Knappschaftskrankenhaus Dortmund 1958–2008

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Knappschaftskrankenhaus Dortmund 1958–2008

Knappschaftskrankenhaus Dortmund 1958–2008

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Inhalt

Grußworte

Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen Karl-Josef Laumann (5)

Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Rentenversicherung – Knappschaft Bahn See Ulrich Freese (6)

Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung – Knappschaft Bahn See Dr. rer. nat. Georg Greve (7)

Betriebsleitung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund: Privatdozent Dr. med. Karl-Heinz Bauer,

Ursula Fehlberg und Hugo Weimann (8)

Wer seine Wurzeln nicht pflegt, kann nicht wachsen

Kleine Geschichte der Knappschaft (11)

Aus der Versorgung für Bergleute gewachsen

Die Entwicklung der Knappschaftskrankenhäuser im Ruhrgebiet (19)

Exkurs I: Aus der Geschichte der Medizin (24)

Vertrauen in die Zukunft

Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund (33)

Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund ab 1958 (43)

Seit 1958 die Zukunft im Blick

Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund im Überblick (55)

Exkurs II: Die Beschäftigten des Knappschaftskrankenhauses im August 2008 (62)

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Interviews: Wie wurde was ist und was sein könnte

August Wagner – Ehem. Patientenfürsprecher: Die Kumpel waren stolz auf ihr neues Krankenhaus (68)

Maren Kinne – Telefonistin: Wir müssen uns hinter niemandem verstecken (71)

Ute Droll – Stellv. Pflegedirektorin: Krankenschwester – Ein traumhafter Beruf (73)

Klaus Simson und Peter Hampel – Anwohner: Zwei Brackeler Zeitzeugen erinnern sich (76)

Marita Benggok, Alexandra Hippchen, Iris Lohse, Matthias Mißfeldt – Krankenhausseelsorge:

Trost spenden, Not lindern, Zuhören (79)

Dr. Manutschehr Taayedi – Facharzt: Damals waren die Chefärzte noch die Herrgötter in Weiß (83)

Dr. Kurt Georg Hering – Ehem. Ärztlicher Direktor: Das Haus ist auf einem sehr guten Weg (86)

Fredy Fritsch – Ehem. Personalrat: Ich habe die Zeit nie bereut (90)

Detlef Dreyer – Personalleiter: Ich wünsche mir, dass das Haus erhalten bleibt (94)

Exkurs III: Was um das Krankenhaus herum geschah (97)

Das Knappschaftskrankenhaus 2008

Klinik für Anaesthesiologie und operative Intensivmedizin (114) Chirurgische Klinik (115)

Frauenklinik am Knappschaftskrankenhaus (116) Medizinische Klinik (117) Klinik für Neurologie (118)

Klinik für Nuklearmedizin (119) Klinik für Orthopädie und Spezielle Orthopädische Chirurgie (120)

Klinik für Pneumologie (121) Klinik für Radiologie (122) Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie (123)

Klinik für Urologie und Kinderurologie (124)

Geschichten aus der Geschichte

Danke für die Unterstützung

Fußnoten (131) Impressum (134)

Inhalt

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Grußworte


Es freut mich, wenn ich dem Knappschaftskrankenhaus Dortmund zu

seinem 50jährigen Bestehen die Glückwünsche der Landesregierung

übermitteln darf.

Das Jubiläum des Knappschaftskrankenhauses fällt in eine Zeit der

Neuorientierung des Gesundheitswesens. Es gilt, dabei Gutes zu erhalten

und weiter zu entwickeln. Hierzu trägt die Landesregierung bei.

Das neue Krankenhausgesetz soll deshalb die Krankenhäuser von Bürokratie

entlasten, Planungsverfahren verkürzen sowie Krankenhäuser

und Krankenkassen mehr Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Bewusst

verzichtet das Land Nordrhein-Westfalen darauf, sich in Detailplanungen

einzumischen. Krankenhäuser wurden im Landeshaushalt vom

Konsolidierungsbeitrag ausgenommen.

In Nordrhein-Westfalen können wir stolz auf unsere Krankenhäuser

sein. Die Kernstädte des Ruhrgebiets gehören zu den zehn beliebtesten

regionalen Gesundheitszentren Deutschlands. Damit wird deutlich,

dass Nordrhein-Westfalen im Bereich der medizinischen Versorgung

bundesweit einen Spitzenplatz einnimmt. Und das Knappschaftskrankenhaus

Dortmund ist ein Stein dieses Mosaiks. Aus der medizinischen

Versorgung der Bergleute heraus entstand ein modernes

Dienstleistungsangebot zur gesundheitlichen Versorgung der gesamten

Bevölkerung. Patientinnen und Patienten, die Hilfe brauchen, stehen

im Mittelpunkt eines hochmodernen und leistungsfähigen Krankenhauses

mit seinen zahlreichen Behandlungsmöglichkeiten in elf hoch

spezialisierten Kliniken. Dabei gebührt den 890 ärztlichen, pflegerischen

und vielen anderen unentbehrlichen Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern des Knappschaftskrankenhauses Dortmund mein besonderer

Dank. Erst ihr persönlicher Einsatz und ihre Fachkompetenz

lassen bei aller Technik und moderner Einrichtung das Krankenhaus zu

einem Ort werden, der die notwendige Versorgung, aber auch Zuwendung

für Kranke sicherstellt.

Den Patientinnen und Patienten dieses Krankenhauses, den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern und dem Knappschaftskrankenhaus Dortmund

wünsche ich eine erfolgreiche Zukunft.

Grußwort Karl-Josef Laumann

Karl-Josef Laumann

Minister für Arbeit, Gesundheit und

Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

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Grußwort Ulrich Freese

Die Krankenhäuser der Knappschaft sind seit dem Bestehen knappschaftlicher

Vereinigungen ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil

des Verbundsystems von sozialer Sicherung in der Knappschaft.

Auch für die knappschaftliche Krankenversicherung in ihrer heutigen

Form ist der Besitz eigener Krankenhäuser ein prägendes Kennzeichen

geblieben. Die Knappschaft unterhält in Bochum, Bottrop, Dortmund,

Püttlingen, Recklinghausen und Sulzbach Knappschaftskrankenhäuser

und ist darüber hinaus an fünf großen Krankenhausgesellschaften

beteiligt, in die ehemalige Knappschaftskrankenhäuser eingebracht

wurden.

Mit dem Bau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund wurde nach

umfangreichen Planungen 1955 begonnen. Als das bis heute noch

jüngste Knappschaftskrankenhaus 1958 seinen Betrieb aufnahm, half

es in Dortmund nicht nur die Zahl der fehlenden Krankenhausbetten

zu verringern, sondern war zugleich bereits vom Beginn an ein Ort,

an dem Medizin und Pflege auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher

Erkenntnisse und langjähriger Erfahrung verlässliche Partner der

Patienten sind. Bei der Eröffnung des Hauses vor 50 Jahren nannte der

damalige Vorstandsvorsitzende der Ruhrknappschaft, Karl Höfner, das

Knappschaftskrankenhaus Dortmund eines der modernsten Häuser in

Europa. Dies zeugt sicher von einem starken Selbstbewusstsein, jedoch

ist das Knappschaftskrankenhaus Dortmund heute sicher eines der

modernsten Krankenhäuser in der Region. Und diesen Weg wird es

in Zukunft weiter gehen: baulich zeitgemäß, auf medizinisch hohem

Niveau, innovativ und kosteneffizient.

Dem Knappschaftskrankenhaus Dortmund gilt mein Glückwunsch

zum 50jährigen Bestehen. Mögen viele weitere Jahre zum Wohle der

Patientinnen und Patienten hinzukommen.

Ulrich Freese

Vorstandsvorsitzender der

Deutschen Rentenversicherung

Knappschaft Bahn See


Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund ist das jüngste Krankenhaus

der knappschaftlichen Versicherung im Ruhrgebiet. Als Zentrum zur

Behandlung bergbauspezifischer Erkrankungen ging es 1958 in Dortmund

in Betrieb und entwickelte sich rasch zu einem Allgemeinkrankenhaus

für die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf hohem

Niveau. Diese Entwicklung ist nicht selbstverständlich.

Ärztliche Behandlungskunst, exzellente pflegerische Betreuung und

eine innovative Verwaltungsleitung haben den guten Ruf des Hauses

begründet. Gerade in den letzten Jahren hat mehr und mehr Spitzenund

Hochleistungsmedizin im Knappschaftskrankenhaus Dortmund

Einzug gehalten. Zusammen mit den umfassenden Neubau- und

Renovierungsmaßnahmen hat dies auf der Grundlage des hervorragenden

Engagements der Mitarbeiter zu breiter Akzeptanz und hohem

Ansehen des Hauses geführt. Resultat dieser Entwicklung ist eine

bemerkenswerte Erhöhung der jährlichen Patientenzahl in den letzten

10 Jahren um nahezu 5.000 Fälle, das heißt um ca. ein Drittel.

Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses danke ich für die

oft aufopferungsvolle und hervorragende Arbeit zum Wohl der uns

gemeinsam anvertrauten Patienten. Ich bin sicher, dass die Erfahrung

und die vielen guten Beispiele aus der Vergangenheit Ansporn und

Verpflichtung für die Zukunft sind.

Dem Knappschaftskrankenhaus Dortmund wünsche ich eine lange und

erfolgreiche Zukunft sowie weiterhin viele zufriedene Patientinnen

und Patienten.

Grußwort Dr. Georg Greve

Dr. Georg Greve

Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung

Knappschaft Bahn See

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Grußwort Ursula Fehlberg, Dr. Karl-Heinz Bauer, Hugo Weimann

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den

Griff bekommen“, hat der Historiker Golo Mann gesagt. In der Tat:

Was wir sind und wohin wir gehen, wird entscheidend bestimmt

durch das, woher wir kommen.

Die Knappschaft als Träger des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Mit dieser Tradition

verbindet sich zugleich auch Innovation. Die verfassten Knappschaften

waren Vorbild für die Bismarck’sche Sozialgesetzgebung und seit

jeher sind Krankenhäuser Bestandteil des sozialen Sicherungssystems

der Knappschaft. Welche Wertschätzung Knappschaftskrankenhäuser

aus der Bevölkerung erfahren, zeigt auch die Geschichte des Knappschaftskrankenhauses

Dortmund. Bereits 1908 bat das Amt Brackel die

Knappschaft, zu einem weiteren Krankenhaus in Dortmund beizutragen.

Die Knappschaft mietete von 1912 bis 1914 ein Krankenhaus in

Dortmund-Derne an, das sich aber als nicht zweckmäßig erwies und

später von der Stadt Dortmund übernommen und geschlossen wurde.

1958 trug das Knappschaftskrankenhaus wesentlich zur Linderung der

Bettennot in Dortmund bei. Als Arbeitgeber mit rund 900 Arbeitsplätzen

ist das Knappschaftskrankenhaus Dortmund heute ein gewichtiger

Wirtschaftsfaktor in der Region.

Auf die Frage warum das Knappschaftskrankenhaus Dortmund solch

einen hohen Sympathiewert in der Region erreicht, gibt es eine einfache

Antwort: Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund steht in der

Tradition der Knappschaft. Es ist innovativ und modern. Im medizi-

Ursula Fehlberg

Pflegedirektorin

Privatdozent Dr. Karl-Heinz Bauer

Chefarzt und Ärztlicher Direktor

nischen Bereich hat sich das Haus den gesellschaftlichen und medizinischen

Erfordernissen gestellt. Die Zahl der Kliniken entwickelte

sich von anfänglich sechs auf heute elf, die allesamt mit modernsten

Geräten ausgestattet und mit ausgesuchten Ärzten besetzt sind. Aufgrund

dieser Qualifikation wurde das Knappschaftskrankenhaus in den

Stand eines Akademischen Lehrkrankenhauses der Ruhr-Universität

Bochum gehoben. Die Pflege unterstützt die Heilung der Patienten in

Teamarbeit. Geschickt sorgt eine moderne Verwaltung für den wirtschaftlichen

Erfolg des Hauses. Die gemeinsame Zusammenarbeit aller

Kliniken und Bereiche macht den Erfolg des Knappschaftskrankenhauses

für Patienten und Träger aus. Dafür dankt die Betriebsleitung

allen Beteiligten.

Hugo Weimann

Krankenhausverwaltungsdirektor


1958–2008

Wer seine Wurzeln nicht pflegt,

kann nicht wachsen

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Wer seine Wurzeln nicht pflegt, kann nicht wachsen

Kleine Geschichte der Knappschaft

D

as Knappschaftskrankenhaus Dortmund feiert im

Jahre 2008 sein 50jähriges Bestehen. Fast liebevoll

wird das moderne Knappschaftskrankenhaus in Dortmund

immer noch „Knappi“ genannt. Vielleicht weist „Knappi“

auf den Träger des Hauses, die Knappschaft, die 2004 zur

Deutschen Rentenversicherung – Knappschaft Bahn See

Träger fusionierte, hin. „Knappi“ als Name reicht jedoch auch

fast 500 Jahre zurück, denn 1496 gründeten Bergleute aus

Silberbergwerken im Erzgebirge die Stadt Annaberg und zwei

Jahre später eine „Knappschaft“. Die Annaberger Knappschaft

errichtete 1521 in der neuen Stadtkirche, der St. Annenkirche

im heutigen Annaberg-Buchholz, einen Altar, auf dessen

Rückseite bergmännisches Leben dargestellt ist und in dessen

Mitte sich der Schriftzug „Knappi“ befindet. Bis heute stehen

Bergbau- und Knappschaftsgeschichte in einem engen Zusammenhang,

der zunächst kurz vorgestellt werden soll1 .

Bis ins 13. Jahrhundert hinein ist der handwerksmäßig betriebene

Kleinbetrieb zur Gewinnung von Salzen, Erzen und auch

Kohle typisch2 . In der Zeit des frühen Feudalismus entstehen

aus der Schicksalsgemeinschaft der Arbeitenden so genannte

„Bruderschaften“, zum Beispiel der Weber, Schmiede, aber

auch der Bergleute3 . Zunächst waren es regionale kameradschaftliche

Vereinigungen. Die früheste Urkunde über eine

Bergbaubruderschaft ist die Goslarer Urkunde von 1260. Sie

enthält einen Hinweis auf eine Fürsorge für bedürftige Bergleute

und Hinterbliebene. Die Urkunde gilt als der Hinweis

auf die Entstehung des Knappschaftswesens.

Die Bruderschaften, Altarbruderschaften, Büchsenkassen

oder Bruderläden der Bergleute, die sich vor der Reformation

lose bildeten und oft die Bezeichnung „dy knabschafft4 “

führten5 , waren primär berufsständische und religiöse

Zusammenschlüsse; erst in zweiter Linie Unterstützungseinrichtungen

für verletzte und kranke Mitglieder sowie

1: Ausschnitt aus dem Altarbild von 1521

in der St. Annenkirche in Annaberg.

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Kleine Geschichte der Knappschaft

2: Die Annaberger Knappschaft errichtete 1521 in der

neuen Stadtkirche einen Altar. Während die Vorderseite

biblische Szenen zeigt, hat die Knappschaft

durch den Künstler Hans Hesse auf der Rückseite

selbstbewusst eine profane bergmännische Arbeit

darstellen lassen. Abgebildet sind wesentliche Aspekte

der Silbergewinnung, von der Erschließung eines

neuen Bergwerkes, bergbaulichen Anlagen und in den

Berg einfahrenden Bergleuten über Silberwäscher und

Schmelzer bis zur Münzprägung. Am Fuß des Baumes,

der Himmel und Erde verbindet, ist ein Bergmann

tätig. Zwischen ihm und der Schaufel findet sich der

Schriftzug „Knappi“.

3: Schematischer Grundriss und Rekonstruktion der

Kirche St. Johannis im Goslarer Bergdorf (um 1200) mit

vorgebautem und farblich hervorgehobenem Hospital

für Bergleute 8 .

4: Die Goslarer Urkunde von 1260 bestätigte erstmals

schriftlich das Bestehen einer Bruderschaft 7 .

2

deren Hinterbliebene. Die Hilfen für Bedürftige

in der bergmännischen Bevölkerung erfolgten

aus Beiträgen der Bergleute, Überschüssen von

Stiftungsvermögen, die grundsätzlich dem

Seelenheil und kirchlichen Zwecken dienten6 ,

sowie von „Gewerken“ und „Regalherren“, wie

die Bergbauunternehmer hießen.

Wesentlicher Grund für die Verbreitung des

Knappschaftswesens waren die Wanderungen

der Bergleute, die den ergiebigsten Lagerstätten

der Bodenschätze folgten. Die ältesten

deutschen Bergbaugebiete befanden sich in

der Gegend von Sieg und Lahn, von wo aus im

10. Jahrhundert die Bergleute in den Harz und

in das sächsische Erzgebirge zogen. Im 15. Jahrhundert

entstanden nahe der heutigen deutschen

Grenze zur Tschechei Erz-Abbaugebiete,

beispielsweise in Rammelsberg, Schneeberg und

Annaberg. Unter Historikern wurde diskutiert,

ob es bereits in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts

schon ein Hospital für Bergleute an

der Sankt Johanniskirche im Goslarer Bergdorf

gab9 . Auch in Tirol, im Schwarzer Bergbuch

von 1556, finden sich in Form einer kolorierten

Zeichnung Hinweise auf ein Bruderhaus der

Knappschaft. Das Bruderhaus hat bereits den

mittelalterlichen Hospitalgedanken, alten und

kranken Menschen ausreichende körperliche

und geistige Versorgung bis zu ihrem Tod zu

sichern, überwunden und sich zum Ziel gesetzt,

kranke und verunglückte Bergleute zu heilen10 .

Aber auch in anderen Berufen gibt es Unterstützung

im Krankheitsfall. Ab 1402 unterhält beispielsweise

die Bruderschaft der Weberknechte

in Ulm zwei eigene Betten für arme Gesellen im

Hospital11 .

Arbeiteten die Knappen anfänglich freiwillig in

genossenschaftlicher Form zusammen, so dass

jeder einen Anteil am Bergwerk besaß, begann

im 13. Jahrhundert die Umwandlung in unternehmerische

Bergwerksbetriebe mit wohlhabenden

Eigentümern, die die Bergleute in Lohnarbeit

beschäftigten und damit Gewinnerwartungen

verbanden. Hierzu wurden die Bergleute mit ihrem

Wissen und ihrer Arbeitskraft regelrecht umworben.

Bergleute sollten ungestört im Interesse

der Bergwerkbesitzer arbeiten14 und genossen

daher auch im Gegensatz zum größten Teil der

Landbevölkerung, der in feudaler Abhängigkeit

lebte, im Allgemeinen Privilegien, mussten keinen

Waffendienst leisten, besaßen das Recht

auf freie Niederlassung, Steuervorteile und nicht

zuletzt das Recht einer eigenen Berufstracht, die

sie mit Stolz trugen.

Die ersten bekannten mittelalterlichen Bergordnungen

(Freiberg 1307, Meißen 1328, Schneeberg

1358) regeln zunächst lediglich die Art der

Abrechnung und den Lohn. Die Unterstützung

bei Krankheit und Invalidität findet erst später

Berücksichtigung in den Bergordnungen15 .

Aber im Gegensatz zu anderen Berufen geriet

die Knappschaft bald unter den Einfluss von

Landesherren, die das Knappschaftswesen

reglementierten und die Knappschaft unter die

Verwaltung der Bergämter stellten. Die Bergordnungen

des 16. Jahrhunderts sahen bereits

detaillierte Vorschriften über die Verfassungen

der Knappschaft und die Mittelaufbringung vor.

Untrennbar mit dem Bergbau und der Knappschaft

verbunden sind die bergmännischen

Traditionen. Die Bergparade ist heute noch das


ekannteste Beispiel. Seit dem 16. Jahrhundert

führten die Berg- und Hüttenleute nachweislich

in ihrer Berufs- und Paradekleidung eigenständige

Paraden durch, die die Landesherren zunehmend

zur Umrahmung fürstlicher Feste

nutzten. Der „freie“ Bergmann wurde zur

Repräsentation verpflichtet. Aber sämtliche

zur Parade nötigen Gegenstände mussten von

jedem Bergmann selbst angeschafft werden,

was die schmale Kasse der Bergmannsfamilien

zusätzlich belastete.

Vor dem Hintergrund des Niedergangs des Erzbergbaus

begann sich unter den Bergleuten die

erzgebirgische Tradition des Schnitzens und

Klöppelns herauszubilden. Vor allem Frauen und

invalide Bergleute konnten auf diesem Wege etwas

zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Die Kohleförderung begann im Ruhrgebiet erst

um 1590, als ihre Vorzüge für das Schmiedefeuer

offenbar wurde18 . Durch das von Friedrich dem

Großen für Bergleute geschaffenen Generalprivilegium

im Herzogtum Cleve, Fürstentum Moers

und Grafschaft Marck von 1767 nahm der Bergbau

in Preußen einen beachtlichen Aufschwung.

Für die Ordnung des Knappschaftswesens

machte sich Freiherr vom Stein (1757–1831), der

1784 Direktor des Märkischen Bergamtes wurde,

verdient. Mit der französischen Besatzung nach

1806 gingen die Privilegien wieder verloren.

Inzwischen hatte sich ein Wandel von der

Schicksalsgemeinschaft der Bergleute zur

späteren Organisationsform der Knappschaft

vollzogen.

Die Bergleute in den Städten an der Ruhr wurden

1840 in Sprengel aufgeteilt, in denen jeweils ein

von der Knappschaft bezahlter Arzt seine Praxis

hatte. Trotz der Kritik der Gewerkschaften, die

eine freie Arztwahl für Bergleute forderten, wurde

das System erweitert19 . Zuvor gab es schon in

der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts neben

den nicht akademisch ausgebildeten, sogenannten

Bergchirurgen, Bergärzte; einer der ersten

war Carl Arnhold Kortum (1746–1824). Die zuvor

tätigen Bergchirurgen durften bis dahin eigenverantwortlich

kleinere Verletzungen behandeln,

in schwierigeren Fällen mussten sie den Bergarzt

konsultieren. Erst im Jahre 1852 wurde die

Aufgabentrennung zwischen Bergchirurg und

Bergarzt aufgehoben. Die ärztliche Versorgung

oblag ab diesem Zeitpunkt nur noch den akademisch

ausgebildeten Knappschaftsärzten. 1890

praktizierten 138 Knappschaftsärzte und einige

Spezialärzte im Ruhrgebiet, 1906 bereits 376 und

6 Jahre später 46120 .

Das preußische Knappschaftsgesetz von

1854 brachte im Zuge der Liberalisierung des

preußischen Bergbaus und des Rückzuges des

Staates aus der dirigistischen Lenkung den Vereinen

die Selbstverwaltung, wobei der Knappschaftsvorstand

je zur Hälfte von Arbeitgebern

und Arbeitnehmern besetzt war. Später änderte

sich die Zusammensetzung des Vorstandes, den

Arbeitnehmern standen 3/5 und den Arbeitgebern

2/5 der Stimmen zu.

Die Einrichtung von Knappschaftsvereinen und

die Mitgliedschaft der Bergleute war obligatorisch.

Die Leistungen beruhten auf unterschiedlichen

Versicherungsbeiträgen und waren

für die Vereinsmitglieder nach den damaligen

Kleine Geschichte der Knappschaft

Maßstäben sehr ausgeprägt. Die Versicherungsleistungen,

auf die ein Rechtsanspruch bestand,

umfassten Kuren, Arznei- und Heilmittel,

Krankengeld in Höhe des halben Normallohns,

lebenslange Invalidenunterstützung, Sterbegeld

sowie Versorgung der Witwen und Kinder

verstorbener Bergleute.

Das Allgemeine Berggesetz für die preußischen

Provinzen von 186522 , welches die Bestimmungen

von 185423 fast vollständig übernahm,

bildete den vorläufigen Abschluss der Gesetzgebung

und galt für ganz Deutschland als

vorbildlich24 . Dabei wurde es den Hüttenarbeitern

freigestellt, aus den Knappschaftsvereinen

auszuscheiden. Aber noch 1904 waren in Preußen

die Belegschaften von 167 Hüttenwerken

knappschaftlich versichert25 .

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Kleine Geschichte der Knappschaft

5: Ein Blick in das Bruderhaus der Knappschaft,

welches 1556 im Schwarzer Bergbuch aus Tirol erwähnt

wird, zeigt das Innere des Krankensaales mit hin- und

herbeieilendem Pflegepersonal, links daneben die

Küche und im Vordergrund einen Mann mit einer

typischen Bergmannsmütze, der mit Gehhilfen laufen

lernt 12 .

6: Grubenrechnung mit Büchsenabgaben von 1487.

Der wöchentlich entrichtete „Büchsenpfennig“ diente

anfangs der Bezahlung des Priesters, bevor er allmählich

zur finanziellen Unterstützung der im Bergbau

Verunglückten und Kranken genutzt wurde. Am Ende

des 15. Jahrhunderts hatte sich endgültig der Wandel

des Büchsenpfennigs von der kirchlichen zur sozialen

Nutzung vollzogen 14 .

7: Zubußbote, Holz, geschnitzt, Ende 16. Jahrhundert 16 .

Zubuß ist der Zuschuss zu den Betriebskosten eines

Bergwerkes, solange es keine Ausbeute abwirft. Der

Betrag musste von den Teilhabern am Bergwerk anteilig

aufgebracht und vom Zubußboten quartalsweise

eingeholt werden.

8: Bergparade Elfenbein/Holz, o.J. 17

9: Das Dienstgebäude des Märkischen Knappschaftsvereins,

ab 1890 Allgemeiner Knappschaftsverein, war

Hauptverwaltung des Allgemeinen Knappschaftsvereines

in Bochum bis 1910. Der Verein versicherte seit

1890 alle Bergarbeiter des Ruhrgebiets. Er war gleichzeitig

Sonderanstalt der Invalidenversicherung und

später Ersatzkasse für die Angestelltenversicherung 21 .

10: Die neue Verwaltungszentrale des Allgemeinen

Knappschaftsvereins in Bochum (1910), ab 1924 Ruhrknappschaft

26 (Bild. Lauf, 2000, S. 20).

5 6

Durch die Einrichtung des „Allgemeinen Deut-

schen Knappschaftsverbandes“ im Jahre 1882

wurde die Selbständigkeit der Knappschaftsvereine

bei der anschließenden Einführung der

reichsgesetzlichen Krankenversicherung im

Jahre 1883, der Unfallversicherung im Jahre 1884

und der Invaliditäts- und Altersversicherung

im Jahre 1889 bewahrt. Die Organisation und

Leistungen des Allgemeinen Knappschaftsverbandes

können ohne Vorbehalt und mit Recht

als Vorbild für das Bismarcksche Gesetzeswerk

angesehen werden.

Der Allgemeine Knappschaftsverein zu Bochum,

zugleich Vorgänger der Ruhrknappschaft, entstand

aus der Verschmelzung des Märkischen,

des Werdenschen und des Mülheimer Knappschaftsvereins.

Wiederholt hatte die damalige

Aufsichtsbehörde, das Oberbergamt Dortmund,

eine Fusion der drei Vereine angeregt, was aber

am Widerstand der Knappschaftsältesten und

einiger Bergbauunternehmer gescheitert27 war.

Schließlich nahm der Allgemeine Knappschaftsverein

dann aber ab Juli 1890 seine Aufgaben

in Bochum wahr. 1908 ging ein Schreiben beim

Knappschaftsverein ein, in dem der Verband

der Dortmunder Gemeinden Brackel, Asseln

und Wickede sich nach einem Baudarlehen für

ein Krankenhaus erkundigte28 . Indes stieg die

Mitgliederzahl des neuen Knappschaftsvereins

von 135.000 im Jahr 1890 auf 350.000 im Jahre

1910. Im gleichen Zeitraum nahm das Vermögen

von weniger als 1 Million Mark auf 160 Millionen

Mark zu29 .

Nach dem ersten Weltkrieg wurde 1923 durch

die Weimarer Verfassung der Weg frei für eine

reichsgesetzliche Regelung und einem für das

gesamte Reichsgebiet zuständigen Reichsknappschaftsverein.

Aus dem Allgemeinen

Knappschaftsverein zu Bochum entstand von da

an die Ruhrknappschaft Bochum als die größte

von 8 Knappschaften. Die Ruhrknappschaft

setzte die Arbeit des Allgemeinen Knappschaftsvereins

bis zum Jahre 1933 fort.

1933 wurden die Selbstverwaltungsorgane der

Knappschaften abgeschafft; an die Spitze des

Reichsknappschaftsvereins trat ein Reichskommissar.

Mit der Verabschiedung des Vierjahresplans

im Jahre 1936 wurde die Aufrüstung

forciert. Hinter diesen Anspruch hatte die Sozialversicherung

zurückzutreten, und das für ihre

Zwecke angesammelte Vermögen diente zunehmend

der Rüstungs- und Kriegsfinanzierung.

Die Verordnung vom 14. April 193831 forderte, die

Hälfte der Rücklagen in Reichsanleihen anzulegen.

Bei der Reichsknappschaft stieg der Anteil

der Wertpapiere am Gesamtvermögen schnell

über die vorgeschriebene Grenze an, weil ein

großer Teil der Reichsmittel für die knapp-


schaftliche Pensionsversicherung direkt mit

Schuldverschreibungen des Reiches beglichen

wurde. Am Vorabend des 2. Weltkrieges betrug

die Quote der Schuldverschreibungen mit rund

390 Millionen Reichsmark bereits drei Viertel

des Gesamtvermögens32 . Auch zur Lösung des

Arbeitskräftemangels musste die Reichsknappschaft

beitragen. Das Rentenalter wurde de

facto heraufgesetzt und das Arbeitstempo forciert33

. Indes bewirkte die Arbeitskräfteknappheit

und die fehlenden finanziellen Mittel für

ein Auffangen der Belastungen hoher Arbeitsbeanspruchungen,

dass die Produktivität im

Bergbau sank. Trotz der sinkenden Produktivität

stieg die westdeutsche Steinkohleförderung

1942/43 auf den Spitzenwert von rund 190 Millionen

Jahrestonnen; erst ab Mitte 1944 kam es

zu kriegsbedingten Produktionseinbrüchen. Ursächlich

für diese Förderleistung war, neben der

rücksichtslosen Ausbeutung der Fremdarbeiter

und Kriegsgefangenen – der enorme Arbeitseinsatz

der Bergleute. Aber selbst der Präsident der

Reichsknappschaft Reinhard Jakob, ein früher

Aktivist der NSDAP, gab zur Kenntnis: „Alle noch

im Dienst der Reichsknappschaft stehenden

alten Knappschaftsärzte, die mein besonderes

Vertrauen besitzen, melden übereinstimmend,

dass der Gesundheitszustand der Bergmänner

während ihrer 30–40jährigen ärztlichen Tätigkeit

… noch nie so heruntergewirtschaftet war

wie zum jetzigen Zeitpunkt“ 34 .

Dem zweiten Weltkrieg fielen viele Gebäude

der Knappschaft, auch Krankenhäuser, durch

Luftangriffe zum Opfer, sie wurden schwer

beschädigt oder zerstört.

Entsprechend der Entwicklung der politischen

Geographie kam es nach dem Zweiten Weltkrieg

zu unterschiedlichen Entwicklungen.

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Kleine Geschichte der Knappschaft

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Kleine Geschichte der Knappschaft

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Die Aufgaben der Sozialversicherung in der

ehemaligen DDR wurden durch den Freien Deutschen

Gewerkschaftsbund (FDGB) wahrgenommen.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands

übernahm die Bundesknappschaft am 1. Januar

1991 als Sozialversicherungsträger auch in den

neuen Bundesländern die knappschaftlichen

Renten und die Krankenversicherung.

In der Bundesrepublik wurde an die langen

Traditionen deutscher Knappschaftsgeschichte

angeknüpft. Die Bezirksknappschaften Westdeutschlands

schlossen sich 1949 zu einer

„Arbeitsgemeinschaft der Knappschaften der

Bundesrepublik Deutschland“ in Bochum zusammen.

Die seit eh und je traditionell bestehende

Rechtsform der Selbstverwaltung – die

nur in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur

abgeschafft wurde – bildete wieder die

Grundlage der Knappschaftlichen Kranken- und

Renten-Versicherung in Westdeutschland. Am

1. August 1969 wurde die Bundesknappschaft in

Bochum gegründet, die die Bezirksknappschaften

Hannoversche Knappschaft, Niederrheinische

Knappschaft Moers, Brühler Knappschaft

Köln, Aachener Knappschaft, Hessische Knappschaft,

Saarknappschaft und Süddeutsche

Knappschaft München, von der bis dahin bestehenden

Arbeitsgemeinschaft der Knappschaften

der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahre

1949 übernahm.

Die Bundesknappschaft unterhielt 10 Jahre nach

ihrer Errichtung noch dreizehn Krankenhäuser

mit 4535 Betten, sieben Kurkliniken und Sanatorien

mit 958 Betten und drei Vorsorgeeinrichtungen

mit 261 Betten sowie eine Vielzahl von

Verwaltungs-Geschäftsstellen, in denen auch

die Sozialmedizinischen Dienste untergebracht

waren.

Im medizinischen Netz der Knappschaft, die

im Jahre 2005 zur Deutschen Rentenversicherung

– Knappschaft Bahn See fusionierte,

sind niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, ein

sozialmedizinischer Dienst, Kureinrichtungen

und die Krankenhäuser vereint. 2008 unterhielt

die Knappschaft sechs Krankenhäuser als

Eigenbetriebe der knappschaftlichen Krankenversicherung.

Außerdem ist die Knappschaft an

13 Krankenhäusern in fünf Beteiligungsgesellschaften

beteiligt.

Aus der Versorgung für Bergleute gewachsen,

hat sich die Knappschaft zu einem modernen

Dienstleistungsunternehmen im Gesundheitswesen

für die gesamte Bevölkerung entwickelt.

Dies zeigt sich an dem fachübergreifenden

Teamgedanken, der das bedarfsgerechte Handeln

zum Wohle der Patientinnen und Patienten

prägt, wie an der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung

auf der Grundlage gesicherter

wissenschaftlicher Erkenntnisse und durch den

Einsatz modernster, sicherer Medizintechnik.

11: In Schutt und Asche. Das Gebäude der Ruhrknappschaft

im November 1944. Trotzdem wurden die

Versicherten mit dem Notwendigsten versorgt. 30

12: Bergmann bei der Arbeit um 1930.

13: Die Wiederherstellung des Hauptgebäudes der

Ruhrknappschaft, das seit 1969 Sitz der Bundesknappschaft

ist, erfolgte 1952. Die Planung und Bauausführung

wurde von der Bauabteilung der Ruhrknappschaft

unter der Leitung von Hans Landgrebe, dem Architekten

des Knappschaftskrankenhauses Dortmund,

vorgenommen 35 .


1958–2008

Aus der Versorgung für Bergleute entstanden

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Aus der Versorgung für Bergleute entstanden

Die Entwicklung der Knappschaftskrankenhäuser

im Ruhrgebiet

D

er Vorstand des 1890 gegründeten

Allgemeinen Knappschaftsvereins hatte

schon weit vor der Jahrhundertwende erkannt,

dass es notwendig war, eigene Knappschaftskrankenhäuser

zu betreiben. Bis dahin wurde

der Versorgungsbedarf der Mitglieder im

stationären Bereich durch Verträge mit bestehenden

Krankenhäusern sichergestellt. Jedoch

aufgrund der raschen Bevölkerungszunahme im

Ruhrgebiet durch die Industrialisierung fehlten

Krankenhäuser37 . Zudem entsprachen die Krankenhäuser

oft nicht den hygienischen, krankenpflegerischen

und medizintechnologischen

Anforderungen38 , weil die Krankenhausträger

nicht über die erforderlichen Mittel verfügten.

Diese Versorgungsdefizite wirkten sich negativ

auf die Gesundheit der Menschen aus und

erhöhten gleichzeitig die Gesundheitsaufwendungen,

was sich an der Ausgabensteigerung

für Krankengeldzahlungen39 ebenso zeigte wie

an der langen Verweildauer der Bergleute in

den Vertragskrankenhäusern des Ruhrgebiets

im Vergleich zu Knappschaftskrankenhäusern

anderer Knappschaften40 . Den Anstoß zu dem

Beschluss des Knappschaftsvereins von 1897,

mit eigenen Heilstätten und Krankenhäusern

das Krankenhausvertragssystem zu ergänzen,

gab schließlich der General-Bericht des Knappschafts-Oberarztes

Dr. August Tenholt, der die

Defizite in Therapie und Prävention aufzeigte

und spezifische Erkrankungen durch die Tätigkeit

im Bergbau benannte41 . Bereits der Plan zur

Errichtung zweier vereinseigener Krankenhäuser

zur Verbesserung der Bergarbeiterversorgung

war auf der Weltausstellung 1904 im amerikanischen

St. Louis mit einer goldenen Medaille

und einem Diplom belohnt worden. Als die Auszeichnungen

zwei Jahre später am 10. August

1906 in der Bochumer Knappschaftszentrale

eintrafen42 war das Knappschaftskrankenhaus in

Gelsenkirchen-Ückendorf bereits in Betrieb. Das

Knappschaftskrankenhaus in Recklinghausen

nahm 1906 seinen Betrieb auf. 1912 wurde darüber

hinaus das bisherige Gemeindekrankenhaus

in Dortmund-Altenderne pachtweise übernommen

(sog. KK III). Allerdings wurde das Pachtverhältnis

für das kleine Haus zum 31.12.1914 wieder

gekündigt43 .

Nachdem das Rechnungsergebnis des Jahres

1912 eine deutliche Minderung der Krankengeldquote

aufgrund der Knappschaftskrankenhäuser

auswies, beschloss der Vorstand des

14

Knappschaftsvereins am 10. Oktober 191347 in

den folgenden 10 Jahren noch 10 Knappschaftskrankenhäuser

mit je 300 Betten und einem

Kostenaufwand von insges. 15 Millionen Mark47 zu bauen. Eines von diesen Häusern sollte in

Dortmund errichtet werden. Das dazu benötigte

Grundstück mit einer Größe von rund 25

Morgen (63.750 qm) wurde nach der Beschlussfassung

des Vorstandes und Genehmigung des

Königlichen Oberbergamtes in Dortmund am

26. Juli 1914 in Dortmund am Nussbaumweg zu

einem Kaufpreis von 200.000 Mark erworben48 .

14: Medizinalrat Dr. Tenholt, Oberarzt des Bochumer

Allgemeinen Knappschaftsvereins, forderte 1897 nachdrücklich

die Errichtung knappschaftlicher Krankenhäuser.

Dabei ging es ihm zunächst um die Schaffung

spezieller Einrichtungen für „Geisteskranke“. Dr. Tenholt

leitete später die vereinseigene Lungenheilstätte in

Beringhausen 36 .

19


Die Entwicklung der Knappschaftskrankenhäuser im Ruhrgebiet

15: 1909 wurde das evangelische Gemeindekrankenhaus

in Dortmund-Derne erbaut. Von 1912 bis Ende

1914 pachtete die Knappschaft das Krankenhaus. 1926

eröffnete der Landkreis Dortmund in dem Haus an der

Oberbecker Straße in Dortmund-Derne eine Kinderklinik,

die wegen des Geburtenrückgangs 1983 aufgegeben

wurde. Das Bild zeigt das Gebäude um 1914. 45

16: Das Knappschaftskrankenhaus Gelsenkirchen-

Ückendorf (KK1) wurde 1905 mit 220 Betten eröffnet. 44

17: Das 1906 eröffnete Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen

(KK2) war ursprünglich nur für männliche

Kranke bestimmt und besaß 244 Betten 50 .

18: 1918 übernahm der Allgemeine Knappschaftsverein

das kommunale Krankenhaus von der Gemeinde in

Langendreer mit 150 Betten 53 .

15

Für den Bezirk Bochum-Langendreer/Dortmund-

Lütgendortmund sah die Planung einen Neubau

im Jahre 1923 vor49 , aber bereits fünf Jahre eher

wurde 1918 ein Krankenhaus von der Gemeinde

Langendreer erworben.

Der Allgemeine Knappschaftsverein hatte

unter Magistratsbaurat a. D. Max Uhlig und

16

17

18

dem damaligen noch jungen Architekten Hans

Landgrebe Anfang der 20er Jahre eine eigene

Bauabteilung eingerichtet, um damit die direkte

Einflussnahme auf die Gestaltung der Krankenhäuser

und der sonstigen noch zu erstellenden

Bauten zu ermöglichen. Vielleicht ging

es zusätzlich auch darum, Kosten zu sparen.

Ähnliche Gründe mag es auch dafür gegeben

haben, in Hagen eine für damalige Verhältnisse

hochmoderne Ziegelei, mit maschineller Formund

Trocken-Einrichtung zu erwerben51 , um

Ziegelsteine für den eigenen Bedarf zu produzieren,

denn Krankenhäuser wurden bis zum

Ende des zweiten Weltkrieges ausschließlich als

Mauerwerksbauten errichtet. Um schließlich

auch die Verpflegungskosten im Knappschaftskrankenhaus

Recklinghausen zu senken, wurde

1918 ein Gutshof in Speckborn erworben52 und

bewirtschaftet.

Zwischen 1914 und 1923 ruhte der Krankenhausbau

der Knappschaft. Maßgeblich hierfür war

der Erste Weltkrieg, der die Zahl der Pensionsempfänger

um fast 80 % erhöhte54 . Gleichzeitig

brachen durch die einsetzende Rationalisierungswelle

im Bergbau Beitragseinnahmen weg

und Anfang 1923 besetzten französische und

belgische Truppen wegen säumiger Lieferung

von Reparationskohle das Ruhrgebiet, was zu

einen passiven Widerstand des Bergbaus und

damit zu weiteren Beitragsausfällen führten.

Im April 1923 begann der Wert der Mark ins

Bodenlose zu sinken und die Hyperinflation

beschleunigte sich.

Hinzu kam ein Streit zwischen dem Allgemeinen

Knappschaftsverein und dem Gewerkverein


christlicher Bergarbeiter und dem Zweckverband

der Krankenhäuser im Ruhrgebiet.

Hintergrund des Konfliktes mit dem christlichen

Gewerkverein war, dass er 1910 nicht mehr in den

Vorstand des Allgemeinen Knappschaftsvereins

gewählt wurde. Der große Konkurrent um die

Stimmen der Bergleute, der Verband der Bergarbeiter

Deutschlands (sog. Alter Verband), hatte

ihn verdrängt, so dass der christliche Gewerkverein

nun den Krankenhausbau als Mittel benutzte,

sich Gehör zu verschaffen55 . Unterstützung fand

die Christliche Gewerkschaft beim Zweckverband

der Krankenhäuser als Interessenvertreter der

konfessionellen Einrichtungen. Schließlich lehnte

auch Heinrich Brauns, der von 1920 bis 1928

Reichsarbeitsminister und Ehrenratsmitglied des

christlichen Gewerksvereins war, den Bau neuer

Knappschaftskrankenhäuser ab.

Während die Knappschaftsältesten des christlichen

Gewerkvereins 1901 am Beschluss zum

Bau der Knappschaftskrankenhäuser Gelsenkirchen-Ückendorf

und Recklinghausen beteiligt

waren und keinen Protest dagegen erhoben,

Die Entwicklung der Knappschaftskrankenhäuser im Ruhrgebiet

wandte man sich in der Zeitschrift des Gewerksvereins

christlicher Bergarbeiter, „Der Bergknappe“,

am 27. Dezember 191456 massiv gegen den

Bau von Knappschaftskrankenhäusern. Man

begründet dies u. a. damit, dass

Knappschaftskrankenhäuser angeblich

unwirtschaftlicher arbeiten würden als

Vertragshäuser,

die Knappschaft durch eigene Häuser die

Bergleute in ein möglichst großes Abhängigkeitsverhältnis

bringen wolle,

neue Knappschaftskrankenhäuser die Existenz

bestehender Anstalten gefährdeten, weil die

Knappschaftskrankenhäuser Zuschussbetriebe

seien und dazu dienten, die Pflegesätze

unter Druck zu setzen und schließlich, dass in

Knappschaftskrankenhäusern

nicht den religiösen Gefühlen der Patienten

entsprochen werde.

19

Erstmals in ihrer Zeitung „Der Kompass“ 58

wehrte sich die Knappschaft gegen die Polemik.

Dem Vorwurf der Unwirtschaftlichkeit hielt der

Knappschaftsverein entgegen, dass der größte

Teil der Vertragshäuser die durchschnittliche

Pflegedauer in den Knappschaftskrankenhäusern

weit überschreite und deshalb höhere

Aufwendungen verursache. Die Kritik, Bergleute

in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen, wies

die Knappschaft mit dem Hinweis darauf zurück,

dass auf die Wünsche der Kranken bei der

Krankenhauswahl Rücksicht genommen werde

und auch eine entsprechende Anweisung an die

19: In einer Stellungnahme, die in der Zeitschrift „Der

Kompass“, 29. Jg., 1914, S. 45 ff, erscheint, wehrt sich der

Allgemeine Knappschaftsverein gegen die Kampagne

des Christlichen Gewerkvereins, der den Bau von Knappschaftskrankenhäusern

bekämpft und blockiert. 58

20: Krankenzimmer im Knappschaftskrankenhaus

Recklinghausen 1914. Die durchschnittliche Verweildauer

in den Häusern der Knappschaft lag bei 22,8

Tagen für Erkrankte und 29,5 Tage für Verletzte. Der

größte Teil der Vertragshäuser wies höhere Verweildauern

aus 58 .

20

21


Die Entwicklung der Knappschaftskrankenhäuser im Ruhrgebiet

21: Mit dem Knappschaftskrankenhaus Essen-Steele

nahm die Ruhrknappschaft 1924 den Bau von Knappschaftskrankenhäusern

wieder auf 59 . Die Planung

und Bauausführung erfolgte durch die Bauabt. der

Ruhrknappschaft unter der Leitung von Baurat Uhlig

und Architekten Landgrebe.

22: Haupteingang des Knappschaftskrankenhauses

Bottrop im Jahre 1931. Die Planung und Bauausführung

erfolgte durch die Bauabt. der Ruhrknappschaft unter

der Leitung von Architekten Landgrebe. 61

21

22

Knappschaftsärzte ergangen sei. Der Vorhaltung

der Existenzgefährdung anderer Krankenhäuser

begegnete die Knappschaft mit der Feststellung

der begrenzten Aufnahmefähigkeit anderer

Häuser aufgrund der hohen Bevölkerungszunahme

im Ruhrgebiet. Außerdem erhielten die

Vertragshäuser eine höhere Vergütung von der

Knappschaft als von den Krankenkassen gefordert.

Weiterhin wies der Verein darauf hin, dass

die Seelsorge der Patienten dadurch gesichert

sei, dass Geistliche beider Konfessionen Zutritt

zu den Krankenhäusern hätten und regelmäßige

Gottesdienste abgehalten würden.

Die Widerstände der Interessenvertreter führten

vorerst zu der Entscheidung des Reichsarbeitsministers,

der Ruhrknappschaft außer den in

der Planung befindlichen Knappschaftskrankenhäusern

den Bau weiterer Krankenhäuser zu

untersagen.

Zur Entkräftung des Widerstandes richtete der

Knappschaftsverein in seinen Krankenhäusern

medizinische Schwerpunkte ein, für die es

keinen unmittelbaren Vergleich zu den allgemeinen

Krankenhäusern gab.

Die Ruhrknappschaft griff ab 1923 die Bestrebungen

des Allgemeinen Knappschaftsvereins,

eigene Knappschaftskrankenhäuser vorzuhalten,

auf. Für den Bau weiterer Krankenhäuser

wurden innerhalb des Ruhrgebietes die Standorte

nahe der Schachtanlagen ausgesucht und

dafür geeignete Grundstücke erworben. So

entstanden unter Planung der eigenen Bauabteilung

die weiteren Krankenhäuser:

1924 wurde mit dem Bau des Knappschaftskrankenhauses

(KK 4) in Essen-Steele begonnen.

Steele wurde gegen viele Widerstände

durchgesetzt und 1927 mit den Schwerpunkten

Innere Medizin und besonders zur Vorbereitung

Lungen-kranker auf ein Heilverfahren eröffnet.

Als Nächstes wurden die Baupläne für Bottrop

und Herne in Angriff genommen. Reichsarbeitsminister

Brauns reagierte sofort und unterstrich,

dass die Ruhrknappschaft diese Krankenhäuser

„nicht nur nicht errichten, sondern die

Errichtung nicht einmal vorbereiten dürfe“ 60 .

Der Bochumer Knappschaftsvorstand wies die

Einlassung des Reichsarbeitsministeriums als

Eingriff in die Selbstverwaltung zurück und

wandte sich wieder den Bauprojekten zu. Da in

Herne mittlerweile das Marienhospital gebaut

worden war, konzentrierte man sich auf die

Standorte Hamm und Bottrop.

Von 1928 bis 1930 entstand das Knappschaftskrankenhaus

KK 5 in Hamm mit den Schwerpunkten

rheumatische sowie Herz- und Kreislauf-Erkrankungen.

Nach ebenfalls zweijähriger

Bauzeit wurde 1931 das Knappschaftskrankenhaus

KK 6 in Bottrop mit den Schwerpunkten

chirurgische Versorgung, urologische Chirurgie,

Chirurgie des Nervensystems und Behandlung

der Knochentuberkulose seiner Bestimmung

übergeben.

Nach Fertigstellung des Knappschaftskrankenhauses

Bottrop, dem letzten Krankenhaus

vor der Machtergreifung 1933 durch die Nationalsozialisten,

wurde die Bauabteilung bis auf

wenige Mitarbeiter, die für die Bauunterhaltung


notwendig waren, personell zurück gefahren.

Magistratbaurat a.D. Max Uhlig schied aus

Altersgründen aus, sein Nachfolger wurde der

Architekt Hans Landgrebe. Aber an eine Planung

des Knappschaftskrankenhauses in Dortmund

war auf absehbare Zeit nicht mehr zu denken.

Die Knappschaftsberufsgenossenschaft heute

– Bergbauberufsgenossenschaft – hat Mitte der

20er Jahre ein Grundstück in Gelsenkirchen-Buer

von der damaligen Ruhrknappschaft erworben,

welches der Allgemeine Knappschaftsverein

zuvor offenbar als Bauerwartungsland für

ein eigenes Knappschaftskrankenhaus vorgesehen

hatte. Hier entstand 1927/1929 das

Knappschaftskrankenhaus Bergmannsheil“ in

Gelsenkirchen-Buer, welches von der Bauabteilung

der Ruhrknappschaft für die Bergbauberufsgenossenschaft

geplant wurde. Später, im

Januar 1977, nachdem das 1903/1905 erbaute

Knappschaftskrankenhaus Gelsenkirchen keine

Möglichkeiten mehr für eine bauliche Weiterentwicklung

bot und ein neues hochmodernes

katholisches Krankenhaus in unmittelbarer

Nähe entstanden war, entschieden die Bergbauberufsgenossenschaften

und die zum Verein

gehörende Berufsgenossenschaft der Maschinen-

sowie die Bau-Berufsgenossenschaft,

den Standort zugunsten der Unfallklinik in

Duisburg-Buchholz aufzugeben. Die Ruhrknappschaft

erwarb zu einem günstigen

Kaufpreis – der in der Höhe später vom Bundesversicherungsamt

nicht genehmigt wurde

– das Bergmannsheil in Gelsenkirchen-Buer

als Ersatz für das abgängige Knappschaftskrankenhaus

Gelsenkirchen.

Die Entwicklung der Knappschaftskrankenhäuser im Ruhrgebiet

23: 1973 ersetzte ein Neubau auf dem Grundstück des

Knappschaftskrankenhauses Bochum-Langendreer

das 1918 übernommene Krankenhausgebäude, das

noch rechts unten im Bild zu sehen ist. Die Planung

und Bauausführung erfolgte durch die Bauabt. der

Ruhrknappschaft unter der Leitung des Architekten

Willi Krampe.

24: Im März 1984 wurde der Neubau des Knappschaftskrankenhauses

Recklinghausen gefeiert. Die Planung

und Bauausführung erfolgte durch die Bauabt. der

Ruhrknappschaft unter der Leitung des Architekten

Willi Krampe.

23

24

23


Exkurs I: Aus der Geschichte der Medizin

1945

Katastrophale Ernährungs- und Wohnverhältnisse

treiben die Sterblichkeitsrate in die

Höhe. Die Tuberkulose wird zur verheerenden

Volkskrankheit, Grippe, Lungenentzündung und

Geschlechtskrankheiten grassieren.

1946

Die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung im

besetzten Deutschland erreicht einen Tiefpunkt.

Es wird von Tod durch Verhungern berichtet.

Das in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stehende

Penizillin darf fast ein Jahr lang nur zur

Behandlung der Gonorrhöe benutzt werden.

1947

Der US-amerikanische Pharmakologe John Ehrlich

und Mitarbeiter entdecken und isolieren Chloramphenicol,

ein wichtiges Antibiotikum gegen

lebensbedrohliche Infektionen (Sepsis), wie etwa

bei Typhus und anderen Stäbchenbakterien.

In Marburg treffen sich Ärzte und Studenten zu

einer Tagung und legen den Grundstein für den

„Marburger Bund“.

1948

Die Weltgesundheitsorganisation (World Health

Organisation = WHO) der Vereinten Nationen

(UNO) wird mit Sitz in Genf gegründet.

1949

Erstmals wird ein Patient mit Schilddrüsenkarzinom

von dem deutschen Nuklearmediziner

Cuno Winkler mit Radium behandelt (sog.

„Isotopentherapie“)

1950

Die beiden französischen Knochenchirurgen

Jean und Robert Louis Judet berichten über ein

künstliches Hüftgelenk aus Plexiglas, das sie

einem Patienten eingepflanzt haben.

In Chicago gelingt dem Chirurgen Richard H. Lawler

die erste erfolgreiche Nierentransplantation.

1951

Die US-Amerikaner Benedict Cassen und L.

Curtis, C.W. Reed und R.L. Libby führen die

Szintigrafie in die Diagnostik ein, so dass eine

Szintigrafie der Schilddrüse mit Radium (Jod 131)

möglich wird.

25

1952

Der amerikanische Herzchirurg Forest Dewey Dodrill

beschreibt eine Herz-Lungen-Maschine, mit

der das Herz während einer Operation vollständig

vom Blutkreislauf abgekoppelt werden kann.

Der Deutsche Bundestag verabschiedet das

Gesetz über die Errichtung des Bundesgesundheitsamtes,

dem die öffentliche Gesundheit

untersteht.

1953

Der amerikanische Physiologe Nathaniel Kleitmann

entdeckt im Schlaflabor den REM-Schlaf

(rapid eye movements), bahnbrechend für

die Schlaf- und Traumforschung. In den USA

werden erstmals klinisch wirksame Substanzen

bei der Chemotherapie bestimmter Krebsarten

eingesetzt.

1954

Der Virologe Jonas E. Salk entwickelt aus dem

mit Formol abgetöteten Poliomyelitis-Virus

den ersten Impfstoff gegen Kinderlähmung.

Der Schweizer Arzt Paul Niehans behandelt den

schwer kranken Papst Pius XII mit der von ihm

entwickelten „Frischzellentherapie“ und trägt

damit offenbar zur Genesung bei.

26


1955

Deutsche Chirurgen entwickeln eine neue

Methode zur Rekonstruktion der Speiseröhre.

Das „Gesetz über Kassenarztrecht“ sichert den

Kassenärzten das Monopol der ambulanten

ärztlichen Versorgung. Leitende Krankenhausärzte

können an der kassenärztlichen Versorgung

beteiligt werden.

1956

Der Physiker Wladimir Kosma Zworykin verbreitet

seine Ideen zur Verwendung des Computers

in Medizin und Krankenhaus. Es handelt sich

um eine Art erste Stufe eines „Krankenhausinformationssystems“

(KIS). Der Bundestag

verabschiedet das Gesetz über die Krankenversicherung

der Rentner. Diejenigen Rentner,

die in den letzten fünf Jahren ihres Erwerbslebens

mindestens 12 Monate Beiträge an eine

gesetzliche Krankenversicherung gezahlt haben,

gelten nun als pflichtversicherte Mitglieder.

1957

Das erste Klinomobil, ein als Operationssaal

konzipierter Bus, wird in Heidelberg eingesetzt.

Mit zunehmender Verkehrsdichte wird das

Klinomobil jedoch zu unbeweglich und später

durch das „Rendezvous-System“ abgelöst, bei

dem sich Notarztwagen und Ambulanzwagen

am Unfallort treffen.

1958

Der britische Gynäkologe Ian Donald kann mit

Hilfe der Ultraschalltechnik erstmals Abbildungen

vom Kind im Mutterleib anfertigen. Der

schwedische Herzchirurg Ake Senningg implantiert

erstmals einen Herzschrittmacher.

1959

Die französischen Forscher J. Lejeune, M.

Gauthier und R. Turpin können durch Chromosomenanalyse

die Ursache des „Mongolismus“

(Down-Syndrom) erklären.

1960

Ein neuartiges Dialyseverfahren, das von B. H.

Scribner beschrieben wird, gibt Nierenkranken

neue Hoffnung.

Die erste „Antibabypille“ (Enovid) kommt auf

den Markt. Der Röntgenbildverstärker wird

allgemein in die Radiologie eingeführt.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes

müssen künftig alle Ärzte zur kassenärztlichen

Behandlung zugelassen werden.

Bisher galt, dass nur ein Mediziner pro 500 Versicherte

eine Kassenpraxis errichten konnte.

1961

Das Schlafmittel „Contergan“ wird für die

Häufung von Missbildungen verantwortlich

gemacht und vom deutschen Markt genommen.

Exkurs I: Aus der Geschichte der Medizin

Der Onkologe Josef Issels versucht Naturheilverfahren

bei krebskranken Patienten im Endstadium

und wird wegen fahrlässiger Tötung in drei

Fällen verurteilt. Im Revisionsverfahren wird er

freigesprochen.

1962

Die Polio-Schluckimpfung wird eingeführt und

senkt die Krankheitsfälle drastisch.

1963

Der Berliner Chirurg und Urologe Wilhelm Borsig

führt die erste klinische Nierentransplantation

in Deutschland durch.

25: Die Delegierten der ersten Weltgesundheitsversammlung

mit Mitarbeitern des WHO-Sekretariates im

Juni 1948 in Genf. 62

26: Wartezimmer eines deutschen Arztes um 1953. 63

27: Ein Ultraschallgerät aus dem Jahre 1962 macht

deutlich, wie grundlegend sich die Ultraschalldiagnostik

in den letzten vier Jahrzehnten entwickelt hat. 64

27

25


Exkurs I: Aus der Geschichte der Medizin

1964

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ)

wird in Heidelberg eröffnet.

Die Sendung „Gesundheitsmagazin Praxis“ wird

erstmals am 3. 1. 1961 im ZDF ausgestrahlt.

1965

Der Bundestag novelliert das Krankenpflegegesetz

von 1957. Das neue Recht soll die Ausbildung

und Bezahlung von Pflegern und Schwestern

attraktiver gestalten.

1966

Der Heidelberger Medizinstatistiker Herbert

Immich publiziert nach langjähriger Vorarbeit

den „klinischen Diagnoseschlüssel“. Er wird im

deutschsprachigen Raum zum meistbenutzten

Hilfsmittel zur numerischen Erfassung von

Krankheiten.

1967

Der südafrikanische Chirurg Christiaan N.

Barnard führt die erste Herztransplantation am

Menschen im Groote-Schuur-Krankenhaus in

Kapstadt durch.

28

Der kubanische Arzt und Politiker Ernesto „Che“

Guevara Serna wird als Guerillakämpfer in

Bolivien erschossen. Er war auf dem Gebiet der

Politik der bekannteste Arzt im 20. Jahrhundert.

1968

Das Bundessozialgericht erkennt den Alkoholismus

als Krankheit an.

In Berlin wird Rudi Dutschke, einer der Wortführer

der außerparlamentarischen Opposition

(APO), bei einem Attentat lebensgefährlich

verletzt. Die Studentenbewegung gibt durch

ihre Kritik an der Arztausbildung dem Gesundheitswesen

und der psychiatrischen Behandlung

der Medizin Impulse für Reformen.

1969

Die erste Herztransplantation in Deutschland

wird in München durchgeführt. Der Patient überlebt

aber nur 27 Stunden. Das gleiche Schicksal

ereilte einen Patienten, bei dem erstmals in

Deutschland eine Lebertransplantation in Bonn

durchgeführt wird.

1970

In der Bundesrepublik löst eine neue Approbationsordnung

für Ärzte die Bestallungsordnung

von 1936 ab und regelt sowohl die Ausbildung

wie die Prüfungsvorschriften neu.

1971

Der „Arzt für Allgemeinmedizin“ wird in der

Bundesrepublik als Berufsbezeichnung eingeführt,

die nach einem vierjährigen Weiterbildungsgang

erteilt wird.

Gegen eine Arbeitsüberlastung und für Lohnerhöhungen

streiken im Marburger Bund

organisierte angestellte und beamtete Krankenhausärzte.

1972

Der Chemiker Paul Christian Lauterbur publiziert

seine Idee von einer Aufzeichnung der

Kernspinresonanz-Signale und leitet damit die

entscheidenden Vorarbeiten für die Entwicklung

der Kernspintomografie ein.

29


Das Krankenhausfinanzierungsgesetz zur Kostendämpfung

soll die wirtschaftliche Sicherung

der Krankenhäuser durch die öffentliche Hand

sichern.

1973

Die Computertomografie, ein Röntgenverfahren

zur Erzeugung von Körperquerschnittsbildern, wird

in Großbritannien der Öffentlichkeit vorgestellt.

In der Bundesrepublik wird die medizinische

Anwendung von Röntgenstrahlen durch die

Röntgenverordnung geregelt.

1974

Der französische Arzt Frederik Leboyer veröffentlicht

das Buch „Geburt ohne Gewalt“, in dem er

für eine „sanfte Geburt“ eintritt.

Mit absoluter Mehrheit verabschiedet der

Bundestag die Reform des § 218, die die Schwangerschaftsunterbrechung

innerhalb der ersten

zwölf Wochen nach der Empfängnis legalisiert.

1975

Der Blutstrom in den Halsgefäßen wird durch

die „Dopplersonografie“, eine Sonderform der

Ultraschalldiagnostik, direkt gemessen. Damit

können krankhafte Verengungen genau festgestellt

werden.

Das Krankenhausinformationssystem (KIS) wird

von dem deutschen Medizinstatistiker Gerd

Griesser in Kiel eingerichtet. Es soll einen effektiven

Betrieb von Krankenhäusern ermöglichen.

1976

Der deutsche Chirurg Julius Hackethal löst mit

seinem Buch „Auf Messers Schneide“ eine lebhafte

Diskussion über ärztliche Kunstfehler aus.

In Seveso, in der Nähe von Mailand, wird in dem

Chemiewerk ICMESA (eine Tochtergesellschaft

von Hoffmann-La Roche) nach einem Unfall das

Gift Dioxin freigesetzt.

Der Bundestag verabschiedet ein Gesetz zur

Verschärfung des Arzneimittelrechtes. Es regelt

u. a. die Prüfung von neuen Medikamenten.

1977

Die amerikanische Food and Drug Administration

(FAD) schlägt ein Verbot des Saccharins als

Süßstoff und Nahrungsmittelzusatz vor. Hohe

Gaben des Zuckerersatzstoffes begünstigten bei

Labortieren die Bildung von Blasenkrebs.

1978

Der Düsseldorfer Umwelthygieniker Friedrich

Pott weist den Zusammenhang zwischen Asbestfasern

und einer Krebsentstehung nach.

Die AIDS-Epidemie nimmt ihren Anfang in den

USA.

In Oldham (Großbritannien) wird das erste „Retortenbaby“

der Welt geboren. Es handelt sich

um eine In-vitro-Fertilisation (IVF).

Exkurs I: Aus der Geschichte der Medizin

1979

Das Deutsche Krebsforschungsinstitut in

Heidelberg veröffentlicht einen Krebsatlas der

Bundesrepublik, der Aufschluss über die regionale

Verteilung der Sterblichkeitsraten für 24

Krebsformen gibt.

1980

Aufgrund einer amerikanischen Studie zur

Behandlung von Brustkrebs (National Surgical

Adjuvant Breast Cancer Project) wird das Ausmaß

der Radikaloperationen reduziert.

An der Münchener Universitätsklinik wird die

Zertrümmerung von Nierensteinen mit Hilfe

von Stoßwellen klinisch erprobt.

28: Schwesternausbildung der Bundesrepublik 1965.

Damals forderte der Weltbund der Krankenschwestern

eine Verbesserung der Ausbildung. 65

29: Berliner Ärzte demonstrieren in der Innenstadt. Sie

fordern u. a. eine 100%ige Bezahlung des Bereitschaftsdienstes.

66

30: Das erste Gerät zur nichtinvasiven Zerkleinerung

von Nierensteinen durch Stoßwellen, der sog. Nierenlithotripter,

wurde ab 1980 eingesetzt. 67

30

27


Exkurs I: Aus der Geschichte der Medizin

1981

Der Münchener Herzchirurg Fritz Sebening

führte die erste erfolgreiche Herztransplantation

in der Bundesrepublik durch.

Der „erste Medizinische Kongress zur Verhinderung

eines Atomkrieges“ findet in Hamburg

statt. Zunächst reagiert die ärztliche Standesvertretung

ablehnend darauf. So ist im Deutschen

Ärzteblatt von der „Propaganda ideologischer

Fremdenlegionäre“ die Rede.

1982

Das neue bildgebende Verfahren der Kernspintomografie

eröffnet eine neue Dimension in der

radiologischen Diagnostik, ohne die Patienten

mit Strahlung zu belasten.

1983

Das Großklinikum Aachen wird nach zwölfjähriger

Bauzeit weitgehend fertig gestellt.

Auf dem 86. Deutschen Ärztetag in Kassel steht

die sog. „Ärzteschwemme“ im Mittelpunkt der

Verhandlung.

31

1984

In Essen findet eine Konferenz der Initiative

gegen Pseudokrupp statt. Immer stärker rückt

die Umweltverschmutzung als Ursache für Gesundheitsschäden

in den Blick der Medizin.

1985

Die Folgen von AIDS und die Abwehr der Seuche

werden heftig diskutiert, so die „Safersex-Kampagne“

und die Überlegungen der bayerischen

Landesregierung zur Isolierung der Kranken.

Die Internationale Ärztevereinigung zur Verhinderung

eines Atomkrieges (IPPNW) erhält in

Oslo den Friedensnobelpreis.

1986

An der Universitätsklinik Erlangen gelingt die

Zerstörung von Gallengangsteinen mit Hilfe von

Laserstrahlen.

Die WHO teilt mit, dass der Tabakkonsum jährlich

mindestens eine Million Tote fordert und

90 % der Fälle von Lungenkrebs verursacht.

31: Durch starke Magnetfelder ändert sich der Gesamtdrehimpuls

bestimmter Atomkerne (Kernspin), deren

„Resonanz“ gemessen wird. Durch den Kernspintomograph

(MRT) lassen sich ohne Röntgenstrahlung

Weichteilgewebe mit scharfem Kontrast abbilden. 68

32: Auch die Poliklinik in der Johannisstraße hat keine

Überlebenschancen; sie wird 1992 geräumt. 69

33: Entfernen einer Gallenblase mit Hilfe der minimal

invasiven Chirurgie. Durch Trokare (Kanülen) werden

seit 1992 die Instrumente in den Bauchraum eingeführt.

70

34: „Dolly“ mit Ron James, einem Abteilungsleiter am

Rosalin Institute im Jahre 1997. 71

1987

Einer internationalen Forschungsgruppe gelingt

die Identifizierung eines Gens, das die für die

Alzheimer’sche Krankheit typische Veränderung des

Gehirngewebes verursacht. Das betreffende Amyloid

produzierende Gen sitzt auf Chromosom 21.

Die Bundesregierung richtet einen Arbeitsschwerpunkt

„Allergische Erkrankungen“ mit

einer Ausstattung von 30 Mio. DM ein.

1988

In Nordrhein-Westfalen beginnt ein Modellversuch

mit Methadon, das kostenlos als Ersatzdroge

an Heroinabhängige ausgegeben wird.

Mit den Stimmen der CDU/CSU und FDP wird

in Bonn das Gesundheitsreformgesetz verabschiedet,

das u. a. Festpreise für vergleichbare

Arzneimittel einführt. Schon bald zeigt sich das

Gesetz als wirkungslos.

1989

Das Memminger Landgericht verurteilt einen

Frauenarzt wegen Verstoßes gegen den § 218

zu zweieinhalb Jahren Gefängnisstrafe. In die

Strafe einbezogen ist eine einjährige Freiheits-

32


strafe wegen Steuerhinterziehung. Das Urteil

löst in weiten Teilen der weiblichen Bevölkerung

Empörung aus. 1991 kommt es zu einer teilweise

erfolgreichen Revisionsverhandlung vor dem

Bundesgerichtshof.

1990

Mit der Vereinigung der beiden deutschen

Staaten kommt es zu einer tiefgreifenden Umwälzung

im Gesundheitswesen der DDR. Dies

bedeutete auch in allen Bereichen des Gesundheitswesens

einen radikalen Bruch mit dem

alten System der DDR.

1991

In Hamburg wird das erste medizinische Zentrum

(Medical Center) in der Bundesrepublik

eingerichtet. Ein privater Betreiber stellt den

praktizierenden Fachärzten medizinische Geräte

zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung, wofür

diese einen Teil ihres Honorares abführen.

1992

In der Bundesrepublik beginnt eine heftige

Diskussion über Gesundheitsschäden durch elektromagnetische

Strahlung („Elektrosmog“).

Während des 21. Symposiums der Chirurgischen

33

Arbeitsgemeinschaft für Endoskopie (CAE) in

Göttingen werden neue Methoden der Operation

mit Hilfe des Endoskops vorgestellt.

1993

Der menschliche Urin wird wieder als Heilmittel

entdeckt. Die Journalistin Carmen Thomas

veröffentlicht ihren populären Gesundheitsratgeber

„Ein ganz besonderer Saft – Urin“, der zu

einem Bestseller wird.

1994

Der Deutsche Bundestag beschließt das Gesetz

zur Pflegeversicherung. Zur Gegenfinanzierung

wird ein Feiertag gestrichen.

1995

Bundesgesundheitsminister Seehofer hebt die

Importbeschränkungen für britisches Rindfleisch

zum Schutz vor BSE („Rinderwahn“)

teilweise auf.

Die Tübinger Molekularbiologin Christiane

Nüsslein-Volhard wird zusammen mit Edward B.

Lewis und Eric Wieschuas für ihre Entdeckungen

im Bereich der „genetischen Kontrolle der frühen

Embryonalentwicklung“ mit dem Nobelpreis

ausgezeichnet. Damit erhält erstmals eine

deutsche Frau einen solchen Preis.

1996

Die zweite Stufe der Pflegeversicherung tritt in

Kraft. Der Beitragssatz steigt von 1 auf 1,7 % des

Bruttogehalts. Als wichtige Neuregelung wird

Exkurs I: Aus der Geschichte der Medizin

die stationäre Pflege übernommen.

Es kommt zu einzelnen Protestaktionen von

Ärzten, denen wegen Überschreitung des Budgets

für die Verschreibung von Arzneimitteln

Strafzahlungen drohen.

1997

Das geklonte Schaf „Dolly“ wird in Edinburgh

vorgestellt und führt zu Debatten über die

ethische und rechtliche Zulässigkeit eines

eventuell möglichen Klonens von Menschen aus

Körperzellen.

Die dritte Stufe der Gesundheitsreform tritt in

Kraft, u. a. wird die Eigenbeteiligung der Patienten

angehoben.

Die US-Tabakindustrie erklärt sich bereit,

206 Mrd. Dollar an 46 US-Bundesstaaten zur

Behandlung und Prävention von Raucherkrankheiten

zu zahlen.

34

29


Exkurs I: Aus der Geschichte der Medizin

1998

Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilt dem

potenzsteigernden Medikament „Viagra“ die

Zulassung auf dem Arzneimittelmarkt.

Mit einem bundesweiten Aktionstag protestieren

Ärzte gegen das „Vorschaltgesetz“, das im

Bundesrat behandelt wird. Sie befürchten sinkende

Einkommen und eine Verschlechterung

der Patientenversorgung.

1999

Die Bundesregierung unterstützt die WHO bei

der Ansiedlung einer neu zu bildenden Abteilung

des Europäischen Zentrums für Umwelt

und Gesundheit in Bonn. Damit soll der Zusammenhang

von Umwelt und Gesundheit herausgestellt

werden.

2000

Die „Gesundheitsreform 2000“ für die gesetzliche

Krankenversicherung (GKV) tritt in Kraft.

Die Frage nach der Finanzierung des Gesundheitssystems

bleibt in den folgenden Jahren ein

zentrales Thema in der deutschen Innenpolitik.

2001

Die amerikanische Firma Advanced Cell Technology

(ACT) hat nach eigenen Angaben den ersten

menschlichen Embryo geklont.

2002

Das Fallpauschalengesetz erlaubt Krankenhäusern

und Krankenkassen die freiwillige Vereinbarung

von Fallpauschalen (DRG) und sieht

ursprünglich eine Konvergenzphase bis 2007

vor. Danach sollten alle Leistungen der Krankenhäuser

unabhängig von der Verweildauer der

Patienten im Krankenhaus abgerechnet werden.

2003

Um Krankenkassen vom Kostendruck zu entlasten,

sieht das Gesundheitsmodernisierungsgesetz

eine höhere Eigenbeteiligung der Krankenversicherten

(Praxisgebühren, Einführung eines

generellen Selbstbehalts etc.) vor.

2004

Die britische Regierung gibt dem Antrag zum

Klonen menschlicher Embryonen statt, während

in Europa um ethisch-moralische Fragen des

Klonens gestritten wird.

2005

Barry James Marshall und J. Robin Warren

erhalten den Nobelpreis für die Entdeckung des

Heliocobacter pylori im Jahre 1982. Das Bakterium,

das im menschlichen Magen vorkommt,

ist für eine Reihe von Magenerkrankungen wie

Gastritis und Magengeschwüre verantwortlich.

Es gilt als ein Risikofaktor für die Entstehung

von Magenkrebs.

2006

In Europa werden erstmals Fälle von H5N1infizierten

Wildvögeln bekannt. Mehrere tote

Schwäne werden auf Rügen gefunden, die mit

der Vogelgrippe infiziert sind. Obwohl das Risiko

des Übergangs der Infektion auf Menschen

äußerst gering ist, wird es in der Öffentlichkeit

lebhaft diskutiert.

Ein erster Impfstoff der das Virus bekämpfen

soll, das den Gebärmutterhalskrebs auslösen

kann, kommt auf den Arzneimittelmarkt.

2007

Eine allgemeine Krankenversicherungspflicht

wird ebenso durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz

eingeführt wie der einheitliche

Beitragssatz in der GKV ab 2009.

Mit der Unterstützung weiter Bevölkerungsteile

setzten angestellte Ärzte strukturelle Verbesserungen

und höhere Einkommen für sich durch.

2008

Der Magdeburger Radiologe Prof. Dr. Jens Ricke

setzt einen offenen Kernspintomographen

(MRT) ein, um Tumorzellen zu behandeln. Dieser

spezielle MRT ist als ein nach oben hin geöffneter

Halbkreis konstruiert, der für das Operationsteam

den Platz bietet, um unter Sichtkontrolle

winzige Schläuche zu den Krebstumoren

zu schieben. Durch die Schläuche werden

Radiosonden direkt an die Metastasen in der

Leber platziert.


1958–2008

Vertrauen in die Zukunft

31


Vertrauen in die Zukunft

Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses

Dortmund

D

ie Geschichte des Knappschaftskrankenhauses

Dortmund (auch KK 7 genannt) beginnt im Wesentlichen

1913 mit dem Beschluss des Knappschaftsvereins, zehn

Knappschaftskrankenhäuser zu bauen, so auch in Dortmund.

Zuvor, 1908, hatte bereits der Verband der Dortmunder Gemeinden

Asseln, Brackel und Wickede ein Schreiben an den

Knappschaftsverein in Bochum gerichtet, in dem er sich nach

einem Baudarlehen für ein Krankenhaus erkundigte. 76 Von

1912 bis 1914 pachtete die Knappschaft in Dortmund-(Alten)

Derne ein Krankenhausgebäude und schließlich folgte 1914

ein Beschluss zum Erwerb eines Grundstückes in Dortmund

am Nussbaumweg.

Den weiteren Bauplanungen setzte zunächst die Weltwirt-

schaftskrise und ab 1933 das Nationalsozialistische System

ein vorläufiges Ende.

Der Zweite Weltkrieg mit verheerenden Zerstörungen durch

Bombenangriffe, denen auch die Hauptverwaltung der Ruhrknappschaft

zum Opfer fiel, führte nach 1945 zunächst zum

Wiederaufbau der beschädigten und zerstörten Gebäude der

Ruhrknappschaft. In der unmittelbaren Nachkriegszeit gab

es vielfache Probleme aufgrund unzureichender Existenzbedingungen

(Wohnen, Essen, Kleidung), einer desolaten Situation

der Volkswirtschaft mit allgegenwärtigen Mangelsituationen

und einem politischen System, das sich erst langsam

unter alliiertem Genehmigungsvorbehalt entwickelte.

Im August 1945 erstattete der Regierungspräsident in Arnsberg

dem Präsidenten im Staatshochbauamt Düsseldorf Bericht

über die Krankenhaussituation in seinem Bezirk. Nachdem

er die Ausmaße der Zerstörung allgemein geschildert

hatte, ging er auf die Verhältnisse in den einzelnen Städten

ein und kam zu dem Urteil: ... Schwierigkeiten bezüglich der

35: Knappschaftskrankenhaus in Dortmund-Derne.

36: Nachdem Kleingärtner das Baugrundstück der

Knappschaft am Nussbaumweg nutzten, wurde

zunächst ein Standort an der Brechtener Straße in

Dortmund als Ausweichmöglichkeit erwogen. Unter

dem Grundstück befanden sich jedoch Abbaufelder

der Zeche Minister Stein, die Bergschäden befürchten

ließen. Deshalb wurde Abstand von der Fläche in

Dortmund-Kemminghausen genommen.

35

36

33


Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

37: Der Architekt des Knappschaftskrankenhauses

Hans Landgrebe 79 .

38: Grundriss des Knappschaftskrankenhauses Dortmund.

Rechts (östlich) im Bild der Wieckesweg und

oben (nördlich) der Brackeler Hellweg 82 .

37

38

Unterbringung in Krankenhäusern bestehen

vor allem in Dortmund, Bochum, Witten, Hagen

umd Hamm ... Am ernstesten ist die Lage zweifellos

in Dortmund.“ 72

In dieser Zeit bestanden noch keine Vorstellungen

darüber, ob und wann der Plan des

Knappschaftskrankenhauses Dortmund verwirklicht

werden konnte. 72a

Nachdem 1948 die Währungsreform auch die

wirtschaftliche Erholung psychologisch begleitete73

, stellte der Kurausschuss der Ruhrknappschaft

in seiner Sitzung am 6. Oktober 1949

– wie bereits vor dem Ersten Weltkrieg – fest,

„dass die krankenhausmäßige Versorgung der

Bevölkerung, insbesondere der knappschaftlich

versicherten Bergleute, Rentner und ihrer Angehörigen

im Dortmunder Raum sehr mangelhaft

sei“ und möglichst bald verbessert werden

müsse74 . Für ca. 500.000 Einwohner im Raume

Dortmund waren nur 4078 Betten vorhanden, es

fehlten rechnerisch 1312 Betten75 .

Schon Ende 1949 sprach sich der Vorstand der

Ruhrknappschaft dafür aus, mit den Vorbereitungen

für den Neubau eines Krankenhauses in

Dortmund zu beginnen.

In der Grundstücksfrage tauchten die ersten

Schwierigkeiten auf. Das 1914 erworbene

Grundstück am Nussbaumweg war

inzwischen an einen Gartenbauverein

zur kleingärtnerischen Nutzung

verpachtet worden. Es stand

damit für den Bau eines Krankenhauses

nicht mehr zur

Verfügung, denn die Stadt Dortmund setzte sich

für die Kleingärtner ein, da dort „große Werte

vernichtet und darüber hinaus viele wirtschaftlich

schwache Familien, die aus den Gärten

einen Teil ihres Lebensunterhaltes deckten,

geschädigt würden“ 76 . Andererseits wollte die

Stadt das Bauvorhaben der Knappschaft nicht

gefährden und bot einen Grundstückstausch

an, nachdem auch kurzzeitig erwogen wurde,

das Krankenhaus in Dortmund-Kemminghausen

zu errichten77 . Schließlich wurde aber mit

der Stadt Dortmund am 27. Februar 1951 der

Tausch vom Nussbaumweg auf das jetzige ca.

7,5 ha große Grundstück am Wieckesweg und

Breierspfad verabredet. Bis zur Entscheidung

benötigte die Stadt ein weiteres Jahr, da sie

selbst das Grundstück noch erwerben musste.

Zur Haupterschließung des Krankenhauses vom

Wieckesweg wurde später noch ein Grundstück

mit einer Fläche von 1.000 m2 hinzu gekauft.

Die ab 1950 durchgeführte Vorplanung des

Neubaus fiel in eine Zeit, in der es noch darum

ging, Kriegsschäden mit bescheidenen, oft noch

bezugscheinpflichtigen Baustoffen zu beseitigen.

In der stationären Patientenversorgung der

Krankenhäuser bestand ein Versorgungsnotstand.

Es fehlten Finanzen, Betten und Behandlungseinrichtungen.

Hinzu kam das fehlende

Wissen um einen modernen Krankenhausbau.

Während der Zeit der nationalsozialistischen

Herrschaft wurden so gut

wie keine Krankenhäuser gebaut.

Es gab faktisch keine

Weiterentwicklung

im deutschen Kranken-


hausbau seit der Weltwirtschaftskrise von 1929.

Erfahrene Krankenhausarchitekten gab es in der

Nachkriegszeit kaum. Viele waren im Krieg geblieben

oder hatten inzwischen die Altersgrenze

erreicht. Der im Krankenhausbau erfahrene

Leiter der Bauabteilung der Ruhrknappschaft

Hans Landgrebe erreichte im März 1953 das 65.

Lebensjahr und hätte dann aus Altersgründen

ausscheiden müssen. Zunächst jedoch wurde

unter seiner maßgeblichen Leitung am 12.

Februar 1951 im Bauausschuss der Ruhrknappschaft

ein vorläufiges Bauprogramm für den

Krankenhausneubau in Dortmund besprochen.

Die Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie/

Geburtshilfe und eine Röntgenabteilung sollten

in dem Haus vertreten sein. Weil ein Zugang

vom Wieckesweg, der damals noch Wicksweg79 hieß, noch nicht gesichert war, wurde zunächst

an eine Hauptzufahrt über den Breierspfad

gedacht. Zur Gliederung des Baukörpers gab es

unterschiedliche Vorstellungen. Architekt Hans

Landgrebe empfahl eine achtgeschossige Hochhauslösung

in T-Form. Architekt Clemens Lohn,

Landgrebes zunächst designierter Nachfolger,

schlug einen elfgeschossigen Bau in Y-Form

vor. Gegen die Y-förmige Vorplanung erhob

die Bauordnungsbehörde der Stadt Dortmund

starke Bedenken. Daraufhin beauftragte der

Vorstand Landgrebe mit der Vorplanung, so

dass bei der Vorstandssondersitzung am 2. 5.

1952 der Neubau endgültig beschlossen und der

Kostenrahmen genehmigt wurde80 .

Im Juni 1953 begannen die Arbeiten zur Geländeregulierung.

Die überschlägigen Kosten für den

Neubau ohne Grunderwerb und Einrichtungen

wurden auf 17,5 Millionen DM geschätzt. Der

Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

Landesarbeitsminister fürchtete Probleme bei

der Finanzierung der Maßnahme, da der Steinkohlebergbau

an der Ruhr seit 1950 zunehmend

durch billigere Exportkohle unter strukturellen

Druck geriet, der lediglich durch den Nachfrageboom

aufgrund der Korea-Krise überdeckt

wurde81 . Die Abrechnung der Baumaßnahme im

Jahr 1958 lag bei 25,5 Millionen DM82 .

Über die Planung des Bettenhauses gab es zahlreiche

Diskussionen innerhalb der Knappschaft,

auf deren Entscheidungen externe Gutachter

und Genehmigungsbehörden einwirkten. Den

Entscheidungen der Selbstverwaltung waren

im Bauausschuss ausführliche Diskussionen

insbesondere zum Bettenhaus und zur Lage der

Kochküche vorausgegangen. Zur endgültigen

Planung des Bettenhauses war es notwendig,

den Standort der Küche festzulegen. Die erarbeitete

Lösung, die Küche im obersten Geschoss

des zentralen Mittelbaues auszuweisen bildete

ein Novum mit mehr Vor- als Nachteilen.

Vorteile: Die Speisen wurden über zwei Versorgungsaufzüge

kurzwegig und kreuzungsfrei

direkt in die Stationsküchen gefördert und

innerhalb der Stationen portioniert und verteilt.

Die Verbreitung von Küchengerüchen innerhalb

des Hauses wurde vermieden.

Nachteil: Die Gemüsevorbereitung verblieb im

Untergeschoss im Bereich der Anlieferung um

Aufzugskapazitäten für unnötige Entsorgungstransporte

zu sparen.

Die Angebote externer Firmen geputztes Gemüse

direkt zur Hauptküche zu liefern, hoben die

39: Vorstand der Ruhrknappschaft 1958 86 .

40: Die „Hauptküche“, hier noch mit Oberlichtern in

der Decke, war über zwei Aufzüge mit den Stationen

verbunden, wo eine Portionierung der Mahlzeiten

erfolgte 83 .

39

40

35


Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

41: Die „Fächer“ des Bettenhauses im Bauteil A bis

C sind in den unteren Stockwerken 1955 bereits

ausgemauert. In den oberen Stockwerken ist das noch

„nackte“ Stahlbetonskelettfachwerk zu sehen.

42: Zweibettzimmer 1958 84

43: Vierbettzimmer 1958 85

41

42

43

anfänglichen Nachteile der räumlichen Trennung

bald auf. Die Gemüseputzräume konnten

anderen Nutzungszwecken zugeführt werden.

Kochen am Band und die zentrale Portionierung

bildeten in den fünfziger Jahren noch nicht die

Grundlage der Speiseversorgung. Die ursprüngliche

großzügig bemessene Küchenplanung

gestattete es, problemlos die Kochküche umzurüsten

und Kochen am Band mit zentraler

Portionierung im Tablettsystem einzuführen.

Die vorhandenen Versorgungsaufzüge zwischen

Koch- und Stationsküchen boten sich später

zur Umrüstung an und konnten dem Aufzugsknoten

zugeordnet für die Versorgung als

Mehrzweckaufzug einer besseren Auslastung

zugeführt werden.

Rasch fiel die Entscheidung über das Heizungs-

system. Anstelle der damals üblichen Radiato-

renheizung wurde die in Stahlbeton einbeto-

nierte Deckenstrahlungsheizung gewählt. Dieses

System bietet durch wesentlich geringere Staubverwirbelung

eine bessere Hygiene, allerdings bei

größerer Regelungsträgheit. Aber nicht nur bei

der Heizung suchte man neue Wege. So erhielten

alle Patientenzimmer Kleiderschränke – in der

Nachkriegszeit noch nicht selbstverständlich –

in denen die Patienten ihre Straßenkleidung und

persönlichen Utensilien unterbringen konnten.

Üblich war es durchaus noch die Straßenkleidung

von der Aufnahme bis zur Entlassung in

einem zentralen Depot zu lagern.

Erörtert wurde auch, ob auf die Fassadenausmauerung

verzichtet und dass Stahlbetonskelettfachwerk

in voller Breite und Höhe

sichtbar in Glas zu öffnen sei. Ferner ob bei

einer Ausmauerung, die Fassade verputzt oder

verklinkert werden sollte. Das nebenstehende

Foto des Bettenhauses Bauteil A, B, und C stellt

die Unterschiede anschaulich dar.

Die Gutachter hielten die Fensterflächen für zu

klein. Architekt Landgrebe hielt die Fenstergrößen

für Patienten die in ihrem Zustand ein ausgewogenes

Verhältnis zu Licht und Luft, aber

keine Lichtüberflutung suchen, für angemessen.

Er konnte die Selbstverwaltung überzeugen.

Diese Auffassung hat sich bis heute nicht

geändert.

Selbst die Anzahl der Toiletten wurde diskutiert.

Im Protokoll des Bauausschusses hieß es dazu:

„Der Bauausschuss weist darauf hin, dass die

Anzahl von drei Toilettenanlagen je Station

reichlich bemessen ist“. Die damaligen Bauvorschriften

sahen nur zwei WCs bei der geplanten

Stationsgröße vor.

Nachdem zunächst 50 bis 52 Betten pro Station

überlegt wurden, waren bald 35 Betten je

Station konsensfähig. Mit der verringerten Bettenzahl

pro Station war die Hoffnung auf eine

optimale Flexibilität bei der Bettenbelegung, es

gab noch eine strikte Trennung von Männern

und Frauen auf den Stationen, verbunden. Wie

viele Betten jedoch in einem Zimmer stehen

sollten, war umstritten. Wie bescheiden in der

frühen Nachkriegsphase die Ansprüche waren,

zeigt das Sitzungsprotokoll des Bauausschusses

vom 12. 2. 1951. Dort heißt es: „Die Einrichtung

von besonderen Beamten- und Privatstationen

kann unterbleiben, weil sämtliche Krankenzimmer

für nur drei Betten vorgesehen sind.“ Selbst


das Dreibettzimmer entsprach Anfang 1951 noch

einem hohen Standard, der angestrebt wurde.

Üblich waren zu Beginn der 50er Jahre oft noch

große Krankensäle, die eine Station bildeten. So

empfahl das Institut für Krankenhausbau der

Technischen Universität Berlin Drei- und Vierbettzimmer

für das Knappschaftskrankenhaus

Dortmund. Die Anregung des Instituts bei einer

Stationsgröße von 35 Betten Drei- und Vierbettzimmer

vorzusehen, führte am 6. 10. 1952 zur

erneuten Diskussion im Bauausschuss.

Um den Vorteil der geringeren Krankenzimmertiefe

bei Zweibettzimmern gegenüber dem

Nachteil der größeren Tiefe bei Dreibettzimmern

zu gewinnen, empfahl der Ausschuss

einen weiteren Grundriss zum Vergleich mit

ausschließlicher Zweibettzimmertiefe erarbeiten

zu lassen. Der Bauausschuss stellt fest, dass

die Forderung von Bettenzimmern gleicher Größe

und Ausstattung dem Charakter des Hauses

als Bergmannskrankenhaus in bester Weise

entspricht. Die Unterbringung soll grundsätzlich

gleichwertig sein. Am 7.11.1952 empfahl der

Ausschuss sogar für die Krankenstationen nur

noch Zwei- und Einbettzimmer vorzusehen.

Gegen diese Lösung wandte sich das Staatshochbauamt

Düsseldorf in einer Stellungnahme,

die der Ruhrknappschaft als Erlass des

Arbeitsministeriums zuging. Den Kompromissvorschlag

des Architekten Landgrebe übernahm

der Bauausschuss und schlug dem Vorstand pro

Station 4 Zimmer mit 4 Betten, 8 Zimmer mit 2

Betten und 1 Zimmer mit einem Bett vor.

Die zur Beratung hinzugezogenen Chefärzte

stimmten dem Kompromissvorschlag zur Bettenverteilung

zu. Für die nach Norden ausgewie-

Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

senen OP-Räume lehnten sie aus hygienischer

Sicht Klimaanlagen ab und empfahlen es bei

Spezial-Lüftungsfenstern (System Garny) zu

belassen.

Nachdem bereits im Juni 1953 mit den Arbeiten

zur Geländeregulierung begonnen wurde,

konnte dem Bauausschuss am 1. 2. 1954 – nach

zweijährigem Vorlauf – der endgültige Entwurf

und Kostenvoranschlag für das Bettenhaus vorgelegt

werden. Dabei wurden die Anregungen

und Bedenken der Genehmigungsbehörden

ebenso berücksichtigt wie die neue Polizeiverordnung

für Bau und Errichtung von Krankenhäusern

sowie die Richtlinien für Hochhäuser.

Der Entwurf sah für die beiden Bettenflügel in

7 Geschossen nun endgültig 14 Stationen mit

je 33 Betten in der Mischung von Vier-, Zwei- u.

einem Einbettzimmer insgesamt 462 Betten

vor. Die Planungen umfassten die Einrichtung

folgender Stationen Chirurgie/Orthopädie

(6 Stationen), Innere Medizin (5 Stationen),

Geburtshilfe/Gynäkologie (2 Stationen) und eine

Strahlenstation.

Mit den Stahlbetonarbeiten für das Bettenhaus

wurde im März 1955 begonnen. Zuvor wurde

im Juni 1954, aber schon das Angestelltenhaus

am Breierspfad bezugsfertig und diente dem

Planungs- und Baustab zunächst als Büro.

Geplant und gebaut wurde der Krankenhauskomplex

in sechs Bauabschnitten. Dabei liefen

die Planungen, Beschlussfassungen, Genehmigungen,

Roh- und Ausbauarbeiten der einzelnen

Bauabschnitte nacheinander und teilweise auch

parallel. Einerseits konnte durch dieses schritt-

44: Das Fundament für die Stationen im westlichen

Bettenhaus.

45: Das sog. „Angestelltenwohnhaus für 4 verheiratete

Krankenhausangestellte“ wird heute noch von Krankenhausmitarbeitern

bewohnt und diente 1954 dem

Planungs- und Baustab als Bürohaus.

46: Willi Krampe (rechts) wurde im November 1956

erster Bauleiter für das Knappschaftskrankenhaus

Dortmund. Die Oberleitung oblag Hans Landgrebe

(links).

44

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37


Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

47: Bauteil A, B und C, das „Bettenhaus“ 1955.

48: Bis zum Frühjahr 2004 stand das Haus des ehemaligen

Ärztlichen Direktors am Breierspfad. Es war

nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren und wich einem

Parkplatz.

49: Bleistift, Papier, Radiergummi, Tusche und Feder,

Rechenschieber, Maßstab und eine moderne Schreibmaschine

(im Vordergrund ) waren die Arbeitsgeräte

der Bauleitung.

50: Sog. „Kesselhaus“. In dem Technikgebäude befinden

sich verschiedene Werkstätten und die Energiezentrale

des Krankenhauses. 88

51: Mit Fahnen war das Haus im Jahr der offiziellen

Eröffnung geschmückt. 89

47

weise Vorgehen immer noch versucht werden,

sich an den aktuellsten Stand der Technik

heranzuarbeiten. Andererseits wurde damit

nachträglich ein Konflikt mit dem Bundesrechnungshof

umgangen, denn zum Zeitpunkt der

Inbetriebnahme betrug die gesamte Grundfläche

des Krankenhauses 36.160 m2 (BGF) und damit

72,3 m2 pro Bett. Diese Fläche lag erheblich

über den Förderrichtlinien des Jahres 1954, die

ca. 48,0 m2 pro Bett vorsahen. Der erhebliche

Unterschied gab dem Bundesrechnungshof

nach Fertigstellung Anlass zur Kritik. Da die

Neubauplanung vor 1954 in Teilabschnitten

begann und auch so genehmigt wurde, griffen

die Förderungsbestimmungen bei Vorlage der

Einzelmaßnahmen für das Knappschaftskrankenhaus

noch nicht. Die Prüfbemerkungen beschränkten

sich daher auf einzelne Anregungen.

Nachdem bereits mit der Ausfachung des

Stahlbeton-Skelettbaus mit Ytongmauerwerk

begonnen wurde, legte am 22. September 1955

der Vorstand der Ruhrknappschaft verbunden

mit einem Richtfest für das Bettenhaus den

Grundstein für das Knappschaftskrankenhaus.

In der Grundstein-Urkunde aus dem Jahre

1955 heißt es unter anderem: „Wir hegen die

Hoffnung, dass die gespannte politische Lage

der Gegenwart sich einmal entwirren und uns

letztlich einen dauerhaften Frieden bringen

wird, damit der Bau von Bestand sei ... und

seiner Bestimmung gemäß viele Jahrzehnte den

leidenden und kranken Menschen eine Stätte

der Hoffnung und Heilung sei.“ Diese Urkunde,

die Tageszeitungen vom 22. 9. 1955 und eine

Quittung fanden sich 2003 auf einem Antiquitätenmarkt

in Dorsten wieder. Offensichtlich

hatten drei Jahre nach der Grundsteinlegung

Steinmetze die dem Grundstein beigefügten

Münzen entnommen und eine „Quittung“ über

8,86 DM (Wert aller Hartgeldmünzen in der DM-

Zeit) beigelegt. Die Quittung endet mit dem

Hinweis an alle „Nachfahren“, dass, falls diese

noch Bier trinken wollen, „das Bier nun selbst

bezahlen“ müssten.

Bei der Grundsteinlegung nahm der Vorstand

den Stand der Bauausführungen zur Kenntnis:

Im Bettenhaus ist nach Beendigung der Stahlbetonarbeiten

mit der Ausmauerung begonnen

worden. Die Erdarbeiten des Nordflügels, in dem

im 10. Geschoss die Küche geplant wurde, sind

abgeschlossen und mit den Fundamentierungsarbeiten

wurde begonnen.

Seit Anfang 1953 bemühte sich Hans Landgrebe

den Architekten Willi Krampe auf Zeit aus der

Bauabteilung auszulösen, um ihn für die Bauleitung

und Planung in Dortmund einzusetzen.

Erst mit der personellen Ablösung der bis 1956

für den Rohbau zuständigen Bauleitung konnte

er seine Forderung durchsetzen. Willi Krampe

ist im November 1956 mit der Aufgabe des 1.

Bauleiters im Baustab Dortmund beauftragt

worden und war unter der Oberleitung von Hans

Landgrebe auch für die Ausführungsplanung

verantwortlich. Es galt, nach einer Bestandsaufnahme

nun die bereits genehmigten

Teilbaumaßnahmen zu einer für den Ausbau

notwendigen Abstimmung zusammenzuführen.

Im November 1956 stellte Willi Krampe zur

Planung und Bauausführung fest:

„Der 1. Bauabschnitt – Bettenhaus (Bauteile

A, B, C) – ist seit August 1955 im Rohbau fertig


gestellt. Der 2. Bauabschnitt – Versorgungs- und

Behandlungstrakt (Bauteil D und E) – ist seit

Juni 1956 mit Abschluss der Stahlbetonarbeiten

rohbaufertig. Für den 3. Bauabschnitt – Behandlung

OP/Ambulanzen (Bauteil F) – liegt im September

1956 der Kostenvoranschlag vor; mit

den Stahlbetonarbeiten wurde vorzeitig schon

im Frühsommer 1956 begonnen. Der 4. Bauabschnitt

– Kesselhaus – befindet sich noch in

der Rohbauphase, die Montage der Heizkessel

steht vor dem Abschluss. Der 5. Bauabschnitt

– Wäschereigebäude und Prosektur – befindet

sich noch in der Detailplanung, der Kostenvoranschlag

ist noch nicht erstellt, der Vergabevorschlag

für die Erdarbeiten liegt vor, die Rohbauausführung

ist noch nicht beauftragt. Für den 6.

Bauabschnitt – Wohnhaus für Schwestern und

Hausmädchen – liegt der Kostenvoranschlag

seit Juni 1956 vor, mit der Rohbauausführung ist

bereits begonnen. Für das Wohnhaus für ledige

Ärzte liegt die Planung vor, die Rohbauarbeiten

sind noch nicht vergeben.

Ein Neubau für vier Chefärztewohnungen

ist noch ungeklärt, es gibt noch erheblichen

Diskussionsbedarf sowohl über die Zahl der

Wohnungen als auch über den anzubietenden

Standard.

Bis Juni 1956 sind für die bis dahin ausgeführten

Rohbauarbeiten insgesamt Zahlungen in

Höhe von 5.000.000 DM geleistet. Der Betrag

entspricht weniger als 25 % der Gesamtbaukosten.

In den nächsten 18 Monaten werden also

kostenmäßig noch 75 % des Gesamtbauvolumens

in Detailplanungen, Ausschreibungen und

Ausführungen abzuarbeiten sein.“ 87

Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

Die Idee eines Wohnhauses für Chefärzte wurde

1957 verworfen. An deren Stelle trat ein Haus für

den ärztlichen Direktor.

Während der Bau des Knappschaftskrankenhauses

durch eine sehr sachliche, funktionale

und moderne Architektur gekennzeichnet ist,

zeichnete sich Willi Krampe durch eine sehr moderne

Bauleitung aus. Den jungen Planern und

Bauingenieuren überließ er eigenverantwortlich

einzelne Ausbauabschnitte. Anstehende

Fragen wurden täglich besprochen und einmal

wöchentlich in großer Runde mit dem Seniorchef

abgestimmt, um Ideen und Erfahrungen zu

vereinen.

Am 13. Oktober 1956 besichtigt der Bauausschuss

die Baustelle des Krankenhausneubaues,

insbesondere das Kesselhaus. Von einer erwogenen

Tieferlegung des Kesselhauses nahm der

Bauausschuss wieder Abstand. Gebaut wurde

nun eine Grube, in der der mit LKWs angelieferter

Koks gekippt wurde. Eine Baggerschaufel

transportierte dann den Koks in die über den

Heizkesseln angeordneten Behälter. Die Heizung

wurde später auf Anthrazitkohle umgestellt.

Eine Schneckenförderanlage beförderte die

Kohle zu den Heizkesseln. Ab 1990 erfolgte

die Wärmegewinnung aus Gas. Im Jahr 2008,

dem Jahr mit immensen Energiekostensteigerungen,

begannen Planungen für ein Blockheizkraftwerk,

das mit Gas und zusätzlich in den

Verbrauchsspitzen mit Öl betrieben wird. Ein

hoher Wirkungsgrad der Energieausnutzung, die

Verminderung des Treibhausgases CO2 begründeten

die Idee zum Umbau der Heizungsanlage.

Vom Herbst des Jahres 1956 bis zum Frühjahr

48

49

50

51

39


Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

52: Die Unterkünfte und die Kantine, nicht nur für

Bauarbeiter, standen während der Bauzeit im Bereich

des jetzigen Krankenhausparks.

52

1958 erfolgte der Innenausbau und der Einbau

der Betriebseinrichtungen. Zu den allgemeinen

Heizungs-, Lüftungs-, Wasser-, Stark- und

Schwachstrom-Installationen kamen die

medizinisch-technischen Apparate für Sterilisation,

Röntgen, Labors und Bäder und die Wirtschaftsanlagen

der Hauptküche und Wäscherei.

310.000 Meter Starkstromleitungen, 190.000

Meter Schwachstromleitungen, 63.000 Meter

Heizregister, 12.000 Meter Abflussrohre sowie

50.000 Meter Dampf- und Wasserleitungen

wurden in den Neubau eingebaut.

Am 12. Februar 1957 tagte der Bauausschuss in

der Bauleitung in Dortmund und begutachtete

die im 1. Obergeschoss probeweise eingerichteten

Patientenzimmer einschließlich der

Einrichtungsgegenstände. Ein Jahr später, am 21.

April 1958, wurden die Betten der Chirurgischen,

Medizinischen, Strahlen-, Gynäkologische und

geburtshilflichen Abteilung im Knappschaftskrankenhaus

erstmals belegt. Erster Patient war

der Bergmann Johann Jungteufel aus Lünen. Die

offizielle Einweihung des Hauses wurde am 11.

Juli 1958 gefeiert90 .

In der Hauptbauphase waren zwischen 800 und

1.000 Bauarbeiter gleichzeitig auf der Baustelle

tätig und zwei nette Episoden die aus der Zeit

überliefert sind, zählen auch zur Geschichte des

Knappschaftskrankenhauses Dortmund.

Auf dem Gelände südlich des Bettenhauses

standen noch Unterkunftsbaracken und eine

Kantine. Die Unterkunftsbaracken wurden gern

als kostenlose Unterkunft für die im Ausbau

tätigen Bauarbeiter genutzt und hatten in der

Kantine auch einen geschätzten und angenehmen

Treffpunkt mit langen, oft auch mit

sehr langen nächtlichen Veranstaltungen.

Die Kantine war auch bei den Baufirmen beliebt,

konnten sie hier auf der Baustelle Aquisition

betreiben. Der barähnliche Betrieb auf der Baustelle,

heute gar nicht mehr vorstellbar, musste

damals gegen erhebliche Widerstände, aber mit

guten Gründen geschlossen werden.

Ein weiteres im Nachhinein zum Schmunzeln

neigendes Geschehen bestand in der Art und

Weise, wie Briefe geschrieben wurden. Es gab

nur einfache mechanische Schreibmaschinen.

Sekretärinnen benutzten damals Kohlepapier,

um Durchschläge gleichlautender Schreiben anzufertigen.

Sicher keine formvollendeten Schreiben,

aber in der relativ anspruchslosen Zeit der

frühen 50er Jahre gab es noch keine elektrischen

Schreibmaschinen, Computer mit Druckern oder

elektronische Kopierer. Es störte die Nachbarn

des Krankenhauses nicht, ein Schreiben als

„Durchschrift“ zu bekommen, in dem es um die

neue Einmessung an der Ostgrenze des Grundstücks

ging. Einer der Nachbarn war ein gerade

aus dem Kabinett ausgeschiedener Bundesminister

mit sehr guten Kontakten zur Bundesknappschaft.

Er erhielt ausgerechnet einen

dritten oder vierten Durchschlag des Schreibens

und hatte wenig Verständnis für die Briefkopie,

als auch für die Bitte, sein Grundstück auf der

von einem Vermessungsingenieur abgesteckten

Grenzlinie zu korrigieren und neu einzufrieden.

Das von ihm anberaumte Gespräch endete sehr

kurz mit dem Hinweis, dass seine Gesprächspartner

nicht die Bauleitung, sondern der

Vorstand der Ruhrknappschaft sei. Die Befürch-


tung, dass dieser Fauxpas nun eine längere

Unterbrechung auslösen könnte, zerschlug sich

schnell. Der für die Arbeiten zuständige Polier,

ehemaliger hoher Berufsoffizier der Wehrmacht,

wollte bald wieder zur Bundeswehr und pflegte

schon längere Zeit den Kontakt zur Frau des

Ministers a.D. über „den Zaun“. So gelang es

ihm, die Einfriedung termingerecht zu Ende zu

führen; bald nach Fertigstellung der Arbeiten

wurde er über seinen kurzen Dienstweg wieder

Offizier der Bundeswehr.

In den ersten zehn Jahren des Bestehens des

Knappschaftskrankenhauses wurden 104.498

Patientinnen und Patienten behandelt. Der Anteil

der knappschaftlich Versicherten ging stetig

zurück. Kamen 1958 58 % aller Patienten aus

Bergbaufamilien, waren es 1978 nur noch 28 %.

Ihre durchschnittliche Krankenhausverweildauer

betrug 17,5 Tage. Zwischen 1958 und 1967

erfolgten 518.000 ambulante Behandlungen, davon

rund 30 % in der Röntgenabteilung einschl.

Diagnostik, Therapie und Nuklearmedizin.

Während dieses Zeitraumes nahm das Haus

70,6 Mio. DM ein und verausgabte 76,8 Mio.

DM91 . 1958 erhielt ein Chefarzt etwa 1.300 Mark

brutto im Monat. 92 Eine Krankenschwester verdiente

zur gleichen Zeit rund 160 Mark monatlich

netto. Betrug der Preis für das Patientenbett

1958 je Tag 13 Mark stieg der Preis bis 1978 auf

150,25 Mark93 . Innerhalb des Hauses gab es zahlreiche

Sparappelle. Insbesondere Energieeinsparmaßnahmen

wurden schon in den ersten

Jahren des Hauses diskutiert.

Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

1958 wurden 58 Stunden (ab 1.10.1961: 48 Stunden)

in der Woche gearbeitet und es waren 250

Beschäftigte, darunter 34 Ärzte im Krankenhaus

tätig. Die Beschäftigtenzahl verdoppelte sich

bis 1978 auf 503 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im Jahr 2008 waren rund 890 Personen im

Krankenhaus tätig, unter ihnen 110 Ärzte, 450

Personen in der Pflege sowie 290 Personen im

Bereich Hauswirtschaft, Handwerk und Verwaltung.

Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund

wurde baulich ständig durch den Krankenhausträger

unter der Leitung der Bauabteilung

weiterentwickelt, die von Hans Landgrebe

(1930–1953), Hans Remele (1953–1963), Willi

Krampe (1963–1980) und Arno Jany (1980–1995)

geleitet wurde. Elisabeth Lause ist seit 1995 bis

heute Leiterin des Baubereichs. In der Amtszeit

der Krankenhausverwaltungsdirektoren Wilhelm

Lebrecht und Hugo Weimann ging es darum,

mehr Fläche zu gewinnen, um den Patientinnen

und Patienten einen hohen Komfort während

ihres Krankenhausaufenthaltes zu bieten.

Andererseits beansprucht die moderne und expandierende

Medizintechnik stetig mehr Fläche.

Zudem war es das Bestreben, den Patienten ein

freundliches modernes Gebäude zu bieten, in

dem sie sich wohlfühlen können. Im Folgenden

beschreibt die Leitende Baudirektorin, Frau

Elisabeth Lause, die bauliche Entwicklung des

Hauses nach der Inbetriebnahme.

41


Der Neubau des Knappschaftskrankenhauses Dortmund

53

54

55

56

53 bis 57: Zwischen 800 und 1.000

Handwerker, Techniker und Architekten

arbeiteten über drei Jahre auf

der Baustelle am Wieckesweg um das

Knappschaftskrankenhaus Dortmund

zu errichten. Die Bauarbeiten am

Krankenhaus begannen mit der Errichtung

des Bettenhauses, das aus Beton

gegossen und dann verkleidet wurde.

57


1. Die bauliche Entwicklung des

Krankenhauses 1958 bis heute

Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund

gehörte 1958 zu den ersten neuen Krankenhaus-Nachkriegsbauten

in der Bundesrepublik

Deutschland. Vergleichbare Objekte

gab es nur im Ausland, insbesondere in der

Schweiz, in Schweden, Finnland und den USA.

Die Architekten standen also vor der großen

Herausforderung, neue, zukunftsträchtige

Krankenhaus-Konzepte zu entwickeln. Die Krankenhausanlage

in Dortmund bestand aus dem

Hauptgebäude, dem Kesselhaus, der Wäscherei

und Wohnhäusern. Der Rückblick konzentriert

sich auf das zwölfgeschossige Hauptgebäude.

Die T-förmige Anlage ermöglichte die niveaugleiche

Verbindung zwischen dem Pflegebereich

und den dazugehörigen Behandlungseinheiten.

Im Kreuzungspunkt der Bauteile liegt der

zentrale Verkehrsknoten. Hier befinden sich das

Haupttreppenhaus und vier Aufzugsanlagen. An

das Bettenhaus schließt der siebengeschossige

Funktionstrakt an, in dem Behandlungs-, Verund

Entsorgungseinrichtungen untergebracht

sind.

Strukturelle, ablauforganisatorische, wirt-

schaftliche, krankenhaushygienische, baulich

technische und medizintechnische Entwicklungen

erforderten kontinuierlich bauliche

Veränderungen. In den Jahren 1962 - 1972 ließen

sich zusätzliche Funktionsstellen wie die Hochvolttherapie,

Radiumtherapie, Isotopentherapie,

Funktionsdiagnostik, Röntgendiagnostik, Intensivpflegestation,

Zentralsterilisation und die

Neuordnung der OP-Abteilung noch innerhalb

Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

des Bestandes realisieren. Erste bauliche Erweiterungen

erfolgten dann 1989. Rückblickend

zeigt sich, dass, insbesondere die Pflege- und

Behandlungsbereiche häufiger Anpassungen

an veränderte Rahmenbedingungen erfahren

haben.

Die Bettenzahl des Krankenhauses hat sich in

den vergangenen 50 Jahren nur geringfügig

verändert, und zwar von 507 auf aktuell 451

Betten. Das siebengeschossige langgestreckte

Bettenhaus besteht aus dem Erschließungskern

in der Mittelachse und zwei Gebäudeflügeln.

Jeder Flügel nahm zunächst pro Ebene 33 Betten

auf; die sich auf ein Einbettzimmer, acht Zweibettzimmer-

und vier Vierbettzimmer, jeweils

Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

ohne Sanitärzonen, verteilten. Funktionsräume

wie Schwesternstützpunkte, Arzt-, Untersuchungs-,

Patientenaufenthalts-, Spül-, zentrale

Sanitärräume und Stationsbäder ergänzten

das Programm. Extrem niedrig war für heutige

Verhältnisse der „Sanitärstandard“ mit drei

WC-Anlagen pro Station. Die Belegung erfolgte

nach Geschlechtern getrennt in so genannten

„Männer- und Frauenstationen“.

In der Gebäudeachse befanden sich großzügige,

nach Süden orientierte Aufenthaltsbereiche,

mit vorgelagerter Loggia, die schöne Ausblicke

in die weitläufige Parkanlage ermöglichten. Die

Zwei- und Vierbettenzimmer waren ebenfalls

nach Süden orientiert. Den Räumen im Erdge-

Bauliche Entwicklung

Das Krankenhaus aus dem Jahre 1958

wurde kontinuierlich erweitert.

Linearbeschleuniger (1)

Neuordnung OP-Abteilung (2)

Anbau Nasszellen (3)

Anbau Bauteil E (4)

Anbau Café (5)

Facharztzentrum (6)

43


Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

schoss ist, als besonderes Komfortelement, eine

Terrasse vorgelagert. Alle Funktionsräume und

das Einbettzimmer orientierten sich zur Nordseite.

Zwei Stichflure, die jeweils in einer Loggia

mündeten, gliederten die langgestreckten Flure

und damit auch die Fassade.

Erste bauliche Veränderungen erfolgten in den

80er Jahren. Zunächst waren vorrangig zusätzliche

Sanitäranlagen und Funktionsräume

gefordert, also mussten die Stichflure ersatzlos

entfallen. Ursprünglich lagen am zentralen Verkehrsknoten

Aufzüge für die Speisentransporte.

Sie verbanden die Küche im 7. Obergeschoss mit

den einzelnen Stationsküchen. Zunehmende

Transporte erforderten den Austausch gegen

Ver- und Entsorgungsaufzüge, die nunmehr

58–60: An der Rückseite des Krankenhauses entstand

direkt hinter dem Haupteingang der erste Krankenhauserweiterungsbau

der von der Strahlentherapie

genutzt wurde. 94

58 59 60

zur Verkehrshalle orientiert sind. Der Schwesternstützpunkt

wanderte in die Stationsmitte

inklusive einer verkleinerten Teeküche. Zuvor

aufgeführte Maßnahmen ermöglichten die

Neuordnung der Funktionsschiene auf der Nordseite,

in der auch ein weiteres Einbettzimmer

entstand.

Zu diesem Zeitpunkt wiesen Krankenhausneubauten

bereits Bettenzimmer mit integrierten

Nasszellen auf. Das entsprach den Bedürfnissen

der Patienten. Der Standard ließ sich 1986 lediglich

in den Ein- und Vierbettzimmern realisieren.

Der Einbau von Nasszellen in den Zweibettzimmern

hätte zu Flächenerweiterungen geführt,

die damals nicht finanzierbar waren. Erst in der

zweiten Sanierungsstufe gelang es, der Fassade

Sanitärtürme vorzulagern.

Weitere Flächengewinne brachten abgestufte

Pflegekonzepte und die Einrichtung einer

zentralen Intermediate-Care-Einheit an anderer

Stelle des Hauses; darüber hinaus neue Stationskonzepte,

verbunden mit der Ausrichtung

auf einen zentralen Schwesternstützpunkt

pro Ebene. Somit konnte die Funktionsschiene

wiederum neu geordnet werden und auf der

Nordseite weitere Ein- und Zweibettzimmer

entstehen. Aufeinander abgestimmte Material-,

Licht- und Farbkonzepte unterstützen

die patientenfreundliche Atmosphäre des

Krankenhauses, ein Beispiel dafür ist u. a. das

Stillcafé in der Entbindungsstation. Letztlich ist

es gelungen, durch geringfügige Flächenerweiterungen

die Bettenzahl pro Ebene zu erhalten

und aktuell sechs Einbettzimmer, zwanzig

Zweibettzimmer und sechs Dreibettzimmer mit

integrierter Sanitärzone anzubieten. Vierbettzimmer

gehören nun der Vergangenheit an.

Das Neuordnungskonzept wurde in mehreren

Bauabschnitten in den Jahren 2000–2008 unter


laufendem Betrieb umgesetzt. Zur ersten Bau-

stufe gehörten die Sanitärtürme. Anschließend

erfolgten die Umbaumaßnahmen. Während der

langen Realisierungsphase wurde die Planung

weiter optimiert. Nach achtjähriger Bauzeit erfüllen

die Pflegebereiche heutige Anforderungen

hinsichtlich der Flächen, Funktionalität, Ausstattung,

Gestaltung und räumlichen Atmosphäre.

Der Intensivpflegebereich unterlag ebenfalls

unterschiedlichen Anforderungsprofilen. Die

Entwicklung verlief über eine so genannte

„Wachstation“ mit zwölf Betten, eine interdisziplinäre

Einheit mit sechzehn Betten, separate

Einheiten für den konservativen und den postoperativen

Bereich, bis hin zur derzeitigen interdisziplinären

Einheit mit wiederum 16 Betten.

Anlass für alle Neuordnungsmaßnahmen waren

Flächendefizite und fehlende Funktionsräume.

In einer ersten Baustufe ließ sich der zusätzliche

Flächenbedarf noch durch die Auslagerung

der Pathologie decken; in der letzten Baustufe

nur durch einen Anbau an den Bauteil E.

Der gewählte Standort ermöglichte eine enge

Verzahnung zwischen der interdisziplinären

Intensiv- und der neu geschaffenen IMC-Einheit.

Die Intensiveinheit umfasst Ein- und Zweibettzimmer.

Jeweils zwei Bettenzimmer sind einzeln

oder gemeinsam abschleusbar. Aktuell hat sich

die Fläche pro Bettenzimmer durch krankenhaushygienische

Anforderungen erhöht. Das resultiert

aus definierten, größeren Abständen zwischen

den Betten und Wänden sowie den Betten untereinander.

Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

In der IMC-Einheit sind generell Zweibettzimmer

ausgewiesen, teilweise mit integrierten

Sanitärzonen. Gemeinsame Personal- und

Schleusenbereiche für beide Einheiten ermöglichten

eine flächenoptimierte Lösung. Dadurch

hat die interdisziplinäre Intensiveinheit in den

letzten Jahren lediglich eine Flächensteigerung

von brutto 730 auf 850 m2 erfahren.

Der Behandlungstrakt wurde zum ersten Male

1995 erweitert und zwar für die Strahlentherapie.

Das Krankenhaus verfügte bereits seit 1963 über

eine Telekobalt-Therapieanlage; auf Grund der

sich ergänzenden Wirkungsweise genehmigte

die Landesregierung in den 80er Jahren den

Betrieb eines Linearbeschleunigers. Die Anlage

erforderte einen Anbau, der an der Westseite

den Behandlungstrakt ergänzt.

Ende der 90er Jahre stellte sich heraus, dass

die ursprüngliche Konzeption, der dezentralen,

auf sieben Ebenen verteilten Behandlungsbereiche,

heutigen funktionalen Anforderungen

nicht mehr gerecht wird. Darüber hinaus waren

erhebliche Flächendefizite zu verzeichnen. Das

führte letztlich zu einem viergeschossigen

Anbau an den Bauteil E (vgl.: Der blaue Anbau,

Seite 46). Altbau und Neubau verschmolzen

zu einer Einheit. Im Erd- und 1. Obergeschoss

liegen nun zusammengefasst die Behandlungsbereiche.

Einige Einheiten sind in den Untergeschossen

und im 3. Obergeschoss verblieben.

Der Flächengewinn für den Behandlungsbereich

beträgt brutto rund 2.330 m2 .

Die Entwicklung des OP-Bereiches unterlag

ebenfalls vielfältigen Einflüssen. Ursprünglich

Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

erfüllten die OP-Räume, belüftet über so genannte

Garni-Fenstersysteme, eher die Qualität

von „Eingriffsräumen“. Steigende Anforderungen

an die Krankenhaus-Hygiene zwangen

später zur Klimatisierung und Abschleusung der

Abteilung. Zunehmende OP-Zahlen, Raumbedarfe

und Flächen, verknüpft mit Anforderungen

an die Wirtschaftlichkeit des Betriebes, führten

im Weiteren zur Zentralisierung der Einheiten.

In der ersten Neuordnungsphase 1990–1995

erfolgte der Ausbau einer zentralen aseptischen

OP-Abteilung und einer separaten septischen

OP-Raumgruppe. Voraussetzung dafür war u. a.

die Verlagerung der Anästhesieraumgruppe

und der Sterilisation sowie die Errichtung von

Erweiterungsflächen an den Bauteilen E und F.

Das zeittypische OP-Raumgruppen-Konzept, bestand

aus dem OP-Raum mit vorgelagerten Ein-,

Ausleitungs- und Waschräumen als Schleusen.

Die gynäkologische OP-Raumgruppe verblieb

weiterhin im 3. Obergeschoss.

Steigende OP-Zahlen, u. a. durch kürzere

Verweildauern, führten etwa 2.000 wiederum

zu einer Neukonzeption mit dem Ziel, nun alle

asept. OP-Raumgruppen zu zentralisieren, d. h.

auch die gynäkologische Einheit zu integrieren.

Flächenerweiterungen waren nicht gewünscht.

Es galt also, neue prozessunterstützende

Baukonzepte, mit OP-Umluftdecken der neuen

Technikgeneration sowie zentralen Ein- und

Ausleitungsräumen, umzusetzen. Dafür war

eine Entkernung der Innenzone bzw. der

Rückbau eines Flures erforderlich. Entstanden

ist eine Doppelfluranlage zur Entzerrung der

Transportwege. In der Mittelzone liegen die

Funktionsräume, an der Fassade die OP- und

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Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

Planvergleich Bestand 1.+2. Neuordnungsstufe

OP-Abteilung 1989

Die Erschließung der OP-Abteilung erfolgt über eine Schleuse (5). Allen

fünf OP-Räumen (1) sind jeweils Einleitungs- (3), Ausleitungs- (2), und

Waschräume (4) zugeordnet. Patienten, Personal, Ver- und Entsorgung

werden über einen Flur geführt. An die OP-Abteilung schließt die Aufwachraumgruppe

an (6).

Planvergleich Bestand 1.+2. Neuordnungsstufe

OP-Abteilung 2008

Die Erschließung der OP-Abteilung erfolgt über eine Schleuse (5) aus dem

Krankenhaus und dem Facharztzentrum. Die sechs stationären OP-Räume

(1) werden über eine Zweitfluranlage erschlossen. Einleitungs- (3) und

Waschräume (4) sind zentral ausgewiesen. Nur ein OP-Raum verfügt noch

über separate Einleitungs- (3), Ausleitungs- (2) und Waschräume (4). An

die OP-Abteilung schließt eine Perioperative Behandlungseinheit an. Im

Facharztzentrum – FAZ – liegen die ambulanten OP-Raumgruppen (1A).

weiteren Funktionsräume. Flächengewinne erzielte

insbesondere die Sterilgutversorgung. Die

Aufwachraumgruppe wurde aufgegeben. Eine

Perioperative Behandlungseinheit ergänzt das

OP-Konzept und unterstützt, neben der Überwachung,

auch die termingerechte Übergabe

der Patienten an die OP-Abteilung.

Ergänzend sind heute ambulante OP-Raum-

gruppen notwendig. Hier konnte aktuell ein sehr

wirtschaftlicher Ansatz in Kombination mit dem

Neubau des Facharztzentrums erzielt werden,

das unmittelbar an den Behandlungstrakt anschließt.

Im 2. Obergeschoss sind die stationären

und ambulanten Bereiche bauteilübergreifend

miteinander verzahnt. Ambulante und stationäre

Patienten gelangen über unterschiedliche

Erschließungsbereiche in die Einheiten.

Die vergleichende Betrachtung des Serviceangebots

zeigt, dass in den Krankenhäusern

zunächst ausschließlich Caféterien für das

Personal, und, soweit möglich, separate Casinos

für Ärzte entstanden. Ergänzend kamen dann

Einrichtungen für Besucher hinzu. Heute sind

eher „Erlebnis-Gastronomien“ zu verzeichnen,

in denen selbstverständlich alle Beschäftigungsgruppen,

Besucher, Patienten und Gäste aufeinander

treffen. Die Caféteria lag zunächst im 4.

Obergeschoss, später ergänzte eine Besuchercaféteria

im Erdgeschoss das Angebot. Dieser

Anbau musste aktuell dem neuen lichtdurchfluteten

Café aus einer Holzbau-Konstruktion

weichen. Hier laden loungeartige Einrichtungen,

Ausblicke ins Grüne und die vorgelagerte Terrasse

zum Verweilen ein.


Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

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Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

Ein Beispiel dafür, wie sich eine kontinuierliche

Flächennutzung am Knappschaftskrankenhaus

entwickelt, lässt sich an den Räumlichkeiten

der Caféteria nachvollziehen. 1958 wurde der

Schwesternspeisesaal in der 5. Ebene des

Krankenhauses lediglich von Schwestern

benutzt, denn Ärzte und Schwestern nahmen

in den Anfangsjahren des Krankenhauses ihre

Mahlzeiten in unterschiedlichen Räumen ein.

Danach wurde der Speisesaal gemeinsam von

den Krankenhausbeschäftigten genutzt und

zuletzt auch für Krankenhauspatienten und ihre

Besucher geöffnet. Im August 1992 entstand

eine kleine einfach und zweckmäßig eingerichtete

Patienten-Caféteria an der Südseite des

Bettenhauses mit etwa 80 Plätzen. Fast genau

auf den Tag wurde 13 Jahre später mit dem Abriss

begonnen, weil der Raum zu klein geworden

war, keine Trennung von Rauchern- und Nichtrauchern

erfolgen konnte und das Ambiente

nicht mehr zeitgemäß erschien. Im Jahre 2006

eröffnete das Caré – Café und Restaurant – mit

250 Plätzen. Im Obergeschoss des Neubaus

befindet sich ein klimatisiertes Tagungs- und

Seminarzentrum, das mit zeitgemäßer Medientechnik

ausgestattet ist. Der ursprüngliche

Schwesternspeisesaal wurde 2008 zu Büroräumen

für den Sozialdienst, die Diabetesberatung

und den interdisziplinären onkologischen

Schwerpunkt umgebaut.

61: Schwesternspeisesaal 1958 | 62: Zwischennutzung

des Schwesternspeisesaales als Personal- und Patientencaféteria,

ca. 1972. | 63: Umbau Schwesternspeisesaal

2007 | 64: Nutzung des ehemaligen Speisesaals

als Bürofläche | 65: Caféteria 1992 bis 2005 | 66: Abriss

der Caféteria 2005 | 67 und 68: Caré – Café und Restaurant

am Knappschaftskrankenhaus 2006.

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Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

Themen wie der vorbeugende Brandschutz

haben auch im Gebäudebestand zunehmend

an Bedeutung gewonnen. In den ersten Jahren

fielen brandschutztechnische Defizite häufig

noch unter den so genannten „Bestandsschutz“.

Spätestens seit dem Brand am Düsseldorfer

Flughafen im Jahre 1996 und mit der Einstufung

der Krankenhäuser als Sonderbauten haben sich

die Vorschriften verschärft. In den 90er Jahren

erfolgte eine brandschutztechnische Risiko-

Bewertung des Gebäudes. Das darauf basierende

Brandschutzkonzept ist baulich umgesetzt

und bildet weiterhin die Grundlage für alle

Baumaßnahmen innerhalb des Krankenhauses.

Schwerpunktthemen sind die Ausbildung von

Flucht- und Rettungswegen, die Einteilung des

Gebäudes in verschiedene Brandabschnitte und

der Einbau einer flächendeckenden Brandmeldeanlage.

Seit der Errichtung des Gebäudes hatte der Einsatz

von Steinkohle für die Wärmeversorgung

absolute Priorität. Später installierte Schneckenförderanlagen

zwischen dem Kohlebunker und

den Kesselanlagen ermöglichten über einen

langen Zeitraum personalextensivere Betriebsformen.

Inzwischen sind die Anlagen demontiert.

Heute sorgen gasbefeuerte Kesselanlagen

für die Betriebssicherheit. Contracting-Verträge

ermöglichen die Finanzierung zeitgemäßer

Anlagen und bieten finanzielle Spielräume für

Investitionen in Kernbereichen des Krankenhauses.

Aktuell entwickeln sich Krankenhäuser,

insbesondere in den Pflegebereichen zu

„Hotelbauten“, ein Anspruch, der auch im

Knappschaftskrankenhaus Dortmund erfüllt

ist. Äußerlich hat sich das Gebäude ebenfalls

sehr positiv entwickelt. Die Fassade ist in einem

beigen Grundton gehalten, Akzente bilden großformatig

gestaltete Flächen in den Farben gelb,

orange und blau. Dadurch entsteht eine freundlich

heitere Atmosphäre. Der Haupteingang, die

Visitenkarte des Hauses, erfuhr ebenfalls eine

Aufwertung. Zeltdächer überspannen den Eingang

und die „Verweilzonen“. Fußgänger werden

über getrennte Wege und besonders gestaltete

Flächen, durch Baumreihen und Beleuchtungskörper

vom PKW-Verkehr abgegrenzt, geführt.

Dennoch ist eine unmittelbare Vorfahrt für

Patienten zum Haupteingang gegeben.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die

Keimzelle, aus dem Jahre 1958, auch heutige Anforderungen

hinsichtlich der Flexibilität erfüllt.

Erweiterungsflächen ließen sich problemlos realisieren.

Die verschiedenen Entwicklungsstufen

führten bisher zu Flächenmehrungen von 36.160

m2 auf 44.785 m2 oder 24 %, bei einem Investitionsvolumen

von rund 58,5 Mio. Euro.

2. Der blaue Anbau

Ein Meilenstein für die Entwicklung

des Krankenhauses

Die Keimzelle des Krankenhauses hat über viele

Jahre den steigenden Funktions-Anforderungen

Rechnung getragen, dafür reichten zunächst

Umbaumaßnahmen und geringfügige Erweiterungen

aus. Heutige prozessunterstützende Baukonzepte

ließen sich in der Bausubstanz dann

letztlich doch nicht mehr abbilden. Einflussgrößen

waren die Einführung von DRGs, die Forde-

rung nach kurzen Wegen zwischen den diagnostischen

und therapeutischen Einrichtungen,

patientenorientierte Abläufe usw. Daraufhin

wurde im Jahre 2000 die Schwachstellenanalyse

und Perspektivplanung aktualisiert. Im Ergebnis

bot das Bettenhaus ausreichend Potentiale zur

Entwicklung zeitgemäßer Pflegebereiche. Der

Anbau von Nasszellen und die Einführung neuer

Stationskonzepte ermöglichten eine ausgewogene

Verteilung von Ein-, Zwei- und Dreibettzimmern

pro Station.

Die Defizite lagen also im Behandlungstrakt, der

somit auch den Planungsschwerpunkt bildete.

Besondere Bedeutung gewann ein effizientes

Erschließungskonzept, dem, durch den Ausbau

einer Magistrale rechtwinklig zum Bettenhaus

entsprochen wurde. Daran schließen die vorhandenen

und neuen Bauteile an. Unverändert

erhalten blieben die Liegendkrankenanfahrt,

die Wirtschaftsanfahrt, der Haupteingang, die

Notfallambulanz, Radiologie, Strahlentherapie,

die sept./asept. OP-Abteilung sowie die Gynäkologie/Entbindung.

Die Einrichtungen lagen

im Unter-, Erd-, 1.–3. Obergeschoss und waren

in das Gesamtkonzept einzubeziehen. Gleiches

galt für den gesamten Gebäudebestand.

Unter diesen Vorgaben entstand ein dreigeschossiger

Anbau mit Außenabmessungen von

ca. 30 x 40 m zuzüglich einer Unterkellerung

und Dachzentrale. In den Anbau ist ein Atrium

mit Abmessungen von ca. 7 x 10 m integriert.

Zur vertikalen Erschließung stehen zwei neue

Bettenaufzüge zur Verfügung, die unmittelbar

an den Bestand anschließen und vom Unter- bis

zum 2. Obergeschoss verlaufen. Die Höherfüh-


ung bis zum 3. Obergeschoss ist perspektivisch

eingeplant. Ergänzend ist ein Treppenhaus und

eine außenliegende Treppe zur Sicherstellung

der Rettungswege ausgewiesen. Die Nutzung

der Ebenen ist wie folgt:

Im Untergeschoss sind, angebunden an die

Liegendkrankenanfahrt, die interdisziplinäre

Intensivpflege und die Intermediate-Care-Einheit

untergebracht. Die Intensivpflege umfasst

sechs Zweibettzimmer und vier Einbettzimmer

in vier Raumgruppen, die jeweils aus einem

Zweibettzimmer und einem Einbettzimmer

bestehen und über eine gemeinsame Schleuse

erschlossen werden. Das Zweibettzimmer

verfügt zusätzlich über einen separaten

Eingang. An die Schleuse ist jeweils ein Fäkalienraum

angebunden. Die Bettenzimmer der

Intensivpflege sind zur Westseite orientiert.

Dienst- und Funktionsräume befinden sich am

Innenhof bzw. auf der Südseite des Gebäudes.

Die Erschließung ist über den Altbau sichergestellt.

Zentral zwischen dem Alt- und Neubau

befinden sich die Personalumkleiden, die von der

Intensiv- und IMC-Einheit gemeinsam genutzt

werden. Die IMC-Einheit umfasst vier Zweibettzimmer

im Anbau mit integrierter Sanitärzone

und zwei Zweibettzimmer im Altbau. Dienstund

Nebenräume liegen am Innenhof bzw. im

angrenzenden Altbau.

Das Erdgeschoss nimmt die Endoskopieraumgruppe

auf, bestehend aus den Untersuchungsräumen

für die Rektoskopie, Koloskopie,

Gastroskopie, Laparoskopie, Endosonographie

und den erforderlichen Personal- und Funktionsräumen.

Hier liegen auch die Arztraumgrup-

Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

pen für die Abteilungen Innere Medizin und Anästhesiologie.

Diese bestehen jeweils aus einem

Chefarztzimmer mit Untersuchungsbereich,

einem Sekretariat und einem Oberarztzimmer.

Diensträume und der Patientenwartebereich

gruppieren sich um den Innenhof oder finden

zwischen dem Treppenhaus auf der Südseite

und dem Altbau ihren Platz.

Das 1. Obergeschoss ist analog dem Erdgeschoss

organisiert. Es nimmt die Bereiche

Orthopädie, Chirurgie und Eigenblut auf. Die

Chefarztgruppen entsprechen denen des Erdgeschosses.

Die Patientenwartebereiche liegen

wiederum am Atrium.

Im Kellergeschoss befinden sich die notwendigen

zentralen Technikräume für den

Anbau und die Anbindung an das Kesselhaus.

Die Klimazentrale liegt auf dem Dach des 1.

Obergeschosses. Die Klimatisierung ist auf die

Bettenzimmer der interdisziplinären Intensivpflege

beschränkt. Der Altbau wird im Wesentlichen

über die bestehende Lüftungszentrale im

5. Obergeschoss versorgt.

Der unmittelbar an den Bestand grenzende

Anbau wirkte sich in allen Ebenen auf die Anschlussbereiche

aus. Im

Untergeschoss wurden die Flächen der

konservativen Intensivpflege zur Intermediate-Care-Einheit

umgebaut.

Erdgeschoss werden die Flächen des Labors

künftig von der Abteilung Innere Medizin

genutzt.

Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

1. Obergeschoss waren Anpassungsmaßnahmen

innerhalb des septischen OP-

Bereiches erforderlich. Hier werden nun

auch die transurethralen Eingriffe durchgeführt.

2. Obergeschoss wird derzeit die transurethrale

OP-Raumgruppe zu einer Perioperativen

Behandlungseinheit umgebaut.

Die vielfältigen baulichen Verknüpfungen zeigen,

dass die Baumaßnahme nur aus der Perspektivplanung

heraus abgesichert darstellbar war.

Gestalterisch ist der Anbau durch Fassadenrück-

sprünge bewusst vom Bestand getrennt, das

betont seine architektonische Eigenständigkeit.

Ein dunkelgrau verputztes Sockelgeschoss trägt

die beiden Obergeschosse, die durch den blauen

Farbton an Leichtigkeit gewinnen. In Erkern gefasste

Fensterbänder strukturieren die Fassade

und verleihen ihr eine gewisse Tiefenwirkung.

Die westliche Gebäudefront wird von einer

Treppenanlage dominiert, die, in ein Edelstahlnetz

gehüllt, skulpturenartig vor der Fassadenfront

steht. Der Innenhof wirkt, durch die zurückhaltende

Fassadengestaltung und den meditativen

Charakter der Gartenanlage, als ruhender Pol. Die

äußere Gestaltung der Dachzentrale verdeutlicht

deren funktionale Aufgabe. Hier erfüllt eine Industrieverglasung

alle konstruktiven und bauphysikalischen

Anforderungen, ohne dem Betrachter

die innere Funktion gänzlich zu entziehen.

Die Maßnahme führte zu Erweiterungsflächen

von 3.717 m2 brutto, die Gesamtkosten inkl.

Neuordnung betrugen ca. 9,5 Mio. Euro.

49


Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

Die bauliche Weiterentwicklung

Bauliche Perspektivplanungen sind für alle Liegenschaften

vor dem Hintergrund veränderter

Rahmenbedingungen erforderlich. Sie bilden als

träger- und krankenhausbezogene Planungs-

strategie bereits seit ca. 30 Jahren die Grundlage

für alle realisierten Baumaßnahmen am Knappschaftskrankenhaus

Dortmund. Es handelt sich

dabei um einen kontinuierlichen Prozess, in

dem Veränderungen allumfassend reflektiert

werden. Dazu gehören Strukturüberlegungen,

69: Die westliche Gebäudefront des Anbaus wird von

einer Treppenanlage dominiert, die, in ein Edelstahlnetz

gehüllt, skulpturenartig vor der Fassadenfront

steht.

69


Flächenoptimierungen, Rationalisierungspotentiale,

wirtschaftliche Betriebsformen, baulich

technische Entwicklungen usw. Die gewonnenen

Erkenntnisse werden in baulich funktionale

Entwicklungskonzepte umgesetzt.

Aktuell ist das Krankenhaus baulich auf einem

guten Stand. Dennoch werden Anpassungsmaßnahmen

auch künftig erforderlich sein. Mittelfristig

steht die Neuordnung weiterer Flächen

im Bestand an. Wegweisend ist die Errichtung

des Facharztzentrums, das Ende 2008 den Betrieb

aufnimmt. Auf dem Grundstück sind noch

Entwicklungspotentiale vorhanden. Das setzt

voraus, dass einzelne Gebäude abgetragen werden.

Die gewonnenen Grundstücksflächen sind

wahlweise für das Krankenhaus oder externe

Dienstleister geeignet. Einen Ausblick vermittelt

der nebenstehende Lageplan.

Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund

wurde baulich kontinuierlich durch den Träger,

unter Federführung der Bauabteilung, weiterentwickelt,

geprägt durch die jeweiligen Leiter/

Architekten und ihrer Teams.

Bauarbeiten stellen immer eine große Belastung

für die Patienten und Mitarbeiter des Hauses

dar. Dennoch: Stillstand bedeutet Rückschritt,

der natürlich im Knappschaftskrankenhaus

Dortmund nie eintreten darf. In diesem Sinne

Gratulation zum 50jährigen Bestehen.

Die bauliche Entwicklung des Knappschaftskrankenhauses Dortmund nach 1958

Lageplan Perspektivplanung

Die Entwicklungsmöglichkeiten sind „grün“ dargestellt. Das Krankenhaus ließe sich

noch im Pflege- und Behandlungsbereich erweitern. Einige separate Gebäude sind

abgängig. Deren Abriss ist erforderlich. Die Flächen bieten weitere Entwicklungs-

potentiale, z. B. entlang des Breierspfads und im rückwärtigen Grundstücksbereich.

Bochum, 30.07.2008

Aufgestellt: Elisabeth Lause (Ltd. Baudirektorin),

Leiterin des Baubereiches der BK/KBS in verschiedenen

Organisationseinheiten seit dem

20.06.1995.

Ltd. Baudirektorin Elisabeth Lause

51


1958–2008

Seit 1958 die Zukunft im Blick

53


Seit 1958 die Zukunft im Blick

Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund im Überblick

1958

Eröffnung des Hauses. Zunächst mit den

Abteilungen Chirurgie, Innere Medizin, Röntgen,

Gynäkologie und Orthopädie. Im Laufe der

Jahre kommen hinzu: Neurologie, Pathologie,

Nuklearmedizin, Anästhesie mit Intensivpflegeeinheit,

Urologie und Pneumologie.

1961

Die Arbeitszeit für Schwestern wird von 51 Wochenstunden

auf 48 Stunden herabgesetzt.

1970

Zehn Krankenschwestern und sechs med.techn.

Assistentinnen von den Philippinen

unterstützen ihre Kolleginnen und Kollegen im

Knappschaftskrankenhaus. Allerdings wird die

im Ausland erworbene Qualifikation nicht von

deutschen Behörden anerkannt.

1973

Erweiterung der Radiologie um die Nuklearmedizin

1977

Kurzfristig gibt es eine AWO-Krankenpflegeschule

am Knappschaftskrankenhaus. Die Schülerinnen

und Schüler ziehen aber bald schon in

die neue Krankenpflegeschule der Knappschaft

in Recklinghausen um.

1979

Die Radiologie erhält eine Gamma-Kamera und

kann damit Herzuntersuchungen, z. B. nach

einem Infarkt, selbst durchführen.

Die F.D.P. stellt den neuen Krankenhausbedarfsplan

für Nordrhein-Westfalen vor. Danach soll

die Neurologie am Knappschaftskrankenhaus

aufgelöst werden.

Als erstes Dortmunder Krankenhaus verfügt das

Knappschaftskrankenhaus über einen Ganzkörpercomputertomographen.

1981

In einer kleinen Zeitungsanzeige teilt das Haus

mit, dass es einen eigenen, ehrenamtlichen

Hostessendienst organisieren will, nachdem diese

Aufgaben zuvor durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen

des Arbeitsamtes erledigt wurden.

Es wird eine Entschädigung von fünf Mark pro

Stunde, das sog. „Blusengeld“ angeboten. Daraufhin

bewerben sich mehr als 200 Frauen.

70: Schnell lernten die neuen Mitarbeiter mit Unterstützung

des Knappschaftskrankenhauses die Sprache

ihrer neuen Heimat.

71: Zunächst stellte die AWO die Schwesternschaft

des Knappschaftskrankenhauses. Danach bildete die

Knappschaft selbst aus.

70

71

55


Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund im Überblick

1984

Der Landtagsabgeordnete Bodo Champignon

kündigt Landesmittel für die Renovierung und

Sanierung von vorerst vier Stationen an. In

einem ersten Bauabschnitt soll die sanitäre Ausstattung

der Vierbettzimmer verbessert und die

Stationsleitung vom Eingang zur Stationsmitte

verlegt werden.

Der Umbau der beiden Verpflegungsaufzüge

zwischen den Stationen beginnt, so dass sie

als Personenaufzüge nutzbar werden und ein

zusätzliches Patientenzimmer entsteht.

Der ökumenische Besuchsdienst nimmt seine

Arbeit auf.

Die Planungen für weitere Räumlichkeiten für

die Radiologie reifen.

1985

Der zweite Bauabschnitt zur Modernisierung

von noch zwölf Stationen soll 1988 abgeschlossen

sein.

Dem Landesarbeits- und Gesundheitsminister

Hermann Heineman wird bei seinem Besuch

des Krankenhauses der Wunsch nach einem

weiteren OP-Saal und einem Linearbeschleuniger

vorgetragen.

72

1986

Einer der Dortmunder Notarztwagen wird dauerhaft

am Knappschaftskrankenhaus stationiert

und eine konservative Intensivstation geht in

Betrieb.

Die Englische Königin Elisabeth besucht am

22. 5. ihre Garnison in Dortmund. Das Knappschaftskrankenhaus

sichert für den Notfall die

medizinische Behandlung der Königin. Selbst

Konserven der königlichen Blutgruppe wurden

für einen evtl. Notfall bereitgehalten.

1988

Irmgard Warminger, Vorsitzende des Arbeitskreises

Leitender Krankenpflegekräfte Dortmund,

erklärt der Presse: „Das Pflegepersonal ist

an der Grenze der Leistungsfähigkeit angelangt.

Es fehlen Stellen. Andererseits gibt es zahlreiche

Krankenschwestern, die einen Arbeitsplatz

suchen.“

Das Knappschaftskrankenhaus verfügt als

erstes Haus in Dortmund über ein sog. Afterloading-Gerät,

mit dem Tumore direkt am Ort ihrer

Entstehung mit kleinen strahlenden Sonden

behandelt werden können.

August Wagner wird erster Patientenfürsprecher

in Dortmund.

1989

Beginn der 39-Stunden-Woche.

Am 2.6.1989 findet eine 30minütige Demonstration

gegen den Pflegenotstand statt.

1990

Bundesarbeits- und Gesundheitsminister Dr.

Norbert Blüm und der Bundestagsabgeordnete

Hans E. Urbaniak übergeben dem Knappschaftskrankenhaus

einen Bewilligungsbescheid für die

Beschaffung eines Mammographiegerätes und

eines Chirurgie-Lasers.

Nachdem die Junge Union forderte, das leerstehende

Pförtnerhaus am Wieckesweg als Aushangfläche

zur Stadtwerbung und als öffentliche

Toilette zu nutzen, wird es abgerissen.

Die 1985 begonnene Stationssanierung ist abgeschlossen.

Die Zentralwäscherei für alle damals noch 8

Knappschaftskrankenhäuser im Ruhrgebiet geht

in Betrieb. Nach rund 10 Jahren wird der Betrieb

aufgrund geänderter rechtlicher Hygienevorgaben

eingestellt.

72: Beginn der Stationssanierung 1984.

73: Das erste Afterloading-Gerät in Dortmund stand im

Knappschaftskrankenhaus. (Bild Römer, BR).

73


Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund im Überblick

74: Pförtnerhaus 1958.

75: Haupteinfahrt

Anfang 90er Jahren.

76: Haupteinfahrt

Mitte der 90er Jahre.

77: Die neuen Stelen

aus dem Jahre 2005.

78: Haupteingang im

Jahre 2005.

74 75

76 77

78

57


Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund im Überblick

79: Eingangshalle 1958.

80: Im Eingangsbereich befand sich bei der Eröffnung

des Krankenhauses zunächst ein Selbstbedienungskiosk

unter der Leitung von Herrn Klingenberg (li.).

81: Die Halle im Eingangsbereich wurde 1996 modernisiert.

79

80

81

1991

Gallensteine und Blinddarmentzündungen

werden zwischenzeitlich auch minimal-invasiv

operiert.

Die Heizzentrale wird von Koks- auf weitgehend

automatische Anthrazitkohlenfeuerung

umgestellt.

1992

Die Patientencaféteria mit 50 Plätzen eröffnet

an der Südseite des Hauses. Der OP-Umbau

läuft.

1993

Im Herbst erfolgt der erste Spatenstich für den

Bau des ersten Erweiterungsgebäudes am Krankenhaus,

in dem auch der Linearbeschleuniger

Platz finden soll.

Der Anteil der Knappschaftspatienten liegt bei

18,6 %. Die Verweildauer beträgt 11 Tage.

1995

Bis Ende 1996 soll die Gynäkologie geschlossen

werden. Beschäftigte, Patienten, niedergelassene

Ärzte, die Gewerkschaft ötv sowie die

örtliche SPD fordern den Erhalt der ortsnahen

Versorgung. Gemeinsam erreichen sie durch die

Moderation des Landtagsabgeordneten Bodo

Champignon Modernisierungsinvestitionen und

den Fortbestand der Klinik mit weniger Betten.

Sämtliche Krankenzimmer sind seit 1995 mit

Fernsehgeräten ausgestattet.

Am 24.4.1995 wird die Einweihung des Erweiterungsgebäudes

für die Strahlentherapie mit

einem Linearbeschleuniger gefeiert.

1996

Beschäftigte schützen eine 30jährige Fichte im

Eingangsbereich (vergeblich) vor der Fällung.

Der Zentrale Operationsbereich wird weiter an

die stetig steigende Zahl der Patienten angepasst.

Die Eingangshalle des Hauses wird neu gestaltet

und die neue Rampe für die Wirtschaftsanfahrt

fertig gestellt.

1997

Die Erprobung eines Spracherkennungssystems

beim Diktat von Arztbriefen in der Radiologie

bringt nicht die gewünschte Arbeitsentlastung.

Eine Kooperation, z. B. durch einen gemeinsamen

Einkauf mit dem Hörder Hüttenhospital,

wird diskutiert.

1998

Pflegedirektorin Ursula Fehlberg wird Nachfolgerin

von Pflegedirektor Willi Bell und Dr. Ruedger

Tippelmann wird Chefarzt, nachdem er die Klinik

für Anaesthesiologie und Intensivmedizin zuvor

18 Monate kommissarisch geleitet hat.

Es wird damit begonnen, Nasszellen von außen

an das Bettenhaus anzubauen, so dass jedes

Zweibettzimmer eine eigene Dusche und Toiletteneinheit

mit Waschbecken erhält. 2001 ist die

Baumaßnahme abgeschlossen.


Gemeinsam mit der Praxisgemeinschaft Dr. Helmut

Diekhaus und Dr. Uwe Schreiber beschafft

und nutzt das Knappschafskrankenhaus einen

Magnetresonanztomographen (MRT) im Knappschaftskrankenhaus.

1999

Die 1997 begonnene Modernisierung der Notaufnahme

wird 1999 abgeschlossen.

2001

Privatdozent Dr. Dr. Friedrich C. Grahmann löst

Dr. Althoff-Damke, der den Ruhestand erreichte,

als Chefarzt der Neurologischen Klinik ab.

In der Urologischen Klinik ist jetzt die berührungsfreie

Zertrümmerung von Harnsteinen

durch Stoßwellen möglich.

2002

Die Reihe KuKK (Kunst und Kultur im Knappschaftskrankenhaus)

beginnt mit einer Fotoausstellung.

Seitdem stellen ununterbrochen

Künstler aus der Region ihre Bilder im Knappschaftskrankenhaus

aus. Auch die Park- und

Sonntagskonzerte sowie die Filmnächte im

Knappschaftskrankenhaus stoßen auf das Interesse

vieler Besucher.

Dr. Frank Schmolling, Frauenklinik und Dr. Ralf

Thiel eröffnen den „Generationswechsel“ der

Chefärzte.

2003

Die erste Ausgabe der Knappschaftskrankenhaus

Information Dortmund (KiD) erscheint und

informiert die Beschäftigten über Neuigkeiten

aus dem Krankenhaus.

Die Radiologie stellt Röntgenbilder für das

Internationale Arbeitsamt in Genf (ILO), eine

Unterorganisation der Weltgesundheitsbehörde

(WHO), her. Die Röntgenbilder dienen weltweit

als Vergleichsaufnahmen zur Begutachtung von

Lungenerkrankungen.

Um Lob und Kritik von Patienten systematisch

bearbeiten zu können, wird ein Beschwerdemanagement

eingerichtet. Bald schon stellt

sich heraus, dass die positiven Rückmeldungen

die Sach- und Personalbeschwerden deutlich

übersteigen.

Prof. Dr. Dr. Ernst Walter Hanisch, Chefarzt der

Chirurgie, scheidet aus. Sein Nachfolger wird

Privatdozent Dr. Karl-Heinz Bauer und Nachfolger

von Prof. Dr. Bernhard Lamberts wird

Prof. Dr. Thomas Griga als Chefarzt der Medizinischen

Klinik.

Grundsteinlegung und Richtfest für den Anbau,

in dem u. a. eine zentrale und abgestufte

Intensivpflege, die Endoskopie und die Orthopädische

Ambulanz Platz finden.

2004

Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund im Überblick

Erstmals erscheint ein systematisches betriebliches

Fortbildungsangebot für die Beschäftigten

des Knappschaftskrankenhauses.

Der neue Raum der Stille wird am 4.6.2004 nach

halbjähriger Bauzeit eingeweiht.

82: Raum der Stille 1997, Archiv Ritter.

83: Raum der Stille 2004.

82

83

59


Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund im Überblick

Mit der Neugestaltung der Krankenhauszufahrt

wird begonnen. Die Sanierung der Hausfassaden,

das Verlegen von zahlreichen Versorgungsleitungen,

eine neue Wegeführung und

das Anbringen von zwei Segeln ermöglichen elf

Monate später den Patienten, bis direkt vor den

nun überdachten Haupteingang zu fahren.

Privatdozent Dr. Jens Rodenwaldt wird als

Chefarzt der Radiologie Nachfolger von Dr. Kurt

Georg Hering.

2005

84

Eine Dienstvereinbarung zum Nichtraucherschutz

im Knappschaftskrankenhaus tritt in Kraft.

Als erstes Dortmunder Krankenhaus erreicht das

Knappschaftskrankenhaus die Zertifizierung

nach den anspruchsvollen Richtlinien der Kooperation

für Transparenz und Qualität im Krankenhaus

(KTQ) sowie eine Umweltzertifizierung.

Die Rezertifizierung erfolgt 2008 gemeinsam

mit dem Diabeteszentrum.

Mit der Arbeit an klinischen Pfaden wird begonnen.

Diese Handlungsanleitungen für den

Behandlungsablauf sollen eine bestmögliche

und auch für den Patienten transparente Behandlung

ermöglichen.

Dr. Marc-Oliver Möllers wird Chefarzt der neuen

Klinik für Nuklearmedizin.

Im Zuge der Stationssanierung erfolgt auch die

Einrichtung zentraler Stützpunkte auf den einzelnen

Ebenen, die eine Art Stationssekretariat

darstellen und die Stationsleitung einbeziehen.

2006

Bis auf den bereits zuvor modernisierten Kreißsaal

wird die gesamte Frauenklinik renoviert

und umgebaut. Neu für Dortmund sind Sicherungssysteme,

die Babys vor Entführung und

Vertauschen sichern. Ein Familienzimmer für

junge Eltern entsteht. Beleghebammen und eine

Elternschule sind neu.

Das Caré, das Café und Restaurant am Knappschaftskrankenhaus,

nimmt seinen Betrieb auf.

Über dem Neubau ist gleichzeitig ein modernes

Konferenz- und Tagungszentrum entstanden.

Privatdozent Dr. Karl-Heinz Bauer wird Nachfolger

des Ärztlichen Direktors Dr. Kurt Georg

Hering, der das Amt sechs Jahre ausfüllte.

Dr. Uwe Klapper löst Dr. Gert Balthasar, der 23

Jahre Chefarzt der Klinik für Orthopädie war, ab.

Norbert Nashorn, ein Talisman des Knappschaftskrankenhauses,

nimmt im November

2006 seinen Dienst im neu gestalteten Eingangsbereich

des Knappschaftskrankenhauses

auf. Erst 2008 wird das beflügelte Nashorn

durch den ehemaligen Bundesminister Dr.

Norbert Blüm auf seinen ehrenwerten Vornamen

„Norbert“ getauft.

2007

In Kooperation mit dem Klinikum Dortmund

und dem Karolinen-Hospital Hüsten wird das

Knappschaftskrankenhaus Brustzentrum. Das

Prostatazentrum am Knappschaftskrankenhaus

wird als erstes nordrhein-westfälisches Zentrum

zertifiziert. Das Darmzentrum erreicht als eines

der ersten zehn Zentren in Deutschland die hohe

Anerkennung der Zertifizierung.

Die Telefonzentrale zieht um zum Haupteingang.

Dr. Heinz-Georg Wehmeyer wechselt zum

Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen.

Erste Chefärztin der Klinik für Radioonkologie

und Strahlentherapie wird Dr. Heidemarie

Tonscheidt.

Die elfte Klinik am Knappschaftskrankenhaus,

die Klinik für Pneumologie, nimmt ihren Betrieb

unter der Leitung des Chefarztes Dr. Clemens

Kelbel auf.

2008

Die Planungen für ein Medizinischen Zentrums

werden konkretisiert. Ambulantes Operieren,

ärztliche Praxen und medizinische Dienstleister

sollen hier Platz finden.

Die Stationssanierung sowie der Umbau der alten

Apothekenräume für die Krankengymnastik

sind abgeschlossen.

Der OP-Umbau erreicht zum Jahresbeginn die

zweite von vier Baustufen.

84: Norbert Nashorn nahm 2006 seine Arbeit als Talisman

am Knappschaftskrankenhaus auf.


Exkurs II: Die Beschäftigten des Knappschaftskrankenhauses im August 2008

Hanna Adamaschek · Johanna Adamietz · Markus Adamovsky · Dietmar Adams · Claudia Adler · Oezden-Michael Akbayrak · Selvi Akbayrak · Saliha

Akchar · Menekse Aktürk · Behiye Akyildiz · Jasmin Al Mahmoud · Katrin Alms · Evelyn Alsmeier · Sabine Altenscheidt · Hannelore Altgassen · Sven Alt-

gassen · Christine Altmann · Claudia Amling · Heike Ansorge · Athina Anthymiadou · Sebastian Apel · Chris Arnoldi · Wiebke Arnoldt · Elvira Arnt · Desiree

Artelt · Dominique Asemann · Dominik Atamanczuk · Zbigniew Atamanczuk · Sevgi Atci · Dr. Naevin Atri-Al-Kinani · Beate Axthelm · Ayse Aydin · Yvon-

ne Bahs-Jarzina · Danijela Bajdevski · Rita Balandat · Claudia Balzer · Hildegard Bank · Johanna Bankner · Istref Bardhi · Michael Baron · Dr. Frank Barsnick

· Corinna Bartel · Sandra Bartels · Martina Barthold · Priv.-Dozent Dr. Karl-Heinz Bauer · Maria Bauer · Anita Baumann · Sandra Baumeyer · Veronika Bri-

gitte Becke · Dr. Klaus Beckeler · Florentina Becker · Jessica Becker · Thomas Becker · Sarah Beckmann · Sandra Behling · Heike Behrenberg · Fatima Bel

Ayachi · El-Mokaddem Bel Mkaddem · Naima Bellahcen · Ute Berg · Ralf Berger · Detlev Bergmann · Gudrun Bergmann · Karin Bergmann · Petra Berg-

meier · Bianka-Helene Bergner · Ulrike Bernart · Bettina Bettenbrock · Dr. Dirk de Beule · Isa Bialas · Sabine Bialetzki · Olivia Bien · Nina Bienek · Inanc

Bingül · Daniela Blieke · Heinrich Blieke · Miriam Block · Janina Blokesch · Angelika Boenigk · Yvonne Bökenkamp · Nicole Borchardt · Delfina Börger ·

Renate Borys · Nevenka Bozanic · Michael Brachem · Sabrina Brechtel · Mareike Brennecke · Martina Breuer · Christian Brieskorn · Dr. Dirk Brodersen ·

Nikolaas-Adrian Broers · Marion Brömmel · Vanessa Brosent · Astrid Bruckhuisen · Martin Brüggemann · Ute Brüggemann · Gabriele Brüninghaus · Dag-

mar Brunst · Karl-Egon Bubenhagen · Iris Büdeker · Manuela Bueth · Nina Bulgur · Dr. Alexander Busch · Alexandra Buxel · Deniz Cakir · Yilmaz Cakir ·

Katrin Calaminus · Ulrike Calovini · Hatice Candan · Katharina Caspelherr · Rachida Chanfouh · Anna Chojka · Julia Choudhry · Hee-Suk Chung · Dr. Kerstin

Chysky · Andreas Claas · Ernst Clauberg · Dr. Ulrich Cleff · Silvia Conrad · Barbara Cyrus · Gabriele Czaja-Börner · Bessie Czayka · Irene Czech · Petra

Czygowski · Helga Danz · Andrea-Denise Degenhardt · Meral Demirbelek · Marina Demirtzidou · Kerstin Demsa · Dr. Bettina Depenbrock · Klaudia Dik-

mann · Jeannine Dilker · Björn Diller · Sevgi Dincsoy · Marianne Dinstühler · Gary-Allan Dixon-Margraf · Dominik Dolski · Stefan Donsbach · Barbara

Döring · Detlef Dorka · Heike Dorra · Oliver Dorra · Nicol Dörstelmann-Lutter · Eleonore Dost · Bernd Downar · Gordana Draganic · Hans-Joachim Dragon

· Jürgen Drees · Sascha Drees · Detlef Dreyer · Anita Drinovac · Annett Droll · Ute Droll · Eva-Alexandra Drost · Kornelia Drost · Anna Dück · Andrea Duda

· Anette Duda · Susanne Duda · Klaudija Dukic · Andreas-Daniel Düring · Andreas Duschberg · Jolanta Duschberg · Margret Dworski · Gisela Eberhardt ·

Franz-Bernhard von der Ecken · Angelika Ehrhardt · Felicita Eichel · Karsten Eisenblätter · Birgit El Mamouni · Dr. Mohamed El-Ghamari · Cornelia Elsner

· Susanne Emanuelsson · Jaqueline Engel · Marion Engel · Holger Engelage · Anke Engelhardt · Barbara Engels · Erkan Erarslan · Nicole Erhardt · Gudrun

Ericke · Katharina Escalona · Monika Evers · Dr. Peter Ewald · Anna Falk · Heidemarie Falk · Petra Faulstich · Ursula Fehlberg · Mareike Feldmann · Wolf-

gang Felgenhauer · Maren Ferges · Angelika Fesenmeyer · Gabriele Fink · Wiebke Finkenwerder · Karina Fiorese · Frank Fischer · Hannelore Fischer · Katja

Fischer · Marco Fischer · Rudolf Fischer · Svetlana Fistric · Eduard Fitis · Heike Fleischmann · Marlene Flemming · Tanja Flunkert · Claudia Fork · Evelyn

Foster · Samantha Foster · Stephanie Foster · Alexander Franke · Silke Fredel · Anne Frei · Brigitte Freier · Inga Freimuth · Benjamin Freitag · Angelika

Friedemann · Anne-Kathrin Fries · Suk-I Frisch-Lee · Sarah Fröhlecke · Sonja Fronius · Kevin Fuchs · Torsten Gaevert · Andreas Gandyra · Dr. Pedro Garcia-

Andreo · Igor Gayevskyy · Adriane van der Geest · Janine Geisler · Dr. Romana Gerhard · Yvonne Gericke · Natalya Gernand · Daria Gesenberg · Maike

Gesing · Iris Giebel · Doris Ginelli · Jutta Glaesner · Anja Glathe · Kerstin Glöckner · Gülay Göcer · Dunja Golombek · Edith Gonschior · Helga Gonschior ·

Rita Gonsior · Tatjana Gopp · Svenja Görtz · Klaus Gottlieb · Udo-Günther Graf · Priv.-Dozent Dr. Friedrich-Christoph Grahmann · Dana Gralki · Brunhild

Graser · Dennis Greger · Vera Gregorova · Sarah Gremm · Dieter Greve · Prof. Dr. Thomas Griga · Martin Grimm · Diego-Jorge Gromöller · Uta Gromöller ·

Anne Groos · Astrid Groß · Vera Grün · Sabine Grundmann · Ursula Grundmann · Beate Grunert · Eva Grüning · Monika Grützner-Titze · Michael Haak ·

Joachim Haase · Wiebke Hagemann · Yvonne Hagemeier · Klaudia Hageneier · Martin Hahn · Annegret Hallerbach · Andrea Halstenberg · Sandra Hama-

cher · Fatima Hamdaoui · Andreas Happel · Jaroslaw Haronski · Michael Haronski · Sibylle Hartmann · Lisa Hasenauer · Christine Hatsy · Jürgen Hauke ·

Lena Havermann · Ina Hawlitzky · Annette Heckenkamp · Katja Heermann · Martin Heese · Vanessa Heidmann · Jutta Heiduck · Irene Hein · Barbara

Heinemann · Annette Heinrich · Gabriele Heinze · Elke Heitland · Claudia Heix · Ute Hellmich · Yvonne Herfurth · Eleonore Herzog · Melanie Heuser ·

Stephanie von Heusinger · Irene Heyduk · Alexander Heyn · Elisabeth Hillmann · Holger Hintze · Magdalena-Marie Hinze · Daniel Hirte · Angelika Hobein


Exkurs II: Die Beschäftigten des Knappschaftskrankenhauses im August 2008

· Dagmar Hobrock · Dr. Jan Hoedemaker · Brigitte Hoffmann · Jeannine Hoffmann · Dr. Meike Hoffmeister · Dr. Thomas Hofmann · Ute Hohmann · Dr.

Steffen Höll · Christopher Hollenberg · Elvira Holmes · Nicole Hoppe · Beate Höring · Dietrich Horn · Heiderose Horsthemke · Wolfgang Hüfner · Bianca

Husemann · Martin Husmann · Edeltraud Hussey · Peter Hutmacher · Nicole Hüttemann · Sandra Huxsohl · Zanna Ieropoulou · Mylenti Isaakidou ·

Gabriele Isermann · Jürgen Jähn · Danuta Jagla · Kirsten Jander · Hanna Jankowska · Josine Jannink · Andre Janßen · Dr. Georg Jans-Westerlage · Ingrid

Jaschke · Sandra Joost · Silvia Juhnke · Mandy Junge · Katarina Jurasko · Angelika Kaczor · Nathalie Kahl · Sigrid Kallis · Maria Kaluza · Ilko Kamen · Sylvia

Kamen · Sybille Kaminski · Annette Kampelmann · Dr. Martin Kamphausen · Kirstin Kamyk · Denise Kandler · Karin Kandler-Langer · Claudia Kanngießer

· Esmehan Karakus · Gabriele Karbaum · Mohammed-Yoss Karim-Payab · Martin Karmainski · Kirsten Kasimir · Jutta Kassner · Ünzüle Kayar · Robert

Kazanowski · Hildegard Keil · Dr. Clemens Kelbel · Olga Keller · Stefanie Kempen · Thorsten Kemper · Anja Kensicky · Marc Kensicky · Saskia Kernspecht

· Dr. Florian Keser · Sandra Ketzler · Christiane Kilian · Heidrun Kilian-Deppe · Ayten Kilic · Dr. Kirstin Kimm · Alexandra Kinne · Maren Kinne · Rolanda

Kirschner · Dr. Uwe Klapper · Edeltraud Kleinhans · Michael Kleinschmidt · Hiltrud-Theresia Klems · Waltraud Kletke · Sabrina Klin · Adelheid Klingberg

· Bernhard Klink · Gabriele Klink · Karin Klix · Kerstin Klos · Sylvia Kloßek · Viola Kluge · Gisela Knospe · Dorette Koch · Sigrid Koch · Ursula Koch · Heike

Kohl · Marvin Kolanczyk · Veronika Kolasinski · Gisela Kollmann · Marion Kolmsee · Gabriele Kolnisko · Ute König · Sophie Konior · Ayse Kop · Mona

Köplin · Irina Kopp · Antonio Kos · Anna Koteras · Barbara Kötting · Jessica Kräber · Yvonne Krafczyk · Brigitte Kraft · Oliver Kramer · Dr. Susanne Krämer

· Benjamin Kranzusch · Shpresa Krasniqi · Monika Kraus · Ute Krause · Manuela Kroll · Franz Kruczewski · Ute Krüger · Ute Krüger · David Kubitza · Dr.

Günter Kuboth · Brunhilde Kuch · Idaeta Kuhn · Melanie Kuhn · Kay Kulcke · Dr. Martin Kümmerling · Marianne Künstle · Sylwia Kupidura · Tomislav

Kutnjak · Brigitta Labusch · Klaus Lagoda · Manfred Lamig · Silvia Landmann · Volker Landmann · Dustin Lange · Falko Lange · Bärbel Langer · Gertrud

Langer · Yvonne Langhoff · Sacharula Langner · Adrian Langowski · Kata Lapic · Anja Lasar · Andreas Laubenthal · Grazyna Lazar · Martina Leedham ·

Christine Lelonek · Heike Lembgen · Iris Lepke-Mertens · Elke Lesmeister · Nina Lettmann · Sabine Lettmann · Martina Lichte-Wichmann · Andrea Lieber

· Rosemarie Lilley · Lea Verena Limberg · Edeltraut Lingnau · Thomas Linn · Karin Linnemann · Bettina Lipphold · Melanie Lockemann · Anja Löffler · Jennyfer

Lohmann · Silke Lohsträter · Olivia Loibl · Dirk Lubbe · Ellen Lübbing · Stephan Lüdicke · Dr. Andreas-Heinz Ludwig · Petra-Pia Ludwig · Lubna Lueg

· Ilona Luhmann · Tanja Lünemann · Janine Lusar · Katrin Lützen · Marie Christin Luxem · Jutta Mack · Kerstin Maertin · Eva Magera · Sascha Andreas

Malobecki · Birgit Marejka · Kerstin Margraf · Barbara Marienfeld · Rainer Maring · Stefanie Markovic · Tamara Maron Ruiz · Karin Luise Marre · Raisa

Martens · Ivonne Marx-Kitt · Svea Maschewski · Dr. Christian Mathes · Uwe Matiszik · Manuela-Ulrike Matzker · Vincenzo Mazza · Margarete Meckeler

· Gabriele Medini · Matthias Medini · Dr. Ulrich Mehring · Dr. Horst-Michael Meier · Birgit Meiners · Karin Meininghaus-Neudert · Carola Mendel · Rita

Meretz · Anke Mertin · Birgit Mertins · Judith Mesa · Thomas Mette · Vivien Mette · Anneliese Meyer · Bettina Michalewicz · Marion Michalowicz · Claudia

Michalowitz · Frank Michalowitz · Magdalena Michalski · Halina Mielich · Halina Miodek · Naciye Misirli · Nese Misirli · Ankica Miskic · Michaela Moder

· Dr. Marc-Oliver Möllers · Therese Morcinek · Mirjam Morgen · Masoume Movahed-Ardebili · Dorothea Mroß · Sonja Msaad · Brigitte Mullenders ·

Christiane Müller · Christiane Müller · Dr. Sascha Müller · Ulrike Müller · Ursula Müller · Thorsten Muschinski · Dennis Müssener · Olaf Müssigbrodt ·

Maren Mydla · Elke Nachtigall · Jaqueline Nagel · Ursula Najdecki · Gabriele Närdemann · Regina Neborowsky · Shadab Neghabian · Monika van Nek ·

Sandra Nentwich · Nicole-Ruth Netthöfel · Anke Neubauer · Kristin Neuhäuser · Michael Neuland · Halina Neumann · Birte Nielsen · Dietrich Niendorf ·

Heinz-Juergen Nieswandt · Irene Niggemann · Marianne Niklaus · Marija Nogic · Rita Nübel · Heinrich Oberwahrenbrock · Uwe Ohmenzetter · Jadwiga

Olschewski · Dolores Ong · Eduwa Osagiede · Rita Overbeck · Bahar Özdil · Mutlu Pace · Elvira Padilla · Cornelia Pähler · Jasna Pantic · Britta Papasoglu ·

Frank Papasoglu · Carola Parlog · Christina Pechert · Birgit Peter · Frauke Peters · Mara Petrovic · Ute Petschke · Stefan Pfeiffer · Simone Philipp · Anna

Piankowska · Ute Pich · Marc Pieczka · Katrin Pietrzinski · Sandra Pilger · Claudia Pinkalla · Evelyn Pinz · Regina Plenio · Sybille Ploch · Anna Poda-Matviyenko

· Diana Podolska · Andreas Podsiedlik · Thomas-Holger Pohl · Kerstin Pohlmann · Sandra Poitz · Katharina Poloczek · Mayurachat Poomsean ·

Christine Popella · Eva Popper · Susanne Poreski · Lydia Pospiech · Brigitte Pötzsch · Kristin Preetz · Wolfgang Preugschas · Dirk Prickel · Silvia Priegnitz ·

Jessica Queder · Marina Rademacher · Ljiljana Radovanovic · Christine Raeder · Barbara Raffenberg · Daniela Rahn · Halleh Rasche · Birgit Raschke · Dr.

63


Exkurs II: Die Beschäftigten des Knappschaftskrankenhauses im August 2008

Peter Rathjen · Nadine Rawski · Regina Redford · Adelheid Reichel · Olaf Reichel · Claudia Reimann · Iris Reimann · Kerstin Reinhardt · Petra Reinhold ·

Uwe Reuter · Brigitte Riese · Stefanie Riesel · Dr. Verena Risse · Desanka Ristic · Angelika Rodenbrügger · Priv.-Dozent Dr. Jens Rodenwaldt · Katia Roehl

· Sabine Rohne · Gerda Römer · Sabine Röpke · Astrid Rösch · Arno Rosen · Bernd Rosenberg · Birgit Rosenberg · Natalia Rosenberg · Stephan Rosenthal ·

Bernhardine Rottmann · Stanka Rožman · Frank-Volker Rüchel · Dagmar van Rüden-Wälter · Rita Rudloff · Michaela Rüffer · Heike Ruhl · Dorothea

Rummel · Regine Rydzek · Dorothea Ryrko · Dagmar Saatkamp · Sema Sahin · Therese Salih · Britta Sander · Dr. Ingrid Sapp-Sistermann · Cosmin Sarac ·

Konstantinos Sarigiannis · Stephanie Sattelmacher · Wolfgang Sauer · Barbara Sauermann · Anja Schaefer · Jörg Schäfer · Kerstin Schäfer · Romina

Schaffrin · Svenja Schafstein · Jürgen Scharner · Andreas Schatton · Eva Schauwecker · Antje Scheel · Edmund Scheffel · Heike Scheffel-Sturm · Silke

Schielmann · Andre Schilling · Bettina Schimmel · Daniela Schimnowski · Sylvia Schirmer · Dagmar Schlechter · Marie-Louise Schlüter · Eva-Maria

Schmidt · Galina Schmidt · Iris Schmidt · Jacqueline Schmidt · Sigrun Schmidt · Timm Schmidt · Marion Schmidt-Wessels · Edelgard Schmidtke · Gerda

Schmidtko · Björn Schmitz · Dr. Frank Schmolling · Brigitte Schneider · Georg Schneider · Jörg Schneider · Nicole Schneider · Petra Schneider · Dr. Ralf

Schneider · Sabine Schneider · Dr. Udo Schniedermeier · Heike Schnier · Lieselotte Schöning · Bastian Schott · Michael Schrappe · Joachim Schubert ·

Stefanie Schulte · Gabriela Schulz · Irmgard Schulz · Petra Schulz · Petra Schulz · Janina Schulze · Peter Schütz · Dorothee Schwill · Michael Schydlo ·

Ursula Schydlo · Lisa Seeland · Daniel Seelbinder · Miriam Seidel · Daniela Seifert · Jessika Seiffert · Volker Semmler · Katharina Sendler · Manuela Senf ·

Songül Sevgilik · Andrea Siebrasse · Verena Sievert · Renate Simon · Anna Singendonk · Sarah Singh · Therese Siniawa · Dr. Sebastian Skawran · Paulina

Skiba · Wolfgang Skorvanek · Thomas Smolski · Uwe Sommerfeld · Dr. Brigitte Spenner · Jana Spenner · Annette Spilker · Julia Spillmann · Benjamin

Sprave · Oliver Spreer · Frances Stadthaus · Klaus Stanczewski · Tanja Starzak · Dr. Mario Statz · Markus Stebener · Doris Steeg · Sylvia Steffens · Peter

Steimann · Johanna Steinemann · Anna Valentina Steinweg · Heike Stephan · Koviljka Sterzik · Andreas Stiller · Renate Stöcker · Jolanthe Stoppek-Hopf

· Giovanni van de Straat · Martina Streubel · Daniela Striewski · Christoph Stücke · Wolfgang Sudholt · Christine Sunder · Sabina Szala · Isabelle Szczend-

zina · Doris-Bärbel Szkudlarek · Zdzislaw Szlufik-Lingnau · Brygida Szymura · Barbara Tank · Gülay Taskin · Petra Tebaartz · Cornelia Teipelke · Dagmar

Teister · Cornelia Teubert · Dr. Anke Theophil · Dr. Ralf Thiel · Katrin Thiesbrummel · Latha Thirukumaran · Heinz-Josef Thomer · Sieglinde Thomsen ·

Bärbel Tillmann · Dr. Rüdger Tippelmann · Veronika Tobolak · Dr. Fadime Tokatli · Gordana Tomic · Dorothea Tonder · Ute Tonkes · Dr. Heidemarie

Tonscheidt · Ayse Törüz · Marion Totzke · Brunhilde Trapp · Hajo Trappmann · Brigitte Treber · Sima Tsaboutachwili · Stefanie Tüllmann · Brigitte Turan

· Susanne Twitchen · Jutta Uelsberg · Sabine Ufer · Andrea Uhlig · Silke Ulrich · Dorothee Untenberger · Frank Untenberger · Silvia Untenberger · Ursula

Urbanowicz · Barbara Urland · Henner Vaut · Stephanie Verhoeven · Maria Vetter · Hans-Günter Viehweg · Petra Vielhauer · Mladenka Vodjevic · Karin

Vogel · Kornelia Vogt · Ina Völkl · Krimhilde Vollmer · Silvia Vollrath · Sabine Vomhof · Sandra Vorderwülbecke · Valentina Vornhagen · Birgit Wagener ·

Frauke Wagener · Klaudia Wagner · Manuel Wagner · Vera Wägner · Manfred Walitzek · Ulrike Wallner-Frontzek · Daniela Walschus · Beate-Sabine Walter

· Inga Walther · Manuel Warda · Juliane Weber · Ralf Weckenbrock · Cecylia Wehowski · Liane Weichelt · Dagmar Weidemann · Thomas Weidenhammer

· Peter Weiland · Hugo Weimann · Björn Weitz · Friedrich Welge · Rainer Wember · Sonja Werdecker · Karin Wessel · Annika Westecker · Birgit Wichert ·

Anke Wiegand · Birgit Wiegand · Ursula Wiesenhöfer · Silke Wilczek · Christian Wilkens · Carola Willems · Christiane Wilms · Andreas Wilmsmeier · Mar-

lies Wilms-Schmitz · Jolanthe Winitzki · Dr. Jörg Winkle · Sandra Winter · Julia Wisniewski · Elke Witecy · Celine-Klara Wittek · Martin-Bodo Wobbe ·

Susanne Wobbe · Claudia Wodzinowski · Rafael Wolny · Karin Woltemate · Niels Wolter · Monika Wopp · Lilia Wottschel · Hanna Wotzlawski · Gertrud

Wunder von Krawczynski · Benedikt Wüstefeld · Dr. Martin Wylicil · Ayten Yildirim · Yücel Yildiz · Hülya Yöndes · Ayfer Yurtseven · Ayfer Yurtseven ·

Brigitte Zabel · Dagmar Zachau · Monika Zähler · Gisela Zajons · Jamina Zakour · Anke Zemsky · Annette Zerres · Gisela Zettel · Simone Ziervogel ·

Gabriele Zillmann · Stefan Zinser · Eva Zöllner.


1958–2008

Wie wurde was ist und was sein könnte

65


Interviews

Wie wurde was ist und was sein könnte

D

ie nachfolgenden Interviews wurden

in der Zeit von Ende 2007 bis Mitte

2008 durchgeführt. Die zufällig ausgewählten

Interviewten beschreiben den Wandel des

Knappschaftskrankenhauses aus ihrer ganz

persönlichen Sicht.

August Wagner konnte auch von der spannenden

Vorgeschichte des Krankenhauses

berichten. Der ehemalige Patientenfürsprecher

August Wagner sieht genauso wie Personalleiter

Detlef Dreyer eine gute Zukunft des Hauses in

der Trägerschaft der Knappschaft See Bahn.

Alle Interviewten, die im Knappschaftskrankenhaus

arbeiten oder arbeiteten, identifizieren

sich im hohen Maß mit dem Haus und sind

stolz auf die Entwicklung des Hauses: „Wir müssen

uns hinter niemandem verstecken“, sagt

Maren Kinne, die als Telefonistin im Haus arbeitet.

Stetig steigende Fallzahlen, Patientinnen

und Patienten aus dem gesamten östlichen

Ruhrgebiet sowie viel Lob und Anerkennung

haben aber ihren Grund. Gut ausgebildetes und

kompetentes Pflegepersonal führt Ute Droll

in ihrem Interview dafür an. Der ehemalige

Ärztliche Direktor des Hauses, Dr. Kurt Georg

Hering, weist auf die moderne apparative

Ausstattung des Hauses und das hohe fachliche

Können der Ärzte hin. Dies unterstreicht auch Dr.

Manutschehr Taayedi, der zunächst im Knappschaftskrankenhaus

und dann als niedergelassener

Arzt in Dortmund tätig war: Auch für uns

niedergelassene Ärzte, welche die Patienten

nachbehandelt haben, wurde der Fortschritt

deutlich sichtbar. Um Vertrauen geht es auch

im Interview mit der Krankenhausseelsorge

und der Patientenbetreuung von „Kontakt und

Hilfe“.

Peter Hampel und Klaus Simson, Anwohner, die

die Entwicklung des Hauses seit Jahrzehnten

beobachtet haben, bringen ihre Beobachtungen

auf den Punkt: „Früher musste man als Knappschaftsversicherter

hierher – heute wollen alle

freiwillig hier hin.“, denn das Haus ist modern

und komfortabel. Die Zimmer sind top, und

auch das Essen schmeckt lecker. Doch ein

Krankenhaus steht und fällt mit den Menschen,

die in ihm arbeiten. Der langjährige Personalrat

Fredy Fritsch erinnert sich daran, dass fast keine

Probleme mit der Integration unterschiedlichster

Beschäftigter bestanden haben – fast

wie eine Familie.

Ehem. Patientenfürsprecher August Wagner:

Die Kumpel waren stolz

auf ihr neues Krankenhaus

Telefonistin Maren Kinne

Wir müssen uns hinter niemandem verstecken

Stellv. Pflegedirektorin Ute Droll

Krankenschwester – Ein traumhafter Beruf

Anwohner Klaus Simson und Peter Hampel

Zwei Brackeler Zeitzeugen erinnern sich

Krankenhausseelsorge

Trost spenden, Not lindern, Zuhören

Dr. Manutschehr Taayedi

Damals waren die Chefärzte noch

die Herrgötter in Weiß

Ehem. Ärztlicher Direktor

Dr. Kurt Georg Hering:

Das Haus ist auf einem sehr guten Weg

Ehem. Personalrat Fredy Fritsch

Ich habe die Zeit nie bereut

Personalleiter Detlef Dreyer

Ich wünsche mir, dass das Haus erhalten bleibt

67


Die Kumpel waren stolz auf ihr neues Krankenhaus

August Wagner – Ehem. Patientenfürsprecher

August Wagner wurde 1926 geboren. Der

ehemalige Dreher und Grubenschlosser war

Betriebsratsmitglied der Zeche Minister Stein,

Mitglied im Vorstand der Bundesknappschaft,

Bezirksvorsteher in Dortmund-Eving und seit

1980 Patientenfürsprecher im Knappschaftskrankenhaus.

Der engagierte Senior verstarb

am 23. Februar 2008 und erinnerte sich kurz

vor seinem Tode an die Entstehung des Krankenhauses

in Brackel, zu dessen Einweihung er

1958 als frisch gewählter Knappschaftsältester

eingeladen war.

? Was verbindet Sie mit dem Knappschaftskrankenhaus

in Dortmund-Brackel?

Wagner: Ich übte seinerzeit die ehrenamtliche

Tätigkeit des Knappschaftsältesten aus.

? Knappschaftsältester? Sie waren gerade mal

32 Jahre jung!

Wagner: Die Tätigkeit eines Knappschaftsältesten

ist eine ehrenamtliche Mittlertätigkeit

85

zwischen den Arbeitern und Angestellten und

deren Familienangehörigen und der Bundesknappschaft.

Ich habe in meinem Sprengel, dem

Gebiet, für das ich damals zuständig war, bei

Fragen der Renten- und Krankenversicherung

beraten und habe Anträge weitergeleitet. Damals

wohnten in meinem Sprengel rund 1.000

Bergarbeiterfamilien.

? Von denen Sie sicher etliche kannten?

Wagner: Viele von ihnen kannte ich persönlich.

Ich erinnere mich noch gut: Auch die monatliche

Rentenzahlung erfolgte vor 50 Jahren

noch bar. Die haben die Knappschaftsältesten

gemeinsam mit den Zahlbeamten organisiert.

Darüber hinaus waren wir Knappschaftsälteste

auch an der Wahl des Vorstandes beteiligt, der

natürlich auch 1958 zur Eröffnung des Krankenhauses

kam.

? Die Krankenhauseröffnung war sicher ein

großer Tag für Dortmund?

Wagner: Das war es bestimmt. Denn in der

Stadt, die damals noch von der Industrie

geprägt war, fehlten weit über 1.000 Krankenbetten.

Das neue Haus der Knappschaft war

der erste Neubau dieser Art nach dem Krieg

weit und breit. Es half mit seinen 600 Betten,

den Mangel in Grenzen zu halten. Die offizielle

Eröffnung fand allerdings etwas später statt,

nachdem das Krankenhaus schon den Betrieb

aufgenommen hatte und auch die Außenanlagen

fertig waren.

? Warum wurde denn als Standort der östliche

Vorort Brackel ausgewählt?

Wagner: Lange vor dem Bau wurde darüber dis-

kutiert, wo denn das Krankenhaus stehen sollte.

Erste Überlegungen rückten das Haus in die

Nähe der Zechen, in den Dortmunder Norden.

In die engere Wahl kam ein Grundstück am Süggelwald,

Nähe Grävingholz, an der Brechtener

Straße in Dortmund-Kemminghausen. Aber

man war sich nicht sicher, ob hier Bergschäden

zu erwarten waren. Dann kaufte man in den

20er Jahren eine geeignete Fläche am Nussbaumweg

in Wambel.

? Aber das hat ja anscheinend nicht geklappt ...

Wagner: Nein, denn dort entstand zwischenzeitlich

eine Kleingartenanlage, die gerade in

der Nachkriegszeit die Bürger mit Gemüse,

Kartoffeln und Obst versorgte, in der aber auch

einige Menschen vorübergehend Wohnraum

fanden. Oberbürgermeister Wilhelm Hansmann,

der selbst Kleingärtner war, bot der Knappschaft

dann das Gelände aus Feld, Wald und Wiese in

Brackel zum Tausch an, wo auch letztendlich

gebaut wurde.

? Die Knappschaft machte sich nicht nur

Freunde mit ihrem Krankenhausbauprogramm?

Wagner: Ich weiß, dass der Bau der Knappschaftskrankenhäuser

in der Weimarer

Republik umstritten war. Christliche Bergarbeiter

polemisierten gegen die Einrichtung von

Knappschaftskrankenhäusern, weil sie zu teuer

für die Knappschaft seien und die Bergleute

in Abhängigkeitsverhältnisse bringen würden.

Die Interessenvertreter der konfessionellen

Einrichtungen hatten Angst um ihre eigenen

Häuser und wandten sich auch gegen Knappschaftskrankenhäuser,

weil sie knappschaftliche


Zuschussbetriebe seien und dadurch die Pflegesätze

drücken würden. Außerdem kämen die

religiösen Gefühle der Bergleute zu kurz. Dies

war zwar alles Blödsinn, aber die Knappschaft

geriet dadurch genau in die Front zwischen

Berliner Zentralregierung und Adeligen.

? Zeigte die Stimmungsmache Wirkung?

Wagner: Diese Diskussion führte dazu, dass

nach dem Bau der Knappschaftskrankenhäuser

Recklinghausen, Gelsenkirchen und ich glaube

noch Bottrop, der Reichsarbeitsminister den Bau

weiterer Knappschaftskrankenhäuser untersagte.

Man muss dabei wissen, dass der Reichsarbeitsminister

Ehrenmitglied der Christlichen

Bergarbeitergewerkschaft war.

? Der Bau des Hauses wurde praktisch von den

Beiträgen der Bergarbeiter finanziert ...

Wagner: Richtig. Und die Kumpel waren stolz

auf ihr neues Krankenhaus, das mit modernster

Technik ausgerüstet war, und in dem

es gute Ärzte gab. Zwar war der Weg weiter

als zum damaligen Brüderkrankenhaus an der

Burgholzstraße, in dem heute die Anne-Frank-

Gesamtschule untergebracht ist, und weiter als

zum Unfallkrankenhaus an der Münsterstraße.

Aber das nahm man gerne in Kauf. Denn in dem

neuen Krankenhaus wurden Maßstäbe für das

Gesundheitswesen in Dortmund gesetzt.

85: August Wagner – ehem. Patientenfürsprecher.

86: Drastisch wurde in den Bergwerken des Ruhrgebiets

immer wieder auf die Gefahren hingewiesen, die

der Beruf des Bergmannes mit sich bringt. 95

? Der Beruf des Bergmanns ist mit einem hohen

Unfallrisiko verbunden ...

Wagner: Ja. Die Verletzten, aber auch die berufsspezifischen

Erkrankungen, wurden in Brackel

mit großem Erfolg behandelt. Sie konnten eher

wieder nach Hause und die Krankheitsdauer

konnte damals schon verkürzt werden, was sich

positiv auf die Knappschaftskasse auswirkte.

Die Kumpel waren stolz auf ihr neues Krankenhaus

August Wagner – Ehem. Patientenfürsprecher

? Wie war denn 1958 die gesundheitliche Versorgung

der Bergleute organisiert?

Wagner: Auf jeder Schachtanlage gab es einen

Werksarzt. Auf Minister Stein zum Beispiel war

Dr. Schäper tätig. Er untersuchte die Bewerber,

die von der Zeche neu eingestellt werden

sollten – aber auch im regelmäßigen Turnus alle

Angestellten. Und er verschrieb den Kumpeln

Massagen und Bäder. Der Hausarzt der Bergleute

war der Knappschaftsarzt. Er behandelte,

überwies an Fachärzte oder ins Krankenhaus.

86

69


Die Kumpel waren stolz auf ihr neues Krankenhaus

August Wagner – Ehem. Patientenfürsprecher

? Wie sah es mit der freien Arztwahl aus?

Wagner: Die freie Arztwahl hatten Knappschaftsversicherte,

nachdem die Bundesknappschaft

gegründet wurde. Sie erhielten auch das

Privileg, sich in den Ambulanzen der Knappschaftskrankenhäuser

behandeln zu lassen.

? Die Geschichte der Knappschaft ist auch eine

Geschichte des stetigen Wandels. Welche Veränderungen

haben Sie im Knappschaftskrankenhaus

Dortmund am meisten beeindruckt?

Wagner: Unter Dr. Hering bot das Haus als eines

der ersten das ganze Spektrum von Bestrahlungsmöglichkeiten

zur Krebsbehandlung an.

Und in der Orthopädischen Klinik operierten

die Ärzte bereits, als in anderen Häusern die

Mediziner noch mit langwierigen Gipsverbänden

arbeiteten.

? Welche Einrichtung im Knappschaftskrankenhaus

findet immer wieder Ihre Aufmerksamkeit?

Wagner: Für mich ist der Raum der Stille, der auf

Initiative des Patientenfürsprechers entstanden

ist, genau so bedeutend wie der neue Eingang,

die modernen Patientenzimmer und der großzügige

blaue Anbau. Alle Maßnahmen – bis hin

zur Zertifizierung und guten Öffentlichkeitsarbeit

– fügen sich zu einem Mosaik mit dem

Namen „modernes und patientenorientiertes

Krankenhaus” zusammen. Das ist es, was mich

am meisten beeindruckt.

? Wie denken Sie über die Zukunft des Hauses?

Wagner: Das Krankenhaus ist 50 Jahre jung. Es

ist im gesundheitlichen Netz gut positioniert

und gut für die Zukunft aufgestellt. Die Knappschaft

als Krankenhausträger tut gut daran,

nicht von ihrem Bekenntnis zum Standort

Dortmund abzuweichen.

87: In zwei ehemaligen Motorradgaragen richtete

August Wagner ein kleines Büro, die „Ranch“ ein, wo er

seine Sprechstunden durchführte. 96

87


„Willkommen im Knappschaftskrankenhaus

Dortmund. Alle Telefonleitungen sind zur Zeit

belegt. Sobald eine Leitung frei wird, werden

wir Sie verbinden. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“

Wer das Knappschaftskrankenhaus

angerufen hat und der Stimme des Bandes bis

hierher gefolgt ist, der überbrückt die restliche

Wartezeit mit Musik zum Träumen. Und

dann kommt früher oder später (morgens in

der Rushhour) eine sympathische Stimme,

die jeden Anrufer aus der Warteschleife reißt:

Knappschaftskrankenhaus Dortmund” sagt

88: Maren Kinne.

89: Die alte Telefonzentrale.

90: Die erste Telefonzentrale befand sich dort, wo

2004 der Raum der Stille eingeweiht wurde. Hier ist die

Telefonzentrale schon soweit umgebaut, dass nicht

mehr „gestöpselt“ werden musste.

89

90

Maren Kinne seit 35 Jahren. Eigentlich wollte

sie Zahnarzthelferin werden. Doch die Lehrstellen

waren trotz bester Noten auch damals

schon knapp. Und deshalb ging Maren Kinne

kurzerhand in den Einzelhandel. 300 Mark

brutto verdiente die Verkäuferin nach ihrer

Ausbildung. Zuwenig, um mit ihrem Mann

einen eigenen Hausstand zu gründen. Ein

Tipp aus dem Bekanntenkreis stellte ihr dann

die Weichen für die nächsten Jahrzehnte: Sie

bewarb sich für den Hauswirtschaftsdienst

im Knappschaftskrankenhaus. Der Personalchef

stutzte, als er die guten Zeugnisse las.

„Es ist egal, was ich mache” sagte sie fast

entschuldigend. „Ich will mit meinem Mann

etwas aufbauen. Ich brauch‘ das Geld.“ Für den

Personalchef war die Sache klar: Die können

wir auch woanders gut einsetzen. Das war vor

35 Jahren.

? Und so kamen sie in die Telefonzentrale?

Kinne: Nein. Ich wurde erst mal als Hausgehilfin im

Arbeiterbereich eingestellt. Aber ich durfte schon

Vertretung in der Telefonzentrale, der Poststelle

und im Archiv machen und habe deshalb die

Angestelltenzulage bekommen. Zusammen 1.600

Mark im Monat. Das war viel Geld für einen jungen

Haushalt.

? Und das hat Ihnen auf Anhieb gefallen?

Kinne: Sehr. Schwierigkeiten hatte ich nur am

Anfang, wenn der Rettungswagen rein kam;

wenn ich die Schwerstverletzten sah, oder

wenn Menschen auf der Fahrt ins Krankenhaus

gestorben waren. Aber das kriegen wir ja heute

nicht mehr so intensiv mit.

Wir müssen uns hinter niemandem verstecken

Maren Kinne – Telefonistin

? Als zwei Jahre später dann im Knappschaftskrankenhaus

ihre Tochter geboren wurde,

wollten Sie eigentlich mit der Arbeit aufhören ...

Kinne: Eigentlich ... aber dann bekam ich das

Angebot, in die Telefonzentrale überzuwechseln.

Ich musste zwar im Schichtdienst arbeiten,

aber den konnte ich so legen, dass es mit der

Wechselschicht meines Mannes passte. So war

unsere Tochter immer bestens versorgt.

? Die Telefonzentrale war kurz vorher umgezogen ...?

Kinne: Ja, als ich noch zur Aushilfe dort arbeitete,

war sie dort, wo jetzt der Raum der Stille

ist. Als ich sechs Wochen nach der Entbindung

wieder anfing, hatte sie schon ihren Standort

an der Anfahrt zur Zentralen Notaufnahme

bezogen und schließlich fand die Telefonzentrale

2007 eine neue Heimat in der Eingangshalle

hinter der Rezeption.

? Also neue Räume und neue Technik?

Kinne: Nein, ich habe zunächst mit einer uralten

Anlage und zehn Amtsleitungen an der ZNA-

Anfahrt weiter gemacht.

? War damals denn schon viel Betrieb?

Kinne: Das war schon heftig. Wir mussten nicht

88

71


Wir müssen uns hinter niemandem verstecken

Maren Kinne – Telefonistin

nur die eingehenden Gespräche annehmen und

weiterleiten – auch die ausgehenden mussten wir

anwählen und mit dem Gesprächspartner vermitteln.

Allerdings hatten die Patienten zu der Zeit

noch kein Telefon am Bett. Das war ein Privileg der

Privatpatienten. Für die mussten handschriftliche

Listen über die Gesprächseinheiten geführt werden,

die sie bei ihrer Entlassung hier bezahlten.

? Konnten Sie in die Gespräche reinhören?

Kinne: Ja.

? Und haben Sie das auch gemacht?

Kinne: Nein. Aber wir hatten früher eine ältere

Kollegin, die machte das gerne. Aber die Gesprächspartner

hörten es – beim Einschalten

klickte es laut und deutlich. Den Kollegen im

Haus war das bekannt. Und die riefen dann

in den Apparat: Frau X, gehen sie mal aus der

Leitung raus ... Jemand hat mal gesagt, dass die

Telefonzentrale Schaltstelle des Krankenhauses

ist. Das stimmt. Wir bekommen immer wieder

Aufträge, die unter den Datenschutz fallen. Und

91: Übergangsweise fand die Telefonzentrale Platz

neben der Liegendanfahrt. 1992 wurde der Raum durch

die OP-Erweiterung etwas vergrößert. 2007 wechselte

sie wieder zum Haupteingang, so dass dieser auch

nachts den Patientinnen und Patienten offen steht.

91

auch viele Kollegen kommen hier auf einen

kurzen Plausch vorbei.

? Aber Sie können auch heute noch in die

Gespräche gehen?

Kinne: Ja. Aber nur, wenn ich den Auftrag bekomme,

das Gespräch zu unterbrechen.

? Wenn Sie zurückdenken – hat sich noch et-

was anderes verändert als die Technik?

Kinne: Damals war das Krankenhaus noch wie

eine große Familie. Damals kannten uns auch

die Chefärzte und sprachen uns mit Namen an.

Oder sie kamen mit einem neuen Arzt vorbei

und stellten ihn vor. Das hat alles schon sehr

nachgelassen. Heute kommen Leute und verlangen

nach einem Schlüssel – die hat man vorher

noch nie gesehen.

? Mit der neuen Anlage hat sich viel geändert?

Kinne: Wir haben jetzt ein Aufschaltverfahren.

Auch wenn alle Leitungen besetzt sind, hat

der Anrufer von draußen das Freizeichen in

seinem Hörer. Dann kommt die Ansage „Im

Moment sind alle Plätze belegt ...“ Und wenn

eine Leitung frei wird, können wir das Gespräch

annehmen. Wenn es sich staut, müssen die Anrufer

leider warten. Dazu kommt, dass das Haus

Vorrecht auf freie Leitungen hat.

? Ein Grund für viele zu schimpfen?

Kinne: Da muss man sich schon mal fragen lassen

„Mein Gott, schlafen Sie?“. Aber wir schlafen nicht.

? Wie viele Anrufe kommen denn in 24 Stunden

hier an?

Kinne: Das weiß ich nicht. 400 bis 500 werden

es mit Sicherheit in der Frühschicht sein. Morgens

schellt es am laufenden Band. Am späten

Nachmittag wird es dann ruhiger.

? Müssen Sie noch zusätzliche Aufgaben erledigen?

Kinne: Wir müssen auch die beiden Schranken

am Breierspfad bedienen, an denen besonders

morgens viel los ist. Und noch das Notfall-

Telefon. Dann gibt es noch jede Menge Anrufe

von Mitarbeitern des Hauses, die eine interne

Rufnummer wünschen, die sie eigentlich auch

aus dem Intranet ziehen könnten.

? Früher hatten die wenigsten Menschen ein

Telefon. Man fasste sich kurz. Und legte sich

sein Gespräch schon vorher zurecht, damit es

nicht so lange dauerte. Und heute?

Kinne: Früher waren die Menschen am anderen

Ende der Leitung hilfloser. Man merkte, wer

nicht häufig telefonierte. Aber in der Regel

waren sie sehr höflich. Heute sind die Anrufer

ungeduldiger. Wenn man dann sagen muss,

dass sich die Station im Moment nicht meldet,

werden sie schnell ungehalten.

? Also über Jahre die gleiche Arbeit mit wechselnden

Personen am anderen Ende des Hörers?

Kinne: Ja. Und es macht noch immer großen Spaß.

? Wenn Sie die 35 Jahre zurück blicken, was hat

sich Ihrer Meinung nach am meisten verändert?

Kinne: Die ganzen Umbauten haben das Krankenhaus

geprägt. Es wurde immer moderner.

Und wenn ich davon zu Hause oder im Bekanntenkreis

erzählt habe, dann war auch immer ein

bisschen Stolz dabei. Wir müssen uns hinter

niemandem verstecken.


Was haben das Dortmunder Knappschaftskrankenhaus

und Ute Droll gemeinsam? Beide

feiern in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Die

stellvertretende Pflegedirektorin zählt sich

zum „Urgestein” des Hauses: 1976 begann sie

hier ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin

und besuchte zuerst die Krankenpflegeschule

der AWO in Marl, ein Jahr später dann die alte

zentrale Krankenpflegeschule der Knappschaft

in Recklinghausen. Das Knappschaftskrankenhaus

in Brackel war ihr Wunschkrankenhaus,

das sie sich trotz Stellenmangel aus drei Angeboten

heraus gesucht hatte. Natürlich bestand

sie drei Jahre später das Examen und begann

ihre Laufbahn auf einer Unfall- und Gefäßchirurgischen

Station. „Ganz normal, wie es sich

für eine Krankenschwester gehört.“

? War der Beruf damals noch ein reiner Frauenberuf?

Droll: Nein, das war schon sehr gemischt. Ein

Drittel der Schüler waren junge Männer.

? Wie war damals der Lehrstellenmarkt? War es

problemlos, eine Stelle zu bekommen?

Droll: Es gab sehr wenig Stellen.

? Krankenschwester war Ihr Traumberuf?

Droll: Nein, das war Plan B. Ich wollte eigentlich

Sozialarbeiterin werden. Aber Mitte der 70er Jahre

standen die Chancen für diesen Weg schlecht.

? Aber dem sozialen Bereich sind Sie treu

geblieben?

Droll: Ja. Ich habe es vom ersten Tag an sehr

gerne gemacht. Ich kann mich noch gut erinnern,

dass ich zu Hause meiner Mutter von meiner

Arbeit vorgeschwärmt habe: „Das macht so viel

Spaß – und ich kriege auch noch Geld dafür.”

Zwar hatten wir auch manchmal mit schwierigeren

Stationsleitungen zu tun, die mit ihrer

Einstellung zu Auszubildenden etwas fehl geleitet

waren. Aber im Großen und Ganzen war es

toll. Und ich habe nicht einen einzigen Gedanken

daran verschwendet, etwas anderes zu machen.

? Welche Stationen haben Sie denn in der Aus-

bildung durchlaufen?

Droll: Ich war überall. Manchmal nur für sechs

Wochen, aber ich habe mich relativ schnell überall

eingearbeitet. Im OP, auf der Intensivstation ...

Ich war sogar in der Krankengymnastik.

? Ihre erste Station als Krankenschwester war die

Unfallchirurgie?

Droll: Ja, die Männerstation. Ich habe zusammen

mit einer Kollegin dort angefangen. Nach

kurzer Zeit hießen wir dort nur noch Frau Babbich

und Frau Strubbelich, weil wir erst mal die

Station auf Vordermann gebracht haben.

? Und wie kam das bei den Patienten an?

Droll: Gut. Allerdings muss ich sagen: Die Zeit

in der Unfallchirurgie/Männer war anstrengend.

Die Männer haben damals überall geraucht,

ihre Kippen in den Blumentöpfen ausgedrückt,

überall standen Bierflaschen rum ... Da konnten

wir uns richtig ausarbeiten.

? Sie haben auch relativ schnell Karriere gemacht?

Droll: Ich bin nach einem Jahr schon stellvertretende

Stationsleiterin geworden. Ich hatte

großes Glück – meine erste Stationsleiterin,

Krankenschwester – Ein traumhafter Beruf

Ute Droll – Stellv. Pflegedirektorin

hat mir alles gezeigt, mich an allem teilhaben

lassen. Als Schwester Leonie für drei Monate

eine Weiterbildung besuchte, musste ich alleine

klar kommen. Das hat auch gut geklappt –

allerdings mit vielen Mehrarbeitsstunden. Aber

ich wollte es ja gut und richtig machen. Ich

habe tagsüber normal mitgearbeitet und nach

Dienstschluss die schriftliche Arbeit erledigt.

? Die schriftlichen Arbeiten sind im Laufe der

Jahre mehr geworden?

Droll: Oh ja. Das ist kein Vergleich mehr zu meiner

Anfangszeit. Es muss sehr viel dokumentiert

werden. Früher gab es zwar keinen PC, dafür

aber ein großes Buch für alle Besonderheiten.

Alles andere hat man mündlich übergeben. Medizinische

Maßnahmen wurden in die Fieberkurve

eingetragen, das war’s.

? Nach der Stellvertretung ging es aber weiter

bergauf?

Droll: Acht Jahre hab‘ ich die Stellvertretung

92: Ute Droll, Stellv. Pflegedirektorin.

92

73


Krankenschwester – Ein traumhafter Beruf

Ute Droll – Stellv. Pflegedirektorin

93: Längere Liegezeiten, aber auch weniger Dokumentationsarbeiten

ließen Zeit für ausgiebigere Gespräche

mit Patienten und Angehörigen.

94: Mussten Patienten bei einer Hüftoperation vor 30

Jahren oft acht Wochen im Krankenhaus bleiben, so

sind es im Jahr 2008 bei dem gleichen Eingriff durchschnittlich

nur noch 17 Tage.

95: Fast zwanzig Jahre nach der Eröffnung des Knappschaftskrankenhauses

zählten Schwesternhäubchen

noch zur Dienstkleidung der Krankenschwestern.

93

94

95

gemacht, auch den Stationsleitungs-Lehrgang

absolviert und bin in den Personalrat gewählt

worden. Eine spannende Zeit. Als die Leitungsstelle

dann frei wurde, bin ich ausgewählt

worden.

? Gab es Themen, die im Personalrat kontrovers

diskutiert wurden?

Droll: In jedem Haus gibt es auffällige und

schwierige Mitarbeiter, die immer mal wieder

größere oder kleinere Probleme haben und damit

nicht zu ihren direkten Vorgesetzten gehen,

sondern direkt den Personalrat ansprechen. Der

Personalrat nimmt sich dann viel Zeit für die

einzelnen Mitarbeiter, die bestimmte Ansprüche

haben. Es geht oft um die Interessen von einzelnen.

Wir haben dann seinerzeit den Sozialbeirat

für die einzelnen Berufsgruppen gegründet. Das

war eine gute Geschichte.

? Dann kam eine neue Pflegedirektorin, die

indirekt für Sie die Weichen stellte?

Droll: Wie jede neue Leitung führte sie natürlich

auch neue Sachen ein. Zum Beispiel eine neue

Dienstplanregelung, die äußerst kompliziert

war. Um mich mit der Materie vertraut zu machen,

habe ich einen Weiterbildungskurs belegt.

Die Kursleiterin hat sich dann sehr positiv über

mich geäußert und so wurde ich gefragt, ob ich

die Stelle der stellvertretenden Pflegedirektorin

zeitbefristet übernehmen würde.

? Dann überschlugen sich die Ereignisse?

Droll: Ich war noch keine vier Wochen im Amt,

da verabschiedete sich die Pflegedirektorin

ebenfalls. Und dann liefen hier die Telefone

heiß.

? Man hat Ihnen die Stelle angeboten?

Droll: Aber ich wollte nicht. Ich habe noch nie

etwas gemacht, was ich nicht konnte. Letztendlich

kam dann ein Kollege aus dem Saarland.

? Aber Sie sollten die Vertretung weiter machen?

Droll: Ja. Für mich bedeutete das eine dreijährige

berufsbegleitende Weiterbildung. Heute

ist das ein Fachhochschul-Studium. Es war eine

harte, aber auch anregende Zeit, aber ich habe

daraus sehr viel mitgenommen.

? Die Pflegedirektion wechselte dann noch

einmal?

Ja bis heute. Und damit kam wieder eine Frau

an die Spitze, Frau Fehlberg. Wir sind ein gutes

Team.

? Ihre jetzige Arbeit hat mit der Arbeit am Patienten

nur noch wenig zu tun?

Droll: Zu unseren Aufgaben gehört die Ausarbeitung

der Rahmenbedingungen für die Pflege.

Um Personalführung, Organisation, Qualitätssicherung

und Personalplanung kümmern wir uns

ebenfalls.

? Das bedeutet aber auch: Kein persönlicher

Kontakt mehr zu den Patienten?

Droll: Nicht ganz. Im Rahmen der Audits schauen

wir auch in die Krankenzimmer. Wie es dort

läuft und was da läuft, das ist schon unser Ding.

Denn auch die Abteilungsleitung muss mal

kontrolliert werden.


? Wie hat sich die Arbeit der Krankenschwester

denn im Laufe der Zeit verändert?

Droll: Wir hatten eine andere Klientel. Mehr

Bergleute.

? Und mehr Personal auf der Station?

Droll: Nein, nicht mehr. Nur der Patientendurchlauf

war längst nicht so hoch. Die Patienten

lagen sechs, acht Wochen hier.

? Das hört sich schon fast nach Kur an?

Droll: Ich will nicht sagen, dass die Patienten

früher konserviert wurden. Sie blieben im

Prinzip so lange, bis sie wieder gesund waren.

Dadurch hatte man einen ganz anderen Zugang

zu ihnen. Man kannte die Verhältnisse, die Angehörigen.

Das hat sich radikal geändert. Heute

bleibt der Patient drei, vier Tage. Da bleibt jedes

persönliche Gespräch auf der Strecke.

? Aber gehört gerade das nicht auch zur Pflege?

Droll: Mir tut leid, dass der Nachwuchs im Beruf

das immer weniger leisten kann. Aber sie haben

es nicht anders kennengelernt. Diagnostik steht

an oberster Stelle – die Patienten werden in

kürzester Zeit von A nach B gebracht. Manchmal

habe ich die Physiotherapeuten beneidet.

Die können sich bei der Behandlung auf einen

Patienten konzentrieren. Das Pflegepersonal

dagegen muss sich um tausend verschiedene

Dinge kümmern. Medikamente, Ernährung,

Körperpflege ...

? Wird das von den Patienten registriert und

geschätzt? Oder heißt es: Die trinken den

ganzen Tag Kaffee?

Droll: Nein, die sehen unsere Arbeit schon sehr

realistisch. Die Geschichte mit dem Kaffeetrinken

hat doch noch nie gestimmt. Wenn man um 9

Uhr versucht zu frühstücken, kann es sein, dass

um 11 der Kaffee und das halbe Brötchen noch immer

da stehen. Das hat natürlich einen falschen

Eindruck vermittelt. Heute gehen viele Kolleginnen

und Kollegen zur Pause in die Caféteria.

? Sie arbeiten auch im Beschwerdemanagement?

Droll: 85 Prozent der Patienten loben unsere Arbeit.

Aber es gibt auch berechtigte Beschwerden,

manchmal festgemacht an einzelnen Personen.

An diesen Sachen sind wir natürlich sehr interessiert,

um die Sache abzustellen. Wir reißen

niemandem den Kopf ab, sondern bieten in Krisensituationen

unsere Hilfe an. Aber manchmal

braucht auch jemand ein ernsthaftes Gespräch.

? Wie hat sich denn die Kleiderordnung geändert?

Droll: Meine erste Stationsleiterin war eine

Resolute. Sie hat die Häubchen abgeschafft. In

der Ausbildung wurde Blau getragen, hinterher

der weiße Kittel. Hosen kamen Mitte der 80er

Jahre. Ich habe selbst viele Sachen gekauft, weil

sie viel schicker waren. Das war erlaubt. Aber als

die ersten Pfleger mit einem Mickymaus-T-Shirt

kamen, wurde es reglementiert. Heute gibt es

nur noch die offizielle Dienstkleidung.

? Und es darf kein Schmuck getragen werden?

Droll: Eine unendliche Diskussion ... Manche

sagen der Ehering sei kein Schmuck, wir sehen

das anders. Jeder sichtbare Schmuck, Armbanduhren

oder Piercing ist aus hygienischen

Gründen verboten.

Krankenschwester – Ein traumhafter Beruf

Ute Droll – Stellv. Pflegedirektorin

? Wie war und ist das Verhältnis zu den Ärzten,

wenn Krankenschwestern immer weiter

geschult werden und eine höhere Profession

entwickeln?

Droll: Solange ich im Beruf bin habe ich das als

sehr kooperativ empfunden. Berufspolitisch

ist es immer etwas schwerer. Der Arzt sieht

das Pflegepersonal als ärztliches Hilfspersonal,

das Pflegepersonal hat eigene Prioritäten und

hat eine eigene Berufung, wozu natürlich auch

ärztliche Assistenz gehört.

? Gibt es Kompetenz-Gerangel?

Droll: Da gibt es natürlich schwierige Schnittstellen.

Beim Blutabnehmen zum Beispiel.

Manche Schwestern und Pfleger können es

aufgrund der langen Berufserfahrung besser

als ein Arzt. Aber wir haben auch einen vollgepackten

Arbeitstag und müssen uns nicht übers

Blutabnehmen definieren. Die Blutabnahme ist

der ärztlichen Tätigkeit zugeordnet und wird in

den Fallpauschalen berücksichtigt. Bekommen

wir die Stellen für die Blutabnahme-Tätigkeit,

können wir darüber reden. Wenn wir es aber

ablehnen, werden wir geärgert und gefragt:

Wollt ihr denn nur noch mit dem Steckbecken

rumlaufen? Dazwischen gibt es einen Riesenradius,

der zu bewältigen ist.

75


Zwei Brackeler Zeitzeugen erinnern sich

Peter Hampel und Klaus Simson – Anwohner

Peter Hampel wohnte schon als Kind in

Brackel – in unmittelbarer Nachbarschaft des

Knappschaftskrankenhauses. Der ehemalige

Betriebsrats-Vorsitzende der Kokerei Kaiserstuhl

hat den Bau des drittgrößten Dortmunder

Krankenhauses mit großem Interesse

verfolgt. Seine Erinnerungen sind sozusagen

prähistorisch. Er kennt das Areal wie seine

Westentasche – im Urzustand, als es noch

landwirtschaftlich genutzt wurde. Dann sah er

das Krankenhaus wachsen. Nichts war damals

interessanter als diese Baustelle mit Bohrern,

Baggern, Betonmischern ... Und mit Maurern,

die ab und zu mal ein Bonbon für kleine Jungs

in der Tasche hatten.

? Sie wohnen seit Ihrer Kindheit in Brackel?

Peter Hampel: Ich bin am 30. April 1951 als

Flüchtling mit meinen Eltern und acht Ge-

96: Peter Hampel kennt das Knappschaftskrankenhaus

seit über 50 Jahren.

96

schwistern mit dem Bus hier angekommen. Ursprünglich

kamen wir aus Schlesien und haben

nach der Flucht fünf Jahre in Bayern gewohnt.

? Wie alt waren Sie damals?

Peter Hampel: Ich war fünf und kann mich noch

gut an die Zeit erinnern. Der Sprengel, in dem

ich wohnte, war früher eine Flüchtlingssiedlung,

die für Arbeitskräfte gebaut worden war, die

man aus ganz Deutschland hierher brachte.

? Das Knappschaftskrankenhaus feiert jetzt

sein 50-Jähriges. Da waren Sie 13, als der Bau

fertig war. Können Sie sich noch an die Zeit

erinnern, als das Krankenhaus gebaut wurde?

Peter Hampel: Ich kenne dieses Grundstück

noch als Getreidefeld des Bauern Ziegenfeuther,

der direkt am Hellweg seinen Hof hatte. Dann

wurde das Feld verkauft und es lag ziemlich

brach. Ein Schäfer ließ seine Schafe dort weiden.

Für uns Kinder war das ganz toll. Wir haben die

Schafe angeschaut, die Lämmchen gestreichelt

und haben dort auch unsere Drachen steigen

lassen. Ein wahres Paradies.

? Wie sah denn damals der Wieckesweg aus.

War es schon eine befestigte Straße?

Peter Hampel: Das war damals auch schon eine

asphaltierte Straße. Allerdings standen wesentlich

weniger Häuser dort und es gab keine

Parkzonen. Der Wieckesweg war deshalb gut

ausgebaut, weil es einen regen Verkehr zwischen

den englischen Kasernen in Brackel und

den Kasernen an der B1 gab.

? Gab es denn schon die Bahnlinie über den

Wieckesweg?

Peter Hampel: Oh ja, die Strecke führte von

Dortmund nach Soest. Sie war früher viel mehr

befahren als heute. Aber nicht von Personenzügen,

hier fuhren damals nur Güterzüge. Die

S-Bahn ist erst viel später gekommen, so in den

70er Jahren.

? Wann begann denn der Krankenhausbau?

Peter Hampel: Es begann mit Probebohrungen.

Das war für uns ganz spannend. Allerdings gab

es früher noch keine Baustellensicherung im

heutigen Sinne. Und wir wurden immer ermahnt,

gut aufzupassen. Denn diese Bohrlöcher wurden

nicht abgedeckt. Und so ein Loch war wohl 30

Meter tief und gerade so breit, dass ein kleiner

Spargel wie ich da reinfallen konnte. Das muss so

1953 gewesen sein.

? Aber dann ging es sicher schnell weiter?

Peter Hampel: Die Baugrube wurde ausgehoben

– und das war das Beste. Auf den riesigen

Lehmbergen haben wir Cowboy und Indianer

gespielt. Und in der Grube sind wir mit selbstgebauten

Flößen herumgepaddelt. Denn in der

tiefen Ausschachtung sammelte sich Regenund

vielleicht auch Grundwasser.

? Wie tief war denn die Grube?

Peter Hampel: Wenn man bedenkt, dass das

Krankenhaus dreigeschossig in die Erde gebaut

wurde – na, das waren bestimmt 20 bis 25 Meter

an der tiefsten Stelle.


? Und wie tief war denn das Wasser? Konnte

denn da nichts passieren?

Peter Hampel: Das war sehr tief, aber wir konnten

alle schwimmen. Ich erinnere mich gut, dass

in ungefähr sechs oder acht Meter Tiefe der Baugrube

eine Quarzader durch das Erdreich ging.

Die haben wir dann „abgebaut“. Das Ergebnis

war bis in die 90er Jahre hier in Brackel noch zu

sehen. Die Anwohner schmückten ihre Vorgärten

mit den Quarzbrocken und benutzten sie

zum Einrichten von Steingärten.

? Wie ging es mit dem Bau weiter?

Peter Hampel: Den haben wir immer beobachtet.

Für uns war das was ganz Riesiges, was

ganz Tolles. Eine so große Baustelle hatten wir

noch nie gesehen. Wenn die Arbeiter Feierabend

hatten, sind wir dort rumgeturnt. Auch heute

würde ich mich hier nie verlaufen. Ich kenne

sozusagen jeden Stein, jede Mauer, jede Etage.

? Heute ginge das nicht mehr so problemlos ...

Peter Hampel: Das war in den 50er Jahren noch

anders. Es war zwar ein Wächter auf dem Grundstück.

Aber der ging regelmäßig zur Bude und hat

sich einen getrunken. Dann hatten wir freie Bahn.

? Die Einrichtung des Hauses haben Sie auch

mitbekommen?

Peter Hampel: Logisch. Und an eine Episode

kann ich mich besonders erinnern. Als die

ersten Gardinen hier aufgehängt wurden, sie

waren gelb mit einem blauen Muster, brachte

mein Bruder mal einen kleinen Rest mit nach

Hause. Meine Mutter hat mir daraus eine Badehose

genäht. Aber Hallo, die war richtig schick.

Im Hoeschbad war ich damit der King!

? Mit der Einweihung des Krankenhauses 1958

war dann alles vorbei?

Peter Hampel: Nein, unser Kontakt blieb bestehen.

Viele Kinder hier im Sprengel waren durch

ihren Vater in der Knappschaft versichert. Und

wenn wir uns verletzt hatten, marschierten wir

zur Ambulanz und ließen uns verpflastern. Wir

kannten auch die meisten, die hier beschäftigt

waren. Viele aus der Nachbarschaft arbeiteten

hier. Außerdem: Mein Bruder hatte hier als

Installateur gearbeitet und ist von der Knappschaft

übernommen worden. Der hat mir mal

das Kesselhaus gezeigt. Damals wurde natürlich

noch mit Koks geheizt. Für kleine Jungs ist so

was spannend.

? In dem Kesselhaus wurde zuerst mit Koks,

später mit Anthrazitkohle geheizt. War das

eine große Umweltbelastung?

Peter Hampel: Nee, das war alles normal. Von

meinem Haus aus habe ich den großen Schornstein

gut im Blick. Der hat nicht doll gequalmt.

Da hat sogar über mehrere Jahre ein Falkenpärchen

drauf gewohnt. Die hatten sich dort ein

Nest gebaut.

? Sie und Ihre Familie haben das Knappschaftskran-

kenhaus auch schon als Patienten kennen gelernt?

Peter Hampel: Meine beiden Töchter sind hier

geboren und auch ein Enkelkind. Ich habe 1975

hier in der Orthopädie gelegen. Wir waren hier

immer sehr zufrieden.

? Hat sich das Umfeld des Krankenhauses im

Laufe der Jahre sehr verändert?

Peter Hampel: Natürlich. Es ist wesentlich dichter

bebaut. Und es ist im Laufe der Jahre schön

Zwei Brackeler Zeitzeugen erinnern sich

Peter Hampel und Klaus Simson – Anwohner

begrünt worden. Wir haben früher mit Fußball

und Knicker auf der Straße gespielt. Das wäre

jetzt nicht mehr möglich. Aber heute hocken

die Kinder auch viel vor dem Fernseher oder

Computer. So was gab es früher nicht. Das war

eine schöne, ruhige Geschichte hier.

? Haben Sie mal daran gedacht, im Knappschaftskrankenhaus

zu arbeiten?

Peter Hampel: Na ja, eigentlich sollte ich zum

Gymnasium gehen. Das kostete aber damals

noch Schulgeld. Und das hatten wir nicht. Wir

waren schließlich neun Kinder. Mein Vater

hat dafür gesorgt, dass jeder von uns einen

ordentlichen Beruf erlernte. Wer dann noch

weiterkommen wollte, sollte den zweiten

Bildungsweg einschlagen. Durch meinen Vater

wusste ich, dass auf Kaiserstuhl Lehrlinge für

eine Ausbildung zum Elektriker gesucht wurden.

Ich habe meine Aufnahmeprüfung bei Hoesch-

Bergbau gemacht und bestanden. Wenige Jahre

später wurde ich in den Betriebsrat gewählt und

wurde dann auch bald Betriebsratsvorsitzender.

Das bin ich dann 30 Jahre geblieben.

97: Ein Blick vom Hedingsmorgen um 1970 auf das

Knappschaftskrankenhaus. Unten links auf dem Bild

ist einer der weißen Quarzbrocken zu sehen, der von

Kindern aus der Baugrube gefördert wurde.

97

77


Zwei Brackeler Zeitzeugen erinnern sich

Peter Hampel und Klaus Simson – Anwohner

? Aber Sie sind diesem Haus immer treu verbunden

geblieben?

Peter Hampel: Aber ja! Über all die Jahre! Nach

einem Herzinfarkt im vergangenen Jahr gehe ich

jeden Tag eine Stunde spazieren. Oft mache ich

in der Knappschafts-Caféteria, die sehr schön

geworden ist, eine kleine Pause.

? Sie kennen so viele Menschen hier in der

Gegend. Was hat das Krankenhaus denn für

einen Ruf?

Peter Hampel: Ja, ich bekomme viel mit. Ob

die Küche gut ist, die Schwestern nett sind ...

Es gab mal eine Zeit, da war der Ruf nicht so

besonders. Da sollte auch die Geburten-Station

geschlossen werden. Aber viele haben sich

dann dafür stark gemacht. Auch die Politik hat

sich eingesetzt. Und es hat sich gelohnt. In den

letzten sechs, sieben Jahren hat sich hier viel

verändert. Da ging ein Ruck durch das ganze

Haus. Der Tonfall wurde anders, die Schwestern

sind sehr freundlich, die Ärzte sind top. Man

hört nur Gutes. Früher musste man als Knappschaftsversicherter

hierher. Heute wollen alle

freiwillig hier hin. Ich habe sehr großes Vertrauen

in dieses Haus.

? Was wünschen Sie dem Krankenhaus für die

Zukunft?

Peter Hampel: Mehr Parkplätze. Unsere Straße

wird regelmäßig zugeparkt. Die Stadt will

Parkstreifen einrichten, die wir bezahlen sollen.

Wir brauchen die nicht, wir haben alle Garagen.

Die Parkplätze werden von den Krankenhaus-Besuchern

genutzt. Oder von Friedhofs-Besuchern.

Leider wird der Parkplatz an der S-Bahn nicht angenommen.

Die 200 Meter will niemand laufen.

Der gebürtige Berliner Klaus Simson ist

Journalist und kannte Dortmund nur von der

Landkarte. Aus beruflichen Gründen zog er

1979 in die Revierstadt. Genauer gesagt: nach

Brackel. „Es war keine Liebesheirat”. erinnert

sich der heute 73-Jährige. Zwar fand er die

Schwerindustrie immer sehr beeindruckend,

aber aus nächster Nähe musste er sie eigentlich

nicht haben. Aus der Stadt für Kohle und

Stahl wurde ein Ort der Dienstleistungen. Die

Dunstglocke verschwand. Und Simson zeigte

sich versöhnlich. Mit seiner Frau hat er in Dortmund

im Laufe der Jahre nicht nur eine Bleibe

gefunden, sondern eine Heimat gewonnen.

? Sie kennen Dortmund aus der Distanz und als

Brackeler Bürger. Wie hat es sich verändert?

Klaus Simson: Wenn ich früher am Kamener

Kreuz Richtung Dortmund fuhr, sah ich die

schwefelgelbe Glocke über der Stadt liegen und

dachte, wie kann man hier leben. Dann prophezeite

Willy Brandt den blauen Himmel über dem

Revier – und hielt Wort. Die Umwandlung hat ja

stattgefunden.

98: Die Nachbarn Peter Hampel (links) und Klaus Simson

wohnen seit vielen Jahrzehnten in unmittelbarer

Nähe zum Knappschaftskrankenhaus.

98

? Wie war es, als Sie 1979 nach Dortmund

kamen? Haben Sie sich bewusst für Brackel

entschieden?

Klaus Simson: Nein. Mein Arbeitgeber, die

Ruhrkohle, hat uns dieses Haus angeboten. Als

Betriebswohnung sozusagen. Das war eine reine

Zweckentscheidung. Später wurden die Häuser

an die Stadt verkauft. Dann hat man sie den

Mietern angeboten.

? Sie haben das Knappschaftskrankenhaus

nicht nur als Nachbar erlebt, sondern auch als

Patient ...

Klaus Simson: An diesem Haus beeindruckt

mich nicht nur die medizinische Leistung,

sondern auch die Freundlichkeit des Personals,

das auch am Ende einer anstrengenden Schicht

noch immer ein nettes Wort für die Patienten

übrig hat.

? Nutzen Sie den Park oder das Café und Restaurant

des Knappschaftskrankenhauses?

Eher weniger. Einerseits gibt es in der Nähe

riesige Grünflächen, in denen man stundenlang

laufen kann, und andererseits koche ich so

gerne, dass ich das Caré kaum besuche.

? Wie gut und gerne lebt es sich in der Nachbarschaft

eines großen Krankenhauses?

Klaus Simson: Gut lebt es sich. Und wir sind

inzwischen auch gerne hier. Wenn die Parksituation

vor unserem Haus etwas entschärft würde,

wäre alles noch viel schöner.


99 und 100: Iris Lohse von der Gruppe „Kontakt und

Hilfe” sowie Pfarrer Matthias Mißfeldt.

99

100

Trost spenden, Not lindern, Zuhören ... Die

evangelische Pfarrerin Alexandra Hippchen, der

evangelische Pfarrer Matthias Mißfeldt und

Schwester Marita Benggok von der Steiler-

Mission haben immer ein offenes Ohr für die

Patienten des Knappschaftskrankenhauses. Sie

werden unterstützt von den rund 20 Mitgliedern

der ehrenamtlichen Gruppe „Kontakt und

Hilfe“, die ebenso wie die Seelsorger an die

Schweigepflicht gebunden sind. Sie haben Zeit

für mitmenschliche Zuwendung, Zeit für Gespräche,

Zeit für Begleitungen und Spaziergänge,

Zeit zum Vorlesen, Zeit für unaufschiebbare

Erledigungen, Zeit um Briefe zu schreiben

... Die Gruppe „Kontakt und Hilfe” besteht

inzwischen seit 35 Jahren. Stellvertretend für

die Gruppe stand Iris Lohse Rede und Antwort.

? In welcher Beziehung können die Gruppen-

Mitglieder die Seelsorger entlasten?

Iris Lohse: Wir tauschen uns untereinander aus.

Und wir weisen uns auch gegenseitig Patienten zu.

? Wie wird die Gruppe von den Patienten

akzeptiert?

Matthias Mißfeldt: Gut. Oft ergibt es sich erst

in den Gesprächen, ob der Patient letztendlich

einen Pfarrer vorzieht.

? Sprechen Sie mit jedem Patienten oder nur

mit den Schwerstkranken, die Trost suchen?

Iris Lohse: Wir werten das nicht. Die Mitarbeiter

der Gruppe sprechen jeden an. Denn jeder empfindet

seine Krankheit als wichtig.

Trost spenden, Not lindern, Zuhören

Marita Benggok, Alexandra Hippchen, Iris Lohse, Matthias Mißfeldt – Krankenhausseelsorge

? Sind es eher die älteren Patienten, die aufbauende

Worte wünschen?

Matthias Mißfeldt: Es kommt darauf an, wie

jemand bisher seine Krankheit erfahren hat.

Wenn einer schon einen langen Krankheitsverlauf

hinter sich hat, akzeptiert er das Gespräch

vielleicht eher, als jemand mit einem Unfall.

Das kann man nicht am Alter festmachen. Wer

mit einer neuen Hüfte kurz vor der Entlassung

steht und der Reha hoffnungsvoll entgegen

sieht, hat wenig Bedarf, mit dem Pastor zu

sprechen. Wir sind schon mehr in Lebensübergängen

involviert. Eine 84-Jährige fragte uns

einmal: Warum muss ich jetzt sterben? Ich habe

vom Leben noch nichts gehabt. Es gibt da schon

dramatische Umstände, wo religiöse Begleitung

erwünscht ist.

? Kommt es dann auf die Konfession an? Oder

spielt der Glauben eine Rolle?

Matthias Mißfeldt: Weniger. Es gibt ein amerikanisches

Wort, dass es am besten trifft:

„Spiritual Care”. Bei dieser seelischen Hilfe

trennen wir nicht hart zwischen Evangelisch

und Katholisch, es sei denn, die Leute wollen

das. Wir missionieren auch nicht. Und wir drängen

niemandem etwas auf. Wir haben schon

Muslime, Juden, Bahais und Zeugen Jehovas

begleitet. Auch unser Raum der Stille wird von

Muslimen genutzt.

? Obwohl er eindeutig christlich dekoriert ist?

Matthias Mißfeldt: Nur wer will, kann in der

Dekoration ein Kreuz erkennen – man muss es

aber nicht. Für uns war ganz wichtig, dass dieser

Raum offen ist. Für jeden. Für alle. Das ist unser

Konzept. Wir hatten mal einen Patienten, der

79


Trost spenden, Not lindern, Zuhören

Marita Benggok, Alexandra Hippchen, Iris Lohse, Matthias Mißfeldt – Krankenhausseelsorge

konnte das nicht ertragen. Der hat eine Maria

hinein gestellt. Wir haben sie dann beschützend

in Bewahrung genommen.

? Sie haben dort ein Buch ausgelegt, in das

jeder Besucher etwas schreiben kann ...

Marita Benggok: Das Buch hat eine große

Bedeutung für die Menschen, die den Raum der

Stille besuchen. Klar manchmal wird in dieses

Anliegenbuch auch Unsinn geschrieben, aber

im Großen und Ganzen spiegelt sich schon ein

tiefer Glaube wider: Der eine dankt, der andere

bittet. Da liest man von Verzweiflung und

Angst. Die Sätze rühren schon ans Herz.

? Stimmt das Sprichwort „Not lehrt Beten?“

Finden hier auch Hartgesottene zum Glauben?

Matthias Mißfeldt: Gerade existenzielle Kri-

101

sensituationen öffnen schon den Zugang zum

Glauben. Wer sonst keinen Vertrag damit hatte,

nutzt hier oft die Chance, zu dieser Dimension

von Spiritualitäten Zugang zu gewinnen.

? Haben Sie mehr Gespräche mit den Patienten

oder mit den Angehörigen?

Marita Benggok: Das ist unterschiedlich. Wir

haben eigentlich immer beide Seiten im Blick.

? Für Wohnungslose oder sozial Schwache

unterhält „Kontakt und Hilfe“ eine Kleiderkam-

mer, die auch mit Hygieneartikeln und Handtü-

chern bestückt ist. Wie finanzieren Sie das?

Iris Lohse: Durch Spenden und durch unsere

Flohmärkte. Viele Sachen kommen auch von

Kollegen aus dem Haus. Auch wer unerwartet

ins Krankenhaus kommt, ohne Schlafanzug

und Zahnbürste und keine schnelle Hilfe von

zu Hause erwarten kann, wird hier mit dem

Nötigsten ausgestattet. Wer entlassen wird,

und nicht auf saubere Sachen für den Heimweg

zurückgreifen kann, bekommt ebenfalls ein

Startpaket.

? Apropos Spenden ...

Matthias Mißfeldt: ... da gibt es eine hübsche

Geschichte: Als wir im Erdgeschoss den Raum

der Stille eröffneten, schenkte uns jemand

eine riesige blaue Mutter Gottes aus Ton. Sie

war schon etwas beschädigt und ihr fehlte

ein Zacken in der Krone. Da der Raum neutral

gehalten sein soll, wollte ich sie nicht aufstellen.

Ich habe dann meine katholische Kollegin

gefragt, ob sie diese Maria nicht für ihr Kloster

gebrauchen könnte. Die aber wehrte ab: Solche

Sachen würden immer so komische Unfälle

erleiden. Dann haben wir sie bei eBay eingesetzt

und noch 20 Euro für die Kasse bekommen.

Zwei Männer haben sie abgeholt, die sagten, sie

hätten die komplette Wohnung mit Heiligenfiguren

dekoriert.

? Haben Sie spezielle Räume, in denen die Angehörigen

Abschied nehmen können?

Matthias Mißfeldt: Wir haben zwei Räume, die

auch vom gleichen Künstler gestaltet wurden,

der den Raum der Stille entworfen hat.

Das Palliativ-Zimmer für Sterbende und das

Aufbahrungs-Zimmer für Tote. Wir wissen, dass

die Gestaltung der initialen Trauersituation von

enormer Bedeutung ist. Handauflegen, Segnen,

mit den Angehörigen beten ist schon existenziell.

Das ist für uns und auch für die Ehrenamtlichen

keine oberflächliche Arbeit. Von diesem

Angebot wird gerne Gebrauch gemacht. Aber es

gibt auch die andere Seite, die gar nicht selten

ist: Rufen Sie uns bitte erst an, wenn alles vorbei

ist. Aber bitte nicht mitten in der Nacht, wird

dann gesagt.

Alexandra Hippchen: Seit Anfang dieses Jahres

laden wir einmal im Quartal die Angehörigen

der im Krankenhaus Verstorbenen zu einem

Gedächtnisgottesdienst und wenn gewünscht,

zu einem Trauercafé ein. Die Vorstellung, dass

Sterben und Tod die alltäglichen Lebensvollzüge

nicht unterbrechen, durcheinander bringen

dürfen, ist nach christlichem Verständnis

unerträglich. Sterben und Tod bringen den

Alltag ganz beträchtlich durcheinander. Denn

plötzlich, selbst wenn der Tod absehbar war,

fehlt ein Mensch. Alle Theorie wird plötzlich

harte Realität. Wir vertrauen darauf, dass kein


Name verloren geht. Das bringen wir in diesen

Gottesdiensten zum Ausdruck.

Marita Benggok: Das Trauercafé lädt die

Angehörigen ein, um die jüngst vergangene

Zeit Revue passieren zu lassen. Wir wollen den

Trauerprozess erleichtern und gegebenenfalls

ermöglichen.

? Das hört sich nach Arbeit an, von der man viel

mit nach Hause nimmt. Wie lange kann man so

etwas machen?

Iris Lohse: Die Gruppe „Kontakt und Hilfe“

besteht seit 15 Jahren und erneuert sich ständig.

Wir haben welche, die sind seit über 20 Jahren

dabei. Vor ihrem Einsatz werden sie aus- und

fortgebildet. Einmal im Monat bietet uns die

Seelsorge eine Supervision an. Wir können in

der Gruppe sprechen oder mit den Seelsorgern

alleine. Das Angebot wird gut genutzt. Letztendlich

muss man frei sein für dieses Amt. Man

darf nicht an eigenen großen Sorgen zu knacken

haben.

Alexandra Hippchen: Diese regelmäßigen

Selbstreflexionen über die Arbeit, aber auch

über sich selbst werden von den Gruppenmitgliedern

als große Bereicherung empfunden. Die

Fortbildung im Hause – die Mitglieder von Kontakt

und Hilfe können auch an der innerbetrieblichen

Fortbildung teilnehmen – erhöhen die

Sachkompetenz der Einzelnen und ermöglichen

101: Schwester Marita Benggok SSpS.

102: Pfarrerin Alexandra Hippchen.

einen engeren Kontakt zu den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern des Hauses.

? Möchten manche Patienten diesen hilfreichen

Kontakt zu Hause fortsetzen?

Matthias Mißfeldt: Schon. Aber diese Arbeit darf

man nicht ins Privatleben fließen lassen. Wenn

jemand um einen Besuch bittet, erklären wir

ihm, dass die Hilfe auf das Haus beschränkt und

kein ambulanter Dienst ist.

? Hat schon mal jemand um Sterbehilfe statt

Sterbebegleitung gebeten?

Alexandra Hippchen: Das ist nicht das eigentliche

Thema. Und ich halte diese Debatte auch

für überzogen. Die Menschen wollen hauptsächlich

eine Schmerzkontrolle haben. Da üben

Trost spenden, Not lindern, Zuhören

Marita Benggok, Alexandra Hippchen, Iris Lohse, Matthias Mißfeldt – Krankenhausseelsorge

wir eine wichtige Funktion aus, weil sie uns

schon mal etwas deutlicher sagen, was ihnen

weh tut und das wir dann an die Krankenhausbeschäftigten

weitergeben.

102

Es geht darum, dass Menschen ihren noch verbleibenden

Lebensweg klären und wenn es dann

ansteht, ihr Leben in Würde beenden können.

Wir versuchen Menschen in diesem schwierigen

Prozess zu unterstützen. Schmerzkontrolle ist

dabei ein wichtiger Aspekt. Wir bleiben beim

Menschen in seinem Sterben, wir führen es

nicht herbei. Diese Einstellung verschafft uns

viel Vertrauen auf Seiten der Patientinnen und

Patienten sowie ihrer Angehörigen und auf

Seiten der Krankenhausbeschäftigten.

81


Trost spenden, Not lindern, Zuhören

Marita Benggok, Alexandra Hippchen, Iris Lohse, Matthias Mißfeldt – Krankenhausseelsorge

? Sind Sie näher am Patienten als der Arzt?

Matthias Mißfeldt: Manchmal ist das so. Da

ist der weiße Kittel für manche Patienten eine

Hemmschwelle.

? Sie arbeiten aber nicht nur für Patienten

sondern auch für die Mitarbeiter?

Matthias Mißfeldt: Als ausgebildeter Supervisor

bin ich auch für die Nöte der Kollegen zuständig.

Auch mit ihnen treffe ich mich regelmäßig

zu Supervisionen. Andere Gespräche ergeben

sich aus dem Kontakt, den man untereinander

im Haus hat.

? Das Knappschaftskrankenhaus hat ein Ethik-

Komitee, dessen Vorsitzender Sie sind. Was

sind Ihre Aufgaben?

Matthias Mißfeldt: Wir kümmern uns um die

ganzen Dinge, die anfallen, wenn das Leben zu

Ende geht. Zum Beispiel um Patientenverfügungen.

Jeder Patient wird bei der Aufnahme

danach gefragt. Diese Verfügung wird in den

Behandlungsprozess eingebracht. Sie wird in die

Patientenakte elektronisch und als Papier mit

aufgenommen. Damit ist gewährleistet, das der

Wille des Patienten hier Beachtung findet. Das

kommt besonders zum Tragen, wenn er sich

nicht mehr äußern kann.

? Wenn jemand keine Verfügung hat, geben Sie

Hilfestellung?

Alexandra Hippchen: Wir haben hier ein Beratungsangebot,

das zunehmend genutzt wird.

Dabei geht es nicht darum, mal eben etwas zu

unterschreiben. Die Patientinnen und Patienten

müssen sich dann schon mit der eigenen Krankheit

auseinandersetzen und selbst entscheiden,

welche Wünsche sie für sich haben. Das ist ein

Prozess, der durchaus mit schmerzlichen Emotionen

verbunden ist.

? Wenn keine Patientenverfügung vorliegt, wie

entscheiden denn dann die Ärzte?

Matthias Mißfeldt: Das ist rechtlich klar geregelt.

Es gelten die Grundsätze der Bundesärztekammer

für ärztliche Sterbebegleitung. Wenn

sich ein Patient nicht äußern kann, soll durch

Gespräche mit Angehörigen sein mutmaßlicher

Wille erfragt werden. Solche Fälle werden auch

im Ethik-Komitee besprochen. Ich bin kein

Freund von allgemeinen Regeln. Jeder Fall ist

individuell.

? Ist der Tod noch immer ein Tabu-Thema?

Matthias Mißfeldt: Das Thema wird gesellschaftlich

verdrängt. Und deshalb ist es für

Krankenhäuser auch schwer, sich diesem Thema

zu stellen.

? Hat sich die Einstellung nicht in den letzten

Jahren geändert?

Matthias Mißfeldt: Doch. Man geht etwas

offener damit um. Da hat auch die Hospizbewegung

ein Stück geholfen.

? Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft?

Matthias Mißfeldt: Unbedingt. Wir benötigen

dringend eine Klimaanlage für den Raum der

Stille. Bei warmem Wetter ist es da stickig heiß

und es regt sich kein Lüftchen.


Dr. Manutschehr Taayedi kennt das Knapp-

schaftskrankenhaus in- und auswendig. Im

wahrsten Sinne des Wortes: Zum einen als

junger Assistenz-Arzt, frisch von der Uni Münster

– zum anderen als niedergelassener Arzt in

Brackel. Der gebürtige Iraner studierte in Münster

Medizin und arbeitete von 1974 bis 1984 im

Knappschaftskrankenhaus. Dr. Taayedi hat eine

Zusatzausbildung als Facharzt für Allgemein-

Chirurgie und Psychosomatische Medizin. Als

Hausarzt ließ er sich dann in unmittelbarer

Nachbarschaft des Krankenhauses nieder, wo

er knapp zehn Jahre praktizierte. Der 66-jährige

hat seit über 30 Jahren einen deutschen

Ausweis.

? Wie war das, als Sie 1974 am Knappschaftskrankenhaus

anfingen?

Dr. Taayedi: Für mich war es eine aufregende

Zeit – so frisch von der Uni. Ich habe damals in

der Chirurgie begonnen.

103: Dr. Manutschehr Taayedi.

103

Damals waren die Chefärzte noch die Herrgötter in Weiß

? Da war die Hierarchie noch strenger als heute ...

Dr. Taayedi: Damals waren die Chefärzte noch

die Herrgötter in Weiß. Danach gab es eine

Aufweichung der Hierarchie. Der Umgang wurde

liberaler. Zur Zeit läuft da wohl wieder eine

Rückentwicklung. Die jüngeren Chefärzte haben

wieder die Tendenz zur Hierarchie. Vielleicht

ein Überschwappen aus der freien Wirtschaft.

Als ich schon selbstständig war, kam ein junger

Chefarzt der Chirurgie zu mir in die Praxis und

stellte sich vor. Er wollte die Ärzte kennenlernen,

die im Dunstkreis des Krankenhauses

praktizierten und dem Haus Patienten zuwiesen.

Das war für mich sehr ungewöhnlich. Von

der alten Garde hätte das niemand gemacht. Ich

habe das als sehr positiv empfunden.

? War es für Sie denn einfacher, in einer

strengen Hierarchie zu arbeiten oder in einem

kollegial geprägten Team, in dem man gewisse

Entscheidungsfreiheiten hat?

Dr. Taayedi: Es geht nicht um Entscheidungsfreiheit.

Denn Entscheidungen konnten sowieso

nur immer begrenzt getroffen werden. Auch

heute wird immer nur auf höherer Ebene entschieden.

Und das ist auch richtig. Es geht mehr

um Teamgeist. Und dieser Geist funktioniert in

einer liberalen Struktur besser. Was sich auch

auf die Behandlung der Patienten auswirkt.

? Haben Sie ein besonderes Erlebnis?

Dr. Taayedi: Da fällt mir eine wunderbare

Episode ein: Bei uns in der Chirurgie gab es

einen türkischen Kollegen, der sehr tüchtig

und auch sehr ehrgeizig war und vor Vitalität

sprühte. Eines Tages waren wir alle mit unserem

Chef Prof. Zühlke zur Visite unterwegs. Der

Dr. Manutschehr Taayedi – Facharzt

türkische Kollege schaute sich ein Bein an und

fragte ziemlich ungehalten „Welcher Idiot hat

denn diesen Gips hier angeordnet?” Worauf der

Chefarzt nur knapp sagte: „Ich.“ Alle schauten

ganz betreten und warteten auf das Donnerwetter.

Dann haben alle gelacht. Prof. Zühlke war

eine großartige Persönlichkeit. Ein ruhiger, sehr

tüchtiger und besonnener Mann.

? Was wurden denn in den 70er Jahren in der

Chirurgie für Fälle behandelt? War es mehr

allgemein oder schon speziell?

Dr. Taayedi: Es wurde alles behandelt. Vom

einfachen Blinddarm über Gefäßchirurgie bis

hin zur Knochenchirurgie. Aber ich erinnere

mich noch gut: Die Gefäßchirurgie war damals

noch Pionierarbeit. Die hatte sich ein Oberarzt

in Weiterbildung angeeignet.

? Wieso Knochenchirurgie. Sie hatten doch eine

Orthopädie am Hause?

Dr. Taayedi: Zunächst hat es diese Trennung gar

nicht gegeben. Da war alles Chirurgie. Aber auch

nach der Trennung blieben Arm- und Beinbrüche

die Domäne der Chirurgen.

? Sie waren bis 1985 hier am Krankenhaus.

Haben Sie noch die Anfänge der Schlüsselloch-

Chirurgie mitbekommen?

Dr. Taayedi: Nein, nicht mehr. Diese Ära begann

kurze Zeit später. Bei bestimmten Indikationen

ist das eine tolle Technik und sehr schonend für

den Patienten.

? Auch nach Ihrem Abschied aus dem Krankenhaus

blieben Sie der Knappschaft treu?

Taayedi: In gewisser Weise schon. Ich eröffnete

83


Damals waren die Chefärzte noch die Herrgötter in Weiß

Dr. Manutschehr Taayedi – Facharzt

1985 am Breierspfad eine Praxis, wo ich als Allgemeinmediziner

arbeitete. In dieser Zeit habe

ich mich auch berufsbegleitend zum Facharzt

für Psychosomatische Medizin weitergebildet.

Ich habe schon bei den Krankenhaus-Patienten

bemerkt, dass die Ursache vieler Erkrankungen

psychisch bedingt ist. Deshalb ist es sehr zum

Vorteil, wenn man diese Kenntnisse mit einbringen

kann.

? Was sind das für Beschwerden?

Dr. Taayedi: Häufig Rückenbeschwerden, aber

auch Schmerzen im Bauchraum. Für psychosomatische

Erkrankungen kommt eigentlich

der ganze Körper in Frage. Oft ist es das Organ,

welches im Moment am schwächsten ist und

die geringste Abwehr zeigt.

? Wie wurden diese Patienten im Krankenhaus

behandelt?

Dr. Taayedi: Bei einem negativen Befund haben

wir natürlich nach der Ursache gesucht. Die Ärzte

tun alles, um die Patienten zu heilen. Leider ist

die Verweildauer so kurz bemessen, dass auf die

seelische Ursache nicht intensiv eingegangen

werden kann. Da hat der niedergelassene Arzt

natürlich sehr viel mehr Möglichkeiten.

? Die Zeit zu Gesprächen haben Sie sich dann

genommen?

Dr. Taayedi: Mittags eine und abends zwei

Stunden. Wenn der Patient merkt, dass man

sich Zeit für ihn nimmt, gewinnt man auch

sein Vertrauen. Das ist Voraussetzung für eine

Heilung des Leidens. Ich habe diese Arbeit sehr

104

gerne gemacht. Sie hat mir in meiner Alltagsarbeit

sehr geholfen, Dinge zu verstehen. Wenn

solche Ärzte zusätzlich in den Krankenhäusern

eingestellt würden, wäre das sehr gut. Aber

Mittel und Zeit sind natürlich begrenzt.

? Haben Sie davon profitiert, dass Sie sich in

Brackel niedergelassen haben?

Dr. Taayedi: Natürlich. Mich kannten viele Ärzte

aus allen Abteilungen. Auch manche Mitarbeiter

sind zur Behandlung gekommen. Und mich

kannten natürlich auch viele Patienten. Wenn Sie

nicht zufrieden mit mir gewesen wären, hätte ich

sie wahrscheinlich nicht gewinnen können. Da

hilft auch der Bekanntheitsgrad nicht.

? Haben Sie schon mal Patienten direkt ins

Krankenhaus gebracht?

Dr. Taayedi: Die Nähe zum Krankenhaus war

für einige Patienten zum Vorteil. Ich hatte zum

Beispiel mal einen Patienten, der mit heftigen

Schmerzen im Rücken in die Praxis kam. Er hatte

ein Bauch-Aneurysma. Durch meine Kliniktätigkeit

hatte ich Erfahrung mit dieser Krankheit.

Ich habe sofort die Feuerwehr angerufen, die ihn

dann den kurzen Weg ins Knappschaftskrankenhaus

gefahren hat. Es gibt auch Patienten,

die überhaupt nicht ins Krankenhaus wollen.

In gar keines. Die sich gegen eine Einweisung

sträuben. Die habe ich schon mal in mein Auto

gepackt und persönlich hier abgegeben. Zum

Beispiel einen Patienten, der sich hartnäckig

104: Operationsalltag in den 60er Jahren im Knappschaftskrankenhaus

Dortmund. Die Lachgasflaschen

stehen zwischen Chirurgie und Anästhesie.


weigerte, weil er eine kranke Frau daheim hatte.

Doch mit einem perforierten Magengeschwür

ist nicht zu spaßen.

? Wenn Sie an Ihre Zeit als Hausarzt zurück-

denken, haben Sie auch immer wieder Patienten

gehabt, die vorher hier im Knappschaftskrankenhaus

gelegen haben. Konnten Sie den

medizinischen Fortschritt, der hier im Haus

stattfand, mit verfolgen?

Dr. Taayedi: Es hat immer eine Progression

gegeben. Der Fortschritt war im Laufe der Jahre

auch für uns niedergelassene Ärzte, welche die

Patienten nachbehandelten, deutlich sichtbar.

Die Entwicklung ging durch das ganze Haus. Es

gab immer eine Bewegung.

? Sie sind jetzt 66 Jahre und könnten eigent-

lich noch zwei Jahre als Kassenarzt tätig sein.

Warum haben Sie aufgehört?

Dr. Taayedi: Ich bin 1999 sehr schwer krank geworden

und habe mich nur sehr langsam wieder

erholt. Aber jetzt arbeite ich wieder: Regelmäßig

helfe ich bei einer Kollegin in einer großen

Allgemeinpraxis aus.

105: Architekt Hans Landgrebe zusammen mit dem ersten

Ärztlichen Direktor des Hauses, Doz. Dr. Scherer,

1958, im Operationssaal.

Damals waren die Chefärzte noch die Herrgötter in Weiß

? Stehen die Brackeler Bürger hinter ihrem

Krankenhaus?

Dr. Taayedi: Es gibt immer den einen oder anderen

der sagt, da gehe ich nicht hin. Das trifft

auf alle Krankenhäuser zu. Generell stehen die

Brackeler Bürger hinter ihrem Krankenhaus. Ich

habe meinen Bruder, der auch Arzt ist, hierher

geschickt. Das Haus hat einen sehr guten Ruf –

hier wird gute Medizin gemacht.

Was wünschen Sie sich für dieses Haus?

Dr. Taayedi: Das Knappschaftskrankenhaus

sollte sich vielleicht auf einem Gebiet spezialisieren

– zu einem Zentrum werden. Und in diesem

speziellen Fach sollte es sich so entwickeln,

dass Patienten aus ganz Deutschland sagen: Da

gehe ich hin.

Dr. Manutschehr Taayedi – Facharzt

? Das Knappschaftskrankenhaus bietet ein

Diabetes-, Darm-, Brust- und ein Prostatazentrum.

Hier wird interdisziplinär zusammengearbeitet.

Ist das der richtige Weg?

Dr. Taayedi: Grundsätzlich ist das eine tolle

Sache. Ein Team wird vom Geist der Zusammenarbeit

positiv getragen. Das merken auch

die Patienten. Es kommt sehr gut bei ihnen an.

Sie fühlen sich gut aufgehoben. Und das ist

wichtig.

105

85


Das Haus ist auf einem sehr guten Weg

Dr. Kurt Georg Hering – Ehem. Ärztlicher Direktor

Norwegen, Peru, Bangkok, Brackel – der Mann

kommt rum. Früher arbeitete er sieben Tage

in der Woche – von morgens sieben bis abends

neun. Heute, im (Un-)Ruhestand, arbeitet er

selektiver – wenn er denn zu Hause ist. Dann

gönnt sich Dr. Kurt Georg Hering auch morgens

um neun sein Frühstück. Der ehemalige

Ärztliche Direktor und Chefarzt der Radiologie

des Knappschaftskrankenhauses fährt auch

mit 67 Jahren nicht mit angezogener Handbremse.

? Seit wann sind Sie im Ruhestand?

Dr. Hering: Ich bin 2006 ausgeschieden. Weil

ich Schritt für Schritt aufgehört habe, kam der

Abschied nicht so plötzlich. 2002 habe ich die

Therapie abgegeben, zwei Jahre später die Diagnostik,

2005 die Nuklearmedizin und 2006 das

Amt des Ärztlichen Direktors.

106: Dr. Kurt Georg Hering.

106

? Aber Sie haben hier noch regelmäßig zu tun?

Dr. Hering: Ich bin als beratender Arzt für Berufserkrankungen

noch für das Haus tätig. Und

nach wie vor bin ich an Wochenenden häufig als

Referent bei Veranstaltungen unterwegs. Außerdem

arbeite ich noch für den Strahlenschutz.

? Können Sie sich noch gut an Ihre erste Zeit

hier im Knappschaftskrankenhaus erinnern?

Dr. Hering: Ich habe im April 1982 als Chefarzt hier

angefangen. Davor war ich vier Jahre Chefarzt in

Wetzlar. Davor habe ich in Recklinghausen gearbeitet

und war auch ein halbes Jahr in den USA.

? Was faszinierte Sie an Ihrem Fach?

Dr. Hering: Die Radiologie ist fachübergreifend.

Sie bietet Ein- und Überblicke in viele andere

Fächer. Die Radiologie und die Pathologie haben

die meisten Kontakte zu den anderen Disziplinen.

Das hat mir schon damals sehr gefallen.

Zumal ich damals noch Diagnostik und Therapie

machen konnte. Wir haben Entwicklungen miterlebt,

wie zum Beispiel die handwerkliche Herstellung

von Spezialkathetern, die dann auch in

industrielle Produkte umgesetzt wurden.

? Welche Erfahrungen sind Ihnen aus der Zeit,

in der Sie in der Therapie gearbeitet haben

besonders wichtig?

Dr. Hering: Die vier Jahre, die ich in der Therapie

alleine verbracht habe, haben mir gezeigt, wie

wichtig die Aufgabe der Frühdiagnostik ist. Man

muss an den Anfang der Kette kommen, um

etwas zu erreichen. Das gilt besonders für die

Arbeitsmedizin.

? Auf diesem Feld sind Sie ja nach wie vor tätig ...

Dr. Hering: Wir machen Untersuchungen bei

Hochrisikogruppen, die mit Asbest in Berührung

gekommen sind und auch rauchen. Da sehen

wir vier bis fünf Prozent Anteil an Frühkrebserkrankungen.

Das ist enorm viel.

? Welche Chancen haben diese Patienten?

Dr. Hering: Wir haben in diesem Jahr zwei Patienten

vom Typ 1 mit einem Karzinom Stadium I

dabei – also im Anfangsstadium. Die haben

nach ihrer Behandlung allerbeste Chancen für

ihr weiteres Leben.

? Beschränkte sich die Therapie in Ihren ersten

Berufsjahren alleine auf Kobalt?

Dr. Hering: Oh nein. Natürlich hatten wir die

konventionelle Bestrahlung mit Kobalt. Etwas

später kam schon der Linearbeschleuniger. Es

gibt Beschleuniger schon aus den 50er Jahren.

Wir haben schon sehr früh die kombinierte Radio-

Chemo-Therapie angeboten. In Recklinghausen

zum Beispiel wurden 1946 Lymphome mit Antibiotika,

die eine tumorstatische Wirkung hatten

und mit Bestrahlung bekämpft. Als ich 1969 nach

Recklinghausen kam, gehörte die Radio-Chemo-

Kombination für einige Tumorerkrankungen

schon zum Standard-Programm.

? Heute ist die Radiologie in drei Fächer aufgeteilt?

Dr. Hering: Ja, in Diagnostik, Therapie und

Nuklearmedizin. Sie hat auch heute noch einen

interdisziplinären Charakter. Das macht sie so

spannend.


? Die technische Entwicklung ist verblüffend ...

Dr. Hering: Ich war 1973 vier Monate in den USA,

u. a. in einer Mayo-Klinik. Bevor ich in den Flieger

stieg, wurde mir von meinem Chef eingeschärft:

Schau dir alles genau an. Die haben ein neues,

Gerät, damit schneiden die den Patienten die

Köpfe in Scheiben. Das war damals das zweite

CT auf der Welt. Da habe ich die allerersten Bilder

eines Computertomographen gesehen.

? Und als Sie zurückkamen ...

Dr. Hering: ... da habe ich sofort eine Zeichnung

angefertigt und meinen Leuten gezeigt, wie das

funktioniert.

? Dann hat Sie das CT-Fieber erfasst?

Dr. Hering: Jedes Krankenhaus war damals versessen

darauf. In Recklinghausen haben wir 1977

einen der ersten Ganzkörper-CT bekommen.

Mein Chef war damals Kongress-Präsident in

Münster – der erste Kongress zum Thema Computertomographie.

Und zu diesem Kongress

wollte er das Gerät haben. Ich war damals der

Kongress-Sekretär. Deshalb erinnere ich mich

noch sehr gut. Damals war die Früherkennung

von Silikose und von Mamma-Karzinom schon

ein Riesenthema. Der Kongressraum war nach

dem zweiten Vortrag so voll, dass wir einen neuen

Raum suchen mussten.

? Wie war denn damals die Strahlenbelastung?

Dr. Hering: Die Geräte haben noch kräftig gestrahlt.

Inzwischen ist das deutlich weniger geworden.

Aber man muss das alles in der Relation

sehen. Wir konnten eine Diagnostik machen, die

durchaus bahnbrechend war. Und wir konnten

behandeln, was vorher nicht möglich war.

? Aber Reihenuntersuchungen gab es noch

nicht?

Dr. Hering: Nein. Auf die Idee, die Menschen in

Form eines Screenings in so ein Gerät zu legen,

kam man noch nicht.

? Wann bekamen Sie den ersten CT?

Dr. Hering: 1977 bekamen wir das erste Gerät

in Recklinghausen und 1979 in Dortmund.

Zunächst gab es keine gründliche Betriebsanleitung

oder ein Lehrbuch. Aber man muss sich zu

helfen wissen. In Florida fand ein CT-Kongress

statt, zu dem wir einen Kollegen schickten, der

am besten Englisch sprach. Der musste alles

mitschreiben. Seine Kladde haben wir dann als

Lehrbuch benutzt. Bei den folgenden neuen Geräten

waren dann Bücher dabei. Aber wir haben

praktisch bei Null angefangen.

? Wenn man das heute bedenkt, ist das ungeheuerlich.

Das ist ja wie bei Loriot – Wir basteln

uns ein Atomkraftwerk ...

Dr. Hering: ... so ungefähr. Wir hatten ja keine

Erfahrung. Da war Eigeninitiative sehr gefragt.

Aber es hat alles sehr gut geklappt.

? Wie war die Qualität der Bilder?

Dr. Hering: Das kann man mit heute gar nicht

mehr vergleichen. Aber man sah auf jeden Fall

wesentlich mehr als auf einem Röntgenbild. Bei

dem wird ja alles auf eine Platte übereinander

projiziert. Beim CT werden Schnitte gemacht.

Einzelne Strukturen sind deutlich zu erkennen.

Das Haus ist auf einem sehr guten Weg

Dr. Kurt Georg Hering – Ehem. Ärztlicher Direktor

? Dann kamen die ersten Kernspintomographen?

Dr. Hering: Ja, ich habe 1982 den ersten MRT-

Kurs in Chicago gemacht.

? Und so ein Gerät hätten Sie gerne gehabt?

Dr. Hering: Ja ich wollte so ein Gerät kaufen. Die

Knappschaft sollte mir die Räume stellen – im

Gegenzug hätte ich sie an den Einnahmen beteiligt.

Das ging zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Schade, wir wären dann unter den ersten drei

Kliniken in NRW gewesen, die diese Untersuchungsmethode

hätte anbieten können.

107: Für die ILO, einer Unterorganisation der WHO,

erstellt das Knappschaftskrankenhaus Vergleichsaufnahmen

zur Begutachtung von Lungenerkrankungen.

Die ltd. MTRA Heike Stephan und Dr. K. G. Hering

zeigen einen Versandkarton, in dem die Röntgenbilder

weltweit versandt werden.

107

87


Das Haus ist auf einem sehr guten Weg

Dr. Kurt Georg Hering – Ehem. Ärztlicher Direktor

? Was unterscheidet den MRT vom CT?

Dr. Hering: Der MRT verwendet keine Röntgenstrahlen

und hat unter anderem viel bessere

Weichteil-Kontraste. In der Frühdiagnostik bei

Lungenerkrankungen ist er allerdings noch nicht

einzusetzen. Man kann aber sagen: MRT und CT

haben sich immer gegenseitig befruchtet.

? Wie sehen Sie die Zukunft in Ihrem Fach?

Dr. Hering: Schwierige Frage – ich glaube, die

Verzahnung von Stationär und Ambulant muss

weiter fortentwickelt werden, weil es sonst

nicht zu finanzieren ist. Es war und ist ein

Schwachsinn, dass die Großgeräte in der Praxis

stehen mussten. Die Krankenhäuser durften sie

nicht haben, weil es eine Großgeräte-Liste gab.

Inzwischen hat sich das verbessert, weil viele

Praxen ihre Geräte in den Krankenhäusern stehen

haben. Ich denke, diese Kooperation wird

sich weiter intensivieren, so dass keine Doppel-

108: Am 1.7.2006 trat Dr. Kurt Georg Hering (Mitte) die

Nachfolge von Prof. Dr. Volker Zühlke (re.) an. Zu der

Berufung zum Ärztlichen Direktor gratuliert auch Krankenhausverwaltungsdirektor

Wilhelm Lebrecht (li.).

108

aufstellung notwendig ist. Ansonsten denke ich,

dass CT und MRT bleiben. Die Kombination mit

nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren

ist im Moment ein großes Thema.

? Was halten Sie denn von den sogenannten

Manageruntersuchungen die privat angeboten

werden und viel Geld kosten?

Dr. Hering: Also, da fangen wir mal hinten an:

Selbst wenn jemand heute untersucht wird und

alles in Ordnung ist, kann er zwei Tage später an

einem Herzinfarkt sterben. Die Untersuchung

bietet keine Garantie. Wenn sie ein CT machen

– von der Locke bis zur Socke – dann haben

sie eine Strahlenbelastung, die durchaus zu

berücksichtigen ist. Auch wenn man ein junger

Manager ist. Theoretisch dürften die Ärzte diese

Untersuchung gar nicht anbieten. So sagt es die

Deutsche Röntgenverordnung. Bei einem 60-Jährigen

könnte ich sie schon eher akzeptieren.

Aber nicht nur die CT-Strahlen werden diskutiert,

sondern auch die MR-Untersuchungen. Die Leute

kritisieren sogar die Magnetfelder in der Nähe

von Handys – also ist alles andere auch heikel.

MR kann ich akzeptieren, wenn es sich einer

unbedingt leisten möchte. CT als Ganzkörperuntersuchungen

zur Vorsorge lehne ich ab.

? Irland, Thailand, Peru, Brasilien, Brackel ...

Dr. Hering: ... die Thailänder möchten ein

Programm aufbauen, in dem sie Tutoren ausbilden,

die ihre Arbeitsmediziner in Richtung

Staublungenerkrankungen schulen und auch

prüfen können. In Thailand ist die Silikose und

Asbestose nach wie vor ein Thema, denn im

asiatischen Raum wird immer noch Bergbau

betrieben, ohne dass eine regelmäßige Gesundheitsüberwachung

erfolgt. Häufig gibt es

illegale Zechen, die noch längst nicht unsere

Sicherheitsstandards haben. Außerdem läuft die

Asbest-Produktion in Asien auf vollen Touren

und es wird auch viel Asbest verarbeitet.

? Und in Peru?

Da geht es um Staublungen-Erkrankungen. Und

ich werde dort über hochauflösende Computertomographie

berichten. Es ist schon verblüffend,

dass Brasilien und auch andere Länder

überlegen, keine normalen Thorax-Röntgenaufnahmen

mehr zu machen, sondern sofort ein

CT. Wodurch die Erkrankung natürlich sehr viel

früher diagnostiziert werden kann. Der Nachteil

für Gesunde sind die Strahlen. Selbst bei

der Niedrigdosis-Anwendung ist die Belastung

etwas höher als bei einem normalen Röntgen-

Vorgang. Außerdem ist es eine Kostenfrage.

? Fühlen Sie sich in diesen Ländern um Jahre

zurück versetzt, oder wie ist der technische

Stand dort?

Dr. Hering: Die Bilder die ich in Thailand und

Brasilien zu sehen bekommen habe, sind alle up

to date.


? Thema Asbest ...

Dr. Hering: ... nur zur Orientierung: Ein Asbest-

Arbeiter, der nicht raucht, hat ein nur unwesentlich

höheres Risiko als der normale Bürger

– es liegt so bei fünf Prozent. Das Risiko eines

Rauchers dagegen ist um ein Elffaches höher.

Ich habe meinen Mitarbeitern immer gesagt:

Rauchen Sie ruhig weiter, wir brauchen Patienten.

Bei einem Asbest-Arbeiter der raucht,

schnellt das Risiko auf ein 55- bis 60faches.

? Wenn Sie sich an Ihre langjährige Tätigkeit

als Ärztlicher Direktor und als Chefarzt der

Radiologie zurückerinnern, was fällt Ihnen

spontan ein? Was hat Sie geärgert, was haben

Sie bewegt?

Dr. Hering: Geärgert hat mich die langsame

Umsetzung der Weiterentwicklung in meinem

Fachgebiet. Geärgert hat mich auch die Tatsache,

dass wir Tumorpatienten, die um einen Termin

baten, nicht behandeln konnten, weil wir

die Kassenärztliche Zulassung nicht bekamen.

Dadurch wurde den niedergelassenen Radiologen

die Tür geöffnet. Im Großen und Ganzen

hat es aber gut geklappt. Gemeinsam mit der

Betriebsleitung haben wir gut geplant und

vieles durchgeführt. Viele der Entwicklungen,

die jetzt auch Wirkung zeigen, sind in dieser

Phase beschlossen worden.

? Wie sehen Sie die Zukunft des Hauses?

Dr. Hering: Durch die Entscheidungen, die getroffen

worden sind, hat sich das Haus sehr gut

positioniert. Dass die Lungenabteilung eröffnet

wurde, war richtig, ebenso die frühe Kooperation

mit den niedergelassenen Ärzten. Das Haus

ist auf einem sehr guten Weg.

109: August Wagner, Detlef Dreyer (verdeckt), Prof.

Dr. med. Volker Zühlke, Landtagsabgeordneter

Bodo Champignon, Dr. med. Kurt Georg Hering und

Vorstandsmitglied Jörg Degelmann (v.l.) bei der

Schlüsselübergabe des Neubaus für die Nuklearmedizin

im Jahre 1995.

Das Haus ist auf einem sehr guten Weg

109

Dr. Kurt Georg Hering – Ehem. Ärztlicher Direktor

89


Ich habe die Zeit nie bereut

Fredy Fritsch – Ehem. Personalrat

110

Fredy Fritsch ist ein Mann der ersten Stunde.

Noch bevor der erste Kumpel im neuen

Krankenhaus geheilt werden konnte, hat der

gelernte Heizungsbauer schon hier gearbeitet.

Für die Firma Opländer war er ab 1955 auf der

Großbaustelle in Brackel tätig. Und weil gute

Leute von der Knappschaft gesucht wurden,

hat man ihn 1958, noch bevor das Haus eröffnete,

ganz einfach abgeworben. Fredy Fritsch

wurde am 1. Februar 1958 ein Knappschaftsmitarbeiter.

1997 ging er in den Ruhestand.

? Das Knappschaftskrankenhaus sollte ein

ganz modernes Haus werden ...

Fredy Fritsch: ... mit einer Deckenheizung wurde

das Neueste vom Neuen eingebaut. Sie funktionierte

ähnlich der heutigen Fußbodenheizung,

nur umgekehrt. Die Decke bildet die eigentliche

Heizfläche.

? Etwas ganz Revolutionäres?

Fredy Fritsch: Revolutionär war auch die Heizung

in der früheren Caféteria. Eine Strammax-

Strahlenheizung hing frei wie eine Schwebedecke

über den Besuchern. Aber das Modell

konnte sich nicht durchsetzen.

? Warum Deckenheizung? Wärme steigt doch

immer nach oben ...?

Fredy Fritsch: Man wollte damals die Staubaufwirblung

vermeiden. Anfangs haben die

Mitarbeiter im Haus Schwierigkeiten mit der

ihnen unbekannten Technik gehabt, denn die

Deckenheizung reagierte träge. Bei einem Wettersprung

verzögerte sich das Anheizen. Dies

war ungewohnt, denn die Ofenheizung war 1958

der Standard in den meisten Mietwohnungen.

? Und im Krankenhaus: Gab es da auch schon

Klimaanlagen?

Fredy Fritsch: Die wurden erst etwas später im

OP-Trakt der Gynäkologie und Chirurgie eingebaut.

? Waren Sie Ihrer Zeit damals weit voraus?

Fredy Fritsch: Damals sagte der Direktor bei

der Einweihung: Das ist eines der modernsten

Krankenhäuser in Europa. Zahlreiche Mindestnormen

wurden übertroffen.

? Beispielsweise?

Heute schmunzelt man darüber. Zwei Toiletten

waren damals für eine Station vorgeschrieben.

Im Knappschaftskrankenhaus verfügt 1958 jede

Station über fünf Toiletten. Es gab in der Mitte

der Stationen einen Raum mit drei Toiletten.

Eine weitere Toilette befand sich im Bade-

zimmer der Station und schließlich gab es für

jede Station noch eine Toilette in der Nähe der

Aufzüge. Die Toilette im Stationsbad wurde von

Privat-Patienten und den Schwestern benutzt.

Aber insgesamt war die Ausstattung des Hauses

schon damals ziemlich patientenfreundlich,

chic und modern. Im Knappschaftskrankenhaus

gab es nur 1-, 2- und wenige 4-Bettzimmer. Da

sah es in älteren Häusern ganz anders aus, 6-

bis 12-Bettzimmer waren da keine Seltenheit.

? Es war ja überwiegend ein Haus für die Bergleute?

Fredy Fritsch: Damals waren in Dortmund noch

alle Zechen in Betrieb. Mehr als ein halbes

Dutzend. Wenn die verunfallten Bergleute hier

eingeliefert wurden, waren die schwarz wie

die Nacht. Sie wurden in einer Riesenwanne

gebadet. Auch eine Sonderanfertigung, in die

sie – je nach Verletzung – mit einem Kran hinein

gehievt wurden.

? Aber es gab noch weitere Besonderheiten?

Fredy Fritsch: Eine technische Finesse war der

Verbund einiger Vierbett-Zimmer. Sie waren mit

einem Luftkanal verbunden. Den Bergleuten mit

Staublungen, die unter Luftnot litten, wurde

Luft ins Zimmer geleitet, die gewaschen, gefiltert

und mit einem Medikament versetzt war.

Andere Patienten sollten allerdings nicht damit

in Berührung kommen. Und so wurde diese

Anlage irgendwann wieder abgeschaltet, weil

man die Luftzufuhr nicht auf einzelne Zimmer

begrenzen konnte.


? Sie waren als Allround-Handwerker für alle

technischen Geräte zuständig?

Fredy Fritsch: Wenn etwas defekt war, dauerte

es einfach zu lange, auf einen Techniker von außerhalb

zu warten. Deshalb wurden wir von den

entsprechenden Firmen eingearbeitet. Wenn

ich noch an die Röntgenabteilung denke – da

saßen morgens wohl um die 150 Patienten. Da

konnten wir uns keinen Geräteausfall leisten.

Und auch auf der Zucker-Ambulanz später war

der gleiche Andrang.

? Sie haben auch Geräte gebaut?

Fredy Fritsch: Oh ja. Der Chefarzt der Radiologie

und sein Team hatten in den Anfängen immer

neue Ideen. Ich habe nach ihren Vorgaben

damals viele Entwürfe gefertigt und u. a. einen

Arteriographie-Tisch gebaut, der im freien Handel

nicht erhältlich war. Er war viele Jahre im Einsatz.

? Wie groß war denn die technische Gruppe?

Fredy Fritsch: Wenn ich die Heizer mitzähle,

waren wir 12 Kollegen.

? Sie hatten praktisch überall zu tun. Bestand

die Zentralwäscherei von Anfang an?

Fredy Fritsch: Es gab eine kleine Wäscherei, die

nur für das Haus zuständig war. Erst später,

so um 1966 herum, kam die Entscheidung, in

Dortmund die Zentralwäscherei unterzubringen.

Hier bestand die Kapazität – und hier

wurde eine Zeit lang für sechs weitere Knappschaftskrankenhäuser

aus Nordrhein-Westfalen

gewaschen.

? Aber auch in der Küche war jede Menge

Technik ...

Fredy Fritsch: ... das war ganz anders als heute.

Da wurden Thermowagen zur Station geschickt,

wo die Schwestern das Essen auf den Tellern anrichteten.

Dann wurde die Küche umgebaut und

das Tablettsystem eingeführt. Eine bewährte

Sache, die im Laufe der Zeit immer wieder verbessert

wurde.

? Haben die Mitarbeiter auch im Haus gegessen?

Fredy Fritsch: Die meisten. Es gab zwar nicht die

Auswahl wie heute. Aber das Essen war sehr gut.

Ich erinnere mich noch gerne an den Sauerbraten ...

? Alle Mitarbeiter nahmen die Mahlzeiten

gemeinsam ein?

Fredy Fritsch: Oh nein – die lockere Art von

heute gab es damals noch nicht. Die große Caféteria

in der fünften Etage war ausschließlich

für die Schwestern bestimmt. Die Ärzte aßen in

einem separaten Raum eine Etage tiefer. Ebenso

die Kollegen aus der Verwaltung. Jahre später,

als immer mehr Platz benötigt wurde, ist diese

räumliche Trennung dann aufgehoben worden.

? Anfangs hatte die Knappschaft keine eigenen

Krankenschwestern ...

Fredy Fritsch: ... die wurden von der AWO

gestellt. Doch die hatte zunehmend Probleme,

Schwestern bereit zu stellen.

? Früher gab es auch noch nicht die zentrale

Ausbildungsstelle für die Pflege. Es wurde dann

in Brackel ausgebildet?

Fredy Fritsch: Im Schwesternwohnheim, wo

die Mädels untergebracht waren, befanden

110: Fredy Fritsch

Ich habe die Zeit nie bereut

Fredy Fritsch – Ehem. Personalrat

sich auch die Unterrichtsräume. Ich kann mich

noch gut erinnern – in dem Haus, das nun bald

abgerissen wird, herrschten strenge Sitten. Jede

Schülerin, die raus oder rein ging, musste sich in

ein Buch eintragen. Wer nach 22 Uhr heim kam,

erhielt eine derbe Ansage.

111: Der ehemalige Personalrat vor der Tür seines alten

Personalratsbüros.

111

91


Ich habe die Zeit nie bereut

Fredy Fritsch – Ehem. Personalrat

? Und da hat sich niemand gewehrt?

Fredy Fritsch: Doch. Aber es hat lange gedauert.

Die Zeiten waren noch anders. Damals war ich

noch in der Personalvertretung. Und ich habe

mich dafür eingesetzt, dass es lockerer gehandhabt

wurde. Aber früher hatte der Personalrat

noch nicht so viele Möglichkeiten wie heute,

sich für die Belange der Mitarbeiter einzusetzen.

? Dann wurde auch die neue zentrale Krankenpflegeschule

in Recklinghausen eingerichtet?

Fredy Fritsch: Ich meine, vier bis fünf Jahre liefen

diese Kurse in Brackel. Dann hat sich die Knappschaft

entschlossen, in Recklinghausen eine

neue Krankenpflegeschule für die theoretische

Ausbildung zu bauen. Damals gab es für die

Auszubildenden einen Fahrdienst. Heute werden

zunehmend Fahrgemeinschaften gebildet.

? Aber die Zahl der Schwestern aus den eigenen

Reihen reichte damals nicht aus.

Fredy Fritsch: Anfang der 70er Jahre wurden

Pflegehelferinnen hier eingestellt. Es waren

junge Philippininnen – so 17 oder 18 für Brackel.

Vorher hatten wir auch schon Schwestern vom

Türkischen Halbmond.

? Gab es Integrationsprobleme?

Fredy Fritsch: Überhaupt nicht. Wir hatten auch

schon Schwestern aus dem früheren Jugoslawien.

Das hat immer sehr gut geklappt.

? Wie lange waren Sie im Personalrat?

Fredy Fritsch: Zum ersten Mal 1960 bis 1966.

Ab 1967 besuchte ich die Abendschule für den

Meisterkurs der Handwerkskammer Dortmund.

Weil ich schon seit 1960 Stellvertreter des

technischen Leiters war, waren Personalratstätigkeit,

stellvertretender technischer Leiter und

Abendschule nicht mehr gemeinsam zu leisten.

Anfang der 70er Jahre wurde ich erneut gebeten,

mich für den Personalrat aufstellen zu lassen.

1974 kam das neue Gesetz heraus, dass Mitarbeiter

freigestellt werden konnten.

? Was konnten Sie erreichen?

Fredy Fritsch: Wir waren nicht so ausgefuchst

wie die Experten. In manchen Angelegenheiten

haben wir die Rechtsabteilung der Gewerkschaft

in Anspruch genommen. Aber man muss

nicht an alles mit dem Brecheisen angehen. Ein

besonnenes Gespräch glättet oft die Wogen.

Es waren nicht immer die großen Dinge, aber

viele kleine Sachen, die für den einzelnen

Mitarbeiter wichtig waren. Zum Beispiel war der

Wohnungsmarkt ziemlich eng. Ich hatte gute

Beziehungen zum Wohnungsamt. Und auch

zum Sozialamt. Da hab‘ ich viele Dinge regeln

können. Die Mitarbeiter waren dann unheimlich

glücklich. Heute würde sich niemand mehr mit

solchen Dingen beschäftigen. Diese Arbeit hat

mir immer großen Spaß gemacht. Ich bin ein

Helfer-Typ.

? Später gingen Sie dann in den Hauptpersonalrat?

Fredy Fritsch: 1979/80 wurde ich in den Hauptpersonalrat

gewählt. Der Hauptpersonalrat

richtete Fachgruppen für die einzelnen Bereiche

der Knappschaft ein. Da war ich acht Jahre lang

Vorsitzender der Fachgruppe Krankenhäuser und

Sanatorien. Gleichzeitig wählten mich die Kollegen

in den Vorstand des Hauptpersonalrats.

? Waren die Gehälter der Knappschaft mit denen

der anderen Krankenhäuser in Dortmund

vergleichbar?

Fredy Fritsch: In manchen Bereichen lagen wir

etwas höher, in manchen etwas niedriger. Das

war aber minimal. Generell lagen die Knappschafts-Kollegen

auf einem guten Level.

? Sie haben aber auch die Arbeitszeiten im

Pflegebereich geändert ...

Fredy Fritsch: ... weil die Krankenschwestern

einen geteilten Dienst hatten: Von morgens 6

Uhr bis mittags 12 Uhr und nachmittags von 15

oder 16 Uhr bis 19 Uhr. Das war auf Dauer nicht

zumutbar. Die Umstellung war ein richtiger

Kampf.

? Gab es mehr Schwierigkeiten?

Fredy Fritsch: In den 80er Jahren musste bei

der Knappschaft Personal abgebaut werden. Es

war sehr schwer, den Kollegen die Gründe zu

vermitteln.

? Auch wegen der Caféteria gab es Meinungsverschiedenheiten?

Fredy Fritsch: Da konnten wir eine Schließung

erfolgreich verhindern.

? Die Einführung der Computer in den 80er

Jahren veränderte die Arbeit sicher nachhaltig?

Fredy Fritsch: Da begann eine neue Ära. Die

Computer boten in manchen Bereichen eine


Verkürzung der Bearbeitungszeit von fast 75

Prozent. Beispielsweise im Schreibdienst. Ein

fehlerhafter Arztbrief musste nicht neu getippt

werden, man konnte den Text korrigieren und

neu ausdrucken. Das war schon toll – auch

wenn es für die älteren Angestellten am Anfang

schwer war.

? Sie haben das Brackeler Haus auch als Patient

kennen gelernt. Waren Sie zufrieden?

Fredy Fritsch: Ich habe großes Vertrauen zu den

Ärzten des Hauses. Schade, dass die Pflege immer

weniger Zeit hat. Dabei ist diese Fürsorge

oft wichtiger als Pillen. Ich sehe natürlich auch

ein, dass die Schwestern und Pfleger unter großem

Druck stehen.

? Wenn Sie knapp 50 Jahre zurückblicken, war

das Jahr 1959 ein wahres Glücksjahr für Sie ...

Fredy Fritsch: ... da hab‘ ich meine Frau hier

kennen gelernt. Der Verwaltungsleiter war ein

Österreich-Fan. Er holte Serviererinnen aus

Österreich für die Personal-Caféteria, weil die

freundlicher gewesen sein sollen. Meine Frau

und ich waren das erste Knappschafts-Pärchen,

das hier geheiratet hat. Seit 48 Jahren sind wir

zusammen und haben drei Kinder.

? Was wünschen Sie dem Haus:

Fredy Fritsch: Nur alles Gute. Ich habe die Zeit

hier nie bereut, die Arbeit war klasse.

112: Galt 1958 als exclusiver Chick: Das Stationsbad.

Ich habe die Zeit nie bereut

Fredy Fritsch – Ehem. Personalrat

112

93


Ich wünsche mir, dass das Haus erhalten bleibt

Detlef Dreyer – Personalleiter

Kaum ein anderer kennt das Knappschaftskrankenhaus

Dortmund so gut wie er: Detlef

Dreyer ist seit 30 Jahren für die Knappschaft

tätig. Angefangen hat er bei der Bundesknappschaft

in Bochum – vor gut 28 Jahren kam er

nach Dortmund. Der 53-Jährige lernte viele Bereiche

des Hauses kennen, bis er vor 15 Jahren

Leiter des Personalwesens wurde.

? Sie haben fast alle Mitarbeiter des Hauses

eingestellt?

Detlef Dreyer: Grundsätzlich richtig. Aber es

werden nicht alle Bewerbungsgespräche von mir

durchgeführt. Wir haben einen Ärztlichen Direktor

der sich um die Belange der Ärzte kümmert,

die Pflegedirektion ist für den Bereich Pflege

zuständig und der Krankenhausverwaltungsdirektor

für die übrigen Mitarbeiter, zum Beispiel

in der Verwaltung. Die Einstellungsgespräche

werden in diesen Bereichen geführt. Und die

formaljuristische Einstellung – also Gestaltung

und Abschluss des Arbeitsvertrages, das wird

von der Krankenhausverwaltung vorgenommen.

? Da gibt es ja die unterschiedlichsten Verträge

und Arbeitszeiten ...?

Detlef Dreyer: Wir arbeiten 24 Stunden am Tag,

sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr – also

immer, rund um die Uhr. Da gibt es die unterschiedlichsten

Dienst- und Schichtformen,

Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaften.

Diese unterschiedlichen Schichtformen müssen

jeden Monat individuell abgerechnet werden.

Das fällt in meine Zuständigkeit. Ebenso die

Auflistungen für Urlaub und freie Tage. Und

deshalb sind mir die meisten der fast 900 Mitarbeiter

bekannt.

? Sie sehen Menschen kommen und gehen.

Ist es schwer, neues qualifiziertes Personal zu

bekommen?

Detlef Dreyer: Es kommt darauf an, für welchen

Bereich man sucht. Zum Beispiel bei einer

Schreibkraft gibt es keine Schwierigkeiten. Aber

wenn sie 180 Anschläge schreiben, die medizinische

Nomenklatur beherrschen und zwei

Fremdsprachen sprechen soll, dann wird es sehr,

sehr eng.

? Wie ist denn das Betriebsklima im Haus?

Detlef Dreyer: Gut. Sonst wäre ich sicher nicht

über 30 Jahre hier im Haus. Im Laufe dieser Jahre

habe ich sehr viele Menschen kennen gelernt,

den einen oder anderen schätzen gelernt und

von manchen auch viel gelernt. Und noch etwas

Positives: Man ist hier keine Nummer. Trotz der

Größe des Hauses spricht man sich noch mit

Namen an – man kennt sich.

? Sie kennen das Haus wie nur wenige. An welchen

Stellen waren Sie tätig?

Detlef Dreyer: Ich habe hier als Einkäufer angefangen.

? Was kauften Sie ein? Verbandsmaterial? Fieberthermometer?

Kartoffeln für die Küche?

Detlef Dreyer: Alles. Das ging vom Brötchen

bis zum Röntgengerät. Das war eine spannende

Aufgabe. Nach fünf Jahren bin ich dann

aushilfsweise im Personalwesen tätig gewesen,

dann war ich für ein paar Jahre für das Rechnungswesen

im Hause zuständig und bin dann

wieder zurück ins Personalwesen.

113


? Auf eigenen Wunsch? Hatte Ihnen die Arbeit

so gut gefallen?

Detlef Dreyer: Nicht unbedingt auf eigenen

Wunsch. Aber es gibt Bitten, denen kann man

sich nicht entziehen. Rechnungswesen wollte

ich eigentlich nie machen. Ich mochte nicht

so gerne mit Zahlen in dieser Größenordnung

hantieren. Doch es stellte sich heraus, dass es

der Bereich war, in dem ich mich am wohlsten

gefühlt habe. Eigentlich wäre ich da gerne geblieben.

Aber wenn ich so zurückblicke, habe ich

den Wechsel auch nicht bereut.

? Wenn Sie 30 Jahre zurückblicken, welche

Ereignisse fallen Ihnen spontan ein? War es früher

besser – oder fällt die Arbeit im Computer-

Zeitalter leichter?

Detlef Dreyer: Manche sprechen bei ihrem Rückblick

oft von der guten alten Zeit. Das ist bei mir

anders. Ich habe hier immer gerne gearbeitet.

Und meine Arbeit hat mich immer ausgefüllt.

Sie ist jedoch im Laufe der Jahre anders geworden.

Ich bin gewohnt, nach vorne zu schauen.

Die Arbeitsverdichtung in den letzten Jahren

geht natürlich nicht spurlos an einem vorüber.

Auch über die finanzielle Situation der Krankenhäuser

macht man sich immer mehr Gedanken.

Das gestaltet die Arbeit natürlich etwas schwieriger.

Wir haben viel gemacht und bewegt – und

immer zum Positiven.

? Sie haben in 30 Jahren schon mehrere Generationen

hier erlebt ...

Detlef Dreyer: ... das kann ich besonders an den

Chefärzten festmachen: Als ich meinen Dienst im

Knappschaftskrankenhaus Dortmund aufnahm,

waren die Chefärzte wesentlich älter als ich und

traten, so meine Erinnerung, recht bestimmt auf.

Ihnen folgten neue Chefärzte. Viele von ihnen

hatten eine liberale Einstellung. Die heutigen

Chefärzte, die nun alle jünger sind als ich, haben

mit uns zusammen die Umbaumaßnahmen und

die Öffnung des Krankenhauses zu den Medien

vorangetrieben. Dies hat einen unglaublich positiven

Sog auf die Bevölkerung ausgelöst.

? Als Sie im Abrechnungswesen tätig waren,

kam doch ein Umbruch ...

Detlef Dreyer: ... da kam die Einführung der Fallpauschalen

und Sonderentgelte. Zuvor, also vor

drei Jahrzehnten wurden lediglich Pflegetage

berechnet, quasi das belegte Bett pro Tag.

? Können Sie sich noch erinnern, was ein Tag

im Knappschaftskrankenhaus kostete?

Detlef Dreyer: Nicht mehr genau. Es müssen so

um die 180 Mark gewesen sein.

? Das wären jetzt 90 Euro. Damit könnte heute

kaum Bed & Breakfast mit Blutdruckmessen

abgedeckt werden.

Detlef Dreyer: Deshalb wurden die Fallpauschalen

eingeführt. Für Hüft- und Knie-Endoprothesen

sowie für Herzschrittmacher gab es

Sonderentgelte. Dann hat man erkannt, dass

die Krankenhausleistung aus zwei Bestandteilen

besteht: zum einen aus der medizinischen

Behandlung, zum anderen aus der sogenannten

Hotelleistung. Da begann man den Pflegesatz

zu splitten. Es war ein langer Weg bis zu den

heutigen DRG, in denen auch die Personalleistungen

inbegriffen sind.

Ich wünsche mir, dass das Haus erhalten bleibt

Detlef Dreyer – Personalleiter

? Und welche Rechnung geht besser fürs Haus

auf – die frühere oder die jetzige?

Detlef Dreyer: Ich habe das in den letzten

Jahren ja nur aus der Distanz beobachtet. Aber

ich meine, vor 30 Jahren haben wir eine gute

medizinische Leistung erbracht, für die es nur

kleines Geld gab. Unsere Leistungen sind bis

heute gut geblieben und das wird nun auch

finanziell durch die Leistungsabrechnung nach

den sogenannten DRGs anerkannt.

? Was hat sich denn in Ihrem Bereich geändert?

Detlef Dreyer: Die Tariflandschaft. Früher gab

es den guten einfachen Bundesangestelltentarif.

Der BAT war die Norm. Bei uns hieß das

Knappschafts-Angestellten-Tarifvertrag, bei

dem die Besonderheiten der knappschaftlichen

Kranken- und Rentenversicherung eingebaut

waren. Dann kam der TVöD, der Tarifvertrag für

den Öffentlichen Dienst, der den BAT revolutionieren

sollte, was m. E. noch nicht gelungen

ist. Durch den TVöD sollten Beschäftigte, die

mehr leisteten, auch besser honoriert werden.

Zeitgleich zum TVöD wurde vom Marburger

Bund für die Krankenhausärzte ein gesonderter

Tarifvertrag ausgehandelt.

? Für wieviel Ärzte gilt der Tarifvertrag des

Marburger Bundes?

Detlef Dreyer: Für über 100 Ärzte im Knappschaftskrankenhaus.

113: Personalleiter Detlef Dreyer an seinem Schreibtisch.

95


Ich wünsche mir, dass das Haus erhalten bleibt

Detlef Dreyer – Personalleiter

? Verschiedene Arbeitsbereiche wurden im

Laufe der Zeit ausgegliedert ...

Detlef Dreyer: Eigentlich wollten wir nie ausgliedern.

Die Mitarbeiter aus dem Arbeiterbereich

hatten ja ihren eigenen Tarifvertrag, der

historisch gewachsen war. Sie waren alle sehr

gut eingestuft. Irgendwann hatten wir dann

Probleme in der Pflegesatzverhandlung, diese

hohen Kosten geltend zu machen. Und so sind

die ersten Outsourcing-Gedanken entstanden.

? Aber diese Mitarbeiter sind nicht an fremde

Firmen vermittelt worden?

Detlef Dreyer: Nein. Man hat zwar erst überlegt,

diese Gebiete komplett an andere Firmen zu

übergeben. Aber dann hätten wir unser Mitspracherecht

verloren. Deshalb hat der Knappschaftsvorstand

entschieden, entsprechende

Eigengesellschaften zu gründen. Daraus ist

dann die DSL, die Dienstleistungs- und Service

GmbH, entstanden. Diesen Weg haben auch

viele andere Krankenhäuser beschritten. Aber

ich möchte betonen, dass wir keine betriebsbedingten

Kündigungen oder Änderungskündigungen

ausgesprochen haben.

? Schafft das eine Zweiklassen-Gesellschaft im

Hause?

Detlef Dreyer: Ich glaube nicht. Wir leben in

einer Zeit, in der die Mitarbeiter froh sind, einen

krisenfesten Arbeitsplatz zu haben. Die neu eingestellten

verdienen zwar etwas weniger als ihre

langjährigen, älteren Kollegen, aber sie arbeiten

zu besseren Bedingungen als dies bei anderen

Firmen der Fall ist.

? Die Apotheke ist nicht mehr im Hause ...

Detlef Dreyer: Wir betreiben gemeinsam mit

dem Knappschaftskrankenhaus Langendreer

eine Apotheke. Diese Apotheke ist neu gebaut

114

worden und von der Kapazität her so groß, dass

sie uns gut versorgen kann. Die Synergie-Effekte

sind sicherlich nicht von der Hand zu weisen.

Der einzige Nachteil ist, dass man nicht von

einer Minute auf die andere auf ein Medikament

zurückgreifen kann. Aber wir haben einen Fahrdienst,

der dies ausgleicht und wir können auch

gut übersehen, wann welche Medikamente

benötigt werden.

? Warum wurde die Wäscherei aufgegeben?

Detlef Dreyer: Das war schon 1998. Es kam ein

neues Medizinprodukte-Gesetz mit neuen

Bedingungen, und wir konnten die OP-Kleidung

nicht mehr vor Ort waschen. Es war für uns

eine große Aufgabe, die 62 Mitarbeiter sozialverträglich

unter zu bringen. Aber auch das ist

uns gelungen. Die meisten gingen in andere

Knappschaftskrankenhäuser, andere wurden

umgeschult oder auch abgefunden. Heute wird

im Haus fast nur noch Mietwäsche eingesetzt.

? Wie sehen Sie die Entwicklung des Krankenhauses?

Detlef Dreyer: Sehr, sehr positiv. Ich wünsche

mir sehr, dass dieses Haus für die Patienten und

auch für seine fast 900 Mitarbeiter so erhalten

bleibt.

114: Bis 1998 besaß das Knappschaftskrankenhaus

Dortmund eine eigene Wäscherei, in der zeitweise

auch die Wäsche anderer Ruhrgebiets-Knappschaftskrankenhäuser

gewaschen wurde.


JaHr

1958

1959

1960

1961

1962

GroSSe ereiGniSSe reGionaLe ereiGniSSe

02.01. Die „Verkehrsünderkartei“ in Flensburg nimmt die

Arbeit auf.

01.07. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wird in der

BRD im bürgerlichen Recht verankert.

29.08. Mit einem nationalen Entwicklungsprogramm will

China zu den Industrieländern aufschließen.

28.05. Zwei Affen überleben als Passagiere einen 15minütigen

Weltraumflug in einer US-Rakete.

01.07. Heinrich Lübke (CDU) wird zum Bundespräsidenten

gewählt.

21.10. In New York wird das Guggenheim-Museum eröffnet.

17.08. Im Hamburger Indra-Club tritt die britische

Rockgruppe „The Beatles“ erstmals außerhalb

Großbritanniens auf. Noch sind sie nicht berühmt.

14.10. Der sowjetische Regierungschef Chruschtschow tritt

temperamentvoll in einer UNO-Vollversammlung auf.

08.11. Der 43-jährige Demokrat John F. Kennedy wird in den

USA zum Präsidenten gewählt.

12.04. Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin umkreist als

erster Mensch die Erde.

17.04. In der kubanischen Schweinebucht scheitert eine von

den USA initiierte Invasion.

13.08. In Berlin beginnt der Mauerbau.

17.09. Wahlen zum 4. Deutschen Bundestag. Die CDU/CSU

verliert mit 45,3 Prozent die absolute Mehrheit, bleibt

aber führende politische Kraft in der Bundesrepublik.

Die SPD erringt 36,2 Prozent und die FDP 12,8 Prozent

der Stimmen.

17.02. Bei der größten Sturmflut seit über 100 Jahren sterben

317 Menschen, die meisten von ihnen im Gebiet um

Hamburg.

Exkurs III: Was um das Krankenhaus herum geschah 97

Große und regionale Ereignisse von 1958 bis 2008

22.02. Die Kohlekrise im Ruhrbergbau beginnt.

April Inbetriebnahme des Knappschaftskrankenhauses in

Dortmund-Brackel.

18.05. Schalke 04 Deutscher Fußballmeister.

02.07. Eröffnung „Haus der Bibliotheken“ am Hansaplatz in

Dortmund.

06.07. Landtagswahlen in NRW. Die CDU erhält die absolute

Mehrheit.

03.02. Zusammenschluss deutscher Bergbaureviere zur

Notgemeinschaft deutscher Steinkohle GmbH in Essen.

30.04. Eröffnung der Bundesgartenschau mit dem neuen

Fernsehturm in Dortmund.

01.05. Rückkehr zur Achtstundenschicht, Einführung der

Fünf-Tage-Woche im Bergbau.

26.09. „Marsch auf Bonn“, 60.000 Bergarbeiter protestieren

gegen die Energiepolitik der Bundesregierung.

13.12. Bei einer Gasexplosion in einem dreistöckigen Haus in

Dortmund-Aplerbeck kommen 26 Menschen ums Leben.

15.04. Enthüllung des Mahnmals für die Opfer des National-

sozialismus in Dortmund-Bittermark.

03.–08.07. Die 7. ordentliche Generalversammlung der IG Bergbau/Dortmund

beschließt Namensänderung in die

IG Bergbau und Energie.

06.08. Neueröffnung des Dortmunder Südbades, welches im

2. Weltkrieg zerstört wurde.

18.-27.11. In der Dortmunder Westfalenhalle findet die erste

internationale Schulausstellung (Interschul) statt.

28.04 Der SPD-Politiker Willy Brandt sagt auf einem Wahlkongress

seiner Partei in Bonn: „Der Himmel über dem

Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“

06.06. Dortmund zählt 641.480 Einwohner.

24.06. Borussia Dortmund unterliegt dem 1.FC Nürnberg beim

Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft in

Hannover mit 0:3 Toren.

Ende Im Raum Dortmund/Lünen/Castrop-Rauxel sind rund

Januar: 6.000 Italiener, Spanier und Griechen beschäftigt.

22.03. Erstmalige Durchführung einer freiwilligen Schluck-

97


JaHr GroSSe ereiGniSSe

reGionaLe ereiGniSSe

1963

1964

1965

1966

05.08. Die US-Filmschauspielerin Marilyn Monroe wird tot in

ihrer Wohnung in Los Angeles aufgefunden.

15.10. Die Entdeckung sowjetischer Angriffswaffen auf der

Karibikinsel Kuba führt an den Rand eines atomaren

Krieges.

12.06. Der bislang teuerste Film aller Zeiten, „Cleopatra“, mit

Liz Taylor hat in New York Premiere.

08.08. 15 bewaffnete Männer überfallen den Postzug von

Glasgow nach London. Dabei erbeuten sie umgerechnet

etwa 15 Mio. Euro.

27.08. Gegen Rassendiskriminierung demonstrieren 200.000

Menschen in Washington. Martin Luther King hält die

Rede „Ich habe einen Traum“.

11.10. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) tritt zurück

und Ludwig Erhard wird Bundeskanzler. Die Regierungskoalition

besteht weiterhin aus CDU, CSU und FDP.

22.11. In Dallas wird John F. Kennedy erschossen.

25.02. Cassius Clay wird in Miami Beach gegen Sonny Liston

Boxweltmeister im Schwergewicht.

02.07. In den USA tritt das neue Bürgerrechtsgesetz zur Aufhebung

der Rassentrennung in Kraft.

02.08. Nachdem zwei US-Zerstörer von Nordvietnam angegriffen

wurden, beginnt die US-Luftwaffe mit Vergeltungsangriffen.

14.10. Der sowjetische Staatschef Nikita S. Chruschtschow

wird seiner Ämter enthoben. Nachfolger werden Alexei

N. Kossygin und Leonid I. Breschnew.

10.10. In Tokio beginnen die 18. Olympischen Spiele, Sportler

der Bundesrepublik und der DDR treten letztmalig als

gesamtdeutsche Mannschaft an.

21.02. Der Bürgerrechtler Malcom X wird in New York

während einer Rede erschossen.

15.03. Die USA eröffnen den Bombenkrieg gegen Nordvietnam.

18.03. Der sowjetische Kosmonaut Alexei A. Leonow ist der

erste Mensch, der sein Raumschiff im Weltall verlässt.

30.04. Die ersten Fotos eines menschlichen Embryos im

Mutterleib werden veröffentlicht.

19.09. Bei den Bundestagswahlen wird die CDU/CSU

stärkste Partei.

20.02. Ein norwegischer Tanker mit 38.000 t Rohöl havariert

westlich der Insel Helgoland.

impfung gegen Kinderlähmung im Ruhrgebiet.

28.07. Die Fußball-Bundesliga wird gegründet.

31.08. Das neue Schiffshebewerk in Henrichenburg wird in

Betrieb genommen.

10.10. Offizielle Eröffnung des Bochumer Opelwerkes. Über

9.000 Mitarbeiter sind Ende des Jahres hier beschäftigt.

05.03. Wegen Steuerhinterziehung stehen sechs Mitglieder

des Vereinsvorstands von Schalke 04 vor Gericht.

29.06. Borussia Dortmund gewinnt die Deutsche Fußballmeisterschaft

01.09. Mit Unterstützung der Bundesregierung gründen

Bergbauunternehmen des Ruhrgebiets den Rationalisierungsverband

Ruhrbergbau.

18.11. Durch Fertigstellung des Teilstücks zwischen

Dortmund-Brackel und Dortmund-Sölde ist der

Ruhrschnellweg zwischen Essen und Unna nun

vierspurig befahrbar.

09.05. Am Ende der ersten Bundesligasaison folgender Tabellenstand

der Ruhrgebietsvereine: MSV Duisburg auf

dem zweiten Rang, Borussia Dortmund auf dem

vierten Rang und Schalke 04 auf dem achten Rang.

08.06. Das Bundesamt für Zivilschutz probt in einem Bunker

an der Zwickauer Straße in Dortmund das Überleben

nach einem Atomschlag.

31.10. Der Rationalisierungsverband Ruhrbergbau meldet 31

Großzechen im Ruhrgebiet zur Stilllegung an.

Erstmalige Verleihung des Adolf-Grimme-Preises

(Marl), eine Auszeichnung für hervorragende deutsche

Fernsehsendungen.

12.04. Um die Kapitalbasis der Gesellschaft zu verbessern,

beschließt die Hauptversammlung der VEBA AG, eine

Teilprivatisierung des Unternehmens durchzuführen.

22.05. Borussia Dortmund gewinnt mit einem 2:0 Sieg über

Alemannia Aachen in Hannover den DFB-Pokal.

11.06. Im 19. Jahr ihres Bestehens erhalten die Ruhrfestspiele

in Recklinghausen ein eigenes Haus. 1.100 Zuschauer

finden im neuen Theater Platz.

30.06. Die Ruhr-Universität Bochum wird offiziell eröffnet.

31.07. Die Fußball-Bundesliga wird von 16 auf 18 Mannschaften

aufgestockt; damit steigt Schalke 04 nicht ab.

19.09 Bei den Wahlen zum fünften Deutschen Bundestag

bleibt die CDU/CSU trotz erheblicher SPD-Gewinne

stärkste Partei.

03.03. Eröffnung des Großen Hauses der Städtischen Bühnen

Dortmund.


JaHr GroSSe ereiGniSSe

reGionaLe ereiGniSSe

1967

1968

1969

04.05. In China leitet Mao Tse-tung die „Große Proletarische

Kulturrevolution“ ein.

09.05. Bei Rheinsberg wird das erste Atomkraftwerk der DDR

in Betrieb genommen.

23.06. Die Beatles treffen in München zu einer Deutschlandtournee

ein.

30.07. Im Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft in

Wembley siegt Großbritannien mit einem 4:2 über

die Deutsche Nationalelf.

01.12. Die Große Koalition startet. Kurt Georg Kiesinger

(CDU) wird vom Bundestag zum Bundeskanzler

gewählt. Er steht einem Kabinett aus elf

CDU/CSU- und neun SPD-Ministern vor.

27.02. Bei einer Countdown-Simulation in der Apollo-Kapsel

auf dem amerikanischen Cape Kennedy verbrennen

Roger Chaffee, Virgil Grissom und Edward White.

21.04. In Griechenland ergreift in einem rechtsgerichteten

Militärputsch die Armee die Macht.

05.06. In den Morgenstunden beginnt der dritte Krieg

zwischen Israel und den arabischen Staaten, der sog.

Sechstagekrieg.

25.08. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) beginnt mit

der Ausstrahlung von Sendungen in Farbe.

02.06. In West-Berlin wird bei einer Demonstration gegen

den Besuch des Schah von Persien der Student Benno

Ohnesorg von einem Polizisten erschossen.

60 Personen werden teilweise schwer verletzt.

30.01. Vietcong und nordvietnamesische Truppen beginnen

die Tet-Offensive.

16.03. Eine US-Einheit erschießt im Dorf My Lai 507

Bewohner.

04.04. Der Führer der US-Bürgerrechtsbewegung, Martin

Luther King, wird in Memphis erschossen.

05.04. Mit einem Demokratisierungsprogramm für alle

gesellschaftlichen Bereiche beginnt in der Tschechoslowakei

der „Prager Frühling“, der vier Monate

später von Truppen des Warschauer Paktes niedergeschlagen

wird.

21.07. Der US-Astronaut Neil Armstrong betritt als erster

Mensch den Mond; die Entwicklung der Saturn-Rakete

wurde maßgeblich vom Deutsch-Amerikaner Wernher

von Braun vorangetrieben.

12.08. In Nordirland eskalieren Kämpfe zwischen Protestanten

und Katholiken.

17.03. Beim internationalen Reit- und Springturnier in der

Dortmunder Westfalenhalle siegt Fritz Ligges aus Dortmund

beim Großen Preis der Bundesrepublik.

05.05. Als erste deutsche Mannschaft gewinnt Borussia Dortmund

in Glasgow den Fußball-Europa-Pokal der Pokalsieger

durch einen 2:1 Sieg nach Verlängerung gegen

den FC Liverpool.

01.06. Der Direktor des Duisburger Zoos, Wolfgang Gewalt,

versucht vergeblich, einen Belugawal zu fangen, der

sich im Rhein zwischen Duisburg und Wesel aufhält.

01.10. Hoesch AG und Dortmund - Hörder Hüttenunion AG

schließen sich unter dem Namen Hoesch zusammen.

01.01. In der Metallindustrie tritt die 40-Stunden-Woche bei

vollem Lohnausgleich in Kraft.

13.03. Als Gesprächsrunde zwischen Regierung, Gewerkschaft

und Unternehmern beginnt in Bonn die Konzertierte

Aktion Kohle zur Lösung der Bergbaukrise im Revier.

30.06. Schließung der Zeche „Adolf von Hansemann“ in

Dortmund-Mengede.

06.07. Das Friedensdorf Oberhausen, eine Einrichtung zur

Aufnahme von Kindern aus Kriegsgebieten, wird gegründet.

10.10. In der Dortmunder Trabantenstadt Scharnhorst mit

Wohnungen für 17.000 Menschen wird Richtfest gefeiert.

18.01. Ein Sozialplan der Bundesregierung sieht u. a. zehn

Jahre Wohnrecht für ehemalige Bergleute in den

Werkswohnungen vor.

11.05. 14.000 Menschen versammeln sich in der Dortmunder

Westfalenhalle, um auf einer Kundgebung des DGB

gegen die Notstandsgesetze zu protestieren.

15.05. Mit dem Gesetz zur Anpassung und Gesundung des

deutschen Steinkohlebergbaus und der deutschen

Steinkohlebergbaugebiete schafft die Bundesregierung

die gesetzliche Grundlage für eine Neuordnung der

Bergbauwirtschaft.

12.06. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Heinz

Kühn (SPD), eröffnet in Dortmund das Forschungsinstitut

für Kinderernährung, das weltweit erste dieser Art.

16.12. Eröffnung der Universität Dortmund.

05.03. Der SPD-Politiker und frühere Essener Oberbürgermeisster

Gustav Heinemann, Bundesjustizminister seit

1966, wird als Nachfolger von Heinrich Lübke zum

Bundespräsidenten gewählt.

25.04. In Dortmund wird die Bundesgartenschau „Euroflor“

eröffnet. Sie dauert bis zum 12.Oktober.

99


JaHr GroSSe ereiGniSSe

reGionaLe ereiGniSSe

1970

1971

1972

17.08. Das legendäre Woodstock-Festival in den USA mit

Hunderttausenden Besuchern geht zu Ende.

28.09. Nach den deutschen Bundestagswahlen bilden SPD

und FDP eine Koalition.

01.01. Das Gesetz über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

tritt in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft.

05.03. Der Atomwaffensperrvertrag tritt in Kraft.

30.04. Auf Befehl von US-Präsident Richard M. Nixon

marschieren US- und südvietnamesische Einheiten

in Kambodscha ein.

14.04. An Bord von „Apollo 13“ explodiert ein Sauerstofftank

und bringt die dreiköpfige Besatzung in Gefahr.

18.06. Bundesbürger dürfen von nun an bereits im Alter

von 18 Jahren wählen.

21.06. In Mexiko gewinnt Brasilien durch ein 4:1 gegen Italien

zum dritten Mal die Fußball-Weltmeisterschaft,

Deutschland wird Dritter.

07.12. In Warschau unterzeichnen Bundeskanzler

Willy Brandt und Polens Ministerpräsident Józef

Cyrankiewicz den deutsch-polnischen Vertrag.

07.02. In der Schweiz erhalten Frauen auf Bundesebene das

aktive und passive Wahlrecht.

30.03. Das erste bundesweit gültige Umweltschutzgesetz

tritt in Kraft: In der Umgebung von Flughäfen mit

Düsenverkehr müssen Lärmschutzbereiche eingerichtet

werden.

03.05. In der DDR löst Erich Honecker Walter Ulbricht als

Ersten Sekretär des SED-Zentralkomitees ab.

01.09. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG)

tritt in Kraft. Staatliche Beihilfen werden gewährt,

wenn eine Ausbildung nicht anderweitig finanziert

werden kann.

06.11. Die Protestfahrt zu den Aleuteninseln gegen einen US-

Atomversuch ist die erste Aktion der Umweltschutzorganisation

Greenpeace.

11.05– Bei einer Serie von Bombenanschlägen der RAF auf

24.05. US-Armee, Polizisten und Richter kommen vier

Menschen ums Leben, zahlreiche werden verletzt. Im

Juni und Juli werden sieben führende Mitglieder der

RAF verhaftet.

18.07. Im Grundvertrag zwischen der Bundesrepublik

Deutschland, den Bergbau-Alt-Gesellschaften und der

Ruhrkohle AG schließen sich 18 Unternehmen mit 85 %

der Steinkohleförderung des Ruhrgebiets zu einer

Gesamtgesellschaft zusammen.

01.08. In Dortmund und anderen Städten des Ruhrgebiets

werden Gesamtschulen eingerichtet.

02.09. In den Betrieben der Dortmunder Hoesch-Werke streiken

mehrere tausend Arbeiter für höhere Löhne.

22.10. Unter dem Motto „Eine Stadt fährt in die Zukunft“

beginnt der Bau der Dortmunder Stadtbahn.

21.04. Die VEBA AG gründet die VEBA Kraftwerke Ruhr Gmbh

mit Sitz in Gelsenkirchen.

25.09. In Essen wird der Ruhrschnellweg-Tunnel, mit 1020 m

die damals längste unterirdische Straßenführung

der Bundesrepublik, in Betrieb genommen.

Seit 1961 ist jeder zehnte Arbeitsplatz im Ruhrgebiet

verloren gegangen (219.000 insgesamt). Besonders

stark betroffen ist die Emscherregion, z. B.. sind bei

Städten wie Bottrop 31,7 %, und Herne 24,8 % der

Arbeitsplätze verloren gegangen.

05.03. Im Rahmen der „Aktion Roter Punkt“ versammeln sich

in der Innenstadt von Dortmund viele Hundert Personen,

um gegen Preiserhöhungen von 40 % im

städtischen Nahverkehr zu protestieren.

14.05. Schließung der Zeche „Germania“ in Dortmund-Marten.

14.08. VfL Bochum steigt in die Fußball-Bundesliga auf, Rot-

Weiß Essen steigt erneut ab.

01.10. Fusion zwischen der Dortmunder Actien- und

Dortmunder Hansa-Brauerei.

25.10. Die Autobahn „Sauerlandlinie“ (A45) wird mit dem

Anschluss an die B1 fertig gestellt und reicht nun bis

nach Lüdenscheid.

16.12. Der entführte Essener Großkaufmann Theo Albrecht

wird gegen eine Lösegeldzahlung in Höhe von 7 Mio.

DM freigelassen.

01.01. Fusion zwischen der Dortmunder Union-Brauerei und

der Schultheiß-Brauerei Berlin.

14.01. Nach 100jährigem Bestehen hört der Dortmunder

Hoesch-Konzern auf, ein deutsches Unternehmen zu

sein. Hoesch fusioniert mit der niederländischen Stahlfabrik

Hoogovens in Ijmuiden/Niederlande.


JaHr GroSSe ereiGniSSe

reGionaLe ereiGniSSe

1973

1974

1975

1976

1977

18.06. Die Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-

Bundes (DFB) wird in Brüssel mit einem 3:0 über die

UdSSR Fußballeuropameister.

26.08. In München beginnen die 20. Olympischen Sommerspiele,

bei denen arabische Terroristen ein Attentat

auf die israelische Olympiamannschaft verüben.

Mit einem Sonntagsfahrverbot reagiert die Bundesregierung

auf die Drosselung der Öllieferungen aus

den arabischen Ländern.

27.01. Die USA, Nordvietnam und Südvietnam unterzeichnen

einen Waffenstillstand.

30.04. Wegen der „Watergate-Affäre“ treten die Berater von

US-Präsident Richard M. Nixon zurück.

06.05. Der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt tritt wegen

der Affäre um den DDR-Kanzleramtsspion Günter

Guillaume zurück.

16.05. Der Deutsche Bundestag wählt Helmut Schmidt zum

Bundeskanzler, die sozial-liberale Koalition wird

fortgesetzt.

07.07. Mit einem 2:1 über die Niederlande gewinnt das

deutsche Team die Fußball-Weltmeisterschaft.

Frauen kämpfen gegen den Abtreibungsparagraphen

218.

30.04. Südvietnam kapituliert. Der Vietnamkrieg ist beendet.

01.08. In Helsinki unterzeichnen 35 Staaten die KSZE-Schlussakte,

u. a. enthält diese Absichtserklärungen über

Friedenssicherung sowie Zusammenarbeit in den

Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und

Umwelt.

23.04. In Ostberlin wird durch einen Festakt der „Palast der

Republik“ eröffnet.

16.06. Im südafrikanischen Soweto brechen blutige Unruhen

aus, diese zählen zu den schwersten Unruhen in dem

Apartheidstaat seit 1960.

03.10. Bei den Wahlen zum achten Deutschen Bundestag

wird die sozialliberale Koalition bestätigt. Helmut

Schmidt wird erneut Bundeskanzler (15.12.).

05.09. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen

Arbeitgeberverbände Hanns Martin Schleyer wird

von der RAF entführt sowie vier seiner Begleiter

erschossen. Die Entführer fordern die Freilassung von

elf RAF-Terroristen.

13.10. Palästinensische Terroristen entführen die Lufthansa-Boeing

„Landshut“.

28.06. Borussia Dortmund scheidet aus der Bundesliga aus.

19.11. Bei den Wahlen zum siebten Deutschen Bundestag

wird die sozialliberale Koalition bestätigt.

Der Film „Laß jucken, Kumpel“ von Franz Marischka

läuft in den Kinos an.

01.05. In Dortmund wird die Zentralstelle für die Vergabe von

Studienplätzen (ZVS) eingerichtet.

Gründung des Adolf-Grimme-Institutes in Marl. Dieses

Medieninstitut des deutschen Volkshochschulverbandes

konzipiert und organisiert u. a. die Verleihung

des Adolf-Grimme-Preises.

02.04. Mit einem Spiel zwischen Borussia Dortmund und

Schalke 04 wird das Dortmunder Westfalenstadion

eröffnet.

01.01. Die kommunale Neugliederung des Ruhrgebiets tritt in

Kraft.

04.05. Bei Landtagswahlen in NRW bleibt die CDU stärkste

Partei.

30.09. Vor dem Essener Landgericht beginnt der Prozess im

Bestechungsskandal um den FC Schalke.

Seit 1973 sind die Arbeitslosenzahlen in den Revierstädten stark

angestiegen. In Essen, Bochum und Dortmund haben

sich die Arbeitslosenzahlen in diesem Zeitraum fast

verdreifacht.

09.01. Die siebte Große Strafkammer des Landgerichts in

Essen verurteilt acht Spieler des Fußballclubs FC Schalke

04 wegen Meineids.

23.06. Wiederaufstieg von Borussia Dortmund in die 1. Bundesliga

nach einem 3:2 Sieg über den 1. FC Nürnberg.

17.07.– Bei den Olympischen Spielen in Montreal erringen

01.08. Sportler aus dem Ruhrgebiet Gold-, Silber-, Bronzemedaillen.

30.01. Die Dortmunderin Dagmar Lurz gewinnt bei den

Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Helsinki die

Silbermedaille.

29.03. Richtfest des neuen Kliniktrakts der Städtischen

Kliniken. In knapp vierjähriger Bauzeit entsteht hier

der Neubau der 2. Medizinischen Klinik als Ersatz für

die Medizinische Klinik in Dortmund-Dorstfeld.

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reGionaLe ereiGniSSe

1978

1979

1980

09.01. Die europäische Kommission in Brüssel beschließt

Kredite in Höhe von 370 Mio. DM für die Ruhrwirtschaft.

25.06. Mit einem 3:1 Sieg über die Niederlande wird

Argentinien Fußballweltmeister.

16.10. Karol Wojtyla aus Polen wird Papst Johannes Paul II.

01.02. Der iranische Schiitenführer Ajatollah Khomeini kehrt

aus seinem Pariser Exil in den Iran zurück.

23.05. Der CDU-Politiker Karl Carstens wird als Nachfolger

von Walter Scheel (FDP) zum fünften Bundespräsidenten

gewählt.

16.07. Saddam Hussein wird irakischer Staatspräsident.

27.12. Sowjetische Truppen besetzen die afghanische

Hauptstadt Kabul. Die Invasion löst eine ernste

Ost-West-Krise aus.

06.04. In der Bundesrepublik wird die Sommerzeit eingeführt.

Sie gilt von April bis September.

30.04. In Amsterdam wird Kronprinzessin Beatrix als Königin

der Niederlande vereidigt.

22.06. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wird nach

einem 2:1 Sieg über Belgien in Rom zum zweiten Mal

Europameister.

19.07. Zahlreiche Sportnationen, darunter auch die BRD,

boykottieren die olympischen Sommerspiele in

Moskau wegen der Invasion in Afghanistan.

09.05. Das Westdeutsche Tumorzentrum in Essen wird durch

Mildred Scheel eingeweiht, eine der größten internationalen

Krebsforschungsstätten.

18.08. Die Ruhrkohle AG gibt die Stilllegung von fünf Revierkokereien

bekannt.

29.11. Auf der Zeche Hansa in Dortmund-Huckarde wird die

erste Hydrogrube Westeuropas in Betrieb genommen.

10.12. Über 15.000 Jugendliche demonstrieren in Essen gegen

die wachsende Jugendarbeitslosigkeit.

26.01. Ein „Luftreinhalteplan West“ von dem nordrhein-westfälischen

Arbeits- und Sozialministerium stellt fest,

dass der Raum Duisburg-Oberhausen-Mülheim in der

Bundesrepublik den am höchsten luftverschmutzten

Raum darstellt.

03.04. Auf dem Gelände der Ruhrchemie AG in Oberhausen-

Holten nimmt eine Großversuchsanlage zur Herstellung

von Gas aus Kohle den Betrieb auf.

02.06.– Die Villa Hügel in Essen verzeichnet bei der Ausstel-

17.09. lung „Götter-Pharaonen“ einen Rekordandrang von

485.000 Besuchern.

07.09. An der B1 (Ruhrschnellweg) beginnt der Bau von

Lärmschutzwänden.

17.01. Im Ruhrgebiet und am Niederrhein wird erstmals in der

Geschichte der Bundesrepublik Smogalarm ausgerufen.

05.05. In Dortmund eröffnet Ministerpräsident Johannes Rau

den Revierpark Wischlingen.

08.-09.05. In Castrop-Rauxel findet mit Vertretern aus Politik und

Wirtschaft eine Ruhrkonferenz statt.

16.05. Zum ersten Mal berichtet das Fernsehen live aus dem

Untertagebetrieb einer Zeche.

01.01. Im Ruhrgebiet tritt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr

(VRR) in Kraft.

27.03. Warnstreiks im öffentlichen Dienst führen zu Behinderungen

im Nahverkehr.

23.04. In Dortmund wird der sog. Jahrhundert-Vertrag

zwischen der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke

und dem Gesamtverband des deutschen Steinkohlebergbaus

abgeschlossen.

05.06. Übergabe der in fünfjähriger Bauzeit neugestalteten

Frauenklinik an der Beurhausstraße.

08.06. Ein freiwilliger „autofreier“ Sonntag findet im Ruhrgebiet

nur wenig Beachtung.

24.08. Eröffnung des für 45 Mio. DM errichteten Neubaus der

Medizinischen Kliniken an der Münsterstraße.

05.10. Bei den Wahlen zum neunten Deutschen Bundestag

erhalten die Koalitionsparteien SPD und FDP 42,9 %

bzw. 10,6 % der Stimmen.


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reGionaLe ereiGniSSe

1981

1982

1983

12.04. Von Cape Canaveral starten die USA mit der Raumfähre

„Columbia“ das erste wieder verwendbare „Space-

Shuttle“.

13.05. Papst Johannes Paul II. wird in Rom bei einem Attentat

verletzt.

30.03. Der Anschlag auf US-Präsident Ronald Reagan löst

eine Diskussion über den Verkauf von Waffen aus.

29.07. Der britische Thronfolger Prinz Charles heiratet in der

Londoner St.-Pauls-Cathedral Lady Diana Spencer.

07.08. Um die Preise stabil zu halten, vernichtet die

Europäische Gemeinschaft eine Million Tonnen Obst

und Gemüse.

10.10. In Bonn findet die bislang größte Demonstration für

Abrüstung in der Bundesrepublik Deutschland statt.

13.12. In Polen verhängt Staats- und Parteichef Wojciech

Jaruzelski das Kriegsrecht.

14.06. Die Kapitulation Argentiniens beendet den Falklandkrieg

gegen Großbritannien.

11.07. In Madrid wird Italien durch einen 3:1 Sieg über die

Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland Fußballweltmeister.

01.10. In einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen

Helmut Schmidt wählt der Deutsche Bundestag

Helmut Kohl (CDU) zum Kanzler.

Aerobic ist Modegymnastik.

07.01. Bundespräsident Karl Carstens löst den Deutschen

Bundestag auf und setzt Neuwahlen für den 6. März

fest.

06.03. Die CDU/CSU mit ihrem Spitzenkandidaten Helmut

Kohl geht als klarer Sieger aus den Bundestagswahlen

hervor.

23.03. US-Präsident Ronald Reagan kündigt die Entwicklung

eines weltraumgestützten Raketenabwehrsystems

(SDI) an.

28.11. 70.000 Menschen fordern auf einer Großkundgebung in

Dortmund die Errichtung eines neuen Hoesch-Stahlwerks.

23.–24.01. Eine Auftaktveranstaltung zum internationalen Jahr

der Behinderten findet in Dortmund statt.

13.02. Die englische Rockgruppe Pink Floyd gastiert in der

Dortmunder Westfalenhalle. 10.000 Menschen sehen

„The Wall“.

13.06. Nach Abschluss der 18. Bundesligasaison belegen

Borussia Dortmund den siebten, VfL Bochum den

neunten und MSV Duisburg den zwölften Platz.

FC Schalke erreicht Rang 17 und steigt ab.

09.09. Das Bundesverfassungsgericht in Kassel gibt einer

Klage von 29 Frauen der Heinze Fotolaborbetriebe in

Gelsenkirchen auf gleichen Lohn wie ihre männlichen

Kollegen statt.

20.11. Die Ruhrgas AG und die sowjetische Außenhandelsorganisation

Sojus-Gasexport unterzeichnen in Essen

ein Abkommen über die Lieferung von 10,5 Mrd. m 3

Erdgas in die Bundesrepublik ab 1984.

Im Ruhrgebiet sterben 15.442 Menschen mehr als

geboren werden.

Von fast allen Revier-Unternehmen im Metallbereich

werden Rationalisierungsmaßnahmen angekündigt.

07.01. Das Rohstoffrückgewinnungszentrum in Herten, das

vom Kommunalverband Ruhrgebiet finanziert wird,

geht in den Probebetrieb.

09.04. Beim Ostermarsch Ruhr ’82 protestieren mehrere

zehntausend Menschen gegen die geplante Stationierung

von Atomwaffen in der Bundesrepublik.

03.–05.09. Die Stadt Dortmund begeht ihr 1.100-jähriges Stadtjubiläum.

16.11. Auf einer außerordentlichen Aktionärsversammlung

der Hoesch AG in Dortmund wird die Trennung des

Unternehmens von dem holländischen Stahlkonzern

Estel Hoogovens bekannt gegeben.

02.12. Die Krupp Stahl AG gibt die Schließung ihres Stahlwerks

in Rheinhausen bekannt.

06.03. Bei den Wahlen zum zehnten Deutschen Bundestag

erringen die Unionsparteien einen eindeutigen Sieg.

14.04. Im Opel-Werk Bochum läuft der fünfmillionste Opel

vom Fließband.

22.06. Bei Bodenuntersuchungen in Dortmund-Dorstfeld Süd

wird eine Verseuchung des Bodens festgestellt.

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reGionaLe ereiGniSSe

1984

1985

1986

25.04. Die Hamburger Illustrierte „Stern“ präsentiert angebliche

Tagebuchhefte Adolf Hitlers, die sich aber bald

als Fälschung erweisen.

22.10. 1,3 Millionen Menschen demonstrieren auf dem Höhepunkt

des „heißen Herbstes“ in der gesamten Bundesrepublik

Deutschland gegen die Nachrüstung.

22.11. Der Deutsche Bundestag billigt in namentlicher

Abstimmung die Stationierung US-amerikanischer

Mittelstreckenraketen.

07.02. Von der Raumfähre Challenger aus unternimmt mit

US-Astronaut Bruce McCandless zum ersten Mal ein

Mensch einen Ausflug ohne Sicherung ins All.

14.05. Als Reaktion auf die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen

beschließt die UdSSR die Aufstellung

weiterer Raketen in der DDR.

11.08. US-Präsident Ronald Reagan kündigt „im Scherz“ die

Bombardierung der UdSSR an.

12.10. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher

entgeht nur knapp einem Bombenattentat der IRA

in Brighton.

23.04. Erich Honecker trifft in Moskau als erster Regierungschef

eines Ostblockstaates Michail Gorbatschow, den

neuen Generalsekretär der KPdSU.

07.07. Der 17-jährige Deutsche Boris Becker gewinnt das

Tennisturnier von Wimbledon.

19.08. Hansjoachim Tiedge, beim westdeutschen Verfassungsschutz

zuständig für die Abwehr der DDR-

Spionage, flieht in die DDR. Der Fall Tiedge entwickelt

sich zu einem der größten Spionageskandale der

Nachkriegszeit.

22.10. Das ZDF strahlt die Krankenhausserie „Schwarzwaldklinik“

aus. Laut „Guinness Buch der Rekorde“ ist sie

bis 2007 die Serie mit den meisten Zuschauern in

Deutschland (25 Mio. pro Folge im Durchschnitt).

Auf weltweit rd. 10 Mio. Menschen wird 1986 die

ständig steigende Zahl der Aids-Infizierten geschätzt.

28.01. Beim schwersten Unfall der bemannten Raumfahrt

explodiert nach dem Start die US-Raumfähre

„Challenger“.

26.04. In einem Atomkraftwerk in Tschernobyl kommt es

zum bisher größten Kernreaktorunfall in der Geschichte,

radioaktive Wolken belasten in vielen Teilen Europas

die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.

29.06. Durch ein 3:2 gegen die Bundesrepublik Deutschland

wird Argentinien in Mexiko-Stadt Fußballweltmeister.

23.09. Die 19 Kilometer lange neue S-Bahnstrecke zwischen

Bochum und Dortmund wird in Betrieb genommen.

Mit 707 Siegen überbietet der Recklinghäuser Trabrennfahrer

Heinz Wewering den bisherigen Weltrekord.

Schalke 04 steigt erneut aus der Fußball-Bundesliga ab.

01.01. Gelsenkirchen setzt als erste Stadt im Revier eine

kommunale Frauenbeauftragte ein.

14.04. Eröffnung der Landesgartenschau in Hamm.

17.08. Als erstes Bundesland stellt Nordrhein-Westfalen

Haushaltsmittel für die Unterstützung von Arbeitsloseninitiativen

zur Verfügung.

In den Städten des Ruhrgebiets konnten seit 1964 die

Staubniederschläge um etwa 50 % reduziert werden.

Herbert Grönemeyer veröffentlicht die Langspielplatte

„4630 Bochum“.

18.01. Im Ruhrgebiet wird erstmals Smog-Alarm der Stufe III

ausgerufen.

03.04. Der „Ölkönig von Wanne-Eickel“, Gerhard Goldbach,

wird wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 145 Mio.

DM vom Bochumer Landgericht zu zwölf Jahren Haft

verurteilt.

12.05. Bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen

erreicht die SPD mit 52,1 % die absolute Mehrheit.

04.06. Das Dortmunder Schöffengericht verurteilt ein

Mitglied des Fanclubs von Borussia Dortmund, „Borussenfront“,

wegen Tätlichkeiten gegen türkische Bürger

zu einem Jahr Haft.

01.09. Der Kommunalverband Ruhrgebiet startet eine Anzeigen-Kampagne

zur Image-Verbesserung des Reviers.

06.03. 60.000 Menschen demonstrieren gegen eine geplante

Änderung des § 116 Arbeitsförderungsgesetz in Dortmund.

30.05. Der Thorium-Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop,

aus dem am 4. Mai radioaktives Gas ausgetreten war,

wird abgeschaltet.

Juli Nach einer Untersuchung der Universität Bochum

leben immer mehr Bürger aus dem Revier an der

Armutsgrenze.

20.08. Beim Austritt von Giftgas in einem Duisburger Werk

der Mannesmann Demag AG werden 42 Menschen

verletzt.


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1987

1988

1989

1990

28.05. Der 19-jährige deutsche Privatpilot Mathias Rust landet

mit seinem Sportflugzeug auf dem Roten Platz in

Moskau. Daraufhin werden der Verteidigungsminister

Sergej Sokolow sowie einige sowjetische Militärs

vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

16.08. Steffi Graf wird Erste der Weltrangliste.

11.10. Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident

Uwe Barschel (CDU) wird tot in einem Genfer

Hotelzimmer aufgefunden.

08.12. Ronald Reagan und Michail S. Gorbatschow einigen

sich über die Verschrottung atomarer Mittelstreckenraketen.

21.12. Durch ein Bombenattentat stürzt eine Boeing 747 auf

die schottische Ortschaft Lockerbie. 270 Menschen

sterben.

28.08. Beim Schauflug einer italienischen Kunststaffel im

bundesdeutschen Ramstein kollidieren drei Düsenjäger.

70 Menschen sterben, 300 werden verletzt.

12.04. In Washington wird erstmals ein gentechnisch

manipuliertes Lebewesen, eine Maus, patentiert.

04.06. In Peking schlägt das Militär die studentische

Demokratiebewegung brutal nieder.

02.05. Als erstes Land im Warschauer Pakt durchstößt das

reformierte Ungarn den „Eisernen Vorhang“ und baut

seine Grenzanlagen zum Westen ab.

09.10. In Leipzig demonstrieren 70.000 Menschen unter

dem Motto „Wir sind das Volk“.

09.11. Fall der Mauer, die DDR öffnet die Grenzen zur

Bundesrepublik Deutschland.

10.02. In Moskau erhält der deutsche Bundeskanzler Helmut

Kohl vom sowjetischen Staatschef Michail S.

Gorbatschow „grünes Licht“ für die deutsche Einheit.

25.04. Der deutsche SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine

wird bei einem Anschlag schwer verletzt.

08.07. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Italien gewinnt

die deutsche Elf zum dritten Mal den Titel.

02.08. Die Golfkrise beginnt, irakische Truppen besetzen

Kuwait.

20.01. In einigen Städten des Reviers wird die sog. Smog-

Vorwarnstufe ausgelöst.

25.01. Bei den Wahlen zum 11. Deutschen Bundestag behält

die Koalition aus CDU/CSU und FDP trotz erheblicher

Verluste die Regierungsmehrheit.

08.01. Medizinische Untersuchungen weisen Benzol im Blut

von Dortmunder Schulkindern auf, was auf Luftbelastungen

durch die Kokerei Gneisenau, in Dortmund-

Derne, zurückgeführt wird.

31.03. Mit Minister Stein wird die letzte Dortmunder Zeche

nach 112 Jahren stillgelegt.

02.05. Papst Johannes Paul II. macht auf seiner Reise durch

die Bundesrepublik 14 Stunden Station im Ruhrgebiet.

23.02. Mit einer Menschenkette von Duisburg bis Dortmund

demonstrieren etwa 80.000 Menschen gegen die

Schließung des Stahlwerks Rheinhausen.

14.05. Der Gelsenkirchener Fußballclub Schalke 04 steigt in

die zweite Bundesliga ab, Dortmund und Bochum

schaffen mit Mühe den Klassenerhalt.

12.06. Das Musical „Starlight Express“ startet in Bochum.

16.08. In Gladbeck überfallen zwei Männer die Deutsche Bank

und nehmen Geiseln, beginnen eine fast dreitätige

Irrfahrt durch die Bundesrepublik und die Niederlande.

09.04. Bei den Tischtennis-Weltmeisterschaften in Dortmund

siegen die Deutschen Jörg Rosskopf und Steffen

Fetzner im Doppel.

15.06. Der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow

besucht während seines Besuches in Deutschland ein

Hoesch Stahlwerk in Dortmund.

16.06. Nach zweijähriger Bauzeit wird das neue Rathaus in

Dortmund eröffnet.

24.06. Borussia Dortmund gewinnt mit einem 4:1 über Werder

Bremen in Berlin zum zweiten Mal den DFB-Pokal.

01.09. In Essen wird das erste Denkmal für Bergarbeiter enthüllt.

01.10. Bei den Kommunalwahlen in NRW gelangen erstmals

die sog. „Republikaner“ in die Stadtparlamente.

05.10. Neues Ladenschlussgesetz: Einführung des „langen

Donnerstags“, erstmals dürfen Geschäfte bis 20.30 Uhr

an diesem Tag geöffnet haben.

Januar Im ganzen Ruhrgebiet verursachen Unwetter Schäden

in Millionenhöhe. Das Wetter ist auch im Februar

ungewöhnlich stürmisch, so dass in NRW die Karnevalszüge

abgesagt werden.

15.01. In Dortmund wird das Rundfunk-Bildungszentrum

eröffnet.

13.05. Bei den Landtagswahlen in NRW kann die SPD mit

50 % der Wählerstimmen wieder die absolute Mehrheit

für sich verbuchen.

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1991

1992

1993

1994

03.10. Der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik beendet die

deutsche Teilung.

12.10. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird

bei einem Anschlag schwer verletzt.

02.12. Aus den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen

geht die CDU mit 44,1 % als Siegerin hervor.

17.01. Eine multinationale Streitmacht unter der Führung

der USA eröffnet mit Luftangriffen den Krieg gegen

den Irak.

22.01. Die irakische Armee steckt in Kuwait Ölquellen in

Brand und lässt kurz darauf Öl in den Persischen

Golf ab.

13.03. Der frühere DDR-Staatschef Erich Honecker setzt sich,

um einem Haftbefehl zu entgehen, nach Moskau ab.

19.09. Im Ötztal wird eine mumifizierte Leiche aus der Jungsteinzeit

gefunden.

30.10. In Madrid beginnt die Nahost-Friedens-Konferenz.

25.12. Michail S. Gorbatschow tritt als Präsident zurück.

21.02. Der UN-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung einer

14.000 Mann starken Truppe nach Kroatien.

14.06. In Rio de Janeiro werden auf dem UNO-Umweltgipfel

verschiedene Absichtserklärungen, u. a. auch zum

Klimaschutz unterzeichnet.

03.07. UN-Blauhelme berichten über Internierungslager der

bosnischen Serben.

30.08. Der deutsche Formel-1-Pilot Michael Schumacher

gewinnt seinen ersten Grand Prix.

20.01. Bill Clinton wird in sein Amt als 42. Präsident der USA

eingeführt.

20.03. Henry Maske erringt durch seinen Punktsieg über

Charles Williams (USA) die Boxweltmeisterschaft im

Halbschwergewicht.

29.05. Bei einem Brandanschlag auf ein von Türken

bewohntes Haus sterben fünf Menschen in Solingen.

13.09. Die Palästinensische Befreiungsfront und Israel

unterzeichnen das Gaza-Jericho-Abkommen.

04.10. In Moskau wird ein Putschversuch gegen Boris

Jelzin niedergeschlagen.

06.05. Frankreichs Staatspräsident François Mitterand und

die britische Königin Elisabeth II. eröffnen den Tunnel

unter dem Ärmelkanal.

09.06. Die Ausstellung „Petersburg um 1800“ in der Villa

Hügel/Essen wird eröffnet.

10.08. Die Ausstellung „Vincent van Gogh und die Moderne

1890–1914“ wird im Essener Folkwang-Museum

eröffnet.

11.01. Das Ruhrgebiet verzichtet zugunsten Berlins auf seine

Olympia-Bewerbung.

April Viele Spiel- und Sportplätze werden geschlossen, weil

Dioxin in dem Baustoff Kieselrot vermutet wurde.

01.04. Der ehemalige Hoesch-Vorstandsvorsitzende und Chef

der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, wird

in Düsseldorf ermordet.

26.04. Die Bundesgartenschau wird im Dortmunder Westfalenpark

eröffnet.

27.09. Über 100.000 Menschen protestieren im Ruhrgebiet

und in Aachen gegen die Kohlepolitik der Bundesregierung.

In Dinslaken treten die Kumpel der Zeche Lohberg

1.000 m unter Tage in den Hungerstreik.

11.10. In Dortmund demonstrieren Stahlarbeiter gegen die

Übernahme der Hoesch AG durch Krupp.

20.03. Die Bundesregierung gibt ihre Pläne auf, die Verwaltung

der Bundesknappschaft nach Leipzig zu verlegen.

13.04. Am Morgen tritt am Niederrhein und an der Ruhr ein

Erdbeben auf.

15.04. Sechs Bergleute kommen bei einer Explosion auf der

Zeche Haus Aden in Bergkamen ums Leben.

12.09. Das alte Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop

wird Teil des Westfälischen Industriemuseums.

26.09. 40.000 Menschen demonstrieren in Duisburg gegen

den zunehmenden Sozialabbau.

21.01. Um gegen die Einführung von Studiengebühren zu

demonstrieren, legen etwa 6.000 Studenten in Dortmund

den Verkehr auf der B1 lahm.

22.01. In Dortmund wird „Die Deutsche Ausstellung für

Arbeitsschutz“ (DASA) eröffnet.

04.02. Der neue Film des Dortmunder Regisseurs Adolf

Winkelmann, „Nordkurve“ kommt ins Kino.

17.02. „Nacht der 1.000 Feuer“. Stahlarbeiter protestieren im

gesamten Revier gegen den drohenden Verlust ihrer

Arbeitsplätze.

15.08. Das Stahlwerk in Rheinhausen wird stillgelegt.

21.09. In Bergkamen soll der Übertagebetrieb der Zeche

Monopol stillgelegt werden.

25.02. Die Rheinarmee beginnt mit ihrem Truppenabzug.

29.04. Die Jahrhunderthalle in Bochum, eine ehemalige Krupp-

Werkshalle, wird für kulturelle Veranstaltungen eröffnet.


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1995

1996

1997

16.10. Bei den Bundestagswahlen behauptet die Koalition

aus CDU/CSU und FDP knapp ihre Mehrheit. Helmut

Kohl wird erneut Bundeskanzler.

13.11. Als erster deutscher Rennfahrer wird Michael

Schumacher Formel 1-Weltmeister.

11.12. Russische Truppen rücken in Tschetschenien ein,

um das Unabhängigkeitsstreben der Tschetschenen

zu unterdrücken.

30.04. Greenpeace-Aktivisten besetzen die Ölplattform

„Brent Spar“.

23.06. Die Verhüllung des Berliner Reichstags durch Christo

ist das Kunstspektakel des Jahres.

04.11. Israels Ministerpräsident Yitzhak Rabin wird beim

Verlassen einer Friedenskundgebung in Tel Aviv von

einem jüdischen Extremisten ermordet.

21.11. In Dayton (USA) einigen sich die Konfliktparteien auf ein

Kriegsende in Bosnien.

06.12. Der Bundestag billigt die Teilnahme von 4.000

deutschen Soldaten an der 60.000 Mann starken

internationalen Friedenstruppe für Bosnien.

14.03. Auf der CeBIT spielt das Internet erstmals eine Rolle.

20.03. Die britische Regierung räumt erstmals die Möglichkeit

ein, dass die Rinderkrankheit BSE, bekannt als

„Rinderwahnsinn“, auf den Menschen übertragen

werden und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

verursachen kann.

26.04. Mit der Freilassung des Multimillionärs Jan Philipp

Reemtsma nach 33-tägiger Geiselhaft endet einer der

spektakulärsten Entführungsfälle in Deutschland.

30.06. Durch einen 2:1 Sieg gegen die Tschechische Republik

wird Deutschland in Großbritannien Fußballeuropameister.

03.11. Erstmals dürfen deutsche Bäcker auch sonntags

frische Brötchen backen.

23.07. An der Oder kommt es wegen andauernden Hochwassers

zum ersten Deichbruch.

27.07. Radprofi Jan Ullrich gewinnt als erster Deutscher die

Tour de France.

05.09. Die Ordensgründerin Mutter Teresa stirbt im Alter von

87 Jahren in Kalkutta.

31.08. Auf der Flucht vor Fotografen verunglückt die britische

Prinzessin Diana tödlich.

29.10. Die Ausstellung „Körperwelten – Einblicke in den

menschlichen Körper“ beginnt in Mannheim. Sie ist

wegen ihrer Exponate umstritten.

05.03. Geschützt von rd. 30.000 Polizisten erreicht der dritte

sog. Castor-Transport das Atommüll-Zwischenlager

im niedersächsischen Wendland.

30.06. Beim Bau des neuen Arbeitsamtes in Dortmund werden

unseriöse Praktiken eines Bauunternehmens bekannt.

03.09. Europas erste Solarstrom-Anlage für eine Wohnsiedlung

wird in Essen in Betrieb genommen.

09.12. Beim EU-Gipfeltreffen in Essen treffen sich Politiker

aus den 15 Mitgliedsländern der Europäischen Union.

03.03. Das Ruhrgebiet feiert den 50. Jahrestag zum Ende des

Zweiten Weltkrieges mit der Ausstellung „50 Jahre

danach – Russische Kultur an Rhein und Ruhr“.

01.04. In Unna geht das erste deutsche Blockheizkraftwerk in

Betrieb, das vorwiegend mit Rapsöl befeuert wird.

04.05. Der tibetische Priesterfürst Dalai Lama kommt nach

Dortmund und Essen.

14.05. Bei den Landtagswahlen in NRW verliert die SPD die

absolute Mehrheit.

17.06. Nach 32 Jahren wird Borussia Dortmund wieder

Deutscher Fußballmeister.

11.04. Feuer wütet auf dem Düsseldorfer Flughafen. Schweißarbeiten

haben zu einem Kabelbrand in einer Zwischendecke

geführt.

18.05. Borussia Dortmund wird Deutscher Meister, der

VfL Bochum steigt wieder in die erste Bundesliga auf.

06.06. Bei einem schweren Hubschrauberunglück kommen

am Rande der Dortmunder Jugendmesse „YOU 96“

13 Menschen ums Leben.

29.06. In Bottrop wird die „Warner Bros. Movie World“ eröffnet.

12.09. Das „CentrO“ in Oberhausen wird eröffnet.

01.11. Die neuen Ladenschlusszeiten treten in Kraft.

18.03. Der Vorstandschef des Stahlkonzerns Krupp-Hoesch,

Gerhard Cromme, kündigt in Essen den Plan

einer „feindlichen Übernahme“ der Thyssen AG an. Am

26. März vereinbaren die Vorstände der Unternehmen

Thyssen und Krupp-Hoesch jedoch die Gründung einer

gemeinsamen Stahlgesellschaft.

21.05. Schalke 04 holt durch ein 4:1 im Elfmeterschießen bei

Inter Mailand den Uefa-Cup.

31.05. Borussia Dortmund setzt sich durch ein 3:1 gegen Juventus

Turin in der Champions League auf den europäischen

Fußballthron.

107


JaHr GroSSe ereiGniSSe

reGionaLe ereiGniSSe

1998

1999

2000

16.01. Der Bundestag beschließt eine Grundgesetzänderung,

den sogenannten „Großen Lauschangriff“. Erlaubt

wird die akustische Überwachung von Wohnungen

zur Verbrechensbekämpfung.

20.04. Die terroristische Rote Armee Fraktion (RAF) erklärt

sich fast 28 Jahre nach ihrer Gründung für aufgelöst.

03.06. Bei dem schwersten Zugunglück in der Geschichte

der Bundesrepublik kommen im niedersächsischen

Eschede 101 Menschen ums Leben.

17.08. In einer Fernsehansprache gesteht US-Präsident Bill

Clinton, eine „unangemessene Beziehung“ zu seiner

Ex-Praktikantin Monica Lewinsky unterhalten zu

haben.

27.09. SPD und Grüne gewinnen die Bundestagswahl.

Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) muss nach 16

Jahren den Platz im Kanzleramt räumen.

27.10. Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident

Gerhard Schröder (SPD) wird vom Bundestag zum

siebten deutschen Bundeskanzler gewählt.

Vizekanzler und Außenminister wird Joschka

Fischer (Grüne).

01.01. Mit Beginn des neuen Jahres bekommt Europa eine

gemeinsame Währung. Der Euro ist nach einem Beschluss

der EU-Finanzminister exakt 1,95583 DM wert.

19.04. Der Bundestag tritt zu seiner ersten Sitzung im

Berliner Reichstagsgebäude zusammen.

30.11. Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl räumt die Existenz

von „schwarzen Konten“ während seiner Zeit als

CDU-Parteichef ein. Auf diesen wurden Spendengelder

getrennt von den rechenschaftspflichtigen

Konten registriert.

31.12. In allen Teilen der Welt begrüßen die Menschen das

neue Jahrtausend mit Feuerwerk und ausgelassenen

Feiern.

11.01. Der Europäische Gerichtshof entscheidet, dass die

Bundeswehr Frauen den Dienst an der Waffe ermöglichen

muss.

26.03. Wladimir Putin wird zum Präsidenten Russlands

gewählt.

12.08. Das russische Atom-U-Boot „Kursk“ geht mit 118

Mann an Bord in der Barentssee unter.

13.05. Die Explosion einer Feuerwerksfabrik im niederländischen

Enschede legt ein ganzes Wohnviertel in

Schutt und Asche.

25.07. 113 Menschen sterben, als eine Concorde der Air France

kurz nach dem Start vom Pariser Flughafen Charles de

Gaulle abstürzt.

20.03. Zehntausende Atomgegner machen sich auf den Weg

nach Ahaus, um hier am „Tag X“ gegen Atomenergie

zu demonstrieren. 57 Castoren sind bis zu diesem

Zeitpunkt schon nach Ahaus gerollt. Sitzblockaden der

Atomgegner sollen den Atomtransport stoppen.

19.04. Die Firmen Karstadt und Quelle mit Hauptsitz in Essen

planen durch ihre Fusion zu einem der größten europäischen

Einzelhandelskonzerne zu werden.

06.07. Der Verfassungsgerichtshof des Landes Nordrhein-

Westfalen erklärt die Fünf-Prozent-Hürde bei Kommunalwahlen

für verfassungswidrig. Die Klausel wird

daraufhin im Kommunalwahlgesetz gestrichen.

01.10. Die IBA -Internationale Bauausstellung- wird mit einer

feierlichen Schlussfeier mit Bundespräsident, Ministerpräsident

und Kabinett in Herne beendet.

02.01. Der ehemalige Stollen der Bochumer „Zeche Maria

Anna Steinbank“ sackt zusammen. Ein Krater von

700 m 2 entsteht. Dieses Unglück wird als einer der

größten Schäden in die Geschichte des Ruhrgebietes

eingehen.

31.10. Als erster Verein der Bundesliga wagt Borussia

Dortmund den Schritt an die Börse.


JaHr GroSSe ereiGniSSe

reGionaLe ereiGniSSe

2001

2002

2003

2004

11.09. Die Vereinigten Staaten erleben die schlimmsten

Terroranschläge ihrer Geschichte. In New York und

Washington kommen vermutlich etwa 4.000

Menschen um.

19.09. Nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September

erklärt Bundeskanzler Schröder vor dem Bundestag

die „uneingeschränkte Solidarität mit den USA“.

Terroristen hatten vollbesetzte Flugzeuge entführt und

diese in die beiden Türme des World Trade Centers in

New York und in das US-Verteidigungsministerium

(Pentagon) gelenkt.

07.10. Die USA beginnen mit Luftangriffen auf Afghanistan.

01.01. Die D-Mark geht, der Euro tritt an ihre Stelle.

30.06. Deutschland verliert das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft

in Japan/Südkorea gegen Brasilien mit 0:2.

11.08. Regenfälle hatten in Deutschland, Österreich,

Tschechien und Italien schwere Überschwemmungen

ausgelöst. Heute erreicht das Jahrhunderthochwasser

der Elbe Dresden. Bis zum 26. August fordert die

Katastrophe 20 Tote. Der Schaden beläuft sich auf

ca. 20 Mrd. Euro.

22.09. Bei der Bundestagswahl bleibt die SPD stärkste Partei.

Durch die Gewinne von Bündnis 90/Die Grünen behält

die rot-grüne Koalition ihre Mehrheit im Parlament.

Die PDS erhält weniger als fünf Prozent der Stimmen

und ist nur noch mit zwei direkt gewählten Abgeordneten

vertreten.

21.01. Bundeskanzler Schröder erklärt, dass Deutschland im

UN-Sicherheitsrat einen Krieg gegen den Irak ablehnen

wird. Am 20. März beginnt der Krieg mit der Bombardierung

Bagdads und dem Einmarsch von Soldaten

aus den USA und Großbritannien sowie weiteren

47 Staaten – der sog. „Koalition der Willigen“.

16.04. Die EU beschließt die sogenannte EU-Osterweiterung

um zehn neue Mitglieder: Estland, Lettland, Litauen,

Tschechien, Polen, Slowakei, Ungarn, Slowenien,

Malta und Zypern. Sie tritt am 1. Mai 2004 in Kraft.

12.10. Die Deutschen Frauen sind wieder Fußballweltmeister.

02.07. Der Bundesrat billigt nach längeren Verhandlungen die

Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe

für alle erwerbsfähigen Arbeitslosen zum Arbeitslosengeld

II (ALG II). Sie ist der Kernpunkt des „IV.

Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“

(Hartz IV), das am 1. Januar 2005 in Kraft tritt.

26.12. Ein Seebeben im Indischen Ozean löst gewaltige

Flutwellen aus. Der Tsunami fordert mehr als 300.000

Menschenleben.

16.04. Die Flughafen Dortmund GmbH wird 75 Jahre alt. Zum

ersten Male überschreiten die Passagierzahlen die

Millionengrenze, das neue Terminal und die 2.000

Meter lange Start- und Landebahn werden zum ersten

Mal ein ganzes Geschäftsjahr genutzt. Die Terroranschläge

vom 11. September 2001 in New York wirken

sich aber auch auf den Flughafen Dortmund aus.

14.12. Die Zeche Zollverein in Essen wurde gemeinsam mit

der benachbarten Kokerei von der UNESCO auf die

Liste des Weltkulturerbes gesetzt.

04.05. Borussia Dortmund wird Deutscher Meister.

06.11. Der nordrhein-westfälische Landtag wählt den

bisherigen Finanzminister Peer Steinbrück

(SPD) zum Ministerpräsidenten.

05.06. Polizisten untersuchen die Unglücksstelle auf dem

Flugplatz Marl-Loemühle, wo der FDP Politiker Jürgen

Möllemann nach einem Fallschirmsprung tödlich

verunglückt ist.

12.07. Dortmunds Wandel von der einstigen Stadt des Bieres,

des Stahls und der Kohle zur Stadt der Dienstleistungen

geht weiter: Das DHL Logistik-Zentrum wird in

Dortmund-Lindenhorst eröffnet, auch hier entstehen

neue Arbeitsplätze.

13.09. Die dritte Ausbaustufe des Westfalenstadions in

Dortmund ist abgeschlossen, das Stadion fasst nun

80.708 Zuschauer und ist damit das größte Stadion

in der Bundesliga.

Die Arbeitslosigkeit steigt erneut. Fast jeder sechste

Dortmunder sucht einen Arbeitsplatz.

01.10. Der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) wird durch

den Regionalverband Ruhr (RVR) abgelöst. Dieser besitzt

auf Druck der Ruhrgebietsstädte wieder erweiterte

Rechte und hat jetzt z. B.. die Befugnis, sogenannte

Masterpläne zu erstellen.

109


JaHr GroSSe ereiGniSSe

reGionaLe ereiGniSSe

2005

2006

2007

2008

19.04. Der deutsche Kardinal Josef Ratzinger wird zum Papst

gewählt. Er nimmt den Namen Benedikt XVI. an.

10.05. Das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“

(Holocaust-Denkmal) wird im Zentrum von Berlin, in

der Nähe des Brandenburger Tors, eingeweiht.

18.09. Bei der um ein Jahr vorgezogenen Bundestagswahl

werden CDU/CSU (35,2 %) vor der SPD (34,2 %) knapp

stärkste Kraft. Beide bilden eine große Koalition und

wählen am 22. November die CDU-Vorsitzende

Angela Merkel zur ersten deutschen Bundeskanzlerin.

01.02. Zwölf Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed,

die im September 2005 in einer dänischen Zeitung

veröffentlicht wurden, führen in vielen muslimischen

Ländern zu heftigen Protesten. Auch gegen

die deutsche Botschaft in Teheran fliegen Brandsätze.

09.06. In München findet die Eröffnungsveranstaltung zur

Fußballweltmeisterschaft statt. Das vierwöchige

Sommerwetter und die Begeisterung der Zuschauer

sorgen für ausgelassene Stimmung, die in Deutschland

rückblickend als „Sommermärchen“ bezeichnet

wird. Italien ist Weltmeister, die deutsche Nationalmannschaft

erreicht den dritten Platz.

21.08. In Bagdad beginnt der zweite Prozess gegen den

gestürzten Diktator Saddam Hussein.

22.10. Michael Schumacher, erfolgreichster Formel-Eins-Pilot

aller Zeiten, beendet nach 16 Jahren seine Rennfahrerkarriere.

18.01. Der Orkan „Kyrill“ wütet über Europa. Elf Deutsche

sterben, alleine in NRW werden 25 Millionen Bäume

vom Orkan umgeknickt.

04.02. Deutschland wird im eigenen Land Handballweltmeister.

30.09. In China wird die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft

erneut Weltmeister.

02.03. Bei den russischen Präsidentschaftswahlen gewinnt

Dmitri Anatoljewitsch Medwedew mit knapp 70

Prozent der Stimmen.

29.06. Die Deutsche Fußballnationalmannschaft wird in

Wien Vize-Europameister.

01.01. Einführung von Hartz IV. Fast 1 Mio. Menschen im

Ruhrgebiet sind betroffen.

22.06. Knapp 39 Jahre nach dem Sturz von Franz Meyers

durch ein konstruktives Misstrauensvotum am

8. Dezember 1966 wird mit Jürgen Rüttgers erstmals

wieder ein CDU-Politiker zum Ministerpräsidenten

gewählt.

27.01. Johannes Rau, von 1978 bis 1998 Ministerpräsident des

Landes Nordrhein-Westfalen und Bundespräsident von

1999 bis 2004, stirbt im Alter von 75 Jahren.

11.04. Essen wird zur „Kulturhauptstadt Europas 2010“ gewählt.

Juni Dortmund und Gelsenkirchen sind Austragungsorte

der Fußballweltmeisterschaft 2006.

20.11. In Nordrhein-Westfalen tritt das neue Ladenschlussgesetz

in Kraft: Geschäfte dürfen montags bis samstags

24 Stunden am Tag öffnen.

17.04. Opel will sein Werk Bochum für die nächsten zehn

Jahre erhalten. Die Beschäftigten müssen sich aber auf

einen weiteren Stellenabbau einstellen.

15.08. Eine Mafia-Fehde fordert nahe des Duisburger Hauptbahnhofes

sechs Tote.

25.08. An der ersten Love Parade, einem karnevalsgleichen

Musikumzug, nehmen in Essen mehr als eine Million

Menschen teil.

15.01. Der finnische Handyhersteller Nokia kündigt an, sein

Werk in Bochum zu schließen und stößt auf breiten

Protest der Bevölkerung und Politik. Das Werk wird am

30.06. geschlossen.

19.04. Dortmund erringt im DFB-Pokalfinale die

Vizemeisterschaft.

August Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund begeht mit

einer Festwoche sein 50-jähriges Bestehen.


1958–2008

Das Knappschaftskrankenhaus 2008

111


Das Knappschaftskrankenhaus 2008

Ein Team – Ein Ziel: Gesundheit für Alle

i

n 50 Jahren hat sich das Knappschaftskrankenhaus Dortmund

ständig fortentwickelt. Damit hat es seine Spitzenposition in

der Region gesichert. Als Spezialkrankenhaus für Bergleute errichtet,

ist es heute ein modernes Dienstleistungszentrum. Es gehört mit dem

Darm-, Prostata-, Brust- und Diabeteszentrum sowie mit der Etablierung

Klinischer Pfade zu den innovativsten Krankenhäusern im östlichen

Ruhrgebiet. Darüber hinaus bescheinigen zahlreiche Zertifizierungen ein

hervorragendes Krankenhaus, bei dem Patientinnen und Patienten tatsächlich

im Mittelpunkt stehen; wo Patientinnen und Patienten eine individuelle

Behandlung und persönliche Zuwendung erfahren. Die moderne

technische Ausstattung und auch der ansprechende bauliche Zustand

des Hauses tragen dazu bei, dass man in einer hotelartigen Umgebung

schnell genesen kann.

Patienten profitieren von einer intensiven interprofessionellen und

interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen

und Kliniken, deren Diagnostik und Therapie einen nationalen und

internationalen Ruf genießen. Die Pflege erfolgt im Team. Spezialisten

und Ärzte aus allen Teilen der Welt folgen Einladungen nach Dortmund

zu medizinischen Fortbildungen, Seminaren und Kongressen. Im Knappschaftskrankenhaus

Dortmund, das Akademisches Lehrkrankenhaus ist,

wird die Fort-, Weiter- und Ausbildung junger Ärzte und Pflegekräfte an

der Seite erfahrener Experten großgeschrieben. Mit Tagen der offenen Tür,

Arzt-Patienten-Seminaren, der Kooperation mit Selbsthilfegruppen sowie

Kulturangeboten im Rahmen von Kunst und Kultur im Knappschaftskrankenhaus

(KuKK) und regem Kontakt zu örtlichen Vereinen hält das

Haus die Verbindung zum östlichen Ruhrgebiet. Mit dem Abschluss der

Grundsanierung des medizinischen und pflegerischen Bereichs im Jahr

2008 ist das Krankenhaus ein besonders attraktiver Teil des Gesundheitsstandortes

Dortmund.

115

Im Jubiläumsjahr 2008 stellt das Knappschaftskrankenhaus Dortmund

als Akutkrankenhaus die Regelversorgung der Dortmunder Bevölkerung

mit elf Fachkliniken und 451 Betten sicher. Es werden pro Jahr über 18.000

stationär aufgenommene Patienten behandelt und 140.000 Pflegetage

erbracht. Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund beschäftigt 880 Mitarbeiter

und erreicht mit einem Umsatz von 57 Millionen Euro die Größe

eines mittelständischen Unternehmens.

115: Im Jahre 2008 wurde das Knappschaftskrankenhaus

Dortmund zum Akademischen Lehrkrankenhaus

der Ruhr-Universität Bochum.

113


Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin

S

eit 1998 leitet Chefarzt Dr. Ruedger Tippelmann die Klinik für

Anästhesie und operative Intensivmedizin. Moderne Narkoseverfahren

und höchster intensivmedizinischer Standard, zusammen mit

einem besonders qualifizierten Team aus Ärzten und Pflegekräften stellen

zu jeder Zeit eine hochwertige Patientenbehandlung sicher.

Die Anästhesie

Alle gängigen Narkoseverfahren werden durch die Klinik angeboten. Die

Anästhesie begleitet den Patienten dabei in entscheidenden Phasen vor,

während und nach der Operation. Dazu zählen das persönliche Gespräch

vor jeder geplanten Narkose, die Auswahl und Durchführung des geeigneten

Anästhesieverfahrens unter Berücksichtigung der Wünsche der

Patienten sowie eine individuell angepasste Schmerztherapie.

Intensivmedizin

Das Knappschaftskrankenhaus Dortmund verfügt über eine nach modernsten

Gesichtspunkten ausgerüstete Intensivstation mit 16 Betten

sowie über eine Wachstation (IMC, Intermediate Care) für besonders

betreuungsbedürftige Patienten mit 12 Betten. In beiden Bereichen trägt

die Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin besondere Verantwortung

für die Versorgung der Patienten.

Schmerztherapie

Die Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin leitet eine

Schmerzambulanz zur Versorgung chronischer Schmerzpatienten, die

allen Versicherten offensteht. Zusätzlich können stationäre Therapieverfahren

gemeinsam mit anderen Kliniken des Hauses angeboten werden.

Eigenblutspende

Vor Operationen, bei denen ein höherer Blutverlust zu erwarten ist, kann

die rechtzeitige, mehrmalige Spende von Eigenblut häufig die Gabe von

Fremdblut vermeiden helfen. Die Eigenblutspende wird in einer eigens dafür

eingerichteten Sprechstunde der Klinik für Anästhesie und operative

Intensivmedizin durchgeführt.


D

ie Klinik wird seit 2003 von Privatdozent

Dr. Karl-Heinz Bauer geleitet. Der

Einzugsbereich der Klinik umfasst das östliche

Ruhrgebiet. Die Chirurgische Klinik behandelt

jährlich rund 5.000 Patientinnen und Patienten

in einer 106 Betten-Abteilung. Im Jahr werden

zur Zeit 4.800 Operationen in modern ausgestatteten

Operationssälen durchgeführt. Stets

auf der Höhe des medizinischen Fortschritts zu

sein, Fürsorge und Service gegenüber Patienten,

Angehörigen und zuweisenden Ärzten

zu sichern, die Weiterbildung der zukünftigen

Chirurgengeneration zu sichern und zudem

wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten, sind die

gleichwertigen Ziele der Chirurgischen Klinik. Im ärztlichen Bereich ist das

Erreichen dieser Ziele durch ein Höchstmaß an chirurgischer Kompetenz,

innovativer Kraft und unternehmerischen Denkens sichergestellt. Moderne

Konzepte werden mit Hilfe klinischer Pfade interdisziplinär umgesetzt.

Krankenschwestern und Pfleger sind für die Belange chirurgischer Krankheitsbilder

speziell geschult.

Die Chirurgische Klinik ist in die Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie

und die Abteilung für Unfallchirurgie gegliedert. Auf der Intensivstation

stehen 6 Betten für die Chirurgische Klinik zur Verfügung. In der

Notaufnahme werden chirurgische Notfallpatienten behandelt.

Das Behandlungsspektrum der Chirurgischen Klinik umfasst sämtliche

chirurgische Eingriffe der Allgemein-, Visceral(= Bauch)-Chirurgie sowie

der Unfallchirurgie. Ein Großteil der Operationen erfolgt mit den Techniken

der minimal-invasiven Chirurgie („Schlüssellochchirurgie“) mit nur

kleinen Hautschnitten und bilderüberwachtem Einsatz der Operationsinstrumente.

Eine Vielzahl der Eingriffe wird ambulant angeboten. Zu den

Behandlungsmöglichkeiten der Chirurgischen Klinik zählt auch die sportmedizinische

Beratung und Therapie von Breiten- und Spitzensportlern.

Chirurgische Klinik

Ein zusätzliches Angebot bei individuellen Fragestellungen bieten verschiedene

Schwerpunktsprechstunden, beispielsweise die Stoma-, Darm-,

Schilddrüsen- und Herniensprechstunde.

Die Chirurgische Klinik ist im Rahmen des Darmzentrums in die fachübergreifende

Behandlungsstruktur des Hauses integriert. So finden bei

tumorerkrankten Patientinnen und Patienten vor und nach der Operation

so genannte „Fallkonferenzen“ mit den anderen beteiligten Medizinern

statt, um eine individuelle und abgestimmte Behandlung der Erkrankten

zu gewährleisten.

Für die Ausbildung von Studenten im Rahmen des Praktischen Jahres (PJ)

und die Weiterbildung angehender Fachärzte bestehen unter Anleitung

erfahrener Experten alle Möglichkeiten, Wissen, Erfahrungen und Praxis in

der modernen Chirurgie zu erwerben. Hinzu kommen regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen,

zum Teil mit weltweit anerkannten Experten.

115


Frauenklinik am Knappschaftskrankenhaus

D

ie Frauenklinik am Knappschaftskrankenhaus unter der Leitung

von Dr. Frank Schmolling ist in der Region ein Begriff für moderne

Geburtshilfe sowie gynäkologische Untersuchungen und Behandlungen

nach aktuellen Standards.

Ganzheitlichkeit, Sicherheit für Mutter und Kind und Familienorientierung

verbindet die Frauenklinik mit Geburten, denn die Geburt eines Kindes ist

sicher der schönste Grund für einen Aufenthalt im Knappschaftskrankenhaus.

Selbstverständlich wünschen sich alle Eltern das Beste für ihr Kind

und dazu gehört für jeden Menschen an vorderster Stelle die Gesundheit.

Mit Ultraschalluntersuchungen besteht auch die technische Möglichkeit,

die Gesundheit des ungeborenen Kindes schon weit vor der Geburt

beurteilen zu können. Mit modernen diagnostischen und therapeutischen

schulmedizinischen Methoden im Hintergrund hält die Geburtshilfe auch

alternative Unterstützungskonzepte für werdende Mütter bereit. Bei allen

Arten der Geburt, gleich ob im Wasser der Gebärwanne oder an „an Land“

auf einer Gebärlandschaft, dem Gebärhocker oder einem Geburtsbett,

hilft ein erfahrenes Hebammenteam. Ein Kinderarzt nimmt die ersten Untersuchungen

des Neugeborenen vor und betreut es täglich. Für Mütter

und Eltern bietet die Frauenklinik ein Höchstmaß an Komfort. Besonders

qualifizierte Kinderkrankenschwestern helfen jungen Müttern auf der

Entbindungsstation. Hier besteht auch die Möglichkeit des Rooming-In

im Familienzimmer ebenso wie die Teilnahme an einem Frühstücks- und

Abendbuffet. Auch Wochenbettgymnastik ist

möglich. Die Babys sind auf der Station gegen

Vertauschen und Entführung gesichert.

Für die Zeit vor der Entbindung und die Zeit

danach bietet die Elternschule ein umfassendes

Kursangebot von der Geburtsvorbereitung bis

hin zu frühpädagogischen Tipps.

Verständnis und Einfühlungsvermögen erwarten

auch die Patientinnen von der Frauenheilkunde

des Knappschaftskrankenhauses zu

Recht. Organische Erkrankungen werden hier

nicht isoliert behandelt. In jedem einzelnen

Fall stehen hier Frauen mit ihrer gesamten Persönlichkeit im Mittelpunkt

aller therapeutischen Maßnahmen. Unter diesen Aspekten erfolgen auch

Tumortherapien, stadiengerecht und so schonend wie nur möglich für die

erkrankten Frauen. Ein Schwerpunkt sind dabei insbesondere brusterhaltende

Operationen bei Brustkrebs sowie die rekonstruktiven Operationsverfahren

im Zusammenhang mit Brustkrebs.

Um auf einen Bauchschnitt weitgehend verzichten zu können, werden

im gesamten Bereich der operativen Gynäkologie, wenn irgend möglich,

minimal-invasive Operationstechniken (MIC) eingesetzt. Dies gilt

insbesondere für die Behandlung bösartiger Erkrankungen der Genitale

der Frau. Wenn dies notwendig ist, führt diese Operationen ein Team aus

Gynäkologen und Chirurgen durch.

Ebenfalls verfügt ein Team erfahrener Ärzte über verschiedene Möglichkeiten

und Methoden zur Behandlung von Inkontinenz. Im Kontinenzund

Beckenbodenzentrum arbeiten Gynäkologie, Urologie, Chirurgie und

Neurologie fachübergreifend zusammen, um sämtliche Senkungszustände

des Genitales und der Harninkontinenz mit allen modernen Möglichkeiten

zu behandeln.


P

rofessor Dr. Thomas Griga leitet seit

2003 die Medizinische Klinik des Knappschaftskrankenhauses

Dortmund. Ein Schwerpunkt

der Klinik ist die Gastroenterologie. Dabei

geht es um Erkrankungen der Verdauungsorgane

und des Stoffwechsels. Mit Hilfe moderner

videoendoskopischer Techniken können alle

Organe des Verdauungstraktes, wie Speiseröhre,

Magen, Dünn- und Dickdarm, Gallenwege,

Bauchspeicheldrüse und Leber, betrachtet

werden. So lassen sich beispielsweise Magengeschwüre

oder Entzündungen der Speiseröhre

sowie des Darms sicher feststellen. Aber diese

Untersuchungen leisten auch einen entscheidenden

Beitrag zur Krebsvorsorge.

Im Bereich der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse sind sämtliche

Diagnostik- und Therapieverfahren in der Medizinischen Klinik möglich.

Steine im Gallengang können endoskopisch entfernt werden. Verengungen

der Gallen- oder Bauchspeicheldrüsenwege durch Vernarbungen

oder Tumore können mit Prothesen oder Stents überbrückt werden.

Lebererkrankungen können auch durch Kontrastmittelschalluntersuchungen

und Gewebeprobenentnahme diagnostiziert werden.

Nahezu die Hälfte aller Patienten in der internistischen Abteilung werden

wegen Herz-Kreislauferkrankungen behandelt. Hierzu steht ein moderner

kardiologischer Funktionsbereich und eine Beobachtungsstation (IMC)

zur Verfügung. Bei Herzrhythmusstörungen können Patienten rund um

die Uhr per Funkübertragung beobachtet und behandelt werden. Mit der

vorhandenen Ultraschalltechnik sind Schlagadern des Gehirns, die Blutgefäße

der Arme und Beine, Herzklappenstrukturen sowie die Muskelkraft

des Herzens darstellbar. Die Möglichkeit der Ultraschalluntersuchung

über die Speiseröhre direkt vor dem Herzen steigert die Genauigkeit der

Darstellung insbesondere von kleinen Herzfehlern. Computerunterstützte

Belastungs- und Langzeit-EKGs sowie Langzeitblutdruckmessungen

vervollständigen die kardiologische Diagnostik. Herzkatheteruntersuchungen

werden mit einer externen kardiologischen Klinik durchgeführt.

Medizinische Klinik

Tumorerkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Deshalb stellen die genaue Diagnostik, die individuelle Therapie und

eine auf die Bedürfnisse der einzelnen Patienten ausgelegte Nachsorge einen

weiteren Schwerpunkt der Klinik dar. Im Vordergrund steht dabei die

Behandlung von bösartigen Erkrankungen des Verdauungstraktes. Aber

auch die Therapie von Tumoren an den weiblichen und männlichen Geschlechtsorganen

sowie der Harnblase erfolgt in enger Zusammenarbeit

mit den jeweils beteiligten Fachabteilungen. Hierfür stehen sämtliche

Verfahren der modernen systemischen Chemo- und Immuntherapie zur

Verfügung. Darüber hinaus besteht eine sehr enge Zusammenarbeit mit

der Klinik für Radio-Onkologie und Strahlentherapie im Hause. Die fachübergreifende

Betreuung ist vor allem durch die regelmäßig stattfindende

Tumorkonferenz, aber auch durch die Behandlung der Patienten auf einer

interdisziplinären onkologischen Station mit speziell geschultem Personal

einschließlich einer Psychoonkologin gewährleistet.

117


Klinik für Neurologie

D

ie Neurologie diagnostiziert und behandelt Erkrankungen des

Gehirns, Rückenmarks, der Nerven in Armen und Beinen sowie

der Muskulatur. Die Neurologie ist in der Medizin ein junges Fachgebiet

und entstand im Wesentlichen aus den Gebieten Psychiatrie und Innere

Medizin. In der Klinik für Neurologie unter der Leitung von Privatdozent Dr.

Friedrich Grahmann werden heute alle akuten und chronischen Erkrankungen

des zentralen und peripheren Nervensystems behandelt, wie z. B..

Schlaganfälle, Morbus Parkinson, Anfallserkrankungen, entzündliche Hirnund

Nervenerkrankungen, Tumore, Muskel- und Nervenerkrankungen

sowie Demenzen. Hierfür stehen alle modernen neurophysiologischen,

neuroradiologischen und dopplersonographischen Möglichkeiten in der

Klinik zur Verfügung. Neben einer qualifizierten krankengymnastischen

Behandlung werden auch physikalische Therapien, wie beispielsweise

Bäder und Logopädie (Sprachtherapie), angeboten.

In der Klinik für Neurologie werden angehende Ärzte praktisch ausgebildet.

Der Chefarzt der Klinik für Neurologie, Privatdozent Dr. Friedrich

Grahmann, ist Mitglied der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität

Bochum. Damit besteht eine enge Kooperation mit den entsprechenden

Universitätskliniken und anderen Kliniken.

Behandlungsspektrum der Neurologischen Klinik

am Knappschaftskrankenhaus

Schlaganfall

Intrakranielle Blutung

Epilepsie

Schwindel

Kopfschmerz

Alle Erkrankungen des neuromuskulären Systems, wie

Polyneuropathien, Myasthenien, Muskelerkrankungen

Demenz

Multiple Sklerose

Parkinsonsche Erkrankung

Alle entzündlichen und infektiösen Erkrankungen

des zentralen und peripheren Nervensystems

sowie der Muskeln

Akutes Delirium/Verwirrtheitszustände

Tumorerkrankungen

Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen


D

ie Klinik für Nuklearmedizin am Knapp-

schaftskrankenhaus unter der Leitung

von Dr. Marc-Oliver Möllers verwendet radio-

aktive Substanzen, um Informationen über das

Ausmaß von Erkrankungen im Körper zu gewinnen,

aber auch um Erkrankungen zu behandeln.

Die Szintigrafie ist ein bildgebendes Verfahren

der nuklearmedizinischen Diagnostik. Das dabei

entstandene Bild wird Szintigramm genannt. Um

ein Szintigramm zu erhalten, werden radioaktiv

markierte Stoffe (Radionuklide) in den Körper

eingebracht, die sich im zu untersuchenden

Zielorgan anreichern und anschließend mit einer

speziellen Kamera, von der die abgegebene Strahlung aufgefangen wird,

sichtbar gemacht werden kann. Mit der Szintigrafie kann das Team der

Nuklearmedizin beispielsweise Entzündungsherde im Skelett (Skelettszintigrafie)

genau lokalisieren. An einer entzündeten Stelle läuft nämlich der

Stoffwechsel schneller ab. Das führt dazu, dass die Radionuklide anders

verteilt werden als im gesunden Gewebe. Weil auch der zeitliche Ablauf von

Aufnahme und Ausscheidung der strahlenden Substanz aufgezeichnet werden

kann, lassen sich auch Informationen über die Funktion von Organen

beispielsweise in der Nierenfunktionsszintigrafie gewinnen. Schwerpunktmäßig

werden in der Klinik für Nuklearmedizin die Schilddrüse, das Herz

und das Gehirn, der Magen und Darm sowie das Lymphsystem und die Knochen

untersucht. Bei diesen Untersuchungen, mit denen Veränderungen

frühzeitig erfasst werden können, ist die Strahlenbelastung meist geringer

als bei den vergleichbaren Röntgenuntersuchungen. Oft ist es nicht nur

möglich, mit geringsten Mengen markierter und verabreichter Substanzen

Diagnosen zu erstellen, sondern auch ambulante oder stationäre Therapien

durchzuführen.

Das Prinzip der nuklearmedizinischen Therapie besteht darin, dass ein Ra-

diopharmazeutikum direkt an die krankhaften Zellen gelangt und sie durch

radioaktive Strahlen zerstört. Die Strahlung dringt also nicht von außen in

den Körper ein und durchdringt auch kein benachbartes Gewebe, sondern

sammelt sich am Ziel an. Beispielsweise können so neben den ambulanten

Klinik für Nuklearmedizin

Schmerztherapien bei bösartigen Knochenbefunden schmerzende Gelenkveränderungen

erfolgreich behandelt werden.

Bei einer Erkrankung der Schilddrüse können Jod-Tabletten bewirken, dass

das radioaktive Jod durch die Blutbahn zur Schilddrüse gelangt, sich dort

konzentriert und die erkrankte Schilddrüse bestrahlt – unter Schonung des

übrigen Körpers. So können Kröpfe unblutig verkleinert und Überfunktionen

dauerhaft beseitigt werden.

Auch die im Knappschaftskrankenhaus mögliche „Radiosynoviorthese“

kann eine Alternative zur Operation bei rheumatischen Gelenkserkrankungen

darstellen. Bei der Radiosynoviorthese werden feinste radioaktiv

markierte Teilchen in den Gelenkspalt injiziert, um einer Entzündung der

Gelenkinnenhaut entgegenzuwirken und somit den Schmerz zu beseitigen,

beziehungsweise die Gelenkfunktion wieder herzustellen.

Für die stationäre nuklearmedizinische Behandlung stehen im Knapp-

schaftskrankenhaus sechs Betten zur Verfügung. Die Klinik für Nuklear-

medizin arbeitet mit dem Medizinischen Versorgungszentrum Prof. Dr.

Uhlebrock und Partner zusammen.

119


Klinik für Orthopädie und Spezielle Orthopädische Chirurgie

D

as Team der Orthopädischen Klinik wird seit 2006 von Chefarzt

Dr. Uwe Klapper geleitet. Die Klinik führt alle Standardverfahren

der operativen Orthopädie durch. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Endoprothetik,

also dem Ersatz zerstörter Gelenke durch ein Implantat. Jährlich

werden über 350 Kniegelenkprothesen und annähernd 400 Hüftgelenkprothesen

implantiert.

Bei den meisten Kunstgelenken, die vor 15 bis 20 Jahren eingesetzt wurden,

sind heute Revisionseingriffe notwendig, weil sich die Prothesen beispielsweise

verschlissen haben. Die Klinik verfügt über alle chirurgischen

Möglichkeiten, Revisionseingriffe, z. B.. bei gelockerten Prothesen oder

auch ausgedehnten Schädigungen der Gelenke, durchzuführen. Unter

anderem steht eine eigene Knochenbank hierfür zur Verfügung.

Auch in der Wirbelsäulenchirurgie werden alle aktuellen Verfahren zur

Behandlung verschleißbedingter Erkrankungen angeboten. Vom Bandscheibenvorfall

über die Implantation von sogenannten Bandscheibenprothesen

bis hin zu langstreckigen Korrekturen bei Verkrümmungen der

Wirbelsäule werden alle Möglichkeiten der Versorgung von der Halswirbelsäule

bis zum Steißbein durchgeführt. Dabei nehmen Operationen bei

Verengung des Rückenmarkkanals ständig zu.

Die Fußchirurgie stellt einen weiteren Schwerpunkt

dar. Nach den Richtlinien der Deutschen

Assoziation für Fuß- und Sprunggelenk

(D.A.F.) werden alle gängigen Verfahren der

Rekonstruktion angeborener und erworbener

Fehlbildungen nach genauester Untersuchung

angeboten.

Minimal invasive Operationen, vor allem Arthroskopien,

sind alltäglicher Bestandteil des Operationsgeschehens.

Von der Schultergelenkspiegelung

bis zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes

im Kniegelenk werden alle großen Gelenke

endoskopisch versorgt. Aber auch an Hüft- und

Kniegelenk werden moderne minimal invasive Zugänge angewandt, um

die Erholungsphase nach der Operation zu verkürzen.

In der Klinik für Orthopädie und Spezielle Orthopädische Chirurgie erhalten

alle Patientinnen und Patienten die individuelle Behandlung, die zur

Wiedererlangung ihrer Mobilität und Gesundheit erforderlich ist. Nach

Operationen bieten die Orthopäden zusammen mit Physiotherapeuten

und dem Sozialdienst des Knappschaftskrankenhauses sowie dem Hausund

Facharzt der Patienten eine abgestimmte Hilfe für eine bestmögliche

und schnellstmögliche Mobilität an.


L

uft ist Leben. Luft zum Leben – das ist

Aufgabe der Pneumologie. In der Klinik

für Pneumologie widmen sich Chefarzt Dr.

Clemens Kelbel und sein Team der Diagnostik

und Therapie der Erkrankungen der Atmungsorgane

einschließlich der Atemwege, der Lunge,

der Brustwand, des Zwergfells, des Mediastiums

(Raum, der im Brustkorb zwischen Brustwirbelsäule,

Brustbein und Zwerchfell liegt) und der

Lungengefäße sowie des Atemantriebs und der

Atemregulation. Schwerpunkte von Dr. Kelbel

sind neben der Pneumologie die Allergologie,

die Intensivmedizin, die medikamentöse Tumortherapie

und die Schlafmedizin.

Zahlreiche Lungenerkrankungen verursachen Luftnot, Husten und

Auswurf. Um Funktion und Arbeitsweise der erkrankten Atmungsorgane

beurteilen zu können, stehen den Lungenfachärzten ein Lungenfunktionslabor

im Knappschaftskrankenhaus zur Verfügung. Damit werden unterschiedliche

Blutgaswerte, je nach Untersuchungsanlass, analysiert. Mit

der digitalen Bronchoskopie können die zentralen Atemwege untersucht

und behandelt werden. So ist ein frühzeitiges Erkennen von Erkrankungen

der Atemwege und des Lungengewebes möglich. Neben der Diagnostik

stehen therapeutische Verfahren, wie beispielsweise die endobronchiale

Lasertherapie oder Kleinraumbestrahlungen, in Zusammenarbeit mit der

Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie zur Verfügung.

Luft ist Leben. Dies gilt auch für den erholsamen Schlaf. In dem bei der

Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin akkreditierten

Schlaflabor des Knappschaftskrankenhauses erfolgt die Diagnostik

und Therapie bei verschiedenen Formen der Schlafstörungen.

Eine wichtige Aufgabe der modernen Pneumologie ist die Diagnostik,

Therapie und Betreuung erkrankter Menschen mit einem Lungentumor

oder Tumoren des Rippenfells. Neben den endoskopischen Verfahren

erfolgt, sofern eine Operationsmöglichkeit besteht, eine Zusammenarbeit

mit Thoraxchirurgen. Weil die Tumorausbreitung aber sehr häufig ein

Klinik für Pneumologie

chirurgisches Vorgehen nicht zulässt, erfolgt eine individuell ausgewählte

Chemotherapie auf der Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen

Erkenntnisse.

Wenn die Luft zum Leben mit Hilfe von Medikamenten nicht mehr erreichbar

ist, stellt die Intensivmedizin noch verschiedene Möglichkeiten

zur Verfügung. Bei der nicht-invasiven Beatmung ist keine Intubation

erforderlich. In diesem Fall kann über eine spezielle Maske eine ausreichende

Luftversorgung bei chronischem und akutem Atemversagen

bis hin zur Heimbeatmung sichergestellt werden. Bei Patientinnen und

Patienten, die eine Intubation erhalten mussten, ist die nicht-invasive

Beatmung ein gutes Mittel im Rahmen des Weanings (Entwöhnung vom

Beatmungsgerät).

121


Klinik für Radiologie

a

ufgabe der Klinik für Radiologie unter der Leitung von Privat-

dozent Dr. Jens Rodenwaldt ist es, Bilder aus dem Inneren des

Körpers zu erstellen. Denn: Genaue und kontrastreiche Darstellungen

sind die Grundlage für Therapien und sie unterstützen die Mediziner bei

minimalinvasiven Maßnahmen, zum Beispiel beim Einsatz einer Gefäßprothese

(Stents).

Gute Untersuchungen sind nur möglich mit speziell ausgebildeten

Experten und mit Geräten, die sich auf dem neuesten Stand befinden und

ständig gewartet werden.

Mit dem Mehrschicht-Spiral-CT der neuesten Generation können im

Knappschaftskrankenhaus innerhalb einer einzigen Sekunde 32 parallele

Untersuchungsschichten abgebildet werden. Nur mit Hochleistungsgeräten

dieser Art können sämtliche Untersuchungen hochaufgelöst durchgeführt

werden, was die diagnostische Sicherheit erhöht.

Die neu angeschaffte Kernspintomographie ist eine der fortschrittlichsten

und schonendsten Methoden, um Schnittbilder der inneren Organe

anzufertigen. Mit dem modernen Hochleistungs-MRT werden Bilder in

höchster Qualität erzeugt.

Spezielle Untersuchungen, z. B. der weiblichen Brust, des Herzens oder

dreidimensionale Gefäßdarstellungen, sorgen für eine sichere Diagnose.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Brustdiagnostik zur Früherkennung oder

in der Nachsorge von Brustkrebs. Das neuartige digitale Vollfeld-Mammographiegerät

bietet eine ausgezeichnete Bildqualität bei reduzierter

Strahlenmenge. Vorrang genießt eine schnelle Abklärung verdächtiger

Befunde in der Brust. Mit der wenig belastenden, bahnbrechenden Vakuumbiopsie

besteht die Möglichkeit, bereits innerhalb von 24 Stunden eine

sichere Diagnose mitzuteilen.

Die gesamte Aufnahme- und Archivierungstechnik in der Radiologischen

Klinik ist vollständig digitalisiert. Das bedeutet, dass keine Röntgenfilme,

sondern nur noch spezielle „Datenträger“ mit einer sehr geringen

Strahlenbelastung belichtet werden. So kann keine Aufnahme verloren

gehen. Alle Röntgenaufnahmen können durch die Digitalisierung auf den

Stationen, in den Operationssälen und den Besprechungsräumen genutzt

werden. Voraufnahmen stehen in wenigen Sekunden zur Verlaufsbeurteilung

zur Verfügung.

Die Radiologie umfasst neben der Diagnostik auch therapeutische

Eingriffe. In Kooperation mit anderen Fachabteilungen wird die Entscheidung

für einen schonenden Eingriff mittels Kathetertechnik oder Punktionsnadel

erarbeitet, um eine aufwendigere Operation zu vermeiden.

Unter computertomographischer Kontrolle kann millimetergenau unter

Schonung benachbarter Organe Gewebematerial für Untersuchungen

gewonnen werden. Die Behandlung von Lebermetastasen, die lokale Chemotherapie

und die Embolisation von Tumorgefäßen sind Teil des breiten

interventionellen Angebots der Klinik für Radiologie am Knappschaftskrankenhaus.


D

ie Strahlen- und Chemotherapie sind gemeinsam mit einer Operation

die Grundpfeiler einer Krebsbehandlung. In der Klinik für

Radioonkologie und Strahlentherapie des Knappschaftskrankenhauses

werden unter der Leitung von Dr. Heidemarie Tonscheidt jährlich über

1.000 Patienten onkologisch betreut.

Das Spektrum der Behandlungsarten umfasst die dreidimensional

geplante, computerunterstützte Bestrahlung von außen (perkutante

Strahlentherapie) durch einen Linearbeschleuniger oder von innen (Brachytherapie

in Form der Afterloadingtechnik). Je nach Erkrankung, kann

die Bestrahlung mit einer Chemotherapie kombiniert werden.

Gegenüber den bösartigen Tumoren ist bei gutartigen Erkrankungen, wie

z. B.. Schulterschmerzen oder Fersensporn, eine geringere Strahlendosis

notwendig. Hierfür steht ein Telekobaltgerät zur Verfügung.

Entscheidend für den Therapieerfolg ist die gute Zusammenarbeit der

Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie mit allen Fachdisziplinen,

die sich im Knappschaftskrankenhaus befinden, und vor allem den

zuweisenden Haus- und Fachärzten. Deshalb ist die Klinik für Radioonkologie

und Strahlentherapie ein Teil der interdisziplinären Onkologie des

Knappschaftskrankenhauses. Hier werden auf einer fachübergreifenden

Tumorstation durch speziell geschultes Personal der Pflege, Sozialarbeit,

Psychoonkologie, Ernährungsberatung und Ärzte verschiedener Fachdisziplinen

sowohl eine Strahlen- und Chemotherapie als auch eine intensive

Supportivtherapie (unterstützende Therapie) einschließlich Schmerztherapie

angeboten. In den mehrmals wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenzen

mit allen Kliniken und interessierten niedergelassenen

Ärzten wird die Krankengeschichte im Einzelnen ausführlich diskutiert

und anschließend werden Empfehlungen zur weiteren Diagnostik und

Therapie erarbeitet.

In den Räumlichkeiten des Knappschaftskrankenhauses Dortmund ist

das Medizinische Versorgungszentrum Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner

integriert. Hier erfolgen in einer engen Abstimmung mit der Klinik für

Radioonkologie und Strahlentherapie ausschließlich ambulante Bestrahlungen.

Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie

123


Klinik für Urologie und Kinderurologie

i

n der Urologischen Klinik des Knappschaftskrankenhauses

werden unter der Leitung von Chefarzt Dr. Ralf Thiel alle Erkrankungen

der Harnorgane (Niere, Blase) und Harnwege sowie der männlichen

Genitalien behandelt.

Schwerpunkt der Klinik sind die Behandlung der Tumore von Niere, Blase,

Prostata und Hoden. Hierzu werden die modernsten Methoden auch

minimal invasiver Art (Laparoskopie = Schlüsselloch-Chirurgie) angewendet.

Die Diagnostik und Therapie erfolgt nach aktuellen internationalen

Leitlinien in enger Zusammenarbeit mit den anderen Fachabteilungen

des Hauses. Für Diagnostik und Therapie steht eine umfangreiche Ausstattung

mit High-Tech-Geräten zur Verfügung, beispielsweise der Laser,

Brachytherapie, Photodynamische Diagnostik, Urodynamik, Farbduplexsonographie

und Steinzertrümmerer (ESWL).

Die Qualität des Prostatazentrums Dortmund wurde von der Deut-

schen Krebsgesellschaft geprüft und mit dem bestmöglichen Ergebnis

unter den ersten zehn Krankenhäusern in Deutschland zertifiziert. Bei

der häufigsten Krebserkrankung des Mannes, dem Prostatakarzinom,

wird die offene und laparoskopische Prostataentfernung, wie auch die

Brachytherapie (Einsetzen von strahlenden Stiften = Seeds) überwiegend

potenzerhaltend und komplikationsarm durchgeführt. Überregionale

Bedeutung hat die Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung mit

Laserstrahlen (Greenlight-Laser). Beim Blasenkrebs werden alle modernen

Formen einer künstlichen Blase (Neoblase) angeboten. Mikrochirurgische

Eingriffe werden unter dem Operationsmikroskop durchgeführt (z. B.

Samenleiter-Wiederherstellung).

Die Behandlung der Inkontinenz bei Frauen, Männern und Kindern („Bett-

nässen“) erfolgt innerhalb des Kontinenzzentrums des Krankenhauses

unter Einbeziehung der noch beteiligten Fachabteilungen. Neue Behandlungsmethoden

werden hier entwickelt und regelmäßig in Fortbildungsveranstaltungen

an die Fachkollegen weitergegeben.

In der Urologischen Ambulanz erfolgt sowohl die ambulante Untersuchung

von Patienten (zum Teil in Spezialsprechstunden für Prostata,

Inkontinenz und Kinderurologie), als auch die Durchführung von kleinen

Eingriffen auf ambulanter Ebene.


1958–2008

Geschichten aus der Geschichte

125


Geschichten aus der Geschichte

F

ür die Erstellung dieser Chronik waren viele Recherchen notwendig.

Dabei wurden auch einige Texte entdeckt, die die Phantasie darüber

anregen, was vielleicht einmal gewesen sein mag. Diesen Texten, die nachfolgend

abgedruckt sind, ist gemeinsam, dass es meistens auch immer um

Sparzwänge geht, gleich aus welchem Zeitabschnitt die Texte stammen.

Vielleicht erscheinen die zufällig gefundenen und zusammengestellten

Texte auch deshalb gerade noch heute interessant und amüsant.

Patient kann zu Hause genesen

Am 28. März 1957 schreibt die Westfälische Rundschau: Krankenhausbetten

sind in der Bundesrepublik so sehr Mangelware geworden, dass es

auch in dringenden Fällen immer schwieriger wird, sofort Aufnahme in

einer Klinik zu finden ... Nicht zuletzt liegt dies an der heutigen Struktur

in der Belegung der Krankenhäuser. Früher ging nur in die Klinik, wer

wirklich schwer krank war. Heute aber machen einen erheblichen Teil der

Belegungen die sogenannten Pflegepatienten aus: Menschen mit leichten

Krankheitsfällen, die sich durchaus zu Hause auskurieren könnten ... Die

Lösung heißt: Hauspflegerin und Hausfrauenstellvertreterin, die von den

Krankenkassen bezahlt werden. Die Hauspflegerin ist billiger als ein Krankenhausaufenthalt,

ja die Hauspflege kürzt oft die Krankheitszeiten noch

ab, weil man in gewohnter und vertrauter Umgebung leichter gesundet,

als wenn man sich in der Klinik sorgt, ob Mann und Kinder auch allein

zurecht kommen ...“

Frauen im Beruf

In der Westfälischen Rundschau vom 29. April 1957 heißt es: An den Krankenhäusern

im Bundesgebiet fehlen zur Zeit mindestens 40.000 Krankenschwestern.

40 Prozent aller Kräfte, die aus dem Pflegeberuf ausscheiden,

sind wegen ungünstiger Arbeitsbedingungen nicht zu halten. Die Krankenhausschwestern,

sagte der Heidelberger Oberarzt Dr. Spohn auf dem

Münchener Chirurgentag, müssten heute im Durchschnitt 54 Stunden in

der Woche arbeiten. Da diese Zeit nur mit Mühe eingehalten werden könne,

sei es auch eine Utopie zu glauben, dass bald eine Verkürzung auf 48

Wochenstunden möglich sei ... Der Redner schlug vor, in den Krankenhäusern

rationeller zu arbeiten“ Allerdings waren arbeitende Frauen in den 50er

Jahren auch ständig der Kritik ausgesetzt: „Ich glaube kaum, dass eine Frau

und Mutter eine formale Gleichberechtigung überhaupt will“ 98 , denn: „Eine

116: Bis 1958 wurde dem Mann „die Entscheidung in

allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden

Angelegenheiten“ zugebilligt. Sprich: Eine Frau,

die arbeiten gehen wollte, hatte ihren Mann zu fragen.

116

127


Geschichten aus der Geschichte

Mutter ersetzt vielfach Auto, Musiktruhe und

Auslandsreisen“ 99 , so Bundesfamilienminister

Würmeling 1962. Und beachte: „Die Erwerbsarbeit

der Ehefrau ist in acht von zehn Fällen für das

Scheitern der Ehe verantwortlich“. 100

Wartezeiten bei Ärzten

„In den Sprechzimmern der praktischen Ärzte,

in den vertrauensärztlichen Stellen und in Gesundheitsverwaltungen

wird auch heute noch

viel kostbare Zeit durch Warten vergeudet. In

vielen Fällen hält das Wartenmüssen noch mehr

als die Angst vor eventuellen Schmerzen zahlreiche

Gesunde und Kranke ab, sich rechtzeitig

und termingemäß in ärztliche Behandlung oder

Beratung zu begeben. Der Wunsch, das Warten

beim Arzt zu beschränken ist weit verbreitet.

Dazu sei nun folgendes gesagt: ... Wenn

beispielsweise die Kranken es lernen würden,

sich bei der Darstellung ihrer Beschwerden kurz

zu fassen und sich auf das Wesentlichste zu

beschränken, würden die ärztlichen Sprechstunden

eine erhebliche zeitliche Entlastung erfahren.“

(Westfälische Rundschau vom 10.5.1957).

Arbeitsbesprechungen

In den ersten Jahren des Knappschaftskrankenhauses

fanden Arbeitsbesprechungen statt, an

denen die Verwaltungs- und Pflegedienstleitung

sowie die Stationsleiterinnen teilnahmen. Einige

dieser Besprechungen wurden protokolliert.

Punktediät

Zunächst war die Essenszuteilung ein häufiger

Tagesordnungspunkt der Zusammenkünfte:

„Ab 1.5.58 gibt es für Patienten, Schwestern

und Angestellte des Hauses die Wahlkost, d.h.

jeder kann zwischen der Kost I und II wählen.

Außerdem gibt es die Schonkost. Die einzelnen

Gerichte werden nach Punkten bewertet, die bei

der Zusammenstellung der Wahlgerichte dann

verwertet und berechnet werden. Die Stationsschwester

hat die Möglichkeit, bei Patienten,

die einige Tage nur flüssige Kost zu sich nehmen,

Punkte zu sparen, die sie den Patienten

später in Form von besonderen Speisen zukommen

lässt.“ (Besprechung vom 10.4.1958).

„Es gibt folgende Punktwerte: Für Frauen 210,

für Männer 220, für Wöchnerinnen 230, für

Privatpatienten 360, für Kinder von 8–10 Jahren

180. Die Punktzahl für Angestellte und Schwestern

beträgt 240 pro Tag.“ (Besprechung vom

6.6.1958)

„Herr Amtmann Glaubitt (Verwaltungsleiter,

d. V.) sprach über die Punkteverpflegung. Nur

einige Stationen hatten Punkte gespart, d.h.

sparsam wirtschaften können. Die meisten

Stationen hatten ein Defizit zu verzeichnen.

Das erschreckende Defizit des Schwesternspeisesaales

stellte allerdings alle anderen in den

Schatten.“ (Besprechung vom 12.8.1958)

„Es ist bei den ständig steigenden Preisen nicht

möglich, höhere Pluspunkte herauszuwirtschaften.

Die Verwaltung ist nicht gesonnen,

uns die Punktzahl von 240 etwas zu erhöhen.

Herr Kühnemann von der Hauptverwaltung

macht den Vorschlag, die Fleischportionen

etwas kleiner zu halten, so dass nicht so viele

Punkte dafür verwendet werden müssen.“ (Besprechung

vom 10.11.1958)

„Die Schwestern bitten die Diätassistentin Frl.

Hüger sie möge die Portionen der arbeitenden

Schwestern ... ihrer körperlich starken Beanspruchung

entsprechend größer machen.“ (Besprechung

vom 10.11.1958)

„Ab 1. 8. wird der Punktwert erhöht. Punktwert

für Personal von 240 auf 270.“ (Besprechung

vom 25.7.1961)


Wer hätte das gedacht

„Die ambulanten Fälle werden in der Ambulanz

versorgt, die stationären Fälle werden in die

stationäre Abteilung weitergeleitet.“

(Besprechungsvermerk vom 30.10.1957)

Man muss nur an den richtigen Stellen kräftig

sparen: „Der Stromverbrauch muss noch weiter

eingeschränkt werden, Wäscheanfall soll nicht

so hoch liegen, Geschirrverbrauch muss kleiner

werden, die Ausgaben für Reinigungsmittel

liegen zu hoch.“ (Besprechung vom 8.5.1959)

Kurz und unbürokratisch genehmigt

Am 11. 4. 1959 schrieb der Ärztliche Direktor und

Chefarzt der Chirurgie Privatdozent Dr. Scherer

folgenden Brief an die Verwaltung der Ruhrknappschaft

Bochum: „In dem kleinen Aufenthaltsraum

fehlt ein kleiner Tisch zum Abstellen.

Gelegentlich eines Besuches wurde dies Herrn

Oberinspektor Breker vorgetragen, der den Vorschlag

machte, statt eines Abstelltisches einen

kleinen Teewagen anzuschaffen. Meinerseits

bestehen hiergegen keine Bedenken.“

Damit auch die Handwerker Bescheid wissen

„Der Verbrauch an Wärmeflaschen hat sich ins

Unermessliche gesteigert ... Die beschädigten

Wärmeflaschen bei Abgabe bitte an der defekten

Stelle mit einem Pfeil bezeichnen, damit

sie repariert werden können.“

(Besprechung vom 25.7.1961)

Kurz, knapp, konsequent

„Überstunden werden in keinem Fall bezahlt.“

(Besprechung vom 29.8.1961)

Wenig modisch

„Arbeitskittel dürfen nicht zugenäht als Kleider

getragen werden.“ (Besprechung vom 30.3.1965)

Kalte Küche

„Im Schwesternhaus ist mehr Zucht und Ordnung

zu halten. So sollte es eigentlich selbstverständlich

sein, dass der Strom im Waschhaus

bei Benützung der Schnellkochplatte abgeschaltet

werden muss.“ (Besprechung vom 25.7.1961)

Gut zu wissen ...

... werden alle Beschäftigten aufgefordert, Maßnahmen

zu unterlassen, welche ... als Belästigung

oder Beleidigung empfunden werden können.

(Aus: Dienstanweisung zur Verbesserung

des Arbeitsklimas im Knappschaftskrankenhaus

v. 28.12.2004)

Geschichten aus der Geschichte

129


Danke für die Unterstützung

Für die Unterstützung und Beratung sowie die

Anregungen bei der Herausgabe dieser Festschrift

zum 50jährigen Bestehen des Knappschaftskrankenhauses

Dortmund gilt der Dank

des Herausgebers insbesondere

Herrn Willi Krampe

HERZ

LICHEN

DANK

ebenso wie

Frau Susanne Beckmann

Frau Schwester Marita Benggok SSpS

Familie Blome

Herrn Detlef Dreyer

Frau Ute Droll

Herrn Fredy Fritsch

Herrn Eberhard Graf

Herrn Peter Hampel

Herrn Dr. Walter Hatting

Herrn Dr. Kurt Georg Hering

Frau Alexandra Hippchen

Frau Maren Kinne

Herrn Andreas Laubenthal

Herrn Ulrich Lauf

Frau Iris Lohse

Frau Elisabeth Lause

Herrn Michael Kleinschmidt

Herrn Wilhelm Lebrecht

Herrn Matthias Mißfeldt

Frau Steffi Moser

Frau Ilona Mottog

Herrn Marc Pieczka

Herrn Siegfried Quednau

Herrn Dr. Manfred Römer

Frau Leonie Schlaad

Herrn Klaus Simson

Herrn Dr. Manutschehr Taayedi

Herrn August Wagner

Herrn Gebhard Wehner

Herrn Hugo Weimann

Herrn Prof. Dr. Volker Zühlke


Fußnoten

1 Die nachfolgenden Ausführungen sollen lediglich eine

holzschnittartige Skizze der Historischen Entwicklung

der Knappschaft vermitteln. Im Rahmen des Forschungsprojektes

„Vergangenheit und Zukunft sozialer Sicherungssysteme

am Beispiel der Bundesknappschaft“ wird im Jahre

2010 eine umfassende Untersuchung über die Zukunft der

DRV – KBS unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung

veröffentlicht.

2 Lauf, Ulrich (1994), Die Knappschaft. Ein Streifzug durch

tausend Jahre Sozialgeschichte, Sankt Augustin 1994, S. 11

3 Herbig, Rudolf, Notizen aus der Sozial-, Wirtschafts- und

Gewerkschaftsgeschichte vom 14. Jahrhundert bis zur

Gegenwart, Berlin 1973, S. 25

4 Der Begriff „Knappschaft“ wurde in einer Urkunde vom

Oktober 1426 im Zusammenhang mit der Stadt Freiberg im

Erzgebirge erwähnt, bevor er im ausgehenden 15. Jahrhundert

für die Belegschaft eines Bergbaureviers als Arbeits-

und Solidargemeinschaft gebräuchlich wurde (Vergl. www.

kbs.de/lang_de/nn12022/DE/4_ueber_uns/8_geschichte/1_Knappsch

...)

5 Lauf, Ulrich (1994), Die Knappschaft: Ein Streifzug durch

tausend Jahre Sozialgeschichte, Sankt Augustin 1994, S. 12

6 Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform: Historische

Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt Augustin

2000, S. 9

7 Die Urkunde wurde freundlicher Weise vom Weltkulturerbe

Rammelsberg, Abteilung für Museumspädagogik, zur

Verfügung gestellt.

8 Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform: Historische

Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt Augustin

2000, S. 10

9 Spier, H., Die Kirchenruine St. Johannis im Bergdorf. In:

Goslarer Woche 1956, S. 19, hielt die Grundmauern noch für

ein unvollendetes Seitenschiff. Dappich, Gerhard, erbrachte

den archäologischen Beweis des Hospitals. Vergl. Lauf, Ulrich,

Knappschaft und Sozialreform, Sankt Augustin 2000, S. 9

10 Dappich, G., Geschichtliche Entwicklung der Knappschaft.

In: 10 Jahre Bundesknappschaft, Ffm./Bochum 1979, ders.,

Sozialleistungen im Deutschen Bergbau in der Zeit vom

frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. In: Die Sozialgerichtsbarkeit

1982, S. 514, ders., Der soziale Charakter des

Arbeitsrechts im mittelalterlichen deutschen Bergbau. In:

Der Kompass 1981, S. 129/181

11 „Erst“ ab 1402 unterhält die Bruderschaft der Weberknechte

in Ulm zwei eigene Betten für arme Gesellen im

Hospital. Vergl.: Herbig, Rudolf, Notizen aus der Sozial-,

Wirtschafts- und Gewerkschaftsgeschichte vom 14. Jahrhundert

bis zur Gegenwart, Berlin 1973, S. 14

12 Bild: Lauf, Ulrich, (1994), Die Knappschaft. Ein Streifzug

durch tausend Jahre Sozialgeschichte, Titelseite

13 Lauf, Ulrich (1994), Die Knappschaft. Ein Streifzug durch

tausend Jahre Sozialgeschichte, S. 10

14 Bild: : Lauf, Ulrich, (1994), Die Knappschaft. Ein Streifzug

durch tausend Jahre Sozialgeschichte, S. 29

15 Herbig, Rudolf, Notizen aus der Sozial-, Wirtschafts- und

Gewerkschaftsgeschichte vom 14. Jahrhundert bis zur

Gegenwart, Berlin 1973, S. 14

16 Bild: Deutsches Bergbau-Museum, Veröffentlichung Nr.

48, Bergbauliche Kunst, Bochum, o.J., S. 311

17 Bild: Deutsches Bergbau-Museum, Veröffentlichung Nr.

48, Bergbauliche Kunst, Bochum, o.J., S. 360

18 Der Sage nach war es ein Hirtenjunge im Muttental, der

die Kohlevorkommen des Ruhrgebiet entdeckte. Spaethmann,

Hans, Die Großwirtschaft an der Ruhr, Berlin 1925,

nimmt an, dass Harzer Bergleute, die im 12. Jahrhundert

ihre Heimat wegen der dort herrschenden Pest verlassen

hatten, die erste Steinkohle im Ruhrrevier gefunden haben.

Huske, Joachim, Der Steinkohlebergbau im Ruhrrevier,

Werne 2001, S. 10, geht davon aus, dass bereits um 1.000 die

Steinkohle an der Ruhr bekannt war, aber zunächst wegen

des vorhandenen Holzanfalls in den ausgedehnten Wäldern

nicht genutzt wurde.

19 Wrede, Hubert (1978), Geschichte des Knappschaftsarztes

an der Ruhr, Hrsg. Verband der Ruhrknappschaftsärzte e.V.,

Bochum 1978, S. 10

20 Verwaltungsbericht des Allgemeinen Knappschaftsvereins

zu Bochum für das Jahr 1912. In: Bibliothek der

Deutschen Rentenversicherung – Knappschaft Bahn See,

Bochum.

21 Bild: Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform:

Historische Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt

Augustin 2000, S. 18

22 Allgemeines Berggesetz für die preußischen Staaten vom

24. 6. 1865, Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen

Staaten 1865, S. 705

23 Gesetz über die Vereinigung der Berg-, Hütten-, Salinen-

und Aufbereitungsarbeiter in Knappschaften vom 10. 4.

1854, Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen

Staaten 1854, S. 139

24 Gustav Schmoller, der bedeutende Deutsche Ökonom,

hatte diese Entwicklung im Blick, als er 1904 in seinem

„Grundriss der Volkswirtschaftslehre“, Bd. 2, S. 361, schrieb,

die Knappschaften hätten sich so bewährt, dass sie in

den Augen der besten deutschen Unternehmen und der

Regierung ein ideales Vorbild für alle Arbeiterversicherungen

wurden.

25 Lauf, Ulrich (2005), Die Krankenhäuser der deutschen

Knappschaftsvereine im 19. und 20. Jahrhundert, Bochum

2005 (Hrsg. Deutsche Rentenversicherung Knappschaft

Bahn See)

26 Bild: Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform:

Historische Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt

Augustin 2000, S. 20

27 Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform: Historische

Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt Augustin

2000, S. 17

28 Knippenberg, Günter (1997), Brackel ein Dorf am westfälischen

Hellweg, Lünen 1997, S. 246

29 Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform: Historische

Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt Augustin

2000, S. 18

30 Bild: Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform:

Historische Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt

Augustin 2000, S. 25

31 Geyer, Martin H. (1987), Die Reichsknappschaft – Versicherungsreformen

und Sozialpolitik im Bergbau 1900–1945,

München 1987, S. 330

32 Ebenda. (Geyer, 1987), S. 328 ff. mit weiteren Nachweisen,

zit. nach Lauf (2000), S. 157

33 Siehe Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform:

Historische Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt

Augustin 2000, S. 99 f.

34 Bergbau-Archiv Bochum 15/344

35 Bild: Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform:

Historische Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt

Augustin 2000, S. 27

36 Bild: Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen (Hrsg.),

100 Jahre Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, Recklinghausen,

o.J. (2007), S. 22

37 Lauf, Ulrich (2006), 100 Jahre Knappschaftskrankenhaus

Recklinghausen, Hrsg. Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen,

Recklinghausen 2006, S. 23

38 Der Kompass, 29. Jg., 1914, S. 45

131


Fußnoten

39 Wegen der steigenden Krankengeldausgaben erwog der

Verein sogar eine Beitragserhöhung. Vergl.: Verwaltungsbericht

des Allgemeinen Knappschaftsvereins 1899, S. 20. In:

Akten des Königlichen Oberbergamtes zu Dortmund, Nr.

260, 1899, Landesarchiv NRW, Staatsarchiv Münster.

40 Lauf, Ulrich (2006), 100 Jahre Knappschaftskrankenhaus

Recklinghausen, Hrsg. Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen,

Recklinghausen 2006, S. 29

41 Tenholt, August (1897), General-Bericht: Das Gesundheitswesen

in Bereich des Allgemeinen Knappschafts-Vereins zu

Bochum, Bochum 1897.

42 Der Kompass, 22. Jg., 1907, S. 255

43 Der Kompass, 29. Jg., 1914, S. 173 sowie Lauf, Ulrich (2006),

100 Jahre Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, Hrsg.

Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, Recklinghausen

2006, S. 28

44 Bild: Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform:

Historische Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt

Augustin 2000, S. 25

45 Bild: Stadtarchiv Dortmund. Heick, H.W., 950 Jahre Derne.

Festschrift, Dortmund 1983, S. 157

46 Knippenberg, Günter, Brackel ein Dorf am westfälischen

Hellweg, Lünen 1997, S. 247ff

47 Köhne, August (1915), Die deutschen Knappschaftsvereine,

ihre Einrichtung und ihre Bedeutung, Hannover 1915,

S. 36

48 Knippenberg, Günter, Brackel ein Dorf am westfälischen

Hellweg, Lünen 1997, S. 24

49 Kozuschek, W. (1985), Ein historischer Rückblick von 1909

bis 1984, In: 75 Jahre Knappschaftskrankenhaus (Bochum-

Langendreer). Ein Rückblick vom kommunalen Krankenhaus

bis zur Universitätsklinik. Hrsg. Bundesknappschaft,

Bochum 1985, S. 15

50 Bild: Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform:

Historische Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt

Augustin 2000, S. 67

51 Lauf, Ulrich (2006), 100 Jahre Knappschaftskrankenhaus

Recklinghausen, Hrsg. Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen,

Recklinghausen 2006, S. 30

52 Lauf, Ulrich (2006), 100 Jahre Knappschaftskrankenhaus

Recklinghausen, Hrsg. Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen,

Recklinghausen 2006, S. 18

53 Bild: Lauf, Ulrich (2000), Knappschaft und Sozialreform:

Historische Betrachtungen aus fünfzehn Jahren, Sankt

Augustin 2000, S. 47

54 1913 versorgte der Verein 79.422 Pensionsempfänger, 1920

141.651. Siehe Verwaltungsbericht des Allgemeinen Knappschaftsvereins

1913 und 1920.

55 Geyer, Martin H. (1987), Die Reichsknappschaft. Versicherungsformen

und Sozialpolitik im Bergbau 1900–1945,

München 1987, S. 48

In der Frühphase der Industrialisierung bestanden vier

Bergarbeitergewerkschaften: Der (1.) Verband der Bergarbeiter

Deutschlands stand der Sozialdemokratie nahe, der (2.)

Gewerkverein christlicher Bergarbeiter besaß eine Nähe zur

Zentrumspartei und war zu sehr von Katholiken beherrscht,

als dass er bei allen kirchlich gebundenen Arbeitern Resonanz

hätte finden können (Vergl. Koch, Max Jürgen, Die

Bergarbeiterbewegung zur Zeit Wilhelms II. (1889–1914), Düsseldorf

1954, S. 136, die (3.) polnische Berufsvereinigung und

der (4.) von Arbeitgebern mitgegründete Hirsch-Dunkersche

Gewerkverein, (Herbig, 1973, S. 87) und auch 1878 nicht vom

Bismarckschen Gewerkschaftsverbot betroffen (Vergl. Schuster,

Dieter (1976), Die Deutsche Gewerkschaftsbewegung,

Bonn-Bad Godesberg, 1976 (5. Aufl.), S. 15 und 20

56 Der Bergknappe, Zeitschrift des Gewerksvereins christlicher

Bergarbeiter v. 27.12.1913, Bibliothek des Ruhrgebiets,

Bochum

57 Bild: Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen (Hrsg.),

100 Jahre Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, Recklinghausen,

o.J. (2007), S. 29

58 Der Kompass, 29. Jg., 1914, S. 45

59 Bild: Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen (Hrsg.),

100 Jahre Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, Recklinghausen,

o.J. (2007), S. 31

60 Geyer, Martin H. (1987), Die Reichsknappschaft – Versicherungsreformen

und Sozialpolitik im Bergbau 1900–1945,

München 1987, S 246. Die Knappschaft, 2. Jg., 1926, S. 20 ff

61 Hinze-Boll, Annette, Im Dienste des Menschen – Von der

Heilstätte für Bergleute zum Gesundheitszentrum. 75 Jahre

Knappschaftskrankenhaus Bottrop 1931–2006, Knappschaftskrankenhaus

Bottrop (Hrsg.), 2006, S. 21

62 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 269

63 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 278

64 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 281

65 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 291

66 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S.297

67 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 310

68 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 314

69 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 324

70 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 328

71 Bild: Schott, Heinz, Chronik der Medizin, Gütersloh/München

2000, S. 337

72 Staatsarchiv Münster, Regierung Arnsberg, 13270

72a Krampe, Willi, Manuskript 2008, Seite 5

73 Vergl. zuletzt: Abelshauser in Frankfurter Allgemeine

Sonntagszeitung v. 8. 6. 2008 (Nr. 23/2008, S. 42)

74 Ruhrknappschaft Bochum, Knappschafts-Krankenhaus

Dortmund – Zur Einweihung am 11. Juli 1958, Bochum o.J., S.

9 und Knippenberg, Günter, Brackel ein Dorf am westfälischen

Hellweg, Lünen 1997, S. 248

75 Stadt Dortmund (Hrsg.), Geschichte der Sozialverwaltung

in Dortmund, Dortmund 1949, S. 124

76 Ebenda, Knippenberg, Günter, Brackel ein Dorf am westfälischen

Hellweg, Lünen 1997, S. 248

77 Vergl. Interview August Wagner, S. und WR/WAZ v. 16. 06.

2007 sowie RN v. 28.6.2007.

78 Bild: Ruhrknappschaft Bochum (Hrsg.) Knappschafts-

Krankenhaus Dortmund. Zur Einweihung am 11. Juli 1958,

Bochum 1958, S. 12

79 Der Name Wicks- bzw. Wieckesweg deutet auf einen mit

Büschen umgebenen Fluchtweg hin, den Brackeler nutzten,

um sich vor plündernden und brandschatzenden Banden in

Sicherheit zu bringen. Dabei wurden sie von den Zweigen

der Büsche geschlagen, gewieckst.


80 Die Dortmunder Presse begrüßte den Beschluss

und schrieb: „... der Plan der Knappschaft wird allseitig

begrüßt, wird doch dadurch einerseits für die Bergarbeiter

ein ihrem Beruf und den damit verbundenen Gefahren

angepasstes modernes Krankenhaus entstehen, während

auf der anderen Seite die Dortmunder Krankenhäuser mit

ihrer weit über ihre eigentliche Aufnahmefähigkeit hinaus

beanspruchten Bettenzahl wesentlich entlastet werden

dürften.“(Ruhrknappschaft Bochum, Hrsg., a.a.O., S. 10).

Eine andere Tageszeitung titelte: „Ein großzügiges Projekt

zum Wohle der Kumpels“ und berichtete: „... dem Vorstand

kommt es nicht darauf an, irgendeinen zweckentsprechenden

Neubau zu errichten, sondern bevor das Bauprojekt

zur praktischen Ausführung gelangt, sollen erst alle Möglichkeiten

einer modernen und fortschrittlichen Gestaltung

des Baues und seiner Einrichtungen mit den erforderlichen

technischen Anlagen ausfindig gemacht und angewandt

werden. ... Diese Maßnahme des Knappschaftsvorstandes

dürfte die einmütige Anerkennung aller interessierten Kreise

finden.“ (ebenda. , S. 10).

81 Bereits 1949 scheint der Bergbau den Zenit seiner gesamtwirtschaftlichen

Bedeutung überschritten zu haben.

Der Engpass in der Energieversorgung war beseitigt, der

Markt gesättigt. Importkohle aus den USA deckte Teile des

Inlandsbedarfs und Öl ersetzte vereinzelt Kohle als Heizstoff

und gewann fortlaufend an Bedeutung. Siehe: Stadt Dortmund

(Hrsg.), Dortmund im Wiederaufbau 1945–1960. Dokumentation

der gleichnamigen Ausstellung des Stadtarchivs

im Museum am Ostwall (8. Mai bis 28. Juli 1985), Dortmund

1985, S. 303

82 Ruhrknappschaft Bochum (Hrsg.), Knappschafts-Krankenhaus

Dortmund – Zur Einweihung am 11. 7. 1958, Bochum

1958, S. 21

83 Bild: Ruhrknappschaft Bochum (Hrsg.), Knappschafts-

Krankenhaus Dortmund – Zur Einweihung am 11. 7. 1958,

Bochum 1958, S. 22

84 Bild: Ruhrknappschaft Bochum (Hrsg.), Knappschafts-

Krankenhaus Dortmund – Zur Einweihung am 11. 7. 1958,

Bochum 1958, S. 14

85 Bild: Ruhrknappschaft Bochum (Hrsg.), Knappschafts-

Krankenhaus Dortmund – Zur Einweihung am 11. 7. 1958,

Bochum 1958, S. 23

86 Bild: Ruhrknappschaft Bochum (Hrsg.), Knappschafts-

Krankenhaus Dortmund – Zur Einweihung am 11. 7. 1958,

Bochum 1958, S. 28

87 Krampe, Willi (2008), Manuskript, Bochum 2008. Herrn

Architekten Willi Krampe gilt der besondere Dank für

seine detailreiche Zusammenstellung der Beschlüsse des

Vorstands und des Bauausschusses, denn ohne seine Unterstützung

wäre es nicht möglich gewesen, diese Festschrift

zusammenzustellen.

88 Bild: Ruhrknappschaft Bochum (Hrsg.), Knappschafts-

Krankenhaus Dortmund – Zur Einweihung am 11. 7. 1958,

Bochum 1958, S. 25

89 Postkarte, Cramers Kunstanstalt KG, Dortmund

90 Kündigte die Westfälische Rundschau bereits am

22.9.1956 an „Das Krankenhaus ist architektonisch von hervorragender

Wirkung und lässt erkennen, dass die räumliche

Gliederung meisterhaft gelöst ist. ... Wenn das Haus seiner

Bestimmung übergeben wird, verfügt die Ruhrknappschaft

über eine vorbildliche Heilstätte, die zum Wohle der Ruhrbevölkerung

arbeiten wird.“, so urteilte sie am 11.7.1958: „Es

kann ohne Einschränkung festgestellt werden, dass dieses

herrlich gelegene Haus ... in vollendeter Zweckmäßigkeit

und bester technischer Ausstattung errichtet worden ist“.

Auch die Ruhr-Nachrichten lobten in ihrer Ausgabe vom

11.7.1958 das Knappschaftskrankenhaus: „Wuchtig und

doch elegant erhebt sich der Gebäudekomplex frei im Feld

südlich vom Hellweg, weit sichtbar von allen Himmelsrichtungen.

... Ingenieure, Techniker und Handwerker haben mit

ihrem Ehrgeiz einen für die Zukunft richtungsweisenden

modernen Krankenhausbau geschaffen. ... Alle Abteilungen

sind mit einer kaum vorstellbaren Großzügigkeit angelegt.

Alles auf den Fluren, in den Krankenzimmern, in den

Ärztezimmern, den Küchenanlagen – und was der Neubau

noch alles in sich birgt – zeigt Geschmack und Sauberkeit.

Alles zusammen verleiht dem Gebäude die Wirkung eines

großzügig angelegten Schlossbaues.“ Kritisch wurden die

hohen Investitionen von den Ruhr-Nachrichten gesehen,

kosteten das Gebäude und die Einrichtung doch bereits

damals (umgerechnet) etwa 13 Millionen Euro.

91 Knappschaftskrankenhaus Dortmund (1968), 1958–1968.

10 Jahre Knappschaftskrankenhaus Dortmund, Manuskript,

Dortmund 1968.

92 Brackeler Hellweg-Express v. 2. 6. 1978.

93 Westdeutsche Allgemeine Zeitung 29.5.1978.

94 Bilder: Archiv Dr. Römer.

95 Bild: Der Bergmannsfreund. Ein Ratgeber zur Bekämpfung

der Unfallgefahren im Steinkohlenbergbau, Haarrmann,

Karl; Hilberg, Joseph; Rattkemper, Wilhelm; Ortmeier,

Wilhelm und Genst, Fritz (Hrsg.), Düsseldorf 1927 (2. Auflage

1934), S. 111

96 Bild aus: Graf, Eberhard, Der Knappschaftsälteste, o. J. u.

O., (Vermutlich Bochum um 1990) S. 66

97 Verwendete Literatur für den Exkurs III:

• Artz, Verena, Zeitgeschichte in Deutschland 1945–2005,

Bonn 2007;

• Becker, Ute, Die Chronik – Geschichte des 20.Jahrhunderts

bis heute, Gütersloh/München 2006;

• Busch, Frank, Chronik Ruhrgebiet, Chronik Verlag/

Bertelsmann Verlag, Gütersloh/München 1997;

• Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Sonderausgabe

60 Jahre WAZ, vom 03.04.2008

• www.chroniknet.de

• www.dhm.de

• www.touristikinformation-nrw.de

• www.geschichte.nrw.de

98 Bundesfamilienminister Franz-Josef Würmeling, zit. nach

Monitor 579 v. 3.7.2008.

99 Bulletin v. 18.4.1962.

Fußnoten

100 Constanze, 9. Jahrgang, Nr. 13, S. 24, auch weiter Nr. 17,

S. 38f

133


Herausgeber: Knappschaftskrankenhaus Dortmund

Redaktion: Wolfgang Skorvanek (verantwortlich)

Gestaltung: Ilona Mottog, Dortmund

Druck: Druckerei Weiss, Dortmund

Dortmund, im August 2008

Die Festschrift unterliegt in allen Teilen und insgesamt

dem Nutzungs- und Urheberrecht des Herausgebers.

Jede Wiedergabe oder weitere Veröffentlichung bedarf

der Genehmigung des Krankenhaussprechers des

Knappschaftskrankenhauses Dortmund.