KUNST für das iPad - KUNST Magazin

kunst.magazin.de

KUNST für das iPad - KUNST Magazin

Berliner Galerien zeigen ausgewählte Positionen aktueller Kunst. Begleitet von

einer BERLIN LOUNGE mit Informationen rund um die Kunstmetropole Berlin.

BERLINER GALERIEN

auf der

H 45

H 43

H 41

H 39

H 37

H 35

A 31

Markgrafenstraße 15, D-10969 Berlin,

www.berliner-galerien.de, lvbg@berliner-galerien.de

T: +49 30 3101 9714

Galerie Deschler

www.deschler-berlin.de

LEE galerie BERLIN

www.leegalerieberlin.com

MORGEN CONTEMPORARY

www.morgen-contemporary.com

schultz contemporary

www.galerie-schultz.de

Swedish Photography

www.swedishphotography.org

WAGNER + PARTNER

www.galerie-wagner-partner.com

BERLIN LOUNGE

www.berliner-galerien.de

Kaserne Basel

Klybeckstr. 1b, CH - 4057 Basel

www.berliner-galerien.de

design: florencia young

Editorial

Text: Hannah Nehb Translation: Brian Poole

Wieder bei Freunden

Harry Blain und Graham Southern haben sich im letzten

Jahr als Direktoren aus der Galerie „Haunch of Venison“

zurückgezogen. Sie gingen nach London, wo sie wenig

später unter dem Label ihrer eigenen Namen wieder

eine Galerie gründeten. Mit „Blain|Southern“ haben die

beiden am Gallery Weekend ihre Berliner Dependance

im ehemaligen Rotationsgebäude des Tagesspiegels

eingeweiht. Der Tipp für diesen Ort? Stammt natürlich

von Freunden. Nicht nur in der Potsdamer Straße

treffen sie auf alte neue Nachbarn, auch sonst kann die

Galerie in Berlin auf ein Netzwerk zurückgreifen, das

von freundschaftlichen Verhältnissen geprägt ist.

Wie man sich Freunde macht

„Freunde sind wichtig“, sagt Blain|Southern-Direktorin

Lisa Bosse im Gespräch. Freunde zu haben, bereichert

nicht nur das Privatleben, sondern erleichtert auch

das Arbeiten. Das haben auch kulturelle Institutionen

erkannt, die – verstärkt seit 1990 – ihre Fans in

„Freundeskreisen“ an sich binden. Die finanziell und/

oder ehrenamtlich engagierten Mitglieder kommen in

den Genuss von exklusiven Angeboten wie Reisen oder

Vergünstigungen.

Wie man sich keine Freunde macht

Es klingt verheißungsvoll, was man von Cyprien

Gaillards Ausstellung in den Kunst-Werken hört:

Kistenweise Bierflaschen hat der Franzose dort zu einer

Pyramide aufgestapelt und den Besucher zur Teilhabe

an deren Verfall eingeladen. Nichts wie hin zum

munteren Bierflaschen-Leeren; wenn mal was zu Bruch

geht: kein Problem. Doch wehe, es kommt einer daher

und bringt Ordnung ins beabsichtigte Chaos. Wer sich

systemwidrig verhält, wird des Ortes verwiesen. Wir

finden: Damit macht man sich keine Freunde.

Was Freunde so machen können

Wer vor systemkonformem Verhalten flüchten möchte,

schnappe sich seine Freunde, läute den Kunstsommer

ein und reise nach Basel. Damit das Planen in der

Stadt einfacher fällt und Sie sich auf die wesentlichen

Dinge – Kunst schauen und Freundschaften pflegen

– konzentrieren können, haben wir die wichtigsten

Infos in einem Special zu den Basler Messen für Sie

zusammengefasst.

Ihre KUNST Redaktion

Titelbild: Jahresmitgliederversammlung der Freunde

der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof in Berlin

Foto: Hannah Nehb

Back with Friends

Harry Blain and Graham Southern gave up their

positions as directors of the gallery “Haunch of Venison”

last year. They moved to London, where they soon

opened a new gallery under their own names. During

the Gallery Weekend in Berlin their new branch of

“Blain|Southern” was set up in the former printing

press building of the daily Tagesspiegel. Where did

they get the suggestion to go there? From friends, of

course. They often run into old and new neighbours

along Potsdamer Straße; their gallery work in Berlin

has bequeathed them a large network of amicable

relationships.

How to make friends

“Friends are important,” says Lisa Bosse, the director at

Blain|Southern. Having friends not only enriches your

private life; it also makes your job easier. Even cultural

institutions have recognised this, and since 1990

they have increasingly bound themselves to circles

of philanthropic “friends”. The financially and/or

voluntarily engaged members receive, for their work,

exclusive offers such as trips or special discounts.

How not to make friends

What we’ve been hearing about Cyprien Gaillard’s

exhibition at KunstWerken sounds promising. Here

the French artist has created a pyramid by piling up

cases of beer, and he’s invited the visitors to participate

in the pyramid’s decline. So it’s off to the visitors to

empty some of those bottles of beer. And if one of

them breaks—no problem! But woe betide those who

dare to tidy up the intended chaos. Those who oppose

the system will be asked to leave the premises. In our

opinion, that’s no way to make friends.

What friends can do

Those who would like to flee system-conformity

should collect up some friends, ring in the new “art

summer” and set off to Basel. And just to make it

easier for you to plan your trip to the city—so that

you can concentrate upon the truly important things,

like looking at art and cultivating your friendships—

we’ve assembled the most important information in

our special on the art fair in Basel.

Your KUNST Magazin team


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und Dirk Neumann (Burg Giebichenstein,

Kunsthochschule Halle)

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Drescher, Martin Flemming, Ari Goldmann, Julius

Grünewald, Ilona Herreiner, Franziska Holstein, Ruprecht

von Kaufmann, Henning Kles, Adrian Sauer, Hans-

Christian Schink, Arne Schreiber, Robert Seidel, Natalia

Stachon, Chris Succo, Philipp Lachenmann, Veronika

Veit, Ulrich Vogl, Jorinde Voigt, Markus Weis, Peter Welz,

Der Erlös fließt ausschließlich in das Trustee-Programm EHF 2010.

Inhalt

Content

Bürger, übernehmen Sie?

Die Mission der Freundeskreise zwischen Engagement,

Bürokratie und Mitgliedergewinnung

Citizens, will you take care of it?

The Mission of Philanthropic “Friends” between Engagement,

Bureaucracy and Membership Acquisition

Katharina Helwig

Mensch oder Maus?

Zur Ausstellung „The Recovery of Discovery“ von Cyprien Gaillard in den

KunstWerken, 27. März bis 22. Mai 2011

Man or Mouse?

On the Exhibition “The Recovery of Discovery” by Cyprien Gaillard at

KunstWerken from the 27th of March to the 22nd of May 2011

Katharina Helwig

Galerieprofil: Blain|Southern, Berlin

“Große rohe Räume”

Gallery Profile: Blain|Southern, Berlin

“Large Raw Space”

Hannah Nehb

International Conversations with Collectors: Billur Tacir

Jan Kage, Elena Sansigre, Hannah Nehb, Brian Poole

Art Basel

Buchvorstellungen

Book reviews

KUNST Kinderseite

Children’s Pages

Ausstellungshinweise

Gallery Announcements

KUNST Magazin Sammlergespräch Vorschau: Frank Sippel

Impressum

Imprint

Bildnachweis

VG Bild-Kunst 2011:

Judith Ganz, Katharina Heinrich, Lina Kim, Adolf Luther, Vik Muniz,

Julian Rosefeldt Jean Tinguely, Michael Wesely

Vik Muniz: Saturn devouring one of his sons, after Francisco de Goyay

lucientes (Pictures of Junk), 2005, Digital Chromatic Print, 228,6 x 180 cm

© Courtesy Vik Muniz & Galerie Xippas, Paris

8

14

18

22

26

30

32

34

50

50


Bildwürdigkeit und Sehenswürdigkeit

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Das Dinner im Rahmen der Mitgliederversammlung der Freunde der Nationalgalerie ist das Highlight des Jahres., Foto: David von Becker

Bürger, übernehmen Sie?

Die Mission der Freundeskreise zwischen Engagement,

Bürokratie und Mitgliedergewinnung

Citizens, will you take care of it?

The Mission of Philanthropic “Friends” between Engagement,

Bureaucracy and Membership Acquisition

Text: Katharina Helwig Translation: Brian Poole

In Zeiten der viel beschworenen „knappen Kassen“

gewinnt die Aktivität der sogenannten Förder- und

Freundeskreise, die an verschiedene kulturelle

Institutionen geknüpft sind, an Aufmerksamkeit

und Bedeutung. Ein eigenes neues Forschungs- und

Vernetzungsfeld tut sich auf, das systematisiert

und gestaltet werden will und neben kunstaffinen

Menschen zunehmend auch Fachleute und Experten

anzieht.

So bietet z. B. die „AG Freundeskreise in Berlin“,

organisiert unter dem Dach der „Stiftung Zukunft

In an age of much decried “limited financial resources”

the task of philanthropic foundations and charitable

groups of “friends” who support various cultural

institutions has grown ever more significant. And they

are attracting more attention. Here a new field of

research and networking has emerged that has yet to

be systematically organised and structured: a field that

is also increasingly capturing the attention of specialists

and experts, in addition to those already sympathetic

to the arts.

THEMA THEMA


Die Neumitglieder der Freunde der Nationalgalerie werden in der Alten Nationalgalerie im Anschluss an den Rundgang durch die Ausstellung

„Die Sammlung des Bankiers Wagener“ mit Sekt und Schnittchen begrüßt. Foto: David von Becker

Berlin“, eine Datenbank für Freundeskreise und

vermittelt Know-how zu den Themen „Marketing“ und

„Mitgliedergewinnung“ oder zu Steuerangelegenheiten.

Seit 2006 veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft

jährlich ein Symposium, das von vielen Teilnehmern

inzwischen als hilfreiche Institution wahrgenommen

wird, weil konkrete Problemfelder besprochen

werden. Dabei werden auch traditionelle Erwartungen

differenziert reflektiert. Auf dem diesjährigen 5.

Symposium fragte etwa der Referent Frank Trümper

die Anwesenden, welche Bürger sie denn ansprechen

wollten. „Um welche Bürger geht es Ihnen? Meinen

Sie weiße Akademiker der gehobene Mittel- oder

Oberschicht? Oder die Abteilungsleiterin oder den

Jungunternehmer türkischer Abstammung, der in

dritter Generation in Deutschland lebt? Meinen Sie

betuchte Frühpensionäre oder jugendliche Bohemiens?“

Trümper stellte fest, „dass es DIE Aktivierung DER

Bürger zu DEM Engagement für DIE Kultur nicht gibt

– wenn es sie denn je gegeben hat.“

So heterogen die Zielgruppen, so vielfältig sind die

Tätigkeiten der Mitglieder innerhalb des Förderkreises.

Sie sitzen selten an der Kasse, eher richten sie

Veranstaltungen aus, sammeln Spenden, betreiben als

Botschafter Lobbyarbeit für „ihre“ Institution. In den

meisten Fällen bekleiden einzelne Freunde das Amt

des Vereinsvorsitzenden oder des Kassenwarts, andere

pflegen die Website, manche sind nur zum Schauen

da, wieder andere finden in vertrauter Runde neue

Thus the AG Freundeskreise in Berlin, a conglomeration

of philanthropic “circles of friends” operating under the

auspices of the Stiftung Zukunft Berlin (Foundation

for Berlin’s Future), offers a database for such circles,

and additional tools and know-how on the subject of

marketing, acquiring new members, and tax laws. Since

2006 this organisation has hosted an annual symposium

that has been praised by participants as a helpful

institution because here they discuss concrete problems.

Even the traditional expectations are reflected upon

with appropriate differentiation. At this year’s 5th

Symposium Frank Trümper, a speaker at the event,

asked those present which citizens they would like to

address. “Which citizens are you dealing with here?

Do you mean white academics or the upper-middle

or uppermost class? Or the department head of some

business? Or a young Turkish entrepreneur and third

generation immigrant? Are you talking about wealthy

early retirees or young bohemians?” Trümper quickly

surmised that “there is no singular way to motivate the

engagement of the citizen for the culture—for when

have they every existed in monolithic singular?”

The target groups are as diverse as the activities of

the members within the philanthropic circles. Rarely

do they sit at the cash registers; rather, they organise

events, collect donations and conduct lobby work as

emissaries for their chosen institution. In most cases

their own friends perform the functions of chairing the

association or keeping track of the books; others update

Geschäftspartner – Stichwort „Community-Building“.

Gemeinsam ist den Mitgliedern, dass sie beinahe

ausschließlich ehrenamtlich arbeiten. Für ihren Einsatz

genießen sie verschiedene Vorteile: Atelierbesuche,

Exklusiv-Führungen, Reisen, ermäßigte Tickets und

Kataloge. Alle eint zumindest die Sympathie zur

Institution, in deren Dienst sie sich stellen.

Doch was können Freunde für ihre Institution

konkret leisten? Und wie sind die Freundeskreise

organisiert? Der Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft

im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. 1

veröffentlichte 2007 eine umfassende Untersuchung,

die Funktion und Organisation der Förder- und

Freundeskreise in Deutschland unter die Lupe nahm.

Motiviert wurde diese Untersuchung durch eine

„Kleine Anfrage“ der FDP-Fraktion im Deutschen

Bundestag – zur wirtschaftlichen Bedeutung der

Förder- und Freundeskreise gab es bis zu diesem

Zeitpunkt keinerlei Daten. In der Studie wurden vor

allem harte Fakten abgefragt, der Bericht lieferte klare

Ergebnisse: Von den insgesamt 236 teilnehmenden

Freundeskreisen waren im Bereich der bildenden Kunst

57 für Museen, Galerien und Sammlungen aktiv, 27

unterstützten einen Kunstverein und 6 förderten eine

Akademie oder Hochschule. Sogar die Kunstmesse

„Art Forum“ umgibt sich seit 2005 mit Freunden,

mittlerweile sind es 67.

the website, and still others are just there to watch; and

then there are those who find new business partners and

build new communities in these intimate circles. The

majority of them are volunteers offering their services

free of charge. For their efforts they are rewarded with

various advantages: they visit ateliers, receive exclusive

guided tours and trips, and obtain discount tickets and

catalogues. Yet they are all united by their dedication to

the institution for which they work.

But what can such “friends” really achieve for their

chosen institution? And how are such circles of friends

organised? The Society for the German Economy in the

Federal Association of the German Industry published

a comprehensive study in 2007 that analysed the

functions and structures of philanthropic circles and

foundations in Germany. The study was motivated by

an informal inquiry posed by the liberal FDP party

in the German Parliament, which revealed that there

was no data on the economic significance of such

foundations and circles. The report offered clear results:

of the 236 participating circles, 27 were active in the

field of fine arts for museums, galleries and collections;

27 supported an art association; and 6 supported an

academy or university. Even the art trade fair “Art

Forum” has surrounded itself with friends since 2005;

now they have more than 67 members.

Around 99% of the circles are registered as non-profit

associations. The period in which the various associations

0 THEMA THEMA


99 % der Freundeskreise sind als gemeinnützige

Vereine eingetragen. Manche knüpfen direkt an die

Tradition des bürgerschaftlichen Engagements für

kulturelle Angelegenheiten des 18. Jahrhunderts an

(damals sollte Adel und Kirche das kulturelle Monopol

entzogen und Mitbestimmung erkämpft werden),

doch fällt auf, dass rund die Hälfte der befragten

Freundeskreise nach 1990 gegründet wurde. Ob hinter

diesem „Boom“ die knapper werdenden öffentlichen

Mittel oder der wachsende Wunsch nach Engagement

steckt, konnte nicht geklärt werden. Tatsächlich ist

generell eine stetige Zunahme der Mitgliederzahlen

zu verzeichnen. Mitglied zu werden kostet in 69 % der

Fälle unter 50 Euro Jahresbeitrag. Nur 4 % der Vereine

erheben über 500 Euro, wenige halten an Bürgen für

den Aufnahmekandidaten fest. Ihre Zielgruppe zu

erraten ist nicht schwer.

Da die Altersstruktur der Freundeskreise hin zu älteren

Mitgliedern tendiert (die Altersgruppe der über 35-

Jährigen ist mit 87 % vertreten), wurden zusätzlich

oft „junge“ Freundeskreise für Mitglieder bis 35 Jahre

gegründet. So ist für Berlin z. B. der „Stober-Kreis“

zu nennen, der an die „Freunde der Nationalgalerie“

angeschlossen ist, oder „Jung und Artig“, der den

Förderverein der Berlinischen Galerie unterstützt. Die

„Jungen Freunde“ der Kunsthalle Emden arbeiten mit

den „Freunden der Kunsthalle“ zusammen und treffen

sich jeden 1. Dienstag im Monat zum Stammtisch

im benachbarten Museumscafé. Bei den Jungen

sind die Beiträge wie auch die Veranstaltungen der

Lebenssituation der Mitglieder angepasst, Facebook

und StudiVZ werden dort vermehrt genutzt.

Auch wurden übergreifend Jugendliche als potenzielle

Nachwuchsmitglieder ausgemacht, die es für

die Kultur zu begeistern gilt und auf die sich die

Rekrutierungsbemühungen konzentrieren. Der Bericht

resümiert u. a.: „Gerade in Zeiten, wo die ‚Kulturferne’

der Bürger – insbesondere der Jugendlichen –

beklagt wird, sind Förder- und Freundeskreise ein

schlagkräftiges Argument, um Brücken zu bauen

und Begeisterung zu wecken.“ 2 Ob Menschen Wert

darauf legen, sich von selbst ernannten „wertefesten

Erziehungsberechtigten“ zur Kultur hinführen zu

lassen, sei hier dahingestellt.

Mitsprache und Gestaltungsfreiraum ist den

Freunden allgemein in den letzten Jahren wichtiger

geworden. Direkten Einfluss auf das Programm der

geförderten Institution haben sie jedoch nicht, es

gibt in der Regel keine Kompetenzüberschneidungen

– die Programmgestaltung obliegt der künstlerischen

Leitung. Gleichwohl bestimmen viele Freundeskreise

den Ankauf von Werken aus ihrem Spendenetat mit

und tragen zur Entwicklung der Institution bei. Mit

durchschnittlich 14 % des Gesamtetats der geförderten

Institution leisten sie einen nicht unerheblichen Beitrag

zu deren Erhalt. Ersetzen lässt sich eine angemessene

staatliche Förderung dadurch aber nicht.

were founded differed broadly. Some of them date their

activities back to the tradition of bourgeois engagement

for cultural affairs during the 18th century, a period

when the aristocracy and the church were destined

to lose their monopoly during the struggle for more

democratic participation and self-determination; still it is

apparent that about one half of the circles surveyed were

formed after 1990. It proved impossible to determine

whether this rise in activities is due to dwindling public

funding or to the increasing wish to get involved. Indeed,

a more general trend towards larger sized association

memberships has been recorded. In 69 % of the groups it

costs less than 50 euros a year to be a member. Only four

percent of the associations have dues of over 500 euros

per year. And only very few associations require that new

members be vouched for. It is not difficult to guess who

their target members are.

With 87% of their members over the age of 35, these

groups tend to appeal to older members simply due

to their age structure, and thus specific philanthropic

circles have been founded for members under the

age of 35. Here in Berlin the Stober-Kreis ought to be

mentioned, which has teamed up with the Friends of

the National Gallery; similarly, Jung und Artig supports

the foundation of the Berlin Gallery. The Young Friends

of the Kunsthalle Emden work closely with the Friends

of the Kunsthalle, and they meet on the first Tuesday

of the month at the neighbouring museum café. The

fees and the events are adapted to the circumstances of

the young members, and they use Facebook and student

networking websites actively.

The youth have now become the focus for potential

new members, and the efforts to encourage their

participation and to recruit them are on the rise. The

report concludes: “Particularly at a time when the

‘distance from culture’ among citizens—especially the

youth—is often deplored, philanthropic and voluntary

circles of friends offer a convincing argument for

building bridges and generating enthusiasm.” Yet it

remains to be seen whether people see the sense in

allowing themselves to be guided to culture by selfstyled

champions of enduring cultural values.

The right to share in decision making and the freedom

in structuring activities is a common trend among the

“friends”—one that has become increasingly significant

in the last few years. But they don’t have direct influence

upon the programmes of the institutions they support.

As a rule, there is no overlapping of authority. The

responsibility for structuring the programmes belongs

to the artistic directors. And yet, with their budget of

contributions, the philanthropic circles do influence

the purchase of works, and they contribute to the

maintenance and development of the institution. On

average these circles generate 14% of the total budget

of the institutions they support, and that is a significant

contribution to their survival. But it is no replacement

for appropriate public funding.

Charmant: Die Jungen Freunde deutscher Kunstmuseen auf der diesjährigen Art Cologne. Foto: Jennifer Becker

So macht man sich

junge Freunde

Wodurch zeichnen sich

die 18 jungen Förderkreise

„Junge Freunde Kunstmuseum“

im Gegensatz

zu traditionellen Förderkreisen

aus? Zum einen

durch ihre Mitglieder:

Schüler, Studenten oder

junge Berufstätige, die es

sich zur Aufgabe gemacht

haben, Gleichaltrige für

die Kunst zu gewinnen, um den teilweise verstaubten

Vereinscharakter in der deutschen Museumslandschaft

neu zu definieren. Zum anderen widmen sie sich

gezielt zeitgemäßen Projekten und bemühen sich um

ein frisches Veranstaltungsangebot. Die Publikation

gewährt einen Blick hinter die Kulissen und fasst die

wichtigsten Ziele der Förderkreise für ganz Eilige

durch farbig markierte Textpassagen noch einmal kurz

und knackig zusammen.

Bundesverband der Fördervereine Deutscher Museen für

bildende Kunst e.V. (Hg.): So macht man sich junge Freunde.

Hamburg 2010. Dt., 145 S., Softcover, 5 €.

Wir bedanken uns bei folgenden Freunden für ihre

Teilnahme an unserer „Kleinen Umfrage“:

Freundeskreis GRASSI Museum für Angewandte Kunst e.V.

www.grassimuseum.de

Junge Freunde der Kunsthalle Emden

www.kunsthalle-emden.de

Jung und Artig. Freunde der Berlinischen Galerie

www.jungundartig.de

Freunde und Förderer, Haus am Waldsee Berlin

www.hausamwaldsee.de

Freundeskreis Georg-Kolbe-Museum e.V

www.georg-kolbe-museum.de

Der Freundeskreis der Universität der Künste | Karl Hofer

Gesellschaft e. V.

www.udk-berlin.de

einzigART, Museumsverein Kassel e.V

www.einzigart-kassel.de

freunde des art forum berlin

www.artforumfreunde.de

Freunde des Museums für Moderne Kunst e.V.

www.freunde-des-mmk.de

THEMA THEMA

1

2

Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im Bundesverband

der Deutschen Industrie e. V.: Förder- und Freundeskreise

der Kultur in Deutschland, Berlin, 2007

s. o., S. 21.


Mensch oder Maus?

Zur Ausstellung „The Recovery of Discovery“ von Cyprien Gaillard in den

KunstWerken, 27. März bis 22. Mai 2011

Man or Mouse?

On the Exhibition “The Recovery of Discovery” by Cyprien Gaillard at

KunstWerken from the 27th of March to the 22nd of May 2011.

Text: Katharina Helwig Translation: Brian Poole

Als der Schweizer Komiker Ursus Wehrli vor einigen

Jahren begann, Meisterwerke der Malerei in ihre

Bestandteile zu zerlegen und diese nach Farben

und Formen zu ordnen, erntete er gönnerhaften

Applaus ob seiner humorvollen Infragestellung des

sakrosankten Systems der Bildbetrachtung. Von seinen

„aufgeräumten“ Bildern ging jedoch keine Gefahr für

die Originale aus, da sie nicht unwiderruflich verändert

wurden. Eine schöne, aber harmlose Idee, die nicht an

den Grundfesten der Kunst rütteln konnte.

In seiner aktuellen Installation „The Recovery of

Discovery“ in den Berliner KunstWerken beabsichtigte

der französische Künstler Cyprien Gaillard genau das

Gegenteil. Im Lichthof errichtete er eine Pyramide aus

Bierkartons, die insgesamt 72.000 Flaschen der Marke

Efes enthielten. Die Installation sollte daran erinnern,

wie mit antiker Architektur über die Jahrhunderte

umgegangen wurde. Überreste ferner Kulturen fielen

dem Vergessen anheim, wurden wiedererrichtet,

verschifft und woanders wieder aufgebaut. Der

Pergamonaltar etwa wurde von seinem Ursprungsort

in der heutigen Türkei nach Berlin transportiert und

ist heute Besuchermagnet auf der Museumsinsel.

Gaillard bezieht sich in seiner Installation auf die

wechselvolle Geschichte der Kulturdenkmäler, die in

einem unendlichen Wandel begriffen ist. Folgerichtig

wartete seine Bierkisten-Pyramide geradezu auf die

Besucher und den Prozess, den sie anstoßen würden. Es

A few years ago, when the Swiss comedian Ursus

Wehrli began dissecting masterpieces of painting

into their component parts and to reorganise them

according to their colours and shapes, he was rewarded

for his humorous probing into the sacrosanct system

of regarding images with patronising applause. But his

“tidy” pictures posed no real danger for the originals

since they were not permanently changed by his work.

It was an attractive but harmless idea, and not one that

could rock the very foundations of art.

In his current installation “The Recovery of Discovery”

at the gallery KunstWerke in Berlin, the French artist

Cyprien Gaillard is attempting to do just the opposite.

In the atrium of the gallery Cyprien Gaillard has

constructed a pyramid out of cases of beer containing

a total of 72,000 bottles of the brand “Efes” from

Turkey. The installation is thus a reminder of how

antique architecture was dealt with for centuries:

the dismantled remains of distant cultures, long

since forgotten, were shipped off to foreign shores,

where they were reassembled. The Pergamon Altar

was transported from the ruins of the ancient city of

Pergamon (now located in Turkey) to Berlin, where it

is currently the grand attraction at Berlin’s Museum

Island. In his installation, Gaillard alludes to this

precarious history of cultural monuments, which is

in constant upheaval. His pyramid of beer-cases thus

awaits the onslaught of visitors and the process they

5. Mai 2011. Cyprien Gaillard: The Recovery of the Discovery. Installationsansicht in den Kunstwerken Berlin.

Foto André Schmidt / KUNST Magazin.

wurden keinerlei Vorgaben festgelegt: Das Bier durfte

getrunken werden, die Pyramide erklommen und das

ursprüngliche Bild der gestapelten Kisten ordentlich

durcheinandergebracht werden. Dementsprechend

veränderte sich schon während der Eröffnung das

Ausstellungsbild: Die Kisten wurden aufgerissen,

geleert, verschoben, eingedellt, leere Flaschen standen

herum, viele gingen zu Bruch, das Bier wurde von

den vernebelten Besuchern verstoffwechselt und

landete letztlich in der Kanalisation. Der „Verfall“ der

Pyramide wurde zufrieden beobachtet, erfüllte sich

doch damit die den Pressetext abschließende, so sicher

wie vollmundig vorgetragene Vorhersage: „Gleich

einer öffentlichen Amnesie in der aktiven Missachtung

der skulpturalen Form, verloren in der ausweglosen

Interaktion mit dem Monument, wird die sukzessive

Zerstörung zu einer Ästhetik des Widerstands.“

Was aber geschieht, wenn Besucher sich nicht

erwartungsgemäß verhalten, sondern sich die

Freiheit nehmen, die entstandene Unordnung

aufzuräumen? So geschehen am 3. Mai, als sich

fünf Besucher daranmachten, Flaschen zu sortieren,

Scherben zusammenzukehren, Altpapier zu stapeln

und volle Kisten zu gruppieren. Während des

Aufräumens wechselte die Reaktion der anwesenden

Mitarbeiter der KW von anfänglicher Irritation

inkl. telefonischer Nachfrage beim Künstler – der

zunächst seine Zustimmung zum außergewöhnlichen

set in motion. No instructions were issued for his

exhibit: you’re allowed to drink the beer and to climb

up the pyramid, although that wreaks havoc upon the

scrupulously stacked cases. And thus the impression

made by the exhibition changed accordingly during

the opening. Cases were torn open, emptied, cast

aside, and crushed; empty bottles lay strewn around

the room, many of them broken; and the beer was

metabolically processed by the guests, whence it

soon found its way into the sewers. The “decline” of

the pyramid was jubilantly observed, unmistakably

confirming the frothily proclaimed prediction at the

end of the press release: “Like a case of collective

amnesia—in active disregard to sculptural form, lost

in the relentless interaction with the monument—the

successive destruction of the pyramid becomes an act

of aesthetic resistance.”

But what would happen if the visitors didn’t behave

as expected? What if they embolden themselves to

tidy up all the mess left behind? That’s just what

transpired on the 3rd of May—five visitors set

themselves to work, sorting through the bottles,

sweeping up the broken glass, stacking the cartons,

and regrouping the still full cases. During this tidy-up

operation, the reaction of the staff at the KW gallery

shifted from initial confusion to slight annoyance—

accompanied by a telephone inquiry to the artist, who

gave his consent to the extraordinary proceedings—

REVIEW REVIEW


3. Mai 2011: Cyprien Gaillard: The Recovery of the Discovery. Installationsansicht

in den Kunstwerken Berlin – Beginn des Aufräumens

durch Ausstellungsbesucher. (Filmstill)

Treiben gab – zu schmähenden Sprüchen und dem

endgültigen Rausschmiss samt dem Verbot, die

Videodokumentation der Aufräumaktion publik zu

machen. 1

Verabschiedet wurden die Aufräumer mit dem

Stoßseufzer, wie viel Arbeit es nun wäre, die

ursprüngliche Unordnung wieder herzustellen.

Damit wurde eine Kernaussage der Thermodynamik

getroffen und die Installation als ein geschlossenes

System definiert, die sie jedoch niemals war. Doch

die gewünschte Entropiezunahme im System der

Installation war durch die ordnenden Hände gestoppt

worden. Schweißtreibende Arbeit wurde verrichtet,

gegen den Zerfall. Und gegen die Vorhersage.

Vorhersage?

Als Lutz Dammbeck letztes Jahr in seiner Ausstellung

„Re-Reeducation“ die Versuchsanordnung SEEK II

nachkonstruierte, die 1970 im New Yorker Jewish

Museum als frühe kritische Reflexion der Kybernetik

gezeigt wurde, erinnerte er an die entsprechenden

zugrunde liegenden wissenschaftlichen Methoden.

Wüstenrennmäuse wurden in einen Käfig mit

sorgfältig arrangierten Würfeln gesetzt. Durch ihre

Bewegungen stießen sie Würfel um und veränderten

somit die Versuchsanordnung. Ein Roboterarm nahm

die Veränderungen auf und dokumentierte sie. Ziel

war es, die Bewegungen der Mäuse im Sinne der

3. Mai 2011: Cyprien Gaillard: The Recovery of the Discovery.

Installationsansicht in den Kunstwerken Berlin bei Beendigung des

Aufräumens. (Filmstill)

to openly scornful remarks and finally to the ultimate

banishment of those seemingly helpful cleaners, who

were summarily forbidden from publishing the video

documentation of their cleaning.

The cleaning crew were sent packing with a sigh

of frustration: just how much work would be

necessary to recreate the original disorder! This

clearly corresponds to a central theme in the laws

of thermodynamics and defined the installation as a

closed system—which it never was. But the tidying

hands of order put a stop to the desired increase in

entropy in the system of the installation. The sweatproducing

labour was pitted against the collapse. And

against all prediction. Prediction?

When Lutz Dammbeck reconstructed the

experimental apparatus for SEEK II at his exhibition

“Re-Reeducation” last year (the SEEK apparatus

had initially been shown in 1970 at New York’s

Jewish Museum as an early critical reflection upon

cybernetics), he reminded us of the corresponding

scientific methods upon which the apparatus was

based. Desert mice were placed in a cage with

carefully arranged cubes. Through their movement

they knocked over the cubes and thus changed the

apparatus. A robotic arm documented the changes.

The goal was to predict through calculation the

movement of the mice from the perspective of

4. Mai 2011: Cyprien Gaillard: The Recovery of the Discovery. Installationsansicht

in den Kunstwerken Berlin.

Kybernetik vorauszuberechnen, angestrebt war eine

auf Menschen übertragbare „Handlungsvorhersage“.

Doch zurück zu den KunstWerken: Die Sorge, die

nachfolgenden Besucher würden anstatt des erwarteten

Chaos’ eine ordentliche Wertstoffsammlung zu sehen

bekommen und damit das Werk nicht mehr verstehen

können, offenbart ein klägliches Zutrauen in die

Erkenntnisfähigkeit des Publikums. Selten wurde auch

in Bezug auf die Aufräumer unsouveräner mit einem

„Systemfehler“ umgegangen. Das spricht dafür, dass

systemkonformes Verhalten auch im Kunst-Bereich

der Ausstellungsleitung wie auch dem -publikum

in Fleisch und Blut übergegangen ist, selbst wenn es

speziell in dieser Ausstellung keine Vorgaben zu einem

korrekten Verhalten gab. Eine Maus, die aufräumt,

hätte 1970 zu Recht keiner vermutet. Dazu bedarf

es einer intellektuellen Auseinandersetzung mit

der „Versuchsanordnung“, Esprit und zielführender

Arbeit. Die Aufräumer allerdings haben dem Werk

einen vernachlässigten Aspekt hinzugefügt: Das der

Wiedererrichtung. Sie haben die Diskussion über

Systemgrenzen und Autorität in der Kunst damit

eröffnet.

Gedächtnisprotokoll (3. Mai 2011) der Besucher, die

ungenannt bleiben möchten.

cybernetics in the hope of obtaining “predictions of

actions” that could also be applied to people.

But back to KunstWerke: their concern that later

visitors would see a well-organised collection of

recyclable materials instead of the anticipated chaos

reflects a lamentably weak faith in the cognitive skills

of the audience. Rarely has a “systems error” been

dealt with with less aplomb, particularly in regard to

those cleaning. And this does seem to suggest that

the expectation of system-conform behaviour has

also found its way into the field of art, affecting both

exhibition directors and their guests even in cases like

this, where no specific instructions about “correct”

behaviour were given. In 1970 no one expected that a

mouse would tidy up. Here there is obviously a need

for a spirited and strenuous intellectual investigation

into the test apparatus. Those tidying cleaners have

added a hitherto neglected dimension to the work—

that of reconstruction. They have thus opened the

discussion on system limitations and authority.

REVIEW REVIEW

1


Galerieprofil Blain|Southern

Große rohe Räume

Gallery Profile Blain|Southern

Large Raw Space

Text: Hannah Nehb Translation: Brian Poole

Harry Blain und Graham Southern sind wieder in der

Stadt. Am Gallery Weekend Berlin 2011 haben sie

das Geheimnis gelüftet, welche Galerie in die riesige

Rotationshalle auf dem ehemaligen Tagesspiegel-Areal

in der Potsdamer Straße eingezogen ist. Die beiden

ehemaligen „Haunch of Venison“-Direktoren haben

die Räume gemietet, zu denen eine überdimensionierte

Halle gehört, die – Gigantomanie hin oder her – an

eine Miniversion der Turbinenhalle in der Tate Modern

erinnert.

Der Tipp dazu kam von Freunden – Blain und

Southern sind keine Unbekannten in Berlin; viele Jahre

betrieben sie in der Heidestraße erfolgreich die Galerie

„Haunch of Venison“, verkauften diese im Jahr 2007

an Christie´s (und zogen damit den Groll panischer

Kollegen auf sich, die eine zu starke Vermischung

von Primär- und Sekundärmarkt befürchteten),

doch erst im letzten Sommer haben sich die beiden

Briten auch als Direktoren von „Haunch of Venison“

zurückgezogen. Mit Blain|Southern eröffneten sie

wenige Monate später erneut eine eigene Galerie, mit

deren erster Dependance sie nun zurück nach Berlin

gekommen sind. „Wir planen ambitionierte Projekte“,

erklärt Direktorin Lisa Bosse. Vier Ausstellungen mit

längeren Laufzeiten sollen pro Jahr realisiert werden.

Freunde sind wichtig, ohne die geht es nicht. Man

versteht sich, man kennt sich – man hilft sich. Als

sich herumsprach, dass Blain und Southern Räume

in Berlin suchen, zahlte sich das Netzwerk aus

ehemaligen Haunch-Tagen durch zugeschanzte Tipps

aus: „Kommt, guckt mal hier nach“. In der Potsdamer

Harry Blain and Graham Southern are in the city

again. At the Gallery Weekend 2011 in Berlin they

revealed which gallery will be moving into the huge

building in Potsdamer Straße that used to house the

printing presses of the newspaper Tagesspiegel. The

former directors of the gallery “Haunch of Venison”

have rented space there, including the over-sized hall

that reminds one—whatever one may think of the

gigantomania—of a mini-version of the turbine hall

at the Tate Modern.

They got the idea from a local friend of theirs. After

all, Blain and Southern are rather well known in

Berlin: for years they successfully operated the gallery

Haunch of Venison in the Heidenstraße, but they sold

it to Christie’s in 2007, much to the disgruntlement

of their panicky colleagues who feared the potentially

overpowering mixture of primary and secondary

markets. But last summer the Brits also gave up

their positions as managers at Haunch of Venison.

With Blain|Southern they again opened their own

gallery just a few months later, and its first branch has

brought them back to Berlin. “We’re here to realise

ambitious projects,” the director Lisa Bosse says. Four

long-running exhibitions per year are scheduled to

take place here.

Friends are important; nothing works without them.

Friends understand each other; they know and help

each other. When the word got out that Blain and

Southern were looking for a good gallery location in

Berlin, their network from their days at Haunch of

Venison paid off in the form of good suggestions.

Früher wurde hier der Tagesspiegel gedruckt, momentan desorientieren Webster und Noble mit einer leeren Halle, die nach einer

Umbauphase künftig Blain|Southerns Hauptausstellungsraum wird. Foto: Christian Glaeser, 2011, © Blain|Southern Berlin

Straße treffen sie auf ehemalige und neue Nachbarn,

die wie Matthias Arndt ebenfalls längst dorthin gezogen

sind. Inzwischen gilt die „Potse“ als umjubelter neuer

place-to-be.

Freundschaftliche Verhältnisse – und gute Arbeit

– mögen dazu geführt haben, dass das Kernteam

von „Haunch of Venison“ nun auch wieder bei Blain|

Southern beschäftigt ist. Dazu gehört u. a. Lisa Bosse,

die erzählt, dass auch viele Künstler, darunter Jonas

Burgert, Mat Collishaw oder Bill Viola, die schon

bei „Haunch of Venison“ intensiv begleitet wurden,

zu Blain|Southern gewechselt sind. „Es ist wichtig,

konzentriert und mit Leidenschaft mit den Künstlern

zusammenzuarbeiten und diese aufzubauen. Man

muss den Künstlern vertrauen, und Künstler vertrauen

ihren Galeristen.“

Bei Ausstellungsvorbereitungen werden die Künstler

intensiv mit einbezogen. Dass die Räume aktuell noch

ziemlich roh wirken, war von Tim Noble und Sue

Webster so beabsichtigt. Das Künstlerpaar hat die

neuen Galerieräume mit der Installation „Turning the

Seventh Corner“ eingeweiht, die auf Desorientierung

abzielt. Der Besucher betritt die vermeintlich leere

Galerie und wird in die zweite Etage geschickt, wo er

durch eine verglaste Empore in die riesige leere Halle

blicken kann. Gesättigt von so vielen Kubikmetern

Platz (in dem 1300 qm großen Gebäude haben einst

Rotationsmaschinen tagtäglich Zeitungen gepresst),

geht es in einen Nebenraum, rein ins Dunkle: Stufe

2 der Desorientierungsphase beginnt. Der Architekt

David Adjaye hat ein Tunnelsystem entworfen, bei

“Come and have a look at this place!” At Potsdamer

Straße they ran into both former and new neighbours,

like Matthias Arndt, who had moved there long ago.

Now the popular “Potse” is considered the latest

“place to be”.

Amicable relationships and good work are probably

what led the core team at Haunch of Venison to

return to work for Blain and Southern again. Among

them are Lisa Bosse, who mentioned that many

artist—such as Jonas Burgert, Mat Collishaw and Bill

Viola, who all used to be affiliated with Haunch of

Venison—have now moved on to Blain|Southern. “It

is important to focus upon the artists and to work

passionately together with them in order to help

them develop. You have to trust artists, just as artists

trust their gallerists.”

During the preparation for exhibitions, the artists

are actively involved in the process. Currently the

rooms are all still a bit rough-hewn, but that was

Tim Noble and Sue Webster’s intention. This artistic

duo inaugurated the new gallery rooms with their

installation “Turning the Seventh Corner”—a work

poised to disorient. The visitors enter the seemingly

empty gallery and are summarily sent off to the

second floor where they gaze down through a glass

balcony-like area into a huge, and empty, hall.

Oversaturated with the sheer quantity of space (the

1300 square metre building once housed the printing

press for a daily newspaper), visitors will then slip

into a side-room, and into the dark. Here stage two of

the disorientation begins. The architect David Adjaye

GALERIEPROFIL GALERIEPROFIL


Wer ganz genau hinsieht, erkennt, wie sich „ROTATION“

in der Fensterfront der ehemaligen Tagesspiegeldruckerei

spiegelt. Seit Mai ist die Galerie Blain|Southern im

Gebäude beherbergt. Foto: Hannah Nehb

dem sich der Besucher tastend auf dem sich auf- und

absenkenden Weg spiralförmig vorwärtsbewegt. Der

Weg zwingt zu Langsamkeit und Ruhe. Doch völlig

verloren ist der Besucher nicht; schmale Lichtstreifen

weisen den Weg und wecken den Entdeckergeist (der

Western „McKenna´s Gold“ sowie ein Besuch der

ägyptischen Pyramiden soll die Künstler zu ihrem

bisher ehrgeizigsten Projekt inspiriert haben). Nach

den im Titel angedeuteten sieben Ecken erreicht man

das Ziel: Eine Art Grabkammer, in der eine goldene

zweigliedrige Skulptur sanft im Licht schimmert

und als Schattenbild ein Profil der sich gegenseitig

anblickenden Künstler in einem Lichtkegel zeigt.

Schattenskulpturen, die Form und Antiform, Konkretes

und Abstraktes in sich vereinen, gehören zum klassischen

Repertoire von Noble und Webster. Sie entfalten ihre

verstörende Wirkung durch unerfüllte Erwartungen,

denn die Ausgangsskulptur widerspricht vollkommen

ihrem Schattenbild. Bei „Turning the Seventh Corner“

werden zwei auf einer Gabel aufgespießte Knäuel

mumifizierter Kleintiere angestrahlt. In einem ersten

Schritt in Silber gegossen und anschließend vergoldet,

erfahren die völlig vertrockneten Tierkadaver durch

diesen quasi-alchimistischen Prozess sowie durch ihr

neu konfiguriertes Schattenbild eine Transformation

hin zu einem zeitlosen Schatz, bei dem Tod und

Unsterblichkeit koexistieren.

Mit dem Spiel von Licht und Schatten beziehen sich

Webster und Noble auf Platos Höhlengleichnis: Es

liegt in der Verantwortung des Künstlers, Objekte

zu schaffen, die das irdische Leben überwinden, um

0

GALERIEPROFIL

Verblüffendes Spiel mit dem Schatten. Tim Noble and Sue Webster:

Turning the Seventh Corner, 2011, reines Sterling Silber, vergoldet,

Metallständer, Lichtprojektor, 71 x 42 x 160 cm, Foto: 2 Shooters,

© Tim Noble and Sue Webster / Blain|Southern

has designed a tunnel system wherein the visitors are

obliged to feel their way along a rising and sinking

spiral-shaped path. The path forces them to move

slowly and calmly. But they are not completely lost,

for tiny strips of light lead the way, encouraging the

spirit of discovery. (A visit to the Egyptian pyramids

and the Western movie “McKenna’s Gold” purportedly

served as the inspiration for their ambitious project.)

After they have turned the “seven curves” mentioned

in the exhibition’s title, the visitors finally arrive at

their destination: a burial chamber where a golden,

two-limbed sculpture glistens softly in the light, and

where the shadowy profile image of the two artists

looking at each other appears in a beam of light.

Shadow sculptures, uniting both form and anti-form,

concreteness and abstractness, belong to the classical

repertoire of Noble and Webster. They develop their

disquieting effect through unfulfilled expectations—

the initial sculpture stands in complete contradiction

to its shadow-image. In “Turning the Seventh Corner”

two clusters of mummified small animals impaled by

a fork are caught in a ray of light. First they were cast

in silver and then they were coated in gold, and thus

the dried up animal cadavers have been transformed

by this quasi-alchemical process and by their new

configuration as shadow-images into a timeless

treasure in which death and immortality coexist.

In this play with light and shadows Webster and Noble

allude to Plato’s cave allegory. It is the responsibility

of the artist to create objects that overcome their

earthly existence, allowing us to catch a glimpse of

Aus toten Tieren werde ein güldener Schatz - hex, hex! Webster und Noble haben mumifizierte Kleintiere – Eichhörnchen,

Ratten, Mäuse, Krähenfüße, Geierkrallen und Frösche – erst in Silber getaucht und anschließend vergoldet.

Tim Noble und Sue Webster: Turning the Seventh Corner (Detail), 2011, reines Sterling Silber, vergoldet, Metallständer,

Lichtprojektor, 71 x 42 x 160 cm, Foto: 2 Shooters, © Tim Noble and Sue Webster / BlainlSouthern

uns einen Blick auf das Metaphysische erhaschen zu

lassen. Kunst kann größer sein als die finstere Welt, in

der wir leben, denn sie zeigt uns die Schönheit, die

dahinterliegt – die Großartigkeit all dieser Dinge, die

bedeutungsvolle Schatten auf die Höhlenwand werfen,

die unsere Realität ausmachen.

Was Blain|Southern als Nächstes zeigen, wird erst

im Sommer verraten. Bis dahin: Bauarbeiten. Bis

zur nächsten Ausstellung im Herbst soll diese

zweite Umbauphase, an deren Konzept momentan

noch zusammen mit den Architekten gefeilt wird,

abgeschlossen sein. Die Galerie soll funktionaler

hergerichtet werden. Zwar werden die Backsteinwände

verkleidet, doch der industrielle Charakter des

Gebäudes soll bestehen bleiben: „Wir wollen keinen

superglatten White Cube, sondern die Geschichte, die

die Halle erzählt, beibehalten“, skizziert Lisa Bosse

das Umbauvorhaben. Eines steht fest: Die Halle wird

künftig als Hauptausstellungsraum fungieren. Lisa

Bosse will sich die Möglichkeit offenlassen, die Räume

für jede Ausstellung transformieren zu können. Das

befeuert wilde Spekulationen, wer sich in dieser

Miniaturturbinenhalle künstlerisch austoben darf. Wir

sind gespannt auf das, was kommt.

BLAIN|SOUTHERN

Potsdamer Str. 77-87, 10785 Berlin-Tiergarten

„Turning the Seventh Corner“ bis 16.7., Di-Sa 11-18h

www.blainsouthern.com

the metaphysical level of being. Art can be larger

than the dark world in which we live; it can show us

the beauty underlying it, the greatness in all things

that cast such significant shadows on the wall of the

cave and that ultimately make up our reality.

We’ll find out this summer what Blain|Southern are

going to show us next. But, until then, there’s going to

be a lot of construction going on. The second phase of

the renovation work will have to be completed before

the next exhibition opens in the fall. They’re still

currently nailing down their plans with the architects.

The gallery is supposed to become more functional—

the large brick walls are going to be covered, and yet

the industrial character of the building is going to be

retained. “We don’t want a supremely smooth White

Cube; something reflecting the story behind the hall

should remain,” says Lisa Bosse in her précis of the

construction plans. One thing is clear: in the future

the hall will serve as the central exhibition room. But

Lisa Bosse reserves the right to transform the space

for each new exhibition. And that has given rise to

wild speculation over who will get the chance to

indulge their artistic whims in this miniature turbine

hall. We can’t wait to see what’s up next.

GALERIEPROFIL


INTERNATIONAL CONVERSATIONS

WITH COLLECTORS: BILLUR TACIR

Interview: Jan Kage.

Text: Elena Sansigre, Hannah Nehb, Brian Poole

During Gallery Weekend Berlin 2011, me Collectors

Room Berlin, in collaboration with KUNST Magazin,

hosted a conversation with the Turkish collector Ms.

Billur Tacir. In order to better round off the current

Turkish art scene, curator Dr. Gisela Winkelhofer and

Sotheby’s director in Istanbul Ms. Oya Delahaye were

also invited.

Frau Winkelhofer, could you give us an overview of

the Turkish art scene? Does the government support

it? Has Istanbul had, as European Capital of Culture

in 2010, any influence on the local art scene?

Dr. Gisela Winkelhofer: It’s fair to say that the art

scene in Istanbul is growing. However, I am wondering

why I do not see any Turkish artists present at

international exhibitions. Where do they get help

from? Neither the Turkish government nor the city

of Istanbul is doing anything, which is strange in

comparison with other European countries that invest

quite a lot in contemporary art. I believe that there is

a huge potential to develop something very special in

Istanbul. The market is very vibrant, the economy is

now growing in a similar way to the 60s in Germany,

and the art community in Istanbul is also currently

expanding.

In Istanbul, people live between two continents.

Which artists are this city’s collectors interested in?

Oya Delahaye: Buying art started in the 80ies when

Turkey opened its boundaries to the West. Its economy

became more liberal, galleries opened, and independent

Turkish artists living outside of Turkey who were not

the State’s artists started to be exhibited. People were

getting wealthier and travelled more, and they started

buying art, not only as an investment but also as a

way to achieve happiness and satisfaction. As for the

new artists’ profiles, there are more and more artists

coming from the East, and more and more women

artists, which was not the case before. The majority of

Modern Turkish artists belonged to the bourgeoisie.

Im April wurde Taner Ceylans Arbeit “1879” (2010) bei Sotheby´s in London für 229.250 Pfund versteigert.

Couresy: GALERIST, Istanbul

How do the Turkish artists view themselves: as a part

of a global art discourse? Or are they anchored to

the Turkish past, more related to calligraphies or the

Islamic ban on painting?

Oya Delahaye: No. Actually the Turkish artists are

more intrigued by the West. That doesn’t mean they

are trying to break with their Eastern traditions.

Turks—and this started with the Ottomans—have

always moved and have always been attracted to the

West, to Europe.

Ms. Tacir, you studied in Pennsylvania. Actually you

bought your first piece of art there. Was it American

art? What made you continue collecting art?

Billur Tacir: My interest in contemporary art did

start at the Wharton Business School in Philadelphia,

where I took a course on American contemporary art.

I was really fascinated by the abstract expressionists

and the pop artists. At that time I couldn’t afford to

buy abstract expressionism, so the first piece I bought

was an Andy Warhol print. I was really excited about

owning a part of art history, owning a work from an

artist I really admire. From then on, I spent every

weekend in museums and galleries. My passion grew

when I met my husband Atilla, who also shares this

passion.

What have you been collecting since you arrived

back in Istanbul? Are you now more into young

Turkish art? Are there any trends that you like?

Billur Tacir: To be honest, my taste has been changing

also because there has been such a development in

Turkish art with a more Western approach. When

I first came to Turkey, there was a greater focus on

tradition. But the younger generation of artists are

much more open to the West. It is really exciting

to see how they are working with lots of different

media.

SAMMLERGESPRÄCH SAMMLERGESPRÄCH


Taner Ceylan: 1881, aus der Serie “Lost Painting”, 2010, Öl auf Leinwand, 140 cm x 200 cm, Couresy: GALERIST, Istanbul Ayse Erkmen vertritt in diesem Jahr die Türkei bei der Biennale in Venedig, lebt aber mehr oder weniger in Berlin und Münster.

Ayse Erkmen: Shipped Ships, Three ferries from Italy, Japan and Turkey with Crews, Passengers, Ship, 2001, Courtesy: Galerie Barbara Weiss

Ms. Delahaye, what could you tell us about Sotheby’s

Istanbul? Do you also sell Turkish art or only art

from western countries?

Oya Delahaye: For three years Sotheby’s has been

organising Turkish contemporary art sales in London.

Sotheby’s sees a lot of potential in Turkish artists

and believes that the Turkish art market has its place

in the International Art Market. These sales have

contributed to the prospects of Turkish Art on the

international platform. Of course, the majority of

buyers are Turkish for the moment, which is normal.

But already this year the third auction had 40%

foreign buyers—not only from the Middle East, but

from Europe and America as well—with some really

important names among them.

Ms. Winkelhofer, how is Turkish art participating

in more classical art places like, for example, Basel,

Miami or London? Are the Turkish artists gaining a

higher recognition?

Dr. Gisela Winkelhofer: In the last three years there

was only one gallery that accepted one Turkish artist

in art Basel. I think there is something going wrong

when only one gallery accepts art from Istanbul, the

biggest metropolis in Europe with an inner circle of

art spaces and galleries that grows every day.

There are approximately 200 galleries in Istanbul.

Where do you get your information from, Ms.

Tacir?

Billur Tacir: We try to follow gallery shows as often as

we can. Of course, the Istanbul Contemporary Show

is a great opportunity to see all the galleries and

artists at once. Another way is to follow the auctions.

But when you live in Turkey, it makes much more

sense to buy from the galleries because of the 18%

tax for international art purchases. And, anyway, the

galleries are already enough. Five years ago we had

so few, but lately there are many new galleries taking

this Western approach, so now it is a lot more fun

to participate in the Turkish art market. There are

so many more venues and private exhibition spaces,

where you can see group shows with Turkish art

along side other international artists.

Audience: You were saying how surprised you were

about the small presence of international art in

Turkey and the lack of government support. I am

interested in knowing why the international exposure

and exchange was so limited. Have you helped in

changing that situation? I am from Bombay, and

almost exactly the same thing is happening there as

what you described in Istanbul, so I would like to

know if there is a way to change the situation.

Dr. Gisela Winkelhofer: I was able to organize

some shows in Istanbul with international artists

during the Istanbul Biennial and the Contemporary

Istanbul, and I have seen that the collectors are

really interested in these artists. Turkish collectors

are quite well informed and connected, though.

They are travelling a lot, meeting other collectors,

and they prefer going to the international art fairs.

On the other hand, the transport to Turkey is quite

expensive, and the galleries are changing the program

every 4 or 5 weeks. This is too expensive for them,

whereas abroad they have better opportunities to sell

or to buy something rather than choosing only from

a small selection in Istanbul.

Perhaps this talk will catch the attention of journalists,

collectors and art friends, and encourage them to go

to Istanbul and check out the scene. Thanks Billur

Tacir, Oya Delahaye and Gisela Winkelhofer for the

conversation.

Our moderator, the sociologist Jan Kage, alias Yaneq,

moderates the radio programme “Radio Arty” (MotorFM,

100.6) with guest artists and curators every

Thursday at 7pm.

SAMMLERGESPRÄCH SAMMLERGESPRÄCH


BASEL

Art 42 Basel

© Copyright 2011 by MCH Group Ltd. – all rights reserved

Die Art Basel, die zum 42. Mal stattfindet, wartet neben

dem üblichen Messebetrieb mit einem umfangreichen

Rahmenprogramm auf – hier einige Anregungen:

Openings: Am Montag, 13. Juni, finden ab 18 Uhr die

Vernissagen von „Swiss Art Awards 2011“ und „Design

Miami/Basel“ statt.

Am 15. Juni eröffnen das „Kunstforum Baloise“ und

die Kunsthalle Basel ihre Ausstellungen: Baloise

präsentiert Elger Essers Werke, die Kunsthalle zeigt

Rebecca H. Quaytmans Malerei „Spine, Chapter 20“.

SCOPE BASEL 2011

Neben der Art Basel findet zeitgleich vom 15. bis

19. Juni die 2002 gegründete SCOPE Basel statt.

Der Schwerpunkt der insgesamt 85 teilnehmenden

internationalen Galerien – u. a. Jonathan LeVine/New

York, Morgen Contemporary/Berlin und Galerie Karin

Sutter/Basel – liegt auf der zeitgenössischen Kunst.

Ein besonderes Highlight stellt die containerartige

Holzinstallation „Counterweight Roommate“ dar,

die für die gesamte Dauer der Messe von den beiden

Künstlern Alex Schweder La und Ward Shelley

bewohnt wird. Daneben präsentieren die Künstler

Commenius Roethlisberger und Admir Jahic als

weiteres SCOPE Special Project ihre neue Installation

„Invisible Heros“, welche die bedeutungsreiche Geste

„Corna“ (ital. „Hörner“) thematisiert und hinterfragt.

Für das leibliche Wohl wird in der sogenannten BLANK

Lounge gesorgt, wo sich die SCOPE VIP Picnic Lounge

und die Hinterhof-Bar befinden. Dieser Bereich wurde

von der Academy of Art and Design Basel gestaltet.

Neben einem umfangreichen Kinderprogramm in

Zusammenarbeit mit „Mobile Jugendarbeit Basel“ und

einem Street-Art-Projekt werden zudem zahlreiche

Performances realisiert.

Filmvorführungen: Bei „Art Film“ werden jeden

Abend Filme gezeigt: Der Kurator Marc Glöde stellt

„Landscapes of/for Theatricality“, „Animated Worlds“,

„Hallucinations/Paradise“ und Lawrence Weiners

„Dirty Eyes“ vor, und die Schweizer Premiere von

Werner Herzogs letztem Film „The Cave of Forgotten

Dreams“ ist auch im Programm.

Diskussionen: Zwischen dem 13. und 19. Juni

gibt es ab 10 Uhr die „Art Basel Conversations“.

Künstlergespräche und Vorträge über die Zukunft der

Kunst finden in Halle 1 statt. Parallel bietet der „Art

Salon“ Raum für Künstlergespräche, Signierstunden

etc.

Abends: Täglich ab 23 Uhr legen im „Art Club“

verschiedene DJs in der Campari Bar auf. Am 16. Juni

veranstalten „Art Parcours“ und „Design Miami/Basel“

Partys. Die zweite Auflage des „Art Parcours“ bringt

den „West Coast Spirit“ mit einem Konzert und einer

DJ-Session an den Rhein.

Art 42 Basel

15.–19.6., 11–19h

Tageskarte: 39 CHF, erm.: 29 CHF

Kombiticket Art 42 Basel und Design Miami/Basel: CHF 49

Messe Basel, Messeplatz, 4058 Basel

www.artbasel.com

Alex Schweder La and Ward Shelley: Counterweight Roommate

Premiering SCOPE Basel 2011, 2 people, 5 days, Structure 2’ x 32’ x 6’

SCOPE Basel 2011

Opening: 15.6., 21h, 15.–19.6., Do–So 10–19h

Eintritt: 20 CHF, erm.: 10 CHF

Kaserne Basel, Klybeckstr. 1b, 4057 Basel

www.scope-art.com

Flughafenstrasse

Kannenfeldpark

Burgfeldstrasse

Kannenfeldstrasse

Mülhauserstrasse

Scützenmattpark

Benkenstrasse

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Hauptstrasse

Bottmingerstrasse

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Voltastrasse Dreierosenbrücke

Landskronstrasse

St. Johanns-Ring

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Spalenring

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Dorenbachviadukt

Baslerstrasse

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Birsigstrasse

Oberwilerstrasse

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Elsässerstrasse Johanniterbrücke

Spalentorweg

St. Johanns

Park

Klingelbergstrasse

Austrasse

Hebelstrasse

Schützengraben

Leimenstrasse

Viaduktstrasse

Binningerstrasse

Petersgraben

Holbeinstrasse

Margarethenstrasse

Margarethenpark

Venusstrasse

Unterer Rheinweg

Leonhardsgraben

Birsigstrasse

Schaublinstrasse

Heuwaage-Viadukt

Güterstrasse

Breisacherstrasse

Klybeckstrasse

Rheinsprung

Basel SBB

Gundeldingerstrasse

Amselstrasse

Steinenberg

Markgräflerstrasse

Bläisiring

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Utengasse

Scope

Elisabethenanlage

Der Rhein

Elisabethenstrasse

Dornacherstrasse

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Claragraben

Aeschengraben

Pfeffingerstrasse

Bruderholzweg

Gottesackerstrasse

Gundeldingerrain

Hammerstrasse

Sonnenbergstrasse

Wettsteinbrücke

Riehenring

selection artfair

Rosenfeldpark

St. Alban-Vorstadt

Thiersteinerallee

St. Alban-Anlage

St. Jakob-Strasse

Delsbergerallee

Bruderholzallee

Maulbeerstrasse

Mattenstrasse

Art Basel

Design Miami/Basel

Liste 16

Schaffhauserrheinweg

Engelgasse

Grosspeterstrasse

Grenzacherstrasse

St. Alban-Rheinweg

Reinachertrasse

Riehenstrasse

Hardstrasse

Basel

Bad Bf

Wettsteinstrasse

Münchensteinerstrasse

Mailand-Strasse

Im Surinam

Volta7


Art Basel – Nebenschauplätze

Die Großevents Art Basel und SCOPE werden in der

Woche vom 13. bis 19. Juni viele Sammler, Kuratoren

und Kunstinteressierte in die Stadt locken. Im Sog

dieser Veranstaltungen wollen auch kleinere und

aufstrebende Messen die Aufmerksamkeit nutzen.

Liste 16 – The Young Art Fair

Ein interessantes Konzept verfolgt die „Liste – The

Young Art Fair“. Wer sich für junge Künstler begeistert

und einen Blick darauf richten möchte, was „morgen“

in der Kunstwelt „in“ sein könnte, ist hier genau

richtig. 1996 gegründet, lädt die Messe Galerien ein,

die maximal seit 5 Jahren bestehen. Des Weiteren gilt

für die präsentierten Künstler eine Altersbeschränkung

von 40 Jahren.

Liste 16 – The Young Art Fair

14.–18.6.: 13–21h, 19.6.: 13–19h

Eintritt: 20 CHF., erm.: 10 CHF

Burgweg 15, 4058 Basel

www.liste.ch

Design Miami/Basel

Wie die Art Basel und die Volta wird die „Design

Miami/Basel“ sowohl in Europa als auch in den USA

ausgerichtet. Sie folgt damit dem Trend arrivierter

Kunstmessen, international aufzutreten. Die

Messe erhebt den Anspruch, als erste Adresse für

designinteressierte Sammler bezeichnet zu werden.

Ob für historische oder zeitgenössische Arbeiten spielt

dabei keine Rolle. Mit dem Ausstellungsformat „Design

On/Site“ wird gleichzeitig eine Plattform für junge

Designer und Kuratoren geboten. Die obligatorischen

Artist Talks dürfen natürlich nicht fehlen und sind

ebenso Programmbestandteil.

Design Miami/Basel

14.–18.6., 11–19h

Eintritt: 20 CHF., erm.: 15 CHF

Halle 5, Messe Basel, Messeplatz, 4005 Basel

www.designmiami.com

Restaurants

Bel Étage (im Teufelhof)

A-la-carte-Gerichte und verschiedene Menus

Leonhardsgraben 47-49, 4051 Basel

Tel. +41 (0)61 261 10 10

info@teufelhof.com, www.teufelhof.com

Noohn: Sushi Bar

Henric Petri-Str. 12, 4051 Basel

Tel. +41 (0)61 281 14 14

www.noohn.ch

VOLTA7

Die 7. Auflage der „Volta“ findet auch in diesem

Jahr in der Dreispitzhalle statt. 70 Galerien, davon

13 außereuropäische, sind vertreten, um etwas

abseits des Mainstreams innovative Positionen zu

präsentieren. Dabei möchten die Veranstalter eine

Altersbegrenzung wie bei der „Liste“ vermeiden.

Das kuratorische Konzept wurde erneut modifiziert:

Im Gegensatz zu den vorherigen Veranstaltungen

sollen die Künstler stärker in Einzel- und dialogisch

angelegten Doppelpräsentationen gezeigt werden.

VOLTA7

13.–18.6., 10–18h

Eintritt: 17 CHF., erm.: 14 CHF

Dreispitzhalle, Helsinkistr. 5, 4053 Basel/Münchenstein

www.voltashow.com

selection artfair

Zum 2. Mal nach 2009 öffnet die „selection artfair“

ihre Tore. Die Messe ist in der „Hall 33“, dem

Zentrum für zeitgenössische Kunst, zu finden. Die

Organisatoren lassen verlauten, dass man sich in

den nächsten Jahren weiter etablieren möchte. Mit

ungefähr 10 teilnehmenden Galerien und 400 m²

Ausstellungsfläche präsentiert sich diese Veranstaltung

im Vergleich eher in kleinerem Rahmen. Großer

Vorteil: Im Zentrum Basels und damit strategisch

günstig gelegen, lässt sich ein Besuch mit vielen Events

kombinieren. Bis zur Art Basel sind es nur 350 m.

selection artfair

15.–18.6., 11–21h, 19.6., 11–19h

Eintritt: 10 CHF

Hall 33 | Contemporary ART CENTER BASEL

Riehentorstr./Ecke Claragraben, 4058 Basel

www.selection-art.com

Les Gareçons

Frische kreative Crossover-Küche nahe der Messe

Schwarzwaldallee 200, Badischer Bahnhof, 4058 Basel

Tel. +41 (0)61 681 84 88

info@lesgarecons.ch,www.lesgarecons.ch

Chez Donati: im Hotel „Les Trois Rois“

Italienische Küche mit Rhein-Blick

St. Johanns-Vorstadt 48, 4056 Basel

Tel. +41 (0)61 322 09 19

chezdonati@lestroisrois.com, www.lestroisrois.com

Sehenswert

Das neue MAS | Museum aan de Stroom in Antwerpen

Text: Jennifer Becker

MAS Museum aan de Strom auf dem

Eilandje in Antwerpen

Ja, das MAS ist ein hochmodernes Heimatmuseum

für Antwerpen mit einer Ausstellungsfläche von 5716

m². Da aber in der Geschichte Antwerpens neben

dem Hafen die bildenden Künste seit jeher eine

große Rolle gespielt haben, werden auch in diesem

Bereich wechselnde Ausstellungen gezeigt. Bis Ende

2011 führt die erhellende, von Iris Kockelbergh

kuratierte Eröffnungsausstellung „The Story of the

Image“, welche die Bedeutung Antwerpens wie auch

Flanderns für die moderne Bilderkultur aufzeigt,

Werke Alter Meister mit denen zeitgenössischer

Künstler zusammen. Daneben werden auf weiteren

acht Ausstellungsetagen 470.000 Objekte präsentiert,

die Symbolcharakter für die Hafenstadt besitzen.

Das neue Museum befindet sich im ältesten

Hafenviertel Antwerpens, dem „Eilandje“. Es ist ein

Ort, der, wie einst die Docklands in London, derzeit

eine Wiedergeburt erlebt. Bereits 1998 beschloss

Antwerpen den Bau eines neuen Museums. Ein Etat

von rund 21 Mio. Euro stand für das neue Museum

zur Verfügung und 2,4 Mio. Euro für die Gestaltung

des Museumsvorplatzes. Der Grundstein wurde 2006

gelegt. Um den 13. Mai 2011, dem internationalen Tag

des Museums, fanden die Eröffnungsfeierlichkeiten

statt, bei denen Direktor Carl Depauw vom glücklichen

Ende einer langen Schwangerschaft sprach. Es ist ein

Prachtkind geworden.

In einem internationalen Architekturwettbewerb

hat sich das „Lagerhaus“ der „Neutelings Riedijk“-

Die Außenfassade: Freunde des Museums

haben eine Hand auf dem MAS

Architekten behauptet. Riesige aufeinandergestapelte

„Boxen“ aus Naturstein, die jeweils zur

darunterliegenden Box um 90° versetzt sind, geben

dem Gebäude seine spiralförmige Struktur. Die

zurückspringenden Partien zwischen den Boxen sind

mit geschwungenem italienischem Glas umgeben.

Rolltreppen verbinden die Stockwerke miteinander,

wodurch ein „vertikaler Boulevard“ entstand,

der auch außerhalb der Museumsöffnungszeiten

zugänglich ist. Von jedem der 10 Stockwerke ist

eine neue, eindrucksvolle Aussicht auf Stadt, Fluss

und Hafenbecken zu entdecken. So wird Antwerpen

selbst zu einem Teil des Museums, das mit einer Höhe

von 65 m von der ganzen Stadt aus sichtbar ist. Den

Museumsvorplatz gestaltete Luc Tuymans mit dem

1600 m² Fläche umfassenden Mosaik „Dead Skull“.

Die Fassade des Museums aus indischem Sandstein

ist mit 3000 Händen aus poliertem Aluminium

verziert. Diese sind eine Spende des in Antwerpen

ansässigen Metall- und Werkstoffkonzerns Umicore.

Anschließend konnten die Hände von Privatpersonen

und Unternehmen gekauft werden, um damit das

Museum zu fördern.

Die Eindrücke meiner Pressereise habe ich für Sie auf

www.kunstmagazin.de zusammengestellt. Sie finden

diese unter dem Suchbegriff „Flandern“.

Weitere Informationen: www.mas.be


Peter Lindbergh – The Unknown

Peter Lindberghs Fotografien sind zu Ikonen der Modefotografie geworden. In

„The Unknown“, einem Projekt, das im Kontext verschiedener Modeshootings

realisiert wurde, versetzte er seine Models in apokalyptische Szenarien. Den

Hintergrund bildet eine vermeintliche Landung extraterrestrischer Wesen, die

sich anschicken, die Erde zu erobern. Die filmisch wirkenden Bildausschnitte

und Perspektiven, die extrem kontrollierten Lichtbedingungen, das exaltiert

gestische Spiel der Protagonisten und die bühnenhaften Settings erinnern an

theatrale Inszenierungen. Farb- und S/W-Abbildungen wechseln einander ab

und lassen Assoziationen zur UFO-Hysterie der 1950er-Jahre aufkommen.

Peter Lindbergh: The Unknown. The Chinese Episode. Schirmer/Mosel, München

2011. Engl. mit dt. Textbeilage, 200 S., 89 Farb- und Duotone-Tafeln, Hardcover,

49,80 €. ISBN: 978-3-8296-0544-1

Beth Yarnelle Edwards – Suburban Dreams

Menschen schaffen sich in ihrem häuslichen Umfeld private Refugien. Dort

manifestieren sich persönliche Vorstellungen vom Leben. Gleichzeitig ist

das eigene Heim ein Ort, an dem verschiedene Menschen zusammenleben.

Beth Yarnelle Edwards dokumentiert in vielschichtigen fotografischen

Bildkompositionen amerikanische und europäische Vorstadtbewohner

und zeichnet so ein facettenreiches Porträt des Menschen im Kontext

seiner häuslichen Umgebung. Die amerikanische Fotografin geht in ihren

inszenierten Fotografien der Frage nach, was uns dieses private Umfeld

tatsächlich über uns und unsere Lebensträume verrät. Sie zeigt damit eine

Vielfalt von unterschiedlichen Lebensentwürfen auf.

Beth Yarnelle Edwards u. a.: Suburban Dreams. Kehrer, Heidelberg 2011. Engl.,

96 S., 56 farb. Abb., Hardcover, 30 €. ISBN: 978-3-86828-184-2

Marilyn Manson & David Lynch – Genealogies of Pain

Marilyn Manson ist bisher durch seine Musik und die mediale

Selbstinszenierung aufgefallen. Doch auch im Medium der Malerei kann

er mittlerweile ein beachtliches Oeuvre vorweisen. Meist stellen seine

expressiven Aquarelle deformierte Körper oder Gesichter dar. Inspiriert

haben Manson vor allem David Lynchs frühe filmische Werke, die Themen

wie Schmerz, Amputation und Tod aufgreifen. Interessantes Feature: zwei

Cover – eins für Lynch, eins für Manson – und somit zwei Anfänge bieten

eine doppelte Annäherung an das Thema. Der zentrale Textteil stellt den

Zusammenhang zwischen beiden Charakteren her.

Kunsthalle Wien u. a. (Hg.): Marilyn Manson and David Lynch. Genealogies of

Pain. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2011. Engl./dt., 176 S., 76 farbige Abb.,

Hardcover, 28 €. ISBN: 978-3-86984-129-8



























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BÜCHER





Robert Rauschenberg – Photographs 1949–1965

Robert Rauschenberg gewährt mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien und

Blueprints der 1950er- und 1960er-Jahre eine sehr intime und private Sicht

auf sein Leben. Vor allem die Fotografien seines New Yorker Studios und

die Porträts seiner Künstlerfreunde Jasper Johns, Merce Cunningham, John

Cage oder Willem de Kooning transportieren das Lebensgefühl einer jungen

Künstlergeneration und das New Yorker Flair der 1960er-Jahre. Zusammen

mit Cy Twombly bereiste Rauschenberg in dieser Zeit zudem Europa,

Nordafrika und den Süden der USA. Die dort entstandenen Aufnahmen

stellen meist alltägliche Motive dar, die perspektivisch jedoch originell in

Szene gesetzt sind.

David White, Susan Davidson (Hg.): Robert Rauschenberg. Photographs 1949–1965.

Schirmer/Mosel, München 2011. Dt., 240 S., 136 Abb., 49,80 €. ISBN: 978-3-82960-512-0

Dieter Roth – Souvenirs

Jahrzehntelang hat der Schweizer Künstler Dieter Roth seine Kunstwerke

als „Souvenirs“ verteilt. Wer hat Roths Geschenke erhalten? Zunächst waren

das seine engsten Freunde: Künstler oder Verleger, Grafiker oder Sammler;

aber auch andere, die auf irgendeine Art mit Dieter Roth und seinem Werk

verbunden waren, sind in den Genuss der Großzügigkeit des Künstlers

gekommen. Fast jede der 158 Buchseiten zeigt ein „Souvenir“ und erklärt, an

wen und aus welchem Grund Roth diese Objekte, Collagen und Aquarelle

verschenkt hat.

Dieter Roth Akademie, Jan Voss, Björn Roth, Beat Keusch (Hg): Dieter Roth – Souvenirs.

Hatje Cantz, Stuttgart 2011. Dt./engl., 152 S., 127 farbige Abb., Hardcover, 58 €.

ISBN: 978-3-7757-2818-8

Julia Kissina – Dead Artists Society

Die russische Künstlerin Julia Kissina gründete im Jahr 2006 den „Club der

toten Künstler“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Interviews mit den

Vätern der Gegenwartskunst zu inszenieren. Mittels unterschiedlichster

spiritistischer Techniken wurden Künstler wie Duchamp, Malewitsch

oder Pollock „gerufen“ und beispielsweise zu ihrer Meinung zur heutigen

Kunstszene „befragt“. Die Interviews werden mit Fotos oder Zeichnungen

der jeweiligen Künstler illustriert wie auch mit Fotografien der Séancen, die

in Moskau, Berlin oder Zürich stattfanden. Ludwig Seyfarth und Wolfgang

Ullrich analysieren das Projekt im Nachwort.

Ludwig Seyfarth, Wolfgang Ullrich (Hg): Julia Kissina – Dead Artists Society. Verlag für

moderne Kunst, Nürnberg 2010. Dt./engl., 122 S., 45 S/W-Abb., Paperback, 19 €.

ISBN: 978-3-86984-146-5


Kunstdetektiv auf ganzer Linie

Münchner Kunstdetektive © Foto: Julia Marx

Wer hätte gedacht, dass eine schlichte Linie Boogie-

Woogie tanzen kann? Sicher kennst du Buslinien,

Ziellinien oder Hilfslinien, aber auf den Gemälden

von Piet Mondrian und der Künstlergruppe „De

Stijl“ geht es nicht um gewöhnliche Linien: Bei

ihnen tanzen sie ausgelassen über die Leinwand

oder sorgen für strikte Ordnung und durchkreuzen

wie ein schwarzes Straßennetz rote, blaue und gelbe

Farbfelder. Ob auf Gemälden, Möbeln, Stoffen

oder Modellen – überall findest du sie wieder. Mit

den Münchner Kunstdetektiven wirst du in die

Farb- und Linienwelt der Künstler eintauchen.

Experimentiere selbst auf der Leinwand und baue

dein eigenes Raummodell – die Linie bestimmt das

Kunstwerk. Doch damit nicht genug: Als Höhepunkt

des dreitägigen Workshops stellt ihr gemeinsam eure

eigene Kunstzeitung zur Ausstellung her. Halte deine

Ideen in Interviews, Artikeln und Rätseln fest und

befreie die Linie aus ihrem gewöhnlichen Alltag.

Der Kunst- und Medienworkshop „Piet Mondrian und

die Künstlergruppe ‚De Stijl’ unter der Lupe“ findet am

20., 21., und 22.6. jeweils von 11–17h statt und richtet

sich an Kinder von 8 bis 15 Jahren. Treffpunkt: Städtische

Galerie im Lenbachhaus/Kunstbau, Königsplatz, 80333

München. Teilnahmegebühr: 18 €/Tag und 48 € für 3 Tage.

Informationen und Anmeldung unter 089 - 361 08 17 oder

unter schatzsuche@kuki-muenchen.de

www.muenchner-kunstdetektive.de

Meet the Artist

Tobias Zielony: Fremder, a. d. Serie: Ha Neu, Halle, 2003

© Tobias Zielony, 2011

Wow, was für eine Gelegenheit: Du kannst den

Fotokünstler Tobias Zielony treffen und in seinem

Workshop jede Menge von ihm lernen. Er zeigt dir,

wie man professionell Fotos macht. Danach kannst

du es selber versuchen. Dabei interessiert sich Tobias

Zielony für eine ganz bestimmte Art von Fotos

– er hat sich oft unter Jugendliche gemischt und

sie dort fotografiert, wo sie sich mit ihren Freunden

aufhalten. Nachdem ihr euch seine Bilder angesehen

und darüber gesprochen habt, geht es los. Rund um

das Museum gibt es viele interessante Plätze, wo sich

Jugendliche in deinem Alter treffen können und die

nur darauf warten, aufgespürt zu werden. Mit deiner

Digitalkamera ausgerüstet, fotografierst du getreu

dem Motto des Workshops: Mit Abstand ganz nah.

Der Workshop „Meet the Artist – Tobias Zielony“ richtet sich

an Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Er findet am 18.

und 19.6., jeweils von 14 bis 18 Uhr im Museum Folkwang in

Essen statt und kostet nichts. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt,

melde dich daher im Besucherbüro an unter

0201 - 884 54 44 oder info@museum-folkwang.essen.de

Museum Folkwang Essen

Museumsplatz 1, 45128 Essen

www.museum-folkwang.de

Entwirf deine eigene Antikriegsaktion!

Gemeinsam Kunst gegen Krieg schaffen. © Staatsgalerie Stuttgart

„Nie wieder Krieg!“ schrieb die Künstlerin Käthe

Kollwitz 1924 auf ein Plakat. Aber sie war nicht die

einzige Pazifistin in der Kunstwelt: Otto Dix, Max

Beckmann oder Georg Grosz haben sich damals auch

mit dem Thema auseinandergesetzt. Zeichnungen und

Druckgrafiken dieser Künstler werden bis 7. August in

der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen sein.

Krieg ist aber leider immer noch ein aktuelles Thema,

und wir sollten uns an die Worte von Käthe Kollwitz

erinnern. Deshalb möchten Ute Scheitler und Lena

Bopp herausfinden, was ihr für Antikriegsideen habt.

Nach einem Rundgang durch die Ausstellung wird

die Frage diskutiert: Was ist Krieg heute? Und noch

wichtiger: Wie sieht eine friedliche Welt aus? Mithilfe

verschiedener Techniken wie Linoldruck, Malerei

oder Monotypie erschafft ihr Bilder, Plakate oder

Statements, in denen ihr gegen Krieg und für eine

bessere Welt plädiert. Später werden eure Werke im

Foyer der Neuen Staatsgalerie ausgestellt.

Nie wieder Krieg!

Der Workshop findet an folgenden Terminen statt: am 21.6.

für Jugendliche ab 12 Jahre, am 22.6. für Jugendliche ab 14

Jahre und am 24.6. für Jugendliche ab 16 Jahre, jeweils max.

15 Teilnehmer, Teilnahmegebühr: 10 €.

Ort: Staatsgalerie Stuttgart

Konrad-Adenauer-Str. 30–32, Stuttgart

Anmeldung unter

www.staatsgalerie.de/kunstvermittlung/kalender_kinder

Herr Wagener und seine Schätze

Herr Wagener ist ein echter Kunstliebhaber – schon

von klein auf liebte er Bilder. Aber was hat ihn wohl

dazu veranlasst, so viele Kunstwerke zu sammeln?

Hat er sie geschenkt bekommen oder vielleicht

geerbt? Nein, hat er nicht – als er in seinem Beruf als

Unternehmer genügend Geld verdiente, ersteigerte

er seine ersten Gemälde, die wir heute bewundern

können. Mit dem Buch machst du dich auf die

Entdeckungsreise durch seine Schätze. Gemeinsam

mit dem begeisterten Sammler geht es vorbei an

getarnten Verbrechern und wilden Jagdszenen.

Besonders spannend sind die vielen Bildausschnitte,

mit denen du dem versteckten Sinn der Bilder auf

die Schliche kommst. Abschließend zeigt dir Herr

Wagener sogar die Rückseite eines Kunstwerkes – ein

seltener Anblick. Toll, dass der großzügige Sammler

all seine Werke der Alten Nationalgalerie geschenkt

hat.

Wir verlosen 5 Exemplare. Beantworte einfach die

Frage: Wer war Herr Wagener und was hat er mit der

Alten Nationalgalerie zu tun? Sende deine Antwort

bis zum 15.6. mit dem Stichwort „Herr Wagener“ an

verlosung@kunstmagazin.de.

Sigrid Otto: Herr Wagener und seine Schätze. Kinderbuch

zur Ausstellung: Die Sammlung des Bankiers Wagener.

Seemann Henschel, Berlin 2011. Dt., 62 S., Softcover, 10 €.

ISBN: 978-3-88609-702-9


DESTINO: BERLÍN – ZIELORT: BERLIN

Spanische Künstler in Berlin

Studio 1, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien © ZimmerStudio, Berlin

Die spanische Botschaft in Berlin präsentiert eine

Auswahl der Werke spanischer KünstlerInnen, die in

Berlin leben. Die Ausstellung DESTINO: BERLÍN

– ZIELORT: BERLIN offeriert damit einen Blick

auf das gegenwärtige künstlerische Schaffen von

Spaniern, die die deutsche Hauptstadt zu ihrem

Lebensmittelpunkt gemacht haben.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts scheint es für

die jüngste Generation von Kunstschaffenden nur

einen Zielort zu geben: Berlin. Die Stadt ist zu einer

wichtigen Referenz für KünstlerInnen aus aller Welt

geworden – Jahr für Jahr strömen sie in die Stadt.

Viele der Künstler, die Berlin als zweite Heimat

wählen, kommen interessanterweise aus Spanien.

Ein Grund für dieses Phänomen ist wohl die schwere

AUSSTELLUNGEN

Wirtschaftskrise im eigenen Land; ebenso aber

entspricht es einem Zeitgeist, in dem Europa mit

dem Euro als Währung und den Billigfluglinien

gelebte Realität geworden ist.

Zur Ergründung des Phänomens der „kulturellen

Emigration” präsentiert die spanische Botschaft eine

Ausstellung, die sich durch die Qualität ihrer Werke

und vielversprechende internationale Werdegänge

auszeichnet.

Studio 1, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

Mariannenplatz 2, 10997, Berlin-Kreuzberg

bis 17.6., tgl. 12–19h

www.destinoberlin.de

Jean Tinguely: Nepomuk, 1958, schwarz bemalte Holztafel mit

6 weißen beweglichen Metallelementen, 90 x 55 x 20 cm

Handiwirman Saputra: Tak Berakar Tak Berpucuk

Benda no 1’, Mixed Media, 2011

Jean Tinguely

Skulpturen/Maschinen 1958–1989

In Jean Tinguelys (1925–1991) erster Einzelausstellung

in Berlin werden sieben der heute

seltenen Skulpturen/Maschinen sowie Arbeiten

auf Papier aus den Jahren 1958 bis 1989 gezeigt.

Tinguely, bedeutender Eisenplastiker und Vertreter

der kinetischen Kunst, gründete 1960 in Paris u. a.

mit Arman, Yves Klein, Spoerri und Dufrêne die

„Nouveaux Réalistes“. Ab den 60er-Jahren baute er

maschinenartige, bewegliche Skulpturen aus Draht,

Schrottteilen, Blech und anderen Fundstücken, die

sich, in Happenings auf Straßen und in Museen

vorgestellt, teilweise selbst zerstören. Tinguelys

Kunst ist die visuell und akustisch erfahrbar

gemachte Bewegung. „Es bewegt sich alles, Stillstand

gibt es nicht.“ (Tinguely 1959)

Kunsthandel Wolfgang Werner KG

Fasanenstr. 72, 10719 Berlin-Charlottenburg

bis 2.7., Mo 12–18.30h, Di–Fr 10–18.30h, Sa 11–15h

www.kunsthandel-werner.de

Everything You Can Imagine Is Real

Galerie Christian Hosp is proud to present the

European debut of a trio of artists from Sumatra,

bringing the Berlin gallery’s long-time association

with Asia to Germany in a dynamic and exciting

new show. The exhibition consists of new work by

Yuli Prayitno, Yusra Martunus and Handiwirman,

three of the region’s most dynamic young artists.

The work spans the broad, diverse practice of the

three friends, engaging with themes ranging from

notions of identity within contemporary society to

explorations of form, texture and substance. Yet

there is a distinctive, attractive wit and lightness

of touch to the trio’s work that cannot help but

seduce the viewer. Fuelling one of the most vibrant

contemporary art scenes in Asia, Indonesia’s artists

are currently attracting unprecedented international

attention. In “Everything You Can Imagine Is Real”,

we witness ample proof just why this is so.

Galerie Christian Hosp

Invalidenstr. 50–51, Halle am Wasser

10557 Berlin-Tiergarten

Opening: 23.6., 19h, 24.6.–30.7., Di–Sa 11–18h

www.christianhosp.com

AUSSTELLUNGEN


AUSSTELLUNGEN

© Robert Häusser: Kultstätte, 2000

Alicja Kwade: 52°31´17.23, 13°62.65

Adolf Luther: Laserraum, 1970, Rubinlaser,

drehende Plexiglasstele, Elektromotor, Maße variabel

© Foto: Archiv Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld

Robert Häusser: „Ins Wort gesetzt“ und

„In memoriam – Die Berliner Mauer“

Robert Häusser (*1924) gilt als Wegbereiter der modernen

Fotografie. Er arbeitet ausschließlich in Schwarz-Weiß,

seine Bilder sind von strenger, oft symmetrischer Tektonik

gekennzeichnet. Er gilt als „Magischer Realist“, dessen

Bilder eine subjektive Chronik des 20. Jahrhunderts

darstellen. Die Ausstellung im Kunst-Raum zeigt

Originalabzüge des Projekts „Ins Wort gesetzt“, für das

zahlreiche deutsche Lyriker mit Häussers Fotografien in

Dialog traten. Parallel dazu werden im Mauer-Mahnmal

die Bilder zur Berliner Mauer gezeigt, die Teil der

Sammlung des Bundestages sind.

Kunst-Raum und Mauer-Mahnmal im Deutschen Bundestag

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Schiffbauerdamm

bis 26. Juni, Eintritt frei, Kunst-Raum: Di–So 11–17h

Mauer-Mahnmal: Fr–So 11–17h

www.kunst-im-bundestag.de, www.mauer-mahnmal.de

Alicja Kwade – 52°31´17.23, 13°62.65

52°31´17.23, 13°62.65 sind die Ortskoordinaten des

Polnischen Instituts. Zur Ausstellungseröffnung sind am

Himmel von diesem Standort aus die Sternbilder Andromeda,

Herkules und Eidechse zu sehen. Alicja Kwade

(*1979, Katowice) bespielt mit ihrer Sternenhimmel-

Installation die gesamte Schaufensterfront des Instituts.

Nachts sieht der Betrachter von außen die Sterne in der

Galerie. „Es ist wie ein Zeitfenster, wie etwas, was alles

andere unsichtbar macht, sodass nur noch der Ursprung

und das Universum sichtbar bleiben. Geht man tagsüber

hinein, sieht man die „Sterne“ von der Rückseite, also von

der anderen Seite des Universums. Das Licht verändert

sich mit dem Licht draußen.” (Alicja Kwade)

Polnisches Institut, Burgstr. 27, 10178 Berlin-Mitte

Opening: 30.6., 21h, 1.7.–31.8., Di–Fr 10–18h

www.polnischekultur.de

Adolf Luther – Rhythmus und Materie

Glas, Spiegel und Linsen sind die Materialien, mit denen

Adolf Luther in den 1960er-Jahren die Abkehr vom

Tafelbild betrieb. Dabei entwickelte er die Auffassung

einer Polarität von Licht und Materie, bei der Licht als

eigenständiger Informationsträger den energetischen Raum

zwischen Betrachter und materiellem Objekt konstituiert.

Die „sphärischen Hohlspiegelobjekte“ erzeugen durch

Spiegelungen eine in den Betrachterraum übergreifende

Phänomenalität vor der Stofflichkeit des Objekts. In

seinem „Laserraum“ (1970) setzte er Rauch als Medium

der Visualisierung ein, um die Immaterialität des Lichts in

„energetischen Plastiken“ erfahrbar zu machen.

401contemporary

Potsdamer Str. 81 B, 10785 Berlin-Schöneberg

Opening: 9.6., 18h, 10.6.–31.7., Di–Sa 11–18h

www.401contemporary.com

© Max Scheler Estate, Atombunker zu verkaufen; Los Angeles, 1961

Herb Ritts: Jack Nicholson II, London, 1988

© Herb Ritts Foundation

Alfred Ehrhardt: Spur (des Menschen) am Steilhang

einer Düne der Kurischen Nehrung, 1934 © bpk 2011

Max Scheler: Von Konrad A. bis Jackie O.

Die Ausstellung zeigt mit rund 140 Fotografien einen

Querschnitt aus dem Werk des Fotojournalisten Max

Scheler (1928–2003). Als international bekannter

Fotograf der Nachkriegszeit und Junior-Mitglied der

Fotoagentur Magnum war er ab 1959 für den Stern tätig,

ab 1975 für GEO. Deutschland, China und die USA

waren die Schauplätze seiner Bildberichterstattung, sie

bilden die Schwerpunkte der Ausstellung.

Willy-Brandt-Haus

Stresemannstr. 28, 10963 Berlin-Mitte

Opening: 31.5., 19.30h, 1.6.–31.7., Di–So 12–18h

Eintritt frei, Ausweis erforderlich, www.willy-brandt-haus.de

Herb Ritts

Herb Ritts hat in den 1980er- und 1990er-Jahren

mit nahezu jedem Superstar gearbeitet. Unter den

ausgestellten Porträtaufnahmen finden sich Namen wie

Madonna, Mick Jagger, David Bowie, Jack Nicholson

oder Cindy Crawford. Die Ausstellung bietet einen

umfangreichen Einblick in das Werk des 2002

verstorbenen Fotografen. So sind neben eindringlichen

Porträts auch sehr ästhetische Aktaufnahmen zu sehen.

CAMERA WORK

Kantstr. 149, 10623 Berlin-Charlottenburg

bis 9.7., Di–Sa 11–18h

www.camerawork.de

Alfred Ehrhardt im Bildarchiv „Volk und Welt“

Aus dem Bestand des Bildarchivs Preußischer Kulturbesitz

werden 87 Originalfotografien von Alfred Ehrhardt

aus der Zeit seiner Bild- und Textveröffentlichungen

in der Zeitschrift „Volk und Welt“ zwischen 1940 und

1944 präsentiert. Dargestellt ist das ganze Spektrum

seiner Themen – die Faszination der Schönheit von

Naturformen in der physischen Natur –, die er auf die

Fotografie und den Betrachter überträgt.

Alfred Ehrhardt Stiftung

Auguststr. 75, 10117 Berlin-Mitte

bis 26.6., Di–So 11–18h, Do bis 21h, Eintritt frei

www.alfred-ehrhardt-stiftung.de

AUSSTELLUNGEN


Alec Soth: 2008_08zl0107 (large nude), from the series

“Broken Manual”, 2008, archival pigment print, 177,8 cm x 142,2 cm

Courtesy: Loock Galerie, Berlin © Alec Soth

Foto: Christoph von Loew:

Deniz Alt u. Römer+Römer mit Familie Montez

AUSSTELLUNGEN

Helmut Newton: Stern, St. Tropez, 1978

Loock Galerie – Alec Soth

„Broken Manual“ heißt die neueste Serie des amerikanischen

Fotografen Alec Soth. Die Loock Galerie präsentiert diese

zum ersten Mal außerhalb der USA. Soth hat auf der Reise

durch sein Heimatland wiederholt Menschen getroffen,

die sich von einem sozialen Leben verabschiedet und sich

dem Dasein in der Natur zugewendet haben. Soth kreiert

mit seiner Großbildkamera detailreiche und auf den

zweiten Blick sehr komplexe Bilder. Objektaufnahmen

zeigen jene Gegenstände, die seine Protagonisten in ihr

selbst gewähltes Exil mitgenommen haben. Zusammen

mit den Porträts ergibt sich daraus eine spannende

Erzählung vom Außenseiterdasein.

Loock Galerie

Invalidenstr. 50/51, 10557 Berlin-Moabit

Opening: 10.6., 18–21h, 11.6.–23.7., Di–Sa 11–18h

www.loock-galerie.de

Monte Verità

In der Ausstellung knüpfen die Künstler mit ihren Arbeiten

an den Zeitgeist der Künstlerkolonie Monte Verità – Berg

der Wahrheit – an und beleben diesen gegenwärtig. Danja

Akulin, Aljoscha, Deniz Alt, Tilo Baumgärtel, Sven Drühl,

Evgeni Dybsky, Tim Eitel, Peter Feiler, Thomas Fischer,

Parastou Forouhar, Roland Fuhrmann, Gabi Hamm, Gregor

Hildebrandt, Katrin Kampmann, Anastasia Khoroshilova,

Bernd Kirschner, Alexei Kostroma, Clemens Krauss, Jacob

Kreutzfeldt, Edgar Leciejewski, Mirek Macke, Bjørn Melhus,

Almagul Menlibayeva, Eliane Paulino, Stehn Raupach,

Anke Röhrscheid, Römer+Römer, Moritz Schleime, SEO,

TRansnational Republic, Jewgenija Tschuikowa, Sig Waller,

Birgitta Weimer, Paul Wiersbinski.

Kunstverein Familie Montez, Breite Gasse 24, 60311 Frankfurt a. M.

Opening: 10.6., 19h, 11.6. –10.7., Do, Fr, So 16–19h,

Sa 20–23h and by appt., 069 - 29 72 35 77

www.facebook.com/monte.verita

Helmut Newton – Polaroids

Mit über 300 Werken wird erstmals ein repräsentativer

Überblick über Helmut Newtons legendäre Polaroids

gezeigt. Das Polaroidverfahren, das Newton seit den

1970er-Jahren insbesondere bei Mode-Shootings

intensiv einsetzte, lieferte ihm zugleich Ideenskizzen

und die Möglichkeit zur Überprüfung der konkreten

Lichtsituation und Bildkomposition.

Die Polaroidtechnik mit der Möglichkeit zum Sofortbild

hatte seinerzeit die Fotografie revolutioniert und dient

bis heute vorbereitenden Studien, gilt aber auch als

eigenständiges künstlerisches Medium.

Helmut Newton Stiftung. Museum für Fotografie

Opening: 9.6., 20h, 10.6.–20.11., Di–So 10–18h, Do 10–22h

Jebensstr. 2, 10623 Berlin-Charlottenburg

www.helmutnewton.com

© Jodi Bieber, Südafrika

Institute for Artist Management/

Goodman Gallery for Time magazine

Steve Kwena Mokwena: The Memory of

the Bridge, Fanon – Class Struggles vs. Evil

Spirits, 2010, Filmstill

Shai Saul: haste 1, 2006, C-Print, 60 x 40 cm

Asli Sungu: Unvermeidbar, 2010, Video-Still

Beth Yarnelle Edwards: Dietlinde,

Deutschland, 2011 (aus Suburban Dreams)

© Beth Yarnelle Edwards

World Press Photo 11

Das World Press Photo 2010 zeigt die18-jährige Afghanin Bibi Aisha, deren

Ehemann ihr zur Strafe für ihre Flucht Ohren und Nase abschnitt. Heute

lebt sie in den USA, inzwischen wurde ihr eine künstliche Nase angepasst.

Das Foto wurde vom Time Magazin als Titelbild veröffentlicht und ist nun

im Willy-Brandt-Haus zu sehen. Insgesamt wurden 55 Fotografen aus 23

Ländern in 9 Themenkategorien ausgezeichnet.

Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr. 28, 10963 Berlin-Mitte

Opening: 16.6., 19.30h, 17.6.–10.7., Di–So 12–18h

Eintritt frei, Ausweis erforderlich, www.willy-brandt-haus.de

„Agter die Berge“ – The Joburg Fringe Video Berlin

44 Künstler aus Südafrika und 7 weiteren Ländern

Alborough • Alhäuser • Barker • Biskup • Dietz • du Preez • Geismar •

Helmcke • Hohn • Jones • Jonsdottir • Kaganof & Deane • Khan • Loveland •

Lehulere • Mahashe • Mahlangu • Mama • Manero • Martin • Mbongwa • Mills

• Mokwena • Rev. Murphy • C. Newman • N. Newman • Nhlapo • Nieuwoudt

• Novcic • Ross • Shneider • Southgate • G. Taylor • T. Taylor u. a.

7hours HAUS 19, Reinhardtstr. 18–20, 10117 Berlin-Mitte

Mi–Sa 14–18h, bis 11.6. tgl. 14–18h, Sa 4./11./18.6. 21.30h Open-Air-Screening

www.7hours.com

Shai Saul – Fotografie

Der israelische Künstler Shai Saul erforscht das Spiel der Gewalten und

Kräfte, das unsere Welt bestimmt. Er sucht nach Hinweisen, nach einem

Wesenskern, von dem aus sich eine übergreifende Wahrnehmung der Welt

entwickeln ließe, sowie nach einem Verständnis der eigenen Aufgabe darin.

Shai Saul überschreibt seine Ausstellung mit einer Gedichtzeile von Jehuda

Amichai: „Behind All This Some Great Happiness Is Hiding“.

Galerie Förster, Schröderstr. 2, 10115 Berlin-Mitte

Opening: 10.6., 19h, 11.6.–23.7., Di–Fr 16–19h, Sa 12–18h

www.galerie-foerster.de

Asli Sungu und Ben Patterson

3 Jahre museum FLUXUS+ / 3 Jahre Follow Fluxus

Ben Patterson, Fluxus-Künstler seit den 1960er-Jahren, präsentiert sein

Werk „Blame it on Pittsburgh or Why I became an artist“, das bereits in

der großen Retrospektive des Contemporary Art Museum Houston zu

sehen war. Asli Sungu, die dritte Follow-Fluxus-Stipendiatin, setzt ihre

Videoarbeit „Unvermeidbar“ in einen Kontext zu Pattersons Arbeit und

macht die Lebendigkeit dieser Kunstströmung deutlich.

museum FLUXUS+, Schiffbauergasse 4f, 14467 Potsdam

Opening: 24.6., 19h, 25.6.–11.9., Mi–So 13–18h, Eintritt frei, www.fluxus-plus.de

Beth Yarnelle Edwards – Suburban Dreams

Es lebe die Vorstadt! In diesem Fall die Vorstädte der amerikanischen

und europäischen Mittelschicht. Seit 1997 inszeniert und fotografiert die

amerikanische Fotografin Beth Yarnelle Edwards Familien in ganz normalen

Alltagssituationen. Höchst sensibel lichtet sie Menschen und Stimmungen ab

und berichtet von großen Sehnsüchten ebenso wie von kleinen Freuden.

Petra Rietz Salon Galerie, Koppenplatz 11a, 10115 Berlin-Mitte

Opening: 1.6., 19.30h, 2.6.–9.7., Mi–Sa 15–18h and by appt.

0172 - 649 15 99, www.petrarietz.com

AUSSTELLUNGEN


Sarah Morris: John Hancock, Installation view, 2011

Courtesy: Capitain Petzel, Berlin, Photo: Nick Ash

Nelly Rudin: Installation view, 2011, Foto: Rainer Hausleitner

0 AUSSTELLUNGEN

Alice Aycock: The Wavy Enneper, 2011, Fiberglas

Courtesy: Galerie Thomas Schulte

Sarah Morris – John Hancock

Die amerikanische Malerin und Filmkünstlerin Sarah Morris

setzt sich mit sozialen Strukturen und Machtsymbolen

auseinander. In der Ausstellung „John Hancock“ bezieht

sie sich auf den gleichnamigen Firmengründer – das John

Hancock Center gilt heute als Ikone der postmodernen

Architektur und repräsentiert kapitalistische Denkweisen

und Vormachtansprüche. Morris verweist in ihren Bildern

auf bestimmte Elemente des Gebäudes sowie auf die

Signatur des Firmengründers. Ein weiterer Bestandteil der

Ausstellung ist Morris’ Film „Points on a Line“ (2010), in

welchem sie mit dem Farnsworth House von Mies van der

Rohe und dem Glass House von Philip Johnson wiederum

architektonische Ikonen unter die Lupe nimmt.

Capitain Petzel

Karl-Marx-Allee 45, 10178 Berlin-Friedrichshain

bis 30.7., Di–Sa 11–18h, www.capitainpetzel.de

Nelly Rudin – Innen ist Außen

Nelly Rudins Gemälde und Bodenskulpturen verbreiten

durch ihre konkrete Formensprache und schlichte grauweiße

Farbwahl eine gewisse Leichtigkeit. Besonders die

„Rahmenobjekte“, welche von der Künstlerin eigens für

die Ausstellungsräume des Mies van der Rohe Hauses

konzipiert wurden, verdeutlichen ihr Anliegen, sich dem

Kunstwerk sowohl von innen als auch von außen zu

nähern. Zugleich lotet die Künstlerin, die der 2. Generation

der Zürcher Konkreten angehört, durch optische

Imbalancen, asymmetrische Gestaltungselemente und

sich verändernde Lichtverhältnisse neue Seh-Erfahrungen

aus.

Mies van der Rohe Haus

Oberseestr. 60, 13053 Berlin-Weissensee

1.5.–31.7., Di–So 11–17h, Eintritt frei

www.miesvanderrohehaus.de

Alice Aycock – Untitled Delight

Die raumgreifende Plastik „The Wavy Enneper“

der Objektkünstlerin Alice Aycock vereint Kunst

mit Mathematik. Obgleich die Fiberglasarbeit einer

natürlichen fragilen Blüte gleicht, folgt sie formal dennoch

den strikten wissenschaftlichen Formeln des deutschen

Mathematikers Alfred Enneper. Diese verleihen ihr

eine komplexe Form, sodass ein analytisches Abbild der

Natur zurückbleibt. Die Plastik steht im Zentrum der

Ausstellung von Alice Aycock.

Galerie Thomas Schulte

Charlottenstr. 24, 10117 Berlin-Mitte

bis 25.6., Di–Sa 12–18h

www.galeriethomasschulte.de

Julian Rosefeldt: The Ship of Fools, 2007

Lightjet-Print, 120 x 210 cm

Courtesy: ARNDT Berlin und

Julian Rosefeldt/VG Bild-Kunst

Cady Noland: 8 objects (bullets,

handgranades, coke and beer cans), encased

in plexicubes, 1986, Sammlung Gaby und

Wilhelm Schürmann Foto: Alexander Koch

Ivo Gretener: 301, 2011, mixed media

24 x 24 x 46 cm, mit einer Reflexion von

Hannah Bechers „Gasometer“ (2009)

Acryl auf Leinwand, 150 x 200 cm

Oliver Scharfbier: Honigkinderreuse, 2010

Eichenholz, Leuchtstoffröhren

100 x 100 x 112 cm

Katharina Heinrich: Rotes Geflecht mit

Ösen, 2010, Gummi, 125 x 100 x 350 cm,

Dimension variabel © K. Heinrich

Julian Rosefeldt – Photo Works

Rosefeldt bezeugt in der Fotografie wie in seinen filmischen Werken ein

feinsinniges Gespür für verborgene gesellschaftliche Befindlichkeiten.

„Photo Works“ bezieht sich auf die bereits im Mai in der Galerie präsentierten

Videoarbeiten Rosefeldts. In „The Ship of Fools“ (2008) verweist

er auf das deutsche Nationalgefühl, „American Night“ (2009) thematisiert

den Mythos Amerika.

Galerie Arndt, Potsdamer Str. 96, 10785 Berlin-Tiergarten

10.6.–27.8., Di–Sa 11–18h

www.arndtberlin.com

Cady Noland und Santiago Sierra

Die Galerie KOW bringt zwei Künstler zusammen, die sich mit Gewalt als

Ausdruck des Kapitalismus beschäftigen. Noland setzt sich in ihrem Werk

mit der gewaltvollen US-Geschichte auseinander und mit der Frage, wie

das Profitstreben auf Kosten der Schwächeren zu einer kulturellen Norm

wurde. Sierra hingegen kritisiert Gewalt nicht noch entschuldigt er sie – er

trägt sie einfach als Thema ins Kunstfeld und stellt sie aus.

KOW Berlin, Brunnenstr. 9, 10119 Berlin-Mitte

bis 19.7., Mi–So 12–18h

www.kow-berlin.com

Hannah Becher und Ivo Gretener – Blanks

dorisberlin präsentiert Malerei von Hannah Becher und Skulpturen von

Ivo Gretener. Wenn Alltagsgegenstände, deren Form durch das Funktionale

gesteuert wird, von ihrem Bestimmungszweck gelöst werden, ergeben sich

Leerstellen. Beide Künstler benutzen diese Leerstellen auf unterschiedliche

Weise, um die Wahrnehmung und die Beziehung zur Dingwelt neu zu

beschreiben.

dorisberlin, Nollendorfstr. 15, 10777 Berlin-Schöneberg

Opening: 3.6., 18h, 4.6.–9.7., Di–Fr 13–19h, Sa 10–16h and by appt.

030 – 97 86 83 24, www.dorisberlin.com

Oliver Scharfbier – Als Maschine bin ich nicht so gut

Die aktuellen Arbeiten von Oliver Scharfbier thematisieren das sinnhaftliebevolle

Scheitern an und in der mechanischen Wiederholung. Im

Ausstellungsraum formieren sich dazu Lichtobjekte und Tafelbilder

jenseits romantischer Identitätsentwürfe. Die „Drawings on a certain paper“

(Übermalungen von Todesanzeigen in der serbischen Zeitung „Politika“,

Belgrad, 2003) werden zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.

zone B, Brunnenstr. 149, 10115 Berlin-Mitte

Opening: 3.6., 19.30h, 4.6.–28.8., Do 11–18h, Fr u. Sa 11–18h nach telefonischer

Vereinbarung: 0170 - 463 09 53, www.zone-b.info

Katharina Heinrich – XYZ Raumvariablen

Die österreichische Künstlerin Katharina Heinrich erzeugt variable

Raumkörper anhand der Technik des Flechtens. Dieses seit Jahrtausenden zur

Herstellung von Texturen angewandte Verfahren ist für sie ein bildhauerischer

Akt. Dabei geht es ihr stets um die Erweiterung des Skulpturbegriffs. Ein

Künstlergespräch findet am 18. Juni um 18 Uhr statt.

KunstBüroBerlin, Uhlandstr. 162, 10719 Berlin-Charlottenburg

bis 16.7., Künstlergespräch am 18.6., 18h

Mi–Fr 12–19h, Sa 13–16h and by appt., www.kunstbueroberlin.de

AUSSTELLUNGEN


Nevin Aladağ: Still aus der Video-Trilogie „City Language I“, 2009

© TANAS, Berlin

Fabian Marti: Uhu, 2007, Tintendruck auf Papier, 155 x 155 cm

Courtesy: the artist & Galerie Peter Kilchmann, Zürich

AUSSTELLUNGEN

Courtesy: Galeria Plan B

Nevin Aladağ – Dim the Lights, 6:07 min

Die Ausstellung „Dim the Lights, 6:07 min“ bewegt

sich medial zwischen Video, Fotografie, Installation

und Objektkunst und zeigt das breite Spektrum des

künstlerischen Werks von Nevin Aladağ. Im Zentrum

der ersten großen Ausstellung der in Berlin lebenden

Künstlerin steht die für die letzte Istanbul-Biennale eigens

produzierte Video-Trilogie „City Language I, II, III“.

TANAS – Raum für zeitgenössische türkische Kunst

Heidestr. 50, 10557 Berlin-Mitte

Opening: 27.5.,18–21h, 28.5.–30.7., Di–Sa 11–18h

Katalogpräsentation mit Signierstunde am 10.6., 18–21h

030 - 89 56 46 10, www.tanasberlin.de

Geheimgesellschaften

Von aufklärerischen, okkulten oder politischen Zielen

motiviert, verbindet Geheimgesellschaften v. a. eines:

ein gemeinsames Wissen. Die Ausstellung „Geheimgesellschaften“

in der Schirn Kunsthalle präsentiert

künstlerische Zeugnisse – Gemälde, Skulpturen,

Installationen, aber auch historische Objekte –, die

sich dem Mysterium von geheimem Wissen, Ritualen

und Symbolen in der zeitgenössischen Kunst widmen.

Um den obskuren und mystischen Charakter geheimer

Gesellschaften zu wahren, leitet ein labyrinthartiger

Parcours durch die Ausstellung, in der Künstler wie

Cameron Jamie, Joachim Koester, Terence Koh, Gretchen

Faust u. a. vertreten sind.

Schirn Kunsthalle Frankfurt, Römerberg, 60311 Frankfurt

bis 23.9., Di/Fr–So 10–19h, Mi/Do 10–22h

www.schirn.de

Ian Law

Ian Law (*1984, UK, lives in London) is a recent graduate

of The Royal College in London, where he developed

a conceptual painting practice that builds chance,

performance and duration into its logic. As Law notes,

his “pieces are worked in relation to others, to then be

cast elsewhere or used in some other way.” Painting is

utilised as activity and the resulting works are installed in

relation to formats of documentation that suggest other

congruent activities. The exhibition at Plan B Berlin is

the artist’s first solo exhibition. His work is included in

the exhibition “Young London” (May–July 2011, at V22

Workspace London).

Galeria Plan B

Heidestr. 50, 10557 Berlin-Mitte

10.6.–30.7., Di–So 12–18h

www.plan-b.ro

Lina Kim & Michael Wesely: Eixo Monumental, 2004

C-Print auf UltraSecG, 180 x 300 cm

Anselm Kiefer: Sefer Hechaloth MERKABA Die sieben

Himmelspaläste Steigend steigend sinke nieder, 2008, Mischtechnik

auf Papier, 143 x 90 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Rainer Morawietz: Kapitell, 2010, Gips und Holz

Archiv Utopia. Das Brasília-Projekt

von Lina Kim und Michael Wesely

Die Stadt Brasília wurde 1960 noch im Zustand einer

Baustelle als neue Hauptstadt Brasiliens eingeweiht. Bis

heute scheint sie eher eine architektonische Fiktion denn ein

realer Ort zu sein. Die brasilianisch-koreanische Künstlerin

Lina Kim und der deutsche Künstler Michael Wesely haben

von 2003 bis 2010 den Mythos wie auch den realen Ort

erkundet. Entstanden sind Fotografien, die ungewöhnliche

Perspektiven zeigen. In der Ausstellung werden neben 300

historischen Aufnahmen aus dem Fundus der Künstler 32

großformatige Langzeitbelichtungen präsentiert, die den

utopischen Charakter Brasílias betonen.

Kunsthalle zu Kiel

Düsternbrooker Weg 1, 24105 Kiel

bis 28.8., Di–So 10–18h, Mi 10–20h, Eintritt: 7 €, erm. 4 €

www.kunsthalle-kiel.de

Deutsch

Mit der Gruppenausstellung „Deutsch“ präsentiert die

Galerie Crone Werke namhafter Künstler wie Joseph

Beuys, Andy Warhol, Sigmar Polke und Anselm Kiefer,

die sich mit der politischen und historischen Entwicklung

in Deutschland kritisch auseinandergesetzt haben.

Ergänzt wird die Schau durch eine Installation der

Avantgarde-Gruppe „L’Internationale Surplace“, zu der

auch Daniel Megerle gehört. Ihm ist bis Anfang Juni eine

Einzelausstellung gewidmet.

Galerie Crone

Rudi-Dutschke-Str. 26, 10969 Berlin-Mitte

11.6.–31.8., Di–So 11–18h

www.cronegalerie.de

Architektur und Eros

Rainer Morawietz postuliert als Teilnehmer am

Wettbewerb „Berliner Stadtschloss“ ein bildhaftes Denken

in der Baukunst, das die Suche nach der Sinnlichkeit in

der Architektur neu initiiert. Gezeigt werden Objekte

und Bilder, die einen Bogen zwischen autonomem

Kunstobjekt und architektonischem Kontext spannen.

Die architektonische Gestaltung des Kunstkellers Berlin

ist Teil der Ausstellung.

KunstBüroBerlin im Kunstkeller Berlin

Gutzkowstr. 5, 10827 Berlin-Schöneberg

Opening: 25.6., 18h, Dauerausstellung

Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter: 030 - 857 26 24

AUSSTELLUNGEN


Imi Knoebel: ALIAAA, 2002, Acryl auf Aluminium

306 x 455,8 x 10,8 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Ulrike Meier: unspecific, 2010

Daniel Palacios: Receptive Environment, 2010

Laserschnitt auf Holz, 45 x 45 cm

Imi Knoebel – Werke aus der Sammlung Schaufler

Imi Knoebel, Schüler von Joseph Beuys, ist in der

Sammlung Schaufler mit einem größeren Werkkomplex

vertreten. Das „Schauwerk“ widmet dem Künstler eine

monografische Ausstellung, in der Bilder und Objekte aus

all seinen Schaffensphasen gezeigt werden. Die in enger

Zusammenarbeit mit dem Künstler konzipierte Schau gibt

Einblicke in seine radikal minimalistische Formensprache,

die von den russischen Konstruktivisten des frühen

20. Jahrhunderts geprägt wurde. Form, Struktur und

Farbe stehen im Zentrum seines Schaffens und werden

in unterschiedlichen Medien untersucht. Er verbindet

Klarheit und Strenge mit einer besonderen Sinnlichkeit.

SCHAUWERK Sindelfingen

Eschenbrünnlestr. 15/1, 71065 Sindelfingen

bis 2.10., So 11–17h and by appt.

07031 - 932 49 00, www.schauwerk-sindelfingen.de

Körpersichten

Im Fokus der Ausstellung der Muthesius Kunsthochschule

im Kieler Lessingbad steht der menschliche Körper.

Die Projekte der Studierenden beleuchten das weite

Spannungsfeld medizinischer und körperbezogener

Themen: Menschenbild und Körper, Ängste und

Sehnsüchte, Körperinnen- und Außenwelten, Mensch

und Medizin. Präsentiert werden die Highlights der

Studienarbeiten aus Kunst, Raumstrategien, Industrie-

und Kommunikationsdesign. Die Schau wird flankiert

von Vorträgen und Führungen zum Thema „Kunst und

Medizin“.

Muthesius Kunsthochschule

Lessingbad, Lessingplatz 1, 24116 Kiel

Opening: 31.5., 19h, 1.–24.6., tgl. 10–18h

Pfingsten geschl., Eintritt frei

www.muthesius-kunsthochschule.de

Receptive Environment

„Receptive Environment“ bezeichnet ein Umfeld, das uns

zuhört und unsere Gegenwart akzeptiert, es verändert

sich und passt sich uns an. Es wird durch uns geprägt,

ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Repräsentative

Daten innerhalb und außerhalb des EnBW Showrooms

wurden durch Sensoren aufgezeichnet. Daraus entstanden

Skulpturen, Arbeiten auf Papier und Visualisierungen

in Echtzeit. Diese Darstellungsformen ähneln weniger

digitalen Abbildungen als vielmehr natürlichen Formen,

wie z. B. den Jahresringen eines Baumstamms.

Die Ausstellung entstand unter der künstlerischen

Leitung des Künstlerhauses Bethanien Berlin.

EnBW Showroom Berlin

Schiffbauerdamm 1, 10117 Berlin-Mitte

bis 23.7., Mo–Fr 12–20h

Sa 11–16h, Eintritt frei, www.enbw.com

Franziska Holstein: o. T. (M 1-11), 2011

Acryl, Öl, Siebdruck auf Leinwand, 200 x 140 cm

Nadja Poppe: Landschaft (Mecklenburg-Vorpommern), 2010

Bleistift und Radiergummi auf Papier, 30,5 x 43 cm

Park Young-Hak: Beyond the Scenery, 2007

charcoal on crushed rock on Korean paper, 97 x 122,2 cm

Ausstellung 13

Neue Arbeiten von: Tilo Baumgärtel, Andreas Blank,

Stephanie Dost, Shannon Finley, Philip Grözinger,

Franziska Holstein, Ruprecht von Kaufmann, Martin

Kobe, Brian Montuori, Yudi Nor, Christoph Ruckhäberle,

Nicola Samori und Anan Tzukerman.

Galerie Christian Ehrentraut

Friedrichstr. 123, 10117 Berlin-Mitte

bis 7.7., Di–Sa 11–18h

www.christianehrentraut.com

Arngunnur Yr: Heimat│Nadja Poppe: Land

Isländische Gebirgsketten, Vulkane, Täler und

Gletscher – die Landschaftsbilder aus Yrs Kindheit

sind fest in der Vorstellungswelt der Künstlerin

verankert und verwandeln eine rein physische Welt in

eine emotionale Sehnsucht. In Poppes Zeichnungen

erleben wir einen Moment in der Natur, ungeschönt

und dennoch stimmungsvoll. Die Künstlerin sucht sich

darin ein Gegenüber und erforscht Fülle und Leere.

Kit Schulte Contemporary Art Berlin

(ehemals Cain Schulte)

Winterfeldtstr. 35, 10781 Berlin-Schöneberg

bis 25.6., Mi–Fr 12–18h, www.kitschulte.de

Park Young-Hak – Beyond the Scenery

Die Werke des Künstlers Park Young-Hak basieren

auf dem taoistischen Prinzip der Synergie des Leeren

und des Wirkenden; die Reduktion auf achromatische

Farben symbolisiert die spirituelle Ästhetik. Durch

das Auftragen von Holzkohle und Calcitpulver auf

Sunji-Papier erzielt Park ausdrucksvolle Hell-Dunkel-

Kontraste und durchbricht mit dieser Mischtechnik

den traditionellen Begriff koreanischer Tuschmalerei.

LEE galerie BERLIN

Brunnenstr. 172, 10119 Berlin-Mitte

Opening: 10.6., 18h, 11.6.–9.7., Di–Sa 12–18h

www.leegalerieberlin.com

AUSSTELLUNGEN

AUSSTELLUNGEN


AUSSTELLUNGEN

Judith Ganz: Weiche Ziele, Detail, 2010

Acryl auf Öl auf Nessel, 230 x 340 cm

Ilias Papailiakis: She believes the truth, 2010, Öl auf Leinwand

60 x 50 cm © Ilias Papailiakis, Courtesy: upstairs berlin

Huang He: Baby, 2010, Öl auf Leinwand, 350 x 600 cm

Judith Ganz – Floating Liquids

Judith Ganz entwickelt ihre psychedelischen Landschaften

aus computergenerierten Bildern der

Mikrobiologie, Weltraumforschung und Gentechnologie.

Ausgangspunkt ihrer Malerei ist die vermeintliche

Unfehlbarkeit der Wissenschaft. Sie kommt zu dem

Ergebnis, dass gesellschaftliche Utopien immer wieder

zu kollektiven Selbstüberschätzungen führen.

Galerie Funke

Willibald-Alexis-Str. 13/14, 10965 Berlin-Kreuzberg

bis 2.7., Mi–Fr 13–18h, Sa 12–15h and by appt.

www.galeriefunke.de

Ilias Papailiakis – She believes the truth

Die Motive seiner Gemälde entlehnt der griechische

Künstler Ilias Papailiakis den Werken alter Meister.

Durch seine Konzentration auf Ausschnitte und Details

verlieren die Arbeiten ihren kunsthistorischen Ballast,

werden durch assoziative Titel neu- und umgedeutet

und erlangen eine bemerkenswerte Direktheit und

Aktualität.

upstairs berlin

Am Kupfergraben 10, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 17.6., 18–20h, 18.6.– 30.7., Mi–Fr 11–18h,

Sa 11–16h, www.upstairs-berlin.com

Huang He – Apocalypse #1

Huang He (*1977, lebt und arbeitet in Peking) verbindet

eine traditionsreiche Bildsprache mit einer ausgeprägten,

peitschenden Malweise, deren schnelle Ausführung an

Kalligrafiekunst erinnert. Seine S/W-Malerei hat einen

ganz eigenen ästhetischen Reiz und schafft Distanz zur

Realität. Ob Mensch- oder Tiermotiv, He lässt in seinen

meist großformatigen Werken eine spannungsreiche,

dramatische Emotionalität zutage treten.

Galerie Michael Schultz

Mommsenstr. 34, 10629 Berlin-Charlottenburg

Opening: 28.5., 19h, 29.5.–30.6., Di–Fr 10–19h, Sa 10–14h

www.galerie-schultz.de

Cesare Reggiani: Laguna della fregata, 2011

Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm

Gilbert Brohl: Stand der Dinge, 2011, Öl

und Sprühfarbe auf Leinwand, 100 x 120 cm

Boris Duhm: Das Krankenzimmer, 2009

Öl auf Leinwand, 163 x 225 cm

Christiane Wachter: Kanzel, 2011

Collage auf Papier, 72 x 107 cm

Vik Muniz: Saturn devouring one of his

sons, after Francisco de Goyay lucientes

(Pictures of Junk), 2005, Courtesy siehe S. 5

Cesare Reggiani – Zeitlose Bezauberung

Zeitgleich zu seiner Ausstellung in Florenz präsentiert die Immaginaria

Gallery die erste Einzelausstellung von Cesare Reggiani in Berlin. Die

suggestive Ausstrahlung seines Werkes manifestiert sich innerhalb seiner

Bilder in Momenten der Ruhe und der Perfektion. Reggianis Gemälde

verweisen auf eine bekannte Realität – doch nichts ist irrealer als eine

Realität, die so bewusst geordnet und fast metaphysisch ist.

Immaginaria Arti Visive Gallery/Walter Bischoff Galerie

Linienstr. 121, 10115 Berlin-Mitte, 27.5.–30.6., Di–Sa 13–18h and by appt.

030 - 60 92 42 58, www.galleriaimmaginaria.com

Gilbert Brohl – Ausstellung und Vortrag

Gilbert Brohl zeigt anlässlich seiner Ernennung zum Meisterschüler von

Andreas Amrhein meist großformatige Landschaften, die sich bewusst von

Werken traditioneller Landschaftsmalerei unterscheiden. Die Gebäude

sind mit einer der Street-Art entlehnten, graffiti-artigen Schablonentechnik

konstruiert. Die fiktiven Szenerien sind in fahler, blasser Farbigkeit

wiedergegeben, die die unbehagliche Atmosphäre noch unterstreicht.

Akademie für Malerei Berlin, Hardenbergstr. 9, 10623 Berlin-Charlottenburg

Opening und Vortrag: 17.6., 20h

www.a-f-m-b.de

Boris Duhm – Jetzt kann nur noch ein Wunder helfen

Mithilfe von Fotoperformances, Gemälden und Installationen entführt

Boris Duhm (*1971) den Betrachter in eine imaginäre Bilderwelt.

Hermetisch begrenzte Naturräume werden zu dramatischen Bühnen, auf

denen psychische Deformationen des Menschen aufgeführt werden. Wie

unter einem Brennglas verdichten sich unterschiedliche Sinnebenen zu

einem Zerrbild der Gesellschaft.

Galerie ZeroZero, Adalbertstr. 7/8, 10999 Berlin-Kreuzberg

bis 19.6., Finissage: 19.6., 15h, Di 14–19h, Fr/Sa 18–24h and by appt.

0152 - 27 42 89 81, www.borisduhm.com

weiterhin – Collagen von Christiane Wachter

Der Einsatz von Papier als farbgebendes und strukturbestimmendes Element

ist der ungewöhnliche Ausgangspunkt für die Bilder Christiane Wachters.

Scheinbar Ablesbares löst sich in Schichtungen und Übermalungen auf.

Konkrete Bildhaftigkeit erfährt durch den sinnlichen Reiz des Materials

eine zweite Ebene.

Galerie ICON Berlin, Veteranenstr. 22, 10119 Berlin-Mitte

Opening: 10.6., 19h, 11.6.–7.7., Mi–Fr 14–19h, Sa 13–18h

www.galerie-icon.de

Alles Kannibalen?

Die Ausstellung hinterfragt das Thema Kannibalismus. Die Kuratorin

Jeanette Zwingenberger lässt historische Werke in Dialog mit

zeitgenössischen Kunstwerken treten. Es werden aktuelle Arbeiten der

Medien Video, Installation, Fotografie, Skulptur, Zeichnung und Malerei

gezeigt, die sich mit der Frage der Anthropophagie in einer oft zugleich

unheimlichen und spielerischen Vorstellungswelt auseinandersetzen.

me Collectors Room Berlin, Auguststr. 68, 10117 Berlin-Mitte

29.5.–21.8., Di–So 12–18h

www.me-berlin.com

AUSSTELLUNGEN


Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938): Zwei Tänzerinnen, 1910/11

Öl auf Leinwand, 64,8 x 59,6 cm, Franz Marc Museum,

Kochel am See, Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Rainer Fetting: Figure (Shaun), 1989

Öl auf Leinwand, 287 x 127 cm, Courtesy: Galerie Deschler, Berlin

Tomomi Morishima: Puddle, 2010, Öl auf Leinwand, 200 x 240 cm

Liebermanns Gegner

Neue Secession und Expressionismus in Berlin

Die Neue Secession (1910–1914) entwickelte sich

auf Initiative von Georg Tappert als Gegenbewegung

zur Berliner Secession während der vier Jahre ihres

Bestehens zu einem einflussreichen Ausstellungsforum.

Die Ausstellung zeigt nun neue Aspekte dieser scheinbar

so gut erforschten Epoche und macht deutlich, dass der

Expressionismus weitaus mehr Spielformen aufweist als

nur die Werke der Künstlergruppen „Brücke“ und „Blauer

Reiter“. Die Neue Secession umfasste Künstler von Paris

bis Prag, aus den Kunstzentren Berlin und München

sowie anderen deutschen Städten.

Stiftung Brandenburger Tor

Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, 10117 Berlin-Mitte

bis 3.7., Mo, Mi–Fr 10–18h, Sa/So 11–18h

www.brandenburgertor.de

Rainer Fetting

Zeitgleich mit der großen Ausstellung „Rainer Fetting

– Berlin“ in der Berlinischen Galerie zeigt die Galerie

Deschler eine Serie von Meereslandschaften, die Fetting

in den letzten Jahren an der Nordsee auf Sylt gemalt hat.

In den bewegten Farbkompositionen, die überwiegend

in Blau- und Grüntönen gehalten sind, kommt die

expressive Handschrift von Fettings Pinselduktus

besonders gut zur Wirkung und verleiht den Brandungen

und Wellenbildern eine unmittelbare, vibrierende

Lebendigkeit. Auf der Scope in Basel sind neben Arbeiten

des amerikanischen Fotografen Jay Mark Johnson auch

Holger Bärs Malmaschine und großformatige Arbeiten

von Rainer Fetting zu sehen.

Galerie Deschler, Auguststr. 61, 10117 Berlin-Mitte

bis 1.7., Di–Fr 11–18h, Sa 12–18h

www.deschler-berlin.de

Tomomi Morishima

Die Ölgemälde des in Japan aufgewachsenen Künstlers

Tomomi Morishima zeichnen sich durch intensiv

leuchtende Farbkontraste aus, die dem Betrachter sofort

ins Auge springen. Motivisch changieren die Arbeiten,

die in der Einzelausstellung zu sehen sind, zwischen

Gegenständlichem und Abstraktem. Inmitten eines

verworrenen Geflechts aus Farbfeldern und Farbflecken

formieren sich schablonenartig ausgesparte Flächen zu

menschlichen Figuren, Bäumen oder architektonischen

Gebilden. Neben dieser jüngsten Werkgruppe zeigt die

Galerie zudem Arbeiten aus dem Jahr 2009.

Galerie Martin Mertens

Brunnenstr. 185, 10119 Berlin-Mitte

bis 18.6., Di–Sa 12–18h

www.martinmertens.com

Reinhard Bitter: o. T., 2010

Collage, 12 x 15 cm

Alexandra Huber: Pflege deine Aura

2010, 50 x 65 cm

Lutz Schirmer: Der Elefant, 2006

Linoldruck, 40 x 60 cm

Martha Parsey: Chasing the Dragon (Detail)

2011, Öl auf Leinwand, 1260 x 180 cm

Nadja Milenkovic: Café Schönstedt, 2011

Ausschnitt Zeichnung, 66 x 31 cm

CIS&TRANS – Bitter, Gielen, Mayer, Schneider

CIS&TRANS, diesseits und jenseits: Die Assoziationen hierzu sind so

mannigfaltig wie schwierig, denn die dem Thema inhärente Idee des

Transitorischen, des Überganges, bedeutet schmerzhafte Vergänglichkeit

(Veränderung). Die Verwobenheit des Diesseitigen und des Jenseitigen wird

anhand von Malerei, Grafik & Objekten untersucht, die Spannung zwischen

beiden Zuständen beleuchtet, die Lust am Wechselspiel evoziert.

Galerie Verein Berliner Künstler

Schöneberger Ufer 57, 10785 Berlin-Tiergarten

9.6.–3.7., Di–Fr 15–19h, Sa/So 14–18h, www.vbk-art.de

125 Jahre Kurfürstendamm.

125 Zeichnungen in der Galerie Horst Dietrich

Seit über 25 Jahren ist die Galerie Horst Dietrich in der Giesebrechtstraße

beheimatet – 200 m vom Kurfürstendamm entfernt. Sechs Monate wird

nun gefeiert. In der zweiten Ausstellung werden 125 Zeichnungen und

Collagen u. a. von Tatjana Bergelt, Albrecht Genin, Alexandra Huber, Eun

Nim Ro, Judith Samen, Wolf Spies und Lisette Verkerk gezeigt.

Galerie Horst Dietrich, Giesebrechtstr.19, 10629 Berlin-Charlottenburg

22.6.–27.8., Mi–Fr 14–19h, Sa 10–15h u. n. V.

www.GalerieDietrich.de

Best of Three

Drei langjährige Mitglieder der Künstlergruppe des Förderkreises für

seelische Gesundheit e.V., die schon seit 26 Jahren besteht, stellen aus:

Monika Holland malt Art-Brut-Kompositionen mit Buntstift. Lutz Schirmer

arbeitet mit Mischtechniken, vorzugsweise stellt er kolorierten Linoldruck

her und lässt sich dabei von seiner Afrika-Liebe inspirieren. Marie-Luise

Spandow zeichnet detaillierte, ins Surreale gehende Bilder.

Galerie ART CRU Berlin (Outsider Art), Oranienburger Str. 27, 10117 Berlin

Opening: 16.6., 19h, 17.6.–30.7., Di–Sa 12–18h and by appt.

030 - 24 35 73 14, www.art-cru.de

Martha Parsey – Chasing the Dragon

In her huge scaled painting Martha Parsey brings together her enigmatic

femmes in a hyper-cinescope painterly mise en scène of costumed women,

tables and chairs. “Chasing the Dragon” is an atmosphere of austere

decadence. With a decidedly improvised and jazz feel, where empty

armchairs have as much to do with absence as the presence of things, we

are invited to occupy this vibrant and unusual space within a space.

Jarmuschek + Partner, Invalidenstr. 50/51, Halle am Wasser, 10557 Berlin-Mitte

Opening: 10.6., 18h, 11.6.–23.7., Di–Sa 12–18h

www.jarmuschek.de

Das wars ... Café Schönstedt – Super Normal

Das Gefängnis Neukölln (im Volksmund „Café Schönstedt“) wird erstmals

künstlerisch genutzt. In 30 Zellen wird Kunst verschiedenster Bereiche auf

Architektur und Ortsgeschichte reagieren. Ein Projekt vom Institut für

Raumforschung im Rahmen der 48 Stunden Neukölln.

Mit Unterstützung der [Aktion! Karl-Marx-Straße]

Gefängnis Neukölln (im Hof des Amtsgerichts Neukölln)

Schönstedtstraße, 12043 Berlin-Neukölln

Opening: 17.6., 19–23h; 18.6., 14–23h, 19.6., 14–19h, www.48-stunden-neukoelln.de

AUSSTELLUNGEN

AUSSTELLUNGEN


Ankündigung Sammlergespräch Frank Sippel

Frank Sippel wurde 1971 im

schweizerischen Kanton Aargau

geboren. Er studierte bis 1997

an der renommierten Wirtschaftsuniversität

St. Gallen

und gründete noch vor seinem

Abschluss erste Firmen im

Bereich Facility Management.

2001 rief er das Immobilieninvestmentunternehmen

Real

Future AG ins Leben, als dessen

Vorstandsvorsitzender er bis heute

agiert.

Die Real Future AG erwarb 2005,

zusammen mit privaten Investoren,

das ehemalige Gelände der

Schultheiss-Mälzerei im Berliner

Bezirk Schöneberg. Sukzessive

werden dort seit 2009 Renovierungs-

und Umbauarbeiten an dem beinahe 100-jährigen

Industriedenkmal vorgenommen. Der im Entstehen

befindliche Multifunktionskomplex beherbergt

schon jetzt junge Startups und Kreativunternehmen,

denen Frank Sippel zu erschwinglichen Mieten Büro-

und Atelierraum zur Verfügung stellt.

Die Gründung der District Stiftung ist dabei ein

wesentlicher Bestandteil seines Plans, mitten in

der Stadt ein offenes Kreativzentrum zu gestalten.

Sie ist in der ehemaligen Kellerei des Geländes

lokalisiert und bietet Raum für 22 Atelierplätze

und drei Ausstellungsflächen. Mit seinem Partner

Impressum | Imprint

KUNST Magazin / KUNST Verlag, Berlin

Wrangelstr. 21, 10997 Berlin

Tel.: 030 - 61 20 23 24 und 030 - 43 92 58 29

Fax: 030 - 61 20 23 17 und 030 - 43 91 70 59

info@kunstmagazin.de | ISSN 1862 - 7382

Herausgeberin: Jennifer Becker (v. i. S. d. P.)

Chefredakteurin: Katharina Helwig

Chefin vom Dienst: Hannah Nehb

Redaktion & Texte: Agathe Power, Elena Sansigre, André

Schmidt, Eileen Seifert, Maria Sitte, Sarah Weckert, Steffi

Weiss, Claudia Wissel

Gastautoren in dieser Ausgabe: Jan Kage

Übersetzungen: Brian Poole

Lektorat: Dagmar Tränkle

Grafik: Matej Košir

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Moritz von Bockum-Dolffs verfolgt

Frank Sippel den Plan, jungen

Künstlern einen Platz zum Arbeiten

anzubieten sowie diese zu fördern.

Dazu vergibt die Stiftung zweimal

im Jahr das „Artist in Residence“-

Stipendium.

Frank Sippel interessiert sich privat

für die Medien Fotografie, Malerei

und Zeichnung. Er sammelt

vor allem die Werke jüngerer

Künstler wie Jana Gunstheimer,

Alex Prager oder Vera Ida Müller.

Indem er berufliches und privates

Engagement verbindet, verwirklicht

er mit dem Projekt „Malzfabrik“

einen lang gehegten Traum.

District Stiftung

Bessemerstr. 2–14, 12103 Berlin-Schöneberg

www.district-berlin.com

Wir freuen uns auf das KUNST Sammlergespräch mit Frank

Sippel, moderiert von Jan Kage alias Yaneq.

Donnerstag, 2.6., Einlass ab 20h, Gespräch ab ca. 20.30h

Bar Tausend, Schiffbauerdamm 11, Berlin-Mitte

Um Anmeldung wird gebeten: sammler@kunstmagazin.de

Onlineredaktion: Julia Schmitz

Webdesign: Marius Bruns, www.robinson-cursor.de

Druck: Druckerei Conrad GmbH, www.druckereiconrad.de

Distribution: DHL GoGreen – wir versenden klimaneutral,

Deutsche Post Pressevertrieb

Erscheinungsweise: 40 000 Exemplare, 10-mal im Jahr,

Doppelausgaben: Jul./Aug. und Dez./Jan. Es gelten die

Mediadaten 2011.1

Alle Ausstellungshinweise im KUNST Magazin sind für

Galerien, Museen und Ausstellungshäuser kostenpflichtig.

Eine tagesaktuelle Übersicht zu allen Veranstaltungen im

KUNST Kontext in Deutschland finden Sie im Kalender auf

www.kunstmagazin.de


SCOPEBasel

International Contemporary Art Show

June 15-19| KASERNE

First View

Wed | June 15 | 10am – 7pm

SCOPE Official Party

Wed | June 15 | 9pm

Location

Kaserne, Basel | Klybeckstrasse 1b | CH-4057

For more information on our Exhibitors and

SCOPE Foundation programming please visit:

scope-art.com

Alex Schweder La and Ward Shelley

Counterweight Roommate

Premiering SCOPE Basel 2011

2 people, 5 days

Structure 2’ x 32’ x 6’

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