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21.03.2015

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• 1. Naturräumliche Einführung

◦ 1.1. Relief und Böden Südfrankreichs

◦ 1.2. Das Klima

• 2. Geschichtliche Entwicklung des mediterranen Südfrankreichs bis 1945

• 3. Anbaufrüchte und Anbauphasen

• 4. Gunst- und Ungunstfaktoren des Gebietes als landwirtschaftlicher Standort

◦ 4.1. Naturräumliche Faktoren

◦ 4.2. Wirtschaftliche Faktoren

• 5. Strukurelle Probleme der südfranzösischen Landwirtschaft

• 6. Maßnahmen zum agrarwirtschaftlichen Ausbau in Südfrankreich

◦ 6.1. Bewässerungsmaßnahmen

◦ 6.2. Trockenlegung von Sumpfland und Rekultivierung von Ödlandflächen

◦ 6.3. Flubereinigungsmaßnahmen

• 7. Der Weinbau am Beispiel des Languedoc-Roussillon

• 8. Der Reisanbau in der Camargue

• 9. Der Obstanbau am Beispiel des Lubéron

• 10. Transhumanz

• 11. Quellen und Literatur

1. Naturräumliche Einführung

1.1. Relief und Böden Südfrankreichs

Das Relief Südfrankreichs stellt kein geschlossenes landwirtschaftliches Gebiet dar, sondern läßt

sich in drei Bereiche gliedern, der Languedoc-Roussillon, das Rhônetal und die Region Provence-

Côte d'Azur.


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Der Languedoc erscheint im Gegensatz zum gebirgigen Massif der Provence als ein

Amphitheater, das zum Meer hin geöffnet ist.[1] Eine Dreiteilung in Küstenebene mit zahlreichen

étangs (Teichen), zwischen Küste und Gebirge liegender Hügelzone und in das Gebirge selbst mit

einem in West-Ost-Richtung nach Aquitanien verlaufendem Korridor bietet sich an.

Charakteristisch für die zwischen 5 und 50 km breiten Küstenebenen des Languedoc sind die

durch Strandwälle abgetrennten Salzwasserseen (étangs), die vielfach erst in jüngerer

Vergangenheit durch die Akkumulationstätigkeit der Rhône und der Ausbildung einer

Ausgleichsküste entstanden sind, wie historische Berichte über ehemalige Hafenstädte (Aigues-

Mortes) belegen. Hinter der Küstenebene schließen sich die Costieres an, tertiäre

Schotterterrassen, die heute hauptsächlich zur landwirtschaftlichen Nutzung verwendet werden.

Vor dem Übergang in das bergige Hinterland (Cevennen bzw. Pyrenäen) befindet sich außerdem

eine hügelige Übergangszone, die oft von der Garrigue gekennzeichnet werden, einer

Vegetationsform die sich durch Büsche, Heidekräuter und kleinere Eichen auszeichnet.

Entstanden ist diese Form anthropogen durch Rodungen oder Verbiß von Weidetieren.

Profil des Languedoc von der Küstenebene bis in die Cevennen

Das Rhônetal trennt der Roussillon von der Provence und stellt eine Grabensystem dar, das sich

über den Rheingraben bis nach Nordeurpa verfolgen läßt. Es ist durch Flußterrassen und

fruchtbare Alluvialböden gekennzeichnet. Im Mündungsbereich bildet die Rhône ein Delta aus,

das den Küstenabschnitt der Camargue darstellt. Hier bilden étangs und Sümpfe die

vorherrschenden Landschaftsmerkmale.

Die Provence und Côte d'Azur geht in ihrem Küstenbereich von einer Ausgleichsküste bei

Marseille östlich in die Steilküsten der Calandres und des Ésterel-Gebirgszuges über. Bis auf das

Delta des Var wird das Gebiet von Toulon bis zur italienischen Grenze von den aus dem

Hinterland einfallenden Seealpen geprägt. Gebirge aus Kalkstein wie das Plateau de Vaucluse und

die Montagne de Lubéron durchziehen in ungefährer Ost-West Richtung vor allem den Ostteil der

Provence. In den zwischen den Gebirgen liegenden Becken und Ebenen liegen vor allem die

Zentren der Landwirtschaft. Die Gebirgsregionen und das Hügelland werden vor allem von der

typischen Garrigue-Vegetation beherrscht.

Im Bereich des mediterranen Frankreiches herrschen entsprechend mediterrane rot-braune Böden,

bzw. Terra Rossa vor. Ausnahmen bilden hier Flußebenen, wo Auenböden zu finden sind sowie

saure Braunerden und Rendzinen im hügeligen Hinterland und im Gebirge. Außer diesem Bereich

und einigen salzigen Sümpfen der Küstenebenen, eignen sich die Bodenverhältnisse gut zur

landwirtschaftlichen Nutzung.


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1.2. Das Klima

Das Klima ist mediterran geprägt, d.h. trockene Sommer und milde Winter dominieren.

(Durchschnittstemperatur 6deg. C im Januar und 24deg. C im Juli) Die Hauptregenzeiten liegen

im Herbst und im Frühjahr. Es kommt jedoch zum Auftreten von Frösten und Hagelschauer, was

einen gewissen Unsicherheitsfaktor für die Landwirtschaft darstellt. Das Gebiet des Rhônetals ist

außerdem durch den Mistral gekennzeichnet, einem kalten Nordfallwind, der düsenartig durch das

Rhônetal weht. Er hat austrocknende Wirkung, verzögert die Reife der Anbauprodukte und

bewirkt die Deflation des Bodens. Gegenmaßnahmen sind vielerorts Windschutzhecken, die den

genannten Prozessen entgegenwirken sollen.

Insgesamt zeichnet sich das Klima durch eine starke Variabilität aus und zwar sowohl saisonal, als

auch jährlich. Während der Regenzeiten können sich starke Regenfälle mit Platzregen und

Überschwemmungen ereignen. Entsprechend hat das Klima auch Auswirkungen auf die

Wasserstände der wenigen Flüsse, wodurch diese ihre Bedeutung für die Bewässerung in den

trockenen Sommermonaten verlieren, so daß in der Landwirtschaft Obst und Gemüse bewässert

werden muß.

2. Geschichtliche Entwicklung des

mediterranen Südfrankreichs bis 1945

Die agrarische Nutzung Südfrankreichs begann schon in der Antike, wo mit Wein und Ölbäumen

die zwei typischen Pflanzen der Mediterraneis angebaut wurden. Diese Pflanzen erwiesen sich

dem sommertrockenen, mediterranen Klima als am besten gewachsen. Eine starke Intensivierung

des Getreideanbaus fand später durch die Römer statt, die Kornkammern zur Versorgung ihres

Reiches schaffen wollten. Um dies zu erreichen, schufen sie ein aufwendiges System zur Be- und

Entwässerung der Küstenebenen, meliorierten den Boden und gründeten ein dichtes

Siedlungssystem (Centuriatssystem), das den Grundstein zu vielen heutigen Besiedlungen legte.

Der Großteil der einheimischen Bevölkerung lebte allerdings im gebirgigen Hinterland, wo

transhumante Schafhaltung und extensiver Ackerbau die Lebensgrundlagen bildeten.

Allerdings beendete die Zerstörung dieser Kulturlandschaft während der Völkerwanderung jede

Chance auf eine kontinuierliche Entwicklung der Agrarstruktur der Region.

Im Mittelalter versuchten Orden und Klöster an die Kolonisationsmaßnahmen der Antike wieder

anzuknüpfen und erreichten eine allgemeine wirtschaftliche und kulturelle Blüte, die im

Spätmittelalter und im Absolutismus eine starke Zentralisierung nach sich zog. Mit der

Konzentration des französischen Staates auf Paris rückte das mediterrane Frankreich ins Abseits

und erlebte einen beispiellosen wirtschaftlichen Niedergang. Als im 19. Jahrhundert das

nordafrikanische Kolonialreich ausgeweitet wurde, strömten große Teile der südfranzösischen

Landbevölkerung dorthin, wodurch mit der Produktion von billigeren und höherwertigeren

Agrarprodukten der Verfall der Landwirtschaft im Süden ihres Heimatlandes noch verstärkt

wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte zudem der Ausbruch von zwei schweren

Rebkrankheiten, der Mehltau (Oidium-Krise 1850) und die Reblaus (Phylloxera-Krise 1865 +

1885), zu einem fast völligen Ruin des Weinanbaus. Mittels moderner Anbau- und

Schädlingsbekämpfungsmethoden (Düngung, Intensivierung, Bewässerung, neue amerikanische

Reben, außerdem Ausweitung der Anbauflächen) vermehrte sich die Weinproduktion in der

Folgezeit um fast 70 % und führte zur Weinabsatzkrise zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihrer

Lebensgrundlage beraubt verließen viele Bauern das Land, gingen in die Kolonien, wanderten in


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nahegelegene Städte ab, oder versuchten ihr Glück in den schnell wachsenden Industrieregionen

des Nordens ( vor allem Paris ). Besonders ungünstige Gebirgs- oder Hügellagen wurden

aufgegeben, ganze Landstriche vollständig entleert und viele Dörfer fielen wüst. Dieser Prozeß

hielt bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts an.

3. Anbaufrüchte und Anbauphasen

Die traditionelle Landwirtschaft, die seit der Antike im mediterranen Gebiet Südfrankreichs

betrieben wird, ist eine Subsistenzwirtschaft aus polykulturellem Anbau typischer

Mittelmeerfrüchte, wie Wein, Oliven, Nüssen und Weizen. Stetige Bemühungen, die rentablen

Weinflächen weiter auszubauen, führten erst gegen 1800 zu einem Erfolg und leiteten eine Phase

intensiven Weinanbaus vor allem im Gebiet des Languedoc ein. Die Gründe dafür waren

verbesserte Verkehrswege (Canal du Mide, Canal du Rhona à Sête) und der Freihandel nach der

französischen Revolution. Mehrere Schädlingskrisen sowie die Nachfrage eines immer

gesundheitsbewußteren Bürgertums nach Obst, leitete eine Phase des intensiven Obstanbaus ab ca.

1880 ein, die sowohl auf die geänderten Ernährungsgewohnheiten der Menschen zurückging als

auch auf die Möglichkeit das Obst schnell genug zu den Verbrauchern zu transportieren. Die

industrielle Revolution und die Einführung der Eisenbahn spielen hier eine große Rolle. Der

Obstanbau wurde durch die Einführung von Bewässerungsverfahren möglich und in der Folgezeit

weiter ausgebaut. Zu den ältesten Obstanbaugebieten gehören der Roussillon, der wegen

schlechter Verkehrsverbindungen lange Zeit von dem Weinboom ausgenommen war, und das

Comtat um Avignon. Schon früh konnten durch die Eindeichung der Rhône weite Sumpfgebiete

trockengelegt werden, die fortan als kleinparzellierte Obstplantagen der Städte dienten. Heute

werden große Teile des Rhônetales nördlich von Avignon zum Obstanbau genutzt. Weitere

Anbaugebiete sind die Costières du Gard, wo seit der Fertigstellung des Canal d'Irrigation du

Languedoc intensive Obst- und Gemüseanbau betrieben wird, und der Lubéron, ein ebenfalls

ertragreiches Obstanbaugebiet, dessen Bewässerungsflächen durch den Canal d'Irrigation de la

Provence versorgt werden.

Die Obstanbauphase, die seit ca. 1880 das mediterrane Frankreich prägt, gliederte sich aufgrund

vieler Konsum- und Konkurrenzfaktoren in mehrere Perioden. Nach dem ersten Weltkrieg kam es

wegen hoher Obstpreise, bedingt durch eine hohe Nachfrage nach gesundem Obst und der

Fortschritte in der Schädlingsbekämpfung zu einer enormen Ausweitung der Obstanbauflächen,

von der vor allem der Pfirsichanbau betroffen war. Eine zunehmend stärker werdende europäische

Konkurrenz aus Italien sorgte jedoch bald zu einem Verfall der Preise bei dieser Frucht. Eine

Umstellung auf den Anbau von Äpfel und Birnen nach dem Zweiten Weltkrieg schuf hier Abhilfe.

Durch die mageren Kriegsjahre ergab sich eine gewaltige Nachfrage nach Obst, die das

Auskommen der Landwirte bis 1975 sicherte. Zu diesem Zeitpunkt brachen die Preise unter den

EG-Überschüssen abermals zusammen. Ab den 80'er Jahren wurde in Südfrankreich mit dem

Anbau von Kiwis und Melonen begonnen, wie dies auch in Spanien und Norditalien der Fall war.

Weiterhin wird der Anbau von Süßkirschen in der Provence betrieben, zum großen Teil zur

agroindustriellen Verarbeitung. Bei diesen Anbauproduktion besteht momentan innerhalb der EG

eine ausreichende Nachfrage, so daß es kaum zu Überschüssen kommt.

An der Côte d'Azur stellen außerdem die Blumenkulturen ein weiteres wichtiges

landwirtschaftliches Produkt dar. Obwohl sie heute von einem zunehmenden Siedlungswachstum

bedroht werden, prägen Gewächshauskulturen das Umland von Antibes und Freilandkulturen die

Regionen um Tanneron und Mandelieu. In den feuchten Gebieten der Camargue spielt wegen des

hohen Salzgehaltes des Bodens die Landwirtschaft eine geringere Rolle, doch wird seit den 60'er


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Jahren ein intensiver Reisanbau betrieben.

4. Gunst- und Ungunstfaktoren des Gebietes

als landwirtschaftlicher Standort

4.1. Naturräumliche Faktoren

Das milde Mittelmeerklima macht den Süden Frankreichs zu einem ausgezeichneten Anbaugebiet

für eine große Zahl von Früchten. Der frühe Einbruch der Vegetationsperiode stellt die ideale

Voraussetzung für den Anbau z.B. von Frühgemüse dar. Die warmen Sommer garantieren eine

hohe Qualität der Produkte, die in den Treibhauskulturen Nordeuropas (z.B. Holland) nur schwer

erreicht wird. Der Einsatz von Bewässerung hilft dabei, wasserarme Perioden zu überbrücken und

neue Gebiete zu erschließen.

Probleme wie die klimatischen Nachteile durch kalte Fallwinde aus dem Norden (Mistral) dürfen

dabei nicht vernachlässigt werden. Besonders im Rhônetal sorgt ihr Auftreten immer wieder für

eine Verzögerung der Reife und zur Ausblasung der Bodenkrume. Die Landwirte begegnen

diesem Problem mit der Anpflanzung von Windschutzhecken.

Ein weiterer negativer Faktor ist, daß weiter südlich gelegenen europäischen Länder, wie z.B.

Spanien aufgrund der noch günstigeren klimatischen Bedingungen (höhere Insolation), größere

Vorteile bei der Qualität und der Geschwindigkeit des Anbaus von Obst und Gemüse haben. Den

Problemen durch Sommertrockenheit wird auch dort mit Bewässerungsmaßnahmen begegnet.

4.2. Wirtschaftliche Faktoren

Die Verkehrslage Südfrankreichs in Europa ist denkbar günstig. Schon im 17. Jahrhundert wurde

mit dem Ausbau der Verkehrsverbindungen begonnen. Der Canal du Midi verbindet den

Languedoc von Cap d'Agde aus mit dem Atlantik, während ein weiterer Kanal von der Rhône bei

Beacaire ausgehend die Küstenregionen des Nordlanguedoc bis Sète erschließt. Die traditionell

guten Verkehrsverbindungen durch das Rhônetal wurden weiter ausgebaut und ermöglichen heute

einen schnellen Transport der Anbaufrüchte in die französischen Zentren des Nordens und zu

ausländischen Abnehmern, z.B. durch die Burgundische Pforte in die BRD.

Aufgrund der günstigen Transportpreise und immer perfekteren Kühltechniken ist die Bedeutung

der Marktnähe bei landwirtschaftlichen Produkten jedoch rückläufig. Wenn seine

Produktionskosten nur etwas geringer sind, kann ein spanischer Landwirt seine Früchte genauso

günstig und im gleichen Zustand überall in Europa anbieten wie ein französischer Landwirt.

Teilweise lohnt sich sogar ein Flugzeugtransport hochwertiger Produkte wie z.B. Zitrusfrüchte

von den Canarischen Inseln.

Ein Problem, das in der Nähe zu Mitteleuropa begründet ist, sind auch die hohen Lohnkosten im

landwirtschaftlichen Bereich, die seit den 60'er Jahren drastisch gestiegen sind. Regionen mit

niedrigerem Lohnniveau, wie Spanien, Griechenland und z.T. Italien, stellen, begünstigt durch den

freien EG-Handel, eine ernste Konkurrenz für die südfranzösische Landwirtschaft dar.


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5. Strukurelle Probleme der südfranzösischen

Landwirtschaft

Eines der größten Probleme für eine Intensivierung der Landwirtschaft und damit eine Anpassung

an die Anforderungen eines Weltmarktes stellen die vielen Kleinstbetriebe in Südfrankreich dar,

die für eine starke Zersplitterung der Flur sorgen.

Gründe für die geringe Größe der Betriebe (meist unter 5 ha) liegen maßgeblich im unter

Napoleon eingeführten Realteilungsrecht, das im Erbfall die gleichmäßige Aufteilung des Besitzes

unter den Erben vorsah. Ein Grund für die Beibehaltung des meist unrentabel geführten

Kleinbesitzes findet sich im metayage-Pachtsystem Südfrankreichs. Dies ähnelt der

mittelitalienischen Mezzadria, wobei Land-besitzer und Pächter sämtliche Auslagen entweder

teilen und entsprechend jeder die Hälfte der Ernte erhält oder, was weiter verbreitet ist, der Pächter

übernimmt alle Kosten bis auf Dünger und Insektizide bzw. Pestizide, die je zur Hälfte getragen

werden, erhält aber auch 2/3 der Ernte[2]. Dieses System degradierte die Kleinbetriebe zu

Nebenerwerbsbetrieben der städtischen Eigentümer, die durch die Pacht selbst im Krisenfalle

keinerlei Einbußen erleiden. Natürlich dienen auch ohne Pacht viele Betriebe nur dem

Nebenerwerb, solange die Bepflanzung von Wein oder Sonderkulturen die Anwesenheit des

Besitzers nicht ständig erfordert, mit ein Grund, warum viele Nebenerwerbsbauern hartnäckig an

ihrem Besitz festhalten, was Versuche zu Bodenreformen erschwert.

Die neben den Kleinbetrieben verbreiteten Großbetriebe haben unterschiedliche

Entstehungsursachen. Zum einen sind sie Familienbesitze, die aus dem Mittelalter in die Neuzeit

herübergerettet wurden, oder sie entstanden in den zweiten Hälfte des 19.Jhdts., als durch

Rebkrankheiten und Weinabsatzkrisen vielen Kleinbauern ihre Existenzgrundlage entzogen wurde

und investitionsfreudige Städter die Betriebe aufkauften. Merkmale dieser Großbetriebe sind eine

starke Parzellierung, eine extensive Nutzung und eine Abwesenheit der Besitzer. Angebaut

wurden Sonderkulturen (Obst, Gemüse), meist wurden Flächen als Winterweiden für die

Transhumanz zur Verfügung gestellt.

6. Maßnahmen zum agrarwirtschaftlichen

Ausbau in Südfrankreich

Seit den 50er Jahren wurden zahlreiche Innovationen unternommen, um strukturelle,

wirtschaftliche und naturräumliche Disparitäten aus der Welt zu schaffen. Es handelt sich dabei

um Maßnahmen zur Bewässerung, Trockenlegung von Sumpfland und Rekultivierung von

Ödlandflächen, also Erweiterung der LNF, sowie Flurbereinigungsprojekte.

6.1. Bewässerungsmaßnahmen

Maßnahmen, die klimatischen Ungunstfaktoren durch technischen Aufwand zu kompensieren, gab

es bereits in der Antike unter den Römern, die mittels Aquädukte Wasser für

Bewässerungszwecke heranschafften. Auch aus dem 16. Jhdt. sind noch Reste von

Bewässerungsanlagen vorhanden, die die Probleme allerdings nie zufriedenstellend lösen konnten.

Ab Mitte des 19. Jhdts. legte A. Dumont mehrere Projekte zum Bau eines Kanals von der Rhône

bis in den Niederlanguedoc vor.[3] Eines davon sollte der Reblauskrise entgegenwirken, indem


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man versuchte, die Rebanlagen während der Wintermonate zu fluten. Alle Ideen Dumonts

scheiterten jedoch an politischen Zwängen oder der Konkurrenz anderer Ingenieure, die

Reblauskrise wurde indes ohne den Kanal bewältigt. Mit den beiden Weltkriegen verschwanden

alle Pläne in der Schublade, erst nach Ende des WK II, als die strukturellen Probleme bedingt

durch Weinmonokulturen und Absatzschwierigkeiten des Weins in der Landwirtschaft sichtbar

wurden, holte man die Bewässerungspläne, in Erwartung, eine polykulturelle Landwirtschaft

aufbauen zu können, wieder heraus. Nach verschiedenen Plänen und Maßnahmen wurde 1955 die

Compagnie Nationale d'Aménagement du Bas-Rhône et du Languedoc (CNABRL) ins Leben

gerufen, die mit einigen Kompetenzen von gesetzlicher Seite versorgt worden war. (In der

Provence gründete man zu diesem Zweck die Societé du Canal de Provence). Ziel der Compagnie

war es, in den départements Gard, l'Aude, l'Herault und Pyrenées-Orientales eine LNF von über

250000 ha zu bewässern. Es sollte ein Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung durch

Bewässerung, landwirtschaftliches Management und Produktionsorganisation erbracht werden.

Ziel war eine Despezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion von der Monokultur Wein

auf Polykulturen mit Obst und Gemüse.[4]

Verwirklicht wurden zwei Projekte. Das erstere bestand im Bau des Canal d'Irrigation du

Languedoc, der im östlichen Languedoc rd. 120000ha Küstenbereich zwischen Beaucaire im

Rhônetal und Montpellier mit Wasser versorgt. Letzteres wird über ein Kanalnetz in Hochbehälter

verteilt, über die dann Sprinkleranlagen angeschlossen sind.[5]

Der westliche Teil der Region konnte aus technischen Gründen nicht auch über einen Rhônekanal

bewässert werden, sondern wird nun über ein System von Stausperren, die in den Flüssen des

Gebirge angelegt wurden, wie z.B. im Salagou, einem Nebenfluß des l'Herault, oder im Orbtal,

versorgt (rd. 110000ha). Ein Nebeneffekt dieser Sperren ist eine Kanalisierung der

Überschwemmungsgefahr in der Regenzeit, sowie eine ausreichende Nutzung der Niederschläge

dort, wo sie gebraucht werden. Insgesamt plant die CNABRL eine Ausweitung der Bewässerung

in den Minervois, Lauragais und in den Roussillon auf rd. 400000ha bewässerte LNF.

Die Bewässerung der Region Provence Côte d'Azur wird seit seiner Fertigstellung in den 60'er

Jahren durch den Canal d'Irrigation de la Provence sichergestellt, der sein Wasser aus dem Stausee

von Serre-Poncon östlich von Gap (900 Mio m 3 ) und dem Lac de Ste-Croix am Ausgang des

Verdon (300 Mio m 3 ) bezieht.[6]

Die allgemeine Abnahme der bewässerten Flächen in den letzten Jahren ist vor allem darauf

zurückzuführen, daß diese den Siedlungsflächen nahegelegener Orte weichen mußten.

Bestrebungen die bewässerten Flächen wieder auszuweiten, entspringen sowohl dem Versuch dies

zu kompensieren, als auch Bemühungen, der spanischen und italienischen Konkurrenz durch eine

Intensivierung des Anbaus entgegenzutreten.

6.2. Trockenlegung von Sumpfland und Rekultivierung von

Ödlandflächen

Die Trockenlegung von Sumpfgebieten im Bereich der Rhônemündung wurde nach dem

Untergang des Römischen Reichs erst wieder im 10. Jhdt. durchgeführt, um LNF und Geld zu

gewinnen. Doch erst im 17. Jhdt. wurden mit der Hilfe von Flamen und Holländern größere

Erfolge verbucht. Bis ins 19. Jhdt. wurden Versuche unternommen, die entweder fehlschlugen

oder aus politischen Gründen behindert wurden, erst Ende des letzten Jahrhunderts mit der

Reblauskrise wurde das Thema wieder aktuell. Die wichtigsten Erfolge in der Trockenlegung

betrafen damals die Camargue, die ihren Ruf als Malariagebiet bald verlor. Insgesamt wurden

viele Versuche zur Entwässerung unternommen (l'étang de Marseillette im dep. l'Aude in den 60er


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Jahren oder der marais de la Souteyranne im dep. Gard), ohne jedoch jemals viel erreicht zu

haben. Heute ist der materielle und finanzielle Aufwand zu groß, um eine geeignete Kosten-

Nutzen-Rechnung zu erreichen, weshalb die Seen nur noch für touristische Zwecke erschlossen

werden.

Ebenso wie die Trockenlegung von Sumpfland wurde die Rekultivierung von Ödlandflächen

bereits einige Jahrhunderte lang betrieben bzw. versucht. Gründe für die weite Verbreitung von

Ödland- bzw. extensiv genutzten Flächen sind zum einen die transhumante Schafzucht, die über

den Winter im Niederlanguedoc, also in der Küstenebene, Weidegebiete brauchte, die von den

Großgrundbesitzern zur Verfügung gestellt werden konnten. Zum anderen stellten

Olivenbaumkulturen jahrhundertelang neben dem Weinbau die wichtigste Einnahmequelle dar,

weshalb der Anbau, ebenso wie Neuanpflanzungen und Rodungen strengen Bestimmungen

unterlagen. Besonders im Bereich der garrigue wurde so die LNF bedeutend ausgeweitet.

Bei der Rekultivierung muß z.T. ein hoher Aufwand getätigt werden, der sich im Weinbau in den

garrigues nur bei Qualitätsweinen bzw. -Lagen rechtfertigen läßt, eher denkt man an

Wiederaufforstungen. Probleme bei der Rekultivierung sind immer wieder ungewisse

Besitzverhältnisse bei zersplitterten Parzellierungen, Desinteresse der Besitzer oder mangelnde

Bewässerungs-möglichkeiten in Hinsicht auf eine Intensivierung.

6.3. Flubereinigungsmaßnahmen

Nach der großangelegten Bewässerung des Landes Anfang der 60er hatten sich die

Voraussetzungen für die Landwirtschaft wieder verbessert und man versuchte durch

Flurbereinigungen (remembrement) die Betriebe zu besserer Rentabilität zu führen. Doch das

Desinteresse der Nebenerwerbslandwirte, die meist Sonderkulturen anbauten, sowie die

schwierige Frage der Exposition und der Bodenqualität führten zu keinem nennenswerten Erfolg.

Viele Winzer scheuten auch eine Umstellung auf neue Qualitätsrebsorten, da diese ein Aussetzen

der Produktion und der Gewinne auf rd. drei Jahre hinaus impliziert, bis erste Früchte geerntet

werden können. Die Schaffung von regionalen Organisationen wie der Société d'Aménagement

Foncier et d'Etablissement Rural (SAFER) durch das Landwirtschaftsgesetz des Jahres 1960 sollte

den speziellen Schwierigkeiten in den Weinbau- und Sonderkulturgebieten gerecht werden.

Ebenso spielen Privatinitiativen wie die Groupement Agricole d'Exploitation en Commun

(GAEC), die durch betriebliche Zusammenarbeit eine rationellere Betriebsführung ermöglichen

soll, eine große Rolle. Die Coopérative d'Utilisation de materiel agricole (UMA) ist als

Maschinenkooperative vor allem in West- und Südwestfrankreich stark verbreitet. Die zu Beginn

des 20. Jahrhundert gegründeten Winzergenossenschaften wurden und werden aber mehr und

mehr zu einem Hemmnis einer Weiterentwicklung, da sie in Technik und Kapazität nicht

weiterentwickelt werden.[7] Sie erhalten meist nur Kleinwinzer am Leben, während die Betriebe

der repatriierten Kolonialfranzosen ihnen meist technisch überlegen sind. Des weiteren stellen sich

gerade kleinere Kooperativen mit wenigen Mitgliedern gegen die EG-Politik der

Rebflächenstillegung, die sie in ihrer Existenz bedroht, wenn viele Mitglieder auf die Prämien

zurückgreifen[8].

Die Rekultivierungsbemühungen des französischen Staates verlagerten sich bald auf das mühsame

Aufkaufen kleiner Parzellen, um zusammenhängende sanierungsfähige Areale zu schaffen. Z.B.

dauerte es über 10 Jahre, bis im Gebiet der Costières du Gard, südlich von Nimes mit der

Produktion auf den rekultivierten Arealen begonnen werden konnte.[9] Bei den Domänen

städtischer Großgrundbesitzer, die ihr Land nur sehr extensiv oder gar nicht nutzten war dieser

Prozeß bedeutend einfacher. Die Gebiete wurden in Einheiten von ca. 20 - 25 ha aufgeteilt,

erschlossen und verkauft. Viele Kolonialfranzosen,


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die nach der Unabhängigkeit Algeriens 1962 geflohen waren, fanden so ein neues Auskommen.

Dadurch ergaben sich bald große soziale Spannungen mit der ursprünglichen Landbevölkerung, da

die Neuankömmlinge entweder Investitionskapital besaßen oder günstige Kredite aufnehmen

konnten und so bald eine sehr starke Marktstellung erlangten.

Die steigende Zahl der Betriebe mit mittleren und großen Betriebsgrößen konnte sich die

Konkurrenzfähigkeit durch intensiven Maschineneinsatz erhalten. Zudem werden größere Betriebe

durch die EG-Subventionspolitik bevorzugt. Die Großgrundbesitzerschicht, die vor allem im

Norden Frankreichs die Agrargesellschaft prägt, gewann im Süden zunehmend an Bedeutung.

Heute gehören die großen Domänen zum charakteristischen Element der mediterranen

Agrarlandschaft.

Regionale Unterschiede in der Betriebsgrößenstruktur Frankreichs 1975

Programmregion < 5 ha 5-10 ha 10-20 ha 20-50 ha 50-100 ha > 100 ha

Languedoc-Roussillon 54,2 % 15,8 % 15,5 % 9,3 % 3,8 % 1,4 %

Provence-Côte d'Azur 62,3 % 13,9 % 12,2 % 8,1 % 2,3 % 1,2 %

Frankreich 30,3 % 13,2 % 20,2 % 26,1 % 7,9 % 2,3 %

Quelle: INSEE, 1977

Nutzflächenanteile der Betriebsgrößenklassen 1975

Programmregion < 5 ha 5-10 ha 10-20 ha 20-50 ha 50-100 ha > 100 ha

Languedoc-Roussillon 6,3 % 8,8 % 16,7 % 22,8 % 20,0 % 25,4 %

Provence-Côte d'Azur 8,8 % 9,5 % 16,3 % 24,3 % 16,8 % 24,3 %

Frankreich 2,4 % 4,6 % 13,7 % 37,5 % 24,6 % 17,2 %

Quelle: INSEE, 1977

In jüngster Zeit wirkt der Landflucht der jungen Leute eine beträchtliche Zuwanderung von

Rentnern und Ausländern entgegen, die dieses Gebiet als Alters- bzw. Ferienwohnsitz gebrauchen.

[10] Schon 1980 machten die Zweitwohnsitze 47 % der gesamten bewohnten Grundstücke aus.

Die dort ehemals betriebene Landwirtschaft wird meistens aufgegeben. Da die jungen Leute im

sekundären oder tertiären Sektor der Städte mehr verdienen konnten, kam es zu einer Überalterung

der ländlichen Einwohner, was diese zwang, mit dem Verkauf ihrer Ländereien ihren

Lebensabend zu sichern.

7. Der Weinbau am Beispiel des Languedoc-

Roussillon

Den Grundstein für den Weinbau in dieser Region legten die Griechen im 6. vorchristlichen

Jahrhundert und machten Marseille zu einem großen Umschlagplatz für den Weinhandel, der zu

römischer Zeit noch ausgebaut wurde. Im Mittelalter ist die Ausweitung der Weinbaugebiete vor

allem den Klöstern zu verdanken, die im 10. bis 12. Jahrhundert den Weinhandel um Narbonne,

Béziers und Montpellier konzentrierten. Bis ins 17. Jahrhundert hinein verhinderten allerdings die

schlechte Verkehrsinfrastruktur eine weitere Verbreitung der Weinrebe im Languedoc. Das

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Problem konnte aber 1681 mit der Eröffnung des Canal du Midi und später mit dem Kanal von

Sète nach Aigues-Mortes gelöst werden. Beide Verkehrswege ermöglichten eine Aktivierung des

Handels und die Belieferung weit entfernter Absatzzentren. Schon 1731 führte der Weinbauboom

zu einer deutlichen Überproduktion, die trotz staatlicher Interventionsversuche nicht verhindert

werden konnte. Der Freihandel im Zuge der französischen Revolution führte zum einen zu großen

Pflanzenfett-, Getreide- und Wollimporten aus dem Norden des Landes, welche den

einheimischen Olivenanbau und die Schafzucht in eine Krise stürzten. Zum anderen war es jetzt

möglich, den Wein auch in den nordfranzösischen Städten zu verkaufen. Diese beiden

Entwicklungen führten zu einer weiteren Verstärkung des Weinanbaus und seit dem Beginn des

19. Jahrhunderts zur Entwicklung der Weinmonokultur im Niederlanguedoc. Der Ausbruch

schwerer Rebkrankheiten, dem Mehltau (Oidium-Krise 1850) und der Reblaus (Phylloxera-Krise

1865 + 1885), führten zu einem fast völligen Ruin des Weinanbaus. Vor allem kleinere Winzer

wurden durch die Vernichtung der Reben zur Betriebsaufgabe und Abwanderung gezwungen. Die

Erneuerung der Bestände mit amerikanischen Rebunterlangen und die aufwendigen

Pflanzenschutzaktionen führten bald wieder zu einer Erholung des Marktes. Die Weinproduktion

erhöhte sich in der Folgezeit um fast 70 % und führte zu einer Weinabsatzkrise zu Beginn des 20.

Jahrhunderts. Z.B fiel der Weinpreis im Languedoc von 17,5 FF/hl (1890) zwischen 1905 und

1909 auf 7,5 FF/hl ab.[11]

Die Weinanbaugebiete des Languedoc nehmen heute einen großen Teil des Gebietes ein.

Zwischen Perpignan und Montpellier bedecken sie fast die ganze Küstenebene und die dahiner

liegenden Costières. Neben den heute noch zahlreich vorhandenen Nebenerwerbswinzern

betreiben heute im Languedoc auch Großgrundbesitzer und Konzerne einen intensiven Weinbau.

Da der Weinbau sich meist auf Massenweine beschränkte (heute noch ca. 50 %), führte die

Öffnung des Marktes für billige ausländische Weinimporte im Zuge des EG-Marktes zu einer

Absatzkrise.[12] Um den Überschüssen auf dem Weinmarkt insgesamt entgegenzuwirken verfolgt

die EG im Languedoc eine Politik mit zwei Möglichkeiten für die Betroffenen: die erste

Möglichkeit besteht in der Zahlung von Stillegungsprämien (prime d'arrachage) für die temporäre

oder permanente Aufgabe der Rebflächen[13].

Die Alternative dazu besteht in der Qualitätsverbesserung durch Umstellung alter Rebsorten auf

neue, Qualitätsreben, wie Carignan, Ugni Blanc, Grenache Noir, Aramon, Cinsaut, Merlot oder

Gamany[14]. Umgestellt wird im wesentlichen auf VAOC- (Vins d'Appellation d'Origine

Controlée), V.D.Q.S.- (Vins de Qualité supérieure) oder V.Q.P.R.D.- Weine (Vins de Qualité

produits dans des Régions Délimités) (siehe Karte unten). Die Qualitätsschiene bedingt dabei eine

Spezialisierung der Betriebe, d.h. polykulturelle Eigenversorger werden immer seltener. Trotz der

Ausrichtung auf eine marktorientierte Weinbaugesellschaft halten viele Kleinbauern an

traditionellen Strukturen fest, wie z.B. der Widerstand gegen die Flurbereinigung zeigt.

8. Der Reisanbau in der Camargue

Seit den Trockenlegungen im Bereich der Camargue im 19. Jahrhundert wurde auch in diesem

Gebiet die Landwirt-schaft ausgeweitet. Wegen der hohen Feuchtigkeit im Rhône-delta erwies

sich Reis wegen seines hohen Feuchtigkeits-bedarfes als das geeignetste Anbauprodukt. Ein

intensiver Anbau lohnte sich jedoch bis nach dem Zweiten Weltkrieg nicht, da in den

französischen Kolonien in Südostasien (Indochina) weitaus billiger produziert werden konnte. Der

Ausbau der Anbauflächen nach dem Verlust der Kolonien, war aber schon in den Jahren zuvor

betrieben worden, um eine gewisse Unabhängigkeit von ausländischen Lieferungen zu erringen.

In den folgenden Jahren boomte der Reisanbau und erreichte im Jahre 1961 sein Maximum (siehe

Tab. unten (33000 ha Anbaufläche))[15]. Die Rentabilität der Betriebe war allerdings nur durch

Monokulturen zu gewährleisten, so daß bereits 1951, 12 Großgrundbesitzer das Monopol über 60


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% der bewässerten Fläche besaßen.[16] In den folgenden Jahren war ein Rückgang zu

verzeichnen, da die Landwirte mit der starken Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu kämpfen hatten.

Hohe Lohn- und Mechanisierungskosten verhinderten weitgehend eine moderne Umstellung auf

einen rationellen und mechanisierten Anbau.

9. Der Obstanbau am Beispiel des Lubéron

Der Gebirgszug des Lubéron erstreckt sich auf einer Länge von 55km in westöstlicher Richtung

von Cavaillon bis Manosque. Auf dem Kalkstein entwickelten sich rotbraune, mediterrane Böden,

die ein schlechtes Wasserspeichervermögen aufweisen. Auf den Gebirgsrücken, die durch

Abholzung entblößt wurden dominiert heute die Garrigue. In den angrenzenden Hang- und

Talbereichen des Gebirges stellt die Landwirtschaft die größte Einnahmequelle der Bevölkerung

dar. Bis zum Jahre 1860 dominierte in diesem Gebiet eine polykulturelle Subsistenzwirtschaft, die

entlang der Berghänge betrieben wurde. In der Folgezeit erfolgte eine zunehmende Verlagerung

der Landwirtschaft in die Ebenen, wo bald mit kleinen Bewässerungsversuchen begonnen wurde.

Eine einschneidende Veränderung ergab sich erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg, als die

Abwanderung der ländlichen Bevölkerung in die Städte, für eine verstärkte Mechanisierung der

Landwirtschaft sorgte. Die Aufgabe von kleinerer Betriebe nutzten andere zur

Betriebsvergrößerung und Spezialisierung auf Weingärten und Obstplantagen, die bald wieder auf

die Hangregionen des Gebirges ausgedehnt wurden. Die Tendenz zur Entstehung von größeren

und überlebensfähigeren Betrieben hält bis heute an. Die Weingebiete unterliegen einem starken

Konkurrenzkampf in der EG und lassen deshalb eine zunehmende Spezialisierung auf

Qualitätsweine (Rotwein) erkennen, welche die Qualitätsbezeichnung VAOC (Vin d'Appellation

d'Origine Controlée) tragen dürfen.[17] Bei dem Vertrieb des Weines, aber auch bei seiner zum

Teil maschinellen Bearbeitung spielen die Kooperativen eine bedeutende Rolle, ohne die viele

kleine Winzer nicht überleben könnten.

Der Anbau von Kirschen hat mit 59,2 % der Obstanbaufläche im Lubéron eine bedeutende

Stellung. Im gesamten Département Vaucluse stehen 38 % aller Kirschbaumplantagen

Frankreichs.[18] Die angebauten Süßkirschen gehören zu den wenigen Früchten, die im

umkämpften EG-Mark noch rentabel abgesetzt werden können. Allerdings scheiterten

Bemühungen, die Anbauflächen auszudehnen an der italienischen und griechischen Konkurrenz.

Wegen der sehr arbeitsintensiven Ernte und den beträchtlichen Lohnkosten, nimmt der Anteil der

Kirschbaumplantagen in den einzelnen Betrieben jedoch nur einen kleinen Teil ein. Von den

vorhandenen ca. 2000 ha Plantagen, werden 60 % als Tafelkirschen und 40 % als

Industriekirschen, bei denen z.T. maschinell geerntet wird, verkauft.[19] Auch hier wird der

Verkauf hauptsächlich durch eine Kooperative geleitet. Das Gros der wegen ihrer frühen Ernte

beliebten Tafelkirschen wird über nationale Großmärkte vertrieben, doch gelangen noch ca. 26 %

davon in die BRD.

In den landwirtschaftlich genutzten Regionen des Lubéron wird von der Möglichkeit der

künstlichen Bewässerung reger Gebrauch gemacht, da ohne sie bei Obstbaumplantagen und

Gemüsekulturen Mißernten nicht auszuschließen sind. Das benötigte Wasser kommt aus dem

Stausee von Serre-Poncon in den Seealpen, von wo es über den Kanal der französischen

Elektirizitätswerke (E.D.F.) oberhalb des alten Durance Bettes in die Region geleitet wird.


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10. Transhumanz

Die transhumante Viehhaltung, bei der die Herden (meist Schafe) zwischen Sommer (Gebirgs)-

und Winterweiden (Küste) wechseln, ist im Bereich des mediterranen Frankreich weit verbreitet.

Voraussetzung ist hier der räumliche Gegensatz zwischen Gebirge und Küstenebene mit einem

deutlichen klimatischen Gegensatz.[20] Hauptverbreitungsgebiete der Transhumanz sind das

Massif Central mit Niederlanguedoc und die Seealpen mit Camargue und Crau. Im Languedoc

haben die Herden ihre Sommerweidegebiete in den Cevennen, den Causses, dem Montagne Noire

und den Pyrenäen. In der Provence liegen diese Weidegebiete nicht nur weit in den Seealpen

verstreut, sondern auch im Luberongebirge und dem Vercor Massiv. Da außer der Camargue und

der Crau nur wenig ausgedehnte Küstenebenen als Sommerweideflächen zur Verfügung stehen,

werden in der Provence auch Flußtäler wie das der Durance genutzt. Die seit dem Jahre 1878

praktizierte Verschickung der Herden in Zügen sowie die Möglichkeit eines LKW-Transportes

erweiterten die Verbreitungsgebiete der Transhumanz beträchtlich. Im 19. Jahrhundert kam es vor

allem im Languedoc wegen der schon zuvor angesprochenen Landwirtschaftskrisen zu einer

Freisetzung großer Agrarflächen zugunsten der Viehaltung. Während die Transhumanz in den

Alpen und den Pyrenäen aber nach wie vor einen landwirtschaftlichen Faktor darstellt, ist sie im

Languedoc aufgrund von Rekultivierungsmaßnahmen in den Winterweidegebieten auf dem

Rückzug.

Die transhumante Viehhaltung dient vor allem der Gewinnung von Schafwolle, aber auch von

Fleisch und Milch. Trotz des Aufwandes veterinärmedizinischer Betreuung der Tiere und dem

Zukauf von Futter, ist das Geschäft durch den Preis von ca. 10,- DM/kg Lamm noch rentabel.[21]

Die Produktion verschiedener Käsespezialitäten schafft den Landwirten außerdem eine

Marktnische, die zwar nicht einen übermäßigen Gewinn verspricht, aber dennoch eine

Absatzsicherheit garantiert. Dies gilt vor allem bei transhumanter Ziegenhaltung, die einzig und

allein der Käseherstellung dient.[22]

11. Quellen und Literatur

BRUN, ANDRÉ u.a., Le grand atlas de la France rurale, Paris 1989.

CARRÈRE, PAUL / RAYMOND DUGRAND, La Région Méditerranéenne, Paris 1960.

DE JOUVENCEL, T. u.a., La France et ses régions, Paris 1990.

DURBIANO, CLAUDINE / ANDRé DE RéPARAZ, Wein und Weinbau in Frankreich, in:

Geographische Rundschau 39 (1987) H. 12, S. 689 - 699.

DE ROO, PRISCILLA, u.a., Atlas de l'aménagement du territoire, Paris 1988.

JONES, ALUN, Reform of the European Community's Table Wine Sector: Agricultural

Despecialisation in the Languedoc, in: Geography 1989, S. 29 - 37.

MEIER , JöRG U.A., Frankreich - Ein regionalgeographischer Überblick, Darmstadt 1990.

MÜLLER, JÖRG (HRSG.), Die Provence. Aspekte kulturlandschaftlicher Veränderungen, in:

Beiträge und Materialien zur Regionalen Geographie, H. 5, Berlin 1991.


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MÜNCHOW, SABINE, Strukturprobleme Südfrankreichs, in : Geographische Rundschau 32

(1980) H. 10, S. 453 - 458.

PLETSCH, ALFRED, Frankreich, 2. korrigierte Auflage, Stuttgart 1981.

PLETSCH, ALFRED, Die Landwirtschaft im mediterranen Frankreich - Strukturwandel und

Probleme, in : Studien zur internationalen Schulbuchforschung, Schriftenreihe des Georg-Eckert-

Instituts, Bd. 41.

PLETSCH, ALFRED, Moderne Wandlungen der Landwirtschaft im Languedoc, in: Marburger

Geographische Schriften, Heft 70, Marburg/Lahn 1976.

PLETSCH, ALFRED, Südfrankreich - wirtschaftlicher Schwerpunkt oder Problemgebiet der

EG ?, in : Geographische Rundschau 34 (1982) H. 4., S.145 - 152.

VERLAQUE, CHRISTIAN, Le Languedoc-Roussillon, Paris 1987

Anmerkungen:

[1] Christian Verlaque, Le Languedoc-Roussillon, Paris 1987, S. 17 ff

[2] Alfred Pletsch, Moderne Wandlungen der Landwirtschaft im Languedoc, in: Marburger

Geographische Schriften, Heft 70, Marburg/Lahn 1976, S. 33.

[3] Pletsch, Moderne Wandlungen, S. 33.

[4] Alun Jones,Reform of the European Community's Table Wine Sector: Agricultural

Despecialisation in the Languedoc, in: Geography 1989, S. 32.

[5] Pletsch, Moderne Wandlungen, S. 81.

[6] Alfred Pletsch, Südfrankreich - wirtschaftlicher Schwerpunkt oder Problemgebiet der EG ?, in:

Geographische Rundschau 34 (1982), H. 4, S. 145 - 153.

[7] Alfred Pletsch, Frankreich, Stuttgart 1981, S. 180.

[8] Jones, S. 35.

[9] Alfred Pletsch, Die Landwirtschaft im mediterranen Frankreich - Strukturwandel und

Probleme, in : Studien zur internationalen Schulbuchforschung, Schriftenreihe des Georg-Eckert-

Instituts, Bd. 41, S. 139.

[10] Le Grand Atlas de la France Rurale, S. 164.

[11]Pletsch, Frankreich, S. 124.

[12] Konrad Jörg Müller, Struktur und regionale Differenzierung der Landwirtschft im Lubéron,

in: Konrad Jörg Meier u.a., Frankreich - Ein regionalgeographischer Überblick, Darmstadt 1990.

[13] Jones, Reform, S. 34.

[14] Claudine Durbiano, André de Réparaz, Wein und Weinbau in Frankreich, in: Geographische

Rundschau 39 (1987) H. 12, S. 690.


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[15] Pletsch, Frankreich, S. 192.

[16] Sabine Münchow, Strukturprobleme Südfrankreichs, in : Geographische Rundschau 32

(1980) H. 10, S. 457.

[17] Müller, Frankreich, Lubéron, S. 41.

[18] ebd., S. 42.

[19] ebd., S. 47.

[20] Pletsch, Frankreich, S. 175.

[21] Müller, Frankreich, Lubéron, S. 65.

[22] ebd.

Diese Arbeit wurde angefertigt im Sommersemester 1993

zusammen mit Jörg Georgi.

Institut für Kulturgeographie der Universität Freiburg

Regionales Proseminar Mittelmeerländer

Dozent : P.D. Thomas Krings

© Stefan Mannes. mannes@ruf.uni-freiburg.de

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