Fachwerk 2016

denkmalpflege

Das Magazin der Denkmalpflege des Kantons Bern

2016

FACH-

WERK

DAS MAGAZIN DER DENKMALPFLEGE DES KANTONS BERN

LA REVUE DU SERVICE DES MONUMENTS HISTORIQUES

DU CANTON DE BERNE


2 EDITORIAL

Fachwerk 2016

Michael Gerber

Liebe Leserin, lieber Leser

«Die Menschen mögen vielleicht

den ganzen Tag mit ihren Smartphones

verbringen, aber die Umgebung

bestimmt weiterhin unterschwellig

ihren emotionalen und

physischen Gesundheitszustand».

Diese Aussage des griechischen

Architektur- und Designtheoretikers

Nikos Salingaros bringt auf den

Punkt, was bei der aktuellen Verdichtungsdiskussion

häufig vernachlässigt

wird: der Mensch.

Dichte bedeutet oft maximale Baumassenziffer,

vorbehaltloser Ersatz

von Altbauten durch Neubauten

oder massstabloses Auffüllen von

Freiflächen. Dabei wird die durch

Salingaros angesprochene Gesundheit

des Menschen in einer gesunden

Umgebung ausgeblendet.

Verdichten ist also auch eine Frage

des Wohlbefindens des Menschen

in seinem vertrauten Lebensraum.

Für die Denkmalpflege ist verdichtetes

Bauen keine Bedrohung,

sondern eine Aufgabe. Sie verhindert

Verdichtung nicht, sondern sie

muss dafür besorgt sein, dass

Projektverfasser angemessen an

Denkmäler und Ortsbilder, also an

die vorhandene Substanz, herangehen

und respektvoll damit umgehen.

Das Schwerpunktthema des

diesjährigen Fachwerks handelt

von der Rolle der Denkmalpflege in

diesem Prozess.

Daneben nehmen wir Sie wie gewohnt

mit auf eine qualitätsvoll verdichtete

Reise zu den Bauschätzen

unseres Kantons.

Michael Gerber

Kantonaler Denkmalpfleger

Chère lectrice, cher lecteur,

« Les gens peuvent bien manipuler

leur Smartphone à longueur de

journée, mais l’environnement

continue à déterminer inconsciemment

leur état de santé émotionnel

et physique. » Par cette observation,

Nikos Salingaros, théoricien de l’architecture

et du design, nous rappelle

un élément trop négligé dans

le débat actuel sur la densification :

l’être humain. Densité signifie souvent

coefficient maximal d’utilisation

du sol, démolition pure et simple

d’anciens bâtiments au profit

de nouveaux, empressement sans

mesure à combler les surfaces

vides. Il n’y a plus de place ici pour

le bien-être de l’homme dans un

environnement sain.

Car la densification a aussi à voir

avec le bien-être dans un environnement

familier. La densité n’est pas

une menace, mais une tâche de la

conservation des monuments historiques.

Celle-ci n’entrave pas la densification,

mais doit veiller à ce que

les auteurs des projets abordent

les bâtiments ou les sites construits

anciens, c’est-à-dire la substance

existante, avec le soin et le respect

adéquats. Cette année, Fachwerk

consacre son dossier au rôle de la

conservation des monuments historiques

dans ce processus.

Mais ce numéro est aussi une

nouvelle invitation à découvrir des

trésors du patrimoine architectural

de notre canton.

Michael Gerber

Chef du Service des monuments

historiques


INHALT | SOMMAIRE

3

Inhalt | Sommaire

Twann am Bielersee

Theaterkulissen in Langenthal

Chorgewölbe in der Kirche Münsingen

4

4

6

8

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66

AKTUELL | ACTUEL

Verdichtung | Densification

Siedlungsentwicklung und Verdichtung: Einleitung

Glossar Raumplanung und Ortsbildpflege

Ortsbilder stiften Identität: die Verdichtungsdiskussion

Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder ISOS

Die Beispiele Köniz, Langenthal und Port

Ausblick: Instrumente und Vorgehensstrategien

Denkmalpflege ist Teamarbeit

Die Überarbeitung des Bauinventars

IM GESPRÄCH | DIALOGUE

Gleichgewicht zwischen Schutz und Nutzung –

Heinrich Hafner, Raumplaner

BERICHTE | RAPPORTS

Wiederentdeckte Kulissen im Theater Langenthal

Massgeschneiderte Zukunft für ein Bauernhaus in Thun

Erhaltung der Originalsubstanz: zwei Brücken bei Biel

Der Apfelschuss in Gsteig bei Gstaad

Sous le lierre… une rocaille à La Neuveville

OBJEKTE | OBJETS

Entdeckung | Découverte

Auswahl | Sélection

Verluste | Pertes

EINBLICKE | APERÇUS

ZAHLEN | CHIFFRES

PUBLIKATIONEN | PUBLICATIONS

TERMINE | CALENDRIER

PERSONELLES | PERSONNEL


4 AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

Siedlungsentwicklung und Verdichtung:

Einleitung

Die Forderung nach der inneren Verdichtung stellt alle, die sich mit Raumplanung

und Siedlungsentwicklung befassen, vor neue Herausforderungen.

Die Umgebung eines Baudenkmals,

in der es wirkt und wahrgenommen

wird, ist Teil des Denkmals und wesentlich

für seine Unterschutzstellung.

Dieser räumliche Kontext unterliegt

einer grösseren Dynamik und

wandelt sich schneller als das Denkmal

selber. Die kantonale Denkmalpflege

setzt sich schon seit mehreren

Jahren mit geschützten Ortsbildern

auseinander. Sie berät Gemeinden

und Raumplaner im Umgang mit

Weiterentwicklungen und Neuplanungen

in sensiblen Ortsbildern, die sich

in einer Baugruppe, einem Ortsbildschutzperimeter

oder im Inventar

der schützenswerten Ortsbilder der

Schweiz (ISOS) befinden. Die Fachstelle

unterstützt die Planenden, indem

sie auf bestehende Qualitäten

von Ortsbildern hinweist. Sie formuliert

Empfehlungen und mögliche

Schutzziele unter Berücksichtigung

des Charakters eines Ortsbildes, so

dass der geplante Eingriff weder das

Schutzobjekt noch den geschützten

Perimeter beeinträchtigt.

Qualitätsvolle Siedlungsentwicklungen

und Verdichtung innerhalb von

sensiblen Ortsbildern sind Themen,

die Raumplaner, Gemeinden, Kanton,

Bund und Ortsplanungsstellen

zunehmend fordern. Im aktuellen

Fachwerk gibt die kantonale Denkmalpflege

Einblick in die laufende

Diskussion und in ihren Auftrag im

Bereich der Ortsbildpflege.

01

Grundlage für die verschiedenen

Artikel zum Thema Siedlungsentwicklung

und Verdichtung sind zwei

Gespräche, welche das Planungs-

Team der Denkmalpflege mit Raumplaner

Heinrich Hafner, BHP Raumplan

AG, Bern, und mit dem Landschaftsarchitekten

Daniel Moeri,

Moeri + Partner AG, Bern, führte.

Das Gespräch mit Heinrich Hafner

befindet sich auf Seite 28. Einzelne

Aussagen von Daniel Moeri und

Heinrich Hafner wurden als Kurzkommentare

in die Artikel eingebaut.

Zunehmender Druck auf die historischen

Ortskerne

Die kontinuierliche Bevölkerungszunahme,

der wirtschaftlich und gesellschaftlich

wachsende Wohlstand, der

Wandel sozialer und demografischer

Strukturen und die Kapazitätssteigerung

der Mobilität und des Individualverkehrs

mit gleichzeitigem Ausbau

des öffentlichen Verkehrs lassen

den Flächenbedarf jährlich ungehindert

steigen. Folge davon sind nebst

massiv zunehmendem Energie- und

Ressourcenverbrauch unsorgfältige

Stadtreparaturen und -ergänzungen,

welche die Qualität der Landschaftsund

Ortsbilder bedrohen. Die Teilrevision

des Raumplanungsgesetzes,

welche 2014 in Kraft trat, hat einen

Systemwandel eingeleitet. Die Siedlungsentwicklung

soll sich in Zukunft

vermehrt nach innen richten. Damit

wird der Druck auf die historischen


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

5

02

Verdichten heisst

primär, dass wir

Menschen näher

zusammenleben.

Daniel Moeri

Ortskerne und auf das umliegende

Siedlungsgebiet zunehmen. Dem baukulturellen

Erbe mit seinen gewachsenen

Strukturen steht die Beeinträchtigung

durch Verdichtung bevor.

Raumplanung ist auch Ortsbildpflege

Bis vor kurzem war Raumplanung

mit dem unbegrenzten Wachstum in

die Fläche gleichzusetzen. Die Ausdehnung

der Städte und Dörfer erfolgte

am Siedlungsrand in dafür eigens

ausgeschiedenen Neubau- und

Gewerbezonen, welche sich meist

unabhängig und ohne Bezug zum

Dorf- oder Stadtzentrum weiterentwickelten.

Gemäss den Vorgaben im

teilrevidierten Raumplanungsgesetz

sind zukünftig weder Bauzonenerweiterungen

noch die Nutzung von Kulturland

erwünscht. Eine Konsequenz

davon ist die Siedlungsentwicklung

nach innen, in bestehenden Siedlungen

und historischen Ortskernen.

Diese ist komplex und erfordert hohe

Fachkompetenz, das Zusammenspielen

von Politik und Bevölkerung und

die Akzeptanz, dass im besiedelten

Gebiet weiter gebaut und damit verdichtet

werden muss.

Neue Instrumente und Strategien

sind notwendig

Nebst vielen anderen, zwingenden

Voraussetzungen für eine qualitativ

hochwertige Verdichtung ist die Erhaltung

des Siedlungscharakters und

des historisch gewachsenen Ortsbilds

wohl nicht der wichtigste Anspruch,

aber einer der grundlegendsten.

Die Ortsbildpflege ist jedoch auf

die Unterstützung der Raumplanung

angewiesen; gemeinsam müssen die

nötigen zielgerichteten Entwicklungsund

Verdichtungsstrategien in der

Planungspraxis gefordert und gefördert

werden. Es braucht dringend

griffigere Instrumente und die Unterstützung

durch den Bund und den

Kanton, um das baukulturelle Erbe

unserer Städte und Dörfer zu erhalten

oder erst ins allgemeine Bewusstsein

zu tragen. Alle an der Weiterentwicklung

des Siedlungsgebietes Beteiligten

müssen bereit sein, die gegebenen

Strukturen und den Baubestand

weiter zu denken und Lösungen zu ermöglichen,

aus denen auch zukünftig

qualitätsvolle und lebenswerte Stadtund

Landschaftsbilder bestehen bleiben

oder erst entstehen können.

01 Unterschiedliche Siedlungsformen

im Kanton Bern:

01 Weiler Elisried, Schwarzenburg.

02 Blick auf das Bälliz, Thun.

Tatiana Lori


6

AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

Glossar Raumplanung und Ortsbildpflege

Institutionen, Begriffe und Abkürzungen

Amt für Gemeinden und Raumordnung

(AGR)

Das Amt für Gemeinden und Raumordnung

ist zuständig für die kantonale

Raumentwicklung, übt die

Aufsicht über die regionale und kommunale

Raumplanung aus und beurteilt

Bauvorhaben ausserhalb der

Bauzonen.

Baubewilligung

Wer bauen will, braucht eine Baubewilligung.

Meist ist dafür die Gemeinde

zuständig. Sie prüft, ob ein

Bauvorhaben den Vorschriften der jeweiligen

Zone entspricht und ob die

Umweltvorschriften eingehalten werden.

Baugesuche müssen publiziert

werden, damit Betroffene dagegen

Einsprache erheben können.

Baugruppe

«Baugruppen» sind Ensembles von

Häusern, welche sich durch einen

räumlichen oder historischen Zusammenhang

auszeichnen. Sie sind Teil

des kantonalen Bauinventars.

Bauinventar des Kantons Bern

Das kantonale Bauinventar erfasst,

beschreibt und bewertet Baudenkmäler.

Es bildet eine fundierte Grundlage

für die praktische Arbeit der

Denkmalpflege und für die wissenschaftliche

Forschung. Mit dem Bauinventar

stellt die Denkmalpflege

nicht nur Gemeinden und Grundeigentümern,

sondern auch der breiten

Öffentlichkeit eine qualifizierte

Gesamtschau des historischen Baubestandes

im Kanton zur Verfügung.

Baumassenziffer

Die Baumassenziffer BMZ bezeichnet

das Verhältnis des oberirdischen

Bauvolumens zur anrechenbaren

Grundstücksfläche. Als oberirdisches

Bauvolumen gilt das über dem massgebenden

Terrain liegende Volumen

eines Baukörpers in seinen Aussenmassen,

abzüglich offener Gebäudeteile.

Die Baumassenziffer wird als

Mass für die Volumendichte verwendet

und dient als Element zur Festlegung

der zonencharakteristischen

Bauweise.

Baureglement

Im Baureglement legt die Gemeinde

Bau- und Nutzungsvorschriften

grundeigentümerverbindlich fest. Aufgrund

der Vorschriften im Baureglement

werden Baugesuche beurteilt

und Baubewilligungen erteilt.

Bundesgerichtsentscheid Rüti

(BGE 135 II 209)

Mit dem Bundesgerichtsentscheid

Rüti ZH vom 1. April 2009 wurde die

grosse Bedeutung der Bundesinventare

nach Artikel 5 NHG bestätigt und

klargemacht, dass für die Kantone

und Gemeinden auch bei der Erfüllung

von kantonalen und kommunalen

Aufgaben eine Pflicht zur Berücksichtigung

dieser Bundesinventare besteht.

Bundesgesetz über den Naturund

Heimatschutz (NHG)

Gemäss Artikel 78 der Bundesverfassung

(SR 101) ist der Bund verpflichtet,

bei der Erfüllung seiner Aufgaben

Rücksicht auf die Anliegen des Naturund

Heimatschutzes zu nehmen: «Er

schont Landschaften, Ortsbilder, geschichtliche

Stätten sowie Natur- und

Kulturdenkmäler; er erhält sie ungeschmälert,

wenn das öffentliche Interesse

es gebietet.» Um diese Pflicht

sachgerecht wahrnehmen zu können,

werden als Entscheidungsgrundlage

Bundesinventare erarbeitet, bspw.

das Bundesinventar der schützenswerten

Ortsbilder der Schweiz (ISOS).


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

7

Bundesinventar der schützenswerten

Ortsbilder der Schweiz (ISOS)

Das ISOS analysiert die architektonischen

und räumlichen Zusammenhänge

von Weilern, Dörfern und Städten.

Es dient Fachleuten aus den

Bereichen Planung und Denkmalpflege

sowie Politikern als Entscheidungsgrundlage.

Durch die Aufnahme

eines Ortsbilds ins ISOS wird dargetan,

dass es in besonderem Masse

die ungeschmälerte Erhaltung verdient.

Raumplanungsgesetz (RPG)

Das Bundesgesetz über die Raumplanung

vom 22. Juni 1979 gibt die

Ziele und Grundsätze der Raumplanung

in der Schweiz vor. Es weist

dem Bund, den Kantonen und den

Gemeinden ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten

im Bereich der

Raumplanung zu.

Überbauungsordnung

(UeO, Sondernutzungsplan)

Sondernutzungspläne konkretisieren

für bestimmte Gebiete, in denen die

bau- und nutzungsrechtliche Grundordnung

nicht ausreicht, die Nutzung

und legen Grundsätze der Gestaltung

fest. Im Siedlungsgebiet haben Sondernutzungspläne

häufig den Zweck,

städtebauliche und architektonische

Qualität zu sichern.

Kantonaler Richtplan

Mit seiner Richtplanung legt der

Kanton die zur Verwirklichung der

angestrebten räumlichen Ordnung

erforderlichen Tätigkeiten und den

Rahmen zu deren gegenseitigen Abstimmung

behördenverbindlich fest.

Der kantonale Richtplan umfasst Karten

und Textteile mit Aussagen zur zukünftigen

Entwicklung in den Bereichen

Siedlung, Landschaft, Verkehr,

kantonale öffentliche Anlagen und

Bauten. Die Vorgaben zum Umgang

mit den Bundesinventaren sind im

Massnahmenblatt E_09 definiert.

Ortsbildpflege

Zum Aufgabengebiet der Denkmalpflege

des Kantons Bern gehört zum

einen die Beratung von Bauherrschaften

bei der Weiterentwicklung von

Baudenkmälern, zum andern berät

sie bei ortsbildrelevanten Veränderungen.

Ortsbildschutzgebiet

Das eidgenössische Raumplanungsgesetz

verlangt von den Kantonen,

Schutzzonen auszuscheiden oder

Schutzmassnahmen zu definieren.

Der Kanton Bern überträgt diese

Kompetenz an die Gemeinden. Diese

scheiden in ihrer Nutzungsplanung

Ortsbildschutzgebiete aus. Grundlage

dafür bilden die Baugruppen

des Bauinventars.

Zone mit Planungspflicht (ZPP)

Die Zonen mit Planungspflicht enthalten

Bestimmungen, die ergänzend

zu den Bestimmungen im Zonenplan

gelten. Solche Zonen kommen in Gebieten

zur Anwendung, wo eine feinere

Regelung, als dies in der Nutzungsplanung

möglich ist, erforderlich

ist oder wo in einem Planungsprozess

unter Beteiligung aller Akteure die Details

erarbeitet werden sollen.

Nutzungsplanung

Im Rahmen der Nutzungsplanung

wird die raumplanerische Nutzungsordnung

für ein bestimmtes funktional

zusammenhängendes Gebiet erarbeitet.

Mit ihr wird die zulässige Bodennutzung

bezüglich Zweck, Ort und

Mass parzellenscharf und grundeigentümerverbindlich

festgelegt.

Zonenplan

Der Zonenplan bezeichnet für das

Gebiet einer Gemeinde Bauzonen,

Landwirtschaftszonen und Schutzzonen.

Er bewirkt die klare Trennung

von Baugebiet und Nichtbaugebiet.

Die Bauzone wird weiter aufgeteilt

in Wohn-, Arbeits- und gemischte

Zonen sowie Zonen für öffentliche

Bauten und Anlagen. Die Zonenfestlegungen

sind parzellenscharf und

grundeigentümerverbindlich.


8

AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

Ortsbilder stiften Identität:

die Verdichtungsdiskussion

Einmalige Landschafts- und Stadtbilder tragen zur unverwechselbaren Identität

einer Region bei. Durch die Forderung nach Verdichtung geraten sie unter Druck.

Die Qualitäten

unserer historischen

Siedlungen

müssen erkannt,

gewürdigt und erhalten

werden.

Daniel Moeri

01

01 Breitenegg, Gemeinde Wynigen,

schützenswertes Ortsbild von

nationaler Bedeutung.

02 Twann, Blick vom Rebhang auf die

Hinterhäuser.

03 Dorfgasse Twann, schützenswertes

Ortsbild von nationaler Bedeutung.

Prägenden Bauten samt ihrer Umgebung

– unsere Baukultur – sind wesentliche

identitätsstiftende Aspekte

für einen Ort. Sie führen dazu, dass

sich Menschen an einem Ort wohl

fühlen. Markante Bauten und ein über

längere Zeit entstandenes Konglomerat

von gebauter Struktur mit

natürlicher Abfolge von offenen und

geschlossenen Räumen, von Grünräumen

und gestalteten Plätzen zeichnen

historisch gewachsene Zentren

aus. Diese Merkmale bilden das Rückgrat

einer Stadt oder eines Dorfes

und schaffen Identität und Wohlgefühl,

tragen zur Unverwechselbarkeit

eines Ortes bei. Sie tragen dazu bei,

dass sich die Menschen in der globalisierten,

überall gleich gestalteten

Welt orientieren können und verbinden

uns mit unserer Vergangenheit.

Das rasante Siedlungswachstum in

der Schweiz in den vergangenen Jahren

und die kontinuierliche Erweiterung

des Siedlungsgebiets führte zur

Einsicht, dass die Zersiedelung gestoppt

und das Kulturland geschont

werden sollen. Die Neuausrichtung

wurde mit der Revision des Raumplanungsgesetzes

gestartet. Die daraus

resultierende Forderung nach der

Weiterentwicklung im Bestand erhöht

unweigerlich den Druck auf unser

baukulturelles Erbe und unsere Ortsbilder.

Tiefgreifende bauliche Veränderungen

sind irreversibel, meist für

lange Zeit. Unsere Ortsbilder laufen

Gefahr, ihren identitätstiftenden Charakter

zu verlieren.

Qualitäten erhalten und weiterentwickeln

Das Projektieren innerhalb von sensiblen

Ortsbildern und bestehenden,

gewachsenen Strukturen ist anspruchsvoll

und setzt hohe fachliche

Kompetenzen im Bereich der Ortsbildgestaltung

und Städteplanung vo-


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

9

02 03

Verdichten hat Grenzen. Nicht zuletzt, weil

das höchste Gut in der Schweiz immer noch

der Besitzstand ist.

Daniel Moeri

04 Ittigen, Wohnanlage Atria mit insgesamt

36 Wohnungen im weiträumigen Park

des Pflegezentrums Tilia. Schär Buri

Architekten AG, Bern, 2012.

05 Ittigen, Wohnanlage Atria. Das ehemalige

Asyl Gottesgnad, heute Pflegezentrum

Tilia, entstand 1930–31 in der

Formensprache der Moderne.

raus. Mit dem Inventar der Schweizerischen

Ortsbilder ISOS und dem

kantonalen Bauinventar stehen

Grundlagen zur Geschichte und Siedlungsentwicklung

unserer Städte,

Ortschaften und Baudenkmäler zur

Verfügung.

Ziel der Siedlungsentwicklung muss

es sein, bestehende Qualitäten zu erhalten,

weiterzuentwickeln und neu

zu beleben und so zu einer hohen

Lebensqualität im bestehenden Siedlungsgebiet

beizutragen. Der sorgfältige

Umgang mit unserer Baukultur

trägt zur Erreichung dieses Ziels bei.

Denn gerade im Erneuerungsprozess

ist das Bestehende wichtig. Städtebau,

Ortsbildpflege und Raumplanung

müssen ein Gleichgewicht zwischen

Bewahrung und Erneuerung

anstreben. Will man dies erreichen,

sind gesamtheitliche, massgeschneiderte

Konzepte und die vertiefte

analytische Auseinandersetzung mit

dem Ort wichtig. Indem die Besonderheiten,

die einen Ort prägen, gezielt

genutzt werden, kann nachhaltiger

Mehrwert geschaffen werden.

Auseinandersetzung mit dem eigenen

Ort

Das Thema Siedlungsentwicklung

nach innen betrifft uns alle: Bauen im

bewohnten Gebiet bedeutet auch,

dass die Nachbarschaft näher rückt.

Veränderungen in der eigenen Umgebung

gegenüber begegnen Menschen

mit verschiedenen Emotionen – sei

dies mit Akzeptanz, Begeisterung

oder Verweigerung. Das gilt auch für

Veränderungen, die sich im Zusammenhang

mit der inneren Verdichtung

ergeben: Verdichtung ist gut, solange

sie nicht die eigene Aussicht verbaut.


10

AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

04 05

Die Leute freuen sich riesig, wenn sie begreifen,

wo sie wohnen. Wenn ihnen bewusst

wird, dass ihre Landschaft ein Kulturgut ist,

das über Jahrhunderte gewachsen ist.

Daniel Moeri

Es ist daher wichtig, die betroffenen

Menschen nach Möglichkeit in Entwicklungsprojekte

einzubeziehen.

Will sich eine Gemeinde qualitätsvoll

weiterentwickeln, ist die Auseinandersetzung

mit dem eigenen Ort, mit

seiner Identität und mit den Bedürfnissen

seiner Bewohnerinnen und Bewohner

unabkömmlich. Es geht zum

einen darum, die Stärken und Schwächen

eines Ortes auszumachen, zum

andern um die spezifischen Eigenschaften,

die den Ort charakterisieren

und welche es zu fördern und weiterzuentwickeln

gilt. Gemeinden, die

die Richtung ihres Entwicklungspotenzials

selbst bestimmen und ihre

Planungsrolle aktiv wahrnehmen, gewinnen

an Profil und stärken ihre

Identität.

Verdichten als Chance: die aktuelle

Diskussion

Verdichten fordert nicht nur heraus,

sondern bietet auch die grosse

Chance, auf die Entwicklung der gebauten

Umwelt und deren Qualität

und damit auf identitätsstiftende Faktoren

verstärkt Einfluss nehmen zu

können. Diese gilt es zu nutzen. Dass

es möglich ist, moderne Architektur

im Bestand zu integrieren, ohne dabei

die Identität eines Ortes zu verleugnen,

zeigen bereits heute viele Beispiele.

Drei aktuelle Planungsprojekte

in Köniz, Port und Langenthal, mit

denen sich die Denkmalpflege im Moment

beschäftigt, sind im Artikel auf

S. 15–17 beschrieben.

Soeben erschienen ist der Bericht

«Siedlungsentwicklung nach innen –

ISOS und Verdichtung». 2014 liess der

Bundesrat eine breit zusammengesetzte

Arbeitsgruppe unter der Leitung

des Bundesamts für Raumentwicklung

(ARE) aufstellen. Die

Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit

der Frage, ob das Bundesinventar

der schützenswerten Ortsbilder der

Schweiz (ISOS) die vom revidierten

Raumplanungsgesetz (RPG) geforderte

Siedlungsentwicklung nach innen

allenfalls erschweren oder gar

verunmöglichen könnte. Den Ausschlag

für die Untersuchung gab die

Besorgnis des Baudirektors des Kantons

Zürich über mögliche Schwierigkeiten

bei der Aktualisierung des

ISOS im Kanton Zürich. Der Bericht

der Arbeitsgruppe vertieft diese Fragen

anhand konkreter Beispiele und

zeigt mögliche Lösungswege auf. Die

gewonnenen Erkenntnisse dienen als

Umsetzungshilfe auch anderen Kantonen,

Städten und Gemeinden. Die

Denkmalpflege des Kantons Bern war

durch die Ortsbildpflege in der Arbeitsgruppe

vertreten.

LITERATURHINWEISE

Tatiana Lori, Lukas Auf der Maur

Siedlungsentwicklung nach innen.

ISOS und Verdichtung. Bericht

der Arbeitsgruppe. Bundesamt für

Raumentwicklung (Hrsg.), 2016.

www.are.admin.ch

Siedlungsentwicklung nach innen.

Gute Beispiele aus Berner Gemeinden.

Justiz-, Gemeinden- und

Kirchendirektion des Kantons Bern,

Amt für Gemeinden und Raumordnung

(AGR) (Hrsg.), 2014.

www.jgk.be.ch


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

11

Das Bundesinventar der schützenswerten

Ortsbilder der Schweiz ISOS in der Praxis

Das ISOS würdigt die topografische, räumliche und historische Beschaffenheit

der Ortsbilder der Schweiz und ist eine Grundlage für künftige Entwicklungen.

Umgebung. Die Aufnahme eines

Ortsbilds ins ISOS zeigt auf, dass es

die ungeschmälerte Erhaltung verdient.

Das Inventar versteht sich als

Grundlage und Leitfaden für künftige

Planungen und Entwicklungen. Ziel

des ISOS ist es, das bauliche Erbe mit

seinen prägenden Merkmalen trotz

ständiger Weiterentwicklung in der

Grundsubstanz zu erhalten und zu

vermeiden, dass ihm irreversibler

Schaden zugefügt wird. Es geht dabei

nicht um das Verhindern von Entwicklungen

im Ort, sondern vor allem um

das Herausschälen von besonderen

Charakteristiken.

01

01 La Neuveville, schützenswertes Ortsbild

von nationaler Bedeutung, Aufnahmeplan

ISOS.

Während früher vorwiegend Schlösser,

Kirchen oder ein Stadttor – und

als Ortsbild nur ein mittelalterlicher

Stadtkern – als Denkmäler oder Kulturgüter

verstanden wurden, besteht

heute mit dem ISOS ein umfassendes

Werk über die bedeutenden Ortsbilder

der Schweiz. Das Inventar ist

nicht als Verzeichnis von Einzelobjekten

zu verstehen, sondern es betrachtet

das Ortsbild aus einer ganzheitlichen

Perspektive. Für die nationale

Bedeutung der Ortsbilder sind topografische,

räumliche und architekturhistorische

Qualitäten ausschlaggebend:

Das ISOS beurteilt die Ortsbilder

in ihrer Gesamtheit bzw. nach

dem Verhältnis der Bauten untereinander,

nach der Qualität der Räume

zwischen den Häusern und nach dem

Verhältnis der Bebauung zu seiner

Der Bundesgerichtsentscheid Rüti

2009

Das Bundesinventar ISOS wurde bis

vor kurzem in der Raumplanung nicht

als zwingend zu beachtende Grundlage

beurteilt. Schweizweit war auf

Verordnungsebene umstritten, ob das

ISOS ausschliesslich bei der Erfüllung

von Bundesaufgaben beachtet und

in welcher Form es von Kantonen und

Gemeinden berücksichtigt werden

muss. Dies hatte zur Folge, dass die

Auseinandersetzung mit dem ISOS

häufig erst zum Zeitpunkt einer

konkreten Anfrage zu einer Überbauungsordnung

(UeO) oder im Zusammenhang

mit einer Zonenplanänderung

mit Planungspflicht (ZPP) auf

kommunaler Ebene erfolgte. Zu einem

Zeitpunkt also, wenn es baureife

Projekte zu beurteilen galt.

Mit dem Bundesgerichtsentscheid

Rüti (BGE 135 II 209) wird die Umset-


12

AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

02 03

Die bauliche Verdichtung nach innen ist

sicher eine gute Sache, aber nicht um jeden

Preis. Bestehende Qualitäten im Siedlungs-,

Architektur- und Aussenraum sind zu erhalten

oder zu verbessern.

Daniel Moeri

zung der Empfehlungen aus dem

ISOS gestärkt. Der Entscheid bestätigt

die grosse Bedeutung der Bundesinventare

nach Artikel 5 des

Bundesgesetzes über Natur- und Heimatschutz

(NHG). Die entsprechende

Ergänzung der Verordnung über das

Bundesinventar ISOS macht klar,

dass für die Kantone und Gemeinden

auch bei der Erfüllung von kantonalen

und kommunalen Aufgaben eine

Pflicht zur Berücksichtigung dieser

Bundesinventare besteht. Das ISOS

wirkt bei Richt- und Nutzungsplanungen

ähnlich wie Konzepte und Sachpläne

des Bundes.

Die Akzeptanz der ortsbildpflegerischen

Anliegen für die Raumplanung

hat sich seither verbessert, die Mitsprache

der Ortsbildpflege wird aber

nach wie vor zuweilen als unnötiges

Eingreifen in die Selbstbestimmung

der Baubehörden missverstanden.

Die gesetzlichen Regelungen im

Kanton Bern

Im Kanton Bern ist das ISOS in der

Bauverordnung verankert (Art. 13e

BauV). Ausserdem bestehen Regierungsratsbeschlüsse

zum ISOS, welche

die Behörden verpflichten, die Inventare

des Bundes und des Kantons

bei Tätigkeiten, die den Ortsbildschutz

oder die Ortsbildgestaltung

betreffen, zu berücksichtigen. Das

ISOS muss bei raumplanerischen

Massnahmen im Umfeld von inventarisierten

Ortsbildern systematisch

als Entscheidungsgrundlage beigezogen

werden. Hinweise und Empfehlungen

im ISOS müssen in gebührender

Qualität reflektiert werden. Dies

gilt nicht nur für Ortsbilder und Einzelbauten,

sondern auch für Freihaltezonen

und für die Umgebung von

Baudenkmälern.

Das ISOS im kantonalen Richtplan

Der kantonale Richtplan orientiert die

Akteure der Raumplanung über das


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

13

04 05

Bei den Siedlungen, die vor 100 Jahren

oder früher entstanden sind, hat es schlicht

Superqualität. Und die sind dicht.

Daniel Moeri

02 La Neuveville, Rue du Marché.

03 La Neuveville, Altstadt von Westen.

04 Diemtigen, schützenswertes Ortsbild

von nationaler Bedeutung, Aufnahmeplan

ISOS.

05 Diemtigen, Blick auf das Dorf

von Westen.

ISOS und die Umsetzung der Erhaltungsziele.

Kanton und Gemeinden

haben in der Interessenabwägung bei

Planungen und bei der Realisierung

von raumwirksamen Vorhaben die Erhaltungsziele

des ISOS zu berücksichtigen.

Das Bundesinventar verhindert

nicht die Ortsentwicklung,

sondern fördert eine nachhaltige

Planung. Ein Abweichen darf nur in

Erwägung gezogen werden, wenn

gleich- oder höherwertige Interessen

von ebenfalls nationaler Bedeutung

entgegenstehen. Die Denkmalpflege

ist für die Interpretation des ISOS

mitverantwortlich. Die Umsetzung erfolgt

unter der Federführung des Amtes

für Gemeinden und Raumordnung

(AGR) der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion.

Lückenhafte Berücksichtigung des

ISOS in kommunalen Planungen

Da die Verankerung der Schutzanliegen

in den kommunalen Nutzungsplanungen

verschieden ist, bestehen

heute zahlreiche rechtskräftige Planungsinstrumente

(bspw. Überbauungsordnungen

UeO, Zonen mit Planungspflicht

ZPP, Richtplanungen,

Zonenpläne, Baureglemente, Entwicklungskonzepte

etc.), die eine

echte Interessensabwägung mit dem

ISOS noch nicht durchlaufen haben.

Das heisst, es bestehen rechtsgültige

Planungsinstrumente, welche die

ISOS-Erhaltungsziele nicht genügend

berücksichtigen. Bei solchen Bauvorhaben

muss das Bundesinventar direkt

für das Einzelprojekt berücksichtigt

werden, was seine Wirksamkeit

vermindert.

Definition von Schutzzielen als

Aufgabe der Denkmalpflege

Die Schutzinteressen werden von der

Ortsbildpflege der kantonalen Denkmalpflege

in Form von Schutzzielen

erarbeitet. Der Stellenwert des betroffenen

ISOS-Gebietes (Baugruppe

oder Umgebungsschutz) für das


14

AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

Entwicklungsräume

Urbane Kerngebiete der

Agglomerationen:

als Entwicklungsmotoren stärken

Agglomerationsgürtel und

Entwicklungsachsen:

fokussiert verdichten

Zentrumsnahe ländliche Gebiete:

Siedlung konzentrieren

Hügel- und Berggebiete:

als Lebens- und Wirtschaftsraum

erhalten

Hochgebirgslandschaften:

schützen und sanft nutzen

Überlagernde Raumtypen

Intensiv touristisch genutzte

Gebiete: Infrastrukturen

konzentrieren

National bzw. kantonal geschützte

Gebiete beachten

Naturpärke und Weltnaturerbe

nachhaltig in Wert setzen

06

06 Richtplan 2030 Kanton Bern:

Ziele für Entwicklungsräume und

überlagernde Raumtypen.

Ortsbild wird in einem Fachbericht

festgehalten. Anhand einer Ortsanalyse

wird geprüft, ob die vom ISOS

umschriebenen Qualitäten und Erhaltungsziele

noch vorhanden und sinnvoll

sind. Aus diesen Überlegungen

heraus lassen sich detaillierte Schutzziele

definieren, die die generellen

ISOS-Erhaltungsziele konkretisieren.

Erst dann kann geprüft werden, wie

sich eine geplante Bebauung auf

die ISOS-Erhaltungsziele auswirkt. Ist

eine Beeinträchtigung des Ortsbildes

auszumachen, so werden die Massnahmen

bestimmt, mit denen diese

reduziert wird. Daraus kann die Forderung

eines qualifizierten Verfahrens

formuliert werden (Wettbewerb oder

wettbewerbsähnliche Verfahren). Im

Extremfall kann es bedeuten, dass

die Freihaltung der Ortsbildumgebung

angestrebt werden muss, was

konkret einem Bauverbot gleichkommt.

Es ist jedoch festzuhalten,

dass das ISOS mit den daraus erarbeiteten

Schutzzielen erst eine Grundlage

für die Interessensabwägung

darstellt. Sie ist nicht bereits das Resultat

der Interessensabwägung.

Zukünftige Berücksichtigung des

ISOS in der Ortsplanung

Das ISOS wurde bisher nur in wenigen

Gemeinden in den gültigen Ortsplanungen

berücksichtigt, da die Umsetzung

auf kommunaler Stufe bis

anhin nicht klar geregelt war. Planungen

in den Gemeinden Köniz, Langenthal

und Port zeigen jedoch beispielhaft

auf, wie der Einbezug des

ISOS gelöst werden kann (siehe Seite

15–17). Im Hinblick auf die Siedlungsentwicklung

nach innen kommt die

Forderung nach Berücksichtigung

der Bundesinventare zum richtigen

Zeitpunkt. Die Ortsplanungen werden

künftig eine wichtige Rolle spielen.

Denn die entscheidenden Weichen

bezüglich Ortsbildpflege und Siedlungsverdichtung

werden im Verlauf

von Ortsplanungen gestellt. Eine

sorgfältige Ortsplanung mit ganzheitlichem

Blick auf die künftige Siedlungsentwicklung

fordert Gemeinden

und Planer gleichermassen heraus.

Adrian Stäheli


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

15

Die Beispiele Köniz, Langenthal und Port

Drei verschiedene Ansätze für den Umgang mit der inneren Verdichtung

01

01 Gurtendorf, Gemeinde Köniz.

Drei aktuelle Planungsprojekte in

Köniz, Langenthal und Port zeigen

exemplarisch unterschiedliche Wege

auf, die spezifischen Problemstellungen

im Bereich der Raumplanung anzugehen.

Köniz bezeichnete im Rahmen

der Ortsplanungsrevision seine

Siedlungen von besonderer Schönheit.

In Langenthal entwickelte man

für die Kernzone im Altstadtbereich

konzentrierte Workshopverfahren und

in Port stand eine sorgfältige Quartieranalyse

im Zentrum.

Ortplanungsrevision Köniz

Die Gemeinde Köniz nimmt in der laufenden

Ortsplanungsrevision ihre Aufgabe

wahr, nebst den Baudenkmälern

auch die Siedlungen von besonderer

Schönheit, Eigenart, geschichtlichem

und kulturellem Wert zu bezeichnen

und die dem Schutzzweck dienenden

Bau- und Nutzungsbeschränkungen

zu erlassen.

Ein intaktes Ortsbild zeichnet sich

nicht nur durch seine räumliche Struktur

aus. Ein wesentlicher Bestandteil

eines qualitätsvollen Ortsbildes sind

auch die angrenzenden Frei- und

Aussenräume. Das ISOS unterscheidet

in seinen Erhaltungszielen deshalb

auch zwischen bebauten Gebieten

und zu erhaltenden Umgebungen.

In den Ortsplanungen soll der Fokus

der Schutzanliegen nicht nur auf das

Siedlungsgebiet, sondern auch auf

seine Umgebungen gelenkt werden.

Am Beispiel der Ortsplanung in Köniz

kann aufgezeigt werden, wie die Anliegen

des Ortsbildes planerisch umgesetzt

werden können.

Das Bundesinventar ISOS bezeichnet

in der Gemeinde Köniz vier Weiler als

Ortsbilder von nationaler Bedeutung,

nämlich Gurtendorf, Herzwil, Liebewil

und Mengestorf. Die in eine intakte

Landschaft eingebetteten Weiler sind

im kantonalen Bauinventar als Baugruppen

ausgeschieden. Entsprechend

wurde der grundeigentümerverbindliche

Ortsbildschutzperimeter

der Gemeinde über den Weiler mitsamt

den Nahumgebungen festgesetzt.

Für die vier Könizer Ortsbilder

ist die angrenzende, landwirtschaftlich

genutzte intakte Landschaft von

zentraler Bedeutung. Deshalb wurde

ausserhalb des Ortsbildschutzperimeters

ein Landschaftsschongebiet

ausgeschieden. Die Festsetzung des

Ortsbildschutzes in der Nutzungspla-


16

AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

02 03

02 Ortsplanungsrevision Köniz,

baurechtliche Grundordnung bGo,

Auszug Schutzplan, Stand Vorprüfung,

11. Februar 2015.

03 Gurtendorf, schützenswertes Ortsbild

von nationaler Bedeutung, Aufnahmeplan

ISOS.

04 Ortsplanungsrevision Port, Quartieranalyse

2014. BHP Raumplan AG, Bern.

05 Port, Luftansicht.

nung erfolgt also mit zwei grundeigentümerverbindlichen

Schutzkategorien

«Ortsbildschutzgebiete» und

«Landschaftsschongebiete». Die Ortsbildschutzgebiete

umfassen Siedlungen

und Siedlungsteile mit ihren

näheren Umgebungen, während die

Landschaftsschongebiete im Bereich

der Ortsbildschutzgebiete der grossräumigen

Erhaltung der wertvollen

Ortsansichten und dem qualitätsvollen

Umgang mit den wichtigen Landschaftsbildern

dienen. Bei den Landschaftsschongebieten

wurde zudem

unterschieden, ob generell ein Bauverbot

gilt, da eine hohe ästhetische

Empfindlichkeit besteht, welche

durch landwirtschaftliche Bauten und

Anlagen beeinträchtigt wird, oder ob

in einem Gebiet Bauten und Anlagen

mit grosser Sorgfalt in die Landschaft

integriert werden können.

Die Ortsplanungsrevision Köniz zeigt

exemplarisch auf, wie mit Ortsbildern

im ländlichen Kontext umgegangen

werden kann. Es ist denkbar, dass

dieses Vorgehen auch unabhängig

von der Einstufung des ISOS bei intakten

und wertvollen Siedlungsstrukturen

angewendet werden kann.

In städtischen Gebieten (bspw. verstädterte

Dörfer oder Städte von nationaler

Bedeutung) ist im Vergleich

zu den ländlichen Könizer Weilern

der Siedlungsdruck grösser und die

Siedlungsstruktur völlig anders – hier

müssen andere Lösungsansätze zum

Zuge kommen.

Langenthaler Modell zur Qualitätssicherung

im Ortskern

In Langenthal umfasst eine Kernzone

den Altstadtbereich, dessen nutzungsmässige

Vielfalt und bauliche

Eigenart erhalten und weiterentwickelt

werden sollen. Diese Kernzone

ist eine Zone mit Planungspflicht

(ZPP), das heisst, dass Neubauten

nur auf der Grundlage einer rechtskräftigen

Überbauungsordnung (UeO)

zulässig sind. Wenn Bauwillige ein

grösseres Projekt planen, empfiehlt

die Stadt ein Qualität sicherndes Verfahren.

Um innert nützlicher Frist zu

einem Vorgehen zu kommen, wurden

in den letzten beiden Jahren konzentrierte

Workshop-Verfahren durchgeführt,

die von einem Fachgremium unter

Beteiligung der Eigentümerschaft

begleitet werden. Dafür hat die Gemeinde

eine feste Projektorganisation

und ein standardisiertes Vorgehen


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

17

04 05

definiert. In einem dynamischen Prozess

über mehrere Workshop-Anlässe

sucht man in Varianten nach

einer ortsgerechten Lösung. Dieses

Verfahren ist ergebnisoffen. Denkbar

ist, dass im Anschluss an ein solches

Verfahren auf die Ausarbeitung einer

Überbauungsordnung verzichtet werden

kann. Das Verfahren kann aber

auch abgebrochen werden. Durch

dieses Vorgehen werden viele Planungsgeschäfte

durch eine Fachjury

begleitet und hinsichtlich Ortsbildverträglichkeit

auch geschärft. Mit diesem

Verfahren will die Stadt zu einer

fachlich fundierten Meinung kommen,

welche für die Grundeigentümerin

und den Investor verbindlich ist und

für die Bau- und Planungskommission

und den Gemeinderat als Beurteilungsgrundlage

dient. Dieses

standardisierte Verfahren ist ein interessantes

Vorgehen, mit welchem auf

die Ortsbildqualität besser eingegangen

werden kann. In anderen Gemeinden

wird die Qualitätssicherung

durch Kommissionen (bspw. Stadtbildkommission)

sichergestellt. Das

Langenthaler Verfahren bietet aufgrund

der Workshops einen direkteren

Kontakt mit den Planungsbüros.

Es gibt keine Standardlösung. Jede Gemeinde

hat ihre ganz spezifischen Qualitäten

und Entwicklungspotenziale.

Heinrich Hafner

Quartieranalyse Port

Die Gemeinde Port beauftragte im

Rahmen ihrer Ortsplanungsrevision

ein externes Planungsbüro mit einer

Quartieranalyse des eingezonten

Siedlungsgebiets. Dieses wurde in

Quartiere eingeteilt, welche anhand

von Bauvolumen, Freiraum, Erschliessung

etc. nach Siedlungstypen aufgeschlüsselt

wurden. Dies ermöglichte

es, Strategien festzulegen, welche

das zukünftige Entwicklungspotenzial

pro Quartier aufzeigten. Gleichzeitig

wurden spezifische Verdichtungsmassnahmen

definiert, um sicherzustellen,

dass die Qualitäten und der

Charakter der jeweiligen Quartiere erhalten

und entsprechend sorgfältig

weiter entwickelt werden können.

Adrian Stäheli, Eva Schäfer, Lukas Auf der Maur


18

AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

Ausblick:

Instrumente und Vorgehensstrategien

Die Abstimmung zwischen Siedlungsentwicklung und Ortsbildschutz erfordert neue

Instrumente, insbesondere zur Sicherung der Qualität.

Der Paradigmenwechsel, der in der

Raumplanung eingeleitet worden ist,

stellt bei der Umsetzung alle Beteiligten

vor neue Herausforderungen,

Raumplaner und Gemeinden ebenso

wie die kantonalen Fachstellen. Für

die innere Verdichtung gibt es keine

Standardlösungen, die Rahmenbedingungen

und Entwicklungsmöglichkeiten

in den Gemeinden sind enorm

vielfältig. Erprobte Instrumente wie

ISOS oder verschiedene Arbeitshilfen

zum Thema Verdichten stehen zur

Verfügung. Es zeigt sich jedoch, dass

weitere Instrumente und Strategien

für das gezielte Vorgehen notwendig

sind. Ein wichtiges Thema ist dabei

die Sicherung der Qualität.

Siedlungs- und Quartieranalysen

01

01 Ortsplanungsrevision Köniz, Raumentwicklungskonzept

REK, Konzept

Zentrum Köniz Liebefeld – das Dreieck,

20. April 2007. Atelier Wehrlin, Wünnewil.

02 Ortsplanungsrevision Köniz, Richtplan

Raumentwicklung Gesamtgemeinde

RP REGG, Konzept Teilgebiet Köniz/

Liebefeld, Konzept «Städtebau», Plan

«Städtebau», Stand Vorprüfung,

12. April 2012. Atelier Wehrlin, Wünnewil.

03 Ortsplanungsrevision Köniz, Richtplan

Raumentwicklung Gesamtgemeinde

RP REGG, Konzept Teilgebiet Köniz/

Liebefeld, Konzept «Städtebau», Plan

«Baustruktur», Stand Vorprüfung,

12. April 2012. Atelier Wehrlin, Wünnewil.

Das Wichtigste ist

eine seriöse Analyse.

Du musst verstehen,

wie der Ort

gewachsen ist, wie

er entstanden ist.

Daniel Moeri

Die äussere Erscheinung eines Ortes

definiert sich nicht allein durch seine

Einzelobjekte. Von ebensolcher Bedeutung

für den Siedlungscharakter

sind die Freiräume, die Raumstrukturen

und die Strassennetze. Will man

den Charakter der Stadt und des Ortes

bewahren, müssen die Strukturen

des Ortes erkannt werden. Die Planungsbeteiligten

befassten sich bis

heute mit Raumentwicklungskonzepten,

welche Überlegungen auf

übergeordneter Planungsebene im

grossen Massstab erlaubten (Mstb.

1:10‘000 oder grösser). Um die örtlichen

Qualitäten zu erfassen und eine

qualitativ hochstehende Siedlungsergänzung

im Rahmen der vorhandenen

Strukturen zu ermöglichen, sind

jedoch Quartier- und Raumanalysen

im kleineren Massstab (Mstb. 1:1'000

oder kleiner) notwendig. Ortsbauliche

Analysen sowie Bebauungskonzepte

auf Quartierebene sind unverzichtbare

Grundlagen, um alle Anliegen

des Orts- und Landschaftsschutzes

sowie der Siedlungsverdichtung unter

einen Hut zu bringen.


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

19

02 03

Um diese Siedlungsstrukturen unter

Wahrung ihres Charakters weiterzuentwickeln,

sind Strategien notwendig.

Vittorio Magnago Lampugnani,

Professor für Geschichte des Städtebaus

an der ETH Zürich, spricht treffend

von einer «Veränderungsstrategie»,

welche der Raumplaner neben

der «Erhaltungsstrategie» der klassischen

Denkmalpflege benötigt. Diese

Strategien legen bspw. fest, welche

vorhandenen Siedlungsstrukturen gestärkt

werden sollen, welche Gebiete

sich für eine Neubebauung oder eine

Weiterentwicklung eignen, welche zu

bewahren oder im Bestand zu erneuern

sind, wo Freiflächen ausgeschieden

oder aufgewertet werden können.

Ein echter Nutzen entsteht aber

nur, wenn die Verdichtungsstrategie

als Teil einer Gesamtbetrachtung in

die Nutzungsplanung integriert wird

und damit einen grundeigentümerverbindlichen

Niederschlag findet.

Austausch und Zusammenarbeit

Die Denkmalpflege muss als Fachstelle

vermehrt in Jurys oder bei anderen qualitätssichernden

Verfahren Einfluss nehmen.

Sie muss präsent sein.

Heinrich Hafner

Bei der Umsetzung des Raumplanungsgesetzes

sind vor allem die Gemeinden

in der Pflicht. Planungsbüros

nehmen eine wichtige Schnittstelle

ein und müssen in einem Raumplanungskonzept

als Koordinatorinnen

alle Bedürfnisse berücksichtigen,

wenn eine echte Interessensabwägung

garantiert sein soll.

In der momentanen Praxis wird die

Ortsbildpflege nicht selten erst zum

Zeitpunkt der Baubewilligung in Planungsprojekte

miteinbezogen. Im

Normalfall kommt es zu diesem Zeitpunkt

kaum mehr zu einer echten Interessenabwägung,

da bereits baureife

Projekte vorliegen. Eine vertiefte

Betrachtung bezüglich der Qualität ist

dann nicht mehr möglich. Ein frühzeitiger

Kontakt der Gemeinden mit den

zuständigen kantonalen Fachstellen

und ein Abgleich mit den übergeordneten

Vorgaben begünstigt effiziente

Vorgänge.

Idealerweise fliessen die Rückmeldungen

der Ortsbildpflege bereits in


20

AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

04 05

Durch den gesetzlichen Auftrag zur inneren

Verdichtung muss eine neue Form der

Zusammenarbeit zwischen Raumplanung

und Denkmalpflege gefunden werden.

Heinrich Hafner

04 Gerzensee, Arealentwicklung ZPP Belpbergstrasse.

Das Areal an der Belpbergstrasse

liegt in einer Baugruppe und ist

umgeben von schützenswerten Bauten.

05 Für die Weiterentwicklung des Areals

wurde ein Workshop-Verfahren eingeleitet,

an dem Mitglieder der Einwohnergemeinde,

eine Expertengruppe und

ein Architektenteam beteiligt waren.

Projektplan 2016. GHZ Architekten AG,

Belp.

06 Bärenplatz Langnau: Bis 1960 prägte

das Hotel Löwen den Platz, später stand

hier die Migros, heute dient das Areal

vorübergehend als Parkplatz. Die Überbauung

der Parzelle ist geplant, ein

qualitätssicherndes Verfahren läuft.

die Siedlungsanalyse ein, so dass in

einer frühen Phase eine ernsthafte

Interessensabwägung zwischen Verdichtungsbestrebung

und Ortsbildschutz

vorgenommen wird. Ein institutionalisierter

Austausch zwischen

Raumplanern, Gemeinde und Ortsbildpflege

ist dafür grundlegend.

Qualitätssicherung

Qualitative Hochwertigkeit ist für Planungsfachleute

im Zusammenhang

mit Verdichtung selbstverständlich.

Im revidierten Raumplanungsgesetz

fehlen Aussagen bezüglich Qualität

aber weitgehend, das Thema ist kaum

in die Revision eingeflossen. Daraus

resultiert, dass im Moment Instrumente

auf übergeordneter Planungsebene

fehlen, die u.a. eine Abstimmung

mit dem Ortsbildschutz

verbindlich regeln und damit garantieren,

dass sich Siedlungen unter Erhaltung

ihres Charakters und ihrer

Qualitäten weiterentwickeln können.

Einheitliche Parameter, nach denen

die Qualitätssicherung erfolgt, und

verbindliche Bedingungen können die

qualitätsvolle Umsetzung sichern.

Aus ortsbildpflegerischer Sicht wären

konkrete Schritte in diese Richtung

wünschenswert.

Gute Voraussetzungen für eine hohe

Qualität der Architektur und der Siedlungsentwicklung

schaffen qualifizierte

Verfahren wie Testplanungen,

Wettbewerbe, Machbarkeitsstudien,

Studienaufträge oder begleitete Verfahren.

Sie ermöglichen bereits zu

Beginn einer Planung die Abstimmung

der verschiedenen Interessen.

Hilfestellung bei der Qualitätssicherung

leisten ausserdem heute schon

Fachgremien in den Gemeinden,

Ortsbildkommissionen und fachliche

Beraterinnen und Berater aus allen

Disziplinen (Architektur, Städtebau,

Denkmalpflege und Raumplanung).

Partizipative Verfahren

Projekte der Siedlungsentwicklung

nach innen können in der Bevölkerung

auch auf Widerstand stossen.

Partizipative Verfahren und eine of-


AKTUELL: VERDICHTUNG | ACTUEL: DENSIFICATION

21

06

Letztlich braucht es Anreize. Wenn eine

Gemeinde bereit ist, auf qualitätsvolle Prozesse,

die zu einem guten Ziel führen, einzugehen,

muss sie dafür belohnt werden.

Daniel Moeri

Zwei beliebige Beispiele aus der aktuellen

Diskussion rund um das

Thema Verdichtung belegen, dass

grundlegende Überlegungen notwendig

sind: Erstens zeigen verschiedene

Studien auf, dass die grösste Dichte

nicht mit Hochhäusern, sondern mit

einer fünfgeschossigen Bauweise erreicht

wird, denn höhere Häuser beanspruchen

mehr Freiraum in der Fläche.

Für die Verdichtung sind wir also

nicht auf Hochhäuser angewiesen.

Trotzdem wird das Hochhaus oft als

ideales Verdichtungsinstrument genannt.

Zweitens sind Quartiere des

20. Jahrhunderts oft fünfgeschossig

und damit dicht. Viele dieser Quartiere

gelten heute als ineffizient und

werden ersetzt. Oft wohnen jedoch

danach weniger Menschen auf der

gleichen Fläche, da der Platzbedarf

pro Kopf massiv gestiegen ist. Faktisch

wird also «entdichtet statt verdichtet».

Eine Begriffsklärung wäre

hilfreich: Was wird eigentlich unter

«dichtem» Bauen verstanden – und

was gilt?

fene Kommunikation erleichtern die

Akzeptanz eines neuen Projekts. Der

Einbezug aller Akteure ist wichtig,

erzeugt eine breite Abstützung und

bildet die Basis für gegenseitiges Vertrauen.

Ziel der Mitwirkungsverfahren

ist es, die Entscheidungsfindungsprozesse

und die Diskussion umstrittener

Themen zu unterstützen.

«Über den Rand hinausschauen»

Handlungsbedarf besteht nicht nur

in den Kerngebieten. Die Siedlungsentwicklung

findet auch in weniger

sensiblen Ortsteilen statt. Diese Gebiete

sind häufig nicht im ISOS oder

in Ortsbildschutzperimetern erfasst

oder weisen keine Bauten auf, die im

kantonalen Inventar aufgeführt sind.

Sie betreffen das Kerngeschäft der

Denkmalpflege nur indirekt, und ihre

Wirkung auf die sensiblen Ortsbilder

oder die Baudenkmäler ist oft von geringer

Tragweite. Trotzdem sind auch

hier räumliche Qualitäten vorhanden,

welche es zu erkennen, zu erhalten

und weiterzuentwickeln gilt, und die

für die zukünftigen Planungen wesentlich

sind. Diesen Strukturen ist

ebenso Sorge zu tragen, denn sie bilden

den Rahmen und sind für die Einbettung

der ausgezeichneten Ortsbilder

verantwortlich. Die Denkmalpflege

steht als Diskussionspartnerin und

Beraterin zur Verfügung.

Was ist dicht?

Tatiana Lori, Lukas Auf der Maur


22

AKTUELL | ACTUEL

Denkmalpflege ist Teamarbeit

Die Bauberatung und die wissenschaftliche Erforschung des Baubestandes benötigen

einander gegenseitig. Dazwischen steht die historische Bauanalyse als Bindeglied.

01

01 Das Pfarrhaus Oberbipp von Südwesten.

Der Bau geht in vorreformatorische Zeit

zurück und wurde mehrmals stark

umgebaut. Seine heutige Erscheinung

erhielt das Haus 1786–1788.

02 Längsschnitt durch das Pfarrhaus

Oberbipp Mstb. 1:250, Baualtersplan

des Dachstuhls. Rot = 1629/30,

Blau = 1786–1788, Oliv = um 1930.

Der Eingriff im Bereich des westlichen

Dachwalms ist gut ablesbar.

03 Längsschnitt durch das Pfarrhaus

Oberbipp Mstb. 1:250. Rekonstruktion

der ursprünglichen Dachform mit zwei

Freibindern und einem Gerschild. Die

schräg verlaufende, unterbrochene Linie

entspricht dem heutigen Dachabschluss

auf der Westseite.

Unter dem Begriff Denkmalpflege verstehen

Kunden zumeist den Einsatz

unserer Fachstelle zugunsten der historischen

Baudenkmäler bei baulichen

Veränderungen. Dieser Bereich

der denkmalpflegerischen Tätigkeit –

wir nennen ihn im Kanton Bern Bauberatung

– wird in der Öffentlichkeit

am stärksten wahrgenommen. In der

Idealvorstellung von Bauherrschaft

und Planenden beurteilt eine effiziente

Bauberaterin oder ein effizienter

Bauberater den Sachverhalt vor Ort

und zeigt sogleich Lösungsmöglichkeiten

auf, die sich aus Sicht der

Denkmalpflege anbieten. Dieses Vorgehen

trifft tatsächlich in vielen Fällen

zu. Aber nicht immer geht es so

schlank: Bauberatung ist mitunter

eine komplexe Aufgabe. Ist der Baubestand

eines Hauses ausgesprochen

vielschichtig und unübersichtlich,

sind die wichtigen Bereiche gar

verborgen, beispielsweise durch

mehrfache Umbauten, dann ist die

Bauberaterin oder der Bauberater

trotz fundierten architekturgeschichtlichen

und bauhandwerklichen Kenntnissen

nicht in der Lage, quasi aus

dem Stegreif Entscheide zu fällen, die

fachlich einer kritischen Überprüfung

standhalten. In solchen Fällen bedarf

es zusätzlicher Abklärungen, in erster

Linie historischer Bauanalysen

vor Ort und Recherchen in Archiven.

Diese leisten in der Regel nicht die

Bauberatenden selbst, sondern die

Kolleginnen und Kollegen aus dem

Fachbereich Baudokumentation und

Archiv. In jüngster Zeit wurden diese

Dienstleistungen ausgebaut, weil sie

für die Bauberatung immer wichtiger

werden: Nutzniesser sind letztlich die

Eigentümer und Planenden selbst, die

auch in komplexeren Fällen dank der

Einblicke in die Geschichte eines

Gebäudes früher und zielgerichteter

beraten werden können. Eine fachlich

Dank Einblicken

in die Geschichte

eines Gebäudes

werden Eigentümer

und Planende zielgerichteter

beraten.


AKTUELL | ACTUEL

23

02 03

fundierte Baudokumentation kommt

zusätzlich den Inventarwerken zugute:

Das Sammeln, Erforschen und

Publizieren von bauhistorischen Erkenntnissen

gehört schliesslich zum

Grundauftrag der Denkmalpflege.

Das Baudokumentations-Team besteht

aus wissenschaftlichen Fachpersonen

für Bauanalyse, Archiv- und

Quellenforschung, einem Zeichner für

Bauaufnahmen sowie aus einem Fotografen.

Daraus wird ersichtlich,

dass die Denkmalpflege zunehmend

zur Teamarbeit wird. Der Nutzen der

Baudokumentation für die Bauberatung

und das Inventarwerk sowie die

Zusammenarbeit soll an einem konkreten

Beispiel, nämlich der Dachsanierung

des Pfarrhauses Oberbipp,

exemplarisch beleuchtet werden.

Pfarrhaus Oberbipp: Recherchen

während der Innensanierung 2006

Oberbipp reicht bis in römische Zeiten

zurück und ist ein früher Kirchenstandort.

Die heutige Saalkirche

entstand 1686 durch Werkmeister

Abraham I Dünz. Sie ist das vierte

Gotteshaus an derselben Stelle und

Bestandteil des eindrücklichen kirchlichen

Ensembles innerhalb des

Das Sammeln, Erforschen und Publizieren

von bauhistorischen Erkenntnissen gehört

zum Grundauftrag der Denkmalpflege.

räumlich intakten Ortskerns. Das

Ortsbild von Oberbipp ist im Inventar

der schützenswerten Ortsbilder der

Schweiz als von nationaler Bedeutung

eingestuft. Das Pfarrhaus mit

angebauter Pfrundscheune erscheint

als barocker Putzbau, geht im Kern

jedoch in die vorreformatorische Zeit

zurück.

Im Jahr 2006 erwarb die reformierte

Kirchgemeinde Oberbipp das Pfarrhaus

aus dem Staatsbesitz. Der prekäre

Bauzustand zwang zu einer

umfassenden Innensanierung. Als

Planungsgrundlage und Entscheidungshilfe

für einen schonungsvollen

Umgang mit dem Gebäude wurden

exakte Aufnahmepläne und eine Untersuchung

des historischen Baubestandes

extern in Auftrag gegeben.

Gleichzeitig recherchierte der Autor

des Kunstdenkmälerbandes Amt

Wangen in den Archiven nach grösseren

und kleineren Umbau- und Renovierungsmassnahmen

aus längst vergangenen

Zeiten. Solche Aufzeichnungen

sind für obrigkeitliche Bauwerke

häufig zu finden und zuweilen

bemerkenswert detailliert verfasst, so

dass man auch die geleistete Arbeit,

deren Preis und die Namen der ausführenden

Handwerksmeister erfährt.

Zusammen mit den Befunden am Objekt

konnte die Baugeschichte des

Oberbipper Pfarrhauses recht genau

nachgezeichnet werden; sie reicht bis

ins ausgehende Mittelalter zurück

und ist entsprechend komplex.

So liess sich der imposante liegende

Dachstuhl dem grossen Pfarrhausumbau

von 1629/30 zuordnen, ohne

dass man eine Holzdatierung in Auftrag

geben musste. Auffällig am klar

konzipierten und gut gezimmerten

Dachwerk sind die ungewöhnlichen

Schmuckformen. Es handelt sich dabei

um Verzierungen an den Bindern,

einfache rote Ornamente. Leicht zu


24 AKTUELL | ACTUEL

04 05

04 Dachstuhl des Pfarrhauses Oberbipp:

Die sägeblattartig in die Streben und

Spanriegel eingepassten Büge sind

typische Merkmale für die Zeit um 1630

und zeugen von guter Zimmermannsarbeit.

05 Von weit geringerer Qualität sind hingegen

die Reparaturen und Umänderungen

am Dachstuhl, die 1786–1788

vorgenommen wurden. Die Abbildung

zeigt den Bereich in der Hausmitte,

wo früher ein Kaminzug die Dachdeckung

durchstiess.

06 Drei Beispiele für die im Inneren eines

Dachraums ungewöhnliche Dekoration

an den Konstruktionshölzern des Dachstuhls

mit gefasten Streben, Bügen und

Spannriegeln der Binder sowie unterschiedlichen

geometrischen Ornamenten

in roter Farbe.

erkennen waren zudem mehrere spätere

Eingriffe im Dachstuhl. Zwei

davon fielen durch ihre rudimentäre,

um nicht zu sagen unprofessionelle

Machart auf. Der eine liegt im Bereich

der westlichen Giebelwand, der andere

ungefähr in der Hausmitte. Weil

bei der Innensanierung die Aussenhülle

unangetastet blieb, verschob

man die Dokumentation der ungewöhnlichen

Ornamentik auf den Zeitpunkt

einer künftigen Fassaden- und

Dachsanierung.

Dachsanierung 2015 bringt neue

Erkenntnisse

Die Dachsanierung plante die Kirchgemeinde

sieben Jahre später, also

2015: Rasch zeigte sich, dass das

Dachwerk im Bereich der erwähnten

Eingriffe, insbesondere am westlichen

Dachschild, instand gesetzt werden

musste. Für die Bauberatung stellte

sich nun die Frage, was denkmalpflegerisch

korrekt ist, die Sanierung der

konstruktiv und handwerklich mangelhaften

Umänderung oder die Rekonstruktion

des ursprünglichen Zustands,

falls dieser einwandfrei

festzustellen ist. Mit der Analyse des

Dachstuhls vor Ort konnte tatsächlich

die ursprüngliche Dachform geklärt

werden. Dabei mussten auch kleinste

Hinweise beachtet und interpretiert

werden. Hilfreich waren die sogenannten

Abbundzeichen, ein Markierungssystem

der Zimmerleute, um die

Mit der Analyse

des Dachstuhls

vor Ort konnte

die ursprüngliche

Dachform geklärt

werden.

Zusammengehörigkeit der vorgefertigten

Konstruktionshölzer zu kennzeichnen.

Schliesslich liess sich

nachweisen, dass der Dachstuhl ursprünglich

mit zwei Bindern versehen

war, die ausserhalb der westlichen

Giebelmauer lagen und dadurch einen

mächtigen Dachvorschärm bildeten.

Darüber befand sich ein Gerschild.

Das Pfarrhaus Oberbipp hatte

folglich seit dem prägenden Umbau

von 1629/30 ein Aussehen wie viele

andere steinerne Häuser aus dem 17.

Jahrhundert im bernischen Gebiet,

unter ihnen zahlreiche Pfarrhäuser.

Grund für den formverändernden Eingriff

am Dach waren Feuchteschäden,

die bei der exponierten Westausrichtung

der Giebelseite nicht

weiter erstaunen. Man entfernte in der

Folge die beiden Binder ausserhalb

der Giebelmauer, trug letztere um

Mannshöhe ab und kappte den ersten

regulären Binder innerhalb des Dachraums.

Anstelle des Gerschilds wurde


AKTUELL | ACTUEL

25

06

DEKORATION IM DACHSTUHL

Die ungewöhnliche Dekoration im

Dachstuhl konzentriert sich auf die

liegenden Binder und umfasst Fasen

an den Streben, an den Bügen sowie

an den Spannriegeln, und zwar

immer an den zum Dachraum hin

gerichteten Kanten der Hölzer. An

den Bügen sind die Fasen mit ihren

Abwürfen unterschiedlich ausformuliert,

jedoch pro Binder identisch.

Die meisten dieser Fasen tragen

geometrisierende Ornamente in roter

Farbe. Dabei handelt es sich um

eine kaum wahrnehmbar dünne, aber

deckende Schicht, die vermutlich

ins Holz eingedrungen ist und sich

im Farbton nicht von den Vorzeichnungen

mit Rötelstift unterscheidet.

Die Ornamente bestehen aus gefüllten

oder bloss als Umriss dargestellten

Dreiecken, rot bemalten

Abwürfen, aufgemalten Rautenfriesen

etc. Gehäuft tauchen diese

rotfarbenen Motive an den Bügen

auf, finden sich aber auch entlang

der Streben. An zwei Stellen sind

auch Teile der flächigen Unterseiten

bemalt, einmal an einer Strebe

(gegenläufiges Rautenmotiv) und

ein weiteres Mal an einem Bug; dort

wurde mit dem Zirkel eine einfache

Blume vorgerissen und ausgemalt.

Dekorationen dieser Art sind aus

Dachräumen kaum bekannt, hingegen

beobachtet man sie an hölzernen

Speichern im Mittelland.

ein wesentlich grösserer Walm gebaut,

der deutlich weiter ins Hausinnere

ragt. Auch die Umänderung

des Dachstuhls in der Hausmitte ist

auf einen gravierenden Fäulnisschaden

zurückzuführen. Hier durchstiess

ein (zwischenzeitlich verschwundener)

Kaminzug die Ziegeldeckung.

Weil der Unterhalt im 18. Jahrhundert

sträflich vernachlässig wurde, drang

Wasser in grossen Mengen in die

Konstruktion ein. Die daraufhin erfolgte

Reparatur war ebenfalls dürftig,

hatte jedoch keine Auswirkung auf die

äussere Erscheinung des Hauses.

Fazit: keine Rückführung zur ursprünglichen

Dachform

Als gemeinsames Ergebnis von Bauanalyse

und Archivforschung konnte

die Dachumänderung der Pfarrhaussanierung

von 1786–1788 zugeordnet

werden. Damals liess man das schadhafte

Gebäude reparieren und innen

mit Böden, Wand- und Deckentäfer,

Türen etc. weitgehend neu ausstatten.

Zu dieser Aktualisierung gehört

auch die veränderte Befensterung.

Anstelle von unregelmässigen spätgotischen

Fensteröffnungen traten

nun auf der Südseite regelmässig auf

Achsen aufgereihte Einzelfenster. Die

Neufassadierung und der veränderte

Dachabschluss sind demnach Teil

desselben Bauvorhabens, gehören

also zusammen und prägen das Bild

des Oberbipper Pfarrhauses.

Nach den wissenschaftlichen Recherchen

kam wiederum die Bauberatung

ins Spiel, die ihre Frage beantwortet

fand: Eine Rückführung zur

ursprünglichen Dachform kam aus

denkmalpflegerischer Sicht nicht in

Frage. Dank der Bauanalyse wurde

jedoch eine zeichnerische Rekonstruktion

möglich, die nun – zusammen

mit dem Jahr der Umgestaltung und

dem Namen des obrigkeitlichen

Werkmeisters Ludwig Emanuel Zehender

– unter dem Pfarrhaus Oberbipp

Eingang im Kunstdenkmälerband

des Amts Wangen finden wird.

Hans Peter Würsten

Oberbipp, Herrengasse 1

Massnahmen: Innensanierung, 2006;

Dachsanierung, 2015

Bauherrschaft: Evangelisch-reformierte

Kirchgemeinde Oberbipp

Bauforschung: Urs Bertschinger, Biel (Aufnahmepläne

und Bauanalyse im Innern 2006)

Denkmalpflege: Eva Schäfer, KDP (Bauberatung

2015), Hans Peter Würsten (Bauberatung

2006, Bauanalyse Dachstuhl 2015),

Richard Buser (Autor Die Kunstdenkmäler des

Kantons Bern, Band Wangen)


26 AKTUELL | ACTUEL

Die Überarbeitung

des Bauinventars

Im Auftrag des Grossen Rates plant die

Erziehungsdirektion, das Bauinventar

zu überarbeiten und dabei die Zahl

der als schützens- und erhaltenswert

eingestuften Gebäude im Kanton Bern

zu reduzieren.

Das Bauinventar des Kantons Bern ist

in der Kulturpflegestrategie ein zentrales

Element für die Priorisierung der

denkmalpflegerischen Tätigkeit des

Kantons. Das Inventar umfasst ohne

die Stadt Bern aktuell rund 39'000

schützens- und erhaltenswerte Objekte,

was knapp zehn Prozent des

gesamten Baubestandes im Kanton

entspricht. Die bereits laufende Revision

des Inventars durch die Denkmalpflege

erfolgte ohne vorgängig

festgelegte Obergrenze, verfolgte

aber schon das Ziel der Bereinigung

und Priorisierung. In der Januarsession

2015 hat der Grosse Rat die

Kulturpflegestrategie zur Kenntnis genommen

und dazu verschiedene

Planungserklärungen verabschiedet.

Eine davon beauftragt die Denkmalpflege,

innerhalb von fünf Jahren den

Status der im Bauinventar aufgeführten

schützens- und erhaltenswerten

Objekten sowie die Baugruppen zu

überprüfen. In der Januarsession

2016 hat der Grosse Rat über die Revision

des Baugesetzes beraten. In

der ersten Lesung beschloss der Rat,

dass im Bauinventar höchstens sieben

Prozent des gesamten Gebäudebestandes

enthalten sein sollen.

Etappenweise Überarbeitung

Um den Auftrag des Grossen Rates

zu erfüllen, wird die kantonale Denkmalpflege

das Bauinventar in den

kommenden Jahren etappenweise

überarbeiten. In einem ersten Schritt

werden 2016 die Baugruppen überprüft

und reduziert. In einem zweiten

Schritt werden in den Jahren

2017–2020 die erhaltenswerten Objekte

bearbeitet und in der letzten

Phase folgt die Überprüfung der

schützenswerten Objekte.

Die Objekte werden im kantonalen

Quervergleich nach gleichartigen

Baugattungen, Regionen und Baujahren

beurteilt. Die Reduktion des Bauinventars

erfolgt nicht linear über alle

Kategorien. Die Reduktion ist davon

abhängig, wie häufig vergleichbare

Objekte, bspw. Bauernhäuser, Wohnund

Schulhäuser oder Industriebauten,

vorhanden sind. Aufgrund ihrer

grossen Anzahl ergibt sich bei Bauern-

und Wohnhäusern eine mögliche

Reduktion am ehesten. Insgesamt erfolgen

die Kürzungen vor allem in der

Kategorie «erhaltenswert». Bei der

Kategorie «schützenswert» hingegen

ist der Spielraum klein.


AKTUELL | ACTUEL

27

Révision du recensement

architectural

Sur mandat du Grand Conseil, la Direction

de l’instruction publique envisage

de réviser le recensement architectural

et de réduire le nombre de bâtiments

dignes de protection ou de conservation

dans le canton de Berne.

La Stratégie de protection du patrimoine

fait de ce recensement un élément

clé pour hiérarchiser les activités

cantonales de sauvegarde du

patrimoine. Actuellement, près de

39 000 objets dignes de protection ou

de conservation sont inscrits dans le

recensement architectural du canton

de Berne, hors ville de Berne, ce qui

représente un peu moins de 10% du

parc immobilier du canton. La révision

du recensement par le Service

des monuments historiques est déjà

en cours. Elle ne s’effectue pas en

fonction d’une limite maximale préalablement

fixée, mais vise aussi un

objectif de mise à jour et de hiérarchisation.

Le Grand Conseil a pris connaissance

de ce texte lors de sa session

de janvier 2015, en adoptant

plusieurs déclarations de planification.

L’une d’elles charge le Service

des monuments historiques de réexaminer,

dans les cinq prochaines années,

la liste des objets figurant à

l’inventaire du canton de Berne dans

les catégories « digne de protection »

et « digne de conservation » et les

groupes de bâtiments. En cours de la

session de janvier 2016 le Grand

Conseil a délibéré la révision de la

législation sur les constructions. A

l’occasion de la première lecture, le

Grand Conseil a inscrit cette part

dans la loi sur les constructions en la

relevant à 7%.

Révision échelonnée

Le Service cantonal des monuments

historiques va s’atteler à la révision du

recensement architectural. En 2015, le

Service des monuments historiques

va réduire le nombre des groupes

de bâtiments. De 2017 à 2020, il

s’attaquera aux objets dignes de conservation,

puis il finira par les objets

dignes de protection.

Des objets de mêmes type, région et

année de construction seront comparés

dans tout le canton. Le nombre

d’objets qui seront sortis du recensement

variera selon les catégories, il

dépendra du nombre d’objets comparables,

comme les fermes, les maisons

d’habitation, les écoles ou les

bâtiments industriels. En raison du

grand nombre, la réduction potentielle

est particulièrement élevée parmi

les fermes et les maisons d’habitation

et surtout dans la catégorie « dignes

de conservation ». Cependant dans la

catégorie « digne de protection » la

marge de manœuvre est faible.


28 IM GESPRÄCH | DIALOGUE

Gleichgewicht zwischen Schutz und Nutzung

Heinrich Hafner, Tatiana Lori, Adrian Stäheli

ZU DEN PERSONEN

Heinrich Hafner (HH), lic. phil.-nat.

dipl. Geograph, Raumplaner SIA/

FSU ist Partner und Mitglied der

Geschäftsleitung in den beiden privaten

Raumplanungsbüros BHP

Raumplan AG in Bern sowie Archam

et Partenaires SA in Fribourg. Er

beschäftigt sich beruflich seit 25

Jahren mit der Frage, wie die Ortsbildpflege

wirkungsvoll in die raumplanerischen

Tätigkeiten integriert

werden kann. Seine Arbeitsschwerpunkte

liegen unter anderem in der

Areal-, Quartier-, Orts-, Agglomerations-

und Regionalplanung. Mit dem

neuen Raumplanungsgesetz und

der damit verbundenen Siedlungsentwicklung

nach innen stehen diese

Bereiche vor grossen orts- und

städtebaulichen Herausforderungen.

Tatiana Lori (TL), dipl. Architektin

ETH/SIA, MAS ARCH ETH in Denkmalpflege

ist seit 2014 Leiterin der

Fachbereiche Bau- und Ortsbildpflege

der Denkmalpflege des Kantons

Bern. Davor war sie im Amt

für Städtebau der Stadt Zürich als

Denkmalpflegerin tätig.

Adrian Stäheli (AS), dipl. ing.

Raumplaner FH gehört seit 2012

zum Team der Ortsbildpflege der

kantonalen Denkmalpflege.

Seine Schwerpunktregion ist das

Berner Mittelland. Zuvor war er

als Raum- und Verkehrsplaner in

der Gemeinde Köniz tätig.

TL Die Änderung des Raumplanungsgesetzes

fordert die Siedlungsentwicklung

nach innen und

seit dem Bundesgerichtsentscheid

von Rüti 2009, der besagt, dass

man das ISOS innerhalb der Ortsbildplanung

berücksichtigen muss,

hat sich unser Bearbeitungsumfang

in Planungsfragen erhöht. Die Projekte,

die von uns beurteilt werden,

sind hingegen oft schon sehr ausgereift.

Die Auseinandersetzung mit

den örtlichen Gegebenheiten und

die Umsetzung des ISOS werden

vernachlässigt, da diese meist nicht

der Sicht der Bauherrschaft entsprechen.

Unsere Anliegen werden

als Zwängerei empfunden, was die

Zusammenarbeit erschwert. Ein

frühzeitiger Einbezug der Ortsbildpflege

auf Stufe Raumplanung wäre

sinnvoll.

HH Es ist unbestritten, dass unser

gebautes Kulturgut in der Raumplanung

eine wichtige Rolle spielt.

Vom Wert der Denkmalpflege muss

man die Planerinnen und Planer

nicht überzeugen. Die Frage ist vielmehr,

wie die beiden Disziplinen

gemeinsam in einen Dialog treten

können. Der Einstieg in die Planungsprozesse

läuft nach bestimmten

Mustern ab. Das ISOS und die Bauinventare

der Gemeinden sind zwei

Inventare unter vielen, die in die

Ortsplanung integriert werden müssen,

ohne dass diese in der Regel

speziell reflektiert werden. Mit dem

gesetzlichen Auftrag zur inneren

Verdichtung muss eine neue Form

der Zusammenarbeit zwischen

Raumplanung und Denkmalpflege

gefunden werden. Wir stehen in der

Raumplanung vor einem anforderungsreichen

Entwicklungsprozess

01

und müssen uns überlegen, welche

Instrumente nötig sein werden und

wie die Zusammenarbeit gelebt

werden soll. Erst dann zusammen zu

diskutieren, wenn Probleme auftauchen,

wird in Zukunft nicht mehr

genügen. Die Denkmalpflege muss

präsenter sein. Die grosse Herausforderung

besteht darin, bei der

Siedlungsentwicklung nach innen

die angestrebte Verdichtung zu ermöglichen,

ohne dass die vorhandenen

Qualitäten verloren gehen.

Dies betrifft nicht nur die geschützten

oder sensiblen Bauten und Baugruppen,

sondern unseren gesamten

Baubestand.

TL Mit dem Instrument der Baugruppen,

aus denen die Gemeinden

Ortsbildschutzperimeter ausscheiden

können, wird für eine intakte,

dem Schutzobjekt gerecht werdende

Umgebung gesorgt. Der zu betrachtende

Raum erstreckt sich aber

oft weit über den sogenannten roten

Rand, der eine Baugruppe definiert.


IM GESPRÄCH | DIALOGUE

29

Diese Betrachtung über die Perimetergrenzen

hinaus ist anzustreben.

HH Es ist eine zentrale Frage, wo

die Denkmalpflege in Zukunft ihre

Handlungs-Schwerpunkte setzt. Bei

ausreichender Kapazität sollte die

Betrachtung tatsächlich über den

Perimeterrand hinausgehen. Das

Problem liegt vor allem in den Graubereichen,

in welchen ein verhältnismässig

grosser Interpretationsund

Ermessensspielraum besteht.

Was passiert bspw. bei Verdichtungsprojekten

in der Umgebung

von erhaltenswerten Bauten? Wie

überzeugend muss ein Projekt sein,

damit ein erhaltenswertes Gebäude

abgebrochen werden kann? Wenn

wir um einen historischen Stadtkern

herum verdichten, beeinflusst dies

das Ortsbild, auch wenn der Eingriff

ausserhalb des Ortsbildschutzperimeters

erfolgt. Es handelt sich

hier um Fragen, die das Kerngeschäft

der Denkmalpflege nur indirekt

betreffen, bei denen wir aber

in Zukunft darauf angewiesen sind,

einen kompetenten Diskussionspartner

zu haben. Die Denkmalpflege

muss als Fachstelle vermehrt in

Jurys oder bei anderen qualitätssichernden

Verfahren Einfluss nehmen

und sich von Beginn an einbringen.

Verdichtung darf nicht ohne Qualität

passieren. Dazu muss die Denkmalpflege

einen wichtigen Beitrag

leisten.

AS Die Planungsbüros sind eine

wichtige Schnittstelle zwischen der

Denkmalpflege und den Gemeinden.

Sie sind meist als erste vor Ort

und merken rasch, wenn Bereiche

tangiert sind, die für das Ortsbild

relevant sind. Richtigerweise müssten

sie die Gemeinde darauf hinweisen,

die Denkmalpflege beizuziehen,

um das Projekt aus der Sicht

des Ortsbildschutzes richtig aufzugleisen.

Der Austausch zwischen

Planungsbüros und Denkmalpflege

ist zentral.

TL Man muss die Gemeinden vermehrt

für das Thema sensibilisieren.

Gemeinden, die nicht über entsprechende

Fachleute verfügen, werden

mit der Siedlungsentwicklung nach

innen an ihre Grenzen stossen.

Sie sollen angeregt werden, rechtzeitig

über ihre zukünftige Entwick-

01 Heinrich Hafner.

02 Adrian Stäheli, Heinrich Hafner und

Tatiana Lori im Gespräch.

02


30 IM GESPRÄCH | DIALOGUE

lung und Positionierung sowie die

spezifische Identität der Gemeinde

nachzudenken.

HH Bei grösseren Gemeinden mit

professionellen Fachpersonen in der

Verwaltung, engagierten Gemeinderäten

und einer gefestigten Entwicklungskultur

ist das Bewusstsein

für diese Fragestellung schon lange

vorhanden. Bei kleineren Gemeinden

kommt es stark darauf an, wie der

beauftragte Ortsplaner im Verlauf

des Planungsprozesses die inhaltlichen

Schwerpunkte setzt und in

welchem Mass er die Planungskultur

beeinflussen kann. Dies ist jedoch

nicht das Hauptproblem. Uns steht

ein tiefgreifender Paradigmenwechsel

bevor. Wir haben noch wenig

Erfahrung mit der konkreten Umsetzung

der Siedlungsentwicklung nach

innen. Die bisherigen Ortsplanungen

wurden in der Regel dadurch ausgelöst,

dass sich die Gemeinde

neues Bauland erschliessen wollte.

Heute ist dies nur noch unter stark

erschwerten Bedingungen möglich.

Deshalb sind neue Instrumente

nötig. Instrumente, die nicht direkt in

einen Zonenplan einfliessen, sondern

als Zwischenschritte den komplizierten

und langwierigen Weg

zur inneren Verdichtung vorbereiten.

In den nächsten Jahren wird im

Kanton Bern gestützt auf das revidierte

Raumplanungsgesetz und

den Richtplan 2030 eine neue Planungskultur

definiert werden. Wir

werden künftig vor allem im Bestand

und nicht mehr auf freien Flächen

planen. Für die Denkmalpflege ergibt

sich aus diesem Umstand eine

grosse Chance.

Bisher konnte man anhand der Pfeile

im kommunalen Richtplan sehen, in

welche Richtung sich die Gemeinde

ihre zukünftige bauliche Entwicklung

vorstellt. Diese Entwicklung in

die Fläche wird so nicht mehr stattfinden.

Stattdessen müssen wir uns

überlegen, aus welchen Quartieren

eine Ortschaft besteht, welchen

Charakter diese Quartiere haben, wo

der Bestand bewahrt, umstrukturiert

oder durch Neubauten ersetzt werden

soll. Wir müssen vermehrt mit

Architektinnen und Städtebauern

zusammenarbeiten und die Bevölkerung

miteinbeziehen. Die Grundeigentümer

müssen rechtzeitig darüber

informiert werden, in welche

Richtung die Planungen gehen. Die

Prozesse werden länger dauern, da

es Zeit braucht, Grundeigentümer

zu überzeugen, mit ihren Nachbarn

zusammenzuspannen, um etwas

Neues zu entwickeln. Die Denkmalpflege

muss sich überlegen, wie sie

sich in diese Fragestellungen einbringen

und wie sie einen Teil des

Prozesses gemeinsam mit der

Raumplanung gestalten kann.

AS Ich finde das skizzierte Vorgehen

genau richtig, es geht um städtebauliche

Analysen. Die Gemeinden

sind nicht verpflichtet, dies von

den Planern einzufordern. Das AGR

oder die Denkmalpflege müssten die

Planungsbüros und die Gemeinden

entsprechend sensibilisieren. Sonst

besteht die Gefahr, dass sich Planungsbüros

mit den günstigsten Offerten

durchsetzen, welche die gewünschten

Analysen nicht enthalten.

HH Dieses Problem besteht tatsächlich.

Eine profunde Auseinandersetzung

mit den Möglichkeiten

der inneren Verdichtung verteuert

den Planungsprozess und birgt

Risiken, weil das Ergebnis offen ist.

Die Planung wird mehr und mehr

rollend werden. Es gibt keine Standardlösungen.

Man muss das Thema

differenziert betrachten. Jede Gemeinde

hat ihre ganz spezifischen

Qualitäten und Entwicklungspotenziale.

Diese Differenzierung zu erreichen,

ist schwierig. Verdichten bedeutet

überhaupt nicht, dass sämtliche

Lücken gefüllt werden müssen.

Es gibt Ortsteile, wie etwa ein

Schlosspark, wo nicht oder nur sehr

zurückhaltend gebaut werden kann.

Dasselbe gilt auch für die Umgebung

rund um historische Gebäude

und Ortskerne. Im Interesse der

Siedlungsqualität wird es auch weiterhin

oder sogar vermehrt Grünzonen

und öffentliche Freiräume

brauchen. Es braucht intensive Diskussionen

zwischen der Denkmal-


IM GESPRÄCH | DIALOGUE

31

pflege, dem AGR und den Planerinnen

und Planern, um ein stabiles

Gleichgewicht zwischen Schutz und

Nutzung zu finden.

AS Die Aufgabe ist hochkomplex.

Im Moment ist hier eine Differenzierung

nicht vorgesehen. Das AGR

muss den Richtplan umsetzen.

HH Eine grundeigentümerverbindliche

baurechtliche Grundordnung

wird es als Basis immer brauchen.

Man wird in Zukunft verstärkt

mit qualifizierten Verfahren und

Überbauungsordnungen arbeiten

müssen. In der kommunalen Richtplanung

braucht es neben den

räumlichen und quantitativen verstärkt

auch qualitative Entwicklungsvorstellungen.

Die bestehenden

Richtpläne zeigen oft nur das Entwicklungspotential

auf, ohne auf

die bestehenden und zu erhaltenden

Qualitäten einzugehen. Zum Zeitpunkt

der Einreichung eines Baugesuchs

ist es für solche Überlegungen

zu spät.

TL Unser Wunsch ist es, frühzeitig

eingebunden zu werden. Wir möchten

die Gemeinden darin bestärken,

sich jetzt mit ihrer Baukultur auseinanderzusetzen

und die Sicht der

Bevölkerung abzuholen und nicht

nur jene der Investoren. Wenn man

den Auftrag für die innere Siedlungsentwicklung

ernst nimmt, muss die

Diskussion vorher geführt werden.

Einzelprojekte kann ein Ortsbild

noch verkraften, aber mit einer Erhöhung

der Verdichtung um 30 %

werden sich Ortsbilder rasch und

unkontrolliert ändern.

HH Die im kantonalen Richtplan

2030 geforderte Siedlungsentwicklung

nach Innen wird sich mit Sicherheit

stark auf die Ortsbilder

auswirken. Dazu kommt, dass die

Akteure in den Verdichtungsprozessen

unberechenbar sind. Es reicht

nicht, dass ein Bauherr mit der Verdichtung

auf seiner Liegenschaft

einverstanden ist. Auch der Nachbar

muss davon überzeugt werden, dass

eine Verdichtung vor seiner Haustür

richtig ist. Die besten Projekte nützen

nichts, wenn es nicht gelingt,

die Einzelinteressen in den Hintergrund

zu rücken. Um konkurrenzfähig

zu sein, wird leider heute bei den

Planungsofferten regelmässig bei

den partizipativen Prozessen abgespeckt.

Die Gemeinden müssen für

partizipative Verfahren sensibilisiert

werden. Oft fehlt bei den Gemeinden

das Verständnis für eine vertiefte

Auseinandersetzung mit der Frage,

wie ein Dorf gewachsen ist und

welche Schlüsse sich daraus für die

zukünftige Weiterentwicklung ableiten

lassen. Ebenso fehlt häufig das

Verständnis für die Auseinandersetzung

mit der Alltags-Baukultur.

Wir kennen und schätzen die schönen

Gebäude und die schönen Landschaften,

beschäftigen uns aber

kaum mit dem Alltäglichen. Es ist

deshalb wichtig, Konzepte zu entwickeln,

die eine gewisse Grundqualität

garantieren. Es gibt Gemeinden,

die in diesem Zusammenhang eine

unabhängige Fachberatung aufgebaut

haben. Das ermöglicht es der

Baukommission, bei Fragen oder

Unsicherheiten eine externe Fachmeinung

abzuholen, die eine neutrale

Sichtweise garantiert. Länge, Breite

und Höhe sind messbare Faktoren,

bei der Beurteilung der Qualität wird

es schwierig.

TL Qualität ist im Plan nicht darstellbar.

Im städtischen Kontext ist

eine Kernzone anders zu beurteilen

als im ländlichen, auch wenn sie

farblich gleich eingefärbt wird. Differenzierte

Sichtweisen und vertiefte

Analysen der örtlichen Gegebenheiten

sind gefragt.

HH Der Kanton muss das Terrain

für eine qualitativ gute Siedlungsentwicklung

nach innen mit überzeugenden

Beispielen vorbereiten. Die

Denkmalpflege ihrerseits muss innerhalb

der kantonalen Verwaltung

mit Nachdruck die qualitative Komponente

in den Planungsprozessen

einfordern. Die wichtigen Elemente

(ISOS, Bauinventar) werden in der

Ortsplanung standardmässig berücksichtigt.

Wer aber setzt sich für

die baukulturellen Werte ein, die

wir beim Prozess der inneren Verdichtung

berücksichtigen müssen?

Wer kümmert sich um bestehende

und neu zu schaffende Raumqualitäten,

um Zusammenhänge, die über

das eigentliche Baudenkmal hinausgehen?

Verdichten birgt immer das

Risiko, dass wir Qualitäten verlieren

und Chancen verpassen, wo wir

neue Qualität schaffen könnten. Die

künftige Rolle der Denkmalpflege ist

in diesem Zusammenhang zentral.

Sie muss sich in diese Richtung weiterentwickeln

und Verantwortung

für einen Bereich übernehmen, für

den sich bisher niemand so richtig

verantwortlich fühlte.

AS Genau, das wäre dann eine Weiterentwicklung

des Ortsbildschutzes,

welcher sich nicht mehr nur auf

einen Perimeter beschränkt, sondern

sowohl inhaltlich als auch räumlich

weiter gefasst wird und allgemeine

städtebauliche Komponenten und

Ortsbildqualitäten mit einschliesst.


32 BERICHTE | RAPPORTS

01

Wiederentdeckte Kulissen im

Theater Langenthal

Der grösste Teil der Kulissen stammt aus der Bauzeit des Theaters (1914–16) und

kann dem bedeutenden Zürcher Theatermaler Albert Isler zugeschrieben werden.

Das Theatergebäude in Langenthal wird umgebaut und

modernisiert. Im Vorfeld der Umbauplanung kamen im Keller

umfangreiche Kulissenbestände zum Vorschein.

Nach dem Auffinden der Kulissen sichtete ein interdisziplinär

zusammengesetztes Team (eine Vertreterin der

Stadt Langenthal, eine Restauratorin, eine Theatermalerin

und Kunsthistorikerin, die zuständige Bauberaterin der

Denkmalpflege und ein Fotograf) diesen Fund und erstellte

ein Inventar. Die Recherchen zu den Kulissen ergaben,

dass diese Entdeckung aufgrund der Menge an Kulissenelementen,

wegen des weitgehend guten Erhaltungszustands

sowie wegen seiner Seltenheit in der Schweiz einzigartig

sein dürfte.

Warum die Bühnenbilder erhalten sind

Das Theater Langenthal wird bis heute als Gastspielbühne

betrieben. Nach Fertigstellung des Theatergebäudes 1916

hatte die Stadt für die unterschiedlichen Fremdinszenierungen

eigene Kulissenbestände anzuschaffen. Dass der

Theatermaler Albert Isler den Grundstock für die erste

Theaterdekoration samt Bühneneinrichtung schuf, ist dank

eines Artikels aus der Schweizerischen Bauzeitung von

1918 belegt.

Die Kulissen wurden in den darauf folgenden Jahrzehnten

repariert, ergänzt und gelagert. Das belegen die in Langenthal

ebenfalls erhaltenen Archivalien. Vorhanden sind

verschiedene Stuben und Salons, die bis in die 1980er

Jahre auch für externe Anlässe ausgeliehen wurden. Daneben

gibt es diverse Dorf- und Stadtansichten wie die abgebildete

Gassenansicht der Altstadt von Bern. Unter den

über vierzig vorhandenen Kulissenelementen sind einzelne

Häuser, Gartenelemente, Bäume und Waldstücke. Besonders

beeindruckend und in einem ausserordentlich guten

Zustand sind die elf Prospekte, die bereits in einem Inven-


BERICHTE | RAPPORTS

33

01 «Stadtfront» (signiert von Atelier Albert Isler).

02 «Kleine Bauernstube» (signiert von Atelier August Ging, Aarau).

03 Schablonierte Signatur des Ateliers Albert Isler.

02 03

tar aus dem Jahr 1938 erwähnt sind und auch in einem

Fotobuch aus dem Jahr 1951 festgehalten wurden. Aufgrund

des Malstils und der vorhandenen Signaturen sind

diese dem Atelier von Albert Isler zuzuordnen. Gemäss den

archivierten Dokumenten lieferte Albert Isler 1920 weitere

Kulissen zur Inszenierung des Glöckleins des Eremiten

(Oper von Aimé Maillart), an der sich auch der Gesangsverein

beteiligte und die ebenfalls bis heute erhalten sind.

Einige von Islers Kulissenwänden bspw. das sogenannte

«moderne Zimmer» oder der «Rokokosalon» wurden in

späteren Jahrzehnten ergänzt bzw. übermalt. In der zweiten

Hälfte der 1930er Jahre wurden wenige zusätzliche Kulissen

bei Maler und Bühnenbildner Edwin Hitz in Bern bestellt.

Andere Bühnenbilder sind mit dem Schriftzug des

Ateliers August Ging, Aarau, versehen. Hierbei dürfte es

sich um übermalte Isler-Kulissen handeln. Verschiedene

neue Kulissen und Reparaturarbeiten übernahm nach 1950

der Theatermaler Fritz Nyffeler aus Lotzwil.

Der Theatermaler Albert Isler (1874–1933)

Albert Isler wurde 1874 in Langnau am Albis geboren, besuchte

zunächst die Zürcher Kunstgewerbeschule und

absolvierte in Karlsruhe und Stuttgart eine Lehre als Dekorationsmaler.

Von 1897 bis 1899 studierte er an der Kunstakademie

in München Malerei. Als junger Akademieabsolvent

betrieb er ab 1900 zusammen mit dem Theatermaler

J. Alexander Soldenhoff das Atelier des Stadttheaters

Zürich und arbeitete zugleich als freier Bühnenbildner.

Schon bald etablierte er sich zu einem der gefragtesten

Theatermaler in der Schweiz. Alle wichtigen, grösseren

Bühnen in Bern und Basel liessen bei ihm ihren Fundus

vervollständigen. Zudem konzipierte er für diverse Kasinobauten

und Mustermessen Kulissen und Ausstattungen.

Gleichzeitig setzte er sich aber auch für eine bessere Ausstattung

von Laien- und Wanderbühnen ein, indem er

einen Leihfundus unterhielt.

Albert Isler hatte um 1906 bereits die Ausstattung des

Theatersaals im Haus zum Wilden Mann in Wynigen und

dessen Theaterkulissen gemalt. 1911 gestaltete er die Bühnenausstattung

für den Neubau des Kasinogebäudes in

Zug, das wie das Theater Langenthal vom Architekturbüro

Keiser und Bracher entworfen wurde. Später kamen weitere

wichtige Aufträge hinzu, wie etwa für die Tellspiele in

Interlaken oder schon 1914 die Dekorationen für die Bühne

des Heimatschutztheaters im Wirtshaus zum Röseligarten

auf der Schweizerischen Landesausstellung in Bern. Ein

besonders umfangreicher Auftrag dürfte 1923/24 die Dekorationen

und Beleuchtung im Altdorfer Tellspielhaus gewesen

sein, das wiederum vom Architekturbüro Keiser und

Bracher geplant wurde.

In seiner Doppelfunktion als Theatermaler und Bühnenbildner

war Isler am Stadttheater Zürich an zahlreichen bedeutenden

Inszenierungen beteiligt, bspw. 1913 an der

Schweizerischen Erstaufführung von Parzifal, welche bis


34 BERICHTE | RAPPORTS

04 «Rieghaus» (signiert von EKO Bern) mit

durchleuchtbarer Butzenscheibe.

05 Prospekt «Waldbogen» mit Beschriftung

«Langenthal» (signiert von Atelier Albert Isler).

06 «Dorf-Prospekt».

04

05


BERICHTE | RAPPORTS

35

06

heute als die wichtigste Wagner-Premiere überhaupt gilt,

die jemals in Zürich aufgeführt wurde. Islers Bühnenbilder

waren avantgardistisch. Er versuchte die modernen künstlerischen

Tendenzen seiner Zeit im Theater umzusetzen

und arbeitete verschiedentlich mit bildenden Künstlern wie

Gustav Gamper, Paul Bodmer oder Reinhold Kündig zusammen.

Dabei lieferte Isler einen relevanten Beitrag hin

zu einer nach allen Seiten offenen, variabel bespielbaren

Raumbühne. Seine Bühnenbilder wurden zunehmend stilistisch

einfacher und gleichzeitig monumentaler. Er beeinflusste

viele Bühnenbildner und setzte Massstäbe mit seinen

Inszenierungen. Isler gehörte zu Lebzeiten zweifellos

zu den bedeutendsten Bühnenbildgestaltern seiner Zeit.

Zur Bedeutung des Kulissenfundes

Das Wiederauffinden des umfangreichen Kulissenbestandes

in Langenthal ist ein Glücksfall und – wie bereits

eingangs erwähnt – schweizweit wohl einzigartig. Dies bestätigte

sich auf Anfrage bei der Schweizerischen Theatersammlung

in Bern sowie an den grossen Häusern in Basel,

Bern und Zürich. Nirgends werden Kulissen 100 Jahre lang

aufbewahrt. Die Kulissen in Langenthal – insbesondere die

des Theatermalers Albert Isler – sind nicht nur ausgesprochen

wirkungsvoll und qualitativ hochwertig gemalt. Sie

sind auch ausgesprochen selten. Sie sollten einer breiteren

Öffentlichkeit bekannt gemacht und erhalten werden.

Die Stadt Langenthal wird aber im umgebauten Theater

keinen Platz mehr dafür haben. Während die Ursprünge

und die Bedeutung der Kulissen nun etwas näher bestimmt

sind, ist die Zukunft dieses kulturhistorisch bedeutenden

«Schatzes» noch offen.

Eva Schäfer

Langenthal, Aarwangenstrasse 8

Massnahmen: Kulissen-Restaurierung, geplant

Bauherrschaft: Stadt Langenthal

Architekten: Gabriela Krummen, Projektleitung Stadt Langenthal

Restauratoren: Birgitta Berndt, Solothurn

Denkmalpflege: Eva Schäfer (Bauberatung), Katja Köhler-Schneider

(historische Recherche)

Literatur, Quellen: Schweizerische Bauzeitung 57/58 (1911), Heft 1 und

71/72 (1918), Heft 23; Werk 18 (1931), Heft 6; Quellenarchiv der Theaterbetriebskommission

1917 bis heute; Schmid, August. Nachruf Albert Isler, in:

Sechstes Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur 1934;

www.sikart.ch; Walküren über Zürich: 150 Jahre Wagner-Aufführungen in

Zürich. Publikation zur Ausstellung vom 24.05. bis 18.08.2013, hrsg. von der

Zürcher Kunstgesellschaft/Kunsthaus Zürich, 2013.


36 BERICHTE | RAPPORTS

01

Massgeschneiderte Zukunft für ein Bauernhaus

in der Agglomeration

Die neue Nutzung erweist sich als Glücksfall für das Bauernhaus Talacker in Thun.

Lange Zeit stand es leer, der Abbruch wurde diskutiert.

Wie sich die Zeiten wandeln: Auf dem «Geometrischen

Plan» von 1791 stand das um 1780 erbaute Bauerngut

Talacker allein in den weiten Feldern. Es handelt sich um

einen der städtischen Urbanisierungshöfe, die nach der

Trockenlegung der grossen Ebene westlich von Thun, nach

dem Kanderdurchstich, entstanden waren. Heute steht es

nicht weniger imposant, ist jedoch von vorstädtischen

Wohnsiedlungen, Einkaufszentren und Verkehrsanlagen

umgeben. Bis Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Bauernhaus

landwirtschaftlich genutzt und blieb lange Zeit in

grossen Teilen unverändert. Nach dem Verkauf stand es

leer, eine weitere landwirtschaftliche Nutzung war aufgrund

der sich nähernden städtischen Bebauung ausgeschlossen.

Verschiedene Varianten standen zur Diskussion,

darunter sogar ein Abbruch. Das naheliegende

Einkaufszentrum kam mit seiner unterirdischen Einstellhalle

dem Gebäude bedrohlich nahe. Schliesslich konnte

mit einem Einrichtungsunternehmen ein langjähriger Nutzer

gefunden werden, welcher das grosse Gebäude als

Ganzes belegen wollte.

Umnutzung

Die neue Nutzung erwies sich als Glücksfall für das voluminöse

Gebäude mit grossem Ökonomieteil. Die Bedürfnisse

des Unternehmens konnten in den bestehenden

Strukturen in nahezu idealer Weise untergebracht werden.

Grundrissliche Anpassungen waren dabei kaum nötig. Im

ehemaligen Wohnteil und im angrenzenden Kornspeicherbereich

sah man grosszügige Büroräumlichkeiten vor.

Diese Nutzung hat den Vorteil, dass nur minimale Sanitärräume

nötig waren, eine einfache Küche wurde am originalen

Standort eingerichtet. In der Tenne wurde ein neuer

Eingangs- und Erschliessungsbereich definiert, in den

ehemaligen Stallungen Ateliers, Lager-, Speditions- sowie


BERICHTE | RAPPORTS

37

01 Das restaurierte ehemalige Bauernhaus mit ausgebautem

Ökonomieteil, im Hintergrund das Einkaufszentrum.

02 Der als Ganzes genutzte Dachraum mit eingebauter Galerie und

hinterglasten Seitenwänden.

03 Büronutzung im Salon im Wohnteil mit aufgefrischtem Parkettboden

und originalgetreu rekonstruierten Fenstern.

02 03

Technikräume eingerichtet. Darüber wird der gesamte ausgedehnte

Heu- und Strohlagerraum in seiner ursprünglichen

Grösse als Empfangsbereich, Ausstellungsraum und

Schaulager verwendet. Eine zusätzliche Galerie wurde eingebaut

und die verschiedenen Ebenen mit grosszügigen

Treppen verbunden. Die bestehenden Öffnungen genügten

für die verschiedenen Nutzungen vollauf und wurden

auf heutige Weise verglast, insbesondere waren keine Eingriffe

in die prägende geschlossene Dachfläche nötig.

Restaurierung

Trotz der geeigneten Umnutzung waren aufgrund des Zustandes

und heutiger Komfortansprüche eine umfassende

Gesamtsanierung und Restaurierung nötig. Im Wohnteil

wurden die Parkettböden und Wandtäfer sorgfältig demontiert

und vor einer Isolationsschicht wieder eingebaut.

Die wenigen noch vorhandenen originalen Fenster wurden

aufgefrischt und innen zusätzlich verglast. Die restlichen

Fenster wurden in der ursprünglichen Teilung nachgebaut.

Die Sitzöfen restaurierte man und machte sie wieder funktionstüchtig.

Im Ökonomieteil musste der gesamte Holzbau

gerichtet werden, der Dachstuhl erhielt fehlende Binder

zurück und wurde mit Zugstangen ergänzt. Den

gesamten Dachstuhl dämmte man nicht sichtbar, die seitlichen

Gimwände wurden mit einer Hinterglasung isoliert.

Die bestehenden Stallböden blieben erhalten, im beheizten

Tennenraum wurde die Pflästerung wieder eingebaut.

Baudenkmal mit Zukunft

Die Restaurierung und die Umnutzung des Bauernhauses

kann man angesichts der Umstände als vorbildlich bezeichnen.

Nahezu ohne Strukturveränderungen konnte das

Gebäude mit seinen Interieurs erhalten werden und es

dient heute dem Inneneinrichtungsbetrieb in idealer Weise

als Basis mit einmaliger Adresse. Das historische Gebäude

behält seine zentrale Stellung im Quartier und entwickelt

sich sogar zum Treffpunkt. Die Erhaltung des Baudenkmals

ist langfristig gewährleistet. Über den reinen Denkmalwert

hinaus ist die Erhaltung von historischen Gebäuden

an exponierten oder zentralen Lagen identitätsstiftend.

Stefan Moser

Thun, Talackerstrasse 52

Massnahmen: Gesamtsanierung und Ausbau, 2014/2015

Bauherrschaft: Gschwend AG Gastro-Bau, Thun

Architekten: Gschwend AG Gastro-Bau, Thun

Restauratoren: Roger Tinguely, Steffisburg

Handwerker: Santschi Holzbau GmbH, Uetendorf (Zimmerarbeiten);

Christian Messerli AG, Thun (Steinhauerarbeiten); Jesus Dapena AG,

Interlaken (Putzarbeiten); Chr. Tschanz + Söhne AG, Schwanden (Fenster)

Denkmalpflege: Stefan Moser (Bauberatung), Ester Adeyemi (Archivrecherche)

Unterschutzstellung: Kanton 2016

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


38 BERICHTE | RAPPORTS

01

Erhaltung der Originalsubstanz

Die Restaurierung zweier Bogenbrücken über Schluchten im Umkreis von Biel verlangte

nach verschiedenen Lösungsansätzen, um die Originalsubstanz zu erhalten.

Die beiden Brücken gleichen sich: Für die Fussgängerbrücke

in der Taubenlochschlucht und für die Strassenbrücke

über den Twannbach wurden Bogenkonstruktionen gewählt,

die seitlich in den Fels eingespannt sind. Beide zeigen

den rohen Beton, der 80 Jahre lang ohne Renovierung

der Witterung ausgesetzt war und erzählen ihre eigene Geschichte,

die vor 1900 beginnt. Für den Schweizer Brückenbau

sind sie wichtige Zeugen.

Taubenlochbrücke

Im Bauinventar wird die Fussgängerbrücke fälschlicherweise

als eine der ersten Stampfbetonbrücken bezeichnet.

Sie entstand 1889 – nebst einer Steinbogenbrücke und diversen

Stahlpasserellen – durch die Initiative des Schweizer

Alpen Clubs, Sektion Biel, im Rahmen der Erschliessung

der Taubenlochschlucht. Bei der Sanierung 2015

stellte sich heraus, dass sie anfänglich eine reine Stahlkonstruktion

gewesen war. Konstrukteur war der Ingenieur Eugen

Ritter-Egger, der 1875 ein Unternehmen in Biel gründete

und zuvor für die Jurabahnen, später für die

Gotthardlinie gearbeitet hatte. Wohl zur Verstärkung wurde

die Bogenbrücke 1932 mit armiertem Beton ausgegossen,

wobei auch die Wangen dünn überdeckt wurden und somit

eine Betonkonstruktion vortäuschten. Nur auf der Unterseite

sind die alten Stahlprofile noch sichtbar. Rost hatte

diese so stark angegriffen, dass eine Sanierung nicht mehr

möglich war. Der Abbruch der Brücke hoch über der

Schlucht wäre sehr aufwendig gewesen. Auf Anregung der

kantonalen Denkmalpflege und der Regionalgruppe Biel-

Seeland des Berner Heimatschutzes kam das Ingenieurbüro

Aeschbacher & Partner aus Biel schliesslich auf die

Idee, eine Bogenbrücke aus Stahl über die alte Brücke zu

stülpen – was mit Hilfe eines Helikopters auch geschah.

Der Bogen der neuen Brücke erinnert an die darunterlie-


BERICHTE | RAPPORTS

39

01 Die Brücke über die Twannbachschlucht – ein Werk des

berühmten Ingenieurs Robert Maillart – zeigt auch nach der

Sanierung ihren ursprünglichen Charakter.

02 Die Bogenbrücke in der Taubenlochschlucht (anfänglich eine

Stahlkonstruktion) nach dem Ausgiessen mit Beton 1932.

(Foto aus Sammlung Paul Blösch, wohl 1930er Jahre.)

03 Neue Stahlbogenbrücke, Dezember 2015, über die alte

Brücke gestülpt.

02 03

gende historische Stahlbrücke und schützt sie gleichzeitig.

Am 28. September 2015 wurde die Querverbindung vom

Taubenlochweg über die Brücke zum Tierpark Bözingen

nach längerer Sperrung wieder freigegeben.

Twannbachbrücke

Bei der Betonbrücke über die Twannbachschlucht handelt

es sich um ein Werk des weltbekannten Schweizer Ingenieurs

Robert Maillart. Sie wurde 1936 erbaut, um den motorisierten

Zugang zu den Rebbergen zu ermöglichen. Ihr

konstruktives Konzept wurde aber vor 1900 geboren. Robert

Maillart kam 1899 beim Bau der Stauffacherbrücke in

Zürich auf die Idee, Bogen, Seitenwände und Fahrbahnplatte

zu einem monolithischen Hohlkasten aus armiertem

Beton zu verbinden und realisierte dies 1901 in Zuoz. Er

wählte zudem das System des Dreigelenkbogens, um

Spannungen zu vermeiden, und erfand eine verblüffend

einfache Gelenkausbildung in den Auflagern und im Scheitel

durch die Einschnürung des Betons. Da Maillart in Zuoz

kleine Spannungsrisse in den Seitenwänden entdeckte,

öffnete er diese bei den nachfolgenden Brücken zum Auflager

hin. So entstanden die berühmten eleganten Dreigelenkbogenbrücken

Maillarts (bspw. 1930 Salginatobelbrücke,

1932 Rossgrabenbrücke bei Schwarzenburg). Parallel

dazu entwickelte Maillart das noch luftiger wirkende Konzept

des versteiften Stabbogens, das er für Twann vorsah.

Die Behörden wünschten aber geschlossene Seitenwände.

So gleicht die Brücke nun derjenigen aus Zuoz, wirkt aber

eleganter als eine traditionelle Bogenbrücke. Bei der Sanierung

2015 flickte man den Beton sorgfältig. Einige Armierungseisen

lagen zu nahe an der Oberfläche und mussten

nach dem Entrosten mit einer dickeren Mörtelschicht

überdeckt werden. Die vorschriftsgemässe Erhöhung des

Geländers erfolgte detailgetreu, ein neuer Maschendraht

gewährleistet die Sicherheit. Dank der zurückhaltenden

Sanierung gelang es, viel Originalsubstanz zu erhalten, so

dass die Brücke auch in Zukunft als Teil von Maillarts Gesamtwerk

bewundert werden kann.

Robert Walker

Biel, Taubenlochweg N.N.

Massnahmen: Neue Stahlbrücke über alter Brücke, 2013–2015

Bauherrschaft: Einwohnergemeinde Biel

Ingenieure: Aeschbacher & Partner AG, Bauingenieure und Planer, Biel

Handwerker: Belma Metallbau AG, Nidau

Twann-Tüscherz, Twannbachschlucht N.N.

Massnahmen: Instandsetzung, 2012–2015

Bauherrschaft: Gemeinde Twann-Tüscherz

Ingenieure: Aeschbacher & Partner AG, Bauingenieure und Planer, Biel;

Diggelmann + Partner AG, Bauingenieure, Bern

Handwerker: Betosan AG, Bern

Denkmalpflege: Rolf Weber (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2015 & 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM), Landwirtschaftsamt (LANAT/VOL)


40 BERICHTE | RAPPORTS

01

Der Apfelschuss in Gsteig bei Gstaad

Im Fachwerk 2015 wurden die einzigartigen Wandmalereien als Entdeckung erwähnt.

Nun können wir von der erfolgreich abgeschlossenen Restaurierung berichten.

Durch die transdisziplinäre Zusammenarbeit von Denkmalpflege,

archäologischem Dienst, dem lokalen Historiker,

dem Restauratorenpaar, den Architekten und der engagierten

Bauherrschaft liessen sich einige Fragen zur Deutung

der Malereien beantworten. Über viele Hintergründe

kann aber weiterhin nur spekuliert werden. Die Wandmalereien

im Sockelgeschoss des bäuerlichen Wohnhauses

in Gsteig waren vor der Restaurierung nur noch als Fragmente

zu erkennen. Da der Raum lange Zeit als Heizungsraum

genutzt wurde, waren die Wände geschwärzt, die

Motive kaum sichtbar.

Nach einer sorgfältigen Reinigungsaktion gelang es den

Restauratoren, die Themenkreise der Darstellungen aufzuschlüsseln.

Der Eingangsbereich führt zusammen mit dem

Gewölbe in einen Garten Eden. Weinranken, Blumen und

Puten leiten in den festlich geschmückten Raum auf der

rechten Seite. Die Eintretenden sehen zu ihrer Linken einen

Chevalier, der durch den Garten schreitet und dem Betrachter

zuprostet. Überraschend deutlich tritt auch das

Bildthema der Wand rechter Hand zutage: In der Bildmitte

erkennt man Küssnacht mit der Gesslerburg, flankiert vom

übergross dargestellten Gessler hoch zu Ross auf der linken

und der Apfelschussszene auf der rechten Seite. Tell

hat die Armbrust angelegt, Sohn Walter steht mit dem

Apfel auf dem Kopf vor einem Baum. Sowohl Tell als auch

Walter scheinen Kleidung in den Urner Standesfarben Gelb

und Schwarz zu tragen. Bei Tell sieht man den demonstrativ

eingesteckten zweiten Pfeil deutlich. Zwischen den beiden

ist als weiteres Detail Gesslers Hut auf einer Stange

zu erkennen. Die Malerei reicht an dieser Wand nicht bis

zum Boden, vermutlich stand hier ehemals eine Sitzbank.

Die Malereien der gegenüberliegenden östlichen Wand

sind am schlechtesten erhalten, über deren Inhalt kann nur

gerätselt werden. Spiralranken mit Weintrauben greifen in


BERICHTE | RAPPORTS

41

01 Apfelschussszene, links

Gessler hoch zu Pferd,

in der Mitte die Burg

Küssnacht und rechts Tell

mit Sohn Walter beim

Apfelschuss.

02 Chevalier, dem Betrachter

zuprostend.

03 Garten Eden mit Weinranken.

02 03

ein nahezu quadratisch schwarz gerahmtes Feld, über dem

die Kreuzinschrift INRI (Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum)

zu sehen ist. Der Inhalt dieses Rahmens ist unklar. Von

rechts scheint eine männliche Figur in Rüstung hineinzutreten.

Diese Figur erinnert am ehesten an einen römischen

Soldaten mit Lanze. Auf der linken Bildseite ist die Figur

einer Frau zu erkennen. Da aber keine wirklichen Spuren

für eine Kreuzigungsdarstellung zu finden sind, ist diese Interpretation

spekulativ.

Mittelalterlicher Vorgängerbau

Anhand von vergleichbaren Gemälden und der Gegenüberstellung

der Kleidung können die Malereien stilistisch

in die Mitte des 17. Jahrhunderts datiert werden. Diese Datierung

passt zudem zu den Resultaten der dendrochronologischen

Analyse (Datierungsmethode, bei der die Jahresringe

von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen

Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet

werden) des Bauernhauses von 1641.

Die untersuchten Holzbalken des Sockelgeschosses sind

hingegen deutlich älter und können ins späte Mittelalter

zurück datiert werden. Die Zusammensetzung der Mauermörtel

lässt ebenfalls auf das späte Mittelalter schliessen.

In Anbetracht des annährend quadratischen Grundrisses

gehen wir von einem spätmittelalterlichen Vorgängerbau

aus, von diesem ist das heutige Sockelgeschoss noch

erhalten.

Eine Wirtschaft aus dem 17. Jahrhundert?

Nicht eindeutig kann die Frage der ursprünglichen Nutzung

des bemalten Raumes beantwortet werden. Am ehesten

ist von einer Schenke oder einer Sust (Güterumschlagplatz

zur Zeit des Säumerwesens) auszugehen, befindet sich

doch der imposante Bau an den bedeutenden Handelsrouten

über den Sanetschpass und den Col du Pillon. Künftig

wird der Raum nur noch sanft genutzt und an bestimmten

Tagen zugänglich gemacht.

Fabian Schwarz

Gsteig, Müligässli 4

Massnahmen: Restaurierung der Kellermalereien, 2015

Bauherrschaft: Familie Linder, Gsteig b. Gstaad

Architekten: Matthias Trachsel, Blankenburg

Restauratoren: Fischer & Partner AG Restauratoren, Bern

Archivrecherche: Bendicht Hauswirth, Saanen

Denkmalpflege: Fabian Schwarz (Bauberatung); Georges Herzog

(kunsthistorische Recherche)

Unterschutzstellung: Kanton 2015

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM); Christian Rubi-Fonds

Literatur, Quellen: Michael Fischer, Fischer & Partner AG Restauratoren,

Raumbuch und Dokumentation, 2014; Bendicht Hauswirth,

Archivrecherche, 2014


42 BERICHTE | RAPPORTS

01

Sous le lierre… une rocaille

Elément courant de l’art des jardins, la rocaille du Schlossberg à La Neuveville

surprend pourtant par sa qualité, sa richesse et son emplacement.

L’initiative de la commission de gestion du Schlossberg a

permis de reconstituer une rocaille intéressante découverte

au nord-est du château dans les premières années

du XXIe siècle. Le parc du château forme par la qualité

des éléments encore en place (suites d’escaliers, pont,

cascade, jeux d’eau, bassins) et son insertion dans l’environnement

naturel et architectural forme un ensemble

unique et hors du commun à l’échelle régionale.

La rocaille du Schlossberg

La rocaille, rappelons-le, est un élément présent dans

l’aménagement des jardins depuis l’Antiquité, mais qui a

retrouvé ses lettres de noblesse à la fin du XIX e siècle. La

rocaille du Schlossberg est constituée d’un rocher existant

sur lequel s’élevait probablement une construction médiévale.

Aucune fouille archéologique n’a cependant permis

de le vérifier. La configuration du rocher et les pierres

soigneusement choisies forment un sentier artificiellement

accidenté qui crée une impression de danger lors du cheminement.

Quelques cuves ont été aménagées pour les

plantations. Elles sont formées de pierres liées par un mortier

imitant la couleur de la pierre naturelle qui facilite

l’intégration dans l’environnement et dissimule l’aspect

construit de l’ensemble. L’emplacement au nord-est du

château n’a certainement pas été choisi au hasard. Le promeneur

qui emprunte le sentier de la rocaille a une vue

plongeante sur la chaîne des Alpes, et ainsi l’impression

de se trouver dans un site escarpé et montagneux.

La redécouverte

Cet aménagement paysager a été redécouvert en 2003

sous le lierre, les lilas, les frênes, les érables et de nombreux

déchets. La plupart des arbres avaient déjà pris possession

des lieux depuis plus de quarante ans et il était ur-


BERICHTE | RAPPORTS

43

01 Vue générale après

rénovation aux couleurs

d'automne.

02 Parfois au loin l'on aperçoit

la chaîne des Alpes.

03 Le sentier, les marches et

les bacs avec les plantations.

02 03

gent de les éliminer pour retrouver le relief et les éléments

artificiels, et restaurer la rocaille. Le défrichage s’est fait à

la main pour éviter d’endommager davantage encore les

éléments de pierre déjà abîmés par les racines des arbres.

La restauration

Les bacs et le sentier ont été restaurés avant les nouvelles

plantations. Les pierres les plus solides des bacs n’ont pas

été enlevées. Celles qui se sont détachées lors des travaux

ont été numérotées, nettoyées, remontées et liées avec un

mortier de trass (tuf volcanique). Entre les différents bacs,

un système de drainage permet une retenue ou une évacuation

de l’eau (en fonction des plantes qui y seront semées).

Le sentier et ses marches, en gravier à l’origine, ont

été refaits avec un mortier à gravier pour assurer une plus

grande solidité. Les travaux de restauration se sont achevés

en été 2006. La structure a été laissée apparente, sans

plantations, pour permettre la stabilisation et le séchage.

Les plantations

Le choix des plantes s’est fait à l’aide d’ouvrages spécialisés

sur les plantes alpines de l’Europe entière. La première

phase a consisté à préparer les différentes terres pour

les bacs. Puis en automne 2007 ont été plantées les fleurs

à bulbe, et au printemps 2008 les plantes vivaces.

Il reste encore de belles surprises

Les travaux de défrichement relativement léger autour du

Schlossberg ont permis de mettre en évidence d’autres

traces de rocailles et de retrouver l’accès qui permettait,

avant la construction de la route cantonale qui conduit au

Plateau de Diesse, de relier le château au jardin romantique

qui se trouve au sud-ouest.

René Koelliker

La Neuveville, Route du château 56

Mesures : Restauration d’une rocaille, 2003 à 2007

Maître d‘ouvrage : Société simple « Château du Schlossberg »,

La Neuveville, Commission de gestion et Canton de Berne

Analyse historique : ars viridis GmbH, Biel/Bienne

Artisans : Daniel Brotschi et Philippe Wyssmann, ars viridis GmbH,

Biel/Bienne

Service des monuments historiques : Olivier Burri et Jürg Schweizer

(conseillers techniques)


44

OBJEKTE | OBJETS

Aktuelle Objekte

Objets actuels

Die diesjährige Sammlung von kürzlich restaurierten

Baudenkmälern führt quer durch den Kanton zu den

unterschiedlichsten Bauten.

Erst das Engagement der Besitzerinnen und Besitzer

sowie der beteiligten Fachleute aus Architektur und

Handwerk zusammen mit der Denkmalpflege macht es

möglich, dass unsere Baudenkmäler langfristig erhalten

werden können. Eine gute Zusammenarbeit zwischen den

Beteiligten führt zu fruchtbaren Lösungen. Die 30 Objekte

illustrieren dies exemplarisch, sie zeigen aber auch

das breite Spektrum der Tätigkeit der Bauberatung und

der sie unterstützenden Bauforschung und Inventarisation.

Die Denkmalpflege kommt damit ihrer gesetzlich

verankerten Berichterstattungspflicht nach. Die Berichterstattung

ist nicht nur Pflicht, sondern ein wichtiges

Mittel zum Dialog mit der Öffentlichkeit und mit den

Partnern und Bauherrschaften.

La collection de monuments historiques fraîchement

restaurés présentée cette année nous emmène aux

quatre coins du canton à la rencontre des bâtiments

les plus divers.

Ce n’est que grâce à l’engagement conjoint des propriétaires,

des professionnels de l’architecture et de l’artisanat

et du Service des monuments historiques que nos

monuments historiques peuvent être conservés à long

terme. D’une collaboration étroite entre l’ensemble des

parties prenantes naissent des solutions fructueuses. Les

30 objets présentés illustrent bien l’importance de cette

collaboration et montrent aussi toute la diversité des activités

de conseil technique du Service des monuments

historiques ainsi que des activités de recherche et de

recensement qui les accompagnent. En présentant ces

monuments, le Service des monuments historiques satisfait

à son obligation légale de rendre compte de son

travail. Cette tâche ne constitue toutefois pas uniquement

un devoir, c’est aussi un important moyen de dialoguer

avec le grand public, avec nos partenaires et avec les

maîtres d’ouvrage.


OBJEKTE | OBJETS

45

KORNHAUS VON 1616/17

Umnutzung: Im Kornhaus wird

Whisky gebrannt

Das ehemalige Kornhaus in Aarwangen

stammt aus dem frühen 17.

Jahrhundert. Es wurde 2013 von der

Gemeinde Aarwangen an einen privaten

Eigentümer verkauft. Dieser

beabsichtigte, seine Whiskybrennerei

in einer historischen Liegenschaft

zu installieren. Nachdem die Umnutzung

bewilligt werden konnte, wurde

im Erdgeschoss des Kornhauses

die eigentliche Brennerei eingerichtet.

Dank der Saalnutzung der Obergeschosse

war es möglich, ungeeignete

jüngere Einbauten zu entfernen.

Die markantesten Veränderungen

sind aber bereits von aussen zu

sehen: Eines der beiden später eingebauten,

nordseitigen Garagentore

konnte geschlossen werden. Aus

Gründen des Brandschutzes wurde

die bereits bestehende Türöffnung

im 1. Obergeschoss wieder mit einer

Aussentreppe erschlossen, die als

abgelöste Betonskulptur konstruiert

wurde. EMS

MEHRFAMILIENHAUS VON 1898/99

Eine Fassade als Visitenkarte

eines Malermeisters

Das Wohnhaus mit zugehörigem

Laden wurde 1898/99 nach Plänen

des Architekten Ed. Hasenfratz im

Auftrag von Conrad Bolliger und

Fr. Grüring erbaut. Der Massivbau

unter Mansarddach zeigt eine im Stil

des Historimus gestaltete Quaifassade

mit reicher Gliederung durch

Gesimse, Wandpfeiler und anspruchsvolle

Fensterrahmungen und

-verdachungen sowie zwei Balkone

mit kunstvollen Schmiedeeisengeländern.

Die schlichte Südostfassade

erhielt bei der Renovierung 2008

eine hellgelbe Fassung und neue

Balkonvorbauten. An der Nordwestfassade

wurden 2014 neben der

Sanierung der Schaufensterfront die

bisher verdeckten Malereien und

Inschriften aus der Bauzeit wieder

ans Licht geholt. Die feinen Malereien

in der Art des Jugendstils waren

einst wirkungsvolle Reklame für das

Malergeschäft des Bauherrn Conrad

Bolliger. PB

MEHRFAMILIENHAUS VON 1932

Das farbige Biel

Das Mehrfamilienhaus präsentiert

sich als markanter Kopfbau einer

fünfteiligen Wohnhauszeile entlang

der Mattenstrasse. Das auf der Basis

eines Gestaltungskonzepts des

Architekturbüros Alfred Leuenberger

1932 von der Baufirma Calori & Corti

erstellte Gebäude ist der bestechenden

Formensprache des Neuen

Bauens verpflichtet. Die an sich

flächige Fassade des turmartigen

Gebäudes wird durch gradlinige

Details wie Balkone und Fensterband

des Treppenhauses belebt. Unter

dem später aufgetragenen kunststoffhaltigen

Verputz wies der Restaurator

einzig an den westseitigen

Balkonen Verputz und Farbspuren

aus der Bauzeit nach. Bei der

Fassadenrenovierung 2014 erhielt

das Gebäude wieder die ursprüngliche

gelblichrote Fassung. In die

Metallrahmen des Treppenhausfensters

setzte man neue Wärmedämmgläser

ein. PB

Aarwangen, Eyhalde 10

Massnahmen: Umnutzung und Innenausbau,

Anbau Treppe, 2014/15

Bauherrschaft: LANGATUN Kornhaus AG

Architekten: Patrick Müller, Gerold Dietrich

Architekturbüro, Lotzwil

Denkmalpflege: Eva Schäfer (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 1999

Biel, Unterer Quai 90

Massnahmen: Fassadenrestaurierung,

2008/2014

Bauherrschaft: Vital und Alice Epelbaum, Biel,

und Dina Epelbaum, Bern

Architekten: Mäder + Partner, Architekten AG,

Biel (2008); Harttig Architekten GmbH, Biel (2014)

Restauratoren: Blonski Art Restaurationen,

Zollikofen

Handwerker: Hans-Jörg Gerber (Farbuntersuchung),

Nidau, 2008

Denkmalpflege: Rolf Weber (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2008

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Biel, Murtenstrasse 59

Massnahmen: Fassadenrenovierung, 2014

Bauherschaft: Nicolas Campana, Aarberg

Restauratoren: Hans-Jörg Gerber, Nidau

(Farbuntersuchung)

Handwerker: Kiefer Roten AG, Lyss

(Malerarbeiten); Glas Nussbaum AG, Aarberg

Denkmalpflege: Rolf Weber (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


46

OBJEKTE | OBJETS

KIRCHE MARIA HIMMELFAHRT, 1901/1902

Zurück auf Start

Anlässlich der Restaurierung von

1986 wurden die zuvor weiss gestrichenen

Wände wieder mit Dekorationsmalereien

versehen und die

Sockelmalerei in Grautönen ersetzt.

Die wegen bauphysikalischer Mängel

zunehmende massive Verschmutzung

der Wände führte mit den Jahren

zu einer fast unerträglich tristen

Stimmung im Kirchenraum. Im

Rahmen einer Gesamterneuerung

wurden die Baumängel durch eine

dünne Hochleistungsdämmung an

den Innenwänden eliminiert. Auf

dem neuen Verputz konnte anschliessend

die originale Innendekoration

von 1902 anhand von Farbuntersuchungen,

bauhistorischen

Untersuchungen und alten Fotografien

vollständig und korrekt rekonstruiert

werden. Heute erstrahlt der

Kirchenraum wieder in der üppigen

Formen- und Farbenpracht, wie

sie Architekt Armin Stöcklin 1902

vorgesehen hatte. MG

VILLA SONNEGG VON 1893

Nach 120 Jahren vollendet

Die notwendige Dachsanierung war

der Anlass zu umfassenden Recherchen

zur ursprünglichen Gestaltung

der Villa Sonnegg. Dabei erwiesen

sich die Baupläne von 1893 als

wichtigste Quelle. Es stellte sich

heraus, dass die ursprünglich

vorgesehene reiche Dachgestaltung

nie ausgeführt worden war: Auf die

schmucken Blechverzierungen an

den Dachlukarnen und Firstgraten

hatte man wohl aus Kostengründen

verzichtet. Diese Haltung widerspricht

aber gänzlich den bis heute

hervorragend erhaltenen, äusserst

aufwendigen Innenausstattungen.

2014 wurde nun das Dach gemäss

den alten Plänen wiederhergestellt.

Zudem erhielt die Fassade den

hellen Ockerton aus der Bauzeit

zurück. Die vorbildliche Gesamtsanierung

gelang nicht zuletzt dank

des ausserordentlichen Engagements

der Bauherrschaft. MG

VILLA DE FABRICANT DU XIX E SIÈCLE

Les fenêtres : un élément patrimonial

d'importance

Le patrimoine ancien doit de plus

en plus donner une réponse positive

aux nouvelles normes d’isolation

thermique. Les fenêtres sont au cœur

des préoccupations dans ce domaine

délicat. En 2014, une solution

intéressante a été trouvée dans la

sauvegarde et le remplacement

du fenestrage de cette maison de

maître de la seconde moitié du XIX e

siècle, afin de conserver une lisibilité

architecturale de qualité. Les

fenêtres anciennes de la façade sud

ont été conservées, restaurées et

munies d’un verre isolant. Celles des

façades est, nord et ouest ont été

remplacées par des fenêtres en bois

créées sur le modèle des anciennes

encore en place sur la façade sud.

En plus des fenêtres, d’autres travaux

ont été effectués sur la façade,

avec la restauration des contrevents.

RK

Burgdorf, Friedeggstrasse 10

Massnahmen: Innensanierung, 2014

Bauherrschaft: Römisch Katholische

Kirchgemeinde Burgdorf

Bauleitung: Lilian Schönauer, Bürogemeinschaft

Hohengasse, Burgdorf

Restauratoren: Walter Ochsner, Bern;

Ernst Baumann, Bundesexperte, Bazenheid

(Bauphysikalisches Gutachten)

Denkmalpflege: Michael Gerber, Hanspeter

Ruch (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 1985

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Burgdorf, Technikumstrasse 6

Massnahmen: Restaurierung Fassade und

Dach, 2014/15

Bauherrschaft: Albertine und Jörg Amport

Historische Untersuchung: Roger Tinguely,

Steffisburg

Denkmalpflege: Michael Gerber (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2002

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Courtelary, Grand-Rue 49

Mesures : Restauration et rénovation des

fenêtres, 2014

Maître d‘ouvrage : Liliane Wernli-Langel,

Les Breuleux

Architectes : MBR Architecture SA, St-Imier

Restaurateurs : Roland von Gunten, Renan

Artisans : Surmely, Tramelan et Jérôme

Ganguillet, Cormoret (ferblanterie-couverture ) ;

Fenêtres Bassin SA, Reconvilier

Service des monuments historiques :

Olivier Burri (conseiller technique)

Mise sous protection : Canton 2003

Contributions : Canton (Fonds de loterie/POM)


OBJEKTE | OBJETS

47

SPEICHER AUS DEM 18. JAHRHUNDERT

Schmuckstück des Weilers

Der Weiler Unterberg, auf einer

flachen Hügelkuppe westlich von

Fraubrunnen gelegen, ist eine

intakte, von Obstbäumen umgebene

Hofgruppe mit prächtigen Bauernhöfen

und qualitätsvollen Nebengebäuden.

Der vorzüglich dekorierte

Speicher in der Mitte der Gruppe war

vor seiner Sanierung in schlechtem

Zustand: Das Dach war undicht, der

rückwärtige Gebäudeteil baufällig.

Mit grosser Sorgfalt restaurierte der

Zimmermann, unterstützt vom Bauherrn,

die alten Bauteile, ersetzte das

Holzwerk wo nötig und ergänzte

fehlende Brüstungs- und Deckbretter.

Durch die Entfernung der seitlichen

und rückwärtigen Anbauten

erhielt der Speicher seine ursprüngliche,

elegante Erscheinung zurück.

Er ist wieder das unumstrittene

Schmuckstück der Hofgruppe. BaF

FERME DE 1826

Renaître des cendres

En février 2011, cette ferme a été la

proie d’un incendie qui a entièrement

dévasté la grange, mais épargné une

partie de l’habitation. Les éléments

historiques sauvés des flammes ont

été restaurés lors de la reconstruction.

Il s’agit de deux poêles, du sol

et du plafond de la chambre principale

située au nord. Des boiseries

anciennes ont également été posées

dans cette pièce. Les murs endommagés

par les flammes ont été recrépis

à la chaux afin de redonner

à l’ensemble son aspect d’avant

l’incendie. Les propriétaires ont pris

le parti de ne pas installer de chauffage

central, mais de chauffer la

maison à l’aide des poêles restaurés.

L’architecte en charge du chantier

a réalisé un projet où le plan initial

est respecté et où dialoguent éléments

contemporains et éléments

anciens. RK

BAUERNHAUSHÄLFTE 18. JAHRHUNDERT

Gsteigwiler Schulstube im Bauernhaus

Im Rahmen der Gesamtrenovierung

der rechten Haushälfte wurde die

früher störend veränderte Befensterung

der Hauptfront rückgeführt,

der bestehende Wohnteil restauriert

und der kleine Ökonomieteil für zusätzlichen

Wohnraum ausgebaut. Die

Arbeiten erfolgten mit viel Sorgfalt

und Sinn fürs Detail und grossem

persönlichem Engagement der Bauherrschaft.

Neue Bauteile wie Treppe

und Sanitäreinbauten wurden auf

unspektakuläre Art in zeitgenössischer

Gestaltung ergänzt. Mit besonderer

Umsicht wurde die im

frühen 19. Jahrhundert eingebaute

erste Schulstube von Gsteigwiler

restauriert. Die Täferungen wurden

vorsichtig demontiert, aufgefrischt

und über einer Isolationsschicht

wieder eingebaut. Die ehemalige

Schulstube dient nun in idealer Weise

als grosszügiger, heller Wohnraum.

SMO

Fraubrunnen, Unterberg 2B

Massnahmen: Gesamtsanierung, 2014

Bauherrschaft: Evelyne und Philipp Böhlen

Handwerker: Philipp Böhlen; Andreas Gosteli,

Bolligen/Geristein (Zimmerarbeiten)

Denkmalpflege: Hanspeter Ruch

(Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2013

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Grandval, Champs des Coeudres 52

Mesures : Reconstruction et restauration après

incendie, 2012

Maître d‘ouvrage : Sylvie et Fabien Charmillot

Architectes : Luc Bron, Delémont

Artisans : Guy Froidevaux, St-Ursanne (constructions)

; A. Hauser SA, Moutier (charpenterie)

; Zbinden-Joye SA, Moutier (ferblanteriecouverture)

Service des monuments historiques :

Olivier Burri (conseiller technique)

Mise sous protection : 1994

Contributions : Canton (Fonds de loterie/POM)

Gsteigwiler, Hobacher 102

Massnahmen: Gesamtrenovierung der rechten

Haushälfte, 2013/14

Bauherrschaft: Edith Biedermann

Handwerker: Zurbuchen Holzbau GmbH,

Goldswil; Albert Blatter Holz- und Treppenbau,

Unterseen

Denkmalpflege: Stefan Moser (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


48 OBJEKTE | OBJETS

STÖCKLI VON 1836

Aussenfassade instand gesetzt

Das hinter dem Gasthof Kreuz

etwas versteckt liegende Stöckli aus

dem frühen 19. Jahrhundert war im

Inneren in den letzten Jahren von

der Eigentümerfamilie in Etappen

um- und ausgebaut worden. In einem

weiteren Schritt sollte die äussere

Erscheinung des Gebäudes wiederhergestellt

werden. Nach einer

Befunduntersuchung am Gebäude

wurde das Stöckli wieder in seiner

ursprünglichen Farbigkeit gestrichen.

Da der Eigentümer Baufachmann

ist, legte er nicht nur selbst Hand an,

sondern fungierte auch als engagierter

Koordinator. So wurden nicht

nur gedrechselte Holzsäulen unter

der westseitigen Laube erstellt, auch

die Verwendung einer besonders

guten skandinavischen Leinölfarbe

organisierte er selbst. EMS

WOHNHAUS VON 1894

Detektivische Vorarbeiten für

die «Seehalde»

Das Wohnhaus Seehalde präsentierte

sich vor der Restaurierung ohne

die originalen Zierelemente im zeittypischen

Schweizer Holzstil und mit

einem wenig attraktiven bräunlichen

Anstrich. Als Vorbereitung wurde

in detektivischer Arbeit anhand von

Farbspuren, eines Vergleichsobjektes

in der Nachbarschaft sowie gestützt

auf historische Fotoaufnahmen das

originale Erscheinungsbild eruiert

und detailliert aufgezeichnet. Die

Zierelemente wurden rekonstruiert

und das Haus in den ursprünglichen

bunten Farbtönen gestrichen. Erst

während der Ausführung kam im

Laubenbereich unter einer nachträglichen

Verschalung eine weitere,

aufwendig ausgesägte Brüstung

zum Vorschein, welche lediglich

aufgefrischt werden musste. Auch

die originellen multifunktionalen

Vorfenster mit integrierten Fensterläden

konnten restauriert werden. SMO

INDUSTRIEGEBÄUDE VON 1876

Wohnen neben dem Hochkamin

Wo ursprünglich Schnaps gebrannt

und später jahrzehntelang Presshefe

produziert wurde, kann nun grosszügig

logiert werden. Dafür wurden

die nachträglich teils zugemauerten

Fenster- und Türöffnungen wieder

vollständig geöffnet und rückwärtig

zwei Balkonachsen angefügt. Für

die sorgfältige Aussensanierung des

ursprünglich nicht gefassten Sandsteinbaus

diente der Zustand um

1920, als das Walmdach einseitig

durch einen Giebel geöffnet, das

Kesselhaus beim Hochkamin durch

einen Neubau ersetzt, alle Fenster

der Hauptgeschosse in Metall

erneuert und der Sandstein partiell

verputzt worden war. Damit ist nun

auch noch der letzte und wichtigste

Industriezeuge auf dem ehemaligen

Hefeareal saniert und einer neuen

Nutzung zugeführt worden – unübersehbar

wegen des bereits 2009 fachgerecht

sanierten Hochkamins. IMR

Herzogenbuchsee, Kirchgasse 5

Massnahmen: Aussenrestaurierung, 2013

Bauherrschaft: Familie Wyss Ricklin

Restauratoren: Walter Ochsner, Bern

Denkmalpflege: Eva Schäfer (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Hilterfingen, Dorfstrasse 49

Massnahmen: Restaurierung Gebäudehülle,

2014/15

Bauherrschaft: Hotel Schönbühl AG

Architekten: Seger Architekten AG, Hünibach

Restauratoren: Roger Tinguely, Steffisburg

Historische Untersuchung: Kurt Keller,

Herznach

Handwerker: von Allmen Holzbau GmbH,

Oberhofen; Maler Koller AG, Oberhofen

Denkmalpflege: Stefan Moser (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Hindelbank, Krauchthalstrasse 2

Massnahmen: Sanierung und Umbau, 2014/15

Bauherrschaft: René Lanz, Niederscherli

Architekten: Renato Buzzi, Montavit Bau

GmbH, Bern

Restauratoren: Blonski Art Restaurationen

(Jozef Blonski), Zollikofen

Handwerker: Guggisberg Dachtechnik AG,

Wabern; Kurt Iseli AG, Bern (Steinhauerarbeiten);

MLG, Metall und Planung AG, Bern

Denkmalpflege: Isabella Meili-Rigert

(Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2009

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


OBJEKTE | OBJETS

49

EHEM. ABSONDERUNGSHAUS, UM 1912

Ein Miteinander von Alt und Neu

Im Zuge des Neubaus des Pflegeheims

Sonnegg wurde intensiv

darüber diskutiert, wie das ehemalige

Absonderungshaus weiterhin

genutzt werden kann. Dem Einsatz

der Bauherrschaft und der Architekten

ist es zu verdanken, dass der

lokalgeschichtlich und für die allgemeine

Spitalgeschichte bedeutende

Bau erhalten bleibt, indem sie

das Gebäude geschickt in die neue

Gartengestaltung integriert haben.

Heute dient es als Rückzugsort für

Bewohner/innen des Alters- und

Pflegeheims Sonnegg. Die originalen

Bauteile wurden anlässlich der

Renovierung lediglich stabilisiert.

Im Innern wurden störende jüngere

Einbauten entfernt. Die überzeugende

räumliche Wirkung ist mit den

zweigeschossigen Räumen wiederhergestellt.

Gestützt auf die Farbuntersuchung

durch den Restaurator

ist zudem das bauzeitliche Farbkonzept

wieder sicht- und erlebbar. STZ

EHEM. BAUERNHAUS, UM 1700

Vorbildliche energetische Sanierung

Das «Güetli» auf der Nyffenegg

weist mehrere, deutlich ablesbare

Bauphasen auf: Die steilen Büge des

eindrücklichen Ständerbaus sind

über 300-jährig, die Fassade stammt

von 1838. Das Gut wurde seit den

1940er Jahren nicht mehr bewirtschaftet

und später als Ferienhaus

genutzt. Bevor die neue Besitzerfamilie

einzog, stand es leer und war

in schlechtem Zustand. Der Bauherr

erbrachte die Gesamtsanierung

nahezu in Eigenleistung. In der Tenne

entstand neuer grosszügiger Wohnraum,

die ehemalige Rauchküche

ist nach oben wieder geöffnet. Mit

grosser Sorgfalt wurden die alten

Hölzer geprüft, restauriert und bei

Bedarf ersetzt. Die historische Gestaltung

blieb weitgehend erhalten.

Dank einer neuen inneren Holzkonstruktion

und schlauer Dämmung

ist das Haus energetisch in bestem

Zustand. BaF

HOTEL INTERLAKEN VON 1906

Ein neuer Farbtupfer am Höheweg

in Interlaken

Die Fassade des Hotels Interlaken

war in die Jahre gekommen. Bei der

letzten Fassadenrenovierung wurde

ein Fassadenputz in Altrosa mit

Ecklisenen, Holzfassungen und

Jalousien in Grau gewählt. Sondierungsarbeiten

durch den Restaurator

sowie alte Fotos liessen auf eine

ganz andere bauzeitliche Farbgebung

schliessen: heller Putz, hellgraue

Fenstereinfassungen und Ecklisenen,

grüne Jalousien mit bunten Fenstern.

Die Bauherrschaft liess sich vom

ursprünglichen Konzept überzeugen.

Damit sich das Hotel vom Schloss

abhebt, wurden die Fensterläden in

einem helleren Grünton und die

Fensterrahmen in Ockerrot gestrichen,

was die Ergänzung mit

aussenliegenden Sprossen bedingte.

Gleichzeitig mit der Fassadenrestaurierung

wurden auch die Absturzsicherungen

der Balkone ergänzt

und das Wappenrelief am Turm auf

der Südseite aufgefrischt. RHA

Huttwil, Hohlenstrasse 4d

Massnahmen: Renovierung und Wiederherstellung,

2014

Bauherrschaft: Stiftung Sonnegg Huttwil

Architekten: A. Furrer und Partner, Bern

Restauratoren: Walter Ochsner, Bern

Handwerker: Habisreutinger Gebäudehülle

GmbH, Huttwil; Burkhalter Malerei, Huttwil;

Tolusso AG Stein-Industrie, Willisau; Peter Lüthi

Holzhandwerk, Schwarzenbach

Denkmalpflege: Stephan Zahno (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Huttwil, Nyffenegg 13

Massnahmen: Gesamtsanierung, 2010–2013

Bauherrschaft: Ruth Leuenberger und

Beat Berger

Handwerker: Beat Berger; Dubach Holzbau

AG, Hüswil; Sägesser Fenster AG, Aarwangen

Denkmalpflege: Hanspeter Ruch

(Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2010

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Interlaken, Höheweg 74

Massnahmen: Fassadenrestaurierung, 2015

Bauherrschaft: Hotel Interlaken AG

Architekten: ateliermarti architekten ag,

unterseen

Restauratoren: Roger Tinguely, Steffisburg

Handwerker: Jesus Dapena AG, Interlaken;

Frutiger Holzbau AG, Ringgenberg (Fenster);

Peter Rüegsegger AG, Interlaken; Dällenbach +

Co. AG, Interlaken (Malerarbeiten)

Denkmalpflege: Renate Haueter (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2015

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


50 OBJEKTE | OBJETS

SCHULHAUS VON 1955

Annäherung statt Kontrast

FABRIKGEBÄUDE VON 1888

«Nachgerüstete» Fenster

WOHNSTOCK VON 1788

Altes Amtshaus – aufgefrischt

Nach sechzig Jahren im täglichen

Gebrauch standen für die Schulanlage

Wandermatte eine Ertüchtigung,

eine energetische Sanierung sowie

Umstrukturierungen für eine zeitgemässe

Schulnutzung an. Um eine

überzeugende Gesamtlösung zu

erreichen, wurde 2011 ein offener

Wettbewerb ausgelobt, bei dem das

Projekt von Bienert Kintat aus Zürich

mit dem 1. Rang prämiert wurde.

Das Projekt und die Realisierung

zeichnen sich durch zurückhaltende

und präzise gestaltete Eingriffe im

Innen- und Aussenraum aus, welche

die Annäherung statt den Kontrast

zum Bestehenden suchen. Die Abtrennungen

der Gruppenräume

orientieren sich bspw. am Bestand

und der neu eingebaute Lift ist kaum

erkennbar und fügt sich selbstverständlich

in den Korridor. Diese Eingriffsstrategie

verstärkt den ursprünglichen

Charakter der Anlage

und ein harmonisches Ganzes ist

entstanden. FAS

Gleich bei zwei Liegenschaften in

Langenthal gelang es in den vergangenen

Jahren Fenster nachzurüsten,

ohne die bauzeitlichen Fenster vollständig

ersetzen und die Gestaltung

der Aussenfassade verändern zu

müssen. Zum einen betrifft dies das

«Nyffelerhaus» am Wuhrplatz, das

ursprünglich als Tabak- und Kaffeeersatzfabrik

errichtet wurde. Dort

konnten die äusseren Vorfenster

detailgetreu ersetzt werden, während

die Innenfenster beibehalten werden

konnten, sodass diese die Fassaden

des ehemaligen Fabrik- und heutigen

Wohnhauses nach wie vor prägen.

Zum andern ist dies auch beim reformierten

Kirchengemeindehaus

gelungen, das aus den 1950er Jahren

von Architekt Hans Müller aus

Burgdorf stammt und das auf der

Südseite grossflächige Fenster

aufweist. Im Zuge der Gesamtsanierung

konnten diese Fenster von

einem Schreiner mit IV-Scheiben

nachgerüstet werden. EMS

1788 lassen Vater und Sohn Niklaus

Joost, Löwenwirte, Textilhändler

und Baumwollfabrikanten in Langnau,

diesen ausgezeichneten Vertreter

eines repräsentativen grossgewerblichen

Wohnstocks erbauen.

In grösseren Dörfern entstehen

zwischen 1780 und 1830 Wohn- und

Gewerbehäuser im Stil und Dekor

patrizischer Landsitze. Diese werden

von einflussreichen und begüterten

Wirten, Gerbern, Müllern, Tuch- und

Käseherren in Auftrag gegeben.

Von 1803 bis 1817 ist der Stock Sitz

des neu geschaffenen Oberamtes

Signau, von daher auch die Bezeichnung

«Altes Amtshaus». Mit der

Erneuerung der Dachhaut, der Neueinkleidung

der Lukarnen, der Bereinigung

der Kamine und dem Neuanstrich

der Fassaden wurde die

Gebäudehülle in einen neuwertigen

Stand versetzt. Das Gebäude dient

heute als Wohnhaus und Bäckerei.

DOP

Köniz, Wabern, Eichholzstrasse 29

Massnahmen: Sanierung und Ertüchtigung

Schulanlage, 2013–2015

Bauherrschaft: Gemeinde Köniz

Architekten: Bienert Kintat Architekten, Zürich

Denkmalpflege: Fabian Schwarz

(Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2015

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Langenthal, Wuhrplatz 1 und

Melchnaustrasse 9

Massnahmen: Neue Vorfenster, 2013/14

Bauherrschaft: Eigentümergemeinschaft

Wuhrplatz 1, Reformierte Kirchgemeinde

Langenthal

Handwerker: studer holz raum werk gmbh,

Utzenstorf

Denkmalpflege: Eva Schäfer (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2007

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Langnau, Bernstrasse 12

Massnahmen: Dach- und Fassadenrestaurierung,

2013

Bauherrschaft: Johann Eichenberger

Architekten: ATS-Architektur GmbH, Anne

Tritten, Langnau

Restauratoren: Walter Ochsner, Bern

Handwerker: Stettler Polybau AG, Eggiwil

(Dachdecker- und Spenglerarbeiten), Bigler

Maler und Gipser AG, Langnau

Denkmalpflege: Dominique Plüss

(Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 1987

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


OBJEKTE | OBJETS

51

STÖCKLI VON 1866

Minergie im Speicherstöckli

REFORMIERTE KIRCHE VON 1709

Vorbild Berner Münsterchor?

SALLE DE SPECTACLE DE 1951/52

Pour que la fête continue

Die vorgefundene Grundrisseinteilung

sowie die Kornkästen im Obergeschoss

des solide gearbeiteten

Holzständerbaus von 1866 deuten

darauf hin, dass das Gebäude,

zumindest zeitweise, gleichzeitig als

Wohn- und Vorratsraum, als sogenanntes

Speicherstöckli genutzt

wurde. Auf der Anhöhe, hinter

Bauernhaus (datiert um 1750) und

Stöckli, steht die dem Ort namensgebende

«Hochwacht», das ehemalige

Wachthaus, von wo aus die

Einwohner bis Anfang des 19.

Jahrhunderts mit Höhenfeuern vor

Überfällen und Feuersbrünsten

gewarnt wurden. Das Stöckli wurde

mit grosser Sorgfalt, Detailtreue

und Eigenleistung der Bauherrschaft

so saniert, dass es (mit entsprechenden

inneren Dämmschichten, kontrollierter

Lüftung und Anlage für

erneuerbare Energien) nebst dem

üblichen Wohnkomfort heute auch

den Minergie-Standard erfüllt. DOP

1907 zog der damalige Münsterbaumeister

Karl Indermühle im Chor

der Pfarrkirche Münsingen eine

Stuckdecke mit Kreuzgratgewölbe

ein. Die Schlusssteine erhielten

farbige Evangelistensymbole, die

Gewölbeflächen Frucht- und Pflanzenranken

über Goldfriesen, alles

auf tiefblauem Grund. Während das

Farbkonzept zeittypisch war, erinnerten

die Ornamente stark an die Gewölbeausmalung

des Berner Münsterchors.

Später verschwand die

ganze Farbigkeit dieser Scheinarchitektur

unter einer weissen Übertünchung,

so dass das Kreuzgratgewölbe

ohne die gliedernde Malerei

künstlich und verloren erschien. Im

Rahmen der Modernisierungsarbeiten

von 2015 im Innern der Kirche

wurde im Chor der Zustand von 1907

wieder hergestellt. Damit wirkt hier

nun erneut die alte Einheit von Raum

und spektakulärer Farbigkeit. MG

Cette salle de spectacles construite

en 1951-1952 est une réalisation

intéressante de l’architecte Otto

Brechbühl (1889–1984). La rénovation

du bâtiment a fait suite à un

incendie survenu en 1990. De cette

architecture résolument contemporaine

au moment de sa construction

ont été conservées la structure

en béton et les baies groupées qui

soulignent la verticalité du bâtiment

et lui assurent un éclairage généreux.

Le propriétaire a décidé de

changer les fenêtres des façades

sud et nord. Une analyse des

couleurs a permis de restituer la

polychromie des années 1950.

Les fenêtres ont été reconstruites

avec des profils multicolores. RK

Langnau, Hochwacht 170a

Massnahmen: Gesamtsanierung, Aus- und

Umbau, 2013/14

Bauherrschaft: Anita und Roy Bachmann

Architekten: Roy Bachmann, Langnau

Handwerker: Enz Holzbau GmbH, Huttwil;

Elektro Liechti AG, Langnau; Wenger Fenster

AG, Wimmis

Denkmalpflege: Dominique Plüss

(Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2012

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Münsingen, Bernstrasse 23

Massnahmen: Innenrenovierung, 2014/15

Bauherrschaft: Reformierte Kirchgemeinde

Münsingen

Architekten: Gassner & Leuenberger

Architekten, Thun

Restauratoren: Fischer & Partner AG

Restauratoren, Bern

Handwerker: Farbwerk Herren AG, Münsingen

Denkmalpflege: Michael Gerber, Hanspeter

Ruch (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2006

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Saint-Imier, Rue des Jonchères 64

Mesures : Changement des fenêtres, 2014

Maître d‘ouvrage : Commune de Saint-Imier

Restaurateurs : Roland von Gunten, Renan

Artisans : J.-P. Gerber, menuiserie, Saint-Imier

Service des monuments historiques :

Laurie Lehmann (conseillère technique)

Mise sous protection : Canton 2014

Contributions : Canton (Fonds de loterie/POM)


52 OBJEKTE | OBJETS

EHEM. KEGELBAHN AUS DEM 19. JH.

Filigraner Ständerbau

Die ehemalige Kegelbahn mit

Anklängen an den Schweizer Holzstil

vervollständigt die gastronomisch

geprägte Baugruppe Regenhaldenstrasse

mit dem ehemaligen Gasthof

Regenhalde von 1888 (Haus Nr. 35)

und der Liqueur-Fabrik von 1890

(Haus Nr. 36). Der filigran wirkende

Ständerbau mit den beiden Pyramidendächern

und dem dazwischen

liegenden Satteldach ist ein rar gewordener

Vertreter seiner Baugattung.

Die für das Kegelspiel benötigten

Einrichtungen wie Abstossplatz,

Kegelbahn und Kegelhaus sind nicht

mehr vorhanden. Umso erfreulicher

ist es, dass mit viel Enthusiasmus,

Eigenleistung, Einfühlungsvermögen

und Liebe zum Detail die neuen

Eigentümer den Bau restauriert

haben. Dank dieses aussergewöhnlichen

Engagements und der einvernehmlichen

Zusammenarbeit aller

Beteiligten bleibt dieser Zeitzeuge für

künftige Generationen erhalten. STZ

PFERDEREGIEANSTALT VON 1890/92

Neue Nutzung in der Pferderegieanstalt

Steffisburg

Die eidgenössische Pferderegieanstalt,

erstellt von 1890 bis1892, in

Steffisburg, ursprünglich für bis zu

600 Pferde gebaut und zwischenzeitlich

als Armeemotorfahrzeugpark

AMP für fast ebenso viele Militärfahrzeuge

dienend, konnte einer neuen

Nutzung zugeführt werden. Die

schweizweit einzigartige Anlage

dient nun als «Schau»-lager für historisches

Armeematerial. Die hierzu

notwendigen Eingriffe und Einbauten

wurden allesamt reversibel (d.h., sie

können ohne Beschädigung der

Originalsubstanz wieder rückgängig

gemacht werden) ausgeführt. Die

Oberflächen der Stallungen blieben

mit ihren jahrzehntealten Gebrauchsspuren

erhalten. Die wertvollen

Wandbilder der Reithalle hingegen

wurden fachgerecht und sorgfältig

restauriert. FAS

BRUNNEN VON 1904

Seltene patentierte Mechanik ist

wieder in Betrieb

Während der Restaurierung der

malerischen Fabrikantenvilla im

Montlig wunderte sich der Bauberater

der Denkmalpflege über den

kuriosen Brunnen in ihrem Garten.

Es stellte sich heraus, dass der ovale

Aufbau über dem Tuffbrunnen mit

einer seltenen Mechanik ausgestattet

ist, dem patentierten System

der französischen Firma L. Jonet &

Cie in Raismes, Département Nord,

für einen «élévateur d’eau». Über

eine handbetriebene Kurbelmechanik

wird das Wasser in zwei Eimern

gefördert und in das Brunnenbecken

entleert. Eimer und Mechanik waren

stark verrostet. Einen Metallbauspezialisten

zu finden war nun die

grosse Herausforderung. Dies

gelang: Der Fachmann reinigte und

restaurierte die Metallteile sorgfältig

und setzte die Mechanik neu zusammen.

Der Brunnen funktioniert

wieder einwandfrei. BaF

Seeberg, Regenhaldenstrasse 35b

Massnahmen: Restaurierung ehemalige Kegelbahn,

2013/14

Bauherrschaft: Stephanie Stotz und

Andrew Simons

Handwerker: Andrew Simons (Projektleitung

und Zimmerarbeiten); Hannes Pulfer, Burgdorf

(Schreinereiarbeiten); Erich Gygax, Seeberg

(Spenglerarbeiten); Jörg GmbH, Bedachungen

und Fassaden, Grasswil

Denkmalpflege: Stephan Zahno (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2013

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Steffisburg, Motorparkstrasse Nr. 103/104

Massnahmen: Umnutzung, 2015

Bauherrschaft: armasuisse Immobilien, Bern

Architekten: Gähler und Partner AG,

Ennetbaden

Denkmalpflege: Fabian Schwarz

(Bauberatung Kanton), Daniel Külling (KOMZ

Denkmalschutz VBS)

Täuffelen, Montligstrasse N.N.

Massnahmen: Restaurierung der Brunnenmechanik

und des Trogs, 2014/2015

Bauherrschaft: Hélène Sironi und Lukas Weiss

Handwerker: metal Carlo von Ballmoos, Biel/

Bienne; Heinz Lehmann, Steinbildhauer,

Leuzigen

Denkmalpflege: Rolf Weber (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2015

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


OBJEKTE | OBJETS

53

WOHNHAUS UND GARAGE VON 1907/1932

Ungleiches Paar am Thuner

Aarebecken

Bei der Gesamtsanierung der

chaletartigen «Villa Choisy» wurden

im Inneren in aufwendiger Arbeit

die erhaltenen Täferungen und Parkettböden

der Wohnräume restauriert.

Die qualitätsvollen, geschwungenen

und differenziert sprossierten

originalen Fenster wurden restauriert,

jene gegen die lärmbelastete Hofstettenstrasse

hin detailgetreu ersetzt.

Die Farbzier am gut erhaltenen

Holzwerk wurde aufgefrischt. Als

eigentliche Trouvaille erwies sich das

originelle Garagengebäude von 1932,

welches zusätzlich einen Wintergarten-

und Atelierbereich mit Spindeltreppe

aufweist. Auch dieses grau

gefasste Nebengebäude in Massivbauweise

wurde originalgetreu

restauriert, Tore und Fenster aufgefrischt.

Die beiden ungleichen

Gebäude bilden trotz ihrer völlig

verschiedenen Baustile ein harmonisches

Paar. SMO

FABRIQUE D’HORLOGERIE DE 1923

Et elles basculent toujours

Cette ancienne fabrique d’horlogerie

construite vers 1923 a été transformée

en appartement-atelier afin de

redonner une nouvelle vie à un objet

intéressant du patrimoine architectural.

Le remplacement des fenêtres

a fait l’objet d’une réflexion approfondie.

Les anciennes fenêtres

basculantes ne répondant plus aux

normes d’isolation thermique, la

propriétaire a souhaité les remplacer.

Après de nombreuses discussions,

une solution a été trouvée. Les

fenêtres à bascule ont été remplacées

par de nouvelles, identiques,

sans possibilité toutefois d’insérer un

store entre deux verres comme

c’était le cas dans les anciennes.

A ce détail près, le travail de remplacement

a tenu ses promesses et

les nouvelles fenêtres à bascule en

bois ont pu être posées. RK

SPEICHER AUS DEM 17. JAHRHUNDERT

Imposanter Speicher mit Malereien

instand gesetzt

Der grosse, teilweise massive Speicher

stammt mit seinem gemauerten

Kern aus dem 17. Jahrhundert. Der

Holzaufbau muss im späten 18.

Jahrhundert aufgesetzt worden sein.

Der zum Gehöft Hofen 116 gehörende,

gut gelegene Speicher hatte

ein defektes Dach. Der hangseitige

Laubenteil hatte wegen eines Holzschopfanbaus

statische Schäden

erlitten. Diese Defekte mussten behoben

werden. Im Zuge dieser

Massnahmen wurde auch der später

angebaute Hühnerstall entfernt und

der Putz des gemauerten Erdgeschosses

restauriert. Die nur noch

fragmentarisch erhaltenen Kugelfriesmalereien

aus der Bauzeit

wurden gesichert und konserviert.

Die reibungslose Zusammenarbeit

der Eigentümerschaft mit der Denkmalpflege,

den beteiligten Handwerkern

und Restauratoren basierte

auf der Sympathie für dieses ungewöhnliche

Speichergebäude. EMS

Thun, Hofstettenstrasse 16 + 16b

Massnahmen: Restaurierung Wohnhaus und

Garagengebäude, 2013/14

Bauherrschaft: Katharina und Erich

Zimmermann, Gümligen

Architekten: beat huss gmbh architektur +

planung, Thun

Restauratoren: Roger Tinguely, Steffisburg

Handwerker: Pulfer Maler + Gipser AG, Thun;

Brenzikofer Holzbau AG, Wichtrach; Fritz Hänni,

Schreinerei, Belpberg

Denkmalpflege: Stefan Moser (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Tramelan, Rue des prés 6

Mesures : Remplacement des fenêtres,

2012–2014

Maître d‘ouvrage : Esther-Lisette Ganz

Architectes : JDF. raum und kunst, Bienne

Artisans : Gallina-Lus SA, menuiserie, Péry

Service des monuments historiques :

Olivier Burri (conseiller technique)

Mise sous protection : Canton 2013

Contributions : Canton (Fonds de loterie/POM)

Ursenbach, Hofen 116a

Massnahmen: Aussenrestaurierung, 2014/15

Bauherrschaft: Monika und Andreas Bernhard

Restauratoren: Fischer und Partner AG

Restauratoren, Bern

Handwerker: P. Graf AG, Bedachungen und

Fassaden, Ursenbach/Madiswil; ZAHO Zaugg +

Co, Zimmerei/Holzbau, Ursenbach

Denkmalpflege: Eva Schäfer (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


54 OBJEKTE | OBJETS

KIRCHE URTENEN VON 1966–1968

Meisterliche Lösung für den Chor

WASSERRAD- UND PUMPENHAUS, 19. JH.

Kein Trinkwasser

STÖCKLI VON 1817

Fast zerfallen – nun wieder bewohnt

Der frei komponierte Sichtbetonbau

des Architekten Edwin Rausser

wirkt auf der höchsten Erhebung von

Urtenen wie eine Skulptur. Beton,

Klinker, Holz und Glas prägen die

Stimmung des Kirchenraums. Für die

zeitgemässe Nutzung wünschte

sich die Kirchgemeinde insbesondere

eine praktischere Konzeption

des leicht ansteigenden Chors. Der

Architekt fand mit einem multifunktionalen

Podest eine meisterliche

Lösung: Das Holzmöbel ist stufenartig

für Chor- wie auch als flache

Ebene für Theateraufführungen nutzbar.

Den zentralen Gottesdienstort

unter monumentalem Leuchter

rahmen die originale Kanzel und ein

neuer, verschiebbarer Abendmahlstisch.

Seine einmalige Atmosphäre

verdankt der Kirchenraum dem

sorgfältigen Umgang mit alten und

neuen Elementen und einer ausgeklügelten

Lichtanlage. BaF

Wer wachen Auges durch Utzenstorf

streift, findet an mehreren Orten

über dem Bachlauf kleine steinerne

Häuschen; eines davon, gemauert

aus grossen Jurasteinquadern, steht

gleich vis-à-vis des Gasthofs Bären.

Dank dem lokalen Verein Radwerk

Landshut ist heute wieder für jedermann

augenfällig, wozu es einst gedient

hatte; es hat sein Innenleben

in Form eines aus Eisen und Holz

gebauten Wasser- und eines Schöpfrades

zurückerhalten. Aufgrund der

heute geringen Wassermenge im

Dorfbach wird das Rad zwar nicht

mehr zur Energiegewinnung genutzt,

aber das Schöpfrad füllt wieder

ein Brunnenbecken, das so selbstverständlich

an der Hausmauer steht,

als wäre es schon immer da gewesen

– nur trinkbar ist das Wasser

leider nicht. IMR

Das einzigartige Stöckli besteht aus

einem Wohngeschoss in Riegbauweise

über einem massiven, ehemals

verputzten Erdgeschoss. Der Bau

besticht durch seine qualitätsvollen

spätbarocken Elemente und durch

die grösstenteils erhaltene originale

Bausubstanz. Das Stöckli präsentierte

sich vor der Renovierung in

einem sehr schlechten Zustand.

Es war längere Zeit unbewohnt und

verlotterte zusehends. Nur durch

den aussergewöhnlichen Einsatz

der Bauherrschaft – von der Denkmalpflege

nach Kräften unterstützt –

gelang es, einen Grossteil der

historischen Substanz zu erhalten

und diesen bedeutenden Bau zu

retten. Das Gebäude wurde sorgfältig

renoviert und an die heutigen

Wohnbedürfnisse angepasst. Heute

dient es wieder als Stöckli, als

sogenannter Altenteil. STZ

Urtenen-Schönbühl, Friedhofweg 9

Massnahmen: Gesamtsanierung, 2010–2012

Bauherrschaft: Reformierte Kirchgemeinde

Jegenstorf Urtenen

Architekten: Architekturbüro Patrick Thurston,

Bern

Handwerker: Indermühle Bauingenieure, Thun;

David Normann, Ipsach (Akustik- und

Audioplanung); Amstein + Walthert AG, Zürich

(Lichtgestaltung & Bauphysik)

Denkmalpflege: Hanspeter Ruch

(Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Utzenstorf, Hauptstrasse 21b

Massnahmen: Sanierung Wasserrad und

Schöpfrad, 2014/15

Bauherrschaft: Verein Radwerk Landshut,

Eigentümer: Johannes Hubler-Burkhalter

Architekten: Verein Radwerk Landshut,

Utzenstorf

Handwerker: Verein Radwerk Landshut,

Utzenstorf

Denkmalpflege: Isabella Meili-Rigert

(Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2014

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)

Wynigen, Breitslohn 157b

Massnahmen: Gesamtrenovierung, 2013–2015

Bauherrschaft: Familie Walter Zurflüh

Architekten: A+W Architekten AG, Kirchberg

Handwerker: Holzbau Riesen AG, Grasswil;

Beat Hubschmied, Langnau i.E. (Steinhauerarbeiten)

Denkmalpflege: Stephan Zahno (Bauberatung)

Unterschutzstellung: Kanton 2007

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/POM)


ENTDECKUNG | DECOUVERTE

55

Pionierhafte Stromproduktion

Das Kraftwerk Schattenhalb 2 am Reichenbach

Die Entwicklung im Strommarkt

und anstehende Konzessionserneuerungen

führten dazu, dass

in der Schweiz innerhalb weniger

Jahre fast alle kleinen Kraftwerke

aus der Frühzeit der Elektrizität

ausser Betrieb gesetzt

oder modernisisert wurden.

Nicht so das Kraftwerk Schattenhalb

2, das samt Turbinen und

Generatoren glücklicherweise

vollständig erhalten bleibt.

Die Zentrale 2 des Kraftwerks

Schattenhalb liegt hoch über dem

Talgrund und ist nur zu Fuss oder

über eine Betriebs-Haltestelle kurz

vor der Bergstation der Reichenbachfallbahn

erreichbar. Die Anlage

ist mit Pelton-Turbinen der «Ateliers

de construction mécaniques de Vevey»

und Generatoren der «Maschinenfabrik

Oerlikon» ausgestattet,

zwei Pionierfirmen der Schweizer

Maschinen- und Elektroindustrie.

Die grössere Turbinen-Generator-

Gruppe wurde seit 1926 kaum verändert,

die kleinere 1940 ersetzt.

Wie die Reichenbachfallbahn gehen

auch die Kraftwerke Schattenhalb

auf die Initiative der Hoteliers Elias

Flotron und Franz Josef Bucher zurück.

Das «Elektrizitätswerk Schattenhalb

AG» ging 1909 ans Netz.

1917 wurde das Werk vom Besitzer

einer Kalziumkarbidfabrik übernommen,

der 1926 die Zentrale Schattenhalb

2 als obere Stufe der Kraftwerksanlage

errichten liess. Seit

2010 vereint das Kraftwerk Schattenhalb

3 die beiden alten Druckstufen

in einer einzigen Anlage; der

Betrieb der Zentrale 2 wurde eingestellt,

die Zentrale 1 mit reduzierter

Produktion weiterbetrieben.

2015 nahm die BKW-Tochter EWR

Energie die Gesamterneuerung des

Kraftwerks Schattenhalb 1 in Angriff,

Turbinen- und Generatoren wurden

entfernt. Dasselbe war im Kraftwerk

Schattenhalb 2 vorgesehen. Kurz

vor der Demontage konnten Vertreter

von Denkmalpflege und Heimatschutz

das Gebäude erstmals auch

im Innern besichtigen. Die Begeisterung

über die vollständig erhaltene

Apparatur und den hohen industriegeschichtlichen

Wert der

gesamten Anlage war gross. Es gelang

in letzter Minute, die Bauarbeiten

zu stoppen und stattdessen

nach Möglichkeiten für den Erhalt zu

suchen. Eine neu gegründete Stiftung

prüft nun gangbare Wege, die

eindrückliche Maschinerie nachhaltig

zu bewahren und der Öffentlichkeit

zugänglich zu machen. BaF


56 AUSWAHL | SELECTION

Auswahl weiterer Bauprojekte 2014–2015

Biel/Bienne

- Albrecht-Haller-Str. 11

Wohn- und Geschäftshaus

Restaurierung Fassade

und ausgemaltes

Treppenhaus, Dachsanierung

- Alpenstrasse 33/35

Doppeleinfamilienhaus

Fassaden- und Fensterrenovierung,

Dachsanierung

- Bahnhofstrasse 1

Wohn- und Geschäftshaus

Umbau Erdgeschoss,

Einbau Tabakladen

- Bahnhofstrasse 11

Volkshaus

Restaurierung Saal und

Treppenhaus

- Champagneallee

Schulanlage Champagne

Beton- und Dachsanierung

- General-Dufour-Str. 30

Wohn- und Geschäftshaus

Renovierung Fassade

und Fenster, Dachsanierung

- General-Dufour-Str. 64a

Mehrfamilienhaus

Gesamtrenovierung

innen, Fassadenrenovierung

- Jakob-Rosius-Strasse 3

Villa

Renovierung Wohnung

Erdgeschoss

- Neuenburgstrasse 48

Ehem. Pächterhaus

Umbau und Renovierung

Wohnung 1. OG

- Nidaugasse 39

Wohnhaus mit Laden

Fassadenrenovierung

und Dachsanierung

- Paul-Robert-Weg 16

Kinderheim Ried

Gesamtsanierung

- Rennweg 68–82

Genossenschaftssiedlung

Fensterersatz in Holz

- Ring N.N.

Vennerbrunnen

Restaurierung Brunnenschale

und Pflästerung

- Schlösslistr. 35/37/39

Schulhaus Bözingen-

Mett «Chatelet»

Gesamtsanierung

- Seevorstadt N.N.

Strassenbauliche

Sanierung Nordachse

West

Restaurierung Mauern,

Zäune, Brunnen,

Einfassungen Rasenflächen

an Promenade

- Solothurnstrasse 1

Ehem. Drahtwerk,

Schraubenfabrik

Gesamtsanierung, neue

Nutzung

- Unterer Quai 23

Wohn- und Geschäftshaus

Umnutzung Erdgeschoss

- Unterer Quai 31a

Atelier

Fassadenrenovierung

- Wasenstrasse 34–46

Wohnüberbauung

Umbau, Sanierung und

Fassadenrenovierung

Büren an der Aare

- Aareweg 65

Bauernhaus

Umbau und Sanierung

- Hauptgasse 6

Wohn- und Geschäftshaus

Ausbau Dachgeschoss

zu Ärztezentrum

Burgdorf

- Bahnhofstrasse 35

Postgebäude

Aussensanierung,

Dachausbau und

Ertüchtigung Treppengeländer

- Bernstrasse 9

Ehem. Lager- und

Bürogebäude

Umbau und sanfte

Sanierung

- Hohengasse 13

Wohnhaus

Innenrenovierung und

Wiederherstellung

Alkovenzimmer mit

Böden und Ofen

- Kornhausgasse 7

Ehem. Städt. Kornhaus

Fassadensanierung

2. Etappe

- Metzgergasse 20

Wohnhaus

Umbau und Sanierung

- Oberburgstrasse 4

Villa, heute Wohnheim

Aussensanierung

Dotzigen

- Lyssstrasse 24

Alte Mühle

Sanierung Mahlanlage,

Dach und Verputz

Fassade

Erlach

- Amthausgasse 16

Pfarrhaus

Renovierung hinterer Teil

Herzogenbuchsee

- Bernstrasse 15

Umnutzung Erdgeschoss,

Fassaden- und

Dachsanierung

- Oberstrasse 2

Wohnhaus

Ausbau und Sanierung

Dachgeschoss, Fassadenrenovierung

und

Fensterersatz, Restaurierung

Gartenzaun

Hilterfingen

- Dorfstrasse 49

Mehrfamilienhaus

Gesamtsanierung

- Staatsstrasse 52

Schloss Hünegg,

Grottenanlage

Wiederherstellung in

drei Etappen

Iseltwald

- Dorf 29

Haus Bären

Gesamtsanierung

Jegenstorf

- General-Guisanstr. 5

Schloss Jegenstorf

Restaurierung Südfassade

Kiesen

- Bahnhofstrasse 22

Bauernhaus

Um- und Ausbau

Kirchberg

- Eystrasse N.N.

Sonntagsschullokal der

Fabrik Elsässer

Umbau und Renovierung

Köniz

- Juchstrasse 9

Altes Schulhaus Niederwangen

Sanierung der Fassaden

und der Innenräume

- Liebewilstrasse 162

Ofenhaus

Renovierung

- Muhlernstrasse N.N.

Historische Schlossmauer

Sanierung

- Muhlernstrasse 3

Pfarrhaus

Sanierung Riegausfachung,

neue Fenster

nach historischem

Vorbild, neue Bodenbeläge,

Restaurierung


AUSWAHL | SELECTION

57

Festsaal inkl. Wiedereinbau

Kachelofen

Koppigen

- Hauptstrasse 3

Kirche

Gesamtsanierung

Krauchthal

- Dorfstrasse 21

Bauernhaus

Umbau und Sanierung

- Ey 144

Stöckli

Ausbau und Gesamtsanierung

Leuzigen

- Bürenstrasse 27

Kirche

Sanierung Kirchturm

und Glockenstuhl

Ligerz

- Dorfgasse 19

Ehem. Herbsthaus der

Klosterlandvogtei

Thorberg

Um- und Ausbau

Dachgeschoss

Linden

- Egglishäusern 141a

Ofenhausspeicher

Gesamtsanierung

Moosseedorf

- Schlössliweg 6

Wohnstock

Fassadenrenovierung

Moutier

- Rue Industrielle 18

Usine

Assainissement et

amélioration thermique

du toit

Mühleberg

- Buchstrasse 5

Kirche

Sanierung Kirchturm

Nidau

- Balainenweg 25

Schule Balainen

Renovierung

- Hauptstrasse 28

Wohn- und Geschäftshaus

Umbau und Sanierung,

Restaurierung des

Interieurs

Oberdiessbach

- Schloss-Strasse 125

Bauernhaus

Um- und Ausbau

- Thunstrasse 5

Ehem. Rest. Bären

Umfassende Teilsanierung

Renan

- Envers des Convers 40

Pigeonnier

Restauration

- Place Ami-Girard 3

Restauration des

façades et de la toiture

Rüdtligen-Alchenflüh

- Hauptstrasse 9

Villa

Um- und Ausbau

Rüegsau

- Rüegsaustrasse 1

Restaurant Sonne

Fenstersanierung,

Abbruch Saal

Saanen

- Chilchgasse 5

Kirche

Schindeleindeckung von

Kirchenschiff und Turm

Saint-Imier

- Rue Francillon 2

Restauration de

l'enveloppe, aménagement

d’une boutique

Schüpfen

- Schwanden 49a

Speicher und Ofenhaus

Umnutzung

Seeberg

- Bergstrasse 11

Kirche

Sanierung Kirchhofmauer

Spiez

- Bahnhofstrasse 12

Bahnhof

Gesamtsanierung und

Restaurierung Fassaden

Steffisburg

- Bernstrasse 96

Schulhaus

Erweiterung und Sanierung

Sumiswald

- Eichholzstrasse 6

Bauernhaus

Sanierung Wohnteil und

Umbau Ökonomieteil

Tavannes

- Rue du Général Voirol 7

Eglise

Restauration des vitraux

et sauvegarde du

clocher

- Rue du Foyer 4

Immeuble

Réfection de la toiture,

remplacement des

volets et peinture des

façades et toiture

Thun

- Scheibenstrasse 25

Wohlfahrtshaus

Gesamtsanierung

- Schlossberg 12

Stadtkirche Thun

Gesamtsanierung

Tramelan

- Collège 13

Halle de gymnastique

Transformations et

restaurations

Twann-Tüscherz

- Burgweg 8

Ehem. Rebhaus

Um- und Ausbau,

Fassadenrenovierung

Wangen an der Aare

- Vorstadt 15/17

ehem. Bauernhaus

Gesamtsanierung


58 VERLUSTE | PERTES

Verlorene Bauten

TRACHSELWALD, ÄBNIT 46

Bauernhaus von 1832

Das als erhaltenswert eingestufte

Bauernhaus ist Mitte April 2015 bis

auf die Grundmauern abgebrannt.

Die Bewohnerinnen und Bewohner

verloren ihr ganzes Hab und Gut.

Anfang 2016 haben die Arbeiten für

den Ersatzneubau begonnen.

OBERBURG, KRAUCHTHALSTRASSE 26A

Stöckli mit Kern von 1703

Trotz diverser Gutachten, Kostengutsprachen

und einer vorfinanzierten

Machbarkeitsstudie für einen

Wohn- und Atelierumbau konnte das

Stöckli, das nach jahrzehntelangem

Leerstand und ungenügendem

Dachunterhalt zu einer Gefahr für

die Passanten geworden war, nicht

gerettet werden.

SCHATTENHALB, GRIMSELSTRASSE 53/53A

Doppelwohnhaus von 1851

Das schützenswerte Wohnhaus und

die dazugehörige Scheune fielen im

November 2015 einem verheerenden

Brand zum Opfer. Einige Teile der

reich verzierten Hauptfront und der

Sockelbereich blieben zwar verschont,

konnten jedoch aufgrund der

insgesamt starken Zerstörung und

der grossen Löschwasserschäden

nicht erhalten werden.

SCHWANDEN, OBERSCHWANDERSTR. 42

Bauernhaus von 1728

Das Bauernhaus in Schwanden

bei Brienz gehörte zu den ältesten

datierten Bauten in der Gemeinde.

Trotz einer Baubewilligung für

die Restaurierung wurden zuerst

der Blockbau und anschliessend die

Bruchsteinmauern vollständig

abgebrochen. Ein für das Ortsbild

von Schwanden wertvolles Gebäude

ist unwiederbringlich zerstört.


EINBLICKE | APERÇUS

59

Von Ofenkacheln umgeben

Einblick in den Arbeitsalltag von Ivana Wyniger

Ivana Wyniger erfasst und dokumentiert

eine umfangreiche historische

Ofensammlung. Diese

beinhaltet Werke des bekannten

Kachelofenmalers Johann Heinrich

Egli und viele weitere Ofenvariationen.

Der Raum im obersten Geschoss eines

Gewerbebaus ist gross, wird

jedoch nahezu bis zum letzten Zentimeter

genutzt: Unzählige Bananenschachteln

und Holzharassen türmen

sich im vorderen Bereich, dahinter

stehen ordentlich aufgereiht stabile

Holzkisten neueren Datums. «Hier

befinden sich über hundert Öfen»,

erklärt Ivana. Das vermeintliche Sammelsurium

hat System: «In den Bananenkisten

und Harassen befinden

sich Ofenkacheln, die ich noch nicht

erfasst und dokumentiert habe. Sobald

ein Ofen bearbeitet ist, verpacke

ich die einzelnen Kacheln in eine neue

Holzkiste und lege das Datenblatt bei.»

Die Kachelöfen stammen aus verschiedenen

Regionen der Schweiz,

hauptsächlich aber aus dem Kanton

Bern. Als es darum ging, die bedeutsame

Sammlung aufzulösen, wurde

sie deshalb der Denkmalpflege des

Kantons Bern angeboten. Immer wieder

werden Kachelöfen aus dem Bauteillager

der Denkmalpflege in geeignete

Gebäude eingebaut, daher

schien es sinnvoll, die Sammlung in

den Bestand aufzunehmen.

Die Sammlung wurde in der Folge

vorübergehend eingelagert. Die Aufarbeitung

und Eingliederung ins

Bauteillager stand vorerst nicht zur

Diskussion, wurde jedoch aktuell, als

Ivana Wyniger bei der Denkmalpflege

ein Praktikum absolvieren wollte. Sie

ist gelernte Steinbildhauerin und belegt

zurzeit den Masterlehrgang

Denkmalpflege und Umnutzung an

der Fachhochschule Burgdorf. Ein

Glücksfall für die Denkmalpflege:

Ivana verlängerte ihr Praktikum und

nahm unter Anleitung der Ofenspezialisten

der Denkmalpflege die Dokumentation

der Öfen in Angriff.

Im Moment liegen alle Kacheln des

Ofens Nummer 54 ausgebreitet auf

dem Boden. «Es ist jeweils wie Weihnachten,

wenn ich einen neuen Ofen

angehe und die Kacheln auspacke»,

erzählt Ivana. Sie prüft dann die Vollständigkeit

des Ofens und erstellt

eine massgenaue Zeichnung des aufgebauten

Zustands und der Profilschnitte.

Die Kacheln werden fotografiert,

nummeriert und digital erfasst,

was auch wissenschaftlichen Zwecken

dient. «Mit dieser Bauanleitung

kann man einen Ofen relativ einfach

einbauen», erläutert Ivana. Einer der

Öfen soll demnächst in der Propstei

Interlaken installiert werden – die beste

Art, Kulturgüter zu bewahren. BaF


60 ZAHLEN | CHIFFRES

Die Denkmalpflege in Zahlen – 2015

ARBEITSGEBIET

BAUBERATUNG

UND SCHUTZ-

OBJEKTE

CHAMP D’ACTION

DES CONSEILLERS

TECHNIQUES ET

OBJETS CLASSÉS

BEHANDELTE

GESCHÄFTE

Objekte der Denkmalpflege

des Kantons Bern (ohne Stadt

Bern)

AFFAIRES

TRAITÉES

Objets du Service des monuments

historiques (sans la

ville de Berne)

3734 478

117

403’567

100%

Total Bauten im Kanton Bern

(ohne Stadt Bern)

Total des bâtiments en canton de

Berne (sans la ville de Berne)

30’000

7,4%

Von der Denkmalpflege

betreute Bauten

(ohne Stadt Bern)

6’073

1,5%

Bauten unter Schutz des

Kantons oder des Bundes

(ohne Stadt Bern)

Bâtiments sous la

protection du Canton

ou de la Confédération

(sans la ville de Berne)

Bâtiments et projets de

construction accompagnés par

le Service des monuments

historiques (sans la ville de Berne)

Quellen | Sources: 1*, 2*, 3*

Betreute Bauten und

Bauvorhaben

Bâtiments et projets

de construction

accompagnés

ABKLÄRUNGEN

ARCHIV, FOR-

SCHUNG & BAU-

DOKUMENTATION

Anzahl Abklärungen

Nombre de clarifications

332

Beitragsgeschäfte

(ausbezahlt durch

Lotteriefonds)

Dossiers de

contribution

financière

(versés par le

Fonds de loterie)

CLARIFICATIONS

ARCHIVES,

RECHERCHE &

DOCUMENTATION

TECHNIQUE

Externe

Anfragen

Archiv und

Forschung

Stellungnahmen zu

Wettbewerben und

Planungsvorhaben

Prises de position

concernant des

concours et projets

de planification

Quellen | Sources: 2*, 3*

Demandes

extérieures

archives et

recherches

1525

Total

1193

Interne Abklärungen

Archiv,

Forschung und

Baudokumentation

zu Geschäften

der Bauberatung

Demandes

internes archives,

recherche et

documentation

technique

concernant des

dossiers actuels

des conseillers

techniques

Quellen | Sources: 2*


ZAHLEN | CHIFFRES

61

Le Service des monuments historiques

en chiffres – 2015

FINANZHILFEN

CONTRIBUTIONS

FINANCIÈRES

FOLGE-

INVESTITIONEN

INVESTISSE-

MENTS

Objekte der Denkmalpflege

des Kantons Bern (ohne Stadt

Bern)

Ausbezahlte Finanzhilfen

aus Mitteln des kantonalen

Lotteriefonds

12,6 Mio. CHF

Contributions financières

versées grâce à des

prélèvements opérés sur

le Fonds de loterie

Ausbezahlte Finanzhilfen

des Bundesamts für Kultur

Objets du Service des monuments

historiques (sans la

ville de Berne)

Der Schutz und die Pflege von

Baudenkmälern, geschichtlichen

Stätten und Ortsbildern tragen

wesentlich zur Erhaltung der

kulturellen Identität und Vielfalt

unseres Kantons bei. Die Vielfalt

des gebauten Erbes bildet eine

wichtige Grundlage für den Tourismus

und ist volkswirtschaftlich

von Bedeutung. Die öffentliche

Hand löst mit dem Beitrag in der

Höhe eines Frankens Investitionen

von acht weiteren Franken

im Zusammenhang mit der Erhaltung

des gebauten Erbes aus.

La protection et la conservation

du patrimoine bâti (monuments

historiques, sites historiques,

sites construits) font partie des

tâches qui contribuent de

manière significative au maintien

de l’identité et de la diversité

culturelles de notre pays. Des

enquêtes portant sur les intérêts

culturels du public montrent que

les Suisses sont attachés à la

conservation de leur patrimoine.

Le tourisme et l’économie tirent

un grand bénéfice de la diversité

exceptionnelle des monuments

et des paysages culturels.

Chaque franc alloué par les

pouvoirs publics à la conservation

du patrimoine bâti génère huit

francs d’investissement.

1,6 Mio. CHF

Contributions financières

versées de l’Office fédéral

de la culture

Quellen | Sources: 2*, 3*

1 CHF

8 CHF

KOSTEN

PRO KOPF

Pro Kopf der Kantonsbevölkerung

generiert die Denkmalpflege

einen Kostenaufwand

von rund 7 Franken.

COÛTS PAR

HABITANT

Le service des monuments

historiques génère des coûts

de 7 francs par habitant de la

population du canton.

Beitrag

Contribution

Folgeinvestitionen

Investissements

Quellen | Sources: 4*

7,16

CHF

Quellen | Sources: 3*, 5*

*Quellen | Sources:

1 Amt für Geoinformation, BEGID, Total Gebäude 2015 |

Office de l'information géographique, BEGID, bâtiments Total 2015

2 Geschäftsstatistik der Denkmalpflege des Kantons Bern |

Statistiques du Service des monuments historiques du canton de Berne

3 Datenbank Lotteriefonds/Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern |

Base de données du Fonds de loterie/Direction de la police et des

affaires militaires

4 Zitiert in der Kulturbotschaft 2012–2015. Quelle: NIKE, Die volkswirtschaftliche

Bedeutung der Denkmalpflege in der Schweiz, Bern und Zürich, Mai

1991 (aktuellere Studien sind nicht verfügbar). |

Cité dans le message sur la culture 2012–2015. Source: NIKE, Die volkswirtschaftliche

Bedeutung der Denkmalpflege in der Schweiz, Bern und

Zürich, Mai 1991 (des études plus actuelles ne sont pas disponibles).

5 FIS 2000


62 PUBLIKATIONEN | PUBLICATIONS

Baukultur per App und

Internet entdecken

Baudenkmäler begleiten und prägen

uns im Alltag. Sie sind die baulichen,

authentischen Zeugnisse unserer Geschichte

und Kultur. Die Baudenkmäler

des Kantons Bern sind im Bauinventar

erfasst, beschrieben und bewertet. Die

Daten des Bauinventars sind online

oder per Smartphone-Applikation einsehbar.

Interessierten Privatpersonen,

Gemeinden oder Bauschaffenden

steht damit ein praktisches Recherche-Instrument

zur Verfügung.

Die digitale Abfrage präsentiert einen

aktuellen, aber rechtlich nicht verbindlichen

Datenauszug aus dem

Bauinventar. Die rechtsgültige Ausgabe

des kantonalen Bauinventars

liegt auf den Gemeinden und auf

den Regierungsstatthalterämtern in

gedruckter Form vor.

Bauinventar online

Auf der Internetseite der Denkmalpflege

ist das Inventar unter «Bauinventar

online» zu finden. Die Suche

erfolgt mit Hilfe einer einfachen

Suchmaske. Via Gemeinde oder

Adresse kann gezielt nach Baudenkmälern,

nach ihrer Bewertung oder

nach geschützten Baudenkmälern

gesucht werden. Im Suchergebnis

sind die Baudenkmäler mit einer

Fotografie illustriert, dazu erläutert

ein Kurztext die besonderen Qualitäten

des Objekts sowie seine

fachliche Bewertung.

denkmappBE

Per Smartphone oder Tablet erfolgt

der Zugriff auf das Bauinventar mit

der Applikation «denkmappBE».

Diese kann in den Stores für Apple,

Android und Windows kostenlos

heruntergeladen werden. Die Suche

erfolgt via Gemeinde oder Adresse.

Das Suchergebnis liefert zusätzlich

zum beschreibenden Kurztext

mit Foto auch eine Kartenansicht

des jeweiligen Objekts.

Das Bauinventar im Geoportal

Das Geoportal der Bau-, Verkehrsund

Energiedirektion BVE ist die

offizielle Publikationsplattform des

Kantons Bern für Geoinformationen.

Das Bauinventar ist im Kartenangebot

des Geoportals zu finden.

Die Kartenanwendung ermöglicht

die übersichtliche Lokalisierung der

Baudenkmäler und bietet einen

Überblick über den ganzen Kanton.

Die Suche nach Baudenkmälern,

Baugruppen oder Strukturgruppen

erfolgt über die Zoomfunktion oder

über die Adresse.

www.be.ch/geoportal

www.be.ch/denkmalpflege


PUBLIKATIONEN | PUBLICATIONS

63

Découvrir le patrimoine bâti

en ligne et sur App

Les monuments historiques nous accompagnent

au quotidien. Ils sont les

témoins architecturaux authentiques

de notre histoire et de notre culture.

Les monuments historiques du canton

de Berne sont recensés, décrits et

évalués techniquement dans le recensement

architectural. Ce dernier est

disponible sur Internet et via une application

mobile.

Le recensement architectural constitue

donc un outil de recherche

pratique pour les particuliers intéressés,

les communes et les spécialistes

du bâtiment. Les données numériques

sont un extrait actuel et non

contraignant sur le plan juridique du

recensement architectural. La version

légalement valide de celui-ci est

disponible au format papier dans les

communes et dans les préfectures.

Recensement architectural

en ligne

Sur la page Internet du Service des

monuments historiques, l’application

en ligne du recensement architectural

se trouve sous la rubrique « Recensement

architectural en ligne ».

A l’aide d’un masque de recherche

simple, elle permet une recherche

par commune, adresse, appréciation

ou par monument historique classé.

Dans la liste des résultats, les monuments

sont accompagnés d’une

photo, d’un texte bref présentant

leurs principales caractéristiques et

d’une indication sur leur classement.

denkmappBE

L’application « denkmappBE »

(en allemand) permet d’accéder au

recensement architectural sur smartphone

ou tablette. Elle peut être

téléchargée gratuitement depuis

l’App Store, l’Android Market et le

Windows Store. La recherche est

ciblée par commune ou par adresse.

Les résultats sont présentés au

moyen d’un texte succinct, d’une

photo et d’une carte.

Le recensement architectural sur

le géoportail

Les objets du recensement architectural

figurent également dans l’offre

cartographique du géoportail de

la Direction des travaux publics, des

transports et de l’énergie (TTE), la

plate-forme officielle du canton de

Berne pour la publication des informations

géographiques. Grâce à

l’utilitaire de carte, il est facile d’obtenir

un aperçu de la localisation des

monuments historiques sur tout

le territoire cantonal. On trouve ainsi

aisément les objets souhaités au

moyen d’une fonction de recherche

ciblée par monument, par ensemble

bâti ou par ensemble structuré ou

encore en les cherchant sur la carte

par leur adresse ou en zoomant.

www.be.ch/geoportail

www.be.ch/monuments-historiques


64

TERMINE | CALENDRIER

Termine | Calendrier 2016

Denkmalpflegepreis

2016 verleiht die Denkmalpflege

des Kantons Bern bereits zum

siebten Mal einen Anerkennungspreis

für die Restaurierung und

Weiterentwicklung eines Baudenkmals.

In diesem Jahr geht die Auszeichnung

an die Besitzerinnen und

Besitzer eines Doppel-Einfamilienhauses

von 1903. Die beiden Bauherrschaften

haben die Interieurs

ihrer Hausteile unabhängig voneinander

pragmatisch an die eigenen

Bedürfnisse angepasst und

sorgfältig restauriert. Bewährtes

wurde belassen, die Infrastruktur

mit wenigen Eingriffen optimiert.

Genauso pragmatisch entwickelten

die Bauherrschaften für die gemeinsame

Fassadenrestaurierung

ein Farb- und Materialkonzept, das

auch bei zukünftigen Unterhaltsarbeiten

den Rahmen vorgeben wird.

Spezialpreis

Der Spezialpreis 2016 würdigt das

Engagement einer Bauherrin, die

sich mit viel Elan für einen ehemaligen

Lager- und Gewerbebau von

1860 in Burgdorf eingesetzt hat.

Das Porträt der beiden ausgezeichneten

Objekte erscheint in

der Zeitschrift UMBAUEN+

RENOVIEREN. Das Separatum der

Reportage kann bei der Denkmalpflege

bestellt werden.

Ausstellung in Bern

vom 20. Mai bis 18. Juni 2016

Galerie Kornhausforum

Di–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–17 Uhr

Ausstellung in Biel

vom 21. Juni bis 24. Juli 2016

Neues Museum Biel

Di–So 11–17 Uhr

Prix des monuments

historiques

C’est la septième fois que le Service

des monuments historiques

du canton de Berne a décerné son

prix, qui distingue la restauration

et l’aménagement d’un bâtiment

historique.

En 2016, le prix des monuments

historiques est décerné aux deux

maîtres d’ouvrage d’une maison

jumelée de 1903 à Bienne. Les

propriétaires ont restauré leur intérieur

indépendamment les uns

des autres avec beaucoup de soin

et avec un approche pragmatique,

axée sur la substance bâtie

ancienne. Ils ont amélioré l’équipement

en ménageant la substance,

laissant des éléments éprouvés.

Conjointement ils ont restauré la

façade et créé pour cela une gamme

de couleurs et de matériaux. Ce

programme servira de guide pour

de futurs travaux d’entretien.

Prix spécial

Le prix spécial 2016 récompense

quant à lui l’engagement d’un

maître d’ouvrage de Berthoud, qui

s’est investi corps et âme dans la

restauration d’un ancien bâtiment

artisanal.

Le portrait des deux objets récompensés

paraîtra dans la revue

UMBAUEN+RENOVIEREN. Le

tiré à part du reportage peut être

commandé auprès du Service des

monuments historiques.

Exposition à Berne

du 20 mai au 18 juin 2016

Galerie Kornhausforum

ma–ve 10–19h, sa 10–17h

Exposition à Bienne

du 21 juin au 24 juillet 2016

Nouveau Musée Bienne

ma–di 11–17h

Denkmalpflegepreis 2016:

Doppelwohnhaus in Biel |

Prix des monuments historiques

2016 : maison jumelée à Bienne


TERMINE | CALENDRIER

65

Führungen 2016:

Ortstermin Fachwerk

Der neue Führungszyklus der

kantonalen Denkmalpflege präsentiert

von Juni bis November eine

bunte Reihe von Besichtigungen.

Treffen Sie uns vor Ort!

Zusätzliche Informationen:

www.be.ch/denkmalpflege

Visites 2016 : Fachwerk,

venir pour voir

Dans le cadre de son nouveau

cycle de visites, qui s’étendra de

juin à novembre, le Service des

monuments historiques permettra

au public de découvrir toute une

série de bâtiments uniques.

N’hésitez pas à venir nous voir !

Informations complémentaires :

www.be.ch/monuments-historiques

Burgdorf: Gewerbecharme

und Gebrauchsspuren

9. Juni, 18 Uhr, Bernstrasse 9

Biel/Bienne: Ästhetik und

Qualität | Esthetique et qualité

16. Juni, 18 Uhr | 16 juin, 18 h,

Alpenstrasse 33/35

Taubenlochschlucht:

Sommer-Schlucht-Wanderung

21. Juli, 18 Uhr, Bushaltestelle

«Taubenloch» (mit Anmeldung)

La Neuveville:

Le bon goût de vivre en ville

25 aôut, 18 h, Rue du Marché 17

Gsteig: Der Apfelschuss

in Gsteig bei Gstaad

20. Oktober, 18 Uhr, Müligässli 4

Steffisburg: Pferderegieanstalt –

neue Nutzung

17. November, 17.45 Uhr, Schwäbisstrasse

56 (mit Anmeldung)

Spezialpreis 2016: ehem. Lagerund

Gewerbebau in Burgdorf |

Prix spécial 2016 : ancien bâtiment

artisanal à Berthoud

Europäische Tage

des Denkmals

Journées européennes

du patrimoine

Die 23. Ausgabe der Europäischen

Tage des Denkmals findet zum

Thema «Oasen» statt und rückt

Entspannungsorte aller Art ins

Scheinwerferlicht: Von historischen

Gärten, Landschaftsparks und

urbanen Plätzen bis zu gestalteten

Firmenarealen und Kulturlandschaften.

Das detaillierte Programm ist ab

Juli im Internet aufgeschaltet:

www.be.ch/denkmalpflege

La 23e édition des Journées

européennes du patrimoine

sera consacrée au thème « Oasis

des villes, oasis des champs » et

met en évidence toutes sortes

de lieux de détente : jardins historiques,

parcs paysagers, places,

cités-jardins, jardins et parcs de

grandes entreprises ou paysages

humanisés.

Le programme sera disponible sur

notre site internet à partir de juillet :

www.be.ch/monuments-historiques


66

PERSONELLES | PERSONNEL

Mitarbeitende | Employés

Stand Anfang April 2016 |

Etat début avril 2016

59 Personen teilen sich 42 Vollzeitstellen

(inklusive befristete Projektstellen)

| 59 personnes se partagent

42 postes à plein temps (postes de

projet à durée déterminée inclus)

Abteilungsleitung |

Direction de la section

Michael Gerber (MG)

Stab | Etat-major

Barbara Frutiger (BaF)

Beat Käsermann

Doris Sommer

Beatrice Stadelmann

Bau- und Ortsbildpflege |

Conseils techniques et conservation

des sites construits

Tatiana Lori, Leitung | direction

Lukas Auf der Maur

Anne-Marie Biland

Olivier Burri

Peter Ernst

Sandra Grossenbacher

Renate Haueter (RHA)

Fritz Hebeisen

Laurie Lehmann

Isabella Meili-Rigert (IMR)

Stefan Moser (SMO)

Dominique Plüss (DOP)

Hanspeter Ruch

Eduard Salzmann

Eva-Maria Schäfer (EMS)

Ralph Schmidt

Fabian Schwarz (FAS)

Adrian Stäheli

Rolf Weber

Ivana Wyniger

Stephan Zahno (STZ)

Forschung und Bauinventar |

Recherche et recensement

architectural

Richard Buser, Leitung | direction

Heinrich Christoph Affolter

Zita Caviezel

Maria D'Alessandro

Jürg Hünerwadel

Katrin Kaufmann

Edith Keller

Katja Köhler-Schneider

René Kölliker (RK)

Andrea Liechti

Isabelle Roland

Andrzej Rulka

Ursula Schneeberger

Robert Walker

Matthias Walter

Andrea Zellweger

Baudokumentation und Archiv |

Documentation technique et

archives

Barbara Imboden, Leitung | direction

Ester Adeyemi

Rolf Bachmann

Peter Bannwart (PB)

Jürg Frey

Nicole Habegger

Beat Schertenleib

Elisabeth Schneeberger

Nicole Wälti

Esther Wetli

Hans Peter Würsten

Support

Regina Fedele Gerber, Leitung |

direction

Karin Aufenast

Karin Bolliger

Sophie Burri

Christina Mooser

Ruth Thomet

Ausblick | Perspectives

In Szene gesetzt

Oft sind es Details, die einen Bau

wirksam in Szene setzen:

Der repräsentative Bauschmuck

demonstriert den Macht- und

Prestigeanspruch seines Bauherrn

oder seiner Bauherrin, die auffällige

Beschriftung eines Industriebaus

ist Teil des Marketingkonzepts, die

Beleuchtung inszeniert die Architektur

bei Nacht, das Wirtshausschild

ist unentbehrlich für das

Gasthaus. Das «Fachwerk» 2017

rückt die Details ins Zentrum.

Mise en scène

Souvent, ce sont les détails qui

mettent véritablement un bâtiment

en scène : les décors ornant un

bâtiment assoient le pouvoir d’un

maître d’ouvrage, une inscription

caractéristique apposée sur un

bâtiment industriel fait partie intégrante

du concept marketing, un

éclairage subtil dévoile la nuit des

éléments d’architecture insoupçonnés

et que serait une auberge sans

son enseigne typique ? Dans la revue

« Fachwerk » 2017, les détails sont

projetés sur le devant de la scène.


IMPRESSUM

67

Der Tipp

Geschichten vom Bauen.

Ein Sachbuch von Globi

Globi entdeckt das Bauen. Er

erkundet Baustellen, trifft Architekten

und Bauleute, die ihm Einblicke

in ihre Arbeit gewähren. Auf einfache

und spannende Art wird Wissenswertes

zu den Themen Bauen,

Architektur, Heimatschutz und

Stadtentwicklung vermittelt. Globi

macht auch Bekanntschaft mit

Ferien im Baudenkmal, der Stiftung

des Schweizer Heimatschutzes, und

lernt das Huberhaus in Bellwald

kennen. Das Buch bietet Gross und

Klein umfassende, spannende und

unterhaltsame Informationen.

Die verschiedenen Themen sind in

Zusammenarbeit mit Köbi Gantenbein

von der Zeitschrift Hochparterre,

mit dem Heimatschutz Schweiz

und mit weiteren Fachleuten aus den

verschiedenen Bereichen erarbeitet

worden.

Ein Buch für Kinder von 7 bis 12

Jahren – aber auch für interessierte

Erwachsene.

Geschichten vom Bauen.

Ein Sachbuch von Globi

Text: Hubert Bächler, Illustrationen:

Daniel Müller. Globi Wissen Band 5, 2010.

96 Seiten, gebunden, 17 x 28.5 cm,

ISBN 978-3-85703-372-8.

Impressum

Herausgeber | Editeur

Erziehungsdirektion des Kantons

Bern, Amt für Kultur, Denkmalpflege

| Direction de l’instruction

publique du canton de Berne,

Office de la culture, Service des

monuments historiques

Redaktionsteam |

Equipe de rédaction

Richard Buser

Barbara Frutiger

Michael Gerber

Tatiana Lori

Doris Sommer

Beatrice Stadelmann

Gestaltung | Graphisme

Bernet & Schönenberger, Zürich

Layout | Mise en page

Katrin Kaufmann

Druck | Impression

Stämpfli Publikationen AG, Bern

Bestellung | Commande

Denkmalpflege des Kantons Bern

031 633 40 30

denkmalpflege@erz.be.ch

Abbildungsnachweise |

Crédits iconophiques

Yves André, St-Aubin-Sauges: S. 6

(rechts); Atelier Wehrlin, Wünnewil:

S. 18, S. 19 (beide); Rolf Bachmann,

Denkmalpflege des Kantons Bern:

S. 23 (rechts); Bauinventar, Denkmalpflege

des Kantons Bern: S. 4, S. 5,

S. 6 (links), S. 8, S. 26, S. 27, S. 50

(Mitte), S. 58 (alle), S. 66; Jacques

Bélat, Courtemautruy: S. 27 (unten),

S. 47 (Mitte); Urs Bertschinger, Biel/

Bienne: S. 23 (links); Markus Beyeler,

Hinterkappelen: S. 2, S. 26 (unten);

BHP Raumplan AG, Bern: S. 17

(links); Christine Blaser, Schär Buri

Architekten, Bern: S. 10 (beide);

Daniel Brotschi, ars viridis GmbH,

Biel/Bienne: S. 43 (beide), S. 65;

Michael Fischer, Fischer & Partner AG

Restauratoren, Bern: S. 40, S. 41

(beide); GHZ Architekten AG, Belp:

S. 20 (rechts); Christian Helmle, Thun:

S. 55; Ralph Hut, Zürich: S. 54 (links);

ISOS Bundesinventar der schützenswerten

Ortsbilder der Schweiz,

© Bundesamt für Kultur BAK, Bern:

S. 7, S. 13 (links), S. 16 (rechts);

Matthias Kilchhofer, Fischer & Partner

AG Restauratoren, Bern: S. 53

(rechts); René Koelliker, Denkmalpflege

des Kantons Bern: S. 7 (Mitte

links); Isabella Meili-Rigert, Denkmal-

pflege des Kantons Bern: S. 54

(Mitte); Verena Menz, Burgdorf: S. 65

(oben); Orthophotomosaik SWISS-

IMAGE © swisstopo (DV5704002406/

000010): S. 17 (rechts); Dominique

Plüss, Denkmalpflege des Kantons

Bern: S. 51 (links); Damian Poffet,

Liebefeld-Bern: S. 50 (links); Richtplan

2030 Kanton Bern, Amt für

Gemeinden und Raumordnung: S. 7,

S. 14; Beat Schertenleib, Denkmalpflege

des Kantons Bern: S. 9 (beide),

S. 12 (beide), S. 20 (links), S. 21,

S. 22, S. 24, S. 25, S. 27 (Mitte),

S. 28, S. 29, S. 30, S. 32, S. 33 (alle),

S. 34 (beide), S. 35, S. 36, S. 37

(beide), S. 38, S. 39 (rechts), S. 42,

S. 45 (alle), S. 46 (Mitte und rechts),

S. 47 (links und rechts), S. 48 (alle),

S. 49 (Mitte und rechts), S. 50 (Mitte),

S. 50 (Mitte und rechts), S. 52 (links),

S. 54 (rechts), S. 59; Marco Schibig,

Bern: S. 44, S. 49 (links); Fabian

Schwarz, Denkmalpflege des Kantons

Bern: S. 52 (Mitte); Fotoatelier

Spring GmbH, Oberburg: S. 46

(links); Adrian Stäheli, Denkmalpflege

des Kantons Bern: S. 15; Tourismus

& Naturpark Diemtigtal: S. 13 (rechts);

Rolf Weber, Denkmalpflege des

Kantons Bern: S. 52 (rechts); Stefan

Weber, Jens: S. 64.

© Denkmalpflege des Kantons Bern

2016. Der Nachdruck des Werks ist

nur mit Bewilligung der Denkmalpflege

gestattet.

ISBN 978-3-9523701-4-8


Erziehungsdirektion

des Kantons Bern

Amt für Kultur

Denkmalpflege

Direction de l’instruction

publique du canton de Berne

Office de la culture

Service des monuments

historiques

www.be.ch/denkmalpflege

www.be.ch/monuments-historiques

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