Schaufenster Kultur.Region Juli/August 2013 - Museen ...

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Schaufenster Kultur.Region Juli/August 2013 - Museen ...

Bräuche / 6HandwerkgoldenER boden„Handwerk hat goldenen Boden“, sagten die einen, andere waren „auf den Hund gekommen“. Die Redensartenerinnern an jene Zeit, in der die Zünfte ihre Schätze in Truhen aufbewahrten. Auf deren Boden war einHund aufgemalt, wurde das Bild sichtbar, bedeutete dies das Gegenteil des goldbedeckten Bodens.Meister eines Faches an einem Ort, vor allemin den Städten. Am ehesten traf dies auf dieHersteller von Nahrungsmitteln, das Bekleidungsgewerbeund die Schmiede zu. Bis zurAuflösung der Zünfte im Jahr 1859 bestandenin 49 Orten Niederösterreichs Müllerzünfte,in 42 Bäckerzünfte und in 34 Fleischhauerzünfte.Pfusch mir nicht ins Handwerk(Pfuschen bezeichnete die Ausübung einesHandwerks von einem, der nicht zur Zunftgehörte.)Auf den Hund gekommen.Der Sozialhistoriker Gustav Otruba („Gewerbeund Zünfte in Niederösterreich“, St. Pölten1989) setzt den Beginn des Zunftwesens inNiederösterreich im 13. Jahrhundert an. Ernennt u. a. Handwerksordnungen der Ledererin St. Pölten, anno 1260, sowie BäckerundFleischerordnungen in Melk aus denJahren 1281 und 1297. Die Bezeichnung„Zunft“ für den Zusammenschluss vonGewerbetreibenden verwandter Berufe aufgenossenschaftlicher Basis taucht hier erst im18. Jahrhundert auf. Vorher sprach man vonZechen und Bruderschaften, was auf religiöseVereinigungen hinweist. Diese Gemeinschaftenhatten dem Beruf entsprechende Schutzpatrone.Metallhandwerker und Bergleutewählten die hl. Barbara als Zunftheilige,Rauchfangkehrer und Bierbrauer den hl. Florian,holzverarbeitende Gewerbe verehrtenden hl. Josef. In der Barockzeit gründete einLilienfelder Abt eine St.-Josefs-Bruderschaftfür Zimmerleute, das Stift erfreute sichdaraufhin regen Zuspruchs als Wallfahrtsziel.Meist fungierten Adelige als Zunftstifter, wiez. B. die Grafen Auersperg 1706, die dieSchneider von Purgstall privilegierten. AlsVoraussetzung galt die Tätigkeit mehrererDas „geheiligte Symbol der Organisation“stellt die Zunfttruhe (Bruderlade) dar. Sie warkunstvoll verziert und mit mehreren Schlössernversehen, deren Schlüssel verschiedeneMeister verwahrten. Die zu bestimmten Terminenfixierten Versammlungen durften nur„vor geöffneter Lade“ stattfinden. Auf derTagesordnung standen u. a. das Aufdingenund Freisprechen von Lehrlingen, Streitfälleund das Kassieren der Umlagegelder. Gasthäuserund Herbergen, in denen die Treffenstattfanden, waren durch ein Schild mit Symbolenoder dem Bild des Patrons der Vereinigungkenntlich. Auch ihr Stammtisch trugdas Emblem.Für die Mitglieder war der Besuch kirchlicherVeranstaltungen, vor allem der Fronleichnamsprozession,verpflichtend. Je näher einHandwerk beim „Himmel“ – dem Baldachin,unter dem die Monstranz mit dem Altarsakramentgetragen wurde – gehen durfte,umso höher war sein Ansehen. Deshalb kames immer wieder zu Streitigkeiten. Wer nichtschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Bräuche / 7Barbara, Zunftheilige der Metallhandwerker undBergleute.Gautschen.teilnahm, musste Strafe zahlen. Für Benehmenund Kleidung während des Jahres gab esstrenge Regeln, deren Verstöße geahndetwurden. Die Strafgelder dienten zur Unterstützungverarmter oder erkrankter Mitglieder,aber auch zur Finanzierung von Zechgelagen.Taxen bildeten die wichtigste Einnahmequelle.Die meisten Ausgaben verursachtenMessstipendien, Begräbniskosten undErhaltung der Herbergen.Die Felle davonschwimmen sehen(Wenn Felle gegerbt wurden, mussten sie mitWasser ausgespült werden. Passte man nichtauf, konnten sie davonschwimmen.)Schon bevor ein Lehrling seine Berufslaufbahnbegann, musste er Bedingungen erfüllen,wie eheliche Geburt, ehrliche Abkunftund katholische Religion. Aufgedungen wurdennur „Jungen“ zwischen 12 und 18 Jahren.Sie lebten wie Familienmitglieder im Hausdes Meisters. Oft mussten sie Lehrgeld zahlen,während der Lohn im Ermessen desLehrherrn stand. Nach mehrwöchiger Probezeiterfolgte das „Einkaufen in die Zeche“,wofür die Eltern und der Meister zur Kassegebeten wurden. Dieser sollte dem Lehrlingfachliche Kenntnisse beibringen, ihn verköstigen,bekleiden und erziehen (wozu auch diePrügelstrafe zählte). Verpönt war es, berufsfremdeReinigungs- und Haushaltsarbeitenzu fordern. Trotzdem gaben schlechte Kostund Behandlung oft genug Anlass zum „Entlaufen“während der Lehrzeit. Sie endete –nach einem bis sechs, meistens drei Jahren –mit der feierlichen Freisprechung bei geöffneterLade und der Überreichung des Gesellenbriefs.Der Übergang zum Stand der Gesellenerfolgte mit einem Mahl und meist ziemlichgroben Initiationsritualen. Die Betroffenenwurden im wahrsten Sinn des Wortes „überden Tisch gezogen“ und traktiert. Die Tischlernannten das Hobeln, die Binder Schleifen,die Weißgerber Taufen. Bei den Buchdruckernmusste der „Cornute“ einen Hut mitHörnern tragen. Diesen wurde er erst los,nachdem er nach überstandenem „Depositionsspiel“geschworen hatte, niemandem dieschlechte Behandlung zu vergelten. Danachwurde er mit Rosmarin bekränzt und vomLehrherrn feierlich freigesprochen. 1771 ließKaiserin Maria Theresia die „albernen Gebräuche“abschaffen. Doch die Buchdruckererfanden einen neuen: das Gautschen. DerBegriff bezeichnete das Entwässern bei derPapiererzeugung, in diesem Fall die „Taufe“des Ausgelernten. Der Spruch dazu lautete:„Packt an, Gesellen, lasst seynen CorpusPosteriorum fallen / auf diessen nassenSchwamm, bis trieffen beyde Ballen / derdurst’gen Seele gebt ein Sturtzbad obendrauff/ das ist dem Jünger Gutenbergs seyn’n besteTauff ’.“ Die Gesellenzeit war nur eine Zwischenphasezur Meisterschaft, obwohl sielange dauern konnte. Die „Junggesellen“ verbrachtenzwei bis zehn Wanderjahre („auf derWalz“) und ein bis zwei Mutjahre, währendder sie das Meisterstück anfertigten. Dabeistanden sie unter der strengen Aufsicht desMeisters, der Material und Werkstatt zur Verfügungstellte, und der Vertreter der Zunft.Da ist Hopfen und Malz verloren(War das Brauergebnis bescheiden, waren diewichtigsten Zutaten, Hopfen und Malz, verloren.)Bevor sich ein Bewerber in diese „einkaufen“konnte, musste er in den Städten das Bürgerrechterwerben. Dieses wiederum setzteHausbesitz, Wehrpflicht und die Zahlungkommunaler Steuern voraus. Weiters wurdevom jungen Meister erwartet, dass er sich inJahresfrist verehelichte. Bevorzugte Kandidatinnenwaren katholische Töchter oder Witwenvon Meistern seiner Zunft. War derHausstand gegründet und waren alle anderenBedingungen erfüllt, konnte sich der Handwerkerendlich selbständig machen und seineeigenen Lehrlinge und Gesellen aufnehmen.Text: Helga Maria WolfIllustrationen: Magdalena Steinerschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Wissenschaftliche KompetenzNÖ VolKSliedarchivQuellensammlung von:60.000 Lied- & Musikhandschriften4.000 Flugblattliedern & Noten1.000 Volkstanzaufzeichnungen7.600 Büchern, Schriftenreihen & Zeitschriften6.000 Abbildungen & Fotos3.000 Tonträgern: Tonbänder, Schallplatten,Musikkassetten, DAT-Bänder, CDs & DVDs20 Sammlungen, Nachlässen & VorlässenDas NÖ Volksliedarchiv verfügt über wesentliche Primärquellender musikalischen Volkskunde im Bundesland Niederösterreichund leistet vielfältige Aufgaben.WissenschaftForschen & SammelnInventarisieren & KatalogisierenKategorisieren & ArchivierenDigitalisierenVermittlungPublikationQuellenrechercheNachlassverwaltungBeratung & ServiceNÖ Volksliedarchivc/o NÖ Landesbibliothek3109 St. Pölten, Landhausplatz 1Tel.: 02742 9005 12878archiv@volkskulturnoe.atwww.volkskulturnoe.at/vlaÖffnungszeiten: Di–Do 9.00–15.00 Uhr bzw. nach VereinbarungUm Anmeldung wird gebeten.


Sommer / 9SommerfrischeLANDPARTIEFür eine Sommerfrische braucht es Berge, Wasser – und vor allem Zeit.In manchen Orten hat sich die Ahnung an dieses Gefühl bis heute erhalten.Himmelsspiegel Lunzer See.schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Sommer / 10Undine-Brunnen im Kurpark Baden.Südbahnhotel am Semmering.Am Bahnhof stehen drei große Strohkoffer,fünf Lederkoffer, drei Körbe, zwei Rucksäcke,Sonnen- wie Regenschirme und einSpazierstock. Vier Kinder purzeln durcheinander.Der Bahnhofsvorstand zieht dieKappe, zwirbelt den Schnauzer und begrüßtden Herrn Rechnungsrat und dessen FrauGemahlin. Frau Rechnungsrat tadelt leichtenerviert die Kinder. Das Dienstmädchenzählt die Gepäckstücke. Dann kommt dasFuhrwerk.So mag die Ankunft der SommerfrischlerAnno 1913 ausgesehen haben. Vielleichtwaren es um zwei Koffer weniger und einKind mehr. Aber unter sieben Koffern ginges bestimmt nicht. Schließlich blieb mansechs Wochen und länger. Schließlich mussteman einen eigenen Haushalt weiterführen,mit weißen Tischtüchern für Kaffeejausen,grünen Filzdecken für Tarockrundenund den eigenen Tuchenten für die Nachtruhe.Und man musste für jedes Wettergewappnet sein, denn schon die BezeichnungSommerfrische verrät, dass es einSommer durchaus frisch sein kein.Malerische PartienSommerfrische fühlt sich nach dem kühlenNass der Seen an. Sie riecht nach sonnenwarmemHolz der Veranden und schmecktnach Schnittlauchbrot und Ribiselsaft. FürSommerfrische braucht es Zeit und eineLandschaft à la Semmering oder Lunzer See,Wälder wie um Gutenstein, Täler wie dasKamptal, gespickt mit ein paar Sehenswürdigkeitenund malerischen Felspartien. DerKunsthistoriker Wolfgang Kos liefert denwissenschaftlichen Ansatz des Phänomens:„Die Geschichte des Reisens ist somit aucheine Geschichte der Landschaftsmoden. Bisheute sind viele ErholungslandschaftenÖsterreichs von der Vorliebe des 19. Jahrhundertsgeprägt, Raumbilder wie Interieurswahrzunehmen. Malerische ,Parthien‘ (einLieblingswort des Biedermeier) lösen Bilderaus ihrem Kontext und schieben verschiedeneLandschaftselemente zu Effektstückenzusammen. Es fällt auf, dass viele prototypischeReise-Landschaften des 19. Jahrhunderts– Salzkammergut, Vierwaldstättersee,Côte d’Azur – bei aller Grandiosität ihrerKulissen die Geborgenheit einer Westentaschen-Landschaftvermitteln. Dieser kammermusikalischenLieblichkeit folgten auchdie dieses Gefühl strukturierenden Kleinarchitekturen,die Wegführungen, die Fassungder Aussichtspunkte, ja sogar die Anlageder ,Bankerln‘ entlang den Spazierrouten.“Schon Ende des 18. Jahrhunderts strebte diestädtische Bevölkerung aufs Land hinaus.Landpartien hießen diese Reisevergnügen:Die Wiener Gesellschaft fuhr im offenenWagen nach Simmering und Rodaun, in denPrater und nach Döbling. Die weniger begütertenBürger mieteten einen „Zeiserlwagen“,das war ein einfaches Fuhrwerk mithölzernen Sitzreihen. Die Städter wolltenwährend der Sommermonate den engenWohnungen, dem Lärm, Gestank und Staubentfliehen. Die „gute alte Zeit“ war nichtleise, da die eisenbeschlagenen Wagenräderübers Pflaster rumpelten. Die „gute alteZeit“ stank zum Himmel. Ihr fehlte dasKanalsystem. Sie war dreckig – der Kohlestaubder Öfen, Fabriken und Eisenbahnenkroch in alle Ritzen.Wiener StadtbagaschiDie ersten Sommerfrischeorte waren rundum Wien: in Kierling, Kritzendorf undnatürlich in Baden. Abseits der berühmtenBadener Villen logierten die Wiener vorallem in billigen Ausgedingen der Bauernhöfeoder auch in dessen Vorkellern. DieBauern verdienten gut daran, bis zu 300Gulden pro Saison, und nannten die Gästedadurch auch liebevoll die „Wiener Stadtbagaschi“.Ende des 19. Jahrhunderts kam dieSommerfrische richtig in Schwung. Dazubrauchte es die Bahn. Jetzt konnte sich dasBürgertum eine Fahrt nach Reichenau ander Rax, nach Weißenbach an der Triesting,Puchberg am Scheeberg oder Drosendorf ander Thaya leisten.Der Rechnungsrat und seine Familie habensich in einem Privathaus eingemietet. Hotelsschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Sommer / 11Strandbad Drosendorf an der Thaya.Südbahnhotel am Semmering.und Villen waren für die meisten unerschwinglich.Die Zimmerwirtin begrüßt dieWiener Gäste. Alles Weitere überlässt mannun einmal dem Dienstmädchen und demBuben des Hauses, die sich um das Gepäckkümmern. Die Hausleute hatten den Sommerüber ihre Betten in Waschküche undWerkstatt aufgestellt und die guten Stubenden Gästen überlassen. Herr Rechnungsratsamt Familie machen den „Corso“ über denHauptplatz; vielleicht treffen sie alte Bekannteaus dem vorigen Sommer. Der Rechnungsratvon anno dazumal hat möglicherweiseeine Tradition begründet, der seineNachfahren bis heute folgen: Man hält demOrt die Treue. Man gründete einen Theatergruppeoder einen Tennisclub. Man erobertedie Berge. Vor allem aber ging man schwimmen.Davor schaute die Sommerfrischegesellschaftdem Wasser zu und an denUfern von Seen und Flüssen wurden Promenadenangelegt. Das Badevergnügen wurdeerst nach 1900 mit der Befreiung des Körpersaus Korsett und Vatermörder möglich.Signale des SommersBadeanstalten wurden gegründet. Die Kabineist das Herzstück. Darin vollzog sich derWechsel, nicht nur der der Kleider, als Damevon Stand und als Herr von Rang, der in derFreikörperkultur des Florian Berndl imWiener Gänsehäufel seine Vollendung fand.Alle waren nackt und alle gleich. Um dieKabinen entstanden Stiegen, die ins Wasserführen, Sonnendecks und schattige Veranden.Die Badeanstalten bekamen einen fröhlichbunt gestreiften Anstrich, der an dieSonnenmarkisen der Riviera-Hotels und dieLiegestühle der Seeterrassen erinnern soll.Rot und Weiß, Grün und Gelb sind dieSignale des Sommers. Ein ganz besonderesErlebnis bot das Bad von Edlach: Per Südbahnwurde Sand von der Adria geholt.Die Väter, so wie unser Regierungsrat,fahren Sonntagabends zurück ins Amt. DieFamilie verabschiedet sie am Bahnhof. Deswegenhießen die Abendzüge „Busserlzug“.Vom Semmering waren es, dem noblenPublikum geschuldet, die Hofratszüge, dienach Wien fuhren. Am Montag begann derAlltag in der Sommerfrische. Das hieß: Marmeladeeinkochen und Schwammerl suchen,Handarbeiten und Mithilfe in der Landwirtschaft.Wilhelm Smolka, als Kind Sommergastin einer Mühle an der Thaya: „Mutter,du hast den Hausleuten immer wiederArbeit abgenommen, freiwillig, einfach ummitzuhelfen, wenn zur Erntezeit alle Händezu wenig waren. Du hast die Kinder derMägde gewickelt und geputzt, du hast beimDreschen in der Tenne, voll von Staub undumherfliegenden Stroh an der Maschine, dieGarben geschleppt.“Wenn die Gäste nach einem großen Sommeram Land in die Stadt zurückkehrten,riss die Verbindung zu ihrer Sommerfrischenicht ab. Ein Treffen der „Lunzer“, „Reichenauer“oder „Garser“ war durchaus üblich.Ein Brief an den Besitzer der Pension „Valerienheim“in Drosendorf an der Thaya berichtetvon einem Treffen in Wien: „LieberHerr Geidl, Samstag, den 12. März d. J. findetunser nächster Familienabend sowie dieWiedersehensfeier der Gäste vom Valerienheimstatt, unter Mitwirkung ausgezeichneterKünstler, und wir hoffen alle, Sie undIhre liebe Frau an diesem Abend dochbegrüßen zu können. […] Franz Hlouscha,Obmann der Pension Valerienheim. Wien,am 2. März 1928.“Sommerfrische treibt wie ein Blatt im Wasser,kitzelt wie das Gras in den Kniekehlenund klingt nach Platzkonzert im Pavillon.Kein Wunder, dass ein Bub vom Land einmalprompt antwortete, als er gefragt wurde,was er denn einmal werden wolle, wenn ergroß sei: „Sommerfrischler“. Möge seinWunsch in Erfüllung gegangen sein. /Text: Mella WaldsteinFotos: Manfred Horvathschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Interview / 14Franz Poschdenkmalschützerder musikSeit 25 Jahren moderiert und spielt Franz Posch „Mei liabste Weis“.Das Schaufenster Kultur.Region traf ihn zum Interview.Franz Posch – seit 25 Jahren in Österreich mit „Mei liabste Weis“ unterwegs. Foto: ORF„Mei liabste Weis“ läuft jetzt seit 25 Jahren.Wie kam es zu der Sendung?Posch: Das ist dem Engagement des ORFTirol und auch dem damaligen Generaldirektordes ORF, Gerd Bacher, zu verdanken.Bacher wollte ein Pendant zum „Musikantenstadel“,eine Sendung mit echter Volksmusik.Zuerst ging „Klingendes Österreich“ auf Sendung.Doch Peter Moser vom ORF Tirol hat1988 unser Konzept durchgebracht.Und das wäre?Posch: Das Konzept ist einfach und hat sichdeswegen bewährt – eine ungezwungeneGasthaus-Atmosphäre, Musikanten aus derRegion, Live-Ausstrahlung und das Erfüllenvon Hörerwünschen.Sie stehen für unverfälschte, gewachseneund „echte“ Volksmusik. Was tun Sie, wennsich das Publikum volkstümliche Stückeà la Musikantenstadel wünscht?Posch: Da habe ich in 25 Jahren wirklichErziehungsarbeit geleistet. Unpassende Musikwünschesind immer seltener geworden.Ich habe ein missionarisches Bewusstseinentwickelt. Das trägt Früchte. SalzkammergutPascher, Innviertler Landler, WienerDudler, Polka Franzé aus der Steiermark,Weinviertler Kirtagsmusik – ich versuchedie unglaubliche Vielfalt der österreichischenVolksmusiklandschaft zu vermitteln.Sie sind als Volksmusikant bekannt undberühmt. Was macht Dr. Franz Posch?Posch: Ich war Musik- und Sportlehrer amAkademischen Gymnasium Innsbruck.Meine Dissertation habe ich über den TirolerMusiker Gottlieb Weissbacher und dieTiroler Tanzmusik gemacht. Er war derBegründer der „Fidelen Inntaler“, für die erüber 400 Kompositionen hinterlassen hat.schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Interview / 15Steht für unverfälschte, gewachsene und „echte“ Volksmusik: Franz Posch, hier beim NÖ Trachtenball 2012.Was tun Sie, wenn Sie nicht musizieren?Posch: Dann betreibe ich Sport, spiele Fußball,gehe wandern, fahre Schi.Verändert sich die Volksmusik?Posch: Mir geht es um die Bewahrung derVolksmusik. Ich kann mit der Volksmusikmit x nicht so viel anfangen, also mit dem,was man auch Crossover nennt. Die Volksmusiksoll man so belassen, für junge Musikergibt es viele andere Möglichkeiten zuprobieren und zu experimentieren. Ich sehemich als Denkmalschützer der Volksmusik.Natürlich verändert sich die Volksmusik,aber das muss man nicht erzwingen. Neu inder Volksmusik – und wir reden da voneinem Zeitraum von 50 Jahren! – ist etwa daschromatische Hackbrett, die Okarina und dasSaxofon, das die Fidelen Inntaler zum erstenMal eingesetzt hatten.Was ist die wichtigste Bühne der Volksmusik?Posch: Das Wirtshaus ist die Hochschule derVolksmusik. Das hat Prof. Franz Eibner einmalgesagt und dem schließe ich mich an.Wie legt man sich so ein großes Repertoire zu?Posch: Ich bin ständig unterwegs und lernelaufend dazu. Und ich habe ein gutesGedächtnis, denn von Kindheit an habe ichnur auswendig gespielt. Das Ziehharmonikaspielenhabe ich autodidaktisch gelernt, sowie die alten Volksmusiker, die großteils garkeine Noten kannten. Das trainiert die Merkfähigkeit.Für die Sendung haben wir eineListe an Stücken aufliegen. Es kommt allerdingsvor, dass wir einen Wunsch nicht erfüllenkönnen, das ist aber selten.Eine Live-Veranstaltung ist ja eine besondereHerausforderung. Üblicherweise wird Playbackgespielt.Posch: Es passiert relativ wenig, da wir fleißigproben. Einmal mussten wir aufhören – Gottsei Dank ist das mir und nicht einer Gastgruppepassiert. Die einen haben wiederholt,die anderen in einer anderen Tonart weitergespielt.Ich hatte die ganze Zeit gehofft, dassdie anderen nachgeben, und die anderen,dass wir nachgeben. Dann habe ich „Stoppund mea culpa“ gerufen und wir haben vonvorne begonnen. Nach der Sendung ist mirder Regisseur um den Hals gefallen und hatgemeint, dass das ruhig öfter sein könnte.Denn Fehler sind der Beweis, dass wir tatsächlichlive spielen.Sorgen Sie sich um den Nachwuchs?Posch: Es gibt unglaublich viele junge Musikanten,mehr als je zuvor. Ich kann micherinnern, vor mehr als 20 Jahren habe icheine Sendung aus dem Drautal in Kärntengemacht, da mussten wir eine Tanzlmusik ausSalzburg holen. Mittlerweile gibt es unzähligesehr gute Instrumentalgruppen in Kärnten.Oder nehmen wir die Ybbstal Streich, diesind zwischen elf und 17 Jahre alt und diejungen Musikanten auf der Bühne sind Multiplikatoren.Die nächste Sendung bereite ichin der Steiermark vor. Und ich habe immeröfter die Qual der Wahl.Wir Ostösterreicher schauen in SachenTradition immer ein bisschen neidisch aufdie Alpenländer. Was hat sich in der niederösterreichischenVolksmusiklandschaft in denletzten 20 Jahren geändert?Posch: In Niederösterreich hat sich viel getan,früher war das gegenüber Salzburg oder derSteiermark ein Notstandsgebiet. Am BeispielNiederösterreich sieht man, was man mitEngagement und Hingabe alles bewirkenkann – nicht zuletzt durch die VolkskulturNiederösterreich.Es gibt nicht nur 25 Jahre „Mei liabste Weis“ zufeiern, sondern auch Ihren 60. Geburtstag imAugust. Wir gratulieren und danken für dasGespräch. /Das Interview führte Mella WaldsteinFranz Posch begann schon im Alter von vierJahren, Ziehharmonika zu spielen, späterkamen Trompete, Klavier, Klarinette unddiverse Volksmusikinstrumente dazu. Nachseinem Studium der Musik- und Leibeserziehungan der Universität in Innsbruck war dergebürtige Tiroler von 1977 bis 1990 am AkademischenGymnasium in Innsbruck als Professortätig. Seit Ende der 1970er Jahre ist er Gestaltervon diversen Musiksendungen, seit 1988 Präsentatorder beliebten Fernsehreihe „Mei liabsteWeis“.MEI LIABSTE WEIS———————————————————Sa, 19. 10. 2013in Unterpremstätten bei Grazschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Musikschule / 16KursangebotesommERKlangFür viele Musikschüler und -lehrer beginnt im Sommer eine Zeit der besondersintensiven Musikausübung: die Zeit der Sommerkurse.musikalische Entwicklung und Ausdruckskraftmit sich bringen. Je nach Sommerkurskann das ausgewählte Programm auf Wettbewerbe,Auftritte und Prüfungen vorbereitenoder ein im Kurs gewähltes Themabehandeln und frei gewählt sein. ZentralesAnliegen der Sommerkurse ist der Austauschund die Kontaktpflege zwischen denMusikern sowie in vielen Fällen das gemeinsameMusizieren. Oftmals bringt der Sommerkursdie Möglichkeit mit sich, mit Musikernauf gleichem Niveau zu musizieren.Hornsommer in Drosendorf an der Thaya. Foto: HornsommerAb in die Ferien! Das Schuljahr ist vorbei,der Urlaub ruft. Doch neun Wochen Ferienfür Schüler und Lehrer bedeuten nicht neunWochen dolce far niente. Dieses Vorurteil istebenso überholt wie jene Behauptung, dasssich die Arbeitszeit von Lehrern lediglichauf die Unterrichtszeit beschränkt.Für viele Musikschüler und -lehrer beginntim Sommer eine Zeit der besonders intensivenMusikausübung: die Zeit der Sommerkurse.Denn wenn andere in den Urlaubfahren, erarbeiten Schüler, Studenten, Lehrerund Dozenten auf zahlreichen Sommerkursenim ganzen Land Programme. Dannfühlt sich zumindest das Rahmenprogrammnach Ferien an, denn der Spaß kommt nichtzu kurz und die Örtlichkeiten – Schlösser,Berge, Seen – lassen Urlaubsstimmung aufkommen.Lernkurse, Naturwissenschaftskurse, Kunstkurse,Theaterkurse und vieles mehr – dasAngebot an Sommerkursen ist vielfältig, soauch für Musiker. Sommerkurse bieten fürMusiker nicht nur eine Weiterbildungsmöglichkeit,sondern stellen oft eine Plattformfür die Begegnung des nationalen und internationalenMusiklebens dar. In erster Liniebieten sie Zeit und Raum, um gemeinsammit Künstlern und Pädagogen als Dozentenein musikalisches Programm zu erarbeiten.Die Arbeit mit Dozenten stellt jedoch keinesfallsKonkurrenz zum Musiklehrer dar,sondern soll vielmehr ergänzend wirkenund neue Impulse und Anregungen für dieIntensives Arbeiten verlangt auch passendeRahmenbedingungen, die die Sommerkursebieten können. Standorte wie Schlösser,Stifte oder Schulen bieten meist optimaleUnterrichts- und Übungsbedingungen sowieOrte der Gemeinschaft oder Platz fürungestörte Konzentration. Oft knüpft an dieMusikkurse ein breites Freizeitangebot an.Ein Abschlusskonzert am Ende eines Sommerkursesbietet für die Teilnehmer einezusätzliche Auftrittsplattform und die Chance,sich zu präsentieren und einen Überblickund Eindruck des (eigenen sowie auch allgemeinen)musikalischen Niveaus zu bekommen.Von der Popfactory …Die Auswahlmöglichkeiten der Sommerkursein Niederösterreich sowie in ganzÖsterreich sind vielfältig und bieten für jedeAltersstufe, jedes Instrument und Niveaugenauso wie für jede Musikrichtung zahlreicheAngebote, die von Volksmusik überKlassik bis hin zu Jazz oder Pop reichen. Jenach Angebot und Schwerpunkt wird derschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Musikschule / 17Fort- und Weiterbildung für Musikschullehrer auf der Fortbildungswoche …… und Musikschüler bei den Streichercamps.Fokus auf bestimmte Inhalte und Abläufegesetzt. So stehen bei Familien- und Kindermusikwochenoft eher das gemeinsameErleben und ein ausgewogenes Freizeitangebotim Vordergrund, während Meisterkursefür Hochbegabte auf die Arbeit mit denDozenten fokussieren. Neben zahlreichenKursen im großen Bereich der Klassik, wieAllegro Vivo, Austrian Master Classes oderdie Altenburger Musikakademie, ergänzenzahlreiche alternative Sommerkurse dasgroße Angebot. Auch die Volksmusikantenkommen auf ihre Kosten. Gesungen, musiziertund getanzt wird beispielsweise auf dertanz&MUSIKwoche oder der MostviertlerMusizierwoche. Jazz-Workshops und -Weiterbildungenfür Instrumentalisten und Sängergibt es etwa bei der Jazz Tulln, demJazzseminar Schönbach oder der NÖ Jazzakademieim Schloss Zeillern. Die Popfactoryin St. Pölten bietet jungen Popularmusikerndie Chance, eine Woche lang mit erfahrenenMusikern am musikalischen Könnenund dem Bühnenauftritt zu arbeiten. InGroßrußbach im Weinviertel veranstaltetdie Vokalakademie Niederösterreich Singwochenfür Kinder und Jugendliche.… bis zum HornsommerNeben den Sparten wird auch auf einzelneInstrumentengruppen gesondert eingegangen.Das Musikschulmanagement Niederösterreichbietet mit den Streichercampspiccolo und piccolino eine besondere Förderungfür junge Streicher. NiederösterreichsHolz- und Blechbläser und Schlagwerkersind auf den Musikwochen des NiederösterreichischenBlasmusikverbands (NÖBV)gefragt oder haben die Möglichkeit, einen„Bläserurlaub“ in Bad Goisern anzutreten.In Drosendorf an der Thaya steht gar eineinziges Instrument im Zentrum des Interesses:das Horn. Der Workshop richtet sichan alle Hornbegeisterten ab dem elftenLebensjahr und wird organisiert und geleitetvon Peter Hofmann, Hornist und Musikschullehrerin Staatz und Poysdorf. Auch invielen anderen Fällen befinden sich Musikschullehrerim Sommer in einer anderenRolle, als Dozenten bei Kursen oder Referentenbei Fortbildungen. Einen anderenWeg geht Martin Schwarz – und veranstaltetfür seine Gitarrenklasse an der J. G. AlbrechtsbergerMusikschule der Stadt Klosterneuburgeine eigene Musikwoche. GemeinsamesMusizieren, Proben und natürlichjede Menge Spaß heißt es Ende August,wenn Martin Schwarz mit seinen Schülernauf Musikwoche fährt. Das Resultat fasst ertreffend zusammen: „Was diese Wochebringt? Den Schülern: Einen Schub nachvorne beim Entwickeln ihrer instrumentalenFähigkeiten, das Erlebnis des gemeinsamenMusizierens in einer sie schützenden,stützenden und fordernden Gruppe, einigenSchülern sehr viel Schwung in das neueLernjahr und natürlich neue Freundschaften.Dem Lehrer: eine intensive Vorbereitungszeit,da alle Stücke den individuellenMöglichkeiten entsprechend arrangiert undeingerichtet werden wollen, ein paar graueHaare mehr beim Proben und – das vorallem – das beglückende Gefühl, junge Menschenzu einem erfüllenden Musizierengebracht zu haben.“ /Text: Katharina HegersommERKurse———————————————————Mo, 8.–Do, 11. 7. 2013Streichercamp piccolinoFür Streicher zwischen 8–12 JahrenLandwirtschaftliche Fachschule Edelhof,3910 ZwettlInformationMusikschule Bisamberg/Leobendorf/Enzersfeld, Tel. 02262 66142office.musikschule@leobendorf.atwww.ms-bisamberg-leobendorf.at_So, 7.–Sa, 13. 7. 2013Streichercamp piccoloFür Streicher zwischen 10–14 JahrenJUFA Waldviertel, 3820 Raabs/ThayaInformationFranz Schmidt Musikschule der MarktgemeindePerchtoldsdorf, Tel. 01 86543 77musikschule@perchtoldsdorf.atwww.ms-perchtoldsdorf.at_So, 25.–Fr, 30. 8. 2013FortbildungswocheFür NÖ MusikschullehrerInnen undInteressierteSchloss Zeillern, 3311 ZeillernNachmeldungen bis 5. August möglich!InformationTel. 02742 90666-6112elisabeth.kriechbaumer@musikschulmanagement.atEine Übersicht über alle Sommerkursefinden Sie im Bereich Pädagogik aufwww.musikschulmanagement.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Musik / 18NÖ VolksmusikwettbewerbVOLKSMUSIK macht SPASSRund 150 Musikschüler stellen sich jährlich einer Jury, die eine besondere Stärke des Wettbewerbsdarstellt, denn alle Mitglieder sind hochkarätige Musiker und Größen aus der Volksmusikszene,die den Musikschülern Tipps und Impulse geben.Hohes Niveau und Spielfreude beim Volksmusikwettbewerb 2013.Dirndln und Lederhosen, wohin das Augereicht. Junge Musikanten tummeln sich inder Aula des Bildungszentrums Leobendorf,aus den Räumen dringen bekannte Melodien– der NÖ Volksmusikwettbewerb ist invollem Gange. Mitten unter den Musikanten:das „Klangwerk Wienerwald“, achtjunge Musikerinnen und Musiker aus demWienerwald. Miriam, Laura, Nikolaus, Hannah,Charlotte, Sebastian, Tamara undBernd werden an drei verschiedenen Musikschulen,im Privatunterricht und an derKonservatorium Wien Privatuniversitätunterrichtet. Eines haben sie jedoch gemein:Sie alle haben an der tanz&MUSIKwoche2012 teilgenommen. Einige von ihnen warenbereits zum fünften Mal dabei, andere zumersten Mal, als vorigen Sommer klar wurde:„Wir müssen zusammenspielen!“ Das Vorhabenwurde bald umgesetzt, Unterstützungfand man bei den MusikschullehrernSaverio Ruol Ruzzini und Sandra Stini, diemit dem Ensemble probten.Klassik, Jazz, Klezmer – ihre musikalischeVielseitigkeit stellen die Musikschüler beizahlreichen Auftritten und anderen Wettbewerbenwie prima la musica, Tanz imGespräch oder PODIUM.JAZZ unterBeweis. Warum Volksmusik? Die Zugängeschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Musik / 19Bildtext: tanz&MUSIKwoche in Hollenstein/Ybbs. Foto: Fachschule Unterleitender Musiker sind unterschiedlich – unddoch sind sie sich einig: Volksmusik machtSpaß! Denn „die Lieder gehen ins Ohr unddie Atmosphäre ist angenehm – man fürchtetsich nicht einmal vor dem Auftritt“,beschreibt Tamara. „Ein zusätzlicher Bonusist die coole Besetzung“, klingt die Begeisterungaller heraus. Tatsächlich ist das KlangwerkWienerwald eines der größten Ensemblesbeim Wettbewerb.Die Volksmusik lebt …… und ist aktueller denn je – das wird beimNÖ Volksmusikwettbewerb deutlich demonstriert.Rund 150 Musikschüler stellensich jährlich einer Jury, die eine besondereStärke des Wettbewerbs darstellt, denn alleMitglieder sind hochkarätige Musiker undGrößen aus der Volksmusikszene, die denMusikschülern Tipps und Impulse für dieweitere Arbeit geben. Wie wichtig die Volksmusikund das gemeinsame Musizieren fürdie musikalische Entwicklung sind, betontDorli Draxler, die den Juryvorsitz beimWettbewerb inne hat: „Die Volksmusik istdie Grundlage für das gesamte Musikschaffen.“An zwei Wettbewerbstagen wird inLeobendorf um die Wette gesungen undmusiziert, die besten Beiträge werdenschließlich in zwei Preisträgerkonzertenpräsentiert.Eine Woche VolksmusikNoch mehr Volksmusik gibt es für die Preisträgerdes Wettbewerbs bereits im Sommer.Die tanz&MUSIKwoche findet jährlich imJuli statt, dazu eingeladen sind Tänzer, Sängerund Musikanten, Familien, Kinder,Jugendliche und Erwachsene. Stipendien fürdie Woche erhalten die ersten Preisträgerdes Volksmusikwettbewerbs als Sonderpreis.Gestartet wird der Tag mit einem musikalischenWecken mit Dudelsack, das gemeinsameSingen und Tanzen in der Früh sollwach machen und Energie für den Tagbringen.Hauptprogramm sind zwei Seminarblöckeam Vormittag und Nachmittag, bei denendie Teilnehmer mit Unterstützung der Referentenim Ensemble Stücke einstudieren –gespielt wird vorzugsweise auswendig. DasKlangwerk Wienerwald fand im Vorjahr soseinen Ursprung in der zufälligen Zuteilungzu Julia Lacherstorfer, die sie als Referentinbetreute. Besonderes Highlight neben derösterreichischen Volksmusik war für dieMusiker des Ensembles auch das Einstudierenirischer Weisen.Was wäre die Volksmusik ohne offenesMusizieren und Tanzen? An den gemeinsamenAbenden wird frei „drauflos musiziert“.Krönenden Abschluss der tanz&MUSIKwoche bildet der Abschlussabend, andem alle Ensembles gemeinsam mit ihrenReferenten die Früchte ihrer Arbeit präsentierenund ein erarbeitetes Stück vortragen.Der Abend mündet in ein offenes Fest, dasdie Woche mit viel Musik und Tanz gemütlichausklingen lässt.Das Klangwerk Wienerwald begeistertebeim Volksmusikwettbewerb mit einem hervorragenden2. Platz die Jury und beim anschließendenPreisträgerkonzert mit einemHarfen Boarischen auch das Publikum.Genug Motivation für die tanz&MUSIKwoche 2013, bei der sie wieder als Ensembledabei sein werden … /Text: Katharina HegerINFORmatiON———————————————————So, 7.–Sa, 13. 7. 2013tanz&MUSIKwoche 2013Für Musikanten, Tänzer und SängerFachschule Unterleiten3343 Hollenstein/Ybbs, Dornleiten 1Herzliche Einladung zum Abschlussabendder tanz&MUSIKwocheam Fr, 12. 7. 201319.00 Uhr: Andacht20.00 Uhr: AbschlussabendInformationTel. 02732 85015 23 oder 0664 8485352birgit.bosch@volkskulturnoe.atwww.volkskulturnoe.at_Sa, 16. 11. 2013, 18.00 UhrJunge MeisterDie Preisträger des Volksmusikwettbewerbs2013 präsentieren ein ausgewähltesProgramm im Haus der Regionen.Haus der Regionen3504 Krems-Stein, Donaulände 56VVK: EUR 8,00 / AK: EUR 10,00Freie Platzwahl!InformationTel. 02732 85015ticket@volkskultureuropa.orgschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Mostviertel / 20GoldhaubenGOLD & GEDULDMitte August treffen sich die Goldhaubengruppen zur traditionellen Wallfahrt. Viel Zeit, Geduld und Liebesteckt in einer Goldhaube. Und jede Menge Goldflitter und Goldgespinst.schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Mostviertel / 21Goldhaubenwallfahrt in Göstling an der Ybbs, 2011.In den Schraubdeckeln der Marmeladegläser,ausgelegt mit rotem Stoff, glitzert es.Darin liegen goldene Pailletten und Tropfen,Perlen, Sternchen und allerlei filigranesGespinst. Das ist das Material, aus dem dieGoldhaube besteht. Grete Hammel, Obfrauder Goldhauben-, Perlhauben-, KopftuchundHammerherrengruppen der Eisenwurzenund des Mostviertels, hat den Inhaltihrer Nähladen am Tisch ausgebreitet. Daskostbare Material wird grammweise gekauft.Die Trachten- und Goldhaubenreferentinder Volkskultur Niederösterreich schneidert,näht, stickt, sie fertigt Klosterarbeitenan, bemalt Bauernkästen, drechselt u. v. m.Sie stammt aus einer Handwerksfamilie. DerVater war Drechsler, und Grete Hammelwollte schon immer „alle Fertigkeitenbeherrschen und hat als Damen- und Herrenschneideringearbeitet. „Mein ganzesGeld“, sagt sie, „habe ich in Weiterbildunggesteckt.“ Viele Wochenenden und Urlaubstagewurden in Kursen verbracht. Ihre Mentorinund Lehrerin in Sachen Gold- undSchwarzhaube war Therese Gintersdorferaus Garsten in Oberösterreich.Die Hauben entwickelten sich aus demKopftuch, das verstärkt, gebunden und mitNähten versehen wurde. Die Bänder-, Flügel-und Radhauben waren Teile der bürgerlichenTracht. Am bekanntesten ist diekunstvoll verzierte „Linzer Goldhaube“, dieals Typ ihre Verbreitung von Ulm über dieWachau bis Wien, im Steyr-, Krems- undAlmtal, im Mostviertel bis nach Graz, Klagenfurtund Villach fand.Die Goldhauben wären nach dem ZweitenWeltkrieg wohl in Vergessenheit geraten –„viele hatten sie in Kriegs- und Besatzungszeitin Fässer bewahrt und vergraben“,erzählt Grete Hammel –, hätten die Frauenaus Gresten nicht ihre Goldhauben aufgesetztund ein Foto an die Organisatorin desOpernballes, Christl Schönfeldt, geschickt.Daraufhin wurden sie eingeladen, ihreGoldhauben am Opernball zu präsentieren.Ein Jahr darauf, 1957, fand die erste Goldhaubenwallfahrtstatt. Traditionell wird siezu Maria Himmelfahrt am 15. August abgehaltenund findet heuer in Wallsee-Sindelburgstatt. Zu einer Goldhaubengruppekönne man beitreten, wenn man eine Haubehabe, erklärt die Obfrau. 600 Haubenträgerinnengibt es in Niederösterreich, vorwiegendim Mostviertel und in der Wachau, inOberösterreich sind es 18.000.„Rossgeld“Goldhaubensticken übten früher zumeistgewerbliche und spezialisierte Haubenmacherinnenaus. Die Haubenmacherinnannte sich auch Putzmacherin. Eine Haubekoste ein gutes „Rossgeld“, hieß es, also denPreis eines Pferdes. Viele Frauen tragen einübernommenes Erbstück oder – denn werhat schon ein Ross zu verkaufen – fertigendie Goldhauben, angeleitet von Fachfrauenwie Grete Hammel, selbst an.Die Goldhaube wird auf einem ca. 16 mal116 Zentimeter goldgewebten Band gestickt,das in einem Stickrahmen fixiert ist. Aufdem Band wird die gezeichnete Mustervorlagegelegt. Einen Karton voller Mustervorlagenfand Frau Hammel auf einem Flohmarkt.Nun liegen am Arbeitstisch vonGrete Hammel die Schraubdeckel mit denverschieden starken Gespinstfäden, mit vergoldetemFlitter, Perlen und Folien. Flitterist das, was unter Bastlern als Paillettenbekannt ist. Folien haben die Form vonBlümchen und Blättchen, von Ähren undSternen. Um diese auf die Unterlage zunähen, müssen zuvor Löcher gestanzt werden.schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Mostviertel / 22Hammerherren, Schwarz- und Goldhaubenträgerinnen in Göstling an der Ybbs.Die Bodenhauben der Mädchen sind die Grundform …Die Gespinstfäden in verschiedener Stärkekönnen zu einer Kordel gedreht sein. Ist einFaden davon matt und einer glänzend, ergibtdas das Glitzern einer Kordel. Das Aufwändigsteaber ist die Verarbeitung der Kantillen:feinste spiralig gedrehte Golddrähte.Von der Kantille werden – je nach Mustervorlage– passende Stücke abgemessen undzurechtgeschnitten; die einzelnen Stücke aufeine Nadel gezogen und mittels eines dünnenFadens aufgenäht. Kantille neben Kantillegenäht ergibt dann das gewünschteMuster – eine Blume, einen Paisley-Tropfen,ein Ornament. Anschließend werden dieMuster mit einem dickeren Gespinstfadenumrandet, um saubere Kanten zu erzielen.„Neun Jahre dauerte die Ausbildung zurStickerin“, so Frau Hammel.Kombiniert mit Folien, Flitter und Perlenentstehen auf dem Goldgewebe floraleMeisterwerke, Girlanden aus Blattwerk mitÄhren und Trauben, Blumen und reichemSchnörksel. „Motive und Technik derGoldstickerei müssen mit der zeitgenössischenParamentstickerei, mit den prächtigenAuszierungen der Armeeuniformen,mit den zahlreichen Vorlagen der Frauenzeitschriftendes 19. Jahrhunderts und mitKlosterarbeiten in Zusammenhang gebrachtwerden“, schreibt Thekla Weissengruberin „Alte Hüte“ (Christian BrandstätterVerlag, 2009).„Nicht auf die Zeit schauen“Wenn sie zu Sticken beginne, schaue GreteHammel prinzipiell nicht auf die Zeit. Dieseist so und so nicht bezahlbar. In einer Goldhaubestecken 300 bis 400 Arbeitsstunden.Das Schwierigste – und da zeige sich danndie wahre Meisterschaft – sei der Knauf. DieMostviertler Haube, die im Typ eine LinzerHaube ist, hat am Hinterkopf einen Flügelund am Scheitel den Knauf. Dieser benötigt80 bis 100 Arbeitsstunden. Der Knauf istvorerst ein T-förmiges Stück aus gelbemSeidenstoff. Dann werden mit einem SkalpellFormen aus einem Filz geschnitten unddiese mit Seidenstoff überzogen. Die Filzschnörkselergeben den Körper des Knaufs,der mit der Goldstickerei bedeckt wird. FrauHammel rät Anfängerinnen, mit einerSchwarzhaube zu beginnen. Diese wird aufeiner Spitze gestickt und die Stickerei folgtdem Muster der Spitze. Besetzt ist dieSchwarzhaube mit Jett und roten Granaten.Für die Form und Stabilität der Haube ist einDrahtgestell verantwortlich, auf das dasBand gespannt und der Knauf angenähtwird. Zum Abschluss wird eine schwarzeSpitzenschleife, die mit Draht verstärkt ist,angebracht. „Man kann sie ruhig anfassen,sie sind stabil“, sagt Frau Hammel zu Gästen,die sich den Goldhauben ehrfurchtsvollnähern. Und wenn sie gut passen, dann sitzensie auch ohne Spangen fest am Kopf. /Text: Mella Waldstein… zahlreicher Hauben österreichischer Frauentrachten.GOLDHAUBENWALLFAHRT———————————————————Do, 15. 8. 2013Wallsee-Sindelburg8.45 Uhr Eintreffen der Wallfahrer, Aufstellungvor dem Haus Pachlehner9.30 Uhr Festgottesdienst, musikalischeGestaltung: Kirchenchor Wallsee-Sindelburg,anschließend Kräutersegnung, festlicherAusklang am Kirchenplatz mit derGoldhauben-Tanzgruppe Göstling/Ybbs,Volkstanzgruppe Wallsee-Sindelburgschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Mostviertel / 23JakobisingenHALBZEIT FEIERNEingebettet in das Festival „wellenklaenge“ gibt es auf der Seebühne von Lunz am Seebeim Jakobisingen feine Volksmusik zu hören.JAKOBISINGEN———————————————————So, 21. 7. 2013, 18.30 UhrSeebühne3293 Lunz am SeeSeestraße 28jung & frisch aus Tirol mit Maria Schnegg, Katharina Kuen und Anna Rausch (v. l. n. r.). Foto: z. V. g.Ist einmal Jakobi da, ist die Hälfte der Almzeitauch schon wieder vorbei. Am 25. Juli,am Namenstag von Jakobus dem Älterenund ersten Jünger Jesu, war früher einmalein Großteil der Heuernte eingebracht. AlsoGrund und Zeit, um etwas auszurasten undauf der Alm beim Vieh Nachschau zu halten.Auf manchen Almen gibt es heute noch amSonntag vor oder nach Jakobi einen Almtanzoder Kirtag. Warum also an so einemtraditionellen Termin nicht auch ein Jakobisingenauf der Seebühne am Ufer desLunzer Sees? Für Zuseher und Mitwirkendekönnte der Ort nicht stimmungsvoller sein,wenn sich die prächtige Bergkulisse vonScheiblingstein und Hetzkogel im Scheinder untergehenden Abendsonne im glasklarenGewässer des Bergsees spiegelt. Dazuhat sich die Zusammenarbeit der Organisatorendes Festivals „wellenklaenge“ und derVolkskultur Niederösterreich bestensbewährt und bewiesen, dass in einem Festivalfür zeitgenössische Musik auch die Traditionihren Platz hat. So haben in den Jahrenbisher namhafte Chorgruppen, ausgezeichneteGesangs- und Instrumentalensemblesaus allen Bundesländern und demumliegenden Ausland die Besucher begeistert.Mit Sicherheit auch heuer wieder, wenndie Mollner Maultrommler, jung & frischaus Tirol, die Tannkoppnmusi aus dem Pongauund der Donnersbacher Viergesang ausder Steiermark alpenländische Musiktraditionin ihrer wunderbaren und breiten Vielfaltzu Gehör bringen werden. /Text: Hans SchagerlWeisenbläser St. Georgen am ReithDonnersbacher Viergesangjung & frischDas Tiroler Trio tritt seit 2006 gemeinsamauf. Besetzung: Katharina Kuen(Steirische Harmonika, Gesang), AnnaRausch (Steirische Harmonika, Gesang,Geige), Maria Schnegg (Harfe, Gesang).Mollner MaultrommlerIm oberösterreichischen Ort Molln wirddie Maultrommel schon seit über 350Jahren hergestellt. Manfred Rußmannkommt mit seiner Gruppe weit in derWelt herum, bringt von solchen Gastspielenimmer Neues mit und weiß auch vielInteressantes zur Geschichte der Maultrommelzu erzählen.TannkoppnmusiAus Eben im Pongau stammt die Tannkoppnmusi.Zwei Mädchen und vierBurschen lassen höchst professionell diePongauer Volksmusik hochleben. Siespielen mit drei Klarinetten, Harmonika,Harfe, Bassgeige oder Posaune.Karten: EUR 14,50www.volkskulturnoe.atwww.wellenklaenge.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Brandlhof / 24Weinkultur & SommerfestUNTER EinEM GUTEN STERNDie Bewahrung der Hüterhütten und die Tradition der „Hiatastangen“ wird in vielenWeinbaugemeinden hochgehalten – so auch in Radlbrunn.Sichtbares Zeichen und Unterkunft der Weingartenhüter, die die kostbaren Trauben bewachten: Hiatastange bei der Hiatahütte am Galgenberg, Radlbrunn. Foto: AichingerVereinzelt sieht man sie noch, kleine einfacheHütten, schmucklos stehen sie in denRieden, gewähren einen guten Überblick aufdie umliegenden Weingärten. Im Idealfallsind sie weiß gekalkt. Sie erinnern den Passantenan eine Gemeinschaft und derenGepflogenheiten, die heute bereits verschwundensind: die Weingartenhüter. Eineausgestorbene Berufsgruppe, deren Rechteund Pflichten seit Jahrhunderten tradiertwaren. Als sichtbares Zeichen sind die Hüttenübrig geblieben. Und so mancher Weinbauverein,so manche Dorf- oder Stadtgemeinschaftpflegt den einen oder anderenBrauch, der mit ihrer Arbeit verbunden war.Aus dem Jahr 1340 ist belegt, dass die KremserWeinhauergemeinde ihre „hueter“ selbstwählte, auch aus Würflach (Bezirk Neunkirchen)ist bekannt, dass die Hauer „einenguten man“ für dieses Amt wählten. Hüterordnungensind erst aus dem 18. Jahrhundertbekannt. Zwischen Jakobi (25. Juli) undLaurenzi (10. August) bezogen die Hiata –wie sie wohl im Weinviertel genannt wurden– in besagten Hütten Quartier und wachtennun bis zum Ende der Lese darüber, dass dieverbotenen Wege nicht betreten wurden.HüterordnungIn den „Vorschriften hinsichtlich der Hütungder Weingärten“ aus dem Jahr 1847 wurdegleich eingangs festgehalten, dass es darumging, „die Weingartenbesitzer in ihremEigenthume angemessen zu schützen“. Inschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Brandlhof / 25Hiatastange mit Kränzen geschmückt; Wermut gegenKrankheit und Rausch, Trauben für die Fruchtbarkeit,Radlbrunn 1988. Foto: BürgmayrDer Hiatakranz wird bei einem feierlichen Umzug seiner Bestimmung am Weinberg übergeben,Radlbrunn 1957. Foto: Leo Baringerden Hüter-Instruktionen wurde als Erstesfestgehalten, dass „derjenige Hüter, welcherwährend dieser Zeit in einem Gasthausangetroffen wird, sogleich entlassen undjeden Anspruch auf eine Entlohnung für diebereits vollstreckte Hutzeit verliert; auchderjenige Hüter, welcher während der Nachtschlafend auf seinem Posten getroffen wird,verliert den Anspruch auf Entlohnung undwird ebenfalls entlassen.“ Traubendiebstählesollten sofort am Bürgermeisteramt angezeigtwerden, dennoch wird den HüternGelassenheit und Höflichkeit gegenüberdem „Publikum zur Pflicht gemacht“.Die Anwesenheit der Hiata wurde mit demAufstellen der Hiatastange, des Hiatabaumsoder, wie aus älterer Zeit belegt, der Hutsäuleim volksrechtlichen Sinn kundgetan.Schon 1394 ist dies für Weißenkirchen inder Wachau belegt, 1565 hat der Rat vonEggenburg die Hüterstange bei Gauderndorfaufstecken lassen. Das Aussehen dieserHüterstangen richtete sich nach lokalenGegebenheiten, meist handelte es sich umeinen entrindeten oder auch nur entastetenBaum, bei dem der zumeist geschmückteWipfel stehengelassen wurde. In vielen Fällenwurde dafür eine Föhre verwendet. DerSchmuck konnte aus Kränzen, geflochtenenHerzen oder „Sonnenscheiben“ bestehen.Vom Schmidatal hinauf bis in den südmährischenRaum war es üblich, auch dieLeidenswerkzeuge Christi – aus Holzspänennachgeformt – und den Hahn des Petrus amStamm anzubringen. Die für Sträuße undKränze verwendeten Pflanzen und Kräutersollten vor allerlei Unbill schützen, so verwendeteman Johanniskraut als Schutzgegen den Blitz, Wermut gegen Hexen,Krankheit und Rausch. Und die ersten Trauben,mit denen die Hiatastange geschmücktwar, sollten die Fruchtbarkeit und den gutenErtrag beschwören.Hiatastange am GalgenbergMit der Entwicklung eines Bewusstseins fürdie Erhaltung einer Kulturlandschaft erinnertman sich auch wieder alter Traditionen.In jüngerer Zeit wurden die Hohlwege, ökologischeund landschaftliche Paradiese inder Weinviertler Landschaft, wieder hergestellt.Schon in den 1980er Jahren wurde dieHiatahütt’n am Galgenberg renoviert, derBrauch wurde wieder aufgenommen, beimReifwerden der Trauben die Hiatastangeaufzustellen, die Hütte bleibt zur Zeit derHut dennoch unbewohnt. Diese Traditionenlassen uns im Arbeitsalltag inne halten. Mannimmt sich wieder Zeit, das Flechten desHerzens mit Wermut braucht Zeit und mannimmt seine Umgebung wieder bewussterwahr. Denn wer weiß schon auf Anhieb, woder Wermut zu finden ist? Er wächst übrigenswild auf Gstätten. Und es braucht auchein bisschen Zeit, durch den Hohlweg in dieWeingärten hinaufzugehen, um den Anblickunserer einzigartigen Kulturlandschaft zugenießen. /Text: Eva ZeindlSchätzen die Atmosphäre am Brandlhof: LandeshauptmannDr. Erwin Pröll und Bezirkshauptmannvon St. Pölten Mag. Josef Kronister. Foto: LackingerWEINKultuR & SOMMERFEST———————————————————So, 28. 7. 2013WEIN-Sommerfest im Brandlhof3710 Radlbrunn 24Programm9.30 Uhr: Gottesdienst im BrandlhofAnschließend Aufstellen der Hiatastangebei der Hiatahütt’n am GalgenbergAb 13.00 Uhr: Wein, kulinarische Schmankerlund Musik vom Kleinen Plattensee(Westungarn) und aus den WeinbaugebietenCarnuntum und SchmidatalInformationTel. 0664 8208595 (Eva Zeindl)www.volkskulturnoe.at/brandlhofschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Waldviertel / 26VolkstanzTANZBODENSTURMSeit über 30 Jahren wird das Waldviertler Volkstanzfest gefeiert. Am 21. Juli 2013 in Litschau.Dennoch haben sich schon in der Zwischenkriegszeit,wie es wörtlich heißt, „Musikerals Bauernkapelle verkleidet“; es kam auchzur Gründung von Volkstanzgruppen, nichtallein in der Stadt, wo beispielsweise derSchuhplattler als reiner Vereinstanz innoviertwurde und sich Straßenbahner undArbeiter „verkleideten“ und in „Trachtenerhaltungsvereinen“eine heile Wunschweltungebrochener Volkstümlichkeit auflebenließen.Alljährlich in einer anderen Gemeinde zu Gast: das Waldviertler Volkstanzfest.Zu den Ausdrucksformen landschaftlichund brauchtümlich geformter Kultur gehörtauch der Volkstanz. Hier zeigt sich ein interessantesund gut durchforschtes Phänomendes gegenseitigen Kulturaustausches, dasseinfaches Volk einerseits und Adel und Bürgertumanderseits einander gegenseitigbefruchteten. Motive des Gesellschaftstanzesfanden verändert und vielleicht vereinfachtEingang in die Volkskultur, wieetwa die „Scharutscha“ in der BuckligenWelt, während vor allem der Wiener Walzer,den wahrscheinlich Donauschiffer durchdie Wachau in die Residenzstadt brachten,zum Inbegriff eines ganzen bürgerlichenZeitalters wurde.Zeugnisse für reinen Männertanz im Sinneeines Schwerttanzes finden sich zu Langenloisbereits aus der Renaissancezeit. DerTanz um die Linde war beispielsweise inSt. Wolfgang bei Weitra vor 1900 verbreitet.Brauchtümliche Anlässe im gesamten Waldviertelwaren auch die „Rockatanz“ alslustiger Abschluss des Zusammenkommensmit dem Rocken, also des Spinnens, diemit ihren Tänzen und Spielen auch um1970 eine folkloristische Wiederbelebungerfuhren. Viele Sagen handeln davon, dassübereifrige Tänzer den zu heiligenden Sonntagnicht einhielten und dafür diese mitihrem Heimatort spurlos versanken.Wechselseitig bedingten einander auchVolkstanzpflege und Tanzaufzeichnung. DerTanz war ursprünglich Teil der Festbräuche,und Volkslied und -tanzforscher RaimundZoder schreibt richtig, es gäbe bei Brauchund Tanz nur Mitwirkende und keine Zuhörer.Das ist Folklorismus, das zweite Leben fürnunmehr nicht an Ort und Anlass gebundeneTanzformen und die Herausarbeitung vonSchauseite und Vorführgehabe, was aberdurchaus positiv zu bewerten ist. Im Zugedieser Neubesinnung und steigenden Wertschätzungfür den Volkstanz kam es auch imWaldviertel zu schönen Aufzeichnungen,vom Siebenschritt in Thunau über den Schottischaus Gmünd und den „Eckerischen“ ausdem Yspertal zum „Schönbacher Landler“und dem „Linsatputzer“, der die Arbeit desReinigens des „Leinsamens“, also der Samendes Flachses, tänzerisch nachahmt. Dass der„Eckerische“ mit seinem selbstbewusstenAufstampfen und Klatschen der Burschen,dem werbenden Drehen der Tänzerin unddem harmonisch vereinenden Walzer besondersbeliebt beim allgemeinen Volkstanzenaller Teilnehmer ist, zeigt deutlich, dass er inseinem „zweiten Leben“ in den Volkstanzgruppenden Namen „Tanzbodensturm“bekommen hat, eben, weil er so beliebt istund stürmisch verlangt wird.Landjugend und Volkskultur Niederösterreichnehmen sich seit über 30 Jahren inschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Waldviertel / 27HandwerksmarktMIT HANDUND HERZDer „2. Schönbacher Korb- & Handwerksmarkt XL“ präsentiert35 Handwerker und ihre Fertigkeiten.vorbildlicher Weise um die Volkstanzpflegean – und das Interesse steigt andauernd.Volkstanzbewerbe wurden auch etwa in dieWaldviertler Dorfspiele aufgenommen,Volkstanzgruppen prägen lokal den Erntedankund neuestens den Dirndlgwandsonntagim September. 1982 setzte die Erfolgsserieder Waldviertler Volkstanzfeste ein.Nun steht am 21. Juli in Litschau das 32. WaldviertlerVolkstanzfest auf dem Programm,verbunden mit dem „Tag der jungen Tracht“.Aus Litschaus Grenzlage heraus liegt esnahe, auch die Nachbarn einzubeziehen,und daher wirkt aus Südböhmen die Folklore-und Volkstanzgruppe von Práchen, seit1949 bestehend, die sich traditionell auf denDudelsack spezialisiert hat, mit. Auch sie hatübrigens Lieder und Tänze vom Flachs. Daswiederum zeigt die ähnlichen wirtschaftlichenund kulturellen Gegebenheiten imRaum Waldviertel und Südböhmen. /Text: Andreas Teufl32. WALDVIERTLERVOLKStanzFEST———————————————————So, 21. 7. 2013, Litschau13.30 Uhr: Treffpunkt der Gruppen amBusbahnhof14.00 Uhr: Festzug am HauptplatzAuftanz: Eckerischer, Eiswalzer, KrebspolkaGastensemble: Tanzgruppe Prácheň ausStrakonice/BöhmenInformationLandjugend, Tel. 050 2592 -6300johannes.fitzthum@lk-noe.atTextile Fertigkeiten – Waldviertler Kernkompetenzen von einst werden am Handwerksmarkt vorgeführt.Foto: Erlebnismuseumsverein SchönbachPassend zu einem Wallfahrtsort wie Schönbachim Waldviertel ist die Geschichte desungläubigen Thomas: Was er nicht sieht, dasglaubt er nicht. Diese Form der Überlieferungaus dem Neuen Testament gilt heute auch fürdas alte Handwerk, jedoch in abgewandelterForm: Was man nie gesehen hat, kann mansich auch nicht vorstellen. Daher setzt Schönbachauf Handwerkskompetenz.Seit mehr als zwölf Jahren versucht der ErlebnismuseumsvereinSchönbach mit seinemObmann Franz Höfer mittels Kursen, dasBewusstsein rund um das alte Handwerk wiederzu beleben, was auch anschaulich gelingt.In den Kloster-Schul-Werkstätten und derErlebniswerkstatt zeigen und informierenrund 35 Handwerkerinnen und Handwerkeraltes Handwerk und dessen Einsatz in derheutigen Zeit. Eine Auswahl: Brunnenröhrenbohren, Holztram hacken, Körbe flechten,Seifen sieden, Keramikmalerei, töpfern, drechseln,spinnen, weben, filzen, schmieden, Seiledrehen, Schindel machen, Wagnerei, Ziegelerzeuger,Hinterglasmalerei u. v. m. Der MusikvereinRaxendorf, die Echsenbacher Kirtagsmusisowie die Schönbacher Strohhuatbuamsorgen auf der Festbühne für die musikalischeUmrahmung. /2. SCHÖNBACHER KORB- &handWERKSMARKT XL———————————————————Mi, 15. 8. 2013, 9.00–18.00 UhrErlebnismuseumsverein Schönbach3633 Schönbach 2Tel. 02827 20777 oder 0664 1546470www.handwerk-erleben.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Bücher, CDs & feine Ware / 28AuslageBIERMÖSL BLOSN—————————————————————Tokio – Kapstadt – HausenEUR 19,90Verlag Kein & Aberwww.keinundaber.chIn bunten Bildern und Geschichten erzählt dasgroße Roadbook der Biermösl Blosn den Werdegangeiner bayerischen Institution. Durch dieSichtweisen von vielen mehr oder wenigeraußenstehenden Zeitzeugen und Kollegen entstandein buntes Bild, welches die Gesellschaftvon der Biermösl Blosn hatte und hat. Dabeihatten auch die drei Biermösls selbst einen Heidenspaß,diese 35 Jahre noch einmal in ihrenKöpfen Revue passieren zu lassen. Sie schautenin den Spiegel und durchlebten ihre Entwicklungenvon der Pubertät bis ins leicht angegrauteAlter noch einmal, vom ersten Anfang in derKleinkunstbühne bis zum Auftritt zum Punkkonzertmit den Toten Hosen. Mit Beiträgenvon: Alfred Biolek, Dieter Dorn, Gerhard Polt,Georg Ringsgwandl, Gerhard Schröder, Gloriavon Thurn und Taxis, Die Toten Hosen, OttoWaalkes, Konstantin Wecker u. v. a. /MARtin HOLZER——————————————————————Ein steirischer Volkssänger ausNeuberg an der MürzEUR 25,00 (Buch & CD)Erhältlich u. a. überwww.steirisches-volksliedwerk.at„Wenn man nach Neuberg an der Mürz kommtund in den Gasthof Holzer einkehrt, kann manmit etwas Glück einer steirischen Musiklegendebegegnen.“ Das sind die einleitenden Worte desvon Georg Frena zusammengestellten Buchesüber den Volksliedsänger und Zitherspieler MartinHolzer. Der Werdegang, vom schuhlosenBergbauernbub zu einer Volksmusiklegende undzum Gastwirt, ist untermalt von Bildern ausdem Familienarchiv. Anlässlich des 90. Geburtstagsvon Martin Holzer am 12. August 2012 entstanddas Buch als Freundesgabe. Die Tonaufnahmender beiliegenden CD mit 33 Titeln sindeine erlesene Auswahl der authentischsten Tondokumentedes legendären Volksmusikmusikanten,welche in den 1990er Jahren für den ORFSteiermark aufgezeichnet wurden. Die Aufnahmenumfassen das Heimatlied „Mein Neuberg“,traditionelle Jodler und Geschichten, womit sichMartin Holzer selbst am besten beschreibt. /ACHTUNG AUFNAHME!——————————————————————Musikschule im Studio: Albert Reiter Musikschuleder Stadtgemeinde Waidhofen/ThayaEUR 10,00Erhältlich über Musikschule Waidhofen/ThayaTel. 02842 53731Mobil: 0664 88 60 54 94musikschule@waidhofen-thaya.atwww.myspace.com/albertreitermusikschuleMusikschule im Studio: Im Schuljahr 2012/13präsentierte sich die Albert Reiter Musikschuleder Stadtgemeinde Waidhofen/Thaya auf eineganz neue Art und Weise. Die von Schülern undLehrern gemeinsam produzierte CD „AchtungAufnahme!“ spiegelt die Vielfältigkeit des musikalischenAngebots der Musikschule und dashohe musikalische Niveau wider. Von „Hey, heyWickie“ über „Blue Bossa“ bis hin zu „BrownGirl In The Ring“ ist für jeden Geschmack undjedes Alter etwas dabei. Neben musikalischenund musikpädagogischen Lernprozessen wardie Intention dahinter auch das Kennenlerneneiner professionellen CD-Produktion und dasArbeiten mit modernster Technik. Musikalischkreativ soll es in der Musikschule weitergehen:Mit dem Erwerb dieser CD unterstützen undermöglichen Sie zukünftige kreative Projekteder Albert Reiter Musikschule Waidhofen an derThaya. /VON DER LIEBE ERZÄHLEN——————————————————————Drachenhaut und RosenmundMärchen von der Liebe – musikalischangereichertvom Duo „Ramsch & Rosen“EUR 18,00Erhältlich überwww.maerchenerzaehler.atDie Liebe lässt sich nicht auf den Punkt bringen,wohl aber in viele Geschichten fassen: vom pfiffig,witzig, absurden oberösterreichischen Volksmärchen„Vom siebenkröpfigen Hansl“ über dierussische Parabel „Vom Kranich und der Reiherin“bis zum dänischen Zaubermärchen „Vonder Königin, die Rosen aß“.Der Oberösterreicher Helmut Wittmann schildertfrisch von der Leber weg in blühenden Bilderndie verschiedenen und seltsamen Spielartender Liebe. Begleitet wird der Märchenerzählervom Duo Ramsch & Rosen, von Julia Lacherstorferund Simon Zöchbauer, die ausgewählteösterreichische Volksmusik einstreuen. Drei derGeschichten werden zweisprachig erzählt: dasVolksmärchen „Von den Liebenden und derKlamm“ zusammen mit Evelyn Mair im munterenitalienisch-österreichischen Wechselspielund „Die Maus, die heiratet“ gemeinsam mitJasmina Maksimovic serbisch-österreichisch.Schlussendlich „Der Niesser“, eine Schelmengeschichtevom Nasreddin Hodscha, zusammenmit Mehmet Dalkilic türkisch-(ober)österreichisch.Im lebendigen Wechselspiel derSprachen sind alle diese Überlieferungenspielerisch leicht verständlich.Herzerfrischend! /schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Bücher, CDs & feine Ware / 29FALCO——————————————————————Lyrics CompleteEUR 19,90Residenz Verlagwww.residenzverlag.atDer (fast) komplette Falco in einem Band! DenRap und die Gelfrisur hat er in den 1980er Jahrensalonfähig gemacht, mit seinen Hits „DerKommissar“, „Rock Me Amadeus“, „Vienna Calling“und „Jeanny“ schrieb er Musikgeschichte.Falco gehört zweifellos in die Kategorie Popstarder Superlative. Die Strahlkraft und Faszinationvon Falcos Liedtexten liegen im Spielerischen, inder Lust an Wortneuschöpfungen – und er giltals erster weißer Rapper sowie Erfinder desberühmt-berüchtigten Manhattan-Schönbrunner-Deutsch.Erstmals erscheint, in Kooperationmit der Schule für Dichtung, das Liedwerk,nein: vielmehr die Lyrik eines Ausnahmekünstlers,der durch mehrsprachige Liedtexte nationaleGrenzen verschwinden ließ. Ein Kultbuch füralle Falco-Fans und Liebhaber von Dichtung derbesonderen Art. Humorvoll, zynisch und sozialkritisch./EISZEIT——————————————————————Marion Schmid, Simon Vollmeyer:Einfach Eis machenEUR 24,99ISBN 978-3-99011-059-1Verlag Styriawww.styriabooks.atWarum eigentlich immer Erdbeer- und Vanilleeis?Warum nicht Rosmarineis? Quitteneis?Lorbeereis? Olivenöleis? Paprika-Honig-Eis?Keine Angst, die Autorin, die in Berlin-Moabitdie „Eisbox“ betreibt, kann’s auch konventioneller:Birnen-, Himbeer-, Ebereschen-, Hollerblüten-,Limetten- und das allseits angesagteJoghurteis. Marion Schmid: „Eis macht glücklich.Und das in jedem Alter – vor dem Eis sindalle gleich. Vielleicht gibt es kaum etwas anderes,was Kleine und Große mehr verbindet.“Das Buch vereint 93 Rezepte von Eis aus Milchprodukten,Eis aus Früchten, Eis mit Blüten undGewürzen, Eis mit Nüssen und aus Schokolade,Eis und Gemüse, Eis mit Alkohol sowie Parfaitsund Sorbets. Verführerisch fotografiert und miteiner kleinen Kulturgeschichte des Eises garniert.Der Sommer kann kommen. /LUSTIGE STREICHE——————————————————————Hermann Härtel: Tanzmusik fürStreicherensembles, Heft 1Partituren und EinzelstimmenEUR 22,00Erhältlich überhaertel@tradmotion.at, Tel. 03127 41962Tanzmusik für Streicherensembles (Faschingsmarsch,Die Stehleiter – Polka Franzé, PrenningerGalopp, s’Ingerl – Geigenjodler, Holzwurmwalzer)einfach auf- und loslegen. Das hat schonlange gefehlt: ein Repertoire für das lustvolleMusizieren in der Musikschule und zu Hause.Mit Heft 1 beginnt der Autor mit der Veröffentlichungseiner Tanzmusik-Kompositionen. Nachschubist also gesichert. Und die „Lustigen Streiche“sind auch eine Einladung an den Schalk,für den im Nacken der Musizierenden immernoch ein Landeplatz reserviert bleiben muss. /weinviertler walzerkönig—————————————————————Michael Staribacher: Josef KricklEUR 12,00ISBN 978-3-902111-48-7Verlag Günther Hofer 2013www.druckhofer.atMichael Staribacher, bekannter Dialektlexikon-Verfasser, hat sich an die Biografie seines Urgroßonkelsgemacht: Josef Krickl (1870–1953) istals Komponist Weinviertler Kirtags- und Tanzmusikallemal wert, dem Vergessen entrissen zuwerden. Wie viele Kapellmeister im Weinviertelist er bei der k.u.k Militärmusik geschult wordenund bringt die Militär- und Wiener Salonmusikum die Strauss-Familie und Josef Lannerins Weinviertel. Gerade im Weinviertel ist dieseTradition in der Blasmusik bis heute nicht abgerissen.Einerseits wird Spurensuche betrieben,wobei auch eine Menge an Fotografien undKriegspost aus dem Ersten Weltkrieg aufgetriebenwerden kann. Damit wird der Kirtagsmusiker,der mit der „Capelle Krickl“ landauf, landabunterwegs ist und als zweites Standbein einekleine Landwirtschaft in Stronsdorf betreibt,sehr plastisch und einfühlsam vorgestellt. Zumanderen wird auch ein Werkverzeichnis präsentiert,das 155 Stücke auflistet und damit versucht,das Oeuvre des Komponisten zu erfassen,von dem es heißt, dass es doppelt so groß gewesensein soll. / Richard EdlHANDGEDRUCKT——————————————————————Der Ausseer Handdruck hat seine Wurzeln nichtdort, wo viele sie vermuten. Seine Tradition entstammtdem großbürgerlichen, städtischen,jüdischen Milieu und wurde von Anna Mautner,der Frau des Heimatforschers Konrad Mautner,1930 begründet. Tochter Anna Wolsey-Mautner:„Durch die geschmacklosen, maschinengedrucktenMuster war es nicht mehr möglich, einanständiges Niveau in der Tracht zu bewahren.“Das änderte sich mit dem Engagement vonAnna Mautner und den alten Holzmodeln, diesie aus der Südsteiermark holte, und als sie eineWerkstatt – vorerst am Dachboden – einrichtete.Nach der Arisierung des Betriebs, der Vertreibungund Emigration in die USA kam AnnaMautner 1946 wieder zurück ins Salzkammergut.Neben der Handdruckerei Mautner, heutegeführt von Martina Reischauer, gibt es dreiweitere Handdruckereien im Ausseer Land,deren Geschichten mit der Werkstatt Mautnerverwoben sind.Galerie der Regionen3504 Krems-Stein, Donaulände 56Tel. 02732 85015 15ÖffnungszeitenDi–Fr, 10.00–12.00 und 15.00–18.00 Uhr,jeden 1. Sa im Monat 10.00–12.00 und 14.00–17.00 Uhr, an Konzerttagen bis 21.00 Uhrschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Forschung / 30WandmalereiBAROCKER Raum &GOtiSchE WandmalEREIDie Filialkirche und ehemalige Burgkapelle Hl. Johannes in Rehberg bei Krems ist Gegenstandumfangreicher Bauforschungen und einer restauratorischen Befundung.Von der Akademie der bildenden Künste,Institut für Konservierung und Restaurierung,konnte Romana Gstrein gewonnenwerden, die ihre Diplomarbeit zum Themaverfasste. Begleitend dazu erfolgte eine bauhistorischeAnalyse des Kirchenbaus durchOliver Fries. Dadurch konnte erst die bishernur relativ oberflächlich bekannte baugeschichtlicheEntwicklung des Bauwerks unddie Einordnung der Wandmalereien inhistorischer, bau- und kunsthistorischerHinsicht näher festgemacht werden. Dieumfangreichen Untersuchungen wurdenmit großem Interesse vom Bundesdenkmalamt,Landeskonservatorat für Niederösterreich,und der Diözese St. Pölten gefördertund finanziell unterstützt.BaugeschichteBlick auf die Filialkirche Hl. Johannes auf der Burgruine in Rehberg bei Krems.Als im Jahr 1992 im Zuge von Adaptierungsarbeitendurch zwei Maler in derSakristei der Filialkirche Hl. Johannes inRehberg Wandmalereien freigelegt wurden,war man sich wohl der Bedeutung undderen Umfang wenig bewusst. Unter teilweisegroßen Verlusten wurden jüngere Schichtenals Träger von jüngeren Gestaltungphasenohne weitere Kenntnis dieser abgeschabtund auf die gegenwärtig freiliegenden Malereienfreigekratzt. 2011 richtete sich erstmalsdas Interesse der Denkmalpflege auf denbisher unbekannten Fund.Die erste gesicherte Nennung der „chappelleze Rechperch“ erfolgt 1316 im Zuge einerMessstiftung und der Bestellung eines Priestersdurch Agnes von Ungarn, einer Tochterdes Habsburgers Albrecht I., welche dieBurg als Witwensitz bewohnte. Diese Stiftungwar wohl mit großzügigen Baumaßnahmenverbunden, da man zahlreichegotische Baudetails neben dem bereitsbekannten Kreuzgratgewölbe im Turmerdgeschossdieser Bauphase zuordnen konnte.Auf den offensichtlich romanischen Vorgängerbaudeuten nur mehr rudimentäreBefunde und die völlig unter Putz liegendenReste eines Rundbaus, die mitunter eineRotunde rekonstruieren lassen, hin.Um die Mitte des 15. Jahrhunderts hatte diefinanziell potente Familie der Grabner dieBurg Rehberg als Pfandbesitz. Auf sie ist dieheute noch in Resten vorhandene, bedeu-schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Forschung / 31Notsicherung durch Injektionen.Freilegung von Malereischichten mit der „Biene“.Detail des unteren Abschlusses der Wandmalereien in Form von schablonierten Vogelmotiven und Maßwerkformen.tende, vollflächige malerische Ausstattungdes Kirchenraumes zurückzuführen. Im 16.Jahrhundert erfolgte eine bauliche Umgestaltungdes Kirchenraumes unter den protestantischenHerrschaftsinhabern, derFamilie Thonradel. Im Wesentlichen hat dasheutige Erscheinungsbild eine 1757 erfolgteBarockisierung geprägt. Dabei wurde derquadratische Ostabschluss zu einem Turmerhöht und der Kirchenraum neu gegliedert.Durch das Einziehen eines Gewölbes überArkaden und einer mächtigen Trennmauerim Osten wurde der bisherige Sakralraum inein Langhaus mit Altarnische und dahinterliegendemSakristeiraum unterteilt.Die WandmalereienDie 1992 an der Südwand der Sakristei entdecktespätgotische Wandmalerei (um1420/50) zeigt einen hl. Christophorus undeine unbekannte weibliche Heilige. Sie sindTeil eines größeren Bildprogrammes – einZyklus aus Einzelbildern, der sich einerbestimmten Thematik unterordnet. Dievollflächige malerische Gestaltung des vorderenKirchenteils ist in Registern aufgebautund zeigt Heiligendarstellungen in Bildfeldern,die von mit Schablonenmotivengeschmückten Bändern gerahmt sind. DieSockelzone schließt mit einer Vorhanggestaltungab. Diese tritt durch rot schablonierteVogelmotive und vegetabile Ornamenteauf weißem Hintergrund besondersstark hervor. Insgesamt kamen fünf verschiedeneSchablonenmotive zum Einsatz.Der reiche Dekor auf der Vorhanggestaltungund auf den Rahmenleisten der Wandmalereienwurde in Schablonentechnik geschaffen,einer Reproduktionstechnik, die – wiejüngste Forschungen zeigten – über Umwegeaus dem böhmischen Raum um 1400 zu unsgelangte. Die dargestellten Vögel, zwei zueinanderzeigende Adler, dürfen wohl alsfrüher zeitgenössisch-provinzieller KaiserundReichsbezug verstanden werden undnehmen in der Gesamtheit des Bildprogrammesunübersehbar einen hohen Stellenwertein.Beinpartien im oberen Drittel der freiliegendenWandmalereifläche geben einenEinblick in die Darstellung des oberen Registers,das durch einen Gewölbeeinbau1757 geteilt wurde. Die Hälfte des Bildprogrammesist daher im Dachbodenbereichoberhalb des Sakristeigewölbes vorhandenund ist an manchen Stellen durch Abplatzungenjüngerer Schichten sichtbar. DieWandmalerei ist in Kalksecco-Technik ausgeführtund wurde in schnellen Zügengemalt, ist jedoch mit feinen Details inHaartracht und Gesichtskonturen ausgeführt.Eine reduzierte Malschichtoberflächezeigt nur noch bedingt die ehemaligen Feinheitender Darstellung. Eine Besonderheitder Wandmalerei ist, dass sie auf eine teilweiseschon beschädigte Kalkgrundierungaufgetragen wurde und an manchen Stellenauf der darunterliegenden Oberfläche liegt.Eine weitere Gestaltungsphase ist im Bereichder an der Südwand der Sakristei freiliegendenspätgotischen Wandmalerei sichtbar.Es handelt sich hierbei um ein mehrfarbiggestaltetes Weihekreuz, das in die Zeitder Ausstattung um 1316 fällt. Auch imDachbodenbereich und im Choranbaukonnte eine mehrfarbige, vegetabile Gestaltungaus dem 16. Jahrhundert entdeckt werden,die jedoch nur noch fragmentarischvorhanden ist. /Text und Fotos: Oliver Fries und Romana GstreinINFORmatiON———————————————————Eine Besichtigung der Filialkirche undBurgkapelle Hl. Johannes in Rehberg istnur unter Voranmeldung möglich!Seelsorgesprengel Rehbergder Pfarre ImbachDiakon Mag. Johannes Fiedelsberger3504 Krems-Rehberg, Seilerweg 31Tel. 02732 74474schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Weiterbildung / 32GesprächsrundeLEBENSLANG LERNENSchaufenster Kultur.Region stellt Fragen zum Thema Weiterbildungund Personalentwicklung in der Kultur.V. l. n. r.: DI Paul Gessl, NÖ Kulturwirtschaft, Mag. Ulrike Vitovec, Museumsmanagement Niederösterreich, Mag. Karin Wolf, Institut für Kulturkonzepte,Mag. Susanne Wolfram, Festspielhaus St. Pölten. Foto: Renata BehnckeWarum ist Weiterbildung in den Kulturbetriebenwichtig?Edgar Niemeczek, Kultur.Region: Weiterbildungals wichtiger Teil lebenslangen Lernensstellt sich heute als unverzichtbar dar.Ebenso große Bedeutung wie der intellektuelleMehrwert aus Weiterbildungsangebotenhat selbstverständlich auch die ästhetischeBildung, also das Kultivieren und Verfeinernder menschlichen Sinne. Es gilt bewusst zumachen, was das menschliche Leben in seinerGesamtheit ausmacht und wie Wissenverantwortungsvoll und mitfühlend bei derZukunftsgestaltung zur Anwendung kommenkann. Diese Kulturvermittlungsarbeiterfordert hervorragend ausgebildete Mitarbeiterinnenund Mitarbeiter in allen Bildungsbereichen,daher auch in den Kultureinrichtungenim Bundesland Niederösterreich.Erst durch ihre Arbeit kann es gelingen,umfassend und eingehend zu erkennen,zu verstehen, zu begreifen oder zuempfinden. Gerade diese Qualitäten sindwesentliche Bausteine, wenn es darumgeht, die Gesellschaft positiv weiterzuentwickeln.Sie führen seit einigen Jahren kontinuierlichFortbildungen für Leiter und Mitarbeiter vonMuseen durch. Was ist das Besondere an derProfessionalisierung im Bereich der regionalenMuseen?Ulrike Vitovec, Museumsmanagement Niederösterreich:Bei uns ist die große Herausforderung,dass wir vorwiegend mit begeistertenLaien arbeiten, die sich ehrenamtlichund in ihrer Freizeit der Museumsarbeitwidmen. Im Kustodenlehrgang engagierenwir Referenten, die fachlich top sind undzugleich professionelle Museumsarbeit soschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Weiterbildung / 33Dr. Edgar Niemeczek, Kultur.Region Niederösterreich: Weiterbildung als wichtiger Teil lebenslangen Lernensstellt sich heute als unverzichtbar dar. Foto: Nikolaus Korabvermitteln, dass kein akademischer Hintergrundder Teilnehmer notwendig ist. Weitersbieten wir einen Lehrgang für professionelleKulturarbeit und einen Kulturvermittlungslehrgangan, beide besuchen auch Mitarbeiteraus größeren Betrieben oder freiberuflicheKulturmanager. Für alle dreiLehrgänge gilt: Die Praxisnähe und dieAnwendbarkeit der Seminarinhalte habenoberste Priorität. Wir merken eine Professionalisierungdurch die Kurse dadurch,dass ein Museum in einem Ort einen ganzanderen Stellenwert bekommt, wenn fachkundigund projektbezogen mit Professionistengearbeitet wird. Und wir ermutigendie Leute, dass sie Museen ja immer in ersterLinie für sich und den Ort machen. Wenndas funktioniert, und sie sich auf die Besonderheitenihres Museums konzentrieren,dann wirkt das auch nach außen. Die Ergebnissesprechen für sich. Es wäre schön, wenndie öffentliche Hand auch auf dieser Ebeneweiter in die Zukunft der regionalen Museeninvestiert.Die Weiterbildung von Mitarbeitern gehörtzu den Agenden der Personalentwicklung,die ja generell im Kulturbetrieb gerade erstim Kommen ist. Die NÖKU (NÖ Kulturwirtschaft)hat diesen Bereich ja schon seiteinigen Jahren entwickelt. Wo sehen SieSchwerpunkte?Paul Gessl, NÖKU: Die Aufgaben der NÖKUhaben sich in den letzten Jahren stark inRichtung Dienstleistung und Service entwickelt.Dabei ist auch die Weiterbildung derMitarbeiter zu einem zentralen Themageworden. In den letzten beiden Jahren habenwir uns sehr intensiv damit beschäftigt undals Resultat in der Holding für alle Mitarbeitereine Stabstelle für Personalentwicklunggeschaffen. Die Budgetmittel wurden überdie gesamte NÖKU-Gruppe für den BereichAus- und Weiterbildung sicher verdreifacht.Damit wurde für die Personalentwicklungsoffensiveein solides Fundament geschaffen.Für die Zukunft der Kulturbetriebe derNÖKU-Gruppe gilt: Jeder Betrieb ist so gutwie seine Mitarbeiter. Mit dieser Schwerpunktsetzungim Kulturmanagement sindwir sicher ein Innovationsbetrieb.Wer im Kulturbetrieb arbeitet, erwirbt vieleFähigkeiten durch „learning on the job“.Wollen sich diese Menschen überhaupt nochzusätzlich fortbilden?Susanne Wolfram, Festspielhaus St. Pölten:Ich glaube, es gibt Bedarf in zweierlei Hinsicht:Das eine ist die fachliche Weiterbildung,die sich aus dem Alltagsgeschäftergibt. Das sind Themen wie Änderungenim Vertragswesen zum Beispiel. Das anderegeht in Richtung Präsentationstechnik,Moderation oder Konfliktmanagement. Inder Plattform Kulturvermittlung Niederösterreichsind im Moment 22 Betriebeaktiv, die sich regelmäßig treffen. Hier gibtes betriebsübergreifend Austausch darüber,welche Kompetenzen in den einzelnen Häusernvorhanden sind und wo es den Wunschnach gemeinsamer Weiterbildung gibt. DieserRaum für Reflexion ist sehr wichtig,denn gerade im Theaterkontext ist derArbeitsdruck so hoch, dass man sich imArbeitsalltag mit solchen Fragen gar nichtauseinandersetzen kann.Der Lehrgang „Professionelle Kulturarbeit“findet ab Herbst zum zweiten Mal statt.Worauf legen Sie Wert, wenn Sie Kulturmanagementunterrichten?Karin Wolf, Institut für Kulturkonzepte:Die Praxisnähe und das Einbeziehen der konkretenFragen der Teilnehmer haben oberstePriorität in all unseren Seminaren und Lehrgängen.Auch in diesem Lehrgang erarbeitendie Teilnehmer individuelle Konzepte für ihreOrganisationen, z. B. in den Bereichen Sponsoring,Web 2.0 oder interne Kommunikation.Neben der kompakten und sehr konkretenWissensvermittlung fördern wir dasNetzwerken. Die Lehrgangsgruppe profitiertvon den jeweils unterschiedlichen Erfahrungen.Und es gibt Raum für Austausch undReflexion, der den Teilnehmern oft neue Perspektiveneröffnet, die ihnen im Alltagsstressverborgen bleiben. Weiterbildung ist einfachmehr als Wissensvermittlung: Sie bringt Motivation,Bestätigung und neue Kontakte, diedann in der Folge eine Reihe von positivenEffekten bringt. Nach innen führt eine Professionalisierungzu klareren Strukturen undeffizienterem Arbeiten, nach außen gibt es ofteinen deutlicheren Auftritt dem Publikumund der Presse gegenüber. /Die Langfassung des Gesprächs lesen Sie aufhttp://kulturkonzepte.wordpress.com/PRoFESSIONELLEKultuRARBEIT———————————————————Lehrgang Oktober 2013–März 2014Ort: Haus der Regionen, Krems-SteinDer berufsbegleitende Lehrgang richtetsich an Leiter und Mitarbeiter in Museen,Kulturvereinen und Gemeinden.Voraussetzung zur Teilnahme ist einJahr Berufspraxis im Kulturbereich(auch nebenberuflich oder ehrenamtlich).Angesprochen sind alle, die ihre bisherigeArbeit überprüfen und weiter professionalisierenmöchten und an der Vernetzungmit anderen interessiert sind.Kursgebühr: EUR 1.900,00bzw. EUR 1.700,00 (ermäßigt)Anmeldung und InformationTel. 02732 73999museen@volkskulturnoe.atwww.noemuseen.atwww.kulturkonzepte.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Niederösterreichische Landesausstellung 2013 / 34Asparn an der Zaya und PoysdorfBROT & WEinDie künstlerische Gestaltung der Ausstellung macht die Kulturgeschichte von Brot und Weinzu einem Erlebnis für alle Sinne.Weingläser aus Niederösterreich. Die Ausstellungsorganisation hat zur Sammelaktion von Weingläsern und Brotdosen aufgerufen. Foto: NÖLA8.000 Jahre spannende Kulturgeschichtewerden mit der Niederösterreichischen Landesausstellung2013 unter dem Titel „Brot &Wein“ lebendig. Bis 3. November wird inAsparn an der Zaya die Kulturgeschichte desBrotes zur Schau gestellt und in Poysdorf dieabwechslungsreiche Historie des Weinesanschaulich vermittelt. In dieser großenAusstellung werden die beiden Themen„Brot“ und „Wein“ umfassend aufbereitetund durch eine museumsdidaktisch gutdurchdachte Inszenierung für Besucher allerAltersgruppen zu einem spannenden Erlebnisgemacht.Ideen werden zu erlebbaren RäumenDie konkrete Gestaltung der NiederösterreichischenLandesausstellung 2013 „Brot &Wein“ in Asparn an der Zaya und Poysdorfbietet eine Brücke von den Objekten undderen Inhalten zum Verständnis der Betrachter.Nicht zufällig wurde mit Christof Cremerein international tätiger Bühnenbildner fürdie Gestaltung der beiden Ausstellungen –„Brot“ (Asparn an der Zaya) und „Wein“(Poysdorf) – gewonnen: „Wir schaffen Räume,Atmosphäre, Assoziationen, in denensich die Aura des jeweiligen Objekts entfaltenkann. Dadurch werden Geschichte undGeschichten erzählt.“ Inszenierte Räume, diekonkrete bauliche Umsetzung und die vielfältigegrafische Gestaltung, die sich durch diebeiden Ausstellungsorte ziehen, bilden einGesamtkunstwerk.Der Weg, den die Besucher an beiden Ortenzurücklegen, führt von Mythologie undGeschichte bis ins Heute, ins Reale. Dabeiwerden durch Sehen und Hören vonGeschichte und Geschichten oder durchTasten, Greifen und Begreifen der Vergangenheitund der Gegenwart sowie durch Rie-schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Niederösterreichische Landesausstellung 2013 / 35Durch die gesamte Ausstellung zieht sich eine theatralische Inszenierung: Brotschuhe, eine Installation vonMichael Kos in Asparn an der Zaya. Foto: NÖLADas jungsteinzeitliche Langhaus in Asparn an der Zaya.Foto: NÖLAchen und Schmecken Brot und Wein umfassenderfahrbar.Geschichte und Genuss erlebenDas Erfahren der Themen Brot & Wein mitallen Sinnen steht auch im Mittelpunkt desVermittlungskonzepts. Exponate, Kuratoren,Objekte, Leihgeber und Besucher treten hierin einen Dialog. Letztere sollen nicht nurWissenswertes über „Brot & Wein“ erfahren,sondern vor allem ihren eigenen Zugang zumThema entwickeln. 65 Kulturvermittler, dreisprachigeRaumtexte (Deutsch, Englisch,Tschechisch) und QR-Codes bieten eine optimaleBegleitung durch die Schau.Schloss Asparn an der ZayaMitten in einem Kornfeld, mitten im Urbestandteilvon Brot – so fühlen sich die Besucherin der Ausstellung „Brot“ in Asparn ander Zaya. Vom Tor des Schlosses Asparnragen den Gästen, schon von weitem sichtbar,eine Vielzahl von „Strohhalmen“ entgegen.Durch die gesamte Ausstellung zieht sich inAsparn eine stark assoziative Formenspracheund theatralische Inszenierung. Ein beachtlicherTeil der Grafiken in den Ausstellungsräumenwurde vor Ort von den Künstlerngemalt und fertiggestellt. Form, Farbe undArt der Vitrinen und Raumgestaltungmachen das Thema plastisch erlebbar undbieten den Ausstellungsobjekten die notwendigeBühne. Als Exponat in einer Vitrine istBrot vergleichsweise unspektakulär und magauf den ersten Blick wenig von seiner Besonderheitpreisgeben. Umso mehr wird es dieBesucher überraschen, wie in dieser Ausstellungunter Beweis gestellt wird, dass Brot weitmehr ist als ein Lebensmittel: Es steht fürunsere vom Ackerbau geprägte Ernährung,ist Sinnbild und Symbol des Lebens, ist zentralerBestandteil von Ritualen und Religionen,aber auch eine Maßeinheit für unsereKaufkraft.Der Freibereich des Urgeschichtemuseumsbeeindruckt mit einem weitläufigen Ensemblevon Rekonstruktionen urgeschichtlicherBauten. Die experimentelle Archäologie liefertder Wissenschaft spannende Erkenntnisseund ermöglicht es zugleich, durch dasBetreten der Gebäude und das Backen desBrotes das Leben vor tausenden Jahren in dieGegenwart zu holen.Ausstellungsgelände Poysdorf„Es lebe der Wein! Es lebe das Land, wo eruns reift! Es lebe das Faß, das ihn verwahrt!Es lebe der Krug, woraus er fließt!“ (Gottfriedvan Swieten, 1733–1803) Lob auf den Wein,das Joseph Haydn im Oratorium „Die Jahreszeiten“in Töne fasste, lieferte die Grundideezur inhaltlichen Konzeption des ThemasWein im Rahmen der NiederösterreichischenLandesausstellung 2013. Kein Ort eignet sichwohl besser als die Weinstadt Poysdorf, umdieses Thema in all seinen Facetten zu präsentieren.Die umfangreiche Schau bieteteinen Streifzug durch die Geschichte derWinzerei und des Weingenusses ebenso wieeine Auseinandersetzung mit den kultischenAspekten des Weins. Die Ausstellung soll eineWürdigung der niederösterreichischen Weinlandschaftmit all ihren Besonderheiten undgleichzeitig eine kritische Bestandsaufnahmeder aktuellen Weinwirtschaft sein. In derFesthalle stehen Weingenuss und -erlebnis,aber auch Themen wie Weinlandschaften,Wein und Literatur, Kulinarik, Wein undGenerationen oder Droge und Genuss imVordergrund. Im ehemaligen Bürgerspitalbegeben sich die Gäste der Landesschau aufeine Zeitreise durch die Geschichte desWeines in unterschiedliche Kulturen undEpochen. Auch in Poysdorf rundet ein Freibereichdas Ausstellungserlebnis ab. Eindorfähnliches Ensemble mit Schauweingarten,Presshäusern und Schmiede lädt zumEntdecken und verweilen ein. /Entgeltliche EinschaltungBROT & WEIN———————————————————Bis So, 3. 11. 2013, tägl. 9.00–18.00 UhrAsparn an der ZayaUrgeschichtemuseum Niederösterreich2151 Asparn an der Zaya, Schlossgasse 1PoysdorfAusstellungsgelände2170 Poysdorf, Brünner Straße 28InformationenNiederösterreichische Landesausstellung2170 Poysdorf, Kolpingstraße 7Tel. 02552 3515-30info@noe-landesausstellung.atwww.noe-landesausstellung.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museumsdorf Niedersulz / 36Kleinhäusler LebensweltenAM Rand DES DORFESIm Rahmen des niederösterreichischen Viertelfestivals präsentiert das Museumsdorf die Ausstellung„Kleinhäusler Lebenswelten“.Kleinhäusler-Haus aus Wilfersdorf im Museumsdorf Niedersulz.Peter Huber in der Schusterwerkstatt aus Mistelbach.Das Weinviertler Museumsdorf Niedersulzhat sich vom heurigen Motto des Viertelfestivals„Brandungszone“ inspirieren lassen:Schließlich ist die Dorfgemeinschaftauch eine Art „Brandungszone“, wo verschiedenesoziale Schichten aufeinandertreffen.Wir wollen diejenigen Leute undGebäude in den Fokus unserer Recherchenund Präsentation stellen, die üblicherweisenicht im Mittelpunkt stehen – also Kleinhäusler,aber auch Inwohner und Dienstbotenim Weinviertel des 19. Jahrhunderts.Diese Bevölkerungsschicht war in jedemWeinviertler Dorf vertreten und übertraf anPersonen oft die bäuerliche Oberschicht.Kleinhäusler besaßen – wie der Name schonsagt – ein kleines Haus (im Gegensatz zueinem größeren Zwerchhof), bestehend ausKüche, Stube, Kammer und kleinen Stallungen.Charakteristisch sind auch Lehmbödenund Strohdächer sowie die bescheidenereInnenausstattung. Diese Kleinhäuserstanden nicht zentral an der Dorfzeile, sondernetwas außerhalb: am Rand der Kellergasse,in Neben- oder „Hintausgassen“ oderam Ortsende. Kleinhäusler besaßen wenigeigenen Grund, meist einen kleinen Weingarten,und bescheidenen Viehbestand –zwei bis drei Schweine, in besseren Fällenein Pferd oder eine Kuh sowie Ziegen undHühner – zur Selbstversorgung.TaglöhnerUm trotzdem ihr Auslagen finden zu können,verdingten sie sich bei Bauern als Taglöhnerzu Arbeitsspitzen im Weinbau undder Getreideernte. Oft gab es langfristigeschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museumsdorf Niedersulz / 37Verbindungen zwischen einer Bauern- undeine Kleinhäusler-Familie, von der beideprofitierten: Die Bauern konnten sich aufausreichende Arbeitskräfte verlassen, unddie Kleinhäusler wiederum konnten ihrenWein beim Bauern pressen lassen undlagern, da sie nicht über eigene Presshäuserund Keller verfügten. Außerdem war demKleinhäusler geholfen, wenn der Bauer mitseinem Gespann Pflugdienste oder Fuhrenfür ihn erledigte. Kleinhäusler-Eltern strebtenoft danach, diese Verbindung außerdemmittels Patenschaften für ihre Kinder durchdas Bauern-Ehepaar zu verstärken.Manchmal betrieben Kleinhäusler zusätzlichnoch ein Handwerk wie Schuster,Schneider, Besenbinder, Strohdecker, Seileroder Korbflechter. Da die Werkstätten meistin der Stube untergebracht waren, schränktendiese den ohnehin schon bescheidenenWohnraum zusätzlich ein.InwohnerAls Inwohner bezeichnet man eine sozialniedrige Gruppe von Arbeitskräften in Getreide-und Weinbau ohne eigenen Wohnsitzund meist auch ohne Grundbesitz. Siewohnten entweder direkt im Bauernhausoder in einem separaten Gebäude wie demAusgedinge, der „Ausnahm“, die üblicherweisedem Altbauernpaar als Alterswohnsitzdiente. Manche besaßen einen kleinenWeingarten für den Eigenbedarf.Dienstboten waren im Weinviertel aufgrunddes vorherrschenden Getreide- und Weinbausnicht sehr häufig, da bei diesen Landwirtschaftszweigennur zu bestimmtenZeiten (und nicht wie bei der in Westösterreichverbreiteten Viehwirtschaft das ganzeJahr über) hoher Personalbedarf bestand.Dieser Bedarf an Hilfskräften wurde ebenmeist durch Kleinhäusler abgedeckt. ImWeinviertel verdingten sich manchmal ledigejunge Frauen und Männer für einebestimmte Zeit als Mägde und Knechte beigrößeren Bauern, wo sie auch wohnten, bissie heirateten und selbst einen Hausstandgründeten.Zu den Aufgaben der Mägde zählten beispielsweisedas Hüten der Kleinkinder undKüchendienste, aber auch Hilfsarbeiten inder Landwirtschaft. Die Knechte waren –neben Arbeiten vor allem in der Erntezeit –für die Pferde zuständig und schliefen auchim Stall, um praktisch immer ein Auge aufdie wertvollen Tiere haben zu können.Wetzelsdorfer HausExemplarisch für diese sozialen Schichteneines Weinviertler Dorfes wird die Geschichteeines Kleinhäusler-Haus aus Wetzelsdorfund ihrer Bewohner mithilfe der bewährtenehrenamtlichen Mitarbeitern des Museumsdorfserforscht und präsentiert. Das Gebäudegeht auf ein aus Lehmbatzen errichtetesHaus aus dem Ende des 18. Jahrhundertszurück. Es wurde in der heutigen Form 1816erbaut und 1994 im Museumsdorf wiederaufgebaut. Die Lage des Originalstandortsam Rand der Kellergasse wurde auch imMuseumsdorf berücksichtigt.Die Umsetzung der Forschungsergebnissewill Häuser zum Erzählen bringen: DasWetzelsdorfer Haus wird so authentisch wiemöglich eingerichtet und erhält eine Dokumentationseiner Haus- und Familiengeschichte.Dazu soll auch die letzte Bewohnerindes Hauses in Form von Interviewpassagenzu Wort kommen. Zusätzlich machenInterventionen – also deutlich erkennbareHinweise und Informationen zu derenGeschichte(n) – in weiteren Kleinhäusler-Häusern des Museumsdorfs (z. B. Schusterhausaus Mistelbach, Kleinhäusler-Haus ausKleinhadersdorf) auf die Thematik aufmerksamund lassen Häuser und ihre ehemaligenBewohner sozusagen selbst ihreGeschichte erzählen. /Text: Veronika Plöckinger-WalentaFotos: Museumsdorf NiedersulzKLEINHÄUSLERLEBENSWELTEN———————————————————Museumdorf NiedersulzEröffnung, So, 28. 7. 2013, 11.00 UhrWetzelsdorfer Haus2224 Niedersulz 250Tel. 02534 333www.museumsdorf.atFoto: NÖ Werbung/Rita Newmannaturgartenfest &BenefizveranstaltunghilFE IM EIGENEN LAND———————————————————Sa, 14. 9. 2013, 10.00–18.00 UhrMuseumsdorf NiedersulzHistorische Weinviertler Dorfarchitekturmit typischen, spätsommerlichenBauern- und Gemüsegärten bilden denRahmen für ein Fest, das alle Sinneanspricht.Frühschoppen mit der MilitärmusikNiederösterreich, Gartenschwerpunkt„Kümmel, Koriander & Co.“ mit Vorträgenund Führungen, Kunsthandwerksmarkt,großes Chöre- und Singgruppentreffenund Volkstanz.Im Rahmen des Naturgartenfestes findetdas Herbstfest der Organisation HILFEIM EIGENEN LAND statt.Museumsdorf Niedersulz2224 Niedersulz 250Museumsdorf Niedersulzwww.museumsdorf.atEine Veranstaltung in Kooperationmit „Natur im Garten“.HILFE IMEIGENEN LANDKATASTROPHENHILFEÖSTERREICHISCHER FRAUENschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museumsdorf Niedersulz / 38Musik = Kommunikation + EmotionBenefizkonzertBeim Benefizkonzert mit Willi Resetarits und seinem „Stubnblues“ unterstützen die WeinviertlerErste-Bank-Filialen und das Museumsdorf Niedersulz die sozialen Dienste des Roten Kreuzes.Schaufenster Kultur.Region traf Willi Resitarits zum Interview.Willi Resetarits und der Stubnblues. Foto: Günter StandlEin Benefiz-Konzertabend, bei dem sichMusik, Kultur und soziales Engagementideal und auf ganz besondere Art und Weisevereinen, findet am Samstag, den 24. August,im Museumsdorf Niedersulz statt. Das RoteKreuz Zistersdorf, als Veranstalter, konnteWilli Resetarits und seinen „Stubnblues“ fürdas Open-Air-Konzert im Südmährer Hofgewinnen. Die Formation „Stubnblues“steht dabei für Musik, die unter die Hautgeht, für gefühlvolle Harmonien und Melodien,für beeindruckende Texte undabwechslungsreiche, mitreißende Rhythmen.„Ois offn“ heißt das aktuelle Programm,bei dem nach Willi Resetarits tatsächlichalles offen ist, „das Genre, dieZukunft, einfach alles“. Und er macht sichmit seinen Musikern auf die Suche nachdem schönsten Lied der Welt, in der Hoffnung,dieses nie zu finden.Lieber Wilhelm Thomas Resetarits, geboren1948 in Stinatz, mit burgenlandkroatischerAbstammung sind Sie ein Kind der wilden68er Generation. Inwieweit hat Ihre BiografieEinfluss und Auswirkungen auf Ihrsoziales Engagement?Resetarits: Verschiedenste Aspekte. Daseine ist meine Zweisprachigkeit. Als ich einKind war, wurde sie als Makel empfunden.Aber eigentlich war ich gar nicht zweispra-schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museumsdorf Niedersulz / 39chig. Ich war immer abwechselnd einsprachig.In Wien sollten wir nur Deutsch reden,denn wenn man als „Krowot“ enttarntwurde, hatte man Nachteile zu befürchten.Und in Stinatz, im Südburgenland, habe ichbei den Großeltern nur „Krowotisch“ geredet.Das heißt, als Kind lernt man nicht nurleicht Sprachen, sondern auch, wie manabwechselnd jemanden nach dem Mundreden muss. In Stinatz „Krowotisch“ und inWien Deutsch. Und dann habe ich als dritteSprache noch Hochdeutsch gelernt. Ein weitererGrund war auch: Wir waren armeLeute. Als Kind habe ich das nicht so starkwahrgenommen, denn alle um uns herumwaren auch arm. Sowohl in Stinatz als auchin Wien, im 10. Bezirk, haben die Kindernicht viel gehabt. Wenn man von seinerHerkunft her arm ist, entsteht automatischund parallel dazu ein Sentiment für dieAußenseiter. Daraus resultiert auch meinsoziales Engagement.Gab es ein Schlüsselerlebnis für Ihren„sozialen Aktivismus“? Oder ist das langsam,schleichend entstanden?Resetarits: Beides. Einerseits aus den bereitsgenannten Gründen. Das Politische kamdann kurz vor 1968 dazu – durch die „lauteMusik“. Das heißt, die Politisierung der 15-,16-Jährigen damals kam, weil wir die Haareein bisschen länger über die Ohren habenwollten. Und das hat einen Sturm der Entrüstunghervorgerufen. Da lernt man plötzlichetwas über die Gesellschaft. Ein bisschendavon war mir schon bekannt, da ichgesehen habe, wie man mit Minderheitenumgeht und dass arme Leute im selbenAtemzug in der Meinung vieler Menschenals kriminell angesehen werden.Sie sind mittlerweile Ehrenpräsident desIntegrationshauses bzw. haben etliche Preisewie den Bruno-Kreisky-Preis für Menschenrechteerhalten.Resetarits: Stellvertretend für das ganzeTeam vom Integrationshaus. So wahnsinnigviel mache ich nicht mehr wie früher. ImDezember habe ich mein Pensionsantrittsaltererreicht. Verlorengehen werde ich demProjekt sicherlich nicht. Das ist meinLebenswerk. Man muss aber nicht immervon jedem Fernsehkastl und jeder Zeitungrauslachen.Willi Resetarits und Peter Markovics, MSC, Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes Zistersdorf,beim Interview im Gasthaus Birner in Wien 21. Foto: Museumsdorf NiedersulzEin Zitat von Ihnen ist: „Ein gutes Lied istein gutes Lied. Wir suchen sie, die guten Lieder.Sie sind gesund und geben Kraft.“ Was machtein „gutes Lied zu einem gutem Lied“?Resetarits: Wenn das genau zu definierenwäre, dann wäre das von Universal Musicbereits gekauft und patentiert worden. Unddafür bin ich der Musik dankbar, dass sie dasRezept nicht preisgibt.Was ist mit Emotion in der Musik?Resetarits: Musik ist Kommunikation plusEmotion. Für mich fängt Musik erst richtigan, wenn sie die Ohren der Zuhörer erreicht.Bei mir geht’s darum, dass ich ein Lied in derbestmöglichsten Form bringe. IrgendeinAmerikaner hat einmal gesagt: „Slave to thesong!“ – Man muss ein Lied erst begreifenund es dann in der richtigen Form, in derbestmöglichsten bringen. Das bist du demLied schuldig.Sollen Lieder auch Trost spenden?Resetarits: Der Trostfaktor muss da sein.Ein gutes Lied hat in jedem Fall etwas Tröstliches.Das muss jetzt nicht „eiei“ und„Schlaf, Kindlein schlaf “ sein, man kannauch etwas Kontroverseres sagen und trotzdemdas Publikum getröstet nach Hauseschicken. Aber das habe ich auch langegenug gemacht – das Protestlied … /Das Interview führte Freya Martin.Text: Peter MarkovicsRotes Kreuz ZistersdorfAn der Bezirksstelle Zistersdorf versehen rund150 Mitarbeiter ihren Dienst. Gemeinsam mitder Ortsstelle Hohenau werden rund 22.000Einwohner in 33 Ortschaften versorgt. DerGroßteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterstehen im Rettungsdienst. Während derRettungsdienst des Roten Kreuzes von denGemeinden und den Krankenkassen sowie vonden Beiträgen der Mitglieder getragen wird,sind die sozialen Dienste oft ausschließlichvon der Spendenbereitschaft der Bevölkerungund der Unterstützung durch Unternehmenabhängig. Aber auch in diesem Bereich derGesundheits- und sozialen Dienste bietet dasRote Kreuz Zistersdorf Essenzielles für dieregionale Bevölkerung, wie etwa einen Pflegemittelverleih,Rufhilfe, Essen à la carte sowieSeniorentreffs und die Team Österreich Tafel.Beim Benefizkonzert mit Willi Resetarits undseinem „Stubnblues“ unterstützen die WeinviertlerErste-Bank-Filialen und das MuseumsdorfNiedersulz diese sozialen Dienste desRoten Kreuzes, damit auch weiterhin schnellund effizient Hilfe gewährleistet, Not gelindertund Hoffnung gegeben werden kann!www.rk-zistersdorf.atWilli Resetarits &Stubnblues———————————————————Sa, 24. 8. 2013, 20.00 UhrMuseumsdorf NiedersulzEinlass: 18.00 Uhr (Museums-Portal)Karten: EUR 28,00 erhältlich beiÖ-Ticket (www.oeticket.com) undbei allen Banken.Die Konzertkarte berechtigt außerdemzum einmaligen ermäßigten Eintritt von6 Euro ins Museumsdorf. Das Konzertfindet bei jedem Wetter statt.www.williresetarits.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museen / 40Diözesanmuseum St. PöltenDER GLAUBE IN DER KUNSTDas Diözesanmuseum St. Pölten, das älteste Museum dieser Art im Bereich der ehemaligen Monarchie,feiert sein 125-jähriges Jubiläum mit der Sonderausstellung „Credo – Der Glaube in der Kunst“.Monstranz im Blütenkranz von Johannes (Jan) Antonius van der Baren (1616–1686), Öl/Leinwand, um 1670, signiert, Leihgabe der Pfarre Scheideldorf (Detail).Foto: Diözesanmuseum St. Pöltenschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museen / 41Der Glaube in der Kunst – diesem Themawidmet sich das Diözesanmuseum St. Pölten.Anlass ist das gegenwärtige „Jahr des Glaubens“,das zum 50. Jahrestag der Eröffnungdes 2. Vatikanischen Konzils am 11. Oktober1962 von Papst Benedikt XVI. proklamiertwurde. Als zentrales Dokument des christlichenGlaubens ist das Credo seit der Frühzeitdie knapp formulierte Zusammenfassungdes Bekenntnisses sowie wesentlicherBestandteil der Gottesdienstes, das im Laufeder Jahrhunderte mittels verschiedener Fassungentextlich ausgestaltet wurde. In seinerelementaren Form als „Apostolisches Glaubensbekenntnis“(Symbolum Appostolorum)nennt es mit den darin enthaltenen zwölfGlaubenssätzen (Credoartikeln) die Grundtatsachendes christlichen Glaubens.Trotz seiner scheinbaren Einfachheit undKürze gehört das Credo zu den komplexestenTexten überhaupt. Als Gegenstand zahlreichertheologischer Kommentare und Auslegungenwurden seine Inhalte auch Motiveder bildenden Kunst. In der Ausstellung desSt. Pöltner Diözesanmuseums geht es um dieFrage, in welcher konkreten Form das GlaubensbekenntnisNiederschlag in der bildendenKunst gefunden hat. Von den biblischenTextquellen ausgehend werden an Hand derunterschiedlichen historischen Fassungenund Überlieferungen Tradition und Funktiondes Credo in der christlichen Lehre und imKultus vorgestellt. Einen Schwerpunkt dabeibildet die Epoche von Reformation undGegenreformation, in der die bedeutendenZusammenfassungen der Glaubenslehre, dieKatechismen, formuliert wurden. DerenInhalte sind durch die Kunst veranschaulichtund verbreitet worden. Ein in diesem Zusammenhanginteressantes Beispiel stellt die um1670 von Johannes (Jan) van der Barengemalte Monstranz im Blütenkranz dar. Siegehört zum Typus des geistlichen Blumenbildesund verbindet unter dem Einfluss derthomistischen – gegenreformatorisch überarbeiteten– Vorgabe einer theologischenDurchdringung der Natur die Realpräsenzdes dargestellten Allerheiligsten mit den stilllebenartigum das Zentralmotiv arrangiertenBlumen. Gemäß jesuitischer Theologie solltedie Beobachtung auch der kleinen Dinge zurreligiösen Kontemplation führen und diewissenschaftliche Forschung in das Systemder christlichen Weltordnung und damit desGlaubens eingebaut werden.Beziehung zum GlaubenDie künstlerische Befassung mit sakralenInhalten beinhaltet auch eine wie immergeartete Beziehung zum Glauben. Diese inForm einer Ausstellung zu vermitteln, ist eineherausfordernde Aufgabe, die eine Vorstellungvon den Möglichkeiten und Grenzensakraler Kunst impliziert. Durch die Einbeziehungeiniger ausgewählter zeitgenössischerWerke wird in einem spannungsreichenMiteinander mit Werken der „altenKunst“ versucht, auch aktuelle künstlerischePositionen zum Credo und zur Heilsgeschichtezu präsentieren.Es ist das große Verdienst von Werner Telesko,dass er die angesprochenen Visualisierungenvon Glaubensinhalten zusammengestelltund bearbeitet hat. Von ihm wurde dieAusstellung inhaltlich konzipiert, die historischenObjekte ausgewählt und in fünf Themenbereichegegliedert: „Glauben undBekennen in der historischen Tradition“ –„Die Abfolge der Credoartikel“ – „natus passusresurrexit / der christologische Kern desGlaubensbekenntnisses“ – „Das Bekenntniszum Glauben leben“ – „Glauben und Wissen/ historisch und aus heutiger Sicht betrachtet“.Auf diese inhaltliche Gliederung wurdein Anordnung und Reihenfolge der Ausstellungsobjektemöglichst Rücksicht genommen.Auch wurde darauf geachtet, Objekteaus dem Diözesanmuseum oder solche mitregionalem Bezug zu integrieren, was durchdas Entgegenkommen der Leihgeber ermöglichtwurde. In die Thematik einleitend werdenin der Kerens-Bibliothek die textlichenVoraussetzungen des Glaubens und Bekennensvorgestellt, im Ausstellungsgang werdenanalog der genannten Gliederung die jeweiligenInhalte präsentiert. Dabei liegt derSchwerpunkt auf in Themenblöcken zusammengestelltebarocke Druckgrafik, die vonObjekten anderer Gattungen, vor allemGemälde, aufgelockert werden.Glaube und zeitgenössiche KunstIn der ehemaligen Stiftsbibliothek mit denheilsgeschichtlich interpretierten Fakultäts-Fresken Paul Trogers in den beiden Haupträumenund der Darstellung der Weisheitvon Daniel Gran im Mittelraum wird dasspannungsreiche Verhältnis von Wissen undGlauben thematisiert und über die markanteZäsur des 2. Vatikanischen Konzils derAnschluss zu gegenwärtigen Standpunktenund Diskussionen hergestellt. Diese stehenauch mit den genannten zeitgenössischenkünstlerischen Positionen in Zusammenhang,die an Hand einiger ausgewählterWerke von Sieghard Pohl, Susanne Sehn-Baumhakel, Ildiko Koller, Karel Rechlík undSiegfried Anzinger vorgestellt werden. Trotzdivergierender formaler Eigenschaften istden meisten der gezeigten Arbeiten die –auch vom Thema – bedingte Zeitlosigkeitvon Darstellungsinhalt und formaler Bewältigung,die Enthobenheit vom Individuellen imSinne einer allgemeinen Bildorganisation alsAbbild der dahinter stehenden ur- und vorbildhaftenOrdnung gemein. In diesemZusammenhang wird auch auf die parallelzur Ausstellung in der Domkirche präsentierteInstallation mit Motiven zum Credovon Karel Rechlík aufmerksam gemacht.Schließlich sei noch auf ein besonderes Ausstellungsobjekthingewiesen: der aus KlosterEinsiedeln stammende und für dieses angefertigtevierteilige Credo-Ornat vom Beginndes 20. Jahrhunderts, dessen gewebte Besätzeein differenziertes, der Entstehungszeit entsprechendesBildprogramm zum Glaubenaufweisen. Dadurch ergab sich die schöneMöglichkeit, in die bestehende Paramentenausstellungein unikates Objekt des frühen20. Jahrhunderts mit Bezug zum Ausstellungsthemaeinzubauen. Für die ansprechendeGestaltung der Ausstellung und desKatalogs sind das Grafikerteam no-maddesignersverantwortlich, den gelungenenAufbau besorgte Georg Bergner und seinTeam. Der reich bebilderte Katalog enthältBeiträge von Werner Telesko, Josef Kreiml, P.Pius Maurer Ocist. und Wolfgang Huber. /Text: Wolfgang HuberCREDO———————————————————Diözesanmuseum St. Pölten3100 St. Pölten, Domplatz 1Tel. 02742 324 331Öffnungszeiten: Bis Do, 31. 10. 2013Di–Fr, 9.00–12.00 und 14.00–17.00 UhrSa 10.00–13.00 Uhrwww.dz-museum.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Sammlung / 42Vom Andachtsbild zum ZimboriumZUSammENGLAUBENVorerst im Museumsdorf Niedersulz untergebracht und ausgestellt, hat nun die SakralsammlungJosef Geissler ihren endgültigen Ausstellungsort im alten Pfarrhof von Niedersulz gefunden.Sakralsammlung vom Andachtsbild bis zumZimborium …„Kunst ist die irdische Schwester der Religion“.Frei nach dem Zitat von AdalbertStifter ist im alten Pfarrhof von Niedersulzeine Sammlung der ganz besonderen Artuntergebracht: die „Sammlung sakraleKunst“ von Museumsdorf-Gründer JosefGeissler. Das Gebäude, das selbst schon einmuseales Juwel darstellt, war ein Herrenhausdes Stiftes Heiligenkreuz aus dem frühen17. Jahrhundert und wurde nun instandgesetzt.In den Jahren 1840/41 erfolgte eineNeuerrichtung des Hauptgebäudes sowieder östlichen und nördlichen Einfriedungsmauermit dem Eingangstor. Auch derGarten wurde von Prof. Josef Geissler neugestaltet und nach Plänen und in der Stilistikder Landschaftsgärten errichtet.… seit 40 Jahren von Josef Geissler (links)zusammengetragen.Den Grundstein für seine Sakralsammlunglegte der in Niedersulz geborene JosefGeissler vor mehr als 40 Jahren, denn bereitsals 17-Jähriger begann er, erste Sakralobjektezu sammeln bzw. sich dafür zu interessieren.Im Laufe der Jahrzehnte wuchsdie Sammlung der Sakralgegenstände sukzessivean. Vorerst im Museumsdorf Niedersulzuntergebracht und ausgestellt, hat nundie mittlerweile sehr beachtliche Sakralsammlungihren endgültigen BestimmungsundAusstellungsort im alten Pfarrhof vonNiedersulz gefunden.In insgesamt zehn Ausstellungsräumen sinddie Ausstellungsobjekte themen- und inhaltsspezifischgeordnet und betitelt. So findensich im Erdgeschoss unzählige Objekte undRaritäten die „Alltags- und Volksfrömmigkeit“betreffend – Rosenkränze, Christuskreuzeund Kruzifixe, Andachtsbildchen,Wachsstöcke und Wetterkerzen, um nur einigezu nennen. In der ehemaligen Waschküchewird der christliche Totenkult unterdem Überbegriff „Tor zum Herrn“ dargestellt.Im Stiegenhaus, das ins Obergeschossführt, werden Teile des Kreuzweges respektive„Der Weg nach Golgotha“ gezeigt. DerSaal „Menschwerdung des Herrn“ ist demThema rund um die Geburt Christi gewidmet– einzigartige Unikate von antiken „GrulicherKrippen“ sowie Kastenkrippen ausdem 19. Jahrhundert dominieren diesenRaum. Die ehemalige Pfarrkanzlei des Herrenhausesist der Gottesmutter zugedacht –unterschiedlichste Mariendarstellungen und-interpretationen wie die der mater dolorosa,die glorifizierte Maria, Marien- und Himmelskönigin,Immaculata oder Pietà-Marienumfasst die Sammlung. Im einstigen Prälatenzimmerpräsentiert sich das „Gefolge desHerrn“, Heiligendarstellungen ab der Spätgotik,und im vormaligen Kaplanzimmerund der Paramentenkammer sind liturgischeGeräte, Kruzifixe, Reliquien unter anderemvon Sakralkünstlern wie Guiliani, Schwanthaleroder Kupelwieser ausgestellt. Im neurekonstruierten und wiederaufgebauten ehemaligenStadel des Gebäudekomplexes siehtman im nunmehrigen „Sanctuarium“ unterdem Titel „Erlösungswerk des Herrn“ dasösterliche Mysterium mit Passionsdarstellungen,Auferstehung und Eucharistie.Die beeindruckende Sakral-Sammlung vonProf. Geissler wurde am Pfingstmontag, den20. Mai 2013, feierlich eröffnet und ist jederzeitnach telefonischer Voranmeldung zubesichtigen. /Text: Freya MartinFotos: Manfred HorvathVEREin SAKRalE KultuR———————————————————2224 Niedersulz 23,Pfarrhof HerrenhausTel. 0650 9779503Besichtigung nach tel. Vereinbarungschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Ausstellung / 43Schloss OrthspurensucheAusstellungen im Schloss Orth präsentieren Terrakotta-Skulpturen aus der Renaissanceund ein zeitgenössisches Videoprojekt.Ton zu Terrakotta gezeigt, welches als attraktivesMaterial für die serielle Fertigung vonZierelementen genutzt wurde.TauschangebotDie Künstler Antje Schiffers und Thomas Sprengerdokumentieren bäuerliches Leben.Von den Renaissance-Terrakotten spanntsich der Bogen bis zum zeitgenössischenVideokunstprojekt: Orther Landwirte werdenunter dem Titel „Ich bin gerne Bauer undmöchte es auch gerne bleiben“ porträtiert.Das Schloss Orth präsentiert Wolf HubersTerrakotten und begibt sich auf die Spurender Donauschule. Wolf Huber (1485–1553),der neben Albrecht Altdorfer als der bedeutendsteMeister der Donauschule gilt, wirdheute vor allem wegen seiner leichthändigen,wie geschriebenen Landschaftszeichnungengeschätzt. Er entwickelte die „beseelte“ Landschaftvon innig-zarter Naturschilderung biszu dämonischen Visionen.Faune & FruchtgehängeNach den Verwüstungen durch die Türkenkriegeim Jahr 1529 begann Niklas Graf Salmder Jüngere mit dem Wiederaufbau vonSchloss Orth. Das Gewölbe einer Stube im„Marktturm“ an der Nordostecke ist kunstvollmit Terrakotten in Form von Wappen,Faun-, Widder- und Ziegenköpfen sowie alsTerrakotta-Schmuck aus Schloss Orth a. d. Donau.Fotos: z.V.g.Fruchtgehänge gestaltet. Ganz ähnliche Zierelementefinden sich im Schloss Neuburg amInn (Bayern), wo sie nach einem Entwurf desin Passau ansässigen Malers Wolf Hubergefertigt wurden, der 1529 von Niklas GrafSalm II. zum „pawmaister” für den Umbauseines Stammschlosses bestellt worden war.Anlässlich seiner Arbeit an dem Prunkgrabfür Niklas Graf Salm den Älteren – der alsVerteidiger von Wien bei der 1. Türkenbelagerungan einer Verwundung starb – reisteWolf Huber im Jahr 1530 nach Wien und warauch hier tätig. Da in Schloss Neuburg diekünstlerische Urheberschaft belegt ist,könnten somit die Terrakotten in SchlossOrth ebenfalls von Wolf Huber stammen. InKooperation mit dem Kulturreferat des LandkreisesPassau und der laufenden Bauforschungdes Bundesdenkmalamtes soll auf diekunsthistorisch hochspannende Zuordnungder Terrakotten als mögliches Werk von WolfHuber in Form einer Spurensuche aufmerksamgemacht werden. In Zusammenarbeitmit dem Keramikkünstler Georg Niemannwird die Verarbeitung und das Formen von„Ich bin gerne Bauer und möchte es auchgerne bleiben“, so heißt ein Videoprojekt mitOrther Bauern von Antje Schiffers und ThomasSprenger. Das Künstlerpaar aus Berlinbietet Landwirten an, ihren Hof zu malen. ImTausch gegen das Gemälde filmen und kommentierendie Landwirte ihren Hof, ihrenBetrieb und ihre Arbeit. Auf diese Weisehaben die Künstler ein Archiv von 25 Filmenzusammengetragen, Filme aus Deutschland,Österreich, aus den Niederlanden, Großbritannienund der Schweiz, aus Mazedonien,aus Rumänien und aus dem spanischen Baskenland.Im Juni werden sie ihre Tauschgeschäftemit Bauern aus dem Marchfeld fortsetzenund ihre Filme im museumORTHpräsentieren. /Konzept und Text: Hilde FuchsmuseumORth———————————————————2304 Orth/Donau, Schlossplatz 1Öffnungszeiten: Tägl. 9.00–18.00 UhrTel. 0676 5642767 (Annemarie Täubling)Bis Fr, 1. 11. 2013Wolf Hubers TerrakottenSo, 7. 7.–Fr, 1. 11. 2013Ich bin gerne Bauer und möchtees auch gerne bleibenwww.museum-orth.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museen / 44Kutschenmuseum Laa/ThayaDIE HOHE SCHULEDie Kutschenmuseum Laa hat nun einen neuen Standort im Zentrum von Laa.Über 100 Fahrzeuge erzählen ihre Geschichte.Leder. „Als ich die Victoria bekommen habe,waren es Funder-Platten.“ Die Lederkotflügelhat er selbst genäht, nämlich zwiefach. Damitdas Leder geschmeidig bleibt, wird es mitSeehundtran gefettet.Was die Wagenfabrikanten Cooper in England,waren die Brüder Binder in Paris. InWien war es die k. u. k. HofwagenfabrikSebastian Armbruster. Eine der letzten WienerCoupés von Armbruster, gebaut 1880,steht im Kutschenmuseum und stammt ausdem Schloss Atzenbrugg. Aus den Wagenbauernwurden um 1900 Automobilherstellerwie Cooper in England oder Lohner in Österreich.Die Trittstufen sind versenkt und klappen mit dem Öffnen des Wagenschlags aus.Kein Hufgeklapper, kein Schellengeläute, keinFluchen der Kutscher, kein Aufreißen desWagenschlags war zu hören. 110 Kutschenund Schlitten wurden mit einem Tiefladerübersiedelt – von der Peripherie in das Zentrumvon Laa an der Thaya.„Möbelhäuser sind mein Schicksal“, sagtWolfgang Satzer. Sein Kutschenmuseum warin einer ehemaligen Möbelhalle im Einkaufszentrumuntergebracht und hat nun imStadtkern von Laa seinen neuen Standort.Auch hier ein ehemaliges Möbelhaus, dafürdoppelt so groß. Tief im Inneren des Hausesbefinden sich alte Stallungen – hier stehennun die Prunkstücke: Kaleschen, WienerCoupés, Schlitten, Postkutschen, Victorias,Pirschwägen und Phaetons, Berlinen undZeiserlwagen, Landauer und Chaisen.Victoria und Klapp-PhaetonEin besonders feines Stück ist die Victoria,gebaut 1850 von den Gebrüdern Binder inParis, aus dem Besitz der Grafen Bardeau. Dagibt es einige Extras: die Hartgummireifen,ein Novum der damaligen Zeit, die achtfacheFederung mit elliptischen und C-Federn undeine besonders leichte Bauweise. So sind dieKotschirme nicht aus Blech, sondern ausHier ein Klapp-Phaeton, gebaut von derFirma M. Keslar um 1892. „Auf dem zweisitzigenWagen saß der Herr gemeinsam mitseiner Verlobten. Er hielt die Zügel und sieden Sonnenschirm. Und hinten“, Herr Satzerklappt aus der rückwärtigen Holzkiste einenNotsitz, „hier saß der Kutscher. Wenn dieHerrschaften dann ins Café gingen, um heißeSchokolade zu trinken, dann übernahm derKutscher das Gespann. Natürlich musste erpünktlich gestellt sein, dafür gab es die Kutscheruhr.“Livreen und Hüte, Fellsäcke undStrohüberschuhe der Bierkutscher (natürlichaus der Laaer Brauerei), mit Briketts geheizteReiseöfen, Bärenfellmäntel, Engelsgeläut unddas ganze Rundherum aus der „guten, altenZeit“ fehlen nicht. Das Engelsgeläut sind versilberteSchellen. Maria Theresia ordnete an,dass auf jedem Schlitten der Sicherheit wegenmindestens eine Schelle angebracht seinmusste.schaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museen / 45Achtfach gefederte Victoria mit vielen Extras.Die Schlitten sind besonders aufwändig undschön gestaltete Stücke, wie der Carousellschlitten,gebaut um 1790, aus Schloss Bautzenin Deutschland. „Der hat mich ein Jahrmeines Lebens gekostet“, bemerkt WolfgangSatzer. Die Schlitten wurden für den Schlittenkorsozur Faschingszeit aus der Remisegeholt. Die geschnitzten Köpfe machen siezu Figurenschlitten.LandauerHinter jeder Kutsche verbirgt sich eineGeschichte. Da gibt es jenen Wagen, derHühnern als Nachtlager diente. Als der pensionierteSchuldirektor Wolfgang Satzer ihnaus einem Waldviertler Stall holte, musste erzuerst ein paar Tage lang den Dreck wegkratzen.Zum Vorschein kam ein Glaslandauer.Die Bezeichnung Glas deutet auf dieFensterscheiben des viersitzigen Wagenshin.Die meisten Arbeiten macht er selbst. Tischlerarbeiten,Tapeziererarbeiten, Näharbeiten,löten, drechseln, schleifen, lackieren.„Ich hatte das Glück, alten Meistern auf dieFinger schauen zu können.“ Denn als er beiseiner ersten Kutsche ein Jahr auf das Radwartete, das er dem Wagner gebracht hatte,war ihm klar geworden, die Reparaturenlieber selbst zu machen. So ist es bis jetztgeblieben. Allein für das Nähen einer Nahtder ledernen Kotflügel braucht er manchmalmehr als einen ganzen Tag. Apropos Nähen:Auch über Litzen und Borten und dasGewerbe der Posamentierer weiß er genauBescheid.Bei genauer Betrachtung ist jede Kutschehohe Schule des Handwerks. Das beginntbeim Wagenrad bis über die Aufhängungdes Wagenkastens, von der Federung bis zurFührung der Riemen, von den Laternen biszur Aufstiegshilfe für den Kutscher – diesebefindet sich an der Radnabe und nennt sich„Haufen“ –, von den geschliffenen Scheibenbis zu der Rautentapezierung im Inneren.Messingleisten verdecken die Nägel, mitdenen das Leder fixiert wird. Um diese Messingleistenzu rollen, hat Wolfgang Satzereine eigene Maschine gebaut.HalbberlineDie Halbberline des Bischofs von Trnava/Tyrnau hat versenkbare Fensterscheiben,Kartentaschen, eine prunkvolle Lakaienbrücke,jede Menge Quasten und Borten undeinen dunkelblauen Himmel. „Mit Leintüchernhabe ich drei Tage das Faltenlegengeübt“, erklärt Satzer, bevor er sich an dieBespannung der Kutschenhimmels heranwagte.Die Berline ist ein voll durchgefederter,viersitziger Reisewagen, der ab dem17. Jahrhundert gebaut wurde. Die Halbberlinehat zwei Sitze. Der Wagenkasten hängtüber Langbäumen an leichten Federn sehrhoch über dem Erdboden und war nur miteiner kleinen Leiter erreichbar. Wenn WolfgangSatzer den Wagenschlag öffnet,schwenkt die Aufstiegshilfe heraus. AlleKutschen sind einsatzbereit.Hochzeiten und Begräbnisse, Firm- undFirmenausflüge bringen dringend benötigtesGeld. Coupé und Co. finden sich inzahlreichen Filmen wieder. Einer der größtenEinsätze war in Schloss Weinern imWaldviertel, das als Schloss Possenhofen imFilm „Sophie – Sissis kleine Schwester“ zusehen ist – Wolfgang Satzer rückte mit 18Kutschen aus: „Da hat sogar die alte Gräfinergriffen ausgerufen: ,Wie in alten Zeiten!‘“Wenn Wolfgang Satzer von seinen Kutschenerzählt – und das tut er mit nie versiegenderLeidenschaft –, dann hört man es: das Hufgeklapperund Schellengeläute, das Fluchender Kutscher und das Aufreißen des Wagenschlags./Text: Mella WaldsteinFotos: Herbert JaitnerKUTSCHENMUSEUM———————————————————2136 Laa/ThayaBürgerspitalgasse 4ÖffnungszeitenBis Ende Oktober,Sa, So und Fei 14.00–17.00 Uhr,Haupteingang Bürgerspitalgasse 4Mo–Fr 9.00–17.00 Uhr undSa 9.00–12.00 Uhr,Eingang Stadtplatz durch den„BuchLAAden“www.kutschenmuseum-laa.atschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museum / 46Kulturbrücke FratresDIE UNIVERSELLESPRachE DER KUNSTDas Sommerprogramm der „Kulturbrücke Fratres“ ist Garant füranspruchsvolle Kunst- und Grenzüberschreitung.Museum Humanum und Pfeiler der Kulturbrücke:Gutshof Frates.Fratres ist ein Dorf an der menschenleerenGrenze des Waldviertels. Hier waren KardinalFranz König und Vaclav Havel zu Gastebenso wie Carl Djerassi, der „Erfinder derPille“, tibetanische Würdenträger, Botschafter,Schriftsteller wie Pavel Kohout, BarbaraFrischmuth, Robert Schindel, Vladimir Vertlieb,Felix Mitterer und heuer Peter Turrini,Wissenschafterinnen wie die BiochemikerinRenee Schroeder, das Prager Nationaltheaterund der senegalesische Musiker OusmaneKeba Cissokho. Kunstschaffende und Denkeraller Himmelsrichtungen treffen einanderauf der „Kulturbrücke Fratres“.Birken säumen den Weg zum Gutshof. Erumfasst einen großen Innenhof und einHerrenhaus, daran grenzt ein weitläufigerKuhstall. In diesem hat der PrivatgelehrtePeter Coreth das Museum Humanum eingerichtet.Und hier ist der Sitz des Vereins„Kulturbrücke Fratres“, der nicht nur dasWaldviertler Dorf mit dem nahen tschechischenRenaissancestädtchen Slavonice/Zalbingsverbindet, sondern ein Zentrum derBegegnung von Kunst, Gesellschaft undWissenschaft ist. Das passt gut zum MuseumHumanum, dessen Objekte aus 30.000Jahren Menschheitsgeschichte in den interkulturellenDialog treten. Im Zentrum stehendie bedeutungsvermittelnden Eigenschaftenvon Kunstwerken und anderenZeugnissen der materiellen Kultur. Dieseveranschaulichen den Wandel künstlerischerMotive und Formensprache vor demHintergrund der Evolution von Magie,Mythos, religiösem und rationalem Denken.Rendezvous an der GrenzeDas Sommerprogramm der Kulturbrückepräsentiert zum Thema „Grenzraum &Grenzerfahrung“ den Film „Rendezvous ander Grenze“. Electric Ballroom, der Vereinfür junge darstellende Kunst im Waldviertel,zeigt darin die Lebenswirklichkeit derJugend in dieser Region. In der begleitendenAusstellung, kuratiert von Margherita Belcredi,nähern sich Künstlerinnen undKünstler beider Seiten der ehemaligen Grenzemit Installationen und Videoarbeiten den„Leeren Linien“.Ein Höhepunkt des diesjährigen Programmsist der Auftritt der tschechischen Kultlegendeund ehemaligen Undergroundband„Plastic People of the Universe“. Die Verhaftungder Bandmitglieder im Jahre 1976war der Auslöser, der zur Gründung dertschechoslowakischen BürgerrechtsbewegungCharta 77 führte.Museen – Orte derNachdenklichkeit?Neben künstlerischen Positionen stehengesellschaftsrelevante Themen. Unter demMotto „Helfen ohne Distanz“ wird nicht nurdie Aktivistin Ute Bock von ihren Sozialprojektenerzählen, sondern auch der französischeArmenpriester und Gründer derEmmaus-Gemeinschaft, Abbe Pierre (1912–2007), vorgestellt. Der Dokumentarfilm„Liebet eure Feinde“ zeigt das Leben desPädagogen und Humanisten Premysl Pitter(1895–1976), der Arbeiterkindern aus Pragein Zuhause gab und nach dem ZweitenWeltkrieg tschechischen, jüdischen unddeutschen Kriegswaisen in den von ihmgeführten Häusern eine gemeinsame Heimatund Zukunft gab – bis er durch daskommunistische Regime gezwungen wurde,nach Deutschland zu emigrieren. Ein Symposiumüber „Museen – Orte der Nachdenklichkeit?“und eine Lesung von PeterTurrini vervollständigen das aktuelle Programm.Peter Coreth: „Die Lage an der Nahtstelleunterschiedlicher Sprachen und Denkweisenhat sich von Anfang an als vorteilhafterwiesen. Wo politischer und historischerKonfliktstoff die neue Nachbarschaft vonTschechen und Österreichern immer wiedertrübt, kann die universelle Sprache derKunst auf einer höheren Bedeutungsebenevermitteln …“ /Text: Mella WaldsteinFoto: Kulturbrücke Fratresschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Museen / 48Egon Schiele-GeburtshausRaumgEFÜHLDas Egon Schiele-Geburtshaus am Tullner Bahnhof präsentiert sichals authentischer Raum mit Mut zur Lücke.Die Wohnung der Familie Schiele am Bahnhof Tulln: Das Ausgestellte ist lediglich eine „Idee“vom Aussehen der damaligen Wohnung.Mitte Juni wurde am Tullner Bahnhof dieumgebaute Geburtswohnung Egon Schieleseröffnet. In diesen Räumlichkeiten verbrachteeiner der größten österreichischenKünstler das erste Jahrzehnt seines Lebens.Das französisch-italienische Ausstellungsteamtoikoi wurde eingeladen, die Gestaltungund kuratorische Begleitung zu übernehmen.Sie zeigen hier einen interessantenAnsatz sowie eine mutige Lösung. DieGestalter verzichteten weitestgehend aufRekonstruktion, sondern vermitteln einGefühl für den Raum – indem sie dessenGeschichte erzählen – und lassen absichtlichFragen offen, für die es keine nachgewiesenenAntworten gibt.Das Konzept der RaumvermittlungZuallererst wird die Einzigartigkeit desGeburtshauses gegenüber einem Museumoder einem anderen Ausstellungsraum überSchiele hervorgestrichen. Die Authentizitätdes Raumes, das Wohngefühl soll für denBetrachter nachvollziehbar sein. Der Raumhat nachweislich einen Einfluss auf die Person,spielt eine Rolle im Leben eines Menschen.Aus diesem Grund wurden die dreiRäume (Esszimmer, Eltern- und Kinderschlafzimmer)als Wohnräume erkennbargemacht und sind somit frei von kulturgeschichtlichenHintergrundinformationen.Diese Räumlichkeiten werden dem Wohngefühlüberlassen. Soundduschen erzählen hierzahlreiche Geschichten, die sich in den Räumender Wohnung ereignet haben. DieGeschichten selbst gehen „unter die Haut“,birgt sich in ihnen doch die ganze Bandbreitevon Aufstieg und Fall einer Tullner Familieder Zeit um 1900. Es entsteht eine klareTrennung zwischen dem inszenierten Lebenin der Wohnung einerseits und den pädagogischaufbereiteten kulturgeschichtlichenHintergrundinformationen andererseits. Ineinem zusätzlichen Raum, der eindeutigerkennbar kein Teil der Schiele-Wohnungist, kann sich der Besucher weiter informieren:Ein interaktives Display, Bilder, Skizzen,Briefe und Videos stehen zur Verfügung.Ein authentischer Ort,keine RekonstruktionEine Herausforderung in der Gestaltung derRäumlichkeiten war das Fehlen von Originalmöbelnoder Fotografien der Wohnung.Rein die Erzählungen der Schwestern vonEgon Schiele erlauben eine relativ präziseZuordnung der Zimmer und auch derMöbelstil lässt sich anhand von Erbstücken,die sich in der Wohnung der älteren SchwesterMelanie Schiele fanden, rekonstruieren.Das Gestaltungskonzept macht dies zumThema und arbeitet mit „konzeptuellen“Möbeln. Die gezeigten Möbel sind Originaleaus der Gründerzeit. Sie haben jedoch keinenAnspruch darauf, originale Stücke derSchiele-Wohnung zu sein. Um dies zu verdeutlichen,wurden allesamt hellgraulackiert. toikoi zeigt hiermit einen kreativenAnsatz im Umgang mit Wissenslücken. DasSichtbare, das Ausgestellte ist lediglich eine„Idee“ vom Aussehen der damaligen Wohnung.Es ist eine Möglichkeit, wie es gewesensein könnte. Das Konzept von toikoi ist ehrlich.Mangelnde Überlieferung wird nichtkaschiert, sondern thematisiert. /Text: Isabelle BlancFotos: toikoiEGON SCHIELE-GEBURTSHAUS———————————————————Hauptbahnhof Tulln3430 Tulln, Bahnhofstraße 69Tel. 02272 64570ÖffnungszeitenTägl. 8.00–20.00 Uhrwww.egon-schiele.euschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Kultur.Region / 49INTERNVOLKSMUSIKSENDUNGENDES ORF———————————————————ORF 2GOLDENER IGEL——————————————————————Schaugärten von „Natur im Garten“, die dieKriterien der Aktion eine ganze Saison zurGänze erfüllen konnten, wurden heuer erstmalsmit einer neuen Auszeichnung geehrt:dem „Goldenen Igel“. Das MuseumsdorfNiedersulz wurde mit dem „Goldenen Igel“ausgezeichnet. Im Bild v. l. n. r.: Dr. VeronikaPlöckinger-Walenta (Geschäftsführung undWissenschaftliche Leitung MuseumsdorfNiedersulz), Mag. Wolfgang Sobotka (LH Stv.),Ulrike Nehiba (Leitung Grünraum MuseumsdorfNiedersulz). Foto: Natur im Garten_Eröffnung Bibelgarten——————————————————————sulz), René Lobner (Landtagsabgeordneter undStadtrat Gänserndorf), Dr. Veronika Plöckinger-Walenta(Geschäftsführerin und wissenschaftlicheLeitung Museumsdorf Niedersulz),Superintendent Mag. Paul Weiland, Dr. EdgarNiemeczek (Geschäftsführer Kultur.Region.Niederösterreich und Museumsdorf Niedersulz),Prälat Abt Mag. Matthäus Nimmervoll,Dr. Jutta Henner von der ÖsterreichischenBibelgesellschaft, Ulrike Nehiba (LeitungGartenteam Museumsdorf), Dr. Martin Steinhauser(Bezirkshauptmann Gänserndorf)._Wir gratuliEREn——————————————————————Ihren runden Geburtstag feiern unsereEhrenmitglieder:Alois Döller (70), Oberwölbling, 23. JuniPeter Obersteiner (80), Limberg, 10. JuliVzbgm. Johann Leitner (65), Hernstein, 24. JuliGerhard Müller (70), Mödling, 26. JuliLAbg. a. D. Josef Spiess (80), Ternitz, 10. AugustProf. Dir. Viktor Mayerhofer (65), 17. AugustKR Friedrich Bläuel (85), Mauerbach, 17. AugustIhren besonderen Geburtstag feiert unserEhrenmitglied:StadtR a. D. Eleonore Hebenstreit,Tulln an der DonauIhren runden Geburtstag feiern unsereMitglieder:Leopold Ochsenbauer (70), Weiten, 5. JuliJosef Hiemetsberger (70), Leutzmannsdorf,17. JuliIng. HR Oskar Lazansky (70), Wien, 11. AugustJohann Hartmann (65), Maria Taferl, 20. AugustRektor Josef Roßmeisl (65), Deggendorf,Deutschland, 26. AugustZur Verleihung des Berufstitels Professorgratulieren wir herzlichst Abg.z.NR Prof.Ewald Sacher._Wetter-Panoramatäglich 7.30–9.00 UhrKlingendes ÖsterreichDo, 15. 8., 20.15 Uhr: „Wege durch dieZeiten“ – Von der Flattnitz nach SchlossMooshamFernsehfrühschoppenDo, 15. 8., 12.00 Uhr, Mariä Himmelfahrt_ORF 3Unser ÖsterreichSa, 17.00 Uhr; Mo, 12.00 Uhr_RADIO NIEDERÖSTERREICHaufhOHRchen, Di, 20.00–21.00 Uhr2. 7.: Auf in den Sommer!Gestaltung: Hans Schagerl9. 7.: Volkskultur aus NiederösterreichGestaltung: Dorli Draxler16. 7.: Im Sommer hinaus aufs LandGestaltung: : Edgar Niemeczek23. 7.: Volksmusikalische KostbarkeitenGestaltung: Walter Deutsch30. 7.: Neues aus der VolksmusikGestaltung: Edgar Niemeczek6. 8.: Niederösterreichischer Almwandertag,Gestaltung: Hans Schagerl13. 8.: Volkskultur aus NiederösterreichGestaltung: Dorli Draxler20. 8.: „Aufhebenswert“ rund um dieJubiläen des NÖ Landesarchivs und derNÖ LandesbibliothekGestaltung: Edgar Niemeczek27. 8.: Volksmusikalische KostbarkeitenGestaltung: Walter DeutschKlassik am Abend, 21.00 UhrDo, 4. 7., Bundespreisträgerkonzertprima la musica„vielstimmig“ – Die Chorszene Niederösterreich,Do, 20.00–20.30 Uhr4. 7., 18. 7., 1. 8., 15. 8., 29. 8.G’sungen und g’spielt &Für Freunde der Blasmusik,Mi, Do, 20.00–21.00 UhrMusikanten spielt’s auf,Fr, 20.00–21.00 UhrFrühschoppen,So, 11.00–12.00 UhrProgrammänderungen vorbehalten,Detailprogramme auf www.orf.atAm 26. Mai wurde der Bibelgarten im MuseumsdorfNiedersulz eröffnet. Pflanzen spielenin der Bibel eine grundlegende Rolle. Beginnendbeim Schöpfungspsalm, in dem vonWein, Öl und Brot gesprochen wird, über dasHohelied Salomos mit seiner Beschreibung vonRosen, Safran und Henna bis hin zu den vielenGleichnissen Jesu Christi. Die Segen erteiltenPrälat Abt KR Mag. Matthäus Nimmervollund Superintendent der Diözese NÖ Mag.Paul Weiland. Im Bild v. l. n. r.: Otto KurtKnoll (Geschäftsführer Museumsdorf Niederschaufenster/ Kultur.Region / Juli/August 2013


Die letzte Seite / 502 nd lifeEine Bank im Grünen ist fast schon einUrlaub. Unser aktuelles Urlaubsziel ist diePalettenbank, bequem in der Höhe und beimZurücklehnen mit Himmelblick-Garantie.1961 unterzeichneten die Vereinigung europäischerEisenbahnen einen Vertrag übertauschbare Paletten. Die Europoolpalette, imVolksmund Europalette genannt, mit denMaßen 1.200 × 800 × 144 Millimeter undeinem Gewicht von etwa 20 Kilogramm wargeboren. Allein in Deutschland werden etwa80 Millionen Paletten jährlich produziert.Für die Palettenbank braucht es zwei Paletten;das Design kommt von der Upcycling-Plattform „we upcycle“, die von MagdalenaAkantisz und Lisa Schultz ins Leben gerufenwurde. Zurzeit arbeiten beide als Grafikdesignerinnenin Wien und betreuen dieSeite weupcycle.com, wo täglich seit über780 Tagen neue Ideen vorgestellt werden. /LandeinwärtsREttET DIE ANSichtSKARTE„Liebe Mitzi-Tant’! Das Wetter ist schön, dasEssen ist gut. Es grüßen dich herzlich …“;heute kommt bestenfalls eine SMS: „chillenam strand. echt g’schmeidig :-D“.Die Urlaubszeit naht – und die KulturtechnikAnsichtskartenschreiben ist akut bedroht.Die offizielle, postamtliche Einführung derPostkarte in Österreich-Ungarn war im Jahre1869. Postkarten sind per Definition dannAnsichtskarten, wenn auf der Rückseite (sic!:die Post hat einen anderen Blick auf die Dingeals wir) Bilder bzw. Fotografien sind. Anfangsschmückten Lithografien die Bildseite (odereben Rückseite). Die Grußworte durften nurauf der Bildseite geschrieben werden, dieVorderseite (oder Adressseite) gehörte ganzallein der Post und war nur für die Adressevorgesehen. 1904 wurde die „geteilte Adressseite“eingeführt, nun war auf der Adressseiteauch Platz für die Grußworte. Postkartenwurden vorerst zu festlichen Anlässengeschrieben. Mit der Sommerfrische undbeginnendem Tourismus kamen die Grüßeaus überall.Die Bildmotive unterliegen dem Wandel derZeiten. In den 1960er Jahren war man durchausstolz auf asphaltierte Parkplätze vor denGasthöfen, auf Neubauten und Sendemastenund präsentierte diese selbstbewusst. Späterkamen die Karten mit der heilen, romantischenWelt. Oder die halbwitzigen, die Kartenmit Loch und die mit 3D-Effekt, die rundenund herzförmigen und die, auf denennichts zu sehen ist, à la „St. Pölten by night“.Die Menschheit – als sie noch Postkartenschrieb – kann in zwei Kategorien eingeteiltwerden: die Ausnützer, die jedes freies Fleckchenbeschreiben, und die Pflichterfüller, diemit dem Standardsatz (siehe Anfang). DieMarkierer mit dem Pfeilchen („Hier wohneich“) sind in beiden Kategorien anzutreffen.Das Schreiben von Ansichtskarten ist eingesellschaftlicher Akt am Tisch eines Gasthauses,in einer Strandbar, in der Berghütte.Oft ist der Wille da, allein es fehlt an Briefmarkenund Postkästen. So kommt es, dassviele Ansichtskarten ihr Leben in einemKoffer aushauchen und ihre Botschaft bleibtunerhört:Liebe Leute!Rettet die Ansichtskarte!Herzlich grüßt Ihre Mella Waldsteinschaufenster / Kultur.Region / Juli/August 2013


Damit Visionen Wirklichkeit werden, ermöglicht Raiffeisenviele Kulturveranstaltungen durch seine regionalen undlokalen Förderungen. Denn Realisierung und Erfolg vonKulturinitiativen hängen nicht nur von Ideen, sondern auchvon fi nanziellen Mitteln ab. Gemeinsam ist man einfachstärker. www.raiffeisen.at


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