CURT VON BROCKE

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CURT VON BROCKE

ABU 1 / KOHLENBUNKERANLAGE NEBST KESSELHAUS (Vgl. Abb. 2-4)

CURT VON BROCKE

HIERZU 49 ABBILDUNGEN

Aus den Kasseler und Düsseldorfer Industriebauten,

die der Architekt Curt von Brocke während der letzten

fünf Jahre in so großer Zahl und darum mit so erstaunlicher

Schnelle für Henschel & Sohn zu schaffen hatte,

spricht so viel überzeugende Frische und unmittelbar

achtunggebietende Kraft, daß man nach Genuß des

Geschauten geneigt ist, über die Ursache dieser starken

Wirkung nachzudenken. Vielleicht findet sich der

Schlüssel des erklärenwollenden Verständnisses in der

Tatsache, daß der Künstler sich nie mit dem Wahne,

83

7

M B. IX 3


ABB. 2 UND 3 / INNERES DES KOHLENBUNKERS. (Vtf. Abb. 1 und 4)

Abb. 2 (links) / Fahrbahn des Greifers. Auf den vorgekragten Konsolen soll später eine Hängebahn aufgehängt werden. / Abb. 3 (rechts) / Aufzugravm des Greifen.

ARCHITEKT: CURT VON BROCKE


ABB.4 /' KOHLENBUNKERANLAGE VOR EINEM KESSELHAUS {Vgl Abb. I-3J

Die Betonflächen sind leicht kreuzseitijj scharriert.

ABB.5 / KOKSBRECHERANLAGE

ARCHITEKT- CURt VON BROCKE

oo


ABE 6 • GEBÄUDE FÜR WASSERREINIGUNG ARCHITEKT: CURT VON BROCKE ARB. 7 / DAMPFTURBINENHAUS '.VGL ABB. 8, 9 UND 11)


ABB. 8 UND 9 , DAMPFTURBINENHAUS MIT AKKUMULATOREN NEBST WASSERBEHÄLTER (VGL. ABB. 7 UND 8) ARCHITEKT: CÜRT VON BROCKE


Architekt:

Curt von Brocke

Abb. 10

Kohlenbetörderungs- und

Bunkeranlage vor einem

Kesselhaus

Abb. 11 (unten)

Inneres eines Dampfturbinenhauses

(Vgl. Abb. 6-9)

33


Abb. 12 (oben)

Projekt eines Kohlenbunkers

für ein Braunkohlenbergwerk

Ardiitekt: Curt von Brocke

Abb. 13 (unten links)

Inneres des Pumpenhauses

(vg-1. Abb. 14)

Abb. 14 (unten rechts)

Pumpenhaus

89


Abb. 15 / Inneres des ModeUhauses (vgl Abb. 16)

Abb. 16 / Modellhaus mit Holzlager, dahinter Schreinereiyebäude

Architekt; Curt von Brocke

90


Abb. 17 / Das Holzlager (Vjl. Abb. 16)

Abb. 18 /

Inneres der Schreinerei

Architekt: Curt von Brodce

Abb. 19 /

Seh reine reijebäude

91


Abb. 20 / Hallenvorbau. Erdgeschoß: Büros; zweites bis viertes Geschoß: Arbeiter-Wasch- und Ankleideräume

Abb. 21 / Entwurf für eine Schreinerei nebst Modellhaus (vgl. Abb. 16 und 19)

Abb. 22 /

Umbau einer alten Fabrikanlag« zu einer Autogarag-e nebst Wohnung-

Architekt: Curt von Brocke

Abb. 23 /

Hallenanbau

92


Abb. 24 und 25 / Neubau einer Hammerschmiede

Architekt: Curt von Brocke

93


ABB. 26 / STRASSENSEITE EINER ARBEITSH ALLE (Vgl. Abb. 27)

neue Formen erfinden zu müssen (der so manche

unserer Jüngsten zu wirkungslosen Spitzfindigkeiten

verleitet), geplagt zu haben scheint. Von Brocke

betont vielmehr gerne, daß er die stets neu- und

immer wieder andersartigen Aufgaben, die sich ihm

täglich stellten, immer so zu lösen trachtete, wie sie

vielleicht die alten Meister der Baukunst gelöst haben

würden, wenn sie vor ähnlich neuartige Aufgaben

gestellt worden wären. Diese nüchterne Einstellung ist

selbstverständlich grundverschieden von der gekünstelten

Ablehnung bewährter alter Lösungen, durch die

weniger praktisch denkende Architekten auf dem Wege

„reinen Mechanisierens" J ) neue Formen zu erzielen hoffen.

Abb. 27 / Straßenseite der Halle {vgl. Abb. 26), dahinter alte Hallen mit

AbS. 28 /

„schmückenden" Aufbauten

ARCHITEKT: CURT VON BROCKE

Bürohaus mit anschließender Halle

94


Abb. 29 / Halle mit Pförtnerhaus

und Hofmauer

Arckitekt: Gurt von Brocke

Die Pfeiler, welche die Wand der Halle

gliedern (und die innen die Krahnbahn

tragen), sind nicht vorgezogen, sondern

treten nutenartlg 1 hinter die Wandfüllungen

zurück.

Besonderer Wert wurde auf die Gliederung-der

Türen in der Hofmauer g-elegi.

Abb. 30 / Pumpenhäuschen

(Der Architekt ist unzufrieden darüber, daß

er den äußersten der drei Kränze um die Tür

nicht auf 18 cm verbreitert hat)

Architekt: Curt von Brocke

95


31 / Beamten Wohnhäuser in der Isenburgstraße zu Kassel

Abb. 32 /

Arbeiterwohnhäuser in der Holländischen Straße zu Kassel

(Abschrägung der Fensterumrahmungen zur Vermehrung- der Lichtzufuhr.)

ARCHITEKT: CURT VON BROCKE

96


Abb. 33 und 34 / Umbau einer

alten Stückgießerei zu einer Erinnerungshalle

(erbaut um 1800 mit Tonflaschenge

wölbe)

Architekt: Curt von Brocke

97


Abb. 35 / Bürohaus mit Treppenanlajje. Mauerwerk im gotischen Verband. Die Fenster liegen mit dem Mauerwerk bündig-. VjL Abb. 36—42

Die Schriftleitung von „Wasmuths Monatsheften für

Baukunst" ist Herrn Dr. Werner Lindner zu besonderem

Dank verpflichtet, weil er es war, der sie —

im Zusammenhang mit seinen Vorarbeiten für die

Fortsetzung des Werkes: Lindner und Steinmetz, „Die

Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung" — auf die

wertvollen und noch ganz unveröffentlichten Arbeiten

des Baumeisters Curt von Brocke aufmerksam machte.

Die Schriftleitung begrüßt es dankbar, daß dieser

wenig mitteilsame Künstler die hier vorgeführten Ab*

bildungen seiner fast unübersehbar zahlreichen Bauten

zur Verfügung stellte, und bedauert nur, daß es ihr

nicht gestattet wurde, den Abbildungen erläuterndes

Planmaterial beizufügen.

Abb. 36 / Vgl. Abb. 35-42

ARCHITEKT: CURT VON BROCKE

Abb. 37 / Inneres eines Büroraumes im dritten Stockwerk

98


Abb. 38 / Inneres des Dachgeschosses (Vgl. Abb. 35-42)

Abb. 39 / Der Eingang-

Abb. 40 / Inneres des Treppenhauses mit Ruhehank

Abb. 41 / Treppe zur Dachspitze

Abb. 42 / Inneres des Erdgeschosses. Blick in den ylasüberdeckten Lichthof.

ARCHITEKT: CURT VON BROCKE

99


ABB. 43 / DAMPFTURBINENHAUS ABB, 44 (oben links) / TREPPE

Das Turbinenhaus ist an eine alte Halle angebaut Die Treppe zum Turbinenhaus (Abb. 44} ist in der alten Halle vor gestampft.

ABB, 45 / DAMPFTURBINENHAUS. LINKS: KOHLENBUNKER

ARCHITF.KT: CURT VON BROCKK

100


ABB. 46 UND 47 / INNERES EINES TURBINENHAUSES

Decke geknickter I-Träger, einbetoniert, dazwischen KassettenHecke, Kassettenfelder weiß, Rippen dunkelgrün

ARCHITEKT:

CUKT VON BROCKE

101


ABB. 48 /

ARBEITSHALLE. ÄUSSERES

ABB.« / AKBK1TSHALLE. INNERES / ARCHITEKT: . CURT VON I1KOCKE D.W.B.

Konstruktion: Mattuliinnnfabrik Augsburg-Nürnberg

102


AB&l / HAUS DER FUNKINDUSTRIE IN BERLIN.CHARLOTTENBURG / INNENANSICHT

DER BAU DES HAUSES DER DEUTSCHEN FUNKINDUSTRIE

ARCHITEKT: PROFESSOR HEINRICH STRAUMER :.

HIERZU 17 ABBILDUNGEN

Auf unsere Bitte hat uns Herr Professor Straumer über dt* R«U« Radio-Halte sehr faselnde Mitteilungen gemadtt Wir entnehmen ihnen das folgende. Die Schriftleitting

'......

Die Mechanisierung der technischen Erfordernisse des

modernen Lebens muß nicht unbedingt eine „Amerikanisierung"

bedeuten. Wäre dies der Fall, so müßte nach

allem, was man von „drüben" neuerdings hört, die Meinung

aufkommen, der neuzeitliche Zweckbau bedürfe der

Hand eines Baukünstlers im kontinentalen Sinne nicht

mehr. Ich unterstelle, daß eine lebendige Schönheit

nicht ganz ohne romantische Erinnerungen für mich begreiflich

ist. Das Wesentliche bleibt dabei die aus der

Weltanschauung vorhandene grundsätzliche Einstellung,

aus der von selbst die Form entsteht, die dann entweder

eine rein mechanisierte oder eine romantisch erinnernde

Harmonie aufweist. Wie immer, beschäftigen

solche Gedanken den Kopf erst nachträglich, wenn das

Werk dasteht und, ohne eigentlich gewollt zu sein, nach

dieser oder jener Richtung sich ausdrückt.

So war der Arbeitsvorgang, nachdem mir die Aufgabe

oblag, der natürlichste und einfachste von der Welt. Es

handelte sich um eine lange Halle, die eine genügende

Breite zur Unterbringung der Ausstellungsflächen haben

sollte. Das Haus sollte in Holz gebaut werden, weil dieVertreter

der Radio-Wissenschaft die Einwirkung des Eisens

ausgeschaltet wissen wollten. Die energische Gerade der

Hölzer auszudrücken und im Binderprofil zu steigern,

erschien mir gegenüber segmentförmig geschnittenen

Bohlenträgern wirkungsvoller. So entwickelte sich aus

den Skizzen verschiedener Konstruktionssysteme der in

straffer Linie ansteigende Binder, abgeschlossen durch

ein horizontales Verbindungsstück. Je großer der Unterschied

zu den senkrechten Stützen und der sehr langgestreckten

Binderschrägen sich erreichen ließ, je eindrucksvoller

mußte die Form der Halle in Erscheinung treten.

103

M. B, ix 3


Abb, 2 /

Kassenhalle

' •- ' ' Abb. 5 / Vortragssaal

Das weitere wichtige Moment für die Innenform

bilden die Fenster. Diese in die glatten, horizontalen

Deckenflächen zu legen und in einer für Wasser- und

Schneedruck gleich empfindlichen konstruktiven Form

einzubauen, mußte widerstreben. Umsomehr, als die

Erfahrung lehrt, daß horizontal auf dem Raum liegende

Lichtflächen wie eine Linse wirken und durch solche

Glasflächen der Raum übermäßig erhitzt wird. Auch die

Lüftung durch solche Oberlichte ist schwer erreichbar,

weil der warme Luftkegel auf die horizontalen Flächen

drückt, demgegenüber die verbrauchte Innenluft geringeren

Auftrieb hat So war zu versuchen, ob mit

Abb. 3 /

Haupteing-an JJ

JS

Abb. 4 / Freistehender Pavillon inmitten der Halle (vjl. Abb, I) ,

•i • Architekt: Professor Heinrich Straumer

Abb. 6 /

Längsschnitt

104


der

&unAf/?efitsfr/e

Abbildung 1 8

stehenden Fensterreihen in den Binderzwischenräumen

der Innenraum zu einer Form gebracht werden konnte.

Ein kleines Hilfsmodell erwies, daß die enge Wiederholung

der langen Binderbacken perspektivisch wie

eine Fläche wirkt und daß trotz des reichlichen Lichteinfalles

aus den stehenden Fenstern eine etwa mögliche

Unruhe aus den Glasflächen nicht aufkommen konnte.

Damit war — ohne daß über irgendwelche Formenprobleme

nach Weltanschauungsgesichtspunkten nachgedacht

worden ist — eine aus reiner Zweckmäßigkeit

für die neue Erfindung entsprungene Form für den

Innenraum gefunden. Daß diese Form nicht „amerikanisch"

mechanisiert, sondern kontinental, also mit

Erinnerungen mechanisiert, sich ausdrückt, scheint nach

allem, was ich höre, ganz behaglich anzumuten. Diese

unbewußt mitwirkende Empfindung war dann natürlich

auch Triebkraft, den Einzelteilen, vornehmlich den

Bindern, Fleisch zu lassen, d< h. sie mußten in einer

vollen Stärke dimensioniert werden, um den Raum mit

einer festen und breiten Beharrlichkeit auszustatten.

Ehe ein Fundament gelegt werden konnte, mußte von

dem Zentrum des radiotechnischen Betriebes, der großen

Sendemaschine aus, eine sogenannte Erdung verlegt

werden. Diese Erdung besteht in einem von dem genann-

105


Abb. 9 / Gesamtansicht übereck von Südosten Abb. 10 (unten) / Aufriß

1—- :

ten Mittelpunkt unter dem gesamten Bauwerk strahlenförmig

sich zerteilenden Netz aus langen Kupferbändern.

Der Wunsch, einer neuen Technik ein zweckmäßiges

Obdach zu erstellen, führte dazu, daß kaum ein Teil

des Bauwerkes von vornherein klar feststand, denn je

weiter die Entwicklung ging, je mehr klärten sich die

Anschauungen, und so ergab sich Änderung auf Änderung.

Nichts war fertig — so kann man sägen —

bis der Bau selbst fertig war.

Unentwegt mußte ich den Fertigstellungstermin allen

Einwendungen gegenüber festhalten. Der Hilfe meiner

langjährigen Mitarbeiter, Herrn Architekt Otto Biel

bei der Gesamtentwurfsbearbeitung und Herrn Hermann

Werner für den technisch-organisatorischen Teil

verdanke ich, daß die entsprechende künstlerische

Lösung der Aufgabe ebenso wie die technische auch

in der kurzen Zeit von 37s Monaten möglich war.

Die Organisation auf dem Werkplatz und auf der

Baustelle stellt bei einer Aufgabe wie der hier behandelten

eine besondere Leistung dar. Die Firma

Deutsche Holzbauwerke Carl Tuchscheerer A. G., der

die Erd-, Maurer- und Zimmerarbeiten übertragen

wurden, hat gezeigt, was ein gut organisierter großer

Betrieb in kurzer Zeit zu bewältigen vermag.

Abb. 11 / Teilansicht von oben

Amts

Abb. 12 / Teilanaicht der Binderkonstrulction, BtnderstützpunWt

ARCHITEKT: PROFESSOR HEINRICH STRAUMER

Abb. 13 und 14 /

Querschnitte

106


ABB. 15 / DIE BINDERKONSTRUKTION IM FIRST / ARCHITEKT: PROFESSOR HEINRICH STRAUMER

Spezialkonstruktion der Deutschen Holzbauwerke Carl Tuchscheerer A. G.

Die Grundrißanlage zeigte im Schwergewicht den

großen Hallenraum mit Galerie, auf welcher ebenso

wie darunter eingebaute herausnehmbare, schallsichere*

Zellen angeordnet sind. Der Strom des die Ausstellung

besuchenden Publikums wird in diese Halle aus Zweckmäßigkeitsgründen

— einheitliche Kontrolle und Personalersparnis

— durch eine einzige große Eingangshalle

geleitet. Vor dieser Kassenhalle lagert sich ein

schmaler, langgestreckter Windfangraum mit vier Türen.

Die Kassenhalle selbst mit einem Ausmaß von 19:12,50 m

im Geviert ist mit einem in geätztem Flächenmuster belegten

Oberlicht abgedeckt und nimmt vier Kassenhäuschen

auf derart, daß die Schlangen der an die

Kasse drängenden Besucher weit auseinandergehalten

werden. In der Mitte dieser Kassenhalle ruht ein

niedriger Kiosk mit Zeitschriften und Tagesblättern,

107


Abb, 16 / Gesamtansicht von Nordosten

dem Raum ein Haltepunkt Die Billettkontrolle findet

an den Türen zwischen diesem Eingangssaal und der

großen Haupthalle statt. Die Anordnung dieses einzigen

Einganges in der Mitte der Längsseite verteilt

die Besucher gleichmäßig in vorteilhafter Weise in den

eigentlichen Ausstellungsraum. Von dieser Eingangshalle

sind Verbindungen einerseits nach dem Vortragssaal

und andererseits nach der Restauration angeordnet,

so daß auch hier die einheitliche Kontrolle sich vorteilhaft

gestaltet Um die Benutzung des Vortragsraumes

Abb. 17 / Innenansicht. Stand der Arbeiten am 4. September 1924. Haus der Funkindustrie; Charlottenburg

ARCHITEKT: PROFESSOR HEINRICH STRAUMER

108


und der Restauration zu ermöglichen, auch wenn keine

Messe abgehalten wird, haben beide besondere Eingänge

von der Straße erhalten.

Die Konstruktion des Hallenbaues in Holz gab der

Feuer- und Theaterpolizei Veranlassung, besondere

Vorschriften für die Feuersicherheit zu stellen. So

wurde das gesamte Erdgeschoß massiv verlangt und

ausgeführt. Die senkrechten Obergeschoßwände, in

die bereits die Konstruktion der aufsteigenden Binder

eingreift, ist im wesentlichen aus Fachwerk erstellt

worden. Jedoch ergab sich auch hier organisch die

Verwendung von massiv eingesetztem und vorgelegtem

Mauerwerk. Besondere Sorgfalt mußte den Giebelwänden

zukommen. Nicht nur die aufzunehmenden

Lasten, sondern auch der erhebliche Winddruck ergaben

die Ausführung in Massivmauerwerk bis über

das Obergeschoß und die Anordnung kräftiger Stützpfeiler,

so daß die in der Längsrichtung wirkenden

Lasten und der zu berücksichtigende Winddruck jede

Verschiebung nach der einen oder anderen Seite ausschließen.

Sämtliche Holzkonstruktionsteile wurden mit

Mörtel beworfen, auf Schalung und Rohrgewebe feuersicher

verkleidet. Diese Ausführung tritt bestimmend

bei der Wirkung des Innenraumes in Erscheinung. Die

dadurch entstandene einheitliche Flächenwirkung war

D


£•.*,

sisii

Ausstellungshalle, Köln, Herbstmesse 1924

Architekt: Stadtbaurat Pieper (vyl. S. 69 Heft 2)

auch maßgebend für die Formgebung aller einzelnen

Teile, wie der Profilierung der Galeriebrüstung, der

Treppen und der breitflächigen Binderbacken. Indem

von allen kleinen und teilenden Gliederungen abgesehen

worden ist, war die größtmögliche Ruhe in der

Gesamterscheinung zu erreichen. Dieser Gedanke war

auch ausschlaggebend für die farbige Behandlung,

die im wesentlichen durch gegeneinandergestellte, verschiedenfarbige

glatte Flächen gelöst worden ist.

War so bei der Erstellung des Rohbaues die Ausschaltung

aller Eisenteile bis auf wenige Stützträger

im Vorraum möglich, so fand sich eine weitere Lösung

bei der Vermeidung jeglicher Verwendung von Eisenteilen

für die Heizungs- und Lüftungsanlage. Die

großen Kanäle sind in Backstein-Mauerwerk ausgeführt,

kleiner dimensionierte wurden in Beton gestampft

und für die Zuführungskanäle, die sich in den

Bindern nach der Höhe zu und in den Decken nach

dem Innenraum zu fortsetzen, fand sich eine Konstruktion

aus gestampfter Gipsmasse mit Stoffresten

vermischt, die sich bis jetzt gut bewährt hat.

Auch bei der Beleuchtungsanlage mußte die Anordnung

langer, senkrechter Drähte vermieden werden.

Die Zuführung der Antennen für jede einzelne der

schallsicheren Zellen ist in der Weise angeordnet, daß

in der höchsten Spitze des sich nach oben verjüngenden

Innenraumes der Halle unterhalb der die Binder abschließenden

horizontalen Querhölzer ein langer Verbindungsstrang

läuft, von dem aus frei im Räume schwebend die

einzelnen Zuführungsdrähte nach denZellen gehen.

Die „gedeckte Straße* (25 m breit» 250 m lang) des Schlachthauses der Stadt Lyon / Architekt: Tony Garnier

Die Arbeiten Tony Garniers auf Seite 109 und 110 sind Dr. Adolf Bchnes: Der moderne Zweckbau (Drei Masken Verlag, Wien) entnommen

110


ZWEI HALLEN IM LUFTSCHIFFHAFEN VON ORLY BEI PARIS (VGL, S. 112)

Im inneren sind noch Teile der Lehrgerüste sichtbar. Die zu verglasende Umrahmung* des Eing-angstores Ist erst teilweise ausgeführt. Die Hallen sind monolith in Eisenbeton

ausgeführt, sind 275 m lanjj, 60 m hoch und am Fuß 91 m breit Das parabolische Profil ist besonders zur Überwindung- des Winddrucku hwachnet.

ARCHITEKT; E. FREYSSINET

Die Hauptkonstruktion der Binder gliedert sich in

einen Binderbock und die Binder selbst, die nach der

Spezialkonstruktion der Deutschen Holzbauwerke Carl

Tuchscherer A.G. mit sogenannten Ringdübeln an den

Verbindungsstellen zur Ausführung gekommen sind.

Bei allen Ausführungen in Holz ist dem Umstand besonderes

Gewicht beizumessen, daß das Holz unter

den Temperatureinflüssen arbeitet Bei der Ausführung

des Hauses der Deutschen Funkindustrie hat dies insofern

besondere Bedeutung, als alle Holzteile aus

feuerpolizeilichen Gründen mit Verputz bekleidet sind.

Trotz der starken Temperaturschwankungen, denen das

Bauwerk bereits ausgesetzt war, haben sich bisher noch

keinerlei Nachteile aus den Bewegungen des Holzes

gezeigt, so daß angenommen werden darf, daß die

Beschaffenheit der Hölzer sowohl wie die Art der

Konstruktion der Verbindungsstücke eine zweckmäßige

ist. Für die Dach eindeckung wurde gespundete Holzschalung

mit doppelliegendem Kiespreßdach mit darunter

liegenden Korkisolierplatten in Verputz gewählt;

die Fenster in der Halle sind einfach mit äußerer Verleistung

ausgeführt und in Rohglas verglast, während

die Fenster in den Vorbauten als Kastendoppelfenster

ausgeführt wurden. Die Anordnung von Oberlichten

war in den Räumen des Vorbaues notwendig. Die

sparsamste Anordnung des Grundrisses war hiervon

abhängig. Aus den Oberlichten entsteht naturgemäß

eine starke Einwirkung auf die Raumform selbst. Der

Gegensatz zwischen Lichtfläche und Massivteilen wird

immer derart stark sein, daß eine künstliche Umformung

des Raumes, etwa durch verschiedene Höhenlage der

Oberlichte, unwirksam bleibt. Es sind deshalb die

Oberlichte in allen Fällen zusammengelegt worden,

so daß die Räume sich um diese Lichtflächen auch

konstruktiv zwingend gliedern.

In der äußeren Gestalt drückt die Formgebung des

Hauses einfach das aus, was sich konstruktiv ergeben

hat. Es war nur mein Bestreben, diese Massen zu

ordnen und in den Abmessungen gegeneinander abzuwägen.

Der farbigen Wirkung dienen in erster

Linie gleichmäßig durchgeführte horizontale Streifen

in Backsteinmauerwerk. Die Elemente, die so die

Formgebung darstellen, sind die glatten, grauen Wandflächen,

die in entsprechendem Verhältnis gelagerten

Fenster und die sich wiederholenden horizontalen Streifen

in Backstein, soweit Massivbau zur Ausführung

kam. Um die Gleichmäßigkeit der horizontalen Gliederung

auch im äußeren Aufbau der Halle betonen

zu können, wählte ich die Anordnung von Holzfliesen,

die mit demselben Backsteinrot, jedoch nunmehr durchaus

handwerksgerecht, gestrichen worden sind.

Ü (Ohne die rasch entschlossene und klar disponierte

Hilfe, die mir Professor Paul Rössler, Dresden, bei der

Ausmalung geleistet hat, hätte die farbige Behandlung

im Innern und Äußern in der kurzen Zeit nicht erreicht

werden können. Professor Heinrich Straumer.

111


EXOTIK UND „AMERIKANISMUS"

BETRACHTUNGEN ÜBER DIE BILDER AUF SEITE 120

BIS 124 UND ÜBER DIE AUSFÜHRUNGEN HERRN

PROFESSOR STRAUMERS AUF SEITE 103 BIS 111

Die nachfolgenden Abbildungen zeigen indochinesische

Bauten, die Bewunderung verdienen,

die aber deutsche Bewunderung nachahmender

Art höchstens im verlorenen Kiautschou und im

Reiche derBühnendekoration und des Filmswachrufen

sollten. Die Zeit, in der es unseren Vätern

geistvoll oder vornehm erschien, sich türkische

Bader, byzantinische Synagogen, indische Festspielhäuser,

gotische Kirchen, oder Landhäuser im

englischen Fachwerkstil zu bauen, gilt selbst zweifellustigen

Beobachtern schon dem Untergange

geweiht. Wenn die Liebhaber der „quetschenden

Enge" mittelalterlicher Festungsstädte heute in

Ulm dem kristallisch regelmäßigen MünsterhÖchst

widerspruchsvoll romantisch einen unregelmäßigen

Münsterplatz vorlegen möchten, so wird das

von den einen als ausnahmsweise berechtigtes Zugeständnis

an den im Mittelalter stecken gebliebenen

Geist einer alten Kleinstadt und von anderen

schon als hoffnungslose Altersschwäche erklärt,

Im Anschluß an den Aufsatz „Neuzeitliche

Holzbauten" im vorigen Heft (Hft. 2, S. 67,

Wasmuths Monatshefte für Baukunst) werden in

diesem Hefte (S. 103 ff.) weitere Hallenbauten

abgebildet, deren Formen aufs neue zu beweisen

scheinen, daß dem neuzeitlichen Baumelster dank

unserer entwickelten Technik beinahe jede beliebige

Form zur Verfügung 1 steht. Die Frage,

welche der vielen zurVerfügungstehenden Formen

jeweils gewählt werden soll, wird in einer Zeit star-

AUS DEN KONSTRUKTIONSZEICHNUNGEN DER

BEIDEN LUFTSCHIFFHALLEN IN ORLY (VGL. S. 111)

ARCHITEKT: E. FREYSSINET

Ganz oben: Halbes Profil eines Halleiibogens und Längsschnitt eint jr.tr

Bogen. Darunter (links): Aufriß der langen Hallenseite; (rechts): Längsschnitt.

Darunter: DÖS Wandunjrspi-ofil. Darunter: Schnitt eines der

kleinen Laufstege, die an der Decke der Halle aufgehängt sind. Dansben :

Die Aufhängung des Laufsteges. Darunter (links): Verworfene rechtwinkelige

Wandunjjuprofüe, die (jresehlossen) große Opfer an Verschalung

(im Inneren) gefordert, und auch geöffnet die Weite(-Verwendung 1 derselben

Schalung nicht im Heiben Maße gestattet hätten wie das Wellbleehprofil,

das schließlich ausgeführt wurde. Darunter (links): Schnitte durch das

jalousieartij durchlüftete Oberlicht (Laterne). Ganz unten links: Aufriß

einer halben Stirnseite mit der verglasten Umrahmung- des Eingangs.

Unten rechts: Querschnitt einer Rippe von 7,50 m Breite, darunter die

Änderung; ganz unten rechts die Verschalung der ersten Rippe (am

Eingang); der Querschnitt Zeig-t die Rippe am Scheitel, wo die Stege 9 cm.

die Außen flansche 20 cm dick ist. Die Au&nfiansche wird von den

Fenstern durchbrochen, die dank der schrsyen Stege viel Licht in d*a

Innere der Halle einlassen. - .

112


MALERWERKSTATT FÜR DEKORATIONEN IN RUE OLIVIER.METRA, PARIS / ARCHITEKTEN: A. UND G. PERRET.

Gegenüber* der vielverbreiteten

Angehauung, als erfordere Eisenbeton

kubistische Formen, stellt

das neue Werk der beiden Perret

eine Eisenbetonhalle mit halbkreisförmigem

Durchschnitt, also ein einfaches,

gerades Tonnengewölbe dar.

Die Halle ist 51 m lang; ihre Breite

von 12,85 m (das Mittelschiff des

Ulmer Münsters ist 15,27 m breit)

wird überspannt von 8 Rippen

(36 mal 22 cm), welche durch 6 cm

starke Eisen beton platten verbunden

sind. Die Senkrechtstellung- der

unteren Wände schafft etwas wie

ein Kämpfendes!ms, das die Entwässerung

1 aufnimmt. Die Beleuchtung

1 erfolgt durch einen langen seitlichen

Schlitz. Über diese Fenster

werden die Abwasser längs der

Rippen geführt; vgl. zwei Zeichnungen.

Die Konstruktionszeichnungen

zeigen ferner den Querschnitt

der Halle und die Armierung

der Rippen.

Für die Abbildungen auf Seite

111 bis 114 hat die Schriftleitung

Mr. Jean Badovici, dem Herausgeber

von L' Architecture Vivante,

zu danken.

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113


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HÖLZERNE AUSSTELLUNGSHALLE BEI PORTE MAILLOT, PARIS / ARCHITEKTEN: E. UND G. PERRET

kenKunstempfindens

eher einheitlich

beantwortet

als heute, wo die

Anschauungen in

anarchischerWeise

auseinandergehen.

Die Bedeutung*

der „reinen

Zweckmäßigkeit"

und ihrer

formbestimmenden

Kraft wird,

genau wie die

Bedeutung überlieferter

Formen,

obenso oft überschätzt,

wie sie

unterschätzt wird.

In diesem Zusammenhang

sind

114


Abb. 1 • Aufriß der Vorderseite

Abb. 2 /

ENTWURF FÜR EINE HÖLZERNE HALLE

ARCHITEKT: STADTBAURAT BRUNO TAUT

manche der in diesem Hefte (S. 103 ff.) wiedergegebenen Ausführungen

Professor Straumers von großem Werte. Professor

Straumer setzt darin sehr fein die Worte „Amerikanisierung" und

alles, was man von „drüben" hört, in Anführungszeichen und hat

sicher recht, wenn er damit andeutet, daß die „Amerikanisierung"

und das „drüben", wovon manche unserer Architekturjünger

schwärmen, nicht „drüben", sondern nur in den Köpfen unserer

unpraktischsten Schwärmer vorhanden ist. Die Gleichstellung

von „Amerikansierung" mit „reiner Mechanisierung", deren sich

Professor Straumer in Anlehnung an europäischen Sprachgebrauch,

aber durchaus nicht kritiklos bedient, ist in der Tat etwas wie

ein Schlagwort, das mindestens in der amerikanischen Architektur

nicht entfernt die Geltung hat, die ihm in Deutschland oft beigemessen

wird. Die „reine Mechanisierung" wird im Gegenteil

von den erfolgreichen amerikanischen Architekten genau so oder

eigentlich hoch entschlossener abgelehnt wie von Professor

Straumer, für den „eine lebendige Schönheit nicht ganz ohne

romantische Erinnerungen begreiflich ist". Die Mehrzahl unter

den angesehenen Architekten Amerikas geht noch weiter, als

Professor Straumer es tut. Sie sehen in der Anlehnung an

überlieferte Formen keineswegs „romantische Erinnerungen",

sondern dai Selbstverständliche, Unvermeidliche, das Gesunde,

Praktische und — das Ehrlichste.

In diesem Zusammenhang ist ein soeben erschienener Aufsatz

des englischen Architekten Arthur J. Penty beachtenswert, welcher

unter der Überschrift: „Das Land, wo die Architektur

lebendig ist", die Beziehungen zwischen den Geschäftsleuten

und den Architekten Amerikas beschreibt (vgl. Januarheft der

Abb. 3 und 4 / Grundrisse. Erdgvschofl und

115


ABB. 1-7 / ENTWURF EINER HÖLZERNEN HALLE FÜR MAGDEBURG

ARCHITEKT; STADTBAURAT BRUNO TAUT

englischen Society ofArchitectsJ. Penty sagt: „Man findet

im amerikanischen Geschäftsleben viel mehr Romantik

und Einbildungskraft als bei uns . . . Auf der Jagd

nach dem Dollar ist der Amerikaner großzügig, als

handle es sich um ein großartiges Spiel . . * und er

empfindet keinen Gegensatz zwischen seinen Idealen

und seinem Geschäft. Das kommt auch in seiner

Haltung der Kunst gegenüber zum Ausdruck. Der

amerikanische Fabrikant ist nicht wie so mancher

europäische zur Annahme geneigt, daß gute Kunst und

schlechtes Geschäft

Hand in

Hand gehen. Im

Gegenteil, er hält,

auch wenn er

baut, einen künstlerisch

guten Entwurf

für den Vorboten

guter Geschäfte,

und dieses

Vertrauen ist

so fest, daß die

guten Geschäfte

nicht ausbleiben.

Der amerikanische

Geschäftsmann

verlangt

nur, daß der baukünstlerischeEntwurf

sich den

neuzeitlichen Geschäftsverfahren

anpaßt. Es ist beachtenswert,

wie

sich die amerikanische

Architek-

LJL

tenschaft des Vertrauens

würdig

zeigte, das ihr bewiesen

wurde. Als

das Stahlrahmengebäude

erfunden

wurde, mußte

die Frage entschieden

werden,

ob derartige Gebäude

nicht ganz

von Ingenieuren

gebaut werden

sollten. Aber die

amerikanischen

Architekten

der waneuen

ren

Lage gewachsen,

und sie schufen angesichts der neuen Anforderungen eine

Neugestaltung ihrer Büros, die dem künstlerischen Entwurf

in der späteren Entwicklung der Baukunst eine ganz

neue Bedeutung sicherte. Diese Neugestaltung ist eine

wesentliche Ursache für den gewaltigen Fortschritt der

neueren amerikanischen Baukunst. Die Amerikaner haben

es verstanden, daß der Architekt im alten Sinne den neuzeitlichen

Erfordernissen gegenüber geradezu unmöglich

ist Ein Architekt kann unmöglich gleichzeitig

gute Schauseiten und gute Grundrisse zeichnen und

116


ABB. 8—14

HALLE

„STADT

UND LAND"

MAGDE-

BURG

ARCHI-

TEKTEN:

BRUNO

TAUT UND

JOHANNES

GÖDERITZ

Abb. 8 (oben)

Vorderansicht

Abb. 11 (unten)

Innenansicht

\

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I

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?

-- w---*-*

Abb. 9 /

Querschnitt, Bewehrung des Binders

Abb. 10 /

Längsschnitt

ein Techniker, ein städtebaulich

denkender Landmesser,

ein wirtschaftlich

denkender Geschäftsmann,

Anwalt und noch

vieles andere gleichzeitig

sein. Mehr oder weniger

aber wird das alles heute

von einem Architekten

verlangt, und viele Architekten

opfern ihre beste

Zeit für Aufgaben, zu

deren Erfüllung sie nicht

geschult sind. Unter solchen

Verhältnissen ist die

Entwicklung der Architektur

unmöglich. Das

haben die amerikanischen

Architekten verstanden,

und haben ihre Büros

so neugestaltet, daß sie

117


Abb. 12 (oben) /

Vorderansicht

v

' Abb. 13 / Grundriß des Erdjreschosses (1:750) . X ^ \ßürol Abb. 14 / Grundriß des

ABB. 8—14 / HALLE „STADT UND LAND-, MAGDEBURG / ARCHITEKTEN: BRUNO TAUT UND JOHANNES GÖDERITZ

An Stell* dar geplanten Holzhslle (vjfl. Abb. 1—7) kam eins jfanz leichte Betonhalle zur Ausführung-. Zweck: Landwirtschaftliche, sport'iche, theatralisch« Veranstaltungen.

Di« Aren* Ut 75 m lang; und 25 m breit. Nä!i*r«s veröffentlichte Bruno Taut in „Frühlicht" 1921 und „Der Neubau" 10.5.1924. .

ein großzügiges Zusammenwirken von Spezialisten ermöglichen.

Und was ebenso wichtig ist, sie haben

offen die grundlegende Bedeutung anerkannt, die der

künstlerische Entwurf in der Organisation eines Baubüros

haben muß. In den amerikanischen Büros ist

dem Mann, der sich in erster Linie mit dem künstlerischen

Entwurf beschäftigt, weitgehender Einfluß,

freie Hand, sowie das höchste Gehalt zugesichert.

118


Breslau, Jal.rl.underthalle (Hintergrund links), Architekt: Max Bery. Im Vordergrund und rechts Bauten der Ausstellung 1913 von Hans PShiy.

Während in Europa die Vergrößerung der Architekturbüros

zur Mechanisierung und zu schlechten künstlerischen

Leistungen geführt hat, haben die Amerikaner

schlagend bewiesen, daß die allerbesten Leistungen

aus sehr großen Büros (mit 100 oder mehr Angestellten)

hervorgehen können, wenn dort in neuzeitlicher Weise

gearbeitet wird. Die großen und neuzeitlichen Architekturbüros

ermöglichen den zahlreichen Spezialisten,

die zur Lösung wirklich großer Bauaufgaben erforderlich

sind, die geistreiche Zusammenarbeit, und sie befreien

die führenden Köpfe dieser Organisation von

den kleinlichen Rücksichten, die an der Wurzel unserer

Verwirrung liegen. Auch ein hervorragender Baukünstler

kann seine künstlerische Anschauung selbst

in der kleinsten Gasse nicht siegreich zum Ausdruck

bringen, wenn er Hans Dampf in allen Gassen sein muß."

Mit anderen Worten, es ist den Amerikanern durch

geistreiche Organisation gelungen, wieder etwas wie

die alten Bauhütten im besten Sinne des Wortes zu

schaffen, und es berührt beinahe schon als falsch, diese

Baumeister- und Gesellenverbände noch „Architekturbüros"

statt Bauhütten zu nennen. Eine entschlossenere

und erfolgreichere Abwehr des „reinen Mechanisierens"

könnte es sicher nicht geben als diese amerikanische,

und es liegt auf der Hand, daß die ausschließlich mit

dem künstlerischen Entwurf beschäftigten Köpfe, denen

alle am Bau mitwirkenden Mechaniker und Wirtschaftler

nur unermüdliche Handlanger sind, für ihr höchstes

Ziel ganz besonders fein geschult sein können.

Das ist sehr wichtig. Selbst beim Versuche „rein

zu mechanisieren", wenn er je gemacht würde, stellt

sich unvermeidlich und immer wieder die Notwendigkeit

der Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten

zu mechanisieren ein, und bei dieser Wahl wird der

Künstler, gleichviel, ob er es wie Professor Straumer

ehrlich zugesteht oder nicht, von seinen „Erinnerungen",

d. h. also von seiner Geschmacksbildung und der Feinheit

seines Auges beeinflußt.

Niemals vielleicht wurde der Wahn, als könne man

ohne Anlehnung an überlieferte Formen „rein mechanisieren",

scherzhafter aufgedeckt als durch die manchmal

sehr geistreichen Leistungen des in Chicago ansässigen

Architekten Frank Lloyd Wright, dessen meist

in Deutschland und Holland lebende Bewunderer oft

— nicht immer — verschweigen, daß seine Werke

voll „romantischer Erinnerungen" stecken. Bei Wright

sind diese Erinnerungen in der Tat geradezu krankhaft

romantisch, weil sie nicht eine gesunde und offen

eingestandene Weiterentwicklung vertrauter und bewährter

Überlieferungen, sondern ein mutwilliges Herübernehmen

von Reiseerinnerungen aus China und

Japan sind, deren Auswirkungen zwar als bodenständige

Heimatskunst (amerikanischer Präriestil!) angezeigt

werden, aber darum nicht im geringsten weniger

exotisch sind. Die Innendekorateure des achtzehnten

Jahrhunderts, die sich ja auch einmal vorübergehend

an „Chinoiserien" ergötzten, haben es wenigstens verstanden,

von dem Fremdgute ganz Besitz zu ergreifen

und es völlig dem eigenen Kunstdenken einzuverleiben.

Dagegen wirken die romantischen Spielereien

F. L. Wrights in der amerikanischen Baukunst als Fremdkörper

und werden deshalb auch von den meisten

amerikanischen Architekten mit gutmütigem oder geringschätzigem

Lächeln abgelehnt.

Wenn wir uns wieder zu einer einheitlichen, lebenden

Kunst durchringen wollen, wird ganz besonders viel

davon abhängen, daß die „romantischen Erinnerungen",

von denen Professor Straumer spricht, nicht etwa ungezügelt

umherschweifen und spielerisch exotische Geschmackslaunen

aus aller Welt aufgreifen, sondern daß

ein einheitlicher großer Wille sie lenkt. Nur so können

neue bauliche Taten getan werden, die der „Erinnerung"

an das Beste unserer großen Überlieferung würdig sind.

Nur so wird es allmählich dahin kommen, daß jeder

Neubau sich zwar neuartig, aber kongenial dem Alten

angliedert, wie Blüten an die Blatter und Zweige, aus

denen sie ersprießen. Nur dann werden so bedauerliche

Durcheinander vermieden werden, wie wir sie

in Berlin z. B. in der Gruppe um das Preußische Abgeordnetenhaus

besitzen oder in jener Gruppe von drei

Ausstellungshallen, unter denen Professor Straumers

Radiohalle die schönste ist. Werner Hegemann.

119

9

M. B. IX, 3


ABB. 1 / HAUPTPORTAL DER „ÄUSSEREN GALERIE" DES TEMPELS VON ANGKOR-VAT

Im Vordergrund eine Tänzerin in ihrem rituellen Kostüm

INDOCHINESISCHE BAUKUNST ; - ^;

ACHT ARCHITEKTURAUFNAHMEN AUS DEM FRANZÖSISCHEN INDO-CHINA

120


ABB. 3 /

EINE ECKE DES TEMPELHOFES IN ANGKOR-VAT

121


ABB. 4 /

ANNAMITISCHER TEMPEL

ABB. 5 /

DIE RUINE CHAM • ANNAMITISCHE PAGODEN IN DEN RUINEN DES HEILIGTUMS CHAM BEI TANKY

122


ABB. 6 /

ÄUSSERE SCHAUSEITE DES HAUPTGEBÄUDES DES TEMPELS VON ANGKOR-VAT

ABB. 7

TREPPE

MIT

DRA-

CHEN-

ORNA.

MENTEN

IM

ANNA-

MITI-

SCHEN

STIL

123


ARB. 8 / BRONZE-PORTALE IM GARTEN DES KAISERLICHEN PALASTES ZU HUE

CHRONIK

ULMER MÜNSTERPLATZ

Das gleichzeitig erscheinende Doppelheft 3/4 von „Städtebau"

ist hauptsächlich den Fragen des Ulmer Münsterplatzes

gewidmet. Auf 34 Seiten mit 170 Abbildungen wird der

kürzlich entschiedene Wettbewerb um die Bebauung des

Ulmer Münsterplatzes im besonderen, und die Kirchenvorplatzfrage

im allgemeinen eingehend erörtert. Besonders behandelt

das Heft den Streit um die sogenannte „Fischerschule**

und den jetzt wieder erwogenen romantischen

Plan, durch eine gewollt unregelmäßige Bebauung des

Münsterplatzes die Täuschung erwecken zu wollen, als handle

es sich bei der Neubebauung nicht um ein aus einem Gusse

geschaffenes Kunstwerk, sondern um etwas zufällig „Gewachsenes'*»

altertümelnd „Gemütliches".

Das Heft kostet im Einzelverkauf 2.50 Mark. Im Jahresbezug

kostet „Städtebau" 12 Mark, für die Bezieher der

„Monatshefte" nur 8 Mark.

RÜCKKAUFANGEBOT FÜR HEFT 2 VON

WA5MUTHS MONATSHEFTEN FÜR BAUKUNST

In den letzten Wochen hat sich die Zahl unserer Abonnenten

wieder über Erwarten schnell vermehrt, diesmal um

700. Wir möchten darum gern guterhaltene Exemplare des

Februarheftes (Heft 2, Jahrg. 9) zurückkaufen und bieten

2 Mark (d. h, den Abonnementspreis) dafür.

Verlag Ernst Wasmuth A.-G.

UNSER WETTBEWERB

Das Preisausschreiben: „W eiche baukünstlerische

Aufgabe in Groß-Berlin ist die wichtigste

und volkstümlichste ?" hat 97 Antworten gebracht,

darunter einige sehr beachtenswerte. Die Preise betrugen insgesamt

1000 Mark, der erste Preis 300 Mark. Von der

Berliner Tagespresse wurde gleichzeitig ein Kreuzworträtsel-

Preisausschreiben veranstaltet; die Preise betrugen zusammen

500 Mark, der erste Preis 200 Mark, die Zahl der Antworten

5500. Hieraus geht hervor, daß die Teilnahme der

vier Millionen Groß-Berliner für die baukünstlerische Gestaltung

der Hauptstadt wesentlich geringer ist, als für ein

Kreuzworträtsel. Man sage nicht, daß das baukünstlerische

Preisausschreiben nicht genügend bekannt geworden sei. Der

„Vorwärts", von dorn man annimmt, daß er die verständigeren

Teile der Arbeiterschaft erreicht, brachte einen

besonderen Aufsatz über das baukünstlerische Preisausschreiben,

und wenn sich auch die übrige Tagespresse dem

baukünstlerischen Preisausschreiben gegenüber mehr passiv

verhielt, so wurde es doch an den Litfaßsäulen Groß-Berlins

auf 4200 Anschlägen bekanntgegeben. Das Ergebnis lehrt,

daß noch sehr viel geschehen muß, um die allgemeine

Teilnahme an baukünstlerdschen Fragen zu heben.

Die Preisverteilung soll im nächsten Hefte bekanntgegeben

werden.

124


BÜCHERSCHAU

Brinckmann, A. F. Michelangelo. Zeichnungen. Quart,

68 Seiten, mit 106 Tafeln. Verlag R. Piper, München, 1925.

Preis, gebunden . . M 16.—

Am 6. März ist der 450. Geburtstag Michelangelos. Die Gestalt

Michelangelos stand seit langem im Mittelpunkte der

Forschung Brinckmanns. Hatte er in seiner Geschichte der

Baukunst Michelangelo als Baukünstler gewürdigt, so in

seiner Barockskulptur als Plastiker. Dabei war manches

treffliche Wort auch über den Zeichner Michelangelo gefallen.

So schließt sich jetzt folgerichtig der neue Band

Handzeichnungen den früheren Veröffentlichungen an. Bereits

in seiner Barockskulptur hatte Brinckmann die Behauptung

aufgestellt, daß jedes Kunstwerk nur ein Querschnitt

einer Entwicklungsreihe sei und daß die Reihe, nicht

aber der Querschnitt das eigentlich Wichtige sei. Diesen

Gedanken führt der Verfasser in diesen Handzeichnungen

weiter aus. So versucht er nicht nur, in die Fülle von

Zeichnungen mit ordnender Hand Klarheit zu bringen, sie

zu bestimmten Gruppen zusammenzuschließen, sondern er

legt gern innerhalb dieser Schichten den Wandel der Vorstellungen

scharfsinnig und klar dar. So erst tritt der

Zeichner Michelangelo und damit auch der Plastiker in

seiner ganzen Bedeutung hervor, zumal Brinckmann seine

Zeichnung im Gegensatz zu den Zeichnungen eines Dürer und

Rembrandt zu stellen weiß. Die großartige Deutung aber der

Werke Michelangelos selbst setzt die Deutungen Justis fort,

indem sie diese zugleich erweitert. Alfred Heuer.

Burghardt, Richard. Praktische Anleitung zum Kalkbrennen

im Schachtofen. Berlin, 1924. 28 S., Oktav, mit acht

Abbildungen. Preis, geheftet - . M 1.20

Das Bücfilein schildert ausführlich den Verlauf des Kalkbrennens

im Schachtofen mit verschiedener Befeuerungsweise.

Burghardt teilt die verschiedenen Konstruktionen der

Schachtöfen ganz allgemein in drei Hauptgruppen, nämlich

Schachtöfen mit Mischfeuerung, Schachtöfen mit Außenfeuerung

und Schachtöfen mit Gasfeuerung, und umfaßt damit

alle im Schachtofenbetrieb vorkommenden Möglichkeiten.

Acht Ofenbilder erläutern den Text. Das kleine

Schriftchen ist ein wichtiger Leitfaden für jeden Schachtofenbesitzer

und sollte deshalb ausgiebige Verwendung finden.

Gröber, Konrad* Reichenauer Kunst. Karlsruhe, 1924.

2. Auflage. 80 S., Quart, mit 54 Abb. Preis kart. Mk. 2.—

Wer Belehrung über die alte Reichenauer Kunst, über sein

Münster, über Niederzeil, Oberzell, mit ihren frühen Fresken

und ihren Kirchenschätzen wünscht, wer Einblicke tun will

in eine der bedeutendsten und frühesten süddeutschen Kulturstätten,

wer den geschichtlichen Hintergrund zu Scheffels

„Ekkehard" kennen lernen will, greife zu diesem anschaulich

und doch wissenschaftlich geschriebenen Büchlein mit seinen

schönen Abbildungen. Jeder, der den Bodensee und die

Reichenau liebt, wird dem Verfasser für seine von warmer

Liebe für sein Thema getragenen Ausführungen Dank wissen,

Kühnel, Ernst Kunst des Orients. (Die sechs Bücher der

Kunst, Bd. 2). Wildpark-Potsdam, o. J. 127 S., Quart, mit

172 Abb. Preis, in Halbleinen gebunden . . . . M 10.—

Kühnel hat bei aller Zusammendrängung und Kürze es

verstanden, die entscheidenden Merkmale und Wesenszüge

der gewaltigen Kulturen des Islams, Indiens und Ostasiens

darzustellen. Es wird hier eindringlich klar, wie die heutige

europäische Wissenschaft sich mit einer die Erde umspannenden

Weite des Gesichtskreises das Verständnis dieser

fernen, den europäischen ebenbürtigen Hochkulturen erarbeitet

hat. Die großen und zahlreichen Abbildungen, darunter

seltene farbige Stücke, stellen dem Text anschauliches

Erläuterungsmaterial zur Seite,

Pfandl, Ludwig. Spanische Kultur und Sitte des 16, und

17. Jahrhunderts. Kempten, 1924. 288 S., Quart, und 43 Taf.

Preis, in Halbleinen gebunden M 12.—

Ein starkes Buch, diese Einführung Pfandls in die Blütezeit

der spanischen Literatur und Kunst- Stark, weil es

offenbar die Lebeasarbeit eines mit großer Begeisterung und

tiefer Gründlichkeit begabten Menschen darstellt, der ein

überaus feines Einfühlungsvermögen in die von ihm behandelte

Epoche und deren Menschen besitzt. Stark auch, weil

er weniger Kritiker und Verneiner, als glühender Bewunderer

und Verteidiger spanischen Lebens, Könnens, Fühlen» und

Denkens ist. Nur ein Katholik konnte dieses Buch schreiben.

Aber dieses Buch war notwendig. Es ist ein Bollwerk gegen

die allzuschnellen Literaten und „Kunstkenner", die mit geschäftiger

Hand, aber unbeschwert von Sachkenntnis, aus

Spaniens Kulturboden immer neue Ausgrabungsprodukte zu

fördern wissen. Es ist eine Apologie Spaniens schlechthin.

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DER BAEDEKER

DES ARCHITEKTUR^ UND KUNSTFREUNDES

e i n B a n d u n s e r e r

STÄTTEN DER KULTUR

HERAUSGEGEBEN VON PROF. DR. GEORG BIERMANN

Bisher erschienen;

1. BERLIN. Von Wolfg. v. Oettingen

2. FRANKFURT A. M. Von Paul

Ferd. Schmidt

3. BREMEN*). Von K. Schaefer

4. ROTHENBURG OB D. T. Von

H. Uhde=Bernays

5. LEIPZIG. Von Ernst Kroker

6. DAN ZIG. Von A. Grisebach

7. LUZERN, der Vierwaldstätter See

u. der St.Gotthard. VonHerm. Kesser

8. WIEN*). Von Franz Servaes

9. LÜBECK. Von Otto Grautoff

10. ALTHOLLAND.VonJos.Aug.Lux

11. KÖLN. Von Egbert Delpy

12. GRANADA. Von E. Kühnel

13. WEIMAR. Von Paul Kühn

14. DRESDEN. Von Willy Doenges

15. SANSSOUCI. VonKurtF. Nowak

16. NEAPEL. Von Th. v. Scheffer

17. UMBRISCHE STÄDTE

Diese Bände sind z. Z. vergriffen

Weit entfernt von jeder einseitigen historisch-politischen Darstellung verfolgen die Bände die Aufgabe, dem Leser

die Organismen der Städte als Kulturschöpfungen in ihrer allmählichen Entwicklung unter Betonung aller Lebensfaktoren

nahezubringen. Es ergab sich von selbst, daß dabei von Seiten der zum Teil sehr bekannten Verfasser

das künstlerische und architektonische Bild einer Stadt wie ihre Kulturs&ätze mit besonderer Liebe beschrieben

wurde. Die künstlerische Ausstattung der reichbebilderten Bände paßt sich in vorzüglicher Weise der Darstellung an.

Preis jedes Bandes geheftet A4. 3. —, geBunden M. 5- —

KLINKHARDT BIERMANN • VERLAG • LEIPZIG

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