Mein - Stiftung Tosam

tosam

Mein - Stiftung Tosam

E IN

B L ICK

AUSGABE 01–2012


UMSCHLAGBiLD: WiN ViTA, HERiSAU

IMPRESSUM

Adresse

Stiftung TOSAM

Cilanderstrasse 3, 9100 Herisau

Tel. 071 371 11 73, Fax 071 371 11 38

www.tosam.ch, stiftung@tosam.ch

Spendenkonto

90-5226-7

Layout, Druckvorstufe

fsp werbetech.ch AG, Dorf 2, 9063 Stein AR

Druck

Druckerei Walpen AG, Säntisstrasse 10,

9200 Gossau

Auflage

1700 Exemplare

Redaktion

Claudia Clavadetscher

Stiftungsrat

Markus Joos, Präsident

Elisabeth Frischknecht-Mayer

Hans Peter Manser

Rosmarie Nagel-Sonderegger

Willi Nägele

Martina Nüssli

Geschäftsstelle

Martin Grob, Geschäftsleiter

Claudia Clavadetscher

Manuel Och

Renate Rutishauser

Mirjam Plüss

Personal

Hof Baldenwil

Urs Stuker, Betriebsleiter

Willi Ammann

Claudine Bachmann

Markus Krebs

Brigitta Nef

Angela Egli

Raphael Balmer

Christoph Kunz

Mischa Sutter

Nina Maria Good

Gartengruppe

Thomas Dudler, Betriebsleiter

Stephan Bernhardsgrütter

Roger Thalmann

Peter Wyss

Brockenhaus Degersheim

Alain Litera, Betriebsleiter

Paul Kappeler

Kim Hauck

Brockenhaus Flawil

Hugo Strassmann, Betriebsleiter

Werner König

Silvio Odoni

WinWin-Markt

Daniel Minneci, Betriebsleiter

Eugen Brunner

Christian Engesser

Eva Schwerzmann

Ruedi Weber

Patrick Musso

Buch WinWin Gossau

Edla Stuker, Bereichsleitung mbA

Martin Stucki

buchplanet.ch

Sara Grob, Bereichsleitung mbA

WinVita

Barbara Balmer, Bereichsleitung mbA

Julian Schäfer

easydrive Gossau

Christophe Command, Platzchef

elternliebe

Was muss wohl alles

passiert sein, dass Eltern zu ihrem

einzigen Kind (Tochter, 17) sagen

können:

«Wir gehen übers Wochenende

nach Bergün. Du darfst

nicht mitkommen. Den Woh­

MARTiN GROB

nungsschlüssel nehmen wir dir

weg. Hier hast du 30 Franken.

Schau, wie du klarkommst und wo du übernachten

wirst!»

Die gleichen Eltern sagen sinngemäss: «Und

wenn du wieder Scheisse baust, dann hast du

Konsequenzen zu gewärtigen».

Ich habe selber sechs Töchter und ich liebe

sie alle. Darum kann ich einfach nicht nachvollziehen,

wie man so hartherzig gegen sein Kind

sein kann. Klar, in der Pubertät und Nachpubertät

kann schon mal das eine oder andere

passieren. Die Kinder loten die Grenzen aus.

Und genau in dieser «suchenden Phase» brauchen

die Kinder Unterstützung, Verständnis

und Liebe. Man kann ihnen auch Grenzen setzen

und Regeln bekanntgeben, aber dies muss

alles auf der Basis der Elternliebe stattfinden.

Es kann doch nicht sein, dass wir dem

minderjährigen Kind den Zugang zu seinem

Zimmer verwehren und dass wir es über ein

Wochenende sich selbst überlassen, wahrscheinlich

sogar in der Erwartung, dass etwas schief

laufen wird, damit man nachher wieder sagen

kann: «Wir haben ja gewusst, wie schwierig

unsere Tochter ist».

Diese Tochter braucht unsere Unterstützung,

egal was schon alles vorgefallen ist. Und

wir geben ihr diese Unterstützung, auch wenn

uns weder eine Amtsstelle noch die Eltern für

unsere Arbeit entschädigen. Wir geben ihr diese

Unterstützung nicht, weil wir im Sozialbereich

tätige Personen sind, sondern weil wir Mensch

sind und uns schämen für die Handlungsweise

ihrer Eltern. Martin Grob, Geschäftsleiter y


neues MitGlied iM stiftunGs-

rat der stiftunG tosaM

MARTiNA NÜSSLi

Unser Stiftungsratsmitglied

Claudia Gwerder­Kellenberger

hat sich nach 10­jähriger

Zugehörigkeit zum Stiftungsrat

ent schlossen zurückzutreten, um

Freiraum für ihre Familie und ihre

berufliche Tätigkeit zu gewinnen.

Claudia Gwerder­Kellenberger

war ein sehr engagiertes Mitglied

des Stiftungsrates. Sie hat den Schwerpunkt

«Soziales» betreut und ihr grosses Wissen und

ihre vielfältige berufliche Erfahrung in den

Bereichen Vormundschaft und Soziales in die

Stiftungsratsarbeit eingebracht. Wir bedauern

den Rücktritt von Claudia Gwerder­Kellenberger

sehr und wünschen ihr für ihre private

und berufliche Zukunft alles Gute.

Der Stiftungsrat freut

sich, mit der Zuwahl von

Martina Nüssli als neues

Mitglied im Stiftungsrat

eine kompetente Nachfolgerin,

auch für

den Schwerpunktbereich

Soziales, gefunden zu

haben. Martina Nüssli

bringt eine vielseitige

berufliche Erfahrung,

u.a. als ehemalige

Leiterin von kommunalenVormundschaftsämtern,

mit. Heute ist sie

juristische Bereichsleiterin

Sozialhilfe­ und Vormundschaftsrecht bei

der RGB Rechts­ und Gemeindeberatung in

Gossau. Wir heissen sie im Stiftungsrat herzlich

willkommen und freuen uns über ihre Bereitschaft

zur Mitarbeit in der Stiftung Tosam.

Die Stiftung Tosam steht im 23. Jahr ihres

Bestehens. Sie ist heute ein veritables KMU mit

sozialer Ausrichtung. Der Jahresumsatz aller

Betriebe zusammen beträgt rund CHF 7,5 Mio.

Wie jedes Unternehmen dieser Grösse muss

auch die Stiftung Tosam nach wirtschaftlichen

MARKUS JOOS

Gesichtspunkten geführt werden. In

einer gemeinnützigen Stiftung ist

aber die Ökonomie nicht Selbstzweck,

sondern Voraussetzung dafür,

dass die sozialen und ökologischen

Ziele unserer Stiftung in möglichst

hohem Masse erfüllt werden können.

Die Stiftung Tosam bietet heute rund

230 Arbeits­ und Ausbildungsplätze

im alternativen Arbeitsmarkt an. Die Tätigkeiten

sind vielseitig und um fassen Verkauf, Gartenbau,

Recycling oder Büro. Ich benutze die

Gelegenheit, um allen Mitarbeitenden und der

Geschäftsleitung für ihren grossen, täglichen

Einsatz zu danken, die das Gedeihen der Stiftung

Tosam mit allen ihren Betrieben ermöglicht.

Der Dank geht aber auch an alle, die uns

auf vielfältige Art und Weise unterstützen, sei es

als Kunden, Spender oder Behörden. Sie ermutigen

uns, den eingeschlagenen Weg weiter zu

verfolgen und uns den kommenden Anforderungen

und Veränderungen zu stellen.

Der vorliegende EinBlick informiert Sie

wiederum über aktuelles aus dem Leben unserer

Stiftung. Ich wünsche Ihnen eine anregende

und spannende Lektüre!

Markus joos,

präsident der stiftunG tosaM y

3


iM spannunGsfeld zwischen qualitativen

anforderunGen und individuellen ressourcen

Immer wieder besprechen wir

bei uns auf dem Hof Baldenwil, wie

wir unseren Mitarbeitenden gerecht

werden können, wie wir sie in ihren

individuellen Ressourcen fördern

können, wie sie ihre Fähigkeiten bei

uns im Betrieb am besten entfalten

können. Diese Gespräche führen

wir immer im Bewusstsein, im alternativen

Arbeitsmarkt tätig zu sein. Immer wieder

stellen wir uns die Frage, was die Mitarbeitenden

leisten «müssen», was wir erwarten

dürfen und wo die Gefahr der Überforderung

besteht.

In vielen Bereichen unseres Betriebes dürfen

die Mitarbeitenden auch einmal einen

«schlechten» Tag haben. Ihre quantitative und

qualitative Arbeit spielt in diesem Moment dann

keine prioritäre Rolle. Sie sollen dann einfach

die Möglichkeit haben, den Tag bei uns als

unterstützende und stabilisierende Struktur zu

erfahren. Oft hilft es ihnen nur schon aus den

eigenen vier Wänden herauszukommen, unter

anderen Menschen zu sein, sich ablenken zu

können. Für uns auf dem Hof ist es klar, dass

wir solche unterstützende und stabilisierende

Möglichkeiten bieten müssen und wollen.

Mit unserer Kräuterverarbeitung und

unserem Produkteverkauf stellen sich aber an

uns nun in diesem Zusammenhang völlig neue

Herausforderungen. Hier sind wir von Seiten

unserer Kunden mit einer Erwartungshaltung

konfrontiert. Der Kunde erwartet zu Recht ein

qualitativ hochwertiges Produkt, der Kunde

wünscht sich dieses Produkt in einer gleichbleibenden

Qualität, was den Geschmack betrifft.

Zudem erwartet der Kunde von uns, dass wir

Bestellungen innerhalb einer bestimmten Zeit

ausliefern. Diesen Erwartungen stehen die

Fähigkeiten unserer Mitarbeitenden gegenüber.

Im Kräuterverarbeitungsbereich haben wir

Mitarbeitende, welche sehr genau arbeiten, die

vorgegebenen Rezepturen bis aufs Gramm

sowie die Verarbeitungsschritte einhalten und

4

URS STUKER

zum Schluss auch darauf achten,

dass die Füllmengen stimmen und

die Etiketten sauber aufgeklebt

sind. Selbstverständlich schauen sie

auch darauf, dass die Hygienerichtlinien,

welche über dem ganzen

Produktionsablauf stehen, eingehalten

werden. Bestellungen stellen

sie gewissenhaft zusammen und

machen diese auch zum Versand bereit.

Aber: auch diese Mitarbeitenden haben ihre

Ausfälle und ihre «schlechten» Tage. So kann es

sein, dass wir für den Tag das Mischen und

Abfüllen von Kräutersalzen vorgesehen haben,

dass aber die dafür eingeplante Mitarbeitende

ausfällt oder nicht in der Lage ist, die notwendige

Genauigkeit in der Arbeit aufzubringen. Es

kann auch sein, dass Bestellungen eingegangen

GRATIS

ALTBROT

ABGABE

im Win-Win-Markt Herisau

und easydrive Gossau

Mer gend gratis Altbrot a Chüngeli-,

Federviehhalter, Geissebuure ond anderi

Tierhalter ab.


sind, welche bereitgestellt werden müssen, aber

niemand ist hier, der die Bestellungen zusammenstellt.

Diese Situationen stellen uns auf dem Hof

immer wieder vor die Herausforderung, kurzfristig

zu reagieren und uns Notfalllösungen zu

überlegen. Eine Herausforderung ist es, in diesen

Situationen bei den Kunden um Verständnis

zu werben für eine Verzögerung. Eine andere ist

es, nicht den einfachsten Weg zu wählen und zu

sagen: «Dann mach ich halt gleich alles selber!»

In unserer Arbeit geht es nicht nur darum

den Mitarbeitenden eine Beschäftigung zu

geben. Es geht auch darum, sie in ihren Ressourcen

zu fördern, ihnen Verantwortung zu

über geben, im Wissen darum, dass Fehler passieren

können. Es geht darum, sie in ihrer eige­

kräutertaGe auf deM hof baldenwil

In diesem Jahr werden wir auf dem Hof

Baldenwil die 1. Baldenwiler Kräutertage

durchführen. Wir wollen den Besuchern ein

Erlebnis rund um die Kräuter anbieten.

Auf der einen Seite werden wir ein grosses

Angebot an Kräuter- und Gemüsesetzlingen in

Bio-Qualität von der Gärtnerei Neubauer in

Erlen haben. Auf der anderen Seite werden

alle Besucher auch die Gelegenheit haben,

unsere Kräuter auf dem Feld und unsere Kräuterverarbeitung

anschauen zu können. Wir

wollen mit diesen Tagen einen Einblick in die

Vielfalt der Kräuter geben, in ihre Anwendungsmöglichkeiten

und nicht zuletzt auch in

ihren Geschmack.

nen Einschätzung der persönlichen Fähigkeiten

zu stärken. Sie sollen lernen ihre Fähigkeiten

einzuschätzen, so haben sie dann auch die Möglichkeit

zu sagen, ich fühle mich heute nicht in

der Lage, diese Arbeit zu tun.

Für uns als Betriebs­ und Bereichsleiter

heisst dies aber auch, den Mitarbeitenden etwas

zuzutrauen. Ihnen den Raum zu geben, sich selber

einschätzen zu können, die Gelegenheit

geben, Fehler machen zu können und aus diesen

Fehlern zu lernen. Diese Haltung stellt an uns

Leitende neue und ungewohnte Anforderungen.

Im sozialen Bereich neigt man dazu, die

Mitarbeitenden zu «beschützen». Wir als Leitende

wissen, was zu tun ist, wir sind verantwortlich,

dass keine Fehler passieren. Diese Haltung

loszulassen, ist im Alltagsgeschäft oftmals

leichter gesagt als getan.

urs stuker, betriebsleiter y

Daneben werden wir auch versuchen,

praktische Ratschläge bei offenen Fragen zu

geben. Frisch gekaufte Kräuter wird man bei

uns in Tontöpfe umtopfen können und auch

hochwertige Komposterde kann man bei uns

be ziehen.

Ausserdem wird man aber auch Gelegenheit

haben, Kräuter und Kräuterprodukte zu

probieren und sich ein persönliches Kräutersalz

zusammenzustellen.

Die Kräutertage sind am Samstag, 5. und

am Sonntag, 6. Mai 2012 bei uns auf dem Hof

Baldenwil. Öffnungszeiten sind jeweils von

11.00 bis 17.00 Uhr. y

5


die occupy-beweGunG

‹we are the 99 percent›

Ich heisse Kim Hauck, bin 21

Jahre alt und wohne in Brunnadern

im Neckertal. Ich bin in der Ausbildung

zum Arbeitsagogen und

im Brockenhaus Degersheim angestellt.

Der Gesamtstiftungsleiter

Martin Grob hat uns in der Teamsitzung im

Brockenhaus Degersheim Blätter abgegeben.

Auf diesen Blättern stehen verschiedene Gedanken

von ihm. Es geht dabei auch um die Occupy­

Bewegung. Dieses Thema hat mich gefesselt

und ich begann zu recherchieren. Die Occupy­

Bewegung will ich auch euch oberflächlich

näher bringen. Sie begann am 17. September

2011, bei dem der Zucotti Park in Lower Manhattan

in New York durch Demonstranten

besetzt wurde. Damals hiess sie Occupy Wall

Street­Bewegung.

Die Occupy Wall Street­Bewegung prangert

den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik an.

Eine sogenannte Plutokratie. Sie kritisieren

auch die zu banken­ und wirtschaftsfreundliche

Politik. Die bekannte Hacker­Gruppe Anonymus

unterstützt die Occupy­Bewegung.

Anfangs war diese ganze Bewegung, die ins

Leben gerufen wurde, unstrukturiert und ungeplant.

Jetzt ist sie strukturierter, wird über Facebook

und Twitter sowie über viele öffentliche

Netzwerke bekannt gemacht. Es fing klein an

und ist nun gross im Umlauf. Proteste fanden

schon in Deutschland, Österreich, Italien, England

und sogar auch in der Schweiz statt. Aktivisten

rufen in der Schweiz zu Demonstrationen

in Zürich, Bern, Genf und Basel auf.

was will die bewegung occupy zürich

erreichen?

Zitat aus der Website www.occupyzuerich.ch:

«Wir möchten die Menschen anregen, darüber

nachzudenken, in was für einer Welt sie leben

möchten, und sie auf Missstände aufmerksam

6

KiM HAUCK

machen, die zurzeit in unserer Gesellschaft

und auf der ganzen Welt

bestehen. Wollen wir eine Welt, in

der Menschen verhungern, weil mit

Nahrungsmitteln spekuliert wird?

Wollen wir eine Welt, in der sich

eine kleine Minderheit auf Kosten

einer Mehrheit bereichert? Es ist

wichtig, auf Missstände aufmerksam

zu machen und transparent aufzuzeigen,

was beispielsweise in der Finanzwelt überhaupt

abläuft – und was schief läuft. Wir wollen die

Menschen dazu befähigen, selbst zu Veränderungen

beizutragen und gemeinsam neue Perspektiven

für eine gerechtere und demokratischere

Gesellschaft zu finden.»

Ich komme zu diesem Thema, da es auch

uns betrifft und ich hoffe, dass die Leser dieses

Artikels nachzudenken beginnen. Die Schweiz

weist weltweit die zweithöchste Millionärsdichte

auf. Wir haben 330'000 Millionärshaushalte in

der Schweiz und 352 Haushalte mit einem Vermögen

von über 100'000 Millionen Dollar. Eine

weitere Studie der UNO­Universität vergleicht

229 Länder. Nur in Simbabwe und Namibia

waren die Vermögen noch ungleicher verteilt als

in der Schweiz.

Wenn das Geld knapp wird, muss irgendwo

gespart werden. Das heisst das Geld wird dort

geholt, wo es ohnehin schon fehlt: Bei der IV,

Kürzungen bei Arbeitslosentagggeldern, Kürzungen

bei IV­Renten, Kürzungen in den Sozialhilfeausgaben.

Warum also geben wir 3 – 4 Mil­


liarden Schweizer Franken aus für neue

Kampfjets, wenn wir sparen sollten? Warum

wird es nicht bei denjenigen geholt, wo genug

vorhanden ist?

Warum geben wir und viele andere Länder

Milliarden für das Militär aus, wenn es auch

anders gehen würde? Das Budget des Militärs

von den USA beträgt 2012 662 Milliarden US­

Dollar.

Ihr habt jetzt viele Fakten und Informationen

gelesen. Doch schliesslich fängt es bei uns

an. Wir können was verändern, indem wir nicht

Mein leben als alleinerziehende Mutter

Mein Name ist A.Z., ich bin 30 Jahre

alt und lebe mit meiner 3­jährigen Tochter in

Degersheim. Im Mai 2008 bekam ich die erfreuliche

Nachricht: «Frau Zwiker, Sie sind schwanger».

Nun musste ich das meinem Partner beibringen.

Leider teilte er die Freude nicht mit

mir. Er stellte mich vor die Wahl, entweder

Kind oder er. Ich habe mich für mein Kind entschieden,

was ich auch nicht bereue und immer

wieder tun würde.

Im Januar 2009 kam meine kleine Maus

dann auf die Welt und stellte mein Leben total

auf den Kopf. Vorher arbeitete ich 10 Jahre lang

als Nanny und doch ist ein eigenes Kind etwas

ganz anderes. Sachen die ich eigentlich gelernt

hatte und ich schon total routiniert darin war,

sind bei einem eigenen Kind wieder etwas total

anderes.

Ich hatte das Glück im Januar 2010 in eine

grössere Wohnung zu ziehen, in der wir bis

heute mit unserer Katze wohnen.

Seit November 2010 darf meine Tochter drei

Tage in der Woche in die Kita Kieselstein, in der

sie sich sehr wohl fühlt und ganz viel lernen

kann. Im Mai 2011 schickte mich das RAV in

ein Einsatzprogramm ins Brockenhaus Degersheim.

Als ich im Oktober keinen Anspruch

mehr auf Taggelder hatte, war ich wieder voll­

die Augen und Ohren verschliessen und einfach

alles über uns ergehen lassen. Wir sind die 99

Prozent die ausgenützt werden. Wir sind die

Mehrheit, die von einer Minderheit ausgebeutet

und ausgenützt wird.

So wie Martin Grob mich unbewusst oder

bewusst, aufmerksam auf das gemacht hat, so

will ich anderen Menschen in meinem Umfeld

unsere Situation in der Welt näher bringen und

sie darauf aufmerksam machen, dass einiges

schief läuft. ‹we are the 99 percent›.

kiM hauck, arbeitsaGoGe i.a. y

umfänglich vom Sozialamt abhängig, was ich so

nicht mehr wollte. Trotzdem habe ich einen

guten Kontakt zu meiner Betreuerin vom Sozialamt

und ich bin froh, dass ich davon unterstützt

werde, auch wenn ich unter dem Existenzminimum

lebe. Ich musste schnell feststellen, dass es

schwierig ist, ein Kind und die Arbeit unter

einen Hut zu bringen. Trotzdem machte ich auf

dem Sozialamt den Vorschlag, dass ich gerne

wieder im Brockenhaus Degersheim arbeiten

möchte. So konnte ich auch mit meinem Lohn

vom Brockenhaus Degersheim die Schulden

beim Sozialamt minimieren. Sie waren einverstanden

und nun arbeite ich seit dem 1. November

2011 wieder im Brockenhaus.

Im Brockenhaus bekam ich die Chance

wieder eine sinnvolle Arbeit, die mir Freude

bereitet, zu tätigen. Dazu konnte ich auch mein

soziales Umfeld erweitern und viele neue spannende

Menschen kennenlernen. Ich habe neue

Erfahrungen und Kenntnisse erlernt über viele

verschiedene Arbeiten. Jetzt nach acht Monaten

im Brockenhaus mit meiner neuen Funktion als

Teamleiterin, habe ich mein Pensum von 40%

auf 60% erhöht. Ich freue mich darüber, dass

mir so viel Vertrauen entgegen gebracht wird

und ich viele Kompetenzen haben darf.

a.z., Mitarbeiterin y

7


zivildienst iM

brockenhaus deGersheiM

Mein Name ist Sandro

Pfenninger, ich bin 23 Jahre alt, aufgewachsen

im Toggenburg und

wohnhaft in St.Gallen. Ich bin

gelernter Koch und war bis zu meinem

Zivildiensteinsatz im Brockenhaus

Degersheim, in der Gastronomie

tätig. Nach der RS und zwei

WK's blieben mir noch 97 Tage in

der Küche des Militärs zu dienen, die ich gerne

für 146 Arbeitstage als Zivildienstleistender aufgab.

Durch die Möglichkeit im Zivildienst etwas

Sinnvolles zu leisten und auch neues entdecken

zu können, durchsuchte ich sorgfältig die Internetseite

eis.zivi.admin.ch. Auf dieser Seite stiess

ich auf interessante, so genannte Pflichtenhefte.

Bevor ich aufs Brockenhaus Degersheim

aufmerksam wurde, hatte ich schon einige

andere Telefongespräche, um nachzuhaken, ob

bei jenen Inseraten wirklich eine Zivildienststelle

frei sei.

Das Telefongespräch mit Alain Litera (Leiter

des Brockenhaus Degersheim) war eins der

unkomplizierten, worauf ich dann zu einem

Vorstellungsgespräch vorbeiging. Das Brockenhaus

machte auf mich einen sehr schönen und

gepflegten Eindruck.

8

Gutschein

30% rabatt

beim nächsten einkauf auf das sortiment

Gültig bis 14. april 2012

aktionsartikel sind vom rabatt ausgenommen.

Öffnungszeiten:

Mi–Fr 14.00–18.00 Uhr / Sa 9.00–16.00 Uhr

SANDRO PFENNiNGER

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Während des Vorstellungsgesprächs

bekam ich das Gefühl,

dass meine Unterstützung im

Betrieb willkommen geheissen wird.

Ich hatte an diesem Tag noch ein

anderes Vorstellungsgespräch, aber

für mich war der Fall auf dem Weg

dorthin schon klar. Die Arbeit im

Brockenhaus ist sehr vielseitig,

hauptsächlich arbeite ich in der Möbel­ und

Freizeitabteilung. Dort kann ich Preise mitbestimmen,

Kunden beraten, unsere zwei Hallen

einrichten und umstellen, Ausstellungen vorbereiten

und manchmal auch ganz praktische

Dinge wie z.B. eine «Chügelibahn» reparieren.

Wobei man mir meine eigenen Kompetenzen

zutraut, aber mir auch mit Erfahrung und Fachwissen

zur Seite steht.

die Mitarbeiter im brockenhaus

Ich denke, es ist gleichgültig, wie unterschiedlich

manche von uns sind. Alle im Team haben

schon die vielen dankbaren Seiten unserer

Tätigkeit erlebt und anerkannt. Wie zum Beispiel

unsere Kunden, die uns für die günstigen

und guterhaltenen Möbel dankbar sind. Die

Mitarbeiter merken die Wertschätzung der

Kunden und freuen sich sehr darüber. Zudem

sind die Mitarbeiter froh, dass sie hier einen

strukturierten Tagesablauf bekommen und eine

Chance haben sich weiter zu entwickeln. Ich

spüre, dass es den Mitarbeitenden gut tut, dass

sie hier gebraucht werden und ihr Fachwissen

genutzt wird.

Ich finde es schön, wie das ganze Team des

Brockenhaus Degersheim miteinander funktioniert,

von der Leitung bis zum Mitarbeiter und

ein ganzer Organismus damit entsteht, der fast

reibungslos funktioniert.

Daher fällt es mir leicht, mich mit dem

Team zu identifizieren. Ich freue mich dass ich

den Zivildienst in der Stiftung Tosam leisten

kann. Ich durfte für die Mitarbeiter kochen und

fand es schön, ihnen so meine Wertschätzung zu

zeigen und würde dies gern wieder machen.

sandro pfenninGer, zivildienstleistender y


sprunG ins kalte wasser

E in Anruf änderte den Verlauf meines

Praktikums im Brockenhaus Flawil. «Ich bin

verunfallt und falle die nächsten acht Wochen

aus», bekam ich nach einem Smalltalk mit dem

Bereichsleiter «Transport» zu hören. Während

einer kurzen theoretischen Einführung am

Natel, und dies am Wochenende, begann mir

der Kopf zu drehen. Mit Kunden telefonieren,

Planung der einzelnen Aufträge, die damit verbundenen

Vorbesichtigungen, dessen Auswirkungen

und manches mehr. Mit nur zwei

Wochen Erfahrung musste kurzfristig Hilfe her.

So bekam ich freundlicherweise, und nicht

selbstverständlich, die Unterstützung meines

Vorgängers.

Nach dem Wochenende wurde ich noch mit

einigen zusätzlichen Arbeitsschritten vertraut

gemacht. Nochmals ein leichtes Schwindelgefühl,

die ganze Büroarbeit, das Einrichten des

Brockenhauses, Abholungen, Räumungen und

Lieferungen. Eine Herausforderung war das

Einschätzen der Arbeitsstunden und sonstiger

Auftragsaufwand, welche die Kosten der Kunden

beeinflussen und die sie meist vor Ort wissen

wollen. Dies war auch ein Weg, die

Arbeit von anderen kennen und schätzen

zu lernen.

Recht schnell wurde ich um einige

Erfahrungen reifer. Wie sehr die einzelnen

Schritte voneinander abhängig

sind, zeigte nicht die Theorie, sondern die Praxis.

So sprang ich ins kalte Wasser: Bananenschachteln

füllen, Abfall sortieren, Treppen rauf

und runter, Lieferwagen be­ und entladen, von

einem Ort zum andern fahren und noch einen

Kunden zufrieden stellen, der «nur» was Kleines

zu erledigen hat. Und daraufhin beim nächsten

wartenden Kunden angekommen: «Wo ist die

vorhergesehene Mulde?». Eine abwechslungsreiche

Arbeit, die mich oft ins Schwitzen brachte

und mich in kurzer Zeit einiges gelehrt hat.

Nicht so gefallen hat mir beispielsweise

die Besichtigung von der sehr schmuddeligen

Wohnung eines Drogenabhängigen, und Erbkonflikte

von Kunden um die Aufteilung des

Erbgutes, die man am Rande mitbekommt.

Glücklicherweise überwiegen jedoch die positiven

Dinge: Freundliche Menschen und ihre

Geschichten, die sie über die an uns geschenkten

Gegenstände zu erzählen wissen. Nicht

zu vergessen sind auch die aussergewöhnlich

grossen Hausräumungen, bei denen einmal

sogar 13 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an

einem Tag etwa 105 Bananenschachteln mit

Geschirr, Kleidern und Büchern füllten. Da

wird schnell eine zweite 30 m3 Mulde benötigt,

wenn die erste schon nach ein paar Stunden voll

ist. Oder unsere Warenannahme, die innert

Minuten «bis fast zur Decke» mit Schachteln

und gut erhaltenen Möbeln gefüllt ist. Was mich

oft ins Staunen brachte, war die untereinander

gut funktionierende Teamarbeit – einfach toll.

Wenn auch nicht immer, aber sicher dann,

wenn es darauf ankam, waren die Mitarbeiter

engagiert und sehr hilfsbereit.

Wenn letztendlich die Kunden, die Mitarbeiter

und der Chef zufrieden sind, motiviert

mich dies umso mehr, mein Praktikum in bester

Laune fortzuführen. Natürlich mit dem jetzt

genesenen Bereichsleiter, der gleich wieder voller

Tatendrang anpackt.

Nun erwartet mich eine spannende Woche

im Hof Baldenwil.

peter pistek, praktikant y

9


auf uMweGen

Auch als ausgebildeter

Daniel Minneci im August 2011 der

So zialpädagoge HFS, bekam ich als

neue Betriebsleiter des WinWin­

53­jähriger keine Anstellung mehr

Marktes wurde. Als ausgebildeter

im ersten Arbeitsmarkt. Es war

Sozialpädagoge mit abgeschlosse­

keine sehr schöne Erfahrung, die

nem Nach diplomstudium in Nonvielen

Absagen auf meine Bewer­

Profit­Unternehmungen bringt er

bungen hinnehmen zu müssen.

Noch schlimmer erlebte ich die

RUEDi WEBER

die nötige Empathie und das Fachwissen

mit, um den WinWin­Markt

Abhängigkeit von der Sozialhilfe

auf einen neuen zukunftsorientier­

und das wachsende Ohnmachtsgefühl, nichts ten Kurs zu bringen.

aus eigener Kraft verändern zu können... Der Im Verlaufe dieser Umstrukturierungen

Schuldenberg wächst unaufhaltsam, man ist wurde im September 2011 eine weitere Stelle in

machtlos...

der Bereichsleitung geschaffen. Der WinWin­

Fühlt man sich doch schliesslich von der Markt war zu diesem Zeitpunkt schon auf über

Gesellschaft an den Rand gedrängt und wird 100 Mitarbeiter angewachsen und brauchte

oftmals von den Menschen mit «geregeltem Ein­ dringend eine vierte Bereichsleitungsstelle.

kommen» herablassend behandelt. Derartiges Dadurch bekam ich die Chance, am 1. Sep­

nagt sehr am Selbstkonzept und lässt unweigertember 2011 die Bereichsleitung «interimslich

tiefe Furchen der Verletzung zurück.

mässig» im Hölzli zu übernehmen. Für mich die

Dann die Wende: Im Mai 2011 erhielt ich Aussicht in den ersten Arbeitsmarkt zu wech­

eine Anstellung als Chauffeur zu 100% im alterseln. Die Mitarbeiter... meine Kollegen/­innen

nativen Arbeitsmarkt der Stiftung Tosam. Ich im alternativen Arbeitsmarkt, reagierten unter­

war hoch motiviert und auch mit kleinem Lohn schiedlich auf meine neue Rolle. Es gab posi­

froh, eine Beschäftigung zu haben. Die neue tive, sowie auch negative Reaktionen, sogar sol­

Tagesstruktur war ein Gewinn für mich und che, die ich niemals erwartet hätte, selbst auf

mein angeschlagenes Selbstkonzept. Rasch der Ebene der Bereichsleitung.

bekam ich auch zu unseren Mitarbeitern einen Wiederum hoch motiviert begann ich mich

sehr guten und herzlichen Kontakt. Das «Mit­ in der neuen Rolle im Hölzli mit dem Wareneinander»

wurde zum tragenden Element im fluss und dem Mitarbeiter­Team auseinander­

Alltag. Ich fühlte mich schnell wieder als ein zusetzen. Die Sortierung wurde dem Hölzli

Mensch, der sich durch Leistung einbringen unterstellt, um weitere Schnittstellen im Waren­

konnte. Der Respekt kam zurück, von innen fluss zu schaffen. Der Transport ebenfalls, und

und aussen...

das in einer Zeit, wo die Dispo nicht voll besetzt

Es gehörte zu meinen Aufgaben, Transport­ und häufige krankheitsbedingte Ausfälle unter

gut intern und extern zu befördern und sams­ den Fahrern herrschte.

tags in der Frühe Marktstände für die Gemeinde Das Hölzli wurde dabei als erstes optisch

Herisau bereitzustellen und Nachmittags auch verändert, später folgte eine Beschallung. Die

wieder abzuräumen. Ganz allgemein gesagt, Präsentation und eine faire Preisgestaltung

ging es vor allem um den Warenfluss im Win­ unserer Artikel haben dabei eine zentrale Bedeu­

Win­Markt, die «Lebensader» eines jeden Recytung. Eine Teamleitung zur Unterstützung

clingbetriebes. Dies war eine strenge, interes­ wurde ebenfalls neu eingesetzt, um weitere

sante Zeit und ich bekam neue Einblicke in das Schnittstellen zu schaffen.

«Konsumverhalten» unserer Gesellschaft. Für Probleme in den administrativen Abläufen,

mich kam zum zweiten Mal eine Wende, als infolge personeller Wechsel und dem dadurch

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verbundenem «Know­How­Verlust» rundeten

das Bild der pulsierenden Veränderungen ab.

Es gab viele Umstrukturierungen, sei es

personell oder in Bezug auf die Optimierung

der Abläufe. Wir sind immer noch aktiv im

Prozess.

Die Wogen schlugen hoch und wir alle sind

bestrebt, unseren Teil zur Stabilisierung beizutragen.

Im Verlaufe dieses Wandels bin ich seit dem

1. Januar 2012 im ersten Arbeitsmarkt angestellt

unser bedürftiGenfonds

Der Bedürftigenfonds wird

aus zweckbestimmten Spendengeldern

geäufnet. Im vergangenen Jahr

konnten wir fast 24’000 Franken an

Spenden entgegennehmen.

Ich erhielt im 2011 62 Gesuche.

Neun habe ich abgelehnt, weil sie

nicht mit dem Fondsreglement übereinstimmten.

An 53 Personen konnten

insgesamt 23’606 Franken ausbezahlt

werden. Ein Mitarbeiter von uns erhielt einen

Anruf eines Arztes aus seinem Heimatland, dass

seine Mutter im Koma liege und er sofort anreisen

solle, um an Ort und Stelle die Entscheidung

einer Operation mitzufällen. Doch der

Mitarbeiter ist Sozialhilfebezüger und bekommt

von dort kein Geld für eine Flugreise. Da es sich

um einen verdienten und langjährigen Mitarbeiter

handelt, wollten wir ihm dies ermöglichen

und er dankte es uns sehr.

Tragisch leider, dass bereits kurze Zeit

später eine weitere Reise notwendig war: Die

Beerdigung seiner Mutter.

Einer unserer Mitarbeiter ist in einem

Männerchor. Der Männerchor organisierte eine

MARTiN GROB

und freue mich weiter auf meine Aufgaben als

Bereichsleiter im WinWin­Markt.

Meine persönliche Erfahrung, die ich im

alternativen Arbeitsmarkt gesammelt habe,

bringt mich zu einem erweiterten Verständnis

für die Situation der Mitarbeiter.

Ich darf an dieser Stelle motivierend sagen,

dass sich der «volle Einsatz» auf jeden Fall lohnt,

dies kann nebst einer sinnvollen Tagesstruktur

ein «Sprungbrett» in den ersten Arbeitsmarkt

sein.

ruedi weber, bereichsleiter hölzli y

Sängerreise. Jedes Mitglied hatte

die Kosten von Fr. 600.– selber zu

tragen. Unser Mitarbeiter wird

neben unserem Lohn noch vom

Sozialamt unterstützt. Das Sozialamt

kann solche Vergnügungsreisen

nicht finanzieren und der Mitarbeiter

war uns sehr dankbar,

dass auch er an dieser Reise teilnehmen

konnte.

Weitere Beiträge konnte ich sprechen für

Ostwind­Abo (Fahrt zum Arbeitsort), für Weihnachtsgeschenke

an die Kinder, für Kurse (z.B.

Bauch­Beine­Po­Kurs), für einen Beitrag an

Zügelkosten, für das Skilager des Sohnes eines

Mitarbeiters und auch hin und wieder sogar für

Lebensmittel­Einkäufe als Überbrückung bei

finanziellen Notlagen.

Ich danke Ihnen ganz herzlich, wenn Sie auf

unserem Einzahlungsschein auch hin und wieder

«Spende für Bedürftigen­Fonds» ankreuzen.

Sie ermöglichen mir damit schnell und unbürokratisch

wirksame Hilfe an Armutsbetroffene zu

leisten.

Martin Grob, Geschäftsleiter y

11


italien-laGer 20.11. – 29.11.2011

Jedes Jahr organisiert Stephan Bernhardsgrütter

das Lager in Italien. Er sucht freiwillige

Teilnehmer aus sämtlichen Betrieben der

Stiftung Tosam. Dieses Jahr meldeten sich vier

Teilnehmer aus den Betrieben Hof Baldenwil,

Win Vita sowie zwei aus der Gartengruppe. Ich

durfte Stephan in der Lagerleitung sowie beim

Autofahren nach Italien unterstützen.

Wir trafen uns am Sonntagmorgen 20.11.11

um 7.30 Uhr beim Bahnhof Herisau. Um 8.00

fuhren wir 8,5 Stunden nach Lapedona (Italien)

zur Familie Rüdisüli. Werner und Cornelia

Rüdisüli begrüssten uns ganz herzlich bei der

Ankunft in Lapedona. Werner Rüdisüli zeigte

uns gleich noch unsere Schlafunterkunft für die

nächsten zehn Tage. Wir mussten von Lapedona

ca. 15 Minuten mit dem Auto nach Monterubbiano

fahren, wo auch schon Franco del

Gatto auf uns wartete. Er ist der Besitzer des

Hauses, wo wir die nächsten Tage schlafen und

arbeiten werden. Wir teilten uns in zwei Dreier­

Gruppen auf, da das Haus in zwei Wohnungen

mit je drei Betten aufgeteilt war. Als wir unser

Gepäck verstaut hatten, fuhren wir wieder zur

Familie Rüdisüli zurück, wo wir in Ruhe das

lang ersehnte Nachtessen einnahmen. Beim

Essen besprachen wir noch den Tagesablauf für

die nächsten 10 Tage. Auch dass wir uns in zwei

12

Gruppen aufteilen mussten, da Franco bei sich

zuhause auch noch reichlich Gartenarbeit für

eine Gruppe hatte. Wir teilten und so auf, dass

Martin G. und Julian bei Franco und Stephan,

Matias, Martin H. und Jerome bei der Familie

Rüdisüli arbeiten mussten. Nach dem Nachtessen

fuhren wir zurück in unserer Unterkunft

in Monterubbiano, wo wir uns auch gleich alle

schlafen legten.

Am Morgen standen wir immer ca. um sieben

Uhr auf um das gemeinsame Morgenessen

vorzubereiten und einzunehmen. Nach dem

Essen machten wir uns parat, um pünktlich um

8.30 Uhr loszufahren. Wir fuhren zuerst nach

Lapedona zur Familie Rüdisüli, wo die erste

Gruppe arbeiten musste. Die zweite Gruppe

fuhr weiter zu Franco nach Altidona. Die

Gruppe um Stephan Bernhardsgrütter erstellte

Mauern aus Kalksteinen aus Mauerwerken von

alten Häusern. Zu den verschiedenen Arbeiten

gehörten unter anderem auch Jäten, Äste schneiden

sowie Bäume fällen, welche gleich zu Brennholz

für den Holzofen der Familie Rüdisüli verarbeitet

wurde.

Bei Franco ging es ein wenig anstrengender

zu und her, zumal Franco nur Italienisch konnte

und Martin G. und Julian nicht gerade fliessend

Italienisch sprachen. Also verständigten wir uns

mit Händen und Füssen, was auch gut funktionierte.

Zu den Arbeiten bei Franco del Gatto

gehörten Jäten, Äste schneiden, Laub rechen

sowie Abführen, Sträucher und Palmen schneiden

sowie den Teich von Schilf und Schlamm

befreien. Das Mittag und Nachtessen nahmen

wir immer gemeinsam bei der

Familie Rüdisüli ein. Cornelia

kochte uns jeden Tag ein

ausgezeichnetes Menu, das

uns immer wieder die nötige

Energie für den Nachmittag

und den Abend gab. Am

Abend in der Unterkunft

spielten wir immer gemeinsam

zwei Schweizer Jassspiele


«Tschau­Sepp» und «Hose abe». Das Wetter in

Italien war fast immer sonnig und angenehm,

ausser an zwei Tagen hat es von früh bis spät

geregnet.

Auch die Ausflüge kamen nicht zu kurz.

Wir fuhren nach Porto San Giorgio, wo auch

gerade der Wochenmarkt war. Da nicht alle die

gleichen Interessen hatten, haben wir uns in

zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe ging an

das Meer um Muscheln zu suchen. Die andere

Gruppe schlenderte ein wenig durch den Markt,

wo es zahlreiche Stände mit den verschiedensten

Sachen gab. Da waren Essensstände, Kleiderstände,

Schmuckstände, Schuhstände um

nur ein paar aufzuzählen. Die Verlockung war

gross, bei solch einer grossen Auswahl. Aber

zum Glück, hielten wir unseren Shoppingrausch

in Grenzen ;­). Das Mittagessen nahmen wir

dann aber wieder gemeinsam in einer Pizzeria

ein. Nach dem Essen sind wir in gleich zum

grossen Supermarkt «Oasis» in Porto San Giorgio

gefahren, wo wir uns mit Chips, Ice Tea,

Schokolade und Salami für den Abend eindeckten.

Beim zweiten Ausflug gingen wir die Burg

Moresco anschauen. Leider schaute die Burg

von weitem viel interessanter aus als aus der

Nähe. Weil es nicht viel zu sehen gab bei der

Burg Moresco, gingen wir weiter in ein kleines

Dorf namens Petritoli, wo wir uns noch einen

guten italienischen Espresso gönnten.

Mir hat das Lager in Monterubbiano sehr

gefallen. Es war stets eine friedliche und lustige

Stimmung, die wir als Team gemeinsam geniessen

durften. Auch die Arbeit im Lager war sehr

spannend und hat uns ein wenig zusammengeschweisst.

Natürlich möchte ich noch die

lustigen Jassrunden erwähnen, wo wir vor

Lachen fast von unseren Bänken geflogen

wären.

Ganz herzlich möchte ich mich im Namen

der Stiftung Tosam bei Cornelia und Werner

Rüdisüli für die hervorragende Verpflegung

bedanken. Auch bei Franco del Gatto möchte

ich mich herzlich für die Unterkunft bedanken.

jetzt erzählt noch jeder teilnehmer kurz,

was ihm am besten gefallen hat.

Martin G. Die gemütliche Jassrunde am

Abend mit dem Kaminfeuer hat mir am besten

gefallen.

Matias t. Die gute Verpflegung von Cornelia

Rüdisüli hat mich immer wieder gestärkt

und ich freute mich bereits aufs nächste Essen.

jerome l. Mir gefiel der Ausflug mit dem

Besuch des Marktes in Porto San Giorgo, wo

ich Kleider und eine Tasche «ermarktete», am

besten.

Martin h. Am besten hat mir gefallen, dass

dem ganzen Team mein selbst gemachter Sugo

gemundet hat und alle ihre Teller leer gegessen

haben.

stephan bernhardsgrütter Mir haben die

kreativen Arbeiten im speziellen der Mauerbau

mit den groben Brocken und der allgemein gute

Arbeitseinsatz sehr gefallen.

julian schäfer Mir hat gefallen, dass ich

einen Einblick in die Gartenarbeit bekommen

habe, die mich in der Gartengruppe bei meinem

weiteren Ausbildungsweg begleiten wird und

ich so, auch gleich einen Teil der Mitarbeiter

kennenlernen durfte.

julian schäfer, arbeitsaGoGe i.a. y

13


neues und altes aus deM recyclinG

Liebe Leserinnen

und Leser

Angenommen Sie kommen

zur Glassammelstelle und stellen

fest, dass alle Sammelbehälter voll

sind. Bereits haben sich erste

Lager von deponierten Flaschen

gebildet. Nun stehen Sie da mit

ihren vier Taschen voller Altglas. Was geht

ihnen da durch den Kopf?

– Warum trifft es gerade mich?

– Können die von der Gemeinde die Leerungen

nicht besser organisieren?

– Diese Unordnung ist ja haarsträubend!

– Soll ich bei der Gemeinde anrufen?

– Soll ich nachschauen, ob die Container wirklich

voll sind und der Vorgänger nicht einfach

nur zu faul war, korrekt zu entsorgen?

– Soll ich meine Flaschen sortiert nach Farben

auch dazu stellen?

– Soll ich meine Flaschen ebenfalls einfach

unsortiert deponieren?

– Nur weil andere es vor mir bereits getan haben,

soll ich es mir einfach auch erlauben?

– Legitimiert ein allfälliges Fehlverhalten anderer

eine gleiche Verfehlung meinerseits?

– Wer räumt eigentlich diese Flaschen dann

einmal in die Container?

– Soll ich meine vier Taschen wieder mit nach

Hause nehmen und morgen noch einmal

kommen?

– Wo ist die nächste Flaschensammelstelle?

– Was, wenn es dort ebenfalls so aussieht wie

hier?

Wofür auch immer Sie sich entscheiden, Sie hätten

eine andere Dienstleistung verdient gehabt,

als die, welche ich Ihnen in den Einstiegsgedanken

auf dieser Seite dieses Einblicks angeboten

habe. Sie sollen nämlich während den Öffnungszeiten

der Sammelstellen entsorgen können,

wann sie dies wollen. Sie sollen so entsorgen

14

können, dass Sie in Ihren wertvollen

Gedanken des Umweltschutzes, etwas

fürs Recycling zu machen, bestätigt

werden. Die Sammelstelle, welche

Sie besuchen, soll nicht so

aussehen, dass sich der Gedanke an

eine Unordnung bei Ihnen breit­

EUGEN BRUNNER

macht.

Unordnungen zu beseitigen, ist

die alltägliche Aufgabe der Mitarbeitenden auf

der Sammelstelle des WinWin­Marktes. Rund

elf Tonnen Material werden Tag für Tag ordentlich

in die bereitstehenden Mulden geordnet.

Auf unserer bedienten Sammelstelle ist es unsere

Aufgabe, Ordnung zu halten. Auch auf der uns

angegliederten Glassammelstelle auf dem Win­

Win­Markt­Parkplatz ist es in unserer Verantwortung,

dass sich Ihnen als korrekt entsorgende

Mitmenschen stets ein sauberes Bild

präsentiert. Daher wird im Minimum zweimal

täglich durch Mitarbeitende der Sammelstelle

des WinWin­Marktes bei den Glascontainern

und den Aluminium/Stahlblechcontainern oben

aufgeräumt.

Spannende Beobachtungen lassen sich im

Zusammenhang mit der Entstehung von Unordnung

bei den Glascontainern machen. Viele,

welche an die eingangs geschilderte Situation

gelangen, werden sich den oben genannten Fragen

gegenübergestellt sehen. Für die, welche es

gleich tun wie ihre Vorgänger und ihre Flaschen

ebenfalls sortiert oder unsortiert dazustellen

und im Verhalten ihrer Vorgänger die Legitimation

für ihr eigenes Tun und Handeln sehen,

habe ich hier die dazugehörige Theorie.

Unter dem Schlagwort «Broken Windows»

haben die US­amerikanischen Sozialforscher

James Q. Wilson und George L. Kelling im

Jahre 1982 das eingängige Bild der zerbrochenen

Fensterscheibe geprägt, die sofort repariert

werden müsse, um weitere Zerstörung und in

der Folge den Niedergang von Stadtvierteln und

schwere Kriminalität zu verhindern. In einer

Art ursächlicher Abfolge seien Unordnung und


«Wer nicht kann,

was er will, muss

wollen, was er kann.

Denn das zu wollen,

was er nicht kann,

wäre töricht.»

LEONARDO DA ViNCi,

15.04.1452 - 02.05.1519,

iTALiENiSCHER MALER

UND PHiLOSOPH

15

Kriminalität innerhalb einer Community unentwirrbar

miteinander verknüpft.

Nein, Sie werden nicht kriminalisiert, wenn

Sie Ihre Flaschen ebenfalls dazustellen. Ich

möchte Ihnen nur aufzeigen, wie schnell wir

uns verleiten lassen, etwas zu tun, was wir

eigentlich nicht machen würden, aber es trotzdem

tun, weil es andere ja auch machen.

Bei denen welche dies nie machen würden,

bedanke ich mich herzlichst, denn es ist auch

für unsere Mitarbeitenden eine aufwendige

Arbeit, die Unordnung bei der Glassammelstelle

stets zu beseitigen.

erfahrunGsbericht

einer praktikantin

An meinem ersten Tag meines

Vorpraktikums im WinWin­

Markt wurde ich regelrecht überrascht.

Der soziale Gedanke der

Stiftung und die Idee der Zusammenarbeit

werden hier gelebt.

Bereichsleiter haben immer ein offenes

Ohr für Mitarbeiter und beraten sie in

schwierigen bis oftmals heiklen Situationen.

Der WinWin­Markt ist momentan in ständiger

Erneuerung. Geformt vom Betriebsleiter,

unseren vier Bereichsleitern und der Kreativität

der Mitarbeiter ist eine ständige Wandlung im

Gange. Dies zieht nicht nur neue Gesichter von

Seiten der Kundschaft an, sondern es zeigt sich

eine motivierte Belegschaft.

Ich merkte hier erstmals richtig, wie wichtig

doch Arbeit und eine Struktur im Alltag sein

können. Das Selbstwertgefühl, welches einem

wieder gegeben wird, und wie viele sichtbar in

ihrer Tätigkeit aufblühen.

Der Mensch identifiziert sich häufig über

den Beruf, doch vergisst er oft, dass er in erster

Linie Mensch ist. Dieser Druck kann viel

SAMANTHA SANi

Unsere Erfahrung im Umgang mit dieser

Theorie ist folgende: Sobald jemand etwas hingestellt

hat, häufen sich die Lager und Depots

ausserhalb der Container, auch wenn es in diesen

allenfalls noch Platz hat. Daher ist es wichtig,

die Sammelstellen stets sauber zu halten, um

so niemanden in Verführung zu bringen, seine

Sachen auch einfach zu deponieren.

Ihnen allen wünsche ich in Ihrem Handeln

viel Bewusstsein und stets saubere Sammelstellen.

Freundliche Grüsse aus dem untersten

Stockwerk des WinWin­Marktes.

euGen brunner, bereichsleiter recyclinG y

Gewicht auf manch eine Schulter

legen. Dieses Phänomen ist oft auf

dem ersten Arbeitsmarkt zu beobachten.

Umso überraschter war

ich, als mir auffiel, dass dies hier

nicht wirklich festzustellen war.

Die Menschen, die hier zur Arbeit

kommen, haben andere Probleme. Umso schöner

ist es zu beobachten, dass hier die Flexibilität

und die Nachsicht an den Tag gelegt werden,

von dem manch ein anderer Betrieb sich eine

Scheibe abschneiden könnte. Denn dass Herr

oder Frau sich plötzlich auf dem zweiten Arbeitsmarkt

wiederfindet, könnte schneller geschehen

als einem lieb ist. Der WinWin­Markt nimmt

jeden Menschen, so wie er ist und sucht nach

den Ressourcen um Potenziale zu fördern und

wenn erwünscht auch möglich Unterstützung

zu geben.

Durch das grosse und unterschiedliche

Angebot ergeben sich auch absolut verschiedene

Arbeitsmöglichkeiten, sodass sich so ziemlich

für Jedermann/­frau etwas finden lässt.

saMantha sani, praktikantin y

15


erwachen

Vom Korridorgang dringen undeutliche

Sprachfetzen und grelles Licht durch die leicht

geöffnete Türe in mein Schlafzimmer! Das

Geklirre des Weckers reisst mich aus meiner

abstrusen Traumwelt heraus! Die letzten

Sequenzen des Traumes (oder war es doch

etwas Tiefgründigeres?) fesseln mich völlig verwirrt

auf die Matratze. Wieder die ewig gleichen

Bilder, Assoziationen und Themen! Alte

Bekannte und Freunde, Geld, Drogen, Polizei,

Chaos und nicht näher zu bezeichnende Dämonen

und negative Lichtgestalten. Vermischung

von heilen schweizerischen Stadtpärken mit Bildern

von Schützengruben, brennenden Wohnstätten

und dazwischen lieblichen Frauen.

STOP! Ich bin im hier und jetzt! Wohne in der

ehemaligen Villa der Familie Sulzer am Lindberg,

einer betreuten WG in Winterthur. Es

sind jetzt genau 18 Monate 2 Wochen und ein

paar nicht gezählte Tage seit meinem letzten

exzessiven mehrfachen Drogenkonsum (Kokain,

die europäische Variante des Crack als Freebase

geraucht, Heroin auf Alufolie inhaliert, 1 /2 Liter

Bier) vergangen.

Es klopft in mein Bewusstsein. Es sind bloss

die tief eingenisteten Unterbewusstseinsdämonen.

Ich habe schon lange den Weg des Müssiggangs

und den lasterhaften Irrlichtsweg verlas­

Mit Möbellift

«Alles was dir begegnen wird,

ist leider nicht zu vermeiden!»

SöREN KiERKEGAARD, DäNiSCHER THEOLOGE UND PHiLOSOPH,

19. JAHRHUNDERT

sen. Leicht verstört und muffig angesichts des

beginnenden WG­Trotts, verlasse ich mein Zimmer.

Der Tag verspricht doch vielleicht an jeder

Ecke eine neue Chance und wer weiss, was ich

heute noch im buchplanet.ch finde, vielleicht

etwas für meine Sammlung!

Doch trotzdem, was vermag ich heute an

positiver Lebensenergie in die Waagschale werfen,

um nicht wieder in das schwarze, depressive

Nichts zurückzufallen? Doch vorerst erblicke

und fühle ich den Beginn eines neuen Tages

und den Gewinn eines weiteren Meters auf meinem

neuen Weg!

‹Glück ist, wenn das pech die anderen trifft.›

Horaz

(Was kümmert's mich wenn auf der Gasse niemand

Stoff findet... Hauptsache mein Dealer

hat noch guten Stoff... Die Polizei tut schon gut

daran die Konsumenten und Dealer zu verhaften,

solange ich ungeschoren Zuhause konsumieren

kann...!) Trotz vieler freundschaftlicher

und professioneller Hilfsangebote und Entwöhnungsversuchen

geriet ich immer tiefer in den

Strudel der Sucht. Nicht einmal der Verlust

(Tod) zweier langjähriger Freundinnen vermochte

mich zur Umkehr zu bewegen. Im Ge­

dank Möbellift räumen

wir wohnungen jetzt noch:

– professioneller

– schneller

– sicherer

informieren sie sich über wohnungsräumungen direkt bei unserem bereichsleiter paul

kappeler, telefon 071 371 29 57 oder 079 817 73 14. wir freuen uns auf ihre anfrage.


DiE iLLUSTRATiON iST AUS DER

PRiVATSAMMLUNG VON M.K.

SiE STAMMT AUS DEM SiMPLiCiSSi-

MUS VOM 10. AUGUST 1915.

genteil, der Schock des Verlustes von meiner

ersten Lebensgefährtin Swetlana trieb mich

ganz in die Arme des falschen Giftglückes!

‹nirGends lieGen GrossartiGe eMpfindunGen

und enttäuschunGen so nahe wie iM deliriuM!›

M.K.

Obwohl ständig gepeinigt von Schuld­ und Versagensängsten,

die sich langfristig in Depressionen

und Panikattacken äusserten, vermied und

verdrängte ich alle Versuche zum Ausstieg!

‹es Gibt nur zwei spezien von Menschen in der

szene, solche, die andere Gnadenlos betrüGen

und solche, die Gnadenlos betroGen werden!›

M.K.

neue zukunftspläne

Als Schnittblumengärtnerin kam ich in

die Gartengruppe. Von Blumensträussen, Jäten,

bunten Rabatten, zu Blumen schneiden war es

für mich eine grosse Herausforderung. Ich

wusste überhaupt nichts über Pflanzen, Bäume,

usw.

Jetzt bin ich schon drei Monate in der Gartengruppe

als Landschaftsgärtnerin tätig. In diesen

drei Monate habe ich schon vieles gemacht,

z.B. diverse Baustellen besucht, Schnee geschaufelt,

das neue Magazin gestrichen, hinter unserer

Werkstatt eine neue Mauer gebaut und vieles

mehr. Ich wollte eine Ausbildung beginnen,

Erst die Verkettung einer ganz perfiden Intrige,

die zu einer polizeilichen Untersuchung und

schliesslich zum Wohnplatzverlust führte, und

die Todesfälle eines Mitbewohners und der damaligen

Freundin Claudia verstärkten den Leidensdruck

so massiv, dass ich mich endgültig zu

einer stationären Therapie entschied. Im Nachhinein

waren es all diese Unglücke, persönlichen

Verluste und extremen Enttäuschungen,

die mich endlich zu dieser Umkehr bewegt

haben. M.k., Mitarbeiter y

M.K. (1971) ist seit April 2011 beim buchplanet.ch mit

einem Arbeitspensum von knapp 40% bis 50% beschäftigt.

Geriet mit knapp 20 Jahren (1990) noch in die Endphase

der Drogenhölle Platzspitz und anschliessend in

das unsägliche Elend des stillgelegten Lettenbahnhofs!

Der alltägliche Wahnsinn und wahre Albtraum der barbarischen

Not und menschlichen Gier (Sucht) ständig

durchdrungen vom Geruch nach Verwesung, Kot und

Urin sowie der süsslich verlockende Duft des Heroins,

beherrscht von raffgierigen Dealern, frustrierten, gewalttätigen

Polizisten und Fahndern zog ihn erbarmungslos

in eine langjährige Abhängigkeit und Verstrickung.

doch merkte bald, dass der Gartenbau nichts

für mich ist. Jedoch der Gartenunterhalt gefällt

mir sehr gut. Die Zusammenarbeit mit den

Gruppenleitern hat mich sehr zufrieden gestellt.

In Zukunft werde ich hauptsächlich im Gartenunterhalt

beschäftigt sein. Ich werde mich auf

das Pflegen von Gärten spezialisieren. Ich hoffe

während der Zeit bei der Gartengruppe viel

Erfahrung zu sammeln und vieles lernen zu dürfen.

Mein Ziel ist es, in die freie Wirtschaft zu

gehen. Doch dieses Ziel wird seine Zeit brauchen,

bis ich mir einen gewissen Grad an Selbstsicherheit

erarbeitet habe. d.G., Mitarbeiterin y

17


Mein wechsel in einen kleinbetrieb

Mein Wechsel in einen

Gossau noch einige gute Gelegenhei­

Kleinbetrieb ist in meiner Ausbilten

dazu zu erhalten.

dung zum Arbeitsagogen vorgese­

Mit mir zusammen sind zwei

hen. Durch einen personellen Eng­

neue Mitarbeiter zum BuchWinWin

pass hat dieser etwas früher als

gestossen. In meinem Beruf ist es

erwartet stattgefunden. Seit dem

wichtig, möglichst detailliert über

2.1.2012 arbeite ich nun im Buch

WinWin in Gossau. Meine Haupt­

MARTiN STUCKi

meine Klienten Bescheid zu wissen.

Da ich bei den neuen Mitarbeitern

aufgaben sind hier, die Vertretung

nicht auf die Erfahrungswerte meiner

der Betriebsleiterin Edla Stuker und die Unter­ Vorgesetzten zurückgreifen kann, ist ein Interstützung

der Mitarbeiter im Laden. Die Buchview die effektivste Methode mehr über die

haltung und die Kassa­Abrechnungen gehören Menschen hinter den «Fällen» zu erfahren. Mit

ebenso zu meinen Aufgaben wie das Erfassen dem Einverständnis der beiden Mitarbeiter

und Auswerten von Statistiken, die Einsatzpla­ habe ich ihnen einige Fragen zu ihrer Person,

nung der Mitarbeiter sowie die Termin­ und ihrem Hintergrund und ihrer Arbeit stellen und

Ferienplanungen.

Die wichtigste Aufgabe überhaupt ist für

mich als Arbeitsagoge die praktische Zusammenarbeit

und die Arbeitsanleitung der Klienten

im Arbeitsalltag. Dazu bieten sich täglich

neue Gelegenheiten. Ich versuche den Mitarbeitern

ein Vorbild zu sein und ihnen mit kleinen

Erfolgserlebnissen die Erreichung ihrer Ziele zu

ermöglichen.

Für die Zeit meines Einsatzes in Gossau

sind noch weitere Ausbildungsziele deklariert

worden. So habe ich hier die Aufgaben im

Bereich Marketing übernehmen dürfen und bin

für unseren Internetauftritt zuständig. Dieser

beinhaltet die Gestaltung der Homepage www.

buchwinwin.ch, das Betreuen des Newsletter­

Systems und des Facebook­Profils. Letzteres ist

seit dem 12. Januar aktiviert. Der erste Buch

WinWin­Newsletter wurde bereits Anfang Februar

verschickt, weitere werden im 2­Monats­

Rhythmus folgen. Für Interessierte kann der

Newsletter auf unserer Homepage oder unserem

Facebook­Profil via Link abonniert werden.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Ausbildung

besteht im Führen von Standortbestimmungsgesprächen

mit den Klienten, dem Erarbeiten

von Förderplanungen und Zielsetzungen,

in Zusammenarbeit mit den einweisenden Stellen.

Ich hoffe im Verlaufe meines Einsatzes in

diese nun auch hier veröffentlichen dürfen.

18

STÉPHANiE GiESE

THOMAS FUHRER


interview von Martin stucki mit thomas fuhrer und stephanie Giese

Erzähle mir etwas, das dein Leben verändert hat...

tf: Bereits 1996/97 haben die Abklärungen für

eine IV­Rente begonnen, diese wurde mir nach

meinem Burnout am 01.08.2003 zugesprochen.

sG: Als ich 14 Jahre alt war wurde ich sexuell

missbraucht. Dies veränderte meine gesamte

Persönlichkeit massgebend. Die Folgen führten

später auch zu einem Abbruch meiner kaufmännischen

Ausbildung.

Wie lange arbeitest du schon im zweiten Arbeitsmarkt?

tf: Im zweiten Arbeitsmarkt bin ich seit meiner

zweijährigen IV­Lehre zum Landschaftsgärtner

EBA im Jahre 2001 tätig.

sG: Das erste Mal 2007, als ich in einer beruflichen

IV­Massnahme zum zweiten Versuch

einer KV­Ausbildung gestartet bin. 2011 habe

ich dann für ein Jahr zurück in den ersten

Arbeitsmarkt gewechselt. Da mir der Druck

dort immer noch zu hoch war, bin ich nun seit

Anfang Januar wieder im zweiten Arbeitsmarkt

tätig.

Wie hast du die Stiftung Tosam und den BuchWin-

Win kennengelernt?

tf: Durch eine Stellenausschreibung im IN­

SOS. Nach erfolgreicher Bewerbung habe ich

im am 01.10.08 im Brockenhaus Degersheim zu

arbeiten begonnen. Im folgenden Jahr wurde

dann der BuchWinWin in Gossau eröffnet. Dieser

befindet sich in meiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Nach einem einjährigen Unterbruch

arbeite ich nun seit dem 02.01.2012 hier.

sG: Die Stiftung habe ich als Kundin vom Win­

Win Markt kennengelernt, den BuchWinWin

erst als ich auf Stellensuche war.

Wie gefällt dir die Arbeit im Buch WinWin auf einer

Skala von 1 (besser ich hätte gar nicht hier angefangen)

bis 10 (mein Traumjob)?

tf: Ich fühle mich sehr wohl hier und kann es

mir gut vorstellen auch künftig hier zu arbeiten.

Daher in etwa eine 8.

sG: 9 – Die Arbeit gefällt mir sehr gut, da sie

nahe am KV ist, was ich immer gerne getan

habe.

Welche Bedeutung haben Bücher in deinem Leben?

tf: Bücher haben einen hohen Stellenwert, da

ich sehr viel lese in meiner Freizeit und das quer

durch alle Sparten.

sG: Bücher haben eine sehr grosse Bedeutung

für mich, ich lese gerne und viel.

Wer sind deine Lieblingsautoren?

tf: Wolfgang Hohlbein, Stephen King, Stieg

Larson, J.R.R. Tolkien (Herr der Ringe), C.S.

Lewis (Die Chroniken von Narnia), Marion

Zimmer Bradley (Die Nebel von Avalon).

sG: Christopher Paulini, Stepheny Meyer, und

viele mehr...

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du

dir für deine Zukunft wünschen?

tf: Da gibt es einiges. Am wichtigsten sind mir

eine gute Arbeitsstelle, eine Lebenspartnerin

und die finanzielle Unabhängigkeit.

sG: Eine Anstellung in einer Buchhandlung.

Was ist dein grösster Traum?

tf: Ich wünsche mir, dass ich gesundheitlich

stabil bleiben kann und keine Rückfälle erleide.

sG: Eine Ausbildung abzuschliessen.

Was müsste sich dazu ändern, damit diese Wünsche

und Träume in Erfüllung gehen?

tf: Ich möchte gerne im Beruf erfolgreich sein

und dort meine Ideen verwirklichen können,

die Gesellschaft sollte weniger kalt und egoistisch

sein und weniger materiell denken. Weiter

wünsche ich mir mehr Akzeptanz gegenüber

Menschen mit psychischen Defiziten. Wir sind

nämlich nicht zu faul zum Arbeiten.

sG: Für mich muss ich eine Stabilität in mein

Leben bekommen, und ich muss lernen,

mit Druck umzugehen. Von der Gesellschaft

wünsche ich mir eine Enttabuisierung im Umgang

mit psychischen Erkrankungen.

Martin stucki, arbeitsaGoGe i.a. y

19


Mein weG...

Mein Weg in der Stiftung Tosam

begann im Brockenhaus in Degersheim. Dort

wurde ich schnell im Mitarbeiterteam aufgenommen.

Claes, der schon am längsten im Brocki

mit den Büchern und Gemälden beschäftigt

ist, führte mich in die Bücherabteilung im obersten

Stockwerk ein. Zur Bücherabteilung gehören

alle Arten von Büchern mit unendlich verschiedenen

Themen für Jung und Älter.

Musik­ und Hörspiel­CDs, Kassetten, Schellack­

und Vinylplatten für Sammler, viele

Videos und einige DVDs werden in der Medien­

Ecke im Laden ausgestellt und verkauft.

Die Kunden haben die Möglichkeit, Bücher

und Medien zu reservieren. Sie geben uns einen

Buchtitel an und eventuell einen Autornamen

dazu. Dies wird in einer Liste notiert und der

Kunde wird nach Auffinden dessen, per Telefonanruf

oder Email kontaktiert. Diese Methode

führte zu einigen Erfolgen, selbst im Hinblick

auf ganz neue Bücherexemplare!

Sehr spannend fand ich meist die Abgaben

von höchst interessanten antiken Büchern und

Bildern. Ein Buch stammte sogar aus dem 17.

Jahrhundert. Einige dieser Exemplare waren oft

in besserem Zustand als unsere neuzeitigen, mit

offenbar nicht so guter Papierqualität. Auch die

antike Schrift mit ihrer alten Sprache – rundum

ein Metier in dem ich mich sehr wohl fühlte.

Gemälde, Bilder, leere Holzrahmen und Spiegel

wurden ins Brockenhaus gebracht und vom

Fünfzigrappenstück bis hoch hinaus für ein paar

Hundert wieder verkauft. Es gab kaum Ladenhüter.

Ladendekoration war unter anderem meine

Leibspeise, äh Lieblingsbeschäftigung!

Dekorationen von neuen Thementischen

oder Aktionen, Neueingängen und Bücherregalinstandhaltung

sprich: neue Themen

erfinden, einfachere Beschreibungen für

die Kunden, ordentliches Aussehen der

Reihen und der Kinderecke und so weiter.

In der Sortierung befreite ich die Objekte

von Staub und Schmutz und entfernte per­

sönliche Eintragungen in

Büchern, auf Dosen und ähnlichem.

Zudem gehörten in diesen

Bereich auch Büro­, Bastel­ und

Dekormaterialien. Kleinteilchen

wurden sortiert, eingetütet, nach

Preisliste angeschrieben und ab

in den Verkauf gebracht.

Zusammen mit dem Haushalts­

und Kleiderteam waren wir

ein eingespieltes Gespann im oberen

Stock.

Mein Wunsch nach einer

Zweitausbildung als Sozialbegleiterin

entstand allmählich, als mir

bewusst wurde, dass mich das Schaffen mit

materiellen Dingen nicht mehr ausfüllte.

Ich möchte den Menschen auf ihren schwierigen

Wegen behilflich sein. Ihnen zuhören, um

ihre Lebensituation kennenzulernen. Versuchen,

sie zu trösten, wenn sie glauben, es ginge

für sie nicht weiter oder meinen, sich in einer

Sackgasse zu befinden. Mit Rat zur Seite stehen,

wenn sie bereit sind, Hilfe anzunehmen.

Ängste angehen, Ängstlichen Mut machen,

um weiter zu gehen und vorwärts zu schauen.

Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, wie es weiter

gehen könnte. Unterstützung bieten und begleiten,

um Angst abzubauen. Betroffene schützen

vor Gefahren im Alltag, in Familien oder vor

sich selbst. Interessierten etwas beibringen, oder

lehren. Sie führen in neue oder veränderte

Lebenssituationen.

So schnupperte ich im WinVita in Herisau

– auch Stiftung Tosam – gleich drauf los, in

20

20


einem völlig neuen Berufsfeld! Die Jugend lichen

und jungen Erwachsenen, akzeptierten mich in

kurzer Zeit und begrüssten mich in ihrem Team.

Da Büroarbeiten auch ein Teil des Berufes ausmachen,

waren meine schriftlichen Aktivitäten

bisher: Einladungen und Dankesbriefe schreiben,

Protokoll, Spenden­ und Begleitschreiben

verfassen. Den jungen Stellensuchenden mit

Lehrstellen­ und Schnupperbewerbungsschreiben

helfen. Noch während meiner Schnupperwoche

durfte ich in Zusammenarbeit mit einem

Mitarbeiter ein Malerprojekt umsetzen. Zuerst

die Projektbesprechung, dann unternahmen

Jérôme und ich einen Stadtwechsel für die Materialbeschaffung

in einigen Hobbyläden. Zurück

im WinVita, wird abgedeckt und abgeklebt, wo

gemalt werden soll und dann geht’s los mit der

schönen hellen blauen Farbe. Mit Spass an der

Freude und fleissigen Helferinnen und Helfer

wird die Tiefkühlerecke im Laden bepinselt.

Zur Begeisterung der zufriedenen Kunden. Mit

einem Spontaneinfall von Jérôme entsteht das

Markenzeichen von unserem Laden, der Schriftzug

WINVITA auf blauem Grund. 3D Kartonbuchstaben

mattschwarz lackiert und mit weissem

Fadenspray besprüht.

Die dekorfreudigen Bastlerinnen, Gentijana,

Mevlyde und Jill, meldeten sich für das

Herbstprojekt. Erst hielt sich die Euphorie zwar

in Grenzen, aber dann, als es darum ging,

die einzelnen Blätter für den Baum aus dem

farbigen Spezialpapier abzuzeichnen und auszuschneiden,

machte sich Motivation sichtbar.

Auf einmal glitzerte der ganze Werktisch der

jungen Damen herrlich.

Die künstlichen Blätter für die Wand wurden

mit Glitter präpariert und mit Haarspray

fixiert. Jetzt konnten diese so montiert werden,

dass sie an dem braunen Baumstamm aus Wellkarton

eine Baumkrone ergaben. Nun erstrahlte

unser Café in einer warmen Herbststimmung.

So erfinderisch vermuteten sich die Mädels

selbst nicht. Sie haben das SUPER gemacht!

Nun strebe ich noch ein Praktikum ausserhalb

der Stiftung Tosam an. Um weitere Einblicke

für die soziale Tätigkeit zu erhalten. Mein

Ziel ist es, die Schule für Soziale Begleitung

absolvieren zu können.

julia schMitzdorf, praktikantin y

aGenda

ab samstag, 14. april:

wochenmarkt herisau

ab donnerstag, 19. april:

wochenmarkt Gossau

samstag, 5. Mai und

sonntag, 6. Mai,

jeweils von 11 bis 17 uhr:

kräutertage auf dem hof

baldenwil

donnerstag, 31. Mai, 19.00 uhr:

‹schrott ist nicht gleich schrott!›

Vortrag und Konzert

Mittwoch, 1. august:

1.-august-brunch auf dem hof

baldenwil

21


sicherheitstraininG

winterthur

Am 16.11.2011 besuchten einige Mitarbeiter

und Bewohner von der Stiftung Tosam

und von der Dreischiibe die Sicherheitsarena in

Winterthur, um an einer Sicherheitsschulung

teilzunehmen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir gemeinsam

nach Winterthur, wo wir zuerst eine kleine

Einschulung über Aggressionen und Gewalt

hatten. Danach durften wir rüber in die «Bronx»,

welches ein nachgestellter dunkler und verwinkelter

Stadtteil inklusive einem kleinen Bahnhof

ist, um einen ersten Probelauf durchzuführen.

Jeder musste einzeln durch diese Bronx marschieren

und wurde von einem Mann überrascht,

welcher eine Provokation mit uns simulierte.

Um unsere Reaktion später zu werten,

wurden wir dabei gefilmt. Nachdem jeder einen

Durchgang gemacht hatte, gingen wir zurück in

den Schulungsraum und schauten unsere Aufzeichnungen

gemeinsam an. Erst dann haben

wir gelernt, wie man mit dieser Situation korrekt

umgeht:

y Augenkontakt möglichst vermeiden.

y Bei Provokation keine Gespräche mit der

Person eingehen.

y Beim Vorbeigehen genügend Sicherheitsabstand

zur Person.

y Nicht stehenbleiben sondern zügig weiterlaufen.

y Wenn man an der Person vorbei gelaufen

ist, immer einen Blick zurückwerfen. –

Werde ich verfolgt von der Person?

y Beim Öffnen von Türen der provozierenden

Person nie den Rücken zukehren.

Ausserdem lernten wir noch, wie wir uns verhalten

müssen, wenn uns eine Person angreifen

will. Dazu gingen wir alle gemeinsam wieder in

die Bronx, wo die beiden Leiter es uns vormachten.

Der eine Leiter versuchte die Leiterin

anzugreifen und sie erklärte uns zugleich wie

man vorgehen muss. Das Wichtigste dabei ist

natürlich wieder das Einhalten des Sicherheits­

22

abstandes ausserhalb vom Gefahrenbereich,

welcher ca. 1,50 m beträgt. Ebenfalls sollte man

darauf achten, dass man mit der angreifenden

Person stets kurz, laut und deutlich spricht, mit

markanten Worten bzw. Sätzen wie z.B.

«STOPP!», oder «ICH WILL NICHT, DASS

SIE NÄHER KOMMEN!». Ausserdem soll

man sich mit einer korrekten Handstellung zusätzlich

schützen. Dazu hebt man die rechte

Hand fast ausgestreckt vor das Gesicht, um allfällige

Schläge oder ähnliches vom Gesicht abwehren

zu können. Die linke Hand hebt man

ein bisschen weniger weit nach oben, etwa so,

dass sie gerade in Höhe des Brustkorbes ist.

Diese Handstellung behält man bei und achtet

darauf, dass man den Sicherheitsabstand stets

einhält, auch wenn die angreifende Person

näher kommt. Wir übten diese Vorgänge alle

zusammen in einer Reihe und die Trainer

kamen bei jedem vorbei, um zu kontrollieren

und allenfalls zu korrigieren. Anschliessend

durfte jeder, der Lust hatte nun mit einem der

Leiter vor allen anderen das Rollenspiel vorzeigen.

Der Leiter pöbelte uns an und versuchte

uns anzugreifen und wir konnten die gelernte

Technik anwenden. Natürlich geschah bei diesem

Sicherheitstraining alles völlig ohne Körperkontakt.

Nur laut durften wir werden, oder

besser gesagt, wir mussten laut werden und

schreien, weil dies zu den Abwehrmechanismen

gehört.

Alles in allem war es ein ziemlich hilfreiches

Training. Hauptsächlich die Männer lernten,

dass es auch noch andere Methoden gibt, als

einfach gleich zu schlagen, und die Frauen lernten

wie sie sich überhaupt wehren können,

wenn sie angegriffen werden. Und vor allem

lernten wir, dass man bei solchen Situationen

keinesfalls ängstlich wirken soll, was bei den

Frauen noch oft der Fall ist. Jedenfalls nahmen

wir viele gute Erfahrungen mit und es hat uns

Spass bereitet!

nina konijcija, Mitarbeiterin

djafar aissaoui, Mitarbeiter y


eine verdrehte karriere;

voM bereichsleiter zuM azubi

Es sind mittlerweile zweieinhalb

Jahre vergangen seit meinem

letzten Arbeitstag im Brockenhaus

Flawil. Nun bin ich wieder zurück

bei den Anfängen meiner «Tosamkarriere».

2004 startete ich diese als

Praktikant beim Hof Baldenwil,

damals noch unter dem Namen

Therapeutische Gemeinschaft Baldenwil.

Neun Monate dauerte mein Praktikumseinsatz

in Baldenwil bis ich anschliessend

als Zivildienstleistender für ein halbes Jahr ins

Brockenhaus Flawil wechselte. Danach ging es

auf einmal vorwärts in meiner Karriere. Der

damalige Bereichsleiter Heiner Wyrsch verliess

die Stiftung. Martin Grob und der Betriebsleiter

des Brockenhaus Flawil Renato Ferri durchlöcherten

meinen Zukunftsplan, stellten fest,

dass dieser noch nicht sehr konkret war und

boten mir die Stelle des Bereichsleiters an. So

trat ich 2006 meine erste Festanstellung im Brockenhaus

Flawil an. Fast vier Jahre organisierte

ich sämtliche Transporte und Räumungen für

das Brockenhaus Flawil. Ich erlebte viele schöne

und lehrreiche, aber auch einige aufreibende

Momente. Ich durfte viele Erfahrungen im

Bereich des Transport­ und Entsorgungswesen

sammeln und konnte durch den regelmässigen

Austausch mit der damaligen Stammkundschaft

des Raritätenladens Tutto Retro, einem Zweigbetrieb

des «alten» Brockenhaus Flawil, meinen

Blick für Sammlerstücke und Antiquitäten schulen.

Zu den Mitarbeitenden hatte ich ein sehr

gutes Verhältnis. Ich versuchte ihnen gegenüber

stets wertfrei zu bleiben, Ressourcen zu erkennen

und zu fördern und ihren individuellen

Bedürfnissen gerecht zu werden. Doch das

äussern von Kritik oder jeweils Grenzen zu setzen,

fiel mir damals nicht leicht.

Doch gerade diese Erfahrung, sowie das

persönliche Bedürfnis nach mehr fachlichem

Wissen, bewegten mich zum Schritt, das Studium

der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule

St.Gallen anzugehen. Für mich, als mitt­

SiLViO ODONi

lerweile zweifacher Familienvater,

bedeutete der Start des Studiums

vor allem eine finanzielle Herausforderung.

Martin Grob und die

jeweiligen Betriebsleiter boten mir

jedoch Unterstützung an, in dem

ich als Auszubildender in einem

Teilzeitpensum weiterhin in der

Stiftung arbeiten durfte. Keine

Selbstverständlichkeit in Anbetracht, dass mein

Lohn auf Kosten der einzelnen Betriebsbudgets

verteilt wird.

Auch im Brockenhaus Flawil zeichneten

sich Veränderungen ab. Kurz vor meinem Entscheid,

ins Studentendasein überzutreten, verliess

der damalige Betriebsleiter Renato Ferri

die Stiftung. Ein neuer Leiter musste also die

Zügel übernehmen. Kurz vor Antritt des neuen

Betriebsleiters Hugo Strassmann bestand ich

die Aufnahmeprüfungen zum Studium, was

meinen Abgang als Bereichsleiter besiegelte.

Hugo Strassmann arbeitete somit nur kurz mit

mir zusammen. Werner König übernahm meine

Stelle als Bereichsleiter. Den beiden stand bereits

eine grosse Herausforderung bevor. Die Habis

AG, Vermieterin der Brocki­Lokalitäten, hatte

vor, die Räumlichkeiten anderweitig zu nutzen.

Man fand innerhalb des Habis­Areals zwar passenden

Ersatz, jedoch auf wesentlich kleinerer

Fläche. Dies bedeutete leider auch das Ende des

Tutto Retro.

Seit meinem Studienbeginn drehe ich nun

meine Tour durch die Stiftung. So arbeitete ich

anfangs neun Monate im Brockenhaus Degersheim,

anschliessend ein Jahr im WinWin­Markt

und nun, nach einem halbjährigen externen

Praktikum bei der Stiftung Suchthilfe in St.Gallen,

wieder im Brockenhaus Flawil. Somit

schliesst sich für mich wieder der Kreis. Ich bin

nun wieder bei meinen Anfängen und als Praktikant

im «neuen» Brockenhaus Flawil angelangt.

Vieles hat sich verändert, doch konnte ich

in dieser Zeit auch Spuren hinterlassen. So freut

es mich immer wieder aufs Neue, dass das in

23


aufwendiger Handarbeit gestaltete Willkommensschild

im Brocki Flawil erhalten geblieben

ist oder dass die Kräuterschnecke, welche ich

mit den damaligen Bewohnern des Hof Baldenwil

erstellt habe, noch immer steht.

Diese Tosam­Tour ermöglicht mir Einblicke

in die einzelnen Betriebe, welche nur wenige

Personen erhalten. Durch die entstandenen

Beziehungen mit den verschiedenen Betriebs­

und Bereichsleitern fällt mir eine konstruktive

eine reise durch die statistiken

des buchplanet.ch

Meine Liebe gilt den

Buchstaben und den Wörtern,

meine Abneigung den Zahlen

und Rechnungen. Als «Herrin

über 21’000 Bücher» (O­Ton

Hugo Strassmann, Betriebsleiter

Brockenhaus Flawil) wird meine

Leidenschaft für die Buchstaben

tagtäglich stärker.

Doch auch Zahlen, Rechnungen

und Berechnungen gehören zu meinem

Arbeitsalltag. Ich nehme Sie deshalb mit auf

eine kurze Reise durch die Statistiken des buchplanet.ch

erster halt: unser angebot

Heute, am 20. Februar 2012, kann man auf

www.buchplanet.ch 21’134 gebrauchte Bücher

erstehen. Natürlich schwankt diese Zahl ständig,

denn es werden Bücher gekauft und wir

erweitern unser Sortiment beständig.

Ein sehr grosses Angebot haben wir in den

Rubriken: Antik & Rar (3396 Bücher), Krimis,

Thriller, Horror & Spionage (2075 Bücher),

Schicksal & Liebe (1866 Bücher).

Ein kleines – fast schon peinliches – Angebot

haben wir in den Rubriken: Heimwerken

(41 Bücher), Kindersachbücher (44 Bücher),

24

SARA GROB

Zusammenarbeit wesentlich leichter. Dadurch

habe ich die Möglichkeit, die Zusammenarbeit

unter den einzelnen Betrieben zu fördern.

Ich bin allen Beteiligten der Stiftung Tosam

dankbar, dass man mir und meiner Familie

während meiner ganzen Studienzeit die Stange

hält. Ich darf nun selbst erfahren was es

be deutet, wenn man für individuelle Probleme

individuelle Lösungen findet.

silvio odoni, sozialarbeiter i.a. y

Comics (79 Bücher). Die Rubrik

Kindersach bücher ist noch eher

klein, weil wir sie erst im November

2011 ins Leben gerufen haben. Wir

würden gerne mehr Bücher zum

Thema Heimwerken und Comics

anbieten, jedoch erhalten wir nur

sehr wenige Bücher dieser Sparten.

zweiter halt:

das Geschlechterverhältnis

Im buchplanet.ch arbeiten insgesamt zwölf Personen,

diese zwölf Personen setzen sich zusammen

aus drei Frauen (25%) und neun Männern

(75%). Bei unseren Kunden setzen sich die Geschlechter

genau gegenteilig zusammen. In unserer

Kundendatenbank befinden sich 1042

(55,9%) Frauen und 699 Männer (37,5%).

Wir dürfen auch 21 Familien und 19 Firmen zu

unseren Kunden zählen.

84 Personen (4,5%) werden in unserer

Statistik als «Sonstige / Andere» geführt. Am

Anfang war es noch möglich das Feld für die

Anrede leer zu lassen. Diese Kunden kamen

dann in die Kundengruppe «Sonstige / Andere».

dritter halt: wohin wir liefern

Zur Stadt Zürich habe ich einen grossen persön­


lichen Bezug. Es freut mich deshalb ausserordentlich,

dass die Stadt Zürich unsere grösste

Kundengruppe stellt, nämlich 116 Personen.

Wenn man unsere Kunden nach Kantonen

gruppiert, hat der Kanton Zürich die Nase weit

vorne: 366 Personen unseres Kundenstamms

wohnen im Kanton Zürich. Aus dem Kanton

St.Gallen haben wir 266 Kunden, also genau

100 weniger als aus dem Kanton Zürich. Dicht

nach St.Gallen kommt der Kanton Bern mit 237

Kunden bei buchplanet.ch. Komischerweise

konnten wir aus dem Kanton Nidwalden bisher

nur einen Kunden gewinnen. Sollten wir vielleicht

einmal in einer Nidwaldner Regionalzeitung

ein Inserat schalten? Oder haben die

Nidwaldner Lesefüchse kein Interesse an uns,

weil sie durch das Antiquariat von Matt so gut

bedient werden? Seit dem 5. Oktober 2011 beliefern

wir auch Deutschland und Österreich

mit gebrauchten Büchern. Bereits 4,3% unserer

Pakete wurden nach Deutschland geliefert.

vierter halt: was wir liefern

Seit dem 1. November 2010 konnten wir 6768

Bücher an zufriedene Kunden liefern. Auf Platz

1 ist die Rubrik Krimis, Thriller, Horror & Spionage

mit 766 verkauften Büchern. Antik & Rar

belegt den zweiten Platz mit 706 verkauften

Büchern. Auf Platz drei folgt die Rubrik

Schweizer Kultur & Geschichte mit 428 verkauften

Büchern. Im Februar 2012 durften wir eine

wunderbare Überraschung erleben. Eine bekannte

Restaurantkette aus Zürich bestellte 120

Bücher bei uns (Gesamtwert über CHF 700.–!).

Auf unser Nachfragen wurde uns mitgeteilt,

dass die Bücher zur Dekoration eines Restaurants

verwendet werden. Natürlich konnten wir

nicht ein Paket mit 120 Büchern machen, das

wäre viel zu schwer gewesen. Wir teilten die

Bücher deshalb auf fünf Pakete auf.

fünfter halt: wie viel wir liefern

Seit dem 1. November 2012 konnten wir 1937

Bestellungen mit gebrauchten Büchern bearbeiten.

Durchschnittlich versenden wir pro Tag

sechs Pakete mit insgesamt etwa 30 Büchern.

Unser Postwagen ist ein sehr guter Indikator für

uns, um zu sehen, ob wir uns auch wirklich am

Steigern sind. In unseren Anfangstagen konnten

wir die Bestellungen problemlos mit zwei Migros­Papiersäcken

zur Post bringen. Jetzt sind wir

so weit, dass wir eigentlich täglich mit dem

grossen Postwagen zur Post müssen. Obwohl es

jetzt natürlich anstrengender ist, zur Post zu

gehen, sind wir total begeistert über diese

Entwicklung!

sechster halt: zukunftsvisionen

Unser Angebot wird noch grösser und vielfältiger

sein. Durch schöne Zufälle werden wir

sehr rare und wertvolle Bücher erhalten, die unser

Angebot aufwerten und unseren Umsatz

steigern werden. Zusätzlich werden wir Unmengen

an Comics, Graphic Novels und Mangas im

Angebot haben. Das Geschlechterverhältnis

wird sich nicht gross vom heutigen unterscheiden.

Aber natürlich werden wir viel mehr Personen

als jetzt in unserer Kundendatenbank haben

und auch viel mehr Mitarbeiter benötigen.

om Kanton Nidwalden werden wir viele Bestellungen

erhalten und zwar ohne grosse Anstrengungen

von uns, sondern einzig durch die gute

Mundpropaganda. Alle unsere Rubriken werden

sehr gut laufen, jede Rubrik wird über 1000

verkaufte Bücher haben. Jeden Monat werden

wir mindestens eine Grossbestellung erhalten

(z.B. von Bibliotheken, Schulen, Restaurantketten,

Hotels, Altersheimen...). Weil unser Postwagen

zu klein sein wird, um die tägliche Bestellmenge

zu verarbeiten, wird der mühsame

Gang zur Post für uns wegfallen. Die Post wird

nämlich täglich bei uns vorbeikommen und alle

Pakete abholen. Weil wir so viele Pakete haben

werden, wird sich das für die Post auch lohnen.

«Bitte alle aussteigen, die Reise endet hier...

Ich hoffe, sie genossen die Reise durch die Statistiken

des buchplanet.ch und kehren mit tollen

Erinnerungen nach Hause zurück. Und vergessen

Sie nicht: Gebrauchte Bücher gibt’s bei

www.buchplanet.ch!»

sara Grob, bereichsleiterin M.b.a. y

25


Mein beruflicher werdeGanG

Ich heisse Kim Hauck, bin

21 Jahre alt und gelernter Maurer.

Meine Lehre habe ich im Alter

von 16 begonnen und als ich 19

Jahre alt war abgeschlossen. Diese

Ausbildung war anstrengend und

anspruchsvoll. Ich konnte diese

Ausbildung leider nie geniessen,

da ich einen schwierigen Lehrmeister

hatte und der Beruf, sprich der Umgang

auf der Baustelle mir nicht zusagte.

Nach der Ausbildung habe ich das Militär

begonnen, aber abgebrochen, da ich gegen diese

Ausbildung war und es für mich nicht sinnvoll

war. Dann wurde ich zum Zivildienst zugelassen

und durfte das Militär abbrechen. In dieser

Arbeit sah ich viel mehr Sinn, so konnte ich

meiner Umwelt und meinem Umfeld etwas

Gutes tun. Ich half dann noch zwei Monate

einem Freund bei einer Hausrenovation. Gleichzeitig

musste ich meine berufliche Zukunft festigen.

Zuerst wusste ich nicht was ich machen

soll. Aber dann hat mir meine Mutter ein Praktikum

im sozialen Bereich vorgeschlagen.

Damals sagte ich meiner Mutter, dass ich noch

die handwerkliche Arbeit brauche und nicht ein

Bürogummi werden will. Ich kannte den sozialen

Bereich noch gar nicht, stiess aber dann im

Internet auf den Hof Baldenwil, bei dem ich

mich dann beworben habe.

Nach dem Vorstellungsgespräch war klar,

dass ich im Februar 2010 mit dem Halbjahrespraktikum

im Bereich Landwirtschaft anfangen

kann. An meinen ersten Tag im Hof Baldenwil

kann ich mich noch gut erinnern. Ich wurde

durch den Hof geführt, habe viele Informationen

bekommen und fiel fast aus den Wolken.

Warum? Ich kannte so einen Umgang im Team

gar nicht. Im Hof Baldenwil gehen alle stets

freundlich und respektvoll miteinander um.

Meine erste berufliche Erfahrung sah ganz

anders aus. In meiner Ausbildung wurde ich

angeschrien und beflucht. Es wurde keine Rücksicht

auf meine Entwicklung im Alter von 16

26

KiM HAUCK

Jahren genommen. Ich musste einfach

funktionieren. Auf einmal arbeitete

ich an einem Ort, bei dem alles

das ziemlich genaue Gegenteil ist:

Alle sind freundlich zueinander. Ich

hatte mit meinem Praktikumsleiter

Jacques Cottier jeden Monat Gespräche

über meine Situation bei der

Arbeit und meine soziale Entwicklung.

Dies hatte ich nicht einmal in der Lehre.

Durch Jacques Cottier, damaliger Bereichsleiter

Landwirtschaft, habe ich mich weiterentwickelt

und viele neue Erfahrungen gemacht.

Die Arbeit im Hof Baldenwil mit den Tieren

und auch die Lage vom Hof ist super. Durch

diese Erfahrung wurde mir klar, dass ich eine

Ausbildung im sozialen Bereich machen will.

Ich wusste nicht, was es für Ausbildungen im

sozialen Bereich gibt. Urs Stuker, der Betriebsleiter

vom Hof Baldenwil, hat mir dann vorgeschlagen,

am besten sei es eine Ausbildung zum

Sozialpädagogen zu machen.

Als das halbe Jahr vorbei war, konnte ich

nochmals um ein halbes Jahr verlängern, da sie

noch einen Praktikanten suchten und ich ein

Jahr Vorpraktikum für die Ausbildung zum

Sozialpädagogen brauchte. Also habe ich verlängert

und konnte nochmals ein halbes Jahr

Erfahrungen sammeln und von ganzen Team im

Hof Baldenwil viel lernen. Der Betriebsleiter

Urs Stuker hat mich dann gefragt, ob ich noch

immer Interesse hätte an einer Ausbildung zum

Sozialpädagogen. Ich sagte natürlich sofort zu.

Er hat sozusagen für mich gekämpft und mit

Martin Grob für mich noch einen Ausbildungsplatz

organisiert, obwohl schon alle Ausbildungsplätze

besetzt waren. Also ging ich an die

Anmeldung und Prüfungen für den Sozialpädagogen

an der Agogis, nachdem der Vorstand

der Stiftung Tosam meinen Ausbildungsplatz

bewilligt hatte.

Leider habe ich diese nicht bestanden und

zuerst war ich sehr enttäuscht. Eigentlich aber

wollte ich schon immer mit den Menschen


arbeiten und nicht in einem Wohnheim die

Bewohner betreuen. So kam ich dann auf den

Arbeitsagogen. Martin Grob gab mir noch die

Chance, dass ich mich bei einer Schule für den

Arbeitsagogen anmelden konnte. Sie haben

mich dann aufgenommen und so wurde klar,

dass ich nun die Ausbildung zum Arbeitsagogen

mache. Während diesem ganzen Prozess machte

ich noch einen halbjährigen Zivildiensteinsatz

im Brockenhaus Flawil und anschliessend noch

ein halbes Jahr Praktikum im Brockenhaus

Degersheim. Sozusagen als Überbrückung bis

die Ausbildung im Januar startet.

Nun habe ich diesen Januar meine Ausbildung

gestartet im Brockenhaus Degersheim

und ging das erste Mal in die Schule. Durch diesen

ganzen beruflichen Werdegang merkte ich

auch, wie aus etwas vermeintlich Schlechtem

etwas Gutes werden kann, solange man nicht

aufgibt. Ich bin nun in der Ausbildung zu einem

Beruf, der mir gefällt und den ich bestimmt

lange ausüben werde.

Ich will damit auch allen danken, die mich

unterstützt haben, mir geholfen haben, dass ich

meine Ausbildung bekomme und mir bei meinem

beruflichen Werdegang geholfen haben,

der mich auch als Person verändert hat. Danke!

kiM hauck, arbeitsaGoGe i.a. y

27


Adressen und Öffnungszeiten

WinWin-Markt Herisau

Cilanderstrasse 17, 9100 Herisau,

Tel. 071 351 79 01, winwinmarkt@tosam.ch,

www.winwinmarkt.ch

Läden: Cilanderstrasse und GIZ-Hölzli

Montag – Freitag 9.00 –12.00 Uhr

13.30 –18.00 Uhr

Samstag 9.00 –17.00 Uhr

Café Montag – Freitag 8.00 –18.00 Uhr

Samstag 8.00 –17.00 Uhr

Entsorgungsstelle / Recycling

Montag – Freitag 8.00 –12.00 Uhr

13.00 –18.00 Uhr

Samstag 8.00 –17.00 Uhr

Brockenhaus Degersheim

inkl. Cafeteria und easydrive

Taastrasse 11, 9113 Degersheim,

Tel. 071 371 29 57,

brockidegersheim@tosam.ch

www.brockidegersheim.ch

(Büro: Dienstag – Samstag)

Mittwoch – Freitag 14.00 –18.00 Uhr

Samstag 9.00 –16.00 Uhr

Brockenhaus Flawil

Waldau 1 / Habis-Center, 9230 Flawil,

Tel. 071 393 60 07, brockiflawil@tosam.ch,

www.brockiflawil.ch

(Büro: Dienstag–Samstag)

Mittwoch – Freitag 9.00 –12.00 Uhr

14.00 –18.00 Uhr

Samstag 9.00 –16.00 Uhr

Hof Baldenwil

Baldenwil 2599, 9112 Schachen b. Herisau,

Tel. 071 370 04 11, hofbaldenwil@tosam.ch,

www.hofbaldenwil.ch

Buch WinWin Gossau

St.Gallerstrasse 12, 9200 Gossau,

Tel. 071 383 41 57, buchwinwin@tosam.ch,

www.buchwinwin.ch

Laden + Bistro:

Montag 13.30 –18.30 Uhr

Dienstag – Donnerstag 9.00 –12.00 Uhr

13.30 –18.30 Uhr

Freitag 9.00 –12.00 Uhr

13.30 –20.00 Uhr

Samstag 9.00 –16.00 Uhr

buchplanet.ch

Tel. 071 393 41 71,

info@buchplanet.ch

www.buchplanet.ch

Montag – Freitag 8.00 –12.00 Uhr

13.30 –18.00 Uhr

WinVita

Melonenstrasse 5, 9100 Herisau,

Tel. 071 352 45 27, winvita@tosam.ch,

www.winvita.ch

Montag – Freitag 10.00 –18.00 Uhr

Samstag 9.00 –13.00 Uhr

easydrive Gossau

ein Entsorgungsfachmarkt des ZAB

Bahnhofareal Ost, 9200 Gossau,

Tel. 071 388 43 43,

easydrivegossau@tosam.ch

Dienstag 10.00 –16.00 Uhr

Mittwoch – Freitag 10.00 –18.00 Uhr

Samstag 9.00 –17.00 Uhr

Gartengruppe Herisau

St.Gallerstrasse 63a, 9100 Herisau,

Tel. 071 351 72 66, gartengruppe@tosam.ch,

www.gartengruppe.ch

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