edition der gemeinderat Mission 2030

pVSpro360

Diese edition der gemeinderat mit dem Titel "Mission 2030" beschäftigt sich mit dem Status und Fortschritt der Energiewende in den Kommunen.

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Bei uns ist der rote Faden

schon lange grün.

Erneuerbare Energie mit der Erfahrung von EWE

EWE engagiert sich bereits seit Ende der 1980er-Jahre für den Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Weltweit gehören wir zu den ersten Windkrafterzeugern überhaupt, betreiben heute rund 140 Windkraft-Anlagen

in Norddeutschland – darunter auch Deutschlands ersten Offshore-Windpark alpha

ventus und Riffgat, den ersten kommerziellen Windpark in der deutschen Nordsee.

Auch in den Bereichen Biogas, Photovoltaik und Wasserkraft realisiert EWE technisch anspruchsvolle

Projekte: Mit der größten gebäudeintegrierten Photovoltaikanlage Deutschlands wurde z. B. das

Bremer Weser-Stadion in ein energetisch meisterhaftes Bauwerk verwandelt. Und mit dem Weserkraftwerk

in Bremen entstand der größte Wasserkraft-Neubau Norddeutschlands.

Gegenwind aus interessierten Kreisen, manch unzulängliche Eckpunkte

sowie Bürgerunmut über diverse Belastungen können daran nichts ändern:

Das „Jahrhundertprojekt“ Energiewende ist längst mächtig in Fahrt und

wird bis zum Erreichen des „Zielbahnhofs“ nicht mehr zum Stillstand

kommen. Die Aufgabe von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ist es jetzt,

die Rahmenbedingungen für den weiteren Umbau der Energieversorgung

unseres Landes durch kluges Aushandeln so zu gestalten, dass in der Trias

aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit keines der

Elemente zulasten eines anderen überbetont wird.

Ebenso ist – dies eine Forderung an die Politik – Gewähr für einen fairen

Ausgleich der unterschiedlichen, ja teils auch gegenläufigen Interessen der

Energiewende-Beteiligten zu tragen. Wenn die Bürger einerseits aus dem

Projekt resultierende Lasten aufgebürdet bekommen – höhere Strompreise,

näher an die Siedlungen rückende Windparks oder der verstärkte Übertragungsnetzbau

–, müssen sie andererseits auch an den Energiewende-Renditen

teilhaben können. Das muss nicht zwangsläufig die Solarstromaktie

„auf die Hand“ sein. Nutzen ergibt sich auch daraus, dass Kommunen und

Regionen mit der Energiewende eine günstige Entwicklung nehmen und

Wertschöpfung aus der regenerativen Versorgung nicht abfließt, sondern

ihnen erhalten bleibt.

Das bedeutet für die Städte und Gemeinden, die Chancen der Energiewende

zu erkennen und, im guten Sinne, Kapital aus konkreten Vorhaben wie auch

aus den mit diesem Großprojekt einhergehenden strukturellen wie gesellschaftlichen

Veränderungen zu schlagen. Der vorliegende Ratgeber „Mission

2030 – Kommunen gestalten die Energiewende“ gibt hierfür zum einen in

Beiträgen von Experten grundlegende Informationen und nützliche Hinweise.

Zum anderen zeigt er am Beispiel konkreter Projekte die Möglichkeiten des

kommunalen Engagements auf und weist Wege zum Erfolg.

Zu finden sind in dieser Reihe die energetische Verwertung von Grünschnitt

aus Haushalten als eher einfach umzusetzendes Verfahren ebenso wie das

anspruchsvolle Vorhaben, das komplette Stromnetz einer Großstadt zum

„intelligenten“ Smart Grid umzurüsten. Interessant ist auch der Ansatz des

kleinen bayerischen Heilbades Bad Alexandersbad. Es will seiner ins

Stocken geratenen Entwicklung als Kurort neue Impulse geben. Das gelingt

der Gemeinde durch die bewusste Verbindung von „Lebensenergie“, die

jeder Kurgast und jeder Bürger im Ort „tanken“ kann, und der Bioenergie,

auf die man für die Strom- und Wärmeversorgung baut.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen Ihr

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(Betreff „WAHLEN gewinnen“)

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wolfram.markus@pro-vs.de

Wolfram Markus, Chefredakteur

Energie. Kommunikation. Mensch. | www.ewe.de

der gemeinderat spezial

3


INHALT

Wir fördern

das Gute in NRW.

6

Foto: Doc Rabe Media/Fotolia

Die Perspektiven der

Energieversorgung

Die Energiewende ist ein Generationenprojekt,

das die Energiewirtschaft vor enorme

Herausforderungen stellt. Katherina Reiche,

Hauptgeschäftsführerin des Verbandes

kommunaler Unternehmen, zeigt die

konkreten Aufgaben für die Stadtwerke

auf: der Aufbau dezentraler Versorgungsmodelle

und die Digitalisierung der Kundenkommunikation.

Foto: Fälchle/Fotolia

12

Bioenergie bietet Potenzial

Die Bioenergie ist ein wahres Multitalent. Aus nachwachsenden

Rohstoffen gewonnen, kann sie die umwelt- und

klimafreundliche Erzeugung von Strom, Wärme und Kraftstoffen

sichern. Zudem eröffnet sie für Kommunen Wege zur

regionalen Wertschöpfung.

PERSPEKTIVEN

Katherina Reiche

Dezentralisierung und Digitalisierung sind

die großen Herausforderungen für

die Versorger im Zuge der Energiewende 6

WIRTSCHAFT

Stefan Kapferer

Die Unternehmen der Energiewirtschaft

brauchen innovationsfreundliche und

verlässliche Rahmenbedingungen 10

BIOENERGIE

Artur Auernhammer

Nachwachsende Rohstoffe bieten

die Möglichkeit zur klimafreundlichen

Erzeugung von Strom und Wärme 12

STADTBUSVERKEHR

Immer mehr städtische Verkehrs unternehmen

rüsten ihre Fahrzeugflotten auf umweltschonenden

Gasbetrieb um 13

ENERGIEWENDE-PRAXIS

Nils Boenigk

Die Kommunen nehmen beim Umbau der

Energieversorgung eine Vermittlerrolle

zwischen den Akteuren ein 14

KLIMASCHUTZ

Die Stadt Pirmasens optimiert den

Stromverbrauch ihrer Liegenschaften und

nutzt erneuerbare Energieträger 17

INTERKOMMUNALE ZUSAMMENARBEIT

Sascha Maier

Kommunen aus den Landkreisen

Rastatt und Karlsruhe kooperieren im

Netzwerk „Regioenergie“ 18

AKTIONSMANAGEMENT

Jana Köstler

Der Klimaschutzplan der Stadt Metzingen

gibt den vielfältigen Aktivitäten einen

verbindlichen Rahmen 20

GEMEINDEENTWICKLUNG

Peter Berek

Bad Alexandersbad verbindet die Umstellung

auf regenerative Energieträger mit

Maßnahmen zur Aufwertung der Gemeinde 22

SMART GRIDS

Marcel Philipp / Peter Asmuth

In der Region Aachen wird ein System zur

angebots- und nachfrageorientierten

Stromverteilung aufgebaut 24

WINDENERGIE

Ulrich Ahlke

Im Kreis Steinfurt gelten für die Planung von

Windkraftanlagen Leitlinien unter anderem

zur Bürgerbeteiligung 26

GRÜNGUTVERWERTUNG

Christian Pietruska

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Donau-Wald

setzt vor die Kompostierung von Biomasse

deren energetische Verwertung 28

MOBILITÄT

Jessica Le Bris

Das Gelingen der „Verkehrswende“ erfordert

neue Ansätze im Zusammenspiel von Energie,

Stadt und Bedürfnissen der Bürger 30

BELEUCHTUNG

Im Stadtviertel Heidelberg-Bahnstadt werden

zur Beleuchtung von Straßen und Radwegen

steuerbare LED-Systeme eingesetzt 32

FINANZIERUNG

Wolfram von Blumenthal / Thomas Straßer

Die sinnvolle Kombination verschiedener

Instrumente zur Finanzierung von Projektinvestitionen

ist eine lösbare Aufgabe 34

BERATUNG

Thomas Weiß

Experten können der Kommune bei der

Umsetzung ihrer Klimaschutzstrategien

wichtige Impulse vermitteln 36

AUSBLICK

Gerd Harms / Johannes Kauffmann /

Peter Mann

Das Multi-Energie-Kraftwerk Sperenberg soll

eine wirtschaftliche Versorgung mit

erneuerbaren Energien demonstrieren 38

Foto: Filipov

Praxis der Energiewende 14

Viele Kommunen verfolgen ambitionierte Projekte mit dem

Ziel, die energetische Kraft von Wind, Sonne und Biomasse

stärker zu nutzen. Wir stellen eine Reihe von Beispielen vor.

Clevere Projektfinanzierung 34

Die Energiewende fordert Investitionen in Milliardenhöhe.

Für die kommunalen Unternehmen geht es darum, verschiedene

Finanzierungsinstrumente sinvoll zu kombinieren.

38

Ausblick auf das Multi-Kraftwerk

In Brandenburg wird das Multi-Energie-Kraftwerk Sperenberg

geplant. Das Projekt MEKS soll zeigen, wie mit erneuerbaren

Energien eine wirtschaftliche Versorgung realisiert werden

kann. Wasserstoff spielt darin eine tragende Rolle.

Sportanlage Nordwalde, umgesetzt mit der

individuellen Beratung der NRW.BANK.

Wenn es darum geht, ein komplexes Projekt zum Leben zu erwecken,

ist gute Teamarbeit Gold wert. Die NRW.BANK ist Partner rund um

alle kommunalen Fragestellungen. Im Sinne einer fachlich

versierten Unterstützung beraten unsere Spezialisten

unabhängig, individuell und kostenlos. Sprechen

auch Sie mit uns über Ihre kommunalen

Herausforderungen.

0211 91741-4600

www.nrwbank.de/teamarbeit

4 MISSION 2030

MISSION 2030 5


PERSPEKTIVEN

PERSPEKTIVEN

GANZHEITLICHER BLICK FEHLT

Energiewende-Puzzle:

Die Rahmenbedingungen

des „Jahrhundertprojekts“

erweisen sich politisch,

technisch, institutionell,

kulturell und auch

sozial als sehr komplex.

Foto: Doc Rabe Media/Fotolia

Dekarbonisierung und Digitalisierung stellen die kommunalen Energieversorger

vor enorme Herausforderungen. Wie alle Umbrüche bergen sie jedoch auch

große Chancen, die die Unternehmen nutzen müssen. Einfach ist das nicht,

denn es fehlt dem Energiesektor in Deutschland ein umfassender Rahmen.

Die Energiewirtschaft in Deutschland

sieht sich mit zwei Herausforderungen

konfrontiert, die die Branche von

Grund auf verändern werden: die Digitalisierung

und die Energiewende. Mit dem Pariser

Klimaschutzabkommen liegt ein Referenzrahmen

vor, der als Langfristziel die Reduktion

der globalen Treibhausgasemissionen bis

Ende des Jahrhunderts auf netto Null zum

Ziel hat. National soll entsprechend der Beschlüsse

der Bundesregierung der Kohlendioxidausstoß

um 80 bis 95 Prozent bis zum

Jahr 2050 gegenüber dem Basisszenario von

1990 reduziert werden. Besonders die Energiewirtschaft

steht bei der Dekarbonisierung

im Fokus. Die Politik forciert mit der Energiewende

den langfristigen Verzicht auf fossile

Energiequellen und die konsequente Umstellung

der Energieversorgung auf erneuerbare

Energien.

BEDEUTSAM FÜR DEN STANDORT

Die Energiewende ist das größte energie- und

wirtschaftspolitische Projekt, das Deutschland

zu bewältigen hat. Die Rahmenbedingungen

erweisen sich politisch, technisch,

institutionell, kulturell und auch sozial als

sehr komplex. Das Gelingen der Energiewende

ist von herausragender Bedeutung für

den Wirtschaftsstandort Deutschland. Auch

international wird der Umbau der deutschen

Energieversorgung intensiv beobachtet. Das

Spektrum der Einschätzungen reicht von Bewunderung

bis Skepsis.

Seit dem Jahr 2000 wurden die erneuerbaren

Energien mit 150 Milliarden Euro über

die EEG-Umlage gefördert. Ohne Zweifel hat

die Förderung dazu beigetragen, die weltweite

Kostensenkung erneuerbarer Stromerzeugungstechnologien

voranzutreiben. Der

Mechanismus der Umlage war richtig, um

die Markteinführung erneuerbarer Energien

voranzutreiben. Gleichwohl muss die Politik

auch künftig verantwortungsvoll darauf achten,

die Energiewende kosteneffizient sowie

ohne wirtschaftliche und soziale Überforderung

zu gestalten. Zudem muss sich der Blick

der Klimapolitik von der Konzentration des

Umbaus der Stromerzeugung hin zu einer

ganzheitlichen Betrachtung auf andere Sektoren

weiten. Ohne eine „Wärmewende“, ohne

Erfolge bei der Energieeffizienz, im Gebäudesektor,

im Verkehr und anderen Bereichen der

Wirtschaft werden die ambitionierten Ziele

nur schwer erreichen zu sein.

GESTALTER DES JAHRHUNDERTPROJEKTS

Die kommunalen Energieversorger sind zentrale

Gestalter dieses Jahrhundertprojekts

und haben in den vergangenen Jahren ihr

Erzeugungsportfolio im Sinne der nationalen

Klimaschutzziele modernisiert. Insbesondere

im Bereich der erneuerbaren Energien ist eine

deutliche Dynamik zu beobachten. So konnte

der Anteil der regenerativen Energieerzeugung

an der installierten Leistung kommunaler

Unternehmen von 13,5 Prozent im Jahr

2013 auf 15,6 Prozent im Jahr 2014 gesteigert

werden. Außerdem sorgen die Stadtwerke

durch Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung

(KWK) nicht nur für eine klimafreundliche

Strom-, sondern auch eine klimaschonende

Wärmeerzeugung. Ihr Anteil lag 2014 bei 44

Prozent konstant hoch.

Damit Stadtwerke ihr gesamtes Potenzial

entfalten können, braucht es jedoch einen

verlässlichen gesetzlichen Rahmen. Einige

Fortschritte gab es in dieser Legislaturperiode:

Mit der im Juli 2016 verabschiedeten Novelle

des Erneuerbare-Energien-Gesetzes werden

die erneuerbaren Energien künftig weitgehend

in den Wettbewerb gestellt. Das sorgt

für eine kosteneffizientere Förderung und

hilft damit, die Akzeptanz der Energiewende

nicht zu gefährden. Mit Ausschreibungen

lässt sich zudem der Ausbau besser steuern

und mit dem Netzausbau synchronisieren.

Auch hat die Bundesregierung die Rahmenbedingungen

für den Ausbau und den Betrieb

der Klimaschutztechnologie Kraft-Wärme-

Kopplung verbessert. Hier wartet die Branche

nun seit langem auf grünes Licht aus Brüssel,

um die KWK-Förderung auch tatsächlich in

Anspruch nehmen zu können.

Dennoch konnte ein grundsätzliches Defizit

der Energiepolitik auch in dieser Legislaturperiode

nicht behoben werden: Es wurde

versäumt, dem Energiesektor in Deutschland

einen umfassenden Rahmen zu geben. Die

vielen Herausforderungen werden nach wie

vor zu wenig mit ganzheitlichem Blick angegangen.

Besonders auffällig ist dies beim

Strommarktgesetz, das ebenfalls Anfang Juli

2016 verabschiedet wurde.

Der Anteil an volatilem (in der Menge

schwankendem) Strom aus erneuerbaren

Quellen steigt. Wir benötigen daher mehr Flexibilitätsoptionen

aus Speichern, zuschaltbaren

Lasten oder flexiblen Kraftwerken. Diese

sollten in einem wettbewerblich organisierten

Kapazitäts- beziehungsweise Flexibilitätsmarkt

gehandelt werden. Diese Position

der kommunalen Unternehmen wird von der

gesamten Energiebranche getragen.

Die Politik jedoch hat anders entschieden.

Sie hat dem Strommarkt im Laufe der vergangenen

zwei Jahre stetig mehr Strommengen

entzogen, die nun nicht mehr wettbewerblich

organisiert, sondern staatlich verwaltet

werden. Das Strommarktgesetz schreibt eine

Netzreserve, eine Kapazitätsreserve und eine

Braunkohle-Klimareserve vor. Diese Maßnahmen

erzeugen Kosten, die um etwa 575

Millionen Euro höher liegen als die eines

dezentralen Kapazitätsmarkts (rund 80 Mio.

Euro). Die Mehrbelastungen treffen vor allem

private Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen

sowie kleine Energieversorger.

Wir müssen mit der Politik weiter hin darüber

im Dialog bleiben, wie die Bereitstellung

einer sicheren Kapazität und die notwendige

Flexibilität als Beitrag zu Systemstabilität

und Versorgungssicherheit honoriert werden

kann.

EIN SCHRITT NACH VORN UND ZWEI ZURÜCK

Auch bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen

für Verteilnetzbetreiber hat der Gesetzgeber

aus Sicht des Verbandes der kommunalen

Unternehmen (VKU) einen Schritt

nach vorn und zwei zurück gemacht. Die

Verteilnetze sind das Nadelöhr der Energiewende.

Über sie werden mehr als 95 Prozent

des erneuerbar erzeugten Stroms eingespeist.

Um die Versorgungssicherheit am Wirtschaftsstandort

Deutschland zu gewährleisten und

teure Abregelungen zu vermeiden,

6 MISSION 2030

MISSION 2030 7


PERSPEKTIVEN

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Advertorial

MEHR AUF TREFFPUNKT KOMMUNE

Ergänzend zu den im vorliegenden Ratgeber

veröffentlichten Artikeln finden Sie weitere

Expertenbeiträge zu Fragen der kommunalen

Energiewende auf unserem Portal

www.treffpunkt-kommune.de. Themen sind dort

unter anderem Energiewende und

demografischer Wandel, Kommunale Energieund

Klimaschutzkonzepte, Energiegenossenschaften

und Contracting.

KLIMASCHUTZ-ABKOMMEN VON PARIS

Das Pariser Klimaschutzabkommen als Ergebnis

der Weltklimakonferenz Ende 2015 in Paris

setzt das völkerrechtlich verbindliche Ziel, die

Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu

begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen

Zeit. Dazu soll in der zweiten Hälfte des 21.

Jahrhunderts Treibhausgasneutralität erreicht

werden. Das macht eine globale Energiewende

nötig. Die Staaten weltweit sind gehalten,

alle fünf Jahre Klimaschutzpläne vorzulegen,

die jeweils anspruchsvoller sind als der

vorangegangene Plan. Zudem ist vorgesehen,

Entwicklungsländer bei Klimaschutz und

Anpassungen zu unterstützen. Das deutsche

Klimaschutzengagement sieht fünf Säulen vor:

die Energiewende von Atomkraft und fossilen

Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien,

Energieeffizienz und Innovation, Förderung

der nachhaltigen Mobilität, Klimaschutz

in Landwirtschaft und Landnutzung sowie

klimafreundliches Bauen und Wohnen.

Das Abkommen tritt in Kraft, wenn mindestens

55 Staaten, die mindestens 55 Prozent der

weltweiten Treibhausgasemission ausstoßen,

ratifiziert haben. Deutschland und die EU wollen

den Vertrag so schnell wie möglich ratifizieren.

Allerdings muss zunächst noch die EU-interne

Verteilung des Klimaziels geklärt werden.

Mehr zum Pariser Abkommen auf der

Internetseite des Bundesumweltministeriums:

www.bmub.bund.de/cop21/

DIE AUTORIN

Katherina Reiche, Parlamentarische

Staatssekretärin a. D., ist geschäftsführendes

Präsidialmitglied und Hauptgeschäftsführerin

des Verbandes kommunaler Unternehmen

(VKU) mit Sitz in Berlin (reiche@vku.de)

müssen die Verteilnetze modernisiert, ausgebaut

und digitalisiert werden. Hierfür braucht

es Investitionsanreize und einen verlässlichen

Rahmen.

Die kürzlich gefassten politischen Beschlüsse

leisten dies nur bedingt, wie am

Beispiel der Anreizregulierungsverordnung

deutlich wird. Diese behebt zwar einen jahrelang

bestehenden Missstand für Investoren,

nämlich den Zeitverzug, schafft jedoch

bedauerlicherweise wieder neue Hürden.

Außerdem plant die Bundesnetzagentur mit

ihrem Vorschlag einer deutlichen Absenkung

der Eigenkapitalverzinsung für Strom- und

Gasnetzbetreiber einen herben Einschnitt in

die Wirtschaftlichkeit der Energienetze. Insbesondere

die kommunalen Eigentümer sollten

wissen, dass die geplante Absenkung zu

deutlichen Verlusten führen würde.

„GAME CHANGER“ DIGITALISIERUNG

Die kommunalen Energieversorger müssen

sich auf diese und weitere neue Rahmenbedingungen

einstellen. Die Digitalisierung ist

ein „Game Changer“. Neue Marktteilnehmer

stellen bewährte Geschäftsmodelle bedingungslos

infrage und krempeln etablierte

Prozesse mit einer enormen Geschwindigkeit

um. Jede Stufe der Wertschöpfungskette wird

durch die Digitalisierung verändert.

Kommunale Unternehmen machen sich vielerorts

daran, die Chancen der Digitalisierung

zu nutzen und neue Geschäftsmodelle aufzubauen.

Sie entwickeln Prozesse für individualisierte

dezentrale Versorgungsmodelle,

digitale Kundenkommunikation oder bieten

Smart-Home-Anwendungen an. Auf diesem

Wege kommen sie veränderten Kundenwünschen

nach und heben gleichzeitig Kostensenkungspotenziale.

In der „kommunalen

Familie“ gibt es viele gute Beispiele für Kooperationen,

sei es beim Betrieb gemeinsamer

Rechenzentren oder bei der Entwicklung von

Endkundenprodukten.

Die Möglichkeiten sind für diejenigen

groß, die kreativ und mutig an diesen Prozess

herangehen. Der VKU unterstützt seine

Mitglieder nach Kräften, die Herausforderungen

zu meistern. Zum einen wird der Verband

weiterhin für passende Rahmenbedingungen

für kommunale Unternehmen werben. Zum

anderen hat der VKU ein Projekt ins Leben

gerufen, das kommunale Unternehmen mit

Start-ups und Gründern branchenübergreifend

zusammenbringt. Ergebnis der Initiative

wird eine „Innovationsplattform“ sein, die

VKU-Mitgliedern die Vernetzung mit Startups

und anderer Industrie ermöglicht, sodass

sie Digitalisierungsstrategien implementieren

und ihre eigene Innovationskultur stärken

können.

Katherina Reiche

Freiflächen-Fotovoltaik und Windräder: Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes stellt die

Energiegewinnung aus regenerativen Quellen künftig weitgehend in den Wettbewerb.

Foto: Arsdigital/Fotolia

Foto: Trilux

Intelligente, vernetzte Außenbeleuchtung

Heute clever für morgen entscheiden – mit dem TRILUX

Smart Lighting Ready Konzept.

Mit einem modularen Baukasten-System können Städte und Kommunen die Außenbeleuchtung

trotz knapper Haushaltslage sanieren – und sich alle Optionen für zukünftige Smart-City-Anwendungen

offen halten.

Das TRILUX Smart Lighting Ready Konzept – aus einer kostengünstigen LED-Basis-Leuchte wird

durch einen Modul-Tausch per Plug & Play eine intelligente, lichtmanagementfähige, vernetzte

Außenbeleuchtungslösung.

Es herrscht Sanierungsstau bei der kommunalen

Außenbeleuchtung. Jede dritte der deutschlandweit

9,4 Millionen öffentlichen Straßenleuchten

ist älter als 30 Jahre. Einer der Gründe,

die einen Umstieg auf die energieeffiziente LED-

Technologie erschweren, ist die angespannte

Haushaltslage. Darüber hinaus sind Entscheider

häufig durch die rasante technologische

Entwicklung im Bereich Lichtmanagement- und

Smart-City-Anwendungen verunsichert. Mit dem

Smart Lighting Ready Konzept (SLR) hat TRI-

LUX die passende Lösung: Kommunen können

heute schon von den Vorzügen einer energieeffizienten

LED-Outdoor-Lösung profitieren und

halten sich mit Blick auf die Steuerung und Vernetzung

alle Möglichkeiten offen. SLR-Leuchten

lassen sich – je nach Bedarf und Budget – mit

unterschiedlichen Modulen bestücken, so dass

eine Um- oder Aufrüstung auch nachträglich mit

minimalem Aufwand möglich ist.

Es ist ein einfaches Baukasten-Konzept: Eine

SLR-Leuchte lässt sich einfach per Plug & Play

mit verschiedenen Modulen bestücken, die dem

Anwender unterschiedliche Möglichkeiten für

Steuerung und Vernetzung bieten. Bereits ohne

Modul überzeugt eine SLR-Leuchte dank LED-

Technologie durch ihre hohe Energieeffizienz.

Zudem ist sie mit einer „Grundintelligenz“ ausgestattet

und bietet beispielsweise die Möglichkeit

zur Leistungsreduzierung. Mehr Flexibilität

bietet das optionale Lichtmanagement-Modul,

das sich auch nachträglich noch per Plug & Play

in eine SLR-Leuchte einsetzen lässt. Damit lassen

sich Betriebsparameter wie Leuchtenlichtströme,

Dimmprofile, Zeitkurven und Lichtfarben

über eine praktische Software-Oberfläche

einstellen. Für die maximale Transparenz sorgen

umfangreiche Monitoring-Funktionen, mit denen

sich wichtige Parameter wie Betriebszustand

oder Energieverbrauch darstellen lassen.

Doppelter Vorteil für kommunale Betreiber: Sie

können zum einen den Energieverbrauch durch

maßgeschneiderte Dimmprofile minimieren.

Zum anderen sinken auch die Wartungskosten,

da die Servicemitarbeiter dank Monitoring genau

über den Betriebszustand und Wartungsbedarf

der Leuchten informiert sind – und so

in Zukunft gezielt bei Bedarf ausrücken können,

statt starre Service-Intervalle einzuhalten.

Lichtmanagement-Modul plus Sensorik –

mit eingebauter Zukunftssicherheit

Das Lichtmanagement- und Sensor Modul kann

offen. Das Modul kann zusätzlich mit Präsenz-

und Tageslichtsensoren kombiniert werden, wodurch

eine Beleuchtungsanlage nur dann Licht

in der benötigten Intensität spendet, wenn es

wirklich gebraucht wird. Eine typische Anwendung

ist das so genannte mitlaufende Licht.

Wird eine Bewegung erkannt, erhöhen die betroffene

sowie die benachbarten Leuchten ihre

Beleuchtungsstärke von einem Grund-Dimmniveau

auf ein höheres Niveau. Für Passanten bedeutet

das maximale Sicherheit durch optimale

Lichtverhältnisse im öffentlichen Raum – während

der Betreiber durch die Sensorsteuerung

seine Betriebskosten minimiert. Über die offene

Sensor-Schnittstelle lassen sich zudem zahlreiche

weitere Sensoren in das System einbinden,

beispielsweise zur Messung der Luftqualität, zur

Erfassung von freiem Parkraum oder zur Zählung

des Auto- oder Personenverkehrs in bestimmten

Innenstadtbereichen.

Powerline, Funk oder Bluetooth – flexible Steuerung

möglich

Die Steuerung der SLR-Module ist ausgesprochen

flexibel: wahlweise per Powerline oder

über ein drahtloses Netzwerk. In beiden Fällen

besitzen die Betreiber einen bequemen Zugriff

auf die Beleuchtungsanlage vom Büro aus. Auch

der direkte Zugriff vor Ort über ein Bluetoothfähiges

Smart Device ist möglich.

Smarte Schnittstellen – offen für nachgelagerte

Systeme und Anwendungen

Die Stadt der Zukunft ist intelligent und vernetzt.

Darauf hat sich TRILUX mit dem SLR-Konzept

eingestellt. Die Module besitzen eine offene

und hochflexible Hardwareschnittstelle. So wird

die Beleuchtungslösung schnell und einfach Teil

eines städtischen Gesamtkonzeptes.

TRILUX GmbH & Co. KG

Telefon +49 (0) 29 32.3 01-95 00

Fax +49 (0) 29 32.3 01-95 16

info@trilux.de

www.trilux.com/smart-city

8 MISSION 2030


PERSPEKTIVEN

PERSPEKTIVEN

DIGITALISIERUNG IM

ENERGIESEKTOR

Nahezu alle Geschäftsprozesse und Kundenprodukte

der Energiewirtschaft sind ohne die

Unterstützung der Informationstechnik nicht

mehr vorstellbar. Die Digitalisierung erfasst die

Erzeugung und Speicherung von Energie, deren

Übertragung und Verteilung, das Messwesen,

den Energiehandel ebenso wie die Bereiche

Vertrieb, Marketing und Dienstleistungen.

Unterstützt durch die IT werden so zum

Beispiel viele kleine dezentrale „erneuerbare“

Erzeugungsanlagen durch ein zentrales

Leitsystem gebündelt und wie ein einziges

großes (als „virtuell“ bezeichnetes) Kraftwerk

gesteuert. Auf cloud-basierten Plattformen,

die von Energieversorgern und Kunden

gemeinsam genutzt werden, wird die gesamte

Kundenbeziehung abgebildet und es

werden beispielsweise durch Algorithmen aus

individualisierten Verbrauchsinformationen

Handlungsempfehlungen zum Energiesparen

abgeleitet. Die Digitalisierung unterstützt

aber genauso Komforttechniken wie „Smart

Home“ oder die Planung und Steuerung von

Stromnetzen, was eine Optimierung der Netzstrukturen

bedeutet und für das sogenannte

Lastmanagement Vorteile bringt. Auch dadurch

wird die Versorgungssicherheit erhöht.

Mit dem Anfang Juli 2016 durch den Bundesrat

verabschiedeten „Gesetz zur Digitalisierung der

Energiewende“ gibt es in Deutschland erstmals

eine rechtsverbindliche Verpflichtung zum

breiten Einbau moderner Strommesseinrichtungen

(digitale Stromzähler, „Smart Meter“) bei

Verbrauchern. Ziel ist es, in den Stromnetzen

Erzeugung und Verbrauch stärker miteinander

zu verknüpfen. Der verpflichtende Rollout für die

neuen Stromzähler beginnt am 1. Januar 2017

(in Privathaushalten ab 2020).

DER AUTOR

Stefan Kapferer ist Vorsitzender der

Hauptgeschäftsführung und Mitglied des

Präsidiums des Bundesverbandes der Energieund

Wasserwirtschaft mit Sitz in Berlin

(stefan.kapferer@bdew.de)

Kundencenter: Energieeffizienz und Energiedienstleistungen werden künftig von zentraler Bedeutung

sein. Die Digitalisierung unterstützt die Vermarktung innovativer Produkte.

DIE STARTVORTEILE

NICHT VERSPIELEN

Ob die Energiewende gelingt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu

zählen innovationsfreundliche Rahmenbedingungen genauso wie unternehmerisches

Handeln, das bestehende Geschäftsfelder hinterfragt, in neue investiert

und das die Chancen der Digitalisierung in der Energiewirtschaft nutzt.

Die Energiewende und die Digitalisierung

verändern die Energiewirtschaft

grundlegend. Mit dem zügigen Ausbau

der erneuerbaren Energien wird es immer

wichtiger, das Gesamtsystem der Energieversorgung

in Balance zu halten. Wir stehen vor

der komplexen Aufgabe, rund 1,5 Millionen

regenerative Erzeugungsanlagen mit ihrer

schwankenden Stromeinspeisung bedarfsgerecht

zu steuern. Dies wird nicht ohne

intelligente, digitale Systeme und eine hochmoderne

Infrastruktur realisierbar sein. Die

Energiewende ist somit das größte nationale

IT-Projekt aller Zeiten.

Bereits heute gibt es hierzu verschiedene

Ansätze: Zum Beispiel werden dezentrale

Anlagen zu „virtuellen Kraftwerken“ zusammengeschlossen,

um die Stromerzeugung aus

erneuerbaren Energien effizient zu steuern

und sie in das Gesamtsystem zu integrieren.

Perspektivisch werden dabei enorme Datenmengen

anfallen, deren Auswertung eine sichere

Energieversorgung stützt. Wichtig wird

dabei sein, die Daten der Kunden weiterhin

zu schützen.

Die Digitalisierung beschleunigt den

technologischen Wandel. Dabei verändern

sich auch die Marktstrukturen grundlegend:

Immer neue, zum Teil branchenfremde Unternehmen

stoßen auf den Energiemarkt. Gleichzeitig

ändern sich die Ansprüche der Kunden

an Produkte und Serviceleistungen. Für die

Unternehmen der Energiewirtschaft wird

es immer wichtiger, ihre Geschäftsmodelle

Foto: Highwaystarz/Fotolia

zu hinterfragen und gegebenenfalls in neue

Felder zu investieren. Gerade die Stadtwerke

haben derzeit mit ihrer regionalen Verankerung

noch Startvorteile. Diese dürfen nicht

verspielt werden.

Insbesondere die kleinen und mittleren

Unternehmen vor Ort haben es in der Hand,

der Energiewende einen Schub zu geben. Die

vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

(BDEW) beauftrage Stadtwerke-

Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen

in der Digitalisierung eine Chance

sehen und diese Entwicklung schon heute in

die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle

einbeziehen. Als wichtige Projekte und

Geschäftsfelder werden etwa die Planung

von Heizungsanlagen online, die Bereitstellung

von Apps für dezentrale Energielösungen

oder die Installation intelligenter Messsysteme

sowie die kommerzielle Auswertung

der daraus entstehenden Daten genannt.

OFFEN FÜR NEUE IDEEN

Gleichzeitig gibt es einige Unternehmen, die

sich aktuell noch zurückhalten und die weitergehende

Digitalisierung zunächst beobachten.

Als größtes Hemmnis wird fehlendes

Personal beziehungsweise die fehlende Qualifikation

der eigenen Mitarbeiter genannt.

Auch die hohen Investitionen und rechtliche

Unsicherheiten halten viele Unternehmen

von weiteren Schritten in die Digitalisierung

ab. Hier wird es entscheidend sein, sichere

politische Rahmenbedingungen zu schaffen,

um Investitionen und Innovationen nicht zu

lähmen. Gleichzeitig sollten die Unternehmen

sich offen zeigen, neue Wege und Kooperationen

einzugehen – auch mit anderen

Marktakteuren, etwa aus dem IT-Bereich oder

dem Handwerk.

Um die Unternehmen bei der Orientierung

und Neuausrichtung zu unterstützen,

hat der BDEW die „Digitale Agenda der

Energiewirtschaft“ veröffentlicht, an der Mitgliedsunternehmen

mitgewirkt haben. Darin

geben wir den Unternehmen konkrete Instrumente

und Empfehlungen an die Hand.

Das umfasst auch die Anpassung der internen

Unternehmensstruktur an den digitalen

Wandel und die entsprechende Qualifizierung

der Mitarbeiter.

Wie gut ein Unternehmen die Herausforderungen

der Digitalisierung meistert und

die Chancen nutzt, ist übrigens keine Frage

der Größe oder des Umsatzes. Es ist vielmehr

eine Frage der Innovationsfreude und cleverer

Ideen. Kleine und mittlere Unternehmen

können hier genauso mitmischen wie die

Größeren.

Was die kleinen und mittleren Unternehmen

bereits heute auszeichnet, ist vor allem

die Nähe zum Kunden. Sie kennen die spezifischen

Verhältnisse vor Ort und sind auf

kommunaler Ebene im direkten Kontakt mit

den Bürgern. Das kann nicht nur Vertrauen

und Akzeptanz schaffen, sondern auch Vorhaben

beschleunigen. Zusätzlich können

die kleinen und mittleren Unternehmen die

Energieversorgung auf Basis dezentraler Anlagen

optimal an die örtlichen Gegebenheiten

anpassen.

Welche neuen Geschäftsfelder für diese

Unternehmen besonders geeignet sind, ist

sehr unterschiedlich. Das ist beispielsweise

abhängig von der jeweiligen Kundenstruktur

oder dem bereits vorhandenen Know-how.

Um nur einige Beispiele für interessante Geschäftsfelder

zu nennen: Energieeffizienz und

Energiedienstleistungen werden künftig von

zentraler Bedeutung sein. Das Gleiche gilt

für den Betrieb der Verteilnetze. Hier haben

es die Unternehmen in der Hand, die angestrebte

„smarte“ Energiewelt mitzugestalten:

Die Steuerung der dezentralen Anlagen in den

Endverteilungsnetzen ist enorm wichtig für

die Netzentlastung und Systemstabilität.

Aber auch andere Elemente der Energiewende

müssen in der konkreten Umsetzung

auf kommunaler Ebene stattfinden, Stichwort

Elektromobilität: Hier wird es wichtig sein,

ein bedarfsgerechtes Ladenetz aufzubauen

und moderne und nachhaltige Mobilität zu

ermöglichen.

FAIRER WETTBEWERB

Wichtig ist, dass Unternehmen konsequent

ihre Schwerpunkte setzen und diese Geschäftsfelder

dann mit Nachdruck aufbauen.

Nur, wer es schafft, innovative Lösungen

anzubieten, wird sich erfolgreich am Markt

behaupten. Die Umsetzung der Energiewende

muss auf wirtschaftlichem Denken

und Handeln fußen, auf einem fairen Wettbewerb

um die besten Ideen und neuen,

intelligenten Technologien. Dazu brauchen

die Unternehmen stabile, innovationsfreundliche

und rechtssichere Rahmenbedingungen.

Nur wenn den Unternehmen, die die Energiewende

maßgeblich umsetzen, der nötige

Freiraum für unternehmerisches Handeln gegeben

wird, kann das Megaprojekt Energiewende

ein Erfolg werden. Stefan Kapferer

Mit Energie ans Ziel

Langjährige Erfahrung, versierte Partner, erfolgreiche Projekte:

Das ist DKC. Wir bieten umfassende Beratung und Begleitung bei

der Verwirklichung von Energievorhaben, liefern zugeschnittene

Realisierungskonzepte und Finanzierungsstrategien, binden Fördermittel

ein und sagen auch, wo technisch und wirtschaftlich optimiert werden kann.

www.dkc-kommunalberatung.de

10 MISSION 2030

Hochbau

Tiefbau

Erneuerbare

Energien

MISSION 2030 11

Kommunalberatung GmbH


BIOENERGIE

BIOENERGIE

NICHT GENUTZTE POTENZIALE

Die Bioenergie ist eine tragende Säule der zukünftigen Energieversorgung.

Als Multitalent kann sie die umwelt- und klimafreundliche Erzeugung von

Strom, Wärme und Kraftstoffen sichern. Zudem eröffnet sie für Kommunen

und Regionen Wege zur Wertschöpfung direkt vor Ort.

Biogasanlage: Den Kommunen

kommt zur Erreichung der gesellschaftlichen

Akzeptanz einer nachhaltigen

Bioenergienutzung eine

Schlüsselrolle zu.

Die Bundesregierung hat sich das Ziel

gesetzt, die Treibhausgasemissionen

in Deutschland bis zum Jahr 2020 gegenüber

1990 um 40 Prozent zu senken, mittel-

bis langfristig soll gemäß den Zielen der

internationalen Klimaschutzverhandlungen

von Paris im Dezember 2015 eine vollständige

Dekarbonisierung unseres Lebens- und Wirtschaftsstils

erfolgen. Dem offensiven Ausbau

der erneuerbaren Energien kommt zur Zielerreichung

eine entscheidende Rolle zu.

Tragende Säule im Mix der erneuerbaren

Energien ist die Bioenergie, die als Multitalent

sämtlichen Energiemärkten die umweltund

klimafreundliche Erzeugung von Strom,

Wärme und Kraftstoffen zur Verfügung stellen

kann. So hat die Bioenergie im Jahr 2015

bereits einen Marktanteil von rund 8 Prozent

am bundesdeutschen Endenergieverbrauch

bereitgestellt, davon 8,3 Prozent im Strommarkt,

11,6 Prozent im Wärmemarkt und 4,7

Prozent im Kraftstoffmarkt.

Insgesamt konnten durch die Nutzung

von Bioenergie im Strom-, Wärme- und

Kraftstoffbereich 65,5 Millionen Tonnen

Treibhausgasemissionen (in CO 2 -Äquivalenten)

vermieden werden. Damit erbringt die

Bioenergie den weitaus größten Beitrag zum

Klimaschutz und rund 43 Prozent der CO 2 -

Minderung sämtlicher erneuerbarer Energien.

ARBEITSPLÄTZE AUF DEM LAND

Zu den positiven Klimaschutzeffekten kommt

hinzu, dass sich die Bioenergie im letzten

Jahrzehnt weitestgehend auch als Konjunktur-

und Beschäftigungsmotor erwies: Der

Gesamtbranchenumsatz im Jahr 2015 betrug

11,6 Milliarden Euro. Dieser teilt sich auf in

1,5 Milliarden Euro Investitionen für neu

errichtete Bioenergieanlagen sowie in 10,1

Milliarden Euro Umsatz aus dem Betrieb

von bereits bestehenden Bioenergieanlagen.

Ebenfalls positiv entwickelt haben sich im

letzten Jahrzehnt die Beschäftigtenzahlen:

Die Bioenergiebranche bot in 2015 rund

120 000 Arbeitsplätze, die meisten davon im

strukturschwachen ländlichen Raum sowie in

kleinen und mittleren Kommunen.

Wissenschaftliche Studien, auch im Auftrag

der Bundesregierung, bestätigen, dass

sich der Beitrag der Bioenergie zur Energiewende

mit heimischer Biomasse auf 15 Prozent

fast verdoppeln ließe – ohne in Konkurrenz

zur Nahrungsmittelerzeugung und zur

stofflichen Nutzung zu stehen. Allein mit

konsequenter Nutzung heimischer Bioenergie

ließe sich also der CO 2 -Ausstoß um jährlich

bis zu 120 Millionen Tonnen

senken!

Unverzichtbare Voraussetzung hierzu ist

allerdings, dass für die Bioenergiebranche

wieder verlässliche Zukunftsperspektiven

geschaffen werden und die vielfältigen energiewirtschaftlichen

Vorteile der Bioenergie für

eine erfolgreiche Energiewende von der Politik

und der Gesellschaft wieder vollumfänglich

anerkannt und honoriert werden.

Den Städten, Gemeinden und Kreisen in

Deutschland kommt zur Erreichung der Zielvorgaben

hinsichtlich des Klimaschutzes und

vor allem für die gesellschaftliche Akzeptanz

einer nachhaltigen Bioenergienutzung eine

Schlüsselrolle zu: In jeder Kommune gibt es

Biomassepotenziale im Bereich der Land-,

Forst- und Abfallwirtschaft, die im Rahmen

einer dezentralen, regionalen Nutzung mobilisiert

werden können. Gerade im ländlichen

Raum sind in den letzten Jahren viele Bioenergieanlagen

in Betrieb genommen worden,

die insbesondere land- und forstwirtschaftliche

Biomasse einsetzen und somit

einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung

und wirtschaftlichen Stabilisierung des ländlichen

Raums und der Kommunen erbringen.

Ungenutzte Biomassepotenziale liegen

auch immer noch im Bereich der biogenen

Reststoffe, die ebenfalls in allen Kommunen

in verschiedensten Fraktionen anfallen

und energetisch für die Strom-, Wärme- und

Kraftstoffversorgung genutzt werden können.

Hierbei handelt es sich zum Beispiel um biogene

Reststoffe aus dem häuslichen, gewerblichen

und industriellen Bereich, um Waldrestholz,

das bei der Verarbeitung von Waldholz

anfällt (so auch im Kommunalwald), um

Nebenprodukte von Sägewerken (z. B. Sägemehl,

Holzspäne), Altholz (z. B. Lagerpaletten

aus Holz, alte Holzmöbel), Landschaftspflegematerial

und kommunalen

Grünschnitt,

Ernterückstände

(z. B. Stroh,

Foto: Fälchle/Fotolia

Rübenblätter), tierische Exkremente (z. B.

Gülle, Mist), Nebenprodukte und Abfälle

der Lebensmittelproduktion (z. B. Kartoffelschalen,

Bioabfälle aus dem Nahrungsmittelbereich

wie etwa Speiseabfälle und Altfette)

sowie andere organische Abfälle (z. B. Klärschlamm,

Siedlungsabfälle).

Die Nutzung von biogenen Reststoffen

kann auch einen maßgeblichen Beitrag zur

Reduzierung der Nutzenkonkurrenzen zwischen

einer energetischen und stofflichen

Biomassenutzung sowie zu einer gesicherten

Nahrungsmittelversorgung leisten. Wenn bis

zum Jahr 2020 alle verfügbaren biogenen

Reststoffe für die Energieerzeugung genutzt

würden, entspräche dies einer Anbaufläche

für Energiepflanzen von 4,1 Millionen Hektar.

Die Erschließung des gesamten biogenen

Reststoffpotenzials würde auch den Beitrag

der Bioenergie zum Klimaschutz deutlich

steigern. So wird das gesamte jährliche Treibhausgas-Minderungspotenzial

ausschließlich

durch die Nutzung von Reststoffen im Sinne

einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft auf 42

Millionen Tonnen geschätzt.

Den Kommunen bietet sich zudem die

Chance, durch die regionale nachhaltige Nutzung

von Bioenergie im sinnvollen Systemverbund

mit anderen erneuerbaren Energien

eine Entkopplung von der Kostenspirale perspektivisch

teurer werdender fossiler Energien

zu erreichen, regionale CO 2 -Reduktionen zu

erzielen sowie vor Ort Investitionen auszulösen

und Arbeitsplätze zu schaffen beziehungsweise

deren Schaffung zu begünstigen.

Die energetische Nutzung biogener Reststoffe

bedeutet zudem, die kommunalen Abfallentsorgungs-

und Beseitigungskosten zu reduzieren

und eine zusätzliche klimaschonende und

effiziente Wertschöpfung zu erreichen.

Der Klimaschutz und die Energiewende

stellen Deutschland in den nächsten Jahren

vor große gesellschaftliche Herausforderungen

und Veränderungen. Die Bioenergie kann

hier „liefern“, insbesondere durch passgenaue

Konzepte und innovative Technologien

für den Einsatz im kommunalen Bereich.


Artur Auernhammer

DER AUTOR

Artur Auernhammer, MdB und Kreis- und

Stadtrat, ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands

Bioenergie (BBE), des Dachverbands des

bundesdeutschen Bioenergiemarktes Bonn mit

Sitz Bonn (artur.auernhammer@bundestag.de)

Foto: Daimler

Erdgasbus: Ein fortschrittlicher Öffentlicher Personennahverkehr sollte mit Blick auf die Entlastung

der Städte von Schadstoffen und als Beitrag zur Lärmminderung (Bio-)Erdgas als Treibstoff nutzen.

VORWÄRTS MIT GAS

Der private wie auch der öffentliche Verkehr stellt im Zusammenhang mit der

Energiewende und der Umsetzung der Klimaschutzziele ein bedeutendes

Handlungsfeld dar. Kommunen sollten mit der Umstellung ihrer Fahrzeugflotten

auf Gasantrieb hier eine Vorbildrolle einnehmen.

Die Ziele der Bundesregierung und der

Europäischen Kommission zur Umweltentlastung

sehen bis 2020 vor, dass von

allen Straßenfahrzeugen mindestens zehn Prozent

über einen Erdgasantrieb verfügen. Ein

fortschrittlicher Öffentlicher Personennahverkehr

(ÖPNV) wie auch kommunale Unternehmen

unter anderem mit ihren Abfallsammelfahrzeugen

und Transporten sowie Feuerwehren

und Pkw-Flotten sollten mit Blick auf die

Entlastung der Städte von Schadstoffen und

als Beitrag zur Minderung des Verkehrslärms

Erdgas als Treibstoff nutzen.

Gasmotoren haben gegenüber Benzin- und

Dieselmotoren einen erheblich geringeren

Schadstoffausstoß. Sie emittieren rund 25 Prozent

weniger Kohlendioxid (CO 2 ), rund 90 Prozent

weniger Stickoxid (NO X ) und weisen Rußpartikelemissionen

auf, die nahe Null liegen.

Erdgasbusse erfüllen die EEV-Norm („Besonders

umweltfreundlich“), die deutlich geringere

Schadstoffwerte vorschreibt als die Euro-

5-Norm. Zwar liegt der Anschaffungspreis von

Erdgasbussen und anderen Erdgasfahrzeugen

noch um 10 bis 15 Prozent höher als der von

Fahrzeugen mit herkömmlichen Motorenkonzepten,

im Betrieb jedoch werden durch den

geringeren Treibstoffpreis über einen längeren

Zeitraum deutliche Einsparungen erzielt.

Eine Reihe von städtischen Verkehrsbetrieben

in Deutschland setzt bereits seit Jahren

Erdgasbusse ein, so zum Beispiel Augsburg,

Chemnitz, Hannover, Bad Harzburg,

Frankfurt/Oder, Saarbrücken, Weilheim,

Zwickau und Greifswald.

Noch stärker wirken die Umweltentlastung

und die wirtschaftlichen Vorteile von

Gas als Kraftstoff, wenn eigenproduziertes

Bioerdgas eingesetzt wird – erzeugt aus in der

Kommune anfallenden Abfällen wie Hausmüll,

Lebensmittelresten oder Grünschnitt.

Die Entlastung der Umwelt auf diesem Weg

ist von besonderem Gewicht, da bisher noch

große Mengen an organischen Abfällen kompostiert

werden.

Bei diesem Vorgang entsteht ebenso Methan

(CH 4 ) wie bei der Biogaserzeugung, jedoch

entweicht dieses ungenutzt in die Luft

und ist dabei als Treibhausgas mehr als 20

Mal schädlicher als Kohlendioxid. (Weitere

Informationen unter www.erdgas-mobil.de

und www.schwelm-anlagentechnik.de) Red.

MISSION 2030 13


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEFORUM ILSFELD

LANDKREIS HEILBRONN

ENERGETISCHE

QUARTIERS-

ENTWICKLUNG

IN STÄDTEN UND

GEMEINDEN

DONNERSTAG, 27.10.2016

9:00 - 17:00 UHR

74360 ILSFELD-SCHOZACH

WEINGUT BENTZEL-STURMFEDER

ENERGETISCHE ENTWICKLUNG

DER HIST. ALTSTADT IN ALTENSTEIG

G. Garbe, Stadtwerke Altensteig

FAKTOREN DES ERFOLGS

Die Kommunen übernehmen mit der Moderation und dem Zusammenbringen

der verschiedenen Akteure eine wichtige Funktion beim Umbau der

Energieversorgung. Ein lokales Klimaschutz- und Energiekonzept ist vielerorts

der Fahrplan für die Nutzung dezentral verfügbarer Ressourcen.

Nicht mehr nur wenige große fossile

oder nukleare Großkraftwerke versorgen

Industrie, Gewerbe und Bürger mit

Energie, sondern immer mehr kleine, dezentrale

erneuerbare Kraftwerke erschließen die

heimischen Potenziale. Diese fundamentale

Umwandlung unserer Energieversorgung

bringt neue Herausforderungen für die Regionen

und Kommunen mit sich. Kommunale

Unternehmen wie Stadtwerke betreiben

Smart Grids und werden so zum Dienstleister

der Energiewende. Kommunen und regionale

Planungsstellen genehmigen Anträge für die

Errichtung von Anlagen, betreiben eigene Anlagen,

informieren die Bevölkerung, bringen

verschiedene Akteure an einen Tisch oder

versuchen Erzeugung und Verbrauch von

erneuerbarer Energie besser aufeinander abzustimmen.

Der Moderation und dem Zusammenbringen

der verschiedenen Akteure durch die

Kommune kommt eine immer wichtigere Bedeutung

für das Gelingen der Energiewende

zu. Der Lohn für diese Mühen ist die Stärkung

der regionalen Wirtschaftskreisläufe sowie

die Erhöhung der Kaufkraft in der Region. Im

Folgenden werden einige kommunale Vorreiter

der lokalen Energiewende porträtiert.

Ein genossenschaftlich betriebenes

Nahwärmenetz versorgt den Ortsteil Erfurtshausen

in der hessischen Stadt Amöneburg

mit klimafreundlicher Wärme aus zwei Hackschnitzelanlagen

und einer Biogasanlage.

Während des Baus des sechs Kilometer langen

Netzes wurde gleichzeitig ein Leerrohrnetz

für Glasfaserkabel verlegt und im Jahr

2014 mit Glasfaserkabeln bestückt. Über das

Glasfasernetz werden alle Hausübergabestationen

mit der übergeordneten Steuerung des

Nahwärmenetzes verbunden. Primäres Ziel

ist die Effizienzsteigerung der Netzsteuerung.

Der „Nebeneffekt“ ist, dass vor Ort nun die

Voraussetzungen für schnelles Internet gegeben

sind. „Mit dem Bau der an einen landwirtschaftlichen

Betrieb gekoppelten Biogasanlage

und der Entscheidung, erneuerbare

Energien in Bürgerhand zu nutzen, wurde

regelrecht eine Kettenreaktion ausgelöst“, resümiert

Bürgermeister Michael Plettenberg.

„Neben einer hohen regionalen Wertschöpfung,

dem Ausbau dörflicher Infrastruktur

Holzkraftwerk in Wunsiedel: Die Stadt produziert 20 Prozent mehr Strom aus regenerativen

Energiequellen, als sie selbst verbraucht.

bis hin zu schnellem Internet sowie dem

Erreichen von wichtigen Klimaschutzzielen

wurden auch wichtige soziale Effekte

erzielt“, so Plettenberg.

Die bayerische Stadt Wunsiedel hat bereits

heute ihre Klima- und Energieziele für

das Jahr 2020 erreicht. In Wunsiedel mit

rund 9300 Einwohnern wird 20 Prozent

mehr Strom aus regenerativen Quellen produziert

als verbraucht. Auch die Hälfte des

städtischen Wärmebedarfs decken erneuerbare

Energien. Die Treibhausgasemissionen

haben sich im Vergleich zum Basisjahr 2008

um die Hälfte reduziert. Schon seit 2001 geht

die Stadt vor allem mithilfe des Stadtwerks

und der Bürger den Weg einer regionalen

und klimaverträglichen Energieversorgung.

Seit Frühjahr 2016 setzt die 100-prozentige

Tochter der Stadt auf die regionale Vermarktung

des Stroms aus den hiesigen Solar- und

Windkraftanlagen an Verbraucher. Um die

Akzeptanz gegenüber erneuerbaren Energien

zu stärken, setzen die Stadtwerke auf

Beteiligungsformen und transparente Information.

So informiert beispielsweise das

Internetportal „Energieflussvisualisierung“

in Echtzeit über Stromerzeugung und -verbrauch.

Die Verbandsgemeinde Sprendlingen-

Gensingen (14 500 Einwohner, Rheinland-

Pfalz) geht die lokale Energiewende mit

Weitsicht an. Ausgangspunkt ist der Beschluss

des Gemeinderates von 2007, Klimaschutz

und die Sicherung der Energieversorgung

zu herausragenden Aufgaben

zu machen. Bis 2018 soll der Strombedarf

zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien

gedeckt sein. „Früh war uns klar, dass dieses

Ziel nur mit einer weitsichtigen Planung

auf Basis eines Klimaschutz- und Energiekonzeptes

erreichbar ist“, erinnert sich

Manfred Scherer, Bürgermeister der

Foto: WUN Bioenergie

WÄRMENETZE

FLEXIBEL UND TECHNOLOGIEOFFEN

B. Müller, Vorstand solarcomplex

ENERGIEENTWICKLUNG ILSFELD

Bürgermeister T. Knödler, Ilsfeld

W. Schuler, IBS Ingenieurbüro Schuler

WÄRMESTRATEGIE

DER STADTWERKE WEINSTADT

T. Meier, Stadtwerke Weinstadt

LANDESFÖRDERPROGRAMM

„ENERGIEEFFIZIENTE WÄRMENETZE“

K. Raab, Umweltministerium BW

NIEDRIGE u. STABILE WÄRMEPREISE

MIT SOLARER FERNWÄRME

C. Stadler, Arcon-Sunmark

Informationen und Anmeldung:

IBS Ingenieurbüro Schuler

74321 Bietigheim-Bissingen

Tel. 07142 9363-0

kontakt@ing-buero-schuler.de

14 MISSION 2030

MISSION 2030 15


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

KOMPLEXES BEZIEHUNGSGEFLECHT

Akteure und Instrumente der

kommunalen Energiewende

Quelle: Ergebnisse des Projektes „EnGovernance“

INFOPORTAL

Das Portal www.kommunal-erneuerbar.de

der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE)

ist eine erste Adresse bei Fragen rund um

den Ausbau der erneuerbaren Energien. Hier

finden Kommunalentscheider Vorreiterkommunen,

Leitfäden und Ansprechpartner.

WÄRMEWENDE-LEITFÄDEN

Der Leitfaden „Argumente für die

kommunale Wärmewende“ und die Planungshilfe

„Ein Netzwerk für die Wärmewende“

können als kostenlose Print-Publikation im

Shop der Agentur für Erneuerbare Energien

bestellt werden. Die Handreichungen lassen

sich auch herunterladen:

www.unendlich-viel-energie.de/shop

DER AUTOR

Nils Boenigk ist stellvertretender

Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare

Energien (AEE) in Berlin. Der studierte

Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt

Energiepolitik berät Bundesregierung sowie

Kommunen, Unternehmen und Wissenschaftler

bezüglich des dezentralen Ausbaus der

erneuerbaren Energien in Deutschland

(n.boenigk@unendlich-viel-energie.de)

Energieagenturen

Wissenschaft

und Forschung

Zivilgesellschaft

Klimaschutzmanager

Ernergiemanagement

Evaluation

Bildung und

Beratung

Verbraucher

Bundesregierung

Klimaschutzmanagement

KommunikationsInstrumente

Presse- und

Öffentlichkeitsarbeit

Interkommunale

Vernetzung

Management-

Instrumente

Verbandsgemeinde. Dieses Konzept

liegt seit 2010 vor und enthält

einen Handlungskatalog für Bürger und

Verwaltung. Seit 2013 berät eine kommunale

Energieagentur Bürger, Unternehmen, Betriebe

und Vereine zu Themen wie Energiesparen

und Energieeffizienz.

KOMMUNEN GESTALTEN UND MODERIEREN

Stadt und

Gemeinde

Landkreis

und Region

Landesregierung

Banken

Investitionen

in erneuerbare

Energien

Wirtschaftliche

Betätigung

Juristische

Instrumente

Flächennutzungsplan

Investitionen

in Energieeffizienzmaßnahmen

Investionen

in Energieeinsparungsmaßnahmen

Anschlussund

Benutzungszwang

Konzessionsverträge

Beschaffung

Private

Immobilienbesitzer

Energieerzeuger

Dienstleister

Immobilienbesitzer

Europäische

Union

Das Forschungsprojekt „Kommunen als

Impulsgeber, Gestalter und Moderator der

Energiewende – Elemente energienachhaltiger

Governance (EnGovernance)“ des Bundesministerium

für Wirtschaft und Energie

setzt auf die Kommune als kleinste eigenständige

organisatorische Ebene staatlichen

Handelns, in der Menschen zusammenkommen,

leben und arbeiten. Klimaschutz und in

den meisten Bereichen auch der Ausbau der

erneuerbaren Energien sind für Kommunen

eine freiwillige Aufgabe. Der Umbau unserer

Energieversorgung ist trotz aller berechtigten

Diskussionen über die Vorgehensweise in allen

relevanten Bereichen unserer Gesellschaft

akzeptiert. Doch viele Kommunen fühlen sich

vom Bund nur unzureichend unterstützt. Vielen

Städten und Gemeinden fehlen schlichtweg

die Kapazitäten und Ressourcen, um die

Energiewende vor Ort zu managen. Aufgrund

dessen betrachtet das Forschungsprojekt die

Interaktionen zwischen Bund und Kommunen

sowie den Austausch auf inter- und

intrakommunaler Ebene. Die Endergebnisse

werden am 21. November 2016 in Berlin

vorgestellt.

Als ein Zwischenergebnis können Hinweise

zum Selbstverständnis der Kommunen

abgeleitet werden. Ein Großteil der Kommunen

sieht eine Rolle bei der Energiewende als

Moderator der verschiedenen Interessen. Da

die Energiewende in Deutschland vor allem

dezentral ist, gibt es neben den kommunalen

Entscheidern auch Akteure wie Land- und

Forstwirte, Mitglieder einer Energiegenossenschaft,

Stadtwerke, Handwerker sowie

andere Mittelständler und nicht zuletzt die

Bürger. Daher sehen viele Kommunen ihre

Aufgabe beim lokalen Umbau der Energieversorgung

auf erneuerbare Energien vor allem

darin, über Sinn und Erfordernis aufzuklären,

Diskussionen konstruktiv zu begleiten,

unterschiedliche Interessen zum Ausgleich

zu bringen, kurz: für die erforderliche lokale

Akzeptanz der Energiewende zu sorgen.

Der Umbau und Ausbau der kommunalen

Energieversorgung ist für viele befragte

Kommunen nicht die Schlüsselrolle, auch

wenn kommunale Unternehmen eine entscheidende

Rolle spielen. Die am häufigsten

eingesetzten Instrumente sind laut der Studie

daher auch Beratung, Öffentlichkeitsarbeit

und die Erstellung von Klimaschutz- und

Energiekonzepten.

Nils Boenigk

16 MISSION 2030

MIT WENIG VIEL ERREICHEN

Ein Doppel aus Optimierung der Energieverbräuche städtischer Liegenschaften

und Nutzung erneuerbarer Energien ist die Säule des Klimaschutzmanagements

der Stadt Pirmasens. Dabei werden bei den Energiekosten Einsparungen vor

allem auch mit schnell umsetzbaren gering investiven Maßnahmen erzielt.

Das eine tun und das andere nicht lassen

– nach diesem Motto setzt die Stadt

Pirmasens (rund 40 000 Einwohner,

Rheinland-Pfalz) auf einen ganzheitlichen

Energie- und Klimaschutz, der das gezielte

Einsparen von Energie fokussiert und zugleich

erneuerbare Energien aus Fotovoltaik

und Biomasse fördert. Meilenstein auf dem

Weg hin zur energieeffizienten Kommune ist

ein Klimaschutzmanagement. Zu dessen Elementen

gehören insbesondere das Erfassen

von Verbrauchsdaten für kommunale Liegenschaften,

die Auswertung der Ist-Daten für

den Aufbau von Potenzialanalysen und priorisierender

Maßnahmenkataloge sowie ein

Klimaschutzbericht.

Dabei sollen kurzfristig umsetzbare, schnell

wirkende und gering investive Maßnahmen,

eingebunden in ein Gesamtkonzept, beträchtliche

Energiesparpotenziale freisetzen. Hierfür

hat der mittlerweile installierte städtische

Klimaschutzmanager eine Prioritätenliste

erstellt und Einsparpotenziale von jährlich

bis zu 57 Prozent im Bereich der elektrischen

Energie sowie 39 Prozent im Bereich der Wärmeenergie

veranschlagt. Ziel ist, die jährlichen

Energieverbrauchskosten der Liegenschaften

von 1,3 Millionen Euro um 600 000

Euro zu senken. Erste Projekte wurden bereits

umgesetzt. Gleichzeitig setzt Pirmasens auf

regenerative Energien, beispielsweise mit einem

Solardachkataster, Fotovoltaik-Anlagen

Unsere Zukunft fordert

nachhaltige Energie!

auf öffentlichen Gebäuden oder der Faulgasgewinnung

bei der Abwasserbehandlung.

Die ersten kurzfristig möglichen, schnell

wirkenden und günstigen Maßnahmen wurden

in Schulgebäuden realisiert. Berechnungen

hatten ergeben, dass am städtischen

Leibniz-Gymnasium kostenintensive Maßnahmen

(wie ein Fenstertausch) Energiesparungen

von etwa 25 Prozent bewirkt hätten.

Stattdessen wurde ohne hohen Planungsaufwand

binnen weniger Tage der Dachboden

mit Steinwolle zum Materialpreis von 13 000

Euro gedämmt.

In Verbindung mit einem hydraulischen

Abgleich der Heizungsanlage, einer Optimierung

der Heizungssteuerung und weiteren

kleineren Maßnahmen ergibt sich eine Heizkostenersparnis

von rund 25 Prozent. Ein

vergleichbares Projekt wurde bereits in der

Sommerwaldschule durchgeführt – pro Jahr

summiert sich aus beiden Maßnahmen eine

CO 2 -Reduktion von rund 50 Tonnen. Red.

Biogas-Erzeugung aus organischem Abfall mit

Aufbereitung zu Bio-Erdgas als Kraftstoff oder

zur Einspeisung ins Gasnetz ist der optimale Weg

zu Umweltschutz. Kompostierung ist dagegen

Umwelt schädlich!

Bio-Erdgas bringt wirtschaftlichen Erfolg aus

der Entsorgung! Informationen und Referenzen

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MISSION 2030 17

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ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

TECHNOLOGIEREGION KARLSRUHE

Die zehn Netzwerk-Kommunen mit insgesamt

64 000 Einwohnern (3000 bis 14 500

Einwohner) sind als Teil der Technologieregion

Karlsruhe von überdurchschnittlicher

Zuwanderung und nahezu Vollbeschäftigung

geprägt. Ein ausgewogener Branchenmix und

weitere Baulandflächen sichern eine

zufriedenstellende Finanzausstattung. Alle

Kommunen sind bestrebt, die

Standortfaktoren auszubauen. Die

interkommunale Zusammenarbeit wird auf

unterschiedlichen Ebenen bereits seit vielen

Jahren praktiziert.

DER AUTOR

Sascha Maier ist stellvertretender Leiter

der Abteilung Finanzen bei der Gemeinde

Ötigheim und Koordinator für das Projekt

Regioenergie in den Kreisen Rastatt und

Karlsruhe (sascha.maier@oetigheim.de)

VERNETZT RICHTUNG

FORTSCHRITT

Jeder redet von nachhaltiger Zukunft. Zehn Kommunen aus den Landkreisen

Rastatt und Karlsruhe haben das Thema Nachhaltigkeit bereits angepackt. In

interkommunaler Zusammenarbeit beantragen sie Fördermittel, führen

Ausschreibungen gebündelt durch und pflegen intensiven Wissensaustausch.

Fortschritts-Macher: Optimistisch schauen die Verantwortlichen der am Energie- und Klimaschutzprojekt

beteiligten zehn Kommunen in die Zukunft ihrer Städte und Gemeinden.

Regioenergie“ ist der Zusammenschluss

der zehn baden-württembergischen

Kommunen Au am Rhein, Bietigheim,

Bischweier, Durmersheim, Elchesheim-Illingen,

Kuppenheim, Malsch, Muggensturm,

Ötigheim und Steinmauern, die sich gemeinsam

für einen energiewirtschaftlichen und infrastrukturellen

Fortschritt engagieren. Dafür

werden die Bereiche Mobilität, Infrastruktur

und Energieeffizienz ganzheitlich auf Verbesserungsmöglichkeiten

analysiert, die den

demografischen Wandel positiv beeinflussen

und die Attraktivität des ländlichen Raums

stärken. Die Kommunen setzen sich vorbildhaft

für eine hohe Lebensqualität und eine

nachhaltige Entwicklung ihrer Region ein.

Die Zusammenarbeit über kommunale

Grenzen hinweg bringt Vorteile und Synergieeffekte

wie zum Beispiel gemeinsame Beantragung

und Abwicklung von Fördermitteln,

gebündelte Durchführung von Ausschreibungen,

breite Öffentlichkeitsarbeit sowie einen

intensiver Wissensaustausch. Das Ziel der

Kommunen ist, die gesamte Region zu stärken.

Die Gemeinden haben sich darauf geeinigt,

die Umsetzung der Maßnahmen gemeinsam

anzugehen und zeitlich abzustimmen.

Somit können Ausschreibungen gebündelt

und Synergieeffekte genutzt werden.

Das Netzwerk will den Energieverbrauch

in den Kommunen nachhaltig senken, dadurch

Kosten reduzieren und die Umwelt

entlasten. Im Vordergrund stehen ein breiter

Erfahrungsaustausch zu Fragen der Energieeffizienz

sowie die gemeinsame Realisierung

wirtschaftlich sinnvoller Energieeinsparmaßnahmen.

Das Netzwerk lebt vom Zusammenspiel

der Hauptakteure kommunale Netz-

18 MISSION 2030

Foto: Regioenergie

werkbeauftragte, Netzwerkmanager sowie

energietechnischer Berater.

Im Rahmen des Netzwerks werden die

kommunalen Liegenschaften der beteiligten

Gemeinden schrittweise mittels Energieaudits

nach DIN EN 16247-1 auf deren Einsparpotenziale

hin untersucht und einem regelmäßigen

Einsparmonitoring unterzogen. Der energietechnische

Berater identifiziert die Einsparmaßnahmen

und bewertet diese mit Prioritätenstufen

nach den Kriterien Realisierbarkeit

und Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus werden

die jährlichen Einsparungen von Energie

und CO 2 -Emissionen mit berücksichtigt.

Entsprechend der Bewertung der Maßnahmen

zur Energieeinsparung, können diese

von der Kommune selbst angestoßen werden.

Bei Fragen zur Umsetzung der Maßnahmen

bieten die regelmäßigen Netzwerktreffen den

Vertretern der Kommune die richtige Plattform

zur Diskussion.

Die politischen Gremien werden bei gemeindeübergreifenden

Maßnahmen in den

Entscheidungsprozess eingebunden. Die jeweils

örtlich geltenden Zuständigkeitsregeln

haben Bestand und werden durch das Netzwerk

nicht ausgehebelt.

„Das Projekt ist ein umfassendes

Steuerungsinstrument

für Kommunen und

Privathaushalte, denn

intelligente Verbesserung der

Energiebilanz bedeutet

auch immer eine deutliche

Kostensenkung“

Dietmar Späth, Bürgermeister von

Muggensturm

Die Ausgaben für den Netzwerkmanager

der EnBW Energie Baden-Württemberg, der

beim Fördermittelgeber entsprechende Erfahrung

bei Planung und Durchführung von

Projekten mit Schwerpunkt Energieeffizienz

sowie im Umgang mit öffentlichen Einrichtungen

vorzuweisen hat, belaufen sich über

den Zeitraum von drei Jahren auf insgesamt

120 000 Euro. Das Bundesministerium für

Wirtschaft und Energie bezuschusst das Netzwerk

mit 50 Prozent der Gesamtkosten. Die

andere Hälfte wird zu gleichen Teilen durch

Unser Rundum-Service stellt sicher, dass

Ihre Anlage zuverlässig und effizient arbeitet.

Energielösungen mit System

Effi zient. Intelligent. Integriert.

Ob Stadtwerke, Contractoren, Kliniken, Pfl egeeinrichtungen oder Wohnungsbaugesell schaften –

all unsere Kunden profi tieren von einem reibungslosen und effi zienten Anlagen betrieb und einer

partnerschaftlichen Geschäftsbeziehung.

Unsere hochqualifi zierten Mitarbeiter der BHK-Anlagenservice stehen ihnen jederzeit fachlich

kompetent und lösungsorientiert zur Seite.

eine entsprechende vertragliche Erklärung

von den beteiligten Kommunen getragen. Der

nicht unbeträchtliche Aufwand der jeweiligen

kommunalen Netzwerkbeauftragten und vor

allem der geschäftsführenden Gemeinden

wäre den Gesamtkosten allerdings noch hinzuzurechnen.

Damit ein Netzwerk wie das der Regioenergie

handlungsfähig bleibt, sollte der Kreis

der beteiligten Gemeinden nicht zu groß sein.

Bei den wesentlichen Entscheidungen muss

der Gemeinderat der jeweiligen Gemeinden

eingebunden werden. Es gilt, die Sitzungstermine

der Kommunen zu koordinieren,

damit Fristen eingehalten werden und sich

Projekte nicht verschieben. Dann gilt es, in

jeder Gemeinde einen Netzwerkbeauftragten

zu bestimmen, der die Gemeinde auf den

Netzwerktreffen und Workshops vertritt.

Die Netzwerkbeauftragten sollten Mitarbeiter

der Gemeinden und nicht die Bürgermeister

sein, da mit der Durchführung

der Energieaudits und Erstellung des Klimaschutzkonzeptes

umfassende Datenerhebungen

verbunden sind, die von den jeweiligen

Mitarbeitern durchgeführt werden müssen.


Sascha Maier

Unsere Dienstleistungen im Überblick

Für Bestands- und Neubauten

TECHNIK & KNOW-HOW

Schnelle und professionelle Errichtung von

effizienten Heizzentralen mit Integration

von Heizkesseln, KWK-Anlagen und

Fernwärmeübergabestationen

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MISSION 2030 19


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

METZINGEN HAT KLARE ZIELE

In Metzingen genießt der Klimaschutz hohen Stellenwert. Seit 2004 haben über

40 kommunale Maßnahmen zu einer Einsparung von knapp 20 000 Tonnen CO 2

geführt. Klimaschutz, so die Überzeugung in Verwaltung, Stadtwerken und bei

engagierten Bürgern, muss künftig zum Selbstverständnis werden.

In Metzingen (rund 22 000 Einwohner, Baden-Württemberg)

steht der Klimaschutz

im Spannungsfeld zwischen traditionell

geprägter Stadtkultur und der Outletcity, die

sich als Hochglanzwelt präsentieren muss,

an herausgehobener Stelle. Bereits vor Jahren

hat die Stadt deshalb begonnen, die durch

Bürgerbeteiligungen, Verwaltung, Stadtwerke

und Unternehmen bereits bestehenden Klimaschutzaktivitäten

aufzuarbeiten, zu erfassen

und in Struktur zu bringen. Dazu gehören

beispielsweise Bürger- und Jugendgutachter

einer Studie zur Energieautarkie, das Zukunftsteam

Infrastruktur und Verkehr sowie

der seit über 20 Jahren aktive Arbeitskreis für

Klima und Energie. Der AKE hat zum Beispiel

die Umrüstung der Beleuchtung in der Festkelter

finanziert. Diese Maßnahme wird eine

jährliche Einsparung von knapp 3000 Kilogramm

CO 2 bewirken.

Laden Strom: Oberbürgermeister

Dr. Ulrich

Fiedler (li.) mit Alexander

Schoch (M.) und Giancarlo

Bragagnolo von

den Stadtwerken

Metzingen.

20

Auch die Stadtverwaltung verfolgt nachdrücklich

die Klimaschutzziele. Um die vielen

Projekte der Akteure in Metzingen zu überblicken

sowie Chancen und Hemmnisse aufzudecken,

soll ein Klimaschutzkonzept den

Masterplan bilden. Dieses Konzept enthält

einen Maßnahmenkatalog in den Themenfeldern

Erneuerbare Energien, Energieeffizienz,

Städtebau und Natur sowie Verkehr. Diesen

Feldern sind konkrete Projekte wie zum Beispiel

der Ausbau der Fahrradstellplätze in der

Stadt oder die Nutzung der Abwasserwärme

zugewiesen. Das Ziel ist, den Klimaschutz in

geordnete Bahnen zu lenken und ihn fest in

der Planung der Stadtwerke wie insgesamt

der Kommune zu integrieren.

Der technische Werkleiter der Stadterke,

Giancarlo Bragagnolo, erläutert: „Wir sehen

auf der einen Seite den Klimaschutz und auf

der anderen Seite die Chance, unsere Geschäftsfelder

zu erweitern und zum Beispiel

die Nahwärme auszubauen und neue regenerative

Technologien einzusetzen. Damit

erhöhen wir nicht nur die Wertschöpfung

für unsere Region, sondern auch den Autarkiegrad.

Das bedeutet, wir erhöhen die

Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern,

deren Verfügbarkeit oft nicht nur durch wirtschaftliche,

sondern auch durch politische

Einschränkungen beeinflusst wird.“

VIELFÄLTIGE AKTIVITÄTEN

In den letzten Jahren wurden viele große

Projekte und Konzepte initiiert. So wurde das

Energetische Quartierskonzepte für den Ortsteil

Glems erarbeitet. Das Institut für Energiewirtschaft

und Rationelle Energieanwendung

(IER) hat ein integriertes Klimaschutzkonzept

für Metzingen entwickelt. Zudem hat

die Stadt an einer landesweiten Studie zum

Thema Energieautarkie teilgenommen. Auch

bei diesen Projekten waren Bürger in den Entwicklungsprozess

eingebunden.

Das Energetische Quartierskonzept war

der Startschuss für den Weiterausbau der

Nahwärme in Glems. Im Jahr 2015 wurde dort

das erste kleine Nahwärmenetz in Betrieb genommen,

das von den Metzinger Stadtwerken

verlegt wurde und betrieben wird.

Seit mehr als zehn Jahren betreiben die

Stadtwerke eine Erdgastankstelle.

Neu ist ein Angebot für E-Mobilisten.

Kunden können ihre

Elektrofahrzeuge inzwischen

an zwei Tankstellen mit vier

Ladepunkten aufladen. Seit

2014 wird auch die Straßenbeleuchtung

kontinuierlich

auf LED umgerüstet und zu

100 Prozent mit Ökostrom

versorgt.

Das Gebäudemanagement

der Stadtverwaltung

arbeitet an der Umrüstung

der Beleuchtung

der öffentlichen

Liegenschaften auf

energiesparende

LED-Systeme.

Dabei stehen

die Sporthallen

und Schulen

im Vordergrund.

Zwei CO 2 -

Foto: Stadt Metzingen

neutrale Kinderhäuser sind Vorzeigeprojekte

und überzeugen durch effiziente Bauphysik

und Energieversorgung.

Die Stadt und die Stadtwerke betreiben

mittlerweile zwei Hackschnitzelanlagen und

eine Pelletsheizanlage. Außerdem sind acht

hocheffiziente Blockheizkraftwerke (BHKW)

Grundlage der Energieversorgung von Metzingen.

Auch im Bereich der Solarenergie

ist Metzingen gut aufgestellt. Neben vielen

kleinen privaten Fotovoltaik- und Solarthermieanlagen

hat die Bürgerbeteiligung in

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Metzingen bislang sechs Bürgersolaranlagen

hervorgebracht. Diese wurden auf Initiative

des AKE mit dem Kapital interessierter Bürger

entwickelt und realisiert. Daneben investieren

auch die Metzinger Unternehmen stark

in Fotovoltaikanlagen.

Seit 2004 haben über 40 kommunale Klimaschutzmaßnahmen

zu einer Einsparung

von knapp 20 000 Tonnen CO 2 geführt, zahlreiche

kleine Maßnahmen nicht mitgerechnet.

Dies soll nur der Anfang sein. In Zukunft wird

es selbstverständlich sein, dass alle Akteure

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über Maßnahmen nachdenken, wie Energie

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werden kann.

Jana Köstler

DIE AUTORIN

Jana Köstler ist Energiemanagerin der Stadtwerke

Metzingen und Klimaschutzbeauftrage der Stadt

(j.koestler@metzingen.de)

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LED-BELEUCHTUNG


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

Schlossterrassen in Bad Alexandersbad: Warum soll ein Kurort, der für „Lebensenergie“ steht, bei seiner Entwicklung nicht auf die Kraft der Regenerativen

setzen? Dieser Überlegung entsprang die Idee des „Bioenergie-Heilbades“.

BAD ALEXANDERSBAD

HEILBAD TRIFFT

BIOENERGIE

Bei der Energiewende geht es nicht allein um die Errichtung nachhaltiger

dezentraler Strukturen für die Versorgung Deutschlands mit Strom, Gas,

Wärme und Kraftstoffen aus regenerativen Quellen. Sie ist auch eine Chance

für die Gemeindeentwicklung. In Bad Alexandersbad wird sie ergriffen.

Foto: Gemeinde Bad Alexandersbad

Heilbadbetrieb allerdings auch eine große

Menge an (technischer) Energie. Warum soll

man diese Energie nicht selbst und regenerativ

erzeugen?

Im Jahr 2009 gründete die Gemeinde ihre

eigenen Energiewerke, die Bioenergie-Heilbad

GmbH. Noch im gleichen Jahr wurden sieben

Fotovoltaikanlagen gebaut. Der durchschnittliche

Ertrag liegt bei 180 000 Kilowattstunden

im Jahr (kwh/Jahr). Fast dreimal so viele private

Anlagen entstanden seither mit gemeindlicher

Beratung.

2010/2011 folgte der Bau der gemeindeeigenen

Nahwärmeversorgung. Die mit Holzhackschnitzel

und Biogas erzeugte Wärme

versorgt das Orts(Kur)zentrum und zwei

Wohngebiete. Die Biogaskomponente entstand

aus einer Kooperation mit fünf Landwirten,

die ihr erzeugtes Biogas zum Heizhaus

leiten. Dort erst wird verstromt, die Wärme

fließt komplett ins gemeindliche System. Seit

2011 wurden insgesamt 12 900 Megawattstunden

(MWh) Wärme erzeugt und verteilt. Der

Hackschnitzelkessel hat eine Leistung von 2

MW, der Biogasmotor von thermisch 0,3 MW.

Die Gesamtinvestition für das 3,9 Kilometer

lang Wärmenetz betrug 3,57 Millionen Euro.

Die Rohstoffe kommen zu 100 Prozent aus

Energie.

Maßgeschneidert.

Zukunftsfähig.

der näheren Umgebung, die erzeugte Wärme

wird vollständig im Heilbad umgesetzt.

Ebenfalls 2011 stellte Bad Alexandersbad

als erste Gemeinde in Bayern die gesamte öffentliche

Beleuchtung auf LED-Technik um.

Insgesamt ging es dabei um 363 Lichtpunkte.

Auslöser war das Förderprojekt „Energieeffiziente

Stadtbeleuchtung“ des Bundesumweltministeriums.

Die Investitionssumme lag bei

305 000 Euro, die Förderung betrug 99 700

Euro. Die Einsparungen betragen rund 25 000

Euro im Jahr.

Mit dem 2012 fertiggestellten Kinderhaus

Königin Luise gelang ein weiterer Energie-

Meilenstein. Die Gemeinde erwarb eine untergenutzte

Jugendherberge und realisierte im

Rahmen der Sanierung auch zahlreiche energetische

Maßnahmen. Neben dem Anschluss

an die Wärmeversorgung wurden die Fenster

ausgetauscht, das Dach gedämmt und die Innenbeleuchtung

komplett auf LED umgestellt.

Das größte Projekt in der Gemeindegeschichte

ist der Neubau des Kurmittelhaues

mit Schwimmbad und Sauna. Die Gemeinde

investiert derzeit in dieses Haus 13,8 Millionen

Euro. Es entspricht höchsten Energiestandards

und ist an die Nahwärmeversorgung

angeschlossen. Und genau hier schließt sich

der Kreis. Hätte die Gemeinde 2008 nicht ihre

Energiewende gefunden, wäre das „AlexBad“

nicht realisierbar gewesen.

Derzeit arbeitet die Gemeinde an einem

E-Mobilitäts-Projekt. Sie will auch hier eine

kurortgerechte Energiewende finden und

ihren Gästen E-Bikes und E-Fahrzeuge zur

Verfügung stellen. Bereits 2017 soll ein Probebetrieb

aufgenommen werden.

Die zwischenzeitlich eingetretenen investiven

und gesellschaftlichen Effekte sind

zahlreich. Exemplarisch sei die Entwicklung

des Vereinslebens genannt. Seit 2008 haben

sich sieben neue Vereine gegründet, so zum

Beispiel der Förderverein Kinderbetreuung

Königin Luise und der Reha-Sport-Verein.

Das Beispiel Bad Alexandersbad zeigt: Wenn

eine Gemeinde in die Energiewende Energie

steckt, wird sie Energie ernten. Peter Berek

DER AUTOR

Peter Berek ist Erster Bürgermeister der Gemeinde

Bad Alexandersbad und Geschäftsführer der

Kurbetriebe (peter.berek@badalexandersbad.de)

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Bad Alexandersbad im oberfränkischen Kreis

Wunsiedel (Bayern) entwickelte sich nach der

Entdeckung einer Heilquelle im Jahr 1734 auf

der Gemeindegemarkung zu einem Kurort mit

dem höchsten Prädikat „Heilbad“. Der Ort ist

mit annähernd 980 Einwohnern gleichzeitig

auch kleinstes Heilbad des Freistaates (2015:

55 000 Übernachtungen). Die Wirtschaftsstruktur

der Kommune wird geprägt durch den

Kurbetrieb und Tourismus, wenige kleine

Gewerbebetriebe und drei deutschlandweit

bedeutende Bildungsträger. Entwicklungsperspektiven

ergeben sich unter anderem im

Gesundheitstourismus. Das Haushaltsvolumen

2016 liegt bei 2,9 Millionen Euro (zuzüglich

Kurbetrieb 1,9 Mio. Euro), die Pro-Kopf-

Verschuldung beträgt rund 2400 Euro.

Energie gehört zu den Begriffen, die in

Heilbädern und Kurorten häufig bedient

werden: Energie tanken, Energie-

Gesundheitswoche, Lebensenergie. Beliebig

fortsetzbar wäre die Reihe – und doch träfe

sie nur einen Teilaspekt der Energie, die in

Bad Alexandersbad seit 2008 den Takt angibt.

Im Jahr 2003 schien der Kurort in seiner

Funktion als Heilbad vor dem Aus zu stehen.

Seine Lage in Nordostbayern, einem der

strukturschwächsten Räume des Freistaates,

sowie die Auswirkungen von Gesundheitsreformen

führten zum Niedergang des Kurwesens.

Private und kirchliche Leistungserbringer

zogen sich zurück und überließen die mit

dem Prädikat „Heilbad“ verbundenen Aufgaben

vollends der Gemeinde. Die Folgen waren

zahlreich: Weniger Kuren und Übernachtungen,

keine Arzt- und Apothekennachfolge,

geschlossene Hotels, Gasthäuser und Läden,

weniger Ehrenamt, wankende Vereine, Verfall

der Grundstückswerte.

Das Jahr 2008 brachte die Wende. Nachdem

die Talsohle durchschritten war, regten

sich in Bürgerschaft und Politik neue „Energien“.

Mit einer breiten Bürgerbeteiligung

gelang es, aus Analysen, zahlreichen Diskussionen

und mit fachlicher Begleitung einen

Masterplan zu schmieden. Dieser dient in

fortgeschriebener Form bis heute als Grundlage

des gemeindlichen Tuns.

Eine wesentliche Erkenntnis führte zur

Geburt des Bioenergie-Heilbads: Ein Heilbad

steht für (Lebens-)Energie, benötigt für den

22 MISSION 2030

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MISSION 2030 23


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

DIE AUTOREN

Marcel Philipp ist Oberbürgermeister der Stadt

Aachen (oberbuergermeister@mail.aachen.de),

Dr. Peter Asmuth ist Vorstand der Stadtwerke

Aachen (eva.wussing@stawag.de)

DAS GANZE SYSTEM

IM BLICK

Interessierte Konferenzteilnehmer: Die in Aachen gewonnenen Erfahrungen mit einem Smart Grid sind

für alle Interessierten zugänglich und können bei deren eigener Netzplanung berücksichtigt werden.

Es braucht „intelligente“ Stromverteilnetze, um die Energiewende meistern zu

können. In Aachen wird ein solches Netz, das das Zusammenspiel von

Angebot und Nachfrage ausregelt, aufgebaut und auf seine Tauglichkeit geprüft.

Aus den Erkenntnissen können Energieversorger bundesweit lernen.

Die Energiewende nimmt Fahrt auf, und

immer mehr Solar- und Windanlagen

produzieren Ökostrom. In der Folge

muss das Stromnetz an wind- und sonnenreichen

Tagen große Mengen an elektrischer

Energie aufnehmen. Für die deutschen Energieversorgungsunternehmen

ist das eine echte

Herausforderung, da sich der notwendige

Netzausbau kaum zeitnah realisieren lässt.

Die Gründe sind vielschichtig. Sie reichen von

Bürgerprotesten über langwierige Genehmigungsverfahren

bis hin zu wirtschaftlichen

Aspekten.

Einen Ausweg bieten intelligente Verteilnetze,

die das Zusammenspiel von Stromangebot

und -nachfrage optimal ausregeln

Foto: Stawag

können. Auch stellen sie eine maßgebliche

Schnittstelle dar, da regenerativer Strom überwiegend

dezentral erzeugt und eingespeist

wird. Kommunale Versorgungsunternehmen

haben damit die Chance, eine Vorreiterrolle

bei der Integration von erneuerbaren Energien

in die Netze zu übernehmen.

Das war für die Stadtwerke Aachen

(Stawag) und die Stadt Aachen (Nordhrein-

Westfalen) ein entscheidender Grund, mit einem

Projekt an der Ausschreibung des Bundeswirtschaftsministeriums

„Netze für die

Stromversorgung der Zukunft“ teilzunehmen.

SMART AREA AACHEN

Unter dem Titel „Smart Area Aachen“ wird in

sechs Teilprojekten ein Smart Grid, ein intelligentes

Stromnetz, aufgebaut, betrieben und

erforscht. Dabei ist die Stromversorgung nicht

isoliert zu betrachten, sondern als Systemherausforderung

von Planung, Betrieb und

Instandhaltung einer innovativen Primär-, Sekundär-

und Kommunikationstechnik.

Das Projekt hat ein Volumen von rund

zehn Millionen Euro und wird zu 40 Prozent

mit öffentlichen Mitteln gefördert. Der Start

erfolgte Mitte 2012. Die Stawag koordiniert als

einer von 13 Partnern die einzelnen Maßnahmen.

Nach mittlerweile vier Jahren sind die

Arbeiten nun auf der Zielgerade und lassen

belastbare Aussagen zu.

Im Einzelnen wurden in sechs Teilprojekten

technische Lösungen erarbeitet und in abschließenden

Feldtests auf ihre Leistungsfähigkeit

im Stromnetz von Aachen geprüft. Als

erster Schwerpunkt ist die „Intelligente Ortsnetzstation“

zu nennen. Im Netz der Stawag

integriert, ist sie auf künftige Anforderungen

ausgerichtet und verfügt über eine autonome

Lokalisierung möglicher Fehler. Alle neuen

Funktionen konnten erfolgreich im praktischen

Netzbetrieb umgesetzt werden.

Im Fokus des zweiten Teilprojekts stand

die Entwicklung neuer Regelalgorithmen

24 MISSION 2030

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für regelbare Ortsnetztransformatoren, kurz

„rONTs“, wodurch der Ausbau zusätzlicher

Leitungen vermieden werden kann. Dabei

zeigte sich, dass durch das breite Leistungsspektrum

der Trafos eine optimierte Betriebsführung

im Verteilnetz möglich ist.

Das dritte „Team“ baute mithilfe neuer

Netzwerkkomponenten und Datenmodellen

eine projektübergreifende Kommunikationsinfrastruktur

auf. Sie ist die Voraussetzung

dafür, dass die einzelnen Komponenten zusammenhängend

funktionieren.

Im vierten Teilprojekt wurde ein Verfahren

entwickelt, um den Netzzustand anhand

ausgewählter Messorte genau einzuschätzen

und rechtzeitig Handlungsbedarf zu erkennen.

Hervorzuheben ist, dass die Berechnungsergebnisse

mit den Werten in einem

vollständig mit Messtechnik ausgerüstetem

Netzgebiet verglichen und so Einsparpotenziale

ermittelt werden können.

Das fünfte Projektteam baute darauf auf

und entwickelte ein Tool, um innovative Komponenten

bei der Gestaltung künftiger Netze

zu berücksichtigen. Auf der Basis umfangreicher

Simulationen lassen sich hier konkrete

Vorschläge zur Anpassung bestehender sowie

zur Planung neuer Mittel- und Niederspannungsnetze

ableiten.

Im sechsten „Team“ ging es darum, ein

neues Instandhaltungsverfahren aufzubauen,

bei dem Substanzerhalt und Wirtschaftlichkeit

besser aufeinander abgestimmt sind. Ein

Ansatz, der in bestehenden wie in künftigen

Netzen gleichermaßen deutliche Einsparungen

ermöglicht.

Die bisher ausgewerteten Ergebnisse haben

in der Summe den Nachweis erbracht,

dass die im Netzgebiet der Stawag angewandten

technischen Lösungen funktionieren und

ein störungsfreier Betrieb möglich ist. Jetzt

wird im Rahmen der Feinjustierung die Fehlerortung

in der Spannungsregelung optimiert

und die Instandhaltung ausgewertet.

NUTZWERT FÜR ANDERE VERSORGER

Die Erfahrungen sind für alle Interessierten

zugänglich und können bei deren eigener

Netzplanung berücksichtigt werden. Auch

wenn sie nicht immer unmittelbar übertragbar

sind, stellen sie doch einen Beitrag dar,

um kurzfristig unnötige Kosten und Mehrarbeiten

zu reduzieren – die Voraussetzung

für eine wirtschaftliche Gestaltung zukunftsfähiger

Netze und die Sicherung eines wichtigen

Ertragspfeilers.

Für die Stadt Aachen mit der Technischen

Universität RWTH bedeutet „Smart Area Aachen“

eine weitere Stärkung des energiewirtschaftlichen

Know-hows. Gleichzeitig

wird die Vorreiterrolle beim Aufbau einer

zukunftsfähigen Energieversorgung unterstrichen.

Anspruch ist, bis 2020 jährlich rund 600

Millionen Kilowattstunden in Eigenregie regenerativ

zu erzeugen und damit den gesamten

Aachener Bedarf zu decken.

Aktuell verfügt die Stawag über ein breites

Portfolio unterschiedlichster Anlagen

mit einer Gesamtleistung von mehr als 220

Megawatt. Diese reicht aus, um jährlich 380

Millionen Kilowattstunden zu produzieren.

Die Smart Area Aachen“ wird ihren Beitrag

leisten, künftig weiter steigende Mengen an

regenerativ erzeugtem Strom effizient, wirtschaftlich

und ohne großflächigen Netzausbau

in das Gesamtsystem zu integrieren.

Marcel Philipp / Peter Asmuth

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Wärmeerzeugung bis ins Haus. Projektbezogene

Rohrlängen bedeuten kaum Verbindungsstellen

im Erdreich, kurze Verlegezeiten

und mehr Sicherheit. Geringere Tiefbaukosten

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Verkehrs durch schmalere Gräben und

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AACHEN

Die Stadt Aachen (Nordhrein-Westfalen) hat

rund 250 000 Einwohner und ist mit vier

Hochschulen und 50 000 Studierenden,

darunter die Rheinisch-Westfälische Technische

Hochschule (RWTH), ein bedeutender

Bildungsstandort. Der Dom ist das erste

deutsche Unesco-Weltkulturerbe. Die Stadt

verleiht den Karls- und den Friedenspreis.

Die Stadtwerke Aachen (Stawag) sind Teil der

Energieversorgungs- und Verkehrsgesellschaft

Aachen (EVA), einer 100-prozentigen Tochter der

Stadt. Die Stawag beschäftigte im Geschäftsjahr

2015 in der Sparte Energieversorgung knapp

700 Mitarbeiter und erzielte Umsatzerlöse in

Höhe von 432,5 Millionen Euro.

WEITERE INFORMATIONEN

Umfangreiche Informationen zu dem hier

vorgestellten Projekt sind unter

www.smartarea.de und dort insbesondere im

Fachbericht „Smart Area Aachen“

(> Fachkonferenz > Fachbericht) zu finden.

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MISSION 2030 25


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

DIE BÜRGER REDEN MIT

Energieautark 2050 im „Energieland 2050“ – das ist das große Ziel des Kreises

Steinfurt. Zu dessen Erreichung braucht es den Einsatz der vielen regionalen

Akteure. Im Vordergrund steht der Ausbau der Windkraft. Die Akzeptanz dafür

ist groß – nicht zuletzt ein Verdienst der transparent angelegten Planungen.

Seit 20 Jahren verfolgt der Kreis Steinfurt

als einer der bundesweit aktivsten

Kreise das Ziel der Nachhaltigkeit auf

lokaler Ebene, um gemeinsam mit Kommunen,

Unternehmen und Bürgern die Energiewende

vor Ort zu gestalten, die ländliche

Entwicklung zu fördern und gesteckte Klimaschutzziele

zu erreichen. Seit 1997/98 gibt

es das Agenda-21-Büro, seit 2013 ist dieses

als Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit

direkt dem Landrats-Dezernat zugeordnet.

Das Amt fördert und strukturiert als zentrale

Organisations- und Steuerungseinheit die

Belange einer nachhaltigen Regionalentwicklung

– mithilfe lokaler Akteure.

Erst zwei, heute 18 Mitarbeiter (etwa zur

Hälfte geförderte Stellen) arbeiten im Amt.

Sie betreuen die Netzwerke, verbinden die

Entwicklung des ländlichen Raumes mit dem

Klimaschutz, organisieren Entwicklungsprozesse,

managen Projekte und bieten als

Dienstleister den Kommunen und Netzwerkpartnern

einen umfassenden Service.

Der Kreis Steinfurt versteht sich als „Energieland

2050“, dessen Ziele kommunalpolitisch

auf breiter Ebene mitgetragen werden:

2010 fasste der Kreistag den einstimmigen

Beschluss, das Ziel zu verfolgen, bis 2050

energieautark zu sein. Der Kreis kooperiert

für die Umsetzung dieses Ziels auf vielen Ebenen:

mit den 24 Kreiskommunen, den Unternehmen,

Landwirten, Kammern, Verbänden,

Innungen, Hochschulen, Banken und Sparkassen

und mit vielen Bürgern. Die Netzwerkstrukturen

mit mehr als 750 Unternehmen,

Institutionen, regionalen Hochschulen sowie

engagierten Bürgern bedeuten breite Akzeptanz

und hohe fachliche Expertise.

Als einer von bundesweit 19 Teilnehmern

des Bundesförderprogramms „Masterplan

100 % Klimaschutz“ will der Kreis Steinfurt

modellhaft zeigen, wie mit kommunalen Strategien

bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen

um 95 Prozent gegenüber 1990

reduziert und der Endenergiebedarf um 50

Prozent gesenkt werden kann.

Erklärtes Ziel der Kommunalpolitik war stets,

neben Klimaschutz und Nachhaltigkeit auch

die Vorteile im Bereich regionaler Wertschöpfung,

Beschäftigung und Fachkräftebindung

zu erschließen.

Der Energiemarkt besteht heute aus einem

Netzwerk komplexer Beziehungen, die

es zu berücksichtigen gilt. Die wachsende

Vernetzung innerhalb und außerhalb des

Kreises sowie die zunehmende Geschwindigkeit

von Veränderungen in Markt, Gesellschaft

und Technik kennzeichnen die neuen

Herausforderungen. Im Energieland 2050 soll

die Wirtschaft den gesamten, auch strategischen

Prozess mit Partnern entlang der gesamten

Wertschöpfungskette mitgestalten.

Im Kreis Steinfurt werden jährlich rund

1,47 Milliarden Euro für Energie ausgegeben.

Die regionale Wertschöpfung lag nach Berechnungen

der heimischen Fachhochschule

2010 bei etwa zehn Prozent. Ziel bis 2050 ist

es, 100 Prozent regionale Wertschöpfung zu

erreichen. Seit 2010 arbeiten rund 50 regionale

Unternehmen, Banken und Hochschulen

im „Unternehmernetzwerk Energieland 2050“

in festen Organisationsstrukturen (Lenkungsausschuss,

Netzwerktreffen, Arbeitsgruppen)

zusammen.

Das Besondere: Die Unternehmen sehen

so große Vorteile in diesem regionalen Prozess

und dem Netzwerk, dass sie dieses mit

jährlichen Beiträgen unterstützen. Jährlich

können über 60 000 Euro für Projekte und

Maßnahmen eingesetzt werden, die sowohl

den unternehmerischen Interessen als auch

der Region zugutekommen.

energieerlasses NRW entwickelt. Die Ergebnisse

wurden dann als „Wind-Atlas“ den

Kommunen als Planungshilfe zur Verfügung

gestellt. Grün dargestellte Flächen weisen

nach erster naturschutzfachlicher Einschätzung

auf ein geringes Planungs- und Investitionsrisiko

hin. Gelb ausgewiesene Flächen

beschreiben ein mittleres Risiko, während bei

roten Flächen davon auszugehen ist, dass die

Möglichkeit, einen Windpark zu realisieren,

als sehr gering einzustufen ist.

LEITLINIEN FÜR BÜRGERWINDPARKS

Die Projektträger von Windparks müssen Akzeptanz

bei der Bevölkerung schaffen, denn

die Windenergie verändert das Lebensumfeld

der Menschen. Nachbarn der geplanten

Anlagen, Naturschützer, Politiker, Behörden

und alle anderen Bürger sollten so frühzeitig

wie möglich in die Planungen mit eingezogen

werden. So können bei Konflikten gemeinsam

tragfähige Lösungen erarbeitet werden. Der

Kreis Steinfurt hat im Jahr 2011 „Leitlinien

für Bürgerwindparks“ erarbeitet und in der

Bürgermeisterkonferenz als „weiches Steuerungsinstrument“

verabschiedet.

Die Leitlinien sehen unter anderem vor,

alle Gruppen im Umfeld (Grundeigentümer,

Anwohner, Landwirte, Bürger, Gemeinden,

kommunale Einrichtungen) am Projekt zu beteiligen.

Nicht direkt profitierende Flächeneigentümer,

Anwohner und sonstige Betroffene

sollen fair beteiligt werden. Eine direkte finanzielle

Bürgerbeteiligung soll sichergestellt

werden, die Mindestbeteiligung beträgt nur

1000 Euro. Die Stadtwerke sollen als Vermarktungspartner

einbezogen werden.

Dass die Leitlinien im Kreis angewendet werden,

zeigt sich an der zahlenmäßigen Entwicklung

der Bürgerwindparks. Seit 2010 hat

diese sich verdreifacht und bis 2018 werden

noch 15 neue Parks auf der Grundlage dieser

Leitlinie entstehen.

Die Servicestelle Windenergie wurde im

Jahr 2012 eingerichtet. Sie soll den Windenergieausbau

im Kreis Steinfurt begleiten und

zur Akzeptanzschaffung beitragen. Mit der

Organisation des Runden Tisches Windenergie

schafft die Servicestelle einen Interessensausgleich

zwischen den unterschiedlichen

Akteuren. Bürger können über die Servicestelle

jederzeit Fragen und Wünsche an den

Runden Tisch einbringen. Zur besseren internen

Abstimmung zwischen den Ämtern hat

die Kreisverwaltung außerdem einen verwaltungsinternen,

ämterübergreifenden Arbeitskreis

„Erneuerbare Energien/Windenergie“

eingerichtet.

Die Akzeptanz für Windenergie in der

Region ist hoch. Die installierte Leistung

steigt bis 2018 voraussichtlich auf insgesamt

573 Megawatt Windenergieleistung. Im Kreis

Steinfurt wird sich dadurch der bilanzielle Deckungsgrad

im Stromsektor in den nächsten

zwei Jahren auf 70 Prozent erhöhen. Die zu

erwartenden Gesamtinvestitionen im Zeitraum

2014 bis 2018 betragen mehr als 500

Millionen Euro.

Der Kreis Steinfurt kann auf beeindruckende

Erfolge seiner Vorgehensweise verweisen.

Es gibt deutlich weniger Konflikte um

die Errichtung neuer Windenergieanlagen als

in vergleichbaren Regionen. Es existiert derzeit

keine aktive Bürgerinitiative gegen Windkraft.

Ulrich Ahlke

KREIS STEINFURT

Der Kreis Steinfurt, das „Energieland 2050“, ist mit

fast 1800 Quadratkilometern der zweitgrößte Kreis

in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 434 000

Einwohner leben in 24 Städten und Gemeinden.

Eine gesunde Wirtschaftsstruktur, vielfältige

Freizeitmöglichkeiten, eine breite Schullandschaft

und günstige Verkehrsanbindungen zeichnen die

Region aus. Der Kreis Steinfurt hat eine der

niedrigsten Arbeitslosenquoten im Bundesland, im

Juni 2016 lag sie bei 4,6 Prozent. Starke Branchen

sind die Logistik, der Maschinen- und Fahrzeugbau,

das Ernährungsgewerbe, die Kunststoff- sowie die

Textil- und Bekleidungsindustrie.

DER AUTOR

Ulrich Ahlke ist Leiter des Amtes für Klimaschutz

und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt in

Nordrhein-Westfalen (ulrich.ahlke@kreis-steinfurt.de)

MASTERPLAN WIND

Eindeutige Ziele: Das Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit des Kreises Steinfurt fördert und

strukturiert die Belange einer nachhaltigen Regionalentwicklung.

Foto: Kreis Steinfurt

Alle Untersuchungen zeigten, dass das hochgesteckte

Ziel einer bilanziellen Energieautarkie

nicht ohne den Ausbau der Windenergie

zu erreichen ist. Aus diesem Grund wurde der

Masterplan Wind mit den Bausteinen Windpotenzialerhebung,

Entwicklung von Leitlinien

für Bürgerwind und Einrichtung einer

Windservicestelle entworfen und umgesetzt.

Der Kreis Steinfurt ermittelte im Jahr 2011

die Ausbaupotenziale für Windkraft im Kreisgebiet.

Basis für die Studie waren Schutzgüter

wie Häuser, Straßen und Naturschutzgebiete

samt der um sie gelegten Schutzabstände.

Diese wurden zusammen mit Experten und

aufbauend auf den Forderungen des Wind-

MEHR ALS

NUR FASSADE

26 MISSION 2030

MISSION 20 Jahre 2030 maßgeschneiderte Photovoltaik

27

zur architektonischen Gebäudeintegration


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

ZAW DONAU-WALD

Der Zweckverband Abfallwirtschaft

Donau-Wald (ZAW) ist der öffentlich-rechtliche

Entsorgungsträger in den vier Landkreisen

Deggendorf, Regen, Freyung-Grafenau, Passau

und der Stadt Passau. Das Gebiet umfasst

4500 Quadratkilometer mit 114 Städten,

Märkten und Gemeinden sowie rund 505 000

Einwohnern und 220 000 Haushalten. Für die

größten Abfallfraktionen im Haushalt stellt

der Zweckverband drei Tonnen zur Verfügung:

Restmülltonne, Papiertonne und Biotonne. Der

Anschlussgrad an die Biotonne beträgt 85

Prozent. Im Bringsystem betreibt der ZAW mit

seinen Tochterunternehmen AWG Donau-Wald

und BBG Donau-Wald 109 Recyclinghöfe und

Recyclingzentren mit Problemabfallerfassung,

zwei Deponien, zwei Vergärungsanlagen, elf

Grüngutannahmestellen, sieben Kompostieranlagen

sowie Wertstoffinseln für Glas und

Dosenschrott in den Wohngebieten.

BBG DONAU-WALD

Das Kommunalunternehmen BBG Donau-Wald

wurde 1996 als 100-prozentiges Tochterunternehmen

des ZAW Donau-Wald gegründet mit

dem Autrag, Bioabfälle und Grüngut zu behandeln

sowie Kompost herzustellen. Insgesamt

werden jährlich über 100 000 Tonnen in den

Vergärungs- und Kompostieranlagen verarbeitet

und rund 60 000 Kubikmeter organische

Dünger (Kompost und Flüssigdünger), 15 000

Megawattstunden (MWh) Strom und eine fast

ebenso große Menge an Nahwärme produziert.

DER AUTOR

Christian Pietruska ist Werkleiter der BBG Donau-

Wald mit Sitz in Außernzell (www.bbg-bayern.de)

Grüngutvergärungsanlage Regen: Im Gegensatz zur aeroben Kompostierung von Grüngutabfällen

ermöglicht die Vergärung zunächst eine energetische Verwertung dieser Abfälle für die Strom- und

Wärmeversorgung in kommunalen und privaten Einrichtungen.

STROM UND WÄRME

AUS DEM GARTEN

Die Vergärung von Grüngut ist für den Zweckverband Abfallwirtschaft Donau-

Wald (ZAW) eine sinnvolle Ergänzung der kommunalen Energieversorgung.

Die Neuerrichtung solcher Anlagen muss aufgrund geänderter gesetzlicher

Rahmenbedingungen detailliert auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden.

Das Kommunalunternehmen BBG Donau-Wald

für die Behandlung von Bioabfall

und Grüngut betreibt seit Ende

2007 in Regen im Bayerischen Wald eine Anlage

zur Vergärung von Grüngut aus privaten

Haushalten sowie aus kommunalen und gewerblichen

Unternehmen. Im Gegensatz zur

aeroben Kompostierung von Grüngutabfällen

ermöglicht die Vergärung zunächst eine energetische

Verwertung dieser Abfälle für die

Strom- und Wärmeversorgung in kommunalen

und privaten Einrichtungen, bevor der

entstandene Gärrest für die Komposterzeugung

verwendet werden kann.

Grundsätzlich stehen für die Vergärung

von Biomasse und damit auch von Grüngutabfällen

mehrere Verfahren zur Verfügung.

So gibt es die kontinuierlichen Verfahren wie

die Nassfermentation mit einem Trockensubstanz

(TS)-Gehalt von unter 15 Prozent und

die Trockenfermentation bei der der TS-Gehalt

zwischen 20 und 30 Prozent liegt. Daneben ist

noch ein diskontinuierliches Verfahren, das

Perkolationsverfahren mit sogenannten „Garagenfermentern“

gebräuchlich. Hier liegt der

TS-Gehalt des Gärgutes zwischen 30 und 40

Prozent.

Bei der im Dezember 2007 in Betrieb gegangenen

Grüngutvergärungsanlage in Regen

handelt es sich um ein kontinuierliches

Pfropfenstrom-Trockenfermentationsverfahren.

Die Vergärung findet im thermophilen

Bereich bei etwa 55 Grad Celsius durch wärmeliebende

Bakterien statt. Die durchschnitt-

Foto: BBG Donau Wald

liche Verweilzeit des Substrates im Fermenter

beträgt zwölf Tage. Das ausgetragene Gärsubstrat

wird in Pressen entwässert und in einen

festen und flüssigen Gärrest getrennt.

Ursprünglich wurden in dieser Anlage

jährlich 14 000 Tonnen (Megagramm, Mg)

aufbereitetes, gehäckseltes Grüngut verarbeitet.

Um einen wirtschaftlichen Gasertrag

pro Mg Input zu erreichen, wurden zusätzlich

4000 Mg nachwachsender Rohstoffe

wie Maissilage und Triticale dazu gemischt.

Damit wurde der geplante Gesamtdurchsatz

der Anlage von 18 000 Mg/a erreicht. Durch

die stark gestiegenen Preise ist der Anteil an

nachwachsenden Rohstoffen mittlerweile auf

1500 bis 2000 Megagramm pro Jahr (Mg/a)

abgesenkt worden. Gleichzeitig wurde der

Grüngutanteil beim Durchsatz in der Vergärungsanlage

auf 16 500 Mg/a erhöht, wodurch

eine weitere Entlastung der Kompostieranlagen

erreicht werden konnte.

Um ganzjährig einen kontinuierlichen

Durchsatz durch die Anlage zu gewährleisten,

werden in den Sommermonaten bis zu 5500

Mg gehäckseltes Grüngut und Grasschnitt in

Fahrsilos einsiliert. Mit diesen Mengen kann

in den Wintermonaten die Vergärung und

damit auch die Energieerzeugung aufrechterhalten

werden.

Die Anlage besteht im Wesentlichen

aus Lagereinrichtungen für Grüngut und

Biomasse (Silos und Lagerhalle), aus einer

Aufgabe- und Mischereinrichtung mit vorgeschaltetem

Zwischenspeicher zur Sicherstellung

des Nacht- und Wochenendbetriebes,

einem 1290 Kubikmeter fassenden Fermenter

mit 3000 Kubikmeter Flüssiggärrestspeicher

sowie einem Zwölf-Zylinder-Blockheizkraftwerk

(620 kW el.) zur Verwertung des Biogases

mit Sicherheitseinrichtungen.

Aus den 18 000 Mg Inputmaterial fällt pro

Jahr bis zu 11 000 Mg fester Gärrest (TS-Gehalt

45 %) an, der zum Teil direkt als Frischkompost

in die landwirtschaftliche Verwertung

geht oder in Grüngutkompostieranlagen

zu Qualitätskompost weiterverarbeitet wird.

Daneben wird jährlich noch eine Menge von

etwa 6000 Kubikmeter flüssigen Gärresten

erzeugt, die ausschließlich landwirtschaftlich

verwertet werden.

FÜNF MILLIONEN EURO INVESTIERT

Die Stromproduktion betrug in den Anfangsjahren

rund vier Millionen Killowattstunden

pro Jahr (kWh/a) bei einem Einsatz von 4000

Mg nachwachsenden Rohstoffen pro Jahr. Seit

dem Absenken dieses kostenintensiven Anteils

auf nur noch rund 1500 Mg/a sank die

Stromproduktion auf aktuell etwa 3,5 Millionen

kWh, was sich aufgrund der eingesparten

Rohstoffpreise wirtschaftlich rechnet. Der verhältnismäßig

geringe Energierückgang wurde

durch Optimierungsmaßnahmen erreicht. Der

Anteil an ausgekoppelter Wärme entspricht

bei dem eingesetzten Blockheizkraftwerk

(BHKW) in etwa derselben Größenordnung

wie bei der Stromproduktion.

Mit der Abwärme werden auf dem Standort

verschiedene Anlagen und Gebäude eines

Recyclingzentrums über ein Nahwärmenetz

beheizt und Warmwasser erzeugt. Daneben

wird mit der Abwärme ein etwa ein Kilometer

entfernter privater Gebäudekomplex

(Pension, Gasthaus, Hotel mit Hallenbad)

versorgt. Allein für die benötigte Heizung

und Warmwassererzeugung der Gebäude liefert

das BHKW eine Wärmemenge von rund

2,1 Millionen kWh/a. Dies entspricht einem

Heizöläquivalent von etwa 210 000 Litern.

Die restliche Abwärme aus dem BHKW wird

überwiegend für die Beheizung des Fermenters

benötigt.

Die Investitionen für die komplette Anlage

betrugen rund fünf Millionen Euro. Die Vergütung

der Grüngutvergärungsanlage in Regen

errechnet sich noch nach dem Erneuerbare-

Energien-Gesetz (EEG) von 2009 und beträgt

inklusive aller Boni (Kraft-Wärme-Kopplung-,

Formaldehyd-, Nachwachsende-Rohstoffe-,

Landschaftspflege- und Technologiebonus)

annähernd 24 ct/kWh eingespeister Energie.

Bei 3,5 Millionen kWh erzeugter elektrischer

Energie liegt die jährliche Gesamtvergütung

somit bei über 800000 Euro. Hinzu kommen

Kosteneinsparungen bei der Wärmerzeugung.

Allerdings sind auch die Aufwendungen

für Abschreibungen, Energieverbrauch, Einkauf

nachwachsender Rohstoffe, Wartung,

Unterhalt und Personal bei einer Vergärungsanlage

wesentlich höher als bei einer konventionellen

Grüngutkompostieranlage. Allein

beim Energieverbrauch (Strombezug, Diesel)

liegen die Kosten einer mit Regen vergleichbaren

Vergärungsanlage um das Fünf- bis Sechsfache

über denen einer Kompostieranlage.

Spätestens mit dem EEG 2017 dürfte

der Neubau und Betrieb einer Grüngutvergärungsanlage

wirtschaftlich kaum mehr

möglich sein. Durch die bereits jetzt schon

weggefallenen Boni und der neuen Vergütungsstruktur

ist eine Volleinspeisung nach

EEG-Vergütungssätzen wie bei der Anlage in

Regen jedenfalls nicht zu verwirklichen. Aufgrund

der derzeit niedrigen Preise für fossile

Energieträger hat auch eine verstärkte Abwärmenutzung

einen geringeren Einfluss auf die

Wirtschaftlichkeit.

Darüber hinaus verursachen strengere

Auflagen und notwendige Einrichtungen

wie Abdeckung von Flüssiggärrestbehältern,

Gasspeicher oder eine Anlagenumwallung

höhere Investitionskosten. Auch die Ausbringung

von Flüssiggärresten auf landwirtschaftlichen

Flächen führt aufgrund eines zumindest

regional vorhandenen Überangebotes

sowie strengeren gesetzlichen Anforderungen

zu immer höheren Betriebskosten.


Christian Pietruska

DER AUTOR

Christian Pietruska ist Werkleiter des

Kommunalunternehmens BBG Donau-Wald mit Sitz

in Außernzell (christian.pietruska@awg.de)

28 MISSION 2030

MISSION 2030 29


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

E-Taxi für die Stadt:

Das Projekt Adaptive

City Mobility verfolgt

das Ziel, Elektromobilität

ressourcenschonend

zu gestalten

und wettbewerbsfähig

zu machen.

DIE ALTEN PFADE VERLASSEN

Der zukunftssichere Umbau der Energieversorgung wird ohne die

„Verkehrswende“ nicht gelingen. Hier sind andere Konzepte und Angebote als

die bisher bekannten gefragt. Das Zusammenspiel von Energie,

Stadt und Bedürfnissen der Bürger muss vollkommen neu gedacht werden.

Energie und Mobilität gehören zusammen.

Doch während sich die Energiewende

etabliert hat, führt die Verkehrsoder

auch Mobilitätswende ein noch eher

stiefmütterliches Dasein. Und dies, obwohl

rund ein Viertel bis ein Drittel des Energieverbrauchs

auf den Verkehrssektor zurückzuführen

ist. Tendenz steigend – trotz vieler

technologischer Entwicklungen.

Einen Hoffnungsschimmer bietet nun die

Elektromobilität. Doch einfach nur konventionelle

Antriebe durch Elektromotoren zu ersetzen,

wäre viel zu kurz gedacht. Gefordert

sind neue Konzepte und Angebote, die die alten

Pfade verlassen und Mobilität im Zusammenspiel

von Energie, Stadt und den Bedürfnissen

der Bürger neu denken. Einen solchen

neuen Weg verfolgt das Projekt Adaptive City

Mobility, kurz ACM oder auch „CITY eTAXI“.

Im Zentrum steht die Entwicklung eines emissionsfreien

Gesamtsystems für elektromobile

Anwendungen in Kommunen. Das Ziel: Elektromobilität

auf vier Rädern möglichst kostengünstig

machen und Pkw-Dichten in Städten

reduzieren. Ermöglicht werden soll dies

durch drei technologische Innovationen, die

die Basis für das Forschungsprojekt bilden:

1 E-Mobility light: Bei der Entwicklung des

Projekts stand stets die Frage im Vordergrund,

wie sich Elektromobilität auf vier

dern so einfach und reduziert wie möglich

umsetzen lässt. Resultat ist ein völlig

neues Fahrzeugkonzept, das sich explizit

als Gegenpol zu den heutigen Trends der

Automobilindustrie versteht. Statt ein weiteres

Pkw-Modell mit zwei Tonnen Gewicht

und allerlei Luxusausstattungen auf die

Straße zu schicken, wiegt das Projektfahrzeug

keine 500 Kilogramm und fällt damit

in die neue Fahrzeugklasse der L7E. Das

Design folgt klar dem Grundgedanken der

Funktionalität „Form follows Function“.

2 Manuelles Akkuwechselsystem und erneuerbare

Energien: Zwei Hauptfaktoren stehen

gegenwärtig einer weiteren Verbreitung

von Elektrofahrzeugen entgegen. Das sind

zum einen die noch hohen Anschaffungskosten

für Elektrofahrzeuge auf dem Markt,

zum anderen die noch geringere Reichweite

von E-Pkw im Vergleich zu Fahrzeugen

mit Verbrennungsmotor. Wenngleich die

Reichweitenangst meist unbegründet ist,

so gibt es doch bestimmte Anwendungsbereiche,

in denen tatsächlich 300 Kilometer

und mehr am Tag zum Alltag gehören, so

zum Beispiel im Taxiverkehr. Ein elementarer

Bestandteil des Gesamtsystems von

ACM ist daher die Option des manuellen

Batteriewechsels mit Akkus gespeist aus

erneuerbaren Energien. Zugleich wird es

damit möglich, die Auslastung auch von

Eelektrofahrzeugen zu optimieren. Sie sollen

„fahren statt laden“. Der Verkehrsraum

in Städten ist ein kostbares Gut, der nicht

als toter Park- oder Laderaum missbraucht

werden darf.

3 Intelligente Vernetzung der E-Flotte durch

Echtzeitdaten: Die Grundidee des Projekts

Adaptive City Mobility besteht darin, dass

die Fahrzeuge Teil einer Flotte im Stadtgebiet

sind. Ihr Einsatz wird durch die

Integration moderner Informations- und

Foto: Naumann-Design

Kommunikationstechnologien (IKT) gesteuert.

Das bietet die Gewähr für die

optimale Effizienz der Fahrzeugnutzung.

Dabei sind alle Einheiten von Fahrzeug,

Akkuwechselstationen, End-User-Apps

und Bedienungssoftware miteinander

vernetzt und fließen auf der Operatorplattform

zusammen. Im Zusammenspiel

mit dem Batteriewechselsystem erlaubt

der neuartige Sharing-Ansatz, die Fahrzeuge

unterschiedlichen Nutzergruppen

zur Verfügung zu stellen und in verschiedenen

Anwendungs-Modi unterwegs zu

sein. So ist das Fahrzeug mal „eTAXI“,

mal „eSHARE“ oder auch „eTOURI“ und

steht sowohl zu Zwecken der Personenbeförderung

als auch des Warentransports

bereit.

Die intelligente Vernetzung ist wesentlicher

Bestandteil des Geschäftsmodells, in dem

durch die Zuschaltung von Werbeinhalten

die Kosten der Nutzung weiter reduziert

werden können. Im Kern steht „Mobility

as a Service“, ganz im neuen Zeitgeist von

Nutzen statt Besitzen.

Besonders großes Potenzial besteht dabei

in gewerblichen Anwendungen, deren

Nutzungszeiten sowie Streckenprofile bekannt

sind und die regelmäßig hohe Fahrleistungen

erreichen. Dazu zählen nicht nur

der Güterverkehr mit Logistik- und Kurierdiensten

oder auch Werkverkehre, sondern

auch der Service- und Dienstleistungsverkehr

durch Handwerker, Pflege- und Sozialdienste,

Wach- und Sicherheitsdienste und

natürlich Taxi- und Chauffeurdienste sowie

der Geschäftsverkehr und Einsatz in kommunalen

Flotten.

VISION FÜR DIE ELEKTROMOBILE ZUKUNFT

Mit den dargestellten technologischen Entwicklungen

und vielfältigen Anwendungsszenarien

hat sich das Forschungsprojekt

ambitionierte Ziele gesetzt. In Anbetracht

der heutigen Entwicklungen ist es jedoch

unumgänglich, neue Wege zu beschreiten.

Dabei ist die Reduktion von Schadstoffemissionen

nur ein wesentlicher Punkt, den

Kommunen konsequent verfolgen müssen.

Die großen Städte werden weiter wachsen,

der Kampf um Ressourcen wie Platz

und Raum wird immer härter. Ein Weiter so

ist nicht mehr möglich. Der Verkehr der Zukunft

muss anders aussehen als heute. Nicht

nur die Antriebe von Fahrzeugen müssen

heute umweltfreundlich sein, sondern im

Ganzen ist ein neues System erforderlich,

in dem Mobilität als öffentlich zugängliches

Gut geteilt wird und die verschiedenen Verkehrsträger

intermodal vernetzt sind.

Das Projekt ACM bietet hier eine neue

Lösung für ein spezifisches Nischensegment

– nicht Auto und nicht Rikscha, sondern

ein Leichtelektromobil als Teil einer

Businessflotte im Sharing-Modus. Getestet

wird dieses System erstmals im Rahmen eines

Feldversuchs mit acht Pilotfahrzeugen

in München.

Damit es jedoch nicht beim reinen

Experiment bleibt, müssen langfristig die

Rahmenbedingungen auf politischer und

gesetzlicher Ebene geändert und an die Anforderungen

angepasst werden. Dies ist ein

weiteres Ziel des Projekts: Die Demonstration

eines möglichen neuen Entwicklungspfads,

um festgefahrene Denk- und auch

Rechtsschienen aufzubrechen und den Weg

für Neues zu öffnen!

FÖRDERUNG UND PARTNER

Das Forschungsprojekt wurde im Sommer

2015 aufgrund seiner Ziele, Elektromobilität

ressourcenschonend und umweltfreundlich

zu gestalten und zugleich wettbewerbsfähig

zu machen, zum Leuchtturmprojekt der

Bundesregierung ernannt. Es wird gefördert

vom Bundesministerium für Wirtschaft und

Energie. Zu den Partnern des Projekts zählen

unter anderem der Softwarehersteller

Ametras rentconcept, das Batteriemontagezentrum

BMZ, das Fraunhofer-Institut für

Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik

(ESK), das Beratungsunternehmen

Green City Projekt, die RWTH Aachen

mit ihrem auf die Erforschung der Elektromobilität

spezialisierten Institut PEM und

Siemens.

Zur Entwicklung beigetragen haben zudem

eine Reihe von Fachleuten, darunter

Peter Naumann, Fahrzeugdesigner von der

Hochschule München, Achim Kampker,

Produktionsexperte im Bereich der Elektromobilität,

und Paul Leibold als Initiator und

Macher des Projekts. Jessica Le Bris

DIE AUTORIN

Dr. Jessica Le Bris ist Projektleiterin Feldtest

bei dem auf Beratung in den Bereichen

Mobilität, Energie und Klimaschutz

spezialisierten Unternehmen Green City Projekt

in München (le-bris@greencity-projekt.de)

So einfach kann

gutes Licht sein

selux.com

30 MISSION 2030

MISSION 2030 31


ENERGIEWENDE-PRAXIS

ENERGIEWENDE-PRAXIS

HEIDELBERG

Heidelberg (Baden-Württemberg) zählt rund

150 000 Einwohner und ist von der

Altersstruktur seiner Bevölkerung her eine junge

Stadt. Etwa 39 Prozent der Einwohner sind

jünger als 30 Jahre, knapp 17 Prozent älter als

65. Mit einem Ausländeranteil von 17 Prozent

ist Heidelberg geprägt von Internationalität und

Weltoffenheit. Die Stadt bietet Arbeitsplätze für

rund 115 000 Erwerbstätige, wovon 84 Prozent

im Dienstleistungssektor beschäftigt sind. 71

Prozent der 82 000 sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten arbeiten im wissensintensiven

Dienstleistungsbereich. Die Universität

Heidelberg ist mit dem Universitätsklinikum der

größte Arbeitgeber Heidelbergs mit rund 14 000

hauptberuflich Beschäftigten. International

renommierte Forschungseinrichtungen wie das

Europäische Laboratorium für Molekulare

Biologie (EMBL) und das Krebsforschungszentrum

(DKFZ) haben in Heidelberg ihren Standort.

80 Kilometer südlich von Frankfurt und 120

Kilometer nordwestlich von der Landeshauptstadt

Stuttgart gelegen, ist Heidelberg neben

Mannheim und Ludwigshafen eines der drei

Oberzentren in der Metropolregion Rhein-Neckar.

Jährlich besuchen etwa 11,9 Millionen Gäste

das internationale Reiseziel Heidelberg.

MIT ZUKUNFT GUT

VERSORGT

Das Stadtviertel Heidelberg-Bahnstadt zeigt, wie eine Stadt moderne Effizienztechnologien

zum Nutzen der Bewohner bestmöglich kombinieren kann. Ein

Beispiel ist die ausgezeichnete Beleuchtung: Intelligente LED-Systeme bieten

Licht nach Bedarf, auf Radwegen reagieren die Leuchten auf Anforderung.

Abenddämmerung im Heidelberger

Quartier „Bahnstadt“: Die Straßenbeleuchtung

passt sich dank ihres

„intelligenten“ Telemanagementsystems

dem Lichtbedarf an.

Foto: Schréder

In zentraler Lage von Heidelberg (Baden-

Württemberg) entsteht auf dem 116 Hektar

großen Gelände eines früheren Güterbahnhofs

ein neuer Stadtteil: Heidelberg-Bahnstadt.

Das Bauprojekt startete im Jahr 2009

und soll bis 2022 abgeschlossen sein. Im Juni

2012 sind die ersten Bewohner in den Stadtteil

eingezogen.

Die Stadt Heidelberg hat sich auf die

Fahne geschrieben, klimaneutral zu wachsen.

Bis zum Jahr 2050 soll der CO 2 -Ausstoß

gegenüber 1990 um 95 Prozent sinken. In der

Bahnstadt gilt daher flächendeckend der deutsche

Passivhausstandard. Damit ist sie eines

der größten Neubaugebiete weltweit, das dieses

Kriterium umsetzt. Die Qualitätsmaßstäbe

für einen nachhaltigen Städtebau gelten auch

für die Versorgungsinfrastruktur der Stadtwerke

Heidelberg: Der restliche Wärmebedarf

im Stadtteil wird durch Wärme aus einem

Holz-Heizkraftwerk gedeckt, Smart Metering

unterstützt die Bewohner, ihren verbleibenden

Energieverbrauch weiter zu senken,

E-Mobilitätsangebote tragen im Verkehrssektor

zur Nachhaltigkeit bei und Fibre to the

Home (FTTH) sichert schnelles Internet.

Ein weiterer Nachhaltigkeits-Baustein

ist die hocheffiziente Straßenbeleuchtung.

Im Jahr 2010 starteten die Stadtwerke Heidelberg

eine europaweite Ausschreibung

für LED-Lichttechnik. Das Unternehmen

Schréder überzeugte. Im Verlauf der Gespräche

zwischen Stadt und Anbieter entschied

man sich dazu, zusätzlich zur LED-Technik

auf ein System zu setzen, das die Lichtleistung

genau an den jeweiligen Bedarf anpasst.

Dazu bietet der Hersteller ein intelligentes

Telemanagementsystem, in dem für jeden

Straßenzug, ob Haupt- oder Nebenstraße,

ein individuelles Dimmprofil programmiert

werden kann. Außerdem ist die Lichtleistung

während unterschiedlicher Tages- oder Nachtzeiten

stufenweise an den Bedarf anpassbar.

Sparen die LED-Lampen im Vergleich zu

den herkömmlichen Halogen-Metalldampflampen

bereits bis zu 60 Prozent Energie ein,

steigert das Steuerungssystem die Energieeinsparung

weiter auf nahezu 80 Prozent. Auch

wenn mehr Licht benötigt wird als sonst,

beispielsweise bei Veranstaltungen, kann die

Lichtleistung reguliert werden.

Die Energieeinsparung führt dazu, dass sich

die Kosten für das neue Beleuchtungssystem

bald amortisieren. Auf der finanziellen Seite

schlagen außerdem die verkürzten Wartungsintervalle

bei der LED-Technik positiv

zu Buche: Klassische Lampen müssen nach

drei bis sechs Jahren ausgetauscht werden,

die Lebensdauer von LED wird auf 15 bis 20

Jahre geschätzt. Auf der ökologischen Seite

freuen die Naturschützer sich darüber, dass

der Nachtraum nicht unnötig aufgehellt wird.

Unterstützt wird dieser insektenschonende

Effekt durch eine Lampenform, die das Licht

bedarfsorientiert nach unten richtet.

AUSGEZEICHNETE KONZEPTE

Auf den Radwegen in der Bahnstadt kommt

das intelligente System „Licht auf Anforderung“

zum Einsatz. In jede Straßenleuchte

entlang der Radwege ist dazu ein Bewegungssensor

eingebaut. Sobald sich ein Radfahrer

nähert, erhöht sich die Beleuchtungsstärke

von zehn auf 100 Prozent. Die Leuchte leitet

ein Funksignal an die Nachbarleuchte weiter;

auch diese erhöht dann ihre Helligkeit leicht.

Kommt der Radfahrer näher, steigt ihre Helligkeit

ebenfalls auf 100 Prozent. Hat er die

Leuchte passiert, wird die Beleuchtungsstärke

wieder reuziert. Das System hat sich so gut

bewährt, dass die Stadtwerke Heidelberg es

seit 2015 auf allen anderen Radwegen der

Stadt einsetzen, bei denen die Beleuchtung

erneuert wird.

Im Dezember 2013 erhielten die Stadtwerke

Heidelberg und der Leuchtenhersteller

im weltweiten Auroralia Award einen Sonderpreis

für diese „herausragende Initiative

nachhaltiger städtischer Beleuchtung“. Beim

Deutschen Green Public Procurement-Award

2016 für umweltfreundliche Beschaffung hat

der kommunale Energieversorger den zweiten

Platz erreicht.

Die Stadtwerke Heidelberg wollen den

eingeschlagenen Weg weitergehen. Auf einer

Konversionsfläche der US-Armee werden sie

eine intelligente Straßenbeleuchtung testen,

die Zusatzleistungen wie Elektro-Ladesäulen,

Umweltsensorik und WLAN anbietet – ein

weiterer Schritt in eine nachhaltige Zukunft

in städtischen Quartieren.

Red.

ZENTRALE INFRASTRUKTUR FÜR

DIE ENERGIEEFFIZIENTE STADT

Der „intelligenten“ Straßenbeleuchtung kommt

in der energieeffizienten Stadt von morgen eine

bedeutende Rolle zu. Nicht nur geht sie selbst

aufgrund fortschrittlicher Technik wirtschaftlich

mit Strom um, sie unterstützt auch in

weiteren Bereichen der Energieanwendung die

Ressourcenschonung.

Schon heute dienen Straßenleuchten als

Ladepunkt für umweltfreundliche Elektrofahrzeuge.

Sie sind damit tragende Elemente einer

Infrastruktur, ohne die ein weiterer Ausbau

der noch in den Startlöchern stehenden

Elektromobilität nicht denkbar ist.

Doch die Entwicklung rund um die vernetzte

Straßenbeleuchtung reicht noch viel weiter.

So können zum Beispiel spezielle Sensoren

an den Leuchtenköpfen freie Parkplätze im

Umfeld erkennen und diese an ein zentrales

Parkraumbewirtschaftungssystem melden. Das

gibt dann wiederum Autofahrern zum Beispiel

per App auf dem Smartphone Hinweise zu

Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe ihres

aktuellen Fahrzeugstandorts. Damit lässt sich

der lästige, umweltschädliche Parkraumsuchverkehr

reduzieren, für den unnötig viel Energie

verbraucht wird.

Ebenso bieten Straßenleuchten die

Möglichkeit, entlang wichtiger Verkehrswege

eine dichte Reihe von Verkehrssensoren zu

installieren, die ständig Informationen zum

Verkehrsfluss erfassen. So wird es möglich,

Staus schon im Entstehen zu erkennen und

über das Verkehrsleitsystem entsprechende

Gegenmaßnahmen zu ergreifen, etwa eine

vorübergehende Geschwindigkeitsbegrenzung

in den Abschnitten vor der überlasteten

Strecke oder das zeitweise Freigeben von

aktuell nicht benötigten Fahrstreifen der

Gegenrichtung, um die Kapazität auf der

Staustrecke zu erhöhen.

Das Profirohr für die Energiewende

32 MISSION 2030

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MISSION 2030 33


FINANZIERUNG

FINANZIERUNG

DAS GELD IST VORHANDEN

Kommunale Unternehmen werden im Zusammenhang mit Energiewendeinvestitionen

künftig stärker bereits aus der Privatwirtschaft bekannte

Finanzierungsinstrumente nutzen müssen. Eine optimale Finanzierungsstruktur

unter Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen ist dabei das Ziel.

• Auch das Schuldscheindarlehen hat in der

jüngeren Vergangenheit häufiger das Interesse

kommunaler Unternehmen geweckt,

wenn größere Volumen zu finanzieren sind.

Aufbau einer Windkraftanlage:

Das historische Zinstief

sorgt dafür, dass

Kapital reichlich vorhanden

ist. Dieses gilt es für die

Investitionen kommunaler

Unternehmen nutzbar zu

machen.

Foto: Thombal/Fotolia

Die Energiewende fordert in den nächsten

Jahren Milliardeninvestitionen.

Viele Markteilnehmer haben heute

schon aus unterschiedlichen Gründen an

Ertragskraft verloren. Der Finanzbedarf der

Markteilnehmer, insbesondere der kommunalen

Unternehmen, entsteht in allen Bereichen.

Im (Verteil-)Netzbereich entsteht Finanzierungsbedarf

durch die Übernahme von

Verteilnetzen, durch EEG-getriebene Erweiterungsinvestitionen,

durch Erneuerungen und

neue Anforderungen an die Netzstruktur

(„Smart Grid“). Wenn auch nicht abschließend

feststeht, welche Erzeugungsalternativen

in welchem Umfang künftig eine Rolle

spielen, werden auch langfristig wieder Investitionen

in hoch effiziente und moderne Gaskraftwerke

erforderlich werden. Das derzeitige

Überangebot an Erzeugungskapazitäten

wird jedenfalls nach dem vollständigen Ausstieg

aus der Atomenergie und der (Braun-)

Kohleverstromung so nicht mehr existieren.

Zusätzlich erfordert der Ausbau der erneuerbaren

Energien weitere Investitionen, die zu

finanzieren sind.

Das historische Zinstief sorgt weiterhin

dafür, dass Kapital reichlich vorhanden ist.

Die Kunst ist es, dieses Kapital für die Finanzierungsbedürfnisse

kommunaler Unternehmen

nutzbar zu machen. Dabei sehen sich

kommunale Unternehmen insbesondere drei

wesentlichen Problemen ausgesetzt:

• Bereits die absolute Höhe der notwendigen

Investitionen überfordert die Leistungsfähigkeit

einzelner Marktteilnehmer. Es

entsteht ein Finanzierungsbedarf, dem das

kommunale Unternehmen so bislang nicht

ausgesetzt war.

• Finanzierungsinstrumente, die sich in der

Vergangenheit hervorragend bewährt haben,

funktionieren aufgrund unsicherer

rechtlicher Rahmenbedingungen nicht

mehr. Exemplarisch können hier Projektfinanzierungen

von fossilen Kraftwerken

genannt werden, die noch vor wenigen

Jahren Standard in der Branche waren.

• Neu hinzugetreten ist der Gedanke, dass

sich die Akzeptanz der Energiewende

durch die Beteiligung von Bürgern steigern

oder überhaupt erst erreichen lässt. Wenn

dies auch vom politischen Ansatz her richtig

sein mag, wirft dies doch die Frage auf,

ob es sich hierbei überhaupt um Finanzierungsinstrumente

handelt. Wenn auch am

Beginn der Überlegungen sicherlich sehr

häufig der Gedanke stehen wird, Akzeptanz

in der Bevölkerung herzustellen, dürfte für

den erheblichen Kapitalbedarf der Energiewende

doch ein Bedürfnis bestehen, effizient

„Bürgergeld“ einzusammeln, um die

eigene Kapitalkraft zu stärken.

Aufgrund der regelmäßig sehr hohen Bonität

der kommunalen Unternehmen und der weiterhin

im Markt nicht zu Unrecht verbreiteten

Annahme, dass im Zweifel Kommunen ihre

kommunalen Unternehmen stützen werden,

stehen den kommunalen Unternehmen viele

Finanzierungsinstrumente zur Verfügung.

• Wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen

des Beilhilfen- und Kommunalrechts

eingehalten werden, ist nach wie vor eine

kommunale Bürgschaft zur Besicherung

von Verbindlichkeiten der kommunalen

Unternehmen ein geeignetes Instrument.

Dass eine solche Bürgschaft abstrakt die

Risikoposition der beteiligten Kommune

erhöht, ist richtig. In vielen Fällen wird

es allerdings so sein, dass die Kommune

auch unabhängig von der Übernahme einer

Bürgschaft für ihr Unternehmen einstehen

will und wird.

• Inhaberschuldverschreibungen bieten für

kommunale Unternehmen ein gutes Instrument,

um eine hohe Akzeptanz in der

Bevölkerung zu erzielen, den Bekanntheitsgrad

des Unternehmens zu steigern und mit

relativ geringem Aufwand Kapital in der

Region einzusammeln. Auch das häufig

anzutreffende Credo der Wertschöpfung in

der Region kann erfüllt werden: Die Zinsen

fließen Bürgern in der Region zu.

• Das durch die Prokon-Pleite zu Unrecht in

Verruf geratene Genussrechtskapital wird

weiterhin als Finanzierungsinstrument

eine Rolle spielen. Der Presse konnte entnommen

werden, dass eine größere Stadt

in Süddeutschland ihr Stadtwerk mit entsprechendem

Genussrechtskapital ausgestattet

hat, um die Kapitalbasis des Stadtwerks

zu stärken.

• Auch börsennotierte Unternehmensanleihen

wären strukturierbar. Ein depotfähiges

Wertpapier dürfte aus Sicht des Bürgers

ideal sein, sich kapitalmäßig an „seinem

Unternehmen vor Ort“ zu beteiligen.

Kommunale Unternehmen werden künftig

stärker gezwungen sein, aus der Privatwirtschaft

bekannte Finanzierungsinstrumente zu

nutzen. Solange die hohe Bonität der kommunalen

Unternehmen und die regelmäßige Bereitschaft

der dahinterstehenden Kommunen,

gegebenenfalls ihr Unternehmen zu stützen,

erhalten bleibt, werden die kommunalen Unternehmen

in der Lage sein, sich zu finanzieren.

Die sinnvolle Kombination verschiedener

Finanzierungsinstrumente zur Erreichung

einer optimalen Finanzierungsstruktur unter

Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen,

die insbesondere aus den einschlägigen

Gemeindeordnungen, dem Beihilferecht und

dem Kapitalanlagerecht erwachsen, ist dabei

die zu lösende und lösbare Aufgabe.

Wolfram von Blumenthal / Thomas Straßer

DIE AUTOREN

Wolfram von Blumenthal (wolfram.von.blumenthal@

bbh-online.de) ist Fachanwalt für Handels- und

Gesellschaftsrecht und Partner bei der Kanzlei

Becker Büttner Held Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer

und Steuerberater in München, Thomas Straßer

(thomas.strasser@bbh-online.de) ist bei Becker

Büttner Held Wirtschaftsprüfer, Steuerberater,

Certified Valuation Analyst und Partner

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MISSION 2030 35


FINANZIERUNG

FINANZIERUNG

DER AUTOR

Dr. Thomas Weiß ist Prokurist der DKC

Kommunalberatung in Düsseldorf

(thomas.weiss@dkc-kommunalberatung.de)

WEG ZUM ERFOLG

Die Umsetzung kommunaler Klimaschutzstrategien ist eine Herausforderung,

schließlich geht es um nachhaltige Lösungen im Spannungsfeld von Haushalt,

Finanzierungsanforderungen, gesetzlicher Vorsorgeverpflichtung und komplexen

technischen und wirtschaftlichen Sachverhalten. Hier können Experten helfen.

Schon alleine wirksamen Klimaschutz

zu betreiben, stellt die Kommunen

vor große Herausforderungen. Hinzu

kommen oftmals noch Maßnahmen zur Beherrschung

von Extremwetterereignissen,

um Schaden von Menschen und Wirtschaftsgütern

abzuwenden. Seit vielen Jahren gibt

es dafür Unterstützung von Bund und Ländern

sowie Ansätze und Initiativen, die in

den kommunalen Klimaschutzkonzepten

zusammengeführt sind. Zahlreiche Städte,

Gemeinden und Kreise setzen ihre Klimaschutzkonzepte

erfolgreich um. Sie erzielen

damit neben ökologischen Vorteilen oft auch

einen ökonomischen Nutzen.

Häufig orientiert sich die Maßnahmenumsetzung

jedoch ausschließlich an finanziellen

Kennwerten. Kostenintensive Maßnahmen,

wie die bauliche Sanierung von Gebäuden

oder eine technische Umrüstung, werden zurückhaltend

angegangen. Viele Kommunen

sind zudem mit den eigenen fachlichen und

Wegweiser: Damit kommunaler

Klimaschutz

nicht in die Sackgasse

gerät, darf sich die Umsetzung

von Maßnahmen

nicht ausschließlich an

finanziellen Kennwerten

orientieren.

personellen Möglichkeiten nicht in der Lage,

den Weg Richtung Klimaschutz konsequent

zu beschreiten.

STANDARD-KONZEPTE HELFEN NICHT WEITER

Experten, die den Kommunen Unterstützung

bei der Bewältigung dieser komplexen Herausforderungen

anbieten, gibt es viele. Wird

die Entscheidung getroffen, sich bei der Weiterentwicklung

und Umsetzung der Klimaschutzstrategien

von einem professionellen

Partner beraten und begleiten zu lassen, sollte

dessen notwendige fachliche Qualifikation

sehr genau geprüft werden – geht es doch um

mehr als nur um die oftmals standardisierte

Erstellung eines kommunalen Klimaschutzkonzeptes.

Ein geeigneter Begleiter kann zu allen

wirtschaftlichen, technischen sowie finanzierungsrelevanten

Aspekten von der

Planung über die Umsetzung bis

hin zur öffentlichkeitswirksamen

Kom-

munika-

Foto: Kamasigns/Fotolia

tion von Klimaschutzmaßnahmen und der

Schadenminimierung umfassende Unterstützung

anbieten. Weiterhin sollte er sich

mit den verfügbaren Fördermöglichkeiten

auskennen, die richtigen Programme für

die jeweils individuellen Anforderungen

auswählen können und zudem antragsberechtigt

sein. Dann ist mit diesem Partner

eine nachhaltige Lösungsentwicklung im

Spannungsfeld von kommunalem Haushalt,

Finanzierungsanforderungen, gesetzlicher

Vorsorgeverpflichtung und komplexen technischen

und wirtschaftlichen Sachverhalten

gewährleistet.

Ein gezielter, aufeinander abgestimmter

Einsatz von Förderinstrumenten ist dabei

der Schlüssel zum Erfolg. Nachfolgend

werden einige ausgewählte Programme

kurz erläutert.

Die Energieberatung – und damit verbunden

die Erstellung eines Sanierungsfahrplans

– wird beispielsweise mit bis zu

80 Prozent der Gesamtkosten gefördert.

Liegt ein solcher Fahrplan vor, verfügt die

Kommune über eine wichtige Grundlage für

die Umsetzung konkreter Klimaschutzmaßnahmen.

ENERGIEBERATUNG FÜR GEBÄUDE

Für das Modul „Förderung der Energieberatung

für ein energetisches Sanierungskonzept

von Nichtwohngebäuden“ der Richtlinie

„Energieberatung und Energieeffizienz-

Netzwerke für Kommunen und gemeinnützige

Organisationen“ des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Energie (BMWi)

sind natürliche und juristische Personen

antragsberechtigt, die als Energieberater tätig

sind und über spezielle Voraussetzungen

verfügen.

Es stehen zwei Formen der Leistungserbringung

zur Auswahl:

• Erstellung eines Sanierungsfahrplans

• Umfassende Sanierung zu einem KfW-

Effizienzhaus 70 beziehungsweise 100

oder einem KfW-Effizienzhaus-Denkmal

Mit der Energieberatung sollen wirtschaftlich

sinnvolle Investitionen in die Energieeffizienz

aufgezeigt und dargestellt werden.

Alternativ wird eine Beratung beim Neubau

für Nichtwohngebäude gefördert.

Weitere Informationen auf der Internetseite

des Bundesamtes für Wirtschaft

und Ausfuhrkontrolle (BAFA): www.bafa.

de/bafa/de/energie/energieberatung_netzwerke_kommunen/index.html

KLIMASCHUTZ-PILOTVORHABEN

Die Umsetzung einer Klimaschutzmaßnahme

aus einem Klimaschutzkonzept

wird durch die „Kommunalrichtlinie“ des

Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz,

Bau und Reaktorsicherheit (BMU)

gefördert. Der Zuschuss von bis zu 200 000

Euro muss durch einen Klimaschutzmanager

beantragt werden.

Gegenstand der Förderung kann beispielsweise

die umfassende energetische

Sanierung eines Gebäudes oder der Austausch

der alten energiefressenden Straßenbeleuchtung

gegen eine moderne energieeffiziente

sein.

Weitere Informationen unter www.klimaschutz.de/de/zielgruppen/kommunen/

foerderung/erweiterte-foerdermoeglichkeiten-der-kommunalrichtlinie

ETABLIERUNG VON EFFIZIENZ-NETZWERKEN

Für das Modul „Förderung von Energieeffizienz-Netzwerken

von Kommunen“ der

Richtlinie „Energieberatung und Energieeffizienz-Netzwerke

für Kommunen und

gemeinnützige Organisationen“ des BMWi

sind alle natürlichen und juristischen Personen

antragsberechtigt, die als Netzwerkmanager

über entsprechende fachliche Kompetenz

verfügen.

Dieses Modul will die Kommunen gewinnen,

Netzwerke einzurichten, aufzubauen

und zu betreiben, in denen Maßnahmen

zur Minderung des Energieverbrauchs

identifiziert werden. Die Netzwerke sollen

zudem die Umsetzung von Einsparprojekten

begleiten.

ENERGIEANALYSE FÜR KLÄRANLAGEN

Für das Modul „Energieanalyse von öffentlichen

Abwasseranlagen“ derselben

Richtlinie des BMWi sind natürliche sowie

juristische Personen antragsberechtigt. Sie

können zur Untersuchung der Abwasseranlagen,

in denen oftmals erhebliche Energie-

und damit Kosteneinsparungspotenziale

stecken, auch besonders qualifizierte

externe Energieberater einbinden. Das Arbeitsblatt

DWA-A 216 „Energiecheck und

Energieanalyse-Instrumente zur Energieoptimierung

von Abwasseranlagen“ der Deutschen

Vereinigung für Wasserwirtschaft,

Abwasser und Abfall ist zu beachten. Alle

anfallenden Beraterkosten sind förderfähig.

Weitere ausführliche Informationen zu

den beiden letztgenannten Modulen finden

sich ebenfalls auf der Website des Bundesamtes

für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

(siehe oben).

Thomas Weiß

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36 MISSION 2030

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MISSION 2030 37


AUSBLICK

ENERGIE VOM MILITÄRGELÄNDE

In Brandenburg wird das Multi-Energie-Kraftwerk Sperenberg (MEKS) geplant.

Das Projekt soll demonstrieren, wie mit erneuerbaren Energien eine wirtschaftliche

und umweltfreundliche Versorgung realisiert werden kann. Darüber hinaus

bieten sich vielfältige Perspektiven für die beteiligten Kommunen.

Ruine eines Towers auf dem Sperenberg-Areal: Das Projekt MEKS ist ein Leitprojekt der Energiewende,

das in Größenordnung und Ausgestaltung bisher einmalig ist.

Die brandenburgischen Gemeinden

Am Mellensee, Nuthe-Urstromtal, Luckenwalde

und Trebbin haben sich

in einer Kommunalen Arbeitsgemeinschaft

(KAG) zusammengefunden, um die Liegenschaft

der ehemaligen Heeresversuchsanstalt

Kummersdorf-Gut südlich von Berlin zu entwickeln.

Die Kommunen wollen die seit 1994

brachliegende, etwa 3500 Hektar große Liegenschaft

nachhaltig wirtschaftlich nutzen.

Sie beabsichtigen die planerischen Voraussetzungen

zu schaffen für die Errichtung des Demonstrations-

und Forschungsprojekts Multi-

Energie-Kraftwerk (MEKS), das die Elemente

Wind, Fotovoltaik, Großelektrolyse, Speicherung

von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien

und Einspeisung in das Gasnetz sowie

bedarfsgerechte Rückverstromung beinhaltet.

Der geplante Standort auf der Fläche der ehemaligen

Heeresversuchsanstalt Kummersdorf-

Gut bietet ideale Voraussetzungen für dieses

Projekt. Die Netzanbindung sowohl an das

Höchstspannungs- als auch an das Verteilnetz,

die Nähe zu einem Netzverknüpfungspunkt

der Deutschen Bahn, die Anbindung

an das Gasnetz und das nahegelegene Gaskraftwerk

Thyrow qualifizieren den Standort.

Die Kommunen haben sich mit Partnern

aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammengefunden,

die über vielfältige Erfahrungen

auf dem Feld der erneuerbaren Energien

und der Wasserstoffwirtschaft verfügen. Das

Konsortium besteht aus Enertrag, GE Renewable

Energy, McPhy Energy Deutschland,

Vattenfall Wind und Vattenfall Innovation

sowie Encon Europe. Unterstützt wird das

Foto: Filipov

Vorhaben von der Brandenburgischen Technischen

Universität Cottbus-Senftenberg und

der Deutschen Umwelthilfe.

Zur planerischen Umsetzung des Projekts

wurde die MEKS-Projektentwicklungsgesellschaft

mit Sitz in der Gemeinde Am Mellensee

gegründet. Die Investoren sind verpflichtet,

die Wasserstoffinfrastruktur zu errichten. Für

die Forschungs- und Entwicklungsarbeit werden

öffentliche Förderungen beantragt. Finanzzuschüsse

seitens der Kommunen sind

nicht vorgesehen.

Die Gemeinden profitieren unter anderem

durch die Stärkung der kommunalen Haushalte

(Ansiedlung von Gewerbe, Steuereinnahmen).

Alle Betriebsgesellschaften werden

in den beteiligten Gemeinden angesiedelt.

Das Image und der Bekanntheitsgrad der Region

sollen gestärkt werden. Das Projekt bietet

die Möglickeit zum Erhalt des Kraftwerkstandorts

Thyrow und leistet einen Beitrag

zum regionalen Natur- und Klimaschutz. Eine

schrittweise Entmunitionierung stellt die Nutzung

und Begehbarkeit der Liegenschaft her.

Perspektivisch ergibt sich der Aufbau einer

Infrastruktur für erneuerbare Mobilität. Das

Projekt befindet sich noch in der Planungsphase.

Mit dem Bau ist zwischen 2020 und

2022 zu rechnen. Gerd Harms

Johannes Kauffmann / Peter Mann

DIE AUTOREN

Dr. Gerd Harms ist Partner bei der Encon Europe

und koordiniert die Zusammenarbeit des Konsortiums

mit der kommunalen Arbeitsgemeinschaft,

Johannes Kauffmann ist Leiter des Bereichs

„Kooperation Projektentwicklung“ der Enertrag und

Geschäftsführer der MEKS-Projektentwicklungsgesellschaft,

Peter Mann ist Stadtplanungsamtsleiter

und stellvertretender Bürgermeister der Stadt

Luckenwalde und Koordinator der kommunalen

Arbeitsgemeinschaft

(p.mann@rathaus.luckenwalde.de)

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IMPRESSUM

MISSION 2030

„Kommunen gestalten

die Energiewende“

edition der gemeinderat

HERAUSGEBER

pVS - pro Verlag und

Service GmbH & Co. KG

GESCHÄFTSFÜHRER

Marcus Baumann,

Tilmann Distelbarth,

Bernd Herzberger

CHEFREDAKTEUR

Wolfram Markus

REDAKTION

Jörg Benzing,

Annika Wieland (Volo.)

MEDIENBERATUNG

Michael Blaser,

Ursula Fantz

VERTRIEB

Natalie Toth

(natalie.toth@pro-vs.de)

LAYOUT & GRAFIK

HSt Medienproduktion

AUSGABE

1. Auflage

September 2016

VERLAGS- UND

REDAKTIONS AN SCHRIFT

pVS - pro Verlag und

Service GmbH & Co. KG

Stauffenbergstraße 18

74523 Schwäbisch Hall

Tel. 0791/95061-0

www.treffpunkt-kommune.de

DRUCK UND

HERSTELLUNG

Möller Druck und Verlag GmbH

16356 Ahrensfelde

Nachdruck und Vervielfältigung

– auch auszugsweise – nur mit

Genehmigung des Verlages.

38 MISSION 2030


Wir sind die Gestalter der

Energiezukunft.

Dezentral, erneuerbar, vernetzt, effizient: So wünschen sich unsere Kunden aus Industrie, Gewerbe und

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der Energie – dabei greifen Infrastruktur, Technik und Dienstleistungen ineinander. Energieeffizienz ist

für uns der Schlüssel, um wirtschaftlich zu handeln und Ressourcen zu schonen.

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