schalom 01.2013 - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

oeig.at

schalom 01.2013 - Österreichisch-Israelische Gesellschaft

schalom

45. Jahrgang • 1/2013 € 3.-

Erscheinungsort Wien • Verlagspostamt 1080 Wien P.b.b. • GZ 02 Z 031415M

Österreichisch-Israelische Gesellschaft


schalom

Inge Dalma

Chefredakteurin

„J’accuse“ kann man dieser Ausgabe von

schalom“ als Inhaltsangabe voranstellen.

Emile Zola hatte Ende des 19. Jahrhunderts

seinen Staatspräsidenten Felix

Faure in einer Streitschrift angeklagt,

im Prozess gegen den jüdischen Hauptmann

Alfred Dreyfuss, dessen rechtswidrige

Verurteilung politisch zu unterstützen.

Der Aufschrei ging um die

Welt und hat Aufnahme in das internationale

Politvokabular gefunden.

Die österreichisch-israelische Gesellschaft

klagt in mehrfacher Hinsicht die

österreichische, wie die internationale

Politik an, gegen Israel Stimmung zu

machen und Argumenten verschlossen

zu bleiben.

Dieser Vorwurf kommt im Leitartikel

unseres neu gewählten Präsidenten Richard

Schmitz federführend zum Ausdruck

(Seite 4) - hier lesen Sie auch über

das Ergebnis unserer Generalversammlung.

Da dieser schwierige Geburtswehen

vorangingen, bitten wir einmal

mehr um Verständnis für die verspätete

Drucklegung dieser Ausgabe.

Über „Blaue Zionisten und Rote Antisemiten“

- wobei die Farben österreichischer

Parteien gemeint sind - empört

sich Daniel Kapp auf Seite 5 - sein

Kommentar ist bereits in der Tageszeitung

„Die Presse“ erschienen.

Aufklärung über das vermeintliche

„Weltfriedenshindernis Israel“ bietet

Chava Gurion unter dem Titel „Zeichen

des Himmels“ auf den Seiten 6 bis 8.

Mit der haarsträubenden verbalen Entgleisung

des türkischen Ministerpräsidenten

Erdogan befasst sich die Seite 9,

eine diesbezügliche Presseaussendung

der ÖIG wird hier zur Kenntnis gebracht.

Seltenheitswert hat die Beurteilung des

Ausgangs der Wahlen in Israel aus Sicht

eines arabisch-israelischen Analytikers:

Ziad Abu-Habla, Seite 10. Die Regierungsbildung

wurde vor Drucklegung dieser

Zeitschrift um zwei Wochen verlängert,

das konnten wir nicht abwarten - unser

Korrespondent Ulrich Sahm erklärt,

warum die Koalitionsverhandlungen

bisher geplatzt sind.

Über Folter-Verleumdung und Entführungsversuche

an israelischen Soldaten

lesen Sie auf Seite 12, wie ein israelischer

Arzt für einen palästinensischen

Steinewerfer sein Leben riskierte auf

Seite 20.

Zahlreiche hoffnungstragende Aktivitäten,

die jenseits der allgemeinen Wahrnehmungsbereiche

liegen, von uns unter

„peace in progress“ für unsere Leserinnen

und Leser gesammelt, finden Sie

in dieser Ausgabe ebenso, wie Berichte

über Wirtschaft und Kultur.

Für das bevorstehende Pessach-Fest

wie für die Osterfeiertage wünschen

wir unserer Leserschaft Freude und

Entspannung,

ein herzliches SHALOM,

Ihre

Beziehungen Bilden und Brücken Bauen

Helfen Sie mit Ihrer Mitgliedschaft, die kulturellen, politischen, wirschaftlichen

und sozialen Verhältnisse in Israel der Öffentlichkeit näher zu bringen.

http://www.oeig.at/mitgliedschaft8

Jährlicher Mitgliedsbeitrag € 30.-

SeniorIn € 22.-/StudentIn, SchülerIn, Lehrling € 5.-

In dIeSer auSgabe:

editorial 3

Leitartikel 4

POLITIK

danIeL KaPP

Verkehrte Welt 5

ChaVa gurIOn

Zeichen des himmels 6

uLrICh W. Sahm

der Krieg mit toten Kindern 8

erdogan vergleicht Zionismus mit Faschismus 9

ZIad abu-habLa

Immer noch die gleichen araber 10

nOam KrIeger

allgegenwärtige palästinensische

gewaltbereitschaft 11

Zunahme von entführungsversuchen 12

ron Prosor über die „hisbollah“ 13

Oxford-Studenten gegen Israel-boykott 14

eu ruft zum boykott gegen Israel auf 15

uLrICh W. Sahm

Kopfloses Israel - oder jetzt doch regierung 16

PeaCe In PrOgreSS

amaL aL-haZZanI

Kenne deinen Feind 17

uLrICh W. Sahm

Palästinensische Flüchtlinge unerwünscht 18

Statt raketen - gemeinsame Landwirtschaft 19

hebräisch im gazastreifen 20

gazastreifen im wirtschaftlichen austausch 21

arabische und jüdische Kleinunternehmer 22

WIrTSChaFT

Innovatives 23

Junge araber machen Karriere 24

aus dem zentralen Statistikamt 25

WISSenSChaFT

Orale Insulin-Kapsel 26

Studieren mit down-Syndrom 26

antiken archiv geht online 27

KuLTur

dr. FrIedrICh SChIPPer

Österreichisches ehrenkreuz an ronny reich 28

heImO gruber

herta reich gymnasium in mürzzuschlag 29

Jüdische Küche 31

Titelbild: „miss Israel 2013“, Yitish aynaw

©avishag Shar Yashuv/Flash90

IMPRESSUM: Medieninhaber, Herausgeber: Österreichisch-Israelische

Gesellschaft (ÖIG). Zweck: Die Zeitschrift „Schalom“ ist das

offizielle Organ der ÖIG. Diese tritt für die Interessen des befreundeten

Staates Israel und seiner Bewohner ein. Ziel ist der Friede

im Nahen Osten. Die ÖIG leistet im Rahmen ihrer Möglichkeiten

die notwendige Öffentlichkeitsarbeit um den latenten Antisemitismus

in Österreich und in Europa zu minimieren.

Sitz: 1080 Wien, Lange G. 64. Redaktion/Anzeigenannahme:

T & F: 405 66 83. E-Mail: info@oeig.at, Internet: www.oeig.at.

Chefredakteurin: Inge Dalma. Redaktion: Sonia Feiger, Chava

Gurion, Daniel Kapp, Richard Schmitz; Israel: Ulrich W. Sahm.

Übersetzungen: Kitty Weinberger, Inge Dalma. Layout, Grafik &

Produktion: Sonia Feiger. Druck: AV+Astoria, 1030 Wien.

Bankverbindung: Bank Austria Blz 12000-00262620801.

Die im Magazin veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich

den Standpunkt der ÖIG wieder, sondern bieten einen

Einblick in die politische Diskussion in Israel. Ausgewertet werden

Meldungen von: Jerusalem Post, IDF, BICOM, Ha’aretz, Yediot

Aharonot, Y-net, israelnetz (inn), ICEJ, JTA, ILI u.v.a.

Editorial

schalom

3


Leitartikel

©M. Leitgeb

Dr. Richard

Schmitz

Präsident

der ÖIg

Immer wieder werden Angriffe gegen

die israelische Politik geführt, die in

der Öffentlichkeit mit Untertönen agieren,

die wir nicht akzeptieren können.

Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft

hat neben der Pflege der Freundschaft

zwischen Israelis und Österreichern

auch die Funktion der Richtigstellung

unwahrer oder unvollständiger

Aussagen. Immer mehr ist es in

Mode gekommen, sich auf die Seite der

angeblich unterdrückten Palästinenser

zu stellen. Die Stimmung in vielen Ländern

dieser Erde, aber auch in vielen

Ländern Europas hat umgeschlagen.

Man gibt Israel die Schuld an den Zuständen

in den Flüchtlingslagern im

Gazastreifen. Vergessend, dass sich Israel

aus diesem Gebiet zurückgezogen

hat und die Verwaltung durch die Hamas

keinerlei Anstalten trifft, die Bedingungen

zu verbessern. Im Gegenteil:

es liegt im Interesse der dort Regierenden

die Zustände weiter zu verschlechtern,

um verzweifelte Menschen

für politische Zwecke zu missbrauchen.

Ohne diese Menschen gäbe es weniger

Anlass, sich von der Welt bedauern zu

lassen. Die Opferrolle der Palästinenser

beruht vor allem auf den unhaltbaren

Zuständen in diesen Lagern. Dort werden

Menschen künstlich in Abhängigkeit

gehalten, damit sie keinen anderen

Ausweg sehen, als die Israelis ins Meer

zu treiben. Hier wird ein Wutpotential

mit allen Mitteln am Leben erhalten.

Europäischen Gutmenschen ist es auch

ein Dorn im Auge, dass die Zusammenarbeit

im Westjordanland doch einigermaßen

funktioniert. Deshalb wurde in

den letzten Wochen die Zolldeklaration

von Waren aus eben diesem Gebiet

problematisiert.

Eine Verordnung der EU, die die unterschiedlichen

Zollsätze und Begünstigungen

bei der Einfuhr von Waren aus

Israel und dem Westjordanland regelt,

wird derzeit auf EU-Ebene und in diplomatischen

Kreisen auf ihre Durchführbarkeit

überprüft. Die Postleitzahlen

sollen als Kontrolldaten dienen. Wie

sich das in der Praxis bewähren soll,

bleibt unklar. In dieser Situation eine

Anfrage an die Finanzministerin zu stellen,

kann nur als parteipolitisch vordergründige

Taktik gesehen werden, um

bei Wahlen islamische Stimmen zu gewinnen.

Übersehen wird dabei, dass Israel ein

demokratischer Staat ist, in dem viele

Bevölkerungsgruppen leben. Israelis

jüdischer und arabischer Herkunft, Angehörige

der verschiedensten Religionen

und Menschen mit den unterschiedlichsten

Weltanschauungen. Da hat nicht

zuletzt auch die Wahl zur Knesset gezeigt.

Von 34 wahlwerbenden Gruppen

haben 12 die 2% Hürde übersprungen

und den Einzug in das israelische Parlament

geschafft. Es ist abzuwarten,

welche Zusammensetzung die neue Regierung

haben wird. Zu hoffen ist natürlich,

dass die Struktur eine aktivere

PR-Politik erlaubt. Israel muss sich wieder

mehr um seine Freunde kümmern,

die treuesten Freunde erhalten, alte

Freunde wiedergewinnen und neue

Freunde gewinnen. Allzu gleichgültig

wurde von der vergangenen Regierung

hingenommen, dass sich immer mehr

Sympathisanten verständnislos abgewendet

haben, weil nicht um ihr Verständnis

geworben wurde. Dabei geht

es vor allem darum, das Gesetz des Handelns

wieder zu gewinnen und aktiv

die internationalen Prozesse zu beeinflussen.

Gerade, wenn man die Entwicklungen

des arabischen Frühlings analysiert und

zum Schluss kommt, dass die Muslimbrüder

bald viele Regierungen zu den

ihren zählen werden, ergibt sich auch

für Europa eine neue, besorgniserregende

Situation. Das gäbe auch Israel die

Chance, sich als einziger westlicher Staat

zu profilieren und beispielhaft für die

Situation im Nahen Osten zu sein. Die

Stellung der Israelis arabischer Herkunft

und die Angehörigen anderer Religionen

leben trotz aller Einwände gegen

ihre rechtlich andere Stellung frei und

ungehindert in Israel, was in den Nachbarstaaten

bald nicht mehr so sein wird.

Sie genießen, dass Israel wirtschaftlich

prosperiert und Dank seiner Forschungsaktivitäten

auch in der Zukunft wissenschaftlich

führend sein wird. Israel ist

ein Beispiel, wie ein westlicher Sozialstaat

erfolgreich sein kann, wie man

auch aus dem kargen Boden ein blühendes

Land machen kann. Es ist damit

auch ein Vertreter unserer europäischen

Lebensart. Es geht im Nahen Osten auch

um die Existenz des freien Europa.

Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft

hat sich in den letzten beiden

Jahren vermehrt in die Diskussion eingebracht.

Das „schalom“ konnte sechs

mal im Jahr herauskommen, unsere

Homepage wurde und wird ständig

aktualisiert, wir sind auch im face-book

unterwegs, zu aktuellen politischen Problemen

haben wir Regierung und Parlament

informiert. Die Landegruppen

in Kärnten und in Oberösterreich sind

aktiv geworden.

Es freut mich, dass das Team, das diese

Aktivitäten getragen hat, in der Generalversammlung

der ÖIG am 20. Feber

einstimmig gewählt wurde. Mit mir

wird weiterhin Generalsekretärin Susi

Shaked für Israel tätig sein. Sie betreut ja

auch in Österreich die Organisation für

das Hadassah-Spital, eine Institution,

die zeigt, dass sie für alle Menschen welcher

Herkunft immer da ist. Geheilt wird

in diesem Krankenhaus jeder Kranke.

Schatzmeister wird der Wiener Gemeinderat

Peter Florianschütz, der sich sicher

noch in das Team einfügen wird. Mag a .

Chava Mühlhofer-Gurion, die sie aus zahlreichen

Artikeln schon kennen, wird

seine Stellvertreterin. Schriftführerin

bleibt Inge Dalma, die auch weiterhin

als Chefredakteurin unserer Zeitschrift

schalom“ tätig sein wird. Schriftführer-Stellvertreter

wird Daniel Kapp, der

immer wieder mit pointierten Aussagen

hervorgetreten ist. Dem Vorstand

werden auch Sonia Feiger, die Gestalterin

von „schalom“, Generalmajor Karl

Semlitsch und Botschafter i.R. Dr. Kurt

Hengl weiterhin hilfreich zur Seite stehen.

Für den Beirat konnten neue Persönlichkeiten

gewonnen werden.

Mit diesem Team im Rücken blicke ich

optimistisch auf die schwierigen Aufgaben,

die wir uns gestellt haben. Aber

auch mit ihrer Hilfe, liebe Leserinnen

und Leser hoffen wir viel für Israel und

damit auch für Europa, Österreich und

somit auch für uns zu erreichen.

Dr. Richard Schmitz

4

schalom


Politik

Wie „Die Presse“ dieser Tage berichtete,

hat Christine Muttonen – sie ist, was wir

seitdem wissen, die außenpolitische

Sprecherin der SPÖ – parlamentarische

Anfragen an die Bundesministerin für

Finanzen, den Wirtschaftsminister sowie

den Außenminister gerichtet. Dabei

geht es Muttonen darum, die Haltung

der Bundesregierung zur Sonderkennzeichnung

von Importen aus jüdischen

Siedlungen in Judäa und Samaria zu erfragen.

Immerhin, so Muttonen, seien

diese Siedlungen illegal und die österreichische

Regierung gefordert, Maßnahmen

im Sinne einer „verbraucherfreundlichen

Politik“ ergreifen. Sprich:

den Verbrauchern einen Boykott dieser

Produkte zu ermöglichen.

Nun könnte man sich an dieser Stelle

sicherlich auch inhaltlich mit Muttonens

Anfrage beschäftigen. Doch das würde

wahrscheinlich an der tatsächlichen Intention

ihrer Geste vorbei gehen. Denn

viel zu auffällig ist, dass sich die Anfrage

Muttonens an eine inzwischen

recht lange Liste einseitiger und offenbar

von der SPÖ bewusst getriebener

unfreundlicher Initiativen gegenüber

dem Staat Israel reiht. Von der unsäglichen

Flottilla-Resolution im Wiener Gemeinderat,

zu den abfälligen Äußerungen

des Verteidigungsministers über

den israelischen Außenminister, weiter

über die symbolhafte Aufwertung des

Vertreters der PLO in Wien, bis hin zur

österreichischen Unterstützung der Verurteilung

Israels im UN-Menschenrechtsrat,

der Zustimmung zur Aufnahme

Palästinas als Vollmitglied der

UNESCO und schließlich der Anerkennung

Palästinas als Nichtstaatliches Mitglied

der Vereinten Nationen.

Hier fügt sich nicht das Bild einer neuen

und konsistenten roten Außenpolitik

zusammen. Zu erratisch sind da die gesetzten

Schritte, viel zu unglaubwürdig

die handelnden Akteure. Genauso wenig,

wie Libermann-Kritiker Darabos,

Verk hrte Welt?

e

Von blauen zionisten und roten antisemiten

ist Muttonen bisher kaum als besonders

engagierte Kennerin des Friedensprozesses

im Nahen Osten aufgefallen.

Auch ihre Homepage weist keinen einschlägigen

Schwerpunkt auf.

Dort geht es eher um den Kampf gegen

die Privatisierung von Wasser, die Vorzüge

eines Profiheeres oder eine „europaweite

Jugendgarantie“ – was immer

letzteres sein mag. Nein, das Vorgehen

der SPÖ weit besser unter innenpolitischen

Aspekten zu verstehen. Immerhin

gilt es eine wachsende Anzahl eingebürgerter

türkischer Migranten als

Wählerpotential anzusprechen – ein

Potential, weitaus interessanter, als die

paar Juden Wiens. „SPÖ will nicht beim

Juden kaufen“ formuliert da pointiert

der Internet-Blogger Bernhard Torsch

und unterstellt der SPÖ „verkappte Judenfeindschaft“.

Doch auch die FPÖ hat den Nah-Ost-

Konflikt für sich entdeckt. Sie positioniert

allerdings – angesichts ihrer Geschichte

ein wenig überraschend – als

verständnisvoller Unterstützer Israels

und großer Freund der Juden. Muttonens

Pendent dabei: die weitaus engagiertere

freiheitliche Abgeordnete Susanne

Winter. In zahllosen Anfragen an

diverse Regierungsmitglieder wirft sie

sich für die Sicherheit Israels in die Bresche,

weist auf Spendenvereine der Hamas

in Österreich hin, hinterfragt die

Teilnahme österreichischer Staatsbürger

an Ausbildungscamps der Islamischen

Revolutionsgarden oder kritisiert unbehelligte

Österreich-Besuche islamistischer

Hass-Prediger.

Indessen, man soll sich nicht täuschen,

auch hier geht es nicht im geringsten um

Außenpolitik. Vielmehr versuchen die

Freiheitlichen sich in ihrer rassistischen

anti-muslemischen Ausrichtung zu koschern,

frei nach dem Motto: wer so ein

großer Freund der Juden ist, der kann

ja wohl kein Nazi sein.

Am Ende geht es weder dem blauen

Zionismus, noch dem roten Antisemitismus

um Israel oder einen gerechten

Frieden im Nahen Osten. Der Blick ist

einzig und allein auf die nächste Wahl

gerichtet.

Daniel Kapp

ist unternehmensberater

in Wien und

Vorstandsmitglied

der Österreichisch-

Israelischen

gesellschaft.

Erschienen in „Die Presse“,

am 26.2.2013

schalom 5


Von chaVa gurion

Politik

Ein Jahrtausendereignis wie ein Papstrücktritt

– mit sofort folgendem Blitzeinschlag

in den Petersdom – und Jahrhundertereignisse

wie ein größerer, die

Erde knapp verfehlender Meteorit, sowie

ein kleinerer, dessen Explosion,

Druckwelle und Splitter immerhin

1.200 Verletzte, immense Sachschäden

und etwa 100.000 Betroffene im

Umkreis der Stadt Tscheljabinsk am

Ural verursachten, das alles füllte in

den letzten Wochen Schlagzeilen, Berichte

und Seiten der Medien gemäß

ihrer Bedeutung. Esoteriker und Harmagedon-Theoretiker

hatten neben

Astrophysikern ihre Stunde. Dennoch

fand neben diesen atemberaubenden

Weltereignissen immer auch noch täglich

ein Meldungsblock über Israel Platz.

Wie üblich, wenig lobend. Und nicht

nur Esoteriker, auch Gerechtigkeitsfanatiker

der Weltfriedensbemühten fragen

sich, warum der Metereoritenregen

Unschuldige in Russland nicht verschonte

und nicht stattdessen die Knesset

traf. Besser noch, die israelischen

Siedlungen. Wo sich doch der vom Himmel

gewählte Termin, im Vorfeld der

heurigen „Apartheid“-Wochen gegen

Israel, quasi anbot.

Weltfriedenshindernis

Selbstverständlich sind die israelischen

Siedlungen in der Westbank von fast jedem

Standpunkt aus grundsätzlich ein

Problem, wenn nicht ein Ärgernis oder

gar die erstrangige Sorge der Welt. Aber

jene im Jordantal sind auch von Jordanien

laut Friedensabkommen mit Israel

zum Schutz der gemeinsamen Grenze

und des Abkommens zur Wassernutzung

vereinbart und erwünscht. Jene in

den großen Siedlungsblöcken waren

selbst für Präsident Obama nie Thema

einer Rückgabe, sondern eines teilweise

schon stattgefundenen Gebietsaustausches

(swaps). Ostjerusalem und die Erweiterungszone

E1 wurden in die Verhandlungen

mit der damaligen US-

Außenministerin Hillary Clinton über

den Siedlungsstopp lange nicht einbezogen,

was sich im Wahrnehmungskrieg

gegen Israel der empörten Weltgemeinde

bis heute entzieht.

Wespentaille

Das Argument, Siedlungsausbau in E1

würde das Palästinensergebiet in zwei

Teile zerstückeln und einen Staat verunmöglichen,

ist zweifach falsch. Zur

Verbindung von Landesteilen braucht

man keinen kahlen Hügel, sondern

auszubauende Straßen und Infrastruktur,

z. B. im östlich von Maale Adumim

verbleibenden, 17 km breiten Verbindungskorridor.

Ein ähnlicher, aber längerer

und noch schmälerer hat übrigens

Israel selbst von 1949-1967 nicht gehindert,

sein Land aufzubauen und zum

Blühen zu bringen. Zugegeben, von allen

jenen, die aus weltpolitisch-ideologischem

Kalkül die Palästinenser in ihre

Opferrolle drängten und dort belassen

wollen, kann das als „einziges“ Friedenshindernis

gesehen werden. Und zugegeben,

den vereinbarten Siedlungsstopp

plakativ auszusetzen, als sofortige

Trotzreaktion auf die Aufwertung

Palästinas durch die UNO, war alles

andere als schlau und weltmännisch.

rechtes israel?

Schwarz-Weiß-Denken ist immer einfacher

als Differenzierung und Mühen

zeic

des hiM

des Studiums langatmiger wie komplexer

Rechtsgrundlagen. Die „Israelkritik“

der europäischen Linken, an die

auch verkappte Antisemiten aller Seiten

gerne andocken, perpetuiert ihr Bekenntnis,

sich nicht gegen Israel selbst,

sondern nur gegen dessen „rechte Regierung

und deren Siedlungspolitik“ zu

wenden. Das ist Einmischung – gerade

Österreich („wir wählen wen wir wollen“)

sollte sich da sehr zurückhalten. Und die

Palästinenser zum Faustpfand und Argument

im ideologischen Konkurrenzkampf

um eigene Regierungs- und Parlamentssitze

auch in Europa zu machen,

ist weder demokratisch noch schlüssig,

noch gar ein Friedenskonzept. Die jüdische

Besiedlung der Westbank und des

Gazastreifens vor Staatsgründung und

dann wieder seit 1967 erfolgte auch unter

linken Regierungen und ist nicht völkerrechtswidrig.

Außer, das Völkerrecht

gestände dem Palästinenserstaat als einzigem

das Recht auf „Judenreinheit“ zu.

Und es war eine rechte Regierung, die

als erste Siedlungen aufgab und sich aus

dem Gazastreifen vollständig zurückzog.

Mit dem Resultat, die Bevölkerung

in Südisrael dem ungehinderten Bombenterror

aus Gaza auszusetzen.

6 schalom


hen

Bärendienst

Mit der Etablierung der Opferrolle für

die Palästinenser durch die Arabische

Liga 1948/49 mittels eines artifiziellen

Narratives, der „Nakba“, der Desintegration

ihrer Flüchtlinge in arabischen

Ländern und vor allem mit dem rechtlich

falschen Begriff der „Besetzung“

hat man dem palästinensischen Volk

einen Bärendienst erwiesen.

Anfangs wohl nur geplant, um dem

weltweit stärksten Argument für einen

israelischen Staat, der Shoah, Konkurrenz

auf der Empathieskala entgegen

setzen zu können, erwies sich diese Opferrolle

unter „Besetzung“ zum Dauerläufer.

Der dazu instrumentalisiert werden

kann, die arabischen Gebiete einmal

vollständig von jüdischen Siedlungen

räumen zu wollen, während Israel

mit einer arabischen Minderheit von

mehr als 20% gut zurecht kommt und

auch noch weitere arabische „Rückkehrer“

schon in ökonomisch unzumutbarem

Ausmaß zu integrieren hätte. Europa

(mit sehr wenigen Ausnahmen)

und weltweit die Linke schluckten den

Köder. Aber mit dem Terminus der „Besetzung“

hält man die Palästinenser

klein. Hätte man auch auf arabischer

Seite von Anfang an die Gebiete völkerrechtlich

zutreffend als „umstritten“ bezeichnet,

hätte man sie auf Augenhöhe

in allen direkten Friedensverhandlungen

gehoben.

Mels

Besetzte Wahrnehmung

Gazastreifen und Westbank waren nie

Teil eines vorher international anerkannten

Staates, gelten nach internationalem

Recht daher nicht als besetzt, sondern

sind daher richtig als umstrittene Gebiete

zu bezeichnen. Die Inbesitznahme

und Herrschaft Jordaniens über die

Westbank und Ägyptens über den Gazastreifen

nach 1948, Ergebnis eines Angriffskrieges

mit der Zielsetzung, den

neu gegründeten jüdischen Staat zu vernichten,

verstieß gegen die UN-Resolution

181 und wurde international nie anerkannt.

Juden durften von 1948-1967

unter jordanischer bzw. ägyptischer

Herrschaft in den Gebieten nicht siedeln.

Es gibt auch keine „international anerkannten

Grenzen vor 1967“, sondern nur

vereinbarte Waffenstillstandslinien, die

„green lines“. Die israelische Präsenz in

Westbank und dem Gazastreifen war Ergebnis

eines Selbstverteidigungskrieges

1967 unter existenzieller Bedrohung

durch die Nachbarstaaten, mit nachfolgendem

Übergang der Verfügungsgewalt

auf Israel. In der Geschichte Europas

haben ähnliche Kriegsausgänge die

Binnengrenzen Europas immer wieder

verschoben und neu gestaltet. In Nahost

waren bisher nur Friedensschlüsse

mit Jordanien und Ägypten möglich,

mit den Palästinensern nicht einmal für

das Angebot einer Territorialrückgabe

von 97%.

eines sinnes mit israels großen

Das außenpolitische Programm Österreichs

für 2013 wurde allen ausländischen

Diplomaten beim Neujahrsempfang

des österreichischen Staatsoberhauptes

vorgestellt. International Besorgnis

erregende Staaten wie Nordkorea,

Iran, Krisenherde wie Bürgerkriege

in Afrika und Syrien, islamistischer Terror

usw. wurden mit bescheidenen Absätzen

bedacht, wenn überhaupt erwähnt.

Hauptaugenmerk der österreichischen

Außenpolitik liege traditionsgemäß

auf dem Nahostkonflikt und alle

Besorgnis gilt hier Israels rechter Regierung

und ihrer Siedlungspolitik in den

„besetzten Gebieten“. Und dazu weiß

man sich als „Freund Israels“ eines Sinnes

und „in vollständiger Übereinstimmung

mit Yitzhak Rabin und anderen großen Persönlichkeiten

Israels“, die man herstellen

könnte. Das erscheint gewagt.

die Position der Friedenstaube

Die vollständige Übereinstimmung mit

Yitzhak Rabin und anderen Großen Israels

besteht nur insoweit, als dieser

und auch andere Große der Arbeitspartei

angehörten. Hinsichtlich der Palästinenser

und der Siedlungen findet Übereinstimmung

nur der, der die Osloverträge

und zugeordnete Protokolle nicht

kennt, nicht sinnerfassend gelesen hat

oder deren Bruch seitens Präsident

Abbas und Fatah toleriert, wenn nicht

gefördert hat. Rabin: „Wir werden nicht

auf die Linien vom 4. Juni 1967 zurückkehren.“

Die „palästinensische Entität“ werde

„weniger als ein Staat“ sein. „Wir (Arafat

und Rabin, Anm.) kamen zur Vereinbarung,

keine einzige Siedlung zu entwurzeln

und die Bautätigkeit für das natürliche

Wachstum (in den Siedlungen, Anm.)

nicht zu behindern.“ Abzug aus Gaza?

Politik

schalom

7


Politik

Teilung Jerusalems? Keine Rede davon.

So gesehen, war die linke Friedenstaube

Rabin hinsichtlich der Siedlungen radikaler

als Sharon oder Netanyahu. Und

Arafat ein verständnisvollerer „Freund

Israels“ als Abbas und die österreichischen

Friedensvermittler. Ein Paradoxon

der Geschichte.

kauft nicht bei Juden

Was sich mit der parlamentarischen Anfrage

an Außenminister und Finanzministerin

durch die SPÖ-Abgeordnete

Muttonen, Genossen und Genossinnen

zunächst als brave Einhaltung von EU-

Richtlinien und konsumentenfreundliche

Kennzeichnung von Waren nach

ih- rer Herkunft darstellen möchte, enthält

einiges Potential für die BDS-Bewegung

(Boycott, Divestment and

Sanctions) ge-gen Israel. Zufällig auch

punktgenau vor der heurigen „Apartheid-Week“

ein- gebracht und zollrechtlich

nicht schlüssig, da sowohl

Waren aus Israel als auch solche aus Palästina

durch Abkommen begünstigt in

die EU eingeführt werden können. Eher

sollen Waren aus den „schrecklichen“

israelischen Siedlungen deutlich erkennbar

gemacht und von Konsumenten

boykottiert werden können. Dass

die Stimme der Werktätigen damit auch

gegen die vielen PalästinenserInnen

spricht, die in wachsender Zahl nicht

nur in Israel selbst, sondern eben in israelisch

geführten Betrieben in den

Siedlungen der Westbank sehr gerne

Arbeit suchen und finden, bei Boykott

aber um ihre Arbeitsplätze bangen

müssten, ist auch ein Paradoxon, das

sich bisher der Selbstwahrnehmung als

Schützer der ArbeiterInnenklasse entzieht.

Und noch ein Zeichen des Himmels:

Die Orangen aus den israelischen

Siedlungen werden von der Sonne über

Nahost ebenso bestrahlt wie die „reinrassigen“

aus Palästina und schmecken

gleich köstlich.


Österreichisch-Israelische Gesellschaft

UNSER ZIEL IST ES,

Israel nicht in einem Meer von

voreingenommener und häufig

falscher Berichterstattung

allein zu lassen.

der krieg

mit toten

kindern

Von ulrich W. sahM

In Afghanistan haben australische ISAF-

Soldaten „versehentlich“ zwei Kinder getötet,

nachdem sie auf „vermeintliche

Aufständische“ in der Provinz Urusgan

das Feuer eröffnet hatten. Das berichtete

die französische Agentur afp und

wurde prominent zum Beispiel in „Die

Welt“ abgedruckt. Abgesehen davon,

dass der Tod von zwei unschuldigen

Kindern eine Tragödie ist, verfolgt dieser

Bericht auch eine politische Absicht:

Stimmung gegen den NATO-Einsatz am

Hindukusch zu machen.

Das fällt auf, nachdem die UNO-Flüchtlingshilfe-Organisation

UNWRA vor ein

paar Tagen ebenfalls ein totes Kind für

seine Zwecke missbraucht. Die UNWRA

kümmert sich allein um „Araber aus Palästina“,

also palästinensische Flüchtlinge,

im ganzen Nahen Osten. In einer

herzzerreißenden Pressemitteilung geht

es um ein totes Kind, Basem al-Hindi, 14

Jahre alt, vor der Tantouri-Schule in Damaskus

von Splittern einer Granate tödlich

getroffen. Dabei wurden nach Angaben

der UNO auch ein syrischer Mann

und seine zwei Töchter getötet. Da die

aber keine palästinensischen Flüchtlinge

unter der Obhut der UNWRA sind, ist

die Nennung ihrer Namen offen irrelevant.

Und da die UNO im Bürgerkrieg

in Syrien „Neutralität“ bewahrt, wird

nicht einmal angedeutet, wer die tödliche

Granate abgeschossen haben könnte.

Der Grund für diese ebenso herzzerreißende

Beschreibung des Todes eines Kindes

per Pressemitteilung findet sich am

Ende des Textes: die Hand aufhalten für

8

schalom


erdogan vergleicht zionismus mit Faschismus

Der türkische Präsident Recep Tayyip

Erdogan hat indirekt Zionismus mit Faschismus

und Antisemitismus verglichen.

„So wie der Zionismus, der Antisemitismus

und der Faschismus sollte auch die Islamophobie

als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit

gewertet werden“, sagte Erdogan

laut Medienberichten ende Februar auf

einer Tagung der Vereinten Nationen in

Wien.

Israels Premier Netanjahu bezeichnete

diese Äußerungen umgehend als „düster

und verleumderisch“. Bemerkungen

wie die Erdogans „gehören zu solchen, von

denen wir dachten, dass sie der Vergangenheit

angehören“.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon

distanzierte sich von den Äußerungen

des türkischen Regierungschefs. Er bezeichnete

es als unglücklich, dass solche

verletzenden und spalterischen Bemerkungen

bei einem Treffen gefallen seien,

bei dem es um verantwortungsvollen

Führungsstil gehe. Wenn ihm die Äußerung

Erdogans richtig übersetzt worden

sei, sei diese nicht nur falsch, sondern

sie stehe auch im Widerspruch zu den

Prinzipien der „Allianz der Zivilisationen“,

ließ Ban über seinen Sprecher

mitteilen.

Wie der Nachrichtensender CNN berichtet,

hat sich auch US-Außenminister

John Kerry in der Angelegenheit zu

Wort gemeldet: „Es ist offensichtlich, dass

wir dazu eine andere Meinung haben.“

Am Freitag verurteilte auch Österreich

Erdogans Äußerung: „Diese Gleichstellung

antisemitischer ausbruch von Ministerpräsident erdogan:

die Österreichische staatsspitze schweigt.

geharnischte kritik seitens un-generalsekretär Ban ki-moon

ist völlig inakzeptabel“, sagte der Sprecher

des Außenministeriums, Alexander Schallenberg,

der Nachrichtenagentur APA.

Die Aussage stehe in diametralem Widerspruch

zu allem, wofür die von der

Türkei mitbegründete „Allianz der Zivilisationen“

stehe.

inn/red

Wien (OTS) - Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft erwartet sich, dass die

abstoßende Bemerkung des türkischen Premierministers Erdogan über den

„Zionismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, die bereits scharf von UN-

Generalsekretär Ban Ki Moon, den Vereinigten Staaten, Israel selbst und anderen

verurteilt wurde - abgesehen von einer kritischen Äußerung des Pressesprechers

des BMEIA dazu - auch von höchsten politischen Entscheidungsträgern und der

Staatsspitze in Österreich in aller Form zurückgewiesen wird.

Da diese in allen sonstigen Fällen bemüht sind, sehr rasch den Stellungnahmen

und Positionen der UNO beizutreten, gilt hier aber: wer zu Erdogan schweigt,

stimmt zu.

Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft erachtet das als stärksten Affront

nicht nur gegen die österreichisch-israelischen Beziehungen, sondern weltweit

gegen Jüdinnen und Juden.

Presseaussendung der ÖIG, 3. März 2013

Politik

Spenden, um weitere Projekte der UN-

WRA zu finanzieren. Es sei hier festgestellt,

dass bei dem Bürgerkrieg in Syrien

inzwischen etwa 90.000 Menschen getötet

worden sind, darunter auch zahlreiche

Kinder durch Autobomben oder

willkürlich bombardierte Wohnviertel.

Doch für die interessiert sich niemand

in der Welt.

Fotos toter Kinder sollen die Emotionen

anrühren. Und so hat Paul Hansen,

Fotograf der schwedischen Zeitung

‘Dagens Nyheter’, den diesjährigen

Preis für das Welt-Pressefoto gewonnen.

Auf dem nachweislich mit Photoshop

geschönten Foto ist das Begräbnis

von zwei toten palästinensischen Kindern

im Gazastreifen zu sehen, deren

Leichen in Tüchern mit offenen Gesichtern

von Männern durch eine enge

Gasse getragen werden. Die Kleinkinder

sind im vergangenen November

selbstverständlich bei einem israelischen

Luftangriff getötet worden, so

die palästinensischen Angaben. Wären

sie durch eine Bombe der Hamas-Organisation

ums Leben gekommen,

hätte Hansen das Begräbnis mutmaßlich

nicht einmal fotografieren können.

Denn nicht die toten Kinder sind relevant,

sondern de-ren Verwendung für

Propaganda. Ein Jury-Mitglied hatte

treffend gesagt: „Die Stärke des Bildes

liegt im Kontrast zwischen der Wut und

Trauer der Erwachsenen und der Unschuld

der Kinder.“ Doch diese „Wut und Trauer“

darf natürlich nur in die Welt getragen

werden, wenn es dafür auch den

richtigen Schuldigen gibt, in diesem

Fall Israel. Niemand hätte sich für das

noch so starke Bild interessiert, wären

die Kleinkinder eines natürlichen Todes

oder an den Folgen eines Verkehrsunfalls

gestorben.

Hansen hatte ein Jahr zuvor schon einen

anderen Preis in Schweden gewonnen,

für das Bild eines toten Mädchens

nach dem Erdbeben auf Haiti. Das Mädchen

hatte offenbar geplündert und war

von der Polizei erschossen worden. Ein

Dutzend Fotografen hatten das am Boden

liegende tote Mädchen fotografiert.

So ist leicht zu erkennen, wie es mitsamt

ihren gestohlenen Gemälden in

„Pose“ gelegt worden ist, um eine gutes

„Motiv“ abzugeben.

schalom

9


Politik

immer noch

die gleichen

araber

Von ziad aBu-haBla

Die Ergebnisse der Knessetwahlen haben

mich nicht sonderlich überrascht.

Als einer der Vielen, die die Wahlen

aus Protest gegen den Separatismus

der arabischen Parteien einerseits und

ihre Diskriminierung durch die Regierungsparteien

andererseits boykottiert

haben, fiel es mir nicht schwer, das

Wahlergebnis vorherzusehen.

Die Rechte ist die gleiche Rechte, nur

radikaler und zersplitterter, die Araber

sind die gleichen Araber, nur zersplitterter,

und das bekannte Paradigma

„ohne Herut (von Menachem Begin) und

die Kommunisten“* ist immer noch die

gläserne Decke, die eine Koalitionsbeteiligung

der arabischen Parteien verhindert.

Ich bin nicht enttäuscht von den Erklärungen

des frischgebackenen Politikers

Yair Lapid, der die Bildung eines gemeinsamen

Blocks der Mitte-links- und

der arabischen Parteien ausgeschlossen

hat, der eine Rechtskoalition hätte verhindern

können. Er unterscheidet sich

darin nicht von den alteingesessenen

Ministern, die auf der Fantribüne von

Beitar Jerusalem sitzen, während um sie

herum „Tod den Arabern“ gegrölt wird.

Enttäuscht bin ich dagegen von der

Schwäche der arabischen Parteien, die

sich mit den einschränkenden Spielregeln

arrangiert haben, die ihnen das Establishment

diktiert – ein Establishment,

das in ihnen nur eine Minderheit

ohne Einfluss sieht. Dieses Sich-Arrangiert-Haben

drückt sich in dem Streben

aus, überhaupt in die Knesset zu kommen,

anstelle ihre Kräfte zu vereinen,

um die Spielregeln zu verändern und

die gläserne Decke zu durchstoßen.

Ich sage nicht, dass die arabischen Par-

©kipa

teien in den mehr als 60 Jahren ihres

Kampfes nichts erreicht hätten – mir ist

klar, dass sie letztendlich in einer Umgebung

tätig sind, die nicht ihre ist. Meine

Kritik an ihnen betrifft vielmehr eine

wachsende Distanz zum Wähler in den

letzten zehn Jahren und ihre Weigerung,

Strategien zu entwickelt, die an die tiefgreifenden

Veränderungen angepasst

sind, die sich in der politischen Arena

vollziehen.

Ich mache dem Wähler, der sie mit der

Begründung „das kleinere Übel“ gewählt

hat, keinen Vorwurf, aber ich mache den

Parteien ganz entschieden den Vorwurf,

dass sie das schon als Erfolg sehen – und

das, wenn 50% der potentiellen arabischen

Wähler zu Hause geblieben sind.

Ich mache ihnen ihren Anteil daran zum

Vorwurf, dass sie das Komitee der arabischen

Bürger Israels faktisch zerstört

haben und die regionalen Vertretungen

der Araber in der politischen Arena geschwächt.

Gar nicht zu reden davon,

dass es ihnen nicht gelungen ist, auch

nur ein rassistisches Gesetz zu verhindern

oder gar den Prawer-Plan zur

„Ordnung“ der beduinischen Siedlungen

im Negev aufzuhalten.

Durch ihre Aufrufe an die Wähler kurz

vor Schließung der Wahllokale ist es den

arabischen Parteien gelungen, den arabischen

Wähler durch eine ungekannte

Zurschaustellung von Separatismus zu

verschrecken und ihm zu erzählen, wer

nicht wählen gehe, werde die zionistischen

Parteien stärken und so eine „Zerstörung

der Ehre“ der arabischen Bevölkerung

herbeiführen. Sie haben versucht,

in zwei Stunden wettzumachen,

dass es ihnen über Monate nicht gelungen

ist, den arabischen Wähler zu überzeugen

– indem sie den Schwerpunkt

vom eigentlichen Thema, dem Kampf

um die Rechte, zu einem Kampf um die

Ehre verschoben haben.

Ihr Unvermögen, eine politische Kultur

zu entwickeln, hat den separatistischen

und heuchlerischen Diskurs nur noch

verstärkt. Die Realität hat sich nicht verändert:

Der selbe Knessetabgeordnete,

dessen Name hier nichts zur Sache tut,

wird weiterhin in der Knesset über die

Shoah sprechen und am nächsten Tag

die Märtyrer von Ramallah loben und

den Katarern, Ägyptern und Jordaniern

beweisen, dass er ein nicht weniger

guter Patriot ist als sie. So erhalten die

arabischen Parteien und die arabische

Bevölkerung insgesamt ein wenig

schmeichelhaftes Image, ein Image, das

immer der israelischen Rechten in die

Hände gespielt hat.

Nichts hat sich wirklich verändert. Nicht,

weil ich nicht gewählt habe, sondern,

weil es nicht eine arabische Partei gab,

die Verantwortung übernommen und

anders gedacht hätte. Der separatistische

Ansatz wird keine Wunderlösungen

herbeiführen, er wird dazu führen,

dass die Position der arabischen

Bevölkerung noch viele Jahre unterlegen

bleiben wird und unser Kampf um

echte rechtliche Gleichstellung durch

einen inneren religiösen Graben abgelöst

wird.

Die arabische Bevölkerung muss einen

liberaleren und offeneren Ansatz wählen,

der zu einer Änderung der Spielregeln

führt. Sie muss die Trennung

zwischen Staat und Religion unterstützen

und von ihren Führern fordern,

Mindeststandards für den Stand der

arabischen Bürger zu definieren. Diese

Min- deststandards sind dann eine Art

Gütesiegel für jede Partei, die um die

Stimmen der arabischen Bürger wirbt,

die dann von welcher Seite auch immer

nicht mehr als selbstverständlich angesehen

werden. Es ist auch keine Schande,

von den jüdischen Gemeinden weltweit

zu lernen, denen es gelungen ist,

Einfluss zu nehmen, obwohl sie eine

Minderheit sind.

Haaretz

der autor ist arabisch-israelischer Politik- und

Wirtschaftswissenschaftler.

* “Ohne Herut (die revisionistische Bewegung) und

ohne die Kommunisten“ ist ein vom ersten israelischen

Ministerpräsidenten David Ben-Gurion geprägter

Ausspruch, der beschreibt, dass beide Parteien

an keiner Koalition beteiligt werden sollten. Erst knapp

zwanzig Jahre nach Staatsgründung, am Vorabend

des Sechs-Tage-Krieges 1967, wurden die Revisionisten

in die Regierung aufgenommen. 1977 gewann die

Nachfolgepartei, der Likud, erstmals die Wahlen zur

Knesset.


10

schalom


allgegenwärtige

palästinensische

gewaltbereitschaft

Politik

© Issam Rimawi/Flash90

Von noah klieger

Ganz ehrlich, die Palästinenser brauchen

keinen bestimmten Grund, um

zu randalieren und Juden anzugreifen.

Die gegenwärtige Welle der Gewalt,

die seit zwei oder drei Wochen andauert,

begann nicht wegen des Hungerstreiks

von vier Gefangenen (von denen

übrigens zwei wieder essen). Der

Hungerstreik ist nur eine Ausrede, denn

es ist klar, dass, selbst wenn die übrigen

Hungerstreikenden wieder essen werden,

ihre Brüder auch weiterhin in den

Gebieten randalieren werden.

Die Wahrheit ist, dass unsere Nachbarn

uns einfach nicht wollen. Mit anderen

Worten, sie wollen kein Land neben Israel;

sie wollen ein Land anstelle Israels.

Das ist eine Tatsache, die ein ums

andere Mal bewiesen wurde.

Sowohl Ehud Barak als auch Ehud Olmert

boten den Palästinensern einen Staat

fast in den Grenzen von 1967 an – und

sie haben das Angebot ausgeschlagen.

Die gewaltsame Räumung tausender

Siedler und Dutzender Gemeinden aus

dem Gazastreifen – die von Arik Sharon

durchgeführt wurde – hat uns einem

möglichen Abkommen keinen Zentimeter

näher gebracht. Im Gegenteil, das

Entgegenkommen hat nur die Palästinenser

ermutigt, die mit dem Raketenbeschuss

israelischer Städte und Gemeinden

innerhalb Israels begannen mit

dem Ziel, Juden zu töten.

Die Anführer im Gazastreifen haben

kürzlich mehrfach erklärt, ihr Ziel wäre

es, Juden zu töten und das „zionistische

Gebilde“ zu zerstören. Angesichts dieser

Aussagen, selbst wenn man alle Gefangenen

entließe – die Mörder und

Terroristen – werden morgen die Versuche,

Juden zu töten, nicht aufhören.

Daher, und dies ist eine Tatsache, gibt

es keinen Zusammenhang zwischen irgendeiner

israelischen Politik oder Entscheidung

und dem Wunsch der Palästinenser,

oder besser ihrer Gier, Israel und

seine Bewohner anzugreifen. Wer das

nicht versteht oder es trotz der seit Jahrzehnten

bewiesenen Tatsachen nicht

verstehen will, ist entweder einfach naiv

oder blind gegenüber dem, was vor Ort

passiert. Und es sage mir niemand, dass

es das israelische Vorgehen war, das die

Palästinenser dazu gebracht hat, sich so

zu verhalten. Mein Onkel Natan Klieger

wurde 1939 von arabischen Randalierern

in Haifa erschossen. Wenn ich mich

nicht irre, gab es damals noch keine Besatzung.

Golda Meir sagte einmal, dass ein Abkommen

mit den Palästinensern nur

geschlossen werden könnte, wenn sie

ihre Kinder mehr lieben als sie Juden

hassen. Sie hatte Recht.

ynetnews

schalom 11


Politik

keine anzeichen von Folter bei dscharadat

Charité Berlin

kleinkind wurde nicht durch

israelische rakete getötet

Am 14. November 2012, während der

Militäroperation Wolkensäule, veröffentlichte

die BBC das Foto eines Mitarbeiters

ihres arabischen Dienstes, der

die Leiche seines 11 Monate alten Sohnes

Omar auf den Armen trug.

Das Kind, so hieß es schnell und nicht

nur in der BBC, sei durch die Israelischen

Verteidigungskräfte (ZAHAL)

getötet worden.

Ein Bericht des UN-Menschenrechtsrates

hat die Angelegenheit nun richtig

gestellt: Es habe sich bei dem Geschoss,

das Omar und eine 19-jährige Frau getötet

habe, nicht um eine israelische Rakete

gehandelt, sondern um einen palästinensischen

Querschläger!

Das Bild wurde zuvor in den konventionellen

und sozialen Medien unzählige

Mal verbreitet, immer verbunden mit

einer Anklage gegen Israel. Times of Israel

Das israelische Gesundheitsministerium

hat Ende Februar den Obduktionsbericht

zu Arafat Dscharadat veröffentlicht.

An dem Leichnam des palästinensischen

Häftlings fanden sich laut dem

Dokument keine Anzeichen von Folter:

"Heute (Donnerstag, 28. Februar) haben

der Direktor des Nationalen Zentrums für

Forensische Medizin, Yehuda Hiss, der Direktor

der Gesundheitsverwaltung am Gesundheitsministerium,

Prof. Arnon Afek

und die Direktorin des Pathologischen Instituts

in Tel ha-Shomer, Prof. Iris Barshack

die mikroskopischen Funde zu Dscharadat

untersucht.

Es stellte sich heraus, dass die Blutergüsse

und Rippenfrakturen, die während der Autopsie

festgestellt worden waren, nahe am

Todeszeitpunkt verursacht worden waren

und charakteristisch für Wiederbelebungsversuche

sind, wie sie 50 Minuten lang von

der Gefängnisbehörde und einem Team des

Magen David Adom durchgeführt wurden,

um sein Leben noch zu retten.

Es fanden sich keine Anzeichen weiterer

Prellungen.Es fanden sich des weiteren keinerlei

Anzeichen für signifikante Veränderungen

nach Krankheit an anderen Organen,

die eine Todesursache hätten darstellen können;

daher werden weitere Tests am gerichtsmedizinischen

„L. Greenberg Institut“ durchgeführt,

um die Todesursache festzustellen.

Von palästinensischer Seite waren nach

dem Tod von Dscharadat umgehend

Stimmen laut geworden, nach denen

der zweifache Familienvater infolge von

Folter gestorben sei. Palästinenser hatten

die Vorwürfe in der zurückliegenden

Woche häufig wiederholt. Der Präsident

der Palästinensischen Autonomiebehörde,

Mahmud Abbas, forderte

eine internationale Untersuchung.

Wie die Zeitung „Jerusalem Post“ berichtet,

hatte Israels Minister für Innere

Sicherheit Jitzhak Aharonovitch geäußert,

er würde es begrüßen, wenn internationale

Beobachter prüften, wie Israel den

Vorgang untersucht habe.

inn/red

entführungsversuche israelischer soldaten

nehmen drastisch zu

Im vergangenen Jahr haben Terrorgruppen

26 Mal versucht, israelische Soldaten

zu entführen. Gegenüber dem Vorjahr

hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt.

Die israelische Armee erwartet eine

weitere Zunahme derartiger Aktionen.

Im Jahr 2011 habe es noch 11 Entführungsversuche

gegeben, berichtet die

Zeitung „Yediot Aharonot“ und beruft

sich dabei auf das Armeemagazin „Bamahane“.

Die 26 Versuche von 2012

haben die israelischen Streitkräfte vereiteln

können.

Einen Grund für den Anstieg sieht die

Armee in dem aus palästinensischer

Sicht erfolgreichen Schalit-Austausch*.

Terrorgruppen im Gazastreifen hätten

nun einen „Appetit“ für Gefangenenaustausche

entwickelt, sagte ein ungenannter

Militärsprecher.

Weitere Ursachen für den Anstieg sieht

die Armee in der Aufwertung des Status‘

der Palästinensischen Autonomiebehörde

bei den Vereinten Nationen

zum „Beobachterstaat“. Seither gebe es

viele Aufstände durch Palästinenser im

Westjordanland. Den Boden für Entführungsversuche

bereite auch die Unruhe,

die durch den Hungerstreik

palästinensischer Gefangener entstehe.

Die Order der Armee ist daher, dass Soldaten

nicht per Autostopp fahren dürfen,

da dies eine bei Terrorgruppen

bekannte Entführungsmethode sei. In

den vergangenen Jahren ha-ben die

Armee und der Inlandsgeheimdienst

Schabak die Bestimmun- gen für Mitfahrgelegenheiten

für Soldaten verschärft.

inn/red

* die Terror-Organisation hamas hatte den israelischen

Soldaten Gilat Schalit im Jahr 2006 entführt

und mehr als fünf Jahre gefangen gehal- ten. Sie gab

ihn am 18. Oktober 2011 im austausch von 1.027 palästinensischen

häftlingen frei.

12

schalom


©UN Photo/Devra Berkowitz

Thailand. In der vergangenen Woche

haben die bulgarischen Behörden die

Hisbollah auch als Täter hinter dem Anschlag

auf den Bus in Burgas im vergangenen

Juli ausgemacht, bei dem fünf Israelis

und ihr bulgarischer Busfahrer getötet

wurden. Es war der mörderischste

Anschlag auf europäischem Boden seit

2005.

Trotz alledem bleibt jedoch die Hisbollah

auffällig abwesend von der Liste der

von der Europäischen Union als Terrororganisationen

bezeichneten Gruppierungen.

Tatsächlich stufen viele Staaten

– einschließlich einiger in diesem Saal –

die Hisbollah sogar als Wohltätigkeitsorganisation

ein. […]

ron Prosor

Der einzige Zweck der Hisbollah – ihre

raison d’être – ist es, im Nahen Osten

und dem Rest der Welt Terroranschläge

durchzuführen. Die Hisbollah als Wohltätigkeitsorganisation

zu bezeichnen, ist,

als würde man al-Qaida als Organisation

für Städteplanung bezeichnen, weil

sie gerne hohe Gebäude einreißt.Einige

die gefährlichste „Wohltätigkeitsorganisation“

der Welt heißt ‘hisbollah’

Politik

der ständige Vertreter israels bei den

Vereinten nationen, Botschafter Ron

Prosor, hat im un-sicherheitsrat eine

rede zum Thema "schutz von zivilisten

in bewaffneten konflikten" gehalten.

„Acht Monate sind seit unserer letzten

Debatte [zu diesem Thema] vergangen.

Seitdem hat sich die Zahl der Todesopfer

in Syrien vervierfacht – von 14.000

im Juni auf über 60.000 heute. Die Zivilisten,

die im Fadenkreuz des Assad-

Regimes gefangen sind, rufen weiterhin

nach Schutz. Jeder dieser Schreie, der

unbeantwortet bleibt, zeigt nur noch

mehr unser Scheitern. […]

Assad ist nicht allein. Einer seiner Berater

ist Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah,

der ihm erklärt, wie man noch effektiver

Zivilisten ermorden kann. Mit dem Segen

des Iran, ihres Schutzheiligen, hat

die Hisbollah Zehntausende der Männer

Assads mit Waffen, Ausbildung und logistischer

Unterstützung versorgt. […]

Der lange Arm des Iran reicht bis nach

Syrien und in den Libanon, wo er der

Hisbollah geholfen hat, 50.000 Raketen

anzuhäufen – mehr als viele NATO-Mitglieder

– und den Libanon in einen Außenposten

des Terrors zu verwandeln.

Die Hisbollah stationiert absichtlich ihre

Waffen in Wohngebieten und missbraucht

so die gesamte Bevölkerung des

Libanon als menschliche Schutzschilde.

Ihre Idee des „Investierens in die nächste

Generation“ ist es, ihre Waffenlager

in unmittelbarer Nähe zu Schulen und

Spielplätzen zu errichten.

Das Terrorregime der Hisbollah erstreckt

sich weit über den Nahen Osten hinaus.

Sie hat ihren Fingerabdruck bei Anschlägen

auf allen fünf Kontinenten hinterlassen,

von Kenia über Argentinien bis nach

europäische Juristen verbiegen sich weiterhin,

um den militärischen und den

politischen Arm der Hisbollah getrennt

voneinander zu betrachten. Dies ist eine

müßige Übung. Der einzige „Unterschied“

zwischen den beiden Flügeln

ist, dass der politische Arm die Höhe des

Drogengeldes verhandelt, das der militärische

Arm später zum Waffenerwerb

einsetzt. […]

Die EU muss den moralischen und politischen

Mut aufbringen, die Hisbollah

auf die Liste der Terrororganisationen zu

setzen. Sie muss eine klare Botschaft aussenden,

dass die Hisbollah nicht länger

ihre Bürger ungestraft angreifen kann.

Die Stimmen der Opfer des Hisbollah-

Terrors rufen uns an, gemeinsam aktiv

zu werden – und gemeinsam daran zu

arbeiten, die gefährlichste „Wohltätigkeitsorganisation“

der Welt zu Grunde

zu richten. […]“ AM Israel, 12.02.1

schalom 13


©ChevronTango, CC-BY-SA-3.0

oxford-studenten wehren

sich gegen israel-Boykott

klare stellungnahme

gegen Bds-Bewegung

Henry Watson, ein Student des „Magdalen

College“, teilte der israelischen Onlinezeitung

„Times of Israel“ mit, dass die

Sponsoren der BDS-Bewegung anfänglich

ihre Agenda sogar als „Pro-Frieden“

und Israel als „gegen Frieden“ präsentiert

hatten: Die Boykottbewegung versuche,

„Frieden zu erlangen, indem wirtschaftlicher

Druck auf Israel ausgeübt wird“.

Die Vereinigung Jüdischer Studenten

(UJS) betrachtet das Wahlergebnis als

eine klare Stellungnahme, dass „weder

Studenten noch irgendjemand anderes aufgrund

seiner Nationalität in Oxford benachteiligt

wird“. Sie ist erfreut, dass „Studenten

die Entscheidung getroffen haben, sich

konstruktiv auf Israel, seine Vorstellungen

und Menschen einzulassen, anstatt sich zum

Boykottieren zu entschließen“. Die Leiterin

der UJS-Kampagnen, Judith Flacks,

findet es ermutigend, dass „diese Wahl

einen Studentenkörper widerspiegelt, der

bereit ist, über die Komplikationen zu diskutieren,

welche innerhalb Israels existieren,

und das Boykottieren nicht als eine brauchbare

Option oder Herangehensweise ansehen,

den Konflikt zu diskutieren“.

Die Boykottbewegung machte am Wahlabend

deutlich, dass die „Oxford University

Student Union“ (OUSU) und die

„National Union of Students“ (NUS)

eine moralische Verantwortung hätten,

Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Sie erhob

den Anspruch, dass Israel „die Besetzung

aller arabischen Länder beenden solle“.

Außerdem rief sie die beiden Vereinigungen

dazu auf, Recherche zu betreiben

– und zwar nach „Kontakten, Zusammenhängen,

Investitionen und kommerziellen

Beziehungen höherer Bildungsinstitutionen,

die nach Angaben der BDS-Bewegung

in Verstöße gegen palästinensische Menschenrechte

verwickelt sein könnten“.

Politik

Die Studenten der „Oxford University“

haben den Antrag auf einen Israel-Boykott

abgelehnt. Das Ergebnis der Abstimmungen

aller Colleges ergab eine

Mehrheit von 7:1 gegen den Aufruf zum

Boykott.

Den Angaben der britischen Onlinezeitung

„The Jewish Chronicle“ zufolge

stimmten 69 Kommilitonen gegen die

globale Boykott-, Desinvestitions- und

Sanktionsbewegung (BDS). Lediglich 10

waren dafür und 15 enthielten sich.

Der britische Abgeordnete George Galloway

war in der vergangenen Woche aus

der Debatte an der Oxford Universität

gestürmt, nachdem er festgestellt hatte,

dass der Student Eylon Aslan-Levy von

zweifacher britisch-israelischer Nationalität

ist. Es folgte ein Aufruf der globalen

Boykott-Kampagne, Israel zu boykottieren,

inklusive der kulturellen und

akademischen Institutionen. Der Prozess

wurde durch individuelle Abstimmungen

in britischen Colleges um zwei

Wochen verzögert.

Israel-Unterstützer begrüßten das Wahlergebnis.

Ein Pressesprecher der israelischen

Botschaft in London sagte: „Es

ist zweifellos eine überraschende Antwort

auf einen wahnhaften Vorschlag, welcher es

verdient hat, in den Müll geworfen zu werden.

Gleichzeitig ist es trotzdem erstaunlich,

dass es 10 seltsame Menschen in Oxford gibt,

die meinen, dass Raum für Boykott besteht,

und 15 verwirrte Menschen, die sich in ihrer

Einstellung zu diesem Thema nicht sicher

sind.“

israeli aslan-levy kommentiert

Wahlergebnis

Auch der israelische Student Aslan-Levy

wohnte dem Wahlabend bei. Er hoffe,

dass andere britische Universitäten Oxford

folgen würden, indem sie die BDS-

Maßnahmen abwählen, schreibt die „Times

of Israel“. Zudem äußerte er sich erleichtert

zum Wahlergebnis: „Heute haben

die Oxford-Studenten gezeigt, dass ihre Verpflichtung

zu intellektueller Freiheit unerschütterlich

ist. Indem wir den Aufruf zum

Boykott gegen Israel mit einer Mehrheit von

7:1 abgelehnt haben, haben wir in gewaltiger

Weise ausgedrückt, dass wir wollen, dass

Oxford weiterhin mit israelischen Akademikern

kooperiert, mit israelischen Gewerben

handelt und mit israelischen Vereinen

debattiert.“

Zudem erwähnte der Student des „Brasenose

Colleges“, dass einige Studenten

verwundert gewesen seien, warum sie

aufgefordert wurden, eine Bewegung zu

unterstützen, die einen akademischen

Boykott fördert. Aus ihrer Sicht sei es

nicht die Aufgabe einer Studenten-Union,

Außenpolitik zu betreiben. Es bestehe

die feste Überzeugung, dass solche Bewegungen

Spaltung hervorrufen. inn

der britische abgeordnete George Galloway hat an der universität

von Oxford für aufregung gesorgt. er verließ eine diskussionsrunde,

nachdem er festgestellt hatte, dass einer der Teilnehmer Israeli ist.

bei der debatte ging es um die möglichkeit einer israelischen räumung

des Westjordanlandes. galloway forderte einen sofortigen rückzug

Israels. der israelische Teilnehmer Eilon Aslan-Levy bemerkte in

seiner rede in der „Wir-Form“, ein abzug sollte nur als Teil eines ausgehandelten

Friedensabkommens und somit im rahmen einer Zweistaaten-Lösung

erfolgen. galloway unterbrach den Studenten mit den

Worten: „Du sagst ‚wir‘, bist du Israeli?“. als aslan-Levy dies bejahte, habe der abgeordnete

der linksgerichteten „respect“-Partei seine Sachen gepackt und sei aus dem Saal gegangen.

dabei habe er gerufen: „Ich erkenne Israel nicht an und ich debattiere nicht mit Israelis.“

galloway ist bekannt für seine anti-israelische haltung. Von der hamas hat er im Jahr 2009

einen palästinensischen Pass erhalten.

ein Video von dem Vorfall an der universität befindet sich auf: www.youtube.com/watch

14 schalom


Bio-Farm givat olam in der nähe der siedlung itamar.

givat olam ist einer der führenden Bio-unternehmen in

israel (Bio-eier, ziegenmilch- und getreide-Produkte etc.)

©INati Shohat/Flash90

Politik

eu ruft zum Boykott gegen jüdische siedler auf

Die Europäische Union (EU) hat ihren

Mitgliedsstaaten offiziell empfohlen, israelische

Aktivitäten im Westjordanland

durch einen Boykott zu verhindern.

Dies geht aus dem eben veröffentlichten

„Jerusalem Report 2012“ hervor.

Die EU-Mitgliedsstaaten werden darin

aufgefordert, Finanztransfers zugunsten

des Siedlungsbaus zu verhindern.

Jüdische Wohnungen im Ostteil von Jerusalem

werden in dem Bericht als „die

größte Gefahr“ für die Zwei-Staaten-Lösung

bezeichnet. Da die Besetzung „illegal“

sei, dürften die in den jüdischen

Siedlungen hergestellten Produkte nicht

von den Zoll-Vergünstigungen zwischen

der EU und Israel profitieren. Diese Produkte

müssten klar gekennzeichnet werden

als „aus den besetzten Gebieten stammend“.

In Israel betrachtet man den Bericht als

Propaganda-Erfolg für die Palästinensische

Autonomiebehörde (PA). Die

habe das Westjordanland zum Gebiet

ihres noch nicht existierenden Staates

erklärt und versuche, eine halbe Million

dort lebender Juden aus ihren Häusern

zu vertreiben. Die israelische Regierung

steht auf dem Standpunkt,

dass das sogenannte Westjordanland,

keine „besetzten Gebiete“ seien, weil

sie in der Vergangenheit zu keinem

souveränen Staat gehörten.

Israelische Medien zeigen sich in ersten

Reaktionen auf den Bericht verwundert,

dass sich die EU nicht zur

anhaltenden Weigerung der Palästinenser

äußert, mit Israel Friedensgespräche

ohne Vorbedingungen zu führen.

schalom 15


Politik

kopfloses israel:

koalitionsverhandlungen geplatzt

Von ulrich W. sahM

Die Koalitionsverhandlungen in Israel

sind geplatzt. Der designierte Ministerpräsident

Benjamin Netanjahu hat

„nach Ausgang des Schabbat“ am

Samstag Abend (2.3.) bei Staatspräsident

Schimon Peres um eine zweiwöchige

Verlängerung ersucht. Sollte auch

diese Frist ohne Ergebnis verstreichen,

kann der Staatspräsident einen anderen

Abgeordneten mit der Regierungsbildung

beauftragen oder Neuwahlen

ausrufen lassen.

Die „Likud-Beiteinu“ Partei mit Netanjahu

an der Spitze ist aus den Parlamentswahlen

im Januar als größte Partei

in Israel hervorgegangen, muss jedoch

eine Koalition mit anderen Parteien eingehen,

um eine regierungsfähige Mehrheit

zu erhalten. Bisher hatte es Netanjahu

nur geschafft, ein Koalitionsabkommen

mit Zipi Livni und ihrer „Bewegungspartei“

zu schließen. Doch

Livnis sechs Abgeordnete verschaffen

Netanjahu noch längst keine Mehrheit.

Die beiden anderen großen Parteien,

„Zukunft“ mit Jair Lapid und „Unser

Haus Israel“ mit dem nationalreligiösen

Naftali Bennet an der Spitze hatten sich zu

©Nati Shohat/FLASH90

einem „stählernen Bündnis“ zusammengeschlossen

und Netanjahu erklärt, dass

sie keine ultraorthodoxe Parteien in der

Koalition dulden würden. Zudem haben

sich beide für eine allgemeine Wehrpflicht

auch für die bisher freigestellten

Orthodoxen Juden ausgesprochen. Netanjahu

wollte auch diese Bedingungen

nicht eingehen. Laut neueren Umfragen

würde Lapid heute mehr Stimmen

erhalten als Netanjahu.

Neben dem Problem, dass Netanjahu bis

zur Vereidigung eines neuen Ministerpräsidenten

als „Übergangspremier“

die Amtsgeschäfte weiterführt, muss

der Staat Israel auch ohne ordentlichem

Haushalt verwaltet werden. Das bedeutet,

dass jeden Monat nur ein Zwölftel

des alten Haushalts ausgegeben werden

darf. So kann die derzeitige Regierung

mangels Finanzierung keine neuen

Projekte ins Leben rufen.

Wegen der politischen Ungewissheit in

Israel könnte der zum Ende des Monats

erwartete Besuch des amerikanischen

Präsidenten Barack Obama im Nahen

Osten verschoben werden. Aus amerikanischen

Quellen verlautete, dass Obama

kein Interesse an einem Treffen mit

einer Übergangsregierung in Israel habe.

donnerstag, 14. März 2013

neue regierung in israel steht

offenbar

Die neue israelische Mitte-rechts-Regierung

unter Ministerpräsident Benjamin

Netanjahu ist offensichtlich unter Dach

und Fach. Rund sieben Wochen nach

der Parlamentswahl schloss Netanjahu

nach Angaben seiner Likud-Partei die

Regierungsbildung ab.

Das rechtsnationale Bündnis von Netanjahus

Likud und der Partei Beitenu werde

mit der Zentrumspartei und der rechten

Siedlerpartei Das jüdische Haus (Habeit

hajehudi) von Naftali Bennett koalieren,

sagte eine Likud-Sprecherin heute.

Auch Jair Lapid von der Zukunftspartei

(Jesch Atid), die in der politischen Mitte

angesiedelt ist, kündigte die Unterzeichnung

eines Koalitionsvertrags bis zum

Abend an. Das neue Bündnis verfügt

über 68 der 120 Sitze in der Knesset, dem

israelischen Parlament in Jerusalem.

Der israelische Rundfunk meldete, die

neue Koalition wolle sich um eine Wiederaufnahme

der Friedensgespräche mit

den Palästinensern und eine Verkürzung

der Wehrpflicht für Männer von drei

auf zwei Jahre einsetzen.

Lapid übernimmt den Posten des Finanzministers

und konnte für seine zweitgrößte

Partei in der Knesset auch das

Bildungsministerium sichern. Netanjahu

hatte sich bis zuletzt gesträubt, dieses

Amt abzugeben. Dafür verzichtete Lapid

auf das Innenministerium, das nun vom

bisherigen Bildungsminister Gideon Saar

(Likud) geleitet wird.

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16

schalom


Peace in progress

kenne deinen Feind

In einem Beitrag für die englische Ausgabe

der arabischen Zeitung ‘Asharq Al-Awsat’,

antwortet Amal al-Hazzani auf die Reaktionen,

die sein vorheriger Beitrag ausgelöst

hatte. In diesem rief er zur Normalisierung

mit Israel auf, befürwortete das Erlernen

der hebräischen Sprache und lobte den israelischen

Liberalismus. „Die Kritik war zu

erwarten, weil ich ein Tabu gebrochen

habe,“ schreibt al-Hazzani, „es tut mir Leid,

aber ich muss ihnen sagen, dass ihre Empörung

die Realität nicht verändern wird. Israel

wird so bleiben wie es ist: ein kleiner

Staat, jedoch stärker als der Rest der arabischen

Welt.“

Nachfolgend eine Zusammenfassung

seines Beitrags:

In meinem vorherigen Artikel [The Israel

We Don’t Know, 31.01.2013] war es

nicht meine Absicht, die politische Haltung

der Araber zu werten und die Araber

für ihre Arroganz anzuschuldigen,

es abzulehnen ihren Feind zu kennen

unter dem Vorwand, dies sei gleichbedeutend

mit der Anerkennung der Existenz

Israels.

Die bittere Wahrheit ist, dass wir Araber,

obwohl wir uns weigern, Israel offen

anzuerkennen, implizit bereits auf viele

Weise dies tun, durch die Gräber von

Märtyrern, Flüchtlingslager, die palästinensische

Diaspora und die periodischen

Kriege im Libanon und Gaza.

Wenn wir auf die Leugnung der Realität

bestehen, werden wir alleine im Dunkeln

zurückbleiben.

Die Sprache als Instrument des Wissens

– in diesem Fall Hebräisch – muss auf

den Radar der Nachbarstaaten Israels,

weil Israel noch für einige Zeit ihr Nachbar

als auch Feind bleiben wird. In Israel

ist Arabisch eine offizielle

Amtssprache, weil ein Fünftel der Bevölkerung

Araber ist, doch das ist nicht

Von aMal al-hazzani

der wichtigste Antrieb, warum dort gedrängt

wird, Arabisch zu lernen. Isolation

liegt nicht im Interesse Israels – das

ist der Grund. Ein bedeutender Teil israelischer

Webseiten, Magazine und

Zeitungen haben eine arabische Ausgabe

und die Zeitungen bieten sogar

Nachrichten aus arabischen Staaten an,

die Israel selbst als Feindstaaten betrachtet.

Man bedenke das Auftreten des israelischen

Verteidigungsministeriums auf

Twitter. Zu jedem islamisch-religiösen

Anlass twittert der Sprecher die Glückwünsche

der israelischen Armee – auf

Arabisch – an die Muslime. Und bedenkt

man die Eigenart dieses Mediums, so

wendet sich der Sprecher – der selbst

Arabisch spricht – nicht nur an israelische

Araber oder Palästinenser, sondern

eher an die ganze arabische Präsenz auf

Twitter.

Im Gegensatz dazu wagen es die arabischen

Medien nie, israelische Nachrichten

aus Kultur oder Wirtschaft zu veröffentlichen,

aus Angst beschuldigt zu

werden, sich für den Zionismus zu engagieren.

Im Ergebnis bedeutet das, dass

arabische Pressekanäle Fakten nicht vollständig

liefern. Während der Kriege im

Libanon und Gaza vermieden arabische

Satellitensender, jemanden für die israelische

Seite sprechen zu lassen. Natürlich,

um so sicherzustellen, dass das

arabische Publikum sich nicht gegen

die arabischen Medienkanäle wenden

würde, auch wenn es der springende

Punkt im Journalismus ist, beide Seiten

einer Geschichte anzuhören. Einzig ‘Al-

Arabiya’ wagte, dem Trend nicht zu folgen

und wurde dafür auch schnell als

„Zionist“ gebrandmarkt.

Die Araber konzentrieren sich seit 1967

auf den blinden Hass. Währenddessen

hat sich Israel zum Zentrum für höhere

Bildung und Kultur aufgebaut, das jährlich

Millionen Touristen anzieht. Israel

armee den untersucht Tod

palästinensischer zivilisten

Die israelische Armee untersucht derzeit 70

Fälle, bei denen palästinensische Zivilisten

während der Militäroperation „Wolkensäule“

im vergangenen November im Gazastreifen

ums Leben gekommen waren, so der militärische

Generalanwalt, Danny Efroni.

Der Generalstabschef habe sofort nach der

Militäroperation eine umfassende Untersuchung

der Fälle angeordnet. Die meisten der

70 Vorfälle würden untersucht, obwohl es

keine gesetzliche Verpflichtung dafür gebe,

da keine Beschwerde eingelegt wurde, heißt

es in einem Bericht der Tageszeitung „Yediot

Aharonot“.

Efroni betonte, „die Existenz der Untersuchung

bedeutet nicht, dass wir ein Verbrechen

vermuten, sondern sie drückt die Verbundenheit

der Armee gegenüber dem internationalen

Recht und die ehrlichen Versuche

der Armee aus, zivile Opfer so weit es geht zu

vermeiden“. Laut dem Generalanwalt werden

die Ergebnisse in einigen Wochen erwartet.

Bei den acht Tage andauernden Kämpfen

zwischen Israel und palästinensischen Gruppen

im November im Gazastreifen waren

mehr als 170 Palästinenser und sechs Israelis

ums Leben gekommen.

ist sogar den USA im Bereich Programmierung

und Software Industrie zur

Konkurrenz geworden.

Die jährliche US-Hilfe an Israel liegt nicht

höher als 1.5 Prozent des israelischen

BIP, das US$ 240 Mrd. beträgt, und drei

Viertel der Hilfe wird für Waffen ausgegeben.

Daher ist die Behauptung unwahr,

Amerika füttere die Israelis und

finanziere ihr Bildungs- und Gesundheitswesen;

Israel ist ein reicher Staat,

der kei- ne Unterstützung von anderen

braucht.

Wir müssen Israelis verstehen, um zu

wissen, wie wir vergleichen können.

Kriege können nicht mit Hassgefühlen

alleine gewonnen werden. Kenne deinen

Feind, sodass du keine grossen Verluste

erleiden musst. Das ist alles, was

ich sage.

AudiaturOnline, 13. Februar 2013

Zusammenfassung der Originalversion: Know

Your Enemy by Amal al-Hazzani © Asharq

Alawsat, 7 February 2013.

Dr. Amal Al-Hazzani ist Privatdozent an der King

Saud university in riyadh.

schalom 17


Palästinensische Flüchtlinge unerwünscht

Peace in Progress

Von ulrich W. sahM, JerusaleM

Mitte Dezember hatte der syrische Bürgerkrieg

auch die palästinensischen

Flüchtlinge im Jarmouk-Lager bei Damaskus

voll getroffen. Acht Kilometer

südlich des Stadtzentrums von Damaskus

1957 errichtet, war das Jarmouk Lager

Heim von 168.000 der rund halben

Million in Syrien lebenden Palästinenser.

Ob sich radikale bewaffnete palästinensische

Gruppierungen den Rebellen angeschlossen

haben, oder angegriffen

wurden, weil sie sich auf die Seite des

Präsidenten Assad gestellt haben, lässt

sich angesichts der diffusen Berichte aus

Syrien nicht ermitteln. Tatsache ist, dass

über 100.000 Lagerbewohner wegen der

Kämpfe und Luftangriffe fliehen mussten.

Obgleich sich die UNO-Flüchtlingsorganisation

UNWRA allein um palästinensische

Flüchtlinge kümmert und

ihnen seit Jahrzehnten Nahrungsmittel,

Notunterkünfte und andere Hilfe zukommen

lässt, stehen diese Menschen

vor einem Nichts. Um alle anderen

Flüchtlinge der Welt - auch Syriens -

kümmert sich die andere UNO-Flüchtlingshilfeorganisation,

UNHCR. Geschätzte

250.000 syrische Flüchtlinge hat

es ins benachbarte Jordanien verschlagen,

wobei die meisten in jordanischen

Städten untergekommen seien. Nur ein

Teil von ihnen sitzt in Lagern nahe der

Grenze, wo sie neben bunten Matratzen

auch einen Koran zum Milchpulver erhalten.

Allein Palästinenser aus Syrien

werden nicht ohne weiteres ins Land gelassen.

Und wer es dennoch nach Jordanien

schafft, wird unter besonders

schweren Bedingungen im Lager Cyber

City festgehalten.

Bereits eine Million syrer geflohen

Wie der TV-Sender Al Dschesira berichtet,

dürfen Palästinenser mit jordanischem

Ausweis zwar einreisen. Doch

Kinder „jordanischer“ Frauen ohne Ausweis

müssen in Syrien bleiben. Der Sender

berichtete von auseinander gerissenen

Familien und zurückgelassenen

Kleinkindern.

Grundsätzlich will Jordanien gar keine

Palästinenser mehr einlassen. „Jordanien

ist nicht verpflichtet, den politischen Preis

für die Syrienkrise zu zahlen“, sagt Regierungssprecher

Samih Maaytah. „Ein

Transfer Zehntausender palästinensischer

Flüchtlinge von Syrien kann Jordanien nicht

hinnehmen.“ Der Sprecher fügte hinzu,

dass palästinensische Flüchtlinge eine

„politische“ Frage seien und keine humanitäre.

Jordanien hat schon eine palästinensische

Bevölkerungsmehrheit von 75%

und fürchtet ein weiteres Anwachsen

dieser Gruppe, zumal das Königreich

1970 im „Schwarzen September“ schon

einmal einen blutigen palästinensischen

Putsch gegen das Königshaus erlebt hat.

Im Zaatari-Camp in der nördlichen Wüste

Jordaniens, wo 50.000 syrische Flüchtlinge

in höllischer Sommerhitze und jetzt

in Zelten bei Wintersturm, schweren Regengüssen

und Schnee ausharren, kam

es schon zu gewalttätigen Protesten wegen

der unmenschlichen Bedingungen.

Während in Syrien die Kämpfe unvermindert weitergehen, hat die UNO neue Flüchtlingszahlen

veröffentlicht. Bereits eine Million Syrer seien ins Ausland geflohen, so das

UNO-Flüchtlingshilfswerk, UNHCR. Allein seit Januar seien 400.000 Menschen geflohen

– rund die Hälfte davon Kinder. Die Flüchtlinge seien ohne Habseligkeiten und traumatisiert.

Weitere Millionen an Vertriebenen seien im Land selbst unterwegs. Die

Flüchtlingswelle wird zunehmend zum finanziellen Problem für die Anrainerstaaten.

Neben Jordanien sperrt jetzt auch der

Libanon palästinensische Flüchtlinge

aus. Während syrische Bürger aufgrund

alter Abkommen problemlos die Grenze

überschreiten können, verlangt der

Zedernstaat von Palästinensern neuerdings

eine Visumsgebühr in Höhe von

US$ 16 pro Person für einen zweiwöchigen

Aufenthalt. Eine Verlängerung kostet

die doppelte Gebühr. Das berichtet

die Beiruter Zeitung ‘Daily Star’. Für

kinderreiche Familien sei das eine unbezahlbare

Summe. Nach Angaben der

Zeitung stecke die im Libanon de facto

herrschende schiitische Hisbollah-Partei

hinter diesem Versuch, die in Lagern

im Libanon lebenden Palästinenser nicht

weiter zu stärken. Bis 1982 verfügten

die Palästinenser im Libanon über einen

„Staat im Staat“ mitsamt eigener Armee,

ähnlich wie die Hisbollah heute.

Auch im Staat Palästina sind aus Syrien

geflohene Palästinenser unerwünscht,

sowohl in dem von der Hamas-Organisation

kontrollierten Gazastreifen wie

in den Autonomiegebieten im Westjordanland.

UNO-Generalsekretär Ban Ki

Moon hat die Nachbarländer Syriens aufgefordert,

ihre Tore für Flüchtlinge zu

öffnen. Hamas Premierminister Ismael

Hanija habe daraufhin der UNWRA mitgeteilt,

dass eine Aufnahme palästinensischer

Flüchtlinge im Gazastreifen dem

„Rückkehrrecht“ der Flüchtlinge in das

Kerngebiet Israels widerspreche. Palästinas

Präsident Mahmoud Abbas habe

seine Ablehnung gegenüber der UNO

mit dem „bevorstehenden finanziellen Bankrott“

der Autonomiebehörde gerechtfertigt.

Entsprechend hat der palästinensische

UNO Botschafter Riyad Mansur

am 19. Dezember per Brief an den UNO

Sicherheitsrat die Weltgemeinschaft aufgefordert,

sich um die palästinensischen

Flüchtlinge in und aus Syrien zu kümmern,

ohne anzubieten, sie im Staat Palästina

aufzunehmen.

Israel hat sich nach Angaben der stellvertretenden

Sprecherin des Außenministeriums,

Ilana Stein, bereit erklärt, die

Einreise von Palästinensern aus Syrien

in die Autonomiegebiete zu erleichtern.

„Bisher hat sich noch niemand gemeldet“,

sagte sie gegenüber Foxnews. Israel kontrolliert

die Grenzen. Weiter sagte sie,

dass Israel humanitäre Hilfe für die

Menschen in Syrien angeboten habe.

Doch eine Anfrage über das Rote Kreuz

an die Rebellen in Syrien, ob sie israelische

Hilfsgüter wünschten, sei abschlägig

beantwortet worden.


18

schalom


©Fotolia

30 landwirte aus dem gazastreifen

haben im vergangenen Monat an einer

Messe in südisrael teilgenommen. die

ausstellung wurde in der region eschkol

abgehalten – einem hauptziel palästinensischer

angriffe während der

„operation Wolkensäule“ nur anderthalb

Monate zuvor.

„Landwirtschaft kennt keine Grenzen“,

kommentierte der Leiter der Landwirtschaftlichen

Abteilung in der Verwaltungsbehörde

der israelischen Armee für

die Koordination im Gazastreifen, Uri

Madar, die palästinensische Teilnahme an

der Ausstellung. „Pflanzenschädlinge zum

Beispiel können von einer Seite zur anderen

herüberkommen, deshalb gibt es hier ein gemeinsames

Interesse. Wenn es im Sicherheitsbereich

ruhig ist, dann besteht Raum,

die Wirtschaft und die Landwirtschaft auf

der anderen Seite zu entwickeln.“ Die Behörde

hatte es den 30 Landwirten aus

dem Gazastreifen genehmigt, die Messe

in Eschkol zu besuchen. Die Region

grenzt an das palästinensische Gebiet

und an Ägypten.

Der Vorsitzende des Bauernverbandes

in der Stadt Khan Junis, Dschamal Abu al-

Nadschar, sprach während der Ausstellung

mit einem israelischen Landwirt.

Dieser entwickelt neue Tomatensorten.

Der Palästinenser zeigte sich beeindruckt

von den neuen Technologien, berichtet

die israelische Tageszeitung „Yediot

Aharonot“. Er erstellte eine Einkaufsliste

für verschiedene Tomatensorten.

Die beiden Bauern tauschten

auch ihre Telefonnummern aus und

vereinbarten, miteinander im Geschäft

zu bleiben. „Aber Sie werden mir einen

guten Preis machen“, sagte Al-Nadschar.

Die Landwirte in Gazastreifen sehen

keine Probleme darin, nach Israel zu

fahren und Geschäfte mit israelischen

Firmen zu machen. „Im Gegenteil“, zitiert

„Yediot Aharonot“ palästinensische

Besucher der Messe. „Unser Interesse ist

es, die Dinge weiter mit der israelischen

Seite zu koordinieren und sogar das Produkt

nach Israel selbst zu exportieren. Wir

betrachten die Dinge nicht aus politischer

Sicht. Wir und ihr schauen auf den wirtschaftlichen

Nutzen.“ Die Hamas-Regierung

in Gaza mische sich nicht in die

Angelegenheiten der Bauern ein. „Wir

stimmen uns nicht mit ihr ab. Wir stimmen

uns nur mit der Palästinensischen Autonomiebehörde

und mit Israel ab.“

export aus dem gazastreifen

auf täglicher Basis

Der Vorsitzende des Bauernverbandes

in Gaza-Stadt, Ahmad Schafi, sagte: „Export

von landwirtschaftlichen Erzeugnissen

geschieht Tag für Tag vom Gazastreifen nach

Europa. Wir exportieren Paprika, Erdbeeren,

Blumen, Cherrytomaten und Gewürze.“

Seit dem Ende der Militäroperation

„Wolkensäule“ Mitte November wurden

200 Tonnen Erdbeeren, 130 Tonnen

Tomaten, fünf Tonnen Gewürzkräuter

und eine Million Blumen aus dem Gebiet

ausgeführt.

Al-Nadschar wies darauf hin, dass die

Waffenruhe nach der Operation den

Landwirten zugute komme: „Die Leute

können ihre Ländereien aufsuchen, die sich

in der Nähe der Grenze befinden und sie bearbeiten.

Es gibt Export nach Europa, aber

unser Hauptziel ist es, unsere Erzeugnisse

wieder nach Israel und ins Westjordanland

zu exportieren, wie es vor der Machtübernahme

der Hamas war.“

Der beste Markt sei der israelische, meint

der Vorsitzende des Verbandes von

Khan Junis. Das hohe Bruttonationaleinkommen

führe dazu, dass die Israelis

für die Waren mehr zahlten. Selbst

wenn der Rafah-Übergang nach Ägypten

geöffnet sei, würden die Palästinenser

ihre Produkte lieber über Israel in

andere Länder exportieren. Denn die Israelis

seien erfahrener. Die Waren kämen

dadurch nach Europa, wenn sie noch

frisch seien. „Wenn die Wirtschaft funktioniert,

sind die Leute zufrieden, und es

gibt keine politischen Probleme“, lautete

das Fazit der Messebesucher aus dem

Gazastreifen.

inn

Peace in Progress

schalom 19


Peace in Progress

ulpanim für

arabische Freiwillige

Die Regierung plant, in den arabischen

Kommunen spezielle Hebräisch-Kurse

für Freiwillige des nationalen

Zivildienstes anzubieten.

Für alle israelischen Staatsbürger, die

nicht der Wehrpflicht unterliegen,

besteht die Möglichkeit, sich freiwillig

zum nationalen Zivildienst zu melden.

Vor allem religiöse Frauen nehmen

diese Möglichkeit wahr, jedoch

zunehmend auch arabische Israelis.

Für sie hat die Behörde für den nationalen

Zivildienst ein Programm entwickelt,

das vor allem sprachliche

Kompetenzen stärken und so auch

die Chancen auf dem Arbeitsmarkt

nach Abschluss des Freiwilligendienstes

vergrößern soll.

An arabischsprachigen Schulen in

Israel ist Hebräisch ab der dritten

Klasse Pflicht, doch die Kurse sollen

besonders auf die Freiwilligen- und

eine spätere Berufstätigkeit vorbereiten.

Etwa 2.300 arabische Jugendliche

nehmen zurzeit an dem Freiwilligendienst

teil.

Haaretz

Etwa 70% der Neuntklässler im Gazastreifen

wählen Hebräisch als Schulfach

anstatt Französisch oder Gesundheitspflege.

Das Sprachangebot gibt es seit

diesem Schuljahr. „Hebräisch ist ein Wahlfach,

das 16 Schulen anbieten. Wenn es erfolgreich

ist, werden wir es in allen Schulen

im Gazastreifen anbieten“, kündigte der

Bildungsminister Mustafa Marsuk laut

der palästinensischen Nachrichtenagentur

„Ma‘an“ an.

Der Neuntklässler Ahmad al-Harasin

sagte, er habe Hebräisch wegen seiner

Ähnlichkeit zum Arabischen gewählt –

und weil die Menschen, die in der Umgebung

des Gazastreifens leben, Hebräisch

sprächen. „Hebräisch ist leicht zu

lernen. Manchmal rede ich ein paar Brocken

mit meinem Vater.“

Auch Imad Baaluscha, Direktor der Al-

Schafi-Schule, sieht die Entwicklung positiv.

Seine Schüler mögen das Fach, das

eine wertvolle Ergänzung des Lehrplans

sei. Er wies darauf hin, dass es Hebräisch-Unterricht

schon vor der Gründung

der Palästinensischen Autonomiebehörde

im Jahr 1994 gegeben habe.

israelischer arzt riskiert sein leben

für palästinensischen steinewerfer

Palästinenser sind in jeder Hinsicht ein integraler Bestandteil der israelischen

Hadassah-Kliniken. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen (Ende

Februar) wagte sich ein israelischer Arzt auch heimlich nach Nablus. Nablus wird

von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert: Der Arzt verzichtete

jedoch auf die vorgeschriebene Begleitung durch israelische Soldaten, um das

Leben eines jungen Palästinensers zu retten. Der war als Steinewerfer bei Auseinandersetzungen

mit israelischen Soldaten und Siedlern verletzt worden. Seine

Verletzungen waren schwer, dass ihm die Ärzte im Krankenhaus von Nablus

nicht mehr helfen konn- ten und sie ihre israelischen Kollegen um Hilfe baten.

Man wandte sich an Dr. Micha Shamir, einem hochrangigen Notfallmediziner der

Hadassah-Klinik, der sich umgehend auf den Weg machte, begleitet von einem

Assistenten und einem Beamten der Zivilverwaltung. Er reiste in einem palästinensischen

Fahrzeug, eskortiert von palästinensischen Sicherheitskräften nach

Nablus.

Shamir überwachte die Vorbereitung des Patienten, der in einen Rettungswagen

des „Roten Halbmondes“ verlegt wurde. Unter arabischer Polizei-Eskorte rasten

sie zum Checkpoint an der Grenze, wo ein Hubschrauber der israelischen Airforce

bereits startklar wartete."Als wir die Nablus-Klinik verließen, waren wir mit

einer brüllenden Menschenansammlung konfrontiert. Doch unser Konvoi war größer,

als der eines Ministerpräsidenten. Es war klar, dass wir dem jungen Mann helfen mussten.

Aber Nablus zu betreten war nicht angenehm, und es gab Momente, in denen ich

richtig Angst hatte.", erzählte Dr. Shamir.

Der Patient befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung.

hebräisch im gazastreifen beliebt

Früher war den Bewohnern des Gazastreifens

Hebräisch besser vertraut, da es

mehr Austausch mit Israelis gab: Sie arbeiteten

in Israel oder lernten die Sprache

in dortigen Gefängnissen. Umgekehrt

hatten viele Israelis im Gazastreifen

eingekauft oder Restaurants besucht.

Seit den beiden „Intifadas“ 1987 und ab

2000 sowie nach dem Rückzug Israels

aus dem Gazastreifen 2005 gibt es nur

noch selten direkten Kontakt zwischen

beiden Seiten.

Seit Januar dieses Jahres bietet auch die

Islamische Universität in Gaza-Stadt

Hebräisch-Kurse an. Im Westjordanland

gibt es dieses Bildungsangebot nicht. inn

Jeden Tag ein

arabisches Wort

Chanin Majadle (23), ursprünglich aus

Baqa al-Gharbiya, heute wohnhaft in

Tel Aviv, reichte es: Ständig fragten sie

ihre jüdischen Freunde, wie man dieses

oder jenes Wort auf Arabisch sagt. Warum,

dachte sie sich, sollte man das

Ganze nicht ein wenig systematischer

gestalten und eröffnete die Facebook-

Seite „Kalima – Ein Wort am Tag“, die den

Fans jeden Tag ein neues arabisches Wort

beibringt.

Majadle ist B.A.-Studentin für Nahost-

Studien an der Universität Tel Aviv und

hilft ihren Kommilitonen gerne beim

Arabisch-Lernen. Die Seite sieht sie

aber nicht nur als Zusammenfassung

dieser Nachhilfestunden sondern auch

als Mittel der Annäherung zwischen

Juden und Arabern.

„Sprache ist eine Brücke“, so Majadle, die

die Wörter nach aktuellen Anlässen

aus Politik und Gesellschaft auswählt

und auch immer in einem kurzen Text

erläutert, warum sie sich für ein bestimmtes

Wort entschieden hat.

Selbstverständlich braucht es zum Sprechen

mehr als nur „Ein Wort am Tag“,

aber Majadles Hauptanliegen ist es, die

Nutzer miteinander ins Gespräch zu

bringen. Und das scheint ihr zu gelingen:

nach nur fünf Tagen hatte die Seite

3.618 Likes – die Fans sind sowohl

Juden als auch Araber.

Ynet

20

schalom


der gazastreifen im wirtschaftlichen austausch

Geht vom Gazastreifen keine militante

Aktion aus, hilft Israel der dortigen

Wirtschaft. Mit dieser Botschaft hat das

israelische Außenministerium neue Daten

zur wirtschaftlichen Lage in dem

Küstenstreifen veröffentlicht.

Im Dezember 2012 hat Israel 60 Lastwagen

und Busse in den Gazastreifen gelassen,

und täglich 20 Lastwagen mit

Baumaterial, heißt es in dem Bericht.

„Dies wurde vor dem Hintergrund der

Ruhe im Gazastreifen und dem bleibenden

Dialog mit Ägypten seit Ende der ‚Operation

Wolkensäule‘ getan. Solange die Ruhe

und der Dialog bestehen bleiben und israelische

Interessen, allen voran die Sicherheit,

gewahrt sind, wird Israel weitere Maßnahmen

erwägen.“

Im Dezember, Januar und einem großen

Teil des Februars haben die Palästinenser

im Gazastreifen keine einzige Rakete

auf Israel abgefeuert. Am 26. Februar

schlug wieder eine ein, die das Industriegebiet

der Küstenstadt Aschkelon

traf, aber niemanden verletzte. Vor dem

achttägigen Waffengang „Operation

Wolkensäule“ im November 2012 stand

Israel unter massiven Raketenbeschuss

aus dem Gazastreifen.

Im Januar 2013 haben dem Bericht zufolge

4.991 Lastwagen mit 143.277 Tonnen

an Gütern den Gazastreifen durch

den Übergang bei Kerem Schalom erreicht.

Kranke Personen verlassen mit

ihrer Begleitung den Gazastreifen durch

den Eres-Übergang im Norden, um sich

in Israel oder in anderen Ländern behandeln

zu lassen. Weiters dürfen täglich

120 Geschäftsleute den Gazastreifen

verlassen, dieses Limit werde jedoch

nicht ausgenutzt. Insgesamt seien im

Januar 2013 5.219 Palästinenser durch

den Übergang im Norden aus dem Gazastreifen

ausgereist.

Warenlieferungen und hilfsprojekte

Der Gazastreifen exportiert unter den

Agrarprodukten vor allem Erdbeeren,

Blumen, Paprika, Tomaten und Kräuter.

Im vergangenen Jahr fanden Möbel

aus dem Gazastreifen Verwendung in

Schulen im Westjordanland, außerdem

gab es Möbellieferungen nach Jordanien

und Ägypten.

Die Einfuhren sind auf 450 Lastwagen

pro Tag begrenzt, tatsächlich passieren

den Kerem Schalom-Übergang jedoch

nicht mehr als 320. Auf diese Weise erreicht

den Gazastreifen zum Beispiel

Dieselkraftstoff, den das Emirat Katar

spendet. Der Treibstoff kommt über

Ägypten durch den Grenzübergang bei

Nitzana nach Israel und von dort in

den Gazastreifen.

Im Januar wurden die Arbeiten an einer

unterirdischen elektrischen Leitung beendet.

Israel stellt den Großteil des

Strombedarfs im Gazastreifen zur Verfügung.

Über die jetzt fertig gestellte

Leitung erreichen 10% des Bedarfs den

Küstenstreifen. Damit verfügen 70.000

Einwohner im Norden des Gebietes

über ein stabiles Stomnetz.

Dem Bericht zufolge wurden seit dem

Jahr 2010 235 internationale Hilfsprojekte

im Gazastreifen zugelassen. Davon

seien 88 bereits umgesetzt, 83 stünden

kurz vor dem Start.

hat israel ägyptischen sand gestohlen?

In einem 500 Seiten langen Schreiben an die Vereinten Nationen verlangt

Ägypten US$ 500 Mrd. Schadenersatz von Israel für die Zeit während der Besatzung

der Sinai-Halbinsel von 1967 bis 1982.

Unter den Beschuldigungen finden sich Verluste durch die Übernahme des

Suez Kanals, die dem Land Millionen gekostet haben sowie der Vorwurf, Israel

habe Sand im Wert von US$ 50 Mrd. gestohlen. Dass die geforderte Gesamtsumme

den gesamten israelischen Haushalt übersteigt, stört die Beamten

Ägyptens wenig. Sie verwiesen auf den Friedensvertrag der beiden Länder

und sagten, dass sie lediglich die freundschaftlichen Bande beider Länder

stärken wollen.

Die UNO hat bisher auf das Schreiben Ägyptens nicht reagiert, daraufhin

haben sich die Ägypter an die Amerikaner gewandt – die jedoch auch noch

nicht geantwortet haben.

Israelische Anwälte haben sich schon auf einen Prozess vorbereitet. „Wenn

man die Störung unseres Handelsverkehrs, die Menge an Schiffen, die von

Ägypten beschlagnahmt wurden und die Sonderzölle einberechnet, kommt

man zum Ergebnis, dass Ägypten uns noch etwa eine Trillion Dollar schuldet,“

sagte ein Sprecher.

stromleitungen nach gaza aufgerüstet

Die unterirdischen elektrischen Leitungen, die den nördlichen Gazastreifen von

Israel aus mit Elektrizität versorgen, sind Ende Februar saniert und aufgerüstet

worden.

Diese Leitungen liefern täglich 12,5 MW Elektrizität, das sind zehn Prozent der

Gesamtmenge an Elektrizität, die Israel jeden Tag in den Gazastreifen liefert. Der

Großteil der von den Bürgern des Gazastreifens verbrauchten Energie kommt aus

Israel.

Die Aufrüstung der Leitungen hat nun deren Kapazitäten deutlich erweitert, sodass

die Stabilität der Energieversorgung besser gewährleistet wird. Im nördlichen

Gazastreifen liegen mit Beit Hanoun und Beit Lahia zwei größere Städte mit

zusammen etwa 70.000 Einwohnern.

Die israelische Regierung verfolgt eine konsequente Politik der Unterstützung

der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen.

COGAT

Peace in Progress

schalom

21


Peace in Progress

arabische und jüdische kleinunternehmerinnen

in israel

2013 Annual Jasmine Conference

The Power of Women-Owned Businesses as Suppliers

Tuesday, February 19, 2013, Kfar Maccabiah, Rayman Hall, 7 Perets Bernstein St., Ramat Gan

The annual Jasmine Conference for

the advancement of small businesses

owned by Jewish

and Arab women, will be

held in cooperation

wish-Arab Economic Development and Konr

oundation, f

e year. This annual

highlight event ent brings together b

epr es

ofinance institutions, as well

as Jasmine members - Jewish and Ar omen who o

eine Moderator: Dana wirtschaftliche Weiss

und gesellschaftliche

ence progr

Registration and gathering

Opening remarks:

erfolgsgeschichte Kiram Baloum geht Dir

eweiter

Dir onrad Adenauer Found

Executive Dir ter f

Small W

Am 19. Februar a Str 2013 fand denzum f J e zwölf-

The P

d Co-Found ect Intern

ten Mal die jährliche „Jasmine-Konferenz“

statt, die jüdische und arabische

er

d N g

ael: A Snapshot

Lilach

M

d of Management, Head of

g, Hapoalim B.M

Inhaberinnen kleiner P

e und actors in mittlerer Growing Y Unternehmen

zusammenbringt Moshe Riany

auss Israel

und ihnen

Alon Kinast

f Finance, Government Pr emen

dministration

aher

ravel M agement

neue Perspektiven 13:00-14:30 Lunch

aufzeigt. „Jasmine“

14:30-16:00 eak

shops sponsor

ist ein gemeinsames Tips f Projekt der KAS Is-

am Ilani

d An

oup

Mobile as a Business Pr

rael und des Center for Jewish-Arab Economic

Development. David Isaac anag Die en f CustomInitiative ams

oup ver-

Barak ak Leshem

shop 3:

Customer Lo ams as a Marketing T

16:00

Closing remarks

anstaltet einmal jährlich eine Konferenz

15 Maskit Street POB 12017 Herzeliya Pituach, Israel

el: (972-9) 971-9906 Fax: (972-9) 954-0136

www.cjaed

am@cjaed.org.il

zu wechselnden Themen. Dieses Jahr

thematisierte sie in Ramat Gan die

Marktmacht von weiblich geführten Unternehmen

als Zulieferern. Besucht wurde

die Konferenz von rund 300 interessierten

Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

en t

Moderiert wurde die Konferenz von

der bekannten Fernsehjournalistin

Dana Weiss, die dank einer exzellenten

Vorbereitung dafür sorgte, dass alle Diskussionen

auf das Ziel der Konferenz

ausgerichtet blieben und für die anwesenden

jüdischen und arabischen Unternehmerinnen

praktisch verwertbare

Empfehlungen zeitigten.

Zu Beginn der Konferenz hob die Direktorin

von „Jasmine“, Frau Kiram Baloum,

hervor, dass „Jasmine“ seit Neuestem

ein selbständiger eingetragener Verein

sei, nachdem sie viele Jahre lang unter

dem Dach des Centers for Jewish-Arab

Economic Development agiert habe.

Michael Mertes, Leiter der KAS Israel,

lobte in seinem Grußwort die wertvolle

Partnerschaft mit „Jasmine“ und wies

daraufhin, dass es zu den Zielen der KAS

Israel gehöre, den Gedanken der Sozialen

Markwirtschaft zu fördern; Rückgrat

dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung

sei ein starker Sektor aus kleinen

und mittleren Unternehmen.

Die Präsidentin von „Jasmine“ und Vorstandsvorsitzende

der Strauss Group,

eines der größten Unternehmen Israels,

Frau Ofra Strauss, eröffnete die Vortrags-

und Diskussionsreihe. Sie machte

deutlich, dass eine demokratische Gesellschaft

wie Israel die kleinen und

mittleren Betriebe nicht zuletzt als Beitrag

zur Diversität sowie zur wirtschaftlich-sozialen

und technologischen

Selbsterneuerung brauche.

Als Leiterin eines enorm großen Unternehmens

räumte sie ein, selbst nie direkt

mit den Zulieferern in Verbindung

getreten zu sein und wenig über diese

zu wissen. Innerhalb von Großunternehmen

müsse das Bewusstsein dafür

gestärkt werden, dass es im eigenen Interesse

liege, Waren und Dienstleistungen

von Betrieben zu kaufen, welche

von Frauen geführt werden. Dies gelte

insbesondere auch für die öffentliche

Hand, die bekanntlich der größte Beschaffer

und Auftraggeber für die heimische

Wirtschaft sei.

Da für die Einkaufsmanager großer Betriebe

und Verwaltungen lediglich Konkurrenzfähigkeit,

innovative Lösungen

und beste Qualität zu erschwinglichen

Preisen zählten, müssten sie darauf aufmerksam

gemacht werden, dass sie gerade

auch bei Anbietern kleiner und

mittlere Größe fündig werden könnten.

Diese Überzeugung müsse in einem

längeren Prozess verinnerlicht werden.

Dass es schon einige Fortschritte gebe,

sei daran sichtbar, dass eine Vielzahl

arabischer Frauen in den letzten Jahren

eigene Unternehmen gegründet hätten.

Studien über von Frauen geleitete oder

gegründete Unternehmen zeigten, dass

es sich dabei nicht um ein Randphänomen

handele, sondern um einen immer

stärker werdenden Trend.

Frau Elizabeth A. Vazquez von WEConnect

International sprach im Blick auf

die Integration von Frauen in das Wirtschaftsleben

von „außergewöhnlichen

Zeiten der Offenheit und Einbeziehung“.

Sie lobte die Fortschritte, die Israel

in Bezug auf die Förderung von

Unternehmen gemacht habe, die von

Frauen gegründet und geführt werden.

Sie sprach die Problematik an, dass einerseits

Frauen die meisten Konsumentscheidungen

treffen, andererseits jedoch

nur ein Prozent der Zulieferbetriebe von

Frauen geleitet würden. Dahinter stecke

keine bewusste Entschei dung auf Seiten

des Einkaufsmanagements; es bedeute

aber, dass Frauen initiativ werden

und sich ins Sichtfeld der Entscheidungsträger

begeben müssten.

Nach einem Vortrag von Frau Lilach

Asher-Topilsky, die als Leiterin des Retailbanking

bei der Bank Hapoalim aus

der Perspektive eines Kreditgebers das

Thema der Konferenz beleuchtete, diskutierten

Vertreter aus unterschiedlichen

Sektoren auf einem Panel über

konkrete Probleme und Herausforderungen.

Zu den Panelisten gehörten

Herr Alon Kinast, der im Finanzministerium

für Beschaffungsangelegenheiten

zuständig ist, Herr Moshe Riany, der

im Einkaufsmanagement der Strauss

Group leitend arbeitet, Frau Julia Zaher,

eine arabische Unternehmerin im Nahrungsmittelsektor,

und Frau Tzvia Dahan,

die sich als Unternehmensberaterin

selbstständig gemacht hat. Die Diskussionsteilnehmer

tauschten sich über ihre

jeweiligen Erfahrungen aus und trugen

mit Informationen und Ratschlägen zum

Ziel der Konferenz maßgeblich bei.

Von den Vorträgen und Gesprächsrunden

am Morgen und den Workshops

am Nachmittag konnten die Konferenzteilnehmer

wichtige Impulse – und nicht

zuletzt ein Gefühl der Ermutigung – für

ihre eigenen Unternehmen mitnehmen.

Sie profitierten von der Begegnung mit

anderen Unternehmerinnen aus verschiedenen

Wirtschaftsbranchen. Praktisch

bedeutsam war auch die klare Botschaft

an die öffentliche Hand und das

Einkaufsmanagement großer Unternehmen,

bei ihren Ausschreibungen und

Vergabeentscheidungen stärker als bisher

das enorme Potential zu nutzen, das

von jüdischen und arabischen Frauen

gegründete und betriebene Unternehmen

in Israel darstellen.

Insgesamt erwies sich die Konferenz als

eine überzeugende Werbung für die

tragende Rolle kleiner und mittlerer

Unternehmen für eine Wirtschafts- und

Gesellschaftsordnung, in der Wettbewerbsfähigkeit

und sozialer Ausgleich

zwei Seiten derselben Medaille sind.

Konrad Adenauer Stiftung (kas),

Elena Müller und Michael Mertes

22

schalom


Wirtschaft

„Fastcompany“ kürte die zehn innovativsten

unternehmen aus israel 2013:

1. sodastream

Weil es eine Alternative zu Flaschen bereitstellt.

Bis vor ein paar Jahren war SodaStream

nur in einigen wenigen Ländern

bekannt, heute ist es der weltweit

größte Hersteller und Vertreiber von

Sprudelwassersystemen zum Selbermachen

und vertreibt seine Marken an

mehr als 60.000 Verkaufsstellen in 45

Ländern.

2. Xsight systems

Weil es Start- und Landebahnen sicherer

macht. Fremdkörperteile auf der Startbzw.

Landebahn verursachen der Luftfahrtindustrie

Kosten von rund US$ 13

Mrd. pro Jahr und waren auch die Ursache

des berühmten Flugzeugunglücks

mit der Concorde-Maschine der Air

France im Jahr 2000.

Bislang werden diese Fremdkörper von

Sensoren aufgespürt, die entweder am

Flugturm oder an patrouillierenden

Fahrzeugen befestigt sind. Das neue System

von XSight namens FODetect dagegen

wird direkt in die Rollfeldleuchten

integriert und ist eine Kombination aus

Radarsystem und Videomonitoring.

Der Flughafen Boston „Logan“ installierte

2009 das System als erstes, es folgten

Paris „Charles De Gaulle“ und Bangkok

„Suvarnabhumi“ im Jahr 2012.

3. Waze Mobile

Für das Crowdsourcing der GPS-Navigation.

Waze sammelt Kartendaten und

die Informationen seiner mittlerweile

fast 30 Mio. App-Usern. Es bietet Empfehlungsrouten,

aktuelle Verkehrsinformationen

und sogar Treibstoffpreise in

Echtzeit. Im Oktober 2012 hat das Unternehmen

noch mehr Funktionen eingeführt:

Freunde, die miteinander an einem

Ort verabredet sind, können voneinander

in Echtzeit die Anfahrt verfolgen oder

sich den besten Treffpunkt zwischen

zwei Usern und die Idealroute dorthin

anzeigen lassen.

Waze wurde zur besten allgemeinen

Handy-App bei der internationalen

Handymesse Mobile World Congress in

Barcelona gewählt.

4. galil software

Weil es den arabischen Gemeinden

Hightech-Arbeitsplatze bietet.

Die arabische Minderheit ist auf dem

Arbeitsmarkt unterrepräsentiert, besonders

in der Tech-Industrie. Doch dies

beginnt sich nicht zuletzt dank des Beitrags

von Unternehmen wie Galil Software

zu ändern. Galil Software ist ein in

Nazareth ansässiger Anbieter von FuEund

Software-Dienstleistungen. Es beschäftigt

rund 150 arabische Ingenieure

und erhielt im vergangenen Jahr den

vom Premierminister verliehenen Preis

für Initiative und Innovation dafür, dass

es „jungen Arabern eine Karriere in der

High-Tech-Industrie bietet.”

5. agricultural knowledge online (akol)

Für die Modernisierung der chinesischen

Landwirtschaft. Chinas Provinz

Anhui die „Agro Cloud“-Lösung von

AKOL eingeführt und beziffert damit

seine gesamte Nahrungsmittelproduktion.

Die Technologie wurde gemeinsam

mit IBM entwickelt und ermöglicht es

den lokalen Behörden, die Produktion

von Obst, Gemüse, Milchprodukten, Geflügel

und Fleisch zu überwachen. Ein

erstes Pilot-Programm im vergangenen

Jahr sollte bei erwiesenem Erfolg auf

nationale Ebene erweitert werden.

6. Takadu

Für die weltweite Einsparung von Wasser.

TaKaDus System erkennt Lecks, geplatzte

Rohre, Störungen und ineffiziente

Abläufe in Echtzeit durch die Verwendung

vorhandener Daten und eigener

Algorithmen. Größter Kunde des

Unternehmens ist der Londoner Versorger

Thames Water, der 9 Mio. Menschen

beliefert. Im vergangenen Jahr expandierte

TaKaDu nach Lateinamerika, Australien

und in weitere Teile Europas.

Bloomberg global

innovation index: israel auf

Platz 1 in Forschung und entwicklung.

Insgesamt landete Israel nur auf Platz

32 von 50 Ländern. Das liegt vor allem an

der schlechten Bewertung der Produktivität

(Platz 24) und Patentaktivität (Platz 41).

Neben der herausragenden Stellung der

Forschung und Entwicklung (Platz 1) gehört

Israel auch in den Bereichen High Tech

Dichte und Dienstleistungseffizienz

(Platz 7) zu den führenden

Nationen.

7. kaltura

Für die Demokratisierung von Web-Videos.

Die Open-Source HTML5-Video-

Plattform Kaltura wird von mehr als

150.000 Internetnutzern, Bloggern, Medienfirmen

und Bildungsdienstleistern

verwendet. Im letzten Jahr erzielte das

Unternehmen seinen bislang größten

Coup: Wikipedia übernahm die Technologie

für seine Seiten, so dass sie für die

Videos von Millionen von Einträgen genutzt

werden kann.

8. insightec

Für die Entwicklung neuer, nicht-invasiver

Behandlungen. Das Unternehmen

(teilweise im Besitz von GE) kombiniert

MRT und Ultraschall-Technologien auf

spannende Art und Weise – Behandlung

der Patienten, ohne jemals zu operieren.

Die nicht-invasive Technik wird

bereits verwendet, um Tumore zu lokalisieren

und mit Hitze zu zerstören. Im

Oktober wurde InSightec in den USA

zur Behandlung von Schmerzen zugelassen,

die durch Knochenmetastasen

ausgelöst werden. Eine wichtige Alternative

für Patienten, die sich keiner

Strahlentherapie unterziehen können.

9. Pythagoras solar

Für die Verbreitung des Solar-Fensters.

Israel hat eine sehr dynamische Solarbranche,

und eine ihrer spannendsten

Entdeckungen ist Pythagoras, dem Entwickler

des weltweit ersten transparenten

Photovoltaik-Glases: Fenster also,

die Strom durch Sonnenlicht produzieren.

Im letzten Jahr wurde es erstmals

in ein öffentlich genutztes Glasgebäude

installiert. Die Fenster liefern Solarstrom

und produzieren auch eigenes Sonnenlicht,

um die Nutzung von zusätzlichem

künstlichen Licht zu verringern.

10. Better Place

Weil es Elektrofahrzeuge bezahlbar und

verfügbar macht. Better Place begann

2012 mit der Auslieferung seines Fahrzeug,

dem Renault Fluence Zero Emission,

an israelischen Kunden. Diese sind

durch ein landesweites Netz von Batterie-Wechsel-Stationen

weniger abhängig

von der bisher noch kurzen Laufzeit

der Stromreserven.

Wirtschaft

schalom

23


©Serge Attal/Flash90

Junge araber machen karriere

Wirtschaft

Immer mehr junge arabische Israelis

ziehen es vor, ihr persönliches Potential

auszuleben und eine professionelle Karriere

zu entwickeln – im Gegensatz zur

Arbeit einzig um des Einkommens willen,

die in der Vergangenheit gemeinsam

mit dem Familienleben für die meisten

im Vordergrund stand.

Dies geht aus einer Studie hervor, die

die NGO Kav Mashve (etwa „Vergleichslinie“)

auf ihrer Jahreskonferenz vorgestellt

hat. Kav Mashve hat sich die

Gleichstellung arabischer Akademiker

auf dem Arbeitsmarkt in Israel zum

Ziel gesetzt.

Die Studie stellte den „neuen jungen

Araber“ vor, Mitglied der „Generation

A“, für die Karriere, Professionalität

und Exzellenz oberstes Ziel ist.

So verteilten sich beispielsweise die arabischen

Studierenden heute viel stärker

auf die verschiedenen Universitäten in

Israel als noch vor wenigen Jahren. Bisher

sei die Universität Haifa klassische

Anlaufstelle für arabische Studierende

gewesen, heißt es in der Studie, jetzt

stellten sie jedoch bereits 23% der Studierenden

am Technion, und auch an

den übrigen Universitäten sei die Zahl

deutlich gestiegen.

„Generation A“, so Kheir Abd al-Razeq,

stellvertretende Generalsekretärin der

NGO, sei ein Begriff, der sich in den vergangenen

Jahren für die Generation der

25-29 Jahre alten Araber herausgebildet

habe. Für sie stehe die Karriere im Vordergrund,

auch Lebensgewohnheiten

und Konsumverhalten seien vollkommen

anders, als das der Elterngeneration.

„Es ist eine Generation, die die örtliche

Blase verlassen hat, die in kleineren Familien

aufgewachsen ist und mehr Aufmerksamkeit

erhalten hat“, so Abd al-Razeq.

„Das wichtigste für sie ist nicht mehr das

Einkommen sondern Karriere – ganz anders

als noch in der Elterngeneration, die häufig

eine Großfamilie mit unterstützen musste.“

© Liron Almog/FLASH90.

Die negev-region, die 60% der Landfläche von Israel

ausmacht, wurde auf der “Lonely Planet”-Liste auf

Platz 2 der Top 10 Regionen für das Jahr 2013 gewählt.

Alljährlich veröffentlicht der beliebte Reiseführer für

das kommende Jahr eine Liste der reizvollsten Gebiete,

Städte und Reiseziele.

Seien etwa Buchhalter oder Rechtsanwälte

früher nach dem Studium meist

ins Dorf zurückgekehrt, um sich dort

selbstständig zu machen, hätten viele

von ihnen heute das Ziel, in eine der

großen Firmen oder Kanzleien des Landes

aufgenommen zu werden – und dies

meist im Zentrum Israels. Auch schrieben

sich in den letzten Jahren immer

mehr Araber für Ingenieurwissenschaften

und High-Tech-Fächer ein – auch

hier mit dem Ziel, es in eine der großen

Firmen zu schaffen.

Ynet

Sonnenuntergang im Ramon Hotel in Mitzpe Ramon

24

schalom


israels weibliche Bevölkerung

Frauen verdienen 24% weniger

als Männer

Israel ist ein Land des Fortschritts, der

Innovationen. Erst kürzlich wurde der

Einsatz von so genannten Magermodels

auf den Laufstegen verboten, dazu der

Import und Verkauf von Kosmetika, die

an Tieren getestet worden sind.

In Sachen Gleichberechtigung herrscht

allerdings noch Aufholbedarf, wie eine

neue Studie des jährlichen „Supervisor

Reports“ zeigt. Zwischen Frauen und

Männern herrscht ein durchschnittlicher

Einkommensunterschied von 23,9 Prozent.

Allerdings muss erwähnt werden,

dass die Besteuerung in Israel Frauen

bevorzugt behandelt, das Nettoeinkommen

verkleinere den durch- schnittlichen

Unterschied demnach auf 15%.

Der israelische Gehaltsbeauftragte des

Finanzministeriums, Kobi Amsalem, gibt

zu, dass es noch eine Menge zu verbessern

gibt. Der Grund für die Diskrepanz

sei nicht Gehaltsdiskrimination sondern

der, dass Frauen einfach niedrigere Positionen

Ämtern innehätten, in höheren

Positionen seien nicht soviele Frauen

vertreten. Dazu komme, dass aufgrund

der Familiensituation eher Männer in

der Lage seien, Überstunden zu leisten.

2.888.300 Frauen über 15 Jahren im

Jahr 2012

Etwa 37% der Frauen sind Mütter von

Kindern bis 17 Jahre. 66,4% der berufstätigen

Frauen arbeiten Vollzeit (86,3%

der Männer) und 33,6% Teilzeit. 14,2%

der Teilzeitbeschäftigten gaben an, sie

würden lieber in Vollzeit arbeiten. Etwa

24.700 Arbeitnehmerinnen waren über

Leiharbeitsfirmen beschäftigt, damit machen

sie 50,6% der Leiharbeiter überhaupt

aus.

Frauen stellten 2012 48,6% der Berufstätigen

in akademischen Berufen und

30,8% der in leitenden Positionen Tätigen.

Außerdem waren 36,6% der im Hightech-Sektor

Tätigen Frauen.

Nachholbedarf gibt es allerdings noch

in der Lohngerechtigkeit: Das Durchschnittseinkommen

eines männlichen

Angestellten lag 2012 bei 9.976 Shekel

(etwa 2.000 Euro), das seiner Kolleginnen

bei 6.600 Shekel (etwa 1.300 Euro).

Das bedeutet, eine Frau verdient absolut

gesehen durchschnittlich lediglich 66%

vom Einkommen eines Mannes. Der Unterschied

in den Löhnen ist jedoch in den

vergangenen 20 Jahren gesunken: Anfang

der 1990er Jahre betrug das Durchschnittseinkommen

einer Frau lediglich

57% von dem eines Mannes. Geringer als

in absoluten Löhnen ist der Unterschied

auch im Stundenlohn: Hier beträgt er

83% des Einkommens der Männer.

In der Schule sind Mädchen erfolgreicher

als Jungen: 62% schlossen im vergangenen

Jahr mit der Matura ab, bei ihren

Mitschülern waren es lediglich 51%.

Dementsprechend waren 56,7% der Studierenden

im Studienjahr 2011/12 Frauen

(unter den arabischen Studierenden

waren es sogar 67,3%). 1969/70 hatten

sie noch 43,3% der Studierenden ausgemacht.

In den Masterstudiengängen waren

sogar 56,7% Frauen, unter den Doktoranden

immerhin noch 52,4%. 07.03.13

Fünf Prozent mehr

arbeitslose

Die Arbeitslosenzahl in Israel ist im

Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr

um 5,4% gestiegen. Auch die Zahl der

Entlassungen stieg um 8,2% auf insgesamt

147.583. Im Vorjahr verloren

136.299 Menschen ihre Arbeitsstelle.

Damit sind insgesamt rund 7% der israelischen

Bevölkerung arbeitslos. Die Zahl

an Arbeitslosen hängt auch mit einer

höheren Anzahl an verfügbaren Arbeitskräften

zusammen, berichtet die israelische

Tageszeitung „Yediot Aharonot“.

Eine Untersuchung des Zentralen Statistikbüros

zeigt, dass die Zahl der Arbeitskräfte

in Israel im vergangenen Jahr

um 3,2% gestiegen sei.

Im Jahr 2012 gab es 204.264 arbeitssuchend

Israelis. Etwa die Hälfte waren

Frauen: 114.491 weibliche Israelis waren

auf der Suche nach Arbeit.

Im Handelssektor war jedoch ein Hoch

zu verzeichnen: Die Nachfrage nach Arbeitskräften

stieg von November bis

Dezember um 5,6 % an. Insgesamt gab

es gegen Ende vergangenen Jahres im

Geschäftsbereich damit 62.600 offene

Stellen.

stabile start-ups

65% der israelischen Start-up-Unternehmen

sind in den letzten fünf Jahre tatsächlich

im Geschäft geblieben. Das ist

außergewöhnlich, weil bei dem Venture-

Capital-Modell der High-Tech-Industrie

in der Regel nur eines von 10 Start-up-

Unternehmen eine echte Rendite auf ihre

ursprüngliche Investition bietet.

rekordjahr für

Tourismus

Insgesamt besuchten 3,5 Mio. Menschen

Israel im Jahr 2012. Der überwiegende

Teil, 2,9 Mio., waren Touristen: Auf Platz

1 die USA mit 18%, knapp dahinter folgt

Russland, – aus dem 20% mehr Touristen

als noch 2011 nach Israel gereist sind.

77% der Touristen besuchten Jerusalem,

56% Tel Aviv-Jaffa. Für 51% der ausländischen

Touristen gehörte auch das Tote

Meer zum Pflichtprogramm.

aus deM zenTralen sTaTisTikaMT

Mehr ingenieurinnen

Rund ein Drittel der Studierenden der ingenieurwissenschaftlichen

Fächer an den

israelischen Hochschulen sind Frauen.

Dies geht aus einer Untersuchung der

Behörde für Hochschulbildung hervor.

Demzufolge gibt es an den unterschiedlichen

Einrichtungen und zwischen den

Fächern größere Unterschiede, generell

ist aber bei Frauen ein starker Trend hin

zum Studium bisher „männerspezifischer“

Fächer auszumachen.

rückgang der zahl

an Verkehrstoten

Die Zahl der Verkehrstoten 2012 hat in

Israel trotz des enormen Anstieges an

Autos den niedrigsten Wert seit 50 Jahren.

In den letzten Jahren gab es einen

Anstieg an Bußgeldern und einen stärkeren

Fokus, bei lebensbedrohlichen Verkehrsvergehen

hart durchzugreifen.

Als Folge des Rückgangs der Zahl an

Verkehrstoten ist Israel im Ranking für

Fahrsicherheit aufgerückt. Vor zehn Jahren

befand sich Israel im weltweiten

Vergleich auf Platz 20, heute nimmt es

Platz 10 ein.

Wirtschaft

schalom 25


Wissenschaft

israel weit vorne bei digitalen

gesundheits-apps

Seit 1995 findet in Tel Aviv jährlich die

Cardiovascular Interventions (ICI) Conference

statt, auf der sich führende internationale

Kardiologen, Innovatoren, biomedizinische

Ingenieure, Wissenschaftler

und israelische Start-ups treffen, um

digitale Innovationen in der Kardiologie

zu diskutieren.

An der diesjährigen ICI nahm unter anderem

das Start-up Healarium teil, das

eine App zur fortwährenden Überwachung

des eigenen Gesundheitszustands

für iPhone und Android entwickelt hat.

Außerdem assistiert sie bei der Umsetzung

eines Gesundheitsplans. Patienten

können so jederzeit überprüfen, ob sie

die medizinischen Vorgaben des Arztes

einhalten. Eine Besonderheit der App

ist die Verbindung der App-Nutzer untereinander

in Form eines sozialen Netzwerks.

Menschen mit ähnlichen gesundheitlichen

Problem oder Vorgaben können

so miteinander in Kontakt treten

und sich gegenseitig unterstützen.

Eine weitere App ist vor allem für Menschen

mit Diabetes interessant. Dario

von Israeli Labstyle Innovation ermöglicht

es Diabetikern, ihren Blutzucker mithilfe

ihres Smartphones zu bestimmen.

Dazu wird ein Blutzuckerteststreifen mit

dem Smartphone verbunden.

Die App analysiert und speichert die Informationen

auf dem Streifen und alarmiert

den Nutzer, wenn eine Insulin-

Injektion notwendig sein sollte. Ynet

oecd erfreut über israelische

abfall- und chemie-Politik

Die OECD hat Israel für seine Gesetzgebung

auf dem Gebiet der Pestizide

und chemischen Abfälle gelobt.

Seit dem Beitritt zur OECD im Jahr 2010

hat Israel verschiedene Erfolge auf diesem

Gebiet erzielt, so etwa die Einrichtung

eines Mechanismus für den Umgang

mit und die Registrierung von industriellen

Chemikalien, die Einrichtung

eines Registers für die Nachverfolgung

chemischer Emissionen und die Umsetzung

einer konsequenten Politik zur

Kontrolle von chemisch verursachter Verschmutzung

von Luft und Gewässern.

studieren mit

down-syndrom

©Haaretz

Irgendetwas an dieser Klasse ist anders:

Als die Dozentin für die kommende Woche

einen Test ankündigt, brechen die Studierenden

in Begeisterungsrufe aus.

Vielleicht liegt das daran, dass die Teilnehmer

(noch) keine gewöhnlichen Studierenden

sind. Sie sind Teil eines Programms

an der Bar-Ilan-Universität, das

es erstmals in Israel Menschen mit geistiger

Behinderung ermöglicht, Hochschulinhalte

zu studieren.

Im Rahmen des M.A.-Studiengangs Sonderpädagogik

unterrichten Studierende

hier Kursteilnehmer, die etwa das Down-

Syndrom haben. Initiatorin des Projekts

ist Prof. Hefziba Lifshitz-Vahav, die das

M.A.-Programm leitet. Die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer studieren hauptsächlich

Inhalte, die aus Programmen der

Fernuniversität stammen, und sprachlich

aufbereitet wurden. Ziel ist jedoch,

dass zumindest ein Teil von ihnen im

zweiten Studienjahr in das reguläre B.A.-

Programm wechselt.

Auch dort stünde ihnen allerdings immer

ein Mentor zur Seite, der sie während

der Vorlesungen und Seminare begleitet.

Eingeschrieben wären die Studierenden

mit Behinderung dann als Gasthörer

mit der Möglichkeit, an Prüfungen

teilzunehmen.

Die Perspektive für einen Wechsel sehen

die Kursleiter etwa bei Shimrit Kroitero,

Odelia Yona Gabai und Oded Naftali, die

mit Begeisterung dabei sind. Auf die Frage,

was sie besonders interessiere, muss

Kroitero kurz nachdenken und entscheidet

dann: „Alles. Für mich ist das eine ganz

neue Welt, eine Welt der Wissenschaft. […]

Geben Sie mir einen Bleistift und einen Radierer

und ich setze mich für Stunden hin

und lerne.“

Eine engagierte Diskussion entspinnt sich

unter den drei Kommilitonen, als es um

das Thema Inklusion geht, das zurzeit

viele Gemüter bewegt. „Meine Eltern

haben dafür gekämpft, dass ich auf eine normale

Schule gehen kann“, so Naftali. Gabai

dagegen ist sich nicht sicher, ob die Inklusion

für Kinder mit Down-Syndrom

das richtige ist.

Livshitz-Vahav erklärt, die Teilnehmer

wüchsen während des Programms weit

über den ihnen zugeschriebenen IQ hinaus.

„Daher interessiert mich ihr IQ auch

nicht […]“, so die engagierte Professorin. Ich

möchte beweisen, dass sie es im Studium

schaffen können. Der Himmel ist die Grenze,

und wir fangen jetzt erst an.“ Haaretz

orale insulin-kapsel

Das in Jerusalem ansässige Pharmaunternehmen

Oramed Pharmaceuticals ist bei

der Zulassung einer innovativen, oralen

Insulin-Kapsel für Menschen mit Diabetes

Type II vorangekommen, berichtet

ISRAEL21c. Das Unternehmen ist dabei,

Phase 2 mit klinischen Versuchen an 147

Probanden an über einem Dutzend Krankenhäusern

in den USA zu starten.

Oramed Pharmaceuticals CEO Nadav Kidron

teilte ISRAEL21c mit, dass das Produkt,

welches das Aushängeschild der

Firma ist, die Behandlung von Diabetes

revolutionieren könnte. Weltweit leiden

mehr als 371 Mio. Menschen unter Diabetes.

Die bisherige Methode der Selbstinjektion

von Insulin ist unangenehm

und birgt auch die ständige Gefahr einer

Infektion. Eine Kapsel, die über den

Mund eingenommen wird, wäre bequemer

und auch natürlicher, da es den normalen

Weg des Insulins im Körper entspräche.

Doch bisher gab es noch keinen

Weg, groß-molekulare Polypeptide wie

Insulin oder Impfstoffe oral verabreichen

zu können. Der zugrunde liegenden

Technologie Orameds ging eine 25-jährige

Forschung an der Hadassah Universitätsklinik

in Jerusalem voraus.

Österreichisch-Israelische Gesellschaft

UNSER ZIEL IST ES,

objektive und wahrheitsgetreue

Informationen aus Israel

zu verbreiten und das richtige

Israel zu vermitteln.

26

schalom


antiken-archiv geht online

©UWS

Die Antikenbehörde stand vor einer schwierigen Aufgabe: Wie scannt man zehntausende Dokumente, die auf so unterschiedliche

Materialien wie Reis, Fasergewebe oder Pergament gedruckt sind? Wie geht man mit Dokumenten um,

deren physischer Zustand nicht gut ist, wie zum Beispiel schreibmaschinengeschriebene Dokumente oder alte Landkarten,

die auf gelblichem Papier geschrieben und überschrieben wurden und bei falscher Behandlung zu Staub zerfallen

würden?

Die Lösung bot schließlich eine externe Firma, deren Spezialgebiet das Scannen solcher „problematischen“ Dokumente

ist. Und so wurden 36.000 Dokumente aus der Zeit zwischen 1919 und 1948 gescannt, die Jerusalem und Akko dokumentieren

und im Mandatsarchiv der Antikenbehörde gelagert sind. Von heute an können alle diese Dokumente online

eingesehen werden.

„Bisher befanden sich diese Materialien in Archiven und Bibliotheken, ohne dass Nutzer sie hätten anschauen können“, so Efraim

Reich, Chef der Firma, die das Projekt für die Antikenbehörde durchführt. „Die von uns durchgeführte Arbeit wird helfen,

wichtiges Material für die nächsten Generationen zu bewahren.“

Unter den Dokumenten befinden sich etwa Bilder aus der Jerusalemer Altstadt oder Baupläne des Tempelberges –

hauptsächlich sind es aber sehr viele wissenschaftliche Materialien aus der Welt der Archäologie.

Die Dokumente aus der Mandatszeit, die nun verfügbar sind, sind erst der Anfang, denn letztendlich soll das gesamte

Archiv online gestellt werden. 800 Millionen Shekel (etwa 40 Millionen Euro) stehen dafür aus dem Nationalerbe-Programm

zur Verfügung, das im Amt des Ministerpräsidenten angesiedelt ist. 1,5 Millionen Shekel (etwa 300.000 Euro)

hat die erste, nun abgeschlossene Stufe gekostet.

Zukünftig soll das digitale Archiv in das Portal des Netzwerks der israelischen Archive eingebunden werden, das die

Inhalte aller israelischen Archive der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Das Onlinearchiv in hebräischer und in englischer Sprache ist hier zu finden: www.iaa-archives.org.il.

INTERNATIONALE ARBEITSGEMEINSCHAFT

FÜR GRUPPENANALYSE

Haaretz

Wissenschaft

WORKSHOPS FÜR GRUPPENANALYSE

IN ALTAUSSEE 2012/2013

Institutsleitung: Prof. Dr. phil. Michael Hayne, Bonn (geschäftsführend)

Prof. Dr. med. Josef Shaked, Wien

(Mitbegründerin der IAG: Dr. med. Alice Ricciardi von Platen †)

Die Workshops in Altaussee – bekannt und berühmt wegen ihrer emotionalen, interkulturellen und toleranten Atmosphäre

– bieten eine lebendige Selbsterfahrung. Hier ist umfangreiche Gelegenheit, eigene emotionale Reaktionen

kennenzulernen und aufrichtige Rückmeldungen hierzu zu erhalten. Von hier aus können die Teilnehmer die eigene

Beziehungsgeschichte mit ihren konstruktiven und ihren traumatischen Anteilen erforschen, wobei die anderen

Gruppenteilnehmer oft probeweise wie Stellvertreter für frühere Bezugspersonen wahrgenommen werden können.

Daraus entwickelt sich typischerweise ein vielgestaltiges Übungsfeld für eigene Veränderungen in der Beziehungsgestaltung

und für persönliches Wachstum. Diese Möglichkeit zu einer Selbsterfahrung – eventuell ganz unabhängig

von allen beruflichen Ausbildungszielen – nutzen einige unserer Teilnehmer fortlaufend, zum Teil ü̈ber viele Jahre.

WorkshoPs 2013

22. März – 30. März 2013 • 27. September – 5. Oktober 2013

Teilnahmekosten je Workshop 880,00 €/Studenten 440,00 €

(nur Erststudium für die Berufsausbildung, Studienbescheinigung erforderlich)

Die Teilnahmegebühr bitten wir bis spätesten 6 Wochen vor Beginn des Workshops auf das Konto der IAG zu überweisen:

Sparkasse KölnBonn * BLZ 370 50198 * Konto 41 301 359 - IBAN: DE92 3705 0198 0041 3013 59 * BIC: COLSDE33

organisation: ingrid Berendes • Telefon 0228 478951 • Telefax 0228 477872 • office@gruppenanalyse.info • www.gruppenanalyse.info

schalom

27


den Kontakt und Austausch mit vielen

Kolleginnen und Kollegen im deutschen

Sprachraum, insbesondere in Österreich

hegt und pflegt und zahlreiche Gastvorträge

und universitäre Lehrveranstaltungen

hält sowie den österreichischen

Wissenschaftsnachwuchs intensiv fördert.

Vorläufiger formaler Höhepunkt

dieser Beziehungen war das Symposium

„Beiträge zur Erforschung des antiken

Judentums“ im Oktober 2007 an der

Wiener Urania, das von verschiedenen

österreichischen Trägern, insbesondere

der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft,

zu Ronny Reichs Ehren veranstaltet

wurde. Im August 2011 begann

auf Initiative von Ronny Reich das gemeinsame

Forschungsprojekt „Arbeit

und Sitte in Palästina“ in Kooperation

zwischen der Universität Haifa (Ronny

Reich) und der Universität Wien (Friedrich

Schipper) sowie dem Deutschen

Evangelischen Institut für Altertumskunde

des Heiligen Landes (Dieter Vieweger)

und die Universität Greifswald

(Julia Männchen), das für die geplante

Laufzeit von 8 Jahren die beteiligten Einrichtungen

eng aneinanderknüpft.

Von Bedeutung sind auch seine Leistungen

um die Ausbildung österreichischer

Studierender im Bereich der Archäologie

und des kulturellen Erbes Jerusalems.

Er initiierte die nunmehr alljährlichen

Sommerlehrkurse „Archäologische Feldforschungen

Jerusalem“ der Universität

Wien, die durch das Österreichische

Hospiz in Jerusalem gefördert werden

und ebendort stattfinden, ist der israekultur

Österreichisches ehrenkreuz

an ronny reich

Von dr. Friedrich schiPPer

Einem der wichtigsten israelischen

Partner der Österreichisch-Israelischen

Gesellschaft, Prof. Ronny Reich, wurde

das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft

und Kunst, 1. Klasse, verliehen.

Ronny Reich ist Professor für Archäologie

an der Universität Haifa und Vorsitzender

des Archäologischen Kuratoriums

des Israelischen Kulturministeriums.

Er gilt als international renommierter

Wissenschaftler und Experte für die

Archäologie der so genannten Zweiten

Tempelzeit (das entspricht der hellenistisch-frührömischen

Zeit im antiken Judentum)

sowie als Doyen der Jerusalem-

Archäologie. Der Vorschlag zur Verleihung

eines Verdienstzeichens an Prof.

Reich erfolgte durch Friedrich Schipper,

Universität Wien, Markus Bugnyar, Österreichisches

Hospiz in Jerusalem, und

Richard Schmitz, Österreichisch-Israelische

Gesellschaft. Die Feier der Verleihung

fand am 18. Oktober in der Residenz

des österreichischen Botschafters

in Israel statt. Anlässlich dieses Ereignisses

fand am 21. Oktober ein Ehrensymposium

am Österreichischen Hospiz

in Jerusalem statt.

Prof. Ronny Reich ist der Sohn von

Herta Reich, geb. Eisler, einer Mürzzuschlager

Jüdin, der einzigen überlebenden

Österreicherin jenes illegalen jüdischen

Flüchtlingstransports aus Österreich

nach Palästina, der später den Namen

„Kladovo-Transport“ bekommen

sollte. Auf ihrer Flucht nach Palästina,

die sechs Jahre von 1938 bis 1944 dauerte,

lernte sie Romek Reich kennen, sie

heirateten 1941 und konnten 1944 schließlich

nach Palästina emigrieren. Ronny

Reich kam am 31. März 1947 in Rehovot

zur Welt. Sein Vater Romek fiel in

den ersten Wochen des Israelischen Unabhängigkeitskrieges

im Juli 1948 bei

Ludd.

Ronny Reich hatte wesentlichen Anteil

daran, dass seine Mutter Herta in den

1980er Jahren begann, ihre Erinnerungen

an den Kladovo-Transport aufzuschreiben.

Diese Gespräche zwischen Mutter

und Sohn waren die Grundlage ihres

Buches „Zwei Tage Zeit“, das 1998 im Clio-

Verlag erscheinen konnte und ein zentrales

Zeugnis des Schicksals der steirischen

Juden zur Nazizeit darstellt.

Ronny Reich hat dieses Buch später auch

ins Hebräische übersetzt. Am 23. November

2012 wurde das Gymnasium

Mürzzuschlag in Herta-Reich-Gymnasium

umbenannt.

Trotz ihrer schmerzhaften Erfahrungen

der Verfolgung und Vertreibung sowie

der Ermordung zahlreicher Familienmitglieder

knüpfte die Familie Reich/

Eisler wieder den Kontakt zur alten Heimat,

der bis heute besteht. Diese enge

Verbindung hat sich auch auf Ronny

Reich übertragen, der als Wissenschaftler

28

schalom


lische universitäre Partner vor Ort, der

mit viel Erfahrung, Umsicht und Engagement

die österreichischen Studierenden

mit betreut und unterrichtet. Darüber

hinaus berät und betreut er das

Hospiz als österreichischen Ankerpunkt

inmitten der Jerusalemer Altstadt in

der langjährigen schwierigen Phase des

Aus- und Umbaus in denkmalpflegerischer

Hinsicht mit großem Geschick

und Erfolg.

Das Ehrensymposium mit dem Titel

„Purity in Scripture, Archaeology and Tradition“

im Österreichischen Hospiz in

Jerusalem war einem zentralen Forschungsthema

von Prof. Reich gewidmet:

der jüdischen Institution des rituellen

Reinheitsbades (Mikve) in seiner

Geschichte. Dem besonderen Veranstaltungsort

Rechnung tragend, berichtete

Shua Kisilevitz, Israel Antiquities Authority,

über „The salvage excavations on the

compound of the Austrian Hospice in Jerusalem“.

Der Rektor der ökumenischen

University of the Holy Land, Stephen

Pfann, referierte zum Thema „Purity and

mikvaot at Qumran“, Prof. Doron Ben-Ami,

Israel Antiquities Authority und Hebräische

Universität Jerusalem, berichtete

über zentrale Ergebnisse seiner Ausgrabung

in Jerusalem, nämlich über „A large

edifice and its purification annex recently

exposed at the City of David”, und Shimon

Gibson, senior fellow am W.F. Albright

Institute of Archaeological Research in

Jerusalem, referierte auf Basis der Erkenntnisse

seiner Ausgrabungen Suba

bei Jerusalem über „Jewish water purification

rites and the water immersion practices

of John the Baptist“. Ronny Reich berichtete

über die Ergebnisse seiner „Recent

research on medieval to modern period

miqvaot in Germany“.

Bei seinen Ansprachen in der Botschafterresidenz

wie auch im Hospiz ging

Friedrich Schipper auf einige sehr persönliche

Aspekte der fruchtbaren Zusammenarbeit

mit Ronny Reich ein, sparte

aber auch nicht mit Kritik an heik len

Themen wie die jedenfalls für damalige

Verhältnisse typische, äußerst mangelhaft

erfolgte Restituierung der Vermögenswerte

der Familie Eisler/Reich nach

dem Krieg oder die formaljuristische

Verunmöglichung einer Zuerkennung

der österreichischen Staatsbürgerschaft

für die Nachkommen der Familie, die

aus heutiger Sicht obsolet sein müsste,

und schlug auch vor, gemeinsam für ein

Kooperationsabkommen der Universitäten

Wien und Haifa aktiv zu werden.

Von heiMo gruBer

Das Mürzzuschlager Gymnasium wird

von nun an mit seinem Namen an Herta

Reich erinnern. Die Benennungsfeier

am 23.November 2012 war das Resultat

von jahrelangen Bemühungen einiger

engagierter Personen aus dieser Region,

durch Publikationen und Veranstaltungen

auf das Schicksal der 1938 aus Mürzzuschlag

vertriebenen Jüdin Herta Reich

hinzuweisen und mit ihr und ihrer Familie

Verbindung zu halten.Im Februar

2012 ist Herta Reich im 95. Lebensjahr

in Jerusalem gestorben und im Kibbutz

Kiriyat Anavim begraben worden. Einige

Wochen danach haben das Lehrerkollegium

des Gymnasiums und der

Gemeinderat der Stadtgemeinde Mürzzuschlag

den Willen bekundet, dem örtlichen

Gymnasium zur bleibenden Erinnerung

an Herta Reich ihren Namen

zu geben.

Wer war diese Frau? 1917 als Tochter der

Textilkaufleute Käthe und Ignaz Eisler

geboren, verbrachte sie Kindheit, Jugend

und frühe Erwachsenenjahre in Mürzzuschlag,

das sie nach mehrwöchiger

Gestapohaft 1938 binnen zweier Tage

verlassen musste. Es folgten gescheiterte

Fluchtversuche nach Holland und Belgien,

danach die Rückkehr nach Wien,

wo sie sich im Herbst 1939 einem illegalen

Flüchtlingstransport über die Donau

anschließen konnte. Dieser ist als Kladovo-Transport

in die Geschichte eingegangen

und endete in einer Katastrophe.

Da für die Weiterbeförderung in

das britische Mandatsgebiet Palästina

noch kein Hochseeschiff im Schwarzen

herta reich

gymnasium und

realgymnasium

Mürzzuschlag

Meer bereitlag, wurden die Donauschiffe

in Jugoslawien gestoppt. Mehr als tausend

Flüchtlinge saßen dort fest, wurden

1941 im Zuge des Überfalls auf den

Balkan von der Wehrmacht überrollt

und ermordet.

Herta Eisler verdankte das Überleben

ihrem aus Polen kommenden Mann Romek

Reich, den sie im Kladovo-Transport

kennen und lieben lernte, heiratete und

der sie zur Flucht aus dieser tödlichen

Falle ermutigte. Gemeinsam mit der kleinen

Gruppe der polnischen Freunde

ihres Mannes schlug sie sich durch das

besetzte Jugoslawien nach Italien durch,

wo sie in einem kleinen Dorf in den

Abruzzen interniert wurde. 1943 wagte

die Gruppe in einer abenteuerlichen

Aktion die Überschreitung der Frontlinien

und gelangte in das von den Allierten

bereits befreite Süditalien. Nach

einem Aufenthalt in einem Camp in Bari

konnten Herta und Romek Reich 1944

legal in Palästina einreisen. Unter ärmlichsten

Verhältnissen lebten sie vorerst

in Tel Aviv, wo Herta Reich Arbeit in

einer Wollweberei fand. 1947 wurde das

junge Glück mit der Geburt des Sohnes

Ronny besiegelt. Aber das Glück des

Paares war nur von kurzer Dauer. 1948

dann der nächste Schicksalsschlag: der

Verlust des Ehemannes Romek, der zu

den ersten Gefallenen des israelischen

Unabhängigkeitskampfes zählte. Die

verwitwete Herta Reich hat ihren Sohn

Ronny allein großgezogen. Sie war eine

kleine und zarte Frau, aber von enormer

psychischer und physischer Widerstandskraft

und verdiente den

Lebens- unterhalt durch Heimarbeit als

Näherin. 1977 ist Herta Reich nach Je-

Kultur

schalom 29


usalem gezogen, wo sie bis zuletzt allein

in einer kleinen Wohnung gelebt

hat. Liebe und Stolz Herta Reichs galten

stets ihrer Familie. Das Bildungspotential,

das in ihr gesteckt ist und das

durch den Verlust der vertrauten Kultur

erschüttert wurde, konnte sie an ihren

Sohn Ronny Reich weitergeben, der zu

den renommiertesten Archäologen Israels

zählt.

mit anschaulichen Präsentationen einer

von Schülerinnen und Schülern erarbeiteten

Dokumentation und einer Ausstellung

oder der Umstand, dass das Schülerorchester

zu Ehren des Landes, das für

Herta Reich Rettung war, mit großem

Eifer die Nationalhymne Hatikva einstudierte

und am Ende der Feier spielte.

Kultur

50 Jahre nach der Vertreibung begann

Herta Reich, ihre Fluchterinnerungen

niederzuschreiben, die der Grazer Historiker

Heimo Halbrainer mit dem Titel

„Zwei Tage Zeit. Herta Reich und die Spuren

jüdischen Lebens in Mürzzuschlag“

(Verlag Clio 1998) veröffentlichte. Das

Buch fand auch in Mürzzuschlag Aufmerksamkeit.

Die sich daraus ergebenden

Kontakte vermittelten Herta Reich

das Gefühl, in ihrem Herkunftsland

nicht zur Gänze in Vergessenheit geraten

zu sein.

Die Namensgebung einer Schule nach

Herta Reich drückt die Bereitschaft aus,

sich vergangenen Unrechts zu erinnern

und historische Verantwortung auch als

Verpflichtung für die Zukunft zu übernehmen.

Die Realisierung dieses Projektes

ist vor allem dem Mürzzuschlager

Bürgermeister Karl Rudischer und

dem Schulleiter Heimo Hirschmann zu

danken. Es bietet Hoffnung und Chance

auf eine lebendige Form von Erinnerung,

da sich künftige Generationen von

Schülerinnen und Schülern bei der Frage

nach dem Namen ihres Gymnasiums

immer wieder von neuem mit der Geschichte

einer Frau auseinandersetzen

müssen, die als junger Mensch in derselben

Kleinstadt gelebt hatte und danach

mit Gewalt aus ihrer Lebensbahn

geworfen wurde. Beim Festakt hat Landesschulinspektor

Robert Hinteregger in

seiner Rede auf diesen pädagogischen

Aspekt bei der Vermittlung von Zeitgeschichte

hingewiesen. Dass das nicht nur

Theorie bleibt, bewiesen einige Beiträge

Zuvor hatte als Höhepunkt der Zeremonie

Sohn Ronny Reich, der mit seiner

Familie aus Israel gekommen war, mit

einer bewegenden Ansprache nochmals

den Bogen einer schmerzhaften, durch

die Shoa gebrochenen Familiengeschichte

gespannt, die einst in Mürzzuschlag

begonnen hatte und wo jetzt ein

sehr spätes, aber dennoch hoffnungsvolles

Zeichen gesetzt wurde.

In diesem Moment

entdeckt jemand das

jüdische Wien.

Wann entdecken Sie es?

WIEN-HOTELS & INFO

info@wien.info

TEL. 01 24 555

WWW.WIEN.INFO

Synagoge

30

schalom


claudia roden

das Buch der jüdischen küche.

eine odyssee von samarkand nach new York

rund 800 rezepte, erzählungen,

erinnerungen und geschichte sind

das ergebnis von fünfzehn Jahren

spurensuche in der jahrhundertealten

jüdischen kochtradition. die rezepte,

manche von ihnen niemals

davor dokumentiert, sam- melte

claudia roden auf ihren reisen rund

um die Welt beim kosten, zusehen

und sprechen mit kochbegeisterten

Menschen und händlerinnen.

eine „Hommage an die eigenen Wurzeln“

– beginnend mit ihrer heimat

Ägypten nimmt uns die autorin mit

auf eine rei- se durch die jüdische

diaspora, die über russland, Polen,

deutschland, england, Frankreich,

nord- und südamerika in den orient

nach syrien, israel, Marokko, indien

und zentralasien führt.

Ende März beginnt das achttägige jüdische

Pessachfest. Die wohl bekannteste

Speise sind die Mazzesknödel oder wie

man auf Jiddisch sagt: „Knejdlach“.

Es gibt zahlreiche Versionen der mit Mazzemehl

geformten Bällchen: mit Hühnerfett

mit Öl, Knochenmark, gemahlenen

Mandeln, geraffelter Zwiebel,gehackter

Petersilie und Ingwerpulver.

Die meisten Rezepte, auch das traditionelle

- 1 verquirltes Ei mit 1 gehäuften EL

geschmolzenem Hühnerfett und 2 EL

warmen Wasser, Salz und Pfeffer sowie

75g Mazzemehl - sind schwer und belasten

die Verdauung.

Q

Dieses Rezept ergibt leichte und

flaumige Bällchen:

• Schlagen sie das Eiklar steif.

• Ziehen Sie die leicht verquirlten Dotter

unter, dann das Mazzemehl und

das Salz.

• Rühren Sie weiter, bis die Zutaten gut

vermischt sind.

• Lassen Sie den Teig 30 Minuten lang

zugedeckt und gekühlt rasten.

• Formen Sie Bällchen mit 2 cm Durchmessser,

kochen Sie diese in reichlich

Salzwasser bei milder Hitze ca. 20 Minuten.

• Wärmen Sie die Bällchen kurz vor dem

Servieren auf und geben Sie sie in die

kochend heiße Suppe. Es ist üblich die

Bällchen in Salzwasser und nicht in

der Suppe zu kochen, da sie sehr viel

Flüssigkeit aufnehmen.

Literatur

schalom 31


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