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FEBRUAR_2012

TOMORROWTODAY

Petra Schaper-Rinkel

Senior Scientist am

AIT Austrian Institute

of Technology

Developing the technologies, methods and tools of tomorrow

AIT KARRIEREWEGE

IM WETTBEWERB UM DIE BESTEN KÖPFE

Im Gespräch mit Tomorrow Today beschreiben die beiden AIT-

Geschäftsführer Anton Plimon und Wolfgang Knoll gemeinsam

mit der Karrierewege-Projektleiterin Elvira Welzig, warum das

AIT Austrian Institute of Technologie als Arbeitgeber in Österreich

eine führende Rolle einnimmt.

➜ ENERGY

FORSCHUNG FÜR DIE PHOTOVOLTAIK

DER ZUKUNFT

Radikale Innovationen sind der Schlüssel für die Stärkung der

Wettbewerbsfähigkeit im Photovoltaiksektor. AIT stellt sich dieser

Herausforderung durch die Entwicklung neuer Zellkonzepte, Herstellungsprozesse

und Analysemethoden.

➜ SAFETY & SECURITY

DIABMEMORY – IM DIALOG MIT DEM

„ALTERSDIABETES“

Wichtig für die Behandlung der Zivilisationskrankheit „Diabetes mellitus

Typ 2“ ist die laufende schriftliche Begleitung durch die

PatientInnen selbst. Das AIT hat für dafür das elektronische

DiabetikerInnentagebuch DIABMEMORY entwickelt.

➜ MOBILITY

MIT SIMULATIONEN ZUM OPTIMALEN

LÄRMSCHUTZ

Lärmschutzwände leisten einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung

des Verkehrslärms. AIT setzt modernste Simulationsmethoden

ein, um diese oftmals unverzichtbaren Schallbarrieren

effizient, kostengünstig und sicher zu gestalten.

➜ FORESIGHT & POLICY DEVELOPMENT

STRUKTUR IM CHAOS

Komplexe Systeme zeigen oft unerwartete Eigenschaften, die nicht

aus den individuellen Handlungen der einzelnen Akteure abgeleitet

werden können. Mit Methoden wie der Multi-Agentenbasierten

Simulation können ForscherInnen des AIT die komplexe Dynamik

natürlicher und sozialer Systeme analysieren.

➜ HEALTH & ENVIRONMENT

WIN-WIN-SITUATION FÜR PFLANZEN

UND BAKTERIEN

Um das enorme wirtschaftliche und ökologische Potenzial pflanzenassoziierter

Mikroorganismen nutzbar zu machen, werden am

AIT mithilfe molekularbiologischer Methoden die Geheimnisse der

Pflanzen-Bakterien-Lebensgemeinschaft gelüftet.


02 ➜ INHALT

FEBRUAR_2012

TOMORROWTODAY

Petra Schaper-Rinkel

Senior Scientist am

AIT Austrian Institute

of Technology

Developing the technologies, methods and tools of tomorrow

AIT KARRIEREWEGE

IM WETTBEWERB UM DIE BESTEN KÖPFE

Im Gespräch mit Tomorrow Today beschreiben die beiden AIT-

Geschäftsführer Anton Plimon und Wolfgang Knoll gemeinsam

mit der Karrierewege-Projektleiterin Elvira Welzig, warum das

AIT Austrian Institute of Technologie als Arbeitgeber in Österreich

eine führende Rolle einnimmt.

➜ ENERGY

FORSCHUNG FÜR DIE PHOTOVOLTAIK

DER ZUKUNFT

Radikale Innovationen sind der Schlüssel für die Stärkung der

Wettbewerbsfähigkeit im Photovoltaiksektor. AIT stellt sich dieser

Herausforderung durch die Entwicklung neuer Zellkonzepte, Herstellungsprozesse

und Analysemethoden.

➜ SAFETY & SECURITY

DIABMEMORY – IM DIALOG MIT DEM

„ALTERSDIABETES“

Wichtig für die Behandlung der Zivilisationskrankheit „Diabetes mellitus

Typ 2“ ist die laufende schriftliche Begleitung durch die

PatientInnen selbst. Das AIT hat für dafür das elektronische

DiabetikerInnentagebuch DIABMEMORY entwickelt.

➜ MOBILITY

MIT SIMULATIONEN ZUM OPTIMALEN

LÄRMSCHUTZ

Lärmschutzwände leisten einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung

des Verkehrslärms. AIT setzt modernste Simulationsmethoden

ein, um diese oftmals unverzichtbaren Schallbarrieren

effizient, kostengünstig und sicher zu gestalten.

➜ FORESIGHT & POLICY DEVELOPMENT

STRUKTUR IM CHAOS


Komplexe Systeme zeigen oft unerwartete Eigenschaften, die nicht

aus den individuellen Handlungen der einzelnen Akteure abgeleitet

werden können. Mit Methoden wie der Multi-Agentenbasierten

Simulation können ForscherInnen des AIT die komplexe Dynamik

natürlicher und sozialer Systeme analysieren.

➜ HEALTH & ENVIRONMENT

WIN-WIN-SITUATION FÜR PFLANZEN

UND BAKTERIEN

Um das enorme wirtschaftliche und ökologische Potenzial pflanzenassoziierter

Mikroorganismen nutzbar zu machen, werden am

AIT mithilfe molekularbiologischer Methoden die Geheimnisse der

Pflanzen-Bakterien-Lebensgemeinschaft gelüftet.

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06

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EINLEITUNG

Am Cover der Tomorrow Today Februar-

Ausgabe ist diesmal AIT Senior Scientist

Petra Schaper-Rinkel

FORSCHUNG FÜR DIE

PHOTO VOLTAIK DER ZUKUNFT

Radikale Innovationen sind der Schlüssel

für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

im Photovoltaiksektor. AIT stellt sich dieser

Herausforderung durch die Entwicklung

neuer Zellkonzepte, Herstellungsprozesse

und Analysemethoden.

DIABMEMORY – IM DIALOG MIT

DEM „ALTERSDIABETES“

Wichtig für die Behandlung der Zivilisationskrankheit

„Diabetes mellitus Typ 2“ ist

die laufende schriftliche Begleitung durch

die PatientInnen selbst. Das AIT hat für

dafür das elektronische Diabetikertagebuch

DIABMEMORY entwickelt.

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MIT SIMULATIONEN ZUM

OPTIMALEN LÄRMSCHUTZ

Lärmschutzwände leisten einen wichtigen

Beitrag zur Eindämmung des Verkehrslärms.

AIT setzt modernste Simulationsmethoden

ein, um diese oftmals unver zicht baren

Schallbarrieren effizient, kostengünstig und

sicher zu gestalten.

STRUKTUR IM CHAOS

Komplexe Systeme zeigen oft unerwartete

Eigenschaften, die nicht aus den individuellen

Handlungen der einzelnen Akteure

abgeleitet werden können. Mit Methoden

wie der Multi-Agentenbasierten Simulation

können ForscherInnen des AIT die komplexe

Dynamik natürlicher und sozialer Systeme

analysieren.

WIN-WIN-SITUATION FÜR

PFLANZEN UND BAKTERIEN

Um das enorme wirtschaftliche und ökologische

Potenzial pflanzenassoziierter

Mikroorganismen nutzbar zu machen, werden

am AIT mit Hilfe molekularbiologischer

Methoden die Geheimnisse der Pflanzen-

Bakterien-Lebensgemeinschaft gelüftet.

GENETISCHES KNOW-HOW FÜR

DIE PFLANZENZUCHT

Welche enormen Vorteile das AIT-Genressourcenzentrum

der internationalen Scientific

Community bietet.

IM WETTBEWERB UM DIE

BESTEN KÖPFE

Im Gespräch mit Tomorrow Today beschreiben

die beiden AIT-Geschäftsführer Anton

Plimon und Wolfgang Knoll gemeinsam mit

der Karrierewege-Projektleiterin Elvira Welzig,

warum das AIT Austrian Institute of

Technologie als Arbeitgeber in Österreich

eine führende Rolle einnimmt.

IMPRESSUM. Medieninhaber und Verleger_Bohmann Druck und Verlag GesmbH & Co. KG., A-1110 Wien, Leberstr. 122, Tel.: +43 1 740 95-0. DVR: 0408689. Geschäftsführung_Gabriele

Ambros, Gerhard Milletich. Herausgeber_AIT Austrian Institute of Technology, Tech Gate Vienna, Donau-City-Straße 1, 1220 Wien, Tel.: +43 (0) 50550-0.

Chefredaktion_Michael Hlava, E-Mail: michael.hlava@ait.ac.at, Chris tian Klobucsar, E-Mail: klobucsar.zv@bohmann.at. Redaktion_Margit Noll, Daniel Pepl, Victoria Reinicke. AutorInnen

dieser Ausgabe_Alfred Bankhamer, Raimund Lang, Angelika Prohammer, Doris Griesser. Projektmanagement:_Daniel Pepl. Grafisches Konzept:_Anita

Frühwirth/EFFUNDWE. Layout_Markus Frühwirth. Druck_Leykam Druck Ges.m.b.H. & Co KG. Titelfoto_Krischanz & Zeiller. Erscheinungsweise_6-mal jährlich. Alle Rechte, auch

die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. ISSN 1994-5159 (Print), ISSN 1994-5167 (Online). Gratis Abo via E-Mail_cmc@ait.ac.at.

Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz

Medieninhaber: Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG. Sitz: 1110 Wien, Leberstraße 122. Unternehmensgegenstand: Die Herstellung, der Verlag und Vertrieb

von Druckschriften aller Art, insbesondere Fachzeitschriften. Buch-, Zeitschriften-, Kunst- und Musikalienhandel. Handel mit Waren aller Art. Organisation von Veranstaltungen.

Geschäftsführer: Dr. Gabriele Ambros, Gerhard Milletich. Beteiligungsverhältnisse: Dietrich Medien Holding Gesellschaft m.b.H. 90,91 %, Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft

m.b.H. 9,09 %.Geschäftsführender Gesellschafter: Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. Die Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG. ist im Sinne des

§ 25 Mediengesetz beteiligt an: D & R Verlagsgesellschaft m.b.H. Nfg. KG mit dem Sitz in Wien; Unternehmensgegenstand: Die Herstellung, der Verlag und Vertrieb von Druckschriften

aller Art, insbesondere Fach- und Servicezeitschriften. Verlag Holzhausen GmbH mit Sitz in Wien; Unternehmensgegenstand: Sachbuchund

Fachbuchverlag in den Bereichen: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheit sowie Kunst, Architektur und Kultur. Norbert Jakob Schmid

Verlagsgesellschaft m.b.H. mit dem Sitz in Wien; Unternehmensgegenstand: Buch- und Zeitschriftenverlag. V & R Verlagsgesellschaft m.b.H. mit

dem Sitz in Wien; Unternehmensgegenstand: Redaktion. Repro-Media Druckgesellschaft m.b.H. Nfg KG mit dem Sitz in Wien; Unternehmensgegenstand:

Atelier für Werbegrafik, Erzeugung und der Handel mit Vorstufenprodukten. Grundlegende Richtung der Zeitschrift Tomorrow Today ist

die Information einer möglichst breiten Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen, Umsetzungserfolge, Innovationen, Anwendungsbeispiele und

Konzepte der außeruniversitären, anwendungsorientierten und wirtschaftsnahen Forschung des AIT Austrian Institute of Technology.


BEYOND BORDERS:

FOKUS ASIA – PACIFIC

/// Die im Rahmen der EXPO 2010 in Shanghai initiierten Forschungs -

kooperationen nehmen immer mehr Fahrt auf. Vergangenen Oktober

konnten Infrastrukturministerin Doris Bures, AIT-Aufsichtsratsvorsit-

zender Hannes Androsch und stv. Vorsitzender Gerhard Riemer (IV) in

Peking und Shanghai weitere wertvolle Weichen zur Vertiefung der

Forschungsachse Österreich-China legen. ///

SEIT DEM 26. OKTOBER 2010 fährt der schnellste

Serienzug der Welt in China. Weniger als fünf Stunden

benötigen die Fahrgäste für die 1.300 Kilometer

lange Strecke zwischen Peking und Shanghai. Und

mit ähnlich hoher Geschwindigkeit fährt die Volksrepublik

im Ranking der größten Volkswirtschaften

an den bisher führenden Industrieländern vorbei,

um sich aktuell hinter den USA als vorläufige Nummer

zwei einzureihen.

CHINA SETZT AUF FORSCHUNG UND TECHNOLOGIE

China steht nun aber aufgrund dieses enormen Wirtschaftswachstumstempos

– inklusive Verdreifachung

des Bruttoinlandsproduktes – vor der Notwendigkeit

der Weichenstellung zur Entwicklung der

nächsten Jahrzehnte, um diese Entwicklung auch

nachhaltig abzusichern. Dabei setzt Chinas Führung

primär auf Technologie und Innovation, die sie nach

wirtschaftlichen Gesichtspunkten reformiert. Der

Schwerpunkt liegt dabei auf der Indus trialisierung

von Technologien, was sich allein schon aus daraus

schließen lässt, dass 83 Prozent der chinesischen

Ausgaben für F&E in experimentelle Entwicklungen

gehen und nur und zwölf Prozent in angewandte bzw.

fünf Prozent in die Grundlagenforschung.

Im aktuellen Fünfjahresplan stehen demnach als

Fixpunkte unter anderem die Verringerung der

Energie- und CO 2 -Intensität und des Anteils fossiler

Brennstoffe, sowie neue strategische Industriezweige,

die Technologien zur Energieeinsparung,

nachhaltiger Mobilität sowie den Umweltschutz

zum Ziel haben. Alles Bereiche, in denen das AIT

Austrian Institute of Technology seit vielen Jahren

hohe Forschungskompetenz aufbauen konnte und

international reüssiert.

Bei seiner strategischen Internationalisierungsoffensive

setzt das AIT daher besonders auf den Ausbau

seiner Forschungs-Netzwerkknoten in Asien.

Zuletzt beispielsweise anlässlich der Weltausstellung

2010 in Shanghai, wo das AIT im Rahmen der

„Austria Tec Week“ mit zahlreichen ExpertInnen angereist

war, um die verantwortlichen Entscheider

➜ EINLEITUNG 03

Auf dem Weg zur führenden Volkswirtschaft nutzt China in forschungstechnischen

Schlüsselbereichen die Expertise des AIT Austrian Institute of Technology: Vergangenen

Oktober unterzeichneten der chinesische Wissenschafts- und Technologieminister Wan

Gang und Innovationsministerin Doris Bures in Peking ein „Memorandum of Understanding“

zur Vertiefung der weiteren Zusammenarbeit zwischen Österreich und China.


04 EINLEITUNG

Am Beispiel der Fünf-Millionen-Stadt

Nanchang im

Südosten Chinas soll in

den kommenden Jahren

demonstriert werden, wie

sich durch ein intelligentes

Gesamtenergiekonzept

trotz des starken Wirtschaftswachstums

eine

deutliche CO 2-Reduktion

erzielen lässt.

aus Kommunen, Verwaltung und Wirtschaft vom

hohen Know how der heimischen Forschungsleis -

tung vor allem auf den Gebieten Energie und Umwelt

zu überzeugen.

DORIS BURES ///

Infrastrukturministerin

„Wir haben durch das AIT

Energy-Projekt die Möglichkeit

erhalten, österreichisches

Know-how im asiatischen Raum

einzusetzen. Wir sind stolz darauf,

dass Nanchang Österreichs

Energie- und Umwelttechnologie-Expertise

schätzt.“

Außerdem wurde in China zwischen Bundesministerin

Doris Bures und Vertretern des Ministry of

Science and Technology (MOST) sowie unter Einbindung

des AIT Austrian Institute of Technology eine

Arbeitsgruppe zur Förderung der strategischen

Zusammenarbeit beschlossen.

CHINA SETZT AUF „SMART CITY“-EXPERTISE DES AIT

Nachdem für Chinas Regierung das Thema Energieeinsparung

zu den zentralen Herausforderungen

zählt, ist das AIT mit seiner international führenden

Expertise auf dem Gebiet der „Smart Cities“

ein logischer Forschungspartner. Daher wurde

auch bereits 2010 im Rahmen der EXPO in Shanghai

der Grundstein für die Zusammenarbeit zwischen

Österreich und China durch ein „Memorandum

of Understanding“ gelegt. Bereits im Mai 2011

wurde das AIT Energy Department dann konkret

mit der Entwicklung eines „Low Carbon City Action

Plan“ für Nanchang beauftragt. Am Beispiel dieser

Fünf-Millionen-Stadt im Südosten Chinas soll in

den kommenden Jahren demonstriert werden, wie

sich durch ein intelligentes Gesamtenergiekonzept

trotz des starken Wirtschaftswachstums eine deutliche

CO 2 -Reduktion erzielen lässt.

Zinner

WOLFGANG KNOLL ///

OFFICE OF SCIENCE AND TECHNOLOGY

AIT-Geschäftsführer

Johannes

„Mit unseren definierten For-

Zur Unterstützung der in der Zwischenzeit zahlreischungsfeldern entlang der glochen

Technologiekooperationen zwischen Österreich balen ‚Grand Challenges’

be fin den wir uns am Puls der

und China gab vergangenen Oktober Innovationsmi-

BMVIT/Rigaud,

Zeit. Bester Beweis dafür ist

nisterin Doris Bures im Rahmen ihrer Regierungs- unser nicht nur in China begehr-

DRC,

mission nach Peking und Shanghai im Beisein des tes Know-how auf dem Gebiet

der ‚Smart Cities’.“

Forschungsratsvorsitzenden Hannes Androsch sowie

führender AIT-ForscherInnen die Einrichtung eines

eigenen Technologiebüros – des „Office of Sci- PILOTSTADT NANCHANG ALS „LIVING LAB“

ence and Technology“ (OST) – bekannt. Analog zum

Technology/Nanchang of

bereits bewährten Modell in den USA soll diese Nach einer detaillierten Bestandsanalyse des städ-

Schnittstelle zu Österreichs Forschung und Entwicktischen Energiesystems von Nanchang erhob das

Institute

lung vor allen Chinas Entscheidungsträgern zeigen, AIT Energy-Department CO2-Einsparungspoten dass Österreich der Kooperation mit dem Reich der ziale und erarbeitete in enger Zusammenarbeit mit Austrian

Mitte hohe Aufmerksamkeit widmet.

lokalen Planungsteams gezielte Maßnahmen zur AIT

Das OST soll unter der Leitung der Chinaexpertin Steigerung der Energieeffizienz – etwa durch die

Zeiller,

Birgit Murr – als Informationsdrehscheibe und Sanierung ausgewählter Stadtviertel. Ein weiterer &

Netzwerk für Wissenschaft und Technologie – ne- zentraler Bestandteil der Untersuchungen war die

ben dem wechselseitigen Know-how-Austausch Einbindung erneuerbarer Energiequellen wie Wind

Krischanz

vor allem als zentraler Knoten für konkrete Wirt- und Photovoltaik und die Adaptierung von Versorschafts-

und Forschungskooperationen dienen. gungsnetzen.

FOTOS:


Die Ergebnisse der Analysen und Untersuchungen

flossen in einen abschließenden „Low Carbon City

Action Plan“ ein. Rund 60 Einzelmaßnahmen sind

hier zu „Actions“ mit konkreten Handlungs- und

Zielvorgaben zusammengefasst, die innerhalb des

zwölften Fünfjahresplanes (2012 bis 2015) und in

weiterer Folge bis 2020 umgesetzt werden sollen.

Der Aktionsplan wurde vergangenen November

beim „2nd World Low-Carbon and Eco-Economy

Congress“ in Nanchang vorgestellt und sehr positiv

aufgenommen. Dieses in enger fachlicher Kooperation

mit WissenschaftlerInnen und BehördenvertreterInnen

vor Ort ausgearbeitete Maßnahmenbündel

umfasst die Bereiche Energie, Gebäude, Industrie,

Mobilität und Urban Planning.

Das Spektrum der geplanten Aktivitäten reicht von

Pilotprojekten, die gemeinsam mit chinesischen

Stakeholdern und österreichischen Unternehmen

durchgeführt werden sollen bis hin zu Potenzialer-

BRIGITTE BACH ///

Head of AIT Energy

Department

„Als Wegbereiter in der Entwicklung

nachhaltiger Energietechnologien

verfügt AIT über jenes

inter disziplinäre Wissen, mit dem

städtische Energiesysteme für die

Herausforderungen der Zu kunft

fit gemacht werden können.“

hebungen und weiterführenden Studien, um die

einzelnen Maßnahmen im Detail ausarbeiten und

schärfen zu können.

Nach dieser ersten Evaluierung auf Metaebene

geht es nun vor allem darum, die Feinarbeit voranzutreiben.

Das AIT hat daher ein zweites „Memorandum

of Understanding“ mit der Universität Nanchang

unterzeichnet, um die Forschung und Entwicklung

in den im Action Plan identifizierten Bereichen

weiter voranzutreiben und gemeinsam

Studien und Projekte für die Stadt auszuarbeiten

und umzusetzen.

Diese österreichisch-chinesische Zusammenarbeit

gilt als klare Win-Win-Situation für beide Seiten:

Sie gibt den chinesischen Partnern die Möglichkeit,

die rasante Stadtentwicklung in China in mehreren

Infrastrukturbereichen nachhaltig zu gestalten,

während das AIT seine Smart Cities Kompetenzen

auf europäischer Ebene durch wertvolle Erfahrungen

im Kontext eines „Living Lab“ ergänzen und in

seinen Innovationsprozess einbinden kann. Dar-

über hinaus fungiert das AIT als Türöffner für die

österreichische Wirtschaft und unterstützt heimische

Unternehmen, strategisch im zweitgrößten

Technologiemarkt der Welt Fuß zu fassen.

WISSENSAUSTAUSCH AUF MEHREREN EBENEN

Neben der intensiven Kooperation mit dem AIT

Energy Department nutzt China seit 2009 aber auch

die Expertise des AIT Foresight & Policy Development

Departments. Konkret ersuchte das „Minis try

of Science and Technology“ (MOST) die Foresight-

ForscherInnen um Projektvorschläge zur Gestaltung

ihrer Wissenschafts- und Innovationspolitik,

beispielsweise zur Nutzung von Synergien zwischen

der chinesischen und österreichischen FTI-Politik.

Das Foresight & Policy Development Department

hat in diesem Zusammenhang ein „Memorandum

of Understanding“ mit der Chinese Academy of Science

and Technology for Development (CASTED) unterzeichnet

und ist derart in die forschungsstrategische

Arbeit Chinas gut eingebunden. Beispiel dafür

ist ein Projekt, in dessen Rahmen mittels WissenschaftlerInnen-Austausches

zwischen AIT und CA-

STED erhoben werden soll, welchen Beitrag Wissen

bzw. „Wissens-spill-over“ für die Entwicklung des

Bruttoinlandsproduktes / der Produktivität von Ländern

leisten.

HANNES ANDROSCH ///

AIT-Aufsichtsrats vorsitzender

„Wir konnten in China den Leis tungs -

beweis antreten, dass wir in jenen

Forschungsbereichen, deren Ergebnisse

für die VR China von besonderer

Relevanz für die Lösung bestehender

Probleme sind, über exzellente Kompetenz

verfügen. Diese Expertise gilt

es jetzt konsequent auszubauen und

zur Umsetzung zu bringen.“

Mittels Analyse der unterschiedlichen Beiträge zur

Entwicklung der Produktivität in China sollen Unterschiede

in der Produktivitätsentwicklung zwischen

Europa und China aufgezeigt werden.

Vereinbart wurden aber auch gemeinsame Konferenzen

– abwechselnd in Peking und in Wien – in

dessen Rahmen Foresight als Methode zur Entwicklung

von politischen Strategien und Maßnahmen

erarbeitet und präsentiert werden sollen. Die

erste Konferenz soll 2013 in Wien stattfinden. Zielgruppe

sind VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft

und öffentlicher Verwaltung. ///

EINLEITUNG 05


06 ➜ KARRIEREWEGE

IM WETTBEWERB UM DIE

BESTEN KÖPFE

/// Im Gespräch mit Tomorrow Today beschreiben die beiden AIT-Geschäftsführer

Anton Plimon und Wolfgang Knoll gemeinsam mit der AIT Karrierewege-Projekt-

leiterin Elvira Welzig, warum das AIT Austrian Institute of Technology als Arbeitge-

ber in Österreich eine führende Rolle einnimmt. ///

Tomorrow Today: Wie rekrutieren Sie Ihre „bes -

ten Köpfe“?

AIT-GF Wolfgang Knoll: Hierbei

gilt es zu unterscheiden, auf welcher

Ebene wir Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter suchen. Wir

schreiben aus, wir gehen auf Kandidatinnen

und Kandidaten zu, die

wir aus unseren Netzwerken heraus

als mögliches Fachpersonal identifizieren und

setzen fallweise auch Rekrutierungsbüros, also

professionelle Headhunter, ein. Grundvoraussetzung,

dass sich gute Leute melden, ist, dass sich

gute Leute melden, ist natürlich, dass wir international

kompetitive Gehälter zahlen. Es gibt aber

auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die primär

wegen des Themas kommen, obwohl sie anderswo

mehr Geld bekommen könnten. Daher ist es gerade

im technisch-wissenschaftlichen Bereich ganz

wichtig, an den richtigen Themen entlang der globalen

Herausforderungen zu arbeiten. Das zieht

gute Köpfe an. Und natürlich hängt es auch von der

Kultur beziehungsweise dem allgemeinen Setting

des Unternehmens ab. Denn das Standing einer

Forschungsstätte hat ebenfalls enormen Einfluss

darauf, gute Leute zu gewinnen.

AIT-GF Anton Plimon: „Ownership“

ist dabei das Schlüsselwort

unserer Maßnahmen. Ziel ist,

dass unsere Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter stolz sind, beim AIT zu

arbeiten. Weil wir an den richtigen

Themen, den „Grand Challenges“,

forschen und weil wir eine Unternehmenskultur

aufbauen, die das AIT zu einem begehrten Dienst-

geber macht. Und wir können aufgrund der vielen

Initiativbewerbungen bereits erkennen, dass dies in

der Zwischenzeit bereits gut greift.

Wie sieht Ihr Karrieremodell – beispielsweise für

eine Forscherin/einen Forscher – konkret aus?

Knoll: Bereits in unserem Markenkern ist der Begriff

„Ingenious Partner“ fest verankert. Er soll zeigen,

dass bei uns die optimale Entwicklung von Talenten

und Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter einen besonderen Stellenwert einnimmt.

In einem Wissensbetrieb ist der Erfolg untrennbar

mit der erfolgreichen Entwicklung unserer

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbunden.

Elvira Welzig: Wir haben daher

die einzelnen Berufsbilder exakt

und mit maximaler Transparenz

definiert. Damit stehen die möglichen

Perspektiven für unsere Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter bereits

beim Eintritt fest. Mit den AIT

Karrierewegen zeigen wir auf, welche Schritte folgen

können und welche Voraussetzungen dafür jeweils

gegeben sein müssen. Unser Karrieremodell

wurde gemäß des Standards international führender

Forschungsorganisationen konzipiert. Es sieht

grund sätzlich fünf Berufsbilder vor: „Engineering &

Expert Advice“, „Management“, „Science“, „Support“

und „Technical Services“. Innerhalb dieser Berufsbilder

ist eine stufenweise Entwicklung in Form

von Levels möglich. Die Aufgaben sowie die Voraussetzungen

sind für jedes Level klar definiert. Das

AIT-Karrieremodell ermöglicht aber auch eine gezielte

Verlagerung der persönlichen Schwerpunkte


durch den Wechsel zwischen den einzelnen Berufsbildern.

Die Voraussetzungen für einen derartigen

Wechsel sind durch die Aufgaben und erforderlichen

Qualifikationen der einzelnen Berufsbilder und

ihren Levels klar definiert. Detaillierte Beschreibungen

aller Berufsbilder sind natürlich auch auf unserer

Website jederzeit abrufbar.

Im Wettbewerb um die besten Köpfe stehen Sie im

Konkurrenzkampf mit Universitäten und der Wirtschaft.

Warum sollte beispielsweise eine Forscherin,

ein Forscher bevorzugt bei AIT anheuern?

Knoll: Eine Universität macht für mich dann Sinn,

wenn mein Karriereweg vorsieht, als Professor im

Lehrberuf zu bleiben. Das ist aber keine Allgemeinlösung.

Manche wollen lieber forschen und entwickeln,

um sich beruflich zu verwirklichen. Auf der anderen

Seite haben wir gegenüber der Industrie eine ganz andere

Zeitperspektive, einen anderen Horizont, einen

etwas ganzheitlicheren Ansatz. Bei uns werden Themen

von ganz unterschiedlichen

Stellen beleuchtet. Und

wir bieten auch die Flexibilität.

Wenn beispielsweise eine Mitarbeiterin

oder ein Mitarbeiter

bei uns als Scientist einsteigt,

jedoch erkennt, dass sie/er sich

als Engineer besser verwirklichen

kann, hat sie/er am AIT die Möglichkeit dazu. Also

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Wert auf den

„Reality Check“ legen, sind bei uns gut aufgehoben.

Plimon: Bei uns befinden sich Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter vom ersten Tag an in einem internationalen

Umfeld. Sie sind mit ihren Projekten laufend in

der weltweiten Scientific Community unterwegs –

das ist keine typische Situation wenn ich in eine Entwicklungsabteilung

eines Industrieunternehmens

einsteige. Weiters erwerben unsere Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter aufgrund der engen Zusammenarbeit

mit Industriepartnern Skills, die in der

Regel an einer Universität nicht beigebracht werden.

Derartige Fähigkeiten, wie beispielsweise Projektmanagement,

Kommunikation & Co sind heutzutage

in einem Lebenslauf unabdingbar. Ein erst auf den

zweiten Blick für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

wertvolles Kernelement unserer Unternehmenskultur

ist zudem das jährlich umzusetzende Mitarbeitergespräch,

bei dem abseits des Tagesgeschäftes

ein Status quo über eigene Perspektiven, Erwartungshaltungen

und tatsächlichen Möglichkeiten

gezogen wird. Denn eine Weiterentwicklung hat nicht

zwangsläufig etwas mit dem steten „Zug nach oben“

zu tun. Dies führt vielmehr stets in eine Falle, da unter

Garantie bei jedem der Punkt kommt, wo die geforderte

Leistung nicht mehr erbracht werden kann.

Welzig: Unser Karrieremodell inklusive unserer

Mitarbeitergespräche beugt eben genau dieser ungewollten

Dynamik vor. Weil die AIT-Karrierewege

auch einen Wechsel innerhalb der Berufsbilder vorsehen.

Beispielsweise vom Scientist zum Engineer

bzw. vice versa. Derartige Fälle haben wir auch immer

wieder.

Wieviele Jahre beträgt die typische Verweildauer

einer AIT-Mitarbeiterin, eines AIT-Mitarbeiters?

Plimon: Das hängt sehr stark von der einzelnen

Funktion und natürlich auch von der positiven Motivation

der Mitarbeiterin, des Mitarbeiters ab. Ein

weiteres Kriterium ist die „Halbwertszeit des Wis-

sens“, die in den verschiedenen Bereichen sehr unterschiedlich

sein kann. Und schließlich müssen

wir auch noch auf kontinuierliche Ansprechpersonen

für unsere Industriepartner achten.

Knoll: In ein paar Jahren wird es dazu wahrscheinlich

eine statistische Antwort geben können. Derzeit

sind wir – ist unser System – dafür zu jung. Wenn ich

aber unser System mit jenen der Vorläuferorganisationen

vergleiche, würde ich mir wünschen, dass die

Verweildauer deutlich kürzer wird. Weil dies dann

eher ein Zeichen von dynamischer Weiterentwicklung

unserer Themen und Positionierung bedeutet.

Forschung im Wandel der Zeit: Wie hat sich das typische

Anforderungsprofil von wissenschaftlichem

Personal geändert? Auf welche Skills kommt es

heute mehr an, was war früher wichtig?

Plimon: Worauf wir heute definitiv mehr schauen, ist

das Thema Mobilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Weil wir es als essenziell ansehen, dass unsere

Expertinnen und Experten auch unterschiedliche

KARRIEREWEGE 07

AIT-GF Wolfgang Knoll: „Bereits in unserem Markenkern ist der

Begriff ,Ingenious Partner’ fest verankert. Er soll zeigen, dass bei uns

die optimale Entwicklung von Talenten und Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter einen besonderen Stellenwert einnimmt.“


08 KARRIEREWEGE

Gedankenwelten kennengelernt haben. Das war sicher

vor zehn Jahren noch nicht so ausgeprägt. Abgesehen

von den unmittelbaren Uni- oder FH-Absolventinnen

und -Absolventen sollten potenzielle Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter in ihrer Laufbahn unbedingt

eine internationale Komponente haben. Gibt es

diese nicht, löst es zumindest viele Fragen aus.

Knoll: Nachdem wir unsere Forschungsstätte in einer

ambitionierteren Liga mit globalen Themen positionieren

– uns also dem weltweiten Wettbewerb an

vorderster Front stellen, darf es gar nicht mehr sein,

dass in den Karrierewegen der Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter die internationalen Karrierepunkte fehlen.

Das hat auch etwas mit Benchmarking zu tun.

Tomorrow Today im Gespräch mit dem ehemaligen AIT-Mitarbeiter

Georg Haberhauer, der dem Ruf als Vizerektor für Strategische Entwicklung

an die Universiät für Bodenkultur Wien gefolgt ist.

Herr Vizerektor Haberhauer, bevor Sie an die BOKU berufen

wurden, waren Sie viele Jahre am heutigen AIT für

den Bereich der „Health“-Forschung verantwortlich.

Was konnten Sie aus dieser Zeit mitnehmen? Was hat

Ihnen beim AIT am besten gefallen?

n AIT ist ein sehr dynamisches Unternehmen. Dazu

kommt die große Flexibilität, Leistungsbereitschaft und

enorme Teamfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Fähigkeit

der AIT-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler Forschungsfragen aus

Industrie und Wirtschaft mit immer neuen Innovationen und Technologien zu

beantworten, hat mich beeindruckt. Zusätzlich war immer ein starkes kunden-

und anwendungsorientiertes Denken bei den Kolleginnen und Kollegen

im AIT zu spüren.

Ist in Österreich die Durchlässigkeit von der Akademia in die außeruniversitäre

Forschung/die Industrie (und wieder retour) gegeben, oder ist Ihr Fall

eher die Ausnahme?

n Die Berufsbilder in Akademia und außeruniversitärer Forschung unterscheiden

sich zwar auf den ersten Blick, die Durchlässigkeit der Systeme ist

aber heute größer als noch vor wenigen Jahren. Ein Wechsel ist möglich. So

auch z. B. im Bereich der Professuren. Ich selbst habe bei einer Anzahl von

Berufungen mitgewirkt, wo die Universität Personen aus außeruniversitären

Organisationen berufen hat. Hier zählte die Expertise aus der Praxis, das anwendungsorientierte

Denken, Managementfähigkeiten, vereint mit exzellenter

Forschungsarbeit, die den Ausschlag für die Berufungen ergab.

Wie intensiv ist aus Ihrer Sicht die Kooperation von außeruniversitären Forschungsstätten

mit Universitäten? Sieht man sich nicht auch ein bisschen

als Konkurrenten im Kampf um Drittmittel/Forschungsaufträge?

n Kooperationen werden z. B. im Health/Environment-Bereich stark gepflegt.

Kooperationen sind – sowohl für Unis als auch außeruniversitäre Forschungsorganisationen

– heute gerade im angewandten Forschungsbereich vielfach

Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektabwicklung. Dies gilt für Förderprojekte

wie auch für Wirtschaftsaufträge. Oft sind Grundlagenaspekte und Anwendungsthematiken

in einem Projekt vereint. Die Kooperationen sind erforderlich,

um international als F&E-Standort sichtbar und konkurrenzfähig zu bleiben. Sicherlich

kommt auch intern etwas Konkurrenz auf, die aber gerade im forschungsglobalen

Kontext als gesund angesehen werden kann. ///

Plimon: Eine inhaltliche Auffälligkeit zu früher, mit

der wir noch vor zehn Jahren zu kämpfen hatten,

war, dass damals Uni-Absolventinnen und -Absolventen

nicht jene für uns wichtigen Skills hatten –

wie beispielsweise die numerische Simulation. Dieses

Thema stand gegenüber experimentellen Techniken

viel zu stark im Hintergrund. Das war für uns

natürlich eine unangenehme Situation, da wir viel

Zeit in das Lehren erforderlicher Basics investieren

mussten, bevor diese jungen Menschen produktiv

eingesetzt werden konnten. Das hat sich in der Zwischenzeit

zum Glück geändert. In den Wissenschaften

sind Simulationen, also die modellmäßige Begleitung

von experimentellen Arbeiten, mittlerweile

Standard geworden.

Wie sehr „in Stein gemeißelt“ sind Ihre Anforderungsprofile

an potenzielle Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter?

Welzig: Wir haben am AIT einen Personalstand von

knapp 900 Personen – und somit nahezu gleich viele

Anforderungsprofile. Denn wir stecken mit unserem

Anforderungsprofil lediglich den strukturierten

Rahmen ab. Ein Beispiel dazu: Wenn heute eine

Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter das AIT wieder

verlässt, wird die idente Job-Description natürlich

nicht neuerlich ausgeschrieben. Wir überlegen uns

vielmehr, wie sich die technologischen Bedingungen

weiterentwickelt haben, also welche neuen

Skills nun erforderlich sind beziehungsweise wegfallen.

Und das kann mitunter deutlich divergieren.

Plimon: Dazu gibt es zwei Komponenten, die man

nicht vermischen darf. Die eine ist, dass eine bestimmte

Person gebraucht wird, die im Team eine

exakt definierte Rolle zu übernehmen hat. Diese mittels

Raster finden zu wollen, ist keine gute Idee. Vielmehr

gehen wir dabei auf die Suche nach komplementären

Skills. Und diese lassen sich eben nicht

standardisiert festmachen. Das andere Thema sind

die formalen Kriterien. Was es beispielsweise bedeutet,

von einem Senior Scientist zu einem Principal

Scientist aufzusteigen. Und diese Kriterien sehen wir

schon sehr eng. Denn in diesem Zusammenhang geht

es uns um das „Nichtaufweichen“ von Standards.

Knoll: Nehmen wir das treffende Bild einer Fußballmannschaft.

Wenn ich im Team mit Stürmern

gut ausgestattet bin, aber einen Verteidiger benötige,

dann muss ich eben auch einen Verteidiger suchen.

Ich muss bestimmte generelle Anforderungen

setzen. Wenn es dann ein „Senior-Verteidiger“

werden soll, muss dieser die generelle Qualifikati-

on eines Senior- Verteidigers erfüllen. FOTOS: Krischanz & Zeiller, AIT Austrian Instiute of Technology, Klobucsar


Wie durchlässig ist Ihr System? Funktioniert der

Wechsel zwischen Universitäten, außeruniversitären

Forschungsstätten und der Industrie?

Knoll: Darauf haben wir bei unserem Karrieremodell

großen Wert gelegt – nämlich dem „Andocken

an die Außenwelt“. Es ist nach allen Richtungen hin

offen. Wir haben zahlreiche Beispiele dafür, dass

Kolleginnen und Kollegen den Ruf aus der Akademia

erhielten, und noch mehr natürlich, die in die

Industrie gewechselt sind – und wieder retour. Es ist

ein prosperierendes, lebendiges System, das unser

Wissensnetzwerk ständig weiter ausbaut. Diese

Durchlässigkeit ist eine unserer tragenden Säulen.

Plimon: Durch die intensive Zusammenarbeit mit

unseren Forschungspartnern aus der Industrie

sind die Skills unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

natürlich stets gut sichtbar. Daraus ergibt

sich fast zwangsläufig ein reger Austausch an qualifiziertem

Personal. Wir betrachten dies als Partnerprogramm

und als Teil unserer Rolle am heimischen

Innovationssektor.

Ist das AIT-Karrieremodell mit jenen internationaler

Forschungsstätten vergleichbar?

Knoll: Viele Geschäftsführer europäischer Forschungsstätten

haben uns zu unserem Karrieremodell

gratuliert, da es in dieser Struktur bzw. Ausformulierung

den heutigen Bedarf an Manpower in der Forschung

sehr gut widerspiegelt. In seiner Basis setzt

unsere Struktur aber auf internationale Standards auf

– ein Senior Scientist soll bei uns beispielsweise ein

vergleichbares Anforderungsprofil wie bei Helmholtz

in Deutschland oder beim MIT in den USA haben.

Wie hoch ist der Anteil Ihres internationalen Personals

– quer durch alle Beschäftigungsgruppen? Wie

hoch ist Ihr Frauenanteil?

Welzig: Der Anteil an internationalen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern liegt bei rund 20 Prozent. Quer

durch den Beschäftigtenstand haben wir rund 40

Prozent weibliches Personal – aus österreichischer

Sicht ein überdurchschnittlich hoher Wert, obwohl

wir keine konkrete Frauenquote definiert haben.

Wie sieht es bei Ihnen mit Spin-offs aus?

Plimon: Spin-offs sind ein wichtiger Bestandteil

unseres Business-Modells – werden also von uns

unterstützt. Wir beteiligen uns bei derartigen Firmenausgründungen

jedoch stets als Minderheitspartner,

um das neue Unternehmen in seinem

Handlungsfreiraum nicht einzuschränken. Denn es

braucht seine Flexibilität, um wachsen zu können.

Sind diese also in Ihrer Bilanz bereits als Einnahmequellen

sichtbar?

Plimon: Ja – in der Zwischenzeit haben wir auch

schon monetär einen positiven Saldo. Es ist ein

schönes Investment, dem man beim Wachsen zusehen

kann. Der eigentliche, zusätzliche, nicht direkt

quantifizierbare Mehrwert ist aber für uns,

dass sie oft jene Dienstleistungsthemen besetzen,

die bei uns nicht ins Forschungsportfolio passen.

Damit sind sie in unserem Netzwerk natürlich stets

die bevorzugten Kooperationspartner. ///

KARRIEREWEGE 09

Tomorrow Today im Gespräch mit dem künftigen AIT-Mitarbeiter Martin

Weber, der vom renommierten Biotechnologieunternehmen QIAGEN

(Hilden/D) in das AIT Health & Environment Department wechselt.

Herr Weber, Sie haben bei einem internationalen Top-

Unternehmen gearbeitet. Was war der ausschlaggebende

Punkt jetzt zum AIT zu wechseln?

n Mein neues Team im Geschäftsfeld Molekulare Diagnostik

am AIT ist hochmotiviert, wissenschaftlich bes -

tens qualifiziert und ideal interdisziplinär aufgestellt.

Dies und die sehr gute internationale Positionierung des

AIT insgesamt im Bereich der angewandten Forschung in Europa, sehe ich

als optimale Basis um mittelfristig Break-Through-Innovationen in einem für

Österreich und Europa zentralen Zukunftsfeld gestalten zu können.

Inwieweit kannten Sie bereits das Team um Michaela Fritz? Haben Sie mit

dem Health-Department schon zusammengearbeitet?

n Das Team um Michaela Fritz habe ich erst Ende letzten Jahres bei meinen

Besuchen in Wien kennengelernt. Ich war gleich beeindruckt von der klaren

strategischen Positionierung, dem hohen Kompetenzniveau und der großen

persönlichen Offenheit in der Abteilung Health & Environment.

Was erwarten Sie sich von Ihrem neuen Aufgabengebiet?

n Die Molekulare Diagnostik durchläuft gerade eine sehr rasante Entwicklung.

Denken Sie nur an all die Möglichkeiten, die sich zum Beispiel durch die personalisierte

Medizin sowie durch neue sensitivere Methoden oder durch neue Bio-

Marker zur Früherkennung von alternsabhängigen Krankheiten, wie etwa

Krebs, ergeben. Ich glaube, dass wir hier mit unserer Arbeit einen für die gesamte

Gesellschaft inhaltlich wertvollen Beitrag leisten, indem wir neue Technologien

zur Erkennung von Krankheiten erforschen und zusammen mit Indus -

triepartnern vermarkten, durch die eine rechtzeitige und gezielte Therapie dieser

Krankheiten letztlich erst möglich wird.

Ist Ihrer Meinung nach die Durchlässigkeit – also der Wechsel zwischen

Akademia/außeruniversitärer Forschung/Industrie – gegeben?

n Das ist nach meiner Ansicht leider noch nicht überall und noch nicht in ausreichendem

Maße der Fall. Es freut mich sehr, dass das AIT hier eine Vorreiterrolle

einnimmt. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine größere Durchlässigkeit

in alle Richtungen für alle Beteiligten einen Gewinn darstellt und dass Mitarbeiterinnen

und MItarbeiter, die in ihrer beruflichen Laufbahn mehr als eine

dieser „Berufswelten“ kennengelernt haben, interessante und nützliche Inputs

für ihre jeweils aktuelle Tätigkeit mitbringen. ///

ENERGY ➜


10 ➜ ENERGY

FORSCHUNG FÜR DIE

PHOTOVOLTAIK DER ZUKUNFT

/// Radikale Innovationen sind der Schlüssel für die Stärkung der Wett -

bewerbsfähigkeit im Photovoltaiksektor. AIT stellt sich dieser Herausforde-

rung durch die Entwicklung neuer Zellkonzepte, Herstellungsprozesse

und Analysemethoden. ///

l AUF DEN PUNKT GEBRACHT

DIE PRODUKTIONSKOSTEN IM PHOTOVOLTAIKSEK-

TOR sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.

Diese Entwicklung ist zwar einerseits erfreulich,

da sie der nachhaltigen Technologie auf

breiter Basis zum Durchbruch verhilft, bringt aber

gleichzeitig europäische Hersteller unter beträchtlichen

Preisdruck. „Diese Herausforderung kann

nur mit konsequenter Innovation gemeistert werden“,

stellt Wolfgang Hribernik, Head of Business

Unit „Electric Energy Systems“ am AIT, klar. „Eine

mögliche Antwort liegt in einer breiten Aufstellung

entlang der Wertschöpfungskette, unter anderem

durch eine integrierte Zell- und Modulproduktion

mithilfe neuer Herstellungsverfahren.“ Großes Potenzial

für radikale Innovationen bieten aber auch

nanotechnologische Ansätze, die in interdisziplinärer

Kooperation mit dem Health & Environment Department

verfolgt werden. In mehreren Projekten

widmet sich das Photovoltaik-Team diesen „Emerging

Technologies“ und positioniert das AIT damit

als kompetenten Entwicklungspartner für die In -

dus trie – von der Solarzelle bis zum Gesamtsystem.

Mit jährlichen Wachstumsraten von rund 40 Prozent wird die Photovoltaik

eine wichtige Rolle im Strommix der Zukunft einnehmen. Vorrangiges Ziel

der Forschung ist es, die zentrale Kennzahl „Kosten pro Watt“ zu optimieren

– durch Reduktion des Materialverbrauchs, Senkung der Produktionskosten

und Erhöhung der Effizienz. Das AIT Energy Department stellt sich dieser

Herausforderung und entwickelt nanobasierte Zellkonzepte, wirtschaftliche

Herstellungs prozesse für die Dünnschichtmodule der dritten Generation und

innovative Lösungen für die gebäudeintegrierte Photovoltaik. Abgerundet

wird das Leistungsspektrum durch die Erforschung neuer Methoden zur Charakterisierung

und Qualitätssicherung von Zellen und Modulen.

WOLFGANG HRIBERNIK ///

Head of Business Unit

„Electric Energy Systems“

„Eine Möglichkeit zur Stärkung

der Wettbewerbsfähigkeit liegt

in der breiten Aufstellung entlang

der Wertschöpfungskette –

z. B. durch eine integrierte Zellund

Modulproduktion mithilfe

neuer Herstellungsverfahren.“

VORSTOSS IN DIE NANOWELT

Im Projekt SAN-CELL (Low-cost, silicon-free solar

cells based on self-assembled nanostructures) arbeitet

AIT zusammen mit der Universität Linz an der

Entwicklung einer siliziumfreien anorganischen Solarzelle,

deren Architektur auf selbstorganisierten

Nanostrukturen basiert. Das Konzept bringt gleich

mehrere Vorteile, wie Stephan Abermann, Scientist

am AIT Energy Department erläutert: „Der Einsatz

von Dünnschichttechnologie führt zu einer deutlichen

Reduktion des Materialverbrauchs, während die Nanodrähte

Ladungstransport und Lichtabsorption verbessern

und damit die Effizienz erhöhen.“ Da sich die

Nanodrähte in einem elektrochemischen Prozess automatisch

an den Kristallstrukturen des Substrats

ausrichten und so quasi von selbst wachsen, werden

zusätzlich Herstellungskosten eingespart. Mithilfe

von halbleitenden Nanokristallen als photosensitive

Komponenten lassen sich die Eigenschaften der Solarzelle

darüber hinaus „feintunen“ und optimal an

das Sonnenspektrum anpassen. „Die ersten Prototypen

wurden bereits getestet und haben die grundsätzliche

Machbarkeit des Zellkonzepts unter Beweis


gestellt“, ist Abermann überzeugt, dass Lösungsansätze

aus der Nanotechnologie die Solarzellenproduktion

in Zukunft revolutionieren werden.

PHOTOVOLTAIK DER DRITTEN GENERATION

Dünnschichtsolarzellen gelten als zukunftsträchtige

Technologie für die gebäudeintegrierte Photovoltaik,

da sie großflächig und in unterschiedlichen

Geometrien hergestellt werden können. Im Projekt

SOLO-PV (Solution-based Low-cost PhotoVoltaics)

forscht das AIT zusammen mit einem Schweizer

Speziallabor und dem österreichischen Unternehmen

EVG an einem neuen Herstellungsprozess für

die schlanken Zellen. Da die in heutigen CIGS-Zellen

verwendeten Hightech-Metalle Indium und Gallium

in der Elektronikindustrie heiß begehrt und

dementsprechend knapp und teuer sind, werden

die Entwicklungen mit einem alternativen Absorbermaterial

durchgeführt. „Kupfer-Zink-Zinn-Sulfid

ist ein sehr vielversprechender Kandidat, weil es

aus ungiftigen und reichlich in der Erdkruste vorkommenden

Materialien besteht“, so Abermann.

Der Kern des Herstellungsprozesses besteht darin,

dass der Absorber und auch alle anderen

Schichten der Solarzelle in Flüssigkeit gelöst und

mittels chemischer Sprühpyrolyse bzw. elektrochemischer

Abscheidung auf flexible Materialfolien

aufgebracht werden. Dieser lösungsbasierte Ansatz

ist optimal für großflächige Verfahren geeignet,

da sich Solarzellen damit schnell und kostengüns -

tig in meterlangen Bahnen herstellen lassen.

SOLARDACH VON DER ROLLE

Ein solcher „Roll-to-Roll (R2R)“-Prozess steht auch

im Mittelpunkt des Projekts Flexible PV-Systeme, in

dem flexible organische und CIGS-Dünnschichtsolarzellen

(bestehend aus Kupfer-Indium-Gallium-

Diselenid) zwischen Hochbarrierematerialien des

österreichischen PV-Komponentenherstellers Isovoltaic

verkapselt und auch gleich mit einer Dachbahn

verbunden werden.

Alle Vormaterialien – Solarzellen, Einkapselungsund

Barrierematerialien sowie die Dachbahn – liegen

in Rollenform vor und werden in einem kontinuierlichen

R2R-Prozess zu einem großflächigen

gerollten Modul verarbeitet, das vor Ort am Dach

verschweißt werden kann.

Die ExpertInnen des AIT unterstützen die Pro -

zess entwicklung durch Mitarbeit an der Konzeption

sowie umfassende Leistungs- und Alterungstests

an den Modulen im Dünnschichtlabor. Ergänzend

dazu wird ein Monitoringkonzept erarbeitet,

um die Leistungsfähigkeit der in

Österreich, der Schweiz und Spanien geplanten

Demoanlagen unter mittel- und südeuropäischen

Klimabedingungen zu untersuchen.

Angesichts der Tatsache, dass jährlich europaweit

rund 100 km² Dachmembran auf Industriedächern

verlegt werden, könnte das Photovoltaikdach von

der Rolle einen besonders wichtigen Beitrag zur industriellen

Energieversorgung leisten.

ENERGY 11

Automatische Klassi -

fizierung defekter Zellen

in einem Photovoltaikmodul

mittels Infrarot aufnahme


12 ENERGY

LICHT UND SCHATTEN

Der architektonische Einsatz der Photovoltaik ist allerdings

nicht auf Dächer beschränkt. Im Projekt

MPPF (Multifunctional Plug & Play Facade) wird die

Fassade als aktiver Teil eines gesamtenergetischen

Gebäudekonzepts gesehen, in dem die Photovoltaik

eine wichtige Rolle einnimmt. „In der Architektur ste-

STEPHAN ABERMANN ///

Scientist, AIT Energy

Department

„Die Dünnschichttechnologie

ermöglicht eine deutliche

Reduktion des Materialverbrauchs,

während Nanodrähte

Ladungstransport und Lichtabsorption

verbessern und

damit die Effizienz erhöhen.“

hen derzeit vor allem entweder die visuellen Aspekte

oder die Stromerzeugung im Vordergrund, während

die Erfüllung beider Ansprüche und spezielle Fragestellungen,

wie die Farbwirkung, noch sehr wenig

Berücksichtigung finden“, so AIT-Scientist Marcus

Rennhofer. Am AIT wurden daher Verschattungselemente

aus teil- und semitransparenter Photovoltaik

erstmals einer lichttechnischen Bewertung unterzogen

und mit herkömmlichen Sonnenschutzgläsern

verglichen. „Unsere Spektralmessungen haben ergeben,

dass die Farbe des durchdringenden Lichts bei

den untersuchten Photovoltaikelementen sehr neutral

und unverfälscht ist, was sich positiv auf Wohl-

Der Preisdruck in der Photovoltaikbranche kann nur

mit radikalen Innovationen gemeistert werden

fühlparameter, visuelle Erscheinung des Innenraums

und die Gesundheit am Arbeitsplatz auswirkt.“

Ergänzende dreidimensionale Strömungssimulationen

zeigen darüber hinaus einen stark verminderten

Energieeintrag. Verschattungselemente mit integrierter

Photovoltaik produzieren also nicht nur

nachhaltigen Strom und vermindern den Energiebedarf

für die Klimatisierung, sondern erhöhen durch

ihre natürliche Lichtwirkung auch das Wohlbefinden

in Büros und Wohnräumen.

HIGHTECH-ANALYSETOOL FÜR

PHOTOVOLTAIK-MODULE

Elektrolumineszenz-Messungen sind ein unverzichtbares

Werkzeug in der Diagnostik von Photovoltaik-Modulen.

Dabei wird der Photoeffekt quasi

umgekehrt: Das Solarmodul wird mit Strom ange-

regt und die frei werdende Energie in Form von

Licht abgegeben und mit einer Spezialkamera erfasst.

Ein hohes Maß an Expertenwissen ist notwendig,

um aus diesen Bildern mögliche Fehler herauslesen

zu können. Im Rahmen des Projekts IPOT

wird nun ein Analysesystem entwickelt, das diese

Interpretation vollautomatisch und objektiv durchführen

kann. „Durch die Kopplung von komplexen

Bildverarbeitungsalgorithmen mit einem physikalischen

Modell lassen sich aus dem Elektrolumineszenz-Bild

Rückschlüsse auf die Halbleitereigenschaften

der einzelnen Zelle und des gesamten Moduls

ziehen“, erläutert AIT-Scientist Bernhard Kubicek.

So können nicht nur Transportschäden,

Zellfehler, Kurzschlüsse und Mikrorisse schnell

und objektiv aufgedeckt, sondern auch zuverlässige

Aussagen über Alterung und Ausfallsrisiko getroffen

werden. Die automatische Analyse ist damit

eine wertvolle Hilfe bei der Qualitätssicherung in

der Produktion und erlaubt Händlern auch eine lü -

ckenlose Überwachung der von Fremdherstellern

gelieferten Module. Kein Wunder also, dass in der

Photovoltaikbranche bereits reges Interesse am

Fehlerdetektiv „made by AIT“ besteht. ///

Projektpartner:

Die Projekte SAN-CELL und SOLO-PV werden aus

Mitteln des Klima- und Energiefonds finanziert und

von der FFG abgewickelt. Partner im Projekt SOLO-

PV sind die EV-Group und EMPA Swiss (Eidgenössische

Material und Prüfanstalt). Im Projekt SAN-CELL

kooperiert AIT mit der Johannes Keppler Universität

Linz und mit dem NTC Weiz.

Die K-Projekte MPPF (Multifunctional Plug&Play Facade)

und IPOT (Intelligent Photovoltaic mOdule

Technologies) werden im Rahmen von COMET vom

Bund (BMVIT, BMWFJ) und den Ländern Kärnten,

Niederösterreich und Steiermark kofinanziert und

von der FFG abgewickelt. Im Projekt MPPF unter der

Leitung der FIBAG kooperiert AIT mit der Technischen

Universität Graz und der Universität Innsbruck.

Wissenschaftlicher Partner im Projekt IPOT ist das

CTR Kärnten.

Partner im Projekt Flexible PV-Systeme sind die Firmen

Isovoltaic, Isosport, Flisom, Renolit, Konarka,

Hymmen und Fraunhofer IVV. Das Projekt wird aus

Mitteln des Klima- und Energiefonds finanziert und

von der FFG abge wickelt.

Weitere Infos: Energy Department,

Julia Jene, Tel.: +43 505 50-6688,

E-Mail: julia.jene@ait.ac.at,

Web: www.ait.ac.at/energy

FOTOS: Krischanz & Zeiller, AIT Austrian Institute of Technology, Bernhard Kubicek, EV Group


RESEARCH SERVICES

Modul-Performancemessungen

Akkreditierte Bauartzulassungstests bestätigen die Qualität

und elektrische Sicherheit von Solarmodulen und

dienen als Grundlage für die CE-Kennzeichnung und Fördervergabe.

Aufgrund der raschen Entwicklungszyklen

werden am Department laufend neue Methoden für die

Charakterisierung innovativer Modultechnologien erarbeitet.

n Bauartzulassungsprüfungen

n Performancemessungen

n Kalibrierung von Referenzmodulen

n Individuelle Forschung und Entwicklungsbegleitung

n Bildgebende Untersuchungen

Analyse von PV-Anlagen und Modulkomponenten

Der jährliche Energieertrag von Photovoltaiktechnologien

ist stark von den regionalen Strahlungs- und Klimaverhältnissen

vor Ort abhängig. Die Messungen,

Analysen und Simulationen des Departments bieten

eine wertvolle Entscheidungshilfe bei der Wahl der

geeigneten Technologie für jeden Standort.

n Generatorleistungsmessungen vor Ort

n Ertragsanalysen und wissenschaftliches Monitoring

n Erhebung von Optimierungsmöglichkeiten

n Qualitätsuntersuchungen

n Analyse von Degradationserscheinungen

n Wissenschaftliche Begleitung (Machbarkeitsstudien,

Technologievergleiche)

Begleitforschung im Bereich Solarzellenentwicklung

Ein wichtiges Ziel bei der Entwicklung von Solarzellen

ist die deutliche Senkung der Material- und Produktionskosten.

Neben klassischen kristallinen Siliziumzellen

und Dünnschichtzellen werden verstärkt auch

nanostrukturierte und organische Zellen eingesetzt.

Das Department entwickelt maßgeschneiderte Analyse-

und Charakterisierungsverfahren für diese neuen

Technologien.

n Analyse von Hot-Spot-Effekten

n Infrarotthermographie

n Elektrolumineszenzmessungen

n Mikroskopaufnahmen

n Rückstrombelastbarkeit

n Performancemessung an einzelnen Solarzellen

Klimasimulationen

Photovoltaikkomponenten müssen auch unter rauen

Bedingungen über ihre gesamte Lebensdauer die volle

Leistung bringen. In den Klimakammern des Departments

werden Komponenten und Module bei extremen

Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten auf ihr Langzeitverhalten

untersucht.

n Beschleunigte Alterungstests

n Überprüfung von Materialkompatibilitäten

n Machbarkeitsuntersuchungen an innovativen Moduldesigns

Forschungsinfrastruktur – PV Test Lab

Im PV Test Lab wird das elektrische, optische, thermische

und mechanische Verhalten von Modulen umfassend

analysiert. Neben standardmäßigen Klima- und

Belastungstests kommt dabei auch Hightech-Laborinfrastuktur

zum Einsatz, z. B.

n 8 m² Steady-State-Sonnensimulator

n Klimatisierter gepulster Sonnensimulator

n Spektrometer (UV-VIS-IR)

n Zellmessplatz ///

THORSTEN MATTHIAS,

HEAD OF BUSINESS

DEVELOPMENT DER EV

GROUP, ÜBER DEN STEI-

GENDEN KOSTENDRUCK

IM PHOTOVOLTAIK -

BEREICH.

ENERGY 13

Herr Matthias, die EV Group ist

Prozessmaschinen-Spezialist für

die Halbleiterindustrie mit Fokus

auf Mikroelektronik. Nun steigt

EV auch in den Photovoltaiksektor

ein. Welche Parallelen und Unterschiede sehen Sie in diesen beiden

Märkten?

Die Mikroelektronik wird von der kontinuierlichen Miniaturisierung von

Transistoren und anderen Bauteilen angetrieben („Moore’s Law“).

Dadurch können die Chiphersteller mit jeder neuen Produktgeneration

leistungsfähigere Chips bei gleichbleibender Chipgröße fertigen. Dies

bedeutet aber, dass die Produktionsmaschinen jedes Jahr deutlich leis -

tungsfähiger werden müssen: z. B. höhere Präzision, höhere Reinheit,

genauere Prozesskontrolle. In der Photovoltaik hingegen liegt das

Hauptaugenmerk auf Kostenreduzierung. Die EV Group liefert schon

seit über zehn Jahren Prozessmaschinen für den Photovoltaiksektor. So

werden z. B. Solarzellen für Concentrated Photovoltaic (CPV) mithilfe

von Fotolithografie und Waferbonden auf unseren Anlagen hergestellt.

Mit welchen Eintrittsbarrieren sind Ihre Produkte im hart umkämpften

Photovoltaikmarkt konfrontiert?

Die Photovoltaikindustrie ist sehr risikoscheu. Solarmodule werden mit

25+ Jahren Garantie verkauft, aber es ist ja eben sehr schwer zu beweisen,

dass ein Modul noch in 25 Jahren funktionieren wird. Daher wurden

in der Vergangenheit etablierte Prozesse nicht bzw. nur im absoluten

Notfall verändert. Aber jetzt sehen viele Hersteller die Notwendigkeit,

ihre Produkte technisch von der Konkurrenz abzugrenzen und sind

gewillt, neue Fertigungsprozesse zu implementieren. Die Prozesse der

EV Group ermöglichen deutliche Effizienzsteigerungen der Zellen und

Module.

Inwiefern können die von Ihnen hergestellten Maschinen die Zell- und

Modulhersteller unterstützen, dem immer stärker werdenden

Kostendruck im Photovoltaikbereich standzuhalten?

Unsere Maschinen ermöglichen den Zell- und Modulherstellern sowohl

ihre Kosten zu senken als auch ihre Produkte technisch vom Wettbewerb

zu differenzieren. Mit Imprint-Lithografie können wir schmutzabweisende

Schichten am Modul erzeugen, wodurch sich der elektrische

Output über die ganze Lebenszeit drastisch vergrößert. Wir erzeugen

auch sogenannte „Light-Trapping“-Strukturen, wodurch der Materialverbrauch

für Dünnschichtzellen weiter reduziert werden kann, was

speziell für Zellen mit Elementen wie Indium wichtig ist.

Welche Aspekte schätzen Sie aus Sicht eines neuen Players im Photovoltaikmarkt

in der Zusammenarbeit mit den AIT-ExpertInnen?

Das Team vom AIT vereint interdisziplinäre wissenschaftliche Expertise,

breites Marktwissen, Know-how in der Messtechnik und umfassende

Erfahrung in der Durchführung von multinationalen Forschungsprojekten.

///

SAFETY & SECURITY ➜


14 ➜ SAFETY & SECURITY

DIABMEMORY – IM DIALOG

MIT DEM „ALTERSDIABETES“

/// Immer mehr Menschen leiden unter der Zuckerkrankheit. Diabetes mellitus Typ 2,

früher oft „Altersdiabetes“ genannt, zählt bereits zu den großen Zivilisationskrank-

heiten entwickelter Industrienationen. Wichtig bei der Behandlung ist die laufende

Begleitung der Diabetes-PatientInnen. Das AIT hat deshalb das elektronische Dia-

betikerInnentagebuch DIABMEMORY entwickelt, das seit zwei Jahren bei der Versi-

cherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) zum Einsatz kommt. ///

l AUF DEN PUNKT GEBRACHT

DIE

LAGE IST

DURCHAUS

KRITISCH. Die

Krankheit Diabetes

mellitus

(Deutsch: honigsüßer

Durchfluss) ist weltweit auf dem

Diabetes entwickelt sich zu einer der großen Zivilisationskrankheiten. Besonders

der Typ-2-Diabetes ist stark im Vormarsch, da die Bevölkerung immer älter wird,

sich weniger bewegt und unter Übergewicht leidet. Chronische Krankheiten wie

Diabetes bedürfen einer intensiven Betreuung und verursachen hohe Kosten für

das Gesundheitssystem. Mit dem elektronischen DiabetikerInnentagebuch DIAB-

MEMORY, das das AIT entwickelt hat und bei der Versicherungsanstalt der Eisenbahnen

und Bergbau (VAEB) seit 2010 im Einsatz ist, können PatientInnen durch

einfaches Hinhalten eines Smartphones ihre Gesundheitsdaten speichern, übertragen

und erhalten zugleich auch ein Feedback über ihren aktuellen Gesundheitszustand.

Das System ermöglicht eine nachhaltige Betreuung, bietet den

PatientInnen mehr Eigeninitiative und kann langfristig Kosten im Gesundheits -

wesen sparen.

Vormarsch. Beschrieben wurde

die Zuckerkrankheit schon

in der Antike. Durch die alternde

Gesellschaft, Bewegungsmangel

und falsche

Ernährung nimmt vor allem

der Typ-2-Diabetes stark zu.

Während beim Typ-1-Diabetes

durch die Zerstörung der Betazellen

der Bauchspeicheldrüse der Botenstoff

Insulin, der hauptsächlich für den

Zuckerstoffwechsel im Körper verantwortlich

ist, im Körper gänzlich fehlt, kann

es bei Typ-2-DiabetikerInnen durch das „metabolische

Syndrom“ zu einer Insulinresistenz und zu einem

Insulinmangel kommen. Typ-1-Diabetes ist

eher selten und betrifft vor allem junge Menschen.

Zur Behandlung hilft hier nur eine regelmäßige Insulinzugabe.

Typ-2-Diabetes hängt hingegen auch

stark mit der Lebensweise zusammen und betrifft

vor allem ältere Menschen, weshalb er auch Altersdiabetes

genannt wurde. Auslöser können neben

Übergewicht und Bewegungsmangel auch genetische

Faktoren sein. Die Lebensweise ist aber das

größte Problem. Immer öfters sind deshalb auch junge

Menschen von Adipositas und „Altersdiabetes“ betroffen.

Da die Zahl der Diabetes-PatientInnen ständig

steigt, beschäftigt sich die VAEB seit einigen Jahren

intensiv mit möglichen Gegenmaßnahmen, betreibt

ein Gesundheitszentrum für Stoffwechselerkran


kungen und hat im Jahr 2009 ein eigenes Institut für

Gesundheit und Innovation gegründet. Wichtig ist

vor allem, gefährdete Personen und Typ-2-DiabetikerInnen

in einer frühen Phase zu überzeugen, ihren

Lebenswandel zu ändern. Besonders richtige

Ernährung und Bewegung können den Krankheitsverlauf

sehr positiv beeinflussen. Vielen PatientInnen

ist meist zu wenig bewusst, welch gravierende

Folgeschäden nicht richtig behandelter Diabetes

hervorrufen kann. Durch verstärkte Ablagerungen

im Blutkreislaufsystem sind selbst lebensbedrohliche

Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall

oder ein Nierenversagen möglich. Es kann auch zur

Erblindung oder dem Absterben von Gliedmaßen

kommen. Die Stoffwechselkrankheit Diabetes hat

Auswirkungen auf den ganzen Organismus.

GESUNDHEITSDIALOG MIT PATIENTiNNEN

Um früh in die Präventionskette eingreifen zu können

und DiabetikerInnen dabei zu helfen, ihren Lebensstil

positiv zu verändern, hat die VAEB den Gesundheitsdialog

Diabetes ins Leben gerufen. Intensive

und regelmäßige ärztliche Betreuung soll das

Risiko für Folgeschäden reduzieren bzw. deren

Entstehung verzögern.

Um DiabetikerInnen den richtigen Umgang mit ihrer

Krankheit zu zeigen, wurde bislang besonders

auf Kuraufenthalte im speziell dafür eingerichteten

Gesundheitszentrum Breitenstein sowie auf regelmäßige

Arztbesuche gesetzt. Die dreiwöchigen Kuren

mit zahlreichen Behandlungen und Aktivitätseinheiten

zeigten durchaus eine positive Wirkung

auf den Gesundheitszustand, doch nach der Kur

nimmt mit der Zeit die Motivation der PatientInnen

wieder ab, „gesund“ zu leben. Der positive „Kureffekt“

verflog bei vielen einige Monate nach der Kur.

Wenn nach zwei, drei Jahren – aufgrund verschlechterter

Werte – wieder eine Kur anstand,

wiederholte sich dieser Ablauf aufs Neue. Um eine

nachhaltige Verbesserung des Gesundheitszustandes

zu erreichen, galt es, diesen kontraproduktiven

Zyklus zu durchbrechen,.

In enger mehrjähriger Zusammenarbeit mit FachärztInnen

und Stakeholdern aus dem Gesundheitsbereich

wurde eine nach modernsten medizinischen

Gesichtspunkten konzipierte Telemonitoring-Lösung

realisiert. Denn für einen nachhaltigen

Gesundheitseffekt ist bei chronischen Krankheiten

eine kontinuierliche ärztliche Betreuung wichtig,

die noch dazu stark motivierend wirkt. „Wir haben

deshalb das elektronische DiabetikerInnentagebuch

DIABMEMORY entwickelt“, erklärt Peter

Kastner, Senior Engineer für Information Management

& eHealth im AIT Safety & Security Department.

Damit können die DiabetikerInnen selbst täglich

ihre Gesundheitsparameter wie Blutzucker,

Blutdruck, Gewicht und Wohlbefinden auf sehr einfache

Art erfassen. Über die Eingabe via Internet

und mobiler Endgeräte wie z. B. Smartphones können

Blutdruck- oder Blutzuckermesswerte in eine

zentrale Datenbank über eine sichere Internetverbindung

übertragen werden. Damit sind auch die

behandelnden ÄrztInnen laufend über den Gesundheitszustandes

ihrer PatientInnen informiert und

können bei bedenklichen Entwicklungen – etwa

starke Gewichtszunahme oder zu hohe Blutzucker-

werte – rasch eingreifen bzw. bei günstigen Entwicklungen

mit Bemerkungen wie „Sie sind auf

dem richtigen Weg“ motivierend einwirken. Die Idee

hinter dem eHealth-Service DIABMEMORY ist also,

einen echten Dialog herzustellen. Die Betroffenen

rücken in den Mittelpunkt. Gerade der Einsatz moderner

Telemedizin-Technologie und die Anwendung

von Präventionskonzepten bewirken einen

nachhaltigen Einfluss auf die Autonomie und Gesundheit

der PatientInnen. Eine wichtige Voraussetzung

ist aber, dass das System wirklich angenommen

wird. Deshalb haben die AIT-ExpertInnen

besonders viel Wert auf eine möglichst einfache

Handhabung gelegt.

HÖHERE LEBENSQUALITÄT, GERINGERE KOSTEN

Dass chronische Krankheiten aufgrund der Altersentwicklung

ständig zunehmen, ist schon lange bekannt.

Umso wichtiger ist es, Systeme zu entwi -

ckeln, die eine wirksame Prävention und eine effiziente

Unterstützung der laufenden Behandlung bei

niedrigen Kosten ermöglichen. Die neue Form des

Telemonitorings unterstützt die Kommunikation

zwischen DiabetikerInnen und ÄrztInnen. In Summe

wird also der Gesundheitszustand stark gefördert,

während auf lange Sicht eine Verringerung der Be-

SAFETY & SECURITY 15

Mittels „DIABMEMORY“ können DiabetikerInnen

täglich ihre Gesundheitsparameter wie Blutzucker,

Blutdruck, Gewicht und Wohlbefinden auf sehr

einfache Art selbst erfassen.


16 SAFETY & SECURITY

handlungskosten zu erwarten ist. Ein Punkt, der für

Sozialversicherungen bei der laufenden Alters- und

Gesundheitsentwicklung ebenfalls sehr wichtig ist.

Für ihre Initiative Gesundheitsdialog Diabetes wurde

die VAEB deshalb vom Gesundheitsminister Alois

Stöger mit dem E.T. Award für innovative PatientInnenkommunikation

ausgezeichnet.

Das seit März 2010 laufende Proof-of-Concept-Projekt

mit mittlerweile über 400 PatientInnen der

VAEB zeigt schon sehr schöne Erfolge. „Wir haben

langsam mit dem Projekt begonnen, um die Akzeptanz

prüfen zu können“, erklärt Direktor Werner

Bogendorfer von der VAEB, der mit dem Projekt betraut

ist, „Von allen, die am Dialog Diabetes mittlerweile

teilnehmen, sind nur fünf Prozent inaktiv.“

Und selbst bei diesen wenigen PatientInnen sind es

meist sehr triviale Verhinderungsgründe, die leicht

beseitigt werden können. Die erstaunlich hohe Akzeptanzquote

ist laut Bogendorfer besonders auf

die sehr einfache Datenerfassung und -übertragung

zurückzuführen.

PETER KASTNER ///

Senior Engineer für

Information Management

& eHealth

„Für einen nachhaltigen Gesundheitseffekt

ist unter anderem

eine kontinuierliche Dokumentation

des Krankheitsverlaufes

erforderlich. Wir haben dafür

‚DIABMEMORY’ entwickelt.“

SORGLOSPAKET FÜR PATIENTiNNEN

Das DIABMEMORY-KIT ist so zusagen ein „Sorglos -

paket“ für die PatientInnen. Die vom AIT entwickelte

Keep-in-Touch-Technologie hilft, dass wirklich

jeder das System bedienen kann. Das Paket besteht

aus einer handlichen Tasche, die Blutzuckerund

Blutdruckmessgerät, ein Smartphone und eine

Tafel mit Symbolen zur Bestimmung des Wohlbefindens

und der Bewegungsaktivität beinhaltet.

Durch einfaches Hinhalten des Smartphones werden

die Daten, etwa auch von einer mit NFC ausgestatten

Waage, automatisch übertragen. Zur Sicherheit

bekommen die PatientInnen auch noch eine

Key Card, mit der sie sich sicher identifizieren

sowie an- und abmelden können. Die mühsame

Eingabe eines PIN-Codes entfällt dadurch. Die vom

AIT entwickelte Software ermöglicht natürlich auch

weitere Angaben in vordefinierten Feldern. Darin

können je nach Lust und Laune auch Daten wie die

Dauer von sportlichen Aktivitäten genauer beschrieben

werden. Für die DiabetikerInnen selbst

fallen für DIABMEMORY und die Datenübertragungen

keine Kosten an.

EINFACHE UND SICHERE DATENÜBERTRAGUNG

Für eine leichte Bedienung dieser neuen Technologie

entwickelte das AIT zukunftsträchtige Usability-

Konzepte. In diesem Kontext wurden mit dem KIT-

Ansatz (Keep in Touch) NFC-basierende Eingabemethoden

geschaffen, die eine intuitive Datenerfassung

durch PatientInnen ermöglichen.

Design und Architektur der Telemonitoring-Plattform

des AIT garantieren bei der Datenübertragung

in die Datenzentrale eine sehr hohe Datensicherheit.

Zugriff auf die Daten haben hier nur behandelnde

ÄrztInnen sowie die SystembetreuerInnen

(nach ausdrücklicher Genehmigung durch die PatientInnen).

In der Datenzentrale werden Auswertungen

und Grafiken produziert, um eine optimale

medizinische Betreuung zu erreichen. Die hohe Akzeptanz

zeigt, dass die PatientInnen dem System

vertrauen.

Für die Entwicklung von DIABMEMORY mit der

VAEB wurden in der Vorphase entsprechende klinische

Studien zur Validierung der Ansätze für z. B.

Diabetes durchgeführt. „Die Vorevaluierung im

Rahmen klinischer Studien ist sehr wichtig“, betont

Kastner. Bevor das System DIABMEMORY mit der

VAEB in die Proof-of-Concept-Phase ging, hat das

AIT in einer längeren Vorlaufphase in klinischen

Studien die grundsätzliche Akzeptanz der Datenerfassung

mit Prof. Bernhard Ludvik von der Klinischen

Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel

an der Medizinischen Universität Wien geprüft.

Vor allem auch die hohe Akzeptanz bei PatientInnen

konnte durch diese entsprechend konsequente Vorarbeit

belegt werden.

Die gute Zusammenarbeit zwischen VAEB und AIT

hat auch dazu geführt, dass heuer eine strategische

Partnerschaft geschlossen wurde, um DIABMEMO-

RY gemeinsam zu promoten und auch gemeinsam

neue Telemonitoring-Lösungen für die nachhaltige

Betreuung von PatientInnen mit chronischen

Krankheiten zu entwickeln. ///

Weitere Infos: Safety & Security

Department, Michael Mürling,

Tel.: +43 505 50-4126,

E-Mail: michael.muerling@ait.ac.at,

Web: www.ait.ac.at/safety_security

FOTOS: Krischanz & Zeiller, AIT Austrian Institute of Technology, Fotolia/kalafoto, Funkwerk Plettac Electronic GmbH


RESEARCH SERVICES

eHealth & Ambient Assisted Living (AAL)

Die Verfügbarkeit neuer Informations- und Kommunikationstechnologien

(IKT) erlaubt es, neue Ansätze für ein

modernes Gesundheitssystem (eHealth) und für altersgerechte

Assistenzsysteme (Ambient Assisted Living -

AAL) zu verfolgen.

Zukünftige Therapieansätze der nächsten Generation

bauen auf geschlossenen Regelkreisen auf (Closed

Loop Healthcare), in denen der Gesundheitszustand der

PatientInnen laufend überprüft und gegebenenfalls die

Therapie angepasst wird. Modernste Technologien helfen

dabei, den kooperativen Behandlungsprozess beiderseits

(ÄrztInnen und PatientInnen) durch

asynchrone, dem jeweiligen Arbeitsrhythmus angepasste

Kommunikation zeitlich und räumlich flexibel

und effizient zu gestalten. Neue Ansätze für die intuitive

und mobile Datenerfassung durch den PatientInnen

mittels AIT-Technologie (Keep-in-Touch-Prinzip) erlauben

es, Momentaufnahmen des medizinischen Zustandes

(Einzel mes sungen) durch laufendes Telemonitoring

zu ergänzen und dem Arzt bzw. der betreuenden Person

die notwendigen Daten für eine individualisierte Therapie

bereitzustellen. Diese neuen Funktionen und

Systeme werden dabei in komplexe existierende IT-

Infrastrukturen eingebettet und im medizinischen Kontext

evaluiert und validiert. AIT fokussiert im Research

Service eHealth & Ambient Assisted Living (AAL) auf

integrierte eHealth-Lösungen für die Biomedizinische

Forschung und patientenzentrierte Gesundheitsversorgung

und arbeitet dabei eng mit den führenden medizinischen

und technischen Universitäten in Österreich und

darüber hinaus zusammen.

Das Safety & Security Department bietet Auftragsforschung

und Innovationen in folgenden Kompetenzfeldern

an:

n Telemonitoring and Therapy Management

n Biomedical and Translational Research

n Biosignal Processing and Knowledge-Based Systems

n Ambient Assisted Living (AAL)

Telemonitoring and Therapy Management

Die AIT-eHealth-Lösungen für Telemonitoring and Therapy

Management unterstützen die aktive Integration

der PatientInnen, die Aufbereitung der Daten als auch

eine effektive Kommunikation der beteiligten ÄrztInnen

und PatientInnen. Die intuitive und sichere Erfassung

der Gesundheitsdaten in Home-, Health- und Telemonitoring-Anwendungen

basiert auf der AIT-Technologie

und verwendet zukunftsträchtige Technologien wie z.

B. Near Field Communication (NFC). Dies ermöglicht

einfachste, intuitive Benutzung, Übernahme der aktuellen

Messwerte und automatische Übertragung an

einen zentralen Datenbank-Server, wo eine automatische

Verarbeitung gestartet werden kann, sowie Outof-the-Box

Connectivity ohne Vorkonfiguration und

ohne Gerätepaarung.

Das Safety & Security-Team stattet verschiedenste

Messgeräte mit AIT-Technologie aus und bietet KITfähige

Messgeräte inklusive Web-Interface (oder

Daten-Relay) für Home-Health- und Telemonitoring

sowie für klinische Studien.

Die Forschung beinhaltet dabei immer eine enge

Kooperation sowohl mit den Medizinischen und Technischen

Universitäten, als auch mit relevanten Akteuren

des eHealth-Ökosystems, um neben technischen

Aspekten auch klinische, organisatorische und ökonomische

Bedingungen berücksichtigen zu können. ///

SAFETY & SECURITY 17

WERNER BOGENDORFER,

DIREKTOR BEI DER VAEB

(VERSICHERUNGSANSTALT

FÜR EISENBAHNEN UND

BERGBAU), GESCHÄFTS-

BEREICH GESUNDHEIT

UND INNOVATION, ÜBER

DAS PROJEKT „GESUND-

HEITSDIALOG DIABETES“.

Herr Bogendorfer, die VAEB nimmt mit dem „Gesundheitsdialog Diabetes“

eine Vorreiterrolle in Sachen laufender Betreuung von Patientinnen

und Patienten ein. Was kann Telemedizin im Bereich der

chronischen Krankheiten bewirken?

Beim Projekt Gesundheitsdialog haben wir zuerst mit der Analyse der

Versorgung chronisch Kranker begonnen. Diabetes ist insofern eine problematische

Krankheit, da der Patient als sein eigener Therapeut agieren

und sich zu diesem Zwecke viel Wissen aneignen muss. Je nach

Bildungsschicht, Betroffenheit oder Gesundheits- bzw. Krankheitsbewusstsein

haben die PatientInnen einen sehr unterschiedlichen Zugang

zu ihrer Krankheit. Wir selbst betreiben eine Sonderkrankenanstalt für

Stoffwechselkrankheiten in Breitenstein, schulen die Leute über den

Zusammenhang zwischen Ernährung und Bewegung und betreuen sie

psychologisch. Es hat aber immer der nächste Schritt gefehlt, wie die

PatientInnen nach der Kur dann eigenverantwortlich das erworbene

Wissen nicht nur weiterpflegen, sondern auch im Alltag umsetzen.

Wie hilft dabei das elektronische Tagebuch?

Die Umsetzung in den Alltag funktioniert nur, wenn qualifizierte Daten

über den Gesundheitszustand elektronisch zur Verfügung gestellt werden

und wie bei DIABMED in ein elektronisches DiabetikerInnentagebuch

integriert werden. Der/die Versicherte kommt dadurch in einen elektronischen

Dialog, in dem er/sie regelmäßig die Werte misst und Feedback

über den Gesundheitszustand erhält. Wichtig ist auch, dass wie bei DIAB-

MEMORY vom AIT weiche Faktoren wie etwa das Wohlbefinden oder

sportliche Aktivitäten erfasst werden. Mittlerweile wurden in Breitenstein

über 400 PatientInnen mit dem elektronischen Tagebuch ausgestattet.

Die Erfassung der Daten mit der NFC-Technologie ist sehr einfach. Auf

diese Weise ermöglichen wir den Versicherten, dass sie qualifiziert Daten

übermitteln können. Das hat die Akzeptanz erheblich gesteigert.

In welchen Bereichen bringt das Entwicklungs-Know-how der AIT-

Expertinnen und Experten hier besondere Vorteile?

AIT hat das DIABMEMORY in der Ursprungsform entwickelt, zur Verfügung

gestellt und schließlich in unsere Kooperation eingebracht. Ich

glaube, dass insbesondere die Datenübertragung mit der NFC-Technologie

des AIT ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Akzeptanz war.

Der/die Versicherte will so rasch und einfach wie möglich die Werte

erfassen und eine Rückmeldung bekommen, wo er/sie mit dem

Gesundheitszustand gerade steht.

Wie bewerten Sie die Innovationsleistungen der anwendungsorientierten

Forschungsorganisation AIT?

Aus den bisherigen Gesprächen und der Zusammenarbeit ist es für uns

eine Freude zu sehen, welche Innovationskraft im AIT vorhanden ist. Das

AIT hat für fast alle Bereiche schon Forschungsprojekte laufen oder gar

fertige Technologielösungen, die es einbringen kann. Dadurch erwarten

wir uns bei der Umsetzung unserer Gesundheitsziele auch einen gewaltigen

Innovationsschub. Es gibt für eHealth schon viele technologische

Lösungen, die jetzt von den Versicherungsträgern umgesetzt werden

sollten. ///

MOBILITY ➜


18 ➜ MOBILITY

MIT SIMULATIONEN ZUM

OPTIMALEN LÄRMSCHUTZ

/// Lärmschutzwände leisten einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des Verkehrs-

lärms. AIT setzt modernste Simulationsmethoden ein, um diese oftmals unverzicht-

baren Schallbarrieren effizient, kostengünstig und sicher zu gestalten. ///

Am AIT werden akus -

tische und strukturdynamischeEigenschaften

von Schallbarrieren

bereits im

Planungsstadium am

Computer optimiert

l AUF DEN PUNKT GEBRACHT

DIE EUROPÄISCHE UMGEBUNGSLÄRMRICHTLINIE

sieht in den kommenden Jahren Aktionspläne für

eine deutliche Lärmreduktion auf Straße und

Schiene vor. „Dieses Ziel kann nur durch einen

Maßnahmenmix in den Bereichen Schallemission,

-ausbreitung und -immission erreicht werden“,

erklärt Peter Maurer, Head of Business Unit

„Transportation Infrastructure Technologies“ am

AIT Mobility Department. Sein Team beschäftigt

sich unter anderem intensiv mit der Simulation

der Wechselwirkung zwischen Fahrbahn und Reifen,

um Lärm bereits an der Quelle zu minimieren

Strengere Lärmschutzrichtlinien und höhere Zuggeschwindigkeiten stellen steigende

Anforderungen an Lärmschutzwände entlang von Autobahnen, Schnellstraßen

und Schienenstrecken. Am AIT Mobility Department arbeitet man daran,

die akustische Wirksamkeit und Sicherheit dieser Schallbarrieren zu erhöhen

und gleichzeitig die Kosten für Produktion und Erhaltung zu senken. Mit

modernsten Simulationsmethoden wird untersucht, wie sich komplexe Designs

und innovative Materialien sowie Alterungsphänomene auf die Schallfelder im

Nah- und Fernfeld auswirken. Die am AIT entwickelten Simulationsmodelle der

aerodynamischen Belastung von Lärmschutzwänden an Eisenbahn-Hochleis -

tungsstrecken werden im Sommer im Rahmen von Innovationsmessfahrten der

ÖBB bei Zuggeschwindigkeiten von bis zu 330 km/h getestet.

und die akustischen Eigenschaften, die Griffigkeit

und den Rollwiderstand optimal aufeinander abzustimmen.

„Bei der nächsten Stufe, der Eindämmung

der Schallausbreitung, nehmen Lärmschutzwände

eine zentrale Rolle ein“, so Maurer.

„Am AIT entwickeln wir Simulationsmethoden,

um die akustischen und strukturdynamischen Eigenschaften

dieser Schallbarrieren bereits im

Planungsstadium am Computer analysieren und

optimieren zu können.“

LÄRMSCHUTZ MIT BITS UND BYTES

Der Bau von Lärmschutzwänden wirft aufgrund der

in vielen Fällen zur Grenzwerteinhaltung erforderlichen

Höhen erhebliche schalltechnische, finanzielle,

bautechnische und landschaftsgestalterische

Fragen auf. Ziel der Infrastrukturbetreiber ist

es daher, durch neue Entwicklungen maximale Effizienz

bei geringerer Bauhöhe und damit reduziertem

Materialeinsatz zu erzielen. „Unser Ansatz besteht

darin, die auftretenden Schallfelder realitätsnah

zu simulieren,“ so Akustikexperte Manfred Haider.

„Damit lässt sich in der Folge abschätzen, wie

sich Design, Material und Alterung auf die zentra-


PETER MAURER ///

Head of Transportation Infrastructure

Technologies

„Die EU sieht mittelfristig eine

deutliche Lärmreduktion auf

Straße und Schiene vor. Dieses

Ziel kann nur durch einen Maßnahmenmix

in den Bereichen

Schallemission, -ausbreitung und

-immission erreicht werden.“

len akustischen Eigenschaften der Lärmschutzwand

(LSW) und den Schallpegel in weiterer Entfernung

auswirken.“ Im EU-Projekt QUIESST (QUIetening

the Environment for a Sustainable Surface

Transport) beschäftigt sich das Mobility Department

mit dieser Fragestellung und leitet auch eines

der sieben Work Packages.

DESIGN UND MATERIAL

ALS RECHNERISCHE HERAUSFORDERUNG

Vor allem in der Formgebung von Lärmschutzwänden

sind laufend neue Entwicklungen zu beobachten.

„Das geht von speziell geformten Aufsatzelementen

bis hin zu gekrümmten Wänden, wie man

sie etwa an der Donauufer-Autobahn oder bei

Schwechat sieht“, so Haider. Die dort auftretenden

Schallfelder sind um einiges komplexer als bei annähernd

senkrechten Wänden, und so lässt sich die

Wirksamkeit dieser neuen Designs mit konventionellen

Planungstools nur sehr schwer verifizieren.

Dazu kommt, dass neben Aluminium, Holz und

Holzbeton immer neue Materialien wie Kunststoffe

oder Schäume auf den Markt drängen, deren akus -

tische Eigenschaften noch unzureichend erfasst

sind. Am Mobility Department entwickelt man daher

Simulationsmethoden, um die optimale Kombination

aus Formgebung und Material in einem

ganzheitlichen Ansatz berechnen zu können.

RÄUMLICHE UND ZEITLICHE DISTANZEN

Eine große Herausforderung für das Akustik-Team

ist die Tatsache, dass sich die Schallfelder unmittelbar

bei der Lärmschutzwand deutlich von jenen unterscheiden,

die in größerer Entfernung gemessen

werden. „Das ist darauf zurückzuführen, dass im

Nahfeld und im Fernfeld sehr unterschiedliche akustische

Phänomene auftreten“, so Haider. „Ein Verständnis

dieses Zusammenhanges ist essenziell, um

realistische Aussagen über den Immissionspegel

treffen zu können, der bei den Anrainern ankommt.“

Das Mobility-Team arbeitet daher daran, das gesamte

Schallfeld zu simulieren und damit einen aussagekräftigen

Input für die Immissionsberechnungen

der Detaillärmschutzplanung zu liefern.

Die Untersuchungen umspannen dabei nicht nur

größere räumliche Distanzen, sondern auch längere

Zeiträume. So können unter anderem Witterungseinflüsse

oder strukturelle Schäden mit der

Zeit zur Beeinträchtigung der akustischen Eigenschaften

führen. Auf der Basis von In-situ-Messungen

werden diese Alterungsphänomene am Computer

simuliert, um daraus Prognosen des Langzeitverhaltens

für eine maßgeschneiderte Erhaltungsplanung

zu erstellen.

OPTIMALE SICHERHEIT

UND LIFE CYCLE MANAGEMENT

Um die von der EU geforderten Grenzwerte für

Schallschutz entlang des österreichischen Hauptschienennetzes

erfüllen zu können, sind bis 2024

Investitionen in Höhe von rund 1,45 Milliarden Euro

notwendig. Da Züge in Zukunft mit immer höherer

Geschwindigkeit und Frequenz unterwegs sein

werden, sind die geplanten und bestehenden Lärmschutzwände

entlang der Gleise einer steigenden

Belastung ausgesetzt. „Bei der Vorbeifahrt eines

Railjets mit 245 km/h entsteht durch die Druck-

MANFRED HAIDER ///

Scientist, Transportation

Infrastructure Techno logies

„Unser Ansatz besteht darin,

die auftretenden Schallfelder

realitätsnah zu simulieren.

Damit lässt sich abschätzen,

wie sich Design, Material und

Alterung auf die akustischen

Eigenschaften auswirken.“

und Sogwelle zum Beispiel ein Staudruck, der einer

Stoßbelastung von 50 kg/m² entspricht“, erläutert

Herbert Friedl vom Mobility Department. „Hat die

Lärmschutzwand die gleiche Eigenfrequenz, kommen

zusätzliche Resonanzeffekte hinzu und können

die Belastung um mehr als das Doppelte erhöhen.“

In Deutschland wurden bereits Schadensfälle

entlang von Hochgeschwindigkeitsstrecken

regis triert. Aufgrund der Vielzahl komplexer dynamischer

Effekte und hoher Sicherheitsanforderungen

kommt es bei gängigen Bemessungsverfahren

oft zu einer Überdimensionierung. Im Projekt Opti

LSW entwickeln Friedl und sein Team daher ein op-

MOBILITY 19


20 MOBILITY

Ziel der Infrastrukturbetreiber

ist es, durch neue

Entwicklungen von Schallschutzwänden

maximale

Effizienz bei geringerer

Bauhöhe und damit reduziertem

Materialeinsatz zu

erzielen.

timiertes Bemessungsverfahren zur wirtschaftlichen

und sicheren Planung von Lärmschutzwänden.

Ein Prognosemodell soll in weiterer Folge das

Langzeitverhalten aus strukturdynamischer Sicht

vorhersagen und so die Infrastrukturbetreiber im

Life Cycle Management unterstützen.

ERSCHÜTTERUNGEN IM MODELL

In einem ersten Schritt führte das Team Eigenfrequenzmessungen

an Lärmschutzwänden durch

und erstellte daraus ein Computermodell des Gesamtsystems

inklusive Steher, Fundierung und

Wandkassetten. Dieses Modell wurde in der Folge

mit Messdaten von Zugvorbeifahrten in Form eines

HERBERT FRIEDL ///

Engineer, Transportation

Infrastructure Techno -

logies

„Im Projekt ‚Opti LSW’ entwickeln

wir ein optimiertes

Bemessungsverfahren zur

wirtschaftlichen und sicheren

Planung von Lärmschutzwänden.“

Lastbilds gekoppelt, um die Auswirkungen der aerodynamischen

Belastungen auf die Lärmschutzwand

am Computer zu simulieren. Ergänzende

Dauerschwingversuche gaben darüber hinaus Aufschluss

über die Ermüdungsfestigkeit bei dauerndem

Lastwechsel, sodass nun auch das Langzeitverhalten

in die Simulation einfließen kann. Durch

den ständigen Abgleich zwischen Messung und Si-

mulation, dem sogenannten „Model Updating“,

wird das Prognosemodell so weit optimiert, dass es

eine realistische Abschätzung der Restlebensdauer

bestehender Wände erlaubt.

MIT 330 KM/H DURCHS TULLNER FELD

Die Feuerprobe für das Bemessungsverfahren und

das Prognosemodell erfolgt im Sommer an der

neuen Hochleistungsstrecke Wien-St. Pölten. Vor

der Inbetriebnahme des 44 km langen Teilstücks,

das ab Dezember die Fahrzeit zwischen den beiden

Städten auf 25 Minuten reduzieren wird, stellt die

ÖBB die Strecke rund zwei Monate lang für umfangreiche

Messkampagnen zur Verfügung. „Diese

Innovationsmessfahrten geben uns die einzigartige

Möglichkeit, unsere strukturdynamischen Modelle

anhand von realen Zugvorbeifahrten zu überprüfen

und die Simulationsergebnisse zu bestätigen“, so

Friedl. Railjetfahrten bis 250 km/h stehen auf dem

Programm, und auch ein ICE wird mit Geschwindigkeiten

bis 330 km/h über die Strecke brausen. „Damit

können wir über den Regelverkehr hinaus sicherstellen,

dass wir mit unseren Modellen auch

für die Zukunft gerüstet sind“, ist der Experte zuversichtlich,

dass das erarbeitete Know-how die Stellung

Österreichs als Vorreiter in puncto Lärmschutz

sowohl in der wissenschaftlichen Forschung als

auch in der wirtschaftlichen Umsetzung weiter fes -

tigen wird. ///

Weitere Infos: Mobility Department,

Claudia Hable, Tel.: +43 505 50-6322,

E-Mail: claudia.hable@ait.ac.at,

Web: www.ait.ac.at/mobility

FOTOS: Krischanz & Zeiller, AIT Austrian Institute of Technology, ÖBB, Photodisc


RESEARCH SERVICES

Verkehrsinfrastruktur – Akustik

Infrastrukturbetreiber sind mit der Aufgabe konfrontiert,

Straße und Schiene nicht nur sicher, energieeffizient

und langlebig, sondern auch leise zu gestalten. AIT

verfügt über umfangreiches Know-how in Messung,

Analyse und Modellierung, um diese Anforderungen mithilfe

von Computersimulationen in Einklang zu bringen.

Die Simulationsergebnisse liefern Infrastrukturbetreibern

schnell und kostengünstig wichtige Informationen

für das Life Cycle Management und unterstützen sie in

der Entwicklung innovativer Lärmschutzmaßnahmen.

Lärmemissionen und Lärmschutz

Lärmschutzwände:

n Messung und akustische Analyse von Lärmschutzwänden

in Bezug auf Leistungsfähigkeit und Langzeitverhalten

(Adrienne-Methode)

n Optimierung von Lärmschutzwänden hinsichtlich

Geometrie, Oberfläche, Materialien und Positionierung

mittels moderner Simulationsverfahren

n Prognose der Wirksamkeit von Lärmschutzmaßnahmen

mithilfe von Schallfeld- und Schallausbreitungssimulationen

Weitere Dienstleistungen im Bereich Akustik:

n Gutachten für den Bereich Lärmschutz nach §31a

Eisenbahngesetz

n Akustische Untersuchungen für die Akkreditierung

Wechselwirkung Fahrzeug/Infrastruktur

Analyse der Wechselwirkungen zwischen Infrastruktur

und Verkehr zur

n Erstellung optimierter Erhaltungsstrategien (Life

Cycle Analysis, Asset Management) für Infrastrukturbetreiber

n Unterstützung von Herstellern bei der Entwicklung von

neuartigen Fahrbahnbelägen, Infrastrukturkonstruktionen

und Reifen mit optimierten Eigenschaften (Verkehrssicherheit,

Lärm- und Schadstoffemissionen)

Verkehrsinfrastruktur – Dynamik

Die Schienenverkehrsinfrastruktur ist aufgrund höherer

Frequenzen und Geschwindigkeiten im Zugverkehr

einer wachsenden dynamischen Belastung ausgesetzt.

Durch die Kombination von Schwingungsmessungen

vor Ort mit mathematischen Modellen können realitätsnahe

Simulationen für Brücken, Straßen, Lärmschutzwände

oder Gebäude erstellt und die

unterschiedlichsten Szenarien simuliert werden.

Numerische Methoden in der Baudynamik

n Transiente Schwingungssimulationen

n Nichtlineare Berechnungen für Boden und Bauwerk

n Simulation der Wellenausbreitung im Untergrund

n Entwicklung von Algorithmen für das Model Updating

n Lösungen für Kontaktprobleme in der Fahrzeug-

Fahrbahn-Interaktion

Erschütterungsprognosen und Schwingungsanalysen

n Analyse von Lärmschutzwänden bei dynamischer

Lasteinwirkung

n Erschütterungsprognosen für Bauverfahren

n Prognosen von Schwingungsimmissionen durch Verkehrseinwirkung

n Vibrationsprüfungen mit elektrodynamischem

Schwingungserreger

n Schock- und Schwingungsmessungen bei klimatisch

veränderbaren Umweltbedingungen

n Experimentelle Modalanalysen von Bauwerken ///

MOBILITY 21

HANNES KARI, ÖBB-INFRA-

STRUKTUR BAU AG, ÜBER

DEN EINSATZ VON LÄRM-

SCHUTZWÄNDEN BEI

HOCHGESCHWINDIGKEITS-

STRECKEN IM SCHIENEN-

VERKEHR .

Herr Kari, welche Rolle spielt das AIT Mobility Department bei den

Untersuchungen und Analysen von Lärmschutzwänden auf Hochgeschwindigkeitsstrecken

der ÖBB, und welches Know-how bringt es ein?

In Zukunft werden immer mehr Züge mit immer höherer Geschwindigkeit

auf dem österreichischen Schienennetz unterwegs sein. Die

Druck- und Sogwelle dieser Hochgeschwindigkeitszüge führt zu einer

stärkeren aerodynamischen Belastung der Infrastruktur entlang der

Strecke. Wesentlicher Part des AIT Mobility Departments ist die Messung

der Verformungen und Frequenzen von Lärmschutzwänden, um

deren dynamische Beanspruchung infolge der Zugvorbeifahrten zu

bestimmen. Das Know-how von AIT sowie die Messungen und Simulationen

sind für uns eine wichtige Grundlage für die Bemessung und

Erhaltungsplanung, damit wir sowohl optimalen Lärmschutz für die

AnrainerInnen als auch größtmögliche Sicherheit im Bahnverkehr

gewährleisten können.

Was waren die größten gemeinsamen Herausforderungen im Projekt

Opti LSW? Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit dem AIT Mobility

Department?

Die größte Herausforderung bei Projekten dieser Art im Allgemeinen

ist die Frage der zeitlichen Koordination. Sie spielt insbesondere dann

eine wichtige Rolle, wenn es um die Installation von Messinstrumenten

an einer bereits in Betrieb befindlichen Strecke geht. Die Zusammenarbeit

mit AIT gestaltet sich in dieser Hinsicht immer sehr professionell

und unkompliziert. Vor allem für die im Rahmen von Opti LSW

geplanten Innovationsmessfahrten ist aufgrund des streng vorgegebenen

Zeitfensters ein koordiniertes Zusammenspiel aller Beteiligten

eine zentrale Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Ablauf und

aussagekräftige Ergebnisse.

Wo sehen Sie die größten Verbesserungspotenziale und Ausbaumöglichkeiten

von Lärmschutzwänden auf Hochgeschwindigkeitsstrecken

zukünftig?

Lärmschutzwände sind mittlerweile Teil unserer Landschaft geworden

und sollten sich daher gestalterisch in die Umgebung einfügen. Gleichzeitig

müssen sie aber auch den Reisenden eine möglichst ungestörte

Aussicht ermöglichen. Diese Aufgabe lässt sich nur mit innovativen

Ansätzen lösen. Dazu zählt unter anderem der Einsatz von Membranen

statt Lärmschutztunnels, die auch für die lokale Energiegewinnung

genutzt werden können. ///

FORESIGHT & POLICY DEVELOPMENT ➜


22 ➜ FORESIGHT & POLICY DEVELOPMENT

STRUKTUR IM CHAOS

/// Komplexe Systeme zeigen oft unerwartete Eigenschaften, die nicht aus den

individuellen Handlungen der einzelnen AkteurInnen abgeleitet werden können.

Mit Methoden wie der Multi-Agentenbasierten Simulation können ForscherInnen

des AIT die komplexe Dynamik natürlicher und sozialer Systeme analysieren. ///

l AUF DEN PUNKT GEBRACHT

HABEN SIE SCHON EINMAL EINEN VOGELSCHWARM

AM ABEND BEOBACHTET, der in harmonischer Koordination

seinem Rastplatz zustrebt? Vielleicht haben

Sie sich auch gefragt, wie die zahlreichen Tiere

sich nahezu perfekt synchronisiert bewegen können.

Es gibt schließlich keine/n AnführerIn, der/die

den ArtgenossInnen den Weg weist. Überraschenderweise

lässt sich das kollektive Flugverhalten von

Vögeln mit nur drei sehr einfachen Regeln beschrei-

Das Verhalten natürlicher und sozialer Systeme wie Innovation, Wissenschaft

und Technologie zeichnet sich oft durch eine unvorhersehbare Dynamik aus.

Die individuellen Strategien und Handlungsmöglichkeiten der einzelnen

Akteure resultieren auf der Makroebene in Phänomenen, die sich qualitativ von

jenen der Mikroebene unterscheiden. Mithilfe von Methoden wie der Multi-

Agentenbasierten Simulation (MAS) können Wirkmechanismen komplexer

Systeme analysiert und Entwicklungstrends erkannt werden.

ben, denen die Individuen intuitiv folgen. Diese sogenannte

„Schwarmintelligenz“ findet man auch bei

Fischen und anderen Tierarten. Sie ist ein besonders

anschauliches Beispiel für Systemverhalten, das

„wie von selbst“ aus den Interaktionen der einzelnen

Individuen entsteht. Auch viele andere natürliche

und soziale Systeme weisen überraschende Eigenschaften

auf, die sich erst aus dem Zusammenspiel

ihrer einzelnen AkteurInnen ergeben. In populärer

Formulierung: Das Ganze ist mehr als die Summe

seiner Teile. Die Entwicklung solcher Systeme ist

deshalb nur schwer vorhersehbar. Die ForscherInnen

des AIT-Departments „Foresight & Policy Development“

verfügen über Methoden, mit denen sich

solche komplexen Systeme modellieren lassen. Damit

können sie Analysen durchführen, um Entwicklungstrends

zu identifizieren und charakteristische

Systemeigenschaften zu entdecken.


AGENTEN MIT ZUGEWIESENEN EIGENSCHAFTEN …

Eine sehr mächtige und flexible Methode, um komplexe

natürliche und soziale Systeme im Computer zu

modellieren, ist die Multi-Agentenbasierte Simulation

(MAS). Sie beruht darauf, im Modell eine beliebige

Anzahl von AkteurInnen zu definieren – die AgentInnen.

Diesen werden bestimmte Ziele, Eigenschaften

und Verhaltensweisen zugewiesen. Zusätzlich kann

man weitere Parameter als beeinflussende Rahmenbedingungen

angeben. Anschließend startet man die

Simulation und lässt die AgentInnen ihrer Definition

gemäß agieren. Aus diesem „Simulationslauf“ ergibt

sich das dynamische Systemverhalten als zeitlicher

Ablauf. Durch Veränderung der Agenteneigenschaften

und der übrigen Parameter kann man verschiedene

Startbedingungen ausprobieren und so „Was

wäre wenn“-Szenarien durchspielen.

Die junge Wissenschaftlerin Manuela Korber verwendet

MAS in ihrer Dissertation, die sie derzeit im Rahmen

einer Kooperation zwischen dem AIT und der

Wirtschaftsuniversität Wien schreibt. Am Beispiel der

Biowissenschaften im Raum Wien untersucht Korber

die Wirkung von Forschungsförderung auf die Innovationsleistung

des betrachteten Systems. In ihrem

Modell sind die AgentInnen unterschiedliche Unternehmen,

Hochschulen und Forschungseinrichtungen

der Vienna Region. „Die AgentInnen interagieren

und verändern sich und ihre Umwelt“, erklärt Korber.

„Wenn eine/r eine Handlung setzt, werden die anderen

davon beeinflusst und reagieren ihrerseits.“

Jede/r AgentIn hat ein gutes Dutzend Eigenschaften,

darunter das jeweilige Forschungsfeld, spezifische

Kernkompetenzen, Organisationstyp, Budget und MitarbeiterInnenanzahl.

Zwischen den AgentInnen können

während der Simulation verschiedene Arten der

Kooperation entstehen. Diese beinhalten etwa gemeinsame

Forschungsprojekte, Lizenzverträge, Austausch

von ForscherInnen oder die Gründung eines

Start-up-Unternehmens. „In welchem Ausmaß wer

mit wem kooperiert, hängt von den zu Grunde liegenden

Strategien ab“, erklärt Manuela Korber. „Manche

AkteurInnen sind risikoscheu und suchen Partnerschaften

nur mit AkteurInnen, die ein ähnliches Kompetenzprofil

aufweisen. Andere verhalten sich offener.

Wieder andere vermeiden Kooperationen überhaupt.“

… LIEFERN FORSCHUNGSFÖRDERUNGS -

EMPFEHLUNGEN

Die aktuelle Diskussion in der Forschungs-, Technologie-

und Innovationspolitik betrifft zwei Spiel-

MANUELA KORBER ///

Scientist, Foresight & Policy

Development Department

„In der Simulation interagieren

unterschiedliche Agenten beispielsweise

in gemeinsamen

Forschungsprojekten, beim

Austausch von ForscherInnen

oder der Gründung eines Start-

Up-Unternehmens.“

arten öffentlicher Forschungsförderung, einerseits

direkte Förderung in Form von Fördergeldern für

konkrete Forschungsprogramme oder einzelne

Projekte, andererseits indirekte Förderung über

Steuererleichterungen. Letzteres kommt überwiegend

nur Unternehmen zugute, ersteres allen AkteurInnen,

wenn sie ihren Forschungsfokus in den

vom Staat geförderten Forschungsfeldern haben.

Je nachdem, welche Förderarten und -intensitäten

im Modell angenommen werden und wie stark diese

das System beeinflussen, ergeben sich teils sehr

unterschiedliche Entwicklungen des Gesamtsystems.

AgentInnen schließen sich zu Partnerschaften

und Netzwerken zusammen oder lösen diese

wieder auf, wachsen oder schrumpfen.

Manche verschwinden sogar aus dem System, weil

sie ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Andererseits

gibt es auch Neugründungen, es entstehen also

neue AgentInnen. Der typische Betrachtungszeitraum

dieser Simulationsläufe ist 50 Jahre. Drei

Sys temparameter interessieren Korber in ihrer Arbeit

besonders: die Anzahl der Patente, die Anzahl

der wissenschaftlichen Publikationen und die Anzahl

der Hightech-Jobs.

ERFOLG GANZER REGIONEN WIRD MESSBAR

An diesen Output-Größen lässt sich nicht nur die

Entwicklung eines einzelnen Unternehmens oder

einer Forschungsinstitution, sondern indirekt auch

der Erfolg einer ganzen Region recht gut ablesen.

Für die Regierung bzw. die von ihr beauftragten

Förderstellen sind solche Informationen sehr hilfreich.

Denn sie erlauben es, die Auswirkungen der

einzelnen Förderinstrumente im Vorhinein abzuschätzen.

Dadurch können die politischen Entscheidungsträger

frühzeitig lenkend in Innovationssysteme

eingreifen.

Theoretisch lassen sich Modelle so anpassen, dass

sie jedes beliebige Verhalten zeigen. Ihre praktische

Aussagekraft hängt deshalb davon ab, wie

FORESIGHT & POLICY DEVELOPMENT 23


24 FORESIGHT & POLICY DEVELOPMENT

stark sie in der Realität verankert sind.

Manuela Korber hat die Eingangsparameter ihres

Modells aus empirischen Quellen erhoben. Dafür

erstellte sie eine Datenbank mit Informationen zu

AkteurInnen und deren Forschungs-, Patent- und

Publikationsaktivitäten. Ebenso wichtig ist, die Resultate

des Modells an der Wirklichkeit zu überprüfen.

„Ich habe empirische Daten über die Entwicklung

des Wiener Life-Sciences-Sektors aus den

vergangenen zwei Jahrzehnten ausgewertet“, erklärt

Korber. „Daran kann ich messen, wie gut mein

Modell mit der Realität übereinstimmt und es gegebenenfalls

verfeinern.“

UNTERSCHIEDLICHE FRAGESTELLUNGEN MÖGLICH

Ein solcherart erfolgreich getestetes Modell lässt

sich mit geringfügigen Anpassungen auch auf andere

Fragestellungen anwenden. So soll eine verallgemeinerte

Variante von Korbers Modell in einem

Projekt zur Anwendung kommen, das derzeit

in Zusammenarbeit mit der deutschen Universität

Hohenheim in Planung ist. „In diesem Projekt

wollen wir nicht nur die Biowissenschaften, sondern

das Zusammenspiel mehrerer Technologiesektoren

in einer gegebenen Region untersuchen“,

sagt Manfred Paier vom Geschäftsfeld Re-

„MAS“ ist zwar nicht das universelle Wundermittel, mit

dem man jede mögliche Frage an natürliche oder soziale

Systeme beantworten kann, fügt sich aber ideal in das

umfangreiche AIT-Methoden-Repertoire ein.

search, Technology & Innovation Policy. „Das Ziel

ist es, die regionale Innovationsdynamik besser zu

verstehen. So können z. B. Cluster-Strategien zur

Vermeidung von regionaler Überspezialisierung

und Lock-in ‚erprobt‘ werden.“

Für Paier eignet sich MAS vor allem dazu, Sys -

temzusammenhänge aufzudecken, die sich aus

dem Zusammenspiel vieler einzelner AkteurInnen

ergeben. Zudem lässt sich das Moment des

Zufalls, das in realen Systemen immer eine Rolle

MANFRED PAIER ///

Scientist, Foresight & Policy

Development Department

„Unser Ziel ist es, die regionale

Innovationsdynamik besser zu

verstehen. So können etwa

Clus ter-Strategien zur Vermeidung

von regionaler Über spezi -

ali sierung und Lock-in ‚erprobt‘

werden.“

ERNST GEBETSROITHER ///

Scientist, Foresight & Policy

Development Department

„Im Projekt ‚MoZert’ spielen wir

unterschiedliche Szenarien

durch, wie sich ein personenbezogener

Zertifikatshandel auf die

sozialen Milieus, aber auch auf

das Energiesystem als Ganzes

auswirken kann.“

spielt, gut erfassen. „Die neoklassische Ökonomie

geht davon aus, dass Märkte zu einem Gleichgewichtszustand

tendieren“, sagt Paier. „In der

Praxis sehen wir, dass viele Systeme nicht so

funktionieren. Mit Multi-Agentenbasierter Simulation

können wir komplexe ökonomische Phänomene

analysieren, die mit der Gleichgewichtstheorie

nicht behandelbar sind.“

KOMBINATION AUS MEHREREN METHODEN

MAS ist zwar nicht das universelle Wundermittel,

mit dem man jede mögliche Frage an natürliche

oder soziale Systeme beantworten kann. Sie fügt

sich aber ideal in das reichhaltige Repertoire an

Methoden, das AIT-MitarbeiterInnen des Departments

Foresight & Policy Development bei ihren

Projekten zur Verfügung steht. Jede Methodik hat

ihre Stärken und Schwächen.

Eine clevere Kombination aus mehreren Methoden

liefert oft Einsichten und Resultate, die die Möglichkeiten

einer einzelnen übersteigen. „Durch die

Kombination mehrerer Methoden können wir deren

jeweiligen Stärken optimal ausnützen“, sagt Ernst

Gebetsroither vom Geschäftsfeld Regional & Infrastructure

Policy. So verbindet er beispielsweise im

Projekt „MoZert“ (Modellierung und Analyse der

Wirkungen personenbezogener Zertifikatshandelsmechanismen

auf Haushalte und Energiesystem)

MAS mit einem linearen Optimierungsansatz und

dem Ansatz der Systemdynamik nach Jay W.

123RF

Forres ter.

Das vom Klima & Energiefonds geförderte und über

die FFG abgewickelte Projekt MoZert untersucht, Technology, of

welche Auswirkungen sogenannte „personenbezogene

Zertifikatshandelssysteme“ auf das Energie-

Institute

system, bzw. auf die ökonomische und soziale Situation

der Menschen hätten. Dabei handelt es sichAustrian

um eine Forschungskooperation zwischen dem AIT, AIT

der Austrian Energy Agency, dem ecoPolicy-Lab

Zeiller,

und der Energy Economics Group der TU-Wien. Sol- &

che Zertifikatssysteme sind zwar aktuell noch nicht

im Einsatz, werden aber von einigen ExpertInnen

Krischanz

als mögliche Komponente einer Lösung des Klimaund

Energieproblems, einer Transition zu einer so- FOTOS:


genannten „Low Carbon Society“, betrachtet.

Die Idee besteht in einem jener Systeme z. B. darin,

vergleichbar mit den bereits in der EU eingeführten

CO 2 -Zertifikaten für die Industrie, den BürgerInnen

Kontingente für den Energieverbrauch zuzuweisen.

Wer mehr verbraucht, muss Zertifikate zukaufen.

Verbraucht man weniger, kann man seine

Zertifikate gewinnbringend verkaufen.

Mittels MAS werden in MoZert rund 3.700 AgentInnen

simuliert, von denen jeder 1.000 österreichische

Haushalte repräsentiert. Jede/r AgentIn ist einem

sozialen Milieu zugeordnet und hat verschiedene

Verhaltensoptionen. So können manche in ein

Passivhaus ziehen oder mehr öffentliche Verkehrsmittel

verwenden etc.

Die veränderte Endenergienachfrage der Haushalte

wird an das Energiesystem als Bedarf übergeben,

wobei jenes die Nachfrage so kostengünstig

wie möglich befriedigen will. Dieser Kostenoptimierungsprozess

wird über ein lineares Optimierungsmodel

abgebildet. Das Energiesystem reagiert auf

die geänderte Nachfrage mit Veränderungen im

Energiepreis und jener wirkt wieder auf die zukünftigen

Entscheidungen der AgentInnen zurück. „In

der Simulation spielen wir unterschiedliche Szenarien

durch, wie sich ein personenbezogener Zertifikatshandel

auf die sozialen Milieus, aber auch auf

das Energiesystem als Ganzes auswirken kann“,

sagt Gebetsroither.

KOMPLEXITÄT DES SYSTEMVERHALTENS

Die Komplexität des Systemverhaltens ergibt sich

hierbei aus der hohen Anzahl beteiligter Akteure,

deren verschiedenen Handlungsoptionen (ca. 60

pro Zeitschritt), sowie der direkten und indirekten

Beeinflussung der AgentInnen untereinander. Zudem

gibt es mehrere Varianten, wie ein personenbezogenes

Zertifikatshandelssystem im Detail umgesetzt

werden kann. Daraus resultieren verschiedene

mögliche Auswirkungen (Szenarien) auf Bevölkerung

und Energiesystem.

Die Frage lautet dabei nicht nur, ob die Energiewende

geschafft und der Ausbau erneuerbarer Energieträger

mit dem neuen Zertifikathandelsinstrument

erreicht werden könnte, sondern auch wie?

Welche Varianten sind sozial verträglicher? Einige

Szenarien zeigen die Gefahr auf, dass z. B. einkommensschwache

Haushalte sich den Einsatz von

Strom und Wärme nur mehr eingeschränkt leisten

können und so in die „Energiearmut“ fallen. „Wir

können zwar keine Prognosen im strengen Sinn abgeben“,

sagt Gebetsroither. „Wir können aber analysieren:

Wenn ich im Modell an diesen und jenen

Schrauben drehe, hat das diese und jene Änderun-

gen im System zufolge. Zudem können sensible

Sys temelemente gefunden werden, die wesentlich

für das Monitoring und die Regelung des Systems

sind“ Sozio-ökonomische Entscheidungen der AkteurInnen

werden oft sehr wesentlich durch die

Handlungen politisch Verantwortlicher beeinflusst.

Mithilfe der MAS in Kombination mit anderen Methoden

liefern die WissenschaftlerInnen des AIT

den politischen Entscheidungsträgern hilfreiche

Informationen, um mögliche Rückkopplungen des

Systems als Reaktion auf ihrer Steuerungsversuche

fundiert beurteilen zu können. Dies kann wiederum

helfen, Lösungen mit einer höheren Akzeptanz

in der Bevölkerung zu finden. ///

Weitere Infos: Foresight & Policy

Development Department,

Beatrice Rath, Tel.: +43 505 50-4508,

E-Mail: beatrice.rath@ait.ac.at,

Web: www.ait.ac.at/f_pd

RESEARCH SERVICES

Systemische Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik

FTI-Politik spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung

von Innovationssystemen, die Stärkung der wirtschaftlichen

Leistungsfähigkeit und die Bewältigung gesellschaftlicher

Herausforderungen. Hierfür müssen

leistungsfähige und gut aufeinander abgestimmte Organisationsstrukturen,

Governanceprozesse und Politik -

instrumente entwickelt, analysiert und bewertet werden.

Vor allem Foresight ist hierfür ein wichtiges Instrument.

Klimaschutz- und Klimafolgenforschung

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Umwelt und

Gesellschaft verlangen nach Strategien und Maßnahmen,

wie diese Zukunft bewältigt werden könnte. Das Department

befasst sich mit der Erfassung und Bewertung von

Schadstoffemissionen, um geeignete Vorschläge für

Maßnahmen zur Minderung dieser entwickeln zu können.

Dazu gehören sowohl technische Maßnahmen zum Klimaschutz

als auch die Entwicklung von Ideen für die

Gestaltung einer regionalen, nationalen und internationalen

Technologiepolitik. Regionale Klimasimulationen

liefern die Datengrundlage für die Erarbeitung von

Anpassungsstrategien, die es ermöglichen sollen, mit

bereits erkennbaren Umweltveränderungen sowohl ökonomisch

als auch sozial verträglich in Einklang zu treten.

Infrastrukturpolitik & Raum

Um eine nachhaltige Regionalentwicklung sicherzustellen,

ist es wichtig, ökologisch und sozial verträgliche

Infrastrukturen bereitzustellen. Dafür ist die

Kenntnis von Raumstrukturen, Raumbezügen, Wechselwirkungen

und Prozessen sowie deren räumliche

Analyse und Modellierung eine essenzielle Expertise,

die im Department in den vergangenen Jahren aufgebaut

werden konnte. ///

FORESIGHT & POLICY DEVELOPMENT 25

HEALTH & ENVIRONMENT


26 ➜ HEALTH & ENVIRONMENT

WIN-WIN-SITUATION FÜR

PFLANZEN UND BAKTERIEN

/// In oder auf einer Pflanze lebende Mikroorganismen haben zahlreiche positive

Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer „Wirte“. ForscherInnen des AIT erkunden die

vielfältigen Aspekte dieser Lebensgemeinschaften und ihrer AkteurInnen. ///

l AUF DEN PUNKT GEBRACHT

DENKT MAN AN BAKTERIEN, verbindet man damit

meist wenig Erfreuliches wie etwa Infektionen. Tatsächlich

aber spielen Bakterien auch eine äußerst

positive Rolle im menschlichen Organismus, denn

viele von ihnen produzieren wichtige Stoffe wie Antibiotika

und Enzyme.

ANGELA SESSITSCH ///

Head of Business Unit

„Bioressources“

„Bakterien können beispielsweise

das Wachstum und die

Gesundheit von Pflanzen fördern,

sie vor bestimmten

Krankheiten schützen oder

ihre ‘Stressresistenz’ stärken.“

Welche zentrale Bedeutung Bakterien auch für

Pflanzen haben, wurde von der Wissenschaft lange

übersehen. Das AIT war eine der weltweit ersten

Forschungseinrichtungen, die sich mit diesem

Thema befassten. „Als wir begannen, die positiven

Wirkungen von Bakterien im Pflanzeninneren

auf ihren Wirt zu erforschen, wurde von vielen

noch nicht einmal akzeptiert, dass es solche Mikroorganismen

überhaupt gibt“, berichtet Angela

Für viele Probleme und Krankheiten liefert die Natur selbst die besten Heilmittel.

So wird die Gesundung und Stärkung von Pflanzen maßgeblich von Mikroorganismen

bestimmt, die in enger Gemeinschaft mit bzw. direkt in ihnen leben.

Diese Bakterien können „ihre“ Pflanzen sogar vor Krankheiten schützen, gegen

die Pestizide machtlos sind. Sie fördern Wachstum und Widerstandskraft selbst

in schwermetallbelasteten Böden und wirken so maßgeblich bei der Sanierung

mit. Um das enorme wirtschaftliche und ökologische Potenzial dieser pflanzenassoziierten

Mikroorganismen nutzbar zu machen, werden am AIT mithilfe

molekularbiologischer Methoden die Geheimnisse dieser nachhaltigen Partnerschaft

gelüftet.

Sessitsch, Head of Business Unit „Bioresources“

am AIT. Was also macht diese Bakterien so interessant?

„Sie können beispielsweise das Wachstum

und die Gesundheit von Pflanzen fördern, sie

vor bestimmten Krankheiten schützen oder ihre

Stressresistenz so weit stärken, dass sie sogar in

schwermetallverseuchten Böden wachsen“, erklärt

die Mikrobiologin.

BAKTERIEN ALS BIO-PESTIZIDE

Der absolute Hotspot mikrobieller Aktivitäten ist

der Wurzelraum im Boden, dem auch die direkt in

der Pflanze lebenden Endophyten entstammen. Bei

etlichen Pflanzenkrankheiten können bestimmte

Endophyten als biologische Pflanzenschutzmittel

genutzt werden. So beschäftigen sich die ForscherInnen

in einem vom Wissenschaftsfonds geförderten

Projekt etwa mit dem Einsatz nützlicher Mikroorganismen

bei Phytoplasmosen, das sind

durch pathogene Bakterien verursachte Pflanzenkrankheiten

wie etwa die Schwarzholzkrankheit bei

Weinreben, gegen die es keine wirksamen Pestizide

gibt. „Wir untersuchen in diesem Zusammenhang,

ob bestimmte Mikroorganismen in der Pflanze

eine Resistenz bewirken und so die Toleranz gegen

Phytoplasmosen erhöhen können“, erläutert

GÜNTER BRADER ///

Scientist, AIT Health &

Environment Department

„Wir untersuchen in diesem

Zusammenhang, ob

bestimmte Mikroorganismen

in der Pflanze eine Resistenz

bewirken und so die Toleranz

gegen Phytoplasmosen

erhöhen können.“


Projektleiter Günter Brader. Ein wesentliches Forschungsziel

ist nicht zuletzt ein besseres Verständnis

der Wechselwirkung zwischen Pflanze, Pathogen

und Mikroorganismen. Genomsequenzierung

und -vergleiche verschiedener Phytoplasmastämme

sollen wertvolle Informationen darüber liefern,

welche Phytoplasmagene in das Krankheitsgeschehen

involviert sind. Da man Phytoplasmen

nicht im Labor kultivieren kann, sind diese Untersuchungen

auch technisch höchst anspruchsvoll.

WOHER DIE KARTOFFEL IHRE KRAFT NIMMT

Um die Erforschung der positiven Eigenschaften

von Bakterien, die in Pflanzen oder in deren Wurzelraum

leben, geht es auch im EU-Projekt VALORAM.

Im Zentrum steht hier die Kartoffel, die in ihrer Ursprungsregion,

den Anden, sogar noch in Höhen

von über 4.000 Metern sehr gut gedeiht. Die Aufgabe

der AIT-ExpertInnen ist es dabei, die mit der

nahrhaften Knolle assoziierten Mikroorganismen

unter die wissenschaftliche Lupe zu nehmen und

dadurch zahlreiche offene Fragen zu beantworten:

Wie viele verschiedene Arten dieser hilfreichen

Bakterien gibt es? Welche von ihnen stärken die

Gesundheit der Kartoffelpflanze? Welche können

Pathogene abwehren oder die Ernährung der

Pflanze verbessern? „Mit unseren Untersuchungen

wollen wir Know-how schaffen, das vor allem den

Menschen vor Ort zugute kommt“, so Sessitsch. Da

Pestizide für die Andenbauern zu teuer sind, gibt es

in dieser Region zahlreiche Firmen, die Mikroorganismen

als Düngemittel anbieten. Über sie kann

das neu gewonnene Wissen unmittelbar in die bäuerliche

Praxis eingebracht werden.

HIGHTECH-BEFRAGUNG DER BAKTERIELLEN GENE

Wie bei sämtlichen Projekten in diesem Forschungsfeld

setzen die WissenschaftlerInnen zur

Erkundung der Pflanzen-Bakterien-Interaktion

molekularbiologische Methoden ein. So werden etwa

die wachstumsfördernden Eigenschaften der

Um das enorme wirtschaftliche und ökologische

Potenzial pflanzenassoziierter Mikroorganismen

nutzbar zu machen, werden am AIT mit Hilfe molekularbiologischer

Methoden die Geheimnisse der Pflanzen-Bakterien-Lebensgemeinschaft

gelüftet.

Bakterien mithilfe sogenannter metagenomischer

Ansätze ermittelt, welche die Identifizierung der

DNA einer ganzen Bakteriengemeinschaft ermöglichen.

Damit erhalten die ForscherInnen Einblick

in die komplexe Physiologie und Ökologie der Mikroorganismen.

Zudem werden neueste Sequenziertechnologien

zur Bewertung der Bakterienge-

HEALTH & ENVIRONMENT 27


28 HEALTH & ENVIRONMENT

Von der Schädlingsbekämpfung

über die Bioenergieproduktion

aus Pflanzen bis

zur Phytosanierung – hilfreichen

Bakterien und neuen

molekularbiologischen

Methoden gehört in diesen

Bereichen die Zukunft.

meinschaften genutzt. „Letztlich wollen wir mit diesen

Untersuchungen eine ideale Wechselwirkung

zwischen Pflanze, Bakteriengesellschaft und Boden

gewährleisten und damit eine möglichst ertragreiche

und nachhaltige Landwirtschaft nicht

nur in den Anden fördern“, so Angela Sessitsch.

MIT PFLANZENPOWER GEGEN SCHWERMETALLE

Im Feld der Phytosanierung werden Pflanzen eingesetzt,

um Schwermetalle entweder aus dem Boden

zu extrahieren oder sie im Untergrund zu stabilisieren.

Auch dabei spielen Bakterien eine wesentliche

Rolle. So kann eine Pflanze nur dann

Schwermetalle in sich aufnehmen, wenn diese in

einer verfügbaren Form vorliegen. Untersuchungen

im Rahmen des FWF-Forschungsprojekts „Salix“

haben gezeigt, dass bei schwermetallaufnehmenden

Weidenarten in der Wurzelzone Bakterien

leben, welche die Metallakkumulation fördern können,

indem sie die Löslichkeit von Zink und Kadmium

im Boden steigern. Überdies erleichtern diese

Bakterien das Pflanzenwachstum in kontaminierter

Erde und lindern den Schwermetallstress der

Pflanze. Um diese positiven Wirkungen gezielt in

der Phytoextraktion einsetzen zu können, analysieren

die AIT-ForscherInnen gemeinsam mit WissenschaftlerInnen

der BOKU und der Universität Wien

die komplexe Interaktion zwischen der Weide und

ihren bakteriellen Unterstützern. Mit molekularbiologischen

Methoden wird zudem untersucht, welche

Bakteriengruppen sich bevorzugt mit metallakkumulierenden

Pflanzen verbinden. „Diese Erkenntnisse

sollen dazu beitragen, in Zukunft neben

den geeigneten Pflanzen auch das beträchtliche

Potenzial der mit ihnen assoziierten Bakterien für

die Phytoextraktion besser zu nutzen“, erklärt Angela

Sessitsch.

NEUER TREND: MIKROORGANISMEN STATT CHEMIE

Um kontaminierte Böden als Anbauflächen verwenden

zu können und die Aufnahme von Schwermetallen

durch die Pflanzen zu verhindern, müssen

die Giftstoffe im Untergrund fixiert werden. Auch

dazu bedarf es spezieller Bakterien. Diese werden

im EU-Projekt „Greenland“ von den AIT-ForscherInnen

näher untersucht.

Ob Bodensanierung oder Pflanzenschutz und

-wachstumsförderung, die Einsatzbereiche einer

kontrollierten Pflanzen-Bakterien-Kooperation

sind vielfältig und ihr potenzieller Nutzen immens.

Eine Erkenntnis, die sich optimal in den europäischen

Trend in Richtung Nachhaltigkeit einfügt. So

soll in Frankreich beispielsweise der vor allem im

Weinbau extrem hohe Pestizideinsatz bis 2018 halbiert

werden.

Von der Schädlingsbekämpfung über die Bioenergieproduktion

aus Pflanzen bis zur Phytosanierung

– hilfreichen Bakterien und neuen molekularbiologischen

Methoden gehört in diesen Bereichen die

Zukunft. Dass auch die EU die große Rolle der kleinen

Organismen längst erkannt hat, beweist unter

anderem die kürzlich ins Leben gerufene COST-

Aktion „Endophytes for Agriculture and Biotechnology“,

in deren Ausschuss mit Angela Sessitsch eine

Pionierin der österreichischen Endophytenforschung

vertreten ist. ///

Weitere Infos: Health & Environment

Department, Susanne Kiefer,

Tel.: +43 505 50-4406,

E-Mail: susanne.kiefer@ait.ac.at,

Web: www.ait.ac.at/health_environment

FOTOS: Krischanz & Zeiller, AIT Austrian Institute of Technology, Bio-Ferm GmbH


RESEARCH SERVICES

Nutzung der Kooperation zwischen Pflanze und

Mikroorganismen

Mikroorganismen spielen eine wesentliche Rolle für

Wachstum und Widerstandsfähigkeit einer Pflanze. Das

Department untersucht mit genbasierten Analysemethoden

die molekularen Mechanismen von nützlichen

Pflanzen-Bakterien-Interaktionen. Dieses Wissen kann

gezielt zur Förderung des Pflanzenwachstums, zur

Bekämpfung von Schädlingen und zur Sanierung kontaminierter

Böden durch Pflanzen eingesetzt werden.

n Bereitstellung Tausender Bakterienstämme mit

potenziell nützlichen Eigenschaften

n Selektion geeigneter Bakterienstämme zur Anwendung

in der Pflanzenproduktion und Bodensanierung

n Monitoring und Optimierung von Anwendungen im

Feld

n Identifizierung und Nutzbarmachung neuer Mechanismen

gegen Pflanzenstress oder Schädlingsbefall

mithilfe genetischer Methoden

Nutzung des genetischen Potenzials pflanzenassoziierter

Mikroorganismen

Für eine effiziente Auswahl geeigneter Mikroorganismen

zum Einsatz in der Landwirtschaft, bei der Bodensanierung

oder in der Industrie (z. B. neue Antibiotika

und Enzyme) werden molekularbiologische Verfahren

erarbeitet. Einerseits werden Hochdurchsatz-Screenings

entwickelt, in denen eine Vielzahl von Stämmen

getestet werden kann, andererseits werden geno -

mische Verfahren herangezogen, um effiziente

Mikroorganismen zu identifizieren. Mittels genomischer

und metagenomischer Methoden können auch

neue Eigenschaften bzw. Enzyme oder Metabolite aufgespürt

werden.

n Etablierung von Hochdurchsatz-Screenings zur Identifizierung

von Mikroorganismen mit gewünschten

Eigenschaften

n (Meta-)Genomische Methoden zur Auffindung neuer

bioaktiver Enzyme und Metaboliten

n Taxonomische und genomische Charakterisierung

von Bakterien

n Entwicklung von Markern zur Nachverfolgung von

Mikroorganismen ///

HEALTH & ENVIRONMENT 29

CHRISTINA DONAT VON

DER BIO-FERM GMBH

ÜBER DIE BEDEUTUNG

VON BIOTECHNOLOGI-

SCHEM PFLANZEN-

SCHUTZ.

Frau Donat, welche Rolle spielt

Forschung im Bereich biotechnologischer

Pflanzenschutz für bioferm?

Forschung spielt für uns bei bioferm

eine große Rolle. Ein Drittel

unserer MitarbeiterInnen sind im Bereich der Forschung mit dem

Hauptsitz in Konstanz tätig. Pflanzenschutzmittel haben eine begrenzte

Lebensdauer am Markt, die Registrierungsdaten sind bei Pflanzenschutzmitteln

nur zehn Jahre geschützt. Ab dann könnten andere Firmen

ähnliche Produkte auf den Markt bringen. Es ist für uns daher sehr

wichtig, immer wieder neue Produkte und Produktkonzepte in der Pipeline

zu haben. bio-ferm präsentiert die eigenen Forschungsergebnisse

bei wissenschaftlichen Konferenzen und hat großes Interesse an Forschungskooperationen.

Unsere Produkte verfügen über einen intelligenten

Wirkmechanismus: Lebende, sowohl für die Pflanze selbst, als

auch für Mensch und Umwelt unschädliche Mikroorganismen werden

auf die Pflanze aufgebracht und treten dort mit den Krankheitserregern

in Konkurrenz um Platz und Nährstoffe. Gegen diese natürliche Konkurrenz

unserer Antagonisten können keine Resistenzen entwickelt

werden.

Das AIT nutzt Wechselwirkungen zwischen Mikroorganismen und

Pflanze, um mit weniger Chemie höhere Erträge zu erzielen. Was halten

Sie davon?

Die intensive Forschung an diesen Wechselwirkungen im Bereich der

Phytoplasmosen ist vielversprechend und sehr wichtig. Gegen diese

Pflanzenkrankheiten, die durch endophytische Krankheitserreger ausgelöst

werden, gibt es nach momentanem Stand des Wissens keine

chemischen Bekämpfungsmöglichkeiten. Um aber diese Ansätze in

absehbarer Zeit zur Marktreife zu führen, müssen noch ein paar Hürden

genommen werden – neben der kosten- und zeitintensiven Registrierung

ist eine weitere bei endophytischen Anatgonisten sicher die Ausbringungstechnik.

Um hier Fortschritte zu erzielen, ist es wichtig, dass

Forschung und Entwicklung von öffentlicher Hand gefördert werden.

Welche Bedeutung haben aus Ihrer Sicht diese neuen Ansätze im biotechnologischen

Pflanzenschutz für die Zukunft der Landwirtschaft?

Wir bei bio-ferm verstehen unter biotechnologischem Pflanzenschutz

den Einsatz von lebenden Mikroorganismen zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten

und sehen hier sehr viel Potenzial für die Zukunft. Die

chemische Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten ist mit einigen Nachteilen

verbunden, wie etwa dem Auftreten von Resistenzen. Auch die

Rückstände von chemischen Pestiziden auf pflanzlichen Nahrungsmitteln

werden von der Gesellschaft zunehmend kritischer betrachtet. Aus

meiner Sicht ist im Bereich biotechnologischer Pflanzenschutz noch viel

Entwicklungs- und Überzeugungsarbeit bei den PflanzenschutzberaterInnen

und LandwirtInnen zu leisten. Unsere intelligenten Produkte

funktionieren genauso gut wie chemische Pflanzenschutzmittel, die

Wirkung ist vergleichbar und die Ausbringungstechnik dieselbe. Zusätzlich

ist auch eine breite Aufklärung bei den KonsumentInnen wichtig,

um die neuen Möglichkeiten des biotechnologischen Pflanzenschutzes

bekannt zu machen und so die Nachfrage nach in dieser Form behandelten

Lebensmitteln zu steigern. ///

BERUFSBILDER ➜


30 ➜ BERUFSBILDER

KARRIEREWEGE BEIM AIT

/// Tomorrow Today wollte von Petra Schaper-Rinkel, Senior Scientist am AIT Fore-

sight & Policy Development Department, wissen, wie der Forschungsalltag einer

Foresight-Expertin aussieht und wie exakt die Hochrechnung der Gegenwart auf

die Zukunft wirklich sein kann. ///

Petra Schaper-Rinkel,

Senior Scientist am

AIT Austrian Institute

of Technology

Frau Schaper-Rinkel, Sie haben im November einen

Buchbeitrag mit dem Titel „Die Generierung

von Zukunft“ veröffentlicht. Wie weit lässt sich „Zukunft“

auf Basis wissenschaftlicher Hypothesen

über die mögliche Weiterentwicklung der Gegenwart

wirklich vorhersagen? Und wie hoch liegt dabei

die „Trefferquote“?

Petra Schaper-Rinkel: Akteurinnen und Akteure aus

Politik und Wirtschaft wollen heute wissen, was morgen

wichtig ist. Zukunft wird heute gemacht, und mit

unserer Forschung analysieren wir die Faktoren, die

für die Zukunft entscheidend sind. Wir sagen keine

Zukunft voraus, denn für vielschichtige Sachverhalte

in komplexen Gesellschaften lassen sich keine Vorhersagen

treffen. Die Zukunft ist ein Möglichkeitsraum,

doch um bestimmte Möglichkeiten in der Zukunft

zu eröffnen, müssen in der Gegenwart Entscheidungen

getroffen werden. Wir können nicht sagen,

wie die Zukunft sein wird, aber welche Entscheidungen

zukünftige Entwicklungen voraussichtlich in welche

Richtung beeinflussen werden.

Welche Art von Orientierungshilfe wird aus Politik

und Wirtschaft von Foresight-ExpertInnen am

meis ten angefragt?

Schaper-Rinkel: Strategisches Handeln ist heute in

Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit der Antizipation

hypothetischer Zukünfte verbunden. Wir entwickeln

solche möglichen Zukünfte in Form von Simulationen,

Modellen, Strategien, Empfehlungen

und insbesondere in Form von Szenarien. Für die

Europäische Kommission erarbeiten wir diese Zukunftsexpertise

in internationalen Netzwerken und

in Foresight-Prozessen mit WissenschaftlerInnen

und ExpertInnen aus Universitäten, Forschungseinrichtungen,

aus der Politik, NGOs und Verbänden.

Wie sieht der Arbeitsalltag einer Foresight-Forscherin

aus?

Schaper-Rinkel: Mein Spezialgebiet ist die Frage,

wie zukünftige Technologien gesellschaftlich formiert

werden und wie sie politisch und gesell-

schaftlich bestimmt werden können. Zu solchen

Fragen führen wir partizipative Foresight-Prozesse

durch. Das sind analytische Suchprozesse, um

aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven

Vorstellungen zu entwickeln, wie die

Welten von morgen technologisch und gesellschaftlich

aussehen könnten – und was diese unterschiedlichen

möglichen Zukünfte an heutiger

Forschungs- und Innovationspolitik erfordern. Wir

werten wissenschaftliche Datenbanken aus, analysieren

Trends sowie futuristische Blogs und führen

Szenario-Workshops durch, in denen wir wissenschaftliche

und kreative Methoden verbinden, um

aus dem linearen Denken auszubrechen, das die

Gegenwart einfach in die Zukunft verlängert.

Was schätzen Sie bei Ihrer Arbeit am AIT am meis ten?

Schaper-Rinkel: Ich schätze die Internationalität

der Teams und die Unterschiedlichkeit meiner Projekte:

Die reicht von der Beratung zur Weiterentwicklung

von bestehenden Forschungsprogrammen

bis hin zur Analyse von Zukunftstechnologien,

deren Realisierung in der Zukunft noch völlig ungewiss

ist. Und ich schätze es sehr, im schönen

Wien zu leben und in internationalen Projekten die

Wissenschaftskulturen anderer Länder kennenzulernen.

Was unterscheidet aus Ihrer Sicht die Forschungsarbeit

an einer Universität mit jener in außeruniversitären

Einrichtungen für den/die einzelne/n WissenschaftlerIn?

Schaper-Rinkel: Transdisziplinarität ist an einer außeruniversitären

Forschungseinrichtung wie dem

AIT viel stärker gefragt als an einer Universität. Wir

verknüpfen wissenschaftliches Wissen mit Expertise

von AkteurInnen aus Gesellschaft und Wirtschaft,

um Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft zu analysieren.

Wir arbeiten gleichzeitig in mehreren interdisziplinären

Projekten und können uns breitere

Wissenschaftsgebiete erschließen. Das ist in disziplinärer

Universitätsforschung schwieriger. ///


INNOVATIONSKALENDER

02. – 04. 03. 2012: ENERGIESPARMESSE WELS

Die Energiesparmesse Wels ist Österreichs Leitmesse für innovatives

Bauen sowie für effiziente Energienutzung und -gewinnung. Mit

über 74.000 privaten und rund 28.000 gewerblichen BesucherInnen

aus dem gesamten Bundesland und den angrenzenden Nachbarländern

ist die Energiesparmesse nicht nur Österreichs größte Publikumsmesse,

sondern vor allem auch die größte und stärkste österreichische

Fachmesse für Energie-ExpertInnen. Veranstaltungsort:

Messe Wels.

Infos: www.energiesparmesse.at

11. – 15. 03. 2012: TMS 2012: LINKING SCIENCE AND TECHNOLOGY

FOR GLOBAL SOLUTIONS; ANNUAL MEETING & EXHIBITION

Im März finden sich in Orlando im Zuge der TMS 2012 ExpertInnen aus

Industrie und Forschung aus über 68 Ländern ein, um über Innovationen

auf dem Werkstoffsektor zu diskutieren und diese zu präsentieren.

Christian Chimani, Light Metals Technologies Ranshofen, wird einen

Vortrag zum Thema „Studies on Flow Characteristics at High-

Pressure Die-Casting“ halten. Veranstaltungsort: Swan and Dolphin

Resort, Orlando, Florida.

Infos: www.tms.org/meetings/annual-12/AM12home.aspx

15. 03. – 17. 03. 2012: EU SPRI PHD SPRING SCHOOL, WIEN

Das Foresight & Policy Development Department veranstaltet die EU

SPRI PhD Spring School zum Thema: „Anticipation in the Governance

of Innovation: Expectations, Foresight and Technology Assessment”.

Infos: www.ait.ac.at/eu-spri-school

HEALTH & ENVIRONMENT SEMINAR SERIES 2012

07. 03. 2012

FERGAL O'GARA, NATIONAL UNIVERSITY OF IRELAND,

IRELAND

New horizons for beneficial plant – bacterial interactions to

promote agricultural biotechnology *

28. 03. 2012

OTTO STRACK, UNIVERSITY OF MINNESOTA, USA

The analytic element method for groundwater modeling:

an overview

25. 04. 2012

HÉLÈNE BERGÈS, NATIONAL INSTITUTE FOR

AGRICULTURAL RESEARCH, FRANCE

Efficient gene identification: combining novel sequencing

technologies with established resource collections *

13. 06. 2012

ALEX MIHAILIDIS, UNIVERSITY OF TORONTO, CANADA

Disruptive technologies for elder care and wellness

➜ VERANSTALTUNGEN 31

29. 03. 2012: 9. FORUM INNOVATION, PERCHTOLDSDORF

Die Plattform für Innovationsmanagement (PFI) veranstaltet zum

neunten Mal das Forum Innovation – die österreichische Topveranstaltung

für Innovationsmanagement, bei der InnovationsexpertInnen die

neuesten Trends und Erfahrungen austauschen.

Infos: www.pfi.or.at

31. 03. – 01. 04. 2012: ARGUS BIKE FESTIVAL

Das ARGUS Bike Festival ist eine der größten Fahrradmessen Österreichs

mit rund 100 Ausstellern, E-Bike-Beratung und Testmöglichkeit

mit über 50 verschiedenen E-Bike-Modellen, permanentem Bühnenprogramm

mit Produktvorstellungen sowie diversen Workshops.

Das AIT Mobility Department nimmt als Staatspreis-Gewinner des

Projektes „SEEKING – SAFE E-BIKING“ ebenfalls teil und betreibt im

Zuge der Veranstaltung freiwillige Parcourstests für das Forschungsprojekt.

Veranstaltungsort: Rathausplatz, 1010 Wien

Infos: www.bikefestival.at

21. – 25. 05. 2012: SMART GRIDS WEEK

Die Smart Grids Week soll entscheidend dazu beitragen, den in Österreich

erfolgreich begonnenen Prozess der Weiterentwicklung der

Elektrizitäts-Infrastrukturen weiter zu stärken und die Anbindung an

die internationalen Entwicklungen zu forcieren. Als Kooperationspartner

ist das AIT Energy Department auch heuer wieder mit ExpertInnen-Vorträgen

vertreten. Veranstaltungsort: Illwerke vkw sowie Bregenzer

Festspiel- und Kongresshaus, Bregenz.

Infos: www.nachhaltigwirtschaften.at/results.html/id6505

… features lectures and discussions with leading scientists referring to our research fields.

Supported by:

03. 10. 2012

RICHARD SIMON, NATIONAL INSTITUTE OF HEALTH,

USA

Developing targeted, personalized oncology therapeutics:

new opportunities, challenges and paradigms

Date

WEDNESDAYS, 3.30 PM

Place

TECHGATE, SEMINAR ROOM 0.3, DONAU-CITY-STR. 1,

1220 VIENNA

*AIT TULLN, KONRAD-LORENZ-STRASSE 24,

3430 TULLN

Further information

WWW.AIT.AC.AT/HEALTH_ENVIRONMENT


Wenn es um bahnbrechende Innovationen geht, ist das AIT Austrian Institute of

Technology der richtige Partner für Ihr Unternehmen: Denn bei uns arbeiten

schon heute die kompetentesten Köpfe Europas an den Tools und Technologien

von morgen, um die Lösungen der Zukunft realisieren zu können.

Mehr über die Zukunft erfahren Sie hier: www.ait.ac.at

Mehr Informationen

über uns fi nden Sie hier:

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