Die Wirtschaft August 2015

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Branchen & Betriebe: Die

Welt des guten Farbtons

Seite 12/13

Geld & Geschäft: Schutz vor

windiger Geldanlage

Seite 17

Leben & Wissen: Im Takt

der guten alten Zeit

Seite 28/29

DIE WIRTSCHAFT

Ausgabe 4/15

Münster | Münsterland

www.die-wirtschaft-muensterland.de

www.agravis.de

Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG

Soester Straße 13, 48155 Münster

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Preis: 2,00 Euro

Achtung,

Baustelle!

Beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur

mangelt es an Geld und gutem Willen

Diskussionen über die chronisch

unterfinanzierte Verkehrsinfrastruktur

haben hin und wieder den

Charakter eines Kartenspiels. Die

Verantwortung für das Wohl und

Weh eines Projekts wird wie der

„Schwarze Peter“ hin- und hergeschoben.

In jüngster Zeit besonders

gut an den Schaukämpfen über die

Verteilung von EU- und Bundeszuschüssen

abzulesen. Das Ärgerliche:

Auch im Münsterland wartet die

Wirtschaft auf die Umsetzung mehrerer

wichtiger Projekte.

Die Schubladen der Planer

fast leer, kaum baureife

Straßenbauprojekte in

NRW. Folge: Das Land

werde im Ländervergleich

abgehängt. So düster beschreibt

der CDU-Verkehrspolitiker

Klaus Voussem die Lage

unter Rot-Grün und verweist

darauf, dass vom 2,7 Milliarden

Euro schweren

Investitionspaket des

Bundes nur 128 Millionen

nach NRW

tröpfeln. Stimmt alles

nicht, hält Verkehrsminister

Michael

Groschek dagegen: NRW

werde von Bundesverkehrsminister Alexander

Dobrindt absichtlich und mutwillig

benachteiligt.

Fortsetzung auf Seite 2

OFFEN GESAGT

Los jetzt!

Die Verkehrsinfrastruktur in

Deutschland ist auf den

Hund gekommen. Das muss

man wohl so sagen. Straßen

kaputt, Brücken marode und

zu wenig Geld da für die Sanierung

oder den nötigen Neubau.

Das ist ein Trauerspiel.

Mindestens genauso schlimm

aber sind in diesem Kontext

drei andere Aspekte. Da ist

zum einen der Faktor Zeit, die

mangelnde Kooperation und

die Ebbe in der Projektmappe.

Dass beispielsweise die Planungen

für den Ausbau der B67n

bis in das Jahr der ersten

Mondlandung 1969 zurückgehen

– und noch immer nichts

passiert ist, zeugt nicht gerade

von effektiver Arbeit. Dass

beim sechsspurigen Ausbau der

A1 zwischen dem Kamener

Kreuz und dem Kreuz Lotte/

Osnabrück sowohl Bund als

auch Land Ja sagen, bei der

Frage des Wie jedoch an den

entgegengesetzten Enden des

Seiles ziehen ist widersinnig.

Geradezu grotesk wird das

Ganze, wenn in Berlin dann

doch ein paar Milliarden für

neue Verkehrsprojekte auf der

hohen Kante liegen und NRW

gerade keine planungsreifen

Projekte in der Schublade hat.

Also: Gas geben bei der Planung,

Schulterschluss bei Vorhaben,

die unstrittig sind –

schließlich eignet sich das Thema

Verkehrsinfrastruktur nicht

für parteipolitisches Fingerhakeln

– und endlich nicht nur

auf Sicht, sondern vorausschauend

fahren, heißt: frühzeitig

für die Zukunft planen.

All das darf man wohl erwarten.

er

Die besten Arbeitgeber

Wettbewerb „Great Place to Work“ geht im Münsterland in eine neue Runde

Sparkasse Münsterland Ost, Apetito,

Zeb, Orderbase Consulting,

Erdgas Münster Gruppe und WL

Bank haben eines gemeinsam: Sie

tragen jeweils die Auszeichnung

„Great Place to Work“.

4 198869 002009

2 0 0 3 5

Auch in diesem Jahr können

sich Unternehmen

wieder an der Initiative

„Beste Arbeitgeber im

Aünsterland“

M

beteiligen.

Ziel der 2012 ins Leben gerufenen

Initiative ist es, Unternehmen

und Arbeitgeber der Region nachhaltig

darin zu unterstützen, ihre Arbeitgeberattraktivität

auf Basis zuverlässiger

Standards zu messen, zu vergleichen

und weiterzuentwickeln. Zugleich

soll das Münsterland als attraktiver

Arbeits- und Wirtschaftsstandort

gestärkt werden.

Denn: Aus Mitarbeitersicht nachweislich

sehr gute Arbeitgeber haben engagiertere

Beschäftigte und sind damit

leistungsfähiger und innovativer.

Sie zeigen durchschnittlich eine um

bis zu 50 Prozent geringere Zahl an

Krankheitstagen, eine nur halb so hohe

Fluktuationsrate und eine signifikant

bessere Wirtschaftlichkeit. Zugleich

haben attraktive Arbeitgeber

deutliche Vorteile bei der Gewinnung

und Bindung von Fachkräften. Münsterland

e.V. und der Bundesverband

mittelständische Wirtschaft (BVMW)

sind Partner der Initiative.

Die Teilnehmer profitieren von der

Analyse und der Entwicklungsunterstützung.

Die besten Arbeitgeber der

Region zeichnet das internationale

Forschungs- und Beratungsinstitut

mit dem international anerkannten

„Great Place to Work“-Qualitätssiegel

aus, welches die Preisträger automatisch

für den Landeswettbewerb „Beste

Arbeitgeber in NRW“ qualifiziert.

Mitmachen können große, mittlere

und kleine Unternehmen (ab zehn Beschäftigten)

sowie Non-Profit-Organisationen,

öffentliche Einrichtungen

und weitere Arbeitgeber aller Art. Informationen

unter www.greatplacetowork.de/münsterland.

Die Teilnahme an einer Benchmark-

Befragung „Beste Arbeitgeber im

Münsterland“ ist auch ohne Wettbewerbsteilnahme

möglich. Ansprechpartner

ist Georg Reckersdrees, Telefon

0221/ 93 33 5 - 147, E-Mail: greckerdrees@greatplacetowork.de

Wir helfen wachsen.


2 MACHER & MÄRKTE

AUS DEM INHALT

„Wir müssen ganz massiv gegensteuern“ – Interview mit Michael

Radau, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland

Seite 4/5

Ein Land verändert sein Gesicht – Die Folgen der Landflucht und

des demografischen Wandels Seite 6

„Berufsausbildung braucht eine noch stärkere Lobby“ – Interview

mit Michael von Bartenwerffer, Vorsitzender der WIN Wirtschaftsinitiative

Münster Seite 7

Das Haus von heute denkt mit – In der Smart-Home-Technik steckt

ein großes Potenzial Seite 10/11

Seife für die Semper-Oper – Die Firma ulticom aus Ahaus engagiert

sich erfolgreich auf dem Hygienemarkt Seite 14

Wie damals auf der Walz – Immer mehr Auszubildende im Handwerk

gehen zeitweise ins Ausland Seite 15

Einen guten Rat gibt es nicht umsonst – Honorarberatung und Provisionsberatung

in der Diskussion Seite 19

Vererbt wird nach dem Landesrecht im Ausland – Europäische Erbrechtsverordnung

bringt gravierende Änderungen Seite 18

Der weite Weg zur perfekten Schicht – Das Netzwerk Oberfläche

NRW ist im Münsterland zu Hause Seite 20/21

Beim Recruiting punkten wie die Metropolen – Kreis Warendorf

startet über die Wirtschaftsförderung einen „Willkommens-Service“

für Fachkräfte Seite 22

Für gute Mitarbeiter muss man brennen – 1. Westfälischer Kongress

für Mitarbeiter-Begeisterung Seite 23

Kaum Fortschritte in NRW – Kommunaler Finanzreport sieht Kommunen

und Kreis in der Bredouille Seite 24

Benehmen ist schon lange nicht mehr Glückssache – Von Tischmanieren

und Taktgefühl: Eltern haben eine wichtige Vorbildfunktion

Seite 25/26

Na, das ist ja wieder so ein Zufall – Wissenschaftler machen sich

daran, das Dauer-Rätsel zu lösen. Seite 27

Der Mann, der alles konnte – Im Kunstmuseum Pablo Picasso rivalisiert

Jean Cocteau freundschaftlich mit dem Namensgeber

Seite 30

Ein Schlips mit Elementarteilchen – Zwei IT-Berater haben eine Lösung

zum Stabilisieren von Krawatten gefunden Seite 31

Dichter Verkehr schiebt sich durch eine

Stadt.

Foto: dpa

Politik spielt

Ping-Pong

Kritik am abnehmenden Personalbestand

Andere Länder hätten auch

keine fertigen Pläne in der

Lade, bekämen aber Bau-

Millionen zugeschoben,

Aonierte m Groschek. Im Übrigen

hätten frühere CDU-Verkehrsminister

von 2005 bis 2010 rund 700 Stellen

bei Straßen NRW abgebaut. „Da haben

wir viele exzellente Planungsingenieure

verloren.“

Ein solches Polit-Ping-Pong begleitet seit

Jahren die Debatten zur Verkehrsinfrastruktur.

Es ist wohl an allen Positionen

etwas dran. Tatsache ist, dass der für die

Planung zuständige Landesbetrieb Straßen

NRW in seinem jüngsten Jahresbericht

selbst Alarm schlägt: Ziel sei es, immer

einen „Grundstock“ baureifer Planungen

in der Schublade zu haben. „Allerdings

führt der abnehmende Personalbestand

dazu, dass für die Zukunft ein

ausreichender Bestand an baureifen Planungen

nicht mehr sichergestellt werden

kann.“

Diese Lage ist eigentlich nicht neu, doch

Groscheks Amtsvorgänger Harry Kurt

Voigtsberger änderte nichts daran. Mit

dem grünen Verkehrsstaatssekretär

Horst Becker hatte er sich zwischen 2010

und 2012 in ein Patt hineinmanövriert.

Das gipfelte vor vier Jahren in einer sogenannten

Prioritätenliste, bei der vor allem

ein Großteil der Projekte tatsächlich

eingefroren wurde – gemäß dem inzwischen

bundesweit gültigen Motto „Erhalt

geht vor Neubau“.

Den 2011 quasi verhängten Planungsstillstand

hat Groschek aufgelöst, indem er

externe Planungsbüros unter Vertrag

nahm. „Wir werden bis 2017 wieder baureife

Planungen in Höhe von zwei Milliarden

Euro in der Schublade haben“, kündigte

der NRW-Verkehrsminister Anfang

August an. Aber eigentlich fordert er

einen Systemwechsel: Statt die Länder

für die Schublade planen zu lassen, müsse

der Bund relevante Vorhaben definieren

und dann finanzieren. Die großen

Bahnprojekte – vom RRX, dem Ausbau

der Strecke Münster-Lünen bis zur Sanierung

von 270 Brücken – stehen auf einem

weiteren Blatt.

Der frühere CDU-Verkehrsminister Oliver

Wittke, jetzt im Bundestag, warf seinem

Nachfolger vor, ihm fehle der Mut ,

auch umstrittene Projekte baureif zu machen.

„Jetzt regnet´s Brei, und NRW fehlen

die Löffel.“

Groschek indes wird die Planer nur in Teilen

mit Neubauprojekten befassen können:

Sein größtes Infrastrukturproblem

sind die maroden Brücken, 6600 müssen

auf ihre Statik überprüft werden. Das

raubt ihm viele Ressourcen.

Dabei wartet das Münsterland auf die

Realisierung verschiedener Großprojekte

wie A1-Ausbau und B 64 n. Letztere soll

jetzt möglicherweise abgespeckt realisiert

werden. Eine Vorgehensweise, die

Befürworter dieser schon lange geforderten

West-Ost-Verbindung höchst kritisch

sehen. Als Klein-Klein-Projekt gerate das

Vorhaben deutlich ins Hintertreffen.

Und nächste „Baustellen“ kündigen sich

schon an: Münsters Wachstum braucht

auch eine ergänzte innerstädtische Infrastruktur.

Schon heute muss das Oberzentrum

täglich 500 000 Kfz-Fahrten verkraften

Eine Stadt, die derart wachse,

dürfe beim Straßenbau nicht die Hände

in den Schoß legen, formulierte kürzlich

Joachim Brendel, Verkehrsexperte der

IHK Nord Westfalen, die Sicht der Wirtschaft.

hir/wk

IMPRESSUM

DIE WIRTSCHAFT Münster | Münsterland

Verlag und Herausgeber: Aschendorff Verlag GmbH & Co.

KG, Geschäftsbereich: Media & Sales, Soester Str. 13,

48155 Münster, Telefon: 0251.690-0, Telefax: 0251.690-

804801

Redaktion: Claudia Bakker (verantw.)

Anzeigen: Anzeigenleitung: Herbert Eick, E-Mail: anzeigen@die-wirtschaft-muensterland.de

Objektleitung: Katharina Heidmann, Telefon: 0251.690-

4701, Telefax: 0251.690-804801

Gestaltung/Layout: Lisa Stetzkamp

Druck: Aschendorff Druckzentrum GmbH & Co. KG, An der

Hansalinie 1, 48163 Münster, Telefon: 0251.690-0, Telefax:

0251.690-215; Auflage: 17.000 Exemplare

www.die-wirtschaft-muensterland.de

Kernnetze stehen im Fokus

Brüssel hat die Prioritäten bei der europäischen Verkehrsförderung neu gesetzt

Europäische Infrastrukturprogramme

leisten einen wertvollen

Beitrag für die Mitfinanzierung

von Straße,

Schiene und Wasserstraße in

Deutschland. Gegenüber dem letzten Finanzierungszeitraum

erhöhte die Europäische

Union laut Dr. Markus Pieper die

Mittel für die sogenannte „Connecting

Europe Facility „(CEF) von 2014 bis 2019

von acht auf 24 Milliarden Euro.

„Mit diesem Geld fördert Brüssel vorrangig

Investitionen entlang verkehrlicher

Langstreckenkorridore. Der Ausbau

eines transeuropäischen Verkehrsnetzes

(TEN) soll – in Abstimmung mit den Mitgliedsstaaten

– für definierte Verkehrsachsen

und Ausbauplanungen bis 2030

(Kernnetz) bzw. 2050 (Gesamtnetz) erfolgt

sein“, so der münsterländische

CDU-Europaabgeordnete, Mitglied im

Verkehrsausschuss des Europäischen

Parlaments.

Die Umstellung der europäischen Verkehrsförderung

von der prioritären Anbindung

abgelegener Regionen auf ein

europäisches Kernnetz mit hoher Verkehrsdichte

eröffnet nach seinen Angaben

gute Chancen für deutsche und hier

insbesondere nordrhein-westfälische Infrastrukturprojekte.

Die TEN-Verordnung

regelt das Achsenkonzept und definiert

Ausbauplanungen. Die CEF-Verordnung

bestimmt den Einsatz der Zuschussund

Finanzinstrumente für die europäisch

relevanten Investitionsvorhaben in

Verkehrs- sowie – in geringerem Umfang

– Energie- und IT-Netze.“

Zusätzlich kann auch NRW vom 2015

aufgelegten Europäischen Fonds für strategische

Investitionen (EFSI) profitieren.

Mit dem EFSI akquiriert die Europäische

Investitionsbank auf der Basis eigener

und von Garantien aus dem EU-Haushalt

private Gelder für tragfähige Projekte.

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im Arbeitsalltag aus.


MACHER & MÄRKTE 3

RICHTUNG

BREMEN

2. Abschnitt

Abfahrt Lengerich bis

Dortmund-Ems-Kanal

(Höhe FMO), Planfeststellungsbeschluss

steht aus.

Baubeginn frühestens 2015.

3. Abschnitt

Dortmund-Ems-Kanal

bis Abfahrt Greven, Planfeststellungsverfahren

2014

eingeleitet. Ende nicht absehbar.

1. Abschnitt

Lotte/Osnabrück bis zur Abfahrt

Lengerich, Planfeststellungsbeschluss

steht aus. Baubeginn

frühestens 2015.

LOTTE

A1

1

OSNABRÜCK

Freie Fahrt statt

Kriechverkehr

Der Bund entscheidet über den Bundesverkehrswegeplan,

im Münsterland gibt es drei zentrale Projekte.

RICHTUNG

DORTMUND

ASCHEBERG

GREVEN

WERNE

9. Abschnitt

Hamm-Bockum/Werne

bis Autobahnkreuz Kamen,

Planfestellungsverfahren

2015 eingeleitet.

MÜNSTER

KAMEN

A1

LADBERGEN

4. Abschnitt

Abfahrt Greven bis Münster-

Nord, Planfeststellungsverfahren

2013 eingeleitet, 800 Einwände

liegen vor. Ende nicht absehbar.

5. Abschnitt

Münster-Nord bis -Süd,

Autobahnabschnitt sechsspurig

ausgebaut.

6. Abschnitt

Münster-Süd bis Dortmund-

Ems-Kanal, Autobahnabschnitt

sechsspurig ausgebaut.


7. Abschnitt

Dortmund-Ems-Kanal bis

Ascheberg, Planfeststellungsverfahren

2015 eingeleitet.

8. Abschnitt

Ascheberg bis Hamm-Bockum/

Werne, Planfeststellungsverfahren

2015 eingeleitet.

LENGERICH Mobilität ist einer

der zentralen Begriffe

der Gegenwart. Weil das so

ist, kommt der Verkehrsinfrastruktur

eine immer größere

Bedeutung zu.

Bald hat das

Warten ein

Ende: In wenigen

Wochen

wird

Berlin den Bundesverkehrswegeplan

2015

verabschiedet und damit

die Entscheidung getroffen

haben, wo in Deutschland

in den nächsten Jahren wie

viel Geld in die Verkehrsinfrastruktur

investiert wird.

Im Münsterland sind es drei

Projekte, die nach Jahren des

Wartens jetzt umgesetzt werden

könnten: der sechsspurige Ausbau der

A 1 zwischen dem Kamener Kreuz

und dem Kreuz Lotte/Osnabrück, der

zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke

Münster-Lünen und der Neu- und

Ausbau der B 64 zwischen Münster

und Bielefeld, die sogenannte B 64n.

Der A1-Ausbau

Die Hansalinie ist eine der wichtigsten

Autobahnen in Deutschland,

ihre durchgängige Sechsspurigkeit

wäre eigentlich zwingend

nötig. Das sieht NRW-Verkehrsminister

Michael Groschek genauso

wie der parlamentarische

Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium,

Enak Ferlemann.

„Das Nadelöhr muss weg.“ – Selbst

in der Wortwahl gleichen sich die beiden.

Über das Wie aber sind Bund und Land

geteilter Meinung. Berlin befürwortet

eine Öffentlich-Private-Partnerschaft

(ÖPP), meint: Das Bauvorhaben wird in

private Hände gegeben, der Investor refinanziert

sich über Mauteinnahmen. Die

Landesregierung hält dagegen an der

konventionellen Ausschreibung fest.

Bahnstrecke Münster-Lünen

Modern geht anders: Die Bahnstrecke zwischen Münster und Lünen ist eingleisig. Begegnen sich zwei Züge,

muss einer von ihnen auf ein kurzes Ausweichgleis – und wieder mal warten.

Foto: Jürgen Peperhowe

Warten, stehen, Zeit vergeuden. Wer von

Münster mit dem Zug über Lünen nach

Dortmund fährt, muss in der Regel viel

Zeit mitbringen: Die Strecke ist eingleisig.

Ein zusätzliches Bett mit zweitem

Gleis kommt teuer. Letzter Stand: Die

Kosten belaufen sich auf über 400 Millionen

Euro. Da zuckt auch die Bahn. Bei

dieser Summe ist

die nachzuweisende

Wirtschaftlichkeit

nur mit

Mühe darstellbar.

Zumindest war

das in frühen Berechnungen

so.

Zunächst hatte es

darum geheißen,

Bahn und Bund

seien geneigt, den Daumen zu senken.

Nach massiven Protesten – auch aus der

Region – scheint die Chance pro Ausbau

jedoch wieder gestiegen zu sein.

TELGTE

MÜNSTER

EVERSWINKEL

Die B 64n

„Der konventionelle Ausbau der

A 1 mittels Ausschreibung ist der

kostengünstigere Weg.“

Michael Groschek, NRW-Verkehrsminister

B64

Das Münsterland und Ostwestfalen, wirtschaftliche

boomende Regionen, die eher

getrennt als richtig

miteinander

verbunden sind.

Das soll der geplante

Neu- und

Ausbau verbessern.

Drei Spuren,

kreuzungsfrei inklusive

der drei

Ortsumgehungen

in Warendorf,

Beelen und Herzebrock-Clarholz. Das

Vorhaben ist inzwischen über 40 Jahre alt

– so langsam könnte es da jetzt mal etwas

werden.

Elmar Ries

WARENDORF

FRECKENHORST

BEELEN

HERZEBROCK-

CLARHOLZ

RHEDA-WIEDENBRÜCK

B64

GÜTERSLOH

A2

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4 MACHER &

Münster Marketing/air-klick.de

„Wir müssen ganz massiv gegens

Michael Radau, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland, wünscht sich eine größere Wertschätzung

Schulterschluss auf. Entwicklungen abmildern und Rahmenbedingungen verbessern –die Kommunen im Münsterland sin

Brennt für den Handel: Michael Radau

Das Konsumklima im Land

ist gut. Und doch erlebt der

Handel einen Wandel, der

sich am Bild vieler Innenstädteund

Ortszentren ablesen

lässt: Die Zahl der Fachgeschäfteist

rückläufig. Online-Handel und Filialisierung

befördern die Strukturveränderung.

Muss man sich damit abfinden? Michael

Radau, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes

Westfalen-Münsterland,

plädiert für einen Schulterschluss

auf kommunaler Ebene. „Das Wegbrechen

von Handel wird sich fortsetzen,

wenn wir nicht ganz massiv gegensteuern“,

erklärt er in einem Gespräch mit

Wolfgang Kleideiter.

Vor einigen Tagen hat NRW-Wissenschaftsministerin

Svenja Schulze

bei Ihnen im Markt in Münster

einen Praktikumstag absolviert.

PR-Gag einer Politikerin?

Radau: Nein, wir haben ihr ermöglicht,

als Hilfskraft in der Frühschicht von7bis

14 Uhr in unseren Tagesablauf einzutauchen,

inklusive Schleppen und Nachräumen.

Das warfür die Ministerin aus meiner

Sicht eine guteErfahrung, weil sie die

Leistung des Handels und der dort Beschäftigten

einmal aus einer neuen Perspektivekennenlernen

konnte. Es ist sehr

wichtig, dass gerade auch die Politik den

Handel stärker wertschätzt und ein offenes

Ohr für unsereThemen hat. Für einen

schnellen PR-Auftritt hätten wir uns nicht

hergegeben.

Gibt es aus Ihrer Sicht im Verständnis

der Politik für den Handel denn

ein Defizit?

Radau: Ja, ich sehe großen Nachholbedarf.

Politik, Verwaltung, Gesellschaft

müssen wieder stärker erkennen, wie

wichtig der stationäre Handel für das

Stadtleben ist. Und wir müssen hier intensiver

und auf vielen Feldern den Dialog

führen. Auch durch solche Aktionen

wie den Praktikumstag einer Ministerin,

die schon im Vorfeld ein offenes Ohr für

uns hatte.

Schauen wir ins weite Münsterland.

Man wird den Eindruck nicht los,

als hätten manche Orte sich damit

abgefunden, dass der Handel nach

und nach aus den Innenstädten verschwindet.

Man darf doch nicht

ernsthaftdie Hände in den Schoß legen?

Radau: Wir erleben eine bedrückende

Nachlässigkeit bei der Betrachtung dieser

Situation in vielen Klein- und Mittelstädten.

Kaum einer in den verantwortlichen

Positionen in Politik und Verwaltung hat

wirklich erkannt, was daauf Dauer auf

die Orte zukommt. Das Wegbrechen von

Handel wird sich fortsetzen, wenn wir

nicht ganz massiv gegensteuern. Dabei

gibt es nicht den einen Schuldigen. Ich

plädiere dafür, dass sich all Kräfte gemeinsam

die Situation anschauen und

dann entscheiden, wie sie Entwicklungen

abmildern und Rahmenbedingungen

verbessern können.

Was kann ein Bürgermeister im

Münsterland konkret tun?

Radau: Er muss mit dem Handel, den

Handelnden, den Gremien und Verbänden

sprechen und nach gemeinsamen Lösungen

suchen. Aber er muss auch offen

sein für Veränderungen.

MICHAEL RADAU

Der gebürtige Münsteraner Michael Radau ist seit den 1980er Jahren im Naturkosthandel

aktiv. Nach dem Abitur und einem Studienaufenthalt inden USA

leistete er1983 Pionierarbeit im Bioladen „Kornblume“ in Münster, den er 1985

übernahm. ImJahr darauf eröffnete ereine zweite Filiale. Infolge der Fusion

mit der Biogarten Naturkost Handels GmbH im Jahr 1992 verantwortete Radau

als geschäftsführender Gesellschafter vier Filialen.

Michael Radau erkannte frühzeitig die Bedürfnisse der Kunden abseits des klassischen

Bioladenklischees. Daher entwickelte er das Konzept des SuperBioMarktes

als Bio-Vollsortimenter und eröffnete 1993 den ersten SuperBioMarkt in

Münster. Inden folgenden Jahren entwickelte Radau seine Idee zu einem Filialkonzept

mit mehr als 20 Märkten und 600 Mitarbeitern in Nordrhein-Westfalen

und Niedersachsen weiter. Radau leitet das Unternehmen, das 2001 in die SuperBioMarkt

AG umfirmiert wurde, als Vorstandsvorsitzender.

Ehrenamtlich ist Michael Radau seit 2004 Vorsitzender des Einzelhandelsverbands

Westfalen-Münsterland. Seit 2013 steht er als Präsident dem Handelsverband

NRW vor. Seit einem Jahr ist er zudem Vizepräsident des Handelsverbands

Deutschland (HDE). Den Vorsitz Handelsausschuss der IHK Nord Westfalen

hat er seit 2007 inne.

Aber viele Kommunen verfügen

doch bereits über Einzelhandelskonzepte

...

Radau: Viele haben sie nicht. Und jene,

die über sie verfügen, schreiben sie oft

nicht in dem notwendigen Maße fort beziehungsweise

handeln nicht danach. Es

gibt Fälle, in denen ein Investor mit

einem Einkaufszentrum winkt und neue

Arbeitsplätze verspricht. Schon wird das

Konzept in der Auslegung gedehnt.

Wie wäre es mit kleinen Schritten,

um Strukturen zu verändern?

Radau: Tatsächlich gibt es viele Ansätze

–von der Erschließung über die Parksituation

bis hin zu verkaufsoffenen Sonntagen.

Eine Umsetzung garantiert nicht,

dass der Handel in einem Ort sich wieder

richtig beleben wird. Aber wenn ich all

das nicht beachtete, dann nimmt garantiert

die Geschwindigkeit der Erosion

massiv zu. Also auch im Kleinen gegensteuern,

stets an die Attraktivität der

Stadt oder des Stadtteils denken.

Händler berichten häufig von behördlichen

Zwängen und Einengung.

Ist das so?

Radau: Versuchen Sie einmal als Schuhhändler

vorder Tür ein Schild aufzustellen,

um auf besondereAngeboteinIhrem

Geschäft hinzuweisen. Diese einfache Sache

wirdmanchmal zu einem komplexen

Vorgang hochstilisiert. Oder denken sie

an die Debatten über einen freien WLAN-

Zugang in den Innenstädten. Dafür gibt

es jetzt einen Gesetzesentwurf, der realitätsfern

ist, weil er wieder deutliche Hürden

bei der Anmeldung vorsieht. Im Ergebnis

wird dadurch ein Zentrum, das

man beleben will, für die junge Generation

nicht attraktiver.

Aber der Handel entscheidet doch

auch selbst, ob er an den Ortsrand

oder in die Innenstadt geht.

„Man

ganz

Radau: Bedingt, denn die F

tion in den Innenstädten läss

Geschäfte gar nicht zu. Ein

kommt heuteoft nicht mehr

dratmetern aus. Die Aufgabe

munen besteht hier darin, m

tümern gemeinsam Flächen

tren zusammenzubringen,

siedlungen oder Erweiterun

zu machen. Aber auch die ö

nungen, die Bauordnung

und gegebenenfalls

Brandschutzaspekte

müssen flexibler

gehand-

Michael

habt werden. Am

Anfang muss der

Wille stehen, dieses

Ziel zu erreichen – un

Furcht vor den Hürden.

Sollten Kommunen also

ein Unternehmen denke

Radau: Absolut, sie haben

klientel und müssen ihr Han

sen Bedürfnisse ausrichten.

sen auch bereit sein zu inve

kann dadurch geschehen, d

Förderung des Handels im O

mit entsprechender person

wortlichkeit versteht. Das g

Dezernat Xoder Ymit einer

den-Stelle, sondern man be

Budget und personelle Ress

braucht einen Kümmerer,de

sungen und die richtigen L

menbringt.

Gibt es Beispiele, wo so e

funktioniert?

Radau: Bei einem Treffen d

delsausschusses in Billerbe

das Gefühl, dass man sich

lich für den Handel stark ma

darum bemüht, verschiede

bedingungen zu verbessern

Also auch eine Taktik


MÄRKTE

5

teuern“

für den stationären Handel und ruft zum

gefordert.

EINZELHANDELSVERBAND WESTFALEN-MÜNSTERLAND

Der Einzelhandelsverband Westfalen-Münsterland ist als Arbeitgeber-, Berufs- und Wirtschaftsverband

die Interessenvertretung der Betriebe des Einzelhandels in den Städten Dortmund, Hamm und

Münster sowie den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt, Unna und Warendorf. Er fördert und vertritt

die Interessen der 1300 Mitglieder in den Innenstädten, den Stadtteilzentren und auf der „grünen

Wiese“. Der Verband wirkt meinungsbildend, informierend, schafft Kontakte und versteht sich als ein

moderner und kompetenter Dienstleister. Erist Ansprechpartner für Medien, für die Politik und für

die interessierte Öffentlichkeit.

Zu den Schwerpunktaufgaben gehört die Beratung der Mitglieder in nahezu allen berufsspezifischen

Fragen mit dem Schwerpunkt Arbeits-, Tarif- und Wettbewerbsrecht sowie der Prozessvertretung vor

den Arbeits- und Sozialgerichten. Er kümmert sich um Ansiedlungsfragen und ist in einer Vielzahl

von Gremien im Interesse des Einzelhandels tätig.

Der Einzelhandelsverband Westfalen-Münsterland ist Bestandteil einer Verbandsorganisation, die aus

dem Handelsverband Nordrhein-Westfalen (HVNRW), dem Handelsverband Deutschland -Der Einzelhandel

(HDE) und den Bundesfachverbänden besteht. Damit können die mehr als 400 000 angeschlossenen

Unternehmen auf die vernetzten Angebote eines leistungsstarken Zusammenschlusses

für Unternehmen des Einzelhandels zurückgreifen.

Die Mitgliedschaft im Verband ist freiwillig. Möglich ist eine Mitgliedschaft mit und ohne Tarifbindung.

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der kleinen

Schritte?

Radau: Ja, man muss sich auch Quartiere

genau anschauen. Am Bahnhof in

Münster gibt es eine entsprechende Initiative,

die für eine sichtbare Attraktivitätssteigerung

gesorgt hat. Wirbrauchen

vielerorts ein neues Verständnis dafür,

dass ein funktionierender Handel für die

Städte sowichtig ist wie der Bürgersteig

oder die Schulen.

Handel in den

muss sich auch Quartiere

enau anschauen.“

Radau

Kernengehört zur

Infrastruktur.

Wenn der Handel

schwächelt, leidet

das gesamte städtische

Leben.

Müssen Kommunen sich wieder

mehr auf ihre Zentren konzentrieren?

Muss auch der Handel dortzusammenrücken?

Radau: Aus Kundensicht eindeutig ja,

denn dieser will nicht von einem Geschäft

zum nächsten fahren. Es will das

Einkaufserlebnis im Ort. Hier leiden viele

Gemeinden unter den Planungsfehlern

der Vergangenheit. Sie sollten überlegen,

wie sie Zentrenbildung an den Ortsrändern

auf Dauer wieder zurückdrehen

können.

Womit kann der Handel selbst

punkten?

Radau: Mitarbeiter, die man gut ausbildet

und denen man eine hohe Wertschätzung

entgegenbringt, werden für den

Handel insgesamt immer wichtiger. Auf

diesem Gebiet muss ich als Unternehmer

investieren, wohl wissend, dass sich dies

nicht von heute auf morgen auszahlen

wird.

Was bieten Sie konkret einem Auszubildenden

an, der bei Ihnen den

Handel lernt?

Radau: Wir beginnen mit einer Einführungsveranstaltung,

bei der ich mir Zeit

nehme, die jungen Mitarbeiter kennenzulernen

und ihnen das Unternehmen intensiv

vorzustellen. Wirbesuchen Produzenten

und Herstellerbetriebe, damit sie

sehen, wie Bioprodukte entstehen. Sie

kommen hier in die Zentrale, umauch

hier die Mitarbeiter und die Abläufekennenzulernen.

Und sie kommen früh in

den Kontakt zu Kunden, wo sie sich natürlich

als Auszubildende deklarieren.

Entspricht die überbetriebliche

Ausbildung auch diesen höheren

Ansprüchen?

Radau: Ich bin ein glühender Verfechter

unseres dualen Systems. Wir haben aber

die übliche schulische Ausbildung bewusst

um weitere fachbezogene Komponenten

erweitert. Die Auszubildenden

bei uns legen zum Schluss zusätzlich vor

der IHK eine anspruchsvolle Prüfung mit

der Zusatzqualifikation Naturkost ab.

Dafür sind 200 zusätzliche Unterrichtsstunden

erforderlich, in denen Fragen

der Käseherstellung ebenso behandelt

werden wie glutenfreies Getreide. Wer

besteht, ist in kaufmännischer, handelstechnischer

und fachlicher Hinsicht richtig

gut. Und wir fördern mit Unterstützung

einer Akademieagentur in einigen

Fällen auch die Persönlichkeitsentwicklung,

um eigene Führungskräfte heranzubilden.

Sollte die duale Ausbildung für die

Handelsberufe verbessert werden?

Radau: Ich verwende hier gerne den Begriff

der Wertschätzung. Wenn ich einen

Auszubildenden oder einen Mitarbeiter

im Unternehmen habe, muss sich mir

auch Gedanken darüber machen, wie ich

ihn entwickeln und fördern kann. Dies

kommt meines Erachtens oft noch zu

kurz. Hier sind in allererster Linie die Betriebe

gefordert. Aber das lohnt sich,

denn der Beruf ist grundsätzlich sehr

spannend und bietet tolle Zukunftsperspektiven.


6 MACHER & MÄRKTE

Die Bevölkerung wird sich zunehmend

an kürzeren Wegen zu ihren

Arbeitsplätzen orientieren – und

auch an dem besseren kulturellen

Angebot in den Städten.“

Ein Land verändert

sein Gesicht

Eine sich verschärfende Landflucht und der demografische Wandel beeinflussen das Lebensumfeld

der Menschen in Nordrhein-Westfalen stärker als bisher gedacht

Der Trend zur Urbanisierung verstärkt

sich – und das vor dem Hintergrund

des demografischen Wandels.

Auch deswegen stellt die Dimension

der Wanderungsbewegung weg vom

Land und in die Stadt ungeheute Herausforderungen

an alle Entscheidungsträger.

Das Stadt-Land-Gefälle verstärkt

sich: Während

Münster, Köln, Düsseldorf

und auch Bonn in den

kommenden Jahren deutliche

Bevölkerungszuwächse verzeichnen

können, verliert der ländliche Raum

weiter. Münster gilt nach einer Studie der

Bertelsmann-Stiftung als großer Profiteur.

Danach wird das regionale Oberzentrum

neben München und Unterföhring

eine der jüngsten Städte

in Deutschland sein.

Die arbeitende Bevölkerung

wird sich zunehmend

an kürzeren Wegen

zu ihren Arbeitsplätzen

orientieren – und

auch an dem besseren

kulturellen Angebot in den

Städten“, sagte Leo Krüll,

Sprecher des Statistischen

Landesamtes

IT.NRW.


Die Landflucht


spielt sich vor einer


sich verschärfenden

demografischen

Entwicklung

ab. Die Bevölkerung

in

NRW schrumpft

bis 2030 deutlich

stärker als im

bundesweiten

Schnitt. Laut einer

Modellrechnung

schrumpfen bis 2040 mehr als zwei Drittel

aller 373 kreisangehörigen Städte und

Gemeinden in NRW. Die Gesamtbevölkerung

des Landes geht um 0,5 Prozent auf

17,49 Millionen Menschen zurück.

Als Negativbeispiel

dient Altena

im Märkischen

Kreis sowie Steinheim

und Lügde

in Ostwestfalen.

Hier sollen in 15

Jahren zwischen

16 und 23 Prozent

Leo Krüll, Sprecher von IT.NRW

weniger Menschen

als noch

2012 leben. Besser

sieht es in den

Regionen rund

um Düsseldorf, Köln, Bonn und Münster

aus. So ist in den Münsterland-Kreisen

der Bevölkerungsrückgang nicht so dramatisch

wie zum Beispiel in Ostwestfalen

oder dem Sauerland. Zuwächse verzeich-

Grundlagen der Statistik

Grundlage für die Bevölkerungsprognose der Stiftung ist

die Internet-Plattform „Wegweiser Kommune“. Das Angebot

stellt für deutsche Gemeinden und Städte ab 5000

Einwohnern (2941 Kommunen und 323 Landkreise) eine

Fülle von Daten zu den Bereichen Demografischer Wandel,

Finanzen, Soziales und Integration zur Verfügung. Als

Datenquellen werden unter anderen Angaben vom Statistischen

Bundesamt, den Statistischen Landesämtern, der

Bundesagentur für Arbeit und dem Ausländerzentralregister

(AZR) genutzt. An den Berechnungen sind mehrere

Universitäten beteiligt.
































































































Die Zahl der Hochbetagten steigt

Die Zahl der über 80-Jährigen steigt in Nordrhein-Westfalen um über 36 Prozent

auf 1,27 Millionen Menschen an. Bundesweit ist der Anstieg bei den Hochbetagten

mit 47,2 Prozent deutlich größer. Mit den höchsten Prozentanstieg

muss die Stadt Meckenheim im Rhein-Sieg-Kreis rechnen. Hier soll sich die

Zahl der Menschen, die älter als 80 Jahre sind, innerhalb von 15 Jahren mehr

als verdoppeln. Laut einer Modellrechnung des Statistischen Landesamtes

IT.NRW wird in allen Kommunen Nordrhein-Westfalens der Altersdurchschnitt

steigen. In 27 Kommunen werde sich der Anteil der Einwohner ab 65 Jahren sogar

mehr als verdoppeln. Auch im südlichen Niedersachsen ist eine ähnliche

Entwicklung zu beobachten.

nen sogar Regionen rund um die boomenden

Städte Köln und Düsseldorf. Im

bundesweiten Vergleich liegt Nordrhein-

Westfalen bei der Bevölkerungsentwicklung

im Mittelfeld. Die Wissenschaftler

warnen deshalb vor Versorgungslücken

gerade für ältere Menschen im ländlichen

Raum.

Die Kommunen müssten sich wegen der

zunehmenden Alterung auch auf einen

erhöhten Pflegebedarf einstellen. 2030

soll die Hälfte der Menschen in NRW älter

als 47,4 Jahre alt sein (Medianalter).

2012 lag dieser Wert bei 44,9 Jahren.

Aber auch hier gibt es große Schwankungen.

Zu den jüngsten Städten zählen –

gemessen an den Altersgruppen – Münster

und Aachen.

Frank Polke

Die Stadt Münster lockt viele junge Menschen

an.















OFFEN GESAGT

Nicht nur Gewinner

Die Wanderungsströme werden den

Alltag, das Lebensumfeld und

auch die Zukunft der Menschen stärker

verändern als bisher gedacht. Immer

mehr junge Menschen zieht es in die

Stadt. Die damit verbundene steigende

Nachfrage nach Dienstleistungen lässt

die Metropolen weiter wachsen. Doch

der Run auf die Städte hat natürlich

auch seine Schattenseiten. Bezahlbarerer

Wohnraum gerade in wachsenden

Oberzentren wie Münster oder Düsseldorf

ist schon jetzt knapp.

Und natürlich wird es angesichts einer

schrumpfenden Gesamtbevölkerung

auch Verlierer geben. Da sind vor allem

die ländlichen Regionen wie das

Sauerland oder Ostwestfalen zu nennen,

die nicht von der Attraktivität

eines erreichbaren Oberzentrums profitieren.

Aber auch wenn die Kreise des

Münsterlandes keine Einbrüche zu befürchten

haben: Das Münsterland als

Region ist dennoch aufgerufen, sich

stärker um eine gemeinsame Raumund

Strukturplanung zwischen den

Kreisen und der Stadt Münster zu bemühen.

Frank Polke


MACHER & MÄRKTE 7

„Berufsausbildung braucht

eine noch stärkere Lobby“

WIN-Vorsitzender Michael von Bartenwerffer: Ungebremster Trend ins Studium hat eine Schattenseite

Der Trend zu höherer Bildung

wird gründlich missverstanden:

Junge Menschen

drängen ins Studium,

das Erfolgsmodell

der beruflichen Ausbildung mit Praxis im

Betrieb und Theorie in der Schule leidet.

Mit der Veranstaltung „Hidden Champions“

hat die WIN Wirtschaftsinitiative

Münster gemeinsam mit dem Adolph-

Kolping-Berufskolleg eine Lanze für die

duale Ausbildung gebrochen. Ob dies gefruchtet

hat, wollte jetzt Wolfgang Kleideiter

von Michael von Bartenwerffer,

Vorsitzender der WIN Wirtschaftsinitiative

Münster, wissen.

Hatte Ihre Veranstaltung einen Nachhall?

Michael von Bartenwerffer: Ja, durchaus!

Von mancher Seite wurden wir gebeten,

weiterzumachen und nicht nur mit

dieser ersten Veranstaltung einen Gegenpol

zur Überbetonung des Studiums zu

setzen. Wir überlegen zurzeit, im Frühjahr

2016 ein weiteres Forum mit einer

noch deutlicher fokussierten Themenstellung

zu organisieren.

Im Mai hatten Sie auch Landes-, Kreisund

Kommunalpolitiker zum Forum

eingeladen. Die Resonanz aus der Politik

war eher verhalten. Wie sieht die Bilanz

rund vier Monate später aus?

von Bartenwerffer: Ich hatte in der Veranstaltung

den schwachen Rücklauf aus

diesem Kreis kritisch angesprochen. Inzwischen

haben sich aber mehrere Parteien

gemeldet. Sie haben von uns als Anstoß

die „Münsteraner Thesen zur beruflichen

Bildung“ erhalten. Gerade die Landespolitik

muss sich abseits jeglicher

Ideologie intensiver als heute mit einer

deutlicher ausgeprägten Förderung der

beruflichen Bildung befassen.

Was läuft momentan in der Bildungspolitik

nicht in der richtigen Bahn?

von Bartenwerffer: Wir erleben seit Jahren,

dass das Abitur als Schulabschluss

und das Studium in der Bildungspolitik

unverhältnismäßig stark in den Vordergrund

gerückt werden. Dies mündet inzwischen

in der Überzeugung vieler

Menschen im Land, dass man ohne eine

akademische Ausbildung nichts werden

kann. Die Abiturientenzahlen steigen

dementsprechend seit Jahren rasant.

Hier wurden alle Hürden nach und nach

abgeschafft. Die Zahl der sehr guten Abschlüsse

hat sich geradezu inflationär

entwickelt.

Das sollte doch eine Bildungs- und Wissensnation

wie die unsere freuen?

von Bartenwerffer: Natürlich brauchen

wir auch die akademische Bildung, aber

wir dürfen den Stellenwert einer guten

und qualifizierten beruflichen Ausbildung

nicht vernachlässigen. Der laute Jubel

über die hohe Zahl der Studierenden

hat eine Schattenseite: Ein Drittel der

Studierenden wechselt während des Studiums

das Fach, ein weiteres Drittel

bricht das Studium ab. Nur ein Drittel

kommt auf direktem Weg ans Ziel. Das

bedeutet unterm Strich eine enorme Verschwendung

von Ressourcen – und dies,

obwohl die jungen Menschen ein an vielen

Stellen durchgängiges Schulsystem

durchlaufen und sich im Vorfeld auch anders

orientieren könnten.

Was muss passieren, damit Eltern und

Schüler wieder mehr den hohen Wert

einer beruflichen Ausbildung erkennen?

von Bartenwerffer: Alle Beteiligten, dazu

zähle ich auch die Lehrer, müssen

grundsätzlich mehr über die Wirtschaft

und wirtschaftliche Zusammenhänge erfahren.

Es ist falsch, dass wir bis heute

kein entsprechendes Unterrichtsfach in

der schulischen Ausbildung haben. Auch

Schüler selbst beklagen immer wieder,

dass es an einer „ökonomischen Grundbildung“

mangelt. Eltern müssen wieder

mehr darauf aufmerksam gemacht werden,

wie umfassend und fundiert heute

eine berufliche Ausbildung ist, welche

Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten

ihr Kind nach so einer Ausbildung hat.

Die Lehrer wiederum dürfen bei ihrer Beratung

nicht das Studium allein in den

Mittelpunkt stellen, sondern sie sollten

gleichwertig über Ausbildungsberufe

und duale Ausbildungswege informieren.

Weiterführende Schulen sind heute

häufig über Patenschaften mit der realen

Wirtschaft verbunden. Reicht dies

nicht aus?

von Bartenwerffer: Diese Kontakte sind

positiv. Viele Unternehmen, gerade auch

mittelständische, sind auf diesem Feld

bereits sehr aktiv. Eine erste Vorentscheidung

wird aber schon beim Schulwechsel

nach der Grundschule getroffen. Deshalb

muss schon im Vorfeld mehr als heute

passieren. Eltern und Lehrer müssen früh

Unternehmen kennenlernen, um auch

unmittelbar vor Ort zu sehen, welch hohes

Qualitätsniveau die berufliche Ausbildung

hat und welche berufsnahen

schulischen Bildungsgänge angeboten

werden. Wir dürfen nicht in einem frommen

Selbstbetrug für jedes Kind im Land

das Abitur anstreben. Die PISA-Gläubigkeit

hat in der Bildungspolitik zu völlig

falschen Schlussfolgerungen geführt.

Auch der OECD-Vergleich zum Grad der

Akademisierung hinkt, weil in manchen

Ländern ein Hochschulstudium unseren

Ausbildungsberufen gleichgesetzt ist.

Wer für einen beruflichen Ausbildungsweg

werben will, muss die Jugend von

heute erreichen. Was empfehlen Sie

einem Unternehmen?

von Bartenwerffer: Es sollte jede Gelegenheit

nutzen, um Kontakt zu jungen

Menschen zu bekommen. Die sozialen

Medien bieten hier eine Fülle von Möglichkeiten,

im Austausch zu informieren.

Auszubildende aus dem eigenen Betrieb

können als Multiplikatoren mitwirken,

denn sie sind der Zielgruppe am nächsten.

Es gibt bereits viele Netzwerke, die

Entscheider in Betrieben auf diesem Feld

unterstützen.

Droht in unserer Region ein schärferer

Fachkräftemangel, wenn nicht vereint

gegengesteuert wird?

von Bartenwerffer: Auf jeden Fall.

Michael von Bartenwerffer

Schon jetzt klagen Unternehmen darüber,

dass sie zu wenige Auszubildende

finden. Diese Azubis sind aber die Fachund

Führungskräfte von morgen. Die Gesellschaft

sollte insgesamt ein größeres

Maß an Interesse für diese Thematik entwickeln.

Die Botschaft muss nach

draußen. Die berufsnahen schulischen

Bildungsgänge und Ausbildungsmöglichkeiten

brauchen eine noch stärkere Lobby.

MÜNSTERANER THESEN ZUR BERUFLICHEN BILDUNG

„Im Rahmen des Forums „Hidden Champions – Das Berufskolleg als unterschätztes

System“ der WIN Wirtschaftsinitiative Münster in Kooperation mit

dem Adolph-Kolping-Berufskolleg sind die folgenden Thesen entstanden, mit

denen wir einen Anstoß für die intensivere Wahrnehmung der beruflichen Bildung

geben und dabei die wichtige Arbeit der Berufskollegs unterstreichen wollen:

– Berufskollegs fördern eine umfassende Qualifikation ihrer Schüler für viele

aktuelle (Mangel-)Berufe und bereiten sie effizient auf den Ausbildungs- und

Berufseinstieg vor.

– Berufskollegs ermöglichen echte und „marktgängige“ Alternativen zum klassischen

Studium und fördern damit die Chancen vieler Jugendlicher auf dem

Arbeitsmarkt.

– Berufskollegs fördern die internationale Verständigung und „leben“ eine umfassende

Integration in vielen gesellschaftlichen (Problem-)Bereichen.

– Berufskollegs stärken die Ausbildungsfähigkeit und Motivation von Jugendlichen

mit geringen Schulabschlüssen.

– Berufskollegs sind eng vernetzt mit der jeweiligen lokalen und regionalen

Wirtschaft als Bedarfsträger für den Berufsnachwuchs und mit sonstigen relevanten

Gruppierungen.

Deshalb will das Forum alle an der beruflichen Bildung beteiligten Institutionen,

die verantwortlichen Politiker, die Schulträger, aber auch die interessierte

Öffentlichkeit und vor allem Eltern und Lehrer ermuntern, in einer modernen

Berufsausbildung eine erstklassige Alternative zu einem Studium zu erkennen.“

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8 MACHER & MÄRKTE

Investition in

die Zukunft

Weniger Azubis, weniger Standorte: Berufsschulen

müssen sich wandeln. Unterstützung ist gefragt.

Eine beeindruckende Zahl: Über 84

000 junge Menschen besuchen im

Regierungsbezirk Münster eines der

38 öffentlichen und 17 freien Berufskollegs.

Dann funktioniert das duale

System doch prima, könnte man meinen

– schließlich wird so die praktische

und theoretische Qualifizierung

einer großen Schülerzahl sichergestellt.

Doch Experten warnen:

Berufsschulen seien nicht „zukunftsfest“.

Weil Schülerzahlen sinken,

entziehe die Politik ihnen die Mittel,

die sie dringend brauchen, um zum

Beispiel die Ausstattung auf dem

neuesten Stand zu halten.

Für die duale Ausbildung kann

nicht genug Werbung gemacht

werden.“ Ingo Hoeper,

Geschäftsführer beim münsterischen

Großhandelsunternehmen

Mosecker, ließ kürzlich in einem

Forum in Münster keinen Zweifel daran,

dass Betriebe zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses

unbedingt Jugendliche

und junge Erwachsene brauchen, die

neben der schulischen Bildung auch ordentlich

Unternehmensluft schnuppern.

Über 70 Auszubildende hat Mosecker. In

den Nachwuchs wird stark investiert. Als

Service-Partner des Handwerks weiß

man, dass Kommunikation und Können

gleichermaßen gefragt sind.

Für die Berufsschulen eine Herausforderung,

denn sie müssen mit den Anforderungen

aus Handwerk, Handel und Industrie

Schritt halten. Das bedeutet: In

den Fachklassen muss die Ausbildungsqualität

durchweg stimmen, die Lehrkräfte

müssen möglichst auf dem neuesten

Stand sein.

Doch die Problematik der zurückgehenden

Schülerzahlen hat inzwischen in Teilen

Deutschlands dazu geführt, dass auch

die Zahl der Berufsschulen rückläufig ist.

Die Folge: ein Konzentrationsprozess ist

im Gange, der manchem Auszubildenden

einen langen Weg zu seiner Schule abfordert.

Eine weitere Schwächung des hoch

gelobten dualen Systems, das europaweit

als Vorbild gilt, um zum Beispiel auch die

Probleme der Jugendarbeitslosigkeit in

den Griff zu bekommen.

Zukunftstaugliche Lösungen sind gefragt,

damit große Arbeitgeber nicht erst

eigene Ausbildungszentren schaffen

müssen oder allgemein und wenig hilfreich

die Qualität bemängeln. Berufsschulen

brauchen, wie Michael von Bartenwerffer,

Vorsitzender der WIN Wirtschaftsinitiative

Münster, es formuliert,

Praxisnah: Schüler des Berufskollegs in Rheine präsentierten bei „Jugend forscht“ einen Kamerakran mit vielen

technischen Finessen.

Foto: Matthias Ahlke

eine größere Lobby. Und sie brauchen ein

ausgeprägtes Profil, um ihre Attraktivität

zu erhalten.

Auch im Münsterland arbeitet man schon

seit langer Zeit mit sogenannten Bezirksfachklassen.

Wer zum Beispiel Fotograf

werden will, hat die Wahl zwischen zwei

Standorten: das Adolph-Kolping-Berufskolleg

in Münster oder die Berufsschule

für Technik und Gestaltung in Gelsenkirchen.

Die Fachklassenbildung ist kompliziert,

wird aber möglichst mit dem Ausbildungsplatzangebot

einer Region verknüpft.

Kreis- und Stadtgrenzen sollen

am Ende keine Rolle mehr spielen, wenn

ein Berufszweig nur noch wenige Lehrlinge

hat. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag

(DIHK), der rund 12 000

Betriebe zur Berufsschulsituation in ihrer

Region befragt hat, schlägt vor, Teile des

Fachunterrichts mit Unterstützung neuer

Kommunikationstechnik nach dem Muster

Fern-Uni zu organisieren. Gerade im

ländlichen Raum würde dies manchem

Azubi einen langen Weg zur Berufsschule

ersparen.

22 Prozent der Befragten hatten beklagt,

dass es in ihrer Region schon heute kein

bedarfsgerechtes Berufsschulangebot

mehr gebe. „Wir dürfen nicht riskieren,

dass diese Betriebe die Ausbildung aufgeben“,

so DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

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9 BRANCHEN & BETRIEBE

Drehscheibe für den Dünger

Agravis füttert eine Biogasanlage in Dorsten bis zu 80 Prozent mit Mist und Gülle und erntet wertvolle

Gärreste. Das Pilotprojekt könnte sich als wichtiger Baustein im Nährstoffprozess erweisen.

Kein Grund, die Nase zu rümpfen.

Mist und Gülle sind wertvoll. Bei intensiver

Tierhaltung kann der Dünger

aber zur Last werden. „Wohin

mit den Überschüssen?“, lautet dann

die Herausforderung. Begrenzte Flächenkapazitäten

und Verordnungen

machen es immer schwerer, den

Wirtschaftsdünger unterzubringen.

Doch in Dorsten keimt die Hoffnung:

Agravis und Odas betreiben dort seit

Jahresbeginn in einem Joint Venture

eine große Biogasanlage, die bis zu

80 Prozent mit Gülle und Mist gefüttert

werden kann. Bei einem Erfolg

des Pilotprojekts haben Landwirte

eine Sorge weniger – und die Unternehmen

ein Geschäftsmodell mehr.

Eine Win-win-Situation.

Schon seit Jahren zerbrechen

sich Experten der Agravis

Raiffeisen AG den Kopf darüber,

wie man dem Landwirt

über das Futter- und Düngemittelgeschäft

hinaus auch bei der Nährstoffverwertung

helfen kann. Ganzheitliche,

praktikable und wirtschaftlich tragfähige

Lösungen sind gefragt. „Wir lassen

den Landwirt auch bei diesem Thema

nicht allein“, betont Dr. Philipp Spinne,

Bereichsleiter Agrarzentren bei der Agravis

und einer der Geschäftsführer der TerraSol

Wirtschaftsdünger GmbH. In Dorsten

hat die Agravis mit der Odas GmbH

einen Partner für das breite Feld des Nähstoffmanagements

gefunden.

Dass die gemeinsame Biogasanlage inmitten

des interkommunalen Industriegebiets

Dorsten-Marl betrieben wird, hat

mit einem vorausgegangenen Insolvenzfall

der EnDi AG zu tun. Dieses Unternehmen

aus Halle hatte das Großprojekt

einer sehr großen, konventionellen Biogasanlage

im „Indu-Park“ entwickelt und

begonnen. Doch es gab Verzögerungen

beim Bau, ungeplante Kostensteigerungen

und Streitigkeiten mit dem spanischen

Anlagenbauer. 2013 musste EnDi,

nachdem sich zuvor auch ein Großaktionär

zurückgezogen hatte, Insolvenz anmelden.

Zurück blieb eine in Teilen nur

halbfertige Biogasanlage, in der neben

Gülle und Mist in allererster Linie Mais,

Ganzpflanzensilage, Getreide und Corn-

Cob-Mix einsetzt werden sollte, um Biogas

zu produzieren. Dieses Biomethan

sollte wiederum entsprechend angereichert

ins RWE-Erdgasnetz eingespeist

werden.

Im März 2014 erwarb die Agravis die Anlage

und nahm zunächst einmal das 716-

Kilowatt-Blockheizkraftwerk in Betrieb.

Dann wurde unter anderem in die Prozesssteuerung,

den Weg der Substrate

und die Gaseinspeisung investiert. Nach

Die Gasaufbereitung der Biogasanlage in Dorsten

Blick auf die Biogasanlage im Dorstener Industriegebiet. In den acht großen Fermentern werden überwiegend Gülle und Mist vergoren.

und nach wurde die Biogasanlage hochgefahren.

Das Blockheizkraftwerk wurde

erweitert.

Inzwischen, so berichtet Stefan Schirmacher-Rohleder,

Geschäftsführer der

Odas GmbH, läuft die Anlage auf voller

Leistung. Und es zeigt sich, dass das Gemeinschaftsunternehmen

dem ehrgeizigen

Ziel, möglichst viel Gülle, separierte

Gülle und Mist einzusetzen, schon sehr

nahe kommt. Im Schnitt liegt der Anteil

bei über 70 Prozent. Die Zielmarke lautet

80 Prozent. Gelingt dies, wird die Veredlungsregion

um etwa 90 000 Tonnen organischen

Dünger entlastet. Gleichzeitig

können pro Jahr 50 000 bis 60 000 Tonnen

Mais und Getreide für andere Zwecke

eingesetzt werden. Die Dorstener Anlage

soll nebenbei jährlich etwa 3,5

Megawatt leisten – rund 2,8 Megawatt

aus der Gaseinspeisung und weitere 0,7

Megawatt aus den drei Blockheizkraftwerken.

Die Gülle für die Anlage, die ein Einzugsgebiet

von 50 Kilometern im Radius hat,

kommt vornehmlich aus dem Westmünsterland.

Etwa 200 Tonnen werden pro

Tag angeliefert.

Die bei der Biogasproduktion anfallenden

Gärreste wiederum werden in die

Ackerbauregionen geliefert. Im Rheinland,

in der Soester Börde und in Ostwestfalen

kommen sie als wertvoller

Dünger auf Feld. „Die Landwirte wissen

ganz genau, was drin ist“, erklärt Schirmacher-Rohleder

und verweist auf die regelmäßige

Prüfung der Inhaltsstoffe. Um

die Anlage noch flexibler betreiben zu

können, wird zurzeit geprüft, wo ein Lagerraum

für die Gärreste entstehen könnte.

Auf dem Grundstück in Dorsten wäre

noch Platz.

Das Gesamtkonzept könnte Schule machen,

wenn die Nähstoffverwertung aus

den Gärresten der Biogasanlage noch

weiter optimiert wird. Der Versuch in

Dorsten, eine Biogasanlage zu einer

wichtigen Drehscheibe im Nährstoffprozess

zu machen, ist aus Sicht der Beteiligten

bisher sehr erfolgreich gelaufen.

Grund genug, eine ähnliche Lösung auch

für Schleswig-Holstein ins Auge zu fasen.

Erste Gespräche darüber laufen. wk

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10 BRANCHEN & BETRIEBE

Das Haus von heute denkt mit

Smart-Home-Technik erweist sich in vielerlei Beziehung als hilfreich. Auch Sicherheit spielt eine große Rolle.

Intelligente Häuser denken nicht nur

mit, sie sind auch immer in der Nähe:

Wenn der Mieter einer Ferienimmobilie

auf Norderney die Türklingel im

Radius der Videoüberwachung

drückt, checkt der Eigentümer via

Klingelton­ und Bildübertragung auf

seinem Smartphone, ob die Urlauber

die richtigen sind. Obwohl der Vermieter

in Münster sitzt, kann er den

Türsummer auf der Insel betätigen,

seine Gäste mit eigener Stimme aus

dem Off willkommen heißen, indem

er zu Hause in sein Smartphone

spricht und ihnen über Lautsprecher

mitteilt, wo der Schlüssel liegt.

WirhabenschondieungewöhnlichstenWünsche

erfüllt, und die

Verwaltung von Ferienwohnungen

via

Smart­Home­Technik wird immer stärker

nachgefragt“, erklärt Dominik Möllers

von Gedike und Döpper, Lichthaus

undElektroinstallateurinLüdinghausen.

Zusammen mit Systemintegrator Michael

Freudenreich aus Senden machen

die beiden Elektrotechnikmeister, die

sichschonaufderMeisterschulegemeinsamfürdasThemabegeisterthaben,den

Alltag ihrer Kunden komfortabler.

Im Smart Home beginnt die elektronischeSteuerungbeimAufstehen:Aufdem

Weg vom Bett zum Bad lassen sich die

Vorlaufzeit des Kaffeevollautomaten

unteninderKücheundderOfenmitden

Aufbackbrötchenmiteinem Knopfdruck

starten.

Das moderne Haus programmiert FreudenreichvonderHeizungübervernetzte

SzenarienvonLicht,Außenjalousien,TV

undMusikanlagebiszurWaschmaschine

so, dass es die Arbeit kurz vor dem Weckerklingeln

seiner Bewohner aufnimmt

und Feierabend macht, wenn sie sich in

den ersten nächtlichen Träumen räkeln.

Das heißt, so richtig Feierabend macht

das Smart Home nie, es ist immer in

Alarmbereitschaft. Der Sicherheitsfaktor

wird in den Technikpaketen großgeschrieben:

„Der Panikschalter am Bett

lässt uns nachts viel ruhiger schlafen“,

weißeineKundin.Wasskurrilklingt,bedeutet

ausgeklügelte Einbrecher­Abschreckung.

„Ein Knopfdruck, und in

einerSekundegehenrundumsHausund

drinnenalleLampengleichzeitiganund

ausderMusik­AnlageertönenlauteBässe“,

erläutert die Hausherrin in einem

münsterländischen Neubaugebiet.

Überwachung und Anwesenheit vortäuschen:

Abwehr von Einbrechern ist ein

wichtiges Argument. Aber wie sicher ist

die Sicherheit, da die netzbasierte Kommunikation

von Hackern geknackt und

als Vehikel dienen könnte, besonders

Komfortabel: Beim Smart-Home lassen sich vom Licht bis zur Heizung viele Techniken aus der Ferne steuern.

smart auf Beutezug zu gehen?

Für den Verband für Elektrotechnik,

Elektronik und Informationstechnik

Deutschland(VDE)stelltsichdieseFrage

inderdigitalisiertenWeltaufSchrittund

Tritt:„SmartHomeistetwasBesonderes,

weilesdirektdieeigenenvierWändebetrifft“,räumtVDE­PressechefWalterBörmann

ein.

Deshalb arbeiten sein Verband und die

Deutsche Kommission Elektrotechnik,

Elektronik und Informationstechnik

(DKE) daran, hohe Sicherheits­Standardszusetzen,auchaufinternationaler

Ebene. „Das VDE­Prüfinstitut prüft und

zertifiziert auf seiner Smart­Home­Testplattform

unter anderem die IT­Sicherheit

im Smart­Home­Backend und vergibt

dafür ein Sicherheitslabel“, erklärt

Börmann. „IT­Sicherheit ist und bleibt

ein prozessuales Querschnittthema mit

höchster Prioritätsstufe.“

DerVDEistmit36000Mitgliederneiner

der größten Branchenverbände Europas

undmachtsichseitzweiJahren,gemeinsam

mit dem Partnerverband ZVEI (Zen

tralverbandElektrotechnik­undElektronikindustrie

Deutschland) mit der Kampagne

„Vernetzt wohnen und leben ist

smart“ für das schlaue Gebäude stark.

Doch wer ist der Adressat? Ob die größten

Wachstumsraten bei der jungen GenerationimOnline­Zeitalter,derwohlbetuchten

mittleren Altersgruppe oder bei

älterenMenschenliegt,dieimintelligenten

Haus eher Hilfe als Komfort suchen,

ist nicht sicher. „Für die einen ist Smart

Home eine Frage des Lifestyles, für die

anderen ein hilfreiches Mittel für mehr

Sicherheit,KomfortundEffizienz,fürdie

älteren fast schon ein medizinisches

Hilfsmittel. Damit stellen sich auch Fragenwie:WofürsetztderGesetzgeberAnreize?

Und was übernehmen die Krankenkassen

im Bereich technikgestützter

Assistenzsysteme?“,fragtsichVDE­Sprecher

Börmann.

EineAntwortausderPraxisgibtElektrotechnikmeisterMöllers:„UnsereAuftraggeber

im Smart­Home­Bereich sind oft

Kunden, die das zweite Mal bauen. Erstens,

weil sie dann ganz genau wissen,

mitwievielKomfortsielebenwollenund

zweitens, weil sie beim zweiten Haus

nichtmehrsoaufdenCentschauenmüssen.“

Rund60Smart­Home­Projektebetreuen

Möllers und Freudenreich europaweit

proJahrundfungierenwährendderBauphase

als Schnittstelle zwischen Architekt,

Bauherr und Gewerken.

ImintelligentenHausimMünsterland ist

derjungeFamilienvaterderTechnik­Affine.

So hat sich die Familie bei der Planung

des Einfamilienhauses als Smart

Homeeinwenigüberzeugenlassen.Was

die Ehefrau nicht bereut: „Das Handling

viaTabletoderSmartphoneistbedienerfreundlich

und mittlerweile genieße ich

denKomfortinvollenZügen.“Alsdächte

dieTechnikmit,schaltetsichdieGartenbeleuchtung

in der Abenddämmerung

an.FläztsichdiejungeFamilieamAbend

aufdemSofa,reichteinKnopfdruck:Der

Fernseher schaltet sich ein, die Lampen

dimmen ab und die Jalousien fahren

runter.

So viel Kommunikation der einzelnen

Geräte ist möglich, weil hinter jedem

Schalter ein kleiner Computer mit eigener

IP­Adresse sitzt. Programmiert vom

SendenerSystemintegratornichtnurmit

Foto: ma/ homeTec solution

Augenmerk auf den Komfort, sondern

auch mit Blick auf die Energiebilanz.

Durch Sensoren initiiert, heben, senken

oderneigensichdieLamellenderJalousien.DassorgtfürLichtimHausundAusnutzen

der Außentemperatur, die Heizung

fährt runter. Ein Aspekt, der die

Elektrotechnikbranche hoffen lässt.

Maike Harhues

OFFEN GESAGT

Mehr mit Grips

Nicht allein der schöne Schein, sondern das technologische

Sein zählen. Für Häuslebauer kommt es mehr

denn je auf die inneren Werte an. Wer will, kann seine

Haustechnik dirigieren – mit dem bloßen Griff zum Handy.

Das Smart­Haus bietet riesige Chancen, Komfort und Sicherheit

zu steigern und Ressourcen zu schonen. Die Wohnqualität

steigt und die Betriebskosten können sinken. Das

Gebäude punktet mit seiner Ausstattung zusätzlich auf dem

Immobilienmarkt.

Angesichts dieser Vorteile wundert, dass der Boom beim

Smart­Home noch aussteht. Furcht vor Tücken der Technik

und hohe Investitionskosten bremsen bislang die Intelligenz­Offensive.

Bauherrn sind gut beraten, sich frühzeitig in

die Hände von Profis zu begeben, die sich mit Hardware,

Programmierung und den Standards bei der Sicherheit auskennen.

Sonst entpuppt sich die Digitalisierung als trojanisches

Pferd, mit dem Einbrecher­Banden zu Beutezügen aufbrechen.

Smarte Häuser brauchen aufgeschlossene Bewohner

und schlaue Planer, damit die Technik dauerhaft begeistert.

Betriebe, die sich jetzt fit machen, können ein ordentliches

Stück von diesem Umsatz­Kuchen ergattern. Gerade

mit Blick auf den demografischen Wandel wächst das Kundenpotenzial

noch sprunghaft an.

Know­how und der innere Ruck, Hirnschmalz in die Gebäude

mit Grips zu stecken, fehlen aber offenbar noch in einigen

Firmen.

Maike Harhues

J

.g .

Werkzeugmaschinenhandel – Equipment für die Metallbearbeitung

Ob konventionell, zyklengesteuert oder CNC-gesteuert: Rommelmann bietet

Ihnen eine große Auswahl an Werkzeugmaschinen. Unser Werkzeugmaschinenhandel

in Münster stellt modernste Produkte für folgende Arbeiten bereit:

• Drehen • Sägen

• Fräsen • Entgraten/Schleifen

• Bohren • Blechbearbeitung

„Individual by rommelmann“: Ihr Fertigungsproblem kann mit den

Standardausführungen nicht gelöst werden? Gerne entwickelt unser Werkzeugmaschinenhandel

in Münster maßgeschneiderte Lösungen, die an die

täglichen Aufgaben in Ihrem Betrieb angepasst sind. Wir beraten Sie mit

unseren Experten, bis alles zu Ihrer Zufriedenheit ist.

Werkzeug,Maschinen und Schweißtechnik in Münster mit Service

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Ihnen mit einem umfassenden Kundendienst zur Seite steht? Die Rommelmann

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Münster/Westfalen. Auch Schweißtechnik inklusive Zubehör gehört zu

unserem vielseitigen Angebot für Ihren Betrieb.

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Arbeitsrecht

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Fritz Klingsporn

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Universitätsstraße 21 · 48143 Münster

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11 BRANCHEN & BETRIEBE

„Hier schlummert ein riesiges Potenzial“

Handwerkspräsident Hans Hund ermuntert die Betriebe, sich mit Smart-Home-Technik vertraut zu machen.

Für die Handwerksbetriebe

stellt die neue Smart-Home-

Technologie gleichermaßen

eine Chance und eine Herausforderung

dar. Unsere Mitarbeiterin

Maike Harhues sprach darüber

mit dem Präsidenten der Handwerkskammer

Münster, Hans Hund.

Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer

Münster: Smart-Home im

Einfamilienhaussektor ist längst keine Vision

mehr. Die intelligente Nutzung von

selbst produziertem Strom durch PV-Anlagen,

das Steuern von Jalousien und

Sonnenschutzanlagen bei starker Sonneneinstrahlung

oder Dunkelheit, das

Schalten und Dimmen, je nach Helligkeit

gesteuert oder in Lichtszene gesetzt, gesteuert

durch intelligente Gebäudetechnik

via Visualisierungssoftware und Server,

Kamera und Alarmüberwachung, all

das wird auch im Privathaus immer mehr

nachgefragt. Natürlich ist das alles nicht

zum Nulltarif zu haben, aber der Wohnwert,

der Komfort wird wesentlich gesteigert.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind

sehr vielfältig.

Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer

Münster

Foto: Kleideiter

Ist das Smart Home schon Realität

oder eine bloße Vision, die bei den

privaten Eigenheimen noch in den

Kinderschuhen steckt?

Hat das Handwerk im Münsterland

die vorhandene oder sich abzeichnende

Nische entdeckt und bringen

die Betriebe das Know-how mit, intelligente

Häuser zu planen und die

Technik darin zu installieren?

Hund: Es gibt viele Betriebe, die sich mit

den neuen Techniken intensiv beschäftigen.

Die Anforderungen an den Meisterbetrieb

sind in den vergangenen Jahren

enorm gewachsen. Hierin schlummert

ein riesiges Potenzial für zusätzlichen

Umsatz. Es sind aber nach meiner Wahrnehmung

noch nicht alle dabei, da die

Betriebe zunächst erhebliche Investitionen

in Köpfe und Ausstattung zu leisten

haben. Letzteres ist somit so gar nicht

„smart“, aber sehr spannend. Die Handwerkskammer

führt in ihrem HBZ zu dem

Thema viele Weiterbildungsmaßnahmen

durch. Ich kann die Betriebe nur dazu ermuntern,

diese Angebote wahrzunehmen

und zu nutzen, zum Wohle des eigenen

Betriebes und der Mitarbeiter.

Sollten sich Bauherrn bemühen, die

Alles unter Kontrolle: Sämtliche Funktionen lassen sich zentral im Haus oder per Smartphone steuern.

zusätzliche Kosten für vernetzte

Haustechnik aufzubringen, weil

sich der Mehraufwand amortisiert?

Wenn ja, mit welchen Zeiträumen

müssen Häuslebauer dabei rechnen?

Hund: Bei Smart Home steht der Einspargedanke

nicht unbedingt im Vordergrund.

Obwohl durch Optimierung der

Energienutzung, zum Beispiel in

Schwachlastzeiten Wäsche waschen, gibt

es diesen Effekt natürlich auch. In erster

Linie bedeutet Smart Home aber ein

Mehr an Komfort, ein Mehr an Sicherheit.

Diese Gedanken sind bei vielen Hausund

Wohnungseigentümern schon sehr

weit verbreitet. Hier passt vielleicht der

Vergleich mit einem gut ausgestattetem

Bad oder einem Top-Entertainment-Paket.

Schließlich kann man nicht sagen,

dass sich eine Regendusche oder eine

Dolby-digital-Anlage mit UHD-Fernseher

einmal amortisieren. Der enorme Mehrwert

ist es, der hier ausschlaggebend sein

dürfte. Mein Fazit: Mehrwert an Komfort

und Sicherheit mit der Möglichkeit, Energie

einzusparen – das ist Smart Home.


12 BRANCHEN

Die Welt des guten Tons

Im „Color Design Studio Europe“ der BASF Coatings in Münster entwickeln Designer mit hoher

Sensibilität für Strömungen und Stimmungen die automobilen Farben von morgen.

Kein Trödelmarkt, sondern Material- und Farbtonsammlungen im Arbeitsraum der Designer. Dinge des täglichen Lebens können entscheidend für die Suche nach einem guten Farbton sein.

Fotos: Jürgen Peperhowe

Wie ein Zauberlehrling greift der Laborant

beherzt in die Kiste, fördert

Pigmente zutage, mischt Aluminiumteilchen

unter,hier noch ein Effekt

– und schwups: fertig ist der

neue schimmernde Metallic-Lack.

Irrtum: Fahrzeuglacke haben, bevor

sie in die Produktion gehen, eine lange

Vorgeschichte. Diese beginnt sehr

häufig am Klosterwald in Münster,

wo das Team des „Color Design Studio

Europe“ der BASF Coatings automobilen

Farbtrends von morgen auf

der Spur ist. Ein kreativer Prozess

mit Tiefgang –entscheidend für den

späteren Umsatz des Lackproduzenten.

Mark Gutjahr –Bart, Brille,

karierte Schiebermütze

–strahlt an diesem

Morgen inHiltrup

Urlaubslaune aus. Er

freut sich, denn am anderen Taggeht`s

nach Italien. „Es ist Sommer. Dawird es

auf der Expo Milano nicht so voll sein“,

erzählt er beiläufig. Mailand. Expo. Passt

dies zum Jahresurlaub? Der „Leiter Design

BASF Europa“ fühlt sich ertappt.

„Na, ja. Der Blick geht nie aus“, sagt der

42-jährigeChefdesigner.Die Suche nach

Inspiration, nach Anregungen, Strömungen

und Stimmungen endet nicht am

Freitag und richtet sich nicht nach dem

Kalender.

Mark Gutjahr, Chefdesigner und „Trenddetektiv“, präsentiert einen Lack aus der XSpark-Kollektion. Der Hingucker

enthält feinste Glaspartikel.

Wer den kreativen und für Kunden normalerweise

nicht zugänglichen Arbeitsbereich

der Designer in der ersten Etage

des Studios in der Villa am münsterischen

Stadtrand betritt, bekommt einen

kleinen Eindruck davon, wie das Team

sich einer neuen Farbe nähert. Als wäre

gerade Trödelmarkt, liegen auf einem

weißen Schrank in einem flachen Kasten

dunkelgrüne Kreidestücke, grün schimmerndes

Metall, moosigeSteine, ein hellgrüner

Buchdeckel, eine zartgrüne Libelle,

grüne Verpackungen, Stofffetzen …

Grün in unendlich vielen Nuancen. Ein

Fest für das Auge –eine Fundgrube für

die Farbtonsucher.

Farben mit allen Sinne spüren und wahrnehmen

–für die Designer ist dies ein Teil

der Tätigkeit. Ihr Blick erfasst aber auch

gesellschaftliche Veränderungen, Umbrüche,

kulturelle oder mediale Angebote,

technische Entwicklungen, Zukunftsvisionen.

Nicht umsonst wird Mark

Gutjahr auf der Homepage des

„Color Design Studio Europe“ als

„Trenddetektiv“ bezeichnet.

Denndie Suche nach dem richtigen

und erfolgreichen Farbton

führt ihn in alle nur denkbaren

Themenfelder.

Farbtrends werden zwar gesetzt.

Sie fallen aber nicht

vom Himmel, sondern sind

das Ergebnis intensiver

Gruppenarbeit. Auch am

Klosterwald geht es Jahr für

Jahr nicht um die eine Farbe,

es geht stets um Farbwelten,

die in der Zukunft regional

und global eine Rolle spielen

sollen.

Fünf Jahre können vergehen,

bis Farben einer Kollektion nach

vielen Debatten und technischen

Prüfungen tatsächlich im Straßenbild

zu sehen sind. Ein schickes

Braunmetallic, in Hiltrup entwickelt,

tat sich vor Jahren im Markt zunächst

schwer. Doch als BMW das Marrakeschbraun

für den X 1einsetzte, zogen andere

Hersteller nach. Mark Gutjahr: „Heute

sieht man viele Brauntöne auf den Straßen

dieser Welt. VorJahren undenkbar.“

Münster, Yokohama, Shanghai, Southfield

– andiesen vier Orten arbeiten die

Design-Teams im Konzern. Marktstrategisch

über den Globus verteilt, sind sie für

verschiedene Regionen zuständig. In Hiltrup

hat man Europa im Blick –die skandinavischen

Länder genauso wie Spanien.

„Auch hier gibt es Unterschiede, die

wir berücksichtigen müssen. Im Licht des

Nordens wirkt ein Farbton ganz anders

als unter der südlichen Sonne“, erläutert

der Chefdesigner.

Zweimal im Jahr treffen sich die Teams

zum Workshop. Dann strömt all das zusammen,

was man bei der Trendsuche

ans Licht geholt hat, wird analysiert, bewertet,

geclustert. „Anstrengende Tage“,

verrät Gutjahr, denn mit einem knappen

5:4-Ergebnis bei der Bestimmung einer

Trendfarbe geht man nicht auseinander.

Ein Farbtrend will gut überlegt sein.

Konzentrierteman sich früher bei den gefragten

Trendbüchern

allein auf

die jeweiligen

großen Regionen

und Märkte wie

Nordamerika,

Europa, China

Chefdesigner Mark Gutjahr

und Asien, so entwickelt

BASF

Coatings seit fünf

Jahren ein globales Trendbuch für Fahrzeuglacke.

Bezeichnend ist trotz der

„Heute sieht man viele Brauntöne

auf den Straßen dieser Welt. Vor

Jahren undenkbar.“

weltumfassenden Fahrzeugproduktion

die Unterschiedlichkeit. Durch die

Außenhaut mit ihrer nicht einmal millimeterdicken

Farbschicht bekommt das

Fahrzeug einen erkennbar regionalen

Akzent. In Mitteleuropa ist ein Auto mit

einem asiatischen Gelbton ein Hingucker,

inAsien fällt der Wagen nicht auf.

Die Trend-Kollektion 15/16trägt den Titel

„RAW“. „Gemeint ist hier Ursprünglichkeit,

Originalität, das Pure, das Klare“,

erläutert Mark Gutjahr.65Farben gehören

zur neuen „Coatings Color Collection“.

Europas Farbenzukunft trägt den Titel

„no status quo“. Dies deutet auf die vielen

Veränderungen hin, die der Kontinent

zurzeit erlebt.

wk

EFFEKTTYPEN

Metallic –ein Metalliceffekt wird durch feine oder gröbere

Aluminiumteilchen, die dem Lack beigemischt werden,

hervorgerufen. Er bewirkt einen metallisch anmutenden

Farbeindruck.

Perleffekt –hierbei handelt essich ebenfalls um ein

Effektpigment, welches mehrfarbig schimmernde Effekte

bewirkt. Die Beimischung von Perlglanzpigmenten zum

Lack ist für dieses perlmutthafte helle Schimmern verantwortlich.

Uni –bei einer Unilackierung wird auf jegliche Effektpigmente

verzichtet.


&BETRIEBE

13

Nicht viel dicker als ein

menschliches Haar

Kleine Lackkunde –von der KTL bis zum Klarlack

Fundgrube für Farbtonsucher: Für den Fotografen greift Mark Gutjahr zu.

Ein Autolack besteht in der Regel aus

vier verschiedenen Lackschichten:

der Grundierungsschicht KTL, dem

Füller, dem farbgebenden Basislack

und dem versiegelnden Klarlack. Mit

einem Zehntel Millimeter ist der

Lackaufbau nicht dicker als ein

menschliches Haar und muss dennoch

den hohen Belastungen und

Anforderungen standhalten können.

Zuerst wird die Karosse in der

Kathodischen Tauchlackierung

(KTL) mit einer sogenannten

Grundierungsschicht

versehen. Diese

nimmt vornehmlich die Aufgabe des Korrosionsschutzes

wahr und stellt zudem

eine exzellenteOberflächenvorbereitung

für die darauf folgenden Aufbauten dar.

In diesem ersten Lackierschritt muss die

Karosse sprichwörtlich baden gehen: Im

Bad mit kathodischem Tauchlack werden

die Lack-Partikel mit Hilfe von elektrischem

StromamStahlblech aufgetragen.

Anschließend wird die Karosse gespült

und es folgt die Ofenphase, in der der

Lack bei etwa 180 Grad Celsius eingebrannt

wird.

Der Füller deckt als zweite Funktionsschicht

die KTLab. Füller haben, wie der

Name ausdrückt, die Aufgabe, Unebenheiten

auszugleichen und zur Glättung

ihrer Oberfläche beizutragen.

Als Zwischenschicht zwischen der

KTL und den Decklacken realisiert

der Füller zudem einen Steinschlagschutz

und bietet der KTL Schutz

vor UV-Strahlung.

Der Basislack ist für die Farbe verantwortlich.

Durch die Zusammensetzung

mit verschiedensten Pigmenten

und Effektstoffen werden die

Farben realisiert.

So trägt er wesentlich zum optischen

Eindruck der lackierten Karosse bei.

Das Portfolio der BASF Coatings besteht

sowohl aus wasserlöslichen sowie aus

konventionellen, lösemittelhaltigen Basislacken.

Aus ökologischen Gesichtspunkten

ist ein Trend zu wasserbasierenden

Technologien zu verzeichnen und

wird von der BASF vorangetrieben.

Der Klarlack bildet das Dach der Lackschichten.

Die alles versiegelnde letzte

Schicht ist in der Regel pigmentfrei und

transparent. Sie muss besonderen Herausforderungen

wie beispielsweise Beständigkeit

gegenüber Sonnenlicht und

anderen Witterungsbedingungen, aber

auch gegenüber Chemikalien aus Industrie

und natürlichen, biologischen Einflüssen

(Vogelkot etc.) gewachsen sein.

Des Weiteren liegt der Fokus im Klarlacksegment

auf einer sehr hohen Kratzfestigkeit.

Quelle: BASF Coatings

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14 BRANCHEN & BETRIEBE

Seife für die Semper-Oper

ulticom aus Ahaus engagiert sich seit vielen Jahren auf dem Hygienemarkt. Die Inhaber sind

überzeugt: Gute Ausstattung wirkt sich positiv auf den Krankenstand einer Firma aus.

„Viele Unternehmen setzen heute

auf Hightech. Das aber vor allen in

Büros. Da gibt es die modernsten

Ausstattungen, mit Flachbildschirmen

und allem, was das Herz begehrt.

Nur Waschraum und Toilette,

die sehen oft noch grausam aus. Pflege

und Hygiene im Mitarbeiter-Bereich

ist für einige Unternehmen mitunter

noch ein Fremdwort.“ Andreas

Kosmann (50) und Christian Coché

(35) wollen gerade in diesem Sektor

mit ihrer Firma ulticom ein Stück

Missionarsarbeit leisten.

Mit einem Eigenprodukt im Hygienemarkt erfolgreich: Die ulticom-Geschäftsführer Christian Coché (l.) und Andreas Kosmann bekennen sich zum Standort

Ahaus.

Seit 1997 stattet das Ahauser

Unternehmen öffentliche Sanitärräume

mit Desinfektions-,

Handreinigungs-, Pflege-

und Trocknungsprodukten

aus. Zunächst in der Gastronomie, inzwischen

aber auch in der Industrie ebenso

wie im Handel, Verwaltungs- und Veranstaltungsbereich.

Zum Kundenstamm

zählen neben den Flughäfen Dortmund

und Münster-Osnabrück auch die Semperoper

in Dresden, Zentis in Aachen,

ebenso Tankstellen, Kinos oder Lebensmittelbetriebe.

Eines ist allen gemein:

Sauberkeit und Pflege bei Mitarbeiterhänden

gehört dort zum Standard.

„Manch ein Arbeitgeber ist zwar heute

immer noch der Meinung: Zum Klo gehen

sollten die Angestellten zu Hause“,

schüttelt Andreas Kosmann über diese

Einstellung den Kopf, aber „viele haben

inzwischen erkannt, dass sich durch ein

hohes Maß an Hygiene auch der Krankenstand

senken lässt. Und schon alleine

aus diesem Grund wird das Thema Toilette

und Waschraum nicht mehr tabuisiert,

sondern stärker in den Fokus gerückt.

Mitarbeiter verbringen so viel Zeit am

Arbeitsplatz, da kann es an ein paar Cent

für Reinigung und Pflege nicht scheitern.

An der Außen-Wirkung der Unternehmen

wird ja auch nicht gespart.“

Als positives Beispiel nennt sein Partner

Christian Coché Daimler in Sindelfingen:

Die haben von April bis September ganz

normale Seife in ihren Spendern. Von Oktober

bis März aber, während der Grippezeit,

werden ruck, zuck 14 000 Kartuschen

ausgetauscht und durch Desinfektionsseife

ersetzt. Diese Kosten sind

nichts gegen einen sonst erhöhten Krankenstand,

verbunden mit Verzögerung

bei der Produktion oder gar Produktionsausfall.“

Bei etlichen anderen Unternehmen

hätte während der letzten Grippewelle

„der halbe Betrieb flach gelegen.

Darauf hat man jetzt mit veränderten Hygienemaßnahmen

reagiert“.

Angefangen haben die beiden Geschäftsführer

von ulticom übrigens in einer ganz

anderen Branche: im Tabakgroßhandel.

„Daran waren damals auch Handwaschautomaten

gekoppelt“, erklärt Andreas

Kosmann. Und so kam es zur Segmentumstellung.

Christian Coché übernahm

die ulticom West GmbH, Kosmann die ulticom

Münsterland. „Zwei Betriebe, die

wir aber als einen sehen“, erklären die Inhaber.

Und: „Viele fragen, ob wir ein

Franchise-Unternehmen seien. Dazu ein

klares ‚Nein‘. Wir zwei sind Mitgesellschafter

von ulticom Deutschland und

aktiv im Geschäftsführungsbeirat. Die ulticom-Linie

ist ein Eigenprodukt, da

steckt unser Gehirnschmalz drin.“ Schon

alleine dieser Entwicklungsschritt sei in

der Branche recht ungewöhnlich. Christian

Coché: „Wir lassen alle Kunststoffteile

in Deutschland fertigen. Sicherlich ließen

sie sich in Asien günstiger pressen,

aber wir bieten ja keinen Abreißkasten

an, sondern sensorgesteuerte, berührungsfreie

Spender. Und die müssen fehlerfrei

funktionieren.“

Dabei setzen die Ahauser auf ein aufeinander

abgestimmtes Hygienesystem

von Desinfektion, Reinigung, Pflege und

Trocknung. Ergänzt durch Raumduft und

Damenhygiene. Andreas Kosmann: „Wir

setzen seit vielen Jahren auf Produktverkauf

und Service. Wir gewähren beispielsweise

eine immer währende Funktionsgarantie.

Wir wollen unsere Kunden

ja nicht nur ein halbes Jahr, sondern auf

Dauer an uns binden. Da ist dann zudem

auch viel Aufklärungsarbeit gefragt.“ Wie

etwa bei der Umstellung von luftbetriebenen

Händetrocknern auf Handtuchspender.

Kosmann erklärt: „Durch die

Luftreinigung werden oftmals unendlich

viele Bakterien hochgewirbelt. Das Wasser

tropft unten auf den Boden oder in

einen unter dem Gerät stehenden Eimer.

Das ist wenig hygienisch.“

Dass sich der Beruf inzwischen auch auf

ihr Privatleben auswirkt, bestätigen die

beiden Ahauser mit einem Lächeln:

„Wenn wir in ein Restaurant gehen,

schauen wir uns zuerst den Waschraum

an. Das hat auch schon auf unsere Kinder

abgefärbt.“ Und auf die festen Mitarbeiter

am Standort Ahaus sowie die freien

Handelsvertreter ebenso. Kosmann und

Coché sind sich sicher: „Ab dem Tag, wo

man hier anfängt, verändert sich der

Blick auf das Klo.“

Susanne Menzel

Die Lagerkapazität des Unternehmens wurde in diesem Jahr auf

1000 Quadratmeter erweitert, außerdem wurde eine Import- und

Versandabteilung aufgebaut.

Foto: Susanne Menzel

WELTTAG DES HÄNDEWASCHENS

Zugegeben, es gibt mitunter kuriose Welt- und Gedenktage,

deren Sinn sich auch bei längerer Nachforschung

nicht erschließt. Sie nicht zu kennen, wird garantiert

nicht als Bildungslücke ausgelegt. Andere dagegen sind

kaum präsent – bei genauerem Hinsehen aber durchaus

plausibel. Zu Letzteren zählt sicherlich auch der Welttag

des Händewaschens, 2008 ins Leben gerufen und seitdem

rund um den Erdball auf den 15. Oktober festgesetzt.

Zeigt her eure Hände: Die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) hat den Welttag des Händewaschens zusammen

mit der Unicef, der Weltbank und den Centers for Disease

Control and Prevention in den USA installiert, um dadurch

ein größeres Bewusstsein für Hygiene durch das

Reinigen der Hände zu schaffen. Laut aktueller Statistiken

sterben auf der Erde jährlich 3,5 Millionen Kinder durch

Infektionen, die durch mangelnde Handhygiene hervorgerufen

wurden.

Wissenschaftler sprechen davon, dass das Risiko einer

Durchfallerkrankung durch regelmäßiges Händewaschen

(mehr als eine halbe Minute einseifen, anschließend

gründlich abspülen) um knapp 50 Prozent und das von

Atemwegsinfektionen um etwa ein Viertel gesenkt werden

könnte.

In Krankenhäusern gibt es inzwischen eine bundesweite

Kampagne „Aktion saubere Hände“, um so eine Verbreitung

der gefürchteten Krankenhauskeime einzudämmen.

Übrigens gibt es zur Handhygiene mit dem „Welthändehygienetag“

am 5. Mai noch ein zweites Event. Auch hier

verbunden mit der klaren Botschaft: Durchs Händewaschen

und -desinfizieren schützt man sich und andere vor

Infektionskrankheiten. Der 5.5. steht dabei als Synonym

für die zwei Mal fünf Finger an jeder Hand.

Susanne Menzel


15 BRANCHEN & BETRIEBE

Wie damals

auf der Walz

Immer mehr Azubis gehen zeitweise ins Ausland

„So ein Aufenthalt bringt jeden

Azubi weiter.“

Ein Drittel aller Studierenden geht

ins Ausland. Bei Auszubildenden

liegt die Quote gerade bei vier Prozent.

Woran liegt das? Schließlich

hätte jeder Azubis die Möglichkeit

zum Auslandsaufenthalt, dies steht

seit 2004 sogar im Berufsbildungsgesetz:

Bis zu ein Viertel der Ausbildung

kann im Ausland absolviert

werden. Anita Urfell arbeitet daran,

dass Azubis häufiger ins Ausland gehen.

Sie ist Mobilitätsberaterin bei

der Handwerkskammer Münster und

vermittelt Auszubildende an einen

Betrieb im Ausland.

Neue Arbeitspraktiken,

fremde Orte kennenlernen,

Lebenserfahrung

sammeln – das waren jahrhundertelang

für Gesellen

gute Gründe, auf die Walz zu gehen. Die

Gründe gelten noch heute, doch die Wanderjahre

absolviert kaum noch jemand.

Anita Urfell und ihre Kollegen haben ein

ehrgeiziges Ziel: Im Jahr 2020 sollen

mindestens zehn

Prozent aller Azubis

einen Teil

ihrer Ausbildung

im Ausland absolvieren.

Anita Urfell, Handwerkskammer Münster

Eindrücke von

außen und eine

andere Perspektiven

sind wichtig in einer Arbeitswelt, die

sich rasch wandelt, aber auch verdichtet.

Berufsschultage, Lehrgänge, überbetriebliche

Unterweisungen – Azubis sind

oft wochenlang nicht im Betrieb. Und

dann auch noch ein Auslandsaufenthalt,

von dem der Betrieb auf den ersten Blick

gar nichts hat? „Es gibt natürlich Chefs,

die der Meinung sind: Das ist Quatsch,

das brauchen wir nicht“, sagt Anita Urfell.

Im Gegenzug kennt die Kontaktstelle

Ausland der Handwerkskammer aber

auch „Stammkunden“.

2003 haben Anita Urfell und ihre Kollegen

begonnen, die Kontaktstelle aufzubauen.

Es gab Vorbehalte. Doch der Vorstand

hat das Projekt unterstützt. Anfangs

war es als Programm gedacht für

Auszubildende, deren Betrieb eine Niederlassung

im Ausland hat. „Doch wir haben

schnell festgestellt, dass so ein Aufenthalt

jeden Azubi weiterbringt“. Seitdem

steigen die Austausch-Zahlen kontinuierlich.

Auch aus dem Ausland kommen

viele Auszubildende ins Münsterland.

Markus Köster ist Geschäftsführer einer

Tischlerei in Altenberge. Er hat bereits

viele seiner Auszubildenden ins Ausland

gehen lassen, meist für einige Wochen.

Für ihn stellt der Auslandsaufenthalt eine

Investition in die Zukunft dar. Nicht nur

in die eines einzelnen Mitarbeiters, sondern

des gesamten Betriebes. Und es ist

für ihn ein Instrument zur Nachwuchswerbung.

„Wir wollen attraktiv für Auszubildende

sein“, sagt Köster. Die Aussicht

auf einen Auslandsaufenthalt wirkt

verlockend.

Felix Terbrock lernt das Tischlerhandwerk

in Kösters Möbelwerkstätten. Der

24-Jährige ist im zweiten Lehrjahr und

kürzlich von einem dreiwöchigen Aufenthalt

in Finnland zurückgekehrt. Dort hat

er ebenfalls auf Vermittlung der Kontaktstelle

in einer Tischlerei gearbeitet. Für

ihn war der Aufenthalt eine spannende

Zeit. Vor allem, weil den deutschen Azubis

ein guter Ruf vorauseilt. Das finnische

Unternehmen arbeitet viel mit Teakholz.

Und obwohl Terbrock wenig Erfahrung

mit diesem Material hatte, durfte er direkt

Verantwortung übernehmen. „Die

haben gesehen, was ich im zweiten Ausbildungsjahr

kann“, sagt er. „Um das duale

System beneiden uns die Betriebe im

Ausland“, bestätigt Anita Urfell.

Azubis, die ins Ausland gehen wollen,

brauchen das Okay ihres Chefs. Ein Austausch

etwa während des Urlaubs ist

nicht erlaubt, der Arbeitsplatz wird für

eine Zeitspanne ins Ausland verlagert. Ist

betriebsintern alles geregelt, begleitet die

Kontaktstelle die Azubis bei der Vorbereitung.

Diese müssen ihren Aufenthalt aber

weitgehend selbst organisieren: Bewerbungen

schreiben, Unterlagen einreichen,

Anträge stellen. Für Anita Urfell ist

diese kleine bürokratische Hürde auch

Felix Terbrock ist Tischler-Azubi bei der Köster Möbelwerkstätten GmbH in Altenberge und hat einen Teil seiner

Ausbildung in einer finnischen Tischlerei absolviert.

Foto: Engelbert Hagemeyer

ein Test. „Wir sehen rasch, wer wirklich

ins Ausland will. Viele merken spätestens

dann, dass dies keine Pauschalreise ist“,

sagt die Vermittlerin. Die Kammer hilft

bei der Suche nach dem passenden Betrieb,

sie hat Kontakte zu vielen Unternehmen

in ganz Europa geknüpft. Ein

länderübergreifendes Netzwerk gibt es

für den Austausch allerdings noch nicht.

Die deutschen Azubis gehen meist nach

Norwegen, Finnland oder England.

Manchmal reisen sie alleine, häufiger

aber in der Gruppe. Gerade erst sind 15

Azubis aus dem Münsterland gemeinsam

nach Norwegen geflogen, es ist der

Gegenbesuch im Ausland. „Das ist fast

wie ein Schüleraustausch und eignet sich

auch für minderjährige Auszubildende

oder jene, die nicht alleine reisen wollen“,

sagt Anita Urfell. Die Deutschen

arbeiten dort für drei Wochen in unterschiedlichen

Betrieben. Drei Wochen ist

die Mindestreisedauer, die die Handwerkskammer

empfiehlt. „Wir versuchen,

möglichst lange Aufenthalte zu erreichen“,

sagt Urfell. Dann wird die Organisation

umfangreicher. Die Azubis brauchen

zum Beispiel einen Lehrplan für den

Stoff, den sie in der Berufsschule verpassen.

Der Besuch der Berufsschule im Zielland

hat sich nicht bewährt, die Sprachhürden

sind zu groß. Aber dank moderner

Technik gibt es E-Learning-Materialen

oder Skype-Konferenzen mit den

deutschen Lehrern. Auch um die Unterkunft

muss sich der Azubis zunächst

selbst kümmern, die Kontaktstelle unterstützt

ihn dabei. Felix Terbrock hat in

Finnland in einer Pension gewohnt, andere

Unternehmen stellen ein Apartment

oder finden eine Gastfamilie. Da das Ausbildungsverhältnis

fortbesteht, bekommen

die Azubis ihre Vergütung weiterhin

vom deutschen Betrieb. Die Kosten für

Reise und Unterkunft müssen sie selbst

tragen.

„Aber es gibt Fördermöglichkeiten“, sagt

Anita Urfell. Im Rahmen des Erasmus-

Programms bekommen die Auslands-

Azubis zwischen 23 und 36 Euro pro Tag.

Der Eigenanteil für einen dreiwöchigen

Aufenthalte in Norwegen liegt bei etwa

300 Euro. Viele Chefs geben Zuschüsse,

auch wenn sie selbst auf finanzielle

Unterstützung verzichten müssen. „Dafür

kommt ein begeisterter Lehrling zurück,

der viel gelernt hat, sich dem Betrieb

zugehörig fühlt und Spaß an seinem

Handwerk hat“, sagt Anita Urfell.

. Engelbert Hagemeyer

Das ideale

Umfeld.

Unternehmer im ecopark wissen:

Wo Mitarbeiter sich wohlfühlen, da

leisten sie gute Arbeit. Investieren

auch Sie in ein gutes Umfeld – für Ihre

Mitarbeiter und für Ihr Unternehmen.

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FINKE – Münster – das TOP-Einrichtungshaus

In Kürze auch in Hamm!

Wir schließen die Lücke am „Rande“ des Münsterlandes zwischen Paderborn und Münster!

Hochbetrieb herrscht auf der Großbaustelle des „finke-Centers“

an der Autobahnauffahrt in Hamm-Rhynern. Täglich arbeiten

300 Menschen daran, dass das Einrichtungshaus „finke. Das

Erlebnis-Einrichten“ und der trendige Mitnahmemarkt „Carré“

möglichst schnell ans Netz gehen und die ersten Kunden

empfangen können. Vor den Türen der beiden Verkaufshäuser

sind die Pflasterarbeiten für die Kundenparkplätze weit vorangeschritten,auchdieZufahrtsstraßensindbereitsasphaltiert.In

KürzewerdendieBaucontainerabgebautunddieAußenanlagen

bepflanzt. Gesamtgeschäftsführer Dr. Rudolf Christa informierte

jetzt die heimischen Medien über den Stand der Bauarbeiten.

Auch im Außenbereich der Verkaufshäuser geht es zügig voran:

Die Dachbegrünungen sind fast fertiggestellt, die Werbeanlagen

anderNordseitebereitsmontiert.Parallelläuftinnenschonin

allen Abteilungen der Aufbau, die Verkaufsflächen werden im

Detail geplant und umgesetzt. Dazu gehört ein ausgefeiltes

Beleuchtungskonzept für die einzelnen Warengruppen. „Alles

läuft Hand in Hand, wir gehen sehr strukturiert vor“, betonte Dr.

Christa. Hohe logistische Anforderungen bringt insbesondere

der Gastronomiebereich mit sich, der zum Erlebnis-Einrichten

made by Finke zukünftig einen entscheidenden Beitrag leisten

wird.AuchderDialogmitdenBehördenläuftwiegeplant,im

August stehen die Sachverständigenabnahmen für die einzelnen

Gewerke an. Ein energetisches Highlight wird die Photovoltaik-

Anlage auf dem großen Dach des Einrichtungshauses, die

parallel mit den Verkaufshäusern an den Start gehen und

wertvolle Energie liefern wird. Auch in personeller Hinsicht sind

die Weichen für das neue „finke-Center“ bestens gestellt.

Insgesamt schafft Finke in Hamm rund 250 sozialversicherungspflichtige

Arbeitsplätze. Neben hoch qualifizierten Bewerbern

aus der Branche werden zahlreiche branchenfremde Arbeitskräfte

aus der Region auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Die

Quereinsteiger schließen ihre Ausbildung bei dem bundesweit

tätigen Bildungs- und Schulungsinstitut (BSI) Schweinfurt in

absehbarer Zeit ab und werden zukünftig den regionalen Geist

in den Verkaufshäusern verkörpern.

DerBaufortschrittistenorm:InnerhalbwenigerWochenhaben

dievielenHandwerkeraufderGroßbaustellefürdas„finke-

Center“ in Hamm-Rhynern ganze Arbeit geleistet. Die beiden

Gebäude für das Einrichtungshaus „finke. Das Erlebnis-Einrichten“

und den ersten Mitnahmemarkt für trendiges Wohnen „Carré“

werden immer besser erkennbar.

Schon jetzt lässt sich erahnen, welche

Dimensionen das Projekt mit einer

Gesamtverkaufsfläche von ca.

44.000m 2 hat. Die spezielle, besonders

hochwertige Fassade, die ansonsten

die Porsche-Autohäuser und

andere Top-Gebäude zieren wird,

verleiht den beiden Baukörpern

einen außergewöhnlichen Glanz.

Auf dem ca. 109.000 m 2 großen

Grundstücksindzudembereitsdie

ersten von insgesamt ca. 800

kostenfreien Parkplätzen angelegt.

Und auch die Wegeführung auf dem

Gelände nimmt konkrete Formen an.

Wertiger,schöner,individueller–mit

diesen Attributen wird das „finke-

Center“denMarktetwa75Kilometer

rund um den Standort bereichern.

MiteinerVerdichtungimbestehenden

Geschäftsgebiet schließt die Finke-

Gruppe in Hamm-Rhynern (direkt an der Autobahn 2) eine

Marktlücke und macht ihren Anspruch der regionalen Marktführerschaft

deutlich. Mehr Eigenmarken und alle wichtigen

High-End-Marken werden die Ausstellungen prägen. Standort,

Architektur, Warenpräsentation und Kundenbetreuung setzen im

„finke-Center“ neue Maßstäbe! „Es geht mit Riesenschritten

voran: Die Bauarbeiten für unser neues ‚finke-Center‘ in Hamm

liegen voll im Zeitplan. Im Zuge der größten Investition in der

Geschichte der Finke-Unternehmensgruppe entstehen unmittelbar

an der Autobahn 2 (Ausfahrt Hamm-Rhynern) für ca. 70 Millionen

Euro ein klassisches Einrichtungshaus ‚finke. Das Erlebnis-

Einrichten‘ (Verkaufsfläche: ca. 36.000m 2 ) und der erste

Mitnahmemarkt für trendiges Wohnen ‚Carré‘ (Verkaufsfläche:

ca. 8.000m 2 ).“

HAMM

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17 GELD & GESCHÄFT

Schutz vor windiger Anlage

Die schwarz-rote Bundesregierung erhöht mit ihrem neuen Kleinanlegerschutzgesetz

die Sicherheit bei schwer durchschaubaren Finanzprodukten

Mit rentabler Geldanlage in Windkraftprojekte hat Prokon geworben –und das Versprechen nicht gehalten.

Foto: dpa

OFFEN GESAGT

Gelungene Balance

Mit dem Kleinanlegerschutzgesetz

hat die Bundesregierung den

dringend notwendigen Schutz der Sparer

und die mindestens ebenso wichtige

kreative Finanzierung von zukunftsweisenden

Unternehmerideen geschickt

unter einen Hut gebracht – ein großer

Wurf.

Weil wichtige Geldbeschaffungsinstrumente

wie das Crowdfunding

durch die neuen Regeln kaum eingeschränkt

werden, kann der staatliche

Eingriffe als milde betrachtet werden.

Dubiose Geschäfte, wie sie jüngst im

Falle des Windkraftunternehmens Prokon

wieder einmal einer breiten Öffentlichkeit

bekannt wurden, haben die

Politik allerdings zum schnellen Eingreifen

gezwungen.

Die Finanzierung von innovativen

Unternehmen kann langfristig nur gelingen,

wenn der Gesetzgeber die ausgewogene

Balance findet zwischen

dem nötigen Verbraucherschutz und

einem möglichst freien Zugang zu den

Kapital- und Geldmärkten. Mit dem

neuen Gesetz ist dieser schmale Grat

nicht verlassen worden.

Wann sind Finanzprodukte gefährlich,

wann muss der Gesetzgeber einschreiten?

Mit dieser Frage hat sich

die deutsche Politik befasst. Ergebnis:

ein Kleinanlegerschutzgesetz.

Aufgerüttelt hatte Verbraucherschützer

und Politiker

der Fall des Windkraftunternehmens

Prokon. Prokon

Aatte h zur Finanzierung seiner

Projekte Kommandit- und Genussrechtkapital

bei Privatanlegern erworben, wobei

die Tochter Prokon Regenerative Energien

GmbH die Emittentin der Genussrechte

war. Am 22. Januar 2014 stellte diese Prokon-Tochter

beim Amtsgericht Itzehoe

einen Insolvenzantrag. Folge für 75 000

Sparer, die dem Unternehmen insgesamt

die gewaltige Summe von 1,4 Milliarden

Euro geliehen hatten: Rund die Hälfte des

Geldes ist unwiederbringlich verloren. Dabei

war eine üppige Renditen von bis zu

acht Prozent versprochen worden.

Die Bundesregierung hat wegen solcher

Fälle das neue Kleinanlegerschutzgesetz

erarbeitet. Es wurde inzwischen in Bundestag

und Bundesrat beschlossen. Es

trat am 9. Juli 2015 in Kraft. Grundlage

des neuen Kleinanlegerschutzgesetzes ist

das Vermögensanlagengesetz, das durch

die Neuregelung verschärft wurde. Betroffen

sind von der neuen Regelung

Unternehmensbeteiligungen, Beteiligungen

an Treuhandvermögen, Genussrechte

und Namensschuldverschreibungen.

Zukünftig sollen zudem auch partiarische,

also gewinnabhängige, Darlehen

und Nachrangdarlehen sowie sämtliche

wirtschaftlich vergleichbare Anlagen

unter die geänderten Regelungen fallen.

Der Gesetzgeber hat aber auch Anlageformen

von den Änderungen ausgenommen:

Dazu zählen Aktien, Rentenpapiere

und Investmentfonds. „Bei diesen Wertpapieren

sind Anlegerinnen und Anleger

bereits heute hinreichend geschützt“, erklärte

das Bundesfinanzministerium.

Wesentliche Säule des Anlegerschutzes

ist weiterhin der Verkaufsprospekt. „Der

Prospekt soll dem Anleger ein umfassendes

Bild von Anlagegegenstand und Anbieter

vermitteln, um diesem eine zutreffende

Abwägung von Vorteilen und Risiken

einer Investition zu ermöglichen“,

heißt es. Das galt aber prinzipiell auch

bisher schon. Doch Schwarz-Rot hat diese

Vorschriften nunmehr ergänzt:

Fälligkeit: Die Fälligkeit bereits begebener,

noch laufender Vermögensanlagen

ist künftig anzugeben, um dem Anleger

die Einschätzung zu erleichtern, in welchem

Umfang eine Anlage dazu genutzt

wird, früher eingegangene Verpflichtungen

zu bedienen. Damit soll der Vorspiegelung

einer nicht vorhandenen wirtschaftlichen

Produktivität und unzulässigen

„Schneeballsystemen“ entgegengewirkt

werden.

Konzern-Abschluss: Firmen, die zur

Aufstellung eines Konzern-Abschlusses

verpflichtet sind, müssen diesen in jedem

Fall in den Prospekt aufnehmen, sodass

sich Anleger auch ein Bild von der finanziellen

Situation des Konzerns machen

und bei ihrer Anlageentscheidung etwaige

Risiken in anderen Konzernbereichen

berücksichtigen können.

Kapitalfluss-Rechnung: Um einen genaueren

Einblick in die Zahlungsströme

zu ermöglichen und so die wirtschaftliche

Leistungsfähigkeit des Anbieters besser

nachvollziehbar zu machen, haben

größere Unternehmen künftig eine Kapitalfluss-Rechnung

offenzulegen.

Personelle Verflechtungen: Pflicht ist es

künftig, die an Begebung und Vertrieb

von Vermögensanlagen beteiligten

Unternehmen offenzulegen. Auch personelle

Verflechtungen im Umfeld des Anbieters

müssen für den Anleger transparent

gemacht werden.

Leichterer Zugang zu Informationen:

Der Zugang der Anleger zu Informationen

über Finanzprodukte muss optimiert

werden.

Verbraucherschutz wird Aufsichtsziel

der BaFin: Zur Aufsichtstätigkeit der

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen

(BaFin) gehört ab sofort auch der kollektive

Verbraucherschutz. Kollektiv

heißt in diesem Zusammenhang, dass die

BaFin dem Schutz der Verbraucher in

ihrer Gesamtheit verpflichtet ist. Die Aufsichtsbehörde

kann bestimmte Finanzprodukte

und Finanzpraktiken verbieten.

Fortsetzung auf Seite 18

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18 GELD & GESCHÄFT

Kaum neue Hürden beim Crowdfunding

Das neue Kleinanlegerschutzgesetz schränkt

nicht alle modernen Finanzierungschancen

ein – Verbraucherschützer sind zufrieden

Auch Firmen und Berater, die Geldanlagen

anbieten und vermitteln,

müssen sich auf das neue Kleinanlegerschutzgesetz

einstellen.

Und was ändert sich mit dem

neuen Kleinanlegerschutzgesetz

für Unternehmen

mit Kapitalbedarf und Finanzvermittler?

Die neue Definition der Vermögensanlagen

umfasst jetzt auch gewinnabhängige

Darlehen, Nachrangdarlehen sowie sonstige

Anlagen, die einen Anspruch auf Verzinsung

und Rückzahlung gewähren

oder im Austausch für die zeitweise Überlassung

von Geld einen vermögenswerten,

auf Barausgleich gerichteten Anspruch

vermitteln, so heißt es im Gesetz.

Darüber hinaus müssen alle Anbieter vor

Beginn des öffentlichen Angebots ausnahmslos

ein kurzes, übersichtliches und

leicht verständliches Vermögensanlagen-

Informationsblatt erstellen, das insbesondere

die angesprochene Anlegergruppe

sowie die Laufzeit und Kündigungsfrist

der Vermögensanlage enthalten

muss. Die erste Seite dieses Blattes muss

auch einen Warnhinweis beinhalten.

Für Finanzanlagenvermittler ist die Vermittlung

von Direktinvestments künftig

nicht mehr erlaubnisfrei, Vermittler, die

auch in Zukunft Direktinvestments vermitteln

wollen, müssen eine solche Erlaubnis

bis spätestens zum 15. Oktober

2015 erteilt bekommen haben.

Crowdfunding-Projekte sind von dem

neuen Gesetz aber weitgehend nicht betroffen.

Kapitalsuchende Unternehmen

unterliegen künftig erst ab einem Betrag

von 2,5 Millionen Euro einer Prospektpflicht.

Ursprünglich war in Gesetzesentwürfen

eine Grenze von einer

Million Euro vorgesehen. Auch

größere Projekte können so per

Crowdfunding finanziert werden –

ohne dass ein zeit- und kostenintensiver

Verkaufsprospekt erstellt werden

muss.

Genossenschaftliche Vorhaben fallen

ebenfalls grundsätzlich nicht unter die

neue Regelung.

Trotz der massiven Vorkehrungen zum

Schutz der Sparer sind die Verbraucherschützer

noch nicht ganz zufrieden. Immerhin

räumt Markus Feck, Finanzjurist

der Verbraucherzentrale Nordrhein-

Westfalen in Düsseldorf, im Gespräch mit

Die Wirtschaft“ ein: „Das Gesetz ist ein

Schritt in die richtige Richtung.“ Feck

lobt vor allem die gewachsende Kompetenz

der BaFin. Bei den großzügigen Ausnahmeregelungen

für das Crowdfunding

und für Genossenschaften ist der Verbraucherschützer

aber skeptisch. „Trotz

der eigenen Prüfungsverbände hatten

Genossenschaften in Ostdeutschland öfter

schon Probleme“, merkt

Feck an.

Besonders wichtig ist für

Feck, dass das neue Gesetz

eine deutlich bessere

Qualität der In

tionen in den V fsprospekten

„Letztlich muss der ch

für oder gegen ein bes

ko entscheiden.“

Aber: So krasse

fehler, wie sie bei Prokon gemacht worden

seien, etwa indem dort langfristige

Investitionen kurzfristig finanziert wurden,

könne auch das neue Gesetz – trotz

all seiner Vorzüge – letztlich nicht verhindern,

so Feck.


Das neue Kleinanlegerschutzgesetz spannt über das Vermögen der Sparer quasi einen Schutzschirm.

Vererbt wird nach dem

Landesrecht im Ausland

Europäische Erbrechtsverordnung bringt gravierende Änderungen

Knapp zwölf Millionen Europäer leben

in einem EU-Staat, der nicht

ihrer Staatsangehörigkeit entspricht.

Sie alle, darunter auch Hunderttausende

Deutsche, sind von der

Europäischen Erbrechtsverordnung

betroffen.

Foto: Colourbox.de

Egal ob Mallorca-Rentner,

Auswanderer oder internationale

Patchwork-Familien –

für alle Erbfälle, die ab dem

17. August 2015 eintreten,

wird der gesamte Nachlass nach dem

Recht des Landes abgewickelt, in dem der

Erblasser seinen „gewöhnlichen Aufenthalt“

hatte. Die Staatsangehörigkeit

spielt dann keine Rolle mehr.

Der gewöhnliche Aufenthalt einer Person

wird nach den Lebensumständen des

Erblassers vor seinem Tod und zum Zeitpunkt

des Todes betrachtet. Die Dauer

und Regelmäßigkeit des Aufenthalts sowie

eine enge und feste Bindung zum jeweiligen

Staat spielen hierbei eine wesentliche

Rolle.

Der Gesetzgeber hat den Erblassern eine

Wahlmöglichkeit gegeben. Ab sofort können

Betroffene das Recht des Staates

wählen, dessen Staatsangehörigkeit sie

besitzen. Die Verordnung lässt eine

Rechtswahl nur für das gesamte Vermögen

zu, außerdem muss die Wahl ausdrücklich

erfolgen, z.B. mit einem Testament.

Betroffene, die ihren Nachlass bereits

geregelt haben, sollten ihre Testamente

bei einem Notar überprüfen lassen

und unter Umständen eine Rechtswahlklausel

ergänzen.

Ohne Testament passiert nach der neuen

Erbrechtsverordnung Folgendes: Stirbt

ein Deutscher zum Beispiel in Frankreich,

wo er seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt

hatte, wird sein Nachlass nach

den dortigen Vorschriften abgewickelt.

Dabei spielt es keine Rolle, wo sich Vermögenswerte

wie Geld, Spar- und Depotvermögen,

Schmuck und Immobilien

zum Zeitpunkt des Todes befinden.

Deutsche, die sich zukünftig länger im

Ausland aufhalten, sollten bedenken,

dass sich die ausländischen Regelungen

zur gesetzlichen Erbfolge vom deutschen

Erbrecht erheblich unterscheiden. Diejenigen,

die bereits mit einem gemeinschaftlichen

Testament oder Erbvertrag

vorgesorgt und sich gegenseitig zu Alleinerben

eingesetzt haben, sollten wissen,

dass diese Verfügungen beispielsweise in

Spanien, Frankreich und Italien nicht anerkannt

werden.

Die Erbrechtsverordnung betrifft den gesamten

Bereich der Europäischen Union

mit Ausnahme von Irland, Dänemark und

dem Vereinigten Königreich sowie Ländern

mit Einzel- oder Sonderrechten,

zum Beispiel Spanien.

Im Zuge der Erbrechtsreform wird auch

das Europäische Nachlasszeugnis eingeführt.

Das Dokument dient als zusätzlicher

Erbnachweis für Erben, Testamentsvollstrecker,

Vermächtnisnehmer und

Nachlassverwalter und soll helfen, grenzüberschreitende

Erbfälle leichter und

schneller anzuerkennen. Das Europäische

Nachlasszeugnis hat eine Gültigkeit

von sechs Monaten, kann aber auf Antrag

verlängert werden. Einen deutschen Erbschein

ersetzt das Dokument jedoch

nicht.

Wer sich von einem Notar über die Folgen

der Europäischen Erbrechtsverordnung

beraten lassen möchte, findet diese im

Internet unter www.notar.de.

Quelle: Westfälische Notarkammer

TERMINE +++ TERMINE +++ TERMINE +++

27. August 2015: Kostensenkung durch Ressourcen- effizienz,

Beginn der vierteiligen Veranstaltungsreihe von

IHK, Handwerkskammer VDI und Effizienzagentur NRW,

Termine im gesamten Münsterland (Infos unter 0251-

48449643)

31. August 2015: Digitale Wirtschaft in NRW, Infoveranstaltung

des NRW-Wirtschaftsministeriums, 10 bis 12 Uhr,

IHK Nord Westfalen, Münster

2. September 2015: Meister-Bafög, Infoabend, 17 Uhr,

Handwerkskammer Münster (mit Voranmeldung)

4. September 2015: „Zukunftsmodell berufliche Bildung“,

Bildungskongress der IHK NRW, 13 Uhr, Turbinenhalle der

Stadtwerke Düsseldorf AG (www.ausbildung-nrw.net)

21./22. September 2015: Forum Via Münster, Kongress

für Nachwuchs der Veranstaltungs- und Hotelbranche,

Messe- und Congress-Centrum Halle Münsterland, Münster

(www.forum-via-muenster.de)

23./24. September 2015: vocatium Münsterland, Fachmesse

für Ausbildung und Studium, 8.30 bis 14.45 Uhr,

Messe- und Congress-Centrum Halle Münsterland

23./24. September 2015: Herbstmesse der Agravis Raiffeisen

AG, ab 10 Uhr, Messe- und Congress-Centrum Halle

Münsterland, Münster

14. Oktober 2015: „Lab-Supply“, Fachmesse für Labortechnik,

9.30 bis 15.30 Uhr, Messe- und Congress-Centrum

Halle Münsterland, Münster (nur für Fachbesucher)

28. Oktober 2015: 1. Westfälischer Kongress für Mitarbeiter-Begeisterung,

Messe- und Congress-Centrum Halle

Münsterland, Münster (www.begeisterungs-kongresse.de)

16. bis 20. November 2015: „Münster gründet!“, Seminare

und Workshops, Wirtschaftsförderung Münster

(www.muenster-gruendet.de)


GELD & GESCHÄFT 19

Einen guten Rat gibt

es nicht umsonst

Mögliche Einflüsse der Vergütung auf die Beratung sollen transparent gemacht werden.

Die Honorarberatung fristet hierzulande nach wie vor ein Nischendasein.

Die Neujustierung der EU-Richtlinie

Mifid II sorgt für steigendes Interesse

an der Honorarberatung. Doch solange

die Mehrheit der Kunden nicht

bereit ist, direkt für Finanzberatungen

zu bezahlen und das Berufsbild

des Honorarberaters unreguliert

bleibt, kommt der Honorarberatung

neben der vorherrschenden Provisionsberatung

allenfalls eine Nischenrolle

zu.

Wie sollen Geldanlageberater

entlohnt werden?

Auch künftig

gibt es zwei Modelle:

Die Provisionsberatung

und die Honorarberatung. Die Provisionsberatung

ist zunächst für den Kunden

kostenlos. Kauft er aber ein Anlageprodukt,

so erhält sein Vermittler dafür

zur Belohnung vom Emittenten des Produkts

eine Provision. Für die Honorarberatung

hingegen zahlt der Kunde seinem

Berater einen vereinbarten Satz, die Anlageempfehlung

setzt er danach entweder

selbst um – oder sein Berater tut es

für ihn. Sollte der Berater dafür eine Provision

bekommen, reicht er diese an seinen

Kunden eins zu eins weiter. Er lässt

sich also nicht vom Emittenten, sondern

vom Kunden für seine Arbeit bezahlen.

Diesen Weg wählten beispielsweise Inge

Schäfer-Schmidbauer und Isolde Regensburger.

2011 haben sich die beiden Ex-

Bankerinnen mit Büros in Münster und

Berg am Starnberger See als unabhängige

Vermögensverwalter mit einer Zulassung

der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

(BaFin) selbstständig

gemacht. Laut Schäfer-Schmidbauer haben

sie dem Geschäftsgebaren in Banken

bewusst den Rücken gekehrt, um provisionsunabhängig

und frei von Vertriebsinteressen

gegen ein Stundenhonorar

von 180 Euro vermögende Anleger zu deren

Depotstruktur zu beraten. Auf

Wunsch bieten sie auch eine individuelle

Vermögensverwaltung an, die die Kunden

jährlich ein Prozent des Depotwertes

kostet oder performanceabhängig entgolten

wird. „Bei der Vermögensverwaltung

reichen wir sämtliche Produktprovisionen

dem Kunden weiter. Dadurch sind

unsere Kosten transparent. Das schafft

Vertrauen. Denn nur wer die Kosten

kennt, kann die Gesamtrendite seines Investments

tatsächlich beurteilen“, sagt

Isolde Regensburger.

Zwar sind Schäfer-Schmidbauer und Regensburger

kein Einzelfall. Weil die breite

Masse der Anleger aber nicht bereit

Hand drauf: Wenn eine Beratung für beIde Seiten positiv verläuft, darf zu Recht gestrahlt werden.

oder in der Lage ist, Honorare für Finanzberatungen

zu bezahlen, fristet die Honorarberatung

hierzulande ein Nischendasein.

Die Provisionsberatung hingegen ist weit

verbreitet. Die überarbeitete europäische

Finanzmarkt-Richtlinie „Markets in Financial

Instruments Directive“ – kurz Mifid

II – lässt weiterhin beide Beratungsmodelle

zu. Im Europaparlament und im

EU-Finanzministerrat wurde lange über

Details eines Vorschlags der EU-Kommission

gerungen. Es zeichnete sich der politische

Wille ab, die Honorarberatung

gegenüber der hierzulande vorherrschenden

Provisionsberatung zu stärken.

Denn die Provisionsberatung ist umstritten.

„Berater haben den Anreiz, vor allem

jene Produkte anzupreisen und zu verkaufen,

mit denen sie die höchsten Provisionen

erzielen – und nicht die, die für die

Kunden am besten wären“, kritisiert Eckhard

Benner von der Verbraucherzentrale

Baden-Württemberg. „Die Anleger

wähnen sich in einem Beratungsgespräch,

in Wirklichkeit handelt es sich

aber um ein Verkaufsgespräch. Ein Bankberater

beispielsweise muss Produkte seiner

Bank verkaufen, daran wird er gemessen

und vergütet“, fügt Regensburger

hinzu. „Er befindet sich also in einem Interessenkonflikt

zwischen seinen eigenen

und den Interessen des Kunden.“

Dem hält Norman Wirth, geschäftsführender

Vorstand beim AfW – Bundesverband

Finanzdienstleistung e.V. die soziale

Rolle des Provisionsmodells entgegen.

Schließlich diene es auch zur Altersvorsorge

und Risikoabsicherung von breiten

Bevölkerungsschichten, die sich eine Honorarberatung

nicht leisten könnten.

„Beide Beratungen müssen in Deutschland

ihren Platz haben, denn sie werden

von unterschiedlichen Kundengruppen

nachgefragt“, sagt auch Herbert Jütten,

Geschäftsführer Finanzmärkte des Bankenverbandes.

Bei der Provisionsberatung

sei vorgeschrieben, dass die Berater

darauf hinweisen, dass und in welcher

Höhe sie Provisionen bekommen. Das

sorge für Transparenz. „Man kann ein guter

Honorar- und ein guter Provisionsberater

sein, man kann aber auch beides

sehr schlecht machen“, ergänzt Wirth.

Ein anderer Ansatz bei der Vergütung bedeute

noch keinen Qualitätssprung, auch

gegen Honorar könne ein Anleger

schlecht und falsch beraten werden.

Interessenkonflikte gibt es auch bei Honorarberatern.

Wer zu fixen Stundensätzen

berät, könnte versucht sein, möglichst

viel Zeit für wohlhabende Kunden

aufzuwenden. Problematisch ist auch,

dass das Berufsbild des Honorarberaters

nicht reguliert ist. Es fehlen Standards

und eine Gebührenordnung wie etwa

Steuerberater sie haben. „Mit Blick auf

Mifid II überlegen natürlich auch Banken

und Finanzdienstleister, ob sie verstärkt

Honorarberatung auch für Retailkunden

anbieten. Bevor der gesetzliche Rahmen

aber nicht mehr Konturen angenommen

hat, wird sich niemand festlegen“, sagt

Jütten. Mit dem Retailgeschäft ist das

standardisierte Massenkundengeschäft

gemeint, bei dem der Vertrieb von Standardprodukten

im Vordergrund steht.

ph

Foto: Picture-Factory


20 GELD &

EARLY

BIRD

muenster.business de

Das erfolgreiche Wirtschaftsportal

Der weite Weg zur perfekten

Das Netzwerk Oberfläche NRW ist im Technologiehof in Münster zu Hause. Auch Forschungs- und Entwicklungsthemen w

hier gemeinsam bearbeitet, denn die internationale Konkurrenz schläft nicht.

Es gibt heute kaum noch ein technisches

Produkt, das nicht in irgendeiner

Weise an der Oberfläche behandelt

wird. Das betrifft technisch –

funktionelle Eigenschaften (Härte,

Korrosions- und Verschleißbeständigkeit)

ebenso wie die ästhetischen

Komponenten (Farbe, Haptik oder

Glanz). Durch Weiterentwicklungen

von Werkstoffen und Schichten mit

innovativen elektronischen, katalytischen

oder biologischen Eigenschaften

werden viele Produkte erst einsetzbar

und marktfähig gemacht.

Das Netzwerk Oberfläche

NRW mit Sitz im Technologiehof

in Münster versteht

sich dabei als zentrale Anlauf-

und Koordinationsstelle

für die gesamteWertschöpfungskette

–von den Rohstoffherstellern, Lackund

Klebstoffformulierern über das breite

Feld der Anwenderbranchen bis hin zum

Anlagenbau, den Dienstleistungsunternehmen

sowie den Universitäten und wissenschaftlichen

Instituten. Das Netzwerk

bündelt seine Aktivitäten dazu in den drei

Handlungsfeldern: Innovation &Technik,

Markt &Management, Bildung &Qualifizierung.

Das Netzwerk Oberfläche NRW startete

im Herbst 2009 als Verbundprojekt der

regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft

WiN Emscher-Lippe GmbH, der

Deutschen Forschungsgesellschaft für

Oberflächenbehandlung (DFO) und der

Technologieförderung Münster GmbH

(TFM). Die TFM betreut die Aktivitäten

im Raum Münsterland und Ostwestfalen/

Lippe.

Bis 2014 wurde das Netzwerk aus Mitteln

des Landes NRW und des Europäischen

Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Nach ausgelaufener Förderung

gründetesich 2014 das Netzwerk Oberfläche

als Verein. Vorstandsvorsitzender

wurde TFM-Geschäftsleiter Matthias

Günnewig. Mit im Vorstand arbeiten Dr.

Hans-Joachim Weintz von J.W.Ostendorf

inCoesfeld und Harald Dekkers von

EMSA inEmsdetten. „Die Vereinsgründung

war enorm wichtig, um die Arbeit

des Netzwerks langfristig zu sichern“, betont

Günnewig im Gespräch mit der

WIRTSCHAFT den Wert des Branchenbündnisses.

„Im Mittelpunkt der Netzwerkarbeit stehen

zunächst die Ausweitung vonKooperationen

und Forschungsaktivitäten sowie

die Sicherung von Fachkräften und

des Nachwuchses“, erklärt Geschäftsführer

Martin Gründkemeyer, der weitere

Schwerpunkte indem breit angelegten

Kompetenzspektrum der Gründungsmitglieder

sieht. Insgesamt hat das Netzwerk

aktuell 19 Mitglieder. Ein wichtiger Baustein

sind regelmäßige Innovations-

Workshops. Als eines seiner Spezialthemen

beleuchtet Gründkemeyer die Entwicklung

von Forschungskooperationen

und Projektinitiierung. Die allgemeinen

Ziele definieren Dr.Hans-Joachim Weintz

und Martin Gründkemeyerso: „Das Netzwerk

will den fachlichen Austausch zwischen

den regionalen Akteuren aus Wirtschaft,

Wissenschaft, Bildung und Politik

erweitern, Innovationsthemen

anstoßen und begleiten.

Auf diesem

Weg soll gemeinsam

die

Wettbewerbsfähigkeit

aller

Netzwerkteilnehmer

verbessert

werden.“ Im Rahmen

des Projektes

werden dazu

nachhaltige

Strukturen aufgebaut, mit dem Ziel, die

öffentliche Wahrnehmung der Oberflächentechnologie

und den Standort Münsterland

zu stärken.

Da es bis zur perfekten Beschichtung

einer Oberfläche ein weiter Weg ist, auf

dem nichts schiefgehen darf–denn Qualität

ist entscheidend und die internationale

Konkurrenz schläft nicht –,ist es unerlässlich,

dass Rohstoffhersteller, Lackhersteller,

Galvaniseure und Anwender

wie ein Uhrwerk ineinandergreifen.

Vorstand und Geschäftsführung vom Netzwerk Oberfläche: (v.l.)

Matthias Günnewig (Geschäftsleiter Technologieförderung Münster),

Martin Gründkemeyer (Geschäftsführer Netzwerk Oberfläche NRW)

und Dr. Hans-Joachim Weintz (J.W. Ostendorf, Coesfeld). Nicht im

Bild: Harald Dekkers (EMSA).

Foto: Peter Sauer

„Im Mittelpunkt der Netzwerkarbeit

stehen zunächst die Ausweitung

von Kooperationen und Forschungsaktivitäten

sowie die Sicherung

von Fachkräften und des

Nachwuchses.“

Geschäftsführer Martin Gründkemeyer

Das Netzwerk Oberfläche beschäftigt

sich in Veranstaltungen und Beratungen

mit praktischen und nachhaltigen Fragestellungen.

Wie erhöht man die Qualität?

Was macht

die moderne

Oberflächenanalytik

auch international

konkurrenzfähig?

Welche

Daten kann

sie liefern?

Neben BASF Coatings,

Brillux, Osmo

und Ostendorf

sind überwiegend

kleine

und mittelständische

Unternehmen in der münsterländischen

Oberflächentechnologie tätig. Die

gesamteWertschöpfungsketteder Oberflächentechnik

in der Region soll langfristig

vernetzt werden. Neben der Stärkung

der gerade für den internationalen

Markt wichtigen Innovationsfähigkeit

will das Netzwerk die Wissens- und Technologietransfers

beschleunigen, auch um

Forschung, Entwicklung und Förderung

besser voranzutreiben. Gemeinsam werden

Forschungs- und Entwicklungsthemen

bearbeitet, um dadurch schneller

und effizienter innovativeOberflächen zu

gestalten. Das geschieht durch Workshops

und Messen, Einzel- und Verbundprojekten,

Identifikation und Akquise von

Fördermitteln für Innovations- und Netzwerkprojekten,

Unterstützung bei der

Entwicklung vonbestehenden und neuen

Ausbildungs- und Studiengängen sowie

gezielte Öffentlichkeitsarbeit.

Dr. Hans-Joachim Weintz (J.W. Ostendorf)

erläutert im Gespräch die Philosophie

des Netzwerks Oberfläche: „Es ist

wichtig, über den Tellerrand hinwegzuschauen.

Es entwickelt sich stets alles weiter.

Man darf auf keinen Fall stehen bleiben.

Ich selbst habe nie aufgehört zu lernen.

Auch weil der Spaßfaktor einfach

Geschützt durch eine Eloxalschicht: Produkte wie dieses Sicherheitsventil w

groß ist.“ Geschäftsführer Martin Gründkemeyer

arbeitet täglich als Brückenbauer:

„Nicht ganz einfach ist es zwischen

allen Mitgliedern, auf gleicher Augenhöhe

zu kommunizieren, besonders wenn es

um die Sorgen bei Geheimhaltung und

Verschwiegenheit geht. Die Konkurrenzgedanken

unter den Wettbewerbern sind

stark ausgeprägt.“

Ob bei Betriebsbesuchen, bei der Akquise

am Telefon oder auf Tagungen: Der 35-

jährige Ingenieur für Beschichtungs- und

Oberflächentechnik bleibt stets am Ball,

denn für ihn ist klar: „Mehr Kooperationen

sind die Zukunft! In Kooperation

kann gemeinsam viel mehr erreicht werden,

als wenn jeder für sich agiert.“.

Auch für Weintz, der gleichermaßen in

Wirtschaft wie Wissenschaft zu Hause ist,

ist Netzwerkarbeit immer konstruktiv angelegt:

„Mit Mitbewerbern gibt es eigentlich

keine Konkurrenz. Ich habe da durchwegguteErfahrungen

gemacht.“ Eitelkeiten

hätten keinen Platz, w

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GESCHÄFT

21

Schicht

erden

Fachkräfte gehen

so nicht verloren

Farb- und Lacktechniker –Weiterbildung neben dem Job

Eines der Leuchtturmprojekte des

Netzwerks Oberfläche NRW ist der

bundesweit einmalige Bildungsgang

zum staatlich geprüften Farb- und

Lacktechniker in Teilzeit. Eingerichtet

wurde er in der Fachschule Technik

am Adolph-Kolping-Berufskolleg

in Münster.ImVergleich zum bereits

bestehenden Vollzeitangebot ist die

Teilzeitformaus Sicht von Studierenden

und Unternehmen von deutlich

höherem Wert. Denn: Dem Betrieb

gehen die Fachkräfte nicht verloren.

Diese können sich ohne Kündigung

des Arbeitsplatzes und Aufgabe des

Lebensstandards weiterbilden.

Das Netzwerk Oberfläche

NRW hatte den richtigen

Riecher. Ein wahrer Run

setzte ein. Auf 35Studienplätze

kamen zum Start

2013 rund 70 Anmeldungen. Die Zahl der

Studienplätze wurde aufgestockt. Die

Nachfragestieg weiter.2015folgten über

150Anmeldungen auf 70 Plätze (in zwei

Klassen).

Matthias Günnewig erläutert den großen

Vorteil: „Betriebe können sehr gezielt

Personalentwicklung betreiben und alle

Potenziale ihrer Mitarbeiter fördern.“

Und mit Blick auf die demografische Entwicklung

ergänzt er: „Die Teilzeitweiterbildung

ist ein aktives Steuerungsinstrument

gegen Fachkräftemangel.“

Und wie sind die Berufsaussichten für

Teilzeitstudierende? „Sie könnten kaum

besser sein“, erwidert Martin Gründkemeyer.

Denn die Unternehmen hätten ein

konkretes Interesse an deren Entwicklung.

„Dank Stipendien und sonstiger Anreizsysteme

können die Fachkräfteinder

Firma gehalten werden.“

Bei seiner Aussage verlässt er sich auf

zahlreiche Rückmeldungen aus der Branche.

Unternehmen wie BASF,Brillux, Osmo,

Ostendorfund BYKsowie Anwender

wie Schmitz Cargobull, Claas und Kaldewei

haben schon Bedarf anStudienplätzen

angemeldet. Mehr noch: Nicht wenige

Industriepartner wollen sich am Curriculum

beteiligen, schicken Experten, die

am Unterricht mitwirken.

Das Teilzeitangebot bietedie Option, Beruf,

Karriereund finanzielle Absicherung

gut zu vereinbaren, meint Ingo Hörsting,

Leiter Forschung und Entwicklung bei

Brillux. Als zeitgemäße und inhaltlich

sinnvolle Weiterbildung stuft Wolfram

Schier, Leiter Personalentwicklung und

Ausbildung bei BASF, den berufsbegleitenden

Bildungsgang ein.

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Foto: J.W.Ostendorf

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Foto: TKOberfläche.

OBERFLÄCHENTECHNOLOGIE

Oberflächen sind Teil des persönlichen Wohnstils.

Klassisch oder modern, durchgehend oder unterteilt,

glatt oder gerahmt. Allein bei den Küchen,

die zum Beispiel in Warendorf produziert werden,

gibt es über 300 Oberflächen- und über 2000

Farbvarianten. Die dabei angewandte Technik ist

vielfältig: Anstrich, Lackierung, Tauchen oder Härten,

Oxidierung und Lasermarking. Zwischen zwei

grundlegenden Verfahren wird unterschieden:

einerseits die Beschichtung von Oberflächen, andererseits

die Veränderung der materialtypischen

Oberflächeneigenschaften.

In Münster ist die Branche geprägt von großen

90-minütige aktuelle Lektüre der Fachzeitschriften.

Wasihn antreibt? „Die technische

Machbarkeit, Unternehmen erfolgreicher

zu machen; den Weg zuebnen,

zu vereinfachen, Networking,

Marktbeobachtung, das Matching zwischen

Wirtschaft und Wissenschaft auf

Augenhöhe.“ Denn: „Wir betrachten die

Dinge nicht oberflächlich, sondern oberflächIG.“

Das Netzwerk nehme gemeinsam die

Hürden, etwabei bürokratischen Fragen.

„Sonst sitzt immer einer allein wie das Kaninchen

vorder Schlange“ So ist das Netzwerk

„ein Zusammenbringen an kritischen

Massen und grauen Zellen“. Nachhaltigkeit

ist dabei ein wichtiger Baustein.

Matthias Günnewig nennt das Beispiel

Farben: „Früher hieß es immer ´Farbe

muss stinken, sonst ist es nicht neu´. Heute

geht es darum, Wandfarbe zu entwickeln,

die Gerüche absorbiert und keine

gesundheitlichen Nebenwirkungen hat.“

Als ein wesentliches Instrument hat das

Netzwerk den Oberflächenatlas NRW

entwickelt. Er führt Unternehmen und

Einrichtungen aus den Themenfeldern

Lohnbeschichtung, Rohstoffe und Halbzeuge,

Anlagen und Peripherie, Forschung

und Entwicklung sowie Dienstleister

auf. Regionale Ansprechpartner

finden per Mausklick wirtschaftliche und

wissenschaftliche Kompetenz vor der

Haustür. Esgeht auch um kurze Wege,

Nachfolgerfragen und Antworten auf

technische Fragestellungen.

Peter Sauer

Im Labor wird ein Lack exakt eingewogen.

Lack- und Farbproduzenten wie BASF und Brillux.

Diese stellen Lacke und Farben für unterschiedliche

Anwendungen her und gehören zu den Marktführern

ihrer Branche. Mit insgesamt mehr als 4500 Beschäftigten

und einem Jahresumsatz von drei Milliarden

Euro stellen diese Unternehmen die größte

Industriebranche in der Stadt dar. Mit der Oberflächenanalytik

im Mikro- und Nanobereich hat sich in

Münster in den vergangenen Jahren ein Schwerpunkt

im Bereich der technologischen Dienstleistung

herausgebildet. Im Umfeld der Forschungen am

Center for Nanotechnology (CeNTech) und den Fachbereichen

Chemie und Physik der Universität hat

sich eine hoch innovative Szenerie kleiner und mittelständischer

Unternehmen entwickelt. Diese befassen

sich vor allem mit Technologien zur nanound

mikroskaligen Analyse und Beeinflussung von

Oberflächeneigenschaften.

Die Unternehmen der Oberflächentechnologie bilden

eine Kernbranche im Münsterland. Wegen der

zahlreichen, sehr erfolgreichen Akteure ist Münster

der beschäftigungsstärkste Lackproduktionsstandort

inDeutschland, zumal aus dem Münsterland

zwei der größten Dispersionsfarbenhersteller

Europas kommen: Brillux und Ostendorf. Mit BASF

Coatings in Münster-Hiltrup findet sich in der Region

auch der größte zusammenhängende Lackproduktionsstandort

der Welt.

ps

Foto: J.W.Ostendorf.

BEST OF

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muenster.business de

Das erfolgreiche Wirtschaftsportal


22 GELD & GESCHÄFT

Beim Recruiting punkten

wie die Metropolen

Kreis Warendorf startet über die Wirtschaftsförderung einen „Willkommens-Service“ für Fachkräfte

Wegen 1500 blühender Pflaumenbäume

oder 52 Hofläden verlegt niemand

den beruflichen und privaten

Lebensmittelpunkt in den Kreis Warendorf.

Aber Fach- und Führungskräfte

sind dort gern gesehen und

müssen her. Mit einem „Willkommens-Service“

will die Gesellschaft

für Wirtschaftsförderung im Kreis

Warendorf (gfw) jetzt mehr qualifizierte

Fach- und Führungskräfte für

den Wirtschaftsstandort gewinnen.

Wirtschaftlich hat der

Kreis Warendorf

Arbeitgeber zu bieten,

die in ihrem Segment

weltweit führend

sind. Zum Beispiel die ThyssenKrupp Industrial

Solutions in Neubeckum, die

800 Ingenieure beschäftigt und im Großanlagen-

und Maschinenbau zu Hause

ist. Oder die Beumer Group, international

führender Hersteller von Förder- und

Verladetechniken. Viele sind Global Player,

bieten innovative Produkte und

Dienstleistungen.

Wie überzeugt aber ein Unternehmen

einen Wunschkandidaten davon, sich

fürs Münsterland und den Kreis Warendorf

zu entscheiden und BMW, Siemens

oder Bosch, Bayern oder Baden-Württemberg

links liegen zu lassen?

Frisch im August gestartet, greift die gfw

den Personalern der ansässigen Unternehmen

mit dem „Willkommens-Service“

unter die Arme. Ein Rundum-Service,

der Bewerbern den Kreis nicht nur

schmackhaft machen

soll, sondern

auch die Bedürfnisse

von

Kind und Kegel

im Hinterkopf behält.

„Mit dem Willkommens-Service

geben wir potenziellen

Fachkräften

einen Überblick zu Themenfeldern

wie Familienleben, Kultur und Freizeit,

Wissenschaft oder Wohnen und bieten

ihnen einen persönlichen Beratungsservice

an“, fasst Petra Michalczak-Hülsmann,

Geschäftsführerin der gfw, die

Service-Module zusammen.

Vier Stück gibt es. Das Basis-Modul dient

als Einstieg in den Willkommens-Service

– sozusagen als „Infotour“ durch den

Kreis Warendorf. Berater der gfw treffen

sich mit den Wunschkandidaten und stellen

den Status quo fest: Single, Paar oder

Familie? Wie sehen die Wünsche zum

Wohnen und Leben aus, welche Hobbys

„Jedes Unternehmen kann uns

ansprechen, egal ob große Maschinenbaufirma

oder kleiner Handwerksbetrieb.“

Petra Michalczak-Hülsmann

Heißen Fach- und Führungskräfte willkommen: Petra Michalczak-Hülsmann, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf

mbH (gfw), und Landrat Dr. Olaf Gericke.

Fotos: Maxi Krähling

müssen möglich sein? Steht das fest, präsentiert

die gfw individuell zugeschnittene

Angebote.

Im VIP-Modul gibt es zusätzlich Informationen

zu unterschiedlichen Wohnmöglichkeiten.

Darf es ein Haus oder eine

Wohnung sein, Eigentum oder Miete?

Auch Informationen zum Schul- und Betreuungsangebot

im Kreis Warendorf

werden geliefert. „All dies wird berücksichtigt,

damit sich die Bedürfnisse der

Wunschkandidaten und die Angebote,

die der Kreis bietet, miteinander decken“,

so Michalczak-Hülsmann.

Damit nicht genug: Wenn schon der

Hausstand umzieht, dann nach Möglichkeit

auch der Job des Partners. Auch hier

hilft die Wirtschaftsförderung und klopft

die beruflichen Perspektiven in der Region

ab. „Der Dual Career Service bietet

Informationen zu Branchen und potenziellen

Arbeitgebern und stellt auf

Wunsch den Kontakt zu den passenden

Netzwerkpartnern her“, verspricht der

neue Internetauftritt.

Die gfw stellt den Service den Unternehmen

kostenlos zur Verfügung. „Jedes

Unternehmen kann uns ansprechen, egal

ob große Maschinenbaufirma oder kleiner

Handwerksbetrieb,“ so Michalczak-

Hülsmann. Im Münsterland sucht der

„Willkommens-Service“ derzeit seinesgleichen.

„Es gibt Vorbilder aus großen

Metropolen wie Berlin, aber hier sind wir

die ersten mit diesem Angebot“, so Michalczak-Hülsmann.

Dass der Service für

einen kompletten Kreis angeboten werde,

sei ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal.

Aber die gfw setzt nicht allein auf

den Willkommensservice. „Wir haben

eine konkrete Strategie und Lösungsansätze,

um Unternehmen bei dem Recruiting

von Fach- und Führungskräften zu

unterstützen“, verdeutlicht Michalczak-

Hülsmann. So werden das Hochschul-

Kompetenz-Zentrum „studieren & forschen“

(HOKO) und die Studienorte Ahlen,

Beckum und Oelde der FH Münster

mit einbezogen.

Wie viele zukünftige Fach- und Führungskräfte

das Angebot in Anspruch

nehmen werden, kann die gfw noch nicht

absehen. „Die angebotene individuelle

Beratung von Wunschkandidaten ist ein

Experiment“, sagt die Geschäftsführerin.

Die Unternehmen aus der Region müssen

also zuarbeiten und den Service bei der

gfw buchen. Der Impuls, einen solchen

Dienst einzurichten, kam von den Firmen

aus der Region. Außerdem sind die Bürgermeister

der 13 Städte und Gemeinden

mit im Boot. Es ist ein gemeinsames Angebot.

Die Wirtschaftsförderungen vor

Ort vermitteln den Kontakt zum Willkommens-Service

der gfw. „Vor allem bei

den Elektro- und Maschinenbauingenieuren

sowie in der Gesundheitswirtschaft

ist es für die Unternehmen schwierig,

geeignete Fachkräfte in der Region zu

finden. Deshalb liegt den Unternehmen

viel daran, Bewerber für den Kreis zu akquirieren“,

erklärt Michalczak-Hülsmann.

Mehr als 15 000 Menschen arbeiten

im Kreis Warendorf im Maschinenund

Anlagenbau. „Hier finden sich beste

Voraussetzungen, die Karriere zu starten

oder in Schwung zu bringen. Wie der

Willkommens-Service angenommen

wird, hängt auch von der Konjunkturentwicklung

ab. Aber die oft mittelständischen

und familiengeführten Unternehmen

planen langfristig und setzen die

Instrumente der Personalentwicklung

gezielt ein. Arbeitgeberattraktivität ist

kein Fremdwort“, erklärt Landrat Dr. Olaf

Gericke. Der Anreiz für Bewerberinnen

und Bewerber sollte da sein. Jetzt müssen

sie noch zugreifen.

www.willkommensservice-waf.de

Maxi Krähling

NACHGEFRAGT

Warum fällt es den Unternehmen schwer, geeignete Fachkräfte zu finden?

Landrat Dr. Olaf Gericke, Vorsitzender des Aufsichtsrates der gfw: Heute entscheidet nicht mehr alleine

der finanzielle Anreiz darüber, ob man eine neue Stelle annimmt oder nicht. Heute wird das vor

allem zu Hause am Küchentisch entschieden. Die Lebenspartner und Kinder reden mit. Wenn man die

Wahl hat zwischen München oder Warendorf, ist die Wahl unter Umständen schnell gefallen. Deshalb

müssen wir nicht nur die Bewerber, sondern die ganze Familie von den Vorteilen des ländlichen Raumes

und vor allem des Kreises Warendorf überzeugen.

Der Willkommens-Service könnte das schaffen?

Die Willkommensseite der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf mbH.

Gericke: Ja. Der Willkommens-Service bietet die größtmögliche Unternehmensnähe und damit die optimale

Anpassung an die Bedürfnisse der Unternehmen. Wir können die Unternehmen individuell dabei

unterstützen, Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Bislang konnten wir den Bewerbern zwar

Informationsmaterial an die Hand geben – von den Städten und Gemeinden, von den Unternehmen,

von verschiedenen Freizeitangeboten – aber nichts Gebündeltes, was den Kreis Warendorf als Ganzes

darstellt und speziell auf sie zugeschnitten ist. Deshalb bieten wir diese Dienstleistung seit August

als Teil unserer Fachkräftestrategie an, um die Wunschkandidaten an die Hand zu nehmen und ihnen

gezielt zu zeigen, was den Kreis Warendorf so attraktiv macht. Warum es sich lohnt, hier zu leben.

Wir heißen sie willkommen.

Maxi Krähling


23 GELD & GESCHÄFT

Für gute Mitarbeiter

muss man brennen

1. Westfälischer Kongress für Mitarbeiter-Begeisterung – Experten verraten ihre Erfolgsideen

Begeisterung steckt an. Nicht nur im

Stadion oder in der Konzertarena –

auch im Arbeitsleben wirken Menschen,

die für eine Sache brennen,

wie ein Motor. Begeisterung, die an

ein Unternehmen bindet und antreibt,

Aufgaben optimal zu erfüllen,

fällt aber nicht vom Himmel. Sie

muss entwickelt und gelebt werden.

In Münster findet am 28. Oktober der

„1. Westfälische Kongress für Mitarbeiter-Begeisterung“

statt, der

aufzeigen wird, wie man im „War for

Talents“ die klugen Köpfe und engagierten

Bewerber gewinnt.

Michael Groß ist der

zweiterfolgreichste

deutsche Schwimmsportler

aller Zeiten.

Der „Albatros“, wie er

wegen seiner großen Spannweite der Arme

respektvoll genannt wird, ist heute

Kommunikationsmanager und Lehrbeauftragter

an der „Frankfurt School of Finance

& Management“ im Fachbereich

Personalführung und Unternehmenskultur.

Groß, der unter anderem ein Buch

mit dem Titel „Siegen kann jeder“ verfasst

hat, gehört Ende Oktober im Messeund

Congress-Zentrum Halle Münsterland

zu den Top-Referenten des vor allem

für den Mittelstand konzipierten Personalkongresses.

„Das Kapital Mitarbeiter

Dr. Michael Groß

Foto: dpa

mobilisieren“ – zum diesem Thema

spricht der Weltklasse-Athlet. Eine seiner

Kernbotschaften lautet: Führungskraft

ist, wer andere erfolgreich macht.

Beim 1. Westfälischen Kongress für Mitarbeiter-Begeisterung

vermitteln 14 Top-

Referenten der Personalszene Strategien

und Ideen, damit kleinere und mittlere

Unternehmen beim Recruiting erfolgreich

sein können. „Praxisorientiert und

fokussiert auf kleine und mittlere Budgets.

Alles für ein gutes Arbeitgeber-

Image und bessere Sichtbarkeit auf dem

Arbeitsmarkt. Um dann mit dem richtigen

Mix an Recruiting-Maßnahmen die

engagierten Bewerber zu finden – und

diese genau wie bestehende Mitarbeiter

langfristig für Ihr Unternehmen zu begeistern“,

heißt es in einer Ankündigung.

Schon um 8.45 Uhr wird Christiane Stein,

Moderatorin der ntv-News, das Programm

einläuten. Für die Unternehmensgruppe

Aschendorff, die mit der

Zeitungsgruppe Münster Strategie-Partner

des Kongresses ist, wird Geschäftsführer

und Verleger Dr.

Eduard Hüffer ein kurzes

Grußwort sprechen.

„In Zukunft überzeugen

Arbeitgeber die Bewerber“ –

so lautet die These von Prof.

Dr. Armin Trost, vom „Personalmagazin“

zu einem der führenden

40 Köpfe im Personalwesen gekürt.

Trost, der an der Hochschule Furt ngen

Personalmanagement lehrt, wi ebendig

erläutern, wie man als Unternehmen

zur Marke wird. „Ein Perspektivenwechsel

ist angesagt – es geht um Schnelligkeit,

Transparenz und Wertschätzung.“

Weitere Referenten in Münster sind die

Geschäftsführerin und Bestsellerautorin

Daniela A. Ben Said, „Female Speaker of

the Year 2014“, Fachbuchautor und Verkaufstrainer

Dirk Kreuter, der Osnabrücker

Wirtschaftspsychologe Prof. Dr. Uwe

P. Kanning, Prof. Dr. Jörg Knoblauch,

unter anderem Vorstandsmitglied der

Deutschen Management-Gesellschaft,

und Thomas Hans, Präsident des Marketing-Clubs

Münster / Osnabrück e.V.

Ausführliche Informationen und die

Möglichkeit zur Anmeldung finden Interessierte

unter www.begeisterungs-kongresse.de.

wk

STANDORTPORTRÄT: Senden-Bösensell

Senden auf Expansionskurs

Gemeinde punktet mit guter Verkehrsanbindung – Neues Gewerbegebiet „Brocker Feld“ in Bösensell

Mitten im Münsterland, am Autobahnkreuz

A43/A 1, im Zentrum des

Kreises Coesfeld und damit innerhalb

eines stark expandierenden

Wirtschaftsraumes mit hohem Nachfragepotenzial,

liegt Senden.

Die Gemeinde fördert aktiv die Ansiedlung

von Unternehmen und unterstützt

sie bei standortbezogenen Planungen

und Umsiedlungs- und Erweiterungsvorhaben.

Dabei legt sie großen Wert auf

eine partnerschaftliche Zusammenarbeit

mit ortsansässigen Betrieben und auf

eine optimale Infrastruktur in allen Bereichen.

Ein attraktiver Standort für Unternehmen

ist der Sendener Ortsteil Bösensell.

Durch die Lage der Gewerbegebiete – nahe

der Autobahn A 43 und direkt an der

Eisenbahnstrecke Münster-Dülmen-Essen

– ist dieser Standort nicht nur für

Arbeitgeber reizvoll. Auch die Arbeitnehmer

aus der Region wissen die gute Verkehrsanbindung

zu schätzen.

Am exponierten Standort an der A 43 an

der Anschlussstelle Senden entsteht aktuell

ein weiteres, neues Gewerbegebiet

namens Brocker Feld mit neun Hektar Industrie-

und Gewerbefläche. In Kürze soll

mit dem Bau der ersten Unternehmen begonnen

werden. Die letzten Erschließungsarbeiten

werden nun durchgeführt,

sollten aber in diesen Tagen abgeschlossen

sein. Interessenten für das Baugebiet

gibt es bereits. Drei Unternehmen

aus der Gemeinde Senden möchten sich

dort ansiedeln.

Zunächst wird der südliche Teil vermarktet.

„Auch im nördlichen Teil hätten wir

schon Grundstücke vermarkten können.

Für diese Flächen wollen wir allerdings

mit wissenschaftlicher Unterstützung der

Fachhochschule Münster ermitteln, welche

Unternehmen aus welcher Branche

am Besten in die Gemeinde passt“, so

Bürgermeister Alfred Holz. Aufgrund der

verkehrstechnisch günstigen Lage und

der künftigen Glasfaser-Versorgung des

Gebiets, „haben wir die besten Voraussetzungen

für die Ansiedlung eines Unternehmens

aus der Hochtechnologie geschaffen“,

so der Bürgermeister weiter.

Die Untersuchung der Fachhochschule

solle bis zum Jahresende abgeschlossen

werden.

Aber auch vor der Fertigstellung des neuen

Gewerbegebiets ist die Gemeinde mit

den Gebieten „Im Südfeld“ und „Im

Dorn“ bereits gut aufgestellt. „Schon bei

der Verlagerung des Standortes waren

die gute Autobahnanbindung sowie die

Nähe zu Münster Gründe, die für Senden

sprachen“, sagt beispielsweise Christina

Rüsweg von der Th. Niehues GmbH, die

sich an der Bahnhofstraße angesiedelt

hat. Zudem bot das Gewerbegebiet genügend

Fläche um sich zu vergrößern. „In

den fast 30 Jahren, die die Th. Niehues

GmbH nun in Senden ist, hat sich eine

positive und enge Zusammenarbeit mit

der Kommune entwickelt und es konnte

immer mit Unterstützung gerechnet werden.“

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24 GELD & GESCHÄFT

Kaum Fortschritte in NRW

Kommunaler Finanzreport sieht Kommunen und Kreise mehr und mehr in der Bredouille

Die Haushaltsergebnisse der Städte

und Kreise in Nordrhein-Westfalen

haben sich 2014 dramatisch verschlechtert.

Bewegten sich die Kommunen

in den beiden Vorjahren noch

nahe der schwarzen Null, so stand

2014 ein Defizit von über 1,5 Milliarden

Euro zu Buche. „In keinem anderen

Bundesland gab es einen vergleichbaren

Einbruch“, berichtete

jetzt die Bertelsmann-Stiftung in

ihrem Kommunalen Finanzreport.

Die bayerischen Kommunen

verzeichneten gar einen

Überschuss in fast gleicher

Höhe. Verantwortlich für das

Defizit in NRW ist kein Rückgang

der Einnahmen, sondern

ein starker Anstieg der

Ausgaben für Personal und

Soziales.

Folge dieser Entwicklung

seien weiter wachsende

Kassenkredite. Diesen Krediten

stünden, sofern sie

nicht aufgrund der

Niedrigzinsphase zur Umschuldung

von Investitionskrediten

genutzt werden, keinerlei Werte

oder Investitionen gegenüber.

„Sie sind – vergleichbar mit Dispo-Krediten

– eine der letzten

Möglichkeiten für notleidende

Kommunen, kurzfristig ihre Zahlungsfähigkeit

zu sichern. Trotz

des ambitionierten Stärkungspakts,

den die nordrhein-westfälische

Landesregierung 2009 aufgelegt

hat, stiegen die Kassenkredite

auf das Rekordniveau von 26,5 Milliarden

Euro. Das sind 1500 Euro pro Einwohner“,

heißt es in einer Mitteilung.

Damit stehe jeder zweite Euro, den Kommunen

in Deutschland als Kassenkredit

aufnehmen, in den Bilanzen einer NRW-

Kommune. In Bayern, Sachsen oder Baden-Württemberg

hingegen seien Kassenkredite

nahezu unbekannt. Allein die

Stadt Essen müsse mit fast 2,1 Milliarden

Euro drei Mal mehr Kassenkredite bedienen

als alle Kommunen Bayerns, Baden-

Württembergs und Sachsens zusammen.

Besonders in der Bredouille sind laut Bertelsmann-Stiftung

Essen, Duisburg, Wuppertal,

Oberhausen, Dortmund, Hagen,

Mönchengladbach, Gelsenkirchen, Mülheim

und Bochum. Auf sie entfallen 12,5

der 27 Milliarden Euro Kassenkredite.

Mit der Kredithöhe steigen die Zinsrisiken.

Weil Kassenkredite kurze Laufzeiten

haben, würden sich etwaige Zinsanstiege

schnell in den Haushalten niederschlagen.

Bereits heute zahlen die

Kommunen in NRW drei Mal mehr

Zinsen als jene in Sachsen. „Bestehende

Haushaltskrisen verschärfen sich –

trotz insgesamt guter Konjunktur und

eines finanzpolitisch positiven Bundestrends“,

sagte Kirsten Witte, Kommunalexpertin

der Bertelsmann-Stiftung.

In NRW seien die Kassenkredite inzwischen

höher als die Investitionskredite.

Das Bundesland gerate daher

bei Investitionen in die lokale

Infrastruktur mehr und mehr in

Rückstand. Die Kommunen in Bayern

und Baden-Württemberg investieren

pro Einwohner 2,5 Mal

mehr als in Nordrhein-Westfalen.

„Für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse

ist diese Entwicklung

bedrohlich. Die Unterschiede

zwischen den Regionen

werden fortgeschrieben“, sagte

Witte

Kaum einer notleidenden Kommune

gelingt es, entscheidende Faktoren

für finanzielle Handlungsspielräume

mittelfristig wesentlich zu verbessern.

Um das zu belegen, analysierte die Stiftung

erstmals die zeitliche und regionale

Entwicklung von Steuerkraft und Hartz-

IV-Wohnkosten. Letztere sind direkt abhängig

vom Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit

und gelten als klassische kommunale

Sozialleistung.

Dazu

wurden die 398

kreisfreien Städte

und Kreise bundesweit

je nach

Höhe ihrer Hartz-

IV-Ausgaben bzw.

Steuereinnahmen

für 2008 und

2013 in vier Gruppen eingeteilt.

Die Steuereinnahmen der nordrheinwestfälischen

Kommunen liegen über

dem Bundesdurchschnitt. Allerdings fiel

die Wachstumsdynamik in Nordrhein-

Westfalen seit 2008 mit 6,5 Prozent relativ

gering aus. Bundesweit stiegen die

Steuereinnahmen in diesem Zeitraum

um elf Prozent. Problematischer sind die

hohen Ausgaben für die Hartz-IV-Wohnkosten.

Nahezu jede zweite Kommune in

Nordrhein-Westfalen befand sich sowohl

2008 als auch 2013 im bundesweit

schlechtesten Viertel. Den Kommunen

gelingt es nicht, diese hohe Ausgabenbelastung

abzubauen. Ein weiteres Ergebnis

der Analysen: Haushaltskrisen sind

oftmals programmiert, weil hohe Ausgaben

für Hartz-IV-Wohnkosten vor allem

in steuerschwachen Kommunen anfallen.

„Für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse

ist diese Entwicklung

bedrohlich.“

Kirsten Witte

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25 WISSEN & LEBEN

Benehmen ist längst

nicht mehr Glückssache

Von Tischmanieren und Taktgefühl – Eltern haben eine wichtige Vorbildfunktion. Benimmkurse

können weiterhelfen, denn im Arbeitsleben ist korrektes Verhalten stets ein Gewinn.

Gelernt ist gelernt: Wie hier beim Knigge-Dinner in Tecklenburg, kann man gutes Benehmen trainieren.

Foto: Jürgen Peperhowe

Benehmen ist Glückssache: Ein Satz,

der bei schlechten Manieren schnell

die Runde macht. Laut einer Allensbach-Umfrage

legen 87 Prozent aller

Deutschen Wert auf eine gute Kinderstube.

Eine YouGov-Umfrage

unter 1330 Bürgern zeigt, dass drei

von vier Befragten sogar dafür sind,

„Benehmen“ als Unterrichtsfach einzuführen.

Dagegen kontert der Philologenverband:

Nicht jeder gesellschaftliche

Missstand könne durch

ein neues Schulfach bekämpft werden,

in puncto Benimm dürften Familie

und Umfeld nicht aus der Verantwortung

entlassen werden.

Was also können Eltern

und Familie tun, um

Kindern gutes Benehmen

beizubringen?

Wo gibt es Unterstützung?

Und warum ist gutes Benehmen

eigentlich so wichtig?

Gutes Benehmen bedeutet Kultur und

Niveau. Umgangsformen und Manieren

sind ein wichtiges Kriterium auf dem

Arbeitsmarkt und für zwischenmenschliche

Beziehungen. Gutes Benehmen öffnet

Türen. Außerdem macht es Spaß,

parkettsicher zu sein, manchmal ist dies

sogar ein absolutes Muss. Daher gilt: Egal

wo, egal in welcher

Situation,

„Kinder, die gute Umgangsformen

erworben haben, gehen später

selbstbewusster durch die Welt.“

Benehmen darf

auf keinen Fall

Glücksache bleiben.

Kinder profitieren

für ihre Nicole Knaack

ganze Zukunft,

wenn sie die Regeln

des Miteinanders möglichst früh auf

spielerische Weise erlernen. Kinder, die

in jungen Jahren gute Umgangsformen

erworben haben, gehen später selbstbewusster

durch die Welt, sagt Nicole

Knaack, Pädagogin bei der Techniker

Krankenkasse (TK). Altersangemessen,

durch schrittweise Einführung einfachster

Regeln wie „bitte“ und „danke“ sagen,

können Kinder bereits im Kindergartenalter

die Grundlagen der Höflichkeit erlernen.

Kinder sind eher bereit, gute Umgangsformen

zu übernehmen, wenn sie deren

Sinn verstehen. Warum sollen sie ein bestimmtes

Verhalten an den Tag legen,

was steckt dahinter? Grundregeln und

die Folgen müssen

erklärt werden.

Ein einfaches

„Das macht

man eben nicht“

hilft nicht weiter.

Kindern muss

deutlich werden,

dass es sich bei

guten Manieren nicht nur um eine spießige

Idee der Großen handelt, sondern dass

– wer höflich ist – meist beliebter und erfolgreicher

ist oder dass Tischmanieren

schlicht hygienische Gründe haben – was

Kinder meist spätestens dann verstehen,

wenn jemand ihre Lieblingspuppe mit

schmuddeligen Fingern anfasst.

Eltern müssen vorleben, was sie predigen

– Benehmen fängt in der Familie an. Kinder

schauen sich ihr Verhalten von ihrer

Umgebung ab. Wenn Mama also beim

Autofahren andere als „Vollidioten“ beschimpft,

wird Sohnemann nicht einsehen,

warum er seinen Lehrer nicht ebenso

nennen darf. Und wenn Papa beim Essen

immer die Ellenbogen auf den Tisch

stützt und Opa gern mal nach einem guten

Essen rülpst, können die Kinder keine

vernünftigen Tischmanieren erwerben.

Was zu Hause noch in Ordnung gehen

mag, wird dann womöglich – zur Verlegenheit

aller – auch im Restaurant praktiziert.

Eltern sollten auf keinen Fall tatenlos

zusehen, wenn sich ihre Kinder

schlecht benehmen. Sie tun sich selbst

damit einen Gefallen, von ihren Kindern

gutes Benehmen zu fordern. Freches, penetrantes

oder verletzendes Verhalten

von Kindern fällt immer auch auf die Eltern

zurück, die ihre Kinder „nicht richtig

erziehen“. Andere Menschen fühlen sich

durch den Nachwuchs gestört und ärgern

sich dabei nicht nur über die Kinder, sondern

auch über die Eltern. Im schlimmsten

Fall können sogar Sozialkontakte leiden.

Beate Schräder

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27.10.2015

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26 WISSEN & LEBEN

Der Finger gehört

nicht in die Nase

Wer seinen Kindern gutes Benehmen beibringen möchte, muss nicht sofort zum Knigge greifen.

Der Nachwuchs lernt am besten, wenn die Eltern gute Vorbilder sind.

Rülpsen, pupsen, popeln – die Möglichkeiten,

sich danebenzubenehmen,

sind vielfältig. Und das betrifft

nicht nur Dinge, die Ekel hervorrufen.

Jemandem etwas wegzunehmen

oder sich bei Missgeschicken nicht

zu entschuldigen, fällt ebenso unter

schlechtes Benehmen. Das muss man

einfach wissen. Dabei sollten gutes

Benehmen und die Regeln des Miteinanders

Kindern nicht „andressiert“,

sondern im Gegenteil ganz

nebenbei spielerisch und selbstverständlich

eingeführt werden. Das

führt dazu, dass Benimmregeln sicher

sitzen und damit auch jederzeit

und in jeder Situation abrufbar, also

automatisiert sind.

Wenn Kinder bereits Regeln

kennen, sollten

Eltern auf deren Einhaltung

achten und

bei Verstößen klare

Grenzen setzen. Das müssen nicht - eher

abstrakt - der Taschengeldentzug oder

das Fernsehverbot sein, sondern je nach

Verstoß Konsequenzen, die mit der konkreten

Situation im Zusammenhang stehen:

„Du ärgerst andere Kinder auf dem

Spielplatz – dann gehen wir jetzt nach

Hause“, „Du quengelst an der Supermarktkasse

– dann kann ich dich beim

nächsten Mal nicht mehr mitnehmen“.

Wichtig ist, den Worten auch wirklich Taten

folgen zu lassen – ansonsten werden

Kinder die Androhungen ihrer Eltern in

Zukunft nicht mehr ernst nehmen.

Viele Eltern neigen dazu, schlechtes Benehmen

bei ihren Kindern sofort zu kritisieren.

Doch anstatt Fehlverhalten zu tadeln,

sollten die Kinder besser für das gelobt

werden, was gut gelaufen ist. Das

stärkt Sicherheit und Selbstbewusstsein.

tern näher, wie sich der Weg ihres Kindes

zum höflichen, rücksichtsvollen Menschen

ebnen lässt. Die vorgestellten Tipps

und Tricks sind kreativ, familiengerecht

und vor allem alltagstauglich.

Viele Institute wie Volkshochschulen

oder Familienbildungsstätten bieten Benimmkurse

an, speziell auf Kinder bestimmter

Altersgruppe zugeschnitten. So

hat z.B. das Haus der Familie in Münster

in regelmäßigen Abständen den Kurs

„Knigge für Kids“ im Programm, wo Kindern

zwischen 5 und 10 Jahren die

Grundbegriffe der Tischsitten, Begrüßungsregeln

und allgemeine Umgangsformen

vermittelt werden. Das spätere

„Coaching“ müssen die Eltern zu Hause

übernehmen, dazu gibt es eine entsprechende

Vorbereitung.

Auch zahlreiche Bücher beschäftigen sich

mit dem Thema Benehmen. Eines davon

ist „Knigge kinderleicht“ (Karolin Küntzel,

Compact Verlag, 112 Seiten, 8-10

Jahre, 7,99 Euro). Hier gibt es Tipps

rund um das richtige Verhalten im

Umgang mit anderen Menschen,

sei es in der Schule,

auf Reisen oder als Gast.

Wie lautet die passende

Begrüßung, welches

Besteck verwendet

man für

welchen Gang,

was verrät die

Körpersprache

und was ist

Taktgefühl?

Fallbeispiele, Quizfragen und ein Knigge-

Spiel helfen beim Verinnerlichen. Wie

versprochen, kinderleicht zu lesen, anschaulich

und gut verständlich.

Einen ähnlichen Weg geht der Moses-

Verlag mit seinem Kartenset „50 Benimmtipps

für freche Flegel und kleine

Gören“ (Moses, ab 8 Jahren, 5,95 Euro).

Mit der Kartenbox werden die Grundlagen

des guten Benehmens verständlich

und vor allem witzig erklärt. Warum ist

es wichtig zu wissen, was sich gehört und

was erlaubt ist? Die Karten schildern Alltagssituationen,

wie sie jeder schon einmal

erlebt hat, und zeigen höfliche Wege,

sich beispielsweise für schrecklichscheußliche

Geschenke zu bedanken,

einer ungeliebten Kussattacke zu entkommen

oder jemanden dezent darauf

hinzuweisen, dass sein Körpergeruch

problematisch ist. E-Mail- und Handy-

Etikette

werden ebenso thematisiert wie Tischmanieren,

Fleckenmonster, Kaugummikauen

oder das richtige Melden am Telefon.

Was gutes Benehmen ist, wird von Land

zu Land allerdings ganz unterschiedlich

gesehen. Michaela Schonhöft hat in

ihrem Buch „Kindheiten: Wie kleine

Menschen in anderen Ländern groß werden

(Pattloch, 384 Seiten, 19,99 Euro)

untersucht, wie Eltern weltweit ihre Kinder

erziehen und auch, welche Rolle dabei

das Benehmen spielt. „Lieber Vater,

erlauben Sie mir bitte, fernzusehen.“ In

Deutschland klingt so ein Satz merkwürdig.

„Aber in Frankreich gibt es einige Familien,

in denen die Kinder die Eltern mit

Sie anreden“, erzählt Michaela Schonhöft.

Die Eltern aus einem Land sind natürlich

nicht alle gleich. Aber es gibt

Trends. „In Frankreich zum Beispiel geht

es insgesamt durchaus strenger zu“, sagt

Michaela Schonhöft. „Gutes Benehmen

am Tisch ist vielen Eltern

dort sehr wichtig“.

Beate Schräder

Unterstützung auf dem Weg, ihren Kindern

gutes Benehmen beizubringen, finden

Eltern in zahlreichen Medien - und

können dabei sogar unter Umständen

selbst noch etwas lernen.

Ob Toben im Supermarkt, Kampf um die

Schaufel auf dem Spielplatz oder Baggy-

Jeans zu Omas 80. Geburtstag – es gibt

unendlich viele Gelegenheiten, sich danebenzubenehmen.

Was gutes Benehmen

ist, müssen Kinder eben erst lernen.

Hilfe dabei verspricht zum Beispiel die

Internet-Seite stil.de: Wie können Eltern

bei Fehlverhalten pädagogisch klug reagieren,

Werte vermitteln und dabei

noch die eigenen Nerven und die anderer

Leute schonen? Unter anderem anhand

eines „Kinder-Knigges“ und eines „1*1

für knifflige Situationen“ bringt stil.de El-

DAS SOLLTEN KINDER LERNEN

Generell:

•„Mein“ und „dein“ unterscheiden

•„Bitte“ und „danke“ sagen

•Grüßen und Zurückgrüßen

•Um Entschuldigung bitten, falls ein Missgeschick passiert

•Andere ausreden lassen

•Hand vor den Mund beim Gähnen

•„Du“ und „Sie“ bei Erwachsenen unterscheiden

•Sich an Abmachungen halten

Bei Tisch:

•Vor dem Essen Hände waschen

•Warten, bis alle anfangen zu essen

•Geräuschlos essen

•Mit Besteck essen

•Nicht mit dem Essen spielen

•Sitzen bleiben, bis alle fertig sind

Quelle: stil.de

Gutes Benehmen wird Kindern nicht in die Wiege gelegt. Eltern sollten deshalb Regeln aufstellen und Grenzen setzen.

colourbox.de


WISSEN & LEBEN 27

Na, das ist ja heute

wieder so ein Zufall

Die Komplexität des modernen Alltags lässt einen Großteil des Geschehens als Zufall erscheinen,

sagen Wissenschaftler – und machen sich daran, ein Dauer-Rätsel zu lösen.

Wenn es eine Mannschaft schaffen

kann, dann der FC Bayern. Oder der

FC Barcelona. Es sind vor allem diese

beiden Fußballclubs, die seit Jahren

nach Perfektion streben, die es sich

zum Ziel gesetzt habe dem Fußball

die Zufallsmoment auszutreiben.

Es wird ihn ic gelingen.

Denn Statistiker n usgerechnet:

Der Fußb eradezu

von seiner Un nba

keit, im Durchschn

i

von fünf Toren der ufa .

„Zufälle sind allein Ausdruck des

menschlichen Unvermögens, Dinge

vorherzusehen.“

Prof. Gernot Münster

Auch an d Börsen, on

der Ökono a n Weber,

ist nur w s .

„Aktienk

Aem d Zuf

wie oft schießt jedem von uns

der Gedanke durch den Kopf: Was für ein

Zufall! „Unser Leben

Zufällen bestimmt“, ur

führerin des Zentrums

theorie der Universitä

Dr. Eva-Maria Jung

empfindet sie keinesw u -

gend. Im Gegenteil. U

eine Reihe von Forsche

daran setzen, den Fak

zu überlisten.

Beispielsweise der

Mathematiker Prof. M

as Löwe, der schon in s

frühen Schulzeiten In

se an der Wahrschein

keitsrechnung versp

Aus naheliegenden G

den: „Ich habe beim Ka

spielen sehr oft ve

und wollte einfach w

Spiele ich wirklic

schlecht oder habe ic

fach nur Pech?“ Im Lau

ner Karriere erkann

Stochastiker: „Natürl

es viele Zufälle. Aber

Sicht waschen sich Zu

Zufälle produzieren M

erkennen kann.“

Dabei fängt es für jede

dem Phänomen nähern möc t , a

an. Der Definition zufolge spricht man

von einem Zufall, wenn es für ein Ereignis

keine kausale Erklärung gibt. Die große

Masse der Zufälle, unterstreicht der

Direktor des münsterischen Instituts für

Theoretische Physik, Prof. Gernot Münster,

„ist allein Ausdruck des menschlichen

Unvermögens, Dinge vorherzusehen“.

er

zur Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten

– aber mehr auch nicht. Davon unterscheiden

müsse man, erläutert Münster,

die „echten Zufälle“, etwa in der

Quantenphysik. So sei der Zeitpunkt des

Zerfalls eines Atomkerns ein Spontan-Ereignis,

ein „irreduzibler Zufall“.

Die wenigen „echten“ Zufälle sind demar,

wird uns immer als Zufall erscheinen,

egal ob es ein echter Zufall ist oder etwas,

das wir uns nicht erklären können.“

Zufälle zu überlisten, ist keineswegs erstrebenswert,

meint der Philosoph Prof.

Reinhold Schmücker. „Ohne Zufälle wäre

das Leben ziemlich langweilig.“ Sein Kollege

Prof. Niko Strobach ist sogar davon

über

te En sc eidung

sein ö -

e , sich durc

stellung, as

etwas Be

ophie gebe

Zufall, re

em Wohl

r als a

ten.

atthis

i n

-

ine

re

men,

n ösung

vor Augen führt. Auf dem Schreibtisch

von Reinhard Schmückers Mutter stand

eine Postkarte mit einem Zitat des

deutsch-französischen Arztes Albert

Schweitzer: „Zufall ist das Pseudonym

Gottes, wenn er inkognito bleiben will.“

Norbert Robers, Sprecher

der Universität Münster (WWU)

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30 WISSEN & LEBEN

Der Mann, der alles konnte

Im Kunstmuseum Pablo Picasso rivalisiert Jean Cocteau freundschaftlich mit dem Namensgeber

Zwei Künstler, zwei Freunde: Fotos und Zeitschriften künden im Kunstmuseum Pablo Picasso von der gegenseitigen Inspiration.

Foto: Oliver Werner

Stiere, mythologische Motive, erotische

Details gar: Was von Picasso

stammen könnte, ist in der neuen

Ausstellung des Picasso-Museums

gar nicht von ihm. Es stammt vielmehr

zu einem großen Teil von Jean

Cocteau, dem genialen Franzosen.

Und mancher wird sich fragen: Wieso

Cocteau – war der nicht Schriftsteller?

Er war ein Tausendsassa, der

zu viel konnte“, erklärt Museumsdirektor

Professor Dr.

Markus Müller. Und doch

werde Cocteau gerade in seinem

Heimatland vorwiegend als Autor

verehrt – ein Exponat der Ausstellung

„Cocteau trifft Picasso“ macht es schlagartig

deutlich: Es ist ein Foto der Schauspielerin

Hildegard Knef im Cocteau-

Stück „Die menschliche Stimme“.

Ein griechischer Sammler erweitert jetzt

effektvoll den eingeengten Blick auf Cocteau:

Ioannis Kontaxopoulos, Richter

beim Rat der Europäischen Union in

Brüssel, hat in den 90er Jahren in Paris

Picasso verweist mit diesem Blatt auf Jean

Cocteau.

Foto: Oliver Werner

gelebt, Verwandte des 1963 verstorbenen

Jean Cocteau kennengelernt und über

diesen Kontakt Zeichnungen des Universalkünstlers

entdeckt. Was ihn besonders

faszinierte: „Es war die große Ähnlichkeit

der Motive mit den Darstellungen auf alten

griechischen Vasen. Die entfernten

Museumsdirektor Prof. Markus Müller (r.) und der griechische Sammler Ioannis Kontaxopoulos

im Picasso-Museum.

Foto: Oliver Werner

Welten des antiken Griechenlands und

des 20. Jahrhunderts waren einander

plötzlich so nah.“

Jean Cocteau, der sich dem antiken Sänger

Orpheus verwandt fühlte, und Pablo

Picasso, der sich selbst als Minotaurus

darstellte – sie wechseln sich in der Ausstellung

freundschaftlich ab. So ist im

ersten Raum lediglich ein Doppel-Selbstbildnis

des „Hausherrn“ zu sehen, während

der Gast aus Frankreich mit nationalen

Symbolen wie der Marianne oder

dem Eiffelturm vertreten ist. Unter seinen

Selbstbildnissen findet sich auch

eine Darstellung, die ihn wie Beethoven

aussehen lässt. Und auch die Porträts anderer

Künstler im zweiten Ausstellungsraum,

etwa von Balzac, dem wuchtigschnauzbärtigen

Nietzsche oder dem

jungen Proust, machen deutlich, welch

präziser und begnadeter Zeichner Jean

Cocteau war.

Markus Müller und Ioannis Kontaxopoulos,

der die Ausstellung im Wesentlichen

gestaltet hat, erwähnen Andy Warhol,

der diese Fähigkeit Cocteaus sehr bewunderte.

Orpheus und Minotaurus: Sie treffen

im nächsten Raum aufeinander. Doch

ganz gleich, ob ihre Schöpfer nun zu ähnlichen

Motiven greifen oder unterschiedliche

Wege gehen: Sie vertragen sich bestens

in der gemeinsamen Schau, und es

spricht für den Maler und Zeichner Cocteau,

dass er sich eben nicht, wie von

Müller zunächst befürchtet, vom monolithischen

Picasso erdrücken lässt. Deshalb

lässt sich auch die Entscheidung nachvollziehen,

nicht Cocteau allein zu präsentieren

– wie es etwa in Wien und

Hongkong der Fall war –, sondern ihn mit

dem Maler zusammenzubringen, den er

vor 100 Jahren in seinem Pariser Atelier

besuchte und dem er freundschaftlich

verbunden blieb. Fotos von gemeinsamen

Stierkampfbesuchen, die das belegen,

verleihen der Ausstellung einen zusätzlichen

Reiz. Wer in Münster den Maler

und Zeichner Jean Cocteau für sich

entdeckt, wird sich mit dem Museum

auch über einen schönen Nebeneffekt der

Ausstellung freuen: Ioannis Kontaxopoulos

überlässt dem Haus 50 Cocteau-

Zeichnungen aus seiner Sammlung als

Dauerleihgaben. Harald Suerland

Die Ausstellung „Cocteau trifft Picasso“

ist bis zum 18. Oktober dienstags

bis sonntags und an Feiertagen von

10 bis 18 Uhr zu sehen. Sie wird ergänzt

durch die Schau „Léger trifft

Chaplin“.

| www.kunstmuseumpicasso-

muenster.de

Diese Lithografie schuf Jean Cocteau. Sie zeigt sich von Picasso

inspiriert.

Foto: Oliver Werner


WISSEN & LEBEN 31

Ein Schlips mit

Elementarteilchen

Zwei IT-Berater haben eine magnetische Lösung zum Stabilisieren von Krawatten gefunden

Als der IT-Berater Norbert Beetz sich

vor vier Jahren beim Besuch eines

Kunden gerade die Hände wusch,

kam ihm eine Idee. Es müsse doch etwas

geben, das die Krawatte so am

Hemd fixiert, dass sie „nicht im

Waschbecken, der Suppe oder dem

Kaffee hängt“, sagt der ehemalige

Telgter, der heute in Münster lebt,

und fügt an: „Abseits der Krawattenklammer,

denn die ist für viele nicht

das Nonplusultra.“ Beetz lächelt,

wenn er an damals denkt, denn gemeinsam

mit seinem Geschäftspartner

Michael Doths aus Westbevern

glaubt er, die Lösung gefunden zu

haben.

„Sozusagen das Drei-Wetter-Taft

für den Herrn.“

Norbert Beetz

Doch Schlag auf Schlag ging

das nicht. Gemeinsam tüftelte

man an einer Idee,

2011 hatte die beiden

schließlich einen ersten

Prototyp hergestellt. Mitte 2012 ließen

sich die beiden das Gebrauchsmuster

schützen. Fertig war das endgültige Produkt

zu dieser Zeit noch keineswegs. Klar

war nur, wie es ungefähr aussehen sollte:

Ein eingewebter Magnet wird hinter der

Hemdleiste zwischen zwei Knöpfen eingeknöpft.

Ein weiterer mit Stoff ummantelter

Magnet wird an das an der Rückseite

der Krawatte befindliche Schildchen

befestigt – voilà. „Die Krawatte sitzt, sozusagen

das Drei-Wetter-Taft für den

Herrn“, scherzt der 43-jährige Beetz.

Doch die Idee ist das eine, die Umsetzung

etwas völlig anderes: „Wir sind erst danach

losgegangen, haben Material hinterfragt

und Produzenten gesucht“ erzählt

Michael Doths (45). Dabei gestalteten

sich die Gespräche bisweilen amüsant

bis schwierig. Aus Angst, die Idee könne

doch noch geklaut werden, redeten die

beiden IT-Berater „um den heißen Brei

Alltagshelfer: Ein kleiner Magnet soll den Schlips halten.

Ideengeber: Computerfachmänner und Erfinder Michael Doths (l.) und Norbert Beetz haben sich einer praktischen und unsichtbaren Hilfe für die perfekt sitzende

Krawatte gewidmet. Foto: Björn Meyer

herum“, wie Beetz mit einem Schmunzeln

gesteht. Doch die Sorge war unbegründet:

Man traf auf einen Produzenten

aus Wuppertal. Und auch wenn dieser

„die Idee so aufnahm und umsetzte, als

sei es seine eigene“, Doths und Beetz

sind stolz darauf, dass alles an dem fertigen

Produkt ihre ganz persönliche

Hirnleistung ist. Das, so sagt Michael

Doths, sei ihnen besonders wichtig.

Die Wahl bei der Stoffummantelung der

Magneten fiel letztlich auf das von Etiketten

bekannte Material. „Das ist flexibel,

lässt sich millimetergenau schneiden

und stört nicht beim Tragen. Kurzum, es

erfüllt alle Voraussetzungen“, erklärt

Doths die Entscheidung. Zudem liegt

dem Produkt ein magnetisches Schildchen

bei, das sich auf Wunsch ans Revers

heften lässt. Darauf steht standardmäßig

der Produktname. Ab einer gewissen bestellten

Stückzahl lasse sich aber auch ein

belieber anderer Name auf das Produkt

platzieren, haben die beiden Erfinder für

den Fall eines Großkundenauftrags vorgedacht.

Auffällig ist die relativ große, edel gestaltete

Verpackung für den kleinen unscheinbaren

Alltagshelfer. Das, so erklären

die beiden unisono, sei nicht allein

aus Präsentationszwecken, sondern vor

allem aufgrund der magnetischen Felder

im Inneren erforderlich. „Wir wollen ja

kein Postzentrum lahmlegen“, verdeutlicht

Beetz, was es für die beiden alles zu

bedenken galt.

Um ihr Produkt, das bislang nur im Internet

vertrieben wird, bekannt zu machen,

verschickten die beiden Urheber Exemplare

an Internetshops und Persönlichkeiten

wie Günter Jauch und Oliver Bierhoff.

Doch auch in Geschäften möchte

man demnächst vorstellig werden.

Bis wirklich jeder ein mag´n´tie, so heißt

das Produkt, im Schrank hat, wird aber

wohl noch etwas Zeit vergehen. „Wir

können uns um die Vermarktung nicht jeden

Tag kümmern, wir haben ja auch

noch einen Job“, sagt Norbert Beetz lächelnd,

während die Erfindung, in die er

und Michael Doths unzählige Stunden

gesteckt haben, durch seine Finger kreist.

Björn Meyer

Volkswagen Nutzfahrzeuge von Knubel.

Der T6: der Klassenprimus deutlich aufgewertet

Tradition und Leidenschaft zeichnen den Volkswagen

Transporter seit 65 Jahren als Design-Klassiker, unverzichtbares

Arbeitsvehikel und souveräne Großraumlimousine

aus, welcher inzwischen weltweit über zwölf Millionen

Mal verkauft wurde. Eben „Das Original“!

Mit der sechsten Generation der T-Baureihe beginnt ein

weiteres Kapitel dieser beispiellosen Erfolgsgeschichte.

Der neue Caddy und Caddy Maxi: immer die beste Wahl

Schon der Caddy3 war im Segment der Stadtlieferwagen

weit vor jedem Konkurrenten und hat auch die neuen

Marktteilnehmer souverän abgehängt.

Jetzt schnellt jedoch der neue Caddy4 in seinen beiden

Radständen noch einmal weiter nach vorn. Der neue

Caddy bleibt als eigenständiges Fahrzeug wie auch als

Teamplayer zusammen mit dem T6 der unangefochtene

Spitzenreiter im Stadtlieferwagensegment. Dazu hat ihm

Volkswagen Nutzfahrzeuge insbesondere folgende hochattraktive

Umfänge mit auf den Weg gegeben (teilweise

optional):

l Klar konturiertes Außendesign mit dynamischer

Linienführung und markanten Details wie eine

komplett überarbeitete Heckpartie mit neuer

Damit bilden der neue Caddy und der T6

ein unschlagbares Team durch die Summe ihrer Tugenden:

l Neues, kraftvolles und dynamisches Design

l Maximaler Robustheit und Zuverlässigkeit

l Große Angebotsvielfalt

l Innovative Fahrerassistenzsysteme

l Gesteigerte Effizienz und

l Erhöhte aktive und passive Sicherheit

Transporter, Multivan und Caravelle bleiben sich dort

treu, wo kaum noch etwas verbessert werden kann – u. a.

beim größten und variabelsten Lade- und Fahrgastraum

ihrer Klasse – und sind doch in vielen, vielen Punkten

überarbeitet und auf den modernsten Stand der Technik

gebracht worden.

Einige „Big Points“ (teilweise optional verfügbar):

l Geschärftes und wertig erscheinendes Außendesign,

LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten.

Eine elektrisch betätigte Heckklappe wird in Kürze

angeboten.

l Ein vollständig neu gestaltetes Innendesign,

u. a. mit neuen Schalttafeln.

l Völlig neue Generation von Radio- und

Radio-Navigationssystemen.

l Moderne Fahrerassistenzsysteme bieten ein

Höchstmaß an aktiver Sicherheit während der Fahrt.

l Neueste Motorengeneration mit BlueMotion

Technology für minimierten Kraftstoffverbrauch bei

EU6-Abgasstandard.

Scheibengrafik und neuen Rückleuchten,

einer Dachreling und Seitenschutzleisten.

l Sportliches Frontdesign mit Xenon-Scheinwerfern

und markantem Kühlergrill.

l Modernes, hochwertiges Cockpit mit vielen

durchdachten Ablagemöglichkeiten.

l Viele sinnvolle Ausstattungen wie beheizbare

Frontscheibe, Durchladefunktion, Klapptischen.

l Auch hier wie beim T6: überarbeitete und verbrauchsoptimierte

Motoren mit EU6 in Kombination mit

4motion-Antrieb und neuer Fahrwerksabstimmung.

l Viele sicherheitsrelevante Assistenzsysteme wie beim T6.

l Kraftstoffverbrauch des Caddy

in l/100 km: kombiniert 6,0–4,2,

CO 2 -Emissionen in

g/km: kombiniert 138–109

l Kraftstoffverbrauch des T6

in l/100 km: kombiniert 9,4–5,7,

CO 2 -Emissionen in g/km:

kombiniert 216–149

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Damit Deutschland im internationalen Vergleich

wettbewerbsfähig bleibt, ist der Glasfaserausbau

die notwendige Konsequenz. Gute

Entwicklungen hinsichtlich des Glasfaserausbaus

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Deutschland schaffte es bundesweit nicht

einmal ein Prozent aller Haushalte mit einem

Glasfaser-Breitbandanschluss (FTTH/B) zu

versorgen, so das Ergebnis des FTTH Councils,

welches im Februar in Warschau vorgestellt

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Wie eine Hauptschlagader

ür uns als IT-

„FUnterneh-

men ist ein

Glasfaserkabel wie

eine Hauptschlagader.

Daran hängt

die Kommunikation

mit unseren

Tochterfirmen, denn mit einem Hochleistungsanschluss

ist es so, als ob Sie

direkt nebenan sitzen. Der Glasfaseranschluss

garantiert uns, dass wir

schnell und flexibel über Produkte und

Leistungen informieren können. Uns

wird sogar die familienfreundliche

Gestaltung von Arbeitsplätzen ermöglicht.

Dank der Bandbreite stehen

Daten überall genauso schnell und sicher

zur Verfügung wie im Büro.“

(Jörg Bentfeld, IT Business Services

Technology, d.velop AG, Gescher)

Unternehmer machen sich fit für die Zukunft /„An Glasfaser führt kein Weg vorbei“

s ist Ziel der Politik, dass jeder an den Chancen der

„EInformationsgesellschaft teilhaben kann. Deshalb

wird 50 MBit/s bis zum Jahr 2018 auch ein politisches

Signal. In dieser Zeit haben wir immer noch die Diskussion

um einen Breitbanduniversaldienst geführt, der

viel geringere Bandbreiten gebracht hätte, dafür aber private

Investitionen bis auf Weiteres abgewürgt hätte. Für

den Ausbau sind die Unternehmen, aber auch Kommunen

vor Ort gefragt. Die Ausweisung von Gewerbegebieten

ohne schnelle Breitband-

Internetverbindungen aus Glasfaser darf

es nicht mehr geben. Das schnelle Netz ist

ebenso wichtig wie Strom und Wasser.

Gerade die Unternehmen in Deutschland

brauchen schnelles Internet, sonst besteht

die Gefahr, dass wir den Anschluss an den

Weltmarkt verlieren. Glasfaser ist der

Kern der Infrastruktur, die wir brauchen.“

(Thomas Jarzombek, Sprecher für Digitale

Agenda der CDU/CSU-Fraktion im

Deutschen Bundestag)

eit 1968 gehört unser Unternehmen zu einem

„Sder führenden Anbieter Norddeutschlands im

Bereich der Erstellung von Gutachten über die

Qualität von Asphalt, Bindemitteln, Beton, Fahrbahnmarkierungen

und anderen Baustoffen im Straßenbau.

Besonders die Erstellung von

Gutachten, aber auch von Sanierungsvorschlägen

mit grafischen

Inhalten in digitaler Form können

schnell gewaltige Ressourcen verschlingen.

Da Kupfer aufgrund seiner

physikalischen Eigenschaften

ab einer gewissen Größe als Leiter

für schnelle Datentransfers nicht

geeignet ist, führt kein Weg an Glasfaser,

sprich der Unternehmensgruppe

Deutsche Glasfaser vorbei.“

(Diplom-Ingenieur Ulrich Lüthje,

Geschäftsführer Asphalt-Labor Arno.

J. Hinrichsen GmbH & Co.,

Wahlstedt)

ine schnelle Inter-

ist „Enetverbindung

für mich sehr

wichtig. Als bundesweit

agierendes Unternehmen

im Bereich Becher-, Geschirr-

und Spülmaschinenverleih

für Events,

muss ich oft schnell große

Datenmengen empfangen und versenden

können. Diesen Bedarf an großen Bandbreiten

kann mein derzeitiger Anbieter

nicht decken. Einzig die Unternehmensgruppe

Deutsche Glasfaser ist in meiner

Region derzeit in der Lage, ein modernes

Breitbandnetz mit Glasfaser bis ins Haus

zu bauen. Daher habe ich keinen Moment

gezögert, auf diesen Zug aufzuspringen.

(Michael Andresen, Geschäftsführer und

Inhaber cup&more Andresen Mehrweglogistik

e.K., Bad Segeberg)

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28 WISSEN

„Mit 1628 Mark hat die Uhr

1902 schon so viel gekostet

wie damals ein Grundstück.“

Andreas Hidding

Historische Uhren sind meist e

schneller schlagen. Am Schlos

Gefühlt ticken die historischen Zeitmesser

vor der Renaissance-Kulisse von Schloss

Raesfeld einen Tacken beschaulicher. In

Wirklichkeit geht es kaum exakter, auch

wenn einige der mechanischen Prachtexemplare

das schon seit ein paar Jahrhunderten

tun. Allerdings erst, wenn die

Sammlerstücke durch die Hände des Meisters

gegangen, sprich grundüberholt, sind:

Gerade die Ganggenauigkeit und Präzision

der Uhren in der Freiheit 5, dem Geschäft

von Andreas Hidding, üben auf den Uhrmachermeister

die besondere Faszination aus.

Eigentlich ist es natürlich falsch, aus

der eigenen Sammelleidenschaft ein

Geschäftsfeld zu machen“, räumt

der 51-Jährige mit leichtem

Schmunzeln ein. Innerlich tätedoch

das Herz weh, die besonders schönen Uhren zu

verkaufen. Wobei „schön“ zugleich meist noch

extrem selten und höchst kostspielig bedeutet.

Wenn Hidding Glück hat, erzählt das reizvolle

Äußere auch noch eine besondere Geschichte –

wie einige seiner Beobachtungsuhren. Das sind

Präzisionsuhren in größerem Taschenuhrformat,

die –anders als der Schiffschronometer

–anBord beweglich und

auf der Brückefür die Navigation genutzt

wurden. Der Blick des Raesfelders

fällt auf ein besonderes Exemplar

vonLangeund Söhne, das er

am Anfang seines Arbeitstages aus

dem Banktresor geholt hat: Ein Unikat

aus der Uhrenmanufaktur im

sächsischen Glashütte, angefertigt

für „J. vanMitzlaff“, wie ein Auszug

aus den Geschäftsbüchern vonLangeund Söhne

und ein aufwendiges Emaillewappen auf der

Rückseite der Uhr belegen. „Mit 1628 Mark hat

die Uhr 1902 schon so viel gekostet wie damals

ein Grundstück“, weiß der zweifache Familienvater.

Der Wert ist in Relation geblieben, denn

auch heute könnte der Uhrensammler für den

pekuniären Gegenwert einer besonderen Uhr ein

mittelprächtiges Areal Bauland erwerben.

Wer das allerdings schon hat, kann die klassischen

Zeitmesser in der Raesfelder Freiheit

durchaus nicht nur aus Liebe zur Feinmechanik,

sondern auch als Geldanlageerwerben. „Seit der

Immobilienkrise in den USA Ende 2007 beobachteich

eine steigende Nachfrageanhochpreisigen

Sammlerstücken“, resümiert der Händler.

Und anders als er selbst haben viele seiner Kunden,

vondenen etwa80Prozent aus der Region,

der Rest aus Deutschland, Europa und den USA

UHREN-SEMINARE

Blickfang in der Freiheit 5inRaesfeld: Diese astronomische Wanduhr mit ihrem beeindruckenden Ziffernblatt stammt aus Portugal.

Männer-Wellness für Fortgeschrittene mit viel Fachsimpelei: Seit zehn Jahren

lässt Reinhold Flüthe Uhrenliebhaber selbst ran andie Werkbank. Einmal pro

Monat nimmt erzusammen mit einem Mitarbeiter höchstens sechs Seminarteilnehmer

ein ganzes Wochenende unter seine Fittiche: Sie veredeln eine eigene

mechanische Flüthe-Uhr, nehmen sie komplett auseinander, verpassen Teilen

des Kalibers einen dekorativen Schliff und setzen das Räderwerk wieder zusammen.

„Es hat noch keiner am Sonntagabend das Seminar ohne eine funktionierende

Uhr am Handgelenk verlassen“, resümiert Flüthe.


&LEBEN 29

ter aus der alten Zeit

ine Herausforderung für einen Uhrmacher –und sie lassen Herzen begeisterter Sammler

s Raesfeld bringt Andreas Hidding alten Zeitmessern wieder den richtigen Takt bei.

Geschichtenerzähler: Der Kommandant hat diese Beoachtungsuhr von Bord gerettet, bevor er auf Geheiß der Nazis vor Kriegsende sein U-Boot versenken musste.

Fotos (3): Maike Harhues

kommen, einen Tresor in ihrem durch Alarmanlagen

gesicherten Zuhause, um die Schätze häufiger

in die Hand zu nehmen und genießen zu

können.

Welcher Zeitmesser in wessen Sammlung der

Nächstrichtige ist, das hat Hidding meist schon

im Hinterkopf, wenn ihm ein Sammlerstück angeboten

wird oder er in die Schweiz zu Auktionen

vonSotheby´s reist. Sein Spezialgebiet sind

Taschenuhren, die etwa 70Prozent des Umsatzes

ausmachen, die restlichen 30 Prozent verdient

er mit klassischen mechanischen Armbanduhren.

Hier schlägt sein Herz wiederum für

Langeund Söhne, Glashütte, Omega, PatekPhilippe

und Longines. „Zwar bieten wir auch einige

Stückeüber das Internet an, aber die meisten Uhren

verkaufe ich hier im Geschäft am Schloss“,

bilanziert der Handwerksmeister. ImGegensatz

zum münsterischen Prinzipalmarkt (den Hidding

als langjähriger Angestellter von Oeding-

Erdel gut kennt) eigentlich eine 3b-Lage –beschert

der Standort als Touristenmagnet eher der

benachbarten Gastronomie Laufkundschaft.

Aber die würde manchmal auch nur stören im

gediegenen Ladenlokal zwischen astronomischer

Wanduhr und zahlreichen Stand- und

Tischuhren: „Für die Verkaufsgespräche nehme

ich mir viel Zeit, die Kunden schätzen dabei die

ruhigeAtmosphäre, undeswärenicht unbedingt

dienlich, wenn andauernd jemand hereinkäme,

der ein neues Uhrarmband oder Ähnliches

möchte“, erläutert Hidding Vorzüge seines Geschäftsstandortes.

Den er 2003 fand und der zum Glück ausbaufähig

war: Unter dem Dach hat der Raesfelder für

sich und seinen Mitarbeiter, ebenfalls Uhrmacher,

eine Werkstatt eingerichtet; und er hat

in zahlreichen, breiten Schubladen seine praktisch

unbezahlbaren Schätze akribisch geordnet:

„Über Jahrehabe ich die Werkstattnachlässe von

Kollegen, die aufgegeben haben oder in Rente

gegangen sind, aufgekauft –viele Originalteile,

Ziffernblätter,angelaufene Zeiger,massiveNeusilberplatinen,

Kronräder und, und, und“, schildert

der Meister. Mit seinem eigenen Zeitmanagement

hadert der Herr über die Zeitmesser

allerdings mitunter. Denn es fehlte ihm bisher

ein Puffer von Arbeitstagen für sein Wanduhr-

Prunkstück im Laden –eine astronomische Uhr

aus dem 19. Jahrhundert aus Portugal: „Dafür

muss ich drei Wochen einplanen, deshalb schiebe

ich das Projekt etwas vor mir her“, gesteht

Hidding. Obwohl ein Kunde sein Herz bereits an

den Hingucker in der Freiheit verloren hat und

bereit ist, dafür den Preis eines mittleren Kleinwagens

hinzublättern. Aber dann dürfen weder

Tierkreiszeichen, Mondphasen, Zeitzonen,

Schaltjahre, Wochentagsanzeige noch das Vollkalendarium

einen Tacken mehr aus dem richtigen

Takt geraten.

Maike Harhues

FAKTEN UND ZAHLEN

Die Zunft schrumpft rapide: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Uhrmacherbetriebe

im Münsterland fast halbiert, von 163 im Jahr 1994 auf aktuell 87. Uhrmachermeister

wie Gesellen werden händeringend gesucht –laut Handwerkskammer Münster kann ein Bewerber

zwischen fünf freien Stellen wählen. Allerdings bilden aktuell nur vier Betriebe im gesamten

Münsterland überhaupt jeweils einen Lehrling aus, für das Ausbildungsjahr 2015 ist

kein einziger neuer Lehrvertrag imUhrmachergewerbe des Münsterlandes geschlossen worden.

Die Ausbildung ist für den Lehrbetrieb sehr aufwendig“, weiß Reinhold Flüthe, der immer

einen Lehrling in seinen Betrieb integriert hat, aus eigener Erfahrung. Bis der Auszubildende

wirklich vollwertig mitarbeiten könne, bräuchte ersehr viel Input durch den Meister.

Zudem sei nicht nur die Armbanduhr Schwerpunkt des Lehrplans, sondern auch die Großuhr.

„Das macht Dreck, da fliegen Metallspäne, das ist nicht unbedingt förderlich, wenn ich als Juwelier

im Nebenraum ein Brillantcollier verkaufen will“, veranschaulicht der Telgter.

Dienstleister im

Sommerpalast des Zaren

Fachkreis Historische Uhren Schloss Raesfeld betreut weltweit wertvollste Uhren

Die Lieblingsuhr Katharinas

der Großen hat er in St.Petersburg

wieder zum

Ticken gebracht: „Da

weiß man wirklich,

weshalb man morgens aufgestanden

ist“, gesteht Reinhold Flüthe

voller Inbrunst. Der Telgter Uhrmachermeister

ist eines von 49

Mitgliedern aus ganz Deutschland

des Fachkreises Historische

Uhren Schloss Raesfeld.

1996 vonAndreas Hidding mitbegründet

aus einer Zertifikats-Seminarreihe

am Europäischen

Zentrum für Denkmalpflege,

macht sich der Verein stark

für Wahrung, Austausch und Weitergabe

von Kenntnissen und Arbeitstechniken

im Uhrmacherhandwerk.

Zudem strecken die Uhrenspezialisten

ihre ehrenamtlichen Fühler in Sachen

Uhrenrestauration weltweit aus: Seit

2001 reist eine Gruppe von sechs Uhrmachern

aus dem Fachkreis

einmal jährlich

für 14 Tage,

und oft in wechselnder Besetzung, auf

eigene Kosten nach St. Petersburg, um

unentgeltlich die Museumsuhren das Peterhofes

zu überholen und zu reparieren.

Und sogar im Palastmuseum des Maharadschas

von Jodhpur in Indien haben

Mitglieder der Gruppe 2011 und 2012

ehrenamtlich wertvolle Zeitmesser auf

Vordermann gebracht.

Um mehr Liebhaber für historische Uhren

zubegeistern, aber auch die Werbetrommel

für den Uhrmacherberuf zu

rühren, veranstaltet der Fachkreis am

26. und 27. September 2015 eine Messe

im Max-Born-Berufskolleg in Recklinghausen.

ma

Feuervergoldetes Glanzstück im Peterhof: Reinhold Flüthe hat die

Lieblingsuhr Katharinas der Großen restauriert und stellt sie zurück

ins Schlosskabinett.

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