Jahresbericht 2013 download - Diakonie Leipzig

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Jahresbericht 2013 download - Diakonie Leipzig

Leipzig

Jahresbericht

2013

Vielfalt

für das Leben

Diakonisches Werk

Innere Mission Leipzig e.V.


2 Jahresbericht 2013 Vorwort

Vorwort

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die

zukünftige suchen wir. (Hebräer 13,14)

Nichts bleibt, wie es ist. Das kennen wir. Die Zeit läuft unaufhaltsam

weiter, die Vergangenheit lassen wir hinter uns, die

Gegenwart ist kurz, die Zukunft ungewiss. Gestalten können

wir nur die Gegenwart. Allerdings haben Vergangenheit und

Zukunft durchaus eine Bedeutung, die nicht zu unterschätzen

ist. Die Vergangenheit – für unser Werk sind dies jetzt 144

Jahre intensiver Dienste, vor allem sozialer Art, die hinter uns

liegen.

Von der Gegenwart und Zukunft spricht das obenstehende

bekannte biblische Wort, die Jahreslosung für 2013, auf

eigene Weise. Auch wenn viele Menschen mehr Kontinuität

suchen – die jeweilige Gegenwart wird sich immer wieder

verändern: „Wir haben hier keine bleibende Stadt“.

Die Frage ist jedoch: In welche Richtung wollen wir die

Gegenwart gestalten? Was ist die „zukünftige Stadt“, die wir

suchen? Wird alles immer schwieriger, wie es von manchen

eher pessimistisch veranlagten Zeitgenossen hin und wieder

zu hören ist?

Die christliche Botschaft weist in eine andere Richtung: „Gott

wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird

nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird

mehr sein“. Solche Worte sind beispielsweise im Buch der

Offenbarung über die Stadt zu hören, auf die wir zugehen.

Auch wenn wir wissen, dass diese zukünftige Stadt in dieser

Welt nicht in Vollkommenheit zu erfahren ist, so gibt sie doch

die Richtung unseres Handelns an.

Dankbar dürfen wir in diesem Jahresbericht zurückblicken auf

Ereignisse, in denen wir wenigstens Spuren dieser zukünftigen

Stadt, auf die wir zugehen, erahnen konnten:

Im April hatten wir Anlass, im Rahmen einer Dankveranstaltung

über 100 von insgesamt etwa 400 ehrenamtlich Mitarbeitenden

Dank zu sagen. Beschäftigte unserer Werkstatt für

Menschen mit Behinderungen, Lindenwerkstätten, haben in

bemerkenswerter Qualität für das leibliche Wohl gesorgt.

Auffällig waren die vielen Jubiläen von Einrichtungen, die wir

feiern konnten: Bereits im letzten Jahr: 100 Jahre Kindertagesstätte

„Das Samenkorn“, 100 Jahre Haus der Stadtmission

und 100 Jahre Pflegeheim Marienheim. Am 27. Juni 2013

durften wir das 100. Jubiläum des Pflegeheims Matthäistift

feiern und am 1. Oktober den 100. Jahrestag der Gründung

der in der Betriebsträgerschaft der Caritas stehenden, aber

letztlich ökumenisch verantworteten Bahnhofmission.

In diesen Jubiläen zeigt sich,

in welch intensiver Weise

Menschen in der Zeit kurz vor

dem 1. Weltkrieg aus christlicher

Motivation Zeit, Geld und

auch Immobilien für soziale

Arbeit zur Verfügung gestellt

haben, von denen wir heute

noch und hoffentlich auch in

Zukunft profitieren können.

Aber auch im Berichtsjahr war es möglich, neue Einrichtungen

einzuweihen bzw. in Betrieb zu nehmen: Am 25. Januar 2013

durften wir die Tagespflegeeinrichtung in der Rosentalresidenz

in Gohlis-Süd in Betrieb nehmen, am 5. Juli 2013 feierten wir

die Einweihung der Kindertagesstätte „Arche Noah“ auf dem

Gelände des Diakonissenkrankenhauses in Leipzig-Lindenau.

In Markkleeberg war es möglich, eine Kindertagesstätte an der

„Kuhle“ in Betrieb zu nehmen.

Eine dauernde Aufgabe war und ist es, im Wettbewerb um

geeignetes Personal Rahmenbedingungen zu schaffen, die uns

helfen, unsere Aufgaben wahrnehmen zu können. Wir freuen

uns, dass das im Rahmen der Gesundheitsförderung unseres

Werkes bestehende erweiterte Betriebliche Eingliederungsmanagement

einen Förderpreis des Diakonischen Werkes Sachsen

gewonnen hat. Durch die Gesundheitsförderung können

Wege für Mitarbeitende gefunden werden, die den Anforderungen

an eine konkrete Arbeitsstelle nicht mehr gewachsen sind.

Besonders die Langzeiterkrankungen in unserem Werk wurden

wohl auch dadurch im Jahr 2012 gesenkt.

Die wichtigste Aufgabe ist jedoch die tägliche, oft von außen

kaum sichtbare, Arbeit an und mit Menschen in den unterschiedlichen

Arbeitsbereichen in unserem Werk.

Im Projekt „37. Kalenderwoche“ haben einige Fotografen

festgehalten, was in dieser „normalen“ Woche geschah. Die

interessanten und immer wieder beeindruckenden Ergebnisse

sind zum Teil in diesem Heft abgedruckt, weitere sind im

Internet unter www.kw37.de sichtbar.

Über viele weitere „Spuren der zukünftigen Stadt“, aber auch

über viele Herausforderungen, denen wir uns zu stellen haben,

wird auf den folgenden Seiten berichtet.

Dankbar sind wir, dass uns auch im letzten Jahr wieder viele

Menschen durch Ehrenamt, Gebet, Spenden oder auf andere

Weise unterstützt haben. Herzlichen Dank für diese Begleitung

auf dem Weg in die „zukünftige Stadt“.

Pfr. Christian Kreusel | Missionsdirektor


Jahresbericht 2013 Inhaltsverzeichnis 3

Inhalt

02 Vorwort

04 Spendenprojekte

06 Medienprojekt KW37

08 Angebote für alte Menschen

10 Ehrenamt - „Jeden Monat ein Ausflug ...“

13 Buchprojekt - Rückblicke auf das eigene Leben

14 Netzwerk für Menschen mit Behinderungen

16 Fachtag Inklusion

20 Projekt „Ferien Aktiv“

21 Die Künstler vom Martinstift

22 Evangelische Kindertagesstätten

24 „Er ist ein glückliches Kind!“

28 Beratungs- und Betreuungsdienste

32 „Ich bin glücklich, diesen Weg zu gehen...“

34 In der Schule gut zurecht

35 Suchtberatung in Gebärdensprache

36 Wirtschaftsbericht

42 Bericht vom Verwaltungsrat

44 Anschriften

46 Kurzchronik


4 Jahresbericht 2013 Spendenprojekte

Spenden helfen weiter

Dank für alle Unterstützung

Ohne die Unterstützung vieler Menschen könnten einige

Einrichtungen ihre Arbeit nicht in der gewohnten Qualität tun.

Auch Firmen spenden uns Geld und helfen damit, zusätzliche

Angebote zu finanzieren. Besondere Angebote, die häufig nur

möglich sind, wenn sie durch Spenden finanziert werden,

ermöglichen ein gewisses „Mehr“ an Zuwendung zu den uns

anvertrauten Menschen und tragen dazu bei, unser diakonisches

Profil sichtbarer zu machen. In manchen Einrichtungen

ist allerdings auch das „Kerngeschäft“ nicht ohne

Spenden denkbar. Wir verzichten an dieser Stelle darauf,

unsere Spender namentlich zu erwähnen und bedanken uns

bei allen ganz herzlich für alle finanzielle Zuwendung, die wir

im Berichtszeitraum erhalten haben.

Stadtmission – Ausstattung

Die Leipziger Stadtmission wird derzeit zu einem stadtteilorientierten

Integrations- und Begegnungszentrum ausgebaut

- mit Beratungsstelle, Kindertagesstätte, Familienzentrum

sowie einem eigenen Café mit dem Angebot sozialer Beratung.

Damit werden auch unterschiedliche Arbeitsplätze für

Menschen mit und ohne Behinderungen geschaffen. Schon

jetzt ist eine Gruppe in den Bereichen Veranstaltungsmanagement,

Saalvermietung, Hauswirtschaft, Reinigung, Catering,

Raumdekoration und Gastronomie tätig. Für den Ausbau der

Räume in der Stadtmission und insbesondere für die Anschaffung

von neuen, stapelbaren Stühlen wurden 3.485,00 Euro

gespendet. Diese Investition ist nötig, um die Räume besser

nutzen zu können. Damit sichern wir auch die Arbeitsplätze

der dort beschäftigten Menschen.

Evangelisches Diakonissenhaus Borsdorf

Im Zeitraum von August 2012 bis Juli 2013 hat das DH

Borsdorf Spenden in Höhe von insgesamt 26.668,20 Euro

erhalten. Der größte Teil dieser Spenden wurde, dem Spenderwillen

folgend, für das Außengelände verwendet, und zwar

für die Fertigstellung der Zaunanlage am Haus am Viadukt

sowie die Umgestaltung des Geländes, auf welchem früher

das ehemalige Seminargebäude stand. Auch der Weg vom

Haus am Viadukt zur Leipziger Straße hin konnte fertig

gestellt werden. Des weiteren wurden technische Geräte für

Die Kinder der Kita Nathanael freuen sich über ihr neues Klettergerüst.

die Wohnbereiche gekauft die dringend benötigt wurden bzw.

ausgetauscht werden mussten, es wurden Ausflüge finanziert

und einiges für unseren Tagesförderbereich bzw. für die

Beschäftigung unserer BewohnerInnen und Bewohner

innerhalb der Wohnbereiche gekauft.

Hilfen für Menschen mit Behinderungen - Beratung

In dieser Beratungsstelle erhalten Menschen mit Behinderungen

Informationen zu allen wichtigen Fragen, die Behinderung

betreffend: zu unterschiedlichen Hilfsmöglichkeiten, zu

Wohn- und Beschäftigungsangeboten, zur Finanzierung von

Pflegeleistungen und Hilfsmitteln, zum Schwerbehindertenausweis

und Nachteilsausgleich. Für dieses Angebot wurden

3.462 Euro gespendet. Diese Mittel sollen dazu beitragen, die

Beratungsangebote weiterhin sicher stellen.

Psychosoziales Gemeindezentrum Blickwechsel – Bundesfreiwilligendienst

und Ehrenamt

Mit Hilfe von Spenden in Höhe von 5.075 Euro konnte das

PSGZ für sein Sozialcafé Blickwechsel den Eigenanteil für

zwei Mitarbeitende im Bundesfreiwilligendienst finanzieren.

Diese sind dringend nötig, da die Stellen aus dem zweiten

Arbeitsmarkt (Arbeitsgelegenheiten, 1-Euro-Jobs, Kommunal-

Kombi) weggefallen sind.

Ebenfalls Spenden gingen ein für die Unterstützung der

ehrenamtlichen Mitarbeiter in dieser Einrichtung (446 Euro).

Meist sind es selbst von einer psychischen Krankheit Betrof-


Jahresbericht 2013 Spendenprojekte 5

fene, Klienten der Einrichtung, die in ehrenamtlicher Tätigkeit

für einen geregelten Ablauf und besucherfreundliche Öffnungszeiten

im Café sorgen. Dafür sollen sie eine Aufwandsentschädigung

von 30 Euro im Monat bekommen, damit sie

wenigstens ihre Fahrtkosten decken können.

Oase – Mitarbeitende im Bundesfreiwilligendienst

Auch die Leipziger Oase ist auf zusätzliche Mitarbeitende

angewiesen. Auch hier sind die Stellen aus dem zweiten

Arbeitsmarkt weggefallen. In dieser Einrichtung konnten im

Jahr 2013 mit Hilfe von Spenden zwei Teilnehmer im Bundesfreiwilligendienst

finanziert werden. In dieser Einrichtung

beträgt der Eigenanteil mehr als die Hälfte der zur Verfügung

stehenden Mittel. Hierzu zählt die große Menge an Lebensmittelspenden

für die Essensversorgung der Gäste, aber auch

jährlich etwa 20.000 Euro an Geldspenden.

Altenhilfe - Jeden Monat einen Ausflug

Das Projekt „Jeden Monat einen Ausflug …“ wurde 2013 neu

ins Leben gerufen. Ehrenamtliche Helfer machen mit Bewohnern

der Pflegeheime regelmäßig Ausflüge. Für die entstehenden

Kosten wurden Spenden in Höhe von 2.407 Euro gesammelt.

Näheres zum Projekt finden Sie auf Seite 10.

Pflegeheim Matthäistift - Glasgang

Im Matthäistift musste der Glasgang, der die beiden Gebäudeteile

miteinander verbindet, umgebaut und erweitert

werden. Damit wurde mehr Platz als Aufenthaltsraum für die

Bewohnerinnen und Bewohner gewonnen. Mehrere Spendenaufrufe

für diesen Zeck erbrachten insgesamt 7.177 Euro.

Knapp 100.000 Euro konnten aus einer Erbschaft für diesen

Zweck verwendet werden. Der Glasgang wurde im Juli 2013

fertiggestellt.

Kindertagesstätten

Die Kindertagesstätte Nathanael konnte ihre Kletterlandschaft

in großen Teilen bauen lassen. Insgesamt 7.400 Euro an

Spendengeldern wurden dafür verwendet. Viele Spender,

Firmen und Privatpersonen, Mithelfer, Sammler, Flohmarktverkäufer,

Kuchenbäcker haben mitgeholfen, das nötige Geld

aufzubringen. Die Kinder freuen sich über das neue Spielgerät.

Ein paar Teile fehlen noch. Sie sollen angeschafft werden,

wenn weitere Spendengelder eingegangen sind.

Susanne Straßberger | Fundraising

Diakonie-Stiftung Leipzig nimmt ihre Arbeit auf

Zustiftung von 50.000 Euro fördert die Arbeit für Menschen

mit Demenz

Die Gremien der Ende 2011 vom Diakonisches Werk Innere

Mission Leipzig e.V. (DWIML) mit einem Betrag von 50.000

Euro gegründeten Diakonie-Stiftung Leipzig haben sich im

Jahr 2012 gebildet und ihre Arbeit aufgenommen.

Dem Vorstand der Stiftung gehören der Vorsitzende des

Verwaltungsrates und die Mitglieder des Vorstandes des

DWIML an, der Stiftungsrat setzt sich aus Mitgliedern des

Verwaltungsrates des DWIML zusammen. Vorsitzender des

Stiftungsrates ist Herr Pfarrer i.R. Runne. Die Organe der

Stiftung befassten und befassen sich gegenwärtig vor allem

mit Formalia und auch der Öffentlichkeitsarbeit. Mitglieder der

Organe werben bei Firmen und Privatpersonen um Zuwendungen.

Erstes Ziel ist es gegenwärtig, das Stiftungskapital, das

zurzeit 111.500 Euro beträgt, zu mehren. Nur dann lässt sich

der Stiftungszweck erfüllen, der darin besteht, die Arbeit vor

allem des DWIML finanziell zu unterstützen.

Sehr erfreulich ist die Zustiftung eines Betrages von 50.000

Euro. Diesen Betrag haben wir, wie auch das restliche Stiftungskapital,

in sicheren Wertpapieren angelegt. Mit dem

Zinsertrag, der aus den aus der Zustiftung angelegten

Wertpapieren fließt, werden wir, erstmals im Jahre 2013, die

Arbeit für demente Menschen im Fachbereich Altenhilfe des

DWIML fördern. Dies entspricht dem ausdrücklichen Willen

der beiden Zustifterinnen. Daneben werden wir aus Zinserträgen,

die der Stiftung aus den weiteren Wertpapieren zufließen,

andere Arbeitsfelder diakonischer Tätigkeit unterstützen.

Die Diakonie-Stiftung Leipzig ist auf Ihre Unterstützung

angewiesen, insbesondere bitten wir darum, das Stiftungskapital

zu stärken.

Unsere Kontoverbindung lautet: Sparkasse Leipzig

BLZ 860 555 92, Konto 109 002 4467.

Bitte geben Sie bei Überweisungen Ihre Anschrift und den

Verwendungszweck (Zustiftung oder Spende) an. Sie erhalten

dann eine entsprechende Zuwendungsbescheinigung.

Für ein persönliches Gespräch stehe ich natürlich auch gern

zur Verfügung.

Sönke Junge | Vorsitzender des Vorstandes der Diakonie-

Stiftung Leipzig


6 Jahresbericht 2013 KW 37

KW 37

Sozialer Arbeit

ein Gesicht geben

In der Woche vom 9. bis 15. September waren zwanzig

Fotografinnen und Fotografen mit ihren Kameras in unseren

Einrichtungen unterwegs und haben dort fotografiert. Das

„Projekt KW 37“ (für 37. Kalenderwoche) wurde organisiert

von der Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie Leipzig. Die Idee

gab es schon einmal in ähnlicher Weise als „Ein Tag Deutschland“

auf einen Tag im Jahr 2010 begrenzt. Hier hatten über

400 Fotografen nicht nur Großereignisse in ganz Deutschland

beobachtet und fotografiert, sondern sich auch auf Menschen

in alltäglichen Situationen konzentriert.

Inspiriert von dieser Idee ging es nun bei diesem Projekt

darum, exemplarisch anhand der 37. Kalenderwoche die

vielfältige und bunte Arbeit der Diakonie Leipzig in spannenden

und informativen Bildern zu erzählen und auf diesem

Weg darüber zu informieren.

Verschiedene Berufs- und auch Hobbyfotografen gingen nach

Absprache mit den Einrichtungsleitern in die Einrichtungen

und begleiteten ein Projekt oder auch Abschnitte des Alltags

fotografisch. Für ihre Bilder erhielten sie als „Honorar“ den

symbolischen Betrag von 37 Euro.

Diese Bilder sind nun im Internet unter www.kw37.de zu

sehen. Damit und mit den dazu gehörenden kurzen Beschreibungen

werden die Besucher in persönliche Geschichten

mitgenommen und erhalten Einblicke in die facettenreichen

Angebote der Diakonie Leipzig. Soziale Arbeit in Leipzig wird

transparenter.

Auch in diesem Jahresbericht sind einige der Fotos aus dem

Projekt KW 37 zu sehen.

Für die Fotografen selbst war dies eine spannende Aktion.

Sind doch einige von ihnen zum ersten Mal in einem Pflegeheim

oder einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen

gewesen und waren gleich mittendrin im Geschehen. Einige

hatten guten Kontakt zu den Mitarbeitern und Bewohnern und

wollen noch einmal wiederkommen.

Matthias Möller I Öffentlichkeitsarbeit


Jahresbericht 2013 KW 37 7


8 Jahresbericht 2013 Angebote für alte Menschen

Die Angebote für alte

Menschen

Vielfalt für das Leben im Alter

Pflegeheime

Schauen wir rückblickend auf den Berichtzeitraum 2012/2013,

so können wir wieder von vielseitigen und aufregenden

Erlebnissen in unserem Fachbereich berichten. Themen wie

Auslastung und Belegung, Personalmanagement oder

bauliche Veränderungen prägten die vergangenen Monate.

Die Verweildauer unserer Bewohner nimmt zunehmend ab. Es

ist kein Ausnahmefall mehr, wenn ein Bewohner nur Tage bzw.

wenige Wochen in unserem Pflegeheim lebt. Die Bewohner

ziehen bei uns mit erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen

ein. Die Vielzahl von hochgradig erkrankten Menschen

mit Demenz fordert einen zunehmenden Betreuungsund

Pflegeaufwand für unsere Mitarbeitenden. Die

Schulungen unserer Mitarbeitenden zu speziellen medizinisch/pflegerischen

Sachverhalten haben wir ebenso verstärkt

wie die Angebote zu seelsorgerlicher Betreuung und Supervision.

Im Bereich der sozialen Betreuung konnte das Angebot

weiterhin stabilisiert und erweitert werden. Die Hundetherapie

ist bereits ein fester Bestandteil einiger unserer Häuser. Im

Bereich der Pflege sind wir trotz der hohen Anforderungen

angehalten, unsere Arbeit in einer professionellen und qualitativ

guten Form zu bewerkstelligen. Zahlreiche Fort- und

Weiterbildungen unserer Mitarbeitenden, interne Maßnahmen

des Qualitätsmanagements sowie die professionelle Leitung

unserer Pflegeheime tragen zur Umsetzung der geforderten

und von uns gewünschten Maßstäbe bei.

Kleinere Projekte der Häuser beleben die alltäglichen Geschehnisse

in unseren Pflegeheimen. Im Pflegeheim Marienheim

wurde beispielsweise ein Kreativkeller mit intensiver

Eigenleistung errichtet und auch mit Freude von den Bewohnern

angenommen. Hier verbringen sie viel Zeit, speziell mit

Filz-, Flecht- und Keramikarbeiten. Um den Interessen der

jüngeren Bewohner gerecht zu werden, wurde parallel zum

Kreativkeller ein Computerkabinett hergerichtet. Erstaunlich

war, dass dies genauso mit Freude und Interesse von den

hochbetagten Bewohnern angenommen wird. Zwei junge

Wohnen im Matthäistift

Ehrenamtliche begleiten die Projekte im Haus.

Ein ganz anderes Projekt startete das Pflegeheim Johann

Hinrich Wichern im Hinblick auf die Gesundheitsfürsorge der

Mitarbeitenden. Seit Mai 2013 besteht für das Personal die

Möglichkeit, sich einmal monatlich vor oder nach der Dienstzeit

durch eine Physiotherapeutin im Haus behandeln und

verwöhnen zu lassen. Das kostenpflichtige Angebot wird von

den Mitarbeitenden sehr gut angenommen. Es bestehen

Überlegungen, das Angebot auf zweimal pro Monat aufzustocken.

Durch die positive Kooperation mit Ärzten, Apotheken,

Sozialdiensten, dem Hospiz und zahlreichen Bildungsträgern

wird unsere Arbeit oft durch eine Vielzahl von Praktikanten

unterstützt. Auch in diesem Jahr konnten wir zudem erneut

Jugendliche aus Europa in unseren Pflegeheimen begrüßen.

Im Rahmen des EU-Programmes „Leonardo da Vinci“ absolvieren

sie ein 14- tägiges Praktikum im Bereich der Pflege.

Die Schülerinnen und Schüler reisten aus Frankreich, Tschechien,

Litauen und der Slowakei an.

Zahlreiche Veranstaltungen für unsere Bewohner und

Angehörige begleiteten uns durch die gesamte Zeit. Sowohl

kirchliche Feste als auch jahreszeitliche Feiern brachten uns

viel Abwechslung und Freude.


Jahresbericht 2013 Angebote für alte Menschen 9

Am 27. Juni diesen Jahres durften wir zum 100-jährigen

Bestehen des Matthäistiftes anstoßen. Es war ein gelungener

Nachmittag mit Gottesdienst, musikalischer Begleitung,

üppigem Buffet und guten Worten zur Geschichte des

Hauses. Alte Einrichtungsgegenstände und eine sehr schöne

Fotowand haben Erinnerungen geweckt. Allen Beteiligten

kann auf diesem Weg nur recht herzlich gedankt werden.

Das Kunstprojekt des Pflegeheims Marienheim „Drei Peter

und ein Harry gegen das Vergessen“ wurde bereits im letzten

Jahresbericht vorgestellt. Jetzt präsentierte es sich erfolgreich

zum „Weltalzheimertag“ am 21. September im Neuen Rathaus

der Stadt Leipzig. Das bisherige positive Feedback und die

Dauerausstellung zum Projekt im Pflegeheim Marienheim

gaben den Beteiligten Anlass, sich für den Altenhilfepreis

2013 zu bewerben. Eine Fachjury wird sich einen persönlichen

Eindruck vom Projekt vor Ort verschaffen und wir

sehen der Entscheidung gespannt entgegen.

Technischer Fortschritt in der Sozialstation

Nach dem Umzug unserer Räumlichkeiten in die Leipziger

Innenstadt im April 2012 stand die nächste Herausforderung

für den Berichtszeitraum 2012/2013 bevor. Die Umstellung

der bisher händig, per Excel und durch ProfSys erfolgten

Planung und Abrechnung sämtlicher Prozesse der Sozialstation

auf eine für den ambulanten Pflegedienst spezielle Software

war beschlossen. Am 01. Oktober 2012 begann die

Einführung der Software euregon.snap. Innerhalb von vier

Monaten konnte das neue Programm in der Diakonie Sozialstation

erfolgreich implementiert werden.

Das snap.ambulant dient der Touren- und Einsatzplanung

sowie der Arbeitszeiterfassung der Mitarbeiter. Durch diese

Entwicklung sind die erforderlichen Informationen für den

Mitarbeitenden jederzeit und an jedem Ort immer aktuell, das

Personal kann effizient eingesetzt werden und die Arbeitszeiten

und Zuschläge sind ohne Mehraufwand ermittelbar. Die

durch die Pflegekräfte erbrachten Leistungen werden mittels

mobiler Geräte erfasst. Eine zeitliche Transparenz ist gewährleistet.

NEU – Tagespflege in der „Rosentalresidenz“

Am 25. Januar 2013 eröffneten wir unsere vierte Tagespflege

des Werkes. Mit der Einweihung der Tagespflege in der

„Rosentalresidenz“ (Elsbethstraße 16 in 04155 Leipzig) konnte

eine enge Versorgungsstruktur für den Raum Leipzig-Gohlis

geschaffen werden. In der Anlage der „Rosentalresidenz“ sind

die Angebote eines Betreuten Wohnens der Seniosana GmbH

sowie unserer Tagespflege unter einen Dach.

Die Räumlichkeiten unserer Tagespflege befinden sich im

Erdgeschoss. Hier werden pflege- und betreuungsbedürftige

Senioren in der Zeit von 8 bis 17 Uhr von fachkompetenten

Mitarbeitenden unseres Werkes versorgt. Auf Wunsch können

die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrer Wohnung den

Betreuungs- und Pflegeservice unserer Sozialstation dazu

buchen. Mit der Erweiterung unserer Tagespflegen wird eine

weitere Möglichkeit zur Entlastung pflegender Angehöriger

geschaffen und dem Wunsch der pflegebedürftigen Personen

nach dem Verbleiben in den eigenen vier Wänden unterstützt.

Wirft man einen Blick auf unsere schon länger bestehenden

Tagespflegen im Albert Schweitzer, im Matthäistift und im

Paul Gerhardt müssen wir zunehmend feststellen, dass die

Tagesgäste schon oft in einem allgemein schlechten Gesundheits-

und Pflegezustand sind. Daher sind schon viele Tagesgäste

an in die vollstationären Einrichtungen unseres Werkes

gewechselt.

Ehrenamtliche stärken, unterstützen und weiterbilden

Etwa 50 Menschen engagieren sich zur Zeit im Fachbereich

Altenhilfe. Ehrenamtliche brauchen Wertschätzung ihrer

Tätigkeit, Unterstützung und Erfahrungsaustausch. Und so

fand für jene, die sich für Senioren engagieren, am 17.

November 2012 in Leipzig ein Werkstatt-Tag für ehrenamtlich

Tätige oder Interessierte statt zum Thema: „Wandel(n) im

Alter: Leben gestalten. Chancen sehen. Sich engagieren.“

Hier ging es um das Älterwerden mit seinen neuen Chancen

und Herausforderungen. Der reich gefüllte Tag – Informationen

zum Ehrenamt, die Vorstellung guter Projekte, die Wahrnehmung

der eigenen Biografie und der Spiritualität im Alter,

Erfahrungsaustausch, gemeinsames Singen, Essen und

Tanzen – stieß auf positive Resonanz bei den 40 Teilnehmenden.

Das Projekt wurde gemeinsam organisiert von einer

Projektgruppe der Diakonie Leipzig, der Evangelischen

Erwachsenenbildung Sachsen, der Ev.-Luth. Kirchgemeinde

St. Thomas und gefördert vom Kirchenbezirk Leipzig.

Der nächste Leipziger Werkstatt-Tag wird am 1. Februar 2014

in der Bethlehemgemeinde Leipzig stattfinden.

Susann Merkel I Qualitätsmanagement


10 Jahresbericht 2013 Ehrenamt

„Jeden Monat einen

Ausflug ...“

Ehrenamtliche Tätigkeit bereichert

das Leben der Bewohner

Das Ehrenamt ist neben weiteren vielseitigen Tätigkeitsfeldern

der Beratungsstelle ein wichtiger Bestandteil für die Arbeit in

unseren Einrichtungen. Die „Pflege“ unserer ehrenamtlich

Mitarbeitenden bildet die Grundlage für deren Bindung an

unser Werk. Im Durchschnitt können wir 30 ehrenamtliche

Mitarbeiter in unserem Fachbereich zählen, die vordergründig

im vollstationären Pflegebereich tätig sind. Die Aufgaben der

ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Altenhilfe sind in der Regel

im Bereich der sozialen Betreuung angesiedelt. Dazu gehören

u.a. Vorlesen, Spaziergänge und Rollstuhlausfahrten, Gesellschaftsspiele

und vor allem Gespräche führen. Im Rahmen

der Ehrenamtsarbeit entstand im Frühjahr dieses Jahres eine

Idee: wie können wir den Bewohnerinnen und Bewohnern

unserer Pflegeheime eine aktive und intensivere Teilhabe am

gesellschaftlichen Leben ermöglichen? Dabei kam der

Gedanke, dass eine Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiter einen

Ausflug mit Bewohnerinnen und Bewohnern unserer Pflegeheime

unternimmt. Die Organisation und Koordination der

einzelnen Ausflüge liegt in der Hand der Mitarbeiterin der

Beratungsstelle. Sie stimmt gemeinsam mit den Heim- und

Pflegedienstleitungen die teilnehmenden Bewohner und die

Gestaltung des Ausfluges ab. Gleichzeitig erfragt sie die

Teilnahme ehrenamtlich Mitarbeitender aus unseren Pflegeheimen

und bemüht sich um die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher,

die ausschließlich an diesem Projekt mitwirken (z.B.

Studenten). Das Projekt bekam den Namen „Jeden Monat

einen Ausflug…“.

Bereits Anfang Juli 2013 starteten wir und besuchten mit

Bewohnern des Marthahauses den Seniorenkreis der Kirchgemeinde

St. Thomas. Die Andacht, das gemeinsame Singen

und die Gespräche mit dem Pfarrer und anderen Senioren

wurden dankbar und freudig von den Bewohnern angenommen.

Nach diesem positiven Start folgten weitere Ausflüge.

Mit Bewohnern des Pflegeheims Johann Hinrich Wichern

besuchten wir das Musikinstrumentenmuseum. Hier hatte

jeder der Bewohner einen „eigenen“ Ehrenamtlichen zur Seite,

der ihn ganz individuell während des Ausfluges betreute. Einer

blinden Bewohnerin wurden die Texte vorgelesen bzw. mit

Kopfhörern das Hören von Musik aus den verschiedenen

Bewohner des Marienheims mit Mitarbeitern und Ehrenamtlichen im Bildermuseum

Epochen ermöglicht. Im Klanglabor konnten die Besucher

verschiedene Instrumente ausprobieren und sogar mit

Klavierbegleitung gemeinsam singen.

Mit Bewohnern des Pflegeheims Albert Schweitzer ging es in

den Duft- und Tastgarten. und mit Bewohnern des Marienheims

schauten wir uns im Bildermuseum um. Hier faszinierte

vor allem die begehbare Installation der Ausstellung „Weltenschöpfer“,

die ein beeindruckendes Raumgefühl durch

Licht- und Klanginstallationen und sich bewegende Wände

vermittelte. Auch die riesigen Skulpturen in den sehr hohen

Räumen beeindruckten die Senioren. Die Zeit war zu knapp,

um alles zu sehen. Deshalb möchte die Gruppe noch einmal

ins Bildermuseum, um die Ausstellung zur zeitgenössischen

Kunst zu sehen.

Um die notwendigen finanziellen Ressourcen vorhalten zu

können, starteten die Beteiligten einen Spendenaufruf im

Rahmen unserer Diakonie Nachrichten, bei dem insgesamt

2400€ gesammelt werden konnten. Diese Gelder können wir

nutzen, um die Fahrtkosten und Eintrittsgelder für die Teilnehmenden

zu erstatten und den Ehrenamtlichen ein kleines

Dankeschön zu ermöglichen. Aufgrund der positiven Rückmeldungen

und Begeisterungen bei den Bewohnern sind

weitere interessante Ausflüge geplant.

Katharina Sachse I Beratungsstelle Altenhilfe


Jahresbericht 2013 Ehrenamt 11


ein Schwätzen auf dem Balkon im Matthäistift


Jahresbericht 2013 Rückblick auf das eigene Leben 13

Rückblick auf das eigene

Leben

Ein Bewohner schreibt ein

Buch

Alfred Seiler ist Bewohner des Diakonie-Pflegeheimes Johann

Hinrich Wichern. Der 68jährige ist durch eine missglückte OP

erblindet und kann auch nicht mehr laufen. Seit 2011 bekommt

er regelmäßig Besuch von Frau Dr. Margarete Sohst,

einer ehrenamtlichen Helferin beim Besuchs- und Begleitdienst

der Diakonie. Frau Dr. Sohst arbeitet schon seit vielen

Jahren als ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Besuchs- und

Begleitdienst. Herr Seiler freut sich jedes Mal sehr über diesen

Besuch. Die Gespräche sind schön und wertvoll und bringen

etwas Abwechslung und Anregung in seinen Alltag - sind

doch viele seiner Mitbewohner im Pflegeheim ca. 20 Jahre

älter als er.

Seit dem Sommer 2012 arbeiteten die beiden gemeinsam an

einem Buchprojekt: Herr Seiler erzählt die Geschichte seiner

Familie – angefangen in der Vorkriegszeit in Johannisfeld,

Kreis Osijek im heutigen Kroatien, wo seine deutschen Eltern

bis 1944 lebten. Er erzählt von der Flucht nach Thüringen, der

Nachkriegszeit, der Enteignung in den 50er Jahren, dem

DDR-Alltag in Brandenburg Nähe Prenzlau bis zur Wende.

Und Frau Sohst hört zu, nimmt alles auf Band auf und

schreibt zu Hause die aufgenommenen Erzählungen vom

Band in den Computer.

Inzwischen ist daraus ein Buch entstanden. Es wurde im

Selbstverlag herausgegeben und wird nun schon zum dritten

Mal aufgelegt, da das Interesse daran so groß ist. Das eigene

Leben zu erinnern, den roten Faden und die eigenen Stärken

in all den Jahren und Umbrüchen zu entdecken und alles in

einer Geschichte zu formulieren – das gibt Selbstvertrauen

und ist eine gute Möglichkeit, rückblickend das eigene Leben

aufzuarbeiten und andere an seinen Erfahrungen und Erlebnissen

teilhaben zu lassen.

Der Besuchsdienst vermittelt ehrenamtliche

Helfer an Menschen, die zu Hause, in einer Wohnstätte

oder in einem Pflegeheim leben und auf

Unterstützung angewiesen sind.

Dieses Projekt wurde im November 2012 mit dem

Förderpreis der Diakonie Sachsen „In guter Nachbarschaft“

ausgezeichnet. Geeignete Helferinnen und

Helfer werden immer wieder gesucht.

Kontakt: Susann Hanske

Telefon: 0341. 56 12 12 90

E-Mail: susann.hanske@diakonie-leipzig.de

www.spende-zeit.de

Mittlerweile ist ein zweites Buch in Arbeit. Hier berichtet Herr

Seiler über seine Erlebnisse mit Tieren, denn er ist auf einem

Bauernhof aufgewachsen. Es soll ein Kinderbuch werden und

ist zunächst für seine Enkelkinder gedacht.


14 Jahresbericht 2013 Angebote für Menschen mit Behinderungen

Netzwerk für Menschen

mit Behinderungen

Ein Jahresbericht ermöglicht mit dem Blick zurück immer

auch einen wertvollen Wechsel der Perspektive. Für einen

„Wechsel der Blickrichtung“ - zurück zu blicken - .

Die seit dem Jahr 2008 andauernden Verhandlungen mit dem

Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) führten in den

Jahren 2012 und 2013 zu ersten Ergebnissen in unseren

Wohnstätten. Wir konnten die Anzahl der MitarbeiterInnen im

Assistenzbereich erhalten und ausbauen und damit die den

einzelnen Bewohnern zukommende Zuwendung sichern.

Dass die Eingruppierung vom Menschen in Hilfebedarfsgruppen

grundsätzlich „grober fachlicher Unfug“ ist und bleibt und

durch landesweit festgelegte Stellenschlüssel groteske Züge

annimmt und Menschen mit schweren und schwerstmehrfachen

Behinderungen in der Einzelfallbetrachtung eklatant

benachteiligt, kann hier schon festgestellt werden.

Grundsätzlich gilt: Die Leistungsgewährung (Eingliederungshilfe)

wird derzeit noch vor allem einrichtungszentriert erlebt.

Es gilt zukünftig, die individuelle Situation der Leistungsberechtigten

– im Sinne einer Personenzentrierung – weitaus

mehr zu beachten und alternative Wohnkonzepte zu erarbeiten,

zu gestalten, zu finanzieren. Diese müssen es vor allem

auch Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf ermöglichen,

mit dem entsprechenden zusätzlichen Assistenzleistungen

in ihren „eigenen vier Wänden zu leben“.

Mit Freude und Spannung erwarten wir daher die Verhandlungen

zum Wohnverbund „Alte Posthalterei“ in Panitzsch,

welche noch zu führen sind und gerade mit Blick auf diese

oben genannte Zielstellung geführt werden sollen.

Daneben wurde die Einführung einer internen Tagestruktur mit

entsprechender personeller Untersetzung vereinbart. Wir

haben damit begonnen, die organisatorischen und personellen

Voraussetzungen dafür zu schaffen. Die baulichen

Rahmenbedingungen sind hierfür im Freistaat noch nicht

festgelegt. Diese Tagesstruktur kann aus unserer Sicht gerne

inklusiv in der Gemeinde oder im Stadtteil verwirklicht werden.

Dazu wurden in der Tagesstruktur der Wohnstätten im

Mitarbeiterin und Bewohnerin in der Wohnstätte Katharina Bora

Diakonissenhaus Borsdorf für die altgewordenen Bewohnerinnen

und Bewohner und die Bewohnerinnen und Bewohner

mit schwerstmehrfachen Behinderungen konzeptionelle und

strukturelle Veränderungen und inhaltliche Umsetzungen

vorgenommen.

Für mehrere Einrichtungen wurden neue Entgelte vereinbart.

Dabei wurde unsere Verpflichtung, die arbeitsrechtlichen

Vereinbarungen einzuhalten und Löhne nach unseren Arbeitsvertragsrichtlinien

zu zahlen, erstmals weitgehend berücksichtigt.

Kaum zu glauben, dass dies vom gleichen Kostenträger,

dem KSV, im Bereich der Werkstätten und der Ferienbetreuung

dann wieder bestritten wird.

Im Martinstift wird die Entwicklung und Strukturierung der

Einrichtung weiter geführt. Künstlerische Projekte spielen im

Martinstift eine große Rolle. Der Circus Bombastico war im

Frühjahr eine Woche lang auf Tournee. Das Theaterprojekt

„Südstaatler“ mit Schauspielern aus dem Martinstift und aus

Heinz Wagner Haus 2 unter Leitung eines Theaterpädagogen

kann dank einer weiteren Förderung von Aktion Mensch für

weitere drei Jahre weitergeführt werden.

In der Wohnstätte Heinz Wagner läuft das Angebot der

Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

aus. Hier sind wir jetzt mit Umbau, Ausbau, Personalgewinnung,

Konzeption, ja einfach mit allem Möglichen


Jahresbericht 2013 Angebote für Menschen mit Behinderungen 15

konfrontiert. Die Arbeit wird im Rahmen des SGB VIII, Hilfen

zur Erziehung, neu begonnen. Die Suche nach entsprechend

nutzbarem Wohnraum gestaltet sich schwierig.

Die Außenwohngruppe in der Antonienstraße entwickelt

sich derzeit zu einem Wohnprojekt, welche den Weg eigenständig,

ohne stationäre Anbindung, fortsetzen und sich

erweitern wird.

Die Wohnstätte Heinz Wagner 2 wird weiterhin als Wohnstätte

geführt und weiter entwickelt. Das Thema des Ausbaus

der Tagesstruktur, die Schaffung von räumlichen Bedingungen

und eine adäquate Assistenz und Betreuungsstruktur für Menschen

mit schweren und schwerstmehrfachen Behinderungen

gehören hier zu den Schwerpunkten.

In der Wohnstätte Katharina von Bora konnte die Außenwohngruppe

und eine neue Form des ambulant betreuten

Wohnens, das sogenannte abw –flex erstmals in unseren

Einrichtungen etabliert werden. Die Leiterin der Einrichtung ist

auch für die Entwicklung, Begleitung und Einführung der

inhaltlichen Assistenz– und Betreuungsplanung in unseren

Wohnstätten verantwortlich und konnte dort im vergangenen

Jahr weitere Einrichtungen mit begleiten, MitarbeiterInnen

schulen und mit in die Aufgabe des Qualitätsmanagements

einbinden.

In unserer Werkstatt I haben wir mit der notwendigen

Verbesserung der Brandschutzmaßnahmen begonnen. Der

Umbau im Haus der Stadtmission geht nun ebenfalls in die

nächste Runde und erfreut uns alle sehr. In dieses Ausbauprojekt

wurde viel Energie, Zeit und Herzblut gesteckt. Das

Dach wird neu gedeckt und im Winter beginnt der abschließende

Innenausbau. In diesem Betriebsteil hat eine Gruppe

von Mitarbeitenden mit Behinderungen mit dem Aufbau einer

Catering-Gruppe einen neuen Arbeitsbereich begonnen.

In der Werkstatt II und Werkstatt III hat im vergangenen

Zeitraum eine externe Organisationsberatung begonnen.

Damit sollen die Abläufe innerhalb der Werkstätten und der

Werkstätten untereinander besser koordiniert und Arbeitsabläufe

optimiert werden. Der Berufsbildungsbereich wurde

nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung

Arbeitsförderung zertifiziert. Vernetzungen entwickeln und

vertiefen wir mit den unseren Betriebsstätten jeweils benachbarten

kleineren und mittleren Gewerbetreibenden. Ziel ist

sowohl die Akquise neuer Aufträge als auch die Schaffung

von Praktikumsplätzen, die dann in Außenarbeitsplätze,

bestenfalls in sozialversicherungspflichtige Dauerarbeitsplätze

gewandelt werden sollen.

Mitarbeitende unserer Förderschule Konzepte inklusiven

Lernens, um Strukturveränderungen mit gestalten zu können.

Die Schule ist hierfür inhaltlich gut aufgestellt und bringt die

Diskussion in Leipzig, aber auch im Freistaat Sachsen mit

theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung voran.

Seit dem Schuljahr 2011/2012 ist das Diakonische Werk einer

von vier Trägern für heilpädagogische Ferienmaßnahmen

nach SGB XII in der Stadt Leipzig. In Anspruch genommen

werden kann dieses Angebot von SchülerInnen der Förderschule

Werner Vogel. Das sind SchülerInnen mit einem

Förderbedarf im Schwerpunkt geistige Entwicklung; einige

haben zusätzliche Behinderungen. Organisiert werden die

heilpädagogischen Ferienmaßnahmen vom Bereich „Hilfen für

Menschen mit Behinderungen“. Die Ferienangebote finden in

den Herbst-, Winter-, Oster- und Sommerferien statt.

Der Arbeitsbereich der Hilfen für Menschen mit Behinderungen

hat für die Ferienbetreuung nunmehr den Stand

eines verhandelten Leistungsangebotes erreicht und kann

eine qualitativ gute Betreuung in den Räumen der Förderschule

in den Ferienzeiten anbieten. Die Finanzierung dieser

Leistung und die personelle Ausstattung ist allerdings mit

Blick auf die vielen Kinder und Jugendlichen mit schweren

und schwerstmehrfachen Behinderungen völlig unzureichend.

Josef Brandt | Fachbereichsleiter Behindertenhilfe

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16 Jahresbericht 2013 Fachtag Inklusion

Gemeinsam (er)leben -

Begegnung macht neue

Wege möglich

Wege zur Inklusion - das

Leitziel des Fachbereiches

Der erlebnisorientierte Fachtag „Gemeinsam (er)leben – Begegnung

macht neue Wege möglich“, den wir gemeinsam im

November 2012 gestalteten und erlebten, war ein richtungsweisender

Höhepunkt unserer inhaltlichen Arbeit im Fachbereich

Behindertenhilfe. In diesem Bericht wollen wir diesem

Fachtag einen Rückblick widmen – auf dem Weg zu unserem

Leitziel „Inklusion“ und auch mit Blick auf die Jahreslosung

2013: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige

suchen wir.“ (Hebräer 13,14)

Impressionen vom Fachtag zum Thema Inklusion

Ein Fachtag zum Thema „Inklusion?“ – Das Konzept, die

Adressaten, die Idee

Schnell war uns bei der Vorbereitung des Themas vor allem

eines klar: Wir wollen nicht übereinander reden – sondern

miteinander. Wir wollten einen lebendigen Fachtag auf die

Beine stellen, bei dem es nicht um rein theoretische Abhandlungen

zum Thema Inklusion geht, sondern bei dem es v.a.

darum geht, einen Raum für Begegnung und Austausch zu

schaffen – sozusagen „gelebte Inklusion im Kleinen“. Denn

aus unserer Sicht ist das Sich begegnen die Voraussetzung

dafür, dass ich das So-Sein bzw. Anders-sein und die Fähigkeiten

und Stärken meines Mitmenschen erkennen und

schätzen lernen kann. Begegnung ist damit auch der erste

Schritt, damit die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen

am gesellschaftlichen Leben überhaupt gelingen kann. Und

mit dem Fachtag wollten wir einen Impuls setzen und Mut

machen, eine Haltung zu entwickeln, Inklusion im Sozialraum

Leipzig und Umgebung zu wagen.

Im frisch gegründeten Organisationsteam (bestehend aus

Mitarbeitern aus den unterschiedlichen Einrichtungen und

einem jungen Mann mit Behinderung, der in einer unserer

Wohnstätten lebt) wurde das Thema Inklusion und einige

Fragen heftig diskutiert: Was heißt eigentlich Inklusion? Wie

kann sie gelebt werden und was würde das für unsere

Gesellschaft bedeuten?

Was passiert, wenn sich Menschen mit verschiedenen

Fähigkeiten aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und

Arbeitsfeldern begegnen? Welche Möglichkeiten und Herausforderungen

bringt es mit sich, wenn Menschen mit unterschiedlichen

Fähigkeiten und Behinderungen oder „Nicht-

Behinderungen“ zusammen lernen, zusammen ihre Hobbys

genießen, zusammen arbeiten oder gar zusammen wohnen –

in einer Straße, in einem Haus, in einer Wohngemeinschaft?

Wie sollte der Fachtag gestaltet sein, damit er alle anspricht?

Vor allem soll er spürbar sein und die Herzen erreichen!

Eingeladen wurden Personen, die sich mit der gemeinsamen

Teilhabe am Leben in den unterschiedlichen Bereichen rund

um den Sozialraum Leipzig beschäftigen oder beschäftigen

wollen: Überzeugte und Skeptiker - Unternehmer und Angestellte

- Bewohner einer Wohnstätte - Mitarbeiter einer

Werkstatt für Menschen mit Behinderungen - Eltern, Angehörige

und Freunde - rechtliche Betreuer - Vermieter - Politiker

- Sozialarbeiterinnen und Heilerziehungspfleger – Ärzte - Leistungsträger

wie KSV Sachsen - Lehrerinnen und Schüler -

Pfarrer, Gemeindemitglieder – Nachbarn - Kulturschaffende

und Vereinsmitglieder … sollten auf diesem Fachtag zusammen

kommen, um sich gemeinsam zum Thema Inklusion in

den unterschiedlichen Lebensbereichen auszutauschen.

Von der Idee zum Erleben: Voneinander wissen, sich

kennen lernen, Gespräche anregen, Ideen wachsen

lassen, die Herzen erreichen …

Am 08.November öffneten sich schließlich kurz vor halb 9 die

Türen unseres Begegnungs- und Integrationszentrums „Haus


Jahresbericht 2013 Fachtag Inklusion 17

der Stadtmission“ in Leipzig-Lindenau. 150 Teilnehmer und

Gäste waren gekommen – ungefähr ein Drittel davon Menschen

mit einer sogenannten geistigen und/oder körperlichen

Behinderung. Und da neben einem kleinen Begrüßungskaffee

auch Musik verbindet, gab es vor und zwischen den einzelnen

Themen musikalisch einladende Klänge von Aldo aus Perú.

Zwei Mitarbeiter des überörtlichen Leistungsträgers, des

Kommunalen Sozialverbandes Sachsen, waren unserer

Einladung gefolgt und saßen inmitten der bunten Teilnehmerrunde.

Dies empfanden wir als einen sehr besonderen und

wertschätzenden Moment – sich einmal fernab von den eher

sachlichen Pflegesatzverhandlungen in diesem anderen

Rahmen zu begegnen.

Mit seinem interessanten Impulsreferat „Menschen – Leben –

Vielfalt. Inklusion als Aufgabe und Chance“ brachte Prof. Dr.

Liedke ein erstes Staunen in die Gesichter der Teilnehmer.

Während der eine interessiert neue Denkanregungen erhielt,

waren manche Worte für den anderen einfach sehr kompliziert.

Für wieder andere war jedoch allein diese Begegnung

eine Premiere, so für die junge Frau E., die in der Wohnstätte

in Panitzsch lebt und erstaunt feststellte: „Ist das ein echter

Professor? Ich bin doch noch nie einem begegnet!“

Er stellte aktuelle Konzepte und Methoden vor, die dazu

beitragen sollen, dass Inklusion keine „leere Floskel“ bleibt.

Da sei das Konzept des „Community Care“ erwähnt, dass

davon ausgeht, „dass Menschen mit geistiger Behinderung in

der örtlichen Gemeinschaft leben, wohnen, arbeiten und sich

erholen und dabei auch von der örtlichen Gemeinschaft

unterstützt werden.“ (Schablon 2009, 295). Und dabei geht es

nicht nur um einen reinen Abbau stationärer Heimplätze bzw.

die einseitige Schaffung ambulanter Wohnangebote, sondern

wichtig ist vielmehr auch der Aufbau und die Pflege sozialer

Netzwerke, Nachbarschaften und Begegnungsmöglichkeiten

im Leben des Quartiers (z.B. Stadtteilfeste, Geschäfte,

Sportvereine, Cafés, Restaurants). Kurzum - es geht um eine

ganzheitlich betrachtete Gestaltung einer unmittelbaren

Lebensumgebung, in der sich Menschen mit Behinderung

wohl fühlen und an der sie aktiv teilhaben. Als Ansatz zur

konkreten Verbesserung der Lebensbedingungen im sozialen

Umfeld stellte Prof. Dr. Liedke schließlich auch das Konzept

der Sozialraumorientierung mit einigen Methoden als mögliches

„Handwerkszeug“ vor.

Nach dieser „Theoriestunde“ folgte nun die eindrucksvolle

Vorstellung einiger „inklusiver Projekte“ aus dem echten

Leben – moderiert von der MDR Figaro-Moderatorin Kristin

Unverzagt: Menschen mit Behinderungen und „Nicht-Behinderungen“

berichteten von einem gelungenen Miteinander

– von „Inklusion“ in ihrem Leben,

Heiko K. – ein Angestellter mit Behinderungen, der in einem

„Behindertenheim“ lebt und seit fast 10 Jahren in einer

kleinen Firma auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeitet, kam

mit seinem Chef und berichtete stolz von seinem Job und

seinen Kollegen, die ihn als Teammitglied auf Augenhöhe

mittlerweile sehr schätzen. Beide machten Mut … und ein

interessierter Unternehmer aus dem Publikum fragte am Ende

nach Einstellungsmöglichkeiten, da er sich auch vorstellen

könne, einen Arbeitnehmer mit sogenannter geistiger Behinderung

in seinem Betrieb anzustellen.


18 Jahresbericht 2013 Fachtag Inklusion

Die Schüler Patricia, Sarah, Vanessa, Felix und Kevin sowie

die Leiterin, Christiane Burger, und ihre Kolleginnen Elisabeth

Weber und Peggy Gergs vertraten unsere Förderschule

Werner Vogel. Sie zeigten in einem kleinen Film zu ihrem

inklusiven Schulprojekt „Diese Erde ist dein Garten“ anschaulich,

wie erfolgreich Schularten und außerschulische Partner

kooperieren können und wie in einem spannenden Projekt die

Grenzen zwischen „behindert“ und „nicht behindert“ verschwimmen.

Anschließend wurden die Fachtag-Teilnehmer Zeugen einer

ganz besonderen Freundschafts-Geschichte: Frau S., die seit

einigen Jahren in der Wohnstätte „Alte Posthalterei“ in

Panitzsch lebt und neben einer geistigen Behinderung auch

eine schwere traumatische Störung hat, stürmt voller Freude

mit einem Unternehmerpaar aus Borsdorf das Podium. Sehr

lebendig und emotional berichtet das Trio wie sie sich auf

einem Gemeindefest im Ort das erste Mal begegneten,

welche Skepsis und Bedenken damit einhergingen und wie

schließlich daraus eine Freundschaft entstand, die für alle drei

ganz neue Blicke in die Welt ermöglicht.

Am Ende wurde ein innovatives Wohnprojekt aus Panitzsch

vorgestellt, das bislang (leider) noch Einzelfallcharakter hat:

Frau H., die schon unzählige Wohnstätten und Psychiatrien

„durchlebt“ hat, wohnt seit über einem Jahr in ihrer eigenen

Wohnung im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens.

Allerdings erhält sie aufgrund ihres hohen Unterstützungsbedarfs

eine zusätzliche, täglich mehrstündige Einzelbetreuung

durch ihre Bezugsmitarbeiterin – ihre Lebensassistentin.

Dieses neue Wohnprojekt macht Mut, auch neue innovative

Wege zu gehen …

Auf der Podiumscouch saßen nun jung und alt – Arbeitgeber

und Arbeitnehmer – Professor – Pfarrerin – Schulleiterin und

Schüler – „Wohnstättenbewohnerin“ und Bezugsmitarbeiterin

zusammen, tauschten eigene Erfahrungen aus und diskutierten

die Fragen aus dem Publikum. - Professor Dr. Liedke wies

in diesem Zusammenhang auch auf die Chancen der Zusammenarbeit

von Kirche und Diakonie und an die Möglichkeit

der Kirchgemeinden hin, „systematisch Nachbarschaftsmentalität

wach zu küssen“ (Dörner 2007,114).

Unvergesslich bleibt jedoch der Moment während der Podiumsdiskussion,

als der Schüler Kevin - den Arm entspannt

über dem Sofa gelehnt - Mut machend und souverän an uns

alle appelliert: „Ach, wir sind doch alle auch bloß Menschen!“

– Ja, auch gemeinsam lachen verbindet … Das erinnert

irgendwie auch an die Aussage eines anderen jungen Bewohners

aus der Wohnstätte Heinz Wagner Haus 1, der einst

feststellte: „Wir sind doch alle irgendwie behindert – nur

bei uns hat man es dummerweise gemerkt.“

Nach einem Mittagessen in den Lindenwerkstätten hatten

dann am Nachmittag alle Teilnehmer endlich die Möglichkeit,

in den praktischen „Erlebnis- und Begegnungsräumen“ ihre

eigenen Erfahrungen, Gedanken, Wünsche und Bedenken

einzubringen – und etwas miteinander zu gestalten, zu

erschaffen ... sich im gemeinsamen Tun für eine Sache auf

den Weg zu machen.

Dafür hatten die einzelnen Verantwortlichen jeweils individuelle

Erlebnisräume gestaltet und geschmückt. Die unterschiedlichsten

Facetten unseres Fachbereiches wurden hier

aktiv und aktiviert:

Bildung

Schulleiterin Christiane Burger und Religionspädagogin

Elisabeth Weber aus der Förderschule Werner Vogel leiteten

eine Arbeitsgruppe zum Thema „Gemeinsames Lernen“ und

zeigten am naturkundlichen Thema „der Igel“, wie Lernen auf

verschiedenen Wegen am gemeinsamen Lerngegenstand

erfolgen kann.

Arbeiten

Sozialdienst Sören Fromm, Bereichsleiter Carsten Ruß und

Godly-Play-Experten aus der WfbM Panitzsch leiteten die

Teilnehmer zu einem handwerklichen Exkurs an und gingen

gemeinsam folgender Frage nach: „Was brauchen wir, damit


Jahresbericht 2013 Fachtag Inklusion 19

auch fernab von Wohnstätten- und Werkstattalltag in seiner

Freizeit künstlerisch auszuleben.

Glaube

Pfarrerin Friederike Müller brachte ganz unterschiedliche

Materialien rund um das Thema „Unsere Hände – Gottes Hände“

mit in ihre bunt gemischte Gruppe. Wie können wir Gott

durch unsere Hände im Alltag erleben und erfahren? Fachbereichsleiter

Josef Brandt, der in diesem Erlebnisraum mitwirkte,

war erstaunt über die Vielfalt der Ideen, die in der

Runde entstanden und die sich in der Gemeinschaft gegenseitig

„beflügelten“. Am Ende gestalteten alle mit ihren

einzigartigen Handabdrücken, die getragen werden von

Gottes Händen, ein lebendiges Plakat unter dem Motto „Gott

hält die Welt in seiner Hand“.

Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

arbeiten?“ – Und genau hier sind wir alle gefragt: die

Sozialarbeiter als „Brückenbauer“ mit Übersetzungsfunktion,

die Arbeitnehmer, interessierte Unternehmen, Leistungsträger,

Politiker bzw. eine Gesetzgebung, die den rechtlichen Rahmen

für „finanzielle Ausgleichsmodelle“ gibt …

Wohnen

Steffen Randolph, Leiter des Wohnverbundes „Alte Posthalterei“

in Panitzsch, und seine Kollegin Anastasia Bröske

moderierten diesen Begegnungsraum unter der Fragestellung:

„Wie kann ein Sozialraum einer inklusiven Gesellschaft

aussehen?“ Gemeinsam wurde ein Sozialraum mit Bausteinen

errichtet und die kreativen Ideen wuchsen im Austausch: „Wir

brauchen einen „Wachturm“ und eine Art „Krisenfeuerwehr“

für Notsituationen – ein Bildungshaus mit Schwimmhalle und

Eisladen …“ Und eine ältere Wohnstättenbewohnerin wünschte

sich sehr, dass „junge und alte Menschen auf jeden Fall

zusammen wohnen“.

Freizeit

Theaterpädagoge Sebastian Mandla, der die Theatergruppe

„Südstaatler“ leitet, in der Bewohner und Mitarbeiter aus den

Wohnstätten Martinstift und Heinz Wagner spielen, ließ mit

dem Wohnstättenleiter Torsten Höse seine Teilnehmer erleben,

was der eigene Körper für Ausdrucksmöglichkeiten hat.

Und während es dem einen Stück für Stück gelang, ein

bisschen mehr aus sich herauszugehen, sich einmal anders

zu zeigen – entstand bei dem anderen die Sehnsucht, sich

Nach der Auswertung der einzelnen Erlebnis- und Begegnungsräume

wurde der Abschluss des Tages gemeinsam mit

den coolen Musikern der Rock-Band „Ich und die Anderen“,

einer inklusiven Band aus Neukieritzsch, mit Musik und Tanz

gefeiert.

Rückmeldungen zum Fachtag und neue Ideen und Visionen

Die vielen positiven Rückmeldungen der Teilnehmer zu

diesem erlebnisorientierten Fachtag und der Austausch in

unseren Besprechungen zeigten uns im Fachbereich, dass wir

mit dieser Idee auf dem „richtigen Weg“ sind. Vor allem die

Vorstellung der „inklusiven Projekte“ und die aktiven Erlebnisund

Begegnungsräume bzw. die persönliche Begegnung mit

den anderen Teilnehmern und das gemeinsame Musizieren

mit der Band „Ich und die anderen“ fanden besonders guten

Anklang und erreichten die Herzen.

Der nächste Fachtag ist übrigens für das Jahr 2015 angedacht

– Sie sind schon jetzt herzlich dazu einladen!

Anastasia Bröske I Psychologischer Fachdienst

Literatur:

Schablon, Kai-Uwe (2009). Community Care: Professionell unterstützte

Gemeinweseneinbindung erwachsener geistig behinderter Menschen,

Marburg.

Dörner, Klaus (2007). Leben und sterben, wo ich hingehöre. Dritter

Sozialraum und neues Hilfesystem, Neumünster.


20 Jahresbericht 2013 Projekt „Ferien aktiv“

„Ferien aktiv!“ - aktiv in

die Ferien

Warum Schüler in den Ferien

gern zur Schule gehen

Marcus ist einer der ersten, der morgens in der Schule

ankommt. Es sind Sommerferien, ein anstrengendes Schuljahr

liegt hinter ihm. Sechs Wochen später wird er die Stufe

wechseln, neue Lehrer haben, neue Gesichter neben sich in

der Klasse sehen. Aber alle diese Dinge spielen jetzt noch

keine Rolle für Marcus: Er freut sich auf „Ferien aktiv!“, die

Ferienbetreuung in seiner Schule, der Förderschule Werner

Vogel. Hier kennt er viele Kinder, und auch viele der Fachkräfte

kennen Marcus.

Seine Mutter hatte ihm schon erzählt, was er heute unternehmen

wird. Es geht ins Stadtgeschichtliche Museum, wo sich

die Kinder das Märchen „Rapunzel“ als Figurentheater

anschauen. Das verspricht sehr lustig zu werden.

Der Plan, der ein paar Tage vor den Ferien aushing, schürte

schon große Vorfreude: Zubereitung von leckerem Sommersalat

in der Schulküche, Tiere im Wildpark füttern, eine Fahrt

in die Rochlitzer Berge zum Wandern, Kino, Eis essen … Die

drei Wochen bieten eine große Abwechslung. An jedem Tag

gibt es zwei Angebote für die Kinder: eines für diejenigen, die

einen höheren Pflege- und Betreuungsaufwand haben und

eine Unternehmung, die Kinder machen können, die auf

weniger Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Frau

Zickmantel plant lange voraus, wägt die Angebote der

Ferienangebote sorgfältig ab und sorgt für Abwechslung an

den Ferientagen. Dabei hat sie immer die Vielfältigkeit der

Bedürfnisse der Schüler im Blick. Neben vielen musischen

Aktivitäten, Bewegungs- und Kreativangeboten muss auch

immer ausreichend Zeit für Ruhe- und Entspannungsphasen

bleiben.

Marcus hat sich lange auf die Ferien gefreut, wusste immer,

was auf ihn zukommt, wenn Mama ihn in der Schule anmeldet.

Hier ist immer was los, die Ausflüge in Museen, ins

Theater oder das Basteln und Spielen in der Schule machen

ihm großen Spaß. Er ist gerne hier, zusammen mit Freunden

und bekannten Gesichtern aus dem Unterricht. Manchmal

entdeckt er aber auch ein neues, dann hat sich wieder ein

Student oder ein Schüler bereit erklärt, seine Zeit für eine

kleine Vergütung bei und mit den Kindern in den Ferien zu

verbringen. „Aber die sind auch alle ganz nett“, findet Marcus.

„Sie spielen mit uns, sind auch manchmal nicht so streng“,

meint er lächelnd. „Leider gibt es davon zu wenige“, sagt Frau

Zickmantel. „Unsere pädagogischen Mitarbeiter haben nur

eine begrenzte Anzahl an Anwesenheitstagen zur Verfügung,

wir sind also unbedingt auf Unterstützung von außerhalb

angewiesen.“

Und dass das eine schöne Ferientätigkeit sein kann, beweisen

die Einschätzungen der Schüler und Studenten, die sich

doch immer wieder einfinden - einige sogar schon öfter und

über einen längeren Zeitraum und jedes Mal mit hohem

Engagement. Die Ferientätigkeit sei eine gute Möglichkeit,

das an der Universität erworbene theoretische Wissen in die

Praxis umzusetzen, sagt Student Andreas. „Von den Fachkräften

kommt konstruktive Kritik, die das eigene pädagogische

Handeln verbessert“, so Studentin Anne. „Die Kinder

kommen schnell auf einen zu und vertrauen sich einem an. Es

wird nie langweilig!“

Die stetig hohen Anmeldezahlen seit 2011 zeigen, dass die

heilpädagogischen Ferienmaßnahmen ein wichtiges Angebot

vor allem für die berufstätigen Eltern sind.

Marcus wird am Ende des Ferientages wieder nach Hause

gefahren. In seinem Rucksack hat er ein Andenken an den

Besuch im Stadtgeschichtlichen Museum. Zu Hause kann er

seiner Mama davon erzählen – und davon, dass er sich auch

auf den morgigen Tag freut!

Jana Simon | Öffentlichkeitsarbeit


Jahresbericht 2013 Die Künstler vom Martinstift 21

Die Künstler vom Martinstift

Frühjahr 2013 - die Artisten vom Circus Mampfini Bombastico auf Tour

Schon einige Jahre bereichern vielfältige künstlerische

Projekte das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner des

Martinstifts. Zwei Projekte haben in den vergangenen Monaten

eine besondere Rolle gespielt.

Circus Mampfini Bombastico auf Tour

Vom 24.April bis zum 03.Mai dieses Jahres brachen die

Artisten vom Martinstift wieder auf, um unter der „Circusdirektorenleitung“

von Frederico Bombastico Circus zu leben. Die

Circus-Artisten zogen einen weiten Kreis vom Wittenberger

Raum über den Elbe-Elster-Kreis bis zurück in die Leipziger

Heimat.

Begonnen hat alles in unserem Probencamp, diesmal in

Bergwitz bei Wittenberg. Die Freude des Wiedersehens,

intensive Probenarbeit, das gemeinschaftliche Zusammenleben

mit all seinen Aufgaben, aber auch die Glücksgefühle,

wenn wir abends am Lagerfeuer saßen oder zu zünftiger

Musik tanzten, begleitete uns in diesen Tagen. Danach folgten

die Auftritte in verschiedenen Orten. Wir spielten zum Frühlingsfest

in einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen

in Prieschka, in einer Grund- und Sekundarschule in Bad

Schmiedeberg und in Seyda, ebenfalls in einer diakonischen

Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen. Hier begegneten

wir der dortigen Zirkusgruppe, welche uns im Anschluss

an unseren Auftritt zu einer tollen Disko einlud. Zurück

in Leipzig begeisterten wir die Schüler der Förderschule

Werner Vogel. Die letzte Aufführung war dann im Martinstift -

unter dem Zeltdach im Garten, vor allen Bewohnern und

vielen Freunden, Nachbarn, Gästen…. Mit Livemusik, Tanz

und gegrillten Köstlichkeiten klang dieser letzte Abend aus

und ließ uns Circusartisten mit einem frohem Herzen, guten

Erinnerungen und vor allem großer Vorfreude auf die nächste

Circustour, geschafft aber glücklich in die Betten fallen.

Südstaatler auf der Straße

Einige Jahre gibt es nun schon die Südstaatler, eine Theatergruppe

mit Schauspielern aus den Wohnstätten Heinz Wagner

und Martinstift. Unter Anleitung des Theaterpädagogen

Sebastian Mandla gelangen schon viele Aufführungen auf

großer Bühne. Erstmalig ging es in diesem Sommer hinaus

auf die Straße. Mit der Produktion „FÜNF STERNE – alles

inklusive“ wurde ein Straßentheaterstück inszeniert, welches

aus dem Leben gegriffen ist.

Insgesamt 12 Vorführungen an der Sachsenbrücke und am

Burgplatz begeisterten ein zufällig vorbeikommendes Publikum.

Hier wurde unter erhöhtem Schwierigkeitsgrad gespielt,

da auch Passanten ins Spiel einbezogen wurden.

Diese Produktion endete mit einem großen Benefizkonzert der

Gruppe Annuluk, aufgeführt im Hof des Grassimuseums,

zugunsten der Südstaatler. Im Vorfeld dieses Konzertes gab

es letztmalig eine Aufführung der Straßentheaterproduktion,

welche unter großem Applaus endete. Ein großes Erlebnis war

dieser Abend für die Südstaatler, welcher zusammen mit

vielen Freunden gestaltet wurde. Dank einer Förderung durch

Aktion Mensch sind weitere Produktionen gesichert. Dabei

wird die Theatergruppe auch mit anderen nicht behinderten

Schauspielern, Tänzern und Musikern zusammenarbeiten.

Was oft als Inklusion in vielen Gesprächen und Medien

bedacht wird, ist hier ganz praktisch erfahr- und erlebbar.

Torsten Höse | Wohnstättenleiter und die Künstler vom

Martinstift


22 Jahresbericht 2013 Evangelische Kindertagesstätten

Evangelische Kindertagesstätten

2013

„Spielende Kinder sind lebendig gewordene

Freuden“ Christian Friedrich Hebbel

Im zurückliegenden Berichtszeitraum waren unsere Kindertagesstätten

wiederum sehr gut ausgelastet. Von Juli 2012 bis

August 2013 wurden in unseren damaligen sechs Kindertagesstätten

insgesamt durchschnittlich 390 Kinder, davon 75

Krippenkinder und 6 Kinder mit besonderem Förderbedarf

betreut. Dies entspricht einer Gesamtauslastung von 99,8 %.

Damit ist im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Steigerung in

der Auslastung zu verzeichnen. Das Erreichen einer vollen

Auslastung wird durch die notweniger Weise gestaffelten

Neuaufnahmen zu Schuljahresbeginn nicht möglich sein.

Am 12.11.2012 haben wir unsere siebente Kindertagesstätte,

Arche Noah, auf dem Gelände des Diakonissenkrankenhauses

eröffnet. In diesem Haus werden 60 Kinder, davon 21

Krippenkinder, betreut. Die Aufnahmen der Kinder erfolgte bis

April 2013 gestaffelt, so dass für den aktuellen Berichtszeitraum

noch keine repräsentative Auslastungszahl erreicht

werden konnte. Im August eröffneten wir unsere integrative

Kindertagesstätte Kuhle in Markkleeberg. In diesem Haus

können insgesamt 80 Kinder, davon 35 Krippenkinder und 3

Kinder mit besonderem Förderbedarf betreut werden. Auf

Grund der guten Versorgungssituation mit Kindergartenplätzen

gibt es derzeit in Markkleeberg nicht genügend Anmeldungen

für Kinder ab drei Jahren. Bis zum Jahresende 2013

werden wir die vorhandenen Plätze nicht auslasten können.

Kinder der Ev. Kindertagesstätte Unter dem Regenbogen

Erstellung des Qualitätsmanagementhandbuches sowie der

damit verbundenen Überarbeitung der Einrichtungskonzeptionen

entsprechend der „Leipziger Konzeptstruktur“ nach

Prof. Dr. Markus Stück. In beiden Bereichen sind die Teams

ein gutes Stück vorangekommen, so dass im Mai 2013 die

fertigen externen Konzeptionen der Einrichtungen in Form

eines Erziehertages im Mai 2013 vorgestellt werden konnten.

Die Qualifizierung der pädagogischen Arbeit nach dem

Sächsischen Bildungsplan war ein weiterer Schwerpunkt für

alle Kita-Teams. So wurden im Rahmen der Konzeptentwicklung

räumliche Veränderungen vorgenommen, Gruppenstrukturen

verändert bis hin zu Einführung der offenen bzw.

teiloffenen Arbeit. Ebenso wurden die sich herausgebildeten

Profile unserer Kitas weiter geschärft und ausgebaut. Entlang

des kirchlichen Jahreskreises haben die Kinder interessante

Projekte durchführt und schöne Feste gefeiert. Traditionell

gab es beispielsweise Adventskaffees, Martins-und Erntedankfeste,

Osterfeste und -spaziergänge. Auch die Waldwochen

und Abschlussfahrten der Schulanfänger waren wieder

ein schöner Höhepunkt im Kindergartenjahr.

Es standen im Durchschnitt insgesamt 54 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter (40,2 VzÄ), unterstützt durch eine Berufsakademie-Studentin,

eine FSJ-lerin und ehrenamtliche Helferinnen

und Helfer als Betreuungspersonal zur Verfügung. In

Bezug auf das pädagogische Personal muss festgestellt

werden, dass der bundesweite Fachkräftemangel nun auch in

Anfängen den Bereich der Kindertagesstätten erreicht hat.

Durch die sich daraus ergebenden häufigen Personalwechsel

liegt der Schwerpunkt der Arbeit im Personalmanagement

und in der Teambildung.

Inhaltlich lag in der vergangenen Zeit der Schwerpunkt für die

Kindertagesstätten auf der Fortführung der begonnenen

Zur Unterstützung der pädagogischen Arbeit innerhalb der

Kitas besuchten und nutzten die Kinder zahlreiche Angebote

innerhalb der Stadt Leipzig. Es wurden z.B. der Zoo, die

Döhlitzer Wassermühle, das Bachmuseum, verschiedene

Bibliotheken, die INSPIRATA, der MDR, eine Kartoffelsortieranlage,

der Botanische Garten und ein Zahnarzt besucht.

Diese vielen guten Ideen und das hohe Engagement unseres

pädagogischen Personals seien an dieser Stelle erwähnt.

Bei sehr vielen Projekten und Unternehmungen unterstützen

uns auch im vergangenen Berichtszeitraum in herausragender

Weise wieder die Eltern. Dafür sind wir sehr dankbar. Vieles

hätte oft nicht in dieser Qualität durchgeführt werden können.

Zur Durchführung der religionspädagogischen Angebote in


Jahresbericht 2013 Ev. Kindertagesstätten 23

unseren Kitas arbeiteten wir wieder eng mit verschiedenen

Kirchgemeinden, insbesondere mit den Pfarrern und Pfarrerinnen

zusammen. Diese bereichernden Kooperationen sind

mittlerweile zur schönen Tradition geworden und sind aus

unserer Arbeit in den Kitas nicht mehr wegzudenken.

Zwei unserer Kindertagesstätten freuten sich über neue

Spielplätze, die durch Unterstützung der Eltern, der Stadt

Leipzig und zahlreicher Spender erneuert bzw. erweitert

werden konnten.

Das Kinder-und Familienzentrum in der Kindertagesstätte

Das Samenkorn wurde erfolgreich aus der Modellphase in

den Regelbetrieb überführt. Gleichzeitig nahm diese Kita am

Landesmodellprojekt „Familienbildung in Kooperation mit

Kindertagesstätten“ erfolgreich teil.

Die diakonieinternen Kooperationen sind mittlerweile fester

Bestandteil der Arbeit unserer Kitas. So arbeiten die Fachkräfte

für Kinderschutz bereichsübergreifend zusammen, es

gibt gemeinsame Aktivitäten mit den Behindertenwerkstätten

und dem Altenpflegeheim Marthahaus, es wurden Beratungsangebote

der Diakonie im Zentrum genutzt, und die Sozialstation

unterstützt das Team der Kita Mosaik bei der Pflege

eines Kindes mit hohem Förderbedarf.

Im Jahr 2012 wurden erfolgreiche Gespräche mit der Wohnungsbaugenossenschaft

KONTAKT e.G. und der Kirchgemeinde

Leipzig-Marienbrunn zum Neubau einer Kindertagesstätte

in Marienbrunn geführt. Die Eröffnung dieser

Einrichtung ist für Dezember 2013 geplant. Des weiteren ist

vorgesehen, das bisher durch den Bereich der Behindertenhilfe

genutzte Gebäude in der Scheffelstraße zukünftig als

Kindertagesstätte zu nutzen. Die Planungen dazu sind

abgeschlossen. Sobald die finanziellen Grundlagen mit der

Stadt Leipzig besprochen sind, kann der Umbau beginnen

und es entstehen Plätze für 130 Kinder ab dem ersten

Lebensjahr.

Zusammenfassend kann auf eine konstant positive Entwicklung

im Bereich der Kindertagesstätten zurückgeblickt

werden. In diesem Zusammenhang sei jedoch nicht unerwähnt,

dass wir mit großer Sorge festgestellt haben, dass bei

der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2013/2014 Ende

des Jahres 2012 im Sächsischen Landtag wieder keine

Verbesserung der personellen Rahmenbedingungen in den

Kitas erreicht werden konnte. Es ist auf Grund zu großer

Gruppengrößen, ungenügender Vor- und Nachbereitungszeit,

immer komplexer werdender Ansprüche usw. festzustellen,

dass die qualitativ hochwertige Umsetzung pädagogischer

Inhalte teilweise in den Hintergrund zu rücken droht. Wir

werden trotzdem versuchen, Überforderungssituationen von

unseren Mitarbeiterinnen abzuwenden und ihre Arbeitsfähigkeit

sowie die Freude an der Arbeit mit Kindern mit Hilfe von

Angeboten zum Zeit-, Selbst- und Gesundheitsmanagement

zu erhalten.

Birte Böttger | Koordination Kindertagesstätten


24 Jahresbericht 2013 Aus der Ev. Kindertagesstätte Mosaik

„Er ist ein glückliches

Kind!“

Sonnenschein mit Gendefekt

- und integriert

Arjen geht seit März dieses Jahres in den Diakonie-Kindergarten

„Mosaik“ im Süden von Leipzig. Er ist neugierig, interessiert,

fröhlich, geht mit seinem Papa auf Konzerte, mag am

liebsten Nudeln mit Tomatensoße und Krabbensalat. Krabbensalat?

Ist das nicht ungewöhnlich für einen kleinen

Jungen? „Nein“, so sein Vater lächelnd, „bei nordischen Eltern

ist das doch ganz normal!“ Also ein ganz normaler Junge.

Wäre da nicht der vermutete Gendefekt, von dem die Eltern

nicht wissen, wie er heißt oder wie er zustande kam. Arjen

sitzt im Rollstuhl, trägt Hand- und Fußorthesen und braucht

eine intensive Pflege, vor allem während der Mahlzeiten. Eine

Pflegekraft vom Ambulanten Pflegedienst der Diakonie - Mandy

- kümmert sich liebevoll, aber auch konsequent während

des Frühstücks, des Mittagessens und der Vesper in der

Kindertagesstätte um Arjen.

Am Morgen gab es eine neue Marmelade aufs Brot: „Sanddorn

und Holunder. Die hatten wir noch nicht, mal sehen, ob

Arjen sie überhaupt mag.“ Sie schmeckt ihm. Mandy sieht an

seinem Gesicht, seinen Augen, seinem Mund, dass er noch

Hunger hat und das Brot aufessen möchte.

Überhaupt hat Arjen, der Sonnenschein, eine sehr eingängige

Mimik. Alle, die den ganzen Tag um ihn herum sind, wissen

sehr gut, wie sie ihn verstehen können. Es ist gar nicht so

schwer. Anne-Katrin, die Erzieherin seiner „Hasen“-Gruppe

hat das Gefühl, dass Arjen ein sehr ausgeglichener Junge ist,

der mit sich und seiner Welt zufrieden ist. Die anderen, vor

allem die neuen „Hasen“, sind anfangs zurückhaltender und

vorsichtiger im Umgang mit Arjen. Er wirkt eher zerbrechlich,

irgendwie doch ein wenig anders als alle anderen. Aber die

Schüchternheit gegenüber Neuem ist bei vielen Kindern ja

eher normal - so dass sie sich vielleicht auch nicht unbedingt

nur an dem Bild von Arjen festmachen lässt. Die „alten

Hasen“ haben überhaupt keine Probleme mit Arjens Anderssein.

Am liebsten ist er in der Kuschelecke. Dort hat er Platz, um zu

liegen und zu versuchen, sich in die Richtung zu drehen, in

der er einen größeren Einblick in das Spiel der anderen hat.

„Es ist wichtig, dass er diesem Drang nachgehen kann“, so

Die Mitarbeiterin des Ambulanten Pflegedienstes und Arjen haben sich gut

eingespielt.

Anne-Katrin. Das ist alles mit der Physiotherapeutin abgesprochen

- er braucht die Wand als Gegendruck, um sich

abstoßen zu können. Das trainiert Muskeln, die er braucht,

um sich irgendwann einmal selbstständig fortbewegen zu

können.

Besondere Momente sind ganz sicher die, in denen Anne-

Katrin die Vorlesewünsche der 2- bis 7jährigen Kinder erfüllt.

Dann darf er sich auf eine Decke zu ihr kuscheln und den

Worten lauschen, die den Bilderbüchern entspringen. Dann ist

er entspannt, kann sich wohl und geborgen fühlen. Dann

haben auch die anderen Kinder einen leichteren Zugang zu

ihm, können auf ihn eingehen, ihn kitzeln, anschauen, berühren.

Und nebenbei spannenden Geschichten lauschen.

Auch im christlich geprägten Alltag der Einrichtung ist Arjen

immer mittendrin. Montags gibt es eine Andacht im Turnraum,

in der alle Kinder die neue Woche begrüßen, gemeinsam

singen, Geburtstagskinder feiern und beten. Das Singen und

Musizieren gefällt ihm; er hat wieder diesen zufriedenen

Ausdruck in seinen blauen Augen, die immer zu strahlen

scheinen. Und es findet sich auch immer mindestens ein

Kind, das Arjen vom Gruppenraum zur Andacht und wieder

zurück fahren möchte.

Arjen ist zurzeit das einzige Integrationskind in der Kindertagesstätte.

Seine Lieblings-Heilpädagogin Annett wechselte

just in eine andere Einrichtung - aber schon bald wird es

wieder jemanden geben, der Arjen in seinem Alltag unterstützt


Jahresbericht 2013 Aus der Ev. Kindertagesstätte Mosaik 25

- ihm hilft, wenn er Hilfebedarf signalisiert, ihm die Schuhe

wieder anzieht, die er sich zu gerne von den Füßen streift -

und um ihm wieder besser das Spielen mit den anderen

Kindern zu ermöglichen Der erhöhte Betreuungsbedarf muss

mit einer zusätzlichen heilpädagogischen Kraft in der

„Hasen“-Gruppe abgedeckt werden - sonst ist Arjens Teilnahme

am Kindergartenalltag kaum zu gewährleisten. Viele

Kindertagesstätten scheuen sich vor dem Thema Integration

und Inklusion. Die heilpädagogische Fachkraft muss nämlich

auch in Abwesenheit des Kindes finanziert werden - und das

ist ein Kostenpunkt, den sich Einrichtungen oftmals nicht

leisten können und so auf Integrationsplätze verzichten

(müssen).

Im Moment gibt es während der Spiel- und Lernzeiten nur

Anne-Katrin für alle. Das bedeutet Rücksicht einfordern,

angemessen fördern und Beschäftigungsanreize geben,

während immer auch ein Augenmerk auf Arjen liegen muss.

Ein Spagat, den Anne jedoch mit Humor und gerne macht.

Keiner soll sich benachteiligt fühlen - auch die gesunden

Kinder nicht.

Später, wenn Arjen die Förderschule Werner Vogel besuchen

wird, werden ihm in der Unterstufe neben dem Klassenlehrer

noch Pädagogische Mitarbeiter im Unterricht zur Seite

stehen, die während der Pausen auch die pflegerischen Arbeiten

übernehmen werden. Die Zusage für diese Schule

kommentierte Arjens Papa mit: „Das ist ja wie ein Sechser im

Lotto!“ Die Förderschule war ein ausgesprochener Wunschort

für seinen Sohn, der dort die bestmögliche Förderung und

Assistenz bekommen soll. Für viele Eltern ist es eine große

Erleichterung, wenn sie ihr Kind mit Behinderung dort unterrichten

lassen können, wo sie sich selbst wohl fühlen und das

auch an den positiven Reaktionen ihrer Kinder wiedererkennen.

Und obwohl Arjen eine integrative Kindertagesstätte

besucht, kam für die Familie nur der Besuch einer spezialisierten

Förderschule infrage. Hier kann gezielt und individuell

auf die verschiedensten Facetten der Besonderheit der

Schülerinnen und Schüler eingegangen werden. Hier erhalten

sie größtmögliche Förderung und können so eine größtmögliche

Selbstständigkeit erlangen. Die Integration in die

Gesellschaft ist auch hier das Ziel über individualisierte

Förderung und Betreuung.

Der Tag für Arjen im „Mosaik“ geht gegen 17 Uhr zu Ende. Er

hat heute wieder viele Eindrücke sammeln können, die er mit

Blicken und seinem Wesen weiter geben kann - an seine

Familie, die ihn genau so annimmt, wie er eben ist. Er ist ein

glückliches Kind, ein Sonnenschein - der wie alle Kinder

manchmal faszinierende und manchmal auch weniger schöne

Momente erlebt. Und genau das macht ihn wieder zu einem

ganz normalen kleinen Jungen.

Jana Simon | Öffentlichkeitsarbeit


26 Jahresbericht 2013

Haus Lebensweg – Wohnen für Kinder, Jugendliche und junge Eltern

www.kw37.de

Außenwohngruppe Antonienstraße


Jahresbericht 2013 43

die Suchtberaterin Frau Benedix in der JVA Leipzig Wachau

Außenwohngruppe Antonienstraße


28 Jahresbericht 2013 Beratungs- und Betreuungsdienste

Beratungs- und Betreuungsdienste

Hilfe in schwierigen Lebenslagen

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige

suchen wir.“ (Hebräer 13, 14) Dieser Spruch ist Ihnen allen in

diesem Jahr mehrfach begegnet - ist es doch die Jahreslosung,

welche über dem Jahr 2013 steht. Viele Menschen sind

auf der Suche nach Heimat. Heimat kann, neben dem Ort in

dem wir die Kindheit verbracht haben, auch Sehnsucht nach

Unversehrtheit, Geborgenheit, Verständnis, Unterstützung in

schwierigen Lebenssituationen und vieles andere mehr sein.

Welche Konsequenzen hat es für unser Leben, dass nichts,

was uns umgibt, Bestand hat?

Es geht sicher um weit mehr als das Dach über dem Kopf. Es

geht um alles, was unser Leben ausmacht: Familie, Freundschaften,

Engagement in Beruf und Ehrenamt und so weiter.

Die Angebote des Fachbereiches Beratungs- und Betreuungsdienste

sollen im weitesten Sinne mithelfen, Menschen,

die auf der Suche nach „Heimat“ sind, zu unterstützen und

bei der Lösung ihrer Probleme mitzuhelfen. Das geschieht auf

ganz unterschiedliche Art und Weise und in den vielfältigen

Einrichtungen dieses Fachbereiches.

Diakonie im Zentrum

Ganz im Zentrum des Fachbereiches und auch in der Mitte

der Stadt Leipzig befindet sich direkt an der Nikolaikirche die

Diakonie im Zentrum“. Dazu gehören die Ev. Jugendhilfe, die

Kirchenbezirkssozialarbeit, die Ev. Lebensberatung und die

Telefonseelsorge.

Die Jugendhilfe stand Ende 2012 sowie Anfang 2013 unter

dem Motto Ausbau der Leistungen. Dies war auf Grund der

steigenden Nachfrage seitens des Allgemeinen Sozialen

Dienstes (ASD) sowie des Amtes für Jugend, Famile und

Bildung (AfJFB) nötig.

Im Bereich ambulante Hilfen zur Erziehung ist der Bedarf

seit 2012 sehr gestiegen, so dass sich das Team in kürzester

Zeit schnell erweiterte. Für die Betreuung von Kindern in den

Schulen wurde die Diakonie häufig nach Schulbegleitung

seitens des ASD angefragt. Zur Deckung dieses Bedarfs

wurden mehrere Fachkräfte (Sozialpädagogen / Sozialarbeiter)

eingestellt. Des weiteren werden nach wie vor auch

Multiproblemfamilien betreut. Im Jahr 2012 ist die Anzeige auf

vermutete Kindeswohlgefährdung zum Vorjahr gestiegen.

Die Schulsozialarbeit, seit Jahren ein fester Bestandteil

unserer Ev. Jugendhilfe, wurde in diesem Jahr personell sowie

inhaltlich verändert. Die Schulteile wurden wieder zusammengelegt,

was sich allerdings nicht auf unser Personal auswirkte.

Wie bisher begleiten drei Schulsozialarbeiterinnen am Förderzentrum

die Schüler. An der Georg-Schumann-Mittelschule

arbeiten ebenfalls zwei Mitarbeiter unseres Teams.

Das Pilotprojekt „Kleine Familienhilfe“ (seit April 2010 in

Zusammenarbeit mit unserem ambulanten Pflegedienst)

erfreute sich einer guten Resonanz. Familien wurden bezüglich

Abhol- und Bringedienst sowie in hauswirtschaftlichen

Dingen unterstützt.

Eine steigende Nachfrage der familiären Bereitschaftspflege

und Erziehungsstellen hat das Jugendamt veranlasst,

uns eine Kapazitätserweiterung zu gewähren. Nun können wir

in der Bereitschaftspflege 30 Familien beraten.

Im Haus Lebensweg sind alle Wohnungen belegt, bei frei

werdenden Wohnungen werden wir sehr schnell vom ASD

angefragt und freie Kapazitäten sind eher die Seltenheit. Zur

Zeit arbeiten wir an einer Erweiterung des Angebotes an

einem weiteren Standort, was Ende 2013 bzw. Anfang 2014


Jahresbericht 2013 Beratungs- und Betreuungsdienste 29

umgesetzt werden soll. Im Berichtszeitraum wurden mehr

Mütter mit einer Chrystal-Abhängigkeit betreut, eine Zunahme

des Konsums dieser Droge ist auch hier festzustellen. Dies ist

eine sehr dramatische Entwicklung, was auch in unserer

Suchtberatungsstelle eine neue Herausforderung darstellt.

Die Arbeit in der Kirchenbezirkssozialarbeit (KBS) hat sich

in den letzten Jahren sukzessive verändert. Da die soziale

Beratungsarbeit und die Beratung im Hinblick auf Mutter/

Vater- Kind-Kuren enorm zugenommen hat, bleibt wenig

Raum für soziale Projekte. Nicht zuletzt ist es der engagierten

Leistung seitens der KBS-Mitarbeiter zu verdanken, dass dennoch

soziale Projekte mit den Kirchgemeinden durchgeführt

werden konnten, so z.B. die Begleitung des Spielgartens

Volkmarsdorf. Für das Projekt „Kirche findet Stadt“ sind wir

als Referenzstandort für Sachsen ernannt worden.

Es wäre sehr wünschenswert, wenn mehr zeitliche Ressourcen

für die Arbeit mit den Kirchgemeinden zur Verfügung

ständen, aber auch hier befinden wir uns in der Situation einer

gedeckelten Finanzierung.

Seit diesem Sommer findet die Arbeit der KBS und der

Beratungsstelle Altenhilfe in neuen Räumen am Nikolaikirchhof

statt. Es konnten 150 m² zusätzlich angemietet und damit

eine Verbesserung der Beratungssituation erreicht werden.

Die Evangelische Lebensberatungsstelle hat die längste

Tradition am Standort „Diakonie im Zentrum“. Die Nachfrage

nach Beratung übersteigt die Kapazität der Einrichtung bei

weitem. Die Arbeit mit hochstrittigen Paaren macht einen

Großteil der Beratung aus. Indirekt ist dies auch mit höheren

Kosten für z.B. Weiterbildung oder Co-Beratung verbunden.

Hierfür eine Kapazitätserhöhung seitens des Kostenträgers zu

erwirken, wäre wünschenswert, ist aber leider nicht in Sichtweite.

Ein Eigenanteil ist im gesamten Bereich der Beratungsstelle

zu erbringen, der vor allem durch die zahlreichen

Spenden abgedeckt wird. Die Lebensberatung ist ein Angebot,

das ausschließlich aus Mitteln der Landeskirche und

durch Eigenmittel finanziert wird. Hier wäre es wünschenswert,

diesen großen Bedarf an Lebensberatung politisch

anzuzeigen, um auch für dieses Beratungsangebot staatliche

Mittel zu erhalten.

Seit vergangenem Jahr gehört auch die Ökumenische

Telefonseelsorge organisatorisch zur Diakonie im Zentrum.

Sie ist seit 1999 am Netz und bietet Beratung anonym,

kostenfrei und rund um die Uhr. Darüber hinaus ermöglicht

die Telefonseelsorge Mail- und Chatberatung. Im Berichtszeitraum

wurden knapp 9.000 Gespräche geführt. Häufige

Themen sind Probleme in Familie und Partnerschaft, gefolgt

von Gesprächen, in denen es um psychische Belastungen

und Vereinsamung geht. Viele Menschen rufen an, um mit

jemandem zu sprechen, weil sie gerade auf eine Therapie

warten oder in ärztlicher Behandlung sind und die Zeit bis

zum nächsten Termin überstehen müssen - besonders nachts

ist dies der Fall. Auch soziale Unsicherheit wird zunehmend

zum Thema gemacht. Um diesen Dienst aufrecht zu erhalten,

benötigen wir ca. 70 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter. Wir sind immer auf der Suche nach interessierten

Männern und Frauen für den Dienst am Telefon. Die Ehrenamtlichen

werden in einer einjährigen Ausbildung auf diese

Tätigkeit vorbereitet und können auch später an Fort- und

Weiterbildungen sowie regelmäßiger Supervision teilnehmen.

Psychosoziales Gemeindezentrum „Blickwechsel“

Das Psychosoziale Gemeindezentrum Blickwechsel (PGZ

Blickwechsel) wird mit seinen komplementären Angeboten in

der psychiatrischen Versorgung für Leipzig Mitte, Nord und

Nordwest von Psychiatrie-Erfahrenen, Angehörigen sowie in

Fachkreisen für seine zuverlässige und kompetente Sozialarbeit

geschätzt. Es ist zu verzeichnen, dass der Bedarf an

Unterstützung für psychisch kranke Menschen beständig

zunimmt. Für Menschen mit einer psychischen Erkrankung

kann sich der Lebensalltag grundlegend und existenziell

verändern. In solch einer Lebenssituation werden die Angebote

der Beratung, des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW)

und zur Tagesstrukturierung von den Betroffenen als stabilisierend

und hilfreich erlebt.

Es ist zu verzeichnen, dass vermehrt junge Menschen und

Ersterkrankte die Beratungsstelle aufsuchen. Die Plätze im

Ambulant Betreutes Wohnen wie in der Außen-Wohn-

Gruppe (AWG) sind gut ausgelastet. Die Mitarbeiter/innen des

ABW begleiten vor allem chronisch psychisch kranke Menschen

in ihren eigenen Wohnungen.

Wenn Menschen aus ihrem inneren Gleichgewicht geraten,

kommt oft auch das äußere Leben ins Schwanken. Umso

wichtiger ist es, Möglichkeiten für eine sinnvolle Tagesstruktur

zu erhalten. Das Sozialcafé Blickwechsel ist seit Jahren ein

Ort, an dem Kontakte und Gemeinschaft gepflegt werden

können, durch gemeinsames Mittagessen, Gespräche und

verschiedene Gruppenaktivitäten. Mit ehrenamtlicher Tätigkeit

bringen sich die sonst vom Arbeitsleben Ausgeschlossenen

mitgestaltend ein und erfahren Anerkennung.

Das Sozialcafé Blickwechsel war Anfang 2013 durch den

Wegfall von öffentlich geförderten Arbeitsplätzen in seiner

Arbeit stark gefährdet. Drastische Einschränkungen konnten


30 Jahresbericht 2013 Beratungs- und Betreuungsdienste

bewährt. Die Gesamtanzahl Einzelberatungen ist leicht auf

3.194 gestiegen. Die Anzahl der betreuten Klienten mit der

Hauptdiagnose Crystalkonsum hat sich signifikant von 18 auf

54 und die aller Crystalkonsumenten (Haupt- und Nebendiagnosen)

von 59 auf 102 erhöht. Diese Entwicklung steht in

Übereinstimmung mit den Berichten der Polizei zur „Marktlage“

und Sicherstellungen von Crystal in unserer Region.

Im November wurde mit einem neuen Gruppenangebot für

Frauen begonnen. Ein therapeutisches Gruppenangebot für

Angehörige wird immer wieder nachgefragt, konnte aber

2012 aus Kapazitätsgründen nicht angeboten werden.

Beratung in der KirchenBezirksSozialarbeit

durch die Anerkennung des PGZ Blickwechsel als Einsatzstelle

für den Bundesfreiwilligendienst abgewendet werden.

Als neues tagestrukturierendes Angebot gibt es seit dem

Frühsommer einen Blickwechsel-Schrebergarten. Die Betätigung

in der Natur und an frischer Luft tut bekanntlich Leib

und Seele gut: „so wie ich die kleinen zarten Pflanzen gehegt

und gepflegt habe und dabei zusehen konnte, wie sie stark

und groß wurden, war das gleichwohl ein Symbol der Hoffnung

für mein eigenes seelisches Wachstum“ (O-Ton einer

Klientin).

Ein besonderer Höhepunkt für die ehrenamtlich Tätigen war

die Dankveranstaltung im April dieses Jahres. Im Bemühen

der Anerkennung des Ehrenamtes zeichnen sich zukünftig

weitere Engpässe durch die Förderung des Ehrenamts durch

Dritte ab.

Die räumliche Situation des PGZ Blickwechsel ist weiterhin

angespannt. In Verantwortung nicht nur für die Klienten

sondern auch für unsere Mitarbeiter braucht es dringend

räumliche Veränderungen. Dies wird eine vorrangige Aufgabe

in der nächsten Zeit sein.

Suchtberatungsstelle und Behandlungsstelle Blaues

Kreuz

Die Beratungsstelle ist gut ausgelastet. Es gab eine durchschnittliche

Wartezeit von 3 Wochen für Neuaufnahmen. Der

neue Standort der Suchtberatungsstelle in der Georg-Schumann-Straße

in unmittelbarer Nähe zum JobCenter hat sich

Die durch das Bundesmodellprojekt IKUSH verstärkt durchgeführte

zielgruppenspezifische Suchtberatung für (vorwiegend

russischsprachige) Migranten konnte nach Auslaufen

der Modellprojektfinanzierung Mitte 2012 durch personelle

Umstrukturierung und mit hohem Eigenmitteleinsatz als

Angebot in geringerem Umfang fortgeführt werden. Hier ist

dringend eine stabile Finanzierung mit Planungssicherheit zur

Absicherung des Angebotes erforderlich.

Im Bereich der Angebote für gehörlose suchtranke Menschen

musste die Stelle neu besetzt werden. Dies erwies sich

als sehr schwierig. Dennoch konnten wir zum 01.01.13 eine

geeignete Fachkraft einstellen und damit das bestehende

Beratungsangebot in Gebärdensprache personell absichern

sowie das Projekt auch inhaltlich weiterentwickeln. Auf Grund

der Besonderheiten der Behinderung und dem damit erhöhten

Bedarf an Sozialbetreuung und Unterstützung wäre es

dringend erforderlich, die Stelle von 0,6 auf 1,0 Vollzeitstellen

zu erhöhen.

Die Nachfrage an Ambulant Betreutem Wohnen (ABW) von

suchtkranken Menschen ist gewachsen. Festzustellen ist ein

fortschreitender Schädigungsgrad bei den chronisch mehrfach

geschädigten Abhängigkeitskranken. Die Klienten

nehmen tendenziell erst später die Leistungen des ABW in

Anspruch, häufig erst, wenn massivste soziale und gesundheitliche

Beeinträchtigungen bestehen.

Das Wohn- und Nachbarschaftsprojekt „Funke“ gemeinsam

mit der LWB konnte 2012 erfolgreich weitergeführt

werden. Es stehen nunmehr 10 Klienten-Wohnungen (Ein-

Raum-Wohnungen) zur Verfügung. Diese sind als Übergangswohnung

gedacht. Ziel ist es, die Wohnkompetenz der

Klienten zu testen und den Hilfebedarf genau einzuschätzen.

Ökumenische Kontaktstube Leipziger Oase

Das Angebot unserer Wohnungslosen-Einrichtung Leipziger

Oase konnte nach langen und schwierigen Verhandlungen mit


Jahresbericht 2013 Beratungs- und Betreuungsdienste 31

der Stadt Leipzig doch in gewohnter Weise weitergeführt

werden. Natürlich ist der finanzielle Rahmen sehr begrenzt,

handelt es sich hier um ein niedrigschwelliges Angebot. Das

entspricht nicht immer den Ansprüchen der dort tätigen

Sozialarbeiter. Auch hier ist ein großer Teil von Angeboten,

welche in den vergangenen Jahren durch öffentlich geförderte

Arbeitsplätze vorgehalten wurde, stark gefährdet bzw.

weggebrochen. Um dieser Situation entgegenzuwirken, liegt

ein Schwergewicht auf der Akquise von ehrenamtlichen

Helfern. Das Projekt „Vom Gast zum ehrenamtlichen Mitarbeiter“

kann aufgrund der Personalsituation nur in sehr geringem

Umfang und bei weitem nicht mehr in der Qualität der vergangenen

Jahre fortgeführt werden. Es bleibt aber dennoch

wichtig, Menschen, die sich vom Arbeitsmarkt weit entfernt

haben, eine Chance zur Wiedereingliederung zu geben. Die

Fortführung des Nachtcafés hat der Oase hinsichtlich der

Absicherung der Dienste durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter

schon im vergangenen Winter große Probleme bereitet.

Eine Betreuung nur mit ehrenamtlichen Helfern ist aus

rechtlichen Gründen nicht möglich. Aus diesem Grund musste

das Nachtcafè zwischen 20.12.12 und 11.1.13 geschlossen

bleiben. Für diesen Winter ist die Durchführung noch offen.

Das Einwerben von Sach- und Geldspenden bindet viel

personelle Kapazitäten, ist aber für die Fortführung der

Leipziger Oase sehr wichtig.

Mit dem Porsche Werk Leipzig fand 2013 zum wiederholten

Mal das Projekt „Seitenwechsel“ statt. Vier Mitarbeiter von

Porsche waren jeweils eine Woche lang in der Oase in den

verschiedenen Bereichen tätig. Im Anschluss daran gab es

einen Workshop zur Auswertung bei Porsche. Die Mitarbeiter

der Leipziger Oase hatten die Möglichkeit einen Praktikumstag

bei Porsche zu absolvieren.

Nach der Renovierung des Teekellers Quelle, der Kooperationseinrichtung

der Leipziger Oase, stand Mitte Juli 2012 der

Umzug aus dem Interimsquartier an. Er wurde mit Hilfe von

Klienten sowie Fahr- und Hausmeisterdiensten der Diakonie

durchgeführt. Die Bewältigung des Umzugs, neben dem

normalen Teekeller-Betrieb, war für die ehrenamtlichen

Mitarbeiter eine große Herausforderung.

Auch hier ist die Rekrutierung von ehrenamtlichen Helfern

eine besondere Aufgabe, da für diese Arbeit Empathie und

soziale Kompetenz erforderlich ist.

„Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ Dies gilt auch für

unsere Einrichtungen, die einem stetigen Wandel unterworfen

sind. Das betrifft die Inhalte unserer Arbeit, aber auch die

Mitarbeitenden und die Räume, in denen unsere Arbeit

geschieht. Diese Veränderungen sind nötig, um den sich

verändernden Bedürfnissen derer, die bei uns Hilfe und

Beratung suchen, gerecht zu werden. Dabei hoffen und

erleben wir, dass Menschen durch unser Engagement wenigstens

vorübergehend ein Stück Heimat in ihrem Leben finden.

Maria Dösinger- von Wolffersdorff I Fachbereichsleitung

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32 Jahresbericht 2013 Erziehungsstellen

Ich bin glücklich, diesen

Weg zu gehen…

Allein erziehend mit Pflegekind

– eine mutige Entscheidung

Christel Schlichting: „Irgendwann musste ich mich davon

verabschieden – vom Gedanken an ein eigenes Kind. Und

weil die Trauer darüber mich schon viele Jahre fest im Griff

hatte und ich mich irgendwie nur noch im Kreis bewegte,

habe ich mir selbst ein Ziel gesetzt. Bis ich vierzig werde

möchte ich alle verbleibenden Möglichkeiten ausloten.

Natürlich habe ich an Adoption gedacht. Aber auf dem dafür

zuständigen Amt sagte man mir, dass ich kaum eine Chance

hätte, da verheiratete Paare bevorzugt werden und mit vierzig

sowieso Schluss sei. Immerhin verwies man auf die Möglichkeit,

ein Pflegekind aufzunehmen. Diesen Gedanken habe ich

jahrelang in meinem Herzen bewegt und mit einigen Menschen

darüber gesprochen. Ein Pflegekind – ob ich das

schaffe? Ganz allein ein Kind groß ziehen, das man erst bei

sich hat, wenn die ersten Jahre schon vorbei und mit Sicherheit

nicht optimal gewesen sind. Da braucht man sehr viel

Liebe, Geduld, pädagogisches Geschick, Gelassenheit und

Humor. Werde ich das haben?

Irgendwann bin ich dann bei Frau Stabrey von der Diakonie

gelandet. Sie vermittelt Pflegekinder mit besonderem Hilfebedarf

an Pflegeeltern, die eine pädagogische Ausbildung

vorweisen können. Dies nennt man Erziehungsstellen. Nach

einigen Gesprächen mit Frau Stabrey und weiteren Überlegen

und Abwägen kam ich für mich selbst zu dem Entschluss: Ich

mache es. Ich nehme ein Pflegekind in mein Leben auf. Kurz

bevor dies Wirklichkeit wurde, verkündete ich diesen Entschluss

meiner Familie und meinen Freunden. Außerdem

baute ich meine Wohnung aus und gewann damit ein Kinderzimmer.

Und ich suchte mir eine neue Stelle mit geregelter

Arbeitszeit, so dass ich ab Nachmittag für „mein“ Kind da sein

konnte. In dieser Zeit gab es viele Treffen mit Frau Stabrey

und dann auch mit dem Jugendamt, Schulungen, Besuche in

meiner Wohnung, und sogar eine Prüfung vor einer Kommission.

Und nun wurde es konkret. Ein passendes Kind wurde

gefunden. Ein Junge im Kindergartenalter, kurz vor Schuleintritt.

Der erste Besuch in der Wohngruppe, in der er damals

wohnte, war sehr aufregend. Zum Glück hatte ich sofort

Christel Schlichting mit ihrem Pflegekind Marvin

Zugang zu dem Jungen, er kam mir nicht fremd vor. Wenige

Tage später besuchte ich ihn wieder und von da an jede

Woche ein-, zweimal. Nach einigen Besuchen nahm ich ihn

auch einmal mit zu mir nach Hause. Es dauerte dann nicht

mehr lang bis zur endgültigen Entscheidung: Ja, dieses Kind

will ich bis zur Volljährigkeit bei mir großziehen.

Jetzt lebt Marvin schon über ein Jahr bei mir. Wir sind sehr

glücklich. Natürlich gibt es auch Probleme. Marvin muss

einiges in seiner Entwicklung aufholen. Regelmäßig gehen wir

zur Ergotherapie und zur Psychotherapie und werden vom

Sozialpädiatrische Zentrum betreut. Es gibt auch viel Neuland

zu entdecken. Marvin entdeckt das Haus, in dem er jetzt

wohnt, und seine Bewohner: die Kinder, die Erwachsenen, die

Familien…, seine neuen Großeltern, meine Geschwister,

Freunde und deren Kinder, viele neue Orte… Und auch ich

musste mich an die neue Situation gewöhnen. Aber mittlerweile

kehrt bei uns beiden eine gewisse Routine ein. Seine

Wutausbrüche werden weniger, er läuft auch nicht mehr so oft

weg. Er spielt gern mit seinen neuen Freunden und ist ein

fröhlicher und lebenslustiger Junge. Mich hat er als seine

zweite Mutter akzeptiert, wir sind uns sehr nah.

Nächstes Jahr kommt Marvin in die Schule. Wir sind beide

schon sehr gespannt. Aber wir sind sicher: Er wird das schon

schaffen. Für mich selbst kann ich zu meiner Entscheidung

zum Pflegekind nur sagen: Ich bin glücklich, dass ich diesen

Weg gegangen bin.“

Susanne Straßberger


Jahresbericht 2013 Erziehungsstellen 33

Bei den Erziehungsstellen finden Kinder, die bisher in Heimen und Wohngruppen lebten, ein neues Zuhause. In der Pflegefamilie

erhalten sie die Chance, verlässliche Bindungen einzugehen, lebenspraktische und soziale Fähigkeiten zu erlernen und ihre

traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Oft bleibt das Pflegekind bis zur Volljährigkeit in der Pflegefamilie.

Im Bereich der Erziehungsstellenarbeit arbeiten vier freie Träger der Jugendhilfe (Diakonie Leipzig, AWO Leipzig Stadt e.V.,

Herbie e.V. und FAIRbund e.V.) zusammen. Die Mitarbeiterinnen gewinnen geeignete Familien für diese Aufgabe, bereiten sie

intensiv darauf vor und betreuen die Familien während der gesamten Betreuungszeit. Bei ihnen kann man sich Rat und Hilfe

holen. Es gibt regelmäßige Fortbildungen und die Pflegeeltern treffen sich mit und ohne Pflegekinder regelmäßig und tauschen

ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus.

Es werden immer wieder geeignete Eltern für Erziehungsstellen gesucht, die bereit sind, ein Kind in die eigene Familie aufzunehmen.

Voraussetzung ist eine pädagogische oder psychologische Grundausbildung eines Elternteils. Bei Interesse und für

weitere Informationen steht Frau Stabrey gern zur Verfügung.

Kontakt: Antje Stabrey | Telefon: 0341.58 61 72 11 | E-Mail: antje.stabrey@diakonie-leipzig.de


34 Jahresbericht 2013 Schulbegleitung

Schulbegleitung

in der Schule gut zurecht

Max und Tino sind ein gutes Team. Zum Glück, denn die

beiden sehen sich an mehreren Tagen in der Schule. Meistens

sind sie Banknachbarn. Tino sitzt neben Max und hilft ihm

dabei, in der Schule zurechtzukommen. Das ist nicht immer

ganz einfach, denn Max hat eine autistische Störung. Diese

führt in der Schule zu erheblichen Problemen. Zum Beispiel,

wenn Max mit seinen Gedanken mal wieder ganz woanders

ist. Oder wenn er es nicht schafft, der Lehrerin zuzuhören,

weil sie so „endlos lange“ redet. Auch jetzt, in der zweiten

Klasse fällt es Max noch schwer, eine ganze Schulstunde auf

seinem Stuhl sitzen zu bleiben. Manchmal steht er einfach auf

und läuft herum. Manchmal gibt es Schwierigkeiten mit den

anderen Kindern. Um zu sagen, was ihm gefällt oder was ihn

stört, braucht Max noch Unterstützung. Und die anderen

machen nicht immer das, was er will. Das kann ihn richtig

wütend machen und die Wut muss dann irgendwie raus…

Max geht in die Förderschule Albert-Schweitzer. In dieser

Schule haben alle Kinder eine so genannte Behinderung.

Doch bei manchen ist es so, dass sie für eine Weile eine

Begleitung brauchen, die nur für sie da ist. Das kann in

einzelnen Schulstunden sein oder – wie bei Max – sogar in

allen.

Tino Schruhl ist 29 Jahre alt und Sozialpädagoge. Seit

Oktober 2012 ist er als Schulbegleiter bei der Evangelischen

Jugendhilfe der Diakonie Leipzig angestellt. Jetzt steht er

seinem Schützling Tag für Tag zur Seite. Er hilft ihm, sich zu

konzentrieren und die wandernden Gedanken wieder einzufangen.

Er bespricht Konflikte mit den anderen Kindern und

hilft Max, seine Bedürfnisse besser zu artikulieren. Gemeinsam

legen sie Regeln für den Schulalltag fest und üben, sie

auch einzuhalten. Darüber hinaus ist er in ständigem Austausch

mit der Mutter, den LehrerInnen, PsychologInnen und

TherapeutInen. Zum Glück arbeiten alle Beteiligten sehr gut

zusammen. Der Erfolg lässt dabei nicht auf sich warten. Max

macht deutliche Fortschritte. Und das soll auch so sein,

schließlich gibt es die Schulbegleitung nur für einen gewissen

Zeitraum, auch wenn der manchmal ganz schön lang sein

kann!

Max und Tino - ein gutes Team

Tinos Job ist es letztlich, sich selbst überflüssig zu machen.

Ziel ist es, Max so fit zu machen, dass er nach einer Weile

ohne diese spezielle Assistenz in der Schule zurecht kommt.

Immerhin: ab und an kann sich Tino auch schon mal im

Hintergrund halten. Max weiß inzwischen schon ganz gut,

welche Regeln er einhalten muss und wie er sich besser

steuern kann.

Schulbegleitung gibt es nicht nur in Förderschulen, sondern

grundsätzlich in jeder Schulform. Es ist eine Hilfe, die auf

Antrag der Eltern vom Jugendamt bewilligt werden kann und

dann auch finanziert wird. Meist setzt das einen harten und

zähen Kampf der Eltern voraus.

Seit 2012 steigt die Zahl der Bewilligungen stetig an. Dies hat

dazu geführt, dass bei der Diakonie Leipzig in einem Jahr

mehrere Sozialpädagogen als Schulbegleiter angestellt

wurden. Sie sind in Förderschulen, Grundschulen, Mittelschulen

und Gymnasien der Stadt Leipzig unterwegs. Begleitet

werden Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten. Die meisten sind

in therapeutischer Behandlung, haben eine Störung aus dem

Autismus-Spektrum oder eine besonders schwere Form von

ADHS. Die bei der Diakonie angestellten Schulbegleiter treffen

sich regelmäßig zu Dienstberatungen. Dort werden Fälle

besprochen und gegebenenfalls neue Fälle vergeben. Hier

haben die Sozialarbeiter die Möglichkeit, sich mit anderen

auszutauschen – ansonsten sind sie Einzelkämpfer auf ihrem

Feld. Sie erhalten natürlich regelmäßig Supervision und

können externe und interne Beratungsangebote wahrnehmen,

wenn sie einmal selbst nicht weiter wissen.

Susanne Straßberger | Öffentlichkeitsarbeit


Jahresbericht 2013 Suchtberatung 35

Suchtberatung in Gebärdensprache

Neue Mitarbeiterin verstärkt

Angebot im Blauen Kreuz

Annika Atzert arbeitet seit Januar 2013 bei der Suchtberatungsstelle

Blaues Kreuz. Hier ist sie mit 60 Prozent Arbeitszeit

angestellt. Es ist ihre erste Stelle.

Frau Atzert ist selbst gehörlos. Sie wurde in Würzburg geboren

und ist dort aufgewachsen. Nach dem Realschulabschluss

an der Gehörlosenschule in ihrer Heimatstadt ging sie

nach Essen und machte ihr Abitur am dortigen Berufskolleg

– der einzigen Schule, die das Abitur für gehörlose Menschen

anbietet. Danach studierte sie in Würzburg Soziale Arbeit. Im

Dezember 2012 absolvierte sie ein Praktikum bei der Suchtberatungsstelle

Blaues Kreuz in Leipzig. Im Januar 2013 nahm

sie die vakante Stelle als Beraterin für gehörlose Menschen

bei der SBB Blaues Kreuz an.

Das Besondere an dieser Beratung ist zunächst, dass sie in

Gebärdensprache stattfindet. Die Gebärdensprache ist für die

meisten gehörlosen Menschen die eigentliche „Muttersprache“.

Sie ist ihnen vertraut, in ihr können sie sich am besten

ausdrücken. Suchtberatung bedeutet eben auch: viel reden

über seine Probleme, über seine Sucht und was dahin geführt

hat, aber auch, welche Wege es gibt, wieder herauszukommen.

Eine Beratung erfordert viel Mut, Vertrauen und Verständnis.

Gehörlose Menschen haben oft die Erfahrung

gemacht, dass hörende Menschen sie herabsetzen. Und sie

haben eine eigene Kultur und Identität entwickelt. Eine

gehörlose Beraterin begegnet ihnen auf Augenhöhe, auf

gleicher Ebene. Das macht es ihnen leichter, Vertrauen zu

haben und sich zu öffnen.

Der Bedarf an Beratung ist hoch. Auch aus anderen Orten

kommen Klienten, denn das Angebot an Suchtberatung in

Gebärdensprache ist zumindest in Sachsen, wahrscheinlich

auch deutschlandweit einmalig. Frau Atzert ist auch über

Skype zu erreichen. So kann man zumindest einen Termin

ausmachen oder notfalls auch einmal über wichtige Anliegen

sprechen. Bei Dienstberatungen und Fortbildungen, beim

Kontakt mit Hörenden übersetzen Gebärdensprachdolmetscher

simultan von Lautsprache in deutsche Gebärdensprache

und umgekehrt.

Die meisten Klienten kommen über das Jobcenter, das

Jugendamt und andere Stellen. Bald soll das Angebot aber

soweit bekannt geworden sein, dass sich auch freiwillig

Klienten melden. Das Angebot ist niedrigschwellig und für

jeden zugänglich. Jeder wird mit seinem Problem ernst

genommen und beraten. Darüber hinaus gibt es eine Selbsthilfegruppe.

Diese besteht schon seit über 20 Jahren. Hier

tauschen die Betroffenen ihre Erfahrungen aus, verbringen

einen Teil ihrer Freizeit miteinander und unterstützen sich

beim Leben ohne Suchtmittel.

Frau Atzert macht ihre Arbeit Spaß. Sie ist nach Leipzig

gezogen und möchte gern hier bleiben. In ihrer Freizeit spielt

sie Basketball in einem Verein für hörende Menschen. Für ihre

künstlerischen Hobbies bleibt ihr im Moment kaum Zeit.

Perspektivisch soll die Stelle auf 100 Prozent aufgestockt

werden. Außerdem möchte Frau Atzert berufsbegleitend die

notwendige Zusatzqualifikation zur Suchtberaterin machen.

Damit auch ihre Klienten, gehörlose Menschen mit Suchtproblemen,

optimal beraten und auf ihrem Weg in die Suchtmittelfreiheit

begleitet werden können.

Susanne Straßberger

Annika Atzert berät ihre Klienten in Gebärdensprache


36 Jahresbericht 2013 Wirtschaftsbericht

Wirtschaftsbericht

1. Grundsätzliche Überlegungen

Das zum Teil restriktive Sparverhalten bei Ausgaben für

soziale Aktivitäten hielt bei fast allen Gebietskörperschaften,

bedingt auch durch die unsichere wirtschaftliche Lage und die

Auswirkungen der Schuldenkrise in mehreren europäischen

Staaten, an. Daneben nimmt der Trend, soziale Tätigkeit nur

zeitlich begrenzt zu finanzieren und auf dessen Fortführung in

Formen bürgerschaftlichen Engagements zu hoffen, eher zu.

Allerdings wird dann, in Folge der zeitlichen Begrenzung,

häufig die Verlässlichkeit fehlen. Soziale Arbeit jedoch ist

Beziehungs- und Vertrauensarbeit, sie braucht die Verlässlichkeit

der handelnden Personen und Nachhaltigkeit der Aktivität,

keinen kurzfristigen Aktionismus.

Die Bemühungen von Gewerkschaften, den „Dritten Weg“ zu

diskreditieren, halten leider auch nach dem diesbezüglichen

Urteil des Bundesarbeitsgerichtes an. Aus unserer Sicht ist es

unrichtig, dass dieser Weg der Arbeitsrechtssetzung, die

durch paritätisch besetzte Arbeitsrechtliche Kommissionen

erfolgt, zu geringerer Bezahlung führt als bei jenen Organisationen,

die nicht der Diakonie bzw. Caritas angehören. Der

„Dritte Weg“ hat sich in der Diakonie in Sachsen als verlässlich

erwiesen. Voraussetzungen für die Nutzbarkeit des Weges

sind Offenheit und Transparenz, auch gegenüber der jeweiligen

Mitarbeitervertretung, sowie gute, auch betriebswirtschaftliche,

Kenntnisse der Mitarbeiterseite

sowohl auf lokaler Ebene als

auch in der regionalen Arbeitsrechtlichen

Kommission.

zu ermöglichen. Allerdings sind darunter Viele, die in erheblichem

Maße Unterstützung benötigen, um in strukturierter

Weise einer Tätigkeit nachgehen zu können. Dieser Aufgabe

wollen wir uns nicht entziehen, benötigen aber einen finanziellen

Ausgleich für unsere Tätigkeit.

2. Darstellung des Geschäftsverlaufs vom 01.01.2012

bis 31.12.2012

2.1. Überblick

Im Jahr 2012 konnten wir die ordentlichen Erträge um gut

7 %, steigern. Dieser Zuwachs ist auf Steigerungen der

Entgelte für unsere Leistungen, aber auch die Ausweitung von

Aktivitäten zurück zu führen. Der Ertragszuwachs konnte den

Anstieg der Sachaufwendungen (ohne AfA und Zinsen: 1,8 %)

und den der Personalaufwendungen (6,9 %) überkompensieren.

Das Wachstum der Personalaufwendungen war geprägt

durch die auf dem „Dritten Weg“ getroffenen, bis Ende 2014

geltenden Vereinbarungen über die Steigerung der Entgelte

unserer Mitarbeitenden sowie die Umsetzung eines Urteils

des Bundesarbeitsgerichtes, wonach jeder gegenwärtig

beschäftigten Person 30 Urlaubstage zustehen. Allerdings

mussten wir erneut eine der in den Tarifvereinbarungen

vorgesehenen Öffnungsklauseln nutzen und haben im Berichtsjahr

den zweiten Teil der Jahressonderzahlung den

Mitarbeitern der Altenhilfe, der Kindertagesstätten und der

Geschäftsstelle nur zum Teil ausgezahlt.

Die Entwicklung der Anzahl der bei der DIakonie Leipzig beschäftigten

Mitarbeiter im Verhältnis zu den Vollzeitäquivalenten (VZÄ)

Die wirtschaftliche Entwicklung hatte

eine weitere Abnahme der Arbeitssuchenden

auch in Leipzig zur Folge.

Die Arbeitsverwaltung hat im Berichtsjahr

fast keine neuen Mittel

mehr für Maßnahmen der Beschäftigungsförderung

bereit gestellt. U.E.

hingegen müsste die Beschäftigung

von Langzeitarbeitslosen oder

Menschen mit „multiplen Vermittlungshemmnissen“

weiterhin gefördert

werden, um diesen Menschen

Teilhabe auch am Wirtschaftsleben


Jahresbericht 2013 Wirtschaftsbericht 37

Die Verpflichtungen zur Zahlung einer betrieblichen Altersversorgung

erfüllen wir durch Mitgliedschaft in der Evangelischen

Zusatzversorgungskasse, Darmstadt und Entrichtung eines

Beitrages im Jahr 2012 in Höhe von 4,4 % der Bruttogehälter

sowie eines Sanierungsgeldes.

Am 31.12.2012 waren 998 (Vorjahr 966) Menschen in unserem

Werk beschäftigt, von denen 77 (Vorjahr 84) dauerhaft

abwesend waren. Die verbleibenden 921 (Vorjahr 882)

Personen füllten fast 752 (Vorjahr 720) Vollzeitarbeitsplätze

aus. Zum Ende des Berichtsjahres beschäftigten wir 9 (Vorjahr

16) Mitarbeitende, die, zumindest teilweise, aus Mitteln der

Beschäftigungsförderung finanziert wurden.

Im Jahr 2012 wandten wir etwa 128 (Vorjahr 122) T€ für Fortund

Weiterbildung sowie Supervision auf. Zum Ende des

Jahres 2012 gaben wir 20 (Vorjahr 19) Auszubildenden in

unseren Pflegeheimen die Möglichkeit, den berufspraktischen

Teil der Ausbildung zu absolvieren. Unsere Beschäftigungspflichten

nach dem Schwerbehindertenrecht haben wir

eingehalten. Ausgleichszahlungen fielen wiederum nicht an.

Im Ergebnis einer Prüfung der für uns zuständigen Berufsgenossenschaft

wurde uns korrektes Handeln bestätigt.

Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danken wir für ihre

engagierte Leistung, die innerhalb wie außerhalb unseres

Werkes hoch geschätzt wird.

2.2. Fachbereich Altenhilfe

In diesem Sektor der Versorgung ist ein Wettbewerb der

Anbieter gewollt, dadurch sind uns in den Leistungsentgelten

Grenzen gesetzt. Bei Neueinzügen achten Interessenten

insbesondere bei direkter örtlicher Konkurrenz auf das

Preis-Leistungs-Verhältnis, dabei gewinnen Kriterien wie

Unterbringung im Einzelzimmer, die eigene Nasszelle und

Zusatzleistungen zunehmend Bedeutung. Umso mehr sind

wir über die gute Auslastung der Einrichtungen, erneut rd. 98

%, erfreut, die wir als Beleg für die hohe Qualität der Arbeit

unserer Mitarbeitenden werten.

Bei den Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen

(MDK) erreichten unsere Einrichtungen sehr gute

Ergebnisse. Den Anträgen auf Höherstufungen von Bewohnern

folgte der MDK in der Regel zeitnah. In den Entgeltverhandlungen

mit den Pflegekassen wurden die arbeitsrechtlichen

Grundlagen der Gehälter unserer Mitarbeitenden

weitgehend anerkannt.

Der Ersatzbedarf für Ausstattung und Inventar steigt, insbesondere

bei den Altbauten nimmt der bauliche Instandhaltungs-

und Renovierungsaufwand zu. Baumaßnahmen führen

wir durch, um die Sicherheit unserer Bewohner zu verbessern

und Voraussetzungen zu schaffen, Abläufe zu optimieren

sowie, mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensbedingungen

und höherer Versorgungs- und Betreuungsqualität,

Korrekturen der konzeptionellen Bedingungen und veränderte

Organisationsformen der Versorgung umzusetzen.

Die juristischen Auseinandersetzungen mit Krankenkassen

über die auch finanzielle Verantwortung von Krankheitskosten

nehmen zu. Der Verwaltungsaufwand ist erheblich, wird uns

von den Pflegekassen allerdings nicht ersetzt. Darüber hinaus

ist es für unsere Mitarbeitenden unerträglich, dabei unter den

Generalverdacht gestellt zu werden, ihren Versorgungs- und

Betreuungspflichten nicht nachzukommen.

2.3. Fachbereich Behindertenhilfe

Im Jahr 2012 verzeichneten wir in den Wohnstätten für

erwachsene Menschen mit (geistigen) Behinderungen eine

Auslastung von durchschnittlich knapp 98 %.

Eines der Ergebnisse der seit 2008 andauernden Verhandlungen

mit dem Kommunalen Sozialverband (KSV) war die

Zusage, die von dort vorgenommene Einstufung einzelner

Bewohner in Hilfebedarfsgruppen zu überprüfen, wenn wir

der Einstufung nicht folgen konnten. Leider erfolgte die

Überprüfung nicht zeitnah, ebenso wenig die nach einvernehmlichem

Abschluss solcher Überprüfungen sich ergebenden

Zahlungen. Dadurch wuchs unser Forderungsvolumen

gegenüber dem KSV zum Jahresende erheblich an.

Dieses Verhalten hat seine Ursachen möglicherweise auch in

der unzureichenden Stellenbesetzung im KSV und in der

Umstellung der EDV in dieser Behörde.

Im Berichtsjahr begannen wir in den Wohnstätten und den

anderen Wohnformen des Fachbereiches mit dem Einsatz

einer computergestützten Erfassung des Pflege- und Assistenzbedarfs

und bedarfsgerechter Dienstplangestaltung.

Dabei zeichnen sich verstärkt Möglichkeiten der Mitwirkung

der Bewohner, eine Steigerung der Betreuungsqualität und

gleichzeitig zeitliche Einsparungen ab.

In unseren Wohnstätten für Menschen mit Behinderungen

nimmt der Anteil der älteren und alten Bewohner/innen zu,

ebenso die Zahl der jungen Menschen mit multiplen und

komplexen Diagnosen, d.h. chronisch-psychische Störungen,

schwere Traumatisierungen, Bindungsstörungen und herausforderndes

Verhalten bei paralleler Intelligenzminderung.

Beiden Entwicklungen begegnen wir mit Schulung unserer


38 Jahresbericht 2013 Wirtschaftsbericht

Mitarbeitenden und Weiterentwicklung der jeweiligen Konzeption

unserer Einrichtungen. Der multiprofessionellen

Zusammenarbeit z.B. mit psychiatrischen Kliniken und

Fachärzten für Psychiatrie/Neurologie kommt eine immer

stärkere Bedeutung zu.

Die Vielfalt der Angebote an Beratungs- und Betreuungsleistungen,

Wohnformen und Standorten konnten wir in angemieteten

Räumen vergrößern. Allerdings wird immer deutlicher,

dass ambulante Versorgung nicht unbedingt

kostengünstiger ist als die Betreuung in stationären Einrichtungen.

Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass die

beteiligten öffentlichen Verwaltungen derartige Versorgungsformen

nicht stärker forcieren. Dies wird bei den Begrenzungen

zur finanzierbaren Miethöhe ebenso deutlich wie bei

der Weigerung, notwendige strukturelle Voraussetzungen, z.

B. der lokalen Gemeinwesenarbeit, hinreichend zu finanzieren.

Die internen und externen Umsatzerlöse unserer drei Lindenwerkstätten

nahm auf ca. 1.247 T€ (netto) zu. In der Unterauslastung

des Berufsbildungsbereiches zeigen sich,

regional unterschiedlich, die Auswirkungen der demographischen

Entwicklung und auch der begrüßenswerten Ausformung

von Alternativen zur Berufsbildung in geschützten

Werkstätten.

In unserer weiterhin gut ausgelasteten Förderschule für Kinder

und Jugendliche mit geistigen Behinderungen legen wir

stärker Wert auf das Vermitteln lebenspraktischer Fähigkeiten

auch im Umgang mit elektronischen Medien.

In die Arbeit in diesem Fachbereich

bringen wir neben, gegenüber

dem Vorjahr verminderten,

Geldern unserer Landeskirche

weiterhin den weitaus größten

Teil der Spenden sowie Eigenmittel

ein. Für das anhaltend

hohe Aufkommen an Sachspenden

sind wir dankbar.

Das Angebot unserer Wohnungslosenhilfe

Leipziger Oase

konnten wir unter den im

Rahmen der Gemeinnützigkeit

geltenden Bedingungen weiterführen.

Der von der Stadt Leipzig ursprünglich geforderte

Betrieb unter den Bedingungen des Vergaberechtes wäre u.E.

nicht rechtskonform gewesen.

Die Stadt Leipzig hat den von den Betreibern zu erbringenden

Anteil an den Kosten des Betriebs von Kindereinrichtungen

mit Beginn des Jahres 2012 angehoben, weitere Anhebungen

sind zu befürchten. Angesichts des auch an anderer Stelle

wachsenden Bedarfs an Mitteln des Vereins müssen wir

erneut die Diskussion darüber aufnehmen, für welche Dienste

wir die Eigenmittel in welchem Umfang einsetzen wollen.

3. Darstellung der Lage

3.1. Vermögens- und Finanzlage

Das bilanzierte Vermögen unseres Werkes besteht zu rund 79

% aus immobilen Sachanlagegütern.

Das langfristig gebundene Vermögen in Höhe von gut 59,4

Mio. € ist durch Eigenkapital (nach Ergebnisverwendung etwa

23,9 Mio. €), Sonderposten (rund 37,1 Mio. €) und lang- und

mittelfristig verfügbares Fremdkapital (rund 6,9 Mio. €)

finanziert. Im Berichtsjahr konnten, neben der planmäßigen

Tilgung, Kredite in Höhe von knapp 97 T€ außerplanmäßig

zurückgezahlt werden.

Die Aufwendungen für Instandhaltung und Renovierung

haben wir erheblich gesteigert.

Aus dem Jahresergebnis von gut 0,8 Mio. € stärken wir die

Rücklagen. Die Eigenkapitalquote kann damit auf 33,4 %

verbessert werden, wobei wir Sonderposten nicht dem

2.4. Fachbereich Beratungs-

und Betreuungsdienste

und Kindertagesstätten


Jahresbericht 2013 Wirtschaftsbericht 39

Eigenkapital zurechnen. Die Betriebsmittelrücklage wurde in

den ersten Monaten des Jahres 2012 in Anspruch genommen

und zum Jahresende neu dotiert. Der Cash-Flow aus laufender

Geschäftstätigkeit nahm gegenüber dem Vorjahr

ebenso wie der Finanzmittelbestand zum Jahresende zu.

Das dem Verein gehörende Haus der Stadtmission in Leipzig-

Lindenau soll zum einen stärker zur Arbeit von und mit

Menschen mit Behinderungen und zum anderen als Begegnungszentrum

genutzt werden. Der Förderbescheid zur

anteiligen Finanzierung der weiteren Bauabschnitte liegt uns

nunmehr vor.

Auch im Jahr 2012 haben wir, wenn auch nicht in uns befriedigendem

Umfang, Reserven zur Abdeckung künftiger

baulicher Risiken gebildet. Die Geldanlagen unseres Werkes

sind in mündelsicheren Wertpapieren oder als Anlagen bei

Instituten, die in ihrer Existenz durch einen gesonderten

Verbund gesichert sind, getätigt. Kapitalverluste oder

Zinsausfälle mussten wir daher auch im Berichtsjahr nicht

hinnehmen. Derivative Finanzgeschäfte haben wir nicht

getätigt.

Ein nicht mehr benötigtes und angesichts seiner Bauausführung

auch nicht mehr nutzbares Gebäude auf dem Gelände

unserer Einrichtung in Borsdorf haben wir abreißen lassen.

Für ein anderes Gebäude dieser Wohnstätte wurde uns der

Förderbescheid zur teilweisen Finanzierung von Maßnahmen

zur baulichen Ertüchtigung übermittelt.

Dankbar konnten wir eine größere Erbschaft entgegennehmen,

die wir für die baulichen Verbesserungen im Matthäistift

verwendeten.

Mehrere Gläubigerbanken attestierten uns mit dem Ergebnis

Ihrer Ratingeinschätzung erneut eine hohe Bonitätseinstufung.

3.2 Ertragslage

Im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnten wir

eine Verbesserung auf rund 429 T€ erreichen. Dies Ergebnis

resultiert allerdings auch aus der erwähnten Kürzung des

zweiten Teils der Jahressonderzahlung für eine große Zahl

unserer Mitarbeitenden. Das Finanzergebnis war mit ./. 260 T€

besser als im Vorjahr. Die anhaltend niedrigen Zinssätze

schmälern unsere Erträge aus Finanzanlagen, können aber

nur in Einzelfällen zur Absenkung der Zinslast genutzt werden,

da wir langfristige Zinsbindungen eingegangen sind.

Unser Ziel, positive, zumindest ausgeglichene Betriebsergebnisse

auch in den einzelnen Einrichtungen zu erwirtschaften,

haben wir insbesondere in Einrichtungen der Altenhilfe nicht

erreicht.

Die gute Auslastung unserer Förderschule für Kinder mit

geistigen Behinderungen war Grund für deren Überschuss.

Auch in unserer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen

mit ihren drei Betriebsstätten konnten wir einen Überschuss

erzielen.

Zunehmend wirkt es sich negativ aus, dass Leistungen, die

von zentralen Organisationseinheiten des Vereins erbracht

werden, nicht ausreichend finanziert werden. Gleichzeitig

steigen jedoch, insbesondere bei den Kostenträgern, der

geforderte Umfang und die erwartete Qualität dieser Leistungen.

Somit konterkarieren fast alle Kostenträger unsere

Bemühungen, Kostenanstiege durch Bündelung der Erbringung

zentraler Leistungen zu minimieren.

Das Spendenaufkommen konnten wir im Jahr 2012 gegenüber

dem Vorjahr halten. Verlässlicher Berichterstattung über

die vereinnahmten Spenden kommt weiter großes Gewicht zu,

wir nehmen diese in unserem Jahresbericht und anderen

Veröffentlichungen vor.

Insgesamt konnten wir einen Jahresüberschuss von rd.

789 T€ erwirtschaften.

4. Bericht zur Steuerung des Vereins

Der Prozess zur Erstellung des Wirtschaftsplans für das

jeweils kommende Jahr wird weiter optimiert, auch um bei

den Leitern der Einrichtungen und Dienste das Verständnis für

betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und die Kompetenz,

zum ökonomischen Erfolg des Werkes, also der Erwirtschaftung

eines Überschusses, beizutragen, wachsen zu lassen.

Systeme des Risikomanagements und des inhaltlichen

Controlling sind im Aufbau, des werksweiten Qualitätsmanagements

in der Weiterführung.

Infrastruktur, Anwendungen und Einsatzmöglichkeiten unserer

EDV werden mit dem Ziel einerseits der Optimierung der

Prozesse und damit der Minderung der Gesamtkosten,

andererseits der Verbesserung der Sicherheitslage der

EDV-Anwendungen und der Datenhaltung weiter optimiert.

Die Vorbereitungen zur Vertiefung interner Prüfungen konkretisieren

wir gegenwärtig.

Der bei der Personalabteilung unseres Werkes eingerichtete

zentrale Personalpool, aus dem bei mittelfristigem Bedarf


40 Jahresbericht 2013 Wirtschaftsbericht

Personallücken in den Einrichtungen ausgeglichen werden

können, ohne dafür Leiharbeitsfirmen in Anspruch nehmen zu

müssen, zeigt positive Wirkung. Wir schaffen mit dem Pool

auch die Möglichkeit, Auszubildende nach deren Abschluss

der Ausbildung in unserem Werk auch dann zu halten, wenn

keine reguläre Stelle zu besetzen ist.

Fachveranstaltungen sowie interne und externe Weiterbildungsmaßnahmen,

auch zum Umgang mit Konflikten, wurden

verstärkt durchgeführt.

Im Berichtsjahr hat es keine die Existenz des Werkes bedrohenden

Sachverhalte gegeben. Die Zahlungsfähigkeit war

stets gegeben, Zahlungen wurden und werden unter Nutzung

von Skonti vorgenommen. Wirtschaftlichen und technischen

Risiken wurde und wird, soweit wirtschaftlich vertretbar, durch

Abschluss entsprechender Versicherungsverträge begegnet.

Die bundesweit und branchenübergreifend erkennbare

Zunahme der Schadensfälle und der Schadenshöhen hat z.T.

erhebliche Anhebungen der Prämien zur Folge. Größere

Risiken aus unterlassener Instandhaltung sind derzeit nicht zu

erkennen.

5. Nachtragsbericht

Bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichtes gab es

keine Einbrüche in der Nutzung unserer stationären Einrichtungen

und ambulanten Dienste. Die gegenwärtig geltende

Regelung im Freistaat Sachsen zur Finanzierung von Instandhaltung

und Renovierung von stationären Einrichtungen der

Altenhilfe ist aus unserer Sicht realitätsfern, sie führt zu

höherem Verwaltungsaufwand auf Seiten der Betreiber und

ebenso beim KSV.

Immer noch wirken sich das verzögernde Verhandlungsgeschehen

sowie das Zahlungsverhalten des KSV belastend

aus. Unsere Bitte, darüber mit der Leitung des KSV ins

Gespräch zu kommen, um Möglichkeiten der Abhilfe zu

diskutieren, wurde leider bisher abschlägig beschieden. In

den erwähnten Verhandlungen zur Anwendung des Metzler-

Verfahrens hatte der KSV, allerdings nur mündlich, die Zusage

gegeben, auch bei neu einziehenden

Bewohnern den Betreuungsbedarf

im Einzelfall individuell,

außerhalb der im Metzler-Verfahren

festgelegten Stufen, festzulegen.

Gegenwärtig können wir nicht

eindeutig feststellen, ob sich der

KSV an diese Zusage hält.

Die Veränderung der Organisationsstrukturen

der Lindenwerkstätten,

mit denen wir die Voraussetzungen

für die notwendige Verbesserung

des wirtschaftlichen Ergebnisses

schaffen wollen, ist noch nicht

abgeschlossen. Die Tendenz, dass

mehr Beschäftigte mit Behinderungen

Doppeldiagnosen aufweisen,

hält an, der notwendige zusätzliche

Personalaufwand wird vom Kostenträger KSV nicht voll

anerkannt. Auch werden anwachsende Ausfallzeiten der

Mitarbeitenden mit Behinderung vom KSV nach wie vor nur

unzureichend finanziell ausgeglichen.

Die Planung eines Projektes, mit dem wir psychisch kranken

Menschen Teilhabe am Erwerbsleben ermöglichen wollten,

mussten wir leider wegen der Unvereinbarkeit mit arbeitsrechtlichen

und steuerlichen Rahmenbedingungen einstellen.

Die Zahlungsfähigkeit des Werkes war und ist gesichert,

Skonti werden bei Rechnungsbegleichung abgezogen. Auch

im Jahr 2013 sind, wo möglich, Sondertilgungen vorgesehen.

Über Zinssicherungsgeschäfte werden wir unter Berücksichtigung

der jeweils aktuellen Kapitalmarktsituation entscheiden,

um gegebenenfalls vom anhaltend niedrigen Zinsniveau

langfristig profitieren zu können.

In den ersten Monaten des laufenden Jahres ist die Ertragslage

geprägt von zunehmenden Erträgen einerseits und

steigenden Personalkosten andererseits. Letzteres resultiert

aus der anhaltenden Ausweitung unserer Aktivitäten, den in


Jahresbericht 2013 Wirtschaftsbericht 41

der Arbeitsrechtlichen Kommission vereinbarten Steigerungen

der Entgelte unserer Mitarbeitenden und der Anhebung des

Pflichtbeitrages zur Evangelischen Zusatzversorgungskasse

Darmstadt von 4,4 % auf nunmehr 4,8% der beitragspflichtigen

Entgelte.

Das Finanzergebnis wird sich kurzfristig nicht verbessern

lassen, da einerseits das Anlagevolumen nicht ausgeweitet

werden kann und andererseits das Zinsniveau auch längerfristig

vergleichsweise niedrig bleiben wird. Dies veranlasst uns

aber nicht, riskantere Anlagen zu tätigen. Für das laufende

Geschäftsjahr erwarten wir ein ausgeglichenes Ergebnis aus

gewöhnlicher Geschäftstätigkeit und ein positives Jahresergebnis.

6. Ausblick

Gegenwärtig steht lediglich noch für unsere Einrichtung in

Borsdorf der Ersatz von Plätzen in einer Wohnstätte für meist

ältere Menschen mit Behinderungen an. Wir wollen, auch um

Inklusion zu realisieren, eigene Altbausubstanz außerhalb

unseres Geländes in Borsdorf nutzen. Das Sächsische

Staatsministerium des Sozialen steht dem, was uns sehr

erstaunt, nicht positiv gegenüber. Wir müssen uns fragen, ob

Personen aus Verwaltung und Politik die Inklusion von

Menschen mit Behinderungen, die sie in öffentlichen Verlautbarungen

stets fordern, wirklich realisieren wollen.

Zur Entwicklung eines inklusiven Schulkonzeptes befinden wir

uns in einer ersten Gesprächsrunde mit der Sächsischen

Bildungsagentur Leipzig und dem sächsischen Staatsministerium

für Kultus.

Die gute Auslastung unserer stationären Einrichtung der

Jugendhilfe sowie die anhaltende Nachfrage nach unseren

Leistungen veranlassen uns, die Aufnahme des Betriebs einer

weiteren Mutter/Vater-Kind-Einrichtung im Osten Leipzigs in

gemieteten Räumen zu planen.

Investitionskosten finanziert werden sollen, liegen uns vor. Die

Restfinanzierung wird über Kapitalmarktdarlehen dargestellt.

Für die gegenwärtigen Bewohner suchen wir nach adäquatem

Wohnraum, allerdings spüren wir immer stärker die lokale

Marktenge. Unser Antrag, uns die ursprünglich gegebenen

Fördermittel auch nach Änderung der Nutzung des Hauses in

der Scheffelstraße zu belassen, wurde immer noch nicht

beschieden.

Die Diversifikation und die Größe unseres Unternehmens

lassen es uns unwahrscheinlich erscheinen, dass kurz- oder

mittelfristig Problemstellungen in einzelnen Diensten oder

Einrichtungen die Existenz des Werkes gefährden.

Die Mitarbeit leitender Personen unseres Werkes in wichtigen

Gremien der Kirche sowie unseres Landesverbandes gibt uns

die Möglichkeit, zeitnah Informationen über Änderungen in

den Rahmenbedingungen aufzunehmen und in unsere

Planungen und Entscheidungen einzubeziehen.

Um die Bindung freiwillig, unentgeltlich tätiger Menschen an

unser Werk sind wir weiter bemüht, stets mit den Hinweisen,

dass auch Ehrenamt nicht frei von (finanziellem) Aufwand

wahrzunehmen ist und Ehrenamt nicht Hauptamt ersetzen

kann.

Der Zusammenarbeit und Abstimmung mit Kirchgemeinden

und anderen diakonischen Vereinigungen schenken wir große

Aufmerksamkeit. Als Dienstleister auf dem Sozialmarkt wie

auch als Dienstgeber am Arbeitmarkt genießen wir ein großes

Vertrauen, für das wir sehr dankbar sind, das uns stärkt. Um

dieses Vertrauen muss aber auch jeden Tag neu geworben

werden. Wir müssen beweisen, dass wir diesen Vertrauensvorschuss

nicht missbrauchen. Dies ist uns bewusst, es

bestimmt unser Handeln.

Sönke Junge | Kaufm. Vorstand

Die seit 2009 andauernden Bemühungen, mit den beteiligten

Verwaltungen über eine veränderte Verwendung unseres

Hauses Heinz Wagner I in der Scheffelstraße 42 in zielorientierte

Verhandlungen zu treten, konnten wir weiterführen.

Unbefriedigend ist allerdings der hohe Zeitaufwand, mit dem

wir zur Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Behörden

beitragen müssen.

Das Gebäude wollen wir umbauen und als Kindertageseinrichtung

nutzen.

Die Förderbescheide für öffentliche Mittel, mit denen Teile der


42 Jahresbericht 2013 Bericht vom Verwaltungsrat

Bericht des Vorsitzenden

des Verwaltungsrates

Rückblick und Schwerpunkte

der zukünftigen Entwicklung

Im Berichtszeitraum von September 2012 bis August 2013 hat

der Verwaltungsrat fünfmal getagt. Der Hauptausschuss des

Verwaltungsrates tagte ebenfalls fünfmal.

Im Folgenden soll über einige Aktivitäten und Projekte

berichtet werden, die für die weitere Entwicklung des Werkes

bedeutsam sind:

Im Mai dieses Jahres wurde die 1000. Mitarbeiterin unseres

Werkes begrüßt. Dies ist erfreulich und macht deutlich, dass

das Diakonische Werk Innere Mission Leipzig einer der großen

Arbeitgeber der Region ist.

Unser Werk erbringt vielfältige soziale Dienstleistungen im

Rahmen des Subsidiaritätsprinzips. Da dies nun zu möglichst

geringen Kosten erfolgen soll, stehen in fast allen Arbeitsbereichen

unseres Werkes die nach den gültigen Arbeitsvertragsrichtlinien

aufzubringenden Personalkosten und die

zugehörigen Refinanzierungen in einer zunehmenden Spannung

zueinander. Dazu kommt, dass die meist von den

Kostenträgern verlangten Verwaltungsaufwendungen in der

Regel nicht oder nicht ausreichend finanziert werden. Folge

ist eine Arbeitsverdichtung für unsere Mitarbeitenden, trotz

Einhaltung der vorgeschriebenen Personalschlüssel. Diese

führt zu Überlastung der Mitarbeiter und zur Erhöhung des

Krankenstandes. Um dem entgegenzuwirken haben wir ein

Gesundheitsmanagement eingeführt. Damit konnte im Jahr

2012 der Krankenstand im für die Branche normalen Maß

gehalten werden. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Es ist zu hoffen, dass die Höhe der kommenden Steigerung

der Gehälter im Vergleich zum regionalen Umfeld diese

Entwicklung nicht noch weiter verschärft.

Die in der Öffentlichkeit bereits an vielen Stellen angemahnte

bessere Wertschätzung der sozialen Arbeit, in besonderer

Weise der Arbeit in den Pflegeberufen, ist nur zu unterstützen.

Im Vergleich zu anderen Bereichen der Wirtschaft sollte die

äußerst mangelhafte Finanzausstattung besonders des

Pflegebereichs auch im Interesse der zukünftigen Attraktivität

der entsprechenden Berufe dringend deutlich erhöht werden.

Es ist eine ethische Frage unserer gesamten Gesellschaft,

welche Ressourcen für die Versorgung von alten und pflegebedürftigen

Menschen zur Verfügung gestellt werden. Die

ältere Generation ist es, die unter oft schwierigen Rahmenbedingen

viele Grundlagen geschaffen hat, von denen wir heute

profitieren. Hier sehen wir weiterhin umfassenden Diskussionsbedarf.

Der im vergangen Berichtsjahr erwähnte und eingeführte

Personalpool hat sich grundsätzlich bewährt. Damit können

beispielsweise Mitarbeitende, die wir ausgebildet haben, und

die gute Arbeit leisten, auch dann übernommen werden, wenn

gerade keine passenden Stellen in den Einrichtungen frei

sind. Auch andere geeignete Mitarbeitende, die zunächst im

Personalpool arbeiten, können so bei frei werdenden Stellen

in feste Anstellungsverhältnisse übernommen werden. Im

zunehmenden Wettbewerb um Fachkräfte wollen wir damit

geeignete Mitarbeitende für unsere Dienste und Einrichtungen

gewinnen und halten.

Die bisherige Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen

Heinz Wagner Haus 1 ändert ihre Schwerpunktsetzung. Die

Einrichtung war für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

konzipiert, die im Rahmen des Sozialgesetzbuches XII

(SGB XII) mit einer Schwerpunktsetzung der Eingliederungshilfe

betreut wurden. In Laufe der Jahre hat sich herausgestellt,

dass dieser Schwerpunkt in Richtung einer verstärkt

pädagogischen Begleitung und der Hilfe zur Erziehung

aufgrund einer Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten verschoben

werden muss. Damit erbringen wir in dieser Einrichtung

jetzt Hilfen zur Erziehung nach SGB VIII. Inhaltlich

bedeutet dies, dass das Personal jetzt verstärkt pädagogische

Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen muss. Außerdem

ist es angezeigt, die Arbeit in überschaubaren Wohngruppen

und nicht einem großen Heimgebäude durchzuführen. Dies

soll vielmehr in Wohngruppen umgesetzt werden, welche

einen inklusiven Auftrag im Quartier wahrnehmen können.

In dem dann frei werdenden Gebäude in der Scheffelstraße

soll eine integrative Kindertagesstätte entstehen, die im

Bereich der Südvorstadt dringend gebraucht wird.

Leider konnte der Umzug der noch dort wohnenden Kinder

und Jugendlichen in Wohnungen bisher nicht, wie geplant,

stadtfinden. Entsprechender Wohnraum konnten noch nicht

gefunden werden. Bei größeren Wohngruppen sind die

baurechtlichen Anforderungen seit dem Jahr 2012 erhöht

worden, so dass wir jetzt konzeptionell mehrere kleinerer

Wohngruppen anstreben. Auch die Umnutzung des vom

Freistaat Sachsen Anfang der 90er Jahre geförderten Gebäudes

in der Scheffelstraße in Richtung einer anderen Form

sozialer Arbeit (Kindertagesstätte) ist noch in Diskussion.


Jahresbericht 2013 Bericht Verwaltungsrat 43

Eine Genehmigung für den Betrieb einer Kinderkrippe im

genannten Haus liegt bereits vor, die dazu nötige Anpassung

des Hauses hat begonnen. Es bleibt zu hoffen, dass die

benannten Fragen nach der Gestaltung der Wohnungen für

die Kinder und Jugendlichen und nach der Umnutzung

beantwortet werden, damit das aus unserer Sicht sinnvolle

Vorhaben voran gebracht werden kann.

Im letzten Jahr berichteten wir von der Ausschreibung der

Arbeit des Tagestreffs für Wohnungslose, die nach unserer

Sicht in der Form, in der sie durch die Stadt Leipzig vorgesehen

war, durch das dann direkte Leistungsaustauschverhältnis

zwischen unserem Werk und der Stadt Leipzig nicht mehr

im Rahmen der Gemeinnützigkeit hätte durchgeführt werden

können. Wir sind sehr dankbar, dass wir mit der Stadt Leipzig

im November 2012 nach heftigen Diskussionen nun doch

einen Vertrag nach SGB XII unterzeichnen konnten, der uns

die Möglichkeit gibt, in dem für uns gültigen Rechtsrahmen

die Arbeit zu leisten. Dieser Vertrag wurde bis zum Jahr 2015

geschlossen.

Mittlerweile gibt es jedoch vermutlich mit dem Sozialministerium

unseres Freistaates abgesprochene Aussagen der

zuständigen Landesdirektion. Danach ist die Stadt verpflichtet,

Ausschreibungen dieser Art nach den Regelungen des

Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen vorzunehmen.

In diesen juristischen Aussagen wurden die für uns geltenden

Sicher und geborgen in den eigenen vier Wänden -

mit dem Johanniter-Hausnotruf!

Weitere Informationen unter

0341 69 626-0 und

www.johanniter.de/hausnotruf.

steuerrechtlichen Fragen komplett ausgeblendet. Dies

bedeutet nach unserer Sicht, dass wir wohl Tagestreffs für

Wohnungslose und möglicherweise auch andere Arbeitsgebiete

nicht mehr im Rahmen der Gemeinnützigkeit durchführen

könnten. Durch die dann anfallenden Steuern und die

wegfallenden Spenden würden sich beispielsweise die für die

Arbeit des Ökumenischen Tagestreffs Oase zur Verfügung

stehenden Mittel auf etwa 1/3 reduzieren.

Da es sich hier um eine völlige Veränderung der sozialen

Arbeit im Bereich der Gemeinnützigkeit handelt, die letztlich

bundespolitische Bedeutung hat, wird unser Landesverband

diese Aussagen auf Landes- und auch auf der Bundesebene

der Diakonie juristisch prüfen und bewerten lassen.

Weitere wichtige Themen, die wir zurzeit bearbeiten,

bzw. an deren Entwicklung wir teilhaben, sind:

• Fortentwicklung der Arbeitsrechtssetzung im „3. Weg“

• Weitere Profilierung und strategische Ausrichtung der

Pflegebereiche

• Weiterentwicklung der Arbeit von Kindertagesstätten

• Fortentwicklung der internen Organisation.

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige

suchen wir (Hebräer 13,14).

Im Sinne dieses Wortes der diesjährigen Jahreslosung haben

auch die Generationen vor uns in den mittlerweile 144 Jahren

des Bestehens unseres Werkes versucht, die Dienste in

Richtung der „zukünftigen Stadt“ zu entwickeln. Dies ist in

erstaunlicher Weise immer wieder gelungen, so dass wir

heute die Dienste auf einem guten Fundament trotz vieler

Herausforderungen weiterentwickeln können.

Wir danken allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern für ihre engagierten Dienste, die unzähligen

Menschen zugute kamen. Auch danken wir den etwa 1400

Mitgliedern unseres Werkes sowie allen Freunden und Helfern

sehr herzlich für ehrenamtliche Dienste, für Spenden, für das

Mitbeten und Mittun sowie für andere Formen der Unterstützung.

Es bleibt zu wünschen, dass auch in Zukunft immer wieder

Menschen vom biblischen Ziel der „zukünftigen Stadt“

geleitet ihre Dienste tun können, damit auch weiterhin möglichst

viele Menschen durch die Arbeit des Werkes Segen und

Zukunftshoffnung erfahren können.

Prof. Dr. Martin Petzoldt | Vorsitzender des Verwaltungsrates


44 Jahresbericht 2013 Anschriften

Anschriften (Stand 1.10.2013)

Diakonisches Werk Innere Mission Leipzig e.V.

Geschäftsstelle - Haus der Diakonie

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig;

Tel.: 0341. 56 12 - 0 Fax: 0341. 56 12 - 11 35

Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhaus Borsdorf

Am Diakonissenhaus 7, 04451 Borsdorf

Tel.: 034291. 891 21

Haus der Stadtmission

Begegnungs- u. Integrationszentrum Lindenau,

Demmeringstr. 18, 04177 Leipzig, Tel.: 0341. 478 22 03

Fachbereich Altenhilfe

Beratungsstelle Altenhilfe

Diakonie im Zentrum

Nikolaikirchhof 3, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 58 61 72 19

Diakonie Sozialstation - Ambulanter Pflegedienst

Otto-Schill-Str. 7, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 230 56 56

Tagespflegen

< Tagespflege Albert Schweitzer

Täubchenweg 14/16, 04317 Leipzig

Tel.: 0341. 684 50

< Tagespflege Rosentalresidenz

Elsbethstraße 16 - 20

04155 Leipzig

Tel.: 0341. 56 10 97 66

< Tagespflege Matthäistift

Kommandant-Prendel-Allee 85, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 860 83 65

< Tagespflege Paul Gerhardt

Ludolf-Colditz-Str. 3, 04651 Bad Lausick

Tel.: 034345. 530

Pflegeheime und Seniorenzentren

< Albert Schweitzer

Täubchenweg 14/16, 04317 Leipzig

Tel.: 0341. 684 50

< Marienheim

Chopinstr. 14, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 70 22 00

< Marthahaus

Löhrstr. 9, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 127 20

< Matthäistift

Kommandant-Prendel-Allee 85, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 271 30

< Matthias Claudius

Weißenfelser Str. 18, 04229 Leipzig

Tel.: 0341. 870 97 10

< Johann Hinrich Wichern

Seeburgstraße 11, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 866 39 08

< Paul Gerhardt

Ludolf-Colditz-Str. 3, 04651 Bad Lausick

Tel.: 034345. 530

Betreutes Wohnen am Matthäistift

Lausicker Str. 59 a, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 271 31 13

Betreutes Wohnen Paul Gerhardt, Bad Lausick

Ludolf-Colditz-Str. 1, 04651 Bad Lausick;

Tel.: 034345. 530

Fachbereich Behindertenhilfe

Hilfen für Menschen mit Behinderungen - Lindentreff

Demmeringstraße 20, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 44

Besuchs- und Begleitdienst

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 56 12 12 91

Blinden- und Sehbehindertendienst

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 56 12 12 90

Wohnstätten u. Außenwohng. für Menschen mit Behinderungen

< Ev.-Luth. Diakonissenhaus Borsdorf

August-Bebel-.Str. 8, 04451 Borsdorf

Tel.: 034291. 89-0

< Alte Posthalterei

Hauptstr. 21, 04451 Borsdorf | OT Panitzsch

Tel.: 034291. 424-300

< Wohnen Heinz Wagner

Nieritzstr. 9, 04289 Leipzig

Tel.: 0341. 863 850-460

< Katharina von Bora

Freiburger Allee 74, 04416 Markkleeberg

Tel.: 0341. 350 14 71 10

< Martinstift

Arndtstr. 51 a-c, 04275 Leipzig

Tel.: 0341. 30 63 50


Jahresbericht 2013 Anschriften 45

Lindenwerkstätten Werkstätten für behinderte Menschen

< Lindenwerkstätten WfbM I

Roßmarktstr. 17/19, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 00

< Lindenwerkstätten WfbM II

An den Werkstätten 4, 04451 Borsdorf | OT Panitzsch

Tel.: 034291. 44 02 50

< Lindenwerkstätten WfbM III

Edisonstraße 26-28, 04435 Schkeuditz

Tel.: 034204. 704 80

Förderschule Werner Vogel

Hans-Marchwitza-Str. 12, 04279 Leipzig

Tel: 0341. 33 63 80

Fachbereich Beratungs- und

Betreuungsdienste

Diakonie im Zentrum

Nikolaikirchhof 3 in 04109 Leipzig

< KirchenBezirksSozialarbeit, Tel.: 0341. 58 61 72 22

< Evangelische Jugendhilfe, Tel.: 0341. 58 61 72 12

< Müttergenesung, Tel.: 0341. 58 61 72 20

Evangelische Kindertagesstätten

< Arche Noah – Ev.-Luth. Kindertagesstätte am

Diakonissenhaus

Ahlfeldstr. 2, 04177 Leipzig

Tel.: 0341.55 01 98 29

< Das Samenkorn

Demmeringstr. 18, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 87 07 98-0

< Kuhle

Hohe Straße 26, 04416 Markkleeberg

Tel.: 0341. 350 222 25

< Mosaik

Ferdinand-Rhode-Str. 17 A, 04107 Leipzig

Tel.: 0341. 124 79 90

< Nathanael

Rietschelstraße 12, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 47 83 91 72

< Unter dem Regenbogen

Löhrstr. 9, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 12 452 80

< Kinderarche

Goldsternstraße 21a, 04329 Leipzig

Tel.: 0341. 251 92 72

< St. Moritz

Max-Liebermann-Straße 2, 04425 Taucha

Tel.: 034298. 98 97 57

< Evangelische Lebensberatungsstelle

Ritterstraße 5 Tel.: 0341. 140 60 40

Psychosoziales Gemeindezentrum Blickwechsel

< Beratungsstelle und Sozialcafé

Natonekstr. 2, 04155 Leipzig, Tel.: 0341. 561 14 40

< Ambulant Betreutes Wohnen

Eisenacherstraße 37, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 25 39 79 25

< Kreative Bürgerwerkstatt

Eisenacher Str. 68, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 462 43 94

< Praxis für Ergotherapie

Eisenacher Straße 68, Tel.: 0341. 462 43 95

Suchtberatungs- und ambulante Behandlungsstelle

Blaues Kreuz

Georg-Schumann-Straße 172, 04159 Leipzig

Tel.: 0341. 92 65 70

Einrichtungen in gemeinsamer Trägerschaft von Diakonie

und Caritas

Ökumenische Telefonseelsorge Leipzig

Geschäftsstelle, Paul-List-Str.19, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 994 06 76

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Leipziger Oase

Nürnberger Str. 31, 04103 Leipzig, Tel.: 0341. 268 26 70

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Teekeller Quelle

Nordplatz 14, 04105 Leipzig, Tel.: 0175. 447 80 12

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Kleiderkammer

Passgenau, Georg-Schuhmann-Straße 172,

Tel.: 0176. 53 26 14 57

Ökumenische Bahnhofsmission Leipzig

Hauptbahnhof, Westseite (Betriebsführung: Caritasverband)

Willy-Brandt-Platz 2a, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 968 32 54


46 Jahresbericht 2013 Kurzchronik

Kurzchronik 2013

Januar

4. Januar 2013: Jahresanfangsgottesdienst für die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter des Diakonischen Werkes Innere

Mission Leipzig e.V. im Fritzsche-Saal im Haus der Stadtmission.

Anschließend gab es einen Empfang anlässlich des 60.

Geburtstages des Kaufmännischen Vorstands Sönke Junge.

24. Januar: Fachtag für die Leiterinnen und Leiter sowie die

Mitarbeitervertretung zum Thema Umgang mit Konflikten und

Mobbing. Diese Veranstaltung war Teil eines vom Betrieblichen

Gesundheitsmanagement organisierten Weiterbildungsprogramms

25. Januar: Einweihung der Tagespflege in der Rosental-Residenz,

Elsbethstraße 16

April

16. April: erste zentrale Dankveranstaltung für alle ehrenamtlichen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus der Stadtmission.

125 Personen nahmen teil. Es gab ein warmes Buffet

– zubereitet von der Hauswirtschaftsgruppe der Lindenwerkstätten

WfbM, die die Räume der Stadtmission bewirtschaftet.

Das Musikensemble „Rozhinkes – A Kleyne Kapelye“

spielte fröhliche und melancholische jiddische Folklore. Einige

Ehrenamtliche berichteten beispielhaft von ihrer Tätigkeit.

Mai

Am 1. Mai 2013 wurde die 1000. Mitarbeiterin unseres Werkes

begrüßt. Sie wurde als Erzieherin in einer unserer Kindertagesstätte

angestellt und erhielt als besonderen Gruß einen

Blumenstrauß – überreicht von Angelika Müller, die mit 45

Dienstjahren die dienstälteste Mitarbeiterin unseres Werkes

ist.

Juni

Am 27. Juni 2013 feierte das Matthäistift in der Kommandant-

Prendel-Allee 85 sein 100jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst

und anschließender Grußstunde. Bereits am

Vorabend (26. Juni, 19.00 Uhr) gab es im Matthäistift im Saal

(EG) einen Vortrag von Dr. Peter Leonhardt / Amt für Bauordnung

und Denkmalpflege der Stadt Leipzig, zum Schaffen von

Hugo Licht, dem Architekten des Matthäistifts.

Juli

Am 5. Juli 2013 wurde die Evangelische Kindertagesstätte

Arche Noah Ahlfeldstraße 2, 04177 Leipzig eingeweiht. Nach

einer Andacht gab es eine Hausführung und eine Baumpflanzaktion

im Kindergarten.

August

14. August: Feier 10jähriges Bestehen des Pflegeheims

Emmaus der Diakonischen Dienste Leipzig GmbH, einer

100prozentigen Tochter unseres Werkes.

September

Die SÜDSTAATLER, Theatergruppe von Spielern mit Behinderungen,

hatte am 23.08. 2013 um 19.00 Uhr Premiere ihrer

neuen Produktion „5 Sterne – alles inklusive“. Gespielt wurde

an der Anton-Bruckner-Allee nahe der Sachsenbrücke und

auf dem Burgplatz.

Oktober

Die Ökumenische Bahnhofsmission Leipzig feiert in diesem

Jahr ihren 100jährigen Geburtstag. Die Festveranstaltung

„100 Jahre Bahnhofsmission & 20 Jahre Wiedergründung“

fand am Dienstag, 1. Oktober 2013, in der Buchhandlung

Ludwig im Leipziger Hauptbahnhof statt.

November

2. November: Mitgliederversammlung des Diakonischen

Werkes Innere Mission Leipzig e.V. Der Festgottesdienst zum

144. Jahresfest findet am 3. November um 9.30 Uhr in der

Thomaskirche zu Leipzig statt. Die Predigt hält Pfarrer

Christian Wolff.

Dezember

Wir laden herzlich ein zur Weihnachtsmusik des Diakonischen

Werkes am 15. Dezember (3. Advent) 2013 um 15:30 Uhr in

der Nikolaikirche. Es singt die Schola Cantorum unter der

Leitung von Marcus Friedrich.


Der Verwaltungsrat des Diakonischen Werkes Innere Mission

Leipzig e.V. für die 6. Legislaturperiode (2012-2015)

Gewählte Mitglieder (stimmberechtigt)

• Pastorin Elke Bucksch

• Matthias Krause

• Wolfgang Menz

• Prof. Dr. Martin Petzoldt (Vorsitzender)

• Prof. Dr. Bernhard Rohde

• Pfarrer Hans-Christoph Runne

• Kristin Unverzagt

• Friedrich Vosberg

Geborenes Mitglied (stimmberechtigt)

• Superintendent Martin Henker

Berufene Mitglieder (stimmberechtigt)

Personen, die an der Sitzung des Verwaltungsrates

gemäß der Satzung § 8 Abs. 4 beratend teilnehmen

• Pfarrer Christian Kreusel, Missionsdirektor

Sönke Junge, Kaufm. Vorstand

• Rektorin des Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhauses

Borsdorf - Pfarrerin Friederike Müller

• Fachbereich Altenhilfe - Susann Merkel

• Fachbereich Beratungs- und Betreuungsdienste

- Benjamin Förster

• Vorsitzender der Mitarbeitervertretung

Jörg Nagel

• Direktor des Diakonischen Amtes Radebeul

Pfarrer Christian Schönfeld ständig vertreten

durch Kfm. Vorstand Friedhelm Fürst

• Jens Gerlach

• Siegfried Haller

• Jasmine Schwarzer

Impressum

Herausgegeben vom Diakonischen Werk

Innere Mission Leipzig e.V.

Leipzig, Oktober 2013

Haus der Diakonie I Gneisenaustraße 10 I 04105 Leipzig

Redaktion: Susanne Straßberger und Matthias Möller

Gestaltung: Matthias Möller

Druck: Merkurdruck Leipzig

Fotos:

Douglas Abuelo

Seite 7

Susanne Straßberger

Seite 6, 32, 34

Jana Simon

Seite 6-(1), 20

Jens Klein

Seite 6-(2)

Swen Reichhold

Seite 6-(3), 8, 12

Thomas Bär

Seite 6-(4), 26 oben

Holger Simmat

Seite 30

Christian Meyer

Seite 26 und 27 jeweils unten

Matthias Möller

Seite 1, 10, 11, 13, 14, 27 oben, 28, 33 , 35

Mirko Punkten

Seite 22

Rico Thumser

Seite 24


Diakonisches Werk

Innere Mission Leipzig e.V.

Haus der Diakonie

Gneisenaustraße 10

04105 Leipzig

Telefon 0341. 56 12 - 0

Telefax 0341. 56 12 11 35

E-Mail info@diakonie-leipzig.de

www.diakonie-leipzig.de

Spendenkonto

Volksbank Leipzig eG

Konto: 100 100 100

BLZ: 860 956 04

BIC: GENODEF1LVB

IBAN: DE06 8609 5604 0100 1001 00

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