Berliner Leben: Zeitschrift für Schönheit und Kunst

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Berliner Leben: Zeitschrift für Schönheit und Kunst

Badereisen.

Skizze von Dora Duncker.

Ganz leise tröpfelte der Regen, er f ·1 unhörbar auf

das schmale Trottoir der Stras~e im jstlichen Berlin.

Er löschte den Staub, der den Tag über aufgewühlt

worden war, er wusch die ' beiden Büsche rein, die

drüben im echten Maigrün in dem schmalen Gartenstreif

vor dem Schulgebäude standen.

Es war ziemlich still in der kleinen Strasse um diese

einfallende Dämmerzeit, die sich zugleich mit dem leise

niedergehenden Regen wie ein feiner grauer Schleier

um die in Stil und Ansehen sehr verschieden gearteten

Häuser legte.

Da gab es noch niedrige mit schiefem Dach und

langem engen Torwege ' von der Strasse her, aus dem

uralten Berlin. Oa gab es Himmelsstürmer mit geschmacklos

ornamentierten fassaden, die während der

Bauwut der Gründerzeit entstanden sind. Da gab es

ein paar hübsche, mit bemerkenswerter Schlichtheit neu

aufgebaute Häuser, deren ganzes Aussehen von Solidität

und Wohlhabenheit zu reden schien.

Dem Schulgebäude grade gegenüber stand ein

solches Haus, schmuck und ansehnlich, und dicht

neben ihm lehnte sich ein uralter Kasten, grau, schief

und baufällig gegen seine solide Mauer, als ob er dort

Schutz und Halt suchen müsse, vor dem allzujähen

Verfall.

Aus seinem tiefen, schluchtartigen Torweg, in dem

immer eine feuchtkellrige Luft wehte, trat ein alternder

Mann in leicht gebückter Haltung: Er rieb die vom

langen Nähen müden Augen und sah ein Weilchen,

noch halb im Torweg stehend, in den grauen Abend

hinaus.

Dann erst trat er auf das Strassertpflaster und blieb

ein paar Augenblicke barhaupt im Regen ' stehen.

Nachdenklich rieb er die kurze abgestumpfte Nase,

schüttelte ein paar Mal den grauen . Kopf, und schickte

sich an, wieder in den dunklen Torweg zurückzugehen,

als ihn eine helle gutmütige Stimme beim .Namen rief.

Es war die Stimme seines Nachbarn, des dic~en

Kollke von nebenan, der siehs in der noblen Livree

seines Bankhauses unter dem Schutzdach des Nebeneingangs

bequem gemacht hatte.

Der Dicke bot dem kleinen Schneider den zweiten

leeren Strohstuhl an . .

"Platzen Sie sich doch ein bischen, Herr. fabian,"

sagte der Bankportier, mit einer einladenden Bewegung

auf den leeren Stuhl, "Sie werden ja' auch wohl feierabend

gemacht haben?"

Der Schneider schüttelte den' grauen Kopf und

setzte sieh, scheu an seiner schäbigen Kleidung herabsehend,

auf die äusserste Kante des Stuhls.

"Das ist nicht an dem, Herr Kollke. feierabend

um achten, dass kann ich mir nicht mehr vergönnen,"

meinte er trübselig.

Lulu Russel,

kalifornisehe Sängerin (Apollo-Theater, Berlin).

Der andere legte ihm gutmütig die breite fette

Hand auf die Schulter.

"WO fehlts denn, fabian?"

Der Schneider rieb wiederum die Nase und sah

mit seinen trüben Augen starr ins Graue hinaus.

"Die frau, Herr Kollke, die frau! Es steht ja woll

schon lange nicht mehr zum besten mit ihr. Die Gicht

plagt sie, dass sie manchmal vor Schmerzen laut schreit,

und mit dem Herzen hat sie 's auch. Der Doktor

sagt: lieber heut als morgen ins Bad mit ihr, wenn sie

wieder werden soll. Aber woher nehmen? Mit der

Kundschaft stehts faul. Alle paar Monate weniger zu

tun, oder ville mehr weniger zu verdienen. Am zu

wenigen Schuften liegt 's nicht. Aber die Warenhäuser,

und all der andere feftije Klimbim I Verdenken

kann mans ja gross keinem! Wenn er billig und bequem

zu seine fertige Kluft kommen kann, wozu denn

erst zu 'n kleinen Schneider gehn? Auf die Solidität

kommts ja den Leuten heutzutage nich mehr an. Bloss

dass 's von aussen SchiCK und Pli hat, und das verstehn

se ja woll besser in die grossen Warenhäuser

a~s wie bei unserein."

"Na, und die Kinder, Herr fabian? Wenn's mit

der Mutter so schlecht steht und sie ins Bad soll, da

wärs ja sozusagen' die Pflicht, von ihre Mädchens

mit 'n Sparjroschen 'rauszurücken."

Der kleine Schneider rieb heftiger seine Nase.

"Dass ich nicht lache! Wo denken Sie hin, Herr

Nachbar! Seit wenn wirft Weissnähen und Maschinenschreiben

'n Sparjroschen ab? Die Mädchens zahlen

zu de Wohnung und 's Essen. Und wenn se sich

denn noch anständig kleiden, dann hats jeschnappt,

Herr Kollke."

"So, hm!"

Der Dicke warf einen mitleidigen Blick auf den'

klei.nen sorgenvollen Schneider. Einen Blick, der zu

sagen schien: Du tust mir Leid, aber- im Grunde verdienst

Du's nicht besser. .

"Dann also wirds woll nichts werden mit de frau

ihre Badereise, fabian?"

Der Kleine schüttelte trübselig den Kopf und blickte

in den immer noch leise rinnenden Regen.

Dann besann er sich darauf, dass er anstandshalber

die Teilnahme des Bankportiers mit gleicher Münze

würde zahlen müssen . .

"Und darf man fragen, Herr Kollke, wie's mit die

werte familie Ihrerseits steht?"

Ueber das breite Gesicht des andern ging ein

Schmunzeln. '

"Danke der Nachfrage Herr fabian. Die jüngste,

die Milli, die hust' ein bischen, und soll nach Ems

machen. Da hat der junge Herr jemeint e,s _wär' nur

seine Pflicht und Schuldig~eit von· wejen meine alte

Di~nertreue, und die Anhänglichkeit von meine janze

familie. dass er die Milli die Badereise stift', und nar·,l-.

her de Nachkur in de Schweiz, wo der junge Herr de Milli

ja dann besuchen will. Und ' die Ael,tste, die fanni,

na für die is ja voll ausjesorgt den Sommer und länger

für Baqereisen und so drum und dran. Nach Ostende

jeht se mit ihren freund, und dann nach Paris und

Italien."

Der Dicke kniff die Augen in dem fetten roten Gesicht

ein wenig ein und sah angelegentlich über den

Strassendamm, auf die andere Seite der Strasse, auf

der mit raschelndem froufrou hochgehobener Seidenröcke,

eine junge schlanke Blondine sichtbar ward.

"Na wahrhaftig, mein Häsecken, kommt ihren alten

Vater besuchen!" rief Kollke von seinem Stroh stuhl

aufspringend.

"Ein jutes 'Kind Herr fabian, das keinen Stolz nich

kennt, und bloss Liebe und Dankbarkeit, und alle

Tage 'n Sparjroschen für seinen alten Vater übrig hat."

Triumphierend sah der Dicke sich nach dem. kleinen

Schneider um.

Der aber war längst ausser Hörweite.

1


Er schritt bereits durch den ' inzwischen

noch dunkler gewordenen

Torweg auf den engen Hof zu, auf

dem im schiefen Quergebäude seine

Dreizimmerwohnung lag.

Noch auf der Treppe hörte er

das Stöhnen und Aechzen seiner

armen schmerzgeplagten frau, und

hinter sich die müden Schritte seiner

abgerackerten Mädchen.

Da blieb er auf dem obersten

Treppenabsatz stehn, rieb nachdenklich

die zu kurze abgestumpfte Nase

und dachte angelegentlich über den

Wert von Tugend und ehrenhaften

Grundsätzen nach.

Der blöde J6na.

Aus dem Böhmischen des lan Neruda, übersetzt von H. Trochlil.

Der blöde J6na *) war wie geschaffen zum Spass für die

ausgelassene Strassenjllgend. 18 Jahre zählte er, sah aber

aus wie ein Kind von 12 Jahren. Wenn er von der Hökerin

oder vom Kaufmann,. wohin die Mutter ihn zu schicken

pflegte -- weiter traute er sich nicht - nach Hause schlich,

sprangen die bösen Jungen. um ihn herum und schrieen:

,;J6na, Du Narr, J6na!" Er achtete nicht darauf, schlich

langsam vorwärts und atmete tief und schwer; manchmal

nur stolperte er, als könnten die dürren Beine den schwächlichen

Körper nicht mehr tragen. Wenn sie ihn den Weg

verstellten und den Armen hin und her stiessen, wandte er

das starre Wachsgesicht ihnen zu und aus dem Auge blickte

eine· furchtsame frage. Einen Augenblick stand er still und

regungslos, dann erzitterte sein Körper wie im fieberschauer

und er suchte seinen Peinigern rechts oder' links auszuweichenl.

"J6na, J6na", schrieen diese in ihrem Gassenjungen

Jargon, sein Zittern bemerkend. Niemals wehrte er sich.

Zu Hause gab er das Geholte ab und setzte sich still

zum Ofen.

. "Komm Hänschen, komm, setze Dich zu mir", redete ihm

s'eine um ein Jahr ältere Schwester, ein schlankes, blondlockiges

Kind zu und legte ihre Näharbeit. weg.

~; fhangsamnsehlepptttl_er den Schemel zu ihren füssen. Sie

lehnte' sein krankes Haupt ,in ihren ·Schoss. Er schluchzte,

dass ihm das Herz zu brechen drohte; sie streichelte ihm die

Wange und· suchte ihn zu beruhigen. Helle Tränen standen

ihr dabei iil den Augen.

' ) Hans.

Professor C.uno von Uechtritz t

Chef des Geheimen Zi vil-Kabinetts

Wirk!. Geh. Rat Dr. von Lucanus t

,.Ich bin kein Narr, nicht wahr?"

flüsterte er ängstlich; die schwache

Stimme zitterte.

"Nein, das weisst Du ja, Du hast

Verstand, Hänschen, lass sie nur

reden !"

"Und Du hast mich lieb, nicht

wahr, und ich bin kein Narr!" und

über das Antlitz des Blödsinnigen

glitt ein seliges Lächeln.

"Nimm Deine Geige und spiele."

"Soll ich wieder das Kratzen anhören?

Er kann doch Abends auf

dem Dache spielen, wenn er spielen

will", zankte gewöhnlich die Mutter.

J6na blieb still und verfolgte nur

mit grösster Aufmerksamkeit jede,

selbst die kleinste Bewegung seiner

Schwester.

Die Mutter und der Bruder liebten

ihn nicht, er hatte nur seine Marinka,

an die er sich denn auch mit der

Professor Walter Leistikow t

ganzen Leidenschaftlichkeit seines

schwachen Geistes klammerte. -

In der Nachbarschaft erzählte man,

J6na besitze eine Gottesgabe ; so wie

er, könne Niemand auf der Geige

spielen, trotzdem er keinen Lehrer gehabt. Nur "Stücke"

könne er nicht spielen und sein Geigenspiel sei ebenso

wunderlich, ebenso närrisch, wie er. - J6na wohnte in demselben

Hause, wo . auch ich meine Kinderjahre verlebte. Er

kannte mich und nickte mir, wenn wir uns begegneten,

freundlich lächelnd zu. Trotz meinem damaligen Knabenübermute

tat ich dem armen J6na niemals weh. Sein Wachsgesicht

hatte für mich eine eigentümliche Weihe. Meine

jugendliche Phantasie erblickte in diesem Gesicht eine nicht

wegzuleugnende Aehnlichkeit mit den gelblichen, durchsichtigen

Totengesichtern auf vielen unserer Altäre.

Es war Samstag. Ein später Sommerabend hüllte Alles

rings umher in ein wunderbares Kleid. Am tiefblauen Himmel

schimmerten die Sterne und zwischen ihnen in voller Pracht

der Mond, seinen Silberschein über den Strom, das Häusermeer

und die gespenstisch emporragenden Kirchenkuppeln

ergiessend.

Nach dem Geräusch des Tages war allmählich in den

Häusern Stille eingetreten. Die Dienstboten, welche nach

getaner Arbeit im Hofe zu plaudern pflegten, hatten bereits

ihr Lager aufgesucht.

Nur auf einem Balkon der dritten Etage sassen zwei junge

Leute, ein Mädchen und ein Mann, in traulichem Gespräch.

Es waren Verlobte; am nächsten Tage sollte die Hochzeit

stattfinden. Die Braut war Marinka, des blöden J6na

Schwester, der Bräutigam ein junger, angeblich sehr geschickter

Maschinenschlosser in einer Karolinenthaler fabrik.

Er sollte nächstens in einer fabrik auf dem Lande . mit

grösserem Gehalt eintreten, deshalb beeilte man sich mit der

Hochzeit. - Lange schon sassen die Verlobten hier. Als


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noch Leben im Hause herrschte, flüsterten sie nur,

als scheuten sie die Aussenwelt; nun es stille geworden

war, sprachen sie lauter, als wollten sie die feierlichstille

Nacht zum Zeugen ihres Glücke~ ihrer Schwüre

und Pläne anrufen. Es muss eine un ~ nnbare Wonne

sein, welche die glücklich Liebenden unmittelbar vor

dem ewigen Bündnis durchschauert.

Nur ein Mensch in ihrer Nähe sprach seine Gedanken

lauter noch aus, als sie selbst, störte sie aber

dadurch nicht. Die Gedanken, die er aussprach, waren

nicht so hell, so goldig strahlend; es waren elegische

'herzrührende Laute, welche in ein einziges traurig

phantastisches Lied austönten. Dieses Lied sang der

blöde Jona. Doch nicht alls seiner schwachen Brust;

er hatte eine andere Sprache, um seinen träumerischen

Gefühlen Ausdruck zu geben und man verstand diese

Sprache sofort, wenn seine bleichen finger die

vibrierende Saite stärker oder schwächer drückten,

wenn sein Bogen bald lang gezogene, mächtige, bald

wieder leise ersterbende Töne hervorzauberte.

Der blöde Jona besass eine Gottesgabe! Zwischen

das Gespräch der Liebenden klang Jonas trauriges Lied,

störte sie aber nicht. Sie waren zu viel mit sich selbst

beschäftigt und an sein traurig düsteres Spiel gewohnt;

man gewöhnt sich ja an alles, selbst an das Todesröcheln

der Verhungernden.

Den J ona selbst sahen sie nicht, er spielte hoch

über ihnen.

Das Haus, welches wir bewohnten, war altertümlich

zwar, doch hässlich gebaut. Es hatte ein Satteldach

mit je zwei Giebeln nach der Strasse zu und in den

Hof hinein. In diese Einsattelung flüchtete Jona stets,

wenn er in der Stube nicht spielen durfte und hier sass

er auch heute.

Und lange vorher schon, bevor Marinkas Bräutigam

gekommen 'war, hatte Jona begonnen und spielte ohne

Ermüdung ein langes, endloses Lied, stets gleichbleibend

im elegischen Grundton und doch im Ausdruck stets

wechselnd.

Künstlerisch geordnete Kompositionen waren freilich

seine Lieder nicht. -- Plötzlich inmitten eines langgezogenen

Tones brach er ab. Die Arme, in denen er

Geige und Bogen hielt, fielen schlaff herab und das

magere Gesicht blickte unverwandt, stumm, wie versteinert

zum Mond hinauf. Lange sass er so, dann

erhob er sich langsam. Vorsichtig legte er Geige und

Bogen bei Seite Und ging leise, als fürchtete er den

eigenen Schritt, zum Dachrande. Hier bog er sich weit

hinaus über die Rinne, um die Sprechenden zu sehen.

Ein dunkler Streifen huschte durch die helle

Mondscheibe.

Unten sprachen sie halblaut von ihm.

~ , Hänschen scheint heute aussergewöhnlich traurig

zu sein; hat sich denn seine Krankheit verschlimmert?"

fragte der Maschinenschlosser.

Jona nickte leicht mit dem Kopfe. -

, "Er ist immer traurig, der Arme, besonders aber

. seit einigen Tagen" , entgegnet Marinka. "Immerwährend

Direktor Jose Ferenczv t

Stadtverordneter Hermann Plischke t

stellt er die frage an mich, ' ob es d'enn wahr sei, dass

ich ihn verlasse. Nicht wahr, wir nehmen ihn zu uns?"

"Gleich im Anfang ' wird es schwer möglich sein,

Du kannst ihn ja später abholen."

Marinka umarmte ihn .

Jona. zog sich langsam zurück, richtete sich dann

,auf und schritt vorsichtig wie vorher zu seinem Lieb­

. Iingsplätzchen. Hier setzte er sich nieder, stützte mit

der Hand sein Gesicht und sah wieder starr in den

Mond. Ueber die Wangen rollten grosse Tranen, aber

. er schluchzte nicht.

Dann öffneten sich langsam seine Lippen . und

flü sterten abgebrochen vor sich hin : "Ich hab' es ja

gewusst, dass sie mich nicht so lieb hat, wie ihn, nein,

sie hat mich nicht so lieb!"

So sass er lange, lange n o c~ und Träne auf Träne

perlte über die bleiche W ange. Es schien, als schnüre

.ihm· der Schmerz die Kehle zu; er riss das Tuch vom

Halse und trocknete ' damit seine' Tränen. - Dann

sprang er plötzlich auf und verschwand in der Dachluke.

Geige und Bogen blieben auf dem Dach.

Jona schlief oft auf dem Dachboden, sie suchten

ihn erst am andern Tage, als Marinka mit dem Braut­

.kleide geschmückt wurde.

Sie fanden ihn auf dem Dachboden erhängt mit

dem eigenen Halstuch. _ . - Marinka's Hochzeit fand

einige Monate später stat1.

Unsere Bilder.

Gar reiche Ernte hielt der Tod im' Erntemonat. Der

mächtige und gefürchtete Chef des kaiserlichen Zivilkabinets

Excellenz von Lucanus Hel ihm im Alter von

77 Jahren nach fünfwöchentlichem Krankenla'ger zum

Opfer. Dr. von Lucanus, der in Halberstadt gebofen

war, studierte die Rechte und machte sehr schnell eine

glänzende Carriere. 1878 bereits Ministerial-Direktor

im Kultusministerium, wurde er 1881 Unterstaatssekretär.

1886 zum wirklichen Geheimrat ernannt,. erhielt

er 2 Jahre darauf von Kaiser friedrich den Adel.

Kaiser Wilhelm machte ihn sofort nach seiner Thron_

besteigung zum Chef des Geheimen Zivilkabinets und

in dieser wichtigen Stellung blieb er mit Ehren überhäuft

bis zu seinem Tode. -'- Aber während' Excellenz

von Lucanus doch ein hohes Menschenalter erreicht

hatte, musste der grosse Meister, der die Schönheiten

unserer Mark mit so unendlicher Poesie auf die Leinewand

zu bannen verstand, schon im besten .Mannesalter

von dannen gehen. Im Alter von nur 43 Jahren

starb Walter Leist.ikow nach ' schwerem rteid en in

einem Sanatorium in Schlachtensee. Leistikow, .der am

25. Oktober 1865 in Bromberg geboren war, gehörte

zu Gude's Schülern. Er war der eigentliche Gründer

der Secession, aber ebenso wie er ein feind aller


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akademischen Zöpfe war, so vermied er in seinen

Werken alles extravagante und gekünstelte. - ~icht

viele Jahre älter ist Professor Cu no von Uechtritz.

S te i n ki rch geworden. Der bekannte Bildhauer war

am 3. Juli 1856 in Breslau geboren. Schüler Viktor

Tilgners, hielt er sich nachher lange in Paris und Italien

auf und liess sich dann hier nieder. Zu seinem Hauptwerk

gehören die Statue des neapolitanischen BeItelknaben

in der Nationalgalerie, der Brunnen im kaiserlichen

Schloss, das Georg-Wilhelm-Denkmal in der

Siegesallee und das Moltkedenkmal in Breslau. - Auch

Direktor Jose Ferenczy war kein hohes Lebensalter

beschieden. 56 Jahre alt starb er in Argentinien, wo

er mit einem Operetten-Ensemble auf der Tournee begriffen

war. Ferenczy brachte uns die "Geisha" mit

Mia Werber nach Berlin. Im Central-Theater, das , er

dann übernahm, hatte er ausser "Geisha", die aucry dort

noch lange ihre Zugkraft ausübte, wenige Erfolge zu

verzeichnen,deren grösster "Die Puppe" wurde. Ferenczy

kämpfte in einer Zeit, in welcher der grösste Nlederganli!

der Operette war, und als der neue Aufschwung

erfolgte, hatte' er Mut und Geld verloren. -

Ganz plötzlich verschied der Stadtverordnete Hermann

PI i\; ch k e, eine der bekanntesten Persönlichkeiten

Berlins. Er hatte als Komiteemitglied der Ferien-Kolonie

Grunewald mit zahlreichen Knaben und Mädchen einen

Auliflug nach Schmargendorf unternommen und hielt

2'erade eine Ansprache an di'e Kinder, in der er sie

aus lier Obhut der Kolonie. entliess, als er von einem

Heruchlage getroffen wurde und inmitten der fröhlichen

Schar lautlos zu Boden sank. Unter dem furchtbaren

Eindruck dieses plötzlichen Todes verstummte jedes

Wert auf den Lippen. Alles war erschüttert über den

herben Wechsel von fröhlicher Lust zu ernster Trauer.

Hermann Plischke, der ein Alter von M Jahren ~ : erreicht

hat, gehörte der Stadtverordneten-Versammlung

seit 18 Jahren an und vertrat als Mitglied der· Neuen

Linken den fünften Wahlbezirk. Er hat sich in dieser

Zeit im kommunalen Leben Berlins trefflich bewährt.

Er war auch · einer der Mitbegründer der Sanitätswachen,

Vorstandsmitglied der Berliner Asylvereine

und der Ferien-Kolonien und Mitglied zahlreicher

Deputationen, Ausschüsse und Kuratorien. - Doch

nun zu den Lebenden I Und voll Leben und ' Esprit

sind die Mitglieder der französischen Botschaft, deren

Chef, Jules Cambon, unseren mächtigen Nachbarstaat

hier mit so viel Geschick und Würde zu vertreten ver_

steht. - Trotz der grossen sommerlichen Hitze sind die

Opernvorstellungen im Neuen König!. Operntheater

(Kroll) stets ausserordentlich stark besucht gewesen. Und

das ist kein Wunder, denn Hermann Gura verstand

es unter seinem Direktions-Szepter eine auserlesene

Künstlerschar zu vereinigen, wie unsere Leser sehen

werden, .wenn sie die Bilder der Hauptkräfte betrachten.

- ProfessorHanns Fechner, bekartntlicheiner u ,nsere~

allerersten und besten Porträtmaler, hat wiederum eine

Anzahl fürstlicher Persönlichkeiten mit gewohnter

Meisterschaft gemalt. Auch aus den photographischen

Abbildungen, die wir in unserer vorliegenden Nummer

bringen, wird man das grosse Können und die überaus

charakteristische Auffassung Hanns fechners erkennen.

- Die Republik Li b e ri a ist jetzt zu Deutschland in

Handelsbeziehungen getreten. Eine Sondergesandtschaft

dieses eigenartigen Staates, bestehend aus dem Expräsidenten

Hon. f. Gibson, dem Vicepräsidenten Hon.

J. J. Dorsen und dem Anwalt Hon. C. Dunbar

war hier, um die Handelsverträge mit unserem auswärtigen

Amt zu vereinbaren. - Auf der folgenden

Seite aus dem Gebiete der ernsten Kunst eine, aus

dem der heiteren drei Vertreterinnen. Elfriede

Heisler, die junge Naive des friedrich Wilhelmstädtischen

Schauspielhauses. ist ein zweifellos

bedeutendes Talent, dem man eine grosse Zukunft

prophezeien kann. Die schöne fedia de Ferard' ist

als Nachfolgerin der Darmand die jetzige "commere"

des Metropoltheaters, Hel e n e La n d, die bekannte

ßreltl-Diva wird im nächsten Monat wieder am Passage­

Theater mit Paul Schneider-Dimcker und Marietta Olly

zusammen auftreten, an dem bisher Grete Karoly­

G ro s s, die Gattin des Schauspielers Ernst Gross,

wirkte. - Zahlreiche Angehörige der grande nation

leben friedlich und freundschaftlich in . Berlin. Die

französische Botschaft bildet naturgemäss für sie den

geselligen Mittelpunkt. Unser Bild zeigt eine bedeutende

Anzahl derselben bei einem Sommerfest im Garten der

Botschaft. Terpsichores Jünger, die durchweg

Meister in ihrem Fach sind, kamen aus allen Weltteilen

zusammen, um beim 1. internationalen Tanzlehrer

- Kongress über ihre Standes - Interessen zu

beraten. Unsere Aufnahme zeigt die Einberufer des

Kongresses, lauter Namen vom besten Klang. -

Nicht umsonst wird das während des Sommers von

mehr als 12000 Fremden, darunter von 13 bis 1400 aus

Berlin besuchte Bad Elster "die Perle des sächsischen

Vogtlandes" genannt. In einer Seehöhe von 500 Metern

eingelagert in das breite Tal der oberen Elster, leuchten

die 200 weissen Häuser des an Heilquellen reichen Kurortes

dem Besucher schon von weitem entgegen aus

dem lichten Grün der Wiesen und Matten und heben

sich scharf ab von dem dunklen Hintergrunde, dem

tiefen satten Grün der tannenbedeckten Berge, die in

sanft geschwungener Linie den zwischen Parkanlagen

fast versteckten Badeort halbmondförmig umgeben und

bis zu 777 m aufsteigen. Seit 1848 in Besitz und Verwaltung

der Königlich Sächsischen Regierung zeigt die

Zahl der Kurgäste von Jahr zu Jahr ein sicheres langsames

Anschwellen. Fremde aus aller Herren Länder

suchen hier in der reizenden, wald bedeckten Umgebung

in dem durch eine überraschende Gleichmässig.

keit der Tageswärme und Kühle der Nächte sich

auszeichnenden Klima, an der weitberühmten kräftigen

Glaubersalzquelle, die in ihrer chemischen Zusammensetzung

dem Marienbader Kreuzbrunnen nahezu gleich

ist, sowie an den 4 alkalisch-salinischen Stahlquellen,

in den Mineralbädern und den allseitig als vortrefflich

anerkannten Moorbädern · Erholung, Kräftigung oder

Genesung. Während Bad-Elster noch vor 10 Jahren

nur als frauen bad galt, zeigt sich das männliche Geschlecht

seitdem immer stärker vertreten. Herz- und

Nervenkranke, an Störung der Verdauung leidende,

fettsüchtige, Gichtische und Rheumatiker, Männlein

und Weiblein in bunter internationaler Mischung, versammeln

sich in den vom Rosenduft durchhauchten

Anlagen vor dem prächtigen Kurhause und lauschen

den Klängen der 40 Mann starken Kurkapelle, die das

Echo weit hinabträgt im grünen Tal der weissen Elster.

D ,.. l{ulO Russak.

3n meiner ~eefe

feSt ein .aie~.

(j. 5r. D. QJjten.

3n meiner ~eeft ftßt tin Ei~b,

Sin Eieb (\U6 ~U(\f unb Eeib gtwoßtn,

~ocß welln icß e6 \ltriünbtn wilf

~(\nn irt e6 wit ein ~t"(\um 3errtoßen.

@'it ein erbdic«enb rcßwel'er ~r(\um,

~o \lolf Sdnnrung (\If' bel' ~cßmtqen,

~it ißrt (!ll.(\fe (\ufgel'r>

~em muben, tobe6wunbtn 'J5er;en.

~tm 'J5er;tn, b(\6 einrt furtgercßwdl't,


RRRLTNRR T.RRRN

5

4 5 3 6 7 1 8 2 Spu:ial· A"jnalt",e fürs " Buliner L eb."..

VOlt W Will;"g-.-r, Ber/fls w.J o

1 .. ' Jules Cambon, Botschafter, 2. Jules BoeuIve, Konsul, 3. Graf d'Ormesson, 3. Botschaftssekr etär, 4. Andre Bntere, Attache, 5. L ouis H ermite, 2. Botschaftssekretär, ß. Baron do! I3erckheim, Botschafts-Rat,

7. Henri Saunois-Chevert, Vize-Konsul, 8. Charles d'Andrezel, K orvetten-Kapitän, Marine-Attache.

Die Französische Botschaft in Ber1in.


BERLINER LEBEN

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Kammersänger Hermann Gura (Schwerin i. M.) Direktor.

Hofkapellmeister Carl Gille (Wien)

Kapellmeister Carl Wolfram (Dortmund).

Hoftheater-Regisseur Heinz Sattler (Schwerin i. M.).

Hofopernsängerin Marga Burchardt (Hanno'\"er).

Hof0pernsängelin Anni Hummel (Schwerin i. M.)

als .Elsa· in • Lohcngrin·.

Dina Mahlendorff (Strassburg ;. EIs.)

im • Barbier von Bagdad" .

Frieda Langenrlorff ( ew-York)

als .Ortrud" in "Loheogrin".

Die Sommer-Saison 1m


7

Kammersänger Heinrich Knote (München)

als " Tannbäuser".

Alois P ennarini (Ha mbllrg) .

Hans Siewert (ßrcslall).

Hofopernsänger ]ohannes Sembach (Dresden)

als "Lohengrin".

Rober! vom Scheidt (Hamburg)

als "Escamillo" in Carmen.

Rudolf Wittekopf (Breslall).

Peler Lordmann (Wien).

Carl Giesen (Nürnberg).

Neuen Königlichen Operntheater (Kroll) unter der Direktion Hern1ann Gura.

BERLINER LEBEN


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Berliner Ansichten: Am Königs-See

BERLINER LEBEN


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Spee.a/-Au)nahme für • Rn/IT"t' , •• " ....

von .V ax Alissman'J., Chadot/enOure.

In der Villen-I


Grossfiirstin KyrilI, gescbiedene Grossh erzogin von Hessen.

Prinzessin Kar! Anton von Hobenzollern.

Grossherzogin Elisabetb von Mecklcnburg-Strelitz.

Nach den Gemälden

von

Professor Hanns F echner.

Spe::tal-Att/1,almun /1i , • BeYlin., J L eben"

von R. Sitrert. CI:D,Iotienbltrf'.

Grossberzog August von Oldenburg.

Herzog Herrmann zu Tracbenburg, Fürst von H atzfeld.

BERLINER LEBEN


BERLINER LEBEN

11

lVIr. Brand,

Sekretär.

Me. Faulkner,

Sekretär.

H on. C. Dunbar,

Anwalt.

H on . J. J. Dorsen,

Vicepräsident der Republik Lib~;y;,

.{

"

Hon. F. Gibson,

Expräsident.

Spezial,Aufnahm. !ü' "B.,Iinu

Leben ·1

von R. Siercr',

CI,arlollmbu,f'.

Die Sondergesandtschaft der Republik Liberia in Berlin.


BERLINER LEBEN

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E lfriede Heislcr (fried r. Wilhelms1. Schauspielh.)

FMia de Ferard (Metropol-Theater) H elene Land (Passage-Theater) Grete Karoly-Gross (Passage-Theater)


BERLINER LE13E~

13

.,

1. Mr. J. C.Hnboo, Bustchafter. 2. Baron de Berckheim, Botschaftsl at. 3. Mr. A. Formstecher, P,e,ident de la Societe Philanlhropique fraoyaise de Berlin.

4. Me. A. FormsIecher. 5. Me. R. Proux. 6. Me. H . Romain. 7. Mr. H . Romain. 8. Mr. G. PaYdn. 9. Me. G. Payan. 10. Me. R. ProlIx.

Ein Fest der in Berlin ansässigen Franzosen im Garten der Französischen Botschaft.

Speciai-Au.f1/allnu /,i" " Btrlillel" Le' en"

V Olt W. Wdting-er, Bel'Iilt w. .


14

Turnen im Freien.

Speisehalle.

Liegehalle.

Abteilung für Säuglinge.

Spe:ial-AufllalJ.me1l fti.rs ,, 1Ierlin e~ Leben·

von R. Si'-rerl, CI".,../olienl>u"'r

Aus dem Kinder-Erholungsheim der Stadt Charlottenburg.

BERLINER LEBEN


15

2 3 4 ö 6 7 8 9 10

Spezia/-AuI11all11te l1.i~'s "BerUne,. Le!un U

VOll R . Sltg-ert. Char/ottmburr.

1. Paul Mülicb, BerliD, 2. Gustav EDgelhard, Leipzig, 3. Wilhelm Bock, Köln, 4. Carolus Kinsky, Kascbau, 5. James Koopmann, Haag, 6. Rudol! Knoll, Hamburg, 7. F. 'vV. Kehl, Madison, 8. JÜTgen Schmidt, Halberstadt,

9. Louis Kretlo w, Chicago, 10. Robert Wilhelmy, Dresden.

BERLINER LEBEN

Die Einberufer des 1. internationalen Kongresses der Tanzlehrer In Berlin.


N

16

Königliches Kurhaus.

Salzquelle mit Hygiagruppe.

. '. Gondelteich. Römerhütte am Arnsgründer Kirchsteig .

Aus Bad Elster.


I

Auf Helgoland.

Ein wohlbeleibter Herr, wie man so zu sagen pflegt : in den

besten Jahren, eine schlanke junge Dame, die statt des Hutes eine

weisse Seglermütze tr ägt, was sehr chic aussieht und ein junger

Mann, dessen Aeusseres den Mann erkennen lässt, .der in Eng'land

war" - die dreie sitzen auf der Bank und schauen auf die blutrote

Sonue, die fern, ganz fern im 'Vesten untergeht, da wo Meer und

Horizont zusammenzufliessen scheinen. Unbegrenzt ist der Blick,

denn wenn das Auge von den roten Klippen in nächster Nähe weiterschweift,

trifft es nur das unendliche Meer und an der entgE'gengesetzten

Hirnmelswand steht ein prachtvoller Regenbogen, der das'

ganze Firmamen t umspannt. - Angesichts des erhabenen Schauspiels

stockt die Unterhaltung; erst als der letzte Teil der klein und immer

kleiner werdenden roten Sichel ganz untergetaucht ist und das Rot

am Horizo nt sein Leuchten mehr und mehr eingebiisst hat, da kehren

auch die dreie aus ihrer stillen Versunkenheit in die Gegenwart

zurück. Es ist der ältere Herr, der die Stille bricht.

.Es fängt an kühl zu werden und die Seeluft hat mir Appetit

gemacht; Sie würden mich verbinden, Herr Steinert, wenn Sie uns

nun in ein recht behagliches Restaurant führen möchten."

• Wo es recht grosse Hummern giebt," ergänzt lachend die junge'

Dame, . denn auf Helgoland keine Hummern gegessen zu haben,

wäre für mich ebenso undenkbn, als in Rom gewesen zu sein, ohne

den Papst gesehen zu haben."

.Ich werde in Ihrer Achiung siriken, 'gnädiges Fräulein, wen:n

ich gestehe, dass ich mich, trotz meiner häufigeren Besuche dieser

Insel noch nie zu einem hiesigen Hummer emporgeschwungen habe;

will ich .mir mal solch' lukullisch Fest :bereiten, dann tue ich das

zu Hause in Hamburg:" das kommt dann blos halb so teuer.

.Dann bleibt mir weiter nichts übrig, als Sie zu Gast zu laden,

denn deshalb, weil ihnen die Sache zu teuer ist, wird meine Tochter

den Helgoländer Hummer, der sch on von vornherein eine wesentliche

Nummer ihres Programms bildete, nicht fallen lassen.·

Man hatte sich erhoben und bald auf der hinabfiihrenden

Treppe das Unterland erreicht. Steinert hatte die Einladung angenommen

unter dem Vorbehalt, sich in Hamburg r evanchieren zu

dürfen und so sass man nun in einer lauschigen Ecke der Strandhalle

und begoss den Hummer mit einem leichten Mosel. - Herr

Feldhammer war warm geworden: der junge Mann gefiel ihm von

Tag zu Tag mehr. Vier Tage währte erst die Bekanntschaft. Fellham

mer hatte in Berlin eine Lampenfabrik, die er ans kleinen

Anfangen auf eine recht ansehnliche Höhe gebracht hatte, sein einziger

Sohn, zwei J ahre äl ter als Lucie, zeigte keine Neigung fü r den

kaufmännischen Beruf, er studierte in J ena, und so hatte Papa

Fellhammer seine Hoffnung auf einen passenden Schwiegersohn

gesetzt. Bisher hatte sich noch keiner gefunden, denn Papa Fellhammer

war wählerisch und wenn er w'rklich glaubte, einen gefunden

zu haben, da= passte er seiner Tochter nicht. Hier schien

ihm der Zufall zu Hilfe zu kommen. denn offensichtlich interessierte

sich auch Lucie für den jungen Mann mit den weltstädtischen Manieren.

F rau Fellhammer weilte zur Kur in Marienbad, um sich eil!.

paar Pfund herun terzu trinken., bald nach ihrer Abreise musste das

Dienstmädchen ins Krankenhaus gebracht werden, da wurde es Papa

Fellhammer zu Hause ungemütlich und er ging mit seiner Tochter

_ . sie waren beide kerngesund - auf ein paar vVochen nach Westerland.

Bei Dührkopf, wo Herr Fellhammer sein Abendessen einzunehmen

pflegte, weil man dort nicht nur gut speist, sondern auch

ein gutes Glas Miinchener Hofbräu. trinkt, hielt es i=er schwer,

einen Platz zu bekommen, und so musste man es schon für einen

glücklichen Treffer halten, vor einigen Tagen an einem Tische Platz

nehmen zu können, an dem nur ein einziger Herr sass. Mit der

ihm eigenen, gemütlichen Art hatte Fellhammer den Fremden gleich

nach der ersten Begrüssung in's Gespräch gezogen und bald erweckte

der junge Mann sein ganz besonderes Inter~ s s e. Herr Fellha?lmer

hatte nämlich ein Steckenpferd, das waren Kohlen und alles

was d,!mit zusammenhing ; er hatte in seiner Jugend selbst am

Schmelztiegel gestanden und dann, als er in seiner Fabrik eigene

Dampfkraft einrichtete, persönlich die Verdampfungsproben gemacht,

um das geeignetste Material herauszufinden und we= er an der

H eizung. ein .paar Pfennige ersparen konnte, dann freute ihn das

mehr, als wenn er in der Lotterie gewonnen hätte. Diese Genauigkeit

in allen D ingen hatte ihn zum wohlhabenden Mann gemacht,

dabei war er keineswegs ein Knauser oder Pfennigfuchser. Sobald

Jemand auf Kohlen zu sprechen kam, das war sein Fall! Nun

stiess er gar auf Jemand, der jahrelang im grössten Kohlenrevier

Englands, i.n Süd-Wales, tätig gewesen war und der so interessant

über die Verhältnisse im englischen Kohlenhandel zu sprechen

wusste.

Am nächsten T age traf man sich auf der Strandpromenade und

da plauderte man schon miteinander, _wie .alte Bekannte. Steinert

war geborener Hamburger, und seine sichere, vornehme und doch

dabei freie Art, sich zu ge~en, nahm ihn gleich bei dem alten Fellhammer,

der Vollblutberliner iu gutem Sinne war, vorteilhaft ein.

So kam es denn ganz von selbst, d


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