Vogl, Johann Nepomuk (1802–<br />

1866), Schriftsteller und Beamter”, in Österreichisches<br />

Biographisches Lexikon, Austrian Academy of Science,<br />

2018, DOI:10.1553/0x003a0d5e, 07/06/2023.<br />

16 Kurt Adel, Art. “Prechtler, Johann Otto (1813–<br />

1881), Schriftsteller und Beamter”, in Österreichisches<br />

Biographisches Lexikon, Austrian Academy of Science,<br />

1981, DOI:10.1553/0x00283a33, 07/06/2023; further<br />

Hans Leo Mikoletzky, “Der Dichter und Archivar Otto<br />

Prechtler”, in Der Archivar 26 (1973), pp. 531 ff.


15<br />

Weinphilosophie (wine philosophy) was published<br />

in parts in the Wiener allgemeine Musik-Zeitung,<br />

Der Bettler as it’s third part on November 30 th<br />

1847. 17<br />

There are several points of contact between August<br />

Silberstein 18 (1827–1900) and <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>:<br />

Silberstein’s collection of novellas, Dorfschwalben<br />

aus Österreich published in 1862/63, inspired <strong>Josef</strong><br />

<strong>Strauss</strong> to compose his waltz of the same name,<br />

op. 164, which he dedicated in 1864 “To the<br />

author of the novellas of the same name, Dr. August<br />

Silberstein”. 19 Two years later, the lied Wenn ein<br />

Kindlein faltet fromm die Hände appeared in the<br />

Oesterreichischen Volkskalender, of which Silberstein<br />

was the editor at the time. Silberstein had<br />

taken over the editorship in 1848 from Johann<br />

Nepomuk Vogl the founder of the publication. 20<br />

Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände also appeared<br />

in Silberstein’s collection of poems Mein<br />

Herz in Liedern. 21 Krems, August 2023<br />

Günter Stummvoll<br />

17 “Weinphilosophie. Liederkränzchen von Otto Prechtler,<br />

3. Der Bettler”, in Wiener allgemeine Musik-Zeitung<br />

Nr. 143, November 30 th 1847, p. 1.<br />

18 Elisabeth Lebensaft, Art. “Silberstein, August (1827–<br />

1900), Schriftsteller”, in Österreichisches Biographisches<br />

Lexikon, Austrian Academy of Science, 2004,<br />

DOI:10.1553/0x00284a52 , 07/06/2023.<br />

19 Franz Mailer, Joseph Strauß, Genie wider Willen,<br />

Vienna/Munich, Jugend und Volk 1977, p. 122.<br />

20 Lebensaft 2004, online.<br />

21 August Silberstein, Mein Herz in Liedern, Stuttgart,<br />

Karl Grüninger 1868.


16


17<br />

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Wenn ein<br />

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Kind-lein<br />

fal-tet<br />

fromm die Hände und<br />

cresc.<br />

Musik: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870)<br />

Text: August Silberstein (1827–1900)<br />

die Mut-ter<br />

lehrt ihm ein Ge - bet. Durch die<br />

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piu cresc.<br />

zum fern -sten<br />

En-de<br />

ein gar hei-lig<br />

sü - ßes Schau - ern geht! Denn<br />

cresc. ff dim.<br />

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Lie - be und das Heil, es wal-tet<br />

Nacht und Tag. Ob ge-<br />

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das Fle- hen blie - be, Herz<br />

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18<br />

Gesang<br />

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Klavier<br />

Der Bettler<br />

Musik: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870)<br />

Text: Otto Prechtler (1813–1881)<br />

Kräftig, entschieden<br />

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Kräftig, entschieden<br />

Geht vor<br />

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- ü - ber! Geht zum<br />

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lento<br />

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da trank, ist al - len gleich. Al-len<br />

gleich. Viel-leicht<br />

noch<br />

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Poco più lento<br />

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Mich um - ko - set, mich mein Lie - ber,<br />

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49<br />

Tempo primo<br />

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Lässt<br />

man mor - gen mich ver - schmach- ten, fühl ich heut’ mein Schiff - lein flott. Kann die<br />

Tempo primo<br />

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55<br />

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und<br />

ein Gott und ein Gott.<br />

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21<br />

Elegie<br />

Gesang<br />

Andante maestoso<br />

Musik und Text: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870)<br />

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Klavier<br />

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Andante maestoso<br />

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- net und ver-hül-let<br />

eu -er<br />

An-ge- sicht, denn ein Herz hat aus ge - schla-<br />

gen.<br />

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27<br />

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Trau - ert al - le, senkt eu’r gramer- füllt Ge-sicht<br />

und er - gießt in Schmerz die Kla - gen.<br />

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22<br />

35<br />

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Ruft<br />

es<br />

nicht!<br />

Nein,<br />

ruft es nicht zu - rü - cke mehr.<br />

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43<br />

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- der in den Wel - ten Jam - mer schi - cket Schmer- zens-trä-nen<br />

ihm ins Ster-nen-<br />

ff<br />

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meer. Freut<br />

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euch, dass es da - hin ging.<br />

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59 Più vivo<br />

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23<br />

67<br />

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Stil<br />

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na - gend, oh ne<br />

- Hoff - nung in dem Herz - zen, lieb-<br />

und freud<br />

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los!<br />

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81<br />

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So,<br />

sein Wand<br />

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- del. Lieb- und freud - los.<br />

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Bis<br />

des Le - bens<br />

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89<br />

poco a poco cresc.<br />

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˙<br />

Œ ˙ œ ˙ œ ˙<br />

Quell ver - siegt. Harr<br />

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- te es im ste - ten Ban - gen;<br />

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poco a poco cresc.<br />

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24<br />

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95 ><br />

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102 Più vivo<br />

Più vivo<br />

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Lie -be<br />

blick te<br />

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L’istesso tempo<br />

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dem<br />

Schöp - fer selbst<br />

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still im Frie - den. Ban ne<br />

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rit.<br />

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L’istesso tempo<br />

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rück.<br />

- he sanft und<br />

- schmerz-li-che<br />

Er - inn’ - rung. Wenn dir hier kein<br />

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œ œ œ ˙ œ Œ ∑ ∑ ∑ ∑<br />

Lohn be - schie- den, Su - che dei - nen Trost dort ob - ben.<br />

œ œ œ œ ˙ Ó<br />

w w<br />

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138<br />

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Ruft es nicht! Nein, ruft es nicht zu - rü - cke mehr. Wie - der in den Wel - ten<br />

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145<br />

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œ œ œ # œ œ ˙ ˙ ˙<br />

J Ó<br />

Jam - mer schi - cket Schmer - zens-trä<br />

- nen ihm ins Stern - en - meer.<br />

Freut euch,<br />

˙<br />

n<br />

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dass es da - hin ging.<br />

Durch das Le - ben oh - ne<br />

˙ ˙<br />

˙<br />

∑<br />

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26<br />

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Lie - be. Nur den Ab gott<br />

- stets ver - folg - end. Nicht mehr Herr dem Herz - ens-<br />

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169<br />

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trie - be.<br />

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Herz, das ihm Trost ge - bracht.<br />

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179<br />

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sanft<br />

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und still im Grab.<br />

Ru<br />

- he sanft und still im Grab.<br />

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27<br />

Meineid<br />

Musik und Text: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870)<br />

Gesang<br />

Moderato<br />

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Klavier<br />

5<br />

Moderato<br />

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Beim Her-zen<br />

ge-lo-bet,<br />

mit Küs-sen<br />

be-sie<br />

- gelt, mit Wor-ten<br />

be-teu<br />

- ert, mit<br />

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28<br />

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20<br />

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Trä-nen<br />

be-schwor’n,<br />

und<br />

n˙<br />

˙<br />

wie sich der Him-mel<br />

im Mee-re<br />

ab- spie- gelt, so war ich zum himm-li-schen<br />

Da- sein er-<br />

kor’n.<br />

˙<br />

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Ich<br />

lieb<br />

- te so in - nig, so treu und so wahr, ich<br />

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hielt sie ge - fan - gen im blu - ten- den Her - zen, ich be - te - te zu ihr.<br />

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sie ja war. Ich<br />

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29<br />

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- me der Schmer- zen. Ich stür-zte<br />

mich ger-ne<br />

im Stro - me der Schmer - zen, der<br />

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- le Zeug’ uns’ - res Glü - ckes, ver - schwand vor der<br />

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- chelt, die lo - gen,<br />

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Und treu-los<br />

ver- las - sen stand ich am Pfa - de, mit<br />

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klaf - fen- den Wun-den<br />

be- loh - net mit treu - lo- sem, schnö-den<br />

Ver-ra<br />

- te, ver-<br />

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flu - chend, als sie nie geschwo-ren<br />

die Stun - de, als sie<br />

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Him-mel<br />

em - por. Ver - dammt der<br />

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Laut<br />

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stöhnt’ ich<br />

die Kla - gen zum<br />

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ver- dient Lie-be<br />

mehr! Straft es mit Bann! Er - stickt schon dies Ge - fühl<br />

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Beim Her- zen ge-lob<br />

-et,<br />

mit Trä-nen<br />

be-schwor’n,<br />

mit<br />

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molto cresc.<br />

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Trä-nen<br />

der Falsch- heit, der Lü- ge, des Scheins. Ach! Ach!<br />

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Herz<br />

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33<br />

132<br />

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sempre ff<br />

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in<br />

die - sem Le - ben ver - lo - ren und Lie<br />

- be zu - rück - ge-<br />

ben<br />

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kann mir mehr kein’s. Und Lie - be zu - rück<br />

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- ge - ben kann mir mehr kein’s. Und<br />

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- - ge-ben<br />

kann mir mehr kein’s.<br />

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34<br />

Der Todtengräber<br />

Gesang<br />

Maestoso<br />

Musik und Text: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870)<br />

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Klavier<br />

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Maestoso<br />

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35<br />

21<br />

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Quasi Recitativo<br />

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Nacht ist’s<br />

und Stil-le<br />

rings um- her. Der Mond blickt durch den Wol-ken- schlei’r, be-leuch-tet<br />

fahl das<br />

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? b b b b<br />

Quasi Recitativo<br />

L’accompagnamento sempre pianissimo<br />

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27<br />

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- ten- meer.<br />

Es heult der Wind durch<br />

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31<br />

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34<br />

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Da tritt nun aus dem Hin-ter<br />

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36<br />

40<br />

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grund<br />

der To-ten-grä<br />

- ber; still und schwei- gend macht um die Grä-ber<br />

sei-ne<br />

Rund’! Beim<br />

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Hei<br />

- land Kreu - ze sich ver - nei-<br />

gend<br />

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- ter schrei - tet er hi - nab bis<br />

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52<br />

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- Grab. Dies liegt in sei - nem küh - len<br />

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Und wie er gräbt,<br />

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lö-sen<br />

sich die Trä - nen von der blei-chen<br />

Wang’.<br />

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Blickt trau-rig<br />

sum- mend hin vor sich, im<br />

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69<br />

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Her-zen<br />

wird ihm ängst - lich<br />

bang. Da<br />

fal<br />

- tet zit - ternd er die<br />

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Händ’, fällt auf<br />

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die Knie und lei- se, lei - se spricht er, spricht er:<br />

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81<br />

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J ‰ Œ<br />

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„O Trost in die ses -<br />

sempre legato<br />

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œ œ œ ∫ œ œ œ œ œ œ œ<br />

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38<br />

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b J ‰ œ ˙ ˙ œ œ ∫œ<br />

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Herz mir send’, wenn von hier ru - fet mich der Rich - ter.<br />

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con fuoco<br />

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b b b b Ó Œ ˙ œ œ œ b œ<br />

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J J<br />

O Trost in die - ses Herz mir sen<br />

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hier ru-fet<br />

mich der Rich - ter.<br />

Ich<br />

T<br />

w bœ œ œ œ ˙ nœ˙ œ œ œœœœœœœœœœœœœœ œ œœœœœœœœœœœœœœœœ<br />

pp<br />

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˙˙ ˙˙ œ œ œ œ œ œ œ<br />

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b b b b œ œ œ œ œ J bœ<br />

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bau’ der To - ten Ru - he - statt; ich schmü - cke die Er - inn’ - rungs - stei - ne.<br />

œ j ‰ Œ Ó<br />

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86<br />

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91<br />

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Es sei das mei - ne, es sei das mei - ne.<br />

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- Er - den - grab.<br />

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Un poco più animato<br />

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Trie - ben, warst du zu Lieb’ und Freud’ er - kor’n,<br />

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ge - blie - ben: Hast Le - ben, Lieb’ und Herz ver - lo - ren.<br />

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Hast du ge - schwelgt in prun-ken<br />

Sä - len, an üpp’ - gen Ta - feln dich ge - nährt.<br />

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Sieh! Musst dich mit dem Tod ver - mäh- len,<br />

der dei - ne Lei-den<br />

noch er - schwert.<br />

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du im Le - ben nicht ge - lie - -<br />

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ge - lei - - tet.<br />

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Sieh, wenn man dich auch nie ge - lie - - bet,<br />

den Trost dir<br />

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ja der Tod be - - tet.<br />

Hast du<br />

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Ar - mut dann ge - kämpf - et und warst von al<br />

- lem, al<br />

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so sieh, der Tod<br />

den Gram dir dämpft. Du teilst mit An dern -<br />

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più lento<br />

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- ches Los.<br />

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Grave maestoso<br />

più lento<br />

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- schen se -het<br />

eu - er Ziel, ver gleicht da- mit die<br />

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bahn.<br />

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Der glück-lich<br />

sein im Le - ben will, seh’ ob er auch so<br />

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- ben kann.“<br />

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dim. p più accelerando<br />

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J J J J<br />

rüs-tig<br />

gräbt er wei - ter dann, schlägt schnell den Spa-ten<br />

in die Schol- le, als eil-te<br />

er dem Tod vor- an, der<br />

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Herr, zu dei<br />

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Hör’<br />

nicht mich in<br />

nach Gold,<br />

der<br />

den<br />

Musik: <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870)<br />

Text: Johann Nepomuk Vogl (1802–1866)<br />

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Lass mich glau - ben, lass mich hof - fen. Das, oh Herr, ist mein Ge - bet.<br />

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50


51<br />

Kritischer Bericht<br />

Quellenbeschreibung<br />

Wenn ein Kindlein faltet<br />

fromm die Hände<br />

Der Bettler<br />

Erstveröffentlichung in: Oesterreichischer Volkskalender 1866, 22. Jahrgang, hrsg. von<br />

Leopold Sommer, Wien, S. 87–89. Druck, Klavierpartitur für „Singstimme“ und<br />

„Pianoforte“ auf drei Seiten, Österreichische Nationalbibliothek, 390093-B.1866.<br />

Autographe Klavierpartitur und separate Stimme für Gesang (Bass), Reinschrift (Tinte)<br />

mit eigenhändigen Korrekturen, vollständig (59 Takte), undatiert (um 1850) und<br />

unsigniert, eigenhändige Titelseite „Der Bettler / aus der Weinphilosophie / von Otto<br />

Prechtler / Musik von / <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>“, Wienbibliothek im Rathaus (A-Wst), MHc-14285.<br />

Der Bettler ist als singuläre Handschrift überliefert,<br />

geschrieben auf zwei Bögen industriell<br />

gefertigten Notenpapiers. Anders als bei den<br />

vier Liedern im Kompendium sind für Gesang<br />

und Klavier jeweils Stimmen separat vorhanden,<br />

wobei die Gesangsstimme (so bezeichnet) in der<br />

Klavierpartitur (als „Piano“ bezeichnet) in Stichnoten<br />

eingetragen ist, dort aber Abweichungen<br />

aufweist. Einige Passagen der Klavierstimme<br />

(Takt 27, 37–39 in der linken; Takt 36 und 38<br />

in der rechten Hand) zeigen Radierungen als<br />

deutliches Zeichen des Schaffensprozesses. Diese<br />

stammen vom Komponisten, da die Korrekturen<br />

dem autographen Schriftbild entsprechen. Die<br />

Gesangsstimme wurde zugeschnitten und unterscheidet<br />

sich daher im Format. Auf dem ersten<br />

Blatt ist unter dem Titel noch „aus der Weinphilosophie<br />

/ von / Otto Prechtler / Musik von /<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>“ notiert. Die beiden Bögen weisen<br />

starke Gebrauchsspuren auf.<br />

Vier Lieder für eine<br />

Singstimme und<br />

Klavier<br />

Autographe Klavierpartitur mit Gesang, Reinschrift (Tinte) mit Korrekturen in Bleistift<br />

von anderer Hand, vollständig (Elegie 197 Takte/Meineid 156/Der Todtengäber 295/<br />

Nachtgebeth 64), undatiert (um 1850), Signatur „Caroline Aigner geb. <strong>Strauss</strong>“, später<br />

hinzugefügter Umschlag mit Titelblatt „Compositionen von (Lieder!) / <strong>Josef</strong> <strong>Josef</strong><br />

<strong>Strauss</strong> / Originale unveröffentlicht!“ in der Handschrift des späteren Eigentümers, <strong>Josef</strong><br />

Simon (siehe Digitalisat online), Wienbibliothek im Rathaus (A-Wst), MHc-13227.<br />

Zusätzlich finden sich Annotationen von zwei<br />

weiteren Händen: Einerseits der Namensvermerk<br />

„Caroline Aigner geb. <strong>Strauss</strong>“ der<br />

Tochter von <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>, die zur prägnanteren<br />

Markierung des Autoren- und Komponistenvermerks<br />

jene auch stets unterstrich (erkenntlich<br />

am gleichartigen Federstrich, der sich in Form<br />

und Farbe vom Rest abhebt). Andererseits eine<br />

ganze Fülle an Streichungen, Korrekturen und<br />

Ergänzungen, die mit Bleistift ausgeführt wurden.<br />

Vom ersten bis zum letzten Lied greift der<br />

oder die Urheber*in dabei nicht nur in Form von<br />

zusätzlichen oder fehlenden Versetzungszeichen<br />

(etwa Oktavverdoppelungen) ein, was zumal als<br />

Modernisierung der Schreibart gewertet werden<br />

kann. Es werden Akkorde verändert (Meineid,<br />

T. 143), die Melodieführung manipuliert (Todtengräber,<br />

T. 29, 52, etc.) und Tempo, Agogik und<br />

Dynamik adaptiert (ebda., ab T. 82).<br />

Die Schreibart dieser Bleistiftannotationen (B)<br />

unterscheidet sich deutlich vom in Tinte verfassten<br />

Autograph (A): Allein die verwendeten<br />

„f“-Zeichen für forte bzw. fortissimo machen dies<br />

deutlich (eindrucksvoll: Todtengräber, T. 116), aber<br />

auch ausnotierte Anweisungen wie „pesante“<br />

oder „ligato“ [sic] (beides Todtengräber) zeigen<br />

eine zum Ursprungstext deutlich zu differenzierende<br />

Handschrift. Mit Ausnahme von ergän-


52<br />

zenden Versetzungszeichen (also jenen, die etwa<br />

Oktaven betreffen bzw. in anderen Stimmen<br />

notiert sind) werden Änderungen in den Einzelanmerkungen<br />

als „folgt B“ angeführt.<br />

Die vier autograph erhaltenen Lieder wurden<br />

später in einen (heute desolaten) Schutzumschlag<br />

gehüllt, der die Aufschrift „Compositionen von<br />

(Lieder!) / <strong>Josef</strong> <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> / Originale unveröffentlicht!“<br />

trägt, wobei der „(Lieder!)“-Nachtrag<br />

von einer anderen Hand stammt. Die Lieder<br />

sind in direkt anschließender Folge in zwei<br />

ungebundene Hefte geschrieben, wobei Heft 1<br />

aus sechs Bögen und Heft 2 aus vier Bögen der<br />

Marke „M.T.G“ besteht, das Format ist knapp<br />

kleiner als DIN A4.<br />

Über den Online-Katalog der Wienbibliothek sind<br />

Scans der Lieder öffentlich einsehbar. Viele der<br />

darauf ersichtlichen Schriftfragmente stellen sich<br />

als Tintenflecke heraus, wobei die Tinte aber nicht<br />

durch das Papier durchscheint. Vielmehr wurden<br />

die Seiten vor vollständiger Austrocknung umgeschlagen.<br />

Vor allem die Fortissimo-Angaben<br />

haben so häufig Spuren auf der jeweils gegenüberliegenden<br />

Seite hinterlassen.<br />

Die Textunterlegung der vier Lieder ist abwechselnd<br />

in lateinischem Schriftsystem und<br />

in Kurrent gehalten. Mitunter wechselt <strong>Josef</strong><br />

<strong>Strauss</strong> aber mitten im Lied, etwa beim Meineid<br />

ab Takt 32, um dann den Todtengräber wieder im<br />

lateinischen Alphabet beginnen zu lassen (und<br />

bereits im dritten Takt des Gesangs wieder in<br />

Kurrent weiterzuschreiben).<br />

normal dimensionierten Händen spielbar. Der<br />

Notentext lässt erahnen, als Particell gedacht zu<br />

sein. Es wurde daher versucht, eine sowohl komfortable,<br />

wie auch melodisch-harmonisch sinnhafte<br />

Schreibweise zu wählen. Die Aufteilung<br />

in linke und rechte Hand wurde stillschweigend<br />

vorgenommen.<br />

Schon bei Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände<br />

wird deutlich, dass die Basslinie nicht mit einer<br />

Hand spielbar ist. Als Alternativinstrument<br />

wird daher die Orgel vorgeschlagen. Weitere<br />

Passagen, die mit einem Klavier zu zwei Händen<br />

kaum spielbar sind, wurden mit strichlierter Linie<br />

und (*) gekennzeichnet.<br />

Die Singstimme von Wenn ein Kindlein … wird im<br />

Österreichischen Volkskalender als solche bezeichnet<br />

und im Violinschlüssel notiert, in sämtlichen<br />

autographen Liedern jedoch als „Gesang“, der im<br />

Bassschlüssel notiert ist. Die vorliegende Edition<br />

verwendet den Begriff „Gesang“, behält aber die<br />

Schlüsselungen bei.<br />

Die Gesangstexte wurden behutsam der aktuellen<br />

Grammatik, Orthographie und Interpunktion<br />

angepasst. Sie sind vollständig dem Vorwort<br />

angehängt. Ausnahmen werden in den Einzelanmerkungen<br />

erläutert.<br />

Allgemeine Anmerkungen<br />

In den Einzelanmerkungen werden Takt- sowie<br />

Zeichenzahl der jeweiligen Änderung angegeben.<br />

Die Zählung der Zeichen umfasst ausschließlich<br />

Noten- und Pausenzeichen, wobei die<br />

Zählweise von links beginnend vertikal erfolgt.<br />

Die Balkenführung wurde den heutigen Usancen<br />

angepasst; Änderungen in der Schreibweise<br />

der Notenwerte ebenso. Die autographen Klavierstimmen<br />

entsprechen in keiner Weise einer<br />

modernen Klavierpartitur, noch wären sie mit


53<br />

Einzelanmerkungen<br />

Wenn ein Kindlein faltet fromm die Hände<br />

Takt Stimme Anmerkung<br />

1 Klavier Staccati entfernt.<br />

2–3 Gesang, Kl. cresc. von Takt 3 in den Auftakt zu 2 verschoben.<br />

3 Ges. Dynamikzeichen (mf) ergänzt.<br />

5 Kl. Dynamikzeichen (p) von T. 6 vorverschoben.<br />

8 Ges. Vorzeichen in der Gesangsstimme [sic].<br />

8.5 Ges. Notenwert angepasst.<br />

9.1 Ges. Notenwert angepasst.<br />

9.8 Kl. linke Hand fehlendes Pausensymbol eingefügt.<br />

9 Ges. Dynamikzeichen (p) statt T. 10 eingefügt.<br />

11.6 Kl. rechte Hand Tremolo aufgelöst.<br />

14 Kl. Dynamikzeichen (ff) entfernt.<br />

14.6 Ges. Akzent (auf Nachsilbe „-hen“) entfernt.<br />

Der Bettler<br />

Die unterschiedliche Schreibweise der marcato- und martellato-Zeichen wurde vereinheitlicht.<br />

Takt Stimme Anmerkung<br />

2 Kl. Akzente sinngemäß ergänzt.<br />

10 Kl. Cresc.-Gabel auf ganzer Note ist qua der Spielunmöglichkeit auf dem<br />

Klavier entfernt worden.<br />

13 Kl.re Akzente sinngemäß ergänzt.<br />

14 Kl. Dynamik an Gesangsstimme angepasst.<br />

18 Ges. Fermate versetzt und an Klavierstimme angepasst.<br />

20–37 Kl. Bogenführung vereinheitlicht.<br />

26 Ges. Bogenführung differiert zwischen Gesangsstimme und Kleinstich der<br />

Klavierpartitur. Gewählt wurde eine Version, die der Gesangsstimme<br />

entspricht und mit dort ähnlichen Passagen korrespondiert.<br />

26 Kl., Ges. cresc.-Anweisung bzw. Gabel vereinheitlicht, um sinngemäß in der<br />

nächsten Dynamikanweisung zu münden.<br />

28 Ges. Ligatur sinngemäß adaptiert.<br />

28 Ges. Dynamikzeichen sinngemäß ergänzt und an Klavierstimme angepasst.<br />

30.2 Ges. Auflösungszeichen ergänzt (b zu h).


54<br />

30.3 Kl.re Auflösungszeichen ergänzt (b zu h).<br />

31.2 Ges. Auflösungszeichen folgt Quelle Gesangstimme (Quelle Piano zeigt kein<br />

Auflösungszeichen, das dort aber platziert werden muss).<br />

31.2 Kl.re Auflösungszeichen ergänzt (b zu h).<br />

30 Ges. Ligatur sinngemäß adaptiert.<br />

32.3 Kl.li Quelle zeigt neben Halbe C noch Achtel C; diese Redundanz wurde<br />

aufgelöst.<br />

36.15<br />

36.16<br />

Kl.re Auflösungszeichen ergänzt (b bzw. b 1 zu h bzw. h 1 ).<br />

38.5 Kl.re Auflösungszeichen ergänzt (b zu h).<br />

Elegie<br />

Takt Stimme Anmerkung<br />

7 Kl.li Artikulationszeichen adaptiert.<br />

30.3 Kl.li Cresc.-Gabel in Akzent geändert.<br />

45 Kl. Crescendo ergänzt.<br />

50 Ges., Kl. Dynamik und Ligaturen adaptiert.<br />

53.4 Kl.re Versetzungszeichen (ais 1 ) folgt B.<br />

55 Kl. Dynamikzeichen (mf) zur Auftaktviertel in T. 54 verschoben.<br />

79.2f Kl.re Auflöser (G) folgt B.<br />

84 Ges. Ligatur ergänzt.<br />

93–94 Ges., Kl. Cresc.-Gabel ergänzt.<br />

100.6 Kl.re Ganze d 2 statt e 2 (folgt B).<br />

104.1–105.1 Kl. Ligaturen ergänzt.<br />

106.1–107.1 Kl. Ligaturen ergänzt.<br />

108.1–109.1 Kl. Ligaturen ergänzt.<br />

115 Kl. Dynamikzeichen entfernt.<br />

133.1 Kl.re Notenwert korrigiert.<br />

148 Kl.re Notenwert korrigiert Z.1–3; Halbe a (Z. 3), Akkord Halbe a/e 1 (Z. 6,7)<br />

addiert (folgt B).<br />

Kl.li<br />

Adaption des Herausgebers: Im Autograph ist in T. 148 lediglich<br />

eine Halbe c-C. angegeben. Sinngemäß wurde statt einer Ganzen eine<br />

zweite Halbe hinzugefügt.<br />

153 Kl. Dynamikzeichen sinngemäß ergänzt.<br />

158 Ges. Dynamikzeichen sinngemäß ergänzt (pp).<br />

166.1 Ges. Notenwert korrigiert.


55<br />

Meineid<br />

Takt Stimme Anmerkung<br />

1–6 Kl. Die Einleitung zeigt rhythmische Inkorrektheiten und Inkonsistenzen:<br />

Etwa sind im Kl.re Z. 5 in T. 2 und T. 4 als Achtel notiert, im<br />

Folgetakt aber als Sechzehntel. Korrekt wäre jedoch eine punktierte<br />

Achtel, was außerdem eine Korrektur verschiedener Pausenwerte<br />

einschließt. Fragmentarisch sind jeweils nach Z. 5 zwar kleine<br />

Punkte erkennbar, die allerdings neben dem Fähnchen und nicht dem<br />

Notenkopf stehen. Doch selbst in einer Lesart als punktierte Achteln<br />

würden Achtelpausen fehlen, um den Taktwert zu vervollständigen.<br />

Sämtliche nötigen Ergänzungen sind vorgenommen worden.<br />

16 Kl. Dynamik sinngemäß adaptiert.<br />

21 Ges. Anweisung „sempre legato“ ergänzt.<br />

32–35 Kl., Ges. Wiederholte Cresc.-Gabeln sinngemäß zusammengefasst.<br />

36–44 Ges. Der grammatikalische Fehler im Vers „Ich stürzte mich gerne im [sic]<br />

Strome der Schmerzen“ wurde aufgrund des Versmaßes beibehalten.<br />

Korrekt wäre Akk., „in den“.<br />

38.1–5 Ges. Ligatur ergänzt.<br />

39.4 Kl.re Auflöser (c 1 ) folgt B.<br />

40.7 Kl.re Fehlende Hilfslinie eingefügt: ais statt cis 1 (folgt B).<br />

40.2 Kl. li Auflöser (c) folgt B.<br />

41 Kl. Versetzungszeichen cis in beiden Händen hinzugefügt (folgt B).<br />

43f Ges, Kl. Versetzungszeichen (dis) folgt B.<br />

43.1–44.1 Ges. Ligatur ergänzt.<br />

43.16–19 Kl.re Auf Zählzeit vier der oberen Klavierstimme sieht das Autograph eine<br />

Viertelpause vor, die sich logischerweise nur auf die Oberstimme des<br />

Takts beziehen kann, während die Unterstimme die Sechzehntelfigur<br />

weiterführen müsste. Diese wurde ergänzt.<br />

61 Kl. Decrescendo sinngemäß ergänzt.<br />

61.3 Kl.li Auflöser (C) folgt B.<br />

66 Kl. Dynamikzeichen p sinngemäß ergänzt.<br />

74.1 Kl.re Auflöser der Vorschlagsnote (f 2 ) folgt B.<br />

80.4 Ges. Notenwert korrigiert: Viertel anstelle punktierter Viertel<br />

82.4,5 Ges. Notenwerte folgen B: punktierte Achtel c 1 , Sechzehntel d 1 anstelle<br />

punktierter Viertel und Achtel.<br />

97.1,4 Kl.re Versetzungszeichen (b 1 -b 2 ) folgt B.<br />

101.1,2 Ges. Ligatur ergänzt.<br />

102–103 Ges. Der autographe Text lautet „Himmel empore“, wobei auf der Fermate<br />

(a) die Nachsilbe „-re“ intoniert werden müsste.


56<br />

104.6 Kl.li Auflöser ergänzt (A).<br />

106.3 Kl.li Auflöser ergänzt (c).<br />

111 Kl. Im Autograph folgt dem Akkord (Halbe) eine Halbe Pause und dann<br />

ein Viertel-Akkord. Die Pause wurde auf Viertel korrigiert.<br />

117–120 Kl. Änderungen äquivalent zur Einleitung. Siehe Anm. zu T. 1–6.<br />

131 Kl.re Auflöser (g 1 -g 2 ) folgt B (bzw. Ges.).<br />

135.4 Kl.li Auflöser ergänzt (e 1 ).<br />

143.9-12 Kl.re Akkord (h 1 -d 2 -gis 2 -h 2 ) folgt B.<br />

151.6,7 Kl.re Versetzungszeichen (cis 1 ) folgt B.<br />

Der Todtengräber<br />

Takt Stimme Anmerkung<br />

13.4 Kl.re Achtel c 1 folgt B.<br />

15–17 Kl.re Akzentuierung analog zu T. 11–13 ergänzt.<br />

18.10,11 Kl.re Achtel-Akkord (g 1 -b) folgt B.<br />

18.7 Kl.li Achtel as folgt B.<br />

19.1,2 Kl.re Achtel-Akkord (f 1 -as) folgt B.<br />

22.1,4 Kl.li Halbe f bzw. E folgen B.<br />

29 Ges. Die Melodieführung folgt B mit Ausnahme der letzten Viertel (des 1 ),<br />

die aus melodischen Gründen nicht als Achtel und Achtelpause notiert<br />

wurde.<br />

30 Kl. Die Noten f 1 -g 1 sind in der rechten Hand als punktierte Halbe ab<br />

Zählzeit eins, in der linken als Sechzehntel-Tremolo ab Zählzeit zwei<br />

notiert. Diese Überschneidung wurde aufgelöst, das Tremolo in der<br />

linken Hand belassen.<br />

39.4 Kl.li Halbe E folgt B.<br />

44.3 Kl.re Viertel c 1 folgt B.<br />

52f Ges. Mit Ausnahme der ersten Note (punktierte Viertel e) folgt die<br />

Melodieführung bis zum ersten Ton des nächsten Taktes B.<br />

Bemerkenswert an diesem Takt ist, dass im Gegensatz zu den meisten<br />

Bleistiftergänzungen der originäre Notentext radiert wurde (siehe<br />

auch T. 215).<br />

53.2,3 Kl.re Viertel-Akkord (c 2 -g 1 ) folgt B.<br />

54.2 Kl.re Ganze g 1 folgt B.<br />

61 Spielanweisung pesante folgt B.<br />

64 Kl.li Tenuto ergänzt.


57<br />

66–71 Ges. Ligatur sinngemäß adaptiert.<br />

71 Kl. Artikulation folgt B.<br />

74.1 Kl.li b-Versetzungszeichen [sic], sinngemäß entfernt.<br />

79–81 Kl. Artikulation folgt B.<br />

82–83 Kl.re Ligatur ergänzt.<br />

83–230 Ges. Zur Verdeutlichung der direkten Rede ist das Gebet des Totengräbers<br />

in Anführungszeichen gesetzt.<br />

85 Kl. Spielanweisung „sempre legato“ ergänzt.<br />

91.2 Kl.li Notenwertkorrektur: Halbe a.<br />

92.17 Kl.re Viertel ces folgt B.<br />

97 Ges. Ligatur entfernt.<br />

99 Ges. Pausenwert korrigiert (Halbe Pause).<br />

99–100 Kl.re Ligatur folgt B.<br />

103 Kl.re Ganze f 1 (ursprünglich zwei durch Haltebogen verbundene Halbe)<br />

folgt B.<br />

112.1,4 Kl.li Halbe f, Halbe es folgen B.<br />

113.1 l.li Dem Tremolo-Akkord hinzugefügtes des folgt B.<br />

115 Kl.re Notenwertkorrektur: Halbe Akkord (d 1 -a-f), Viertel d 1 , Viertel a.<br />

125–130 Kl. Dynamik sinngemäß adaptiert.<br />

135 Kl.li Melodieführung folgt mit Ausnahme der ersten drei Töne des ersten<br />

Akkords B.<br />

136.1 Kl.li D folgt B.<br />

140.3–6 Kl.re Staccato ergänzt.<br />

141 Kl.re Ligatur ergänzt.<br />

143 Kl.li Oktavverdoppelung folgt B.<br />

148.1 Kl.re Notenwert korrigiert (Viertel statt punktierter Viertel).<br />

155 Kl. Spielanweisung „sempre legato“ ergänzt (B notiert „ligato“ in T. 156).<br />

162 Ges. Dynamikzeichen (mf) ergänzt.<br />

165.3–4 Ges. Versetzungszeichen folgen B: Sechzehntel es 1 , des 1 .<br />

165–166 Kl. Versetzungszeichen (as) folgt B.<br />

165.1 Kl.re Versetzungszeichen (Es) sinngemäß ergänzt.<br />

176.5 Ges. Akzent entfernt (äquivalente Ausführung in der Klavierstimme).<br />

179.8f Kl.re Hinzugefügte gis folgen B.<br />

183.2 Ges. Auflöser (h) folgt B.<br />

183 Kl. Crescendo-Gabel zugunsten der Spielanweisung diminuendo entfernt.


58<br />

185–187 Kl. Dynamik adaptiert: forte (T. 185) – crescendo (T. 186) – fortissimo<br />

(T. 187).<br />

187–191 Kl.li T. 187 zeigt auf der ersten Achtel ein 8 [va]<br />

. Die Spielanweisung wurde<br />

ausgeschrieben auf die Folgetakte erweitert, sowie in T. 191 auf<br />

Zählzeit eins und drei.<br />

194.6 Kl.re Versetzungszeichen (es 1 und Oktavverdoppelungen) folgt B.<br />

194.9f Kl.li Versetzungszeichen (des 1 ) folgt B.<br />

196.10–12 Kl.re Notenwert korrigiert (Achtel-Akkord statt Viertel).<br />

197.2–3 Ges. Schreibweise wurde äquivalent zu T. 193 geändert (Vorschlagsnoten<br />

statt ausnotierter Sechzehntel).<br />

200 Ges. Notation folgt B: Viertel g, Achtel des 1 (statt es 1 ), Viertel c 1 (statt des 1 ),<br />

Achtel b (statt c 1 ).<br />

215 Ges., Kl.re Versetzungszeichen (heses und Oktavverdoppelung) sowie ces 1 in Kl.re<br />

folgen B.<br />

215 Kl.li Notation folgt B (originäre Noten wurden radiert).<br />

216.1 Ges. Auflöser und Versetzungszeichen (es) folgen B.<br />

216 Kl. Notation folgt B (Radierung analog zum Vortakt).<br />

217 Ges. Obere Variante der Singstimme folgt B.<br />

218 Tempoangabe più lento folgt B.<br />

219 Ges. Dynamikvorzeichen (ff) sinngemäß ergänzt.<br />

221.6 Kl.re Versetzungszeichen (es 2 ) ergänzt.<br />

227.5 Ges. Achtel c folgt B.<br />

229.3 Kl.re Halbe es 1 folgt B.<br />

234 (a) T. 234 (a), der eine Verdoppelung des Folgetaktes der Klavierstimme<br />

ohne die linke Hand darstellt, ist im Autograph ausgeklammert (B).<br />

Die Edition folgt der Lesart.<br />

245.1 Kl.li Akzente sinngemäß ergänzt.<br />

254.7 Ges. Im Autographen Manuskript werden beide Stimmführungen auf F<br />

geführt. Der Herausgeber hat eine Option auf f hinzugefügt.<br />

258–260 Kl. Die rhythmische Figur ist fehlerhaft: So muss der jeweils zweite<br />

Akkord im Takt in Zweiunddreißigstel ausgeführt werden, was jeweils<br />

korrigiert wurde.<br />

261.1,2 Kl.li Akkord (punktierte Viertel b-as) folgt B.<br />

265–267 Kl.re Melodieführung folgt B (es handelt sich um eine vollständige<br />

Ergänzung).<br />

268.3–5 Kl.li Notenwert korrigiert: Viertel F-f (Fermate), Viertelpause statt Halbe<br />

f-F.<br />

275.1 Kl.re Auflöser (e 1 ) folgt B.<br />

277.4f Kl.li Auflöser (e) folgt B.


59<br />

Nachtgebeth<br />

Takt Stimme Anmerkung<br />

8 Kl. „cresc.“ durch Crescendo-Gabel ersetzt.<br />

15 Ges. Liedtext: Zur Hervorhebung des Wortes „Herr“ wurde dieses mit<br />

Kommata abgegrenzt.<br />

21–32 T. 20 zeigt ein Wiederholungszeichen, das allerdings von B<br />

hinzugefügt wurde und die folgenden Klammern obsolet macht. Die<br />

Edition folgt daher der ursprünglichen Intention, die prima volta bis<br />

T. 26 zu führen, auf die nach der Wiederholung die secunda volta von<br />

T. 27 bis 32 folgt.<br />

36.9 Kl.li Auflöser (f) folgt B.<br />

55f Ges. Ligatur sinngemäß adaptiert.<br />

57f Ges. Ligatur sinngemäß adaptiert.<br />

59-60 Ges. Die Handschrift zeigt hier zwei Optionen. Die auf E landende wird<br />

gemäß der autographen Notation in Stichnoten angezeigt.<br />

60 Ges. Während im Kl.re T. 62 ein Triller mit ausgeschriebenen Sechzehnteln<br />

notiert ist, sind im Autograph Appoggiaturen zu lesen. Diese wurden<br />

der Klavierstimme angepasst, um den Effekt eines Nachschlags zu<br />

erhalten.


Günter Stummvoll ist historischer Musikwissenschafter am Zentrum<br />

für Angewandte Musikforschung der Universität für Weiterbildung<br />

Krems. Neben von der Sammlung Mailer / <strong>Strauss</strong> Archiv ausgehenden<br />

Publikations- und Forschungsprojekten zum 19. Jahrhundert erforscht<br />

er aktuell die musikalischen Kulturtransferprozesse Mitteleuropas im<br />

18. Jahrhundert.<br />

www.hollitzer.at


61<br />

<strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong> (1827–1870)<br />

Sechs Lieder<br />

für eine Singstimme und Klavier<br />

Herausgegeben von<br />

Günter Stummvoll<br />

Zentrum für Angewandte Musikforschung,<br />

Universität für Weiterbildung Krems<br />

In seinem heute weitgehend vergessenen Vokalœuvre offenbart <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong><br />

seine melancholisch-dramatische Seite. Sechs Lieder, wahrscheinlich aus<br />

einer frühen Schaffensperiode, erzählen von Todessehnsucht, Trauer und<br />

einer im rest lichen Werk kaum thematisierten Frömmigkeit.<br />

Fünf Lieder – Elegie, Meineid, Der Todtengräber, Nachtgebeth und Der Bettler –<br />

für eine tiefe Männerstimme gesetzt, sind bis heute im Autograph erhalten und<br />

wurden niemals zuvor veröffentlicht. Das sechste – Wenn ein Kindlein faltet<br />

fromm die Hände – erschien 1866 im Oesterreichischen Volkskalender.<br />

In dieser Edition setzt sich Günter Stummvoll kritisch mit dem Notentext<br />

aus einander, der die damalige musikalische Avantgarde als <strong>Josef</strong> <strong>Strauss</strong>’<br />

Inspirations quelle erkennen lässt. Mit der Rekonstruktion der Entstehungsund<br />

Über lieferungsgeschichte wird eine Publikations- und Forschungslücke<br />

im Œuvre eines der wichtigsten Komponisten der Wiener Tanz- und Unterhaltungsmusik<br />

des 19. Jahrhunderts geschlossen.<br />

ISBN 978-3-99094-142-3<br />

ISMN 979-0-50270-027-0

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